IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«. telefon saon. Administration telefon smzj. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. BRZBllNBh tO HbHbs (■li)SChll*Bllch 5 H«ll«r Porte) 14. Jahrgang Sonntag, 28. Jänner 1934 Nr. 23 Chautcmps demissioniert und lehnt Kablnettsneubildung ab Paris, 27. Jänner. Ministerpräsident Chautemps hat seine Absicht, noch' Dienstag vor die Kammer zu treten und sich dort für die Einsetzung eines ansirrparlamrn- tarischen Ehrenrates zn schlagen, nicht warh gemacht, sondern ist schon heute Nachmittag mit dem gesamten Kabinett zurückgetrrtcn. Wie er nach der Demission beim Verlassen des Elhseo mitteilte, hat ihn Präsident Lebrun unter Hinweis ans dir Mehrheit, dir sein Knbinrtt stets im Senat und in der Kammer erhielt, gebeten, die neue Regierung zn bilden. Ehnntrmps hat diesen Wunsch srdoch abgelehnt. Die Beratungen beim Präsidenten der Repnblik habrn bereits brgvnnrn. ll. a. ist für heute abends der Führer der französischen Sozialisten Leon Bl n m zum Präsiden- ten der Repnblik geladen. Mit der Bildung drr neuen Rrgirrung wird drr Präsiden« wahr- scheinlich schon im Lanfe des morgigen Tages eine bestimmte Person betrancn. Den Anlaß hiezu gab die schon gestern mehrfach gemeldete, aber erst heute vormittags dnrchge- führte Demission des Justizministers und Vizevor» sitzenden der Regierung R a h n a l d y, gegen den im Zusammenhang mit der Affäre Sacazan verschiedene Beschuldigungen erhoben worden waren. nur aus volltommrn riuwandsreicn Personen zn- ' sammcnsrtzen dürfe. Paris für Anrufung des Völkerbundes Paris, 27. Jänner. An zuständigen französischen Stellen wird behauptet, datz die französische Regierung bisher weder voll London noch) von Rom. noch von Wien aus über einen eventuellen diplomatischen Schritt der Großmächte in Berlin verständigt worden ist. Außenminister Paul Bon- eour wurde während seines Genfer Aufenthalts lediglich durch den österreichischen Vertreter über die Absichtder österreichischen Negierung, beim Völkerbundsrate eine Beschwerde einzubringen, Informiert. In einer Erklärung vor den Pressevcrtre- tem sagte heute Paul-Boncour, wie bei jedem anderen Stritt sei Frankreich auch in dieser Frage immer der Ansicht gewesen, daß der beste AuS- loeg der sei, die Angelegenheit dem Völker- bunde zur Lösung zu unterbreiten. ES sei Lache Oesterreichs, zu beurteilen, ob der Augenblick hiezu gekommen sei. Er persönlich glaube: jal Oesterreich werde jedoch mit Erfolg nur dann vorgehen können, bis es die Auffassung der übrigen Mächte hierüber festgestellt hat. Die Zeit eile. Parteitag in Moskau Moülau, 27. Jänner.(Tast.) Der 17. Parteitag der kommunistischen Partei der Sowjetunion wurde in Anwesenheit von über 2000 Delegierten aus ganz Sowjetrußland eröffnet. Zunächst ergriff der Borsitzende deS Rates, Bolkükommifsär Molotow, das Wort. Er erhärte u. a.. per zweite Fünfjahrplan müsse unbedingt di« Unabhängiglcit der Sowjetunion vom Ausland« auf wirtschaftlichem Gebiete bringen. Die Industrie sei vollkommen erneuert und andere Zweige der Sowjetwirtschast, die man bis jetzt in Ruhland nicht gekannt hatte, seien aufgebaut worden. Auf dem Gebiete der Verteidigung der Sowjetunion hätte die Regierung und die Partei so viel geleistet, waö bei den kommenden Polstischen Ereignissen von größtem Nutzen sein werde. Kabinett Uznnovlc Aussenpolitik unverändert. Belgrad, 27. Jänner. Die neue Regierung llzunovic, wurde heute gebildet und hat be» rcits den Eid abgelegt. Im neuen Kabinett verbleiben alle bisherigen Minister mst Ausnahme des Ministerpräsidenten S r s k i t, des Unterrichtsministers Stankoviö und des Postmini- sterä M a t i c a. Reu traten in die Regierung der ehemalige Minister Demetroviöals Handelsminister und interimisttscher Leiter des Postministeriums. Rer bezahlt das? Wien, 27. Jänner. Die mmkliche„Wiener Zeitung- hat errechnet, datz die nationalsozialistische Agitation in Oesterreich monatlich mindestens vier Millionen Reichsmark kostet, die von Deutschland nach Oesterreich kommen. Ne Landesbischöfe unterwerfen sich Berlin, 27. Jänner. Die großen Differenzen zwischen dem Reichsbischof und einem Großteil der evangelischen Pfarrer und Würdenträger sind wieder einmal»beigelegt" worden. Die Führer der evangelischen Kirche haben heute nach einer Besprechung mit dem Reichsbischof eine Erklärung abgegeben, die jede Krstik am Dritten Reich vernte i I t und ihren Willen betont, die Maßnahmen deS Reichsbischofs in dem von ihm gewünsch- tm Sinne durchzuführen, die kirchenpolitische Op- position gegen sie zu verhindern und die AutoriMt des Reichsbischofs zu festigen. Was die niedere Geistlichkeit dazu sagen wird, mutz erst wohl noch abgewartet werden. G Zu den Protesten von der Kanzel gegen das Gesetz über die Kastrierung„Erbkranker" wird itmtlich mitgeteilt, datz eS sich dabei lediglich um ewel e h r m ä tz i g«Stellungnahme der katholischen Kirche handle, die den Staat Vicht hindern werd«, das Gesetz in vollem Um« ta« durchzuführen. Kundgebungen, die einer Aufforderung zum Ungehorsam gegen das ReichS- wsttz gleichkomm», würde» unterbunden werde«. Meder ein Linkskabinett? Rach der Demission der Regierung ChautemPS wird in den Linksparteien die Ansicht ausgesprochen, datz daS neu« Kabinett den«uS. gesprochenen LinkScharakter bribehalten müsse. Doch glanbt man, datz eine radikale Aenderung in drr Besetzung der»inzclnm RessortS durchge- führ« werden müsse und daS«reue Kabinett sich Warschau, 27. Jänner. Anläßlich der Annahme der neuen Berfassung durch den Sejm wurden in Warschau große Demonstrationen für die Regierung veranstaltet und auch aus der Provinz kommen frisierte Meldungen, als ob daS ganze Land in Begeisterung schwimnie. In Wirklichkest wurde die Annahme im Sejm nur durch das' verfassungswidrige Vorgehen des Sejmmarschalls Switalskl ermöglicht, der in einem Augenblick, als fast die gesamte Opposition bis auf einige Beobachter den Saal verlassen hatte, die Berfassung plötzlich abstimmcn ließ, wobei er die Zweidrittelmehrheit aller Anwesenden als hinreichend erklärte, obzwar die Verfassung für solche Gelegenheiten ausdrücklich die Zweidrittelmehrheit aller Abgeordneten überhaupt vorschreibt, über die der Pilsudfti-Block im Sejm nicht verfügt. Das Echo des Berliner Paktes Berlin, 27. Jänner. Der Abschluß des deutsch-polnischen Paktes kam solvohl für die politischen deutschen Kreise wie für die Presse und die Oesfentlichkeit ganz unerlvartet. Noch in den letzten Tagen hatten verschiedene Blätter ihrer Mißsttmmung gegen Polen Ausdruck gegeben, weil sic noch immer die gewaltsame Entdeutschung der polnischen Grcnzbezirke fortsetze und so Deutschland gegenüber eine doppelte Politik treibe. Der Abschluß des Pafteü hat nun in der deutschen Presse im ersten Augenblick sichtliche Verwirrung«»gestiftet, zumal sie bisher ähnliche Pakte, die andere Mächte untereinander in den letzten Monaten abgeschlossen hatten, mit unverhohlener Ironie kommentiert hatte. Dieser ironische Unterton ist nun im Falle des deutschpolnischen Abkommens gänzlich verschwunden; sichtlich über höhere Weisung wird die„grotze Bedeutung" des Paktes für die Sicherung des europäischen Friedens, sowie der Tatsache hervorgehoben, daß durch das Abkommen aus den deutschpolnischen Beziehungen die Institution des Völkerbundes ausgeschaltet wurde. Die augenblickliche Bedeutung des Paktes erblicken die deutschen Kreise in der Schwächung des französischen Allimiz- stzstemS. Aenderung auch Im AuBenressort? Die Regierungskrise hat eine neue Vertagung des diplomatischen Meinungsaustausches zwischen Frankreich und Deutschland verursacht. Dir französische Antwort auf dir lebte deutsche Rote ist lttrrito fertiggrsirllt und sollte dem heutigen Ministrrrat zur Genehmigung unterbreitet werden. Rnnmrhr wird dieser Antwort-Entwurf provisorisch vertagt werden, zumal angr- deutet wird, datz in drr künftigen Regierung auch eine Personaländrrung in drr Besetzung deS Austrnressvrts eintrrtrn könne. Die oppositionelle» Parteien habrn beute im Sejm Brratnugen abgrbaltrn, in denen der Beschluss gefasst wurde, gegen Switalsti rin Misstrauensvotum einznbringcn. In den ttommunigiiös über diese Beratungen werden scharfe Pro- t e st e gegen die verfassungswidrige Abstimmung erhoben. Im Senat besitzt der Regierungsblock die nötige Zweidrittelmehrheit, so daß dort die Annahme auf keine größeren Schlvierigleitcn stoßen dürste. Zahlreiche Mitglieder der kürzlich aufgelösten Organisation„Lager von Groß pol en" wurden heute in Warschau von der politischen Polizei verhaftet, weil sie Flugzettel verteilten, in denen die Bevölkerung von Warschau zum Widerstand gegen die neue Verfassung aufgcfordcrt wird. Der französische Außenminister Paul- Bo n c o u r wurde gestern abends von dem polnischen Botschafter über den erfolgten Abschluß des Paktes unterrichtet; der Gesandte legte ihm ein Telegramm des polnischen AußcuministerS Beck vor, in dem dieser aufmcrlsam macht, daß eine Klausel die ll n a n t a st b a r k e i t aller früher getroffene uBcrpflickitnn- g e n. festlcge. Paul-Boncour stellt fest, daß er stets sehr genau und freundschaftlich über die Besprechungen aus dem Laufenden gehalten worden sei.* Die französische Rechtspresse dagegen, welche sich bereits bei der ersten Ankündigung der polnischdeutschen Verhandlungen ihnen mißtrauisch gegenüberstellt«, vertritt auch jetzt die Anschauung, daß Polen ein wenig überstürzt gehandelt und ein Doppelspiel getrieben habe. Die Londoner Presse begrüßt das Abkommen ohne Ausnahme. Die„Times" frage», ob nicht Deutschland denselben Grundsatz auch für das deutschsprcchcndc Land, das sein Nachbar im Süden sei, zur Anwendung bringen könnte. DaS Berliner Abkommen berühre in keiner Weise die Beziehungen Polens zu Frankreich, Rumänien oder zum Völkerbund. Um das Saargcbiet Die 78. Tagung des Völkerbundsrateö mutzte sich mit den außerordentlichen Spannungen beschäftigen, die sich im Verlauf des vorigen JahreL im Saargebiet hermtSge- bildet haben. Seit dein nationalsozialistischen Staatsstreich in Deritschland sind die.ilreaturcn Hitlers bemüht gewesen, das Saargcbiet gleichzuschalten, so Ivie ihnen die Gleichschaltung der Freien Stadt Danzig gelungen ist. Sie über- sahen dabei, datz daS Saargcbiet nach dem Fric dcnsvertrag rechtlich fiir 15 Fahre nicht mehr zu Deutschland gehört und datz die Widerstandsfront der Saarbevölkerung gegen den nationalsozialistische» Terror viel breiter ist als sie in Danzig war. Aber diese 15 Jahre vom 10. Jänner 1020 ab gerechnet lausen ab und damit rückt die Entscheidung über die künftige staatsrechtliche Stellung des SaargcbietcS näher. Im FricdenSver- trag ist eine Volksabstimmung vorgesehen. die gemeinde, oder krciswcise stättfinden und sich aus folgende Fragen erstrecken soll: a) | Beibehaltung des im Vertrag vorgesehenen Re- ! gimeS, b) Vereinigung mit Frankreich, c) Vcr- ! einigung mit Deutschland. Nach der Dolksbcsra- ! gnng wird der VolkerbundSrat über die Sou- veränität entscheiden, unter die daS Gebiet ganz oder teilweise gestellt werden soll, unter bcsonde- rer Berücksichtigung des durch die Abstimmung zum Ausdruck gekommenen BolkSwillenS. Bis vor einem Jahre war gar kein Zwei- sei darüber, datz eine überwältigende Mehrheit der Saarbevölkerung, wahrscheinlich mehr als neun Zehntel, für die Vereinigung mit Deutschland stimmen würde. Die durch den Versailler Vertrag mit dem llebergang der Saargrnben in französisches Eigentum verbundene Lostren- nung d'S SaarbcckenS und die Begründung eines besonderen unter der Kontrolle des Völkerbundes stehenden Regimes ohne Besragung der Bevötlerung stellte eine Mißachtung des nationalen SclbstbcstimmungsrcchtS dar und wurde auch als solche cnipftmden. Die ganzen Jahre hindurch gehörten die ungebrochenen Snmpa- thien der Bevölkerung dem Deutschland, daü mit seiner neuen demokratisch. republikanischeu Staatsversassung mit deut halbabsolutistiskbeu- militarijlischen Regiment gebrochen zu haben schien. Französische Bestrebungen für einen Anschluß an Frankreich blieben erfolglos. Diese Shmpathicn haben sich gründlich ge- wandelt. Das eine Jahr fascistischer Herrschaft in Deutschland und die Wiederholt unternommenen Versuche, ihre Methoden ins Saargebiet zu übertragen, haben diese frühere Mehrheit stark herabgcdrückt, wenn nicht gar in eine Minderheit verwandelt. Die Nationalsozialisten schie- neu die Wirkungen ihres Negierens recht bald zu erkennen und fühlten vor, ob das Saargebiet nicht ohne Volksabstimmung mit Deuffchland zu vereinigen sei. Als dafür weder unter der Saarbevölkerung im ganzen noch bei Frankreich Geneigtheit bestand, begannen sie rnit verdoppelter Energie die Abstimmung vorzubereiten. Aus ihre Art. Und die besteht darin, das; sie eine>l n gehe u r c E i n s ch ü ch t c r u n g S k a m P a g ne gegen die Bevölkerung durchsühren. Wer irgendeine dem fascistischen Regime in Deutschland gegenüber kritische Bemerkung macht, wird der nationalsozialistischen Parteilci- ülng denunziert und als„Landesverräter" auf die Liste gesetzt, denen das gleickw Schicksal bevorsteht, wie im grotzen Dritten Reich. Diesor Terror, der schon zur Verschleppung mitzliebiger Personen durch die Nationalsozialisten nach Deutschland und zu Attentatsversuchen geführt hat, hat eine aktive Abwehr aus der sozialdemokratischen, kominunistischen und christlichen Ar. bciterschaft gefunden. Und schlietzlich mutzte die Regier» ngskonuuission, der als Präsident der Engländer Knox vorsteht, mit Maßnahmen gegen den Terror in« Saargebic vorgehen. SA und SS wurden verboten; doch bestehen sie, wie der Präsident der Regierung jetzt dem Völker- bundsrot mitgeteilt hat, Wetter und veranstalte» fortgesetzt mUitärische Uebuttg«. Stutf. die Mw Die neue Verfassung verfassungswidrig!- Die Abstimmung war ein Schwindel ®eHe> Sonntag, 28. Jänner 1034 Wt. 23 Der Ministerpräsident Uber Export-Förderung Noch keine endgültige Stellungnahme tionalsozialistcn tun so, als sei dciS Saargebiet schon Provinz des Dritte» Reiches! Eine BolkSabstinunung unter solchen Umständen kann zur Farce werden, weil eine freie, unbeeinflußte Wahl von vornherein zur Unmöglichkeit gemacht wird. So wird auL der Saarbevölkerung heraus das Verlangen immer nachdrücklicher, daß entiveder der Völkerbund durch rechtzeitige Maßnahmen und durch Garantien f ü r die Bevölkening auch nach der Slbstim- nuing die Voraussetzungen für eine wahre Volks- abstimmung schaffe, oder daß er die Volks- abstiinmung überhaupt vertage, biS Deu tschlan d vo n dem nati onalso z i a l i st i s ch e n Staatsstreich-Regime wieder befreit i st. Alber der täuscht sich, der da meint, daß die Herren im Völkerbund grundsäylicke Feinde des FasciSmus seien. Sie haben die Gleichsckialtung Danzigs, den Raub der Danziger Gewerkschaften erlaubt und dulden die Vernichtung der Preßfreiheit. In der Saarfrage haben sie sich zunächst mit einer Erklärung geholfen und mit eineni Ausschuß. dessen Vorsitzender bezeichnenderweise ein italienischer Fascist ist. Diese Erklärung betont den Willen des Völkerbundes, für die Volksabstimmung 1935 eine freie und Die Hetze, die jahrelang gegen die deutsche Sozialdemokratie und ihren Vertreter in der Re* gierung betrieben wurde, seht, wie wir gestern vermerkt haben, wieder ein. Wieder ist es das Organ der Agrarpartei, der ,.VeLe r", der in geradezu unqualifizierbarer Weise gegen den Genossen Dr. Czech losschlägt, und wieder sind es die alten, abgeleierten Beschwerden, die der Herr Pachmaner aufmarschieren läßt. Diesmal wird die Vcrlcumdungökampagne gleich mit zwei Artikeln eingelcitct, die in Barnum-Aufmachung auf der ersten Seite des Blattes plakatiert werden. Da wird mit der künstlichen Entrüstung, die für Herrn Pachmaner typisch ist, erzählt, daß den deutschen Gewerkschaften vom Fürsorgeministerium für Ar- beitslosrnzwecke ungeheure, in die Millionen gehende Beträge überivicsen werden, daß der GlaS- arbcitcrverband Vorschüsse in der Höhe von zehn Millionen und in der allerjüngsten Zeit wieder zwei Millionen erhalten habe, daß die Gelder eigentlich fi'ir parteiagitatorische Zwecke verwendet werden usw. Dazu ist zu bemerken, daß seit der Novellierung des Gesetzes über die ArbestSlosenfürsorge, also seit dem Sommer des vorigen Jahres, keine einzige Gewerkschaft— weder eine deutsche noch eine tschechische— Vorschüsse für die Auszahlung des Staatsbeitrages erhalten hat, daß aber selbstverständlich allen Gewerkschaften, die üi das Genter System eingegliedert sind, ohne Unterschied der Richtung die von ihnen für den StaatSzu» schuß zur ArbeüSlosenunterstützung auSgelegten Beträge vom Ministerium refundiert werden. So wurde selbswerständlich nicht nur bei den freien Gewerkschaften, die der ZentralgewerffchaftSkom» misston und dem OdborovS sdruZcni angeschlosien sind, vorgegangen, sondern ausnahmslos auch bei allen anderen und beispielsweise auch bei der tschechisch-agrarischen Gewerkschaftsorganisation. die ebenso wie alle anderen Gewerkschaften die von geheime Wahl zu sichern. Wie dies zu geschehen| habe, darüber soll der AltSschuß beraten und der nächsten Tagung berichten. Inzwischen können die Nationalsozialisten wcitcrwühlen und terrori- sicren. Der französische Außenminister hat in der Sitzung deS VölkerbundSrateS in einem Kommentar seine Unzufriedenheit mit dem Beschluß kalun verheimlicht. Sind eS mich bei ihm keine antifascistischen Kampfgelüste, die ihn mehr ver- treten ließen, so ist doch bemerkenswert, daß England seine Stellungnahme in der Saarfrage ebenfalls seiner imperialistischen Polstik unterordnet. Das demokratische England verhindert mit dem fascistischen Italien entschiedene Maßnahmen gegen den Hitlerterror der Saarbevöl- kenmg I Gewaltige An st rcngungen wird die sozialistische und demokratisch gesinnte Bevölkerung des Saar- gebieteS vollbringen müssen, soll der Akt der nationalen Selbstbestimnumg nicht genau so her- abgewürdigt werden, wie die„ReichStagswahl" vom 12. November 1933. Vereinigung mit einem freien Deutschland— jawohl! Vereinigung mit dem DrittenReich— niemals! ihr für den Staat auSgelegten und verrechneten Beträge refundiert erhielt. Der„Vcöer" möge sich nur einmal bei dem agrarischen Abgeordneten Chloupek, dem Vorsitzenden der agrarischen Gewerkschaft, erkundigen! Die zweite Notiz deS»VeLer", die sich glcich- falls mit der ministeriellen Amtsführung des Genossen Dr. Czech beschäftigt, ist deni Jungbunzlauer Blatte des genügsam bekannten agrarischen Abgeordneten D u b i c'k y entnommen. Sie gipfelt darin, daß das Ministerium sirr soziale Fürsorge ein eigenes Referat für deutsche Emigranten geschaffen und mit der Fühnrng dieses Referates einen»deutschen Juden" betraut habe. Nun gibt eS aber im Fürsorgeministerium kein eigenes»Referat fiir die deutsche Emigration", also konnte natürlich auch niemand mit der Führung-eines solchen Referates betraut werden. Dagegen besteht im Ministerium eine eigene Abteilung, in welcher alle die Krise und die Arbeitslosigkeit betreffenden Fragen erledigt werden und der auch die Agenda der Ausländerbeschäftigung zugewiesen sind. Dieser Abteilung lourde auch dieser angebliche»deutsche Beamte" zugeteilt, der in Wirtlichkeit tschechischer Nationalität ist, nie in seinem Leben eine deutsche Schule besucht hat und auch zur Zeit seiner früheren Diensteseinteilung im Fi- nanzressort auf Grund seiner nationalen Zugehörigkeit als tschechischer Beamter galt. Daß nun dieser Beamte, der nichts als seinen Dienst versah, jetzt für die Hetze der agrarischen Presse verhalten muß, ist wahrlich eine der betrüblichsten Erscheinungen. Die Hetze des»Bcöer hat sich also tviedcr einmal nicht nur als ein Skandal, sondern als eine geradezu ungeheuerlicheBlamagc erwiesen. Wir ftagen. wie lange die tschechische Agrarpartei einem solchen Treiben ruhig zuschen wird? Prag, 27. JSnner. Ministerpräsident Malypetr empfing heute einige Vertreter der Presse und informierte sie über dir augenblicklich aktuellen Probleme der Wirtschaftspolitik, insbesondere die Fragen der Exportförderung. Malypetr wieS in seiner Rede darauf hin, daß er zu all den Dingen noch keine endgültigen Standpunkt labe und dass in allen in Betracht kommm- den Fragen noch nicht entschieden sei. Um so weniger kann eS sich bei den Ausführungen dem Ministerpräsidenten etwa um die Stellungnahme der Regierung hmideln, wi>° bei der Lektüre der AnSfühningcn des Ministerpräsidenten ausdrücklich beachtet werden mutz. D. Red. Der Ministerpräsident wies einleitend auf die Rede hin, die er anläßlich der Budgetbera- tungen g Balten und in der er ausgeführt hatte, daß man nunmehr mit allen zweckmäßigen Mitteln anstreben müsse, damit das Wirtschaftsleben nicht mehr verengt, sondern nach und nach verbreitert ivcrde. Wenn das Budget für 1934 als das letzte DesiationSbudget bezeichnet worden sei, so will er dem hinzufügen, daß— so notwendig die Sparsamkeit sei— sic doch gewisse Grenzen nicht überschreiten dürfe, damit sie nicht größeren Schaden als Nutzen stifte. WaS unser Wirtschaftsleben braucht, ist erstens die Stärkung der Kaufkraft im In» lande, zweitens die Belebung der Auöfuhr und drittens billigen und genügenden Kredit. Der Ministerpräsident hat, so erzählte er, auf der Prager Messe mit zahlreichen Ausstellern gesprochen und sich ein Bild der Ursachen des Rückganges unserer Ausfuhr zu machen versucht, und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß cs insbesondere valutarische Verhältnisse seien, welche unsere Ausfuhr konkurrenzunfähig machen. Wir müssen daher an dieses Problem herantreten, späte stens im Monat Feber muß entschieden werden, welche Methoden gewählt werden sollen, um zu einer Hebung unseres Exportes und damit zu einer allgemeinen Belebung unserer Wirtschaft zu gelangen. Diese Methoden, mit denen wir zu einer Erweiterung unserer Ausfuhr gelangen können, hat insbesondere der ehemalige Finanzmiuistcr Prof. E n g l i s zu beleuchten versucht, und diese Darlegungen haben eine Diskussion hervorgerufen, die sowohl ihre Licht- als auch ihre Schatten« feiten hat. Die Schattenseiten tvaren so groß, daß der Ministerpräsident den Justizminister darauf ausmerlsam gemacht hat, daß beunruhigende Gerüchte verbreitet werden, wie daß die Einlagen in Gefahr gerieten usw. Die gute Seite der Diskussion ist, daß die stillen Wasser unserer Wirtschaftspolitik in Bewegung geraten sind. Znr Sache selbst bemerkt der Ministerpräsident, daß er die Staaten, in die unsere Ausfuhr geht, in drei Gr.rvpen einteile: in solche, welche einen Eingriff in ihre Währungen vorgcnommen haben, in solche, mit denen wir im Clearingverkehr sind, und in solche, bei denen unsere Ausfuhr auf dem Kontingentsystem beruht. ZtveifclloS tvürde bei den Staaten der ersten Gruppe eine Hebung der Kon- ' kurrcnzfähigkeit unserer Industrie die größte Wirkung haben. Aber auch in den anderen Gruppen wäre die gesteigerte Konkurrenzfähigkeit unserer Produktion nicht ohne Folgen, denn der Rückgang der Preise unserer Auslandsprodukte würde im Clearingverkehr bewirken, daß bei gleicher Summe deö Clearing die Menge der auSgeführten Waren steigt und auch die Erschöpfung der uns gewährten ilontingcnte wäre um so leichter durchführbar, je niedriger unsere Preise sind. Der Ministerpräsident legte dann dar, daß er sich in der letzten Woche sowohl mit Theore- tikern als mich mit Praktikern des Wirtschaftslebens beraten habe. Aus den ihm gemachten Angaben habe er berechnet, daß bei einem Verkaufspreise der Waren von 100 Kronen sich die Produktionskosten wie folgt zusammensehen: eS entfallen 30 Kronen auf Rohstoffe, 10 Kronen auf die HilfSswffe, 80 Kronen auf den Lohu, 10 Kronen auf öffentliche Lasten, 10 Kronen auf Zinsen und 10.Kronen auf den Ilnternehmer- gewinn. Diese Zusammenstellung, die nur ein Durchschnitt sei, zeigt, daß bei vielen Posten dieser Kalkulation eine Herabsetzung der Produktionskosten um etwa 20 Prozent nicht möglich ist(dabei macht der Ministerpräsideirt die Bemerkung, Herabsetzung der Löhne kein wirksames Mittel daß auch eine irgendwie in Betracht kommende der Wirtschaftsbclebung wäre.) Der Ministerpräsident, der in seinen Ausführungen stets hcrvorhob, daß er vor allem Tatsachen sprechen lassen wolle, erklärte zum Schluß, daß nur eine generelle Lösung deS Problems der AuSfnhrfödrrung möglich sei, daß also an eine verschiedenarsige Unterstützung des Exportes einzelner Industriezweige nicht gedacht tverden könne. Als die allergeringste Hilfe für die Förderung der Ausfuhr, die nach den vorhandenen Plänen in Betracht käme, bezeichnet er einen Prozentsatz von 15 Prozent, die Mindestdauer der Exportförderung wäre ein Jahr. Wenn man getvisse Rohstoffe, die zur Ausfuhr gelangen, ausnimmt und die verbleibende Ausfuhr mit ettoa vier Milliarden berechnet, würde diese Exportförderung einen Betrag von 600 Millionen benötigen. Nun hat man an dem EngliS-Plan vor allem ziveierlei ausgesetzt: Er führe erstens zu einer Verteuerung deSJm Portes und zweitens berge er die Gefahr einer I n- f l a t i o n in sich. Was daö erstere Argument betrifft, sei zu berücksichtigen, daß eine löprozen- tige Jmportabgabe nicht eine löprozensige Verteuerung der aus ausländischen Rohstoffdn erzeugten Waren zur Folge hätte, und tvas die Jnfla- tionSgefahr betrifft, so wäre daS leine Inflation. Als Inflation bezeichnet der Ministerpräsident nur den Vorgang, mehr Banknoten auszugeben, als dem Warenverkehr entspricht. Man könne bei solche» Maßnahmen nicht von Inflation oder Deflation, sondern nur von Ab- und Aufwertung sprechen. Schließlich stellte der Ministerpräsident fest, daß durch eine Hebung deS Exportes auch der JnlandSmakt kaufkräftiger würde und manche nachteilige Folgen, die sonst bei der Berwirkli- chung der Pläne der Ausfuhrförderung eintreten könnten, außerordentlich gemildert würden. 6eht die Hetze schon wieder los? Der„Veter“ beginnt neuerlich mit seiner Verleumdungskampagne io H. IIL de Jong: Versekckimgene Hacke CU Xomoa üi vier EpiaoUea Autorisiert« Uebtnetam au« dem Hollkodiechen von E. R Fuchs. Was für ein Glück, daß er einen so tüchsigen Kameraden getroffen hatte, der sich überall zurechtfand l.... Allein würde er von seiner Freiheit eigentlich nichts gehabt haben... Bestimmt nichts, kam ihm dann in den Sinn, und bei dem Gedanken wurde ihm bang: wenn zufällig Peter nicht dagcwesen wäre, läge er nun vielleicht ertrunken am Grund deö Wassergrabens hinter der Gartenmauer... erstickt in dem widerlichen, stinkigen Schlamm... Boll leidenschaftlicher Zuneigung blickte er nach seinem schmutzigen Gefährten, der ein Stückchen weiter sich eifrig bückend herumging und dürres Holz samniclte: Peter war ein Mordskerl, ein wundervoller Kamerad... Still vor sich hin wiederholte er di« fremden Ausdrücke und lächelte genießerisch. Dann strauchelte er über eine Wurzel, siel aufs Gesicht und all die gesammelten Zweige flogen vor ihm auf den Boden. Aergerlich richtete er sich auf, strich über seine aufgeschürft« Stirn und fluchte kräftig: „Gottverdammte Sauwurzel I.. Und er fühlte, wie das derbe Wort seine erwachende Wut besänstigte. „Bist auf dein Maul gefallen, Schlafmütze?" fragte ihn Peter freundlich aus der Ferne her und lachte. „Erstick!" verwünschte ihn der Gefallene. „Nach dir!" rief Peter höflich.„Klaub deine Zweige zusammen. Dämling, sonst haben wir morgen auch noch kein Feuer!... Vorwärts!" Piet murrte bööarttg etwas zurück, aber er gehorchte und das Gefühl, ganz ungewöhnlich glücklich zu sein, verließ ihn keinen Augenblick. Nach einer halben Stunde lag vor dem Eingang der Höhle ein vielversprechender Stapel dürren Holzeü, dünne Zweige und dickere, knorrige Föhrenäste, die sie von den Bäumen gebrochen hatten. Stolz bettachteten sie ihren Vorrat. „Herrlich, Bursche!" jauchzte Peter..Können die ganze Nacht das Feuer brennen... Dürfen die Löwen und die Bären und die anderen Mistviecher nicht zu uns kommen!" „Aber hier gibt's doch gar keine wilden Tiere!" lachte Piet. „O, nicht?" schmollte sein Freund langgezogen.„Wir sind ja im Herzen der Wildnis von Afrika, daß du'S nur weißt... Und du mußt heute Nacht mit mir abwechselnd Wache halten, und wenn so'ne Bestte von'nem Tiger auf uns zukommt, dann nimmst ein brennendes Scheit aus dem Feuer und du swht'S ihm grad ins Dtaul und dann laust er gleich weg, wenn ich dir'S sag!... Oder traust dich so was nich?" „Aber ja," bluffte Piet, seelenruhig in seinem Wissen, daß sein Mut nicht auf eine so schwere Probe gestellt würde.„Ich fürchte mich gar nicht vor einem erbärmlichen Tigerchen oder so." „Erbärmliches Tigerchen!" schrie Peter, ganz befangen in seiner Phantasie. ,Hör mal so'n Kaffer!... Erbärmliches Tigerchen!... Der frist dich mit einem Schappcr auf, Bursche, der erbärmliche Tiger! Hu!" Er schnaubte vor Entrüstung, daß über sein gefährliches Raubtter so geringschätzig gesprochen wurde. Piet suchte ihn abzulenken. „Zünden wir zuerst unser Feuer an!... Gelt!... hast Streichhölzer?" «Mich werd ich sie haben!" höhnte Peter. „Ja. ich werd ohne Streichhölzer in die Wildnis gehn! Da wär ich'n Narr!... Im Dorf in dem kleinen Laden gelaust, Mann, und noch was anderes mich... wirst gleich Augen machen!" Er lachte selbstzufrieden, suchte trockenes Gras, brach dünne Zweige in kleine Stückchen und errichtete davon in einer Grube vor der Höhle einen Stapel. Dann legten sie sich zu beiden Seiten auf den Bauch und Peter steckte ein brennendes Zündhölzchen unter das lufttg geschichtete, trockene Gras. Sogleich begann es zu kniste^ und grellweiße Funken sprangen im ringelig aufsteigenden, weißen Rauch. „Blase!" kommandierte der Anstihrer und allsogleich bliesen sie in das schwelende und zischende Graö, bis plötzlich eine schöne Flamme aufsticg, die mit roten Zungen an den dürrep Zweigen leckte, gierig sich schlängelnd, schwellend und wogend bei den« heftigen Blasen, daö die kugelig aufgeblähten Backen der beiden Abenteurer hervorbrachten. Und bald knackte eS leist in den dünnen Aestcn, die zu rauchen und Flammen zu sprühen begannen, sechs, sieben, zehn zischende und flatternde rote Wimpelchen, die hin und het sprangen und immer neue, immer mehr Flämm- chen kletterten empor ins Gewirr der zerbrochenen, schwärzlichen Zweige. „Es geht! ES geht!" jauchzte Peter, rückte schnell zurück, warf Hände voll Holz in daS aufflackernde Feuer und schrie mit seinem Freund um die Wette, als die Flammen höher und höher schlugen und leuchtend weißer Rauch wirbelnd in die windsttlle Lust aufftteg. Atemlos schauten sie einander an. Sie glühten vor Erregung in der Hitz« deS Feuers. Der Rauch machte ihre stark geräteten Augen tränend, die freudig und stolz in daö wachsende Lagerfeuer funkelten. Neue, stärkere Aeste wurden gebrochen und rasch spendete daS Feuer so große Wärme, daß sie prustend etwas zurückwichen. „DaS is mal'n Feuerchen, he Pitt?" rief Peter und seine schrille Knabensttmme überschlug sich in reinem Entzücken. „Jawohl," bestätigte sein Freund in ebenso I großer Begeisterung.«Ein Riesenfeuer l" „Und jetzt gehen wir die Froschschenkel braten, sagte Peter und entfaltete das Taschentuch. in dem die Froschschcnkel eine kstbrig weiße Masse bildeten. Piet schaute sst mißtrauisch an. Boll Neugier fragte er: »Wie willst du die braten?... Du hast doch keine Pfanne oder so was?"»Was schadens?" fragte sein großer, erfahrener Freund verächtlich. »Als Jäger in der Wildnis willst doch sicher nicht die Beute in'ner Pfanne braten!.... Paß gut auf!" Er krabbelte in seiner Hosentasche und brachte aus dem sehr bunt zusammengewürfelten Inhalt ein Endchen Kupferdraht zum Vorschein. »Schau", belehrte er,„daS nehmen wir alS Spieß, verstehst«?... Wir reihen die Schenkelchen an diesen Draht und dann halten wir jeder ein Ende davon fest und dann braten wir grad so lang, bis sie lecker braun werden und dann sind sie gar und dann fressen wir sie auf.. DaS soll uns waS schmecken, Junge!... Aber erst müssen die Kartoffeln in die Asche... Vorwärts, aber alle auf einmal!... So, tanch sie mit'nem Stock in die Asche am Rand vom Feuer... dann fischen wir sie schnell wieder raus, wenn sie fein gebraten sind." Piet tat alles, was ihm befohlen wurde. Noch niemals hatte er etwas Aehnliches erlebt. Er mußte fortwährend lachen und sein Herz klopfte in Freude und Erwartung: jeden Augenblick geschahen da Dinge, auf die er nicht gerechnet hatte, und alle zusammei. waren sst so vergnüglich und austegend... Die Erdäpfel wurden auf den ihnen bestimmten Platz gebracht. Peter reihte zufrstden und selbstbewußt die weihen Froschschenkelchen, die unter dem Griff seiner unreinen Hände schmutzig wurden, sorgfältig auf daS Stück Kupferdraht., ^Fortsetzung folgt.) «r. SS Sonntag, LS. JLnner 1VS4 Sette» »er ikKorftcrflasf in den Staatsbnhn- WcrKslätten Die Verhandlungen vor dem Abschluß. Prag, 27. Jänner. Heute verhandelten nach Mcklehr des Eisenbahnministers Genossen Be- ch y n! die Vertreter des„V e r b a n d e S der Eisenbahner", der„Unie zeleznik- nichzamkstnancu" und der„I e d n o t a zamistnancu drah." mit ihm Wer die Frage des Zeitakkordes in den Werkstätten der Staatsbahnen. Wie bekannt ist, tvurde der Satz der Akkordvcrgütung für das Jahr 1034 um 70 Prozent herabgesetzt, Ivas in den Werlstätien eine bedeutende Aufregung hcrvorgcrufen hat. Trotz der endgültig getroffenen Entscheidung Ker den Mordvcrdicnst schritten die Vertreter der obgenannten Organisationen bei den einzelnen Vertretern der Regierung— den Ministern Doktor Franke, Dr. Meißner und dem Ministerpräsidenten Malvpetr— ein, um sie in aller Offenheit über die Konsequenzen zu informieren, ivclchc diese Dtatzuahme in der heutigen schtvercn Zeit her- vorgerufcn hat. Es kann festgestellt werden, das; der Standpunkt der Gctverkschaftoorgaiiisationen bei diesen RegicrungLmitgliederil großes Verständnis gefunden hat. Nach einer ganzen Reihe solcher Interventionen— besonders auch beim Minister Genossen D c ch y n ü, welcher auch während der Zeit seiner Kur mit den Organisationen verhandelte— kam es nun zur endgültigen Verhandlung mit dem Eiscnbahnminister selbst, in welcher fcstgestcllt tvurde, das; im Monat Jänner der Attordvcrdienst in Form eines Vorschusses in der gleichen.<öähc wie dieser es in den letzten Monaten des Jahres 1933 durchschnittlich war, zur Auszahlung gelangt. Der Satz für die weiteren Monate wird noch i» einer weiteren Verhandlung bestimmt werden. Schon heute kann jedoch diese Verhandlung als eine versprechende bezeichnet werden, so daß Hoffnung besteht, das; die Abzüge von der Akkord» Vergütung der Werkstättcnbcdienstcten mit den Abzügen bei den anderen Kategorien annähernd in Einklang gebracht werden. Es ist also ersichtlich, das; es den Gewerkschaftsorganisationen geglückt ist. den schroffen Niderstand zu brechen, tvclcher sich auf die Werk- jiättcnbediensteten konzentriert hatte. Die disziplinierte und zielbewusste Bor- gangSweise der Gewerkschaftöorganisationeu hat auch in der heutigen schweren Zeit einen bedeutenden und wertvollen Erfolg herbeigeführtl Die WerkstättenvcrtrauenSmänner der »benangrführtrn Organisationen werden ersucht, von diesem Ergebnis den Wcrkftätlrnbe- diensteten sofort Bericht zu erstatten. Die Schwierigkeiten der 3ustlzpflese AarkeS Ansteigen der Agenda. In den letzten Monaten häufen sich die De» schwcrden vor allem auS Handels- und Industriekreisen über die Langsamkeit der Verfahren in Streitsachen. Dazu teilt das Justizministerium mit, daß die bisherige Besetzung der Gerichte im Hinblick auf die erhöhte Agenda nicht befriedigend ist, und führt zum Beweis einen Vergleich zwischen der Agenda der Gerichte stwJahre 1012 und der 1032 durch. In den historischen Ländern ist die Agenda um folgende Prozentsätze getvachsen. Bei den KreiSgerichten: in Streitsachen um 238 Prozent, in zivilrechtlichen Berufungen um 144 Prozent, in Rekursen um 180 Prozent, die Strafagenda: um 08 Prozent, Berufung in Strafsachen um 8 Prozent. Bei den Bezirksgerichten im Mahnverfahren um 242 Prozent, in Streitsachen um 07 Prozent, in Exekutionen um 230 Prozent, in Ilcbertretungen um 24 Prozent und in Borerhebungen von Verbrechen und lleber- tretungcn um 67 Prozent. Es ist jedoch auch die übrige Agenda beträchtlich gestiegen: Das Konkurs- und Ausgleichsverfahren sowie das Tabularverfahren sind beträchtlich erschwert, da die Anzahl der kontraditorisch verhandelten Sachen unverhältnismäßig gestiegen ist. Eine recht komplizierte Agenda ist neu zu der bisherigen hinzugekommen, so z. B. die bedingte Verurteilung, die politischen Delikte, Zuteilungen aus der Bodenreform, der Mieterschutz, der unlautere Wettbewerb usw. Vor allem sind die Gerichtskanzleien durch die Jntabulierung der Zuteilungen sehr belastet. Wie das staatliche Bodenamt mitteilt, werden Heuer an Gesuchen um Verbüchcrung eingebracht werden: In Böhmen 2244(betreffend 112.177 Zuteilungen), in Brünn 316 mit 28.668 Zuteilungen usw. Dabei ist die Besetzung der Gerichte weder hinsichtlich des RichtcrpersonalS noch des Kanzleipersonals entsprechend gestiegen. Die Anzahl dec Kanzleikräfte war sogar bei den Gerichten in Böhmen um mehr als 4 Prozent geringer als 1012. DieS soll jedoch allmählich besser werden. Trotz dem Verbot der Neuaufnahme in den Staatsdienst hat die Regierung, im Dezember 1983 die Aufnahme von 126 Kanzleikräften er» kalbt ttllssSrukn aus Rothau Wer zahlt die Kesten der Wasserleitung? Die Wasserversorgung von Rothau, insbesondere von Unterrothau, wo ftüher die BctriebSstät- ten der Eisemverke A.-G. Rothau bestanden, war in den Nachkricgsjahren äußerst mangelhaft. Auf Anregung der Wcrködircktion Ivurde die Nordböhmische Wasscrbaugcsellschaft in Aussig damit beauftragt, einen Plan zur Errichtung einer Wasserleitung auszuarbeitcn. Im August 1021 wurde mit dem Bau der Leitung begonnen. Der Gesamt- kostenaufwand, den die auSführende Zinna berechnete, betrug 5,100.00 KL. In der Praxis wurde diese Summe nicht erreicht, der AuSgabepsah belief sich auf insgesamt 4,887.000 KL. Zwischen der Gemeinde und den Eisenwerken wurde vertraglich fest gelegt, daß die Werke für die zum Ban der Wasserleitung aufgenommenen Darlehen u. a. 05 Prozent der Zinsen sowie die jährlichen Betriebskosten der Wasserleitung zu zahlen haben. B i a E u d c 1081 haben die Eisenwerke ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der Gemeinde restlos erfüllt. Im Jänner 1032 aber teilte der Generaldirektor des Unternehmens, Jng. Doderer, der Gemeinde kategorisch mit, daß das Eisenwerk in Zukunft keinerlei Beträge mehr für die Erhaltung der Wasserleitung auStverfen könne. Der Betrieb der Eisenwerke war inztvischcn nach KarlShütte verlegt worden. Dabei hatte Jng. Doderer noch am 14. Mai 1030 auf einer Konferenz in Karlsbad wärt« lich erklärt, daß die Werke der Gemeinde gegenüber in jeder Beziehung vertraglich verpflichtet seien, die Zahlungen zu leisten. Da sich die Eisenwerke trotz zahlloser dringender Diahnungen der Gemeinde beharrlich weigerten, ihrer Zahlungsverpflichtung nachzukommen, sah sich die Gemeinde in die Zwangslage versetzt, ihre Forderungen beim Kreishandcisgericht in Prag einzuklagen. Die erste Verhandlung fand am 80. Oktober 1033 statt. Sie tvurde aus den 1. Feber 1034 vertagt, um weitere Zeugen zu hören und näheres Beweismaterial hcranzu- schaffcn. Da die völlig verarmte Gemeinde—- die Verlegung der Eisenwerke nach KarlShütte hat die Gemeindevölligruiniert und die Arbeitslosigkeit um ein Vielf.acheS vermehrt,— außerstande ist, auch die notwendigste Reparatur am Ortsnetz dec Wasserleitung vorzunehnie» und die drückendsten Schulden immer mehr autvachscn, ist die Situation unerträglich gcivordcn. Die Gemeinde ist. dies ohne jede Einschränkung, am Ende ihrer Kraft, Zahlen mögen dies veransckjaulichen: Die Stenergrundlage für das VeranlagungSjahr 1030 betrug 187.568 KL, die für das Vcranla- j gungSjahr 1084 noch 13.683 KL; das ist also ein Abgang um rund. 02 Prozent. Die Gemeinde zählt bei einer Gesamteinwohnerzahl von 3700 Menschen 1100 männliche Arbeitslose! Ein Kommentar scheint überflüssig. Auf den Ausgang des am 1. Feber stattfin- denden Prozeßes kann man gespannt sein. Eines ist unbestreitbar: der in völliger Agonie liegenden Gemeinde, in der daS Elend geradezu fürchterlich wütet, muß auf jeden Fall geholfen werden. Je näher wir einander in unserem Handeln sein werden, auch im Kleinsten. Ivie man so sagt, um so eher werden wir finden, daß wir uns nahe sind und wie lvir uns auch in anderem nahe sind. Ich tviedethole: Ich begrüße die Anregung, welche unS eine wirklich gemeinsame Aufgabe stellt." „sind eine äußerst dringende Ausgabe, für welche unser« Kräfte"bisher nicht ausreichten. Es gab und gibt viel gute, achtenswerte Tätigkeit für die Rettung notleidender Kinder, aber bisher gab cs vielmehr Rot als Hilfe. Die öffentliche soziale Fürsorge reicht mit ihren Mitteln schwerlich für ein Mertel der hungrigen, unbekleideten, hilflosen und moralisch bedrohten Kinder." „Ich weih es, aber lvas wären lvir für Bürger, wenn dec Staat für uns alles machen sollte? Demokratie, daS ist auch Initiative. Was lvir aus unserem guten Willen machen, das Hal größeren Wert als das, tvas man durch Gesetz oder Steuervorschristcn anorduet. Das Elend der Kinder ist schrecklich. Allerdings, da genügt nicht ein Almosen, es genügt nick't mir zn geben, son« der» man muß sich tatsächlich um die Kinder kümmern." „Dessen sind wir uns belvußt. Daher bandelt es sich darum, die Kinder nicht nur zu ernähren und zn kleiden, sondern sie auch zu führen und au» ihnen eine gute, physisch tüchtige und moralisch disziplinierte Generation zu schassen. Weiters haben wir da» Problem dec arbeitslosen Jugend— auch da» muß gelöst werden." „Richtig! ES sind dies schwierige und dringende Aufgabe», aber eben deshalb haben Sie sich vereinigt, um sie bclvälligcn zu können. Sic repräsentieren eine ungewöhnlich große Konzentration von Kräften, schon deshalb darf das nicht fehlschlagen. Die grünen Fascisten Wir haben uns vor kurzem mit dem Herrn Dr. Hetz und seinem Anhang beschäftigt, der aus einer Tagung der Landständischen Jugend in Hirschberg ein Bekenntnis zum Sudetendeutschen Landstand des Herrn Spina mit einem wüsten Ausfall gegen die Sozialdcmolratie verbunden hatte. Dieser Dr. Hetz, der den Sozialdemokraten Feindschaft gegen die deutsche Kultur vortvars. macht augenblicklich lvieder von sich reden. In den „Sudetendeutschen landständischen Monatsheften", die bezeichnenderweise in Dobrzan erscheinen, gibt die Schriftleitung also Kunde von einem Hetz-Artikcl:„Leider verfiel er an sehr vielen Stellen der B e s ch l a g n a h m e, so daß wir ihn nicht bringen können." Ztveisellos haben die Ausführungen des Dr. Hetz nur dem„Schuhe dec deutschen Kultur" dienen tvollen. Die Gescllsämst, die in dieser Zeitschrift sonst noch zu Worte kommt, gibt die Gewähr dafür. Da marschiert an der Spitze Herr— Franz von Paße n, der Henker der deutschen Freiheit. Er läßt einen„Appell an das deutsche Gewissen" erschallen; die Schriftleitung dankt recht herzlich, den Beitrag drucken zu dürfen. Es ist ein Appell an die Nation, den„Aufbruch" zu versuchen, der in Deutschland bekanntlich, unter der redlichen Mithilfe des Herrn von Papen, geradewegs ins Dritte Reich geführt hat. Tann schreibt ein Herr Gottfried Bürger, ein Bahnbrecher der land- ständisch-fascistischen Idee, jetzt eine Zierde des Dritten Reiches, einen ebenfalls programmatischen Artikel. Man kann nicht behaupten, daß er dazu diene, dem Herrn Spina beim Schutze der Demokratie zu helfen, für den zu wirken dieser»nunter« Der Präsident der Republik T. G. Masarhk hatte mit dem Vertreter der Aktion, die sich jetzt zum Schutz der vom Elend betroffenen K inder entfaltet, folgende Unterredung: „Herr Präsident, vor einigen Tagen haben unsere Gelehrten, Künstler und Schriftsteller einen Aufruf erlassen, die größte Fürsorge den durch die Folgen der heutigen Wirtschaftskrise bedrohten Kindern zu widmen." „Ich las den Aufruf und stimmte damst überein. Ich bemerkte, wer den Aufruf unterzeichnet hat. ES lvaren die Rektoren unserer Hochschulen, die Präsidenten der gelehrten Cesellschaf» ten, Theater» und bildende KünsÜer, Musiker und Schriftsteller ohne Unterschied der Sprache, des Bekenntnisses und derParteien. Ich fand die Namen von Tschechen, Slowaken und Deutschen und Magyaren beisammen und ich sage Ihnen, daß mich dies erfreut hat und daß ich würdige, was das für eine Bedeutung hat. Ich sehe daraus, daß man schon zu der Erkenntnis gelangt, daß cs mehr gibt, waö wir gemeinsam haben, als das, waü uns trennt. Ein großer Teil der I n t e l I e l t u e l l e n zeigt hier den r i ch t i g e n W e g. ES handelt sich darum, auf ihm weiter zu gehen, und zwar nicht nur bei einer besonderen Kundgebung, sondern auch bei der täglichen Arbeit. Mit nicht geringerer Be krochen vorgibt. Der Ungeist, den Herr von Papen an der Spitze dieser seltsamen Monatsschrift äußert, kehrt in jedem kleinen Beitrag wieder. Es ist, als ob die Reugriyldung der Schrift nur erfolgt wäre, um der Behauptung des Herrn Dr. Hetz, er und die Seinen seien um die Rettung der deutschen Kultur bemüht, ein besonderes Gewicht zu geben. Die Bestrebungen des Kreises um Dr. Hetz sind der Förderung eines landständischen Gedankens gewidmet, der dem Fascismus gleichzusehen ist. Der Demokratie wird Fehde angesagt— etwa aus den gleichen Gründen, aus denen sie Herr Kundt, einer der Männer des KamcradschaftSbun- deS bekämpfte: es lasse kick: in ihr keine Autonomie, keine Freiheit verwirklickicn. Die Landständische Jugend, der der Herr Dr. Spina so eifrig nachlänfl— soeben hat er Gustav H a ck c r zu seiner Stellvertretung in der Führung des Landstandes berufen—, scheint nicht übel Lust zu haben, unter der Führung de» Herrn Franz von Papen den Marsch in die Gedankenwelt und in die Wirklichkeit des Dritten Reiche» anzutreten. Wäre der EinführungSartikel de» Herrn Dr. Hetz in den Monatsheften nicht konfisziert worden, so könnte nmn dieses Bestreben heute schon viel deutlicher erkennen. Aber der Mann hat sich ja schon vor Hirschberg als Retter der deutschcn Kultur legitimiert: er bekannte sich zum Dritten Reich. Er tut eS heute noch. Nur, daß ihm Herr Spina die laudständische Plattform verschafft hat, auf der sich fascistischc Gesinnungen besser tarnen lassen als auf dem Boden demokratischer Partkicn. friedigung verfolge ich, tvelchc Korporationen sich zur gemeinsamen Arbeit für das Kind angemeldet haben und ainnelden. Ich erblicke in ihrer Zusammenarbeit nicht nur ein gutes Verständnis der humanitären Aufgabe, die sie als ihre Pflicht übernehmen, aber auch, ich möchte sagen, einen politischen Fortschritt. Sie sägten, daß unsere Kinder von den Folgen der heutigen Wirtschaftskrise bedroht sind. Ich füge hinzu, auch von dec moralischen Krise. Man veriveist heute daraus, daß das Familienleben zerrütteter ist alü cs zu sein pflegte. Da ist nicht mehr der einzige Anlaß wirtschaftliche Not— die Zerrüttung der Familie berührt alle Schichten. Die kommenden Generationen werden uns um so weniger Söhne und Töchter sein, je weniger wir ihnen Väter und Mütter sein wcr- den. DaS gilt gleichmäßig von der Familie. Gesellschaft und vom Staat. Ich möchte sagen, die Demokratie ist nicht nur Brüderlichkeit, Fratcrnite, sonder» auch Vaterschaft und Mutterschaft mit aller aufopfernden Liebe voraussehender Fürsorge und führender Autorität, dir dazu gehört. Jedes sittliche Gebot, bis in dir Konsequenzen durchdacht, ist auch rin sozialrS und politisches Gebot; und umgekehrt, unsere soziale und politische Ueberzeugung soll sich In unserem persönlichen sittliche» Handeln aiio- d rücken. Und ziehen Sie zu der Arbeit dir Frauen heran; ihre sittliche Kraft ist bisher nicht genügend für das öffentliche Leben auögenütst. Berufen Sic zn dem Werke auch die I u g e n d. um sie dadurch in den Bürgcrdienst cinziifuhren. Darin, daß Sie sich über die Unterschiede der Parteien, Bekenntnisse und Sprache hintvcg vereinigt haben, sehe ich zwei gute Dinge: Vor allen» können Sic tveit mehr im Großen und Kleinen und viel systematischer für die Kinder, für die künftige Generation und dadurch auch für die Zukunft unseres Staates schaffen; und zweitens: Ihre Zusammenarbeit kann ein bedeutender Gewinn für uns alle, für alle Bürger sein. Sie können praktisch die Entwicklung dessen beschleunigen, tvaS den Staat erst zum Staate macht: Das ist die Entwicklung der lebendigen geistigen Koalition aller Bürger, möge sic sonst ivas immer trennen. Ich erblicke ein gutes Zeichen darin, daß Sic sich die Hände über den Häuptern der Kinder reichen, und ich iverdc mit aufrichtigem Interesse Ihre gemeinsame Ausgabe verfolgen." Zuerst lesen lernen! Die„Deutsche Presse" und di« Wirtschafisforde- rungen der Sozialdrmokratte. Die„Deutsche Presse" berichtet in ihrer Freitagnummer über die Richtlinien zur Wirtschaftspolitik, die der Klub der sozialdcmokratiscben Abgeordneten nnd Senatoren dieser Tage beschlossen tat. Da sich die Ehristlichsozialcn bisher zum Englis-Plan freundlich eingestellt haben, ist es ihnen nicht angenehm, daß die Sozialdemokratie eine Exportförderung auf Kosten des Verbrauches der breiten Massen abgclehnt hat. Sic setzen an unserer Entschließung aus, daß wir zivar die beiden kapitalistischen Wirtschaslöpläne der Herren Prciß und Englis abgclehnt, daß wir aber nichts Positives vorgeschlagen haben. Wahrscheinlich haben die Herrschaften aus der„Deutschcn Presse" nur den Anfang unserer Entschließung gelesen, in dem wir unö gegen die obgenannten Pläne wenden, nicht aber die zweite Hälfte, in der nur unsere eigenen Vorschläge gemacht haben nnd die in drei Kapiteln zusammengrfaßt sind/ die sich „Förderung des Exportes",„Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit" und„Kreditpolitik" betiteln. Ter volkswirtschaftliche Redaktenr der«Deutschen Presse" möge sich also die Mühe nehmen, unsere Entschließung nochmals zu lesen-- ob er sie verstehen wird, ist eine andere Frage. Mit allerlei München sucht der llniv.-Prof. Dr. Sander im Brünner„TageSbotc" die ihm durch uns tvidcrsahrene Brandmarkung seiner vernebelten antidcmotratischen Vorschläge zu einer „Reform" der Verfassung und deü Parlamentarismus zu entlrüften. Wie er dies tut, geht zur Genüge daraus hervor, daß er versichert, seine Vorschläge bezweckten eigentlich nur, die AuS- drucksform der Deinokratic den„gegenwärtigen Bedürfnissen" besser anznpasscn, und daß er von den Sozialdemokraten sagt, daß s i e eS eigentlich sind, die„nach einer fascistischen Ttaatsform streben". Wessen Bedürfnissen seine Vorschläge entsprechen, unterläßt er anzngcbcn. Sich nochmals ausführlich mit dcö Herrn Sander kniffigen Auslassungen, die die Verteidigung seiner getarnten fascistischen Anregungen be- zlvecken, zu beschäftigen, hieße seiner Betriebsamkeit mehr Ernst zumessen, als ihr zukommt. Es genügt festzustellen, daß kein Anlaß besteht, auch nur ein Wort von dem zurückzunchmcn, was lvir zur Eharalerisierung seines reaktionären Getues geschrieben haben. „Jedes sittliche Gebot ist auch ein politisches Gebot" Bedeutsame Worte Nasaruks anläßlich der Kindersdiutz-Aktlon Seite 4 Sonntag, 28. Jänner 1834 Nr. SS Tagcsncuighdtcn I I als der in c I c n r n p fi i ft ßcrcttct werden, Tie Geretteten ^nsnnlntenstvsrc^ Sine Frau fliegt nach Tokio PariS, 27. Jänner. Die bekannte französische Pilotin Martzsa Hiltz startete gestern vorn Flugplätze in Billa Eoublatz zum Fluge nach Tokio, auf welchem im ganzen eine Strecke von 11.000 Meilen zurückgelegt wird. Die französische Fliegerin lvählte die Strecke Marseille— Athen— Kalkutta— Schanghai— Tokio. 1. Skoda(DTJ., Reichenberg) Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen: Englands Arbeitslose veranstalten einen Hungermarsch nach London Abmarsch der schottische» Teilnehmer von Edi» bürg. Wie vor zwei Jahren soll jetzt wiederum ein Hungermarsch der Erwerbslosen aus allen Teile. Englands nach London stattfinden. Allerdings tvird eö die Regierung diesmal mit allen Mitteln verhindern, das; sich dieser Hungern: arsch zu einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit auswächst und hat so bekaimtgegeben, das; fiir die Teilnehmer an dieser Demonstration während ihrer Abwesenheit von zu Hau se leine Erlverbölosenunterstützung bezahlt wird Wie lange noch? Ein junger sozialdeino- lrätischer Arbeiter erzählte dem Genossen Paul Fan re(und dieser erzählt eS im„Potmlaire" lvieder), das; er dieser Tage bei einer Demon- stratibn in Paris verhaftet und bis vier Uhr morgenS festgehalten wurde. Zum Leidensgefährten hatte er einen gleichfalls verhafteten kommunistischen Studenten. Kaum hatten die beiden sich mit einander bekannt gemacht, als der Kommunist ans die Sozialdemokraten zu schimp- sen begann, so wie er es eben täglich aus der kommunistischen Presse lernt. Natürlich setzte sich unser Genosse zur Wehr und ging selber zum Angriff über. Und so setzten die beiden jungen Leute, die aus demselben Grunde, am selben Tag und zur selben Stunde verhaftet worden waren, stundenlang den Bruderstreit fort, der die Arbeiter gegen einander kehrt. Der sozialdemokratische Arbeiter sprach von dem dringenden Gebote der Einigung:„Da jetzt", sagte er dem Kommunisten,„die Chefs der russischen Revolution Tragödie der Zwölf Dampfer» Z u s a>n n» e n st o h. London, 27. Jänner. Nach einer Meld»»» auö Reykjavik stiegen nm Freitag die rilglische» Fischdampser„2 a d i t" und„E u t h n m i a" bei schlverer Sve im Dyra-Fjord an der isländischen Westküste zusammen. Tie„Sabik" ging sofort nnter. Bon der 1 4 köpfigen Besät- z u» konnten nur der erste T und der zweite I n g e n i e n r alle übrige» ertranken, befanden sich im Augenblick des gerade auf der Kommandobrücke und sprangen ans den Fischdampser„Entbamin" über. Ter Kapitän und ein Maat der ,,2abil" trieben noch einige Minuten auf der Oberfläche, tonnten aber wegen deS hoben Wellenganges und weil die„Euthn- mia" selbst ein schweres Leck durch den Zusnmmen- stost erhalten hatte, nicht inehr geborgen werde». Der„Enthamia" gelang eS, trotz ihrer schweren Beschädigungeil, am Freitag nachmittag in den Hafen von Tyra-Fjord einzulaufen. 10.000 ertrunken, erfroren, verhungert... Der tSekve Stag als» Maffengrav Schanghai» 27. Jänner.AtuS-Marienberg) bester Mitteleuropäer Erfolge der Finnen und Oesterreicher Grog Hammer, 27. Jänner.(Eigenbericht.) Bon herrlichem Winterwetier begünstigt <— es schneit den ganzen Tag— nahmen heute die Wintersportkämpfc der dritten tschechoslowali- schen Arbeiter-Olympiade ihren Anfang. Das sonst ruhige Städtchen weist reges Leben auf. Zahlreiche Sportler und Sportlerinnen auf ihren Bretteln bevölkern die Straßen und die nächstgelegenen Berglehnen, die herrliche Abfahrten bieten. Am Vormittag fanden die Läufe über 25, 45 und 6 Kilometer für Männer und Frauen statt. Tie Strecken, die große Schwierigkeiten auf« wie'en. waren gut markiert. Tie Organisation klappte ausaezeickulet, Unfälle lvaren, avgeiehen von einigen harmloseit Skibrüchen, nicht zu verzeichnen. Am Ziel bei der DTJ.-Turnhalle iva- ren zahlreiche Zuschauer anwesend, die mit Spannung den ersten Läufer erwarteten. Das Interesse wuchs von Minute zu Minute und konzentrierte sich, wie nicht anders vorauszusehen war, auf die Finne n. die den Gcsprächstoff aller bildeten. Kurz nackt 11 Uhr sah man eine blaue Gestalt den Hang heuntersausen, der erste Finne. Ein ausgezeichnetes Rennen fuhr Walter D rc jzle r(AtuS-Marienberg), der wieder sein hohes Können unter Beweis stellte und als bester Mittelenropäer mit nur 23 Sekunden Zeitunterschied als Zweiter einlief und den Finnen Sal- minen auf den dritten Platz verwies. Nun fuhr einer nach dem andern durch das Ziel, Männer und Frauen, über und über mit Schnee bedeckt. Im Scchs-Kilometer-Lauf der Frauen siegte M a r t h a D e m u t h(AtnS-Schatzlar) in überlegeirem Stil. Am Nachmittag fand das Hin- dernislaufen über vier Kilometer statt, das ebenfalls eine sehr schwierige Aufgabe für die Läufer bildete und an sie groste Anforderungen stellte. WeiterS sand ein Eishockey spiel der DTJ.-Mannschaften aus Brünn und Prag, sowie cur Eiskunstläufen statt, dem zahlreiches Publikum beiwohnte. Ain Abend vereinigte ein gemütliches Beisammensein alle Teilnehmer im Arbeiterhcim. DaS Gesundheitsministerium, sowie daS Verteidigungsministerium halten offizielle Vertreter entsandt. »ie MtOtluhea Ergebnisse: 25 Kilometer für Sportler: l. K o S k c l a i n n e n(Finnland) 1:S8.3I, 2. Drcstler(AtuS, Marienberg) 1:58.54, 3. S a l m innen(Finnland) 2:01.56, 4. Pkikrt) (DTJ., TauS) 2:13.25. Am Start 20 Läufer. 15 Kilometer für Sportler: Stritzl(Mürzzuschlag) 1:15.35 OM.-.. 1:16.57 Schwarzendorfer(Wien) 1:17.42 Nietckc(Ains, Teisendorf) 1:17.45, Vönsch(Atus, Oberaltstadt) 1:18.23. Start 33 Läufer. Dieser Lauf gilt aus kombinier- ter Lauf. 4-Kilometer-HinderniSlaufen für Sportler: 1. F r tz a u f(DTJ., Böhm. Trübau) 16:18, S, Köck(Wien) 16:46. 3. Skoda(DTJ., Rei- chenberg) 17:82, 4. Tartar(Wien) 17:45. Am Start 18 Läufer. 6 Kilometer für Frauen: 1. D e m u t h Martha(Atnö, Schatzlar) 35:43, 2. O r u st o vtadiosaal das im Zusammenklang der beiden Künstlermenschen, in der„Romanze" Besonderer Ertvähnung bedarf die Mitwirkung des Violinvirtuosen Silhavh, dessen Kreislers„Chinesische Tanz" und SnkS.Liebeslied" hätten dargestellt werden sollen. phale Notlage der angestellten Zahntechniker hat ihre Ursachen in Mängeln des Gesetzes 303/20. Der parlamentarische Unterausschuß zur Regelung dieser brennenden Frage legte dem Abgeordnetenhaus den Novellierungsantrag Nr. 2300 vor, welcher die unhaltbaren Zustände beseitigen sollte. Die Zahntechnikerschaft der Tschechoslowakischen Republik veranstaltet am Sonntag, den 4. Feber, in Prag II., Produktenbörse, um halb 10 Uhr vormittags eine ganzstaatliche Manifest«« t i o n s v e r s a in m l u n g, um für ihre berechtigten Forderungen einzutreten. Minister Dr. Krofta wird einer Einladung der „Urania" Folge leistend, Mitte März in deren neuem HanS sprechen. Sportzug Prag—Mesrngebirge. Die Staats« bahndirektion Prag verlautbart, daß die für den am 30. Jänner aus Prag nach dem Riesengebirge fahrenden Zug angekauften Fahrkarten bi» einschließlich 5. Feber d. I. Geltung haben werden. In der Zeit vom 8t. Jänner bi» einschließlich 8. Feber können diese Fahrkarten zur Rückfahrt nach Prag an den Tagen, an welchen ein Condersportzug vom Riesengebirge nach Prag nicht verkehrt, zur Fahrt mit jedweden» Zug benützt werden, sei es über Tur- nau, sei es über Ehlumec(von Polaun nur über Turnau) bei der Fahrt mit dem Personenzug ohne Zuschlag, bei der Fahrt mit einem Schnell- oder einem beschleunigten Zug, mit Bezahlung des normalen SchnellziigSzuschlageS, oder des normalen Zuschlages für den befchle»migten Zug. M. F. gsgsn Grippe, Erkältungskrankheiten, Rheumatismus, Gicht, Kopf- und Nervenschmerzen. In allen Apotheken erhältlich. Goneraldepot: Brauners Apotheke «Zum weißen Löwen“, Präs II.« PF.kopy 14. Es daalnflj^ Husten^ wird zur Mund- und Wal Arc der Sozlalitten Jugendinternationale Bon der Arbeit deS schwedischen BerbandeS. Die Int. Sozialist. Jugendkorrespondenz berichtet: Der schwedische Verband zählte am 18. November 188-1 Ortsgruppen mit 80.080 Mitgliedern. Große Erfolge hat der Verband in seiner Werbung unter der Landarbeiterjugend und Kleinbauernjugend erzielt. Auch in den Großstädten geht eS vorwärts. Die Fortschritte sind aber nicht so groß wie auf dem Lande. Die nationalsozialistische Propaganda hat in Schlveden nach dem Sieg Hitlers sehr stark zugenommen. Organisatorisch ist aber die Nazibetvegung schtvach. Im Verband bestehen zur Zeit 1800 bis 2000 Studienkreise. Gemeinsam init dem Bildungsverband der Arbeiter wird eiire sehr intensive Kursusarbeit geleistet. Es lau sei» mehrere Korrespondenzkurse über die Themen: Sozialökonomie. Sozialismus, Geschichte der Arbeiterbewegung, Wirtschaftsfragen. »Ms!! und Sozialpolitik Minierter Lohnabbau lm Dritten Reich Die Lohnkürzungen in Deutschland nehmen mitunter die allerseltsamsten Formen an. So ist eö in Schlesien üblich gelvorden,„Sparlage" ein- zufiihren. Der Unternehmer behält einen Teil des Lohnes ein, um ihn für die Belegschaft„anzulegen". ES werden fünf bis zehn Prozent des Lohnes abgezogen und auf ein Sparkonto eingezahlt. Ob sie eingezahlt werden, danach zu frage», hieße den„Führer" beleidigen. Wenn sie aber wirklich eingezahlt lverden, dann auf das Konto der Firma, die sich gütig bereit erklärt, den Arbeiten» die Muhe mit einem eigenen Konto abznnehmen. So Hal man es in dein Waldenburger Kohlenrevier gemacht, in Görlitz, Lauban und Lieguitz. Rückbezahlt werden die„Spareinlagen", wenn es„die allgemeine Lage" erlaubt. Zu diesem Sparzwaug kommt die Kürzung des Lohnes durch die immer noch zunehmenden Sammlungen. In welchem Umfang gesammelt wird, kann man sich kaum vorsteNen. Da nützt lein Sträuben, eö ist einfach ein Gebot der„nationalen Ehre", für die Winterhilfe, für die Opfer der Arbeit, für das Grenzlanddeutschtum, für die Hinterbliebenen der SA-Blutzeugen, für die Hitlerjugend, für ein Kriegermal, für Kolonialpropaganda Geld zu geben. Da wird ein Prozent vom Lohne für die Errichtung eines NSBO-HeimeL abgezogen, ein Prozent für die Anlage eines Ge- ländesportplatzeö, ein Prozent für das Abonnement der Zeitschrift von„Kraft durch Freude" usw. In vielen Betrieben müssen die Arbeiter wöchentlich zwei Mark für die Anschaffung der Sklavenuniform der f geben. Gefährdetes Publikum! Wieder ein Deckeneinsturz in Prag In der sogenannten„Lippert-Pastage", dem DurckigangShauS Graber» 14—Herrengaste 8 stürzte am Sanrstag vormittag, kurz vor V Uhr, die Decke bis annähernd zur Mitte des Durchganges ein. Ein Arbeiter, der im Durchgang arbeitete, wurde von den Gips« und Mürtelmasten getroffen m»d, zum Glück nicht lebensgefährlich verlebt. Die herabftür- zenden Masten zerstörten die Lichtleitungen u»»d einen Teil der AnSlagenfenster, die auf der rechten Seite der Passage völlig verwüstet si»td. Eine Prüfung der Deckenschicht ergibt die sehr bedenklich stimmende Tatsache, daß die dünne Zementschicht, die die Deckenschalung zusammenhält, überall rissig ist und. fast in den Händen zerbröckelt. Mörtel und Gestein sind über dieser Verschalung in massiver Form gehäuft. Die Decke hat wohl infolge angesammelter Feuchtigkeit»mchgegeben, nachdem sich schon seit Tagen Risse und Sprünge zeigten. ES handelt sich hier, ebenso wie beim welk harmloseren Mörtelabfall im Eafä Boulevard, um Bauarbeiten jüngeren Datums. Immerhin scheint cS notwendig, daß die Aufsichtsbehörde»» hier gründlich nach dem Rechten sehen. ES ist gar nicht m»Szu- drücken, was geschehen wäre, tvenn sich der Unfall bei stärkerem Verkehr ereignet hätte. Offensichtlich spart man beim Bauen an der Güte deS Materials. Eine derartige Sparsamkeit, die auf Kosten von Leben und Gesundheit des Publikums geht, ist aller- dingS fast gemeingefährlich. »Die jüdischen Denkmäler in der Tschechoslowakei" heißt eine prachtvoll ausgestaltete Veröffentlichung der Denkmalkommiffion der jüdischen Kultusgemeindeverbände in Böhmen, Mähren und Schlesien. Dies B»ich soll die Aufmerksamkeit der jüdischen Oefsentlichkeit auf die Tatsache hinlenken, daß heute viele Gemeinden zu Gninde geben, die ein Sammelpunkt jüdischen Lebens»ind jüdischer Kultnr waren. Ties Buch verfolgt den Zweck, das Interesse für die jüdische Vergangenheit innerhalb des Judentmnö wieder zu erwecken und auch der nicht jüdischen Oefsentlichkeit vor Augen z»» führen, wieviel kulturelle, literarische u>»d künstlerische Werte innerhalb de- geknechteten Judentmns, im Ghetto, entstanden. Zunächst bekommen wir einen Ueberblick über die Existenz»ind den Verfall jüdischer S» n a g o• g e n, Bethäuser und anderer ritueller Baulichkeilen in den Provinzorten und Dörfern Böhmens. Diese Bauwerke sind durch eine tvpische Nachkriegserscheinung— dem Nbwandern der Juden vom flachen Land in die Großstadt— teilweise dem Verfall ausgesetzt. Rein architektonisch lehnen sich auch die jüdischen Bautverke an die sakralen Bausornten des Christentums in ihrer jetveiligen Entstehungsperiode an. So sehen wir äußerlich diesen Bauwerken gar nicht ihren Synagogencharakter an, sondern lvürdei» sie eher für kleine Landkirchen halten, wie es die Abbildungei» der Synagogen von Hotzenvlotz, Rezdäsov, Budhn, Hrouboviee und Toudleb», usw. beweisen. Das Buch vermittelt uns sodann die Kenntnis von der Bedeutung und den» Wert alter hebräischer IG r a b st e i lt e. Sie sind oft das einzige Ueber- bleibsel alter Siedlungen. Auch an den Grabsteinen kam» mau die ganze Entwicklung der Kunstgeschichte mitmachen, angesangen von den ganz einfachen Grabsteinen der frühesten Zeit bis z»i den barock verzierten und pompös auSgel-bmiickten Grabsteinen, wie etwa der des Polbeters David Hirsch n» Mißlitz auS dem Jahre 1728. l^pert Mund, und. Hals, VÄigt.^ ■Heiserkeit und. Infekt Ionen vor; erfrischend und durstst)lleneu,'(^ ALLEN APOTHEKEN,-.Uf Gin Tanzabend Sascha Leontjew ist uns ja schon seit einer Reihe voi» Jahren bekannt— und unvergeßlich. Die .LosefSlegende" gehört einer Kunstgestaltung an, die eigentlich erst im Werden isL Man könnte von einer Entwicklung über Wagner hina»»S sprechen: vom symphonischen Drama.— Die Voraussetzung dieser Kunst ist der geeignete Darsteller. Sascha Leontjew kommt z»» dieser neuen Kunst als Gerufener. Er ist keii» Tänzer.— Die Kunst behüte ihn davor, Tanz und Körperdichtung— die von den Wellen der Poesie, wie M»»sik durchflutet wird— zu vermengen. Sascha Leontjew ist einer der erste»» dar- stellei»de>» Künstler, die eine neue Kunst der neuen Bühne begründen helfen. Dieser Kunst liegt auch die Groteske Ironie, Satire, Parodie— wie der Künstler an seinem diesmalige»» Abend bewies,— weil die Kunst vieles gar nicht anders als ! so empfinden kann... So z. B. Parodie„Alda"— der„Gesunde Kranke",„Der schüchterne Freier" usw. Aber mich ohne zu wissen, der Programmnnmmer handelt und das ist Kriterimn bei Leontjew— seine Dar- stellungSkunst mit der ganzen Tragik seines„Gesan- genen", ebenso kann man auS„Jeder trägt sein Kreuz" diese Schriftzüge deS Körpers, diese dargestellte Schrift ablesen— ohne vorherige Worte. Wegweiser, Kotnmentar.— Während der Tanz, was man so nennt, den Raum zerbricht, gestaltet jene körpersymphonische Kunst den Raum zu sich selbst— und gibt sich u»»d Alles als neue Dunen- sion der leunst. Diese Kunst wirkt in letzter Vollendung nenan so unmittelbar, genau so ohne Führerrolle des Verstandes. wie Musik. Die einprägsam eindringende Gestaltung gilt auch von dem Zeit-Gebet:„Ich habe Hunger"... In welche Verlegenheitei» wird die Znkunstokunst den Zensor setzen, der bis nm» zwar Worte, sogar Gedanken(die zwischenwörtlich lächelten) konfiszieren konnte, aber nicht bewegungsdargestellte„Dinge"... konfisziere»» kam»... Der Part»»erin Leontjews, der P o d h a j s k ä, | entspricht die sinnensschwere und doch so bewegungS- j leichte Süße, wie im„Walzer",„Heilige Gestalt", k e r und der B u ch m a l e r kennen, die ja kunstgewerblich an» meisten für die Synagogen leisteten. Ein urkundlicher Anhang von Dr. Sinion Adler, Prag, bringt interessante Daten ans den» Archivmaterial jüdischer Landgemeinden. Da gibt es Abbildungen und Auszüge aus der Ronschvurger Chronik aus dei» Jahren bis 1773, die die Judenverfolgung durch die Kreuzzügler schilderten, sowie den Bestich des hohen Rabbi Löb aus Prag 16112 und 1(1-18 den Kampf der Juden gegen die Tabbatianer. Ferner Berichte vom Jahre 1742 über die Franzvsenbesetzung in Böhmen. Erste Zeitungsberichte(17-14) der AugSPurgischen-Ordinari-Posl- Zeitung und deS Donnerstag Extrablättleins über dieBertreibung der Inden auSBöh- n» e t» führen schließlich zur Abbildung des Gesuches der Jude»» Böhmens am 18. April 1841 an den Kaiser UM Aufhebung aller beschränkenden Gesetze, die gegen die Judenschast gerichtet waren. Ein wertvolles und interessantes Stück Kulturgeschichte ist in diesem Sannnelband zusammengefaßt worden, das nicht»»nr Inden,,sondern durch den Pa- ralleltsmus jüdischer nnd christlicher Kunst mich alle Nichtjuden Einen trag de»» kommt, Salda-Hitfskomitee. Es waren zun» Großteil deutsche Emigranten, die dem Abend eine. Buntheit gaben, die mit den» denkbar düstersten Hintergrund auf eine erregende, für feinere Nerven aufregende Art kontra- ftierte. Diese Darbietung ließ die ganze Problematik der Wohliütigkeit eines Publikums, das sich für l seinen Opfermut auch amüsieret» will, ost peinlich erleben, eine Problematik, die in diesem Fall noch bereichert Ivird durch die bedeutende Nuance, dar, nicht nur passiv, auch aktiv deutsche Emigranten, darunter Sozialisten, beteiligt waren; eine Men- schengruppe also, die in jedem Augenblick und gar an repräsentativer Stelle eine nicht ernsthaft und intensiv genug zu-verstehende Mission zu bewähre)» jhat: die nicht nur rhetorische, nicht nur artistische, nicht nur proklamierte, fonderit die'untfasfende, Vie lebendige Opposition der Lebenshaltung und des Kulturfiils. Es wurde hier schon einmal und bei ähnlicher Gelegenheit gesagt: die Ausgabe, die ,>u erfüllen ist, und gar die, für die das geformte, gestaltete Wort eingesetzt Ivird, ist um die ganze Tiefe deS Abgrunds, in den wir gestürzt siitd, größer und höher gelvorden Wer den Abgrund mit her- und j hernittergebrachten Schnörkeln und Ornamentet» eines banalen Witzes, einer penetrant dilettantischen Pathetik verziert, wird ihn vielleicht bald tvolmlich j finden. Seit die Geschichte den teutschen > Spießer.— Peter Käst las eine Skizze -„Braunspießer in Opposition"— für die Ge- ' i folgschast der Apokalypse bestimmt hat, kann er ' I nicht mehr zur Hauptfigur gemacht.lverden; die Be> i stürzung und Erschütterung, mit der tvir einen ’ Brandstisterprozeß unfaßbar erlebten, das Beispiel >| einer unendlichen Größe, das Dimilrosf gab, darf sich nicht gsianzelhast reimen, lveil zuviel Ilngereimles uns bedrängt: Hedda Zinner las eine„Ballade" aui Dimitrosf.— Nur lveil es in diesen Fällen um das | eigentliche Mittel des emigrierten revolutionären In kurzen Umrissen lernen lvir sodann die Ar- Künstlers, mit den» Kulturaesitlung nnd Kampsbeit der Silberschmiede, der Goldstik-I gesinnung zu behaupten und durchzusetzeit lvären. Troja im Schnee Bon Manfred Schwer schwingt die Moldau ihrem engen Bogen um die Stadt, eingezwängt in hartgeschnit» tcne Intarsien aus starrem Eiö und offenem fließenden Wasser, gleichsam gehemmt von der zähen Winterlust, die alle Bilder mit gelben Dunst beschlägt. Der Baumgarten drillten erscheint nur als blasse Rauchwand; die Hügel diesseits entschwinden ins Ungewisse. Bäume am Ufer stehen in schwarzen Flor gehüllt. Der Tag hat kein Licht und keinen Schatten. In dieser Stimmung mutet Schloß Troja »och verschollener an. Das sommerliche Spiel voi» funkelndem Licht und wehendem Blätterschattet» vermag noch mit malerischem Zauber zu täuschen — die winterliche Entkleidung macht die Vernachlässigung sichtbar, der die einstige Schönheit verfällt. Versunken in geschriebene Historie, eingesargt in Museen und Archive sind die Zeiten, in denen Schloß Troja entstand. Damals lebte der böhmische Adel auf der Höhe seiner Glanzentfaltung, während hinter der prunkvollen Verbrämung die aufstrebende kaiserlich-habsburgische HauSmacht allmählich auch die feudalen Machtpositionen den» entstehenden absolutistischen Staatswesen dienstbar machte. Böhmen war habsburgisches Land geworden. Die Bürgerstadt lebte untertänig, von der Gegenreformation bedrückt. Umso reicher baute der geistliche nnd Iveltliche Adel Kirchen, Palais und Schlösser wuchsen auf, auch dieses in Troja, als .Lusthaus" des Grafen Wenzel Adalbert von Sternberg. Der französische Malerarchitett Jean Baptiste Mathey baute es. Der Präger Erzbischof hatte ihn aus Rom nach Prag berufen. Für ihn baute Mathey das erzbischöfliche Palais auf dem Hradfchin, für den Kreuzherrenorden den Kuppelbau der Kreuzherrenkirche an der Karlsbrücke, für den Großmeister des Ordens, den Grafen Waldstein das Schloß in Dux. Die vornehmen Proportionen, die klare, beinahe kühle Ruhe der Gliederung, der sparsame Schinuck der Flächet»— maßvolle Zurückhaltung kurz vor der üppigsten Entfesselung deö Barock— zeichnet auch Schloß Troja aus. Umso lustvoller, rauschfreudiger schwingt sich die Freitreppe vor, die berühmte Treppe des Schlosses Troja, ein barockes Bacchanal blühender Formen, ausschwingend gegen die Terrassen, gegen den Park, dessen achsiale Alleen gestutzter Linden Ivie die maßvolle Bändigung des plastischen Ue.ber- schwangeS wirken, der sich auf diese Treppe zusammendrängt. Man kann sich ungefähr die Schönheit denke», mit der diese Treppe in die grüne Landschaft hinauSleuchteie, als sie ne»» war, als das Leben, wie eS einem Lustschlosse entsprach, die Räume und den Park farbig erfüllte, lind cs mag noch reif genug gewesen sein, als Freiherr von Stein, 1808 von» König in Ungnaden entlassen, von Napoleon geächtet, als Gast eines späteren Grasen Sternberg hier lebte, als er im Kreise der Thun, Nostiz, Ezcrnin, Kolowrat, die Schriften Arndts vorlas.„Ich werde dieses Land der Gutmütigkeit und Rechtlichkeit nie verlassen." Dieses Kompliment eines Emigranten für Böhmen stammt von ihm, sicher mitgeformt vom Tro- faer Sommer— und nun als Wort des Dankes für gewährte Gastfreundschaft widerhallend im Herzen ganz anderer Emigranten. I Kaum noch ein Abglanz vergangener Tage liegt über allem. Spuren des Verfalls entstellen die einstige Schönheit. Die Mauern der Terrassen bröckeln. Gesträuch, wild und ungebändigt, sprengt das Gefüge. Ein roher Stängclzaun verwehrt die Betrachtung der schönen Treppe. Schnee liegt auf den Köpfen und Gliedern der Figuren; hier wirkt er nicht einfach als launige tvinterllche Biaokerade — man weiß um das leise Naget» der Verwitterung unter den Schneemützen. Die Parkfajsade des Schlosses ist kein Antlitz mehr; sie fdjaut niemandem entgegen. Die Perspektive der Lindenallee, einstmals wohlerwogene Blicksührung zwischen Schloß und Mvldauufer, läuft sich tot vor einem morschen Holztor, dessen engen Durchlaß nur Obstkäufcr und Gutsarbeiter passieren. Das Schloß liegt abseits, beiseite gestellt. Es ist schade drum. Man wünscht dem Schlosse die Wiedergabe für eine Bestimmung, die eS aus der Verschlossenheit zurückholt ins gegenwärtige Leben, es dienstbar macht einem Zweck, einer sozialen Nutzung, für die es die reizvolle Lage am Ufer der Moldau als Gegenüber deL Baumgartens, die ganze landschaftliche Situation in vorteilhafter Nähe der Stadt so gut geeignet macht. Hähne krähen im Dorfe. Und— was war das? Es klang wie Naubiiecschrei. Löwengebrüll in Troja— hinter dem Schlosse liegt der Zoo. Auch er winterlich kahl, entblättert, verschneit; anch hier ist man allein um diese Zeit. Löwen, Tiger und andere wärmebedürstige Tiere überwintern in den Käfigbaracken. In der Mittagsstunde empfangen die exotischen Herrschaften nicht. Hinter den trüben Scheiben sieht man sie im Halbdunkel in rastlosem Hin und Her im engen vergitterten Raum, von Zeit zu Zeit brüllend in dumpfem Verlangen, oder stoisch ruhend wie schwere Dentmalslöwen. Was im Freien überwintert, freut sich über den einen Besucher, der da endlich erscheint. Hirsche, Rehe, die zotteligen Ponys, der Mufflon mit seinen» dekorativen Gehörn lommen ans Gitter gelaufen und beschnuppern erwartungsvoll den Gast, die frommen Zebus schnaufen warm durch die Stangen, sogar die Wölfe lassen sich herbei. Ein kleiner Fuchs schmiegt sich an die Stäbe, streckt sich mit eingestemmten Vorderpfoten und dehnt sich, gähnend wie eine Katze, empsänglich und dankbar für die Abwechslung in der Ocdc des Daseins. Die bunten Fasanen schreiten heran, sprühend von Farben; Fasanen im Schnee— japanische Malerei auf Seide. Die Eulen hocken im Halbdunkel, regungslos, aus einem Stück; und die bläulichen Lider der Augen klappen aller Sekunden wie Kameraverschlüsse über die starren Pupillen. Durch die Maschen des RaubvogelkäsigS schlüpfen die Amseln ein und aus, unbeachtet von den Adlern und Geiern, die in heraldischer Pose vor sich hindösen. Es schneit auf Indien und Afrika. Anch hier ist oas Dasein seinem Wesen entrückt; die sommerliche Belebung fehlt; kalt und nackt machen die Käsigstangen die Gefangenschaft sichtbar. Ganz nnd gar munter ist nur der Buntspecht. In seinen» Käfig hat man ihm einen hohlen, wurmstichigen Stamm gestellt. An dem klettert er auf und ab, hämmert, beäugt prüfend den Besucher, klettert eitle, viertel Spirale weiter und klopft unermüdlich sein Morsealphabet auf den Stamm; doch als Antwort schallt nur-das heisere Hurrageschrei der Krähen von den Bäumen am Moldauufer her; die sind leine Sehenswürdigkeit wie die Tiere hier— aber sie sind freit ectte« SmmtLO, 28. Jänner 1834 Mr. M ,Toziakdkm»krat^ T Bekannt ah leuditendex Dorbild Geschätzt wegen guter Qualität nusgenützt wegen fabelhaft billiger Preise 445 URANSTALT jlREKHENBERG Dann erkrankte sie und da zeigte eS sich, daß sie doch nicht so ganz ,^ur Familie" gehöre. Man warf sie nämlich ohne weiteres aufs P f l a st e r und nun gingen der schamlos Ausgebeuteten endlich die Augen auf und fie überreichte die Klage auf Bezahlung derKündigungü- frist und Ausstellung eines Zeugnisses, das man ihr natürlich gleichfalls verweigert hatte, weil sie ja„zur Fmnilie gehört" hab« und weil man wußte, daß auf Grund des Zeugnisses die zuständige Stelle der Sozialversicherung nachträglich die unter fadenscheinigem Vorwand unterlassene Anmeldung der Hausgehilfin erzwingen und die nicht gezahlten Beiträge eintreiben werd«, gar nicht zu reden von der Geldstrafe, die auf derartige Un- terltrssungen gesetzt ist. Der Richter ließ der Dmne im Pelz selbst die Obliegenheiten des..Schützlings" aufzählen. Das genügte. Nach kurzer Beratung wurde die Beklagte in beiden Punkten der Klage fürsach- fällig erkannt und sowohl zur Bezahlung der Kündigungsfrist, als auch zur Ausstellung eines den gesetzlichen Vorschriften entsprechenden Zeugnisses venwteilt. Das Gericht ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß tatsächlich ein Dienstverhältnis vorgelegen habe, ungeachtet der verschleiernden Begleitumstände. Solcher getarnter" Dienstverhältnisse gibt eS mehr als genug. ES ist Sache der ausgenützten Personen, stch ihr Recht zu holen. Rat und Hilfe findet der Arbeitnehmer bei seiner gewerkschaftlichen Organisation. rb Sulchwaren der Fa. HEGNER A Cie.,PILSEN SIND DIE ALLERBESTENI Deutsche sozialdemokratische Bezirks organisation Prag Verlangen Sie In jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Prag, 27. Jänner. Von der sozialen Lage der Hausgehilfinnen legen die alltäglich abge« führten kleinen Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht ein beredtes Zeugnis ab. Jeder einzelne Fall ist klein und scheinbar unbedeutend; zusammcn- gefaßt ergibt sich«in schweres Anklagematerial gegen das gegenwärtige Gesellschaftssystem. Wir werden demnächst unserer Oeffentlichkeit einen summarischen Bericht über die Haupttypen solcher vor Gericht kommenden Fälle vorlegen. Dieser Fall aber verdient ein besonderes Referat. Die Klägerin ist eine arbeitslos gewordene, ehemalige„höhere" Angestellte. Sie lourde arbeitslos, geriet in das große Elend der Arbeitslosen uitd war schließlich froh, als sich die KaufmannSgattin H e r- l a n ihrer„annahm". ES war, wie diese Dmne in kostbarem Pelz und dreifacher Speckschwarte vor Gericht betonte„ein Werk derBarmherzig- keit". Sie nahm die Arbeitslose auf und bewilligte ihr gnädigst: zu kochen, aufzuräumen, die Wohnung instandzuhalten, den Boden zu waschen, die Kinder zu warten, die Wäsche zu flicken und noch vielerlei anderes. Als Entgelt für diese Arbeiten er- hielt der„Schützling" sage und schreibe zwanzig KL pro Woche. Natürlich fiel eö der gnädigen Frau nicht ein, diese billig schuftende Dienstkraft zur Sozialversicherung anzumelden. „Sie sind doch kernDi-en st Mädchen " wurde ihr ständig eingepauft„Sie gehören zur Familie!" Die Klägerin tat fast ein Jahr lang Dienst. Kranke Frauen erfahren durch den Gebrauch des natürlichen„Franz-Josef".Bitterwassers Ungehindert«, leichte Darmentleerung, womit oft eine außerordentlich wohltuende Rückwirkung auf die erkrankten Organe verbunden ist. Aerztlich empfohlen. 2106 Freitag, 8 Uhr:„Pointillismus und Kubismus: Signac und Picasso". Dr. Max D e r i.„Naturalismus und Impressionismus" IV. Samstag, 3 Nhr:„Schön bist du. oh Schweizerland" Kulturfilm. Masaryk-Volkshochschule Heute, 3 Uhr: Opernstudio. Oberregisseur Steinschneider und Kapellmeister Aron.— 10 Uhr: Handelskurs.— 10 Uhr: Opernstudio. Montag, halb 7 Uhr:„Einführung in die Weltliteratur". l. Slawische Literatur. Dr. Anton Moucha. Das Programm: 1. Feber: Einleitung: Der Sozialismus als Sol° turproblem.(Dr. E. Franzel.) 1b. Feber: Unser« Stellung zum Theater» (Goldschmidt.) 22. Feber: Unsere Stellung zum Fllm. (Dr. Lustig.) 1. Ntärz: Aeber die bildende Kunst. (Dr. Max Trri.l 8. März: Religion und Sozialismus. (Dr. Heinrich Hofmann.) 1b. März: Sozialistische Lebensführung. (Hofbauer.) Alle Vorträge finden unter der Leitung da Bildungsausschusses statt. Diskussion nach jede« Vortrag. Regiebeitrag für den gesamten Kurs 10 KL.(Zu entrichten am Beginn des ersten Abends.) Beitrag für jeden einzelnen Abend 8 KL. Anmeldungen(auch von Nichtmitgliederu der Partei und der Kulturorganisationen) sind sofort zu richten an Genosten L. Goldschmidt, zialdemokrat". Praa XII., Fochova 62. Misteünugen Ser„Urania" Wochenprogramm vom 28. Jänner bis etnschltetzttch 3. Feber Heute, 3 Uhr: Norwegen und sein Wintersport. Dänemark, daS grüne Jnselreich. Kulturfilm.— Halb 11 Uhr: Filmrückschau auf die Jahre 1008 bis 1020. Mit einleitendem Vortrag. Dr. HanS Feld und Dr. Franz Glaser. Montag, 8 Uhr:„Wege zum Musikverständnis durch aktives Hören." Prof. Kestenberg:„Beethoven als Erzieher".— 140 Uhr: Filmrückschau aus die Jahre 1005—1020. Mit einleitendem Vortrag. DienStag, 8 Uhr: Urania-Radiobund. Mittwoch, 3 Uhr: Kindernachmittag. Grotesken und Lustspiele.— 8 Uhr:„Traum eines lächerlichen Menschen".(Dostojewski.) Rezitationsabend Midi« Pines. Donnerstag, 8 Uhr:„Allgemeine Ernährungsfragen". Geheimer Medizinalrat Univ.-Prof. Dr C. v. Noorden(Wien).— 8 Uhr:„Ostpolitik auS dem Mittelalter". Univ.-Prof. Dr. H. Zat« schek.„Osten und Westen" III. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnS HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 06.—, ganzjährig KL 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Rewurmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und v-r-««un-m, direktion mit Erlaß Nr. 18.800/VII/1080 bewilligt.— Druckerei:.FDrbiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. Filme in Prager Llditsplelhihisem bis einschließlich Donnerstag, de« 1. Frier. Alfa:„Der klein« König". FLnix:„Kinder der Großstadt— La Maternelle." JtÜii» „Unter Deinem Schutz." Kinema, B.-Th.: Journale, Report. Groteske. Kowa:„Der ewige Jude." Ln- eerna:„Der ewige Jude." Olympie: Zeise flehen meine Lieder." Praha:„BiScotS Abenteuer". Skautr „BiScotS Abenteuer". Akademie:„Der Fall des Tyrannen." Carlton: ,Ln einer kleinen Garnison." Lido:„Ein Herz für ein Lied." Sport-Smtchoo: „Ein Herz für ein Lied." U Bejvodn:„Der Fluß." geht, sei von einen: sozialistischen Beobachter des Abends gerade bei dieser Gelegenheit auf die Rangordnung der Zwecke, eines wirklich höheren vor dem wohltätigen, aufmerksam gemacht, Im übrigen sei dem Bemühen der Mitwirkendenund des Komitees herzlichst gedankt und das finanzielle Gelingen einer Veranstaltung erhofft, bei der die ohne ideologische Ambition dargebrachtcn kabarettistischen Freundlichkeiten wirklich erfreuten, vor allem SentaBornS Schattentanz, und Sonja Wronkows Chansons. A n t o n K u h erschien diesmal in der talentierten Verkleidung eines eigenen„Gegenfüßlers" und erledigte polemisch mit präziser und amüsanter Selbsteinschätzung den Typ, dem er seit eh und je zugehört, den Typ des„scheinbar zum Geist legiti- mierten" Amvsierintelltktuellen. Sonst bedankte sich das zahlreiche Publikuu: mit viel Applaus noch bei Fritz Volk, Walter Taub, Fritz I a e o b y, E. F. Burian, Lux Rodenberg, Christa Bühler, Maria Norden, Robert Klein-Lörk und Max Gründer«.«. h. Arbritervorstellung„Der eingebildete Kranke", Lustspiel von Mokiere. Vorher:„Les petits riens", Ballett von Mozart. Sonntag, den 4. Feber, um halb 3 Uhr im Neuen Deutsche^ Theater. Karten täglich vm: 8—2,4—6 Uhr bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna. Erstaufführung„BoriS Godunow" Sonntag, den 4. Feber. In den Hauptpartien die Damen: Eisinger, Kindermann, Pauly, Nied, Rohne, Schilp; und die Herren: Andersen, Fischer, Fuchs, Hagen, Hattemer, Hey, Hotter, Libal, Masäk, Reiter, Scheid!. Dirigent: Szöll. Regie: Mordo.(C1.) Gutscheine ungültig! Wochenspielpkan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag, 11 Uhr: Kammermusik, AA; 2% Uhr: GoldeneSPrag, AA; 7’i Uhr: Tango um Mitternacht, B 1.— Montag, 7% Uhr: Der blaue Vogel, volkStüml. Vorstellung.— Dienstag. 7% Uhr: Fidelio, Zyklus III, A 2.— Mittwoch, 7% Uhr: Zwei Herzen im Dreivierteltakt, BI.— Donnerstag, 7'ch Uhr: Der Barbier von Sevilla, C 1.— Freitag. 7Uhr: Die verkaufte Braut, D 2. Bankbeamte und freier Verkauf.— Samstag, 7% Uhr: Goldenes Prag, AÄ.— Sonntag, 2% Uhr: Arbeitervorstellung: Les PetitS rirnS, Der eingebildete Kranke; 7 Uhr: Boris Godunow. Erslaufführnng, C 1. Wochrnspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, 3 Uhr: Trafik ihrer Exzellenz; 8 Uhr: Weißer Flieder.— Montag, 8 Uhr: Der eingebildete Kranke, Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag, 8 Uhr: Weißer Flieder.— Mittwoch, 8 Uhr: Towarifch.— Donnerstag, 7'ch Uhr: Die andere Seite, Erstaufführung.— Freitag; 8 Uhr: Weißer Flieder.— SamStag, 8 Uhr: Die andere Seite.— Sonntag, 8 Uhr: DesirLe; 7% Uhr: Katze im Sack, Erstaufführung. Volkstümlicher Kurs über kulturelle Fragen Der Bildungsausschuß der BczirlSorganisation Prag veranstaltet im Feber—März 1084 einen populären LehrkurS über kulturpolitische Fragen, der eine notwendige und sicherlich bcgcüßenS- werte Ergänzung der bisher verunstalteten politischen KnrSabendc darstellen soll. ES ergeht hiermit an alle Mitglieder der P a r- tei und der deutschen sozialistischen Kulturorganisationen in Prag und an alle Freunde unserer Bewegung die Einladung zur Teilnahme an den für sechs Abende anbcraumten Kurs Rulturfragen des Sozialismus Die Vorträge sinden immer in der Zeit vom 1. Feber bi» 15. März Donnerstag abends halb 8 Uhr im Parteihei« (Prag II., Närodni 4: statt, wobei nur der 8. Feber (mit Rücksicht auf die an diesem Abend stattfindend« Generalversammlung der Bezirksorgänisation) entfällt. Vcrdnsnadtrldilcn Deutsche Bollssinggemrinde Prag. Die nächste UebungSstunde findet Dienstag, den SO. Jänner, statt. Vorher AuSschutz- s i tz u n g, Beginn 7 Uhr. Klub deutscher Buchdrucker in Prag. Samstag, den 8. Feber, im Saale des Handwerkervereins Faschingball, zu welchem Masken erwünscht sind. Eintritt im Vorverkauf 10 KL, an der Kasta.18 KL. WUJUAJMUAHJHUäUil Phyatkal. dIStet. Heilmethoden— Schrothkuren MMlce Preise.— Chefarzt Dr. J. NaoaebaMH Aaittaltai Kuranstalt oder Sarah B. Md Der kleine Als der französische Regiffeur Duvivier vor drei Jahren den Film„David Golder" geschaffen hatte, haben ihn viele als Meister der Regie begrsißt. Aber sie haben geirrt: Duvivier ist kein Meister der Regle, sondern nur ein ehrgeiziger DurchschnittSre- gisseur. Aber er ist ein Meister der Entdeckungen. Wie er danialS den großartigen Schauspieler Harry Baur für den Film entdeckt hat, so hat er später den Knaben Robert L y n e n entdeckt, der als„Poil de Carotte" Bewunderung erregte und sich jetzt als kleiner König von neuem vorstellt. Duvivier und Lynen ringen hier mit den Mängeln des Manuskripts. Die Geschichte von dem könig« Ei«„Werk der Barmherzigkeit" vor dem Arbeitsgericht Alle Hausarbeiten verrichten; 2V Ke Wochenlohn; keine Sozialversicherung; krank aufs Pflaster— das heißt: zur Familie gehörig! Der Film Der ewige Jude ’ Der englische Film ist im Aufstieg. Er hat— mit internationalen Kräften— seit kurzem internationale Beachtung gefunden. Mit dem ungarischen Regisseur Alexander Korda, der den respektablen Filn: vom Privatleben Heinrich des Achten und mit dem Deutsch-Ungarn Paul Czinner, der den Film von Katharina der Großen schuf(den wir hier noch nicht gesehen haben). Mit dem englischen Schauspieler Charles Langhton, der als König Blaubart den Weg zum Wcltruhm beschritt. Und mit einer Reihe deutscher Schauspieler, die sich, teils vom braunen Terror und teils freiwillig„ausgeschaltet". an der Themse niedergelassen haben, voran Elisabeth Berg- ner und Conrad Beidt. ES ist keine Uebertreibung, wenn nmn feststellt, daß Conrad Beidt als Hauptdarsteller der stärkste Wert dieses Filmwerks vom ewigen Juden ist. Seine Erscheinung und sein Spiel sind interessanter als die (au« einem englischen Theaterstück entnommene) Handlung,— und seine Art zn sprechen und zu lachen, mit zögernden oder sicheren Schritten, mit fragenden oder müden Blicken ein Menschcnschicksal zu nmreißen, ist eindrucksvoller als die pomphaft-pathetische Maffenregie, mit der Maurice E l v e y hier eine Legende mehr veropert als verfilmt hat. Wer erwartet hat, in diesem Film einen Beitrag zur heute gestellten Jndenfrage zu finden, der wird enttäuscht. Hier wird nur ein Bilderbuch aufgeschlagen, das die alte Legende vom unerhört wandernden, auf Christi Wiederkehr wartenden Juden enthält. Hier luerdcn— als Mastenschauspiele— der Zug nach Golgatha, ein mittelalterliches Turnier und eine Szene der spanischen Inquisition gezeigt. Hier hören wir— in schwungvollen Jamben— von jüdischem Stolz und jüdischer Feigheit, von christlicher Demut und christlichem Haß, von Habgier und Güte eines gehetzten Volkes,— und wenn schließlich der ewige Jude auf dem Scheiterhaufen endet und selbst ein zweiter Heiland geworden ist, dann tviffen wir noch immer nicht, ob hier Toleranz oder Assimilation, ob jüdischer Fatalismus oder christliche Reue oder ob alles zusammen gepredigt worden ist. Der englische Film wird, wenn er seinen Aufstieg fortsetzen will, auf die Vorliebe fiir den historischen Ausstattungsstil verzichten müssen. Ohne diese Vorliebe hätte der Film von Heinrich dem Achten eine Satire im Geiste Shaws— und dieser Film vom ewigen Juden die hinreißende Aktualisierung einer Legende werden können. So aber ist alles, toas sozial gedeutet werden muß, in religiöser Verklärung loder richtiger, Verunklärnng) gefangen geblieben. DaS historische Gewand überdeckt daS Gegenwartsschicksal, und daS legendäre Pathos ein Wirklichkeitsproblem. Wäre Conrad Beidt nicht und mit ihm ein paar dramatische bezwingende, menschliche Szenen. — daS Ganze wäre nur ein Aufwand und kein Eindruck.—eiS— lichen Knaben, der Kind sein will und sich auS dem Palast heraus nach der Mutter und der Freiheit sehnt, bis er schließlich— mit Hilfe eines AerzteS und einer Revolution— beide findet, ist Iveder spannend noch bedeutend. Sie gibt Anlaß zu ein paar satirischen Hosszencn, die Duvivier behutsam-nett gestaltet hat, zu einer Reihe rührender Momente, die nicht sehr Ivirksam werden— und dann natürlich zu allerhand Kindlichem, daS nicht schlecht gerät,— aber der Eindruck der unvergleichlichen Kinderszenen dcS „Maternelle"-Films ist noch zu frisch, als daß sich AehnlicheS daneben behaupten könnte. Der Regisseur hat versucht, die Sache durch seltsame Einfälle interessanter zu machen als sie ist. Er stattet einen Palast, in dem eS sehr modern zugeht, mit Zugbrücken und eine Krönungszeremonie mit gespenstischen Bräuchen aus. Der kindliche Hauptdarsteller versucht, sich so natürlich zu geben wie eS die Handlung erlaubt. Und da eS ihm fast immer gelingt, rettet er fast alles.—eis— Ter Stern von Valencia.„Die schönen Tage von Aranjuez" sind kaum zu Ende—• und schon kommt uns die Ufa wieder auf spanisch. Aber wir sehen aufs neue, daß sie nicht spanisch, sondern hitle- risch ist,— und was sie hier schimmern läßt, daS ist kein Stern, sondern der braun« Sumpf einer Schundliteratur, die sich an Mord, Mädchenhandel und Eleganz vergnügt. An diesen Ufa-Darbietungen ist wahrhaftig nur das Eine zu bewundern: daß man sie hier zu zeigen wagt. In ihrer Heimat sind dies« Produkte der Hakenkreuz-Film-Schmiere pünktlich durchgrsallen. Sollen wir uns davon überzeugen, daß dieses Schicksal verdient war? Wir können eS unbesehen glauben. Man verschone unS nun endlich...—eiS— Sdiillen IDeibe IDodie Prag, na Ptihopä 7-11 29. Jänner-10. Feber