IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME OES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag Zu., fochova 62. telefon 530/7. Administration telefon swt. HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. thnrelimris 70 Mter (•InicMItMkh 5 H«ll«r Fort«, 14. Jahrgang Freitag, 26. Jänner 1934 Nr. 21 ARAKI Gefangenen mifnclncnbct. ES wurden den Ge ist oder: Die Sprache, die der Fascismus versteht Dem früheren sozialdemolratischen ReichS- tagöavgeordncten und Generalsekretär der Deutschen FricdenSgesellschaft, Gerhart Seger, ist er gelungen, der Hölle von Oranienburg zu cnlflichcn. Am 12. März war er verhaftet worden. Neun Monate verbrachte er in„Schuhhaft", sechs davon im berüchtigten Konzentrationslager Oranienburg. Die Flucht aiis Oranienburg wurde mit beispielloser Geistesgegenwart und unter Einsetzung dcS Lebens durchgcführt. Unter abenteuerlichen llmständen gelangte Seger durch die Kette der in Oranienburg ausgestellten Häscher— die Flucht war sofort bemerkt worden— nach Berlin, wo er sich neu einklcidctc und die Fahrt zur Grenze ontrat. Früh nm 8 Uhr begann Gerhart Seger den Wettlauf mit dem Tode um die Freiheit; um 4 Uhr nachmittags war er auf tschechoslowakischem Boden und in Sicherheit. Gerhart Segör, der selbst das Opfer von Mißhandlungen war, wird im Laufe der nächsten Wache ein Buch über seine Erlebnisse im Lager erscheinen lassen. Gestern gab er vor Prager Pressevertretern eine Schilderung über das Leben und Leiden der Häftlinge in der Hölle von Oranienburg. Seine Darstellungen sind unwiderlegbar; Seger nennt die Namen der Henker und hie der Opfer. Er wird sein Buch dem Reichs-Justizminister und dem LbcrrcickiSanwalt überreichen, um ihnen Gelegenheit zu geben, die Menschenschinder, die nicht nur in Oranienburg, sondern in allen deutschen Konzentrationslagern ihr Unwesen treiben, zur Verantwortung zu ziehen. Dies ist jedoch ein Schritt von nur formaler Bcdcnlnng. denn in Deutschland gibt cs kein Recht. Um so mehr must die Kulturmcnschhcit ihre Stimme erschallen lassen. Als Ruf an die Welt, die der deutschen Schande viel zu gleichgültig gegcniibcrsteht, ist auch die Anklage Gerhart Segers zu verstehen. Ohne Recht Gerhart Seger erzählt, das; Oranienburg das erste Lager war, das überhanpl eingerichtet wurde. Seine Entstehung verdankt cs imternehmungslusti- gen SA-Leuten in der SA-Standarte 208. Zunächst waren nur Menschen aus dem Landkreis Oranienburg untergebracht worden, später auch Gefangene aus den verschiedensten Teilen Deutschlands. Am 14. Juni wurden die ersten Abgeordneten eingclie- fert; cs lvaren sozialdemolratische und kommunistische Mitglieder deS Anhaliische» Landtages. Im August lvaren etwa 1300 Gefangene im Lager, Anfang Dezember etwa 800. Den Eingelieferten lvird vom SA-Führer zunächst eröffnet, das; sie in einem Gefängnis seien, daS nicht Polizei- oder Justizbeamten. sondern der SA. untersteht. Diese Erklärung hat den Zweck, die Häftlinge darüber anfznklären, das; sie ohne RcchtS- grundlage auch hiilsichtlich der Behandlung sind. Wer in ordentlicher Polizeihast war, also Iveih, das; cö für Polizeigefangene Rechtsansprüche gibt, hält als Insasse deS Konzentrationslagers die Polizeigefmt- genschaft für eine wahrhafte Idylle. DaS Entscheidende im Lager sind nicht die Misthandlungen, sondern die Tatsache, das; die Häftlinge in e lv i g e r Unruhe gehalten lverden. Mit ihnel» kann Tag und Nacht geschehen, lvaS den Wachmannschaften gerade beliebt. Und dies ist entnervend. Eine Beschwerde gibt es nicht. Jeder beliebige SA-Mann kann mit jedem Häftling zu jeder beliebigen TageS- odcr Nachtzeit tun tvaS er will. Oft werden die Gefangenen in der Nacht geweckt und müssen auf dem Hose exerzieren. Am schlimmsten erging eS den Angehörigen der Judenkompagni«. An ihnen ließen sich die SA-Leute jede Laune auS. Die Häftlinge werden zur Arbeit gezlvunge,i. Ran teilte die Arbeit so«in, daß die„Bonzen" und die Intellektuellen möglichst solche Beschäftigungen verrichten mußten, die ihnen ungewohnt waren. Seger wurde bei Forst- und Kanalarbeiten verwendet. J Verpfegung und Unterbringung Die Verpflegung läßt sich nicht beschreiben. Sie war so schlecht, daß sich das von den Häftlingen trotz großem Hunger weggeschüttete„Essen" gu Bergen türmte. ES war, sagt Seger, ein Schweinefraß. Zwar hat die Lagerverwaltung für I bracht. Dunkelarrest wurde bis zur Dauer von' jeden Häftling 1.30 Mark bekommen, aber sie hat sechs Wochen verhängt. Neuerdings wurden söge-! nur einen geringen Bruchteil für die Verpflegung nannte S t e h b n n I c r eingerichtet, das sind Zellen mit einer Bodcinlnche von 60 mal 80 Zentimeter. Man kann in ihnen nur steh n. ler gclvagl hatte, wurde erst geschlagen, dann mußte Ein jüdischer Arzt, der ein Wort der Kritik an Hit- ec 14 Stunden in der Stehzelle zubringen. Ein anderer Gefangener"mußte 102 Stunden'm Stehbunker bleiben. Als er heransgcbracht wurde, hatte er geschwollene Beine und zcrschundcne Knie. Er war zusammcngesackt und hing so tagelang in in der Zelle. Zn alledem bekommen die Gefangenen im Bunker und im Dunkelarrest auch noch Kostentzug. Ebert und Heilmann Besonders entwürdigende Szenen ereigneten der Einlieferung der Abgeordneten Fritz und H e i k m a n n, die zugleich mit den des Berliner Rundfunks Alfred Brau n, M a g ii u s und G i c s e ck e eingclies-rt Bei der Einlieferung mußte die SA an der fangeneit z. B. nur Futicrkartoffel gegeben. Roch skandalöser ist die Unterbringung der Gefangenen. DaS Lager ist in einer altenBraue- rei eingerichtet. Die Schlafräunie befinden sich in de» feuchten und dunklen Flaschcn-Kühlräuinen. Die Luft in ihnen ist nicht zu ertragen. ES konimen auf einen Gefangenen drei Kubik Meter Luftraum; in den ältesten und schlechtesten Polizcigetüngnissen sind eS noch acht bis neun Kubikmeler. Im Aufent- haltsrauni must die Hälfte der Häftlinge stundenlang stehen, weil zu wenig Bänke vorhanden sind. Mißhandlungen WaS die Mißhandln n g e n bcirifft, so zu unterscheiden zlvischen SA-Leuten, die zwei fellos Sadisten sind, und anderen, die mis anderen Gründen mißhandeln oder den Mißhandlungen fernstehen. Daß es sich bei den ersten un» sexuelle Triebkräfte handelt, ist gar nicht zu bezweifeln. Im allgemeinen ist bei der Einlieferung geschlagen worden und im Zimmer 16 bei der„Vernehmung"; dies war meistens nur der Vorwand für das Prügeln. Als Folterinstrumente dienten Stahlruteu, Peitschen, Kolben. Die Zahl der Todesopfer dieser Mißhandlungen ist groß. Seger war Augenzeuge deü Sterbens zweier Mißhandelter. Der eine, ein kräftiger Arbeiterjunge aus seiner Heimat, starb an Herzschlag in seinen Armen. Die SA-Leute hatten ihn so geprügelt, daß er vom Hals bis zum Fuße schwere Blutstauungen erlitten hatte. Die Mißhandlungen sind vollkonuuen wahllos erfolgt. An Flucht dachten nur Leute, die zum. Selbstmord entschlossen waren.— Vier Arbeiter aus der Nähe Oranienburgs, die im Jahre 1032 einen Hitlerjungen ge- ohrfcigt hatten, weil er fein Zelt auf ihr Grundstück gepflanzt hatte, mußten siebzehn Stunden lang bloßfützig auf dem Hofe marschieren. Als ein Sanitäter den Neuesten, dem die Haut in Fetzen vom Fuße hing, verbinden wollte, bckmn er vom Lagerkommandanten einen Verweis. Der Marsch der vier dauerte von Mitternacht bis 3 Uhr nachmittags. Dunkelzelle und Stehbunker Bestraft wurde u. a. auch durch das Verhängen von Dunkelarrest. Die Arresträume waren zwei kleine Zellen, frühere Trockenräumc, die innen schwarz gestrichen und ohne Lüftung sind. In einer suchen gelle waren bis zu 10 Personen unter««- Den Henkern entronnen! kl» Kelchstagsabgeordneter flachtet aus Oranienburg Ule Zustande In den Kon entratlonslagern treten, in einiger Entfernung die Gefangenen. Ein SA-Truppf!ihrer»amenS Schulze-Wcksung hielt I eine Rede im Kaschcmmenton, in der Absicht, die! übrigen Gefangenen auf die Neuangekommenen „Bonzen" zu Hetzen. Alle sechs mussten im vorderen Hofe ihre Kleider ausziehcn und bekamen die elendsten Lumpen, die im Lager aufzutrciben lvaren. Ihre Kleider tvurdcn an kommunistische Häftlinge verteilt. Einige lehnten ste ab, andere nahmen>ie. Drei Tage lang mußten die Häftlinge in den Lumpen nmherlaufen, dann dursten sie ihre Angehörigen neu einklciden. Nach der Umkleidung wurden ihnen die Haare geschoren; auf Ebcrtö Kopf liest man, um ihn zu verspotten, einen Haarkranz stehen. Heilmann wurde in die Judenkompagnie eingetcilt und mußte Unsägliches erdulden. Er wurde v i e h i s ch m i ß h a n d c l t. Es kamen einige Male Behördenverirrter. Wenn das Inspektionen gewesen sein sollten, so habe» sie entweder nichts finden wollen, oder sich gegen die SA-Sadisten nicht durchgcsetzt. Geändert hat sich nach diesen Besuchen nichts. Sadisten als Führer der SA! Die SA-Führer int Lager sind alle Sadisten; 60 Prozent der gesamten SA-Truppe besteht miö Landsknechten, 30 Prozent sind mehr als das: sie sind Folterer und Henker. Nur etwa 10 Prozent sind anständige Leute, die mit den Mißhandlungen nicht einverstanden sind. Von einer politischen Uebcr- zeugung kHer politischem Idealismus ist bei 00 Prozent der SA-Leute keine Spur; sic sind bei der Truppe teils aus Romantik, teils aus Versorgungsgründen, teils deshalb, weil sie ihre entarteten sexuellen Triebe hier besser befriedigen können. Bon politischen Zersctzungserscheinungen in einer solchen Truppe zu reden, ist zumindest übertrieben. Um eine politische Meinung ändern zu können, muß man erst eine haben. Das trifft auf die SA-Lmidskncchic aber nicht zu. Möge der Ruf Segers, der Ruf eines Mannes, der nichts als die Wahrheit, allerdings eine grauenvolle Wahrheit, kündet, nicht nngebört verhallen. 00.000 schmachten in den deutschen Konzcutrationshöllen. Sie gehen alle zugrunde, wenn sich die Welt nicht um sie kümmert I 0« Mlfilungene „Erschießung auf der Flucht**? Hamburg, 25. Jänner. Daö Deutsche Nach- richtcnbureau meldet, daß, als der in Neumünster in. Schutzhaft befindliche Kommnnistcnführer Timm gestern von zwei Polizcibcamtcn vom Rathaus zum Polizcigefäugnis transportiert werden sollte, plötzlich auS dem Hinterhalt(?) mehrere Schüsse gefallen seien. Timm habe sich schreiend am Boden gewunden und erklärt, verwundet zu sein. Die Beamten erwiderten die Schüsse. Timm, heißt cs in der Meldung weiter, sei ins Krankenhaus gebracht worden, wo jedoch fcstgc- stellt worden sei, daß er keinerlei Verletzungen erlitten hätte. Bon den Tätern fehle jede Spur. sich bei Ebert Bcmntcu Flesch, wurden. Ohne großes Aufsehen hat sich ein Ereignis vollzogen, das zwar nicht bedeutend genug ist, un§ vor einem Weltkrieg zu bewahren, das aber j diesen Krieg sehr wahrscheinlich ausschieben und damit die Möglichkeit vergrößern wird, ihm vorzubeugen: der plötzliche Rücktritt dcS japanischen KricgsministerS Araki. Mit einer Zielsicher heit, neben der sich die Politik Mussolinis und I Hitlers unklar, verschwommen und weichlich aus nimmt, hat dieser General, der zugleich der Führer der japanischen Fascistcn ist, seit Jahr und Tag den Krieg im Fernen Osten vorbe'eitet. Seine Partei, deren Rückgrat ein Stab von karricrelustigcn, auf Abenteuer, KriegSruhm und Beute erpichten Offiziere ist, hat seinerzeit durch einen blutigen Putsch, dessen Opfer der Ministerpräsident und andere Würdenträger wurden, die Macht an sich gerissen und seither den Mikado dauernd unter Druck gehalten. Wie stark der Einfluß Arakis war. läßt sich beinahe zahlenmäßig an dem Steigen des japanischen Militärbudgets nachlveisen. ES beträgt für das Jahr 1034 mehr als 43 Prozent dcS Gcsamtbndgets, nämlich 87.0 von rund 2000 Millonen?>en. Araki war der Urheber der japanische» Angriffe auf China und der dauernden Heraus sorderungen Rußlands. Seine Politik zielte aus die Auseinandersetzung mit Rußland nm jeden Preis und in kürzester Frist. Sie hat der So- wjctnnion eine große Reihe von Demütigungen und faktischen Schäden aufgezwungcn. Wenn Rußland von einem Kabinett alten Stils regiert würde, das die Begriffe„Ehre",„Würde", „Prestige" so handhaben würde wie die europäischen Diplomaten vor 1014 es taten, so wäre es längst zu dem großen Zusammenstoß inAsien und in seiner Gefolgschaft wahrscheinlich auch zu dem europäischen Krieg gekommen. Ter Streit nm die mandschurische Bahn, die Schaffung von Mandschukuo, der Vormarsch der Japaner zunächst entlang der Bahn, später mit deutlicher Richtung ans Tschita und mit dem Ziel» die ganze Amurprovinz im Rücken zu fassen. Ruß landS asiatische Stellung durch einen Flanken angriff im Schliessenschcn Stil auszurollen, da zu die kleinen Provokationen und Nadelstiche, hätten unfehlbar zuni Krieg geführt, wenn Rus; land nicht die größte Vorsicht und Selbstverleugnung bewahrt hätte, um zunächst einmal des scre Voraussetzungen der Abwehr zu schaffen. Nun ist Araki gestürzt worden und ein Teil der Weltpresse feiert seinen sttücktritt als den Z u s a m m e n b r u ch der K r i c g s p a r- t c i. Diese Wertung deS Ereignisses ü der schätzt seine Auswirkungen. Erstens ist die KriegSpartci nicht vernichtet worden und cs sragi sich, ob der Ministerpräsident Saito und die von der Handels, und Jndustriebourgeoisie unterstützte Shidchara Politik an die Wurzeln deS Nebels Herangehen werden. Zweitens ist einem Mann wie Araki und mehr noch seiner Gefolgschaft zuzutrauen, daß sie den Staatsstreich in größerem Umfang wiederholen, vielleicht nicht nur Saito, sondern auch den Mikado stürzen und ihre Politik mit Erfolg sortsetzen. Aber zunächst ist der Sturz de§ Kriegshetzers ohne Zweifel ein Erfolg der Friedenöpartci und aus eine— unter Umständen entscheidende— Zeit schaffte er eine Ate mPa u s e. Es ist nicht uninteressant, sich der P a- rallelcn zum Fall Araki aus der Borge- schichte des Weltkrieges zu erinnern. Die erste große Marokkokrise tvar von französischer Seite durch die hitzige und zum Krieg drängende Politik D e l c a s s t& verschärft worden. Dclcassö hat 1904.05 Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um die Krise zum Kriege zu erweitern. B ü l o w, der von Hans auS nicht den Krieg tvollte, kam diese Poli- iik sehr gelegen. Denn Rußland war in Asien engagiert, England noch durch den Burenkricg geschwächt; die Chancen Deutschlands standen Sette 2 Freitag, 20. Jänner 1034 «r 21 1905 nicht schlecht und Frankreich setzte sich vor aller Welt inS Unrecht, wie neun Fahre später Deutschland. Da gelang eS dem vernünftig denkenden Teil der französischen Bourgeoisie, Del- cassee zu Fall zu bringe». Die Marokko-Krise Gourde ohne Krieg gelöst. Freilich taucht Del- cassöe später als Botschafter in Petersburg auf und gemeinsam mit Poincart hat er das seine dazugetan, den Weltkrieg zu entfesseln, indem er den Russen daS Rückgrat stärkte und sie in die Ballanabentcuer hetzte, aus denen der Krieg ent- stehen muhte. Der Führer der Kriegspartei in Serbien war 1908-09 der Kronprinz Georg. Seine Beseitigung erfolgte allerdings erst, als der Spruch der Mächte, vor allein Petersburgs, die serbische jkriegSPolitik bereits gestoppt hatte. Immerhin ist auch der Verzicht deS serbischen Kronprinzen im Frühjahr 1909 ein gewisser Präzendenzsall zum Rücktritt ArakiS. Am ähnlichsten ist die japanische Situation wohl der europäischen von 1911. Damals drängte in Oesterreich der General Conrad von Hötzendorf zum Angriff auf Italien. Es gelang dem Außenminister Aehrenthal den GcncralstabSchcf zu stürzen. Die Kriegsgefahr war fiir den Augenblick beseitigt. Acr Achren- tbal starb bald daraus. Im gerbst 1912 kehrt Conrad auf seinen Posten zurück. Im Sommer 1911 gehört er zu den Männern, die den Krieg bewußt herbciführen; sonderbarerweise— denn Conrad hielt, wie er selbst schreibt, den Krieg zu diesem Zeitpunkt bereits sür ein Va-bangue- Spicl. Auch ArakiS Rücktritt bannt die Gefahr nicht. Er schiebt die Entscheidung hinaus. Aber das kann voll unschätzbarem Wert sein, wenn inzwischen die Gegenkräfte erstarken. WaS hat Araki zu Falle gebracht? Nicht die Energie der gemähigten Bourgeoisie, denn die lieh sich noch vor wenigen Wochen gefallen, das; die Araki-Presse ihre aktiven Minister in der gröblichsten Weise beschimpfte und verhöhnte. Araki ist über den rusjiich- amerikanischen Vertrag gefallen. Rußland hat, während es die japanischen Frechheiten in der Mandschurei cinstcckte, ini Osten die Basis einer Kriegsführung großen Stils geschaffen. Die Magazine von Chabarowsk sollen Material aller Art in Fülle besitzen. Die zweite sibirische Bahn ist iin Bau weit fortgeschritten. Flugzeuge und moderne Waffen stehen ani Amur bereit. Die gute Ernte hat die innerpolitischen Schwierigkeiten vermindert. So konnte Rußland seit dem September des Vorjahres wieder eine energische Sprache sprechen. Damals erklärte der Staatssekretär Sokol- nikow dem japanisck>en Botschafter, Rußland mache Japan für die rußlandseindliche Politik Mandschukuos verantwortlich. Im Oktober begann die bislang zurückhaltende Sowjetpresse eine Kampagne gegen Japan. Die Reden von M o l o t o w und K a g a n o w i t s ch haben kiirzlich erst bewiesen, daß Rußland bereit ist, die nächste Provokation mit dem Krieg zu beantworten. Diese-Haltung dürfte auf den Mikado und seinen Außenminister K o k i ,H i r o t a nicht ohttc Eindruck geblieben sein. Dann kam der russisch-amerikanische Vcr- trag, der sich, wie jedes Kind in den USA, in der USSR und in Japan weiß, gegen den japanischen JmPcrialismtlS richtet. Vor der Gefahr des ZtvcifrontenkriegeS trat Araki den Rückzug an. Vielleicht nur, um von neuem vorzustoßen, sicher aber aus Furcht vor einem Gegner, der die Zähne zeigt. Der FaseiSmuS versteht keine a n d c r c S p r a ch e als die D r o h u n g. Was Rußland gelernt hat, wird auch Europa lernen müssen. Auch dieArakiSbeiunS:-tzitlerund Mussolini, werden nicht durch die versöhn- lichcn Gesten deS Sir John Sinion gezähmt werden. Die Sprache, die allein sie verstehen, llingt anders. Beratung zur Neuorientierung der Landwirtschaft Das Landwirtschastsministcrium hatte für den 25. und 26. d. M. eine gesamtstaatliche De» ratung über die Organisierung deö landwirtschaftlichen Beratungswesens und über die Verbreitung des landwirtschaftlichen Fortschrittes einberufen. In seiner Eröffnungskundgebung bezeichnete LandwirtschastSminister Dr.-tzodssa die Beratung als praktischen Schritt»ach der Enquete der tsche« choflowakischen Landwirtschaftlichen Akademie über die Planwirtschaft. Er sei überzeugt, daß der frei« willige Weg, der in Belehren und Ueberzcugen beruhe, für unsere Verhältnisse der annehmbarste sei, denn man müsse die Intelligenz und die fachliche Bildung der landwirtschaftlichen Praxis, wie auch die Neigung zum Individualismus respektie« ren. Dadurch schließe er nicht die Tatsache auS, daß in einigen Abschnitten der Berordnungsweg werde angewcndct werden müßen. Minister Dr. HodZa kennzeichnete die Ivichtig- sten Arbeiten und Aufgaben und kündigte die Er richtung eines»Reichsberatungskollegiums beim Landwirtschaftsministcrium" an, daS in geeigneter Weise zur Bildung einer landwirtschaftlichen öffentlichen Meinung sowohl in fachlicher Hinsicht als auch, ivaS die Hebung der Landwirtschaft betrifft, beitragen lvürde. Das ReichSkollegium, das aus Vertretern führender fachlicher landwirtschaftlicher Organisationen gebildet werden soll, ivird mindestens 60 Mitglieder zählen. Die Eintvändc gegen die Planwirtschaft erachte er als überflüssig, denn die Landwirtschaft müsse in ihrer eigenen Struktur umorganisiert werden. Die landwirtschaftliche Praxis erwartet allerdings vor allem Taten und keineswegs lange Diskussionen. Nach dieser Kundgebung Dr. Hodzas hielten Vorträge: Dr. Jng. E. Reich, Dr. Jng. V. Skoda, Moritz Michälck, Direktor Dr. Skvor, Professor Dr. F. Chinelar und Regierungsrat Jng. F. Kunz. i Verant- Iverden für die gemacht, Staatsanwaltschaft angefordcrtc und von dem Professor Müller durchgefnhrle Revision der Gebarung der„Zinslos" siattgefunden habe und daß diese Revision für die„Zinslos"„s e h r gut anSgefallen" sei. Wie wir erfahren, Hai die Revision durch Professor Müller vor e i n e in Jahr stattgefunden und sie wurde nicht im Auftrag der Staatsanwaltschaft, sondern der„ZinöloL" selbst durchgeführt. Die Staatsanwaltschaft hat znrRcvision den gerichtlich beeideten Sach verständigen Dr. A. Z i e g l c r b c st c l l t und diese Revision wird er st stattsinden. Für die„Zinslos" sollen einige Rcichenberger An- I toälte. Teutschnationale, ebenso tvic der Kommu-' schuft einfnhr. nist B e ck m a n n sehr eifrig tätig sein. ES ist im Interesse der Sparer um so mehr nötig, einer mit falschen Angaben arbeitenden Propaganda ent- gegcnzntreten. Streik aut dem Zentrum*Schacht Brüx, 25. Jänner. Aus dem„Zentrum"- Schacht in Maltheucrn ist die 119 Mann starke Belegschaft, die gestern um 10 lihr nachts die Grube verlassen sollte, bis auf 28 Arbeiter untertags verblieben. Ebenso sind 10 Mann der Si- chcrheitsmannschaft, die um 10 Ilhr abends einfuhren, heute früh um 6 Ilhr nicht ausgefahren. Es befanden sich heute vormittags 101 Mann in der Grube im Hungerstreik. Die Streitenden forderten eine Erhöhung der Zahl der Schichten und die Auöeinanderlegnng der beiden vor kurzem zu einem Betrieb vereinigten Schächte„Zentrum" und«Huniboldt ll". Ferner wurde verlangt, daß eine für die Beistelluug von Hunten günstigere Arbeitszeit obertagS eingcsührt tverde. Schließlich lvürde" die Beseitigung' des Betriebsleiters und eines Schichtmeisters, sotvie die Wiedereinstellung eines im Dezember entlassenen Arbeiters verlangt. Heute Vormittag begab sich ein Vertreter des Revierbcrgamtes aus den Schacht, um Verhandlungen zwischen dcnc Betriebsrat und dein Unternehmen zur Beilegung des Konfliktes zu vermitteln. In diesen Verhandlungen traten die Bergarbeiter von ihrer Forderung nach Beseitigung der zwei Betriebsbenmten zurück. Die Frage der Zusammenlegung der beiden Schächte wird bergbe- hvrd'ich vonc Sicvcrhcitssiandpunkt ans neuerlich | geprüft werden. lieber die restlichen Forderungen lvurdc eine Einigung erzielt, so daß der Streik um 15 Ilhr abgebrochen wurde und die Delcg- Geprellte Sparer und Jagd nach neue» Opfern. Der Krach bei der Reichenberger Banspar- kasie„Z i n s l o S" hat eine- Reihe armer Teufel aufs schwerste geschädigt. Ein Haftantrag, den die Herren Dr. Johir und.Klee stellten, scheint endlich die Möglichkeit zu schaffen, an die" wörtlichen heranzukommen. Trotzdem weiter Werbeversammlungen „Zinslos" abgehalten und der Versuch neue Opfer einer Geschäftspraxiö zu finden, die sich verderblich genug auögetvirkt hat. Leider kommt eil» Teil der Presse diesen Manöver» zu Hilfe. Seinerzeit hat das Nationalsozia- l i st i s ch e Blatt„V o l k S w c h r" sich sür die „ZinSloS" engagiert. Nunmehr hat— vielleicht irregeführt durch eine gewissenlose Berichterstattung— das„Prager M o n t a g S b l a t t" sich eine gefährliche Falschmeldung geleistet.. Int l„Montagsblatt" heißt es, daß eine von der ^rdeltsloslzkelt und Nationalität I Im deutschen Gebiet doppelt so groß, als io,] tschechischen. In den Mitteilungen deS Deutschen Haupt« I verbände- der Industrie finden wir eine Ueber- I sicht darüber, wie sich die Arbeitslosigkeit auf dar I deutsche und tschechische Gebiet der Republik der- I teilt. Bon tausend Einwohnern der C. S. R. I waren Ende Dezember 52.8 arbeitslos. Wenn I man nur jene politischen Bezirke berücksichtigt, I in denen von 1000 Einwohnern zu Ende De« I zember 1933 über 100 arbeitslos waren, ergibt I sich folgendes Bild: Tetschen und Gablonz a. d. N. l 102.6), Kaaden(104.5), Deutsch-Gabel (104.6), St.-JoachimSthal(105.3), Komotau (106.2), Wallachisch-Mcseritsch(115.1), Semil (116.5), M.-Schönberg(118.2), Prehnih (122.0), Freiwaldau(122.3), Elbogcn(124.5), Schluckenau(125.3), Jägerndorf(131.9), Asch(184.4), Braunau(185.9), Karlsbad (138.7), Neutitschein(141.0), Freudenthal (141.2), Böhm.-Leipa(141.7), Sternberg (158.7), Starkenbach(164.7), Neudek(164.9), Rumburg(179.2), Friedland(190.6), Graslih (202.8). Man sieht also, es find fast durchlvegS deutsche Bezirke, welche eine Arbeitslosigkeit von 109 bis 200 auf tausend Einlvohner zu verzeichnen haben. Daß die Arbeitslosigkeit in den deutschen Bezirken größer ist, als in den tschechischen, beweist auch die Berechnung des VerhältnisieS zwischen Einwohnerschaft und Arbeitslosen im ganzen Staate. Während nämlich von der Gc- samtbevölkerung der C. S. R. 5.28 Prozent arbeitslos tvaren, sind in den deutschen Gebieten des Landes(wozu jene Bezirke gezählt werden, deren Bewohner nach der Volkszählung 1930 zn mehr als 50 Prozent aus Deutschen bestehen) 9.66 Prozent, in den tschechischen 4.14 Prozent arbeitslos, so daß in den deutschen Gebieten die Arbeitslosigkeit rcm 4.88 Prozent über und in den tschechischen Gebieten 1.14 Prozent unter dem Durchschnitt liegt. EnsllSplan von Nationaldemokraten abselehnt Das erlveiterte Präsidium deö ExekutivauS- schuffes der tschechoslowakischen Nationaldemokratie hielt Mittwoch, den 24., eine Sitzung av. Abgeordneter Dr. Hodäö referierte über die Wirt- schastö- und Finanzsragen, deren Regelung durch die Verhandlungen deö Ministerpräsidenten vorbereitet ivird, sowie über die Verhandlungen deS SparanSschusses der Kontrollkommission. Rach beendeter Debatte wurde einmütig beschlossen, die Durchführung der in der Presse vorgebrachte» Wirtschaftspläne abzulehnen. Tritt Bulgarien dem Balkanpakt bei? Bukarest, 25. Jänner. DaS bulgarische KL« nigöpaar ist heute in Begleitung deS Ministerpräsidenten H n s ch a» o w und des rnmänischcn Gesandten in Sofia, sowie zahlreicher hoher Würdenträger am Bukarester Nordbahnhof einggtrofsen. Die heutigen rumänischen Blätter widmen dem Besuch der bulgarischen Gäste größte Aus- merksamkcit.„D i m i n e a t a" meint, der Besuch deS bulgarischen KönigSpaarcs sei nur ein Teil einer breiten diplomatischen Aktion, zn der Außenminister T i t n I e s c u die Anregung gab und deren Ziel die Erreichung einer Verständigung unter den Balkansiaaien ist, wodurch der Weg zum Abschluß eines Balkan Paktes geöfsnet tverdc- 8 II. m. de Jong: VfasMingaw Jfode tln Vornan'm vier tpUoden Autorisiert« UebeneUung aus dem Holländischen von ER Fuchs. Und wieder schoß ein Stein knapp über den Kopf des sich schnell bückenden Bauern, der. verdutzt über den energischen Angriff deS kleinen Wildlings, zögernd und fluchend stehen blieb. Peter lachte triumphierend. „Hehceel Schau das Maul... voll Eierkuchen!... Dreckiger Saukerl!....klomm nur Herl Schlag dich mausetot!" Nun bückte auch der Bauer sich nach Steinen und Peter überlegte, daß es Zeit zum Rückzug wäre. „Komm, Piet", rief er und gleich darauf rannten sie auf dem Weg weiter. Ter Bauer warf ihnen ein paar Steine nach, die weit hinter ihren eiligen Füßen in den Staub fielen, aber er entfernte sich nicht von seinem Hof, verärgert, daß er so unerwartet außer Gefecht gesetzt wurde durch den jähzornigen, leidenschaftlichen Angriff dieser Lausbuben aus der Stadt. Brummend und in sich hineinfluchcnd schlurfte er über seinen Hof, strich mit dem Handrücken über das verpappte Gesicht und die llebrig struppigen Augenbrauen und ging zum Brunnen, um die noch sichtbaren Zeichen seiner schmählichen Niederlage wegzuwaschen. Von der Straße, ganz in der Ferne, klangen noch Jubelschreie, gellende Beleidigungen, doch er reagierte nicht mehr darauf uird verschwand schnell durch ein niedriges Türchen des Hinterhauses. »So ,n Sodomiterhnndl" raste Peter noch immer, schnaubend vor Wut, und zog seine Hose hoch, die bei dem rasenden Lauf hinabgerutscht war.„'n Jammer, daß der Stein danebcnge- trosfen hat... hätt ihm mindestens ein Ang auö seinem dreckigen Gcfrieß gehautl" Piet Ivar erstaunt über den wilden Blutdurst und nicht weniger über die Kaltblütigkeit seines Freundes, an dem keine Spur von Furcht zu entdecken Ivar. Ihm selbst zitterten noch die Beine und er spähte ängstlich zurück, ob ihnen der Bauer vielleicht folge. Peter grinste, lachte immer heftiger und schüttelte sich dann in unbändiger, überreizter Freude. »Hast geschn, Piet", fragte er schluckend. »DaS Ei is richtig gelandet, sag!... Grad über dem Bauernrotzbehälierl... Sein ganzes Gesicht verpappt!... Er könnt keinen von uns mehr sehn, der Rotzer!... Mit'ner Mistgabel stechen für'n paar lausige Eier... jawohl!... Ich lach mich noch tot!" Und aufs neue brüllte er los. sich krümmend, die Hände auf den Bauch gepreßt; wahre Schmcr- zenSstöße durchzuckten ihn bei diesem unbezwingbaren Lachen. Piet erholte sich langsam von seinem Entsetzen und begann mitznlachen. Er sah wieder daS wütende, braune Gesicht des Bauern vor sich, auf dem so unerwartet das Ei geplatzt war, sah ihn zurückspringen, die hilflose Gelwrde der großen Hände gegen die geblendeten Augen.... die ganze komische Veränderung der Szene, durch die ein überlegener und furchteinflößender Angreifer plötzlich zn einem verlachten Besiegten geworden war. Und so standen sie da und brüllten unsinnig weiter, hielten einander an den Schultern gepackt und konnten sich lange nicht beruhigen. Aber als sie sich halbwegs auSgetobt hatten, erinnerte sich Peter mit einem Schlage wieder, wie der Bauer, mit seiner Mistgabel drohend, vor ihnen gestanden war,"und siedend schlug aufs neue die Ent- rüstung in ihm hoch. „So'n dreckiger Mörder", gröhlte er wütend. „Was gilts, ich geh zurück und schlag ihm alle Scheiben kaputt!... Oder ich steck ihm seinen lausigen Hof in Brand!" Diese furchtbaren Drohungen erschreckten Piel und beruhigend legte er ihnt seine schmutzigen Hände auf die Schulter.„Hör, beruhige dich ein bißchen!" sprach er ihn an.»Scheiben cinschlagcn und Brand stiften? Bist du aus den Kops gefallen, sag?... Dafür wirst du ins Gefängnis gesteckt, weißt du das wohl?" „Auch'ne Sorge!" prahlte Peter in königlicher Gleichgültigkeit.„Im Zuchthaus ist's»ich so schlecht... lind dann hätten wir wenigstens dem Bancrnlümmel die Todesangst auf den Hals gejagt!" Aber nach reiflicher lleberlegung urteilte er doch weniger rachsüchtig und hielt weitere Schritte für überflüssig; er gab sein Drängen auf, wandte nach einem letzten Blick dem Bauernhof, den er eigentlich hatte verwüsten wollen, achselzuckend den Rücken und setzte seinen Weg fort. Piet hielt sich dicht an- ihn, zufrieden, daß sein ungestümer Freund von seinem gewalttätigen Vorhaben Abstand genommen. und blickte bewundernd von der Seite zu ihm auf. Schon den ganzen Nachmittag hatte er es gewußt, aber die letzten Vorfälle hatten alle Zweifel verwischt: dieser tollkühne Peter war ein wahrer Held! Noch nie hatte er so etwas gesehen oder je davon gehört. Dieser sckiäbig gekleidete Junge wagte und konnte alles. Er brüstete sich nie und wußte immer- ganz genau, waS er zu sagen oder zu tun hatte— und dann sagte und tat er eS auch!... Niemals hätte er für fo einen erlisteten freien Nachmittag einen besseren Kameraden finden können... Nun hatte er ihm schon zweimal daö Leben gerettet, einmal auS dem erstickenden Schlamm und das zweitemal durch sein rechtzeitiges herzhaftes Vorgehen gegen den fürchterlichen Bauern mit der Mistgabel... Noch zitterte er bei dem Gedanken an die drohend spitzigen, scharfblinkendcn Zinken... Und wieder schüttelte ihn ein kurzes, nervöses Lachen bei, der Erinnerung an den plötzlichen Umschlag der Kriegsaussichten. „Warum lachst?" fragte Peter mißtrauisch. «Ueber den Bauernlümmel", antwortete Piet fachtechnisch.„Mein Hofmeister würde sagen, daß du der geborene Stratege bist." «He?" fragte der andere blinzelnd.„Der IvaS?... Ein Straßcnsteg?... Willst mich an der Aase zupfen?" Piet lachte darauf los. „Ein Stratege", wiederholte er und verdeutlichend fügte er hinzu:«Ein Feldherr... Ein Heerführer!" „O, das meinst? brummte Peter unzufrieden.»Quassle in deiner Muttersprache!... Feldherr?... Nu, das möchi ich wohl sein!... Fein, der kann alles tun, was andern verboten iö... massenhaft Feinde kaputt machen... unde... Dörfer in Brand stecken... und Städte plündern... und überall den Herrn spielen... Und dann auf'nem Riesenpferd sitzen und alle beugen sich vor dir, und später kriegst ein Standbild und s'n Bild steht in alle Geschichtsbücher und deine Heldentaten und so... Geschmolzen! ... Unser Nachbar sagt, daß sie alle zusammen Rotzkerle sind, Massenmörder nennt er sie und dreckige Diebe und Schufte... Aber der is s'n dusseliger Fischcsrcsser, Junge!... Dem ekelt vor allem Ivas fein is! Der raucht»ich und der trinkt kein Schnaps und der rauft nich... der schwatzt nur... immer quasselt er, da tuird man ganz blöd davon. Meine Mutter sagte, sie möchte wohl, daß Vater auch so lvärc... Nu... mein Vater ist kein Feiner nich... aber so'n dämlicher Dieb? Ne, Hörste... damit iö auch nischt getan..." Einen Augenblick war eö still. Dann fragte Piet: «Trinkt dein Vater auch?" „Wenn er nur'n paar Groschen hat", brummte Peter.„Dann sauft er, daß die Läuse auf seinem Kopf zerspalten... Tage nacheinander... Nu ja, das iS auch nischt, natürlich ... der Nachbar iS schon bester dran als mein Vater... und seine Kinder sicher besser als wir ... Saufen ist viehisch, sagt meine Mutter." „Da hat sie ganz recht", stimmte Peter leidenschaftlich zu.„Meine Mutter sagt eS auch." (Fortsetzung folgt.) ». M Freitag, 26. Jänner 1934 Serie 3 3»m Jahrestag der Machtergreifung Hitlers veröffentlicht der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Sitz Prag, eine programmatische Erklärung, in der, nach Kennzeichnung der gegenwärtigen Situation, gleichsam das Fazit der bisherige» Entwicklung gezogen nvd in grossen Umrissen dav Kampsprogramm der revolutionären Arbeiterklasse Deutschlands entworfen wird. Dir taktische Richtlinie der Partei wird bestimmt durch folgenden Satz:„Im Kampf gegen die nationalsozialistische Diktatur gibt es keine Kompromisse, ist für Reformismus nnd Legalität keine Stätte. Tie sozialdemokratische Taktik ist allein bestimmt durch das Ziel der Eroberung der Staatsmacht, ihrer Festigung nnd Behauptung zur Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaft. Die Taktik bedient stch z»m Sturz der Diktatur aller diesem Zweck dienenden Mittel." Es sei nicht die Aufgabe der Sozialdemokratie, heißt eS weiter, auf den Sturz der Despotie durch.Krieg zu hoffen. Es sei vielmehr ihre Aufgabe, den Krieg zu verhindern. DeShalh verwerfe sie alle militärischen Konzessionen an Hitler- deutschland. Sic warne die Arbeiterparteien aller Länder, die Gefahr des deutschen Nationalsozialismus zu unterschätzen.„Gleichberechtigung der Demokratien, aber keinerlei Aufrüstung für eine lriegslüsternc Diktaturi Diesem S>> st c m leinen Mann und leinen Groschen, das ist die Parole der Deutschen Sozialdemokratie, das must die Losung der Sozialistischen Arbeiter- Internationale seins" Sollte der Krieg trotzdem ausvrcchen, so werden die deutschen Sozialdemokraten der Despotie in unveränderter, unversöhnlicher Feindschaft gc- genübcrstehcn. Tie Einheit und Freiheit der deutschen Nation könne nur gerettet tverden durch die slebertvindung des deutschen FasciSmus. Einen neuen Frieden iedoch, der zur Zerreißung Deutschlands führen, seine freiheitlichen mW wirtschaftlichen EntwicklnngSmöglichkcitcn hemmen Ivürdc, werde die Sozialdemokratie niemals anerkennen. Vie Einheit der Arbeiterklasse Voraussetzung für den Sieg über den FasciSmus ist die Einheit der Arbeiterklasse— diese Erkenntnis durchdringt mehr uird mehr die Massen des leidenden und kämpfenden Proletariats. Die Führung der deutschen Sozialdemokratie nist init allem Nachdruck zur Herstellung dieser Einheit:„Die Differenzen in der Arbeiterbewegung werden vom Gegner selbst a»S- gelöscht. Die Gründe der Spaltung tverden nichtig. Der Kamps zum Sturz der Diktatur kaun nicht anders als revolutionär geführt»ver- dcn. Ob Sozialdemokrat, ob Kommunist, ob Anhänger der zahlreichen Splittergruppen, der Feind der Diktatur wird im Kampf durch die Bedingungen des Kampfes selbst der gleiche sozialistische Revolutionär. Die Einigung der Arbeiterklasse wird zum Zwang, den die Geschichte selb st auferlegt." Bon sich aus erklärt sich die Führung der deutschen Sozialdemokratie bereit, jede Arbeit zu unterstützen und zu fördern, die auf die Einigung der Arbeiterklasse in einer politischen Partei des revolutionären Sozialismus hinzielt.„Wie sie die illegale Arbeit aller Gruppen, die den Kampf gegen die Diktatur und nicht gegen andere Parteien der Arbeiterklasse führen, zu unterstützen bereit ist. so öffnet sic ihre Zeitungen. Zeitschriften und Publikationen allen Diükusiionen über die Probleme des revolutionären Sozialismus, der Machteroberung und der Machtbehanpiung in der lleber- zeugung, dast nur aus gemeinsamer geistiger Arbeit die Perwirktilbung des einheitlichen revolutionären sozialistischen Bewnsttseinö der Arbeiterklasse entstehen kann." Vie Vision des Sozialismus ES wird dem zeitgenössischen Sozialismus jetzt ost der Vvrtvurf gemacht, dast er unfähig sei, zil einer totalen Vision der sozialistischen Gesellschaft zu gelangen und die Allgemeinheit der eigenen Funktion in die tägliche politische Tai nm« zusehen. Da» fetzt beschlossene Kainpfprogramm der deutschen Sozialdemolratic such: diesen Vorwurf, der in hohem Maße berechtigt ist, zu entkräften. Es hat aus den Erfahrungen der Vergangenheit gelernt und versucht, der neu sich formierenden revolutionären Bewegung in Deutschland eine t o t a l c V i s i o n d c r s o z i a l i st i s ch e n Neu gc staltun g vor Augen zu führen, die den unter dem Jock der Diktatur stehenden proletarischen Kräften den leidenschaftlichen Austrieb zum revolutionären Kampf und gleichzeitig die Fähigkeit zur sozialistischen Gestaltung geben soll. ES will sotvohl die Kräfte der sozialistische» E r kenntniS ivie des revolutionären Willens mobilisieren. ES baut seine Ziele nicht auf revolutionären Wunkchträumcn ans, sondern ani klarer, nüchterner Erkenntnis der realen Wirklichkeil, ihrer Kraflgucllen, wie ihrer inneren Widersprüche. lind eS mobilisiert die inneren Kräfte des Proletariats wie der zu ihm neigenden Schichten nicht siir die Vcrtvirklichung irgendwelcher utopischer Konstruktionen, sondern sür die Durchsetzung politischer nnd wirtschaftlicher Ziele, die sich ans der heutigen Situation mit eherner Notwendig' kcit ergeben, wenn das deutsche Volk nicht kür immer in den Abgrund unsagbaren Elends und unvorstellbarer Barbarei versinken will. Indem die deutsche Sozialdemokratie zum Kampf gegen die sascistischc Barbarei aufrufr. führt sie den Kampf für die großen und unvergänglichen Ideen der Menschheit ebenso wie für die LcbenSintcresscn des deutschen tvcrkiärigen Volkes, das heute nur die Ketten seiner Knechtschaft zu verlieren hat, aber die Welt der Frcihcil und deS Sozialismus gewinnen kann! England bremst zunächst erst Einschreiten der GroBmächte in Berlin Die bisherigen organisatorischen Formen der Bewegung find zertrümmert, neue Formen..die der neuen Kainpfsituation angcpastt sind, müssen entstehen. Unter dem furchtbaren Druck der Diktatur, in unerhört schwerer illegaler Betätigung entsteht eine Elite von Revolutionären, die berufen sind, bei den notwendig einsebendeu spontanen Massenbewegungen die ausbrechcnden Gegensätze im Bewußtsein der Massen zu vertiefen, ihre Entwicklung zu lenken, ihre Zielsetzung zu beeinflussen, die Verbindungen auszudchuen und die revolutionäre Organisation zur Massenorganisation zu erweitern. Welches sind die B e d i n g u u g c n und die Kampfziele der neu entstehenden Organisation? Die Bedingungen und Ziele deS Kampfes lassen sich nicht willkürlich bestimmen, sie erwachsen aus den sich zuspitzcnden Gegensätzen der lapitalislischcn Gesellschaft und auö den Tatsachen der nationalsozialistischen Gegenrevolution. Trotz deS Bestrebens der nationalsozialistischen Diktatur, die Klasicngcgensätzc zu leugnen, .'erschürfen sich diese Gegensätze immer mehr. Tic Allmacht deS Staates, verbunden mit der Allmacht des Großkapitals und einer die Lebenshaltung der Rassen hcrabdrückcndcn Wirtschaftö- und Finanzpolitik, nmß die Masten in den Kampf für die Sicherung und Hebung ihrer materiellen Existenz hincintrcibcn. Aus dieser Situation crtvächst mit Notwendigkeit die Forderung nach Wiederherstellung der Koalitionsfreiheit und der Schaffung sozialer Kampforganisationen. Aber Koalitionsfreiheit ist nicht möglich ohne Versamm- lungs-, Vereins- und Pressefreiheit. So ergibt sich euch aus den unabweisbaren Bedürfnissen der Arbcsterschaft die Forderung nach politischen Rechten, entspringt der Kampf um ihre dcmo- Iraiische Bewegungsfreiheit. In diesem Kampfe steht die Arbeiterschaft nicht allein. Ihr müssen sich die vmu National- sozialic-mus betrogenen Bauern, Kleingcwerbctrei- benden, Kaufleute und Intellektuelle anschliesten. Die Sozialdemokratische Partei stellt sich zur Aufgabe, aus allen diesen Schichten eine große airti« sascistischc Front zu bilden, die den Kampf gegen die sascistischc Diktatur durchzusühren hat. „Dieser Kampf ist nur ein revolutionäres Durchgangsstadium zur Eroberung der ganzen Staatsmacht. Der Sturz der Despotie wird sich, wenn nicht äußere Katastrophen ihn herbciführen, nur in der getvaltsamen Niederringung, nur durch den Sieg im revolutionären Kampfe vollziehen. Er tvird sich ergeben, wenn die Bedingungen einer objektiv revolutionären Situation ausgenützt werde» von einer entschloßenen, vom radikalen Kampfgeist durchsetzten. von einer erfahrenen Elite geführten Partei des revolutionären Sozialismus. Erkan»nur erwachsenausderTat der Massen selbst." ISIS kehrt nicht wieder Die programmatische Erklärung des Parteivorstandes grenzt sich in entschiedener Weise von den Halbheiten und Fehlern der Novemberrevolution von 1D18 ab.„Tast sic den alten Staatsapparat fast unverändert übernahm, tvar der schwere historische Fehler, den die während des Krieges orientierte deutsche Arlieiterbewegung beging." Die neue Situation schliesst jede Wiederholung aus.„Die Niederwerfung des nationalsozialistischen Feindes durch die revolutionären Massen schafft eine starke revolutionäre Regierung. Die ecfte und oberste Aufgabe dieser Negierrmg ist es, die Staatsmacht für die siegreiche Revolution zu sichem, die Wurzeln jeder Widerstandsmöglichkeit auSzureistcn, den Staatsapparat in ein Herr- schaftsinstrument der VolkLmas- s e n zu verwandeln." Es werden nun alle jene Maßnahmen politischer und wirtschaftlicher Natur aufgczählt, die notwendig sind, um die Macht der revolutionären Regierung fest zu verankern, die Kräfte der Konterrevolution zu zertrümmern, und die wirtschaft- lichen Grundlagen der herrschenden Klassen zu zerstören.„Erst nach der restlosen Zerstörung der kapitalistisch-feudalen und politischen Machtpositionen der Gegenrevolution und nach der Besetzung der Kommandohöhen der Wirtschaft beginnt der Aufbau des freien Staatswesens mit der Einberufung einer Volksvertretung, gewählt nach allgemeinem, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht in Einzelivahlkreisen.„Die Volksvertretung toählt den Chef der ReichSrcgierung, der die Reichsminifter ernennt. Dis zum Zustandekommen der Wahl bleibt die RcvolutionSregiening in: Amt. DaS despotische Snitcm der zentralisierten Staatsallmacht wird durch die Herstellung einer echten freiheitlichen S c l b st v c r w a l t u n g innerhalb des gegliederten Einheitsstaates gcbrocl>c», In den politischen Gemeinden tverden für das Schul-, Wohlfahrts-, Gerichts- und Sicucrlvefen Selbst- vertvaltungskörpcr gebildet, denen die Beamten verantwortlich sind. Sozialistische Planwirtschaft Gegenüber allen Verfälschungen der sozialistischen Idee und den Rettungsversuchen des Kapitalismus durch den mit scheinsozialistischen Phrasen arbeitenden FasciSinuS stellt das sozialdemokratische Kampsprogramm die s o z i a l i st i s ch c P l a n w i r t s ch a f t in den Vordergrund der revolutionären Aktion der Arbeitcrklaste..„Die Vergesellschaftung der Schwerindustrie, der Banken und deS Großgrundbesitzes ist kein Endpunkt, sondern nur der Ausgangspunkt für die llmwand- lung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaft." Bei den Vorschlägen zum Aufbau der sozialistischen Planwirtschaft stützt sich die programmatische Erklärung auf die Erfahrungen, die in den letzten eineinhalb Jahrzehnten in Sowjctruh- land lvie in Westeuropa gcsonimelt worden sind. Sie gehen allesamt von der Erklärung aus, daß nur die sozialistische Planwirtschaft eines von der Arbeitcrklaste regierten Staates imstande ist. das wirtschaftliche Chaos zu meistern, das in der Periode des absinkcnden Kapitalismus immer deutlicher in die Erscheinung tritt. Diese sozialistische Neuordnung beseitigt das AuSbcutungSeigcntum des Kapitals, sic schützt aber zugleich das Arbcitöeigcntum des Bauern und des HandtverkcrS, indem sie eü von dem Druck des GrostbesitzeS und von der Ucbermacht des Bankkapitals befreit, und sorgt auch für die Jntereffen des Mittelstandes, indem sie ihn mit den nötigen Betriebskrediten versieht. Sie gliedert auch die Arbeiter der technischen und leitenden Angestellten in den sozialistischen Ausbau ein und löst auf diese Weise daü Problem der Mittelschich- t c n, die heute eine der wichtigsten Kraftquellen dcü FasciSmuS sind. Sie verfolgt aber nicht nur materielle, sondern auch geistig kulturelle Ziele:„Die sozialistische Gesellschaft stellt die Freiheit dcö Geistes und der Wissenschaft wieder her: sichert Kulturarbeit und Kunst vor den Eingriffen bürokratischer und kirchlicher Gewalt, gibt der Persönlichkeit ihr unveräußerliches Recht und ihre Menschenwürde wieder zurück." So tritt einer mit Volkügemeinschafts-Phra» sen arbeitenden Ideologie, die den AuSbeutungS» charalter des.Kapitalismus durch die Militarisierung des Staates und der Wirtschaft und durch die Vernichtung aller sozialistischen Errungenschaften eines Jahrhunderts ungeheuer verschärft hat. die Idee der sozialistischen Wirtschaft. und Gemeinschaft entgegen, nicht alö allgemeine Abstraktion, nicht als fernes Ideal, sondern als ein in den wichtigsten Einzelheiten auSgcarbeiteter realer Plan, deren ökonomisch-organisatorische Voraussetzung durch die bisherige Entwicklung bereits geschaffen sind. Es bedarf nur des revolutionären Zusammenschlusses zum Sturm der nationalsozialistischen Despotie, um diese Idee zur Wirklichkeit werden zu lassen. Ole Außenpolitik der proletarischen Revolution Sehr eingehend behandelt die programma- tische Erklärung die austenpolitischen Gefahren, die durch die Aufrichtung der Hitlecherrfchaft für alle anderen Völker heraufbeschlvorcn worden sind. Der Wahnsinn des alldeutschen Eroberungüdranges verbündet sich mit der Bestialität des nationalsozialistischen Militarismus, der seine KricgSziele offen propagiert und die Welt vor die Gefahr eines neuen Krieges stellt. „Die auswärtige Politik der deutschen Diktatur— heißt eS in der Erklärung— bedeutet eine ständige Bedrohung des Friedens und damit den Zlvang zum Wettrüsten. Die Diktatur, die durch schamlosen VerfassmrgSbruch, durch Inszenierung d«S Reichstagsbrandes zur Macht gelangt ist, die durch frevelhaften Terror und schamlose Vergewaltigung von Recht und Gesetz die Macht behauptet, bietet erst recht keine Gewähr für die Innehaltung internationaler Verträge. Sie tvird sie brechen, sobald sie den Bruch für nützlich hält." London, 2'». Jänner. Im gestrigen britischen Ministerrote wurde auch der österreichisch- deutsche Konflikt erörtert. Wie in Londoner politischen Kreisen verlautet, wurde beschlossen, dost derbritische Botschafter in Berlin dahin wirket» soll, den Konflikt beiz«legen. Wie die„Times" erfahren, wurde der österreichische Gesandte in der Nacht nach Beendigung des KabinettSrates im britischen Auswärtigen Amte nochmals empfange», wo ihm dir Absicht der britischen Negierung brkanutgrgcben und auch' bedeutet wurde, das» die österreichische Regierung mit ihrem Appell an den Bölkerbnndsrat biö zu dem Zeitpunkte warten solle, in welchem das Ergebnis der in Berlin erfolgenden Intervention der britischen, der französischen und der italienischen Negierung bekannt sein wird. Die„TimeS" bemerken zu der gegentvärtigen österreichisch-deutschen Lage u. a.: Es ist kamn daran zu zweifeln, daß unverzüglich inter- nationale KomplikationcninMit- teleuropa eintreten würden, wenn der Nationalsozialismus in diesem Augenblicke in Oesterreich die Oberhand getvinnen würde. Deshalb ist Einen Monat nach dem Freispruch Rettet Dimitrow und Torsler Paris, 26. Jänner lJnpreß.) Auf Grund der Tatsache, daß Dimitroff, Torglcr, Poposf und Taneff noch heute, mehr als einen Monat nach den» Freispruch durch daü Reichsgericht, widerrechtlich in Haft behalten werden, hat das Internationale BcfreiungSkomitec eine Sitzung der ihm angeschloffenen Organisationen einberufen, an der 31 Organisativnsvertrcter tcilnahmcn. Nach einen» Bericht des Rechtsanwaltes Villard wurde beschlossen, eine breite BefreiungSkaiiipagnc für die Freigesprochcnen cinzuleiten, die bereits in dieser Woche»nst RiesenprotestmeetingS und Demonstrationen in ganz England ihren Anfang genommen hat. Am 1. Feber ist in ganz Frankreich nationaler BcfreiungStag. In einem Meeting im Salle Wagram werden die Töchter Zolas und hervorragende Vertreter der Wissenschaft, Kunst und eS sehr wichtig, daß Großbrsicumien und die anderen stäirdigen Mitglieder des VölkerbundsrawS, tvelche auch den Vierinächtepakt unterfertigt haben, den erste»» Schritt in Berli»» unternehmen und dort deutlich zu verstehen geben, daß ihnen sehr daran gelegen ist, daß Deutschland in» Interesse deS Friedens und seines eige»»en guten Rufes weitere Komplikationen verhüte und die Kampagne vo>» Verleumdungen und Gelvalt gegen die österreichische Regierung e i n st e l l c. Auch die Demarche in Berlin noch fraglich! Nach einer späteren Reuter-Information „von gnt informierter Stelle" wurde dem britischen Botschafter in Berlin bisher keine Instruktion gegeben, bei de» deutschen offiziellen Stelle»» init Rücksicht auf dir von den Nationalsozialisten in Oesterreich entfalteten Tätigkeit einen Schritt zi» unternehmen. Man glaubt, dah zurrst notwen- diger Weise die deutsche Antwort auf die österrei- | chische Note überprüft werden müsse, obwohl die ! Möglichkeit eines britische»» Schrittes in Berlin ! für die Zukunft nich«. ausgeschlossen(!) ' erscheint. Politik sprechen. In der französischen Provinz finden ebenfalls an diese»»» Tage ungefähr 32 Meetings statt. Das Internationale BefreiuugSkvmitcc hat weiter beschlossen, nunmehr auck» eine große Be- freiungskainpagnc für Ernst Thälmann, der von einen» HochvcrratSprozcß bedroht wird, und für alle gefangcngchaltenen Antifascisten. insbesondere für die 60 von» Henkerbeil Bedrohten, einzuleiten. Die Annahme von„Erbhöfen“ muh dkl»„Führern" erst ausdrücklich verboten »verden Berlin, 23. Jänner. Nach einer neuerlichen Verfügung deS Stellvertreters des Führers Rü- dolf Heß ist cö den Führern der NSDAP, untersagt. Zuwendungen aller Art höheren Wortes an- zunehmcn. Hierunter fallen insbesondere auch „Erbhof e". Seite 4 Freitag. 26. Jänner 1034 Nr. 21 I ® ,e ÄtL'S.’ 1"“ M; der Hrbeiter-Turn- und den Beamten I 42 * I Jänner. Der gesetzgebend« AoS- hat einmütig den NegiernngS« die Presigesetzreform(Berschär- dic Ans- dem sehr weiteres 200.000 Dollar für Menschenraubs. >, 25. Jänner. Der KammcrauSschuß "ageSordnung beschäftigte sich mit eint« für die Ernennung zur U n t e r s u- Stavisky-Angele- Der Ausschuß nahm eine kurze Dar- Ministerpräsidenten ChautcmpS ent- erklärte, die Regierung werde q u- t e n, falls sich die Kammer für die eines parlamentarischen Nntersu- Preßgesetzentwurf der französ'.schen Regierung abgelehnt Paris, 25. kitmh der Kammer rntwnrf betreffend fnng der Bersosgnng von Pressedelikten) a b g e lehnt und als Grundlage der Debatte den. Gegenantrag drS Deputierten der Rechten Pernot angenommen. Rundfunksender in der Wüste. Die Besprechungen zwischen dem ägyptischen Kriegs- und Verkehrsminister haben zu einem Etttwurf geführt, nach dem in Wahat el Earagua, Wahat el Karlga und Sinai je ein Sender errichtet werden soll, um die drei bewohnten Wüstengeblete miteinander in Verbindung zil bringen. Die benötigten Beträge für die Ausführung dieses Planes sollen in den nächsten Staatsetät ausgenonuncn werden. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» aus den Programmen: Samötag: Prag, Sender S.: 14.80 Violinkonzert, 15.15 Deutsche Sendungen: Liederstundc, Deutsche Pressenachrichten, Sender L: 16.50 Rundfunk für die Jugend, 17.85 Tschechische Konversation, 18.10 Jugendfunk mit Sven Hedin in . Nach Einsichtnahme in >n‘ I dieses Buch wurde die Ausführung selbstverständlich in Dänemark verboten. Die glcichgcschaltctc reichsdcntschc Presse schimpft darüber sehr. Studentenstrelk In Spanien Paris, 24. Jänner. Nach einer hier vorliegenden Meldung aus Madrid find die Studenten sämtlicher spanischer Universitäten in den Streik getreten. In Madrid, Sevilla und Balcnzia ist es zu leichten Zwischenfällen gekommen; hier haben die Studenten verschiedene Hörsäle gestürmt. Eine Gcgcnbewcgung von Studenten, die den Streik mcht biltigtcn, wird angctündigt. ♦ St. Paul(Staat Michigan), 25. Jänm-c. Die Familie des bekannten Bankiers Edward Bremer, welcher vor einigen Tagen von Rändern in einem Automobil entführt worden war, ! war die ganze Nacht von Mittwoch auf DonnerS- Pittel und Brauseroetter Neue Verhaftungen. Die BestechungSaffärc bei der Brünner Baufirma Pittel. und Brausewettcr nimmt immer größeren Umfang an. Die Uittcrsuchung durch die Brünner Polizei ergab, das; auch andere Fi-' lialen der Firma die gleichen„Geschäfte" machten Ivie die Brünner Filiale. Auf Grund deö beschlagnahmten Materials fuhr ein Beamter der Brünner Polizeidirektion nach Trautcnau. der nach Durchsicht der Bücher der dortigen Filiale der Firma Pittel und Brausewetter den FiliaUeiter Baumeister Kunze verhaftete. Auch der verhaftete Filialleiter Jng. Han-| sel aus Mähr.-Schüitberg befindet sich bereits in Brünn in Haft. Die Brünner Polizeidirektion hat außerdem die Nachricht erhalten, daß die Finna Pittel und Brausewetter in Teplih-Scho-; nau eine Villa besitzt. Es wurde ein Beamter I nach Teplitz entsendet, der daS Archiv in der! Billa beschlagnahmte und nach Brünn brachte, s Die WaUeustetn-Beranstaltunge« I« Eger Zur Feier des 3OOjährigcn Jubiläums der Katastrophe im Fabriks-Frühstücksraum Völklingen, 25. Jänner. Im Früh- stütköranm der Edelstahlwerke ereignete sich am DonnrrStag Vormittag lO llbr auS bisher unaufgeklärter Ursache eine Exvlosion, die daS Gebäudevöllig zerstörte. Ein Teil der Belegschaft, der sich gerade in diesem Raum aufhirlt, wurde unter den Trümmern b e g r a« b r n. Ein Arbeiter wurde alS L r i ch r geborgen, acht wurden verlebt, davon mehrere schwer. Der Aufseher deS Aufenthaltsortes liegt»och unter den Trümmern. der sich die Hunnen m selber nicht rechnen, sonst richten.'— Brünn: ll.oo Vorm'ittagSkonzert, 16.00 ' Salonorchester, 18.25 Deutsche Sendung: Schrannneltrio.— Kaschau: 17.15 Marionettentheater, 20.35 Unterhaltungsmusik.— Prcfiburg: 18.20 Orchesterkonzcrt, 16.50 5tlavierkonzert.— Wien: 11.80 Stunde der Fran, 16.80 Chorvorlrägc, 17.85 Mandolincnkonzert, 2O.OO Die Verliebten, Komödie von Goldoni.— Frankfurt: 16.00 Nach- mittagskonzert. Parlamentarische Untersuchung der Stavlsky>Affäre abgelehnt Paris, für die gen Resolntionsanträgen eines Ausschusses ch ii u g der MÜ g e n h e i t. stellung des gegen, der r ü ck t r e Einsetzung chnngs-AnSschusscS entscheide. Der Ministerpräsident deutete ferner an. er habe nichts gegen eine außerparlamentarische llntersuchungSkommission, z. B. Ivie sie die Sozialisten Vorschlägen und die sich auS Abgeordneten, Senatoren und hohen Beamten zusam- meusctzen würde, cinznwenden. EhautempS er« Härte sodann bereit zu sein, den Text der not- tvcndigen gesetzlichen Maßnahmen unverzüglich vorzulegen, falls er hiezu durch die Annahme einer Resolution, ähnlich der der sozialistischen Gruppe, aufgefordert werden Ivürde. noch im Laufe der Nacht, daß eö nicht gelungen ist, die Geldsumme den Entführern zu übergeben, da die ztvei Automobile, in welchen sich die Entführer und tvahrscheinlich auch der entführte Bankier Bremer befanden, sich auf dem Kreuzwege einem anderen Automobil anschlossen als demjenigen, welches der Verabredung gemäß das Geld mitführte. Die Freunde des Bankiers Bremer und dessen Familie gaben den Räubern in den Zeitungen bekannt, daß daS Löscgeld vorbereitet ist. daß sie bei der lkebcrgabe keine Fragen stellen und die weitere Anknüpfung der Beziehungen mit den Räubern ertvarten. Von vier Kugeln trifft keine Paris, 25. Jämicr.(Havas) Im Velodrom Pare de PrinceS fand heute früh das Duell gtvischen den Abgeordneten Andre Hesse und dem Journalisten B e i it c i r. statt, durch dessen Artikel Hesse sich in seiner Ehre betroffen fühlte. ES wurden vier Kugeln gewechselt, von denen jedoch leine traf. 40 Amerikaner lynchen einen Neger London, 25, Jänner. Nach einer Reutermeldung auS Hazard(Kentucky) brachen 30 bis 40 bewaffnete und maskierte Männer am späten Abend des Mitttvock in das Gefängnis ein, bemächtigten sich eines 2Ojährigen Negers namenS Rex Scott, schleppten ihn in einen Kratt- Wagen und fuhren davon. Ungefähr 300 Personen, die sich vor dem Gefängnis angcsammelt hatten, sahen z». Eine Anzahl von Kraft- lvagen folgte. Der Sheriff nahm mit 50 Mann die Verfolgung der Menschenräuber auf. Sic konnten aber nur die Leiche deS Negers, die au einem Baum hing, finden. Sie war von 40 Schüssen durchbohrt. Trott tvar beschuldigt, einen Bergmann lebensgefährlich verletzt zu haben. Das Lynchen in den Vereinigten Staaiett hat beträchtlich zugcnommcn. Jni Jahre 1032 tvarcn im ganzen nur sechs Lynchmordc zu verzeichnen, im Jahre 1038 dagegen wurden Schwarze und 5 Weiße gelyncht. TagcsnculglKHcn Wird Osfietzki zu Tode gemartert? In einem offencit Briefe, der von „T i nt e S" veröffentlicht wird, fordert Witlham Sterd die zivilisierte Welt auf, gegen daS Schicksal deö pazifistische» Schriftstellers von Offietzki zu protestieren, der infolge der furchtbaren Behandlung, der er feit einem Jahre im Konzentrationslager ausgesetzt ist, sich dem Tode nahe befinde. katastrophe Schanghai, 25. Jäu.(Reuter.) Einer erst jetzt einkangcnden Meldung zufolge ist ain 21. Jänner auf dem I a n g t s r t i» n g ein kleiner Dampfer gestrandet und in Flammen aufgegangen. Bon den Paffagirren sind min- deflrnS 175 Personen nmS Leben gekommen. Dir die Katastrophe Nrberlebenden sind jetzt in Schanghai ringetrofsrn. Eine weitere Schncidebrwegung war nur bet einem der kürzlich Hingerichteten sechs Koni- . munisten notwendig, um das Haupt vollstän- j dig vom Rumpfe ze trennen. Die fünf anderen Köpfe fielen, da der Scharfrichter mit deutscher i Gründlichkeit zugeschlagcn hatte, nach je einem Streich, ohne das; eine„weitere Schncidebcwc-, ’ gung notwendig" gewesen wäre. Ja, da lassen, sich die braunen Richter und Scharfrichter gc- miß keine Schlampereien zuschulden kommen,! wenn eö gilt. Köpfe rollen zu lassen. Der Kopf l muß richtig rollen! Und hängt er noch ein bißchen, dann ist noch eine weitere Schncidebe- s wegung notwendig und dos Notwendige wird ' auch getan. So wie der Fleischhauer mit dem Messer noch eine» Schnitt macht, unt Fleisch völlig vont Knochen zu läsen, so nmcht der deutsche Scharfriclstcr, dem dabei der deutsche : Richter überwachend zuschaut, noch einen Schnitt, I um einen Kommnnistcnkopf gänzlich vom Rumpfe zu lösen. Und aus diese Griindlichkcit, I die ihnen wirklich niemand in der Welt nach- , macht, kein oberster Hofscharsrichter eines asiati- Vie spanischen Agrarier für die Republik Madrid, 25. Jänner. Der 35 Abgeordnete zählende Klub der Agrarpartei erklärte in feier licher Weise, dein rcpnblilaiiischcn Regime treu zu 1 tag versammelt und erwartete ängstlich das Er- bleibcn. Nur Graf RomanoneS ist aus dem Klub gebnis der neuen Verhandlungen mit den Ent- auLgetreten und erklärte hiebei, Anhänger deS führern, welchen sie gestern in cinein besonderen nionarchisiischen Regimes zu sein. Die Position! Automobil das geforderte Löscgeld von 200.000 deö Zentrums und des Kabinetts Lerroux ist durch j Dollars gesandt hatte. Die Familie erfuhr jedoch den tvichtigen Beschluß des AgrarklubS erheblich“‘-.■*.- gestärkt worden. Vutzbodeu-Einsterz In einer Rieche London, 25. Jänner. Wie Reuter aus PortS- mouth(Ohio) meldet, ist dort in der Kirche während eines Gottesdienstes der Fußboden cingr- stürzt. Von den 400 Anwesenden stürzten zahlreiche in daS Kellergcwökbe. Etwa 50 Personen mußten ins Krankenhaus gebracht werden. und Naturfreunde führten nun zu dem Beschluß, gemeinsam für die Erhaltung dieser Arbeitersport- ' Hütte am Keilberg zu sorgen. Für KJ 8.20 können die Arbeitersportler übernachten, Arbeitslose schon sür Kd 2.40. Durch diese Arbeitersporthütte besteht l nun die Möglichkeit, auch im Sommer auf mehrere Tage in daS Keilberggebiet wandent zu können. Am 2 5. Feber soll daS e. r st e Keilberg- treffen unter Leitung deS KreiswintersportmiS- ! schufleS stattfinden. DaS Progranmi sieht am Vormittag einen 6-Kilometerlanf für Sportler und I einen 4-Kilometerlauf für Jugendsportler und Sportlerinnen vor. Nachmittags ist ein S k i- -springen auf der Keilbergschanze geplant, welche von der Keilbergflizunst bereitwilligst znr Verfügung gestellt wird. Dadurch wird unseren Arbeiterwintcrsportlern Gelegenheit gegeben, auf einer ganz großen Schanze ihr Können zi: beweisen. Meldungen zu den Mctt- I kämpfen sind an die Kreisleitung des(1. ! Kreisverb an des lBergarbeiterbcim in Fal- ! kenmi a. E) zu richten. i An der Arbeiterschaft der Bezirke Weipert und ' JoackuniSthäl liegt cd, dieses Trefsen zu einer Massenkundgebung tverdcn zu lallen, die Arbeitcr- wintersportler des Erzgebirge? und der Industriebezirke Karlsbad und Komotmi■ werden für eine Mallenbeteiligung an den sportlichen Wettkämpfen sorgen. Zporldemegimg Treffen der Arbeiter-Wintersportler am Keilberg! Bisher tvar den Arbeitersportkern das klassische Wintersvortgebiet des KeilbergeS verschlossen. Dir Arbeiter an» den Industriegebieten von Karlsbad und Komotau konnten cs sich eben nicht leisten, neben der teuren Fahrt noch die kostspielige Ueber- nachtung und Verpflegung aufzubringen. Ucber Anregung des Bundcswintersportausschusses des Atu; i fand nm vergangenen Sonntag in der Natur- freu»beherberge am Keil berg eine s Sitzung der Arbeiterwintersportler statt. Die Arbeiter-Turnvereine Weipert, Schmiedeberg, Stolzen- han und Böhmisch-Wiesenthal, der 6. KrciSverband i des AtuS, der 3. Bezirksverband des 5. Kreises und . der 1. Bezirksverband des 6. Kreises, sowie der i Gau Karlsbad der„Naturfreunde" Ivaren vcrtre- ! ten. Es wurde die Erhaltung und Verwaltung der i Herberge am Keilberg sowie die Organisation eines I KcilbergtreffenS der Arbeiterwintersportler durchberaten. Aut Hange des KeilbergeS liegt an der Straste zwischen GotteSgab und Stolzenhein eine Wanderherberge, erbaut von Chemnitzer Arbester- ans den 24. Feber fallenden Ermordung des sportleni. Im Herzen dieses idealen Wintersportgroßen Heerführers Mbrecht von Wallenstein, geländeö und zwischen dem Keil- und Fichtelberg durch den Irländer Deveroux tverdcn in Eger wurde daniit der Stützpunkt für die Arbeiterschaft große Vorbereitungen getroffen. Der FestauS-' geschaffen. Tie Verhandlungen der Arbeiterwrner schuß umfaßt Mitglieder deS Stadtrates, und die Vorsitzenden der verschiedenen Unterausschüsse, denen die Durchführung der lünstlcrischen, Pro paganda- und finanziellen Arbeiten obliegen Ivird, soivic die Vertreter deS tschechischen OrtS- kukturrates. Tie lünstlcrischen und Thcatcranf- führungcn sowie die übrigen Veranstaltungen tverdcn bis August dauern. U. a. wird auch eine Wallen st ein- Ausstellung durch eine Festsitzung deS GcmeindcrateS eröffnet werden. Relchstagsparade am 30. Jänner Berlin, 25. Jänner. DaS Hauptbüro des Reichstages teilt mit: Am DienStag, den 30 Inn »er, nm 15 Uhr Zusammentritt deS ReichStageS mit der Tagihordnung: Entgegennahme einer E r- I klärung derReichSregiernng. Die neue RcichStagSsitzung findet wieder in der Kroll-Oper statt. ES sind allerdings wiederum Bestrebungen im Gange, die Reichstagsverhandlun gen in einen anderen geeigneten Raum zu verlegen. Vor allen: dürfen hiefiir finanzielle Gründe bestimmend sein. Für die Benutzung der Kroll-Oper i muß daS Reich nätnlich ein Hobes Monat-pauschal' bezahlen. Man hat daher die Erwägung aufgegrif- 175 Todesopfer einer Schiffsfen, die Rcich-IagSverhandlungen in den Plcnar«>.’L.*“•II*' sitznngösaal des ehemaligen preußischen Landtages durchzuführen. Krupp gut beschäftigt j 14.000 Arbeiter mehr— 2 Millionen Mark, weniger Lohn. Berkin, 25. Jänner. Der Kruvvtonzeru bat feinen Jahresbericht für das Grschästvjahr 1032—33 hcrauSgegebrn, aus dem hervorgrht, daß im vrrslollcurn Jahr die Produktionstätigkeit des Konzerns stark gestiegen ist, obwohl fnhr ins Auslaud auch im Vergleich zu schlechten vorauogegangenrn Jahr ein Sinken verzeichnet. Die Zahldcr Arbeiter und des ganzen Krupp-Konzern» ist bis Ende de» Jahre» I{>33 annähernd auf 60.000 Personen, d. i. u in 1 1.0 0 0 mehr als am Ende deS voran- gegangenen JahreS gestiegen. Trotzdem ivnrdcn an Löhnen und Gehältern nm z w c i M i l l i o n e n M a r k w e n i g r r alS im vorangcgnngrnen Jahre, nämlich 67.4 Millionen Mark a ii S g e z a h l t. Geglückter Fallschirm-Absprung Flugzeugabsturz bei Eger. Prag, 25. Jänner.(TRO.) Heute, Donnerstag, den 25. d. M., um 10 Nhr, kam eS bei einem UebungSflnge in der Umgebung von Kö- ' nigsberg n. b. Eger zu cintnt Unfälle de» Militär-Jagdflugzeuges, Tnpr Ba-33. Bei dem . Fluge entstand in der Höhe von 4000 Nieter eine Störung am Flugzeuge, und der Pilot-AugS- führer Selucky von der 31. Flirgerabteilung war genötigt, vom Fallschirm Gebrauch zu machen. Der Fallschirm öffnete sich regelrecht, und der Flieger konnte mit Erfolg landen. Das Flugzeug fiel auf den Boden und wurde zertrümmert. Dir Ursache de» Unfalles wird von einer vom Ministerium für Nationalverteidigung entsandte» Sonderkommission untersucht. Regelung der Srmrstcrfrrien. In der Tages- presse waren Nachrichten über eine Aendcrung der heurigen Halbjahrs-Ferien erschienen. Vom llii- lerrichtsminifleriuin wird hiezu miigeteilt, daß an eine Aenderung dieser Ferien nicht gedacht wird und die heurigen Ferien vom 31. Jänner bis 4. Feber dauern tverdcn. Die Seinestralzeugnissc und Schul-Nachrichten werden am HO. Jänner auogcfolgt. Doppelselbstmord zweier Frauen. In Prag XIX wurden gestern nachmittag die beiden oster reichischcn Staatsangehörigen Luise Prochovsky und ihre Kusine Valentine tot ausgcfunden. Sie hatten sich mit Leuchtgas vergiftet. Nnerwünschtr Einfuhr. Die deutschen Nalio- . nalsozialisten planten in diesen Tagen im früher sitzen Despoten, kein Kopfjäger auf Borneo, sind deutschen Nordschleswig, das 1920 durch Volksab- die Preußen swlz und damit die Welt sie nicht stimmung an Dänemark fiel, das Johstschc natio- überschc, teilt der„Neudeutsche' Pressedienst"/ nalsozialistische Schauerstück„Schlagctcr" aui- dcsscn besondere Aufgabe die Bckämpßing so- führen zu lassen. Der, dänische Justizmüiister hm genannter Greuclnachrichten ist, in cinein sehr bon diesen Plänen erfahren uird daraufhin das auSfiihrlichen Bericht jede Einzelheit dieser Hin- j~" i richtung, der sechsfachen Hinrichtung ntit.—•"”” ! Wie sicht es in neudeutschen Köpfen aus? Kein Angehöriger des abendländischen Kitltilrkreises vermag sich das vorzustellen, wie cs in einem Hitnncnhirn mit brauner statt grauer Hirnmasse aussieht. So kann auch der Nichthunne nicht be- greifen, daß ein solcher Bericht eigens zur Be kämpfung der Greuclnachrichten ausgcgcben wurde.-Hat denn jemand den Hitler-Bestien nackigesagt, daß sie nicht exakt genug morden? DaS wäre der einzige Vorwurf, der durch die! Mitteilung, daß jede Enthauptung nur zwanzig' Minuten, eine aber Nltr vierzehtt gedauert habe,, Wüsten, lO.vO Deu t sche Pressenach« entkrästci werden könnte. Die Menschheit, zu A t“;*""~~— hätten sic nicht die Worte Humanität und Kirl- iur verpönt, ist weniger über ettva ungenügend■ rasches Köpfen, als über das Köpseit entsetzt und, der detaillierte Bericht über sechs Hinrichtungen.! die exakt wie Hebungen auf dem Manöversclde, miSgeführt wurden, kann Enipörung und | Entsetzen nur steigern. Greulicheres vermag man, I sich in den Bereichen der Zivilisation nicht vorzu- I stellen, als die„weitere Schneidcbewcgung" und ' den sachlich-amtlichcn Bericht über sie,-nichts I könnte unfaßbarer für Kulturmenschen und cha rakteristischer für das vorsteinzeitlichc Fühlen i und Denken der Hitlerianer sein als ihre Mei- , nung, dieser Bericht wirke— Greuelmcldungcn entgegen l Sk. 21 Freitag, 28. Jänner 1934 Seite 5 Das Schicksal eines Wunderkindes Im Foyer eines noblen Wiener Hotels luurte, wie wir schon karg berichteten, dieser Tage die 52« jährige Amalia Weil verhaftet. Man brachte sie unter dem Verdacht des BettmgeS in das Landesgericht. DaS wäre an sich nichts Ungewöhnliches, kaum der Erwähnung wert, stünde im Hintergrund nicht ein tragisches Schicksal, daö Leben eines Menschen, an dem einst Tausende Anteil genommen hatten. Vor Jahrzehnten wurde die Frau, damals ein junges Mädchen, vom Publikum auf den Händen getragen, umjnbelt und gefeiert, berühmte Künstler suchte» ihre Bekanntschaft, Könige beschenkten sie, und tvenige Jahre später kehrten ihr die gleichen Menschen den Rücken, ward sie von» gleichen Publikum verhöhnt, verlacht und dann in die Versenkung der Vergessenen gestoben. Mit einem Wort, sie teilte daS Schicksal der meisten Wunderkinder. Sie hieß damals Amtlie Heller und war eine berühmte Biolinvirtuisin. Sie stammt a»S einer angesehenen Brünner Fainilie, beherrschte schon als Fünfjährige die Violine wie ein akademisch geschulter Musiker, wurde bald zur Mit- wirkung an Konzerten herangezogen, trat dann allein auf, hatte groben Erfolg und galt seitdem als Wunderkind. Es folgten Konzertreisen durch alle europäischen Hauptstädte, und überall rief ihr wundervolles Geigenspiel gröbte Begeisterung hervor. Sie mutzte vor Königen spielen, eine englische Adelige adoptierte sie, der berühmte Beiger I o a ch i m in Berlin macht« sie zu seiner Schülerin. AIS sie aber den Kinderkteidern entwachsen war, nicht mehr mit offenem Haar und tveitzen Socken auftreten konnte, da Ivar sie plötzlich ein Niemand. Kein Mensch interessierte sich für ihr Geigenspiel, obwohl eS noch immer so schön wie einst war. Da versuchte sie es noch einmal in Kinderkteidern— und wurde verspottet und ein weiblicher Clown genannt. Nun begann für sie die bittere Feit, die fast alle Wunderkinder, die nicht mehr als solche gelten, durchmachen müssen. Mit der Beige konnte sie sich nicht mehr daS Brot verdienen, an Arbeit war sie nicht gewohnt, da wurde sie— nein, noch keine Schwindlerin, aber ihr Weg führte sie nun häufig bis hart an die Grenze der Kriminalität. Sie erzählte überall, datz sie von ihrer Adoptivmutter eine Erbschaft von drei Millionen Pfund erwarte. Viele glaubten ihr die Geschichte, getoährten ihr Kredit, beherbergten sie monatelang als Gast und empfahlen sie andern als reiche Erbin. So brachte sie sich durch daS Leben. Als die Geschichte mit der Erbschaft nicht mehr zog, überschritt sie die Grenze der Kriminalität: sie lockte einem Sonderling zehntausend Schilling heraus, einen Professor betrog sie um fünftausend Schilling und nun wurde sie wegen Zechprellerei verhaftet. Sie hatte sich unter dem Namen May Keller, Graphologin, in einein Hotel in Reichenau eingeniietet, hatte wochenlang dort gelebt und tvar dann, ohne einen Groschen zu bezahlen, abgezogen. Hätte man aus ihr kein Wunderkind gemacht, so sätze sie heule wahrscheinlich als grob« Geigerin in einem berühmten Orchester und nicht als Betrügerin im Kerker. ivilv» piiv vuiuuyc ui iiiLUiiiiiMjci. uiqii führt worden. Die Themen befassen sich vor allem I kommt. Ein Ende der Krankenhausnot! Forderungen, deren Erfüllung lebensnotwendig ist SorpuS. der Die Dauernde Besserung im englischen Kleinhandel. Im Monate Dezember 1933 IvieS der Kleinhandel in Großbritannien wieder eine grosse Zunahme, und zwar um 4,1 Prozent im Geldwert gegenüber den Monat Dezember des Jahres 1032 auf. Es ist die vierte und grösste Zunahme im lebten Geschäftsjahr. In dem Ausweis des HandelS- ministeriuins heißt cs, dieses Symptom deute offensichtlich an, daß im englischen Detailhandel eine dauer ndeBesserung zu verzeichnen ist. Bon 95 mit 16- Dr. Milan Srskik, der jugoslawische Ministerpräsident, hat dem König die Demission seines.Kabinetts überreicht beträgt nun die Senden Grubenarbeitern 37 Prozent, im 60 Prozent, in der Schlämmerci 30 bei den Taglöhncrn und Profession!. Prozent. Zugleich wurde die Arbeits- Im Jahre 1930 wurden im Jahre mit der nationalsozialistischen Ideologie und Aufscupolilil. Rur für Proteste empfindlich? Am Tage der Hinrichtung van der LubbeS hatte die sozialdemokratische Ruudfunkorganisation gegen die Nazi« Blutjustiz dadurch protestiert, daß sie ihre Sendung um fünf Minuten unterbrach. Zur Strafe für diesen Protest gegen einen Mord hat der holländische Innenminister für den holländischen Ar» beiicrradiobund ein ganztägiges Sendeverbot er- I lassen, das am 27. Jänner zur Anwendung werden in dieser Aufführung klar und eindeutig wieder zur Tragödie des Mannes, der die Gesetze der Erde und des Himmels umstoßen wollte und an der Erkenntnis,»daß zwei Menschen, wie ich, den ganzen Bau der sittlich e n W c l t z» g r u n d e richten w ü r- d e il“, scheitern muß..." Rundfunk-Propaganda in ukrainischer Sprache. Im amtlichen Berliner Rundfunksender, dessen Programm vom Propagandaministerinm dirigiert Ivird, sind Vorträge in ukrainischer Sprache einge- Das ist kapitalistische Wirschaft Internationaler Plan zur Vernichtung von Getreide und Mehl. In der vergangenen Woche tagte in Paris internationale Getreide-Beratungsauöschiiß. wichtigsten Agrarländer, aber auch England, hatten Vertreter entsandt, während sich die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit einem Beobachter begnügten. Bei den Beratungen über die Gleichschaltung der internationalen Gctrci- depreise und die Möglichkeiten der Erhöhung des Getrcidckonsums wurde ein Vorschlag vorgclegt, der die Vernichtung von Wette i- d c und Mehl(entschuldigend wird hinzugefügt:„schlechter Qualität“) Vorsicht. Dieser Vorschlag fand besonderes Interesse, und die nächste Wclt-Getreideloufcrcnz in London wird sich mit ihm eingehend beschäftigen.— Inzwischen ist in manchen Ländern, u. a. auch in der Tschechoslowakei, eine Zunahme der Anbaufläche für Wintergetreide, insbesondere für Weizen, festzustellen, wozu die Landwirtschaft zweifellos durch die int Inland erzielten überhohen Preise angereizt wird. MswitM und LIM Kampf der Kaolinarbelter in Wintersgriin Die Firma Gewerkschaft„Margarete“ in Wintersgriin(Wcstböhmcn) hat Ende Dezember ihrer Belegschaft als WcihnachtSgcschenI die fristlose Kündigung zuteil Ivcrden lassen. Als Grund wird vorübergehende Betrieböeinstcllung wegen Auftragsmangel angeführt. In Wirklichkeit handelt cü sich aber der Firma darum, einen Lohnabbau von 16 Prozent durchzusctzcn. Unter den Kaolinbctrieben Weslböhmcnö ist die genannte Firma jenes Unternehmen, wo von den Arbeitern die meisten Lohnkämpfe geführt werden müssen. Im Jahre 1927 wurden die Meisten Arbeiter Mitglieder der lommnnistischcn Gewerkschaft, ein 1930 geführter Streik nnicr kommunistischer Führung brach zusammen. Daraufhin wurde der Kolkesiivverlrag gekündigt und nicht mehr erneuert. Bis 1932 wurden die Löhne, ohne mit der Gewcrlschast zu verhandeln, einigemale gekürzt und e kung bei Tagbau Prozent, sten 10 intenjität gesteigert. Ivöchcntlich 3g Waggons, im Jahre 1033 48 Waggons Kaolin erzeugt, während die Belegschaft von 160 auf 138 Mann bherabgcsetzt wurde. Die Finna erreichte daher bei einer 50» prozentigcn Lohnsenkung eine Mchrerzcugiing von 46 Prozent. Wollen die Grubenarbeiter mehr als Kö 30.— täglich verdienen, dann bleibt ihnen zur Beobachtung aller Vorsichls- nlaßregeln bei ihrer gefahrvollen Arbeit einfach keine Zeit übrig. Von 30 Grubenarbeitern erlitten in den Jahren 1931 bis 1933 22 Arbeiter Unfälle, wovon zwei mit Tod endeten. Bei den übrigen 20 tlnsällen dauerte die Heilbehandlung vier Woche» und darüber hinaus, der Belegschaft erkrankten im Jahre 1931 Arbeiter. Als im November an die Arbeiter dem Vorschlag herangetrete» wurde, einem prozentigen Lohnabbau zuzustimlnen. war Arbeiterschaft verhandlungsbereit und wollte Opfer eines vicrprozentigen Lohnabbaues sich nehmen. Dieser Vorschlag sowie daö Ersuchen, die Verhandlungen beim Gcwerbcinspek- torat in Karlsbad fortzuführen, wurden von der Firma abgclehlit, weshalb die Arbeiter in den Streik traten. Zuzug von Arbeitern in diesem Betrieb ist daher fernzuhalten. Wetter unverändert. Upter dem Einfluß eines Druckhochs, dessen Kern Wer dein Karpa- i thengcbicte liegt, ist eS in der ganzen Reptiblik heiter. Nur in den Niedcrnngen und Tälern, Ivo eS sich illfolge der starken Ausstrahlung in der Nacht stark ablühlt, bilden sich gegen Morgen vielfach ziemlich dichte Nebel. Ans den Bergen ist es sehr warm.— Wahrscheinliches Wetter heute: In den tieferen Lagen nebelig, stellenweise Nebelgewölk, sonst bisher überwiegend heiter. Temperaturen im allgemeinen wenig verändert, Südostwind. Die Identität der drei Opfer der Höllen- Maschinen- Explosion im Schnellzug Wien— Agram—«uschal konnte bereits feskgestellt werden. ES handelt sich um einen Eduard Wachtel. Besitzer einer Versicherungsgesellschaft in Dien, um den Wiener Arzt I. Fritsch und um den Angestellten einer chemischen Fabrik in HraSnit namens Mirko B a r a k i n. Tas Eisenbahnunglück Madrid—Santander hat vier Todesopfer gefordert. Es handelt sich um den Lokomotivführer, den Heizer, den ZugSführer und einen Gendarmen. Die Zahl der Verletzten beläuft sich aus 20. Der Sachschaden ist beträchtlich. Der Nebel, der sich Mittwoch abends über London niederließ und als der dichteste in diesem Winter in der englischen Hauptstadt bezeichnet wird, hat sich während der Nackt gehoben. Tie Finsternis war an zahlreichen Stellen Ursache von Verkehrsstörungen, sowohl im Straßenbahn- als mich im Autoverkehr. In der Nähe von London kamen bei einem VcrkehrSnnsall vier Personen ums Leben, mehrere wurden verletzt. In Wimbledon mußte wegen dickten Nebels der Vorkehr für einige Stunden überhaupt eingestellt werden.— Auf dem Tagebau„Deuben" einer B raunlohkengrübe bei Weißenfels(in Sachsen) wurdenzweiBcamteder Berliner Waggonfabrik Orenstcin und Koppel, der Oberingenienr«Röder und der Monteur Mcchcln, beim Uebcrschreitcn der Geleise des Grubenbahnhofes nm llcbergangsivcg von einer Lokomotive überfahren und auf der Stelle getötet. Röder und Mechcln halten auf dem Grubenbahnhof einen neuen Wagen vorgeführt, nnd beim Ucbersckreiten des Bahnkörpers infolge des dichten Nebels das! Herannahen der Lokomotive nicht bemerkt. Zu Tode misshandelt. Der frühere Rcdatteur des kommiinistischcii„Klassenkampf" in Halle, Fritz Rau, ist im Berlin-Altmoabiier Gefängnis zu Tode geprügelt worden. Er wurde letzten Herbst in Berlin verhaftet, blieb beim„Verhör" standhaft, Ivurde schlocr mißhandelt und mußte ins Lazarett gebracht werden. Nach seiner Rückfiih» mng inS Gefängnis wurde er erneut derart gefoltert. daß ,er starb. Den Angehörigen teilte..die Polizei mit, daß Rau Selbstmord begangen habe und auf Kosten des Wohlfahrtsamtes bereits beerdigt sei. 600 Angestellte eines New Aorker Rirsen- hotelS streiken. Im Waldorf-Astoria-Hotel in Äelv Jarl, einem der größten der Stadt, traten am Dienstag abend plötzlich wegen der Entlassung eines IlnterkochS ungefähr 600 Kellner, Köche nnd weiteres Küchenpersonal in den Streik. Die Streikenden hatten vorher nicht die geringste Strcikabsicht merken lassen. Sie verließen Punkt 19 Uhr ihre Oefen und Tische, obwohl vorher schon Hunderte von Gästen in den Eß-Sälen versammelt waren und die Speisen bestellt hatten. Alles Einwirken der Hotclleitung auf das Personal blieb erfolglos, so daß die drei H a u p t r c ft au- rau> s des Hotels geschlossen wurden. Später konnte ein Teil dcü Betriebes Ivie- der ausgenommen lverden. Gegen Hitler? Die glcichgeschaltctc„Bos- sische Zeitung" veröffentlicht eine Kritik über die Premiere von Schillers„Räubern", die unvorsichtigerweise offenbar einen Angriff auf Hitler barstellt:„Die Räuber", heißt es in einem Abschnitt dieser Kritik,„vielleicht zuletzt als revolutionäre Fanfare gespielt, als kühner Aufbruch und Ausbruch einer der Freiheit verschworenen Bande, Wir haben in unserer Artikelserie, die sich mit l der vielfachen Not des s u d e t e n d e u t s ch e n' st ranken Hauswesens beschäftigte, eine. Fülle i empörender Mißstände blotzgelcgt, Mißstände, die natürlich in erster Linie die Proletarier mit voller Wucht treffen, denen die finanzielle Trostlosigkeit ihrer Lage keinerlei Auswahl an Heilstätten bietet. Mit Genugtuung ist zu konstatieren, daß unserer detaillierten Kritik bereits erste Erfolge beschie- dcn sind; der Karlsbader KrankenbauSneuban wird fortgesetzt und auch sonst sind gcwiste Ansätze zu einer Reform unverkennbar. Bereit» im letzten Artikel haben wir, auS der Erkenntnis heran», da» Anklagen nicht genügen, sondern positive Vorschläge nötig sind, schon nm der bedenkvollen Bürokratie die Möglichkeit zu nehmen, auSzuweichen, zahlreiche An- regnnaen formuliert.Ter heutige Aussatz, mit dem wir unsere Durchleuchtung de» deutschen Krankenhaus« Wesens abschließen, wird diese Anregungen ergäirzen und die Forderungen, die im Interest« der breiten notleidenden Massen gestellt werden müssen, in präzisierter Form zusammensasten. Diese Forderungen ergeben sich, elementar und zwingend, aus der Verpflichtung, die der sozial, fortschrittlich und zu- knnstSbewnßt eingestellte Mensch. Volk und Kultur gegenüber hat. Unsere hygienisch-sanitäre Initiative dient darüber hinaus auch der inneren Konsdlidie- nmg der Republik, weil jeder erfolgreschc kulturelle Vorstoß viel sicherer die Herzen der Zögernden erobert alö tausend, gewiß hundertprozentig berechtigte, Abwehr» und Sicherungsmaßnahmen! Die Errichtung von allgcnieinen öffentlichen Krankenhäusern ist hauptsächlich eine Angelegenheit der Gemeinden und der Bezirke. Seit mehr als vier Jahren sind Bezirk und Gemeinde außerstande, ihren diesbezüglichen Verpslichnmgen nachzukonmicn; begonnene Erwesierungs- und ErgänzilngSbautcii, nach deren endlicher Indienststellung ganze Bezirke förmlich fiebern, können deshalb nicht zu Ende geführt werden. Der chirurgische Pavillon in Aussig znm Beispiel ist nach dreijähriger Bauzeit erst kürzlich verputzt worden, daS neue Tuberkulosenkrankenhaus in Eger, da» 80 Betten zählt, steht seit zwei Jahren. fix und fertig da, kann aber nicht in' Betrieb genommen lverden, weil der Staat seiiic'SubveN» tionSvcrpflichtiingen nicht erfüllt. Weich' erschütternde Iknlogik, wenn in anderen Bezirke» die Not einer menschenmörderischcn Ileberfüllnng Kranken» Hausverwaltungen zwingt, Schtverkranke einfach ab- zuloeisenl Ganz ähnlich wie in Eger stehl es in Brüx, wo der neuerbaute chirurgische Pavillon wegen finanzieller Schwierigkeiten lahmgelegt ist. Unsere dringende Forderung ist hier: pünkt- liche Einhaltung derTermine bei den Subventionszahlungen, großzügigere Handhabung derSubven- tionSfrage überhaupt! Wie bekannt, liege» im Land Böhmen aus der sogenannten Iubilänmsspende anläßlich des Geburtstages des Präsidenten der Republik, größere Stimmen noch ungenutzt, einzig und allein deshalb, Iveil sich bürokratische Prinzipienreiter über die Verteilung der Summen nicht einig werden können. Inzwischen steht das Egerer Tuberkulosekrankenhmi» leer und verlassen da, Iveil da« Fehlen eine» verhältnismäßig geringfügige» Betrages den ganzen Betrieb handicapt. Ein Skandal, den man nicht entschieden genug anvraugeru kann. In diesem Zusam- meuhang sei darauf hingewiesen, daß voi, verschiedenen Seiten projektiert lvird, aus Mitteln der Ju- bilänmsspende eine Zentralstation für Lungenkranke mit 300 bis 800 Betten zu errichten. Diese» Projekt ist unseres Erachtens verfehlt. Die Errichtung von Tuberkulose-Krankenhäusern mit zirka 100 Betten, die von gut ausgebildeten Fachärzten geleitet wer den, dient iveit mehr der energischen Bekämpfung der Tuberkulose, als eine Zentralstation. Unsere Forderung lautet: Umgehende Entscheidung über di« Berwrn- dimg der JubiläumSgelder und, statt einer durch Ueberlastnng beschwerten, unzulängliche» Zentrale, sieben Tuberkulose-Krankenhäuser mit je 100 Betten. Den Tuberkulose-Abteilungen an den Krankenhäusern werden zu den VerpflegungSlaxen für die Verköstigung der hier nntergcbrachten Lungenkranken Zuschüsse in der Höhe von 8 bis 6 Ke gewährt. Dieser Zuschuß ist viel zu gering. Da» Land Böhmen hat im Jahre 1988 für diese Taren- und Zuschüsse insgesamt nur 260.000 Kö auSgesetzt. Hieraus erklärt sich wohl auch die völlig ungenügende Zahl der vorhandenen Betten. ES ist zn fordern, daß die Zuschüsse zu den BerpslegungStaxea entweder durch Unterstützung au» Staatsmitteln oder anv denen drS Landes entsprechend erhöht werden, nm daß neben der notwendigen Ergänznng der in« strnmentcllen nnd medikamentösen Heilbehelfe eine wirkliche Kost für Lungenkranke verabreicht werden kann! An Fachärzten und an Spezial-Abteilungen herrschte bisher ein sehr empfindlicher Mangel. ES gibt noch eine sehr große Aitzahl von.Krankenanstalten, a» denen bei einer Belegschaftsstärke von mehr als 160 Betten, nur ein chirurgisches Prbnariat besteht, an denen nicht einmal ein Internist, von anderen Spezialisten ganz zu schweigen; tätig ist! Wir fordern die Berufung vonFach- ärzten für Augenheilkunde, für Ohren- nnd Nasenleiden, für Frauen-, Haut- nnd Geschlechtskrankheiten und für Geburtshilfe. Die Errichtung von SPez iala b t e i I n n-> e n ist ganz unerläßlich. Die Zahl der ausgebildeten Hebammen ist viel zn gering. Die vor vier Jahren am Reichenbcrgcr Krankenhaus errichtete deutsche Hebannnenschnle ge- nügt den Anforderungen nicht, sie kann nur eine beschränkte Anzahl von Bewerberinnen aufnehmen. Unsere Forderung geht dahin, möglichst sogleich eine "zweit c den tsch e H e b a m m e n s ch n l e, aiii'besten im n o r d w e st b ö h m i s ch e m Gebiet zn errichten. Die Ausgaben für diese Schule würden relativ gering nnd auf jeden Fall tragbar sein. Bekanntlich bewilligen die Länder iin Einverständnis mit den kompetenten MinistcrialsteUen die Ncngrnnditng von Krankenhäusern nnd schließlich auch ihre Erweiterungsbauten. Zuzugeben ist durchaus, daß kleinere Krankenhäuser ihrem Zweck mit einer verhältnismäßig hohen VcrpflegungZtahe nicht nachzukommen vermögen und förmliche Siechenhän- ser sind. Es empfiehlt sich in manchen Fällen daher, die Kranken in die nächstgelegenen größeren Krankenanstalten mit Spezialabteilungen z» überführen. . Wir fordern: Einen planmäßigen, diesen Brinzipien angepaßten Ausbau der Krankenhäu- . ser. Die staatlichen Zuschüsse zu den ErweiterungS- bauten und Neugrnndnngen von Krankenhäusern sind aber durchaus ungenügend. Es ist festznhallen, daß i im Voranschläge de» GesundheitSministerinmS an , Subventionen für den Ban von Krankenhäusern in t den letzten Jahren für den gesamten Staat nur , 1,500.000 Kö vorgesehen waren. Der überwiegende , Teil der Städte und Bezirke konnte überhaupt keine , Staatszuschüsse erhalten. Wir fordern, daß das Gesundheitsministerium > entsprechende Kredite beschafft, so wie es ähnlich beim > Straßenbaufvnds der Fall ist, und innerhalb des i Voranschlages für ihre Verzinsung und Amortisation sorgt. i Das Ministerium für Volksgesundheit trägt sich bekanntlich mit der Absicht, den kprozentigen Sani« tätSzuschlag zn allen direkten Steuern aus Sanie» rungSgründen zu beschlagnahmen. Wir sind von überzeugt, daß eS für die Krankenhäuser geradezu katastrophal wäre, wenn ihnen die Zuweisungen aus der SanitätSumlage, die sich ohnedies stark vermindert haben, gestrichen würden. Unsere Forderung: Solange mau nicht die Krankenhausfonds durch entsprechend höhere Taxen oder Zuschüsse auS anderen Titeln unterstützen kann, darf in der Verteilung der Sanitätsumlagen auf keinen Fall eine Veränderung eintreten l Die finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Krankenhäuser,Böhmens sind durch den Ab- bau der Taren, durch die Finanznot der öffentlichen SelbstverwallungSkörper und nicht zuletzt durch die allgemeine Wirtschaftskrise ungemein trostlos und verzweifelt geworden. Eine weitere S e n k u n g der Berpfle- gungStaren, so lautet nach gewissenhafter Prüfung unsere Feststellung, ist auf keinen Fall mehr tragbar. DaS ist nur eiu Ausschnitt aus der Fülle not« wendigster Forderungen, nur eine flüchtige Skizzierung dessen, waS notwendig ist, um das sudetendeutsche Krankenhauswesen auS dem menschenunwürdigen Sumpf trostloser Verelendung herauszuheben! Forderungen, deren Erfüllung von zwingendster Notwendigkeit ist, wenn toir daS schmähliche Stagnieren, ja, den offenen Abbau überwinden und die Krankenanstalten zu deni machen wollen, tvaö ihr Zweck und ihre hohe menschliche Aufgabe ist: Heilstätten des Erdenden, geplagten Volkes zu sein! Sette 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 26. Jänner 1984 Ur. 21' PRAfttR ZeiTCMfi Ganz wie bei Wallace... Eine romantische ErbschaftSgrschichtr. Sie lvar Lehrerin, war verwitivei, hieß Rujova I a n o n s c!, und wohnte mit ihren beiden'Schwestern Dora und Berta Krbee z.i- sammen in Smickoiv. Die drei Kranen lebten still, zurückgezogen. Niemand wußte irgendetwas von ihnen. Eines Tages erkrankte die alte Lehrerin. Als sie fühlte, das; sic von dieser Krank« hcit nicht tvicder genesen würde, machte sic ihren böiden Schwestern ein überraschendes(Keständ- niS. Sie sagte ihnen nämlich, das; sie im Sofa der„guten Stube" 72.000 lic bares Geld soioie Sparkassenbücher über 70.000 Kö und einen alten kostbaren Schmuck ciugeuakt habe. Die Schwestern gingen sofort an die bc- zeichueie Stelle— cs war ihnen die„linke Ecke" im Sofa angegeben tvorden— und trennten den Bezug auf. Doch lvcder dort, noch irgendwo anders fanden sich im Sofa Geld, Sparkass'n- biicher oder Schmuck. Der Verdacht, all diese Dinge cntlvendet zu haben, richtete sich gegen den Neffen der drei Frauen, der zeitweise bei ihnen gewohnt hatte. Es Ivar dies der 40jährige Ferdinand Wajglspcrge r. Resolut entschlossen sich Dora und Berta K r b e c eines Nachmittags, die Sachen des Neffen zu durchsuchen. Dabei öffneten sie auch einen Koffer. Ss fanden sich darin — 70.000 Ke. Allerdings vom Schmuck und den Sparkasieubüchern ivar leine Spur zu entdecken. Fran Janvnsek behauptete jetzt, diese 70.000 Kä seien ein Teil ihrer Ersparnisse und WajglSpcrger habe sie ihr eniweudct. Bor Aufregung verschlimmerte sich ihr Instand. Sic starb ganz plötzlich. Der Neffe aber behauptete jetzt, er habe die 70.000 Ke von seiner Mutter geerbt, es sei kein gestohlenes Geld, lind er verschwand spurlos. Bis er gestern tvicder in einem Prager Hotel aus," tauchte und dort von der Polizei, bei der die Schtvestcril Krbee Anzeige erstattet hatten, verhaftet wurde. Nach dem Verbleib des Geldes gefragt, anttvortete WajglSpcrger, daß er es nUjt mehr bei sich habe, sondern das; es von ihm in Bozen deponiert worden sei. Dies wird ihm zu der Anklage wegen Diebstahls und Ilnterschl,'- c.ung auch noch ein Versahrcn wegen Dcvis'»- schiebung cintragen. Einbruch I« eine Sparkasse An der Nackt auf gestern brachen bisher unbekannte Täter in die Räume der Sparkasse der Gendarmen in Prag II ein. Sie erbeuteten über 10.000 Kö. Die Einbrecher dürften mit den Verhältnissen in der Sparkasse ziemlich vertraut gc- tvesen sein, da sie wußten, daß gestern eine ungewöhnlich hohe Summe in der Kusse aufbetvahrt tvurdr. Auch scheint cö sick um Fachmänner auf ihrem Gebiete zu handeln, die. toie die bisherigen Untersuchungen ergaben, sehr vorsichtig zu Werke gegangen sind und keine Spuren hinterlassen haben. Kriminalstatistik 1938. Die Kriminalstatistik der Stadt Prag— ein trübes Zeichen der Zeit— tvcist recht stattliche Ziffenc über begangene Verbrechen im Jahre 1088 auf.— Wegen Mordversuchs wurden 7 Männer und 0 Frauen eingeliefert. Eö gab 144 versuchte Diebstähle, dagegen die weitaus beträchtlichere Zahl von 786 vollendeten Diebstählen. 114 Diebstähle begingen außerdem Frauen. Wegen Unterschlagung wurden 113 Männer und 0 Frauen verurteilt. Dagegen tvegen versuchten Raubes nur eine einzige Person. Elf Leute jedoch verstanden c§, dieses Delikt zu vollenden. Auch an den Bctrugöparagraphen waren Frauen beteilig!. Ihre Zahl— 17— erreichte aller- I dingS längst nicht die ihrer männlichen Kollegen. Für diese betrug sic 214. Achtzehn Menschen bestraften die Prager Gerichte wegen Vergehens gegen die Sicherheit, zu denen auch die | VerkehrSunfälle gerechnet werden. Wegen Ucber- trelnng dcö Gesetzes gegen die Geschlechtskrankheiten kvurdcn vier Frauen verurteilt. Und endlich: das Sckntzgefetz für die Republik! Siebenundachtzig Menschen vergingen sich im Jahre 19.^3 gegen dieses Gesetz. Einundachtzig Män- nelAuud sechs Frauen! Billige Fahrkarten lverden in den ExpeditionS- siellen Prag-Wilsonbalmhof und Smichov nach den ErvedilionSslellen Hanunern-Eisenstras;, Spitzberg, Marki Eisenstein und Eisenstein an alle auch Nichtorganisierten Sportler bewilligt. Der Fahrpreis für die. Hin- und Rückfahrt wurde mit Ke Ult.— festgesetzt. Beschleunigte Züge oder Personenzüge, können mit entsprechender Aufzahlung für jede mit einem solchen Zug zurückgelcgle Fahrt benützt werden. Diese verbilligten Fahrkarten werden an jeden» SamStag oder dem einem Feiertage vorhergehenden Tage auSgegcbcn. Tie Rücksahrt must 24 Stunden später am Sonntag oder Feiertag beendet sein. Für Kinder bis zu zehn Jahren ist der halbe Normalfahrpreis zu zahlen. Nähere Informationen bei den! Eisenbahnstationen.— Das Eisenbahnministerinm! hat tvciter die Gültigkeit der S o n n t a g- R ü ck-! kahrkarten in den Verbindungen großer Städte mit den Ski- und touristischcu Gebirgöorlen im Nie« scngebirge, im Böhmertoald, im Erzgebirge in den Sudeten, in den Beskiden, in der Niederen nnd Hohen Tatra, ausnahmsweise vom 31. Jänner bis 4. Feber d. I. für die Hinfahrt und bis zun» 6. Fever, für die Rückfahrt, spätestens bis 12 Uhr Mit» ta- ertvcitert. Vortrage Plüschsofa oder Groteske? Kampf gegen die„veraltete Sexualität" auf utopisch Arnold Hahn, der bekannte populärwissenschaftliche Schriftsteller, dessen Steckenpferd in letzter Zeit medizinisch-utopische Feuilletons geworden sind und dein wir manches kluge Wort und manche witzig koinbinierte Groteske verdanken, sprach am Mitttvoch im Saale des HandwerkcrvereinS in der Smekka über das ei»» wenig exzentrische Thema: ..Fort mit der veraltetenSexna- litä tl" Der Vortrag lvar ein ein glatter Versager. ES ist gewiß sehr erfreulich, wenn jemand gegen Mucker- tnm, Pbilislrösität und verkitschte Gefühle zu Felde zieht! Aber das kann man sehr viel einfacher und wirkungsvoller tun. Hahn machte eS abendsüllend, umständlich und peinlich grotesk, die sehr gemischte Hörerschaft kam aus dem verwimderten Kichern sticht heraus, als Hahn in feinem Plaidoycr für die Ernüchterung und Mechanifienmg der Sexualität höchst seltsame Zukunftsmöglichkeiten demonstrierte. Artistische Spielereien wie jene staatlich reaui- rierten Eierstöcke, die ans den» Körper der Frau ent- senit, in einem Bassin gepflegt und mit chemischen Essenzen künstlich befruchtet werden, barocke Spässe wie jener von der Fernzengnng Prag—Shanghai infolge, gewiß an sich möglicher, Verlängerung der Lebensdauer des männlichen Sperma, Zeugung nach dem Tode und ähnliche pseudowissenschaftliche Bon motS scheinen unö nicht die gegebene Art, ein solches Thenia sachlich zu behandel»». Völlig abwegig war der Versuch, eine mißglückte politische Variante, den braunen Banditis- nniS jenseits der Grenze. a»»S dem Wesen der sexuellen Ernüchterung, der Mechanisierung, der Kameraderie z>» erkläre»». Jnseriore Be>veg»»nge>» dieser Art mit psychologischen Geheimnissen zu„befrnch- ten", die sie gar nicht haben, heißt, ihnen unsreiwillig Nährboden zuführen. lieber die soziale Seite deS seruellcn Problems horten wir fast nichts. Ein höchst bedauerliches Manko, vor allem für Menschen, die ein derartiges Thema für z>» ernsthaft ansehen,»im nur ein Ner- ve»»kitzel für Früh- und Spätpnbcrtätlinge der sogenannten Gesellschaft zu sein. Schließlich ist die„veraltete Sexualität" im Stil der PlüschsofaS, der melodramatischen GefühIS- roinanzei» und der„schrecklichen Romane", wie Arnold Hahn sagte, nur noch für Heuchler und rettungslos verkalkte Tanten ein ernsthaftes„Problem". Sonst trifft»nan sie im Leben- nicht n»chr an, sondern nur im Film. Die Arbeiterjugend, deren vorbildliche Sexualmoral sich aus der Not ihres Lebens herausbildet, braucht sich mit diesen Gespenstern nicht mehr herumzuschlagen. Sie"at allerdings fiir ExzentrioS il la Hahn ebenfalls keine sonderliche Sympathie»». Sie tendiert weder nach Courtbs-Mahler, noch nach chemisch befruchteter Mechanik; sie empfindet sachlich, nüchtern und doch herzlich kameradschaftlich. Ai» öcrichtssaai Akademische Dummenjum enstreiche „Heil.Hitler!" auf dem Wenzrlplatz Prag, 26. Jänner. Bor dem Strafsenat des HGR. S i t t a stand heute der 26jährige Doktor der Rechte Egbert P au! unter Anklage der Stör»»ng der öffentlichen Ruhe. Der junge Mann war am 20. Juni v. I. zum Doktor promoviert worden; eü setzte den üblichen„Doktorpotuö", d. h. eine solenne Sauferei zu Ehren des Promovierten. Wer die Mentalität der„nationalen" Studentenschaft kennt, tvird nicht überrascht sein, Ive»»n er hört, daß der neugebackene Doktor auf den» Wcnzclöplatz allerhand teutsche Gesänge ansti»»»mte und schließlich in laute „H eil H i t I e r"-R u f e auSbrach. Er wurde auf Veranlassung der provozierten Passanten von dec Polizei sichergestellt. Zwei andere germanische Recken hatten rechtzeitig das Hasenpanier ergriffen. Heute verteidigte sich die Angeklagte zieinlich kleinlaut mit völliger Trunkenheit, eine Verteidigung, die ja sicherlich dazu beiträgt, die Hochachtung deS„nationalen Gegners" vor solche»» Bertreiern deS reinen Gern»a»»entun»S zu stärken. DaS Gericht zeigte sich nachsichtig»»nd verurteilte de»» Hitlervcrehrer zu vierzehn Tagen strengen Arrestes, bedingt auf zwei Jahre. Besoffener Student im fremden Aut» Vor einein andern Strafsenat hatte sich der 22- jährige Techniker Josef M. wegen deS Verbrechens deS Diebstahls zu verautivorten. Außerdem war er der Uebertreiung des nnvorsichti- grn Fahrens angellagt. Hinter de»» ernst drohende»» Paragraphen verbirgt sich ein Dummenjungenstreich. Der Angeklagte stieg in angeheiterter Stimmung, ii» eil» Kleinauto. Marke„Aero", das vor einen» Weinberger Nachtlokal s«i»»eS Besitzers harrte. Nun vergnügte sich der Studiosus damit, daß er mit dem kleinen Wage»» unzählige Male um den Häuserblock fuhr, in welchem da» betreffende Nachtlokal liegt. Dabei kam es zu einem Zusannnenstoß»nit ein/»»» Personenauto, wobei daü Kleinauto zertrümmert und «ine Insassin deS anderen Wagens leicht verlebt Ivurde. DaS kostet natürlich schweres Geld und der schuldtragende Student, bzw. sein Herr Papa, hat dci» Schaden denn auch bereits vergütet. Die StaatS- anwaltschaf» fand es für g»»t, die DiebstalilSanklage, deren Haltlosigkeit ja auf der Hand liegt, anfrechtzu- erhalten. Der Gerichtshof sprach den Angeklagten aber in diesen» Punkte frei und verurteilte ibn bloß tvcgei» unvorsichtigen Fahrens z»» 600 Xi Geldstrafe, i»n Falle der Nichteinbringlichkeit zu einer Woche Arreste-, bedingt auf ein Jahr. Der junge Mann wurde mit einer eindringlichen Ermahnung entlassen. Kunst und Wissen Wochenspielplan deS Reuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr: Tango um Mitternacht, D 1.— SamStag, 7 Uhr: Lohengrin, Al. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Freitag. 8 Uhr: Weißer Flieder. KulturverbandS- freunde u»»d freier Verkauf.— Samstag, 8 Uhr: Towarisch. Sonja Nein, Sonja, ick will für dick keine Rcllainc nrackcn und dir kci>» falsches Loblied singen. Du hast daS alles gar nicht nötig. Längst kcnntman dich hier in Prag, liebt dich, verchri dich. Und wenn man sich einmal am späten Abend in jene kleine Bar verirrt, in der du deine Gäste bewirtest, für sie singst und annintig bist, so trifft nian dort stets mehr Menschen, als der bunte, vergnügte Raum eigentlich zu fasten vermag. Sonja, ich will mit dir nur ein bißchen in Erinnerungen schwelgen. ES sind schöne Erinnerungen, tocnn ich sage: weißt du noch? Weiß du noch, Sonja, wie wir gcineinsam in das Sternschc Konservatorium gingen, um dort Musik zu„studieren"? Du träumtest davon, eine große Pianistin zu werden, ich n»achte cs nicht unter der„berühmten Sängerin". Du wnrdest später mein Korrepetitor. Ich schinetterle„Carmen" mit voller Lunge in die Weite deines fünf Stockwerke hohen Ateliers— unter den Dächern voi» Berlin'— du schlugst wild dazu die Tasten. So temperamentvoll, wie du heute deine schneidenden, messerscharfen Chansons hcrausschleuderst, behandeltest du damals dci» Flügel. So weich wie deine kleinen„jiddischen" Lieder, deren tiefe, echte Me- lancholie alle deine Gäste verstumincn macht, hast du mich begleitet zu einein dunkle»» Lied von Wolf oder Brahms. DaS alles, Sonja, spielte in der junge»» Weimarer Republik. Obwohl wir Frauen lvaren, dursten wir von einer Zukunft träuinen, kühn und entschlossen wie unsere männliche»» Gefährten. Niemand wollte uns ztvingcn, Hausfrauen mit eng begrenztem Horizont zu werden. Jeder Beruf stand unö offen. Wir Ivarcn eine stolze, freie Gc- ncraiion. Du bist leine„Pianistin" gclvorden, Sonja, uild ich keine„berühinte" Sängerin. Das Schicksal hat cS anders gelvollt. Eines Tages lvarst du verheiratet— in einer ganz unbürgerlichen Ehe mit einem jungen Maler gelandet— ick verfing mich in den Fallstricken dcö Journalismus. Lange hörten tvir nichts mehr von einander. Bis dein Name«rings um die Gcdächtniökirchc" auftauchte. Und eines Abends fak» ich dich in einein jener kleinen Künstlcrlokale, die Berlin dem Montparnaffc nachahmte, die aber doch ihre besondere„berlinische" Atmosphäre hatten. Gemischt von Snobiö- inuS und echtem revolutionärem Feuer. Du sangst, Sonja. Ich erinnere mich noch heute, an dein erstes Lied. Jene himmlische Parodie auf„Deutschland, Deutschland iiber alles", ein freches, übcrinütigeS Spottlicd auf den deutschen Spießer. Dann Mehrings„In Hamburg an der Elbe", so bitter und so beißend, wie eö gesungen tverden muß, weiter den Song der Pariser Griset- ten, irrsinnig kölnisch... Mit einein Schlag warst du, wie es so schön im Berliner Jargoi» heißt,„gemacht". Der Name Sonja lvar ein Begriff geworden. Zu„Sonja" ging, Ivcr alles Süßliche und Kitschige haßte. Wer Frische, Natürlichkeit liebte. Eine»» Schuß Derbheit, gemildert durch Esprit. Wer nickt davor zu- rückschrcckte, an dem sozialen Nerv gepackt zu werden. Denn manchmal, Sonja, lvaren deine Lieder schonungslos. Wenn du vom Wedding sangst und von dem schweren Leben arn»er Leute... DaS Dritte Reich brach auf mit Blut und Mord. Ich mußte es vor dir verlassen, Sonja. Und wieder verging eine Weile, bevor wir uns von neuem trafen. Diesmal geschah es an» Pulvcrturm in Prag, und wir umarmten uns, unbeküinmert aller Zuschauer, auf offener Straße. Dein Besitz war keine Krone, irgendwo schliefst du auf dem Fußboden, und nichts hattest du über die Grenze gerettet als dein Können, dessentwegen»nan dich in Hitler-Deutschland haßte und verfolgte. Und schließlich zu fliehen zwang. Doch dieses Können gcnügtc, um dir auch hier weiter zu helfen. Ganz plötzlich sprach man in Prag von Sonja und ihrer kleinen Bar. Und lvicder singst du, lvic einst um die Gedächtniökirche rum, dci»» tollen SongS. Nur scheint eS mir maiichinal, Sonja, als sei ein EtlvaS jetzt in deine Stimme gckvmincn, in deinem Vortrag und ii» den Ausdruck deines mitunter beim Singen fülstcr gefalteten Gesichts. Ich glaube— das ist der Haß! Katja I)6i' beiliegende Erlagschein istzur Bezahlungder Abonnenten tgebiihr zu verwenden! Weriin Rückstände bleibt, schädigt die Partei und deren Presse Die Verwaltung Sport• Spiel• Körperpllege Wie man dem Arbeitersport schadet Ein„Wlntersportfest" der Kommunisten Sonntag gab eö in R o t h a u zwar allerhand zu hören, aber viel zu sehen gab eö bei dem Skispringen der k o in n» u n i st i s ch e n„R c» ten Sporteinheit!" nicht. Die großmäulige Reklame verstummte, die Liigei.bilder verschwanden am Freitag, als die Wahrheit bekannt wurde. Die Langstrecken tvarcn eine richtige AngenanStvischerei, im 16-KiIoinetcrlauf wurde ein neuer Rekord ausgestellt... 46 Minuten'. Mehr als ein Drittel batten sich diese Auch-Sportler beim Au S messen geschenkt, weil sie eben immer den „kürzeren" Weg sind. Der Gipfel der Ge.>heir Ivurde am Nachmittag bei der Ansprache erklomnien. Der Ausrufer hielt ein politisches Referat, was sogar den tvenigei» roten Sportlern zu viel tvnrde. Der Spalter von tltothau hielt eine Rede über Einheit nnd Klasseiikamt'l und warf der„bürokratischen" Arveiter-Svortbewegung vor, das; sie viele Millionen Gelder geschenkt bekommen. Der Großsprecher forderte alle anwesenden Sportler auf, mitzuspringen, denn heute stcbcn keine Mykura und Konsorten hier... heute steht ein„EinheitSsportgericht" aul der Schanze. Ein seines Einlieilssportgcricht Ivar es. Außer den Springern aus Schivaderbach Ivar noch ein ganzer Spriiiger aus Triicksaifen am Platz. Obtvohl alle«'"Mknitt wußten, das; der tote Punk» 21 Meter beträgt, betrug er am Sonntag 2ä Meter. Die 44-Metcrgrcnie vom letzten Atussvringcn war auf 60 gewachsen wahrscheinlich Bergverschiebungen. Die Probesprünge am Samstag ergaben Weiten von 27 bis 37 Meter. Folgendes Zlviegespräch tvnrde mif der Schan-e. am Sonntag geführt: Kampfrichter: 33 Meterl Ansager: Sag mehr! Kampfrichter: 37 Meter! Ansager(sehr laut!: 48 Meier! Abgesehen davon, daß sich die Hälfte der Springer gar nicht ganz hinauf getraute, wurde der Anlauf als„zu kurz", die Schanze als„schlecht", der Sprungtisch als„zu tief" ustv. bezeichnet. Die letzte Ausrede lautet: die richtigen Springer sind nicbt gekommen! DaS kann allerdings stimmen, die sind beim AluS geblieben! Skispringen m Bärringea. Hochtzetrictz der AtuS-Wintersportler im Vt. Kreis Dem S övringen in Rothau ist am vergangenen Sonntag da» Wintersvortsest dcö 1. Turnbezirkeö (Karlsbad-Neudek) in B ä r r i n g en gefolgt. Die Weitkämpferbesetzung Ivar gut, besonders der Zchn- Kilomctcr-Lauf war gilt belegt. Dem Springen mif der„Roten Schanze" wohnten 600 Zuschauer bei. Erster wurde der Eibenberger B i e w e g mit drei Sprüngen über 40 Meter. Die größte Weite erzielte Hüller.(Ilnierroihaii) mit 48 Meter. Durch gut« Haltung siel abermals der Jngendspringer Morbach mif, welcher ebenfalls 40 Meter sprang. Literatur Tie neue Weltbühne(Prag l., Melantrichoval, Heft 4, ist soeben erschienen und enthält folgende Beiträge: Willi Schlamm: Nach einem Jahr.— Werner Hegemann: Die neudeutsche Reformation. Mar Rudert: Mussolini addiert.— Heinrich Mann: Die. Diktatoren.— Peter Rodin: Der Wirtschaftssaldo des ersten Jahres.— Louis Fischer: Der zweite Jünfjahrplan.— Bemerkungen.— Antworten. VERLANGET UEBERALL Urania Kino, Hlimenlshä 4. Av ftrcUdfl Der Page eom Dalmasxe-fiotel Mit Dollv HaaS, HarrU Liedtke, Iunkermann, Trude Hesterberg. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich XS 16.—, vierteljährig KC 48.—, halbjährig Kd 96.—, ganzjährig Kä 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren' Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retonnnarken.— Die Zeitungssrankatur wurde von der Post- und Telearavben- direksion mit Erlaß Nr. 13.800/vn/1080 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag.