t »et. Po, ict, so ein chi, >em cher der it Kte, Vti re, on- der e-, ar, n/e en. die in« lNd rt- ten rit. rm 'n« >en 'S. X< ie, a« a- eS e- e, ie er ie le 'e t h i. n r Donnerstag, 25. Jänner 1934 Nr. 20 14. Jahrgang EMnWs 70 IMUr («imcKUaMMi 5 Hefter Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEIN MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova u. telefon sxn. Administration telefon am. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR) WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR) DR. EMIL STRAUSS. PRAG. I I reS .TU« un* er* alle Noch immer Lürm um Stavlsky Neue Verhaftung Neue Demonstrationen Paris, 24. Jänner. Das Gerichtsverfahren wegen der Betrügereien StaviskiS und seiner Genossen, daS seit dem Jahre 1026 vertagt und für Ende diese- Monat- festgesetzt wurde, wird nicht stattfinden können, da, wie bereit- genieldet wurde, auS dem Justizpalast in rätselhafter Wels« die wichtigsten Dokumente sowie auch die fertiggestellte Anklageschrift verschwunden sind. Gegenüber der ursprünglichen Annahme gingen nicht 150 Dokumente, sondem 1200 verloren. Die gestrigen Kundgebungen dauerten bis nach Mitternacht und fanden einerseits in der Um gebung der Kammer, andererseits im Quartier Latin statt. Polizei zu Pferd und Rad trieb die Manifestanten, welche immer wieder kleine Gruppen bildeten, auseinander. Polizei zu Fug machte oft von den Knüppeln Gebrauch. Sie richtete auch gegen die Manifestanten, nm sie zu zerstreuen, daS Licht starker Reflektoren. Auf das Polizeikommissariat wurden an 300 Personen gebracht. Einige Polizisten und Manifestanten tvurden insgesamt leicht verletzt. Der Bericht des Seine-Departements hat Dienstag abends die telegraphische Antveisnng von dem mit dem Fall Staviskh betrauten Untersuchungsrichter in Bahonne erhalten, einen neuen Borführungsbefehl gegen den Leiter der Versiche- rungSgesellschaft„Eonfiance", den 83 Jahre alten Paul G n e b i n, zu erlassen. Zwei Polizeibeamte begaben sich sofort in die Wohnung des Guebin und nahnien ihn in Gewahrsam. liche Steigerung unserer Ausfuhr. Ein grosser Tess unseres Aussenhandels vollzieht sich im Kompensa- tionsverkehr, wobei der Umfang der Ausfuhr durch den Umfang der Einfuhr bestimmt wird.» Rur wenn wir den anderen Staaten eine Bergrö- nerung ihrer Einfuhr in die Tschechoslowakei gestehen, können wir mit einer Vergrößerung serer Ausfuhr rechnen. Solange die Voraussetzungen für eine höhte Einfuhr nicht geschaffen sind, werden Versuche einer Erhöhung der Ausfuhr auf enge Schranken stossen. Was die Ausfuhr nach Ländern betrifft, mit welchen wir keine Kompensation-- oder Kontingentsabkommen besitzen, müssen gegen die Gewäh- ruug der Exportprämien lierechtigte handel-politische Bedenken vorgebracht Iverden. da die Möglichkeit bestehl, dass diese'Länder zu Vergeltnngsmassuahmen greifen, was nicht zu einer Vergrösserung, sondern zur weiteren Einschränkung unseres Exportes führen müsste. Der Klub der Abgeordneten rind Senats-] teil der Deutschen sozialdemokratischen Arbei-, terpartei hat sich am Dienstag, den 28. Jän- I „er, in einer mehrstündigen Beratung mit den I aktuellen Problemen der tschechoslolvakischen. Wirtschaftspolitik und insbesondere mit der Be-. kämpfung der Krise und Arbeitslosigkeit beschäftigt und folgende Stellungnahme be- 1 schlossen: Die Krise der Weltwirtschaft hat die Tsche-. chosloivakei insbesondere deswegen so hart betros-, fen, weil ein grosser Teil unserer Produktion ex-' portiert worden ist uitd damit Hunderttausende 1 von Arbeitern und Angestellten in der Erzeugung der ins Ausland verkauften Waren ihren Lebens-' unterhalt gefunden haben. Während sich in der' Wirtschaft einer Reihe anderer Länder im Jahre 1933 gewisse LrholungSerscheinungen bemerkbar machten, lagen Produktion und Auhenhandel der Tschechoslowakei im Jahre 1033 noch unter deni! Stande des Jahres 1032. Deshalb ist es notwendig, zu untersuchen, mit welchen Methoden es möglich wär«, Misere Wirtschaft an- ihrer heutige» Erstarrung zu lösen. Der Struktur unserer Wirtschaft entsprechend, ist die tschechoslowakische Wirtschaftskrise vornehmlich eine Krise unseres Exportes. insbesondere, soweit cS sich um die in den Randgebieten des Staates befindlichen Exportin- dustrien handelt. Zur Wiederbelebung des durch die Krise auf em Viertel zusammengeschrumpften tschechoslowa- tischen Exportes sind verschiedene Pläne ausgearbeitet worden, die im lvesentlichen eine Subventionierung des Exports bedeuten. Der Plan Preiß Der eine Plan, der den Vorsitzenden des tschechoslotoakischeu Jndustriellenverbandes, Dr Preiss, zum Verfasser hat, besteht im wesentlichen darin, dass den Exportindustrien gewisse Handels st euer» rückvergütet wer« dcn sollen. Diese Rückvergütung hätte jedoch einen bedeutenden Entgang von Staatseinnahmen zur Folge, welcher durch andere Steuern auf den In« landsverbrauch aufgebraucht werden würde und daher eine Verminderung der inländischen Kaufkraft zur Folge hätte, ohne dass eine wirksame Förderung deS Exports erzielt werden könnfe Schon dadurch ist unsere ablehnende Haltung zu diesem Plan gegeben. Der Plan EngllS Der andere Plan, dessen Verfasser der ehemalige Finanzminister Prof. Englis ist, besteht darin, dass die für Einfuhrzwecke und für sonstige Zahlungen an daS Ausland abgegebenen Devisen mit einer Abgabe belegt werden, deren Gesamtertrag den Exporteuren zur Verbilligung der Ausfuhr in gleicher Höhe zur Verfügung gestellt werden soll. ES kann gar keinem Zweifel unterliegen, dass die Importeure diese Abgabe auf die Massen der Verbraucher abzuwälzen versuchen tverden. Bei einem Importwert von 8,83 Milliarden Kö im Jahre 1033 würde der Verbrauch, wenn die Abgabe 16 Prozent betrüge, mit mehreren hunderten Millionen Kö belastet werden. ES würde also zweifellos zu einer Steigerung deS inländischen Preisniveaus und zu einer Erhöhung der Lebenshaltungskosten kommen. Angesichts des Rückganges des Einkommens brester Schichten, würde das für die arbeitenden Menschen eine weitere Herabsetzung ihres durch dieKrise gesenkten Lebens st andardS bedeuten. Dadurch würde das ohnedies bereits bestehende Missverhältnis zwischen dem starken Lohn» und Gehaltsab- bau und dem unzureichenden Rückgang der Preise der Ronsumgüter noch verschärft. Es ist aber auch sehr daran zu zweifeln, ob selbst derartige, von den breiten Massen gebrachte Opfer die Wirkung hätten, die sich der Urheber deS Planes davon verspricht- nämlich eine wesent- Förderung des Exports Der Klub der Abgeordneten und Senatoren der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslotvakci kann auS diesen Gründen demPlane deSProf. Englis nicht z u st i m m e n. Er ist sich jedoch der Bedeutung der Notwendigkeit einer Exportförderung im Interesse der tschechoslowakischen Wirtschaft und der arbeitenden Schichten dieses Landes beimisst und ist bereit, jede Exportförderung zu unterstützen, die nicht aus Kosten der breiten Massen der Bevölkerung erfolgt. Als solche Massnahme betrachtet er insbesondere: Die Verbesserung der handelspolitischen Beziehungen zu allen Ländern durch Neuabschluss von Handelsverträgen, Anbahnung und AuSgestallung normaler Wirtschaftsbeziehungen mit Sowjetrussland, Ausbau deS Wirtschaftsverkehres zwischen den Staaten der Kleinen Entente, Neuregelung der Kompensationsabkommen, Erleichterungen im Clearingverkehr, Lockerung der Devisenwirtschaft, insbesondere jenen Staaten gegenüber, mit denen wir eine aktive Handelsbilanz haben, Ausbau der Exportkreditversicherung, Errichtung eines Aussen« Handelsinstituts, Ausgestaltung rinfereS Konsular- und Informationsdienstes, Propaganda tsckecho- ssowakischer Waren im Auslände und llmstellung der Exportorganisation unserer Industrie. Var Kampf gegen die Arbeitslosigkeit Alle diese Massnahmen zur Forderung unse« Exportes können aber nur einen Teil eines tschechoslowakischen Programms der Krisenbe« kämpfung darstellen, dessen Aufgabe eS sein muss, unser gesamtes Wirtschaftsleben auf neue gesunde Grundlagen zu stellen. Die wichtigste Aufgabe dieser Krisenbekämpfung ist die Der Weg aus der Krise W" IDirbdiaflxnIan Wir veröffentlichen heute die offizielle Stellungnahme unserer parlamentarischen Der tretnng zu den in der« letzten Wochen so eifrig diskutierten Projekten zur Förderung unserer Ausfuhr. Der Klick ist nach sehr gewissenhafter und eingehender Prüfung des vorliegenden Materials zu seiner Beschlussfassung gekommen. Theoretisch geschulte Nationalökonomen und Männer der Praxis, die in den wirtschaftlichen Institutionen der Arbeiterbewegung tätig sind, basten die Voraussetzungen und die zil erwar tenden Wirkungen der vorgcschlagenen Massnahmen untersucht, soweit dies auf Grund der bisher bekanntgewordenen, noch sehr unvollständig I gen Unterlagen möglich war. Nach ganztägiger - Beratung haben sie dem Klub ein Gutachten er- i stattet, das ihm als Grundlage feiner Stellung, nähme diente. Das Ergebnis dieser Beratung erschöpft sich aber keineswegs in blosser Kritik der Vorschläge, die von anderer Seite kommen, vielmehr stellt die Sozialdemokratie diesen Ge- dankengängen ihre eigenen Forderungen gegen- über. Von den beiden Plänen, die im Vorder- gründ der Diskussion stehen, bedarf das Verlau- gen des Jndustriellenverbandes nach Förderung deS Exportes durch Rückvergütung der sogenannten Handels steuern, also der Umsatz-, Kohlen- und Transportsteuer, lei- »er langen Erörterung. Sie würde, ohne dem Export wirksam helfen zu können, einen Entgang an Staatseinnahmen, das heisst also, da der Staat Einnahmen nicht entbehren kann, neuerliche Steuererhöhung bedeuten, die Krise nicht mildern, sondern verschärfen. Aber auch in dem tiefer durchdachten und geistreicheren Plan deS früheren Finanzministers Prof. E n g l i 5 vermag der Klub ein wirksames Mittel zur Milderung der Krise nickt zu erblicken. Pros. Eug- liö geht von der Voraussetzung aus, dass die Krise im Wesen eine Deslationskrise ist, das heisst, dass sie durch eine Wertsteigerung des Geldes hervorgerufen wurde, welcher Wcrtsiei- gcnmg sich die Preise und die übrigen„Wirt- schastSziffcrn" nicht oder nicht genügend angepasst haben. Insbesondere in der Tschechoslowakei ist der Deflationspcozess, so schnierzlich seine Wirkungen waren, unzureichend gewesen, der Geldwert unserer Krone ist deshalb im Inlands höher als im Auslände, unsere Währung steht im Ausland zu hoch und unsere Waren sind daher im Auslände zu teuer, weshalb die Konkurrenzfähigkeit der Industrie und damit die Exportmöglichkeiten unterbunden sind. Englis will daher durch Zuschläge, die der KäufervonDevisenzu zahlen, der Verkäufer von Devisen zue mv- fangen hätte, Inlands- und Aus- landSwertderKroneeinanderan- gleichen, die tschechoslowakischen Waren für den Besitzer ausländischer Zahlungsmittel verbilligen und so die Konkurrenzfähigkeit und Exportmöglichkeit Herstellen. Aber die Voraussetzung, von der Prof. Englis ausgcht, ist falsch. Sozialisten muss nicht erst gesagt iverden, dass die Ursache der schweren, seit fünf Jahren die Weltwirtschaft erschütternden Krise keineswegs ausschliesslich oder auch nur überwiegend in einer Aendcrung des Geldwertes zu suchen ist. Die tiefste Ursache der Krise liegt in dem mit der fortschreitenden Enttvicklung des Kapitalismus immer schroffer hervortretenden Missverhältnis zwischen der gewaüig gewachsenen Produktivität der Arbeitskraft und der mangelnden Konsnmfähigkcit der Massen. Je höher die Leistung des Arbeiters gesteigert wird, desto geringer wird, da die Löhne nickst in entsprechendem Masse mitsteigen, in der Krise sogar gesenkt werden, sein Aiüeil am Produkt, je mehr Werte der Arbeiter schafft, desto wem- Vie Sozialdemokratie zu den aktuellen Wirtschaftsfrasen planmäßige Wiedereingliederung der Arbeitslosen- in den Produktionsprozeß I durch Arbeitsbeschaffung, Verkürzung der ArbeitS-\ zelt, Regelung des Arbeitsmarktes durch obliga-< torische Arbeitsvermittlung und Umschulung der Arbeitslosen, um sie in anderen Zweigen der' Wirtschaft nnterzubringen, sowie Nerlängernng der Schulpflicht. Zur Erhaltung der Kmiflraft der Lohn- und Gehaltsempfänger und zur Beseitigung der Schmutzkonkurrenz in einzelnen Industriezweigen verlangen tvir vor allein, dass die Löhne den LebenSnotlvendigleiten angepasst, aus! leinen Fall Weiler herabgesetzt werden und dass die Rechtsverbindlichkeit der Kollektivvertrüge und Sicherung der gegenwärtsaen Kollektivverträge als Krisenmassnahme gesetzlich ausgesprochen werden, i Der Hebung der Kaufkraft der Massen dient auch I die Herabsetzung der Preise jener Waren, die durch Kartellvereinbarungen überteuert sind. Ausgehend von der Erkenntnis, dass die Arbeitslosigkeit zum grossen Teil ans die planlose Rationalisierung zurückzuführen ist, fordern wir eine planmäßige Leitung und Kontrolle deS technischen .. Fortschrittes, damit seine Ergebnisse der Allgemeinheit und ins- besbndere den schaffenden Menschen zugute kom men. Zu diesem Zwecke erachten Ivir es für uner lässlich, dass die Kapitalinvestitionen öffentlicher Kontrolle und planmässiger Leitung unterstellt Iverden, um Fehlinvestitionen zu vermeiden. Kreditpolitik In untrennbarem Zusammenhang damit steht die Kreditpolitik unserer Nationalbanl. Der Klub der Deutschen sozialdemokratischen Abgeordneten uird Senatoren ist der Neberzeugung, dass die Stabilität unserer Währung erhalten bleiben muss. Ilm jedoch die Situation auf dem inländischen Kapitalmarkt zu erleichtern und die Versorgung unserer Wirtschaft mit den unbedingt notwendigen Krediten sicherzustellen, befürlvorten wir Erleichterungen bei der Diskontierung von Warenwechseln durch die Na- tionalbank, durch Lockerung der Bestimnnmgen für die WechseleSkomptierung, ferner Erleichterungen bei der Belehnung von Wertpapieren bei gleichzeitiger Herabsetzung deS Lombardzinsfusses und Ausdehnung der Laufzeit der Lombardkredite, damit die Industrie leichter Betriebskredite erlange. vis Ueberwindung der Krise Der Klub stellt fest, dass alle diese Massnahmen nur Mittel zur Milderung des unmittelbaren Krisennotstandes sein können, dass aber die volle Ueberwindung der Krise und die Vermeidung ihrer Wiederholung nur möglich ist durch eine Planmäßige Organisierung der Erzeugung, der Verteilung und deü Verbrauches auf gemeinwirtschaftlicher Grundlage sowohl in der Wirtschaft der Tschechoslowakischen Republik, alö auch innerhalb der Weltwirtschaft. Bette« Donnerstag, 35. Jänner 1034 Nr. 30 iriger Güter vermag er»d gleich drei auf einmal!... Die hat sie natürlich ausbrüten wollen l... Sckau schnell, Piet... Drei frische Eierchen für unsere Mäuler... Nu?..." ..Willst du die mitnehtnen?" fragte Piet verwundert. „Da wär ich'n Narr!" verneinte Peter. „Sicher um sie zu brechen?..." Nein, Mann, die werden wir miteinander gleich auSschlürfen... doch’n feiner Bissen!... Schau, so..." Mit seinem Taschenmesser schlug er an jeder Seite ein kleines Loch inv Ei, sog den Inhalt auS, setzte dabei eine himmlische Miene ans und ließ den Leckerbissen langsam in seinen Mund gleiten. „Alle Wetter, fein!" lobte er.„Hier, das da für dich..." Er präparierte das zweite Ei für feinen Freund, der es zögernd annahm und mißtrauisch betrachtete. „Nu!" ermutigte ihn Peter lachend.„Vorwärts denn... da ist kein Dreck drin..." Diese Bemerkung gereichte nicht dazu, um dem anderen größere Lust auf den leckeren Bissen zu machen. „Glaub nicht, daß ich daS mag, Peter", sagte er fleinlaut.„Zuhauö mag ich auch rohe Eier nicht, und die sind noch dazu durcheinander gerührt." „Halt'S Maul!", rief Peter ungeduldig. „Das ist ganz was andres, Junge... So'n frisches Ei schmeckt ganz anders... Und wenn'S uns dann auf eine uickewohnte Insel verschlagt? ... Dann suchen wir doch sicher überall Vogeleier auf den Klippen... Man zu, schlürf daS Eil" Piet sah ein, daß seine zukünftige Würde als Wel- tenbummler mit seiner krankhaft wählerischen Veranlagung nicht übereinstimmte. Er machte die Augen zu und brachte daS durchlöcherte Ei tapfer an seinen Mund. Aber sobald er zu saugen begonnen hatte und eine glitschige Masse unerwartet schnell ihm in den Mund glitt, überkam ihn ein so unwiderstehlicher Ekel, daß er spuckend diesen Leckerbissen ausspie. die leere Schale zu Boden warf und leidenschaftlich mit seiner schmutzigen Hand Mund und Kinn abwischte, schaudernd vor Widerwillen. „Dussel!" schimpfte Peter empört.„Bist ein wenig angestvchen, daö köstliche Ei auSzuspucken l" Aber Piet stieß sich nicht an seinem Ausfall, entfernte empört den flebrigen Quark, der noch über sein Kinn heruntertropfte, und begehrte auf: «Erstick mit deinem Schmarrn!... Ich sagt dir doch, daß ich'S nicht mag!" . Da fiel eüi dunkler Schatten zwischen sie und aufschauend erstarrten sie vor Schreck beim Anblick deS Bauern, der, eine Mistgabel in der Hand, mit wütendem Gesicht vor ihnen stand. Unwillkürlich Ivichen sie einen Schritt zurück, aber drohend kam der Bauer heran uick knirschte:„Was soll das?... Was sucht ihr da, Gauner?" Pater stotterte: „Eh... nix, Herr... wir waren müd... und e... und e... Aber die scharf spähenden Augen des Ballern hatten schon die leeren Eierschalen im Heu entdeckt und wütend fuhr er loS: „Eier stehlen?... Elendes DiebSzeugl... Wartet nur, ich stech euch alle zwei mit der Mistgabel durch und durch." Drohend erhob er halb die gefährliche Waffe stoßbereit mit beiden Händen. Piet wurde leichenblaß und drängte sich in seiner Ilebelkeit verursachenden Angst dicht an sei.:.,: Freund. Peter schaut mit weit geöffneten Augen nach den drohenden, krummen Zinken der Mistgabel, die grauenerregend im dämmerigen Licht des Schobers blinkten. Riesengroß schielt der Bauer, dunkel sich ab hebend gegen die Helle draußen hinter ihm, eine entsetzliche Gefahr für zwei kleine, in Bedrängnis geratene Strolche. Liber Peter war nicht das erstemal in eine solch peinliche und gefährliche Lage gekommen und sobald er sich bewußt wurde, daß er noch ein ganzes Ei in Händen hielt, zögerte er keinen Augenblick, sondern hob blitzschnell die Hand und schleuderte daö Ei geradetvegs in das wutverzerrte Bauerngesicht vor ihm, harrgenau zwischen die scharfen, bösartig funkelnden Augen ... DaS Ei brach entzwei. Augen und Gesicht überzogen sich mit schleimigem Weiß und Gell'. Der Bauer ließ die Mistgabel fallen, fluchte dröhnend und sprang stampfend zurück, beide Hände an seinen Augen,>»m die widerlich tropfende Masse wegzuwischen. „Komm! Schnell!" flüsterte Peter, ergriff seinen Gefährten bei der Hand und eilig sprangen sie zur Seite und als der rasende Bauer wieder schauen konnte, waren sie von dem Haufen schon weg und standen keuchend auf der Straße. Der Bauer griff llach seiner Mistgabel und sprang auS dem Heu. Er sah die Buben auf der Straße stehen und eilte an den Zaun. Roch bebend vor Schreck und durchlittener Angst, faßte Piet seinen Freund am Arm, aber der hatte die Hände voll mit spitzen Steinen und weigerte sich wegzulaufen. Eine wilde Rauflust war in dem kleinen Vagabunden aufgeflackert und er schrie gellend dem Bauern auf dem Hofe zu: „Schäbiger Karrenhengst!... Feiger Mordbauer!,.. Komm nur ran... Werde dir deinen Schädel einschlagen, Dreckkerl!" Der gereizte Bauer näherte sich mit großen Schritten, aber ein Stück Ziegelstein, der ihm knapp am Kopfe vorbeisauste, brachte ihn zur Besinnung und er hielt ein. „Heeel" höhnte Peters schrille Knabenstimme.„Komm nur ran, gottverdammter Bauernlümmell... Kleine Knaben mit der Mistgabel stechen, das kannstel... Feiger Schuft! Dreckseele!" (Fortsetzung folgt.) «r. 90 SrnitctOte«, 98. JBnner 1084 CeHe8 I ver- | Schuh- Berssesetznovelle em Wien, 24. Jänner. Gestern wurden, wie auS ausländischen Meldungen bekannt wird, dauern- Lebens- r u n g gewissen Rach dieser zweifellos von deutschen Regierungsstellen inspirierten Meldung steht eS also bereits fest, daß die Hitler-Regierung nicht nach» geben wird. Damit rückt die offizielle Beschwerde Oesterreichs in Genf und die Änberufung der außerordentlichen Tagung deS BölterbundrateS, in der der ganze Streit behandelt werden müßte, in greifbare Nähe. der Schutzhaft vorgeführt. Nach der Anklage wird dem Stadtpfarrec M u h l e r und dem Kaplan Thaler ein einfaches Vergehen gegen die Verordnung deS Reichspräsidenten vom 21. März und dem.Katecheten Sollacherein fortgesetztes Vergehen dieser Art zur Last gelegt. Dr. Muhlcr soll Ende September oder Anfang Oktober beim Abendessen im Pfarrhaus eine„Greuelnach- r i ch t" verbreitet haben, die vom Kaplan Thaler an den dritten Angeklagten weitergegeben wurde. Dieser hat sie dann wiederum an zwei Lehrerinnen weitergegeben. Der Hauptangeklagte Stadtpfarrer M u h 1 e r, verteidigte sich durch Hinweis auf seine gut nationale Vergangenheit. Er habe die Nachrichten, die er weiterverbreitete, von Kommunisten erfahren. Trotzdem er die Berichte nicht für wahr gehalten habe, habe er sie an Amtskollegen weitergegeben und hin« zugefügt, wenn die Bericht« wahr wären, würde er die erbitterte Stimmung der Kommunisten wohl begreifen. Er sei aber immer ein Feind der Bolschewiken gewesen. Die beiden AmtSbrüder des Angeklagten Muh- ler verteidigten sich nicht tapferer. Nach durchgeführter Verhandlung lvurden Stadtpfarrer Dr. Muhler zu vier Monaten Gefängnis, Kaplan Thaler zu drei Monaten Gefängnis und der Katechet Sollacherzu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem haben alle drei die Kosten zu tragen. beltslagern zu schaffen und zu exerzieren. Er läßt Tausende irr Gefängnisse und Zllchthäuser sperren; er duldet, daß Dutzende braver Menschen— ungestraft!— auf der Flucht erschossen oder zunr Selbstmord getrieben worden. Und täglich rollen Köpfe! Kaum hatte Hitler„alle Macht", als er einen der schlinunsten Arbeiterfcinde, den rhei- nischen Großindustriellen Thyssen zum obersten WirtschaftSsührer für das Dritte Reich ernannte. War das schon ein Schlag ins Gesicht der Arbeiter, so war die Berufung des brutalen Säufers L e y als Führer der Arbeitsfront das Signal fiir alles, was dann noch kommen sollte: erst der Raub der Gewerkschaftshäuser, Jkassen und-Zeitungen, dann die Zerschlagung der Gewerkschaften überhaupt. Nachdein die politischen Parteien der Arbeiter, die sozialdemokra- fische und komnutnisfischc Partei, zerschlagen, ihre Fiihrer cingekerkert und ermordet sind, so weit sie nicht rechtzeitig hatten fliehen können, hat Hitler das gesamte soziale R e ch t z e r st ö r t und die deutschen Arbeiter buchstäblich zu Sklaven gemacht. Fünfzig Jahre lang hat die Sozialdcmo- lratie am Auf- und Ausbau der Sozialpolitik gearbeitet und alle sozialen Errungenschaften für die gesäurte Kulturivclt vorbildlich gemacht. Und mm konunt dieser Kapitalsknecht, dem Thyssen ungezählle Millionen für seine Agitation und Kriegsrüstung bezahlt hat, und schlägt mit einem Hieb alles entzwei, wie ein unverständiges Kind, den komplizierten Chrorwmeter zerstört, der ihm durch einen unglückseligen Zufall in die Hände gekommen ist. Und die Begründung für diese Zerstörungsarbeit? Der Unternehmer muß „Herr im Hause" sein! O, wir kennen dieses Wort und kennen auch seine Bedeutung!?lbcr wie Deutschland vorbildlich gewesen ist für den Aufbau der sozialpolitischen Gesetzgebung, so ist cS jetzt ein Bild des Schreckens und AbscheuS geworden. In allen Ländern Europas regen sich »ationalfozialisfische„Retter". Man rette die Staaten vor diese» TollhäuSlcrn, man trete ihnen rechtzeitig entgegen und mache ihre Propaganda unschädlich oder unmöglich. Waü der FascisnulS in Wahrheit bedeutet, das zeigen Italien und Deutschland. Arbeiter Europas, seid auf der Hut, vergesset auch nicht, daß die Zerstörung der Rechte im Inland nur der Anfang ist.- Die„kleine Hcrrnschicht der besseren Rasse" herrscht zunächst nur rücksichtslos als Herr im Hause in Deutschland. Die kleine Schicht der Herrenreiter will ober nicht nur über deutsche Arbeiter die Peit- scheu schwingen. Die kleine Schicht reklamiert die Arier als die höchststehende Rasse und Deutschland,- so verkünden sie, sei das Land der Arier. Die kleine Schicht über Deutschland und — Deutschland über Europa! An der Spitze Europas dann die Blutssäufer Gocring, Hitler, Goebbels, Heines. In der Gegenwart also dicZcrstörungallerRechte und b r u- t a l st e Willkür. In nächster Zukunft aber Krieg, Kriegindcrabscheulichsten Gestalt mit Gift und GaS, mit Pest- und Eholerabazillen. Vor der Anrufung des Völkerbundes? Kabinettskrise lu Jugoslawien Differenzen über die Finanzpolitik. Belgrad, 24. Jänner. Zwischen dem Ministerpräsidenten D r S k i t und einigen Ka- dinettSmitgliedrrn sind Meinungsverschiedenheiten über die Finanzpolitik deS Landes aafgetaucht, di« eine ernste Kabinettskrise hervorgerufrn haben. Wie eö heißt, soll Minister StankoviL seine Demission gegeben haben, die auch den R L ck- tritt der ganzen Regierung nach sich zog. Eine amtliche Mitteilung über die Demission, beziehungsweise über ihre Annahme durch den König liegt jedoch noch nicht vor. AlS Nachfolger deS Ministerpräsidenten Srttiü werden aber bereits SenatSprästdent T o- m a S i L, der Präsident der Skupschtina K u m a- nudi und der früher« Ministerpräsident Mari n k o v i L genannt. Es gilt als sicher, daß bei einem Regierungswechsel keine Aenderung deS Regimes erfolgen wird. Schuld und der Sicherung der Bergarbeiter gegen die Wiederholung einer ähnlichen Katastrophe schon in der Vorwoche anläßlich der Debatte über das Exposs des ArbcitcnmnristerS auch vom Senat bereits ausführlich behandelt worden waren, ergab sich auch heute neuerdings ein reges Interesse deS Senates an diesen Problemen, was sich schon äußerlich in einer größeren Zahl von Debatterednern zeigte. Der Referent K o u k a l(tsch.Sozdcm.) vertrat nachdrücklich die Forderung nach baldiger Verstaatlichung der Bergwerke und empfahl die Ausschuß-Resolutionen zur Annahme, in denen u. a. gesetzliche Maßnahmen gefordert werden, um solche Katastrophen künftig zu verhindern und einem übereilten und übertrieben RatioiralisierungSsystem v o r z u b e u g c n. In der Debatte sprach von sozialdemokratischer Seite noch der tschechische Genosse I o h a n i L, Die Vorlage wurde schließlich in beiden Lesungen genehmigt. Ebenso wurde der Handelsvertrag mit Bulgarien und ein Znsahprotokoll zum p o l n i s ch c n Handelsvertrag genehmigt. — Die nächste Sitzung wird auf schriftlichem Wege einberufen werden. Zwansspensionierung aller Richter mit vollendetem 67. Lebensjahre Prag, 24. Jänner,^eute Ivurde im Senat der Ausschuhbericht über die Regierungsvorlage vorgclegt, durch die gewisse D i e n st v e r h ä l t- nisse der Richter geregelt iverden sollen. Die urspriinglichc Regierungsvorlage liegt fast drei Jahre zurück. Sie enthielt seinerzeit auch einen längeren Abschnitt über die dienstlichen und außerdienstlichen Standeöpslichten der Richter, wogegen sich jedoch namentlich auch seitens der richterlichen Standcsorganisativncn größerer Widerstand erhob. Nach längeren Berhand- 'lnngen mit dem Justizministerium ivurde dieser Abschnitt schließlich ganz ausgelassen und die Vorlage lediglich auf Bestimmungen über die z w a n g ö io e i s e P e n s i o n i e der Richter nach Erreichung einer Altersgrenze eingeschränkt. Danach muß jeder Richter in den den Ruhestand gehen, sobald er das 67. jahr erreicht hat. Gegen seinen Willen kann die Versetzung in den Ruhestand nach Erreichung der Altersgrenze nur auf Grund einer kechiskrnfiigen Erlcnntnis des zuständigen DisziPlinarsenaicS erfolgen. Vom 1. Jänner 1987 wird die Altersgrenze auf 66 und vom 1. Jänner 1940 auf 65 Jahre herabgesetzt. Die Vorlage regelt ün. einzelnen das Verfahren vor dem Disziplinarsenat für den Fall, daß der Richter nicht längstens bei Erreichuna der Altersgrenze sein Pcnsionsgesuch überreicht, betreffende DisziplinarcrkenntniS über erst die Regierungen in London und Paris offiziell von der Demarche Oesterreichs in Berlin bezüglich der Einstellung der nafionalfozialistischen Propaganda in Oesterreich in Kenntnis gefetzt. Der österreichische Gesandte in Berlin hatte dem ReichSaußemninister N e u r a t h bei gleichzeitiger llebergabe einer Note mitgeteilt, daß Deutschland um die Versicherung ersucht werd«, jede Einmischung in österreichische interne Verhältnissefortan zu unterlasse«. Falls Deutschland auf diese Forderungen nicht eingehen könne, behalte sich die österreichische Regierung vor, die Angelegenheit vor den Völkerbundrat zu bringen. Ruch das Sekretariat deS Völkerbundes in Genf wurde von dieser» Schritt verständigt. Nach einer Meldung der„Times" hat der österreichische Gesandte gestern bei einer Vorsprache im britischen Außenministerium bereits ausdrücklich angekündigt, daß die österreichische Regierung um die Einberufung einer Sondersitzung der Dölkerbundver- sammlung ersuchen werde, die sich ausschließlich mit dieser Frage befassen würde. Dem Gesandten sei erklärt worden, daß die britische Regierung den Schritt Oesterreichs zur Kenntnis nehme und die Antwort ! Deutschlands abwarten werde. Heute abends wird nun«ine Meldung deS offiziösen„Deutschen Nachrichtenbüros" veröffentlicht, auS der hervorgeht, daß Deutschland nicht gewillt ist, Oesterreich die verlangten Garantien zu geben. ES heiht in dieser Meldung: Ausländische Blätter haben in den letzte» Tagen wiederholt gemeldet, die österreichische Regierung habe sich an den Völker- Ablehnende Antwort Deutschlands auf die österreichische Demarche angekündigt Ole neueste DollfuAlade Zwang zur Einstellung „patriotischer** Arbeiter Wien, 24. Jänner.BeZhmte WWMls'i»: Zndertunde, ES wird von elektrischen Batterien getrieben und' 17.05: Konzertstnnde, 18.85;-«riihlingsmärchen im soll bis auf rund ISO m Tiefe gehen können. lappländischen Wald, 10: Unterhaltungskonzert, Tagcsncuigkcltcn Eifenbahnnnglüek in Spanien Neun Tote und 40 Verletzte. Paris, 24. Jänner. Havas meldet aus Santander, dast der Pcrsonenzug Madrid-Santander zlvischcn Rcsquera und Moniabliz infolge Bahndammrutscheö entgleist ist. Neun Personen sollen mnS Leben gekommen sein, darunter Lokoniotivführer und Heizer. Die Zahl der Verletzten wird mit vierzig angegeben. Ein Hilfszug ist von Santander abgclasicn worden. Stejskal jun. aus der Hast entlasten Brüx, 24. Jänner.(Tsch. P.-B.) Die im Zusammenhang mit dem Brande auf der Grube „Anna" in Trupschitz verhafteten Franz S t e j s k a l j u n. und Jng. Georg V a v r a sind aus der Haft entlassen worden. Zwei Königstöchter getötet. Zwei Königs von Nepal, sowie die jüngste Premierministers wurden während dec als ein Teil des Königspalastes einstürzte, getötet. Gerammt. Gestern früh wurde der in der E l b m ü n d n n g kreuzende Lotsenversetzdampser „Ditmar Kvcl" von cineni bisher noch unbckann- ! tcn Dampfer gcramnit und so schwer beschädigt, ■ dast das Schiff zu s i 11 t c n begann. Die Besatzung nmstte den Dampfer verlassen. Aus Kux- 1 Haven ist Schlepperhilse an die Nnfallstcllc beim Fcucrschisf„Elbe I" abgegangcn. Die Pariser Advotatcntammcr bcfasttc sich jetzt mit dem Konflikte des Deputierten Advokaten Hesse mit dem Advokaten Lhermitte im Justiz- | palastc und nahm den Standpunkt ein, dast künftighin kein Advokat, ivclchcr Parlamentsmitglied ist, die Verteidigung iii Prozesse» gegen den Staat, Gemeinden und dergleichen übernehmen dürfe. Jeder Advokat, welcher die Verteidigung in Prozessen von Finanziers übernimmt, welche des Missbrauches de» öffentlichen Vertrauens oder der Veruntreuung in öffentlichen Kreditinstituten angeklagt sind, must vor der Ilebernahme der Verteidigung den Präsidenten der Advokatcnkammcr hievon verständigen und ihn um die Bewilligung der Verteidigung ersuchen. Der Scheiterhaufen. In Deutschland verboten wurden:„Le Miroir du Monde", Paris; G. Bernhard:„Die deutsche Tragödie"; Remarque:„Der Weg zurück"; Theodor Herzl:„Der Judenstaat"; Oppeln-Bronikowski:„Gerechtigkeckk Zur Lösung der Judcnfrage"; P. Licscnfeld:„Die Jdealche nach Dr. Ogino und Professor H. Knauü"; F. A. Voi" und A Goldsmith:„Hindenburg, sein Leben und Wirken". Tie Dynamitexplosion aus der Insel Govcr- uador hat nach ergänzenden Gerichten miS Rio de Janairo nicht so viele Opfer gefordert, wie man anfänglich befürchtete. Bisher wurden zwei Tote und zehn Verletzte gezählt. Karlsbader Bäderfrequenz. Während i. I. 1082 in Karlsbad insgesamt 532.047 Bäder abgegeben worden sind, erreichten die im Jahre 1083 abgegebene» Bäder nur die Gesamtzifser von 408.847. Der Wert dieser Bäder bezifferte sich im Jahre 1082 auf 0,150.344, 7,250.100 XL, so dast der oder 20.8 Prozent beträgt. Reue Begünstigungen ! Jahre«' i bahnen, treter teilt«nS mit, dast das Eisenbahnministerium angeordnet hat, dast die Besitzer von JahreS- und Hallijahreskarten, die ihren ständigen Wohnsitz au einer Eisenbahnstrecke haben, für welche die Halb- bzw. Jahreskarte als Ausweis für er m ä st i g t« Fahrkarten dient, vom Wohnsitze zur nächsten Station mi der Strecke, für welche die Halb- bzw. Jahreskarte Geltung hat, als Ausweis zur freien Fahrt bemiht werden kann. Die Ausgabestelle der Halb« und Jahreskarte trägt gegen Vorlage des Meldeamtes des Wohnsitzes des Besitzers einer Halboder Jahreskarte die Strecke vom Wohnsitz zur nächsten Station, von welcher die Halb- oder Jahreskarte gilt, in die Karte ein; der Besitzer ist sodann zur Noch immer Konzentrationslaser-Greuel SA-Schurkerelen In Sonnenburs London(Jnpress): Unter der kleberschrift „Der Terror geht weiter", veröffentlicht die an gesehene englische Wochenschrift„Reto StateSman and Ration" in ihrer letzten Nummer einen aus führlichen Artikel über das Konzentrationslager Sonnenburg, dem folgende beachicnswertc Vor bemerkung der Redaktion vorangeht: „Der Eindruck, dass der Razüerror aufgc- hürt hat, scheint dank der Bemühungen des deut schen Propagandaministeriumö und seiner Freunde hier an Boden gewonnen zu haben. Als wichtigen Bcckrag hiezu veröffentlichen wir Teile eines Be richtes, der uns kürzlich aus S 0 n n e n b u r g zugegangen ist. Der Bericht stimmt überein nrit den Erfahrungen anderer Gefangener, die in der fraglichen Zeit in Sonncnburg waren." Dem Artikel selbst entnehmen wir:„Ende August wurde der Arbeiter B 0 n k e aus Fürsten walde cingclicfert. Er Ivar 48 Jahre all, Vater von 5 Kindern. Der SS-Führer H ü h m e trieb ihn unter unaufhörlichen Schlagen in den Nacken au den Gefangenen vorbei, die sich in Reih und Glied aufstellcn mussten, und zwang ihn, laut auSzurusen, dass er 1030 einen Slahlhclmmann mit dem Taschenmesser erstochen hätte. Tann wurde er dem Sportführcr der SS. übergeben und mutzte stundenlang„Liegestütz" auf Finger» und Fussspitzen üben, unterbrochen von zahllosen Kniebeugen. Er wurde dann in die Mörderzelle gebracht und wurde dort wie ein Tier von allen cintrctenden SA-Leuten vorgeführt, die cs als Ehrenpflicht betrachteten, ihn mit der Faust und mit Stöcken zu misshandeln. Verschiedene Selbst mordversuche, die Benke unieniahm, missglückten, weil er ständig bewacht wurde. Den ganzen Tag durfte er sich nicht hinsetzen; wenn er sitzend ge funden wurde, wurde er wieder geschlagen. Er konnte aucb nicht schlafen, weil seine Wächter den Befehl hatten, ihn in bestimmten Abständen in der Nacht anzurufcn. Nach zwei Wochen kam die Nach- ! richt, dast der wirkliche Mörder des StahlhelmerS gefunden war. Jetzt wurde Benke, nachdem er fast zum Krüppel geschlagen war. ironisch gefragt: „Warum hast du denn nicht gesagt, dass du nn- Goebbels„Angriff" gerat ins Wanken Aus Berlin wird gemeldet, dass Goebbels' Tageszeitung„Der A n g r i f f", neben Hitlers „Völkischem Beobachter" und Streichers„Stürmer" Hlö älteste Organ der nationalsozialistischen Partei, seine Montagsausgabe wegen Lcsermangel e i n st c I l e n musste. AIS vor nunmehr zehn Monaten in Berlin vier marxistische Tageszeitungen(der„VorlvärtS", die„Rote Jahne",„Berlin ani Morgen" und„Die Welt am Abend") und ausserdem noch zwei MontagS- blättcr(„Die Welt am Montag" und der„Montag-Morgen") verboten wurden, hoffte die übrige, prompt gleichgefchaltetc Presse auf vermehrten Absatz. Statt dessen hat sich ihre Leserzahl nicht vermehrt, sondern rasch verringert. DaS„Tempo" und der„Börsen-Courier" mussten ihr Erscheinen einsteckcn und die„Vossische Zeitung" hat ihr Abendblatt aufgeben müssen. Jetzt macht der Leserstreik auch vor Goebbels eigenen: Organ nicht nichr Halt. Die Berliner haben dem RcichSlügenmini- ster, der auf dem Gebiete des Theaters, des Films, des Buchhandels und der Presse schon so viele ün- angcnehmc klcbcrraschungcn erlebt hat, eine neue und sehr empfindliche Lektion erteilt. AuS N e u- T i t s ch c i n wird uns geschrieben: DaS furchtbare Elend unserer, unter der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeit leidenden Arbeiter ist viel zu wenig bekannt. Aus den ElcudSge- bictcn Böhmens liest man öfter Schilderungen davon. Anders bei uns, wo die Arbeiterschaft als Opfer verschiedener Demagogen in mehrere Lager zersplittert, keine Kraft findet, die Ocfscuklickikeit aus ihre Lage aufmerksam zu machen. Wir haben im Bezirke Fabriken, die bereits 10 Jahre unter der Krise leiden. Diese Arbeiter leben in dieser Zeit fast ausschliesslich von der innner kleiner werdenden Arbeitslosenunterstützung. In anderen Orten. Ivie z. B. in Ncu-Titschein arbeiten die Hut- und Dertilarbciter bereits jahrelang verkürzt, wobei sich manche nicht einmal da« Geld für die Woü- nnngsmiete verdienen. Löhne von 10 bis 30 XL pro Woche sind aus der Tagesordnung. Auf der Bahn hört man oft Arbeiter und Arbeiterinnen erzählen, dass sie diese Woche knapp so viel verdient haben, nm ihre Arbeiterkarte und die Krankenkasse bezahlen zu können, daher für die ganze Woche keinen Heller für ihre Lebenshaltung erübrigt haben.| Andere klagen, dass ihr Verdienst nicht ans Kohle reicht. Sie sind die Miele schon lange Monate schntdig, mussten auch die Milch für ihre Kinder seit Wochen schuldig bleiben, haben daö letzte Gewand am Körper und müssen in kalter Zeit ihren Kindern früh gleich im Zimmer die Winterkleider anzieben. weil sie nur einmal in: Tage zum Essenkochen enheizen können. Viele Arbeiter gehen während der Woche in die Dörfer betteln. Mancher i Kranke muss zu.Hause im ungeheizten Zimmer hungrig liegen, bis ihm jemand wieder ein Stück> Brot bringt. In seinem Textilorte, Ivo die einzige Fabrik schon zwei Jahre steht, gehen die Arbeiter in den Wald, um sich wenigstens Holz zur Beheizung znsammenzutragcn. Dabei ist es schon wie- derholt vorgckommcn, dast sic vor Entkräftung unterwegs zusammcnbrachen und liegen blieben. Solche Elcndsbilder begegnen einem in unserem Gebiet gar oft. Dabei ist kein Ausblick in die Zukunst. keine Hoffnung aus Besserung. Unsere Waggonbau- und Auto-Industrie hat im Jnlandc ein zu tleiueS Absatzgebiet. Ein Export ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht zu crlvartcn. ilnscre Hut-Industrie, die cttva 5000 Arbeiter be- schäsiigl. leidet unter der Handelspolitik und nutcr den Zollschutzinastnahmeu der ehemaligen Absatzländer. Aehnlich ist cS niit unscrcr Textilindustrie. Die Bauindustrie liegt vollständig darnieder. Unsere grossen Ziegeleien und Zemcntfabriken stehen zum grössten Teil still. An eine AuStvanderung der überflüssigen ArbeitSlrästc ist mich nicht zu den- Yih. Unter diesen Verhältnissen ist eö nicht auö- zudenken. ivaS entstehen würde. Ivcnn unsere Ar- beitSloscnsürsorge, so unzulänglich sie auch ist, fehlen würde. Ilnscre Arbeiterschaft wird langsam apathisch und interessiert sich für nichts mehr. Diese Situation suchen Demagogen für ihre durchsichtigen politischen Zwecke auszuniitzen, indem sic sic gegen die Organisationen und deren Führer auszuhalten suchen. ES tvird höchste Zeit, dass behördlicherseits auf diese Zustände ein besonderes Augenmerk gerichtet wird. Es ist auch höchste Zeit, dass die Wirt- schaftSverhaudlungcn zur Hebung des Exportes im Interesse dieser notleidenden Arbeiterschaft zu einem erfolgreichen Resultat gebracht werden. Einen ivcitercn Krisenwinter könnte diese anSgc- laugtc Arbeiterschaft kaum mehr überstehen. ES wäre auch hoch an der Zeit, Massregeln gegen gewissenlose Unternehmer zu ergreifen, die kein anderes Bestreben zeigen, die Not zu einem Lohndruck auszunützen, und die Zahl der Arbeiter durch fortwährende Rationalisierung im Betriebe noch mehr zu verringern. Zeit wäre cs auch für unser Bürgertum, das unter der Konsumnn- fähigkeit der Arbeiter mitleidct, etwas mehr Verständnis für deren Kampf und Not auszubringcn. nichts tun. So hungern denn alle. In seiner Verzweiflung entschließt sich der Mann zu einer Bittschrift an die Zeitung.Aber in der Redaktion laufen viele Bittschriften solcher Art ein, hier wird das Schreiben dc8 armen BöhmcrwäldlcrS zu einem von vielen, und den vielen gegenüber werden wir ratlos. Man kann dem einen oder anderen ein wenig helfen, nicht allen, nian wird § verzagt angesichts der drängenden Not so gro- l sser Massen— aber es wächst zttglcich die Erbit. ! Irrung über eine gesellschaftliche Ordnung, die I arbeitssreudigcn Menschen das Arbeiten unmöglich macht, die Männer und Frauen und Kinder inS Hungerclcnd stößt— und cs muß doch, muß bei den menschlich Fühlenden, bei den nicht j in kapitalistischer Logik Verfangenen auch der .Wille zum Kampf geweckt werden, der Wille szüin Kamps gegen ein Gesellschaftssystem, des- !scn Ucberrcichtum an allen Gütern den Hunger der Massen erzeugt. Der.Hilferuf muß zum Kampfruf werden! Der Revierrat in Brüx teilt mit, daß bis zum 24. Jänner auf die Hilfsaktion fiir die Hinterbliebenen der Osscker Grubenkatastrophe insgesamt 584.888 XL eingegangen sind. Selbstmord eines Fähnrichs. Dienstag abend brachte sich Fähnrich Viktor M L ö t ä k des Haupt- trainlagcrö in VrSovicc in seiner Wohnung einen "Kopfschuss bei. Nach seiner Ueberstihrung in daö DivifionSspital Nr. 1 ist der Schwerverletzte innerhalb einiger Stunden gestorben. Die Selbst- mordursache hängt laut Meldung dcö Tsch. P.-B., forderten für jeden Eingriff 50 nicht mit militärischen Dienstangelegenheiten zu teil und zwar in der Wohnung des Eiscnbahnange- stellten Hubert G a m S j ä g c r und dessen Ge liebten Katherina Pötsch. Die Operationen nahm der 31jährige Hilfsarbeiter Erwin Da il u s i gemeinsam mit dem Tischlerarbciter Franz Heiden vor, die bereits im Grazer Stcrilisa- tioilS-Prozess auf der Anklagebank saßen. Beide „Operateure" s............. Schilling. Die ganze Gesellschaft wurde verhaftet, I sammen, sondern ist privaten Charakters" ihre Geräte tmirdcn beschlagnahmt. «r. 20 Donnerstag, 2K. Jänner 1034 Trite 5 „Bloß weil sie von braunen Banden ermordet worden sind.. Zur Fasdsleruna des Antlfasdsmus Vor ciitifict Zeit tvurde in der soziakdemo« kratischei» Presse eine Glosse(„Ein literarischer Freibeuter") veröffentlicht, die sich mit der kulturellen Verpflichtung des antisascistischen Kampfes gegen das Dritte Reich befaßte und zu dein Ergebnis gelangte, daß der Anspruch, die Sache des Geistes und der Kultur zu vertreten, an die Bereitschaft gebunden sei, auch im eigenen Bereich Wert vom Unwert zu scheiden und, wenn es nottut, auch hier jenen gegen diesen zu verteidigen. Tic Notwendigkeit solcher Bereitschaft wurde an einein literarischen Produkt des Johannes R. Becher ertviesen, das durch die vollkommenste Kongruenz von sprachlichem Unverinögen und Verwerflichkeit der Gesinnung sich zum krassen Beispiel der Illegitimität einer Opposition gegen Johst und Ewers eignet. Ausdrücklich zu konstatieren, daß eine derartige Betrachtung sich bewußt non dem posthumen Meinungsstreit zwischen KPD, SPD, KPO, SAP n. dgl. fernhält, schien überflüssig, wo eS doch darum ging, eine allgemeine Vernachlässigung der kulturellen Obsorge mit -em publizierten Zeugnis einer individuellen Ungeisteshaltung zu illustrieren, die es fertig bringt, meinem Gereimten gegen die Hinrichtung der vier koinmunistischen Arbeiter von Altona zu protestieren und gleichzeitig den von denselben Bestien hingcmordetcn sozialdemokratischen Polizeipräsidenten Eggerstädt noch im Grabe zu besudeln. Allein die Hoffnung, jenseits parteipoliti- scher Gegensätzlichkeit, ohne Diskussion zur Taktik und ohne den übliche» Aufwand an soziologischer Einsicht, sondern an das Kiilturbewußtsein einer besseren Menschheit appellierend darzule- gen, daß man den Kampf gegen die geistige Katastrophe Deutschlands nicht mit den Wertvorstellungen ihrer Urheber bestreiten kann, daß Goethe gegen Goebbels nicht mit den Methoden GseringS zu verteidigen ist und daß man Mord und Barbarei des FascismuS nicht bloß ihrer Oopfer wegen. sondern um ihrer selbst tvillrn verabscheuen muß, diese Hoffnung hat sich als Illusion erwiesen. Schon eine kurze und reichlich verlegene Entgegnung der„Neuen Deutschen Blätter" eröffnet ungeahnte Perspektiven der Verständnislosigkeit, an Bechers Gestammel wenigstens die Bemühung um die„llebertvindung reformistischer Illusionen" rühmend und somit den Kern deS Problems weit verfehlend, da die Kritik der Totenschändung ja nicht in der Absicht erfolgte, etwa die Politik deS„kleineren Uebels" zu verteidiget, sondern vielmehr die Legitimität der Politik des größte nUebelS, der seelischen Entartung und Barbarisierung der Menschheit, zum antisascistischen Kulturkampf zu bestreiten. Wer selbst solches Mißverstehen verliert an Bedeutung neben einem Exzeß, den das Sakrileg an einem Hofpoeten der Dritten Internationale an anderer Stelle ausgelöst hat. Denn eine kommunistische Wochenschrift, der „G e g e n-A n g r i f f", die ihre methodologische Verbundenheit mit dem Reklamechef deS Dritten Reiches also schon im Titel fühlen läßt, hat jene Glosse mit einer Polemik beantwortet, die den Becher der llnmenschlichkeit bis zur Neige leert. Zwar ist cS unnötig, sich mit diesem Gegenangriff auf eine Humanität, die seine Verfasser vom demokratischen Ausland für sich beanspruchen, zu beschäftigen, soweit er sich auf persönliche Beschimpfungen deS sozialdemokratischen Autors und den vertrottelten Vorwurf beschränkt, eS habe sich diesem um einen Angriff auf die KPE gehandelt; ivaö jedoch einer Erörterung bedarf, das ist die Tatsache, daß hier nicht etwa der Versuch unter- nonunen wird, den Vorlvurf der Schändung eines Opfers der SA. und der psysischen Gleichschaltung mit einer Späre, welche Klassengegensätze niittels Auf-der-Flucht-ErschießenS beseitigen will, durch die Anfechtung solcher Beschuldigung zu Ividerlegen, sondern daß vielmehr durch polemische Bekräftigung der Unmenschlichkeit und maßlose Uebersteigerung der Schmach ein noch viel tiefer erschütterndes Bild des Verfalls geboten ist, als eS der erste Anlaß war. Denn der „aufrichtige antifascistischc Kämpfer" Becher habe, so meint der„Gegen-Angriff", ganz recht daran getan, den toten Eggerstädt zu verunglimpfen. und damit man ihm das Unglaubliche glaube, überhäuft auch er den Ermordeten mit einer Flut von Beschimpfungen, ihn als„Fasci- sten von reinstem Wasser" bezeichnend,„an dessen Händen Arbeiterblut klebt", als einen„fasci« stischen Arbeitermörder", bei dessen Namensnennung„der sozialdemokratische Arbeiter aus- spuckt".— womit man allerdings noch nicht um den leidigen Umstand herumkommt, daß derselbe Eggerstädt von den Fascisten zu einer Zeit ermordet wurde, da der aufrichtige antifascistische Kämpfer Becher seine Bemühungen um die Weltrevolution schon längst in das gastliche HauS der Familie Rotter in Brünn verlegt hatte, so daß das Blatt der kommunistischen Emigration sich eben damit trösten muß. daß die Erbitterung über den Mord ohnehin nichts anderes sei als Pofe und Heuchelei,„Krokodilstränen über Krokodilstränen..." Was also ein letzter Rest etvig enttäuschten OpftmiSmuS bei Becher immerhin noch auf den Singular scheußlicher Pietätlosigkeit, auf einen Betriebsunfall jener belletristischen Wichtigtnerei reduzieren konnte, die daS Stigma deS Mißlingens eben nicht nur in der Form, sondern auch im Inhalt notwendig aufweisen muß. das wird hier von der leibhaftigen Parteiparanoia zum allgemein gültigen Plural revolutionärer Prinzipien erhoben. Und so unvorstellbar der Albtraum auch sei, der schmunzelnde Emigranten über verlötete Sarge geistern läßt, hier ist er Wirklichkeit geworden. Denn dieser Gegenangriff kennt keine Schonung ,md erreicht selbst das noch, was selbst der S. A. entging: das emigrierte Bekenntnis zur Menschlichkeit, die heiligsten Güter einer Nation, die ins Ausland fliehen mußte und der dabei dav. Unglück widerfuhr,.Mitreisende auszu- nchnien, die"vor der Grenze zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei längst schon. jene zwischen Tier und Mensch überschritten hatten. WaS diese uns noch erleben und erleiden kaffen wollen, ist unausdenkbar, wenn sie es nicht selbst verraten. Aber sie tun eS(in der Sprache des Dritten Reichs): „Demnächst werden wir eS wahrscheinlich noch erleben, daß er(der sozialdemokratische Autor) die Gebrüder Rotter, Herrn Bell, die Herren NoSke, Zörgiebel und Heilmann— bloß weil sie von denbraunen Banden ermordet oder nicht ihrer Verdienste>nn die Wegbereitung deS braunen FasciSmuS entsprechend behandelt worden sind— den werktätigen Massen als„Märtyrer" vor z u stellen." Welch' eine Ahnung birgt diese Biancovoll- macht zur Leichenschändung, welch' tierisches Staunen über die primitivste Regung deS Mcn- schenherzcnsl Als ob ein Zweifel darüber be-1 stünde, daß wir Menschen am Grabe eines j e» den Blutzeugen des FasciSinus der Empörung über das Unrecht, das au ihm begangen, den Primat der Gefühle cinräumen— des Unrechts wegen: bloß weil sie von den braunen Banden ermordet worden sindl— und vor jedem von den Barbaren mißhandelten Leib das Martyrium des Geistes von neuem qualvoll erleben. Welch' grausmner FaschingSulk eines AntifasciSmuS. der selbst den braunen Mörder sreispricht, wenn die Opfer sich nicht pacteilegiti- mieren können, und eS nicht faßt, daß wir die Märtyrer deS deutschen Proletariats viel eher im Konzentrationslager zu suchen bereit sind als dort, wo ihre Schänder schreiben und drucken. MS ob, waS sich in diesem Abgrund abspielt, nicht die letzte und größte Tragödie dcü Zusammenbruches wäre: die Fascisierung des AnftfasciSmuS, die Bestialisierung eines Bezirkes, in den sich die vertriebene Menschlichkeit flüchten wollte, daS freiwillige Bekenntnis zu einer Henker-Ethik, deren höchste Kategorien in den tiefsten S.A.«Kellern beschlossen liegen. Um nichts besser als jene, die sie zu bekämpfen glauben, aber gefährlicher, tveil die rote Attrappe verlockt, bekennen sie sich zu einer Exekutive, die rechtens sein läßt, WaS dem Hakenkreuz frommt, loenn dabei nur der Sowjet- Stern den Rabatt einer schäbigen Schadenfreude macht, opfern sie die Verheißung ihrer Zukunft dem Versagen ihrer Vergangenheit und erliegen noch in freierer Luft dem Pesthauch der Heimat. So aber vom Drittel» Reich nur durch die optische Nuancendiffcrenz von Braun und Rot unterschieden. am rechtzeitigen Anschluß an die legitimen Sachwalter deS Weltuntergangs jedoch durch historischen Irrtum oder jüdische Rassentragik verhindert, hm sie wenigstens, was in ihrer Ohnmacht steht, und geben sich mit der Feder den Rest, den der Gummiknüppel gelassen hot... UnS andere aber darf kein in tödlicher Rücksichtnahme verstricktes Verstehen die Brücke auch noch zll diesem Verfall abgeben. Denn der Haß einer Gesinnung, die selbst die Diktatur des Proletariats lmter die Bedingungen der Gleichschaltung beugen möchte und, da solches nicht möglich, auf jene zwar verzichtet, nicht aber auf diese, mag die stärkste Bekräftigung der Ablvehr eines Gegenangriffs auf den kostbarsten Schab sozialistischer Erkenntnis sein, da diese trostlosen Narren ihn doch nur unternehmen können, bloß tveil sic von den braunen Banden nicht ermordet worden sind. H. T. Köpfe rollen... Eine Statistik des Todes, Äe^ö^e/ur^ei^'jägen sich' tm Drüsen Reich Durchschnittlich alle fünf Tage wird ein Arbeiter hingerichtct. Dabei sind nicht gerechnet die von der SA in eigener Regie abgeknallt und»auf der Flucht" erschossen wurden. Wie der„Neue Vor- loärtS" mitteilt, sind bis jetzt 67 politische Todesurteile von den Gerichten ausgesprochen worden, 26 davon sind bereit» vollstreckt, 41 Menschen warten täglich auf die Hinrichtung. Zusammen mit den 47 kriminellen Todesurteilen überantworteten die Gerichte 101 Menschen dem Scharfrichter. Bei 53 entledigte er sich bereits seiner Arbeit. Diese grauenvolle Liste wird sich vermutlich in allernächster Zeit tvcitcr erheblich vergrößern. Jeden Tag tverdcn neue Prozesse angedroht. Ihr Zweck ist, tvie z. B. bei der Wiederholung des Horst-Wcssel-Prozcsseö, durch Todesurteile die SA-Dlänncr von ihrer sonstigen Unzufriedenheit I wegen des Versagens des Dritten Reichs abzu- I bringen. •HMMMMWMMMMWMWWHM« Anunsere Abonnenten,Verschleißer, Kolporteure und Inserenten! Wir machen nochmals daraus aufmerksam, dass unsere neue Adresse ab 1. Jänner für dir Prager Verwaltung und Redaktion Prag XII., Fochova tr. 62 V lautet. Wir ersuchen, Zuschriften ausschließlich an diese Adreffe zu senden! Die Verwaltung. Finanznot auch In den Gemeinden der Schweiz Gemessen an der Wirtschaftslage in der Tschechoslowakei geht es der Schweiz ünmer noch sehr gut, vor allem schon deswegen, weil die Arbeitslosigkeit in der Schlveiz nicht so furchtbare Ausdehnung genommen hat tvie bei uns. Aber durch die großzügige Arbeitülosensürsorge, die in den Gemeinden zu verzeichnen ist, und sich nicht nur auf nennenSlverte geldliche Unterstützungen erstreckt, sondern ihr charaltcristischeS Merkmal durch den bei uns unbekannten Umfang an Not» standSarbciten erhält, sind die Gemeinden mit den Jahre» in eine arge finanzielle Bedrängnis geraten. Dieser Notstand bestimmte die Sozialdemokratische Partei der Schtvciz, einen Kommunaltag der Kriscngcineinden zu veranstalten, um die am meisten von der Krise betroffenen Gemeinden durch entsprechende Maßnahmen vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Dor dieser Tagung tvurde durch eine Umfrage bei einer Reihe von Kriscnge- meinden festgestcllt, daß beispielsweise 1933 16 Gemeinden im Kanton Neuenburg ein Defizit von 4,761.705 Franken auöwiesen, gleichzeitig aber auch Ausgaben von 2,857.900 Franken für Arbeitslosenunterstützungen, 1,542.000 Fr. für Beiträge an die Krisenkassa, 1,710.800 Fr. für NotstandSarbeiten und 30.000 Fr. für sonstige Arbeitsbeschaffung. 7 Gemeinden des Waadtlandes hatten ein Defizit von 2,190.900 Fr., gaben aber für Arbeitslosenfürsorge 1,100.000 Fr. aus, 23 Gemeinden des KautonS Zürich haben ein Defizit Von 5,441.500 Fr., aber sie gaben allein für NotstandSarbeiten mehr als 42 Millionen Franken aus. So wird durch eine umfangreiche Statistik der Nachtveiö erbracht, daß die Defizite restlos auf die Arbeitslosenfürsorge zurückzuführe» sind und das; deshalb versucht werden muß, die ungeheuren Lasten der Gemeinden durch geeignete Finanzmaßnahmen zu verringern oder zu beseitigen. Die Ta- | gung, die überaus gut besucht war, faßte nach ausgiebigen Referaten und einer das ganze Krk- scnproblem umfassenden Debatte in einer Resolution folgende Forderungen zusammen: Uebernahme der durch die Arbeitslosigkeit erzeugten Schulden der Krisengenieinden durch den Buick», sei es vermittels der Schaffung einer eidgenössischen Krisenkaffe, sei e§ durch Darlehen, die der Schuldsmmne gleichwertig sind, zu sehr niedrigem Zinsfuß. Im weiteren werden die bereits früher ausgestellten Forderungen erneuert: Aufrechterhaltung der Arbeitslosenunterstützung zu den heute geltenden Ansätzen; Krisenhilfe für die bedrohten Industrien; Wiederaufnahme der diplomatische» Beziehungen zu giußland und Erportkreditgarantie; Arbeitsbeschaffung, nm eine große Zahl von Arbeitlosen beschäftigen zu köunen, Erhöhung der BuiweS- und KantonSsnbvcntion für die von den Gemeinden unternommenen Arbeiten. Kartoffelanbau und Kartoffelabbau E. Aldt. Ist es zu glauben, daß es noch keine 200 Jahre her ist, seit die Kartoffel, heute ein nahezu unentbehrlicher Bestandteil unserer Nahrung, in Mittcl- europa zum ersten Dlale im großen zum Anbau gelangte? Ja, daß cS erst mehrere Hungerjahre im 18. und zu Anfang des 19. Jahrhunderts bedurfte, um den Anbau»llgemein werden zu lassen? 400 Jahre ist cs'er. sei! n.an die ersten Kartoffeln nach Europa gebracht hat. Das Ivar nach der Eroberung von Peru durch die Spanier. Diese hatten den Wert der Karioffe' und ihre Bcdeuwng als VolkSnahrungS- mitiel bald erkannt und in den Niederlanden und in Italien fand sie schon im Laufe deS 16. Jahrhunderts entsprechende Verbreitung. Um so merklvürdigcr, daß er so lange gedauert hat, ehe ihr Anbau allgemein wurde. In Preußen hat mm» mit den: Anbau erst auf Betreiben Friedrich deS Großen in den 30er Jahren, in Frankreich sogar erst in den 80er Jahren de; 18. Jahrhunderts begonnen. Bis zum 18. Jahrhundert hieß die scltsmnc Dodcnfrucht in den Ländern deutscher Zunge gar nicht Kartoffel, sondern Tartusfel, und eS kam daher, daß die Italiener sie, ihres unterirdischen Vorkommens wegen, als Trüffel, tarstifolo bezeichneten. In Amerika, freilich, aß nian Kartoffeln schon seit Jahrtausenden. In den Anden von Pen; und Ehile ist die Pflanze heimisch. Aber die wilde Stammpflanzc hat kleine, wässerige Knollen, die kaum genießbar sind. IlcbrigenS kommen in Amerika mehrere Arten vor. Auch die Sumpfkartosfel von llru- guay ist genießbar. Unsere Kartoffel aber ist ihrem Ursprung nach eine Gebirgspflanze. Während sie in unserem Klima zur Planze der Ebene werden konnte, gedeiht sie in den Tropen nur in Höhenlagen von mehreren tausend Metern. Ob cs mit der Veränderung der LebenSbedingun- gen zusammenhängt, daß dieKulturderKar« toffelheuteinvielrnGegendengrohe Schwierigkei ten bereitet? Man hat im Laufe der Zeit die Kartoffel veredelt, hat durch jahrelange, mühevolle Zuchwcrsuche die verschiedensten Sorten hervorgebracht, hat durch Auslese der ertragreichsten den Knollenertrag inn ein Bedeutendes gehoben, man hat den Stärkegehalt von 15 Prozent mif über 20 Prozent zu steigern verstanden, man hat Raffen erzielt, die besonders widerstandsfähig sind gegen bestimmte ansteckende Krankheiten, wie den Kartoffelkrebs. Kurz, man hat die Kartoffel erst nach und nach zu dem gemacht, was sie uns heute ist, hat endlich durch Kreuzung verschiedener Rassen besonderhochwertige Dorten gezüchtet. Nun mehren sich seit einiger Zeit die beunruhigenden Nachrichten über gänzliche Mißerfolge in der Kultur jener schönen, hochwertigen Rassen. Es gibt eine Menge von Krancheiten der Kartoffel, die jt''' lange kennt, und auf alle Art zu bekämpfen gelernt hat. Hier aber handelt eS sich um«ine Erscheinung, die erst in den letzten Jahrzehnten über- haupt bekannt getvordcn ist und eigentlich erst.jetzt die Beachtung findet, die sie verdient. Die Landwirte sprechen bom Kartosfel-Abban und-Ausbau und meinen damit ein Nachlassen desErtraaeS, dessen Ursachen bisher ungenügend aufgeklärt sind. Cs handelt sich um ein Degenerieren der Pssanzen, das damit beginnt, daß die Blätter sich einrollen, immer kleiner und schwächer ausgebildet werden. Die Stengel werden dünn und schwächlich, der Knollenerirag nimmt rapid ab. Die Knollen verlieren ihre Keimkraft, ohne daß man ihnen eine Veränderung ansieht. In Amerika, wo nian dieses Phänomen ebenfalls zu studieren Gelegenheit hat, sind einige Forscher der Meinung, eS handle sich um eine Infektionskrankheit, als deren lkrhcbcr irgendein unbekannter An- steckungsstosf angenommen tvird, ein„ViruS", das sich angeblich auch mif gesunde Pflanzen übertragen läßt. Ein saugendes Insekt, wahrscheinlich eine Blattlaus, soll den AnstcckungSstoff übertragen. Deutsche Forscher, die sich experimentell mit dem Problem beschäftigen, sind dagegen anderer Ansicht. Gegen die ViruS-Theorie spricht vor allem der Versuch, eine gesunde und eine kranke Pflanze im selben Blumentopf zu ziehen. Eü handelte sich dabei um Pflanzen der gleichen Sorte, deren eine aus einem gesunden, die andere aus einem„Abbau",Boden stammt. Selbst bei Anwesenheit von Läusen findet keine Uebertragung statt. Die Forscher nehmen daher an, daß eS sich einfach um Störungen im Gleichgewicht der Umwelts-Einflüsse handelt, die allerdings nicht leicht zu verstehen und daher vorderhand nicht zu beseitigen ßnd. DaS Merkwürdige an der Erscheinung ist, daß diese Degenerationserscheinungen in Gegenden auftreten, wo mmi bisher die betreffenden Sorten mit bestem Erfolg anbaucn konnte, während andere Gegenden ganz verschont bleiben. Bringt man aber aus einer solchen gesunden Gegend Pflanzen in ein ,.Abbau"-Gebiet. so degenerieren sic nach kurzer Zeit von neuem. Nicht sofort. Auffallend ist, daß die Vorstufe zu jener Degeneration meist ein ganz besonders üppiges Gedeihen ist. Die Erträge von Knolle», die mis günstigen Lagen in Abbau-Gebiete gebracht tverdcn, sind im ersten Jahr sogar höher, als sie in der Heimat waren. Aber im zweiten oder dritten Jahr ost schon' setzt die Degene ration ein, die bis zum völligen Erlöschen der Lebensfähigkeit führen kann. Es wirken die störenden Einflüsse offenbar zunächst als ein Reiz, auf den di« Pflanzen mifangs durch ein besonders üppiges Wachstum reagieren. Bestimmte Kartofselsorten können in gewissen Gebieten von Zcntralcuropa überhaupt nicht mehr gebaut tverdcn, so z. B. die aus englischer Zucht stammende, einst bei uns so besonder' beliebte Sorte„Magnum bonum", die in England und Skandinavien nach wie vor mit bestem Erfolg gebaut werden kann.- Der Schaden, der der Lmidwirtschast aus dem Abba» erwächst und der auch den Kleinbauer trifft, geht in den einzelnen Ländern hoch in die Mil- lionen. ES scheint, als ob der Kartosfelpflanzc unser »lehr kontinentales Klima nicht zusagte. In den Ländern mit ozeanischem Klima sind die Verhältnisse viel günstiger. Die Gebirgspflanze aus Südmnerika konnte wohl zur Pflanze der Ebene werden, fand in Küstenländern vielleicht ähnliche LcbenSbcdingungcn wie in der Heimat, aber sie hat nicht die Fähigkeit, zur Steppenpflanze zu tverden. Ju heißen Sommern ist der Mbau stärker zu beobchten, als in fencht-küh- len Jahren. Außer der Luftfeuchtigkeit sind wahrscheinlich Wasser- und Salzgehalt des Bodens mit maßgebend. Warum aber zeigt sich diese merkivürdige Erschein»««; des Abbaues erst jetzt, nach Jahrhunderten? Daß bestimmte Sorten besondere Dodcn- bcschaffcnhcit erfordern, wäre nicht weiier verwunderlich. Aber welches sii;d die Gründe dafür, daß ge- wtssc Sorten in manchen Böden plötzlich nicht mehr gedeihen können? Ist die Rassenhochzucht die Ursache der größeren Empfindlichkeit? Wir stehen hier vor einem Rätsel. So bleibt die Frage nach den Ursachen des Abbaues vorläufig eine der vielen offenen Fragen der Biologie. Bette 6 „Sozialdemokrat" Donnerstag, 25. Jänner 1834 Nr. 28 MAC* 0 Kann der europäische Krieg verhindert werden? PRAGER ZEITUNG Kunst und wissen Literatur den sic, Ob Die„Wahrheit". Ein Gepäckschein führt zur Entlarvung RLyms. Wie die Sexualmoral des^vergen- sührers der SA. durch einen in eineni Hotelzimmer vergessenen Gepäckschein entlarvt wurde, kann man in der eben erschienenen„Wahrheit" in der II. Fort- Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag mit Dortrag des «Aenossen 9r.(Sntil9ranseli lind sie betete weiter. Und hungerte dazu. Worauf ein Wunder geschah, zunächst ein kleines: Liefe! bekam Arbeit als Aushilfe in einem eleganten Modesalon! Wir sind alle noch heute der Ansicht, daß vom Nachweis nur eine NamenS- verwechslung vorlag. Liesel aber wußte es besser; der liebe Gott hat geholfen. Und da sie wirklich etwas konnte, machte sie sogar Karriere. WaL man so in unserem Berus Karrieremachen nennt: sie durste für deu gleichbleibenden, niedrigen Lohn iminer schlvierigere und für ihre Firma einträglichere Arbeiten verrichten. DaS also war daS kleinere Wunder. Und daö gröbere: wenn man Liefe! jetzt traf, sie nicht mehr zufrieden! Sie schimpfte wie Nicht etwa auf ihre Firma, so tveit war sie Versuch der logischen Beivältigung deS Erlernten und Erfahrenen ist ihm fremd, artfremd neigt er anzunehmen. Wenn er unbeholfene Denkversuche macht, ist es bloss die Vergewaltigung der Logik, deS Erlernten und des Erfahrenen. Was der deutsche„Sozialismus", sei, begehrte ich zu wissen und erhielt gleich drei Antworte». erstens: Deutscher Sozialismus ist die llnterorduung des Einzelne» unter das Ganze — zweitens: Deutscher Sozialismus ist der deutsche Arbeiterstand— drittens: Deutscher Sozialismus ist die Errichtung des Dritten Reiches. Als ich um die nähere Definition dieser Begriffe bat, tvrirde inir erklärt, der deutsche Arbeiterstand sei die Verlvirllichung des deutschen Sozialismus, die Errichtung des dritten Reiches und die Unterordnung des Einzelnen unter daS Ganze, das Volksganze desgleichen. Ferner: Volk ist ein Stück Natur und gehorcht eigenen Gesetzen— Blut und Boden. Auf die Fragen, Ivo diese Gesetze der Natur abgelauscht wurden, ob d nicht das Wesen an Naturgesetzen sei, sich ohne Rücksicht aus die Erkenntnis der Menschen durchzusehen, ob nicht gerade in der Ueberwindung der blinden Naturgesetzlichkeit zugunsten menschlicher war wir. noch nicht— hier hielt noch die kleine Holzperlenkette in ihrer Handtasche ihre Gedanken in Fesseln— aber sie schimpfte bereits auf die dicken, reichen Weiber, die sie beim Anproben schikanierten. Nicht gleich an Ort und Stelle, erst abends, nach Feierabend. Aber sie schimpste bereits und stellte Vergleiche an zlvischen ihrer Bezahlung und den Summen, die jene dicken Weiber für ihre Kleider hinauswarfen. Aber auch das ging wieder vorbei. Es kam die Feit, in der man Liesel nur noch mit energisch zusammengekniffenen Lippen und bös gerunzelten Augenbrauen sah.„Lang mach' i dös net mehr, dann flieg i außa mit an Krach!" prophezeite sie sich selbst kürzlich, als wir sie abends vorm Kino trafen. Am Tag darauf kniete sie morgens auf dem Teppich im Atelier und steckte den Saum eines Seidenbrokatkleides ab. Frau Kommerzienrat Baer drehte sich wie eine buntschillernde Kugel vor dem dreiteiligen Sviegel herum und nörgelte: „Da zupst'S ja noch, Fräulein! Sehen Sic daS denn nicht, Frollein?" Donnerstag, 25. Jänner um 8 Uhr abends Gewerkfchastshaur Prag, PerStFu Arbeitervorflellung„Der eingebildete Kranke", Lustspiel von Moliere. Vorher:„Les petsts riens". Ballet! von Mozart. Sonntag, den 4. Feber, um halb 8 Uhr im Neuen Deutschen Theater. Karlen täglich von 8—2, 4—6 Uhr bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna. Wochenspielplan deS Neuen Deutschen Theaters. Donnerstag halb 8 Uhr: Zauberflöte, Zyklus II, C 2.— Freitag halb 8 Uhr: Tango um M i t t e r n a ch t, D 1.— SamStag 7 Uhr: Lohengrin, A 1.— Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heute, Donnerstag acht Uhr:„Les peti» S rienS", Der eingebildete Kranke.— Freitag 8 Uhr: Wei» sterFIieder, KulturverbandSsrennde und freier Berkaus.— SamStag, 8 Uhr: T o w a r i s ch. E vinriiW° SCHÜTZEN«nr setzung der Klotz-Memoiren„So wurde Hitler" nachlesen. Im Anschlust an das Interview mit Franz Ktepek besagt sich der bekannte tschechische Publizist Dr. Hubert Ripka mit der Frage einer tschechoslowakischen deutschen Einheitsfront der känyrfenden Demokratie. Stefan Großmann veröffentlicht sehr interessante Erinnerungen an Jacob Wasserinann., Julius Mader setzt die Diskussion über„Sudetendeutsche Jugend" fort. Meisels schreibt über die Stellung Her- >nann Bahrs zum Antisemitismus. Weitere Beiträge Richard Rosenheim„Die Habimah", O. W. „Albrecht der Brandstifter", Oswald Günther„Ursachen und Folgen der Krise", Justin Steinseld„Das Theater hat das Wort" und eine Fülle kleiner Wahrheiten. Die„Wahrheit" ist in allen Zeitungsver- schleisten und Trafiken oder direkt in der Administration, Prag I., Revoluini 8, zu haben. Tel. 60174, 68401. Preis der Einzelnlinuner K6 2.—. Geduldig richtet sich Liesel auf, streicht die Seidenbahn über dem rundlichen Hinterteil der Dame glatt: „Gnä' Frau tragen heute ein anderes Mic- derleibchen als vorgestern", sagt sie geduldig. „Unsinn! Unverschämtheit! Da, sehen Sic doch, Frollein— ist ja ganz schief hier, auf'm Gesäss!" Die Dicke versucht, mit ihren brillantenge- schmückten Bratwurstsingeru selbst eine Falte zurecht zu zupfen, kann aber mit ihren prallen, kurzen Aermchen de» höchsten Punkt der stattlichen Hinterhalbkugel nicht erreichen,»nd nun dreht sie sich mit hochrotem Kopf vor den Spiegeln herum wie ein wütender Mops, der sich selbst in Schwanz beissen will. „Auf'm Gesäss! Alles schief!" kreischt „auf'm Gesäääss!" Urplötzlich geschieht da das Entsetzliche, die Sinne unserer armen Liesel durch den heruni- tvirbelnden Fettkreisel verwirrt worden siiid, ob ihre Märtyrerkomplexe lvieder in Erscheinung traten— wer will daS untersuchen? Jedenfalls gellte plötzlich ein markerschütternder Schrei bis in die verborgensten Winkel des siinkfeinen Ateliers... .Wie a Sau, die abg'stochen wird", meinte Liesel, als sie nnS die Sache erzählte,„dabei hab' ich bloss a Stecknadel ins Fettpolster'neingepickt, weil mi der Zorn gar so arg derwischt hat." „Was? Ne Nadel der Gsheimrätin in'n Po?!« Liesel nickt, ganz ruhig und sachlich:„G'wiß. Der Zuschneider hat nachher eigens a Beißzang' herhol'n müssen, um's wieder außa zu zieh'n." „Jetzt übertreibst du aber, Liesel!" „Ja, Herrgottsakra... wenn ma halt a n- fan gt mit dem Klassenkampf, da übertreibt ma z'erst immer a bissel, glaub' i", meint Liesü. „aber i Iverd's schon noch lernen. Oder glaubt's net?" Doch. Liesel— wir glaubens! Eine neue Sehenswürdigkeit des Technischen Museums Die letzte böhmische Papierfabrik mit Handbetrieb. Int vorigen Frühjahr brannte in Stuben- b a ch im Böhmerlvaid die levte Hand-Pavierfabrik in Böhmen nieder. Der grösste Teil der ursprünglichen Produktionseinrichtung, Misch- und Schöpfbottich mit den zugehörigen Nebeneiurichtungeu und Fonnen zum Schöpsen des Papiers, sowie eine graste Presse, blieben erhalten und konnten für die Sammlungen des tschechoslowakischen Technischen Museums in Prag erworben Iverden, in dessen neuem Gebäude die Ju- staNation erfolgt. Die bisherige Abteilung für Papierindustrie in den Sammlungen des Museums veran- schaulihi die Enttvicklung der Papiererzeugnng in der Tschechoslolvakei von den ersten Anfängen beim Handbetrieb bis zur jetzigen niaschinellen Großerzeugung, die durch ein großes, in allen Einzelheiten durchge- führteö Modell eines Papiermaschinenaggregates für ZeitungSvapiererzeugung vor Augen geführt wird. In letzter Zeit wurde diese Abteilung durch das Modell eines Holländers zur Vorbereitung des Papierbreies und durch eine Landkarte bereichert, in der alle Papierfabriken in Böhmen seit dem 16. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit verzeichnet find. BezugSbedinaungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Ke 16.—, vierteljährig Kd 48—, halbjährig K« 06.—, ganzjährig KC 102.—.— Inserate werden laut Tarif vmigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten ersogt nur bei Einsendung der Netourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Bost- und Telearaphen- direktron mit Erlaß Nr. 13.800/VH/1080 bewilligt.— Druckerei: ,Arbiö", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. Gespräche mit SA-Leuten Die Barbarei ist nichts spezifisch deutsches, doch hat sie in Deutschland eine ganz typische Erscheinungsform. Barbarei ist überall anders so nahe verwandt der Naivität, ist dir Brutalität der Naiven. In Deutschland ist sie die romantisch- lomvlizierte Brutalität der geistig und materiell Depravierten. die noch in der Vernichtung von Geist und Kultur ein geistiges Prinzip sehen, die nicht existieren könnten, lvenn ihnen nicht irgendein GöbbelS vorlöge, die Vernichtung der Freiheit sei der FreiheitSlainpf des deutschen Volkes In ihrer übergroßen Mehrheit lvollen sie alle da? Beste und tuen doch daS Gemeinste iiitö Niederträchtigste und lveil sie die kritische Vernunft aus „marristischc" Ablvege führen könnte, lehnen sie sie, nicht bloß instinktiv, als eine Art jüdischer Erfindung ab und ersetzen sie durch den blinden Führerglaubeu. Sie gehorchen bloß und sind für nichts verantlvortlich, denn neben aller Not auch noch Verantwortung zn tragen, sind sie außerstande. Aenit die Befehle deS Führers schlecht sind, hat er sie vor Gott oder einer ähnlichen, reichsgesetzlich noch nicht endgiltig geregelten, Instanz zu verantlvorten. So unfaßbar unmenschlich, nach zwei Jahrtausenden abendländischer Knliurentwicklung geradezu prähistorisch anmuiend, dieses„deutsche Wesen" auch sein mag, von dem die Welt genesen möge. eS bat vom deutschen Volte Besitz ergriffen, es bew'rlte. daß Hitler und Göring, Göbbels und Röhn» Gefolgschaft fanden. ■ Keinem Marxisten fällt es schtoer, die sozialen und ökonomischen Urfachen des geistigen Verfalles Deutschlands anfzudecken. Aber mit dieser Aufdeckung der Ursachen ist noch nichts getan Das spürt man erst recht, lvenn man nial richtige SA.-Leute, zivil, recht gebildet, persönlich nicht unsympathisch in einer sehr honetten akademischen Diskussion vor sich hat. Einem reichsdeutschen Nazi, der allen Autarliebestrebungen zum Trotze mit einer qan- aen Gruppe ins billigere tschechoslowakische Nie» sengebirge Skifahren gekommen Ivar, leistete ich bei einem Unfall erste Hilfe. Der Gruppenführer, Junglehrer und pädagogischer Leiter eines Arbeitsdienstlagers, ließ eS zu, daß ein Marxist, dem tu Deutschland das Medizinstudium und die Ausübung des ärztlichen Berufes nicht gestattet wäre, seinem„Kam'raden" helfe und war gerne bereit, mir Untermenschen etwas vom Arbeits- dienst und voni„Neuen Deutschland" überhaupt zu erzählen. Als die Unterhaltung vorbei war, hatte ich wenig vom Arbeitsdienst erfahren. Daran Ivar ich selbst schtild. Mich interessierte die Denkweise eines jungen nationalsozialistischen Akademikers mehr als Einzelheiten des Arbeitslagerleben. Ich lenkte das Gespräch deshalb immer wieder auf das Weltanschauliche. W a s diese Leute denken, wußte ich längst, wie sie denken, wollte ich erfahren. Sie denken überhaupt nicht, sie machen sich bloß manchmal recht wirre Gedanken. ES ist derselbe Uirterschied wie -wischen der Philosophie und dem Philosophieren. Die Philosophie will gelernt sein. daS Philosophieren liegt jedent Betrunkenen. Mein SA.- Mann hat Geschichte gelernt, aber er begreift sie nicht, er hat Oekonomie studiert, aber er versteht sie nicht, er hat sich in naturwissenschaftlichen Disziplinen umgesehen, doch die höchste biologische Autorität ist ihm der Hitler. Auch nur der sTR önpFE IHRE GESUNDHEIT 17 Sie sind äusserst dauerhaft und warm- praktisch für ganztägiges Tragen. Hergestellt aus bestem ägyptischen Garn, garantieren wir für deren erstklassige Quali- f Urne in Präger LltNwii’lltäusprn Alfa:.^Liebelei".— Avion:„Abenteuer am Lido".— Beränek:„Seife flehen meine Lieder".— Fenix:„Ein Herz für ein Lied".— Flora:ETAta Fentx:„Kinder der G r o ß st a d t". Flora:„Ein Herz für ein Lied".— Hvtzda: Sintflut".— Juli»:„Unter Deinem Schutz". Koruna:„Die Sintflut"'?— Radio:„Leise flehen meine Lieder".— Skaot:„Der Ruf des Herzens". Alma:„Ein Herz für ein Lied".— Bajkal:„Ein Herz für ein Lied".— Belvedere:„So ein Hundeleben".— Favorit:„Ein Herz für ein Lied".— Lido:„Ein Herz für ein Lied".— Louvre:.Leise flehen meine Lieder".— Roxy:„Leise flehen meine Lieder".— Sportr„DaS Verbrechen tm New Aor- ker Aquarium".— Valdek:„Ein Herz für ein Lied". Vcrclnsnadirlditcn Klub deutsche Buchdrucker in Prag. SamStag. den 3. Feber, im Saale des Handwerkervereins F a s ch i» g b a l l, zu welchem Masken erwünscht sind. Eintritt im Vorverkauf 10 KC, an der Kassa 13 Kö. Aus der Partei Frei Bereinigung sozialistischer Akademiker. Donnerstag, den 1. Feber, halb 8 Ilhr im Hein»: Generalversammlung. Heute beteiligen wir uirS alle an der Parieiversammlung. Zielstetigkeit alle menschliche Kultur liege, erfolgte die Berufung auf den Führer. Schluß! Selbst im rein Gedanklichen toird alle Verant- ivortung dem Führer überlassen. DaS Gespräch dauerte Stunden. Geschichte ui»d Autropologie, Religion und Physik, alles wurde gestreift, aber mehr Ivar aus dem Gedankengut des SA. nicht herauszuholen. Es dürfte nicht mehr vorhanden sein. Das aber ist daö größte, das ungeheuerlichste Greuel, dieses grauerrhaftei» Deutschland. Der Denkprozeß hat bei der heute repräsentativen Schicht des ehemaligen Volkes der Dichter und Denker ausgesetzt. Den» Denken lvurde der! Prozeß gemacht, es wurde(auf Grund der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zum Schuhe von Voll und Stadt) abgeurteilt und hingerichtet. Die Frage, die der internationalen Arbeiterklasse, die der gesamte»» Kulturmenschheit gestellt ist, lautet: Wie sind sie mit den» triumphierenden Ungeist fertig? Hier versagen alle, müssei» alle„normalen" Kampfmittel versagen, an die sich die Pharrtasielosigkeit gewisser Realpolitiker noch immer klmnmert. Wo kein Geist ist, kann eS keinen geistige»» Kampf geben. Otw Iltis. Liesel Ml in den 8Wl Liefe! Neubergers Vater war ein kleiner Postbeamter, irgendwo in der Provinz, nahe der österreichischen Grenze..Keiner voir uns ivußte eigentlich so recht, was die kleine, zarte Liesel, dieses blutarme Ding, hierher nach Prag verschlagen hatte. Liesel schlug sich so durch, nähte mal hier bei Leuten, die nicht viel zahlen konnten, flickte mal dort Wäsche bei Herrschaften, die noch weniger zahlen wollten. Dabei konnte sie waS. Hatte den richtigen Schick in allem, was sie anfaßte. Man brauchte sie ja eigentlich nur selber zu sehen, wie sie immer tipptopp ii» ihren auö billigsten Stoffresten geschneiderten Fähnchen anSsah! Liesel hungerte immer mehr, je weiter die allgemeine Erwerbslosigkeit fortschritt: Arbeit gab's immer seltener, die Bezahlung wurde immer schlechter. Lieselö hübsche, glänzende Augen wurden trüb und entzündet von der anstrengenden Heimarbeit, die sie in letzter Feit verrichtete. Aber Liesel muckste nicht. Und wenn wir andere»» Mädel wie die Rohrspatzen schimpften, ging sie still beiseite und schwieg. In ihrer Handtasche trug sie einen alten Rosenkranz mit sich herum. Als ihr der eines TageS herauSfiel, gab's natürlich ein großes Halloh, denn junge Mädchen sind grausam. Und oft dumm. Deim sonst hätte»» wir wissen müssen, daß in Liesel so ein Stück Märtyrerin steckte, und daß man sie durch Spott uur noch mehr in ihrem Tun bestärkte. Liesel betete auch zu Hause. Daraus machte sie gar kein Geheimnis. Und wenn sie mal tausend Schürzenbänder anzunähen bekam, dankte sie ihrem lieben Gott für diese Gnade. Wahrscheinlich hielt sie sogar das Unterleibsleiden, das sie kick» bei dieser Murksarbeit zuzog, auch für ein Geschenk des Himmels.