Mittwoch, 24. Jänner 1934 14. Jahrgang Nr. 19 1 i Einzelpreis 70 Heller (einschtiefillch 5 Heller Porto} IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK IRfCHKN MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGL CH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova a. telefon s»n. Administration Telefon 53074. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Dollfuss padrelt mit mtlcr! Habicht war am 8.J8nner In Oesterreich zu endglltlgen Verhandlungen! Der Plan verraten!- Dollfuß kompromittiert- Ein photographierter Brief Wien, 23. Jänner.(Eigenbericht.) Welch gefährliches Doppelspiel die Negierung Dollfuß in Oesterreich treibt, wird nnn erst bekannt, da man erfährt, was in den letzten vierzehn Tagen hinter den Kulissen der österreichischen Politik vorgegangen ist. Die„Z u r i ch r r A r i t« n g", ein durchaus bürgerliches Blatt, weiß in ihrer Sonntagsnummer zu berichten, daß Dollfnß dringliche Versuche gemacht hat, um noch in den allerletzteuTagen ei ne Einigung mit den Nationalso- z i a l i st e n in Berlin znstandezubringen. Diese Versuche seien lediglich daran gescheitert, daß die Nationalsozialisten die Verwaltung des S i ch r r h r i t s r e s s 0 r t v in Oesterreich verlangt haben, so daß dir österreichische Exekutive vollkommen unter den Befehl de» Hitler- FaseiSmns gekommen Ware. Das Züricher Bl att weiß sogar, daß bereits rin ö st e r r e i ch i- scher Staatsmann mit einem maßgeb ende» deutschen Delegierten in einer kleinen Landstadt Niederösterreichs zusammr«treten wollte, um über die Beilegung aller Konflikte zu berate«. Die in der ersten Jäunrrwoche erfolgte Freilassung Frauenfelds finde ihre Erklärung dadurch, daß m an dir geeignete Atmosphäre für diese Verhandlungen schaffen wollte. Nu« erfährt nnser Wiener Korrespondent, daß die Verhandlungen mit D erlin von D 0 ll fn ß bereits im N 0ve m b er ausgenommen wurden. Damals fuhr der österreichische I« st i z m i n i st e r S ch« s ch n i g g nach Berlin, um dort im Auftrage der Regierung Verhandlungen anznknüpfen. Es tvnrde ihm bedeutet, daß Hitler eine Prestige-Frage daraus mache, daß solche Verh audlungcu nicht ohne Habicht geführt würden. Hitler habe sich auch bereit erklärt, Habicht zu diesen Verhandlungen Vollmachten zu erteilest, Jener deutsche Staatsmann, von dem das Züricher Blatt berichtet, war tatsächlich H k b i ch t, der am 8. Jänner gemeinsam mit dem drntschrn Gesandtschafts-Sekretär Waldek-PyrmontbereitaimFlugzeug auf der Reise nach Oe st erreich war, wo in dem uiederösterreichischeu Ork Pöchlarn die endgültigen Beratungen zwischen Habicht«ud dem österreichische» Delegierten Schuschnigg stattfinden sollten. Im letzteuA»genblick, während das Flugzeug bereits über österreichischem Boden war, erfuhren maßgebende christlichsoziale Politiker von diesem Plan. Sie wandten sich an Dollfuß und drohten mit dem Anffliegen eines politischen Skandals, falls diese Verhandlungen tatsächlich geführt würden. Dollfuß blieb nichts anderes übrig, als den Sektionschef des Außenministeriums, H 0 r n b 0 st l, auf den Flngp latz in Aspern zu schicken und Habicht mitteileu zu lasse», dieser müsse leider nach Deutschland zurückkehren, da die Verhandlungen unter diesen Umstände« nicht stattfinden könne«. Das Flugzeug kehrte auch sofort nach Regensburg zurück, Habicht fuhr von dort nach Berlin. Waldek-Pprmont reiste mit der Bahn nach Brr- li», wo er bekanntlich zwei Tage später auf Drängen christlichsozialer Kreise in der Wohnung des Naziführers Frauenfeld verhaftet wurde. Es ist interessant, daß bei dieser Verhaftung bei demHeimwchrführer Alberti ein Brief vorgcfundcn wurde, in dem ihn Dollfnß ausdrücklich zur Führung der Verhandlungen mit den N a t i 0 n a l so- ' z i a l i st e u bevollmächtigt. Dieser Brief wurde von der Polizei beschlagnahmt, Alberti aber erklärt, er sei Gottseidauk vorsichtig genug'gewesen, um das Schreiben photographiere» zu lassen. Er habe einige Kopien iu Sicherheit gebracht und werde dafür sorgen, daß sie i« nächster Zeit publiziert würden. Ma« kann aus all diesen Erriguiffr« ersehe«, wie ernst der sogenannte Appell Dollfuß' an dir Arbeiterschaft zu nehmen ist! Alexandre der Grolle Neuer nundcrtmlllioncn- Skandal in Paris Hunderte Beamte und Offiziere mitsdiutdige Opfer P aris, 23. Jauner. Das Interesse an dem Fall Stawisky ist heute dem Interesse a« dem gestern verhaftete« Bankier George Alexandre gewichen, dessen Betrügereien bekanntlich auf200MilliouenF ranke» geschätzt werden. Alexandre, der aus Nancy stammt, befaßte sich wahrend des Krieg es und»ach dem Kriege mit allen möglichen Geschäfte«, namentlich i» der Konfektionsbranche, welche letztere er en groö betrieb, und begann gleichzeitig Anleihen hauptsächlich für Beamte und Ange st elfte gegen hohe Zinse» zu vermitteln. Aus diese» kleinen Geschäfte» schuf er bald die sogenannte B e- amtenbank und verschiedene Kreditgesellschaften und Gesellschaften, die sich mit Grund- stückhaudel beschäftigten. Ihr Kapital war größtenteils fiktiv. I« de« Berwaltungsrötcn seiner Unternehmungen befanden sich Personen mit klingende» und vertrauenswürdigen Name«. Alexandre führte umfangreiche Geldtransaktionen und Spekulationen durch«ud schrieb sogar auch große Anleihe« ans, von denen eine 150 Millionen Franks betrug. Unter de« Personen, die ihm im Glaube» auf die Vertrauenswürdigkeit sriuer Unternehmungen ihre« Namen zur Verfügung stellte», werde« drei Deputierte, 18 Präfrkte« oder Generalsekretäre von Präfekture«, 30Ste»ervorstä«de, 100Steuer- beamte, 12 Gerichtsvorst ände und a«50hoheGerichts- und Polizei- beamte, 2 Staatsanwälte, hunderteOffiziere«sw. genannt. »» ♦ Gefängnis des Dritten Reichs Berlin, 23. Jänner.(Tfch. P.-B.) Dao Berliner Sondergericht verurteilte eine B e- a m t i n, welche in der Eisenbahn über die schlechte Behandlung erzählte, der sie im Konzen- i trationslager ausgesetzt war, zu neun Monaten Arrest. Tao gleiche Gericht verurteilte einen Kaufmann, welcher erzählte, daß er mit eigenen Augen gesehen habe, wie die Mitglieder der SA mehrere Juden ermordeten» zu acht Monaten ArskngniS. Zu sechs Monaten Gefängnis wurde ferner eine 62jährige Lehrerin verurteilt, welche vor einigen Monate» die Behauptungen dec offiziellen Kreise, daß Berlin„von feindlichen sslug;engen" überflogen worden sei» alS plumpe Erfindung und alS Hirngespinst bezeichnet hatte. Tie Angeklagte verteidigte sich mit dem Hinweis wrivf, daß sie national gesinnt sei und auS einer OffizirrSfamilie flamme.. Ihrer Aerteidigung trat der Staatsanwalt mit folgenden Worten entgegen: ES ist an der Zeit, Wh dir Gerichte energischer gegen bestimmte greise einzufchreiten beginnen, die sich bewußt »erden müssen, daß rS nicht genügt, national zu sein, sondern daß sie nationalsoziali.» it i s ch sein müssen oder dem neuen Staat wenig- slens günstig gesinnt sein müssen. # Neue Verhaftungen Im Zusammenhang mit dem verschärften Borgehen der Geheimen Staatspolizei gegen die illegale sozialdemokratische Partei- und Jugendarbeit sind, Ivie die Internationale Sozialistische Jllgcndkorrespondenz meldet, in Berlin zahlreiche EAJ-Funktionäre, darunter auch alle früheren feilenden Funktionäre der Sozialistischen Arbeiterjagend verhaftet worden. Unter den Ber- hesteten befinden sich Genosse Gustav Weber, Redakteur dec„Arbeiter-Jugend", Genossin Käte Isröhbrodt, Sekretärin im Hauptvorstand, Benosse Fritz List, Sekretär im Hauptvorstand, Genossin Erna Schlingmann, Mitglied des Hauptvorstandes, und Genosse Willi Schlawe, Angestellter im Vorstandsbüro. Der Geschäftsführer des Verbandes, Genosse Fritz O h l i g, ist seit Juni 1833 in Haft. Er wurde bei der Eoeringschen„Wcihnachtsamnestie" nicht berücksichtigt, sondern er befindet sich weiter im Konzentrationslager Brandenburg. Urber den unmittelbaren Anlast zu den neuesten Verhaftungen verweigert die Geheime Staatspolizei den Angehörigen der verhafteten Genossen iede Auskunft. Saanentrum leistet Widerstand $ Saarbrücken, 28. Jänner.(Jnpreß,) Die gleichgeschaltete„Saarbrücker LandeS-Zeitung" gibt dem Unwillen der katholischen Bevölkerung deS Saargebiets dadurch Ausdruck, daß sie sich „gegen die Auslassungen des Führers der saarländischen Hitler-Jugend" wendet und die Gleichschaltung der katholischen Jugend„als undiSku- tabel zurückweist". Interessant ist auch, dast der evangelische Pfarrer Juhl aus Barmen auf einer Konferenz der Saar-Pfarrer unter allgemeiner Zustimmung erklärte, daS Aufgehen der evangelischen Jugend in der Hitler-Jugend sei „ein Versailles des evangelischen JugendwerkeS". Kleine Entente In Belgrad Belgrad, 23. Jänner.(Avale.) Die Außenminister der Kleinen Ententestaaten, Dr. Benes, Titulcsku und Jevtiö sind mit ihrer Begleitung nachmittags um 13 Uhr 30 in Belgrad eingetros- fen. Auf dem Bahnhof wurden sie von führenden Beamten des jugoslawischen Außenministeriums, sowie vom Personal der tschechoslowakischen und rumänischen Gesandtschaft und zahlreichen Journalisten begrüßt. Heute nachmittags wurden die beiden Minister Dr. Bcneö und TituleSeu einzeln vom König von Jugoslawien in Audienz empfangen. Noch heute abends verlassen Dr. Benes und Titulescu Belgrad. Sie begeben sich gemeinsam nach Suva tica. Von dort setzt Dr. Benes die Reise nach tag, TituleZcu die Reize«ach Bukarest fort. Ole neue SkandalaffSre wächst Paris, 23. Jänner. Außer dem Bankier George Alexander, welcher gestern wegen Be- trüdereie» dr der Höhe von zwei Millionen Frau ken festgcnommen worden Ivar, wurde gestern noch ein anderer Bankdirettor namens Karl Neuburger wegen Betrügereien und Veruntreuungen in der Höhe von vier Millionen Franken verhaftet. Unternehmer und Vierzigsftindenwodic Wir hatten vor kurzem Gelegenheit, mit einem unserer bedeutenderen Industriellen über die gegenwärtigen Wirtschastsproblcme zu spre- chen. Er mußte zugebcn, daß er unter den obwaltenden Verhältnissen kaum eine Möglichkeit sehe, eine Gesundung der WirtschaftSvcrhältnisse her- beizusiihrcn und meinte schließlich, daß der einzige Ausweg in der Einführung der 2t- Stun- d c n w 0 ch c bestehe. Dann könnte ein großer Teil der Arbeitslosen wieder in den Produktionsprozeß cingcglicdcrt werden, es würde die ungeheure Belastung der öffentlichen Hand ver schwinden, welche durch die notwendige Arbeite» lofcnfürsorge verursacht wird, die besonders bei denr weitgehenden Exportaussall schwer ins Ge. wicht fallende FnlandSkaufkrast würde gehoben und ein großer Teil der wirtschaftlichen Schwierigkeiten könnte so beseitigt werden. Man wird zugebcn, daß diese Auffassung durchaus richtig ist. Umso überraschender wirkt cs daher, wenn man die Praxis der Unter- nehmcr auf diesem Gebiet verfolgt. Da über- wiegt allenthalben das Bestreben, die gegenwärtig zulässige Höchstarbeitszeit zu überschreiten und die gewerkschaftlichen Organisationen der Arbeiter müssen mit Hilfe der staatlichen Kon- trollorgano einen ständigen Kampf gegen die unerlaubte— und oft auch unhonoricrte— lieber- stundenarbeit führen. Hat ein Betrieb etwas Ar- beit, so besteht seine Hauptsorge darin, sic so rasch wie möglich fertig zu bringen, ohne sich dabei allzu sehr an die vorgeschriebenc Arbeitszeit zu halten. Ist der Auftrag erledigt, so wer- den die Arbeiter einfach wieder auf die Straße geworfen oder günstigstenfalls von der Arbeit anLgcsctzt, wobei man die Fürsorge um die Erhaltung ihrer Existenz der Allgemeinheit überläßt. Es ist einleuchtend, daß ein solches Borgehen vom Profitstandpunkt des Unternehmers genommen das denkbar vorteilhafteste ist. In je kürzerer Frist eine Arbeit zu Ende geführt wird, desto günstiger die Kalknlationsbasis. Mau kann eine weitgehende Senkung der Regiekosten her beifüheen, die sogenannten„sozialen Lasten" werde» auf ein Minimum gesenkt, die Betriebskosten werden je Produktionseinheit verringert und da die Unternehmer an die Arbcitslojig- leit nicht die geringste Risikopränrie zu zahlen hoben, so können sich fiir sie aus einer Bcrlän- gerung der Arbeitszeit unter gleichzeitiger Steigerung der Zahl der Arbeitslosen höchstens Bor teile ergeben. Für die M a s s c der Unternehmer ist das natürlich eine Fehlrechnung, weil auch sic durch die BelasMng des Staatsbudgets und mit den Ausgaben der Selbstverwaltnngskörpcr fiir die Arbcitslosenfi'irsorge betroffen werden. Der einzelne Unternehmer sieht jedoch diese volkswirtschaftlichen Schäden nicht, sondern beurteilt die ganze Frage einzig vom Standpunkt der Rentabilität seines Betriebes. Selbst jener vernünftige Unternehmer, von dem wir eingangs sprachen, denkt nicht in: Traume daran, die von ihm vertretene Theorie etwa in seinem Betriebe anzuwendcn, sondern auch er behilft sich in zahlreichen Fällen mit einer Verlängerung der Arbeitszeit, mit SonntagSarbcit und dergleichen. Wenn wir daS Problem so stellen, so ergibt sich schon die hauptsächlichste Schwierigkeit, die unter den gegenwärtigen Verhältnissen einer Verkürzung der Arbeitszeit cntgegcnstcht. Es ist deS ins Maßlose getriebene Konkurrenzkampf der Untcrnchnrer, welche besonders in der jetzigen Krisenzeit n:it alle» Mitteln ihre Betriebe zu halten versuchen. Da sie gegen die wirtschaftliche Uebcrmacht der Kartelle nicht an- kommen, ebenso wenig gegen die Ausplünderung durch die Banken, an den überhöhten Kartellpreisen und Zinssätzen also nicht rütteln können, wenden sie ihre Bemühungen der Linie des geringsten Widerstandes zu. Der findet sich heute bei den Arbeitern, deren Kraft durch die AuS- «rite 2 Mittwoch, 24. Jänner 1034 Nr. 10 luirfuitflcit bei* Wirtschaftskrise erheblich gemindert ist. So werden die Betriebe hauptsächlich und man kann sagen, fast ausschließlich auf Kosten der Arbeiter über Wasser gehalten, sei cö durch einen konstant fortgesetzten Lohndruck, sei e-5 durch die Aufrechterhaltung einer absolut ungerechtfertigt langen Arbeitszeit. Mit anerkennenswerter Offenheit hat daS in seiner Nummer 519 der„Prager Börsen- Eourier" dargetan, wenn er schrieb: ...hinsichtlich der Gestehungskosten ist die Lage nicht günstig. Zwar i st die pvli- . t i s ch c M a ch t der Gewerkschaften klein, so daß die L o h n l o in Ponente— den Bergbau auSgenom- in e n— überall zurückgc h t, aber daö ist nicht daS Entscheidende. Entscheidend ist, daß die Gesamtregie nickt sinkt, daß die Staatslaßen nicht sinken, entscheidend ist, daß infolge politischer Einflüsse und infolge Kartellierung die Wirtschaftsgesetze, die PreiSbildungSgcsetze außer Kraft gesetzt find, so daß unser Preisniveau immobil und eingefroren ist, ein Zustand, der sich auf die Dauer nicht halten wird. Lediglich die Mcnschcnkraft, daS ist der einzige Punkt, auf den die konzentrierten Angriffe cin- sctzcn. Diese wird verbilligt, sonst nur wenig." Die ungenügende politische Macht der Gewerkschaften und der Arbeiterklasse überhaupt verhindert u»S also, die Unternehmer in eine andere Richtung zu drängen und die Verbilligung der Gestehungskosten durch einen Druck auf die Kartellpreise usw. zu erzwingen. Statt dicS aber zuzugebcn und so wenigstens den Kampfboden obzugrenzcn, bemühen sich naturgemäß die Un. ternehmcr, die vorhandenen Tatsachen zu verschleiern. Und da sic gegen die Forderung nach Verkürzung der Arbeitszeit keine wie immer gc- ortete sachliche Einwendung erheben können, behelfen sie sich mit den hanebüchensten Ausreden, von denen sic selbst wissen, daß sic heute auf niemanden auch nur den geringsten Eindruck machen. So beschäftigte sich daS Organ des Zen- tralverbandcs der tschechoslowakischen Industriellen in seiner Nummer 2 vour 8. Jänner d. I. an leitender Stelle mit der Frage der Verkür- zung der Arbeitszeit, die cS mit folgenden Aus- sührnngen ablchntc: „Was die Verkürzung der Arbeitszeit anbelangt, so begründen die Arbeitnehmer ihre Forderung damit, daß die gegenwärtige Arbeitslosigkeit durch die Ersetzung der mensch- lichcn Arbeitskraft mit Maschinen hervorgcrufen wurde und daß daher die Arbeiterschaft nur durch eine entsprechende Verkürzung der Arbeitszeit wieder in die Arbeitsorganisation eingegliedert werden könne. Man Übersicht dabei aber, daß die gegenwärtige Krise und damit die Arbeitslosigkeit durch verschiedene Ursachen unterschiedlicher Art hcrbeigeführt Ivurde und daß die technologische Arbeitslosigkeit nur einen kleinen Bruchteil in der Gesamtzahl der Arbeitslosen darstellt. In der überwiegenden Mehrzahl arbeiten heute die Industriebetriebe mit einer Arbeitszeit, die bei weitem nicht 40 Stunden in der Woche erreicht, so daß eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden wöchentlich die Ar- beitslosigkeü in keiner Weise mildern könnte," Diese Logik ist einfach überwältigend. Weil also die meisten Betriebe ohnchilk nicht einnial 40 Stunden wöchentlich arbeiten, ergibt sich für den kapitalistischen Klopffechter nicht etwa die Konsequenz, daß eben bei dem heutigen Stand der Technik nicht einmal eine Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden genügt, sondern viel weitgehender sein müßte, um eine entsprechende Wirkung auf die Zahl der Arbeitslosen ausüben zu können. Nein, fiir ihn ergibt sich daraus die Konsequenz, daß die Arbeitszeit so bleiben soll, wie sic heute ist. Auö der Tatsache, daß die meisten Betriebe nicht imstande sind, auch nur 40 Stunden zu arbeiten, schöpft er seine Argumente fiir die Beibehaltung der 48-Stun- dcnwoche! Man darf wohl sagen, daß eine schlechte Sache noch selten so schlecht verteidigt worden ist wie hier. Mit dcnr Herrn Industrie!- lensekretär über die Auswirkungen der technologischen Arbeitslosigkeit zu streiten, halten tvir nach den in der Oeffcntlichkcit allgemein als geradezu sensationell cnkpfimdencn Darlegungen des Gen. C z c ch in den Budgetauöschüssen der Kammern fiir überflüssig. Der Herr möge dort Nachlesen, in welchem Umfang die technologische Arbeitslosigkeit heute vorherrscht und wenn er den Betrieb einer Fabrik auch von innen kennt, so kann er sich selbst überzeugen, daß selbst bei einer Wiederkehr der Konjunktur von 1929 unter den obwaltenden Umständen mindestens die Hälfte unserer Arbeitslosen auch weiterhin aus der Straße bliebe, weil ihnen eben die Maschine den Arbeitsplatz weggenommen hat. Es sind nichts als Ausreden, die die Untcr- nehmcrpresse gegen die Verkürzung der Arbeitszeit vorzubringen vcnnag. DaS Beharren mrf diesen Ausreden und der Mißbrauch der politischen Macht der bürgerlichen Parteien zur Aufrechterhaltung cineS unmöglichen und die Volks- ivirtschast schädigenden Standpunktes wird aber eben durch die Verantwortungslosigkeit der Unternehmer bei den Entlassungen erleichtert. Ihr inuß ein Riegel vorgeschoben werden und wir würden es als wichtigste Vorarbeit fiir die Ver- wirklichung der Forderung nach Verkürzung der Arbeitszeit betrachten, tvenn die Unternehmer durch Gesetz gezwungen tvürden, bei jeder Entlassung den Arbeitern eine b c st i m m t c A b f e r t i g u n g je nach der Dauer der im Betriebe verbrachten Jahre a u s z u b c z a h l e n. Wenn cS nur hundert Kö pro Dienstjahr wären, so würde es sich schon mancher Unternehmer auSrcchiicn, daß ihn eine allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit billiger zu stehen kommt als die Auszahlung von Abfertigungen, die in vielen Fällen in die tausende von Kronen gingen. Hier muß also der Hebel vor allem angesetzt werden, darüber hinaus können wir jedoch nur dann mit einer weiter- gehendcn Erfüllung unserer Forderungen rech- neu, wenn cs gelingt, den politischen Einfluß der Arbeiterklasse im Staate zu heben und zu verstärken. Ist die Todesstrafe berechtigt? Senat verabschiedet die Novelle Uber die Umwandlung der Todesstrafe Prag, 23. Immer. Im Senat befaßte sich anläßlich der Verhandlung des RcgicrungSent- Ivurfes betreffend die Abänderung gewißer Bc- stimmungen über die T o d c s st r a f c der Berichterstatter Dr. Milota, Professor für Strafrecht an der Brünner Universität, ausführlich mit der Berechtigung der Todesstrafe überhaupt. In der Negicrungsvorlage, die seinerzeit im Ausschuß Gegenstand scharfer Proteste namentlich von na- tionäldcmokrntischcr Seite war und die auch voni Ausschuß teilweise abgcändcrt wurde, wird dem Gericht die Möglichkeit eingeräumt, unter gewissen mildernden Umständen an Stelle der verwirkten Todesstrafe gleich im Urteil eine längere, unter Umständen lebenslängliche Kcrkerstrafe auszusprechen, während bisher eine solche llm- wandlung der Todes- in eine Freiheitsstrafe e r st im Gnadenwege durch den Präsidenten der Republik möglich war. Diese Regelung ist, wie der Referent anführte, lediglich In den historische n.Ländcrn neu, tväh» rend sie in der Slowakei und Karpathorußland b e- reits seit dem Jahre 1878 besteht. Milota verwies darauf, daß man au die Lösung dieses Problems ausschließlich mit k ü h l e m P e r st a n d e, nicht aber gefühlsmäßig herantreteu dürfe. In der I neueren Zeit hat die Ansicht, daß die Strafe z w e ck. mäßig sein müsse, über die ältere Theorie von der Strafe alö Vergeltung den Sieg dabongetragen. Die Todesstrafe ist k e i n e S w e g S ein ab sch recke ndeSMittel und die Oeffent- lichkeit irrt, tvenn sie die abschreckende Wirkung der Todesstrafe allgemein vom Standpunkt der Pshcho« ' loche des normale n Menschen beurteilt. Die I lieber,ieugung von der Notlvendigkeit der Todesstrafe wurzelt bei der großen Mehrheit der Menschen i n dem i n st i n I t i v c n Bedürfnis nach St a ch e. Bom Standpunkt der Zweckmäßigkeit läßt sich die Todesstrafe lediglich als Mittel verteidigen. durch das sich die Gesellschaft am sichersten und bequemsten von gefährlichen Verbrechern befreit. die sie später wieder bedrohen würden. In diesem Falle ist die Hinrichtung aber keine Vergeltung, sondern eine Sicherung gegen eine künftige Gefahr. Daraus ergibt sich, daß die Hinrichtung eines Verbrechers nur dann zulässig ist, wenn dieser eine ständige und gefährliche Bedrohung der Gesellschaft darstellt, und auch dann nur, wenn sich die Gesellschaft mit anderen, humaneren Mitteln vor ihin nicht schützen kann. Eine Berechtigung hat die Todesstrafe riach Ansicht dcö Referenten nur unter außergewöhnlich gefährlichen tlinständen, wenn sich die Verhängung des Standrechtes als notwendig er- Iveisl. Lediglich in diesem Falle wirkt die Todesstrafe tatsächlich abschreckend, weil sie auf n o r- m a l e Menschen einwirkt, die im Augenblick einer Massenvcrbrccherpsychose verfallen sind und eine starke psychologische Motivierung benötigen, nm wieder zu sich zu kommen. Der Standpunkt des früheren österreichischen kliechteS, das fiir gewisse Fälle die Verhängung der Todesstrafe obligatorisch vorschrieb, ist demnach sehr zweifelhaft; viel gerechter ist die Regelung nach dem früheren ungarischen Recht, die dem Gericht bei der Verhängung der Todesstrafe eine gelvisse Freiheit läßt. Der Referent wäre persönlich froh, wenn die Frage der Todesstrafe in dem von ihm angedeutc- ten Sinne endgültig geregelt würde, aber die heutige Zeit sei dazu nicht geeignet. Er empfahl daher die Vorlage in der Fassung, wie sie der Verfassungsausschuß nach langen Debatten auSgearbeitet hat, zur Annahme. 6 n. kN. de Jong: 'Üerscftftwigetie Jfode Un Äoman in vier tpisoäen Autorisierte Ueborsetzung aus dem Holländischen von B. R Fuchs. Er strich sich.über den Magen und eine beseligende Hoffnung stieg in ihm auf. «Hast vielleicht keinen Tschinn bei dir?" „Tsckinn? Was ist daS?" „Mein Gott, wie blöd du bist! Ich sprech doch nicht chinesischl... Geld, Junge!" „O, Geld! Ja... ich hab lvohl ctlvaS bei mir." Er krabbelte in seiner Hosentasche und zog einen grünseidencn, klatschnassen Geldbeutel heraus, unter dessen silbernen Ringen sich straff der viewerheißendc Inhalt abfornitc. Peters Augen öffneten sich weit. Sein Freund entleerte die Börse auf sein nasses Taschentuch uud Peter entschlüpft« ein Sckrei des Staunens und großer Verwunderung. Silber I Fast alles Silber! Große Münzen, und da... nein... ja, wahrhaftig doch... ein Goldstück!... Er ließ sich vor dem Schatz auf die.Knie nieder, steckte ehrerbietig seine Nase nahe hinzu, sah hierauf einfältig Piet an, der sich dann Innerlich erstaunt und gleichgültig zu ihm fetzte. „Gehört das alles dir?" fragte Peter bestürzt. Ehrlich dir selbst?" „Ja... natürlich," lächelte Piet.„Was glaubst du denn sonst?" „Sicher deine ganze Sparbüchse?" fragte der Leine Strolch respektvoll. Dann fügte er mißtrauisch hinzu:„Hast doch sicher schon geplant, alleine davonzugehn?" »Rein... warum?" Nu... weilst deine ganze Sparbüchse zu dir gesteckt hast." „'S ist ja nicht meine Sparbüchse... Ich habe keine Sparbüchse, Junge." Peter schaute ihn an, seufzte und spuckte meisterhaft durch seine Zälmc in wejiem Bogen in daö Graö. Er begriff: die reichen Lcnte gaben natürlich solche Kleinigkeiten ihren Kindern als Soun- tagögcld... Mehr als sein Vater in zwei Wochen verdiente, in drei noch nicht einmal... wie konnte es so etwas auf Gottes weiter Welt geben?... Und ihn überkant nun eine gewaltige Hochachtung vor seinem neuen Bekannten... Aber jetzt waren sie Kameraden. Sie wollten zusammen von zü Hause weglaufcn... Daö Geld gehörte nun tatsächlich ihnen miteinander. „Sag, Piet," rief er aus.«Jetzt brmichen wir keinen Hunger leiden!... Wir gehn am Ilfer weiter, zum Dorf.. und da laufen wir Korinthenbrot bei'nem Bäcker... Und sag... eigentlich brauchen wir jetzt auch nicht in neu Güterwagen kriechenl Wir können ganz gut Fahrkarten kaufen." Piet nickte zerstreut. „Steck das Geld zu dir," sagte er gutniütig. „Du weißt bester als ich, wie wir die Sache an- fangen müssen." Peter schluckte und starrte ihn sprachlos an. „Ich?" stammelte er.„All daö Geld?" „Ja," nickte der andere,„wir können zusammen damit reisen, he?" Zusammen damit reisen... Das klang wie eine unsinnig schöne Geschichte. Peter scharrte mit genießerischem Grunzen daö Geld zusammen, ließ eö in seine Hosentafche gleiten, nachdem er sie sorgfältig untersucht hatte, ob sie wohl ganz sei, und dann stopfte er sein nasses, verschossenes rotes Taschentuch darüber. Sodann sprang er auf. „Komm," rief er jauchzend.„Geh mit, Jung! Wir brennen fein durch! Gott soll mich strafen... das wird ne Riesenreise I" Und er beschritt mit seinem Kameraden einen schattigen Weg, der schnurgerade ins Dorf führte. III. Sie lagen nun in einem Heuschober. Die Hände unter dem Kopf, ein Knie aufgezogen, den Knöchel dcö anderen Fußes darüber. Müde und wunsckgos genossen sic selig den saftig süßen Dust deS frischen HcuS. Sie sprachen nichts, seufzten nur ab und zu tief und zufrieden, zwei glückliche Knaben. Int Dorf hatten sie warme Korinthenplätzchen gekauft, gerade aus dem Ofen heraus, in einem Bäckerladen, in dem es herrlich nach frisch gebackenem Brot rock. Und im Weitergehen hatten sie diese von d.r Hand weg hungrig und genießerisch verschlungen. Getrunken hatten sic am Dorsbrun- ncn, abwechselnd den knirschenden eisernen Schwengel auf- und abziehend, spitzbübisch darauf bedacht, den andern mit einem dicken Strahl plötzlich niedersttirzcnden Brunnenwassers-u überspülen, und sic hatten viel gelacht und einander gescholten. Piet wurde bei jedem Schritt ins fremde Leben ausgelassener und erpichter auf die kernigen Ausdrücke seiueö neuen Freundes. Und Peter lachte fick«halbtot, als er seine eigenen Flüche und Schimpfwortc in vornehmem Tonfall von den ungeübten Lippen fallen hörte. Sie waren vom Wege abgebogcn und in die Felder hineingcschlcndcrt. über Abzugsgräben und Wasserrinnen, über Hecken und Stacheldraht, und bis über die Knie hatten sie sich beschmutzt mit Kot und Lehmpatzen, denn kein Graben schien ihnen zu breit, kein Ufer zu sumpfig oder unsicher, um nicht ihre Kräkte zu erproben. Sie hatten eine Schweinefamilie, die ruhig in ihrem Kotter Siesta hielt, zu Tode erschreckt, als sie bei einem plötzlich ausgebrochenen Wettstreit versuchten, wer zuerst oben sitzen würde, und wären vor Bestürzung selbst fast umgefallen, als die grunzende und quietschende Schweinehcrde plötzlich durch die breite Oeffnung hcrauSstürmte, kenn sie hatten"»"laubt, daß der Stall verlassen sei. Auch machten sie den Versuch, ein Baucrnvferd cinzufangen, uni darauf zu reiten, und hatten das erschreckte Tier über die ganze Weide gejagt, außer sich vor Freude über Die Vorlage wurde ohne Debatte in erster Lesung genehmigt, ebenso eine weitere Vorlage, durch welche die Diäten der Beisitzer des Wahlgerichtes analog den Bestimmungen über das Verfassungsgericht geregelt werden. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung, die morgen um 16 Uhr stattfindct, befindet sich bereits die Novelle zum Berggesetz, die heute vom VcrfassungSauSschuß bereits genehmigt wurde. Des einen Leid ist des andern Freud' In einer Meldung über die Novellierung dcö SozialvcrsicheruiigSgcseheö, rühmt sich die „Deutsche Landpost" ihrer Erfolge bei der Beratung der Novelle im Koalitionsausschuß. Durch das Ausscheiden der Saisonarbeiter aus der Alters- und Invalidenversicherung, dem vorläufig auf ein Jahr zugeftimmt wurde, erspare die Landwirtschaft 10 Millionen KC.„Weiter gelang eö," heißt eö in der„Landpost",„den agrarischen Parteien, durchzuschcn, daß Deputatempfänger und Gesinde, die an Geld weniger einnehmen, als zur Einreihung in die 4. Lohnklasse erforderlich wäre, nicht auö dem Titel der Naiu- ralcmpfänge dorthin eingereiht werden können.'' Also man bringt die Saisonarbeiter, vorläufig für ein Jahr, um ihre Vorsorge für daö Alter und Invalidität, man nimmt den Acrmsten der Armen, d. s. jene, die ihr Löhnchen in Kartoffeln und Getreide zugeteilt erhalten, die Ansprüche an die Krankenversicherung und sagt, man spare. Man spart 12 Millionen Ke für die Bauern, das mag sein, aber kein Bauer wird deswegen einen sichtbaren Nutzen haben, sein Lebensniveau wird von dieser Tatsache nickt berührt werden. Aber auf der andern Seite iverden tausende arme Teufel in Krankheit und Siechtum zugrunde gehen, weil eben die Agrarier diese 12 Millionen erspart haben. Viel Glück kann mit diesem ErsvarniS nicht verbunden sein! Hi« hören das Gras wachsen Die kommunistische Presse vom vergangenen Sonntag berichtet über ein„Offenes Bündnis Dollfuß-Sozialdemokratie". Unter einem dreispaltigen Titel stellt sic fest:„Diese Haltung der österreichischen Sozialsascisten zeigt, daß die völ- kcrbcfrciende Sozialdemokratie selbst dann, wenn sie noch so tief gesunken ist, fmsiandc ist, ihre eigenen ungeheuerlichen Schändlichkeiten noch zu überbieten".— Mittlerweile hat sich hcrausgc- stcllt, daß die kommunistische Presse wieder einmal hincingesallcn ist; die österreichische Politil hat sich vorläufig anders entwickelt, als die kommunistischen Schwindler„vorauösahen". Hingegen läßt sich das Bündnis zwischen dem fascislischen Italien und Rußland und das freundschastlichc Verhältnis der Sowjetunion mit der fascistischen Türkei nicht wegdisputiercn. Freilich: in Italien wurde„nur" Matteotti ermordet, in der Türkei wurden„nur" 200 Kommunisten gehängt. Da wurden nur 200 Kommunisten gehängt. Ta lohnt sich sogar ein Frcundschaftöbesuch Litwinows; da lohnt sich sogar der Champagner, den die Trint- sprüchc erforderten. Nur die Druckerschlvärzc der kommunistischen Zeitungen ist zu kostbar, als daß sie diese Artigkeiten der Sowjctdiplomatic berichten könnten. seine tolle Angst und die Gras- und Erdklumpen, die eö mit den wild schlagenden Hufen in die Lust wirbelte. Bei einem schlängelnden Bächlein hatten sie aus starken Schilfblättern kleine Schiffchen gebaut und sie zum Segeln auf den schwach gekräuselten Wasserspiegel gesetzt, ihr Taumeln verfolgend im unbeständigen Atemzug des launischen Sominerwindö, der sie immer wieder im rauschenden Schilficht zum Stranden brachte. Sic hatten Erdklümuchcn nach dem Schwimmer eines andachtsvollen Anglers am gegenüberliegenden lifcr geworfen, der sich einbildcte, es hätte just ein Fisch angcbisscn, und sie hatten unbändig lachen müssen über seine wilde Wut und seine gotterbärmlichcn Flüche, aber sobald er Steine aufgcrafft hatte, um sie ihnen an den Kopf zu werfen, waren sie fortgelaufen und Peter hatte ihn auö der Ferne saftig beschimpft und mit vielsagender Gebärde sein Hinterteil gezeigt, worüber Piet, vor Scham heftig errötend, in unbczwingbarcö Gelächter ausbrach. Auf Bäume waren sie geklettert und Purzelbäume hatten sie im Gras geschlagen und eö zeigte sich, daß Peter meisterlich auf seinen Händen gehen konnte, worum ihn sein Freund sehr beneidete und dann versuchte, cü ihm so lange nackzumachen, bis keine Ellenbogen cinsacktcn und er sich beinahe daö Genick aebrocken hätte, lind im Schreck und in der Eile, wieder auf die Beine zu kommen, hatte er inst seiner Hand in einen saftigen Kuhfladen gegriffen und so dumm und ekelverzcrrt um sich geblickt, daß Peter an wild losbrechcndcn Lachkrämpfen beinahe gestorben wäre... Und nun lagen sic zum Verschnaufen in einem Heuschober in der Nähe eines kleinen Bauerngc- höfteö, um daö sie sich rückwärts herumgeschlichcn hatten, ohne von jemanden bemerkt zu werden. Eigentlich sahen sic schändlich aus. Rot und verschmißt daö Gesicht, über und über m,it Schmutzspritzern und Staub bedeckt, struwelig das Haar. ,(Fortsetzung folgt.) jtc. n Mittwoch, 24. Jänner 1034 Gerte 3 Soldaten-Verpflegung wird nicht verschlechtert Prag, 23. Jänner. Das heutige„§ e s l e S l o v o" brachte die Meldung, das; das Ministerium für Nationalverteidigung einen vertraulichen Erlag herauSgcgeben habe, in dem die größtmögliche Sparsamkeit bei der Verköstigung der Soldaten angeordnet und vorgeschrieben wird, das; im Jahre 1034 an diesem Posten 30 M i l l tonen XL erspart werden müssen. Das Blatt hatte hinzugefügt, das; sich deshalb bereits die Beschwerden der Mannschaft über die ungenü» gende Verpflegung und Verschlechterung der Qualität häufen.• Hiezu konstatiert das VcrteidigungSministerium, daß ein solcher Erlast»i ch't herausgegeben tvncde. Die VerpflegSportion eines tschcchoflotvakischcn Soldaten ist seit 1. Oktober 1021 unverändert geblieben. Sie ist um annähernd 37 Prozent höher als im alten österreichisch-ungarischen Heer. So erhält ein tschechoslowakischer Soldat wöchentlich 1600 Gramm Fleisch ,'im alten Oesterreich 1830), 600(280) Gramm Hülsenfriichtc, 1400(660) Gramm Kartoffeln, 140(70) Gramm Fett. Nur Brot erhielt ein tschccho- slowcckischer Soldat weniger als ini alten Oesterreich. Nun wurde aber bereits eine Neuregelung getroffen, tvonach der Soldat seine Broiporiion nicht mehr abgemessen erhält, sondern von dem Brot, das frei zur Verfügung steht, essen kann, so viel er will. Da also die VerpflegSportion unverändert bleibt, kann der Soldat auch nicht weniger Nahrung eibalten, auster wenn dieWirtschastSorgane ihrePflicht nicht ordentlich erfüllen; das könne aber keineswegs allgemein behauptet werden. W a h r sei lediglich, dast mit dem Verpflegsgeldc, das bisher nach den Marktzertifikaten miS den einzelnen Garnisonen verrechnet umrdc, manchmal nicht zweckmäßig gewirtschaftet wurde. So gibt es angeblich Negiinentcr, wo man jährlich für 15.000 bis 18.000 K£ allein Suppengewürze verbraucht, was sicher nicht wirtschaftlich sei. da der Nährwert dcS Suppengewürzes ganz unbedeutend ist. Wahr sei ferner» das; daS nach den durch das Gemeindeamt bestätigten Marktzertifikaten festgesetzte VerpflcgSgeld auch in benachbarten Garni- soncn manchmal ganz unbegründete Unterschiede auf- wier. Die Militärvcrlvaltung sei daher zu einer anderen Art der F e st s e tz u n g der Ber- vsl eg Sportiv n en geschritten, deren Grundlage die Feststellung der ortsüblichen Preise i ni Wege Le» Konkurrenzverfahrens zwischen den einzelnen Geschäftsleuten sei. Den Truppeukörpern soll des BcrpflegSgeld nicht mehr nach den sehr problematischen Marktzertifikaten bemessen werden, sondern nach den Preisen, für die sie die Einkäufe tatsächlich tätigen. Die Richtlinien für diese Neuregelung der Verrechnung des Verpflcgsgeldcs sind kein Geheimnis, sondern ausführlich in der Numiner 21 des sechsten Jahrganges der Zeitschrift„Vojenske inten- dcncni rozhlcdy" niedergelegt und somit der öffentlichen Kritik zugänglich. Das Mnistrrinm stellt dcinnach fest, dast cS sich überhaupt nicht um eine Herabsetzung der Vcr- vslegSportion noch um«ine Verschlechterung der Verpflegung handle: es gehe vielmehr nur darum, dast die Portion, die der Soldat vorschriftsmäßig bekommen must, zu Konkurrenzpreisen beschafft und das Geld für die Verpflegung zweckmäßig verwendet tocrdc. Menn irgendwo begründete Beschwerden über eine unzureichende oder schlechte Verpflegung borliegen, so nur deshalb, weil die Intentionen der Militärvcrwal« nmg nicht richtig durchgeführt werden. In einem solche» Falle sei eine konkrete Beschwerde am Platze; dies« wird überprüft und im Falle der Notwendigkeit wird Abhilfe geschaffen werden. Tie ParlamcntSkommission für Privatangr- stellten-Fragen konstituierte sich in einer am 18. Jänner stattgefnndcnen Sitzung, die namens der NoalitionSparteicn Abgeordneter P. Teplansk») einberufen hatte. Die Kommission wurde vor allein zu dem Zwecke gebildet, damit sic durch politischen Einfluß die rasche Verwirklichung der vereinbarten Entwürfe der Gewerlschafsorganisa- t i o n e n, und ztuar vor allem die Novellen zum P e n s i o n S v e r s i ch e r u n g s g c s e tz, zum Ilebertritt gesetz und zum Privatange- stc ll i e n g c s e tz unterstiihc. KommissionSmit- glicder sind u. a.: Fr. Viravsk») und Abgeordneter R. K l e i n(tsch, Sozialdemokrat), Fr. K i r ch h o k und Abgeordneter Fr. M a c o u n (deutsche Sozialdemokraten). Die Kommission lädt zu ihren Verhandlungen die GewcrkschaftSorgani- sationen, die mit den KoglitionSparteien freundschaftlich zusammcnarbeiten, und im Bedarfsfälle auch die übrigen Organisationen ein. Anerkennung Kubas durch USA Die»reue Regierung gefällt den Aankees Washington, 23. Jänner. Die Bereinigten Staaten beabsichtigen die neue Regierung auf der Insel Kuba anzuerkcnncn. Präsident Roosevelt kündigte dies den diplomatischen Vertretern von 17 amerikanischen Ländern an, tvelche er ins Weiße HauS geladen hatte. Er skizzierte kurz, auf Grund welcher Erlvägungcn sich die Bereinigten Staaten zu diesem Schritte entschlossen haben, und informierte die diplomatischen Vertreter, daß die gegenwärtige Regierung in Havanna, tvie ersichtlich ist, ein'd treue Repräsentantin des Willens und der Wünsche dec Mehrheit der kubanischen Bevölkerung ist, daß sie in der Lage ist, die Ordnung aufrechtzuerhalten und dast sich Präsident Mendieta aiif Grund von Berichten aus der Hauptstadt Kuba nicht bloß in Havanna, sondern auf der ganzem Insel einer großen Popularität erfreut. 616 Millionen Dollar für neue Kriegsschiffe Tolles Wettrüsten zur See Die Papierböller. Verbrecher Innsbruck, 23. Jänner. Heute vormittag wurde vor die Wohnung der Frau A g n e s I u n- g e r in Innsbruck ein Papicrböllcr mit brennen« London, 23. Jänner. Nach einer Reuter- mrldmig aus Washington, empfahl dem Flotten- auSschnst dcS Repräsentantenhauses der stellvertretende Marineministrr H. L. Roosevelt die baldige Inkraftsetzung einer Vorlage, die den Bau von 120 neuen Kriegsschiffen mit einem Kostenaufwand von rund 616 Millionen Dollar vorsteht Der Vorsitzende des Ausschusses, Wtndson, sagte zu, die Vorlage sobald wie möglich zn behandeln. Von den Anhängern deS Präsidenten Roosevelt wird betont, der Hauptgrund, weShalb dnS Weiße HauS die Flotte ans den vertraglich zulässige» Höchststand nuSbanen will, wurzelte in der Ncbcrzcugung, daß Japan für daS Jahr 1036, in dem der Floltcnvertrag erlischt, eine ebenso große Flotte erstrebt, wie sie die Bereinigten Staaten oder Grvschriwuuien besitzen. Dir Vorlage findet, so wird weiter betont, die uneingeschränkte Billignng des Präsidenten Roosevelt. Der Ma- rinrministcr crilärtc, dir Vereinigten Staaten tünuten der übrigen Welt nicht länger alö„Al>- rüstungSbrispirl" dienen. Der Bericht de» Schiffahrtsministers über den Marinvoranschlag der Vereinigt. Staaten, der soeben dem Repräsentantenhause vorgelegt wurde, weist auf der AuSgabcnsefte einen Betrag von 284,747.000 Doll. auS, von welchem 38,610.334 Dollar für den Bau neuer.Kriegsschiffe, einschließlich der Kosten für ein Flugzeugmutterschiff und vier Kreuzer von je 10.000 Tonnen vertuen« det werden sollen. 18,800.000 Dollar sind vorgesehen für Marineflugzeuge, davon 6,181.000 Dollar für den Bau neuer Wasserflugzeuge. An einen Ersatz deS vernichteten Luftschiffes„Acron" ivird nicht gedacht und der Chef der Marinelcitung Konteradmiral Standletz erklärte, daß sich das lenkbare Luftschiff»Los Angeles" nicht mehr in einen» Zustande befinde, daß es ohne Gefahr Flüge unternehmen könne und daß eü daher nach seiner Basis pilotiert und demontiert werde. Konteradmiral Standley forderte mit Nachdruck die Modernisierung der neueren Panzerschiffe, wobei er crllärte, daß der Stand der übrigen Panzerschiffe absolut unbefriedigend und der Zustand der Torpcdozcrstöcer geradezu kritisch sei. Standley äußerte großen Zweifel darüber, ob cS möglich ist. daß diese Einheiten iin Kriegsfälle für den aktiven Dienst herangczogen werden könnten. der Zündschnur gelegt. Der 17 jährige S o h n der Frau, ein Mitglied der ostmärkischcn Sturm- scharen, hob den rauchenden Böller ans. nm ihn unschädlich zu niachcn. Ter Böller explodierte jedoch und riß dem jungen Mann die rechte Hand bis zum Handgelenk ab. Im Zusammenhänge mit diesem Anschläge ivurden zehn bekannte Nationalsozialisten aus Innsbruck ins Konzentrationülagcr gebracht. Bregenz» 23. Jänner. Die Ticherheitsvehor- den haben in den letzten Tagen eine ganze Reihe von Stätten verbrecherischer Tätigkeit ausgchoben. !Jn> Oberland wurde eine Werkstätte zur Erzeugung von Sprengkörpern ansgcforscht. Eine ganze Reihe von Personen wurde festgcnominen. In» Bregenzer Wald tvurdc ein Lieferant von Sprengkörpern und 22 Demonstranten, die Böller geworfen hatten, sestgenommen. In Dornbirn hat die Polizei die Vcrteilungsstättc von Dynamitbombcn ansgehoben und wichtiges Material beschlagnahmt. Stürmische Kundgebungen In Paris Barrikaden— 800 Verhaftete Paris, 23. Immer. Bis in die späten Nachtstunden sanden in Paris stürmische Kundgebungen statt. In der Umgebung der Abgeordnetenkammer veranstalteten kleine Gruppen, hauptsächlich royalistische, Kundgebungen gegen die Deputierten, in der Umgebung des Rathauses etwa 20.000 Anhänger der äußersten Linken, die in den Gewerk- schastSsyndikaten organisiert sind. Die Kundgebungen richteten sich gegen die Herabsetzung der Gehälter der Angestellten der VcrlehrSiinternchniiui- gcn. In der Umgebung der Abgeordnetenkammer verrammelten die Manifestanten durch Bänke, her- auSgcriffene Bäume und dergleichen den Straßenverkehr und errichteten an manchen Stellen fast wahre Barrikaden. Bei den verschiedenen Zusammenstößen wurden auch zahlreiche Wachleute und Manifestanten verletzt. Nach eingehenden» Verhör und Feststellung ihrer Personalien wurden 810 Personen, die im Verlaufe der gestrigen Protestkundgebung fcstgc- nommen worden waren, wieder freigclassen. Nur ein Anhänger der Action francaise blieb in Haft. Unterbrochene Sitzung Geräumte Tribünen Paris, 23. Jänner. Die Nachmiltagsjihung der französischen K a in»n c c nahm einen sehr jrür- PariS, 23. Jänner. An amtlichen Stellen wird bestätigt, daß die deutsche Antwort auf daS französische Memorandum l e i n e n e n c n A n- regungcn enthält und sich in höflicher Form ans die Aufzählung der Gri'nrde zur Erhärtung des bekannten Standpunlies der deutschen Regierung in den Angelegenheiten der Abrüstung und der Rü^ungöforderuug beschränkt. Die Fragen, die die deutsche Note an die französische Regierung stellt, sollen»'ein technischen Eharakterü sein. Cs läßt sich noch nicht sagen, ob die französische Negier»u»g der deutschen Negierung direkt antworten oder ob sie bis zur Einberufung deS Präsidiums der allgemeinen Abrüstungökonserenz. das bekanntlich am 10. Feber in Loi»don zusam- mentretcn soll, warten wird. Unterdessen wartet die französische Regierung init Interesse das Ergebnis der Beratungen des britischen K a b i n e t t s ab, daö an die deutsche Regierung gleichfalls eine Art Memorandum in den Ab- rüstungsangelege»»heitci» richten will. Dazu teilt aber der Berliner Berichterstatter deü„Journal des DöbatS" mit, daß die deutsche Antlvort Frankreich folgende präzise Fragen stellt: 1. Ob die französiscbe Regierung beabsichtigt, in Europa eine Armee aufrechtzuerhalten, deren sie Die Opfer der Hunnen Die wegen Brandstiftung zu drei Jahren Z»»chthauö verurteilte Anna Schäfer hat sich in Singen-Hohenttviel im Gefängnis erhängt.— Ein junger Arbeiter aus Hannover, der sich als Zeuge in Widersprüche verlvickclt haben sollte und deshalb in Hast genomincn lvurde, hat sich im Unter- suchungsgefängniö B»»ende erhängt.— Daö Hanseatische Sondergericht verurteilte die Angeklagten Fischer, D e t t n e r und Helbig zum Tode, 20 lveitcre Antifascisten erhielten Zuchthaus von nlischen Verlauf. Der Deputierte der Rechten, H c n r i o t, der bekanntlich in der vorigen Woche die Regierung über den Fall Stawisky interpellierte. wollte diese heute neuerlich in dieser Angelegenheit interpellieren. Die Deputierte»» der Linken unterbrachen ihn mit so lauten Zlvischcnrufen und die Rechte antlvortetc ans die Aeußerunge»» der Deputierten der Linke»» so stünnisch, daß Deputierter Henrivt in drei Viertel Stunden kann» 20 Sätze sprechen konnte, die in» Lärm untergingci». Der Vorsitzende n»ns;te die Sitzung unter« brechen und die Tribünen räumen lassen. Poris, 23. Jänner. Gegen Abe»»d trat in der sran-''"schen Kammer Ruhe ein und die Kammer hörte die Interpellation des Deputierte»» Henriot verhältnisn»äßig ruhig an. der staatliche und namentlich Polizeibcaintc sowie mich die Regierung ungenügender Energie bei den Bestrebungen, der Justiz Geltung zn verschaffen, bef^uldigte. In der Debatte griffe»» einige Deputierte u. a. H c r r i o t und Leon Blum ein. Auch Ministerpräsident Chautempä gab eine kurze Erklärung ab. in der er sich dagegen verlvahrte, daß der Fall Stawisk») auf politisches Gebiet übertrage»» werde. Die Kammer ging dann ain Abend auSeinm»der, nachdem sie der Regierung mit 367 gegen 201 Stimme»» das Vertrauen ausgesprochen hatte. zur Sicherung der Ordnung in ihren Kolonien bedarf; 2. wo diese Kolonialarmee in Zukunst ihre Ubikationei» habe»»»verde, ob in den betreffende» Kolonie»» oder in der nächsten Nähe Europa-; I. ob diese Kolonialannce auch mit schweren Geschützen, mit Bombenflugzeugen»». ä. ausgerüstet sein wird; 4. ob Fra»»krcich einwilligc, daß eS kein schwc- res Kriegsmaterial verwenden werde, Ivie eS damit verfahren und»vaS namentlich mit den Geschützen n»it einem Kaliber von über 120 Millimeter geschehen»verde; 5. lvas werde Frankreich mit der A»»Srüstin»g der Festungen, mit den motorisierten Batterien, Tanks u. ä. tun?; 6. was wird Frankreich n»it den Flugzeuge»» tun, die eS aus den» praktischen Dienst zu stelle», vorschlägt? Werden diese Flugzeuge vollkommei» vernichtet werden?; 7. waS bedeutet der französische Vorschlag betreffe», d die. Internationalisierung der Handelsluftschiffahrt? Wieviel Flugzeuge wird diese Flottille haben?; 8. tvelche Garantien gibt Frankreich Deutschland hinsichtlich der Vernichtung der modernen An- griffStvasfen, die eS heimlich in ben letzten Jahren verwendete?; 0. fragt die deutsche Note, ob und in welchem Maße der deutschen Marine der Schutz der deutle»» Külte bewillig» werden wird. je 4 bis 12 Jahren. Den Urteilen liegt ein Zusammenstoß vom 26. Feber 1083 zu Grunde, bei dem— von welcher Seite, war nicht fcstzustellel» — ein junger Hitlcranhänger getötet worden war. Es handelt sich»in» daö 66., 67. und 68. Todesurteil, aus politischen Gründen in Deutschland, seit Hitler zur Macht kam.— Im Amtögerichts- gefängniö Altoetting tvurdc der Landarbeiter Andreas Auer erhängt aufgefunden; im Amtsge» Bürositzung der Sozialistischen. Jugend-Internationale Vorbereitungen des Internationale»» Jugend, treffens in Lüttich. Daö Büro der Sozialistische»» Jugend-Internationale wird am 21. Feber 1034 eine Sitzung in Lüttich abhalten. Die Tagesordnung der Sitzung ist sehr umfangreich. Neben dem Jahresbericht des Sekretariats werden a»»ch die sich aus der gegemvärtigen intcriiationalci» Situation ergebene»» Aufgaben der sozialistischen Jugendbewegung zur Ti-kussnm stehen. Die Sitzung»vurde nach Lüttich einbcrufen, um am Ort deö dritten Internationalen Sozialistischen Jugendtreffens, das vom ö. bis ö, August n» Lüttich stattfinden wird, die Einzelheiten dieser Tagung festztllegen. Die belgischen Genossen haben bereits einen Arbeitsausschuß eingesetzt, der dein Büro ein genaues Programm und einen Organisationsplan vorlegen wird. Es lvcrden in Belgien alle Vorbereitungen getroffen, um das diesjährige Internationale Jugendtreffen trotz allen Schwierigkeiten zn einer»nachivollen Kundgebung der Sozialistischen Jugend gegen Kriegsgefahr und Fascismus z>! gestalten. 25.000 Mitglieder in Belgien. Am 16. und 17. Dezember 1083 sand der Kongreß der belgischen Sozialijrischen Junge»» Garden in Frame- rieü statt. Anwesend waren 800 Delegierte. Tie französische Organisation war durch den Genosse»» Pierre Bloch vertreten. Der Bericht wurde ein- stimmig angenommen. Tie Organisation nmsaßte 1031 7000 Mitglieder, 1032 0500 Mitglieder, 1033 11.000 Mitglieder und Ende 1033 25.500 Mitglieder. Der Kongreß sprach sich mit Einstimmigkeit gegen Einheitsfront mit ben Kommunisten aus und für die Machtergreifung und die Vorbereitung der Arbeiterbewegung aus alle Eventualitäten. Schließlich»var er der Auffassung, das; die Arbeiter, falls sic den Krieg nicht verhindern können, dazu verpflichtet sind, ihn umznwandeln in einen Krieg der Arbeiter. In Verbindung mit dem Kongreß fand eine Konferenz der Mädchen- und Kindergruppen statt. Die Unterdrück»»»»,» beginnt die Arbeit der Sozialistischen Jungen Garden zu lpunmeu. Der Genosse Bancnkem»vurde zu 8 Monaten, der Genosse Boh»» zu 7 Monaten und der Genosse Dauhy zu 4 Monaten Haft verurteilt. Von der Regierung ist das Verbot unserer Unifon»» beabsichtigt. Aber nichts kam» die Aus- »värtsenttvicklung unserer Bewegung aufhalten. Unsere ttzenossen sind jetzt fieberhaft dabei, alle Vorbcreitnngei: für daö Internationale Jugendtressen vom 3. bis 5. August 1084 in Lüttich zu I treffen. Umbildung des spanischen Kabinetts Madrid, 23. Jänner. Der spanische Inne n- m i n i st e r Rico A v e l l o ist von seinem Posten zuriickgetreten. Dadurch ist eine Teilumbildung des Kabinetts eingeleitet tvorden. Avello hat bei den letzten Wahlen lein Mandat erhalten, nur aus Gründen der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit war er bis jetzt im Amte geblieben. Es verlautet, daß Lerroux heute abends dem Staatspräsidenten folge»,de Lösung der Teillrise Vorschlägen wird: Zum Innenminister wird der bisherige Kriegsminister Martinez B a r r i o L ernannt. An seine Stelle tritt der Abgeordnete der radikale»» Partei Diego Ridalgo. Der bisherige Jn>»enminister Rico Avello wird Oberkommissär in Spanisch-Marokko. Hinsichtlich deö A u ß e n n» i n i st e r s Pita Ro- n»ero ist noch keine Entscheidung gefallen. Jedoch steht fest, daß für ihn das Einverständnis alü Botschafter am Vatikan einaeholt worden ist. Die Ucbernahine dieses Postens ist nur eine Zeitfrage. ! Dann tverde L e r r o u x selbst dos Außenmini- richtsgefängniö Landsberg a. Lech der 46jährige Arbeiter Karl Maul, trotzde»»» ode. weil er ain gleichen Tage a»»s der Haft entlassen werden sollte.' sterium mit übernehmen. Was Hitler ton rrankrddi wissen will Die deutsche Antwort auf das französische Memorandum Teile 4 Mittwmh, 24. Jänner 1634 Nr. IS W einer kleinen Dorfe über 13 ffiönmerifanifföe etrdme Genua 23. Jänner.(Giefiiiti.) Jn G-nua ist der?Na..netapiiä» Giuseppe P u g l i s i ein« getroffen, der soeben auS Süda.ierika von einer langen und änderst«wcuteuerlichen Reise durch auSgcdclmte, bieder meist»vch uick't erforschte Gebiete dieses Erdteiles zurückgekehrt ist. Pu- glisi durckfubr mit einer lleinen Barke ganz allein 13 s ü d a i» e r i k a n is ch c Ström e, passnrte sechs Staaten von Argentinien bis Vene- iznela und legte so eine Strecke von 11.000 K i l v« m e t c r zurück. Seine Fahrten. die dces lebhafte Interesse und die aufrichtige Bewunderung der amcrikauischcn Oefsentlichkeit und der Presse erweckten, verfolgten den Zweck, praktisch nachzuweisen. daf; die Fkustgebietc der drei Ströme Rio deca Plata. Rio dclc Amazonas und Orinoco so I ivcit schifsbar sind, um unter Zuliilfenalime dieser Flustläufe di« grostc üinncnländische sbommuni- kation zu schaffen, auf deren Errichtung in SÜd- amerila bereits mehrere Jahrhunderte hingear« beitet wird. Puglisi begann sei... Forschungsfahrt im Mai 1030 in Buenos Aires und beendete diese an der Miindung des Flusses Barimi im Dezcm- bc. 1933. Während seiner Fahrten erlebte der Kapitän viele Abenteuer und war vielen Gefahren ausgesetzt. ll. a. erkrankte er an Malaria und mustte einige Monate in ManacS verbleiben. Er beendete aber schlicstlich seine Reise, durch die eS ihm gelang, den BclveiS zu erbringen, dast über den gainen südamerikanischen Kontinent hinweg eine Schiffahrt möglich ist. Tagcsncuiglrclteii Gin Bater erschlägt seine fünf Kinder... Brüssel, 28. Jänner. Ein schreckliches Fami- liendrama bat sich in der Nacht zum Dienstag in der Ortswafr Berzec bei Namur abgespielt. Ein I ehemaliger t l e i n c r ll n t c r n c h m c r, »der seit einiger Zeit beschäftigungslos war, erschlug mit einem Hammer seine drei Töchter und Verlebte seine übrigen beiden Kinder, darunter einen Säugling im Alter von zwei Monaten so schwer, dast an ihrem Auskommen gezweifelt wird. Dann erhängte er sich an einem Balken des Dachbodens. Der Täter Ivar ein ruhiger, beliebter Mann, der mit seiner Familie in bester Eintracht gelebt hatte. Militärflieger-Katastrophe, in Prag Oberleutnant Prtrjila tödlich verunglückt Prag, 23. Jänner.(TNO.) Am 22. Jänner um 15.45 Uhr havarierte auf dem Prager Flug- plab das Flugzeug B—2t—75 vom Flicgcrregi- ment Nr. 5>. Ter Pilot des Apparates, Oberleutnant-Feldpilot Flieger B. PctrZila wurde schwer verlebt; er erlitt eine komplizierte Fraktur und Verrenkung des SprunggclenkeS, sowie einen komplizierten Bruch des rechten Oberschenkelknochens. Innere Berlcbungen konnten an Ort und Stelle nicht festgestellt werden. Oberleutnant Pe- irsila wurde sofort in das Divisionsspital Nr. 1 gebrockt, wo er um 20 Uhr an Gehirnerschütterung i> a r b. Die Ursache dcS Unfalles ist im Schnellig- leitsverlust bei der Durchführung von Kampfma- növern zu suchen. Oberleutnant Pctr.stla war 1900 in Tukan» bei Slang geboren. Er war einer der besten Pilo- tcn des tschechoslowakischen Militärflugwesens. Im Jahre 1930 nahm er an der Flugkonkurrenz für Militärflugzeuge durch die Kleine Entente und Polen teil. PctrZila absolvierte auch eine Reihe von Auslandsflügen, wie z. B. vor kurzen! mit dem Kommandanten des Militärflugwesens General Fajfc nach Warschau. Genosse Trawniezek gestorben Wieder hat der Tod eine'schmerzliche Lücke in unsere Reihen gerissen. In der Brünner Lan- destrantcnanstalt ist gestern Genosse Trawniezek aus Lundenburg nach kurzem schweren Leiden verschieden. In dem Verstorbenen verliert nicht nur unsere Lundenburgcr Lokalorganisation einen ihrer eifrigsten Funktionäre, sondern auch die Krciöorganisation einen ihrer besten Agitatoren. Genosse Trawniezek hat besonders in der Lundenburgcr Gcmeindcvertre- iunfi allgemein anerkannte Arbeit geleistet. Wir werden dem verstorbenen Genossen Trawniezek stets ein ehrendes Andenken bewahren. Tod durch eine Ohrfeige Pilsen, 23. Jänner. Am 22. d. M. starb in Pilsen der 65jährige Josef R t m s a, der von Almosen lebte. Er war vor einigen Tagen von dem 30jährigen Marktficranten Franz PIuHai aus Pilsen geohrfcigt worden. Da der Verdacht besteht, dast Rimsa infolge dieser Misthandlung gestorben ist, wurde Pluhak in Haft genommen. Die Leiche RimsaS wird gerichtlich obduziert werden. Kokain auf Reisen Trier, 23. Jänner. Das deutsche Nachrichten- Büro meldet: In der Vorwoche gelang eS der Polizei von Trier, zwei Tscheche n, die in Luxemburg ihren Wohnsitz hatten, dabei zu überraschen, wie sic drei anderen Personen 260 Gramm Kokain verkaufen wollten. Sämtliche fünf Personen wurden verhaftet. Die Untersuchung des KokainS ergab, dast cs 85 Prozent Zusatzstoffe enthielt. Die von der Kriminalpolizei angcstcllten Ecmittlung'n führten wenige Tage darauf zur Verhaftung dcS als Geldgeber auftretenden Hintermannes, eines luxemburgischen G a st w i r t e S, in dessen Besitz noch etwa 30 Gramni Kokain gefunden wurden. Am Montag sind in Trier im Auftrage des Staatsanwaltes wieder neue Verhaftungen vorgcnommen worden, so dast ins gesamt bisher zehn P. e r s o n e n in Haft genommen worden sind. ES scheint, dast die Angelegenheit noch nicht abgeschlossen ist und weitere Kreise ziehen wird. Rebbach bei Kriegsschiffen Riga, 23. Jänner. Im Zusammenhänge mit dem grostcn Skandal beim Verkauf der estländi- schcn Kriegsschiffe an Peru— zwischen dem Betrag. den die Regierung von Peru bezahlt hat und dem. den Estland empfangen hat, klafft eine Dif- ferenzvon 300.000 Dollar— tvurde in Riga der cstländischc frühere russische General Lebedew verhaftet, der als B e r m i t t l c r bei dem Geschäfte aufirat. Bei der Hausdurchsuchung bei General Lebedew fand man 70.000 Dollar. Er tvurde unter polizeilicher Aufsicht nach Estland befördert und dort den Behörden übergeben. Seine Verhaftung erregt nm so grötzercö Aufsehen, als er der Träger eines sehr bekannten Namens ist. General Lebedew war während des Weltkrieges Adjutant des Generals Tamsonolv und nahm an der Schlacht bei Tannenberg teil. Eine grosse Rolle spielte er in der Geschichte der Befreiung Estlands. Der Boykott in Berlin— und in Prag. Wie das Berliner Publikum auf die Gleichschaltung der Filmindustrie reagiert hat, geht deutlich aus einem Notschrei der Berliner Kino, bcsitzer hervor, in dem sic darauf hinwicscn, dast ihre Einnahmen im letzten Jahre um 15 Prozent zurückgcgangen sind. Dass die Kata< strophe nicht nach grösser geworden ist, verdanken die Kinobcsitzer nur ihrem Entschluss, mög. lichst viel ausländische Filme aufs Programm zu setzen. Zurzeit spielen vier von den sechs Ber- liner Uraufsnhnmgskinos ausländische, in die- scm Falle amerikanische Filnic. Und in Prag? In Prag spielen zehn von den fünfzehn Prc- micrcnkinoS rcichsdcutscho Filme. Der Boykott ist an der Spree wirksamer als an der Moldau! Tie Sammlungen für Ossel. Für die vom Revierrat in Brüx zugunsten der von der Grubenkatastrophe in Ossel Betroffenen veranstaltete Hilfsaltion sind bis zum heutigen Tage 566.550 Kö eingegangcn. Wetter normal. Montag war eü nur dem Süd- wesirand des Staates entlang bctvölkt. Sonst dauerte das heitere winterliche Wetter an und die Temperatur entspricht annähernd dem Normalstande für diese JälireSzeit. Im Binnenlandc dürste sich das Wetter unter der Einwirkung eines mäch- ! tigen Hochdruckgebietes über Pole» und der Ukraine vorläufig noch nicht wesentlich ändern.— Wahrscheinliche: Wetter* c u t c: Andauern des gegenwärtigen WitterungScharaktcrS. Kranken„pfkege" ans dem Erdboden. Jin Prager deutschen Krankenhaus herrschen, so wird uns von Freunden unseres Blattes, die Angehörige dort liegen haben, mitgetcilt, geradezu beispiellose Raumverhältnisse. Es sind so wenig Betten vorhanden, dast die Kranken zwischen den Betten auf Matratzen liegen müssen. Ein qualvoller Zustand für die Leidenden, die auch sonst über Mangel an Sauberkeit und mangelhaftes Essen klagen. Das Pflegepersonal ist so fürchterlich überlastet, dast es nicht ans und nicht ein Iveih, Reibereien zwischen Kranken und Personal sind daher nicht zu vermeiden. Die Luft in den überfüllten Krankenzimmern ist denkbar schlecht. Eü wäre schon wirklich notwendig, hier Wandel zu schaffen! Unfall oder Selbstmord? Ans der Landstrasse Osterburg—Wittenberge fanden Fussgänger den Viehhändler Friedrich Beher aus Aken sau der Elbe) mit seinem völlig zertrümmerten Motorrad tot auf. Neben ihm lag ein unbekannter Mann, der durch einen Schädelbruch schwer vcr letzt war und bei der Uebersührung in das Krankenhaus starb. Die bisherige Untersuchung hat ergeben, dass Beher durch einen Kopfschuss getötet worden ist. Man vermutet, dass Beher, der Vieh aufkaufen wollte, gegen einen Baum gefahren ist und auö Berztvcislnng darüber, dass der Sozius dabei schwer verletzt tvurde, Selbstmord verübt hat. Nicht ganz ausgeschlossen ist aber auch die Vermutung, dass der unbekannte Mitfahrer den Viehhändler hinterrücks erschossen hat, um ihn zu berauben und so das Unglück verschuldet hat, bei dem er selbst den Tod fand. Rever Leichrnfund in Budapest. Im Vorort Pest-Ujhelh wurde Dienstag früh in einer Müllablagerunsstättc die Leiche eines Mannes gefunden. Die Hände und Füsse waren geknebelt, die Leiche wies Spuren von Gewalttätigkeiten auf, so dast anzunehmen ist, dast der Mann ermordet wurde. Die polizeilichen Feststellungen ergaben, dass es sich um den in Rako- spalota wohnhaften Kaufmann Ludwig Varga handelt. Banditen von Marseille. Tas Schwurgericht von Aix-en-Provence sprach am Montag das Urteil gegen drei Banditen, die nach amcrikanischcni Muster daü Marseiller Postamt am hcllichtcn Tage überfallen, die Kassa beraubt und auf der Flucht d r c i P o l i z i st e n, die sie verfolgten, e r- schossen hatten. Die beiden Haupttätcr wurden zulebenSlänglicherZwangsarbeit verurteilt; ein Helfershelfer erhielt drei Fahre Zuchthaus und fünf Jahre AufenthaltSvcrbot. Das Meer wächst inS Land. Präsident Roosevelt hat dem Senat einen Bericht deS Handelsministeriums unterbreitet, in welchem dargelcgt wird, dast sich durch die Entwicklung des Fluhvcr- kehreS 28 Binnenstädte in Seehäfen verwandeln Durch das Zustandekommen des Vertrages„wird eine neue Secküste in der Länge von 8576 Meilen. die bis zum Herzen des Landes dringt, geschaffen". Man erlvartct, dass der Senat den Vertrag über den Verkehr auf dem Lorenzostrom erledigen wird, sobald das neue Goldgcscb angenommen sein wird. Dir Bevölkerung Italiens bezifferte sich 1033 auf 42,602.000. ES wurden 285.224 Ehen gegenüber 268.836 im Vorjahre geschloffen. Man zählte 086.834 Lebcndgeborene gegenüber 002.040 im Vorjahre, d. s. 23,5 Prozent der Bevölkenmg. Gestorben sind 567.056 gegenüber 607.546 im Vorjahre, d. s. 18,5 Prozent der Bevölkerung. Ter Zuwachs der Bevölkenmg betrug demzufolge 410.776 gegenüber | 084.503 tm Vorjahre. Leitende Beamte einer Baugroßfirma bieten Bestechungs» gelber an— Mehrere Verhaftungen Die Brünner Polizei führte bereits fest längerer Zeit in aller Heimlichkeit die Nntcrsuchimg gegen einige Beamte der Vaukirma P i t t c l u n d B r a u s e w c t t e r, die im Verdacht stehen, bei einigen öffentlichen Bauten und Arbeiten Bcstc- chuiigsgeldcr angcboten z» haben. Am vergangenen Samstag wurden zwei leitende Beamte der Firma, Jug. Wilhelm F c h r c und Jng. Franz Machaczck aus Prag zur Brünner Polizeidirektion vorgcladen. Gleichzeitig mit ihnen wurden auch drei Beamte der Brünner Filiale, darunter die beiden leitenden Beamten Jng. Flieger und Jng. Schürer vorgcladen. Die Polizei liess auch die Geschäftsbücher be- schlaguahnien, die sehr ungenau geführt sein sollen und aus denen hervorgeht, dast tatsächlich Beste- chungsgclder gezahlt wurden. Auch das Verhör mit den Vorgeladcnen verstärkte den Verdacht der Polizei, dast die Firma, um sich gröstcre Arbeiten zu sichern, Bcstechimgsgeldcr gezahlt hat. Die fünf einvcrnommcncn Beamten lvurden für verhaftet erklärt. Bei der Untersuchung dieser Bestechungsaffäre wird natürlich auch insbesondere darauf gesehen, diejenigen Personen fcstzustellen, die diese BcstechungSgelder erhalten haben. S wurden wieder einige Personen verhaftet, darunter einige Beamte der Bahnerhaltungsscktion in Brünn. Vorstand der zweiten Sektion dieser Abteilung, sotvie ein Ingenieur und ein Strcckenmeister, die bereits früher einvernom- mcn worden N>arcn, wurden neuerlich zur Polizei geladen und nunmehr für verhaftet erklärt. Der Verdacht richtet sich auch gegen einige Ve- amte der Landcsbchördc in Brünn. Aber auch nach. Prag und in andere Städte der Republik führen die Fäden dieser lveitverzweigten Bestc- chungsaffärc. Man fand auch ein mehrere Seiten starkes Verzeichnis jener Personen, die Bestcchungsgclder erhielten. Die Firma Pittel und Brausewetter gehört zu den führenden Baufirmen der Republik. Die Zentrale ist in Prag. Die Firma führte grössere öffentliche Bauten in der Republik durch und war u. a. auch am Bau der Fraincr Talsperre beteiligt. Die Untersuchung dieser Affäre wird von der Brünner Polizeidirektion fortgesetzt. Die Bestcchuiigsaffäre wurde durch Beamte der Revisionsabteilung deS Finanzministeriums, die wegen der Steuern eine Ueberprüsung der Bücher de. Finna Pittel und Brausewetter durchführten, aufgedeckt. Die Bücher der Ostrauer Fi liale der Firma wurden gleichfalls beschlagnahmt und dem Brünner Kreisstrafgericht übermittelt. Die hiesiige Leitung der Bahnerhaltungssektion hat mit diesen Bestechungen nichts zu tun, da diese schon jahrelang gurückliegen. Vie Wintersportkämpfe der III. Arbeiter*Olympiade lvurden am Sonntag in G r o st h a m in e r mit dem Tag der Kinder eröffnet. Am Start ivarcn rund 120 Schüler und Tchülcrimieii vom Verbände der TTJ. sowie vom A t n s erschienen. Die jünnsten Wettkämpfer waren mit grossem Eifer und Ernst bei der Sache und der schöne Verkauf der Veranstaltung bildete einen ge- l ungenen Auf takt zu den am kommenden Samstag und Sonntag stattsindcnden internationalen Wettkämpfen. Das Wetter und die Schiicevcrbältuissc waren ausgezeichnet— im Gegen, fatz zu anderen Gegenden, wo TaiUvctter allen Scknee ZUM Verschwinden g*brackit bat. Die 01 odelwettbewerbe wurden von insgesamt 58 Kindern bestritten; bei den K naben siegte der 12jährige Tater m a n von der DTJ. Grosshmnnicr, bei den M>i d ch c u blieb die 12jährige Austl vom AtnS D c s s e n d o r s vor einer 14jährigen Schülerin der TTJ. Grossbammcr erfolgreich. An den 2 k i w e t i k ä ni v f e ii nahmen inSgc« samt 51 Kinder teil. Den 2-Kilometer- L a u s der Schüler gewann Menzl(AtusDes- s e n d o r 0; den der Sckiiilcriimcn K a r m c l o v ä (TTJ. Grosshaniiiier). Im Lausen über 3 Kilonieter siegte bei den Knaben Tischer(Teilen- dorkl und bej den Mädchen H a v l o v ä(2TJ. Grossbammerd. Ta« Springen ivurdc am' der neu herge- richteten Sprung schanze in G r o st h n in m er durckacführt. Ten weite si en S p rn n g in der Kategorie der 11 j ii hrigen erzielte G örncr (DTJ. Smr'ovkal mit 17 Metern; bei de» 12-jährigen sprang'Havel(TTJ. Grosshammer) mit 15." Meiern am weilestcii. Zur Frage der„Spirlaulomaten". Durch die Tagesprcsse ging die Mitteilung, dass das Rote Kreuz, die Masaryk-Liga für Belämpfmig von Tuberkulose und die Bczirislommision für Jugendfürsorge ein Memorandum abgesasst ba- bcn, worin sie sich gegen das einseitige Verbot von Spielautomaten wenden, wie es der Gesetzentwurf vorsieht, den das Innenministerium siir die nächste ParlamcntSsaison vorbereitet hat. In dieser Notiz war als Schlusssatz angeführt, dass eine ähnliche Aktion auch der Bund der .Kriegsinvaliden untcrnonnncn hat, der inSbeson- dere auf die neueste in Deutschland geübte Praxis hinwics. linier Bezugnahme auf diese erschienene Notiz sicht sich der Bund der Krieqsver- lctzten, Witwen und Waisen, Sitz Reichenbcrg. veranlasst, zu berichten, dast von dieser Seite aus Ivedcr eine Aktion für noch gegen ein Verbot der Spielautomaten eingcleitet und durchgeführt worden ist. Politische Erziehung ist eines der a/incllsten Probleme der demokratischen Schule. Prof,. Dr. Alfred K l c i n b c r g behandelt diese Frage in dem eben erschienenen Iämierhcst der„Neuen Erziclnmg". 2er dckaniUe tschechische Schul: sorincr Doz. Dr. P r i- h o d a mitersiicht das Verhältnis von Demokratie und Schule. Dr. Emil F r a n z c l ergänzt dieses Thema durch eine Klärung der Frage: Was ist Demokratie'.' Auster diesen umfangreichen Artikeln cmhält die 3eii- schrift auch eine kritische Stellungnahme zur Miiicl- schulresorm. Neben zahlreichen Notizen über schul« und kulturpolitische Ereignisse des In- und Auslandes wird auch der Fall des geflüchteten national- sozialistischcn Fachlehrers Langhans aus.Karlsbad besprochen. Zahlreiche Büchcrbesprechungcn schliessen die Zeitschrift ab. Tic„Neue Erziehung" ist eine dec interessantesten sudetendciitschcn Erziehnngszeitschris- ten. Sie gehört in die Hand aller fortschrittliche» Lehrer und Eltern. Tas Jahresabonnement beträgt Xi 15.—. Bestellungen sind zu richten an die Verlval- imig der„Neuen Erziehung", Aussig, Klesscher Strasse 113. Furchtbare Grvlosion eines Dynamiilager» Buenos Aires, 23. Jänner. Auf der I u s e I G o v c r n a d o r im Hasen von Rio de Janeiro crvlodicrte ein Dynamitlager, wobei, wie man befürchtet, 12 Personen getötet und 60 verletzt wurden. Bisher sind zwei Leichen geborgen und 30 Personen ins Krankenhaus eingc- liefcrt worden. Die Explosion, die sich während der Nacht ereignete, verursachte auf der dicht bevölkerten Insel eine Panik. Mehrere Lagcrspeichcr sind zerstört tvordcn. Die Schuppen der Marinefliegerschule wurden beschädigt. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen: Donnerstag , Prag, Sender L. 10.15: Deutsche Nachricht en, 11.05: Konzert des Talvnorchcslers, Sender S. 14.80: Junge Menschen betrachten die Welt, 15.10: Deutsche P r e s s e n a ch ri ch t c n, Sender L. 16: NachnüttagSkonzcrt. 17.25: Liedcrkonzcrr, 17.45: Französischer Sprachkurs, 18: Deutsche Sendung: Neue Bücher, 1V: Deutsche P r c s s e n a ch r i ch t e ii. 10.30: Der goldene Hahn, 20.15: Licderkvnzcrt. 22.25: Smetana: Aus„Dalibor".— Brünn 15.40: Frauenfunk, 18.25: Deutsche S e u d u n g:„Im Wald und auf der Heide", Kinderspiel 16.20: Konzcrtabcnd, 20.15: Lautenmusik.— Preßburg 17: Orchcsterkonzcrt.— Wien 17.15: Konzcrtstimdc, 19.05: Volkslieder, 20.20: Neue englische Musik, 22.15: Abendkonzert.— Berlin 10: Orchestcrkonzert. Jtr. rv Mittwoch, 24. JLmtrr 1934 Seite 8 MnttrvM im Driften Reith „Die Winterhilfe ändert lein Weiter, Das Eintopfgericht niacht uns nicht fetter, Der Reichstagsbrand schafft nns leine Kohle, Tie Folterpriigcl flicken nicht die Sohle." (Illegale Klebezettel in Deutschland) Bor der„nationalen Erhebung" versprachen die Nazidcmagogcn den in den Jahre» der Krise durch Arbeitslosigkeit und Not in Verzweiflung getriebenen Massen„Arbeit, Brot, Freiheit"... An den Besitz der vollen und uneingeschränkten Macht gelangt, haben die Hitler-Goering- Goebbels jedoch tveder Arbeit noch Brot schaffen Immen; und die„Freiheit", die sie meinen, bedeutet ja nichts als ein Reginie der brutalsten Entrechtung und furchtbaren, beispiellosen Sklaverei. So steht der erste Winter der Naziherrschaft im Zeichen des MordtcrrorS tvic auch der unglaublich gestiegenen Not und der unheim- licken Verelendung derMassen der werktätigen Bevölketung. Seit Milte deS Jahres 1V33 ist der ganze Propaganda« und BolkSbetrugSapparat der Nazis darauf eingestellt, über die angeblich grandiosen Erfolge der„Arbeitsschlacht" zu melden. Ammer tvieder, unaufhörlich wurden aus allen Teilen des Dritten Reichs neue Siege Hitlers auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung auSposaunt. Am Durchschnitt der ersten neun Monate deS Jahres 1033 soll cB in Deutschland— nach amtlicher Statistik, deren Wert allerdings sehr zweifelhafter Natur ist, da sie ja"Begeisterung machen" soll— rund 700.000 Arbeitslose weniger gegeben haben als im Vorjahr. Ginge cS da mit rechten Dingen zu. so müßte dieser fortschreitend zunehmende Rückgang der ErtvcrbSlosigkeit und die Ncncinrci- hung von bisher arbeitslos gewesenen in den Pro- duktionSprozcss, selbst bei Berücksichtigung der inzwischen trotz allen gegenteiligen Beteuerungen vorgenonnnenen gewissen Lohnkürzungen, doch zweifellos zur Folge haben, dass der Gesamtbetrag des Arbeitseinkommens auch ein Anwachsen erfahren hätte. Weit gefehlt! In Wirklichkeit ergibt sich aber selbst auS den Werten Statistiken deS Dritten Reichs ein völlig anderes, entgegengesetztes Bild. Rach der vorliegenden offiziellen Schatzung des RcichSfinanz- Ministeriums betrug das„Einkommen aus Lohn md Gehalt" nämlich 1938 1982 in Milliarden Mark 1. Vierteljahr... . 6.10 0.49 2. Bi-rt-ljahr... . 6.SÜ 6.64 3. Vierteljahr... . S.72 6.88 in den ersten 9 Monaten insgesamt... . 19.88 19.71 . Diese offiziellen Zahlen besagen also klipp und klar, daß in den ersten drei Vierteljahren 1983 das Arbeitseinkommen im Vergleich mit dem Vorjahre nicht etwa höher, sondern u m 336 Rillionen Mark geringer war. Zwilchen den Halleluja-Meldungen der ArbeitS- und Propagandaministerien und dem weniger rosigen Bericht des Finanzministeriums klafft also ein zu grotzer Widerspruch. Ein zu toller„Zwiespalt der Natur!". So wird das ArbeitSbeschaffungS- Rärchcn durch die offenbar doch noch nicht genügend glcichgcschaltcten eigenen Statistiken der Nazis widerlegt. ES steht jedoch fest, dass in den angeführten Ziffern über die Verringerung deS Arbeitseinkommens, mithin also auch der Kaufkraft in Deutschland die ungeheure Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der Massen der Lohn- und Gehaltsempfänger sich bei weitem nicht erschöpfend widerspiegelt. Um ihr tatsächliches Ausmass auch nur annähernd zu erkennen, muss man sich noch eine ganze Reihe anderer Faktoren vor Augen halten. Zunächst ist zu berücksichtigen, dass die Arbeiter und Angestellten im Dritten Reich mit einer Unmenge von Steuern, Sondersteuern, Abgaben,„frcilvilligen" Abzügen und Spenden belastet sind. Ihr tatsächliches Nettoeinkommen verringert sich dadurch um einen enorm hohen Prozentsatz, der bis zu einem Drittel des Lohnes, bzw. Gehaltes geht. Im Laufe des Jahres 1933 ist ferner eine radikale Masse nauö- Neuerung von bisher noch unterstützten Erwerbslosen erfolgt, die so dem glatten Elend preisgegeben lvurden. Die Kaufkraft der Arbeitcrsänrst und Angestellten hat sich also sehr stark vermindert, was auch zu einer weiteren Verschlechterung der Lage des Mittelstands beitrug. Demgegenüber haben die Lebensmittel infolge des AgrarwuchcrS —„Gemeinnutz geht vor Eigennutz I..."— eine bedeutende Verteuerung erfahren. So muhte das Elend der Massen mächtig ansteigen. Die Nazis find darum bemüht, die Massen über deren verzweifelt trostlose Lage durch— Propagandamätzchen hinwegzutäuschen.„N'i e- mand soll iir diesem Winter hungern und frieren!", so lautet der allerneueste Saisonschlagcr des Goebbels. In sämtlichen Strassen sämtlicher Grossstädte sind Riesenplakate angebracht, die in fetten Riesenlettcrn verkünden, dass der„Staat der echten Volksgemeinschaft" für seine Untertanen sorge und gegen Hun- ger und Frost kämpfe. Nachdem die Nazis den „Wohlfahrtsstaat jüdisch-marxistischer Vergangenheit" zerschlagen haben und in ihrer„Sozial"- poliiik durchaus den Wünschen der Oberscharf- macher Recknung tragen, tun sie nun, um ihre Menschen benutzen täglich Chlorodont.Das beweist, wie gut diese Zahnpaste ist Achten Sie einmal darauf, wie» viele Menschen die Zahnpflege noch ver» nachlässigen.Dann werden Sie sehen, wie angenehm ein frischer Mund mit gepflegten weissen Zähnen auflallen kann. Überall erhältlich. WKWBWäKMMWU Tube KS 4.-, grosse Tube Kü 6.- Ein verhängnisvoller Auftrag der Behörde Genosse Anton P l c f k a, 28 Jahre alt, in I Jttdendorf, lebte init seiner alten Mutter zusammen und sorgte für sie. Wie so viele juNgc Arbeiter war auch er arbeitslos. Nm doch das karge Leben fristen zu können, holte er Kohle aus einem von ihm in einem alten Tagban zwischen Jüdendorf und Probstau selbst hecgeftellten Schacht, um aus deren Verlauf ein paar Kronen für den Lebensunterhalt zu gewinnend Am Mon- tag kvurden d i e s c S ch ä ch t c ü b e r b e h ö rd- lichcn Auftrag wieder zugeschlos- s e n. Ein Vertreter der Behörde hat diese Aktion unter Gendarmericassistcnz geleitet. Den arbeitslosen Kohlcngräbern. die anlvesend waren, als ihre Arbeit zerstört wurde, gestattete man, daö Holz aus dcni Schachte hcransznholen. Daraufhin ist Plefka in seinen Schacht gestiegen, um das Holz, das zu erlangen war, hcrauSznnehmcn. An der Haspel über dem Schacht wurde eine Leiter angebracht und in den Schacht hinnbgclasscn. Auf dieser Leiter stieg. Plefka hinab. Auf der Leiter stehend, schlug er einen Holzkranz los, dieser- fiel jedoch in den Schacht hinunter. Plefka Ivollte das Holz nicht im Stiche lassen, ging von der Leiter herunter und versuchte, sich auf das hereingebrochene Erdmaterial zu stellen. Das tvurde sein Verhängnis. Dieses Material gab nach und Plefka siel tiefer in den Schacht auf eine Holzbühne. Sein Arbeitskamerad stieg darauf hinsofortin de»Schacht, um P l e f k.a. z u r e t t c Ex.haste tzcrcits die Schultern Plefkaö sreigcmacht.'glS ncu^sMIilcrinl niederging und nun auch ihn verletzte. /Herbei-' geeilte Helfer muhten sich, zunächst bemühen, den Verletzten heranözubckoinmc», tvaS mich gelang. Auf den unglücklichen Plefka stürzte indessen immer mehr Material. Man holte von einem nahen Schacht Holzspreizen, um zu verhindern, dass weiteres Material niedergeht. Dann wurde der Versuch unternommen, von einem zweiten wilden Schachte aus zu Pleska zu gelangen, aber dies misslang, weil dieser Schachtgang um. etwa 9 Meter tiefer lag als die Bühne, auf der sich I werktätige Anhängerschaft, der jetzt immer mehr ein Licht aufgeht, bei der braunen Stange zu halten, als wollten sic durch eine„grosse Ak- t i o ii" die Not der Massen beseitigen. Ist cS schon an sich bezeichnend, dass das „Werl der Wintcrhikfe" vom Reklamcministcrium eingeleitet und gemanagert wird, so sind auch all die angctvandicn Methoden danach. Der Clou der WinterhilfSpossc ist das Gocbbcls'sche„E i n- topfge richt", das— eine freche Vorspiegelung falscher Tatsachen— auch als das Shmbol der angeblichen Volks- und Notgemcinschast(zwischen den Nazibögten und Trust- und Börsenherren einerseits und den verelenden Proletariern und Mittclständlcrn andererseits!) gelten soll. Ferner führt man in Deutschland Strassen-, Haus- und„Brocken"-Sammlungen zugunsten der Winterhilfe durch. Die Arbeiter, Angestellten und Beamten iverden geschröpft, indem man ihnen laufend hohe„freiwillige" Extra-Beiträge abzieht. Und das Ergebnis? Im Rundfunk wurde bckanntgegebcn, dass das Wintcrhilfswcrk etwa 13 Millionen(!) Bedürftige und deren Angehörige zu betreuen hat, und dass die bisherigen Leistungen nach dem Stand der letzten Meldungen insgesamt mit den Bargeldspcnden und„Spenden" rund 123 Millionen Mark betragen. So ergibt sich, dass auf den Kopf nach Adam Rieseganze 8.3 Mark kommen. Für 4 bis 6 Wintermonatei* Es ist zwar anzunchmen, dass es den Nazis in Wirklichkeit gelungen ist, einen nicht unerheblich höheren Gesamtbetrag zusammenzubringen, von dem aber ein beträchtlicher Teil in die Taschen der nationalsozialistische Wohlfahrt übenden Pg'S gewandert ist. Für die Hunger und Frost leidenden armen Teufel bleibt jedoch nur die fürwahr geradezu grosszügige Unterstützung von 1.70 bis 2.10 Mark im Monat. So erweist sich die ganze Jämmerlichkeit der grossmäulig aufgebauschtcn Winter„hilfe": Korrumpierung der Pg.s, Verhöhnung der Notleidenden, und— Propaganda, Propaganda... Plefka befand. Indessen brach immer neues Material auf den armen Plefka nieder und die Rettungsarbeiten muhtens chlieblich e rn g e st e l l t werden. Von dem oben er- wähnten Schachte aus hatte man sich indessen weiter bemüht, zur Bühne PlcfkaS zu gelangen, u. zw. dadurch, dass man von unten herauf neue Biihnen errichtete. Um halb 1 Uhr mittags brach Plefka in den Schacht ein. Um 7 Uhr abendS hat man v o n i h m noch Lebenszeichen gehört. Dec arme Genosse Plefka muss also qualvolle Stunden dnrckilebt haben. Um 7 Uhr rief er, man möge sich dock beeilen, er halte cö nicht länger mehr aus. Als dann noch einmal Erdmaterial auf ihn niedcrging, tvurde er stumm und als cS um% lOUHrabendSgclang, zuihm z u kommcn, konnte er nur noch als Leiche geborgen iverden. Plefka hatte starke Quetschungen am Unterleib erlitten, er befand sich in gebückter Stclluiig, den Oberkörper stark geneigt, als man ihn fand. Ucber PlcfkaS Kopf befand sich Holz, unter dem sich ein kleiner Hohlranm befand, so das; der Verunglückte viele Stunden in dieser fürchterlichen Lage zu leben vermochte. Der Schacht hatte eine Tiefe von 22 Metern. Es sollte Sorge getragen Iverden, dass sich UnglückSfälle dieser Art nicht mehr ereignen und eS wird auch llargestellt Iverden müssen, ob nicht in. diesem Falle eine Schuld jener Faktoren vor« liegt, die es-gestatteten, dass das Holz heraus« genommen wird, oblvohl der Schacht bereits zugeschlossen Ivar. Es wird auck erzählt, dass neben den Vertretern der Behörde»och andere Herren deS Bergbaues anwesend ivaren und den im Schacht arbeitenden Plefka ermahnten, sick bei seiner Arbeit zu beeilen. Ecklicsslick ist auch dieser Tod deS 28jährigcn arbeitslosen Genossen Plefka eine furchtbare Anklage gegen ein gesellschaftliches System, das de» arbeitswilligen Menschen Arbeit und Brot nicht zu geben vermag und ihn tvcgen eines Holzsparrens in den qualvollen. Tod treibt. Was die hakenkreuzlerischen Imperialisten wirklich wollen das ersieht man nicht so sehr aus den geölten Frie- dcnSrcdcn Hitlers, sondern aus den Reden, die die Führer halten, wen» sic sich unbeachtet glauben. So erzählte unlängst, wie der Bukarester„Adefe- rul" meldet, der Führer der deutschen Hakeukreuz- lcr in Siebenbürgen, Fabritius, folgendes: Deutschland wird in Zukunft eine ungeheure Grossmacht, welche von der Nordsee biö zum Schwarzen Meer« reichen wird und in dem die Rumänen eine. Minderheit sein werden. Achnlichc Töne schlug der Reichsminister Röhm, der Stabschef der SA an, der in einer Versammlung des Khffhäuser-BundcS sagte: Der deutsche Wunsch nach Einheit ist so alt, lvie das deutsch« Bolt selbst. Sekt jenen fernen Zeiten, wo die Söhne des Nordens ihre Wälder und Sümpfe verliessen, um in der Geschichte auf« zntanchcn, hat dec deutsche Mensch nicht aufgehört, von der mächtigen Einheit all jener zu träumen, die durch Blut, Rasse, Sprache und Denken eine Einheit bilden." Mhm erinnerte dann an Arminius, den Sieger über die römischen Legionen, sowie an Martin Luther und meinte, dass für diese Männer das Reich von der Saar bis zu den Bal- t i sch e n S t a a t e» u u d b i s F l a n d e r n reichte. Oesterreich baut schwimmende Kurzwellenstation Ein sensationelles Projekt steht gegenwärtig Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag Volkstümlicher Kurs über kulturelle Fragen Der Bildungsausschuss der Bezirksorganisation Prag veranstaltet im Feber—März 1984 einen populären LehrkurS über kulturpolitische Fragen, der eine notwendige und sicherlich begrüssenswerte Ergänzung der bisher veranstalteten politischen KurSabende darstellcn soll., ES ergeht hiermit an alle Mitglieder der Partei und der deutschen sozialistischen Kultur- organisationen in Prag und an alle Freunde unserer Bewegung die Einladung zur Teilnahme an den für sechs Abende anberauinten Kurs Kulturfragen de» Sozialismus Die Borträge finden immer in der Zeit vom 1. Feber biö 16. März Donnerstag abends halb 8 Nhr im Parteiheim (Prag II.. Närodni-II statt, wobei nur der 8. Feber (mit Rücksicht auf die an diesem Abend stattfindende Generalversammlung der BczirkSorganisation) entfällt. Daö Programm: 1.Feber: Einleitung: Der Sozialismus als Kul- tnrproblem.(Dr. E. Franze!.) 15. Feber: Unsere Stellung zum Theater. (Goldschmidt.) 22. Feber: Unsere Stellung zum Filui. (Dr. Lustig.) 1. März: Urber die bildende Kunst. (Dr. Max Dtri.) 8. März: Religion und Sozialismus. (Dr. Heinrich Hofmann.) tä. März: Sozialistische Lebensführung. (Hofbauer.) Alle Borträge finden unter der Leitung des Bildungsausschuffes statt. Diskussion nach jedem Vortrag. Regiebeitrag für den gesamten Kurs 10 Kf.(Zu entrichten am Beginn des ersten Abends.) Beitrag für jeden einzelnen Abend 3 Kc. Anmeldungen(auch von Richtmitgliedern der Partei und der Kulturorganisationen) sind sofort zu richten an Genossen L. Goldschmidt,„Sozialdemokrat". Prag XU., Fochova 02. unterhandelt das Akademische Institut der Wiener Universität für Studienreisen gcgentvärtig zwecks AnkmifeS der Hochseejacht„JkaruS" uni dem Reifen im Mittelmecr unternommen wcr- den solle» und das die österreichische Flagge sichten soll.— DaS Schiff befindet sich gegenwärtig in englischem Besitz und wurde in der letzten Zeit für Nordlandrciscu verwendet. Es hat eine sehr interessante Vergangenheit, denn cs gehörte einstenS zum Besitz des deutschen Kaisers.— Nach den Plänen des Akademischen Instituts soll daS erste österreichische Studicnschisf dauernd int Mittelmecr kreuzen. An Bord sollen ständig Hochschulkurse abgehalten werden. Studenten und Professoren werden dort in Gemeinschaft ihrer wisseuschaftlichen Arbeit leben.— Besonderen Wert erhält das Projekt aber dadurch, dass auf dem Schiff bereits eine Kurzwellenstation installiert ist, die als erste österreichische Kurz- wellcnstation in Betrieb gesetzt werden wird. Auf diesem Sender wird auch ein regelmässiger Nachrichtendienst mit der Heimat unterhalten werden. Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes eröffnet am 22. Jänner feine Tagung. Auf dem Programm derselben befindet sich da' Problem der bezahlten Urlaube, mit welchem sich die Internationale ArbcitSkonferenz des JahrcS 1935 beschäftigen' ürd. U. a. soll entschieden werden, ob der bezahlte Urlaub auch den landwirtschaftlichen Arbeitern und den Seeleuten gewährt werden soll. Der Verwaltungsrat wird auch den für die Internationale ArbcitSkonferenz von: Jahre 193-1 vorbereiteten Bericht prüfen, der sich mit der Erhaltung der Rechte auf dem Gebiete der Jnvaliditäts-, Alters- und Todesfall-Versicherung für jene Arbeiter befasst, die ihren Beschäftigungsort aus einem Staat in einen anderen verlegen. Eine weitere wichtige Frage des ProgrmnmS deS VersammlungScateS des Internationalen Arbeitsamtes ist eine Enquete, die die R e g e l u n g der Arbeitszeitin den Hotels, Restaurationen, Theatern und ähnlicher llnternehincn, Weilers in den Krankenhäusern, Sanatorien, Irrenanstalten usw. betrifft. Der Verwaltungsrat wird auch die Berichte der Regierungen über die Ratifizierung des internationale» Abkommens über die Arbeitszeit in den Kohlengruben zur Kenntnis nehmen. Schliesslich wird der Ver- waltnngSrat auch die Berichte einiger Kommissionen behandeln. In Genf rechnet man mit der Möglichkeit einer V e r t a g u n g dec heurigen F hjahrs-ArbeitS- konferenz vielleicht bis in die ersten Tage des Juni. Zur Begründung wird insbesondere angc- Staa- zur Verhandlung, das nicht verfehlen wird, überall das grösste Interesse wackzurufcn. Es handelt sich um nicht weniger als die Errichtung einer schwimmenden Universität und K'urzwel- lcnstatio» im Mittelmecr, durch welche die Aufmerksamkeit der Welt auf daS kleine Oesterreich und seine bedeutenden lnlturcllcn und geistigen Kräfte gelenlt werden soll.— Wie wir erfahren. führt, dass die Delegation der Vereiniglen ten diesmal ettoaS später in Genf eintrisst. „Dszialdemolrat* Mittwoch, 24. Jänner 1934 M. 1» PRAfiER ZEITUNG k Kunst und Wissen mutz inan Vom Frost Oberhaupt der seine stciuhartcn scheint ein SchicksalS- hattc. Bläh. müde. Mit einem Wort: er Ivar ein armer Teufel, der diese graycnhaften Geschäfte für wenige Kronen mitmachtc. Doch wer fragt danach? Der sterbende Kapitalismus mutz immer verzweifeltere Anstrengungen machen, tim deni immer mehr verarmenden Konsumenten ein paar Groschen auS der Tasche zu locken. Was kommt cS ihm unter diesen llm- ständen darauf an, ob ein arnicr Teufel, zur würdelosen Karikatur degradiert, auf Riesenstöckcln und hinter, schlecht gelüfteter Maske, vielleicht in seiner Seele leidet? Katja. Schicksale unter Masken Du erlebst es fast jeden Tag, wenn du durch eine der belebtesten Straßen gehst. Ucber den Wcn- zclsplatz oder durch die Wasscrgasic, durch die Fo- chovä oder hinauf zuni FricdcnSplah. Eii,c Maske begegnet dir, eiir Mummenschanz. Ein Etwas auf hohen Beinen, so hoch, das; es den Nebcnmenschen weit mtd sichtbar überragt. Das riesenhafte Monstrum stellt manchmal dar: einen Kavalier mit endlosen Hosen, deren scharfgeschnittene Bügelfalte eindringlich im Auge des Beschauers haften bleibt. 5>der einen Roboter, der ganz aus lüustlichen Gliedern zusammengesetzt scheint, und auü dessen Augenhöhlen elektrische Glühbirnen strahlen. Manchmal grützt dich auS der fernen Höhe ein kecker Page oder eilt stolzer Ritter, llnd das Ganze— du weist cS sowieso längst— entpuppt sich als Rcklamefigur. Für irgendetwas. Für einen Schneider, für eine Gliihlampcnfabrik, für ein Kino, für eine Füllfedcrhaltersirma usw. Bielleicht lächelst du im Augenblick, wenn dir ein so sonderbar auffällig staffiertes Wesen begegnet. Aber im nächsten Augenblick durchzuckt dich doch der Gedanke, das; cs für ein menschliches Wesen unwürdig ist, sich derartig unter dem Licht des Himmels zn repräsentieren, und datz es dem Geschöpf im Innern dieses MummeuschallzeS, auf Stöckeln und hinter schlcchtgclüftctcr Maste kaum sehr lvohl zu Mute sein dürfte. ES erinnert an die Arbeiten hinter GlaSfenstcrn, im Ailgesicht einer schaulustigen neugierigen Menge— und immer lächeln dabei, und immer lächeln— ganz entfernt denkt man, im gleichen Sinn wie man Tierquälerei sagt— an Menschenquälerei. Hinter diesen Maökcn sind Schicksale. Wer tut so,ctlvaS, Ivcnn ihn nicht höchste Not zwingt? Wenn er nicht von der Arbeitslosigkeit und Hunger so zermürbt ist, datz er auf alles pfeift? Ich folgte ciilcm, heimlich, unauffällig, bis in den Hausflur, wo er seinem Mummenschanz entstieg. Und er sah grad' so auS, wie ich eS mir gedacht AlrveitSkolonne.. Gin«tld aus der« Winter 1933-34 VM en! Bei Zustellung tnS HmiS oder bei Bezug durch di- Post monatlich KC 10.—, vierteljährig K t 48.-, halbjähng Kö VS.—, ganzjährig KC 192.—.- Inserate werden laut Tarif villigsl berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Riickstellung von Maiuistripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post« und Telegraphen-' dkrektton mit Erlaß Nr. 18.800/VH/1030 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS^, Druck-, AerlaaS- und ZektungS-A.-G. Prag Ein Austakt zur III. Tschechoslowakischen Arbeiter-Olympiade waren die Kinder-Wettlämpfc am Sonntag in Grotz-Hainmcr. Die allerjüngsten Sportler traten an und zeigten, lva» sie können und dies ivar auch in diesem schönen Sport nicht wenig. Zum Start stellten sich 120 Schüler und Schülerinnen der DTJ und des ATUS, lvelche sich trotz scharfer Konkurrenz sehr gut miteinander vertrugen. ES ging unter den Kindern sehr lebendig zu und es war eine Freude, den Kleinen zuzusehen. Die Wettkämpfe der Kinder waren ein gelungener Anfang für die Hauptwettkämpfc an» nächsten Samstag und Sonntag.— Die wintersportlichcn Wettkämpfe in Grotz-Hammcr am 27. und 28. Jänner werden ein grotzeö Unternehmen von autzer- ordcntlicher sportlicher Bedeutung sein und sicherlich jedem Teilnehmer, auch dem nichtaktivcn, durch ihre Jntcrnationalität und Mannigfaltigkeit sehr viel Schönes bieten. Wir erinnern nochmals daran, datz die Anmeldungen zur Teilnahme an der Fahrt mit dein Sondcrzug von Prag nach Grotz-Hammcr bis spätestens Donnerstag, den 26. Jänner im Sekretariate des Verbandes der DTJ§, Prag II., Habliäkova 6a oder bei der Pcrsonenkasse 13 des ÄlasarykbahnhofeS vorgenoinmen werden müssen. — AuS allen Orten, wo Wintersport gepflegt wird, auf nach Grotz-Hammcr l An der Stratzenkrcuzung eines AutzenbezirkcS arbeite: eine Partie Erdarbeiter an den Planierungsarbeiten, die ans dieser Ocrtlichkcit einen den modcrn- grotzsiadiischen Ansprüchen entsprechenden KrcuzungS- punk: machen sollen. Verbreiterung*bcr Fahrbahn, Anlegung von VerlehrSinscln, entsprechende Fühnmg der Gehsteige und andere» schreibt der Bauplan vor. Kian bleibt unwillkürlich stehe». Diese Arbeiter machen irgendwie einen sondcrbarci: Eindruck. Sie scbcn so ganz anders aus als die anderen, die sonst mir Hacke und Schauiel den widerspenstigen Boden zur modernen Siratzc wandeln, llnd sie arbeiten auch so ganz anders. Das ist keine in geübten Griffen hin- flietzende Arbeit, die in ihrem glatten und scheinbar mühelosen Verlauf den Blick des Vorübergehenden glcichgüln- vorbciglcitcn läßt.— Hier wird in unge- übten. mühseligen Griffen mit dem hartgcsrorcncn Boden gerungen; man merkt cS. datz diese Hände da» Werkzeug, das sie heute Helten, nick» gewohnt sind, datz sie früher mit ganz anderem Arbeitsgerät vertraut ivaren. Es ist eine Arbeitskolon ne... Tie Arbeitskolonnen sind ein Koniproniitz zwi- schcn dem dringend gewordenen Bedürfnis, produktive A r b e i t s l o s c n s ü r s o r g e zu organisieren und der Beschränktheit der verfügbare, Geldmittel. Arbeitslose ilcllen zn gemeinnützigen Arbeiten an einigen Tagen der Woche ihre Arbeitskraft zur Verfügung und erhalten als Entgelt erhöhte LebenSmit- relzuweisungen nnd 50 Ke pro Woche. Die Arbeiten, zn denen sic herangezogcn lvcrden, sind öffentliche Arbeiten, Strasstnbautcn, Arbeiten in Parks und Anlagen, Trassierungsarbcitcn aller Art. Wie jedes Komvrornitz Hai auch dieses den verschiedensten Polemiken Angriffsflächen geboten. Doch das soll hier nicht erörtert sein. Sehen wir uns lieber einmal die handelnden Personen an. Nenn Personen... in Wintcrröcken jeder Fasson, in L c d c r j a ck c n, in d ü» n e n W i n d j a ck c n, in T o m m e r ü b c r z i e h c r n, in A r b e i t s b l u s c n. die mir Papier aus- gcftopft sind. Neun Personen in Ehausfcur- inützcn, weichen Filzbütcn, Baskenmützen, Schneehauben und— wirklich und wahrhaftig— in steifem H u t. Neun Personen in Arbeit»-, Touristen-, Stadt-, und selbst Lackschuhen. In Fänst- l i n g c n, Zwirn«. Glace- und Wollhandschuhcn. Alle genannten Kleidungsstücke abgeschabt, zerrissen oder geflickt, mit Erde und Kalt verschmutzt. Wahrhaftig, eine sonderbare ArbciiSvartie! Eebrigcns, man möchte keinem Scnsaiionreportcc raten, sich mii Gönnermicne und gezücktem Bleistift sind Notizblock dort miszupflanzen, um der bürgerlichen Vorträge Bon der Spaltung zur Einheit Dir Sozialdemokratie der Republik—: ein Lrhrbri. spirl für das Weltproletariat Der Kursus, den die S.P.D.-Prag veranstaltet, um die emigrierten Sozialisten mit der geistigen, politischen und wirtschaftlichen Struktur des an interessanten geschichtlichen und aktuellen Strömungen so reichen Gastlandes vertrant zu machen, Ivar ein äutzerst glücklicher nnd von Abend zu Abend frucht- barer sich auswirkender Gedanke. Der driteKursua-Abend, auf dem Genosse Dr. E in i l S t r a u tz in vorbildlicher Weis« Geschichte nnd Entwicklung der Sozialdemokratien derllle publik lebendig uild einfühlend zn veranschaulichen wutzle, lietz, für die deutschen Emigranten gewitz sehr wesentlich, zwei Tatsachen mit aller Klarheit hervortreten: Zum ersten, wie billig und wie verlogen konstruiert die giftige nationalistische Phrase von der „mangelhaften nationalen Gesinnung", der„landesverräterischen" Haltung der Sozialdemokratie war, einer Phrase, mit der sich die rei^Sdeutsche Linke tatsächlich bluffen und in die Defensive drängen lietz In der Tschechoslowakischen Republik waren es ja die Arbeiter, die den Staat gestaltet und, von der Intuition MasarykS beflügelt, mit bewaffneter Hand erkänwft haben. Arbeiter waren die Träger der AuS- landSrevolntion, in den Legionen, den militanten Garanten der tschechoslowakischen Unabhängigkeit, dominierten und dominieren die Sozialisten. Zum zweiten, Ivie sich auch in der Republik die gemeinsamen Klassenintcresscn der tschechischen und deutschen Proletarier stärker nnd entscheidender als alle Volks- mäßigen Bindungen erwiesen haben, wie eine erschöpfende Bestätigung der sozialistischen, Ideologie, auS der allslawischcn Koalition nationalistischer Prägung einer allbürgcrliche Koalition slawisch-germa- nischer Eoulcur wurde(1020—1020). Genosse Dr. Straust zeichnete ein farbiges Bild der Entwicklung der böhmischen Arbeiterbetve- gung. Vom zaghaften Beginnen der 40er Jahre, über die RichtungSstrcitigkeiten der Frühzeit, die anarchistischen Komplikationen und Erzesse der 80er Jahre, der Geburt der geeinigten Sozialdemokratie (AdlerS Werk) bis zu den gewaltigen Wahlrechtskämpfen der aufstrebenden Arbeiterschaft um die Jahrhundertwende. Nach den gewaltigen Wahlrechts- Demonstrationen des Jahres 1002 wurde, im Jahre 1007 der Sieg«rstritten: DaS allgemeine, gleiche Wahlrecht! Dann aber begann der Nationalitätenstreik auch den böhmischen Sozialismus unheilvoll zu zerklüften. Hatten noch im Jahre 1800 die Sozialdemokraten aller Rationalitäten gemeinsmn ein Aktionsprogramm der nationalen Autonomie verkündet, so zerbrach diese gemeinsanie Front später vollständig. Es gab Zentraliften und Autonomistcn, von der deutschen Mehrheit auch„Separatisten" genannt, eö-gab, zur Freude der Bourgeoisie, StlchtvahlkätNpse innerhalb der gespalteten Partei; die Kluft war nicht ze überbrücken. Getrennt marschierten sie in den Krieg und auch die Geburt des neuen Staates traf die Sozialisten in zwei verschiedenen Lagern, bis der erste Brückenschlag begann, bis Anfang Feber 1028 der historische Smichover Kongretz die erste übernationale Sozialistentagung nach Jahrzehnten brachte. Die gemeinsame Arbeit, so stellte der Referent fest, hat sich in jeder Beziehung bewährt. Die Tatsache, das; die sozialistischen Parteien seit sechs Jahren gemeinsam Politik machen, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Hoffen wir, datz das Wort von Smichow immer Geltung behalten wird: „Wir llnd zusammengekommen, um ni« mehr auSeinanderzugrürn I" Reicher Beifall der aufmerksamen Hörer dankte dem Redner. Ais. Wiener Arbeiierfuhbakl. Am Sonntag wurden wieder eine Reihe von Freundschaftsspielen durchgeführt, die u. a. folgende Ergebnisse brachten: Gaswerk gegen Helfort 6:1(2:0), Phönix Schwechat gegen Red Star 4:8(2:1), Rudolfshügel gegen Auto 2:1(1:0), Neu-Kettenhof gegen Fav. AE. 0:2 (2:1), VirtuS gegen Zentralverein 2:1(1:1), WAF.-Vakuum gegen Ostbahn Simmering 7:0 (4:0)1, KaiserSeberSdorf gegen E-Werk 8:0(1:0), SpVg. AtzgerSdorf gegen Viktoria X, 4:2. Sport• Spiel» Körperpflege Der Radball-Länderkampf Oesterreich—Tschechoslowakei 6: 2 für Oesterreich. Der Länderkanwf im Zweierradball, der an; Sonntag in Wien zwischen Oesterreich (Swoboda-Bluma, Freiheit) und der Tschechoslowakei(Walbert-Schönfelder, Komotau)stattfand, endete 0:2(4:1). In einem Freundschaftsspiel schlugen die K o m o t a u e r«ine L i e si n g e r Manns chaftll:!. Den Radballwctibewerb gewann in der Siegergruppe das Paar Swoboda- Bluma und in der Unterlegenengruppe das Paar Weger-Mayböck(Linzl. Leserwelt ein stimmungsvolles Interview zum Frühstück vorzufetzen. Mit diesen Menschen al» Mensch sprechen können. Sie quälen sich mit dem Boden ab. Das unbestrittene richtiger Erdarbeiter zu sein,- kameraden gutmütig und ein bitzchcn von oben herab unterweist:„So geht man das an, Kinder....", „Junge, so hält man.die Krampe...",„Ja, mein Lieber, die Schaufel ist kein Rasiermesser..." und kein Eßbesteck"— so weist er die anderen zurecht, llnd sic geben sich Mühe; der Fris eurgchilfe, dem die Anspielung aus da»„Rasiermesser" galt, der K c l l n e r, der die Erwähnung des„Eßbestecks" auf sich zu bezic,,en hatte und der ehemalige Gärtner, Monteur, Textilarbeiter, Vertreter, Chauffeur, Beamte— kurz alle diese Ziisallskamcradcn, die hier ein irrsinniges Wirt- schaftssvstem aus den verschiedensten Lcbenssphärcn herausgeriisen nnd in einen gestaltlosen Elcndhauscn formier: hat. Wir wollen hier keine Lcbenöschicksale erzählen. Einige. Streiflichter mögen genügen. Die Stimmung? Shin eben die von Leuten, die existenziell zu Grunde gegangen sind. Ter Kellner(er ist der mit den Lackschuhen) beklagt seinen letzte» Anzug, der hier verdorben wird.„Alles andere hab' ich versetzen müssen, aber den sckilvarzcn Anzug hab' ich mir aufgespart. Immer»och hab ich gehofft... Ja, aber essen mutz der Mensch. So geht er halt jetzt im Dreck drauf."— Der Friseur:„Mir tun meine Hände leid. Ich werde niemals mehr ordentlich rasieren können, so mackst diese Arbeit die Hände kaput." Einige bleiben stnmm und wenden sich ab. Tie Jüngeren scheinen sich in ihre Arbeit einziilcbcn und freuen sich, wenn sie eine Anerkennung des als Führer anerkannten Fachmanns buchen können. Für die mag das, ivas sie hier erleben, eine Lebcnsschule sein, wenn sic einmal bessere Zeiten sehen. Aber die Acltcrcn und Alten? ES ist b l n t s ch w c r c Arbeit— das Weitz nud der, der sie selbst erprobt hat. Eine Arbeit, die die Haut von den Händen schindet, die durch schmerzhafte Ermüdung der Muskeln in der ersten Zeit selbst den Schlaf verscheucht, den der übermüdete Körper so nölig hätte, llnd man verspürt im Weitergehen den brennenden Wi sch, aufstcigen, einmal gewisse Herren, wie z. B. den Autor dcS Wortes von den„B ö r s e a n e r n d e r A r b e i t"— das auf die Bergarbeiter gemünzt war, die. zu allen anderen Plagen noch die ständige Gefahr eines grätz- ltchcn Todes in Kauf nehmen müssen— diese Herren also zur Erweiterung ihres sozialen Horizonte» hier einmal einem kleinen Training zu unterlvcrsen. Bg. Internationaler Thraterkongreh in Rom. Laut Beschlutz der königlichen Accademia d'Jtalia wird der nächste im Oktober d. I. tagende internationale Boltalkongretz, welcher zumThema daS„Thea- icr" haben wird, unter den: Vorsitze P irandel- l o S abgehalten werden. Ans dem Kongresse werden folgende fünf Themen zur Besprechung gelangen: 1. Die gegenwärtigen Bedingungen des Schauspieles im Verhältnis zum Biographen, Radio, zur Oper und dergleichen. 2. Theater-Architektur, Massen- Theater und Klein-Theater. 3. Szenographische Technik. 4 Tas Theater im moralischen Leben der Völker. 6. StaatS-Theater. Zum Kongresse werden allo hervorragenden Bühnentechniker der Welt geladen tverden. Tang» um Mittemacht. Bei unserem gestrigen Referat ist vcrseheirtlich da» Signum L. G. weggeblieben. Arbeitervorstellung„Der eingebildet« Kranke", Lustspiel von Molicrc. Vorher:„Les pctits ricnS", Ballett von Mozart. Sonntag, den 4. F e b e r. um halb 8 Ilhr im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8—2,4—0 Uhr bei Optiker Dentsch, Graben, Koruna. Wochenspirlplan deS Neuen Deutschen Theater-. Heute, Mittwoch, den 24. d. Ri., halb 8 Uhr: Wallensteins Tod, B2. — Donnerstag halb 8 Uhr: Zauberflöte, Zyklus II, C 2.— Freitag halb 8 Uhr: Tango um Mitternacht, Dl.— SamStag 7 Uhr: Lohengrin, A 1.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Mitstvoch, den 24. d. M., 8 Uhr: Weitzer Flie- d er.— Donnerstag 8 Uhr: LeS petitSrienS, Der eingebildete Kranke.— Freitag 8 Uhr: W ei- tzerFlieder, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— SamStag, 8 Uhr: Towarisch. Mu Mnnifitu Konzert Auch das Programm dieses Konzertes entsprach dem schönen Schumannschcn Ausspruch:„Ehre das Alte hoch, bringe aber auch dem Neuen ein offenes Herz entgegen!" Franz Schuberts grotze Siebente S i n f o n i e in C-Dur war das zu Ehren kommende Alte des Programmes. Neben der unvollendeten H-Moll-Sinfonie ist die C-Dur-Sinfonie die meistgespiclte unter den Schubcrtschen Sinfonien. Lebensfreude und sonnige Heiterkeit zeichnet sie aus. unversiegbar ist der Ouell ihrer Melodien nnd selbst ihre„himmlischen Sängen" nimmt man gerne hin, um sich daran saitzuhörcn. Diese Sinfonie,— die einzige vollständige und vollkommen durchgeführte Sinfonie Schubert»,— hatte ihr besonderes Schicksal. Schubert hat ihre Aufführung nicht begehrt, sie war verschollen, bis sie Robert Schumann, der grotze Musikromantiker und Musikritikcr, im Nachlatz Franz Schuberts bei dessen Bruder Ferdinand entdeckte, ihre glanzvolle Erstausführung im Leipziger Gewandhaus durchsetzte und ihr auch den Verleger verschaffte.— Da» Neue im Programm des Konzertes war das Violinkonzert von Igor Straminssky, ein aus der allerletzten Schaffcnszcit des bedeutenden ruffifchen Nemöners stammendes Werk, das alle Merkmale seine» Schöpfers trägt: Ursprünglichste motivische Gestaltung, konzise Form, Freude am lebendigen Rhythmus und vielseitigste Originalität in der Jn- strumcntcubchandlung. Ausfallend ist die oft kammermusikalisch differenzierte Haltung dieses Violinkonzertes, das an die Geigentechnik übrigens die grössten Anforderungen stellt und dem Geiger alle Möglichkeiten zur Entfaltung seiner Kunst im technischen und vortragsäkihetischen Sinne bietet. Au der Spitze des Prograinmes stand die„Dramatische Ouvertüre" von Josef S u k, ein kraftvolles sinfonisches Jugendwerk des hervorragenden zeitgenössischen Sinfonikers, dessen Aufführung auch als deutsche Ehrung dcö tschechischen Meister» anlätzlich seines 00. Geburtstage«(4. Jänner) zu werten war. Das Allerbeste ist diesmal über die reproduktive Seite des Konzertes zu berichten. Prof. Georg S z i! l I al» fein musikalischer Führer ging restlos auf in der gestellten Angabe und mit ihm sein mit leidenschaftlichem Elan und hingehendster Freude spielendes Theaterorchcstcr. Zeigte S z i 11 schon in dem rhythmisch widerhaarigcm Violinkonzerte Strawinsky» die souveräne Kunst seiner Stabführung, so offenbarte er in der Sinfonie Schuberts auch ihre priesterliche Liebe und Treue zum Werk. Zu feiner lebendigen und rhythmisch unerhört straffen Interpretation wirkte die Sinfonie al» geschlossener und dithyrambisch gesteigerter Hymnus der Freud« und Schaulust. Beglückend schön brachte er auch die dynamischen Feinheiten (namentlich des wirkungsvoll im Zeitmas; beschleunigten langsmncn zweiten Satzes) zur Geltung. Solist im Stratvinskyschen Violinkonzert war der junge russische Geiger S. D u s h k i n, ein Künstler von eminentem technischen Können und vollendetster Musikalität, dessen Ton und Gejühlostärkc man freilich an einer anderen Aufgabe erst richtig kennen lernen müßte. Der dem Konzerte und seinen Mittlern gespendete Beifall war begeistert, obwohl der Besuch alle» zu Wünschen übrig ließ. E. I. Unser guter Bruder, Schwager und Onkel* Emil Gehorsam wurde uns Samstag, den 20. Jänner, durch den Tod entrissen. Seinem Wunsche gemäß, haben wir ihn in aller Stille zur letzten Ruhe bestattet. Mm« Gehorsam lltl« Petrokanskv, New York nmIwIi Gehorsam Hanni um IrMa Gehorsam Olaa Gehorsam Geschwister. Nichten. Schwägerinnen. 2361 j Prag-Karolinenthal, Jänner 1934. Kondolenzbesuche werden dankend abgelehnt. f