x cademie r a h oernake Einzpinreis 70 Heiter (•InKhhebKch 5 Heller Porto) ERSCH'CN MIT AUSNAHME DES MONTAG TA'GL.CH FRÜH. REDAKTION UNO VERWALTUNG PRAG XII., FOCHOVA«2. TELEFON 53077. ADMINISTRATION TELEFON 53076. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. IEHTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 14. Jahrgang Dienstag, 3». Jänner 1934 Nr. 24 Erst Gleichberechtigung Die sozialdemokratische Antwort an DollffuB Wien, 29. Jänner. Der Parieirat der sozialdemokratischen Partei, dem bekanntlich weder Mandatare noch Angestellte der P arte! oder der Gewerkschaften angehören, hat gestern-» dem„Appell" des BnndeSkanzlrr» Dollfuß vom 18. Jänner, dem alsbald das Kolportage-Berbot der„Arbeiter-Zeitung" folgt«, Stellung genommen. Es ist bezeichnend, daß dieser Beschluß in der heutigen„Arbeiter- Zeitung" za zwei Dritteln konfis- ziert wurde, und zwar gerade an jenen Ste llen, in denen erklärt wird, daß die Arbeftrr- schaft zur Mftarbeft nnrnuterderZnsichernng ihrer verfassungsmäßigen Freiheitsrechte bereit ist. Wir veriffentlichen nachfolgend die ganze Resolution: Suvich fährt auch nach Budapest Rom, 29. Jänner. In der zweiten Hälfte drS Monates Feber wird sich der italienische ttn- terstaalSsekretär im Außenministerium Suvich nach Budapest begeben, um dir Besuche zu erwidern, die der ungarische Ministerpräsident und der Außenminister Mussolini abgestattet haben. Balkanpakt noch diese Woche Belgrad, 20. Jänner. Am 2. Feber werden in Belgrad der rumänische Außenminister T i t u- I c ö c u, der türkische Außenminister T e w f i k Ruchdi Bey, der griechische Außenminister M a x i m o s und der jugoslawische Außenminister I e v t i c Zusammentreffen, um sich über den Balkanpakt zu einigen. Doch Völkerbundaktion? Paris, 29. Jänner.„PetitParisien" zufolge ist, wie die lebten Meldungen besagen, Großbritannien doch der Ansicht, daß Oesterreich seine Beschwerden gegen Deutschland dem Völ» kcrbundSrat unterbreiten soll. Der römische Berichterstatter des„T e m p L" Meldet: Die italienische Regierung scheint der Msicht zuzuneigen, gleichzeitig mit der britt- scheu Regierung in Berlin eine diplomattsche Demarche in der österreichischen Frage zu unternehmen. Die italienische Regierung will aber üicht selbst die Anregung zu einem solchen Schritt geben und würde entschieden eine freundschaftliche Regelung der ganzen Angelegenheit vorzie- brn. Im Rom hofft man immer noch, daß die deutsche Antwort auf die österreichische Note der Diener Regierung die gewünschte Beruhigung geben werde. Tollfuß selbst erklärte Montag in einer Rede auf dem niederösterrcichischen Bauerntag. er werde, falls die deutsche Antwort nicht eine entsprechende Klarheit und Sicherheit bringe,„die jtvnscquenzen ziehen". Dollar- und Pfund- stabillsieruns? New Jork, 29. Jänner.(HavaS.) Meldungen amerikanischer Zeitungen zufolge, beabsichtigt die Negierung der Bereinigten Staaten sofort nach der definitiven Annahme des Roosevelt- schen Finanzplanes die Brrhandlungrn mit der dtttischrn Regierung über die endgültige Stabilisierung des Dollars und deS Pfund Sterling aufznnehmen. ein schwerer Schlag gegen das Prestige der Hitler- Regierung Zum deutsch-polnischen Pakt schreibt die Moskauer„I 8 w e st i j a" u. a.: Ebenso wie Deutschland durch das West-Lo- earno die französisch-deutsche Grenze anerkannte, anerkennt cs jetzt die polnisch-deutsche Grenze. Wenn sich diese Anerkennung aufrichtig erwiese, so würde sic den Verzicht Deutschlands auf jene Politik bedeuten, fiir die eS mit der größten Konsequenz während der ganzen Nachkriegszeit plädiert hat. Die Tatsache, daß gerade die Hitler- Regierung genötigt Ivar, ein Uebereinkommcn mit Polen zu unterzeichnen, worin sie auf gewaltsame Acndcrungen der Versailler Grenzen im Osten verzichtet, zeugt von der t i e f e n B e s o r g n i S, von der der Führer der deutschen Politik infolge der außenpolüischen Isolierung ergriffen sei. Trotz den Begrüßungen seitens der fascisttschen Presse Deutschlands, anläßlich deS deutsch-polnischen Vertrages bedeutet er einen schweren Schlag gegendasPrestige der Hitler-Regierung und ruft unvermeidlich eine große Unzufriedenheit in den Kreisen der deutschen Nationalsozialisten,, besonders in Preußen hervor. Dies ist der deutschen Negierung nicht vnniger bekannt, als unbeteiligten Beobachter». „Der Bundeskanzler hat am 18. Jänner einen Appell an„jene Kreise der Bevölkerung" gerichtet,„die a«S Ilafsrnkämpferischrn Gründen bisher noch abseits stehen." Er hat dm Wunsch ausgesprochen, daß seine Argnmmte von der Arbeiterschaft beachtet werdm. Der Parteirat erinnert daran, daß dir österreichische Sozialdemokmtte, insbesondere auch in dm Beschlüssen des Parteitages vom 8. Dezember 1933, ihre Bereitschaft erklärt hat. an einer friedlichen»nd verfassungSmä- siigenEntwirrnng der politische» Krise mitznw irken. Der Parteirat erklärt, daß die sozialdemokratische Arbeiterschaft anch jetzt in jedem Augenblicke zu d i e s e r Mitwirk»», bereit ist. Der Parteirat stellt aber fest, daß sowohl der seit dem März planmäßig immer weiter geführte Abbau der FreiheitSrrchte des Balkes»nd der sv- zialm Rechte der Arbeiter, Angestellten und Be- amtm, alS auch vieles, was man bisher über die BerfassnngSplänr der Regierung gehört hat, jme „innere Bereitschaft" der Arbeiterschaft zur Mitarbeit, die der Bundeskanzler in seiner Rede vom 18. Jänner gefordert hat, nicht aufkommm lassen. Die neue Notverordnung behält die Arbeitsstellen bei den Arbeite» für den Bund dm Angehörigen der den Regierungsparteien parteimässig zugehörmden Organisationen vor. Der Bundeskanzler kann nicht die„innere Bereitschaft" zur Mitarbeit von Menschen fordem, die, seit Jahre» arbeitslos, jetzt erfahrm, daß sie ihrer Gesinnung, ihrer Ideale wegen von der Arbeit ausgeschlossen werden.Mitarbeiten, Mitwirken können nurGleichberechtigte. Der Bundeskanzler kann femer die„innere Bereitschaft" der Arbeiterschaft zur Mitarbeit an der Durchführung von Plänm nicht erwartm, die der Arbeiterschaft noch nicht bekannt sind. Wenn aber eine LerfaffungSrefonn auf verfas- s n n g s m ä si i g e m Wege geschaffen werden soll, wmn sie die Gesetzgebung durch auf Gnmd In einer Rede anläßlich einer Führertagung hat Starhemberg gestern direkt die Bedingungen ausgestellt, die er, der doch überhaupt kein RegiemngSmni bekleidet, für Verhmidlungen mit Hitler stellt: Adolf Hitler anerkennt schriftlich die Unabhängigkeit Oesterreichs; er anerkennt schriftlich, daß der Fascismus in Oesterreich durch den österreichischen Heimatschutz vertreten wird und daß daher eine nattonalsozialistische Partei in Oesterreich übcrflüsiig ist. Hitler verpflichtet sich schriftlich, niemals den Versuch zu untemchmen, nichtösterreichische Deutsche in die Führung zu bringen. Wenn Hitler diese Voraussetzungen schriftlich anerkennt, sei Starhemberg bereit, darüber zu sprechen, in toelchcr Form Oesterreich in außenpolitischer Beziehung der deutschen RcichSregicrnng seine Unter- Die polittschen Reden, die am heutigen Montag von Dollfuß und Starhemberg gehalten tvurden, beweisen, wie wenig man dort den Ernst der Situation in Oesterreich abschähcn kann. Herr Dollfuß hat heute im christlichsozialen Freiheitsbund wieder eine Rede gehalten, in der er zu der Stellungnahme des ParteirateS kein Wort sagte, hingegen seine berühmte deS allgemeinen und gleichen Wahlrechtes gewählte Körperschaften im Bunde und in den Län- dem und daS freie KoalitionSrrcht der Arbeiter und Angrftelltm gewährleistet, dann wird die Arbeiter- und Angestelltenschaft sicherlich znr Mitarbeit an der Schaffung einer solchm Verfassung bereit fei«. Die sozialdemokratischen Arbeiter«nd Angestellten stehen zur Unabhängigkeit Oesterreichs«nd sind bereit, sie m i t a l l e n R i 11 e l n zu verteidigen. Sind doch die Arbeiter und Angestellten die erbittersten Feinde des National- fascismus, der, wie Deutschland zeigt, dir Arbeiter im Staat wie im Betrieb zu rechtlosen Sklaven erniedrigt. Aber der Kampf gegen den National- sascismuS, der die Unabhängigkeit Oesterreichs bedroht, kann nur dann wirksam geführt werden, wen« die Propaganda aller dem NationalfasriS- nchS feindlichen Parteien von beengenden Schranken befreit wird; wmn der Arbeiter- und Ange- stelltmfchaft die Gewähr geboten wird, daß sie ihre eigene Freiheit schützt, indem sie die Unabhängigkeit verteidigt, und wmn alle demokratischrnKräfte im Lande, unbeschadet ihrer sonstigen Gegensätze, im Kampfe gegen jedweden FascismuS und zur planmässigen Erneuerung der Wirtschaft, znr Eindämmung der Arbeitslosigkeit zusanimcnwirken. »« Der Parteirat hat überdies Weisungen für die Fortsetzung des AbwchrkampfeS der Arbeiterklasse gegen alle fascisttschen Bestrebungen beschlossen, die unmittelbar den Organisationen übermittelt loerden. «» Sicher ist, daß die politische Lage in Oesterreich weiter höchst unklar und voller Spannungen und Gefahren bleibt. Der AustrofasciSmuS, dessen Organisation die Hcinnvehren sind, verkündet nach Ivie vor alS sein Ziel die gänzliche Niedcrlverfung der„Marxisten". Die Arbeiterschaft muß also weiter bereitscin, sichunddieRepu- blik, wenn cS notwendig wird, mit allen Mitteln zu verteidigen. Ein Jahr Hitler Dersudi einer Bilanz Am 30. Jänner 1933 ist in den Gemächern deS Reichspräsidenten und des Herrn von Papen die Entscheidung über das künftige Schicksal Deutschlands gefallen, von dem wir somit genau ein Jahr absondern und der Vcr- gangenheit zuweisen können. Welcher Bruchteil dieses Jahr einmal in der Gcsamtära des deut- schon FasciSmuS darstcllcn wird, das wird wesentlich von dem Grad der Erkenntnis abhän- gcn, mit der wir das Wesen des Fascismus zu durchdringen Md die Voraussetzungen, zu seiner Ueberwindung zu schaffen verstehen. Darum sei versucht, nüchtern und ehrlich die Bilanz eines Jahre« zu ziehen. Vor Weg zur Macht Die sogenannte„nationale Revolution" hat nicht durch einen Aufstand der Massen, nicht einmal durch einen Putsch, ja zum Unterschied von Mussolinis Aufstieg, nickst einmal durch eine drohende demonstrative Geste, einen Marsch nach Berlin etlva, über die Republik gesiegt. Mit dem Sturz BrüningS und mit dern Staatsstreich vom 20. Juli 1933, den die dcmokrcstischc Linke widerstandslos hinnahm, hatte sich die altprcu- ßischc Junkerklasse, verbündet mit der Schwerindustrie und den Großbanken, in den Besitz der Reichserekutille und der preußischen Staatsmacht gesetzt. Zunächst versuchten die Junker, allein zu regieren. Dieser Versuch scheitert an der Unfähigkeit, der materiellen wie der gci- fügen, des Herrn von Papen und seiner tkum» panc, die Söldnerbeiucgung der Nationalsozialisten loszutverdcn. Sie läßt sich nicht mit Brok- ken abspeisen, sondern fordert in richtiger Erkenntnis ihrer geschichtlichen Rolle, die bei einer Festigung deS Regimes zu Ende gewesen wäre („der Mohr hat seine Schnldigkeit getan— der Mohr kann gehn"!) die Sicherung ihrer Beute, die g a n z c Staatsmacht. Selbstverständlich mar sic auch damals schon bereit, den Geld- und Auftraggebern ihrerseits die Leistung nicht vor zucnthalten, nämlich die Stabilisierung der kapi talistisch-feudalcn Besitz- und AuSbcutungsvcr- hältnisse. Die Novcmvertvahlcn zeigen die braunen Söldner zwar zum erstenmal empfindlich geschwächt. Zugleich aber wächst die Zahl der KPD-Wähler und damit die, von den Junkern getvaltig überschätzte, bolschewistische Gefahr. Die Wirtschastsankurbelung PapenS ist zusammengebrochen. Das Chaos droht. Da entschließen sich die Junker, die Wahrung ihrer Interessen der Reichswehr, dem General Schleicher, anzuvertraucn. Sehr bald erweist sich dieser Mann und dieses Fnstnmient als ungeeignet, die Forderungen der Junker zu erftillen. Schleicher tvill nicht der Büttel der ttrautjunkcr und Schlotbarone sein, sondern seinerseits Industrie und Bankkapital, Junker und Arbeiter in den Dienst deS totalen WehrstaateS stellen. Um die Nationalsozialisten entscheidend zu schlagen, nähert er sich den freien Gewerkschaften. Um die Junker kaltzustellen, duldet er die Enthüllung der großen Osthilse- skandale. Aber er und die als Partner in Frage kommenden Gewerkschaften zögern. Die Junker handeln. Außerstande, selbst die Rettung deS Kapitalismus zu besorgen, von Schleicher„verraten", müssen sich die Junker zu dem letzten Mittel entschließen, den Söldnern die Macht zu übergeben. Was der Bankier Schräder seit Wo- chcn vorbereitet hatte, wird zur Tat: Papen, Hugcnberg und O S k a r v o n H i n d c n- bürg machen Hitler zum Reichskanzler. Papen und Hugcnberg selbst, ferner der Stahlhelmführer Seldte, treten in das Kabinett ein. Man hofft immer noch, den Mohren an der Kandare halten, Hitler übertölpeln zu können. Diese Rechnung ist falsch gewesen, ebenso wie die Spekulation auf ihr Gelingen bei den ' Demokraten. Starhemberg plaudert aus der Schule •• ♦ Dollfuß will nicht kapieren... stützung(I) leihen könne. In innerpolitischer Beziehung habe die deutsche Regierung oder eine deutsche Partei natürlich in Oesterreich nichts dreinzureden. Man kann sich vorstellen, waö Dollfuß tatsächlich noch hincinzurcden hätte, tvcnn cö dem Fascistenhäuptling Starhemberg aus irgendeinem Grunde doch wieder einfiele, mit Hitler seinen Frieden zu schließen! Starhemberg verriet dann noch, daß vor nicht zu langer Zeit Verhandlungen mit Hitler ungebahnt werden sollten(Wir haben über diese Versuche vor einigen Tagen berichtet! Die Red.), die aber daran gescheitert seien, daß Hitler, sotvohl Dollfuß wie Starhemberg die Verhandlungen hinter dem Rücken der anderen antragen ließ, uni sic offenbar gegeneinander auSspielcn zu können. Erklärung wiederholte, daß er nicht um das Vertrauen der Arbeiterführer, die er„Vaterlandsverräter" und„marxistische Volksverführcr" nannte, sondern nur um das Vertrauen der Arbeiter tverbe. Herr Dollfuß scheint bei dieser Gelegenheit übersehen zu haben, daß die Antwort, die ihm gestern erteilt wurde, keineswegs von Arbeiterführern, sondern von dem Parteirat beschlossen wurde, in dem ausdrücklich Man- datare der Partei, ja selbst Parteiangestellte weder Sitz noch Stimme haben. DicnStng, 30. Jänner 1034 Rr. 24 Seite 2 Für die Vierzigstundenwoche eines deutschen Imperiums in Mittel, und Ost-1,. sLäi»«J h,„r.r„..rf. 1 au'ch'N entwickelt hat. eine den sehr um- von curopa, in weiterer Folge wohl auch ein Kanipf gegen den Westen. Dazu braucht Hitler Zeit. Er sucht sic, tvährend das Dritte Reich fieber- hast aufrüstet, durch geschickte diploinatische Manöver zu gewinnen, denen die europäische Bourgeoisie, konservastv, kurzatmig und verkalkt wie sie ist, nicht gewachsen ist. Die Gegenkräfte Zweierlei hat die Enttvicklung der Gegenkräfte inr ersten Jahr der fascistischen Diktatur erwiesen. Das eine ist die erfreuliche Tatsaä>c, das; der stärkste und bestorganisierte Terror nicht imstande ist, die Opposition zu vernichte». Die drei Millionen Neinsager bei der Abstimniung am 12. November, die starke Ver- breitung antifascistischer Literatur in Deutschland beweisen die Unzulänglichkeit des Gewalt- apparatcö gegenüber einer überzeugte» und de»; Regime allerdings auch die größten Schwie- öer und größten rigteiten bereitet. Zunächst wurde er der Urhe-’ der deS Terrors, der zwar der Regierung gele-> gen kam, sofern er Schrecken verbreitete und> von ihrem eigentlichen Treiben ablenkte, dessen bestialisch-sadistische Formen aber gebändigt wer-! den mußten, sollte nickst eine Abwehrbcwegung' der gesamten zivilisierten Welt provoziert wer-' den. Dann sprang aus den SA auch der Rus. n a ch d e r„Z w e i t e n R e v o l u t i o n" auf.: Es kostete Mühe, die SA zu beruhigen. Der Appell an die Instinkte, die in ihr gezüchtet lvordcn waren: Beutcgier, Stellcnjägerei, Ver- räterci, der Einsatz der verläßlicheren SS gegen I die stärker proletarische SA ermöglichte es. durch zahlreiche Fememorde, Einkerkerungen und Ter rorakte die Keime der Ziveitcn Revolution zu unterdrücken. In dem Maße, als das nötig wird, steigt gegenüber den Naziministcrn der Einfluß der reinen Bandenführer. R ö h m, Heß und H i m m l c r werden Hitlers sicherste Stützen. In der Geheimen S t a a t s p o l i> z c i(Gestapo) hat sich G o c r i n g ein besonderes Terrorinstrument geschassen. Der große Apparat von Spitzeln, Provokateuren und Büt teln ermöglicht ihin auch, die Verläßlichkeit der ehedem republikanischen Schupo zu garantieren. Gegen diese Position Goerings durch Beseiti gung der preußischen Autononiie vorzustoßen, hat Hitler noch nicht gewagt. Zu den besonderen Formen deS deutschen Fascisnms gehört dann die Rückbildung des po litischen Terrors zu barbarischen Nr- forme n. Die Tradition des preußischen Mili tarismus vermählt sich mit der Ideologie deS lebcnsfcindlichcn Protestantismus und beide wuchern üppig in den Banden, deren Mitglieder halblvüchsige, in der Charaktcrcntwicklung ver bogene, als Gcschlcchtswcscn verkümmerte Sadi sten werde». In den Konzentrationslagern und Gefängnissen werden schätzungsweise im Laufe des ersten JahreS der Diktatur rund 260.000 Deutsche den Folterungen der SA-disten ausge liefert. Millionen leben in steter Furcht vor SA, Gestapo und Konzentrationslager. Zu besonderer Vollkommenheit hat der deutsche FascismuS seinen Propaganda- Apparat ausgebildet. Nicht nur die mccha- uischc Beherrschung von Presse, Rundfunk, Film, Schule, Kirche, Literatur und Theater, sondern auch besonders raffinierte Methoden der Lüge und Ableugnung(so z. B. die Kunst, in gewissen Fällen zu lügen, indem man eine halbe Wahrheit sagt) sind im Ressort des Herrn Goeb bels zu höchster Vollendung gediehen. Auch die Taktik, eine Unwahrheit so oft zu iviederholen, bis sie geglaubt wird, die Falschmeldung ge schichtlicher Tatsachen wie z. B. die Bezeichnung deS fascistischen Sieges als„nationale Revolu tion", der vorhergegangenen Jahre als Zeit der Herrschaft des„Marxismus" und der Diebstahl von Begriffen(„Vierjahrcsplan" l) gehören hierher. der Erneuerung durch eine nachwachsende Gene- ration nicht Wird entbehren können. Aber zu- gleich wächst die W a h r s ch c i n l i ch k e i t, daß die Krise des deutschen FasciSmus durch eine europäische Wikltkatastro- P h e heranreift. Doch auch in diescin Augenblick wird nur ein revolutionäres europäisches Pro- letariat und keinesfalls die vermorschte eure- päischc Bourgeoisie, die sich heute auf der brüchigen Plattforin ihrer Illusionen mit Hitler „verständigt", die Rettung und Neu-Ordnung Europas garantieren können. Das europäische Proletariat zu dieser Nnseinandrrsctzung zn rüsten, für die geschichtliche Stnndc der Abrechnung vorzubereitcn, das ist unsere Aufgabe! Die VerbandSkonfcrcnz behandelte hierauf noch einige Anträge, die zumeist der VcrbandSlci- tung zur Erledigung zugetviescn wurden. Um 6 Uhr abends Ivurde dann die eindrucksvoll ver» laufen- Tagung von, Vorsitzenden mit dem Appell geschlossen, rastlos und mit verdoppellem Eifer weiter zu arbeiten, bis daö hehre Ziel, der Sozialismus erreicht ist. Daß in diesem Kampfe auch unsere Getverbetreibendcn ihren Mann stellen werden, kann nach dieser Konferenz keinem Zweifel mehr unterliegen. i oft wochenlang nicht einen Heller verdienen. Da I sie von jeder Fürsorge so gut Ivie ausgeschlossen bcndcn nicht allein durchsetzen, sondern nur mit Hilfe ihreü natürlichen Bundesgenossen: der sozialistischen Arbeiterschaft. Wenn Gewerbestand und Proletariat zusammenstehe» und gemeinsam vorgehen. dann lverdcn sic ihren Kampf um eine schönere Zukunft auch erfolgreich beenden. In der Wcchselrcdc zum Referat ergriff außer den Gen. Fritsch e, Pömmerlc, und K ö st l e r, Karlsbad, auch Genosse Abg. K r c m s e r das Wort, der zu dem zur Diskussion stehenden Thema sehr ausführlich Stellung nahm. Was hier vor allem nottut, so sagte er, ist eine durchgreifende geistige Abkehr von der bürgerlichen Ideologie. Weder der DcfähigungsnachtveiS, noch irgendeine „ständische Gliederung" der Gesellschaft wird den Aewcrbestand retten, sondern Hilfe kann ihm allein durch deir Sturz des kapitalistischen Systems werden. Die Gewerbetreibenden können sich aus ihrer Not nicht befreien, wenn sie in ihren zUnft- lcrischen Vorstellungen befangen bleiben und ins Mittelalter zurückflutcn, sondern nur dadurch, das; sie Schulter an Schulter mit der Arbeiterklasse für den Ausbau einer neuen Gesellschaftsordnung kämpfen. Die bürgerlichen Parteien denken nicht daran, den Gewerbetreibenden beizustehcn, sie benützen sie lediglich als Vorspann gegen den verhaßten Marxismus, über den sie die dümmsten Lügen und niederträchtigsten Verleumdungen verbreiten. Die Lage der Gewerbetreibenden lvird sich erst bessert, wenn es gelingt, auch die Lage der Arbeiterschaft zn heben. Kremser befaßte sich dann des näheren mit dem jüngst verlautbarten sozialdemokratischen Wirtschaftsprogramm, dessen Er- süllung die Krise, tvcnn auch nicht beseitigen, so doch mißerordcntlich mildern könnte. Daß dieses Programm durchgekämpst wird, dafür niüsscn auch "die Kleingewerbetreibenden in ihrem ureigensten Interesse Sorge tragen. Möglichkeiten zunehmcn und die Erwerbslosen Arbeit und damit Verdienst erhalten. Die nußeror- gchässigcr weitergcführt. Zugleich zeigt sich, daß | in der Ideologie der Opposition immer noch ' Vorstellungen und Begriffe überwiegen, die aus der Vergangenheit, aus dem Denken deü'libera- len Jahrhunderts bezogen sind, daß eü schwer ist und ein langer Prozeß, wirklich zulerncn und den geschichtlichen Umbruch 1933 in seiner ganzen Tiefe zu erfassen. Alle Anzeichen deuten daraufhin daß revolutionäre Bewegung, die FascismuS in Deutschland von sich a»S stiirzen könnte, eine Bewegung, deren Ideen und Formen von Grund auf erneuert, die clcinentar wie ein Naturereignis sein müßte, zu ihrem Ausreisen sehr lange brauchen wird, vielleicht deutlich traurigen Verhältnisse rauben den Angehörigen der arbeitenden Klaffe allen Lebensmut und machen ihr Dasein zu einer einzigen Qual. Die Führer der Wirtschaft, die Unternehmer, stehen der Wirtschaftskrise hilflos gegenüber und können das von ihnen nut hcrbeigcführte' Haos nicht beseitigen. Tatenlos und gleichgültig sehen sie die erschreckende Armee der Arbeitslosen wachsen und ihre Sorge gilt nur der Erhaltung des eigenen ungekürzten Profits. Da die private Initiative keine Besserung dieses auf die Dauer unerträglichen Zustandes herbeifii'hrcn kann, erachten es die Versammelten als ihre Pflicht, der Negierung dringend nahezulegen. daß sie durch außerordentliche Maßnahmen die Arbeitsgelegenheiten vermehrt, beziehungsweise verteilt. Wir verlangen daher von der Negierung, daß sse ehestens den Entwurf des Ministeriums für soziale Fürsorge auf Einführung der 40-Stun- denwochc der parlamentarischen Behandlung zn- führt. Darüber hinaus soll die Regierung die Aktion deS Internationalen Arbeitsamtes auf die internationale Einführung der 40 stündigen Arbeitszeit wirksam unterstützen und fördern. Zur Unterstützung dieser Forderung rufen wir alle a u f, die mithclfen wollen, die Wirt- schaftSnot zu beseitigen. DieBersammclten beauftragen ihrcSpitzenorganisatio», den Deutschen Gewerkschaftöbund, diesen Kamps mit den übrigen freien Gewerkschaften und den beiden sozialdemokratischen Parteien zu organisieren und allrö zn veranlassen, was notwendig ist, um die 40-Stundcnwochc so rasch als möglich gesetzlich festzulcgcn. Während Mussolini der ängstlichen und kapi- tulationSbcreitcn Bourgeoisie und Monarchie durch eine Demonstration den Anlaß geliefert hatte, ihm das Geschenk der Staatsmacht zu machen, wird Hitler ohne sein Zutun mit der Macht beschenkt. Um so fester sitzt er im Sattel. Der erste Akt der Machtergreifung war vollzogen. Wir haben uns damals über die Situation nicht getäuscht. Im Feber 1933 schrieben wir in einem unserer Berliner Berichte: Di- Situation Deutschlands ist die Italiens zwischen dem Marsch auf Rom und der Ermordung MotteottiS. Die weiteren Akte folgen rasch: 27. und 28. Feber: Reichstagsbrand und faktische Beseitigung der Wahlireiheit. AuSlic- ferung der Exekutive an die SA. 3. März: Wahlsieg der Regierung und in der Folge..Gleichschaltung" der Länder einschließlich Bayerns. 2. Mai: Zerstörung der Gewerkschaften. In weiterer Folge: Verdrängung Hugcn- berg» aus der Regierung, Auflösung aller Parteien und Verbände außerhalb der braunen Be- wcgung, alio Liquidation der deutschnationalen Partei und des Stahlhelms.„Wahl" am 12. November, endlich Sturz HainmersteinS und Beginn der Gleichschaltung der Reichswehr. Wozu Mussolini mehr als fünf Jahre ge- braucht hatte, die Errichtung deö totalen Staates unter der Diktatur der fascistischen Partei wurde in Deutschland in weniger als einem Jahr und weit gründlicher vollendet. Die Form des deutschen Fascismus Im Zuge der Aktion um die Vierzigstundenwoche hat der Vorstand des Internationalen Gc- wcrkschaftsbundes die ihm angeschlossenen Landeszentralen aufgefordert, in diesem Monate Kundgebungen für die Verkürzung der Arbeitszeit zu veranstalten. Bei der nächsten Internationalen Ar- üeitslonfcrcnz soll die Entscheidung über die Konvention für die Vierzigstundenwoche fallen. Ter Deutsche GewerkschafiSbund hat im Sinne dieser Parole in seine» Organisationsge- bietcn Versammlungen mit dieser Tagesordnung abgehaltcn. Am Donnerstag fand in Reiche n- b c r g die der Vierzigstundenwoche geltende Knnd- gebung statt. In der gutbefuchten Versammlung referierte Genosse Maeoun zur Tagesordnung. Nach diesem Referate wurde folgende Entschließung, die allen Versammlungen vorliegt, einstimmig angenommen: Resolution Seit mehr als vier Jahren wird die Weltwirtschaft von einer Krise erschüttert, die an Schwere, Ausdehnung und Dauer alle srühcren Wirtschaftskrisen weit übertrifft. Viele hunderttausende Menschen sind auch in diesem Lande arbeitslos, andere Hunderttauscnde können nur wenige Tage in der Woche arbeiten und der Rest der Arbeiter und Angestellten, der heute noch in Beschäftigung steht, muß befürchten, in Kürze ebenfalls der Kurzarbeit oder der Arbeitslosigkeit zu verfallen, llngcheucres Leid, Not und Verzweiflung hat bereits die Arbeitslosen und viele Kurzarbeiter ersaßt und noch immer sind keine Aussichten dafür vorhanden daß i» absehbarer Zeit bei I Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Arbeitszeit Der„Verband der Gewerbetreibenden und Kaufleute in der Tschechoslowakischen Republik, Sih Aussig", hielt am Sonntag nachmittags in Komotau eine Verbandskonfcrenz ab, die von 66 Delegierten und 10 Gästen be- , schickt war und auf der sehr eingehend über die > wirtsckastliche Notlage vor allem deS Kleingewer- bcstandeS gesprochen wurde. Der Vcrbandsvor« sitzende Genosse G r i m in, Saaz, eröffnete die Tagung und begrüßte unter den Erschienenen u. a. den Genossen Kremser als Vertreter des Par- teivorstandes, den Genossen K a u f m a n n als ! Vertreter des parlamentarischen Klubs und der Z. G. K., den Genossen Leibi für den Verband der Kleinbauern und Häusler, den Genossen Reichl als Vertreter der Partci-Vczirksorgani- sation und der Stadt Komotau und den Genossen Schale! für die Konstnngcnosscnschaft. Sodann erstattete Genosse Z i s ch k a, Saaz, den Bericht des Sekretariats, aus dem hervorging, i daß sich der Verband in der letzte» Zeit überaus Eine ganze Reihe neuer Ortsgruppen konnte gegründet werden, die sehr gut arbeiten und schon manche Erfolge erzielt haben. Die Zahl der Mitglieder ist ständig im Steigen, denn in den Kreisen der Gcwerbetrci- benden bricht sich immer mehr und mehr die Erkenntnis Bahn, daß der Grwcrvestand nur dann aus dem Elend dieser Gegenwart hcrauSkommcn kann, tvcnn er sich endlich aus der Gefolgschaft deS Bürgertums Ivölöst. Für die Kontrollkommission berichtete Genolle R c i n c l. Beim nächsten und ivichtigstcu Tagesordnungspunkt:„Weltwirtschaftskrise und Klein- . gewcrbe" beschäftigte sich Genosse T o b i a s ch, ; Komotau, in einem dreiviertclstündigem Referat ' sehr eingehend mit der Notlage deS Gewerbcstan- ' des. Mit der Enttvicklung des Kapitalismus und ' insbesondere des Monopolkapitalismus, ist der - Getverbestand tvirtschastlich immer mehr zurück- - gedrängt ivvrdcu. Jetzt, nach vier Jahren Krise, _. rr w. w.,> kämpft er bereits einen verzweifelten Kampf um todesmutigen" Opposition. Auch die Elastizität feine nackte Existenz. Durch daS Schrumpfen der und Regsamkeit dieser Opposition steht außer Kaufkraft der breiten Massen ist das Einkommen Zweifel. Dagegen hat sich ebenso deutlich ge- P eö"einen Handwerkers und Kaufmannes kata- zeigt, daß die Illusione n, die zur Nieder-^E^Keib^nde, die läge führten, so rasch nicht überwunden!,------- «•‘«d.«MÄSre rwts ist auch nach der blutigen Lehre voll 1933 3 j ct. u Iur3 bic Forderungen, die der Getverbestand nicht überbrückt worden, der Kampf Moskaus. hier an den Staat und die Gesellschaft richten gegen die Sozialdemokratie wird heftiger und> muß. Diese Forderungen können die Getverbetrei- Der Inhalt des Systems Vorweg eine negative Feststellung:,! Der Nationalsozialismus hat w e d c r eine, Vodenrcfor>n, noch die Vcrstaatli- chu n g der Trusts und Konzerne, noch die Gewi n n b e t c i l i g u n g der Arbeiter durchge- führt. Er hat nichts dergleichen in Angriff ge- nonunen, sondern im Gegenteil wirkungsvolle Abwchrmaßnahmcn gegen die Durchführung sei- ncs eigenen Programms getroffen. Durch Zölle und Einsuhrbeschränkungcn hak der Nationalsozialismus die Lebensmittel, preise erhöht(besonders die Fettpreise). Er hat die Löhne gesenkt, zum großen Teil durch„freiwillige Spenden" der Arbester und Angestellten.j in seiner Arbeitsversassung hat er sämtliche von- den deutschen Arbeitern in Jahrzehnten errungenen sozialen Rechte vernichtet und die Diktatur deS Unternehmers, die im großen bereits feit der Ernennung ThysseirS zum Wirtschaftsdikta, tor im Rhein-Ruhr-Gebiet bestand, auch in jedem einzelnen Betrieb verwirklicht, weitestgehendem Lohnraub Tür und Tor geöffnet. Durch die Schasftlng der NSBO und der Deutschen Ar- beitSfront hat man die Arbeiterschaft zu ZwangSverbänden zusanunengefaßt, in denen sich die Entrechtung und Ueberwachung deS Proletariats planmäßig durchführen läßt. Nach einer starken Hervorkehrung autarker Tenden zen, scheint man jetzt zu einem Exportduniping auf Kosten der Arbeiter überzugehcn, deren Löhne auf ein Minimum reduziert werden sol len. An den sozialen Ausgaben hat man Abstriche bis zu 90 Prozent gemacht. Die Für- sorge deS Staates und der Gemeinden ist so gut wie vernichtet. An ihre Stelle tritt öffentliche Ter Apparat der Diktatur ivar, als Hitler Bettelei, Zwangsarbeit auf dem Großgrundbe- zur Macht kam, bereits geschaffen. Ihm wur- sjy ,,nd im Arbeitslager. Die Bauern find mit den die bestehenden staatlichen Einrichtungen an- Hom Erbhofgesetz abgespeist worden, das 600.000 gegliedert oder untergeordnet. Bis auf die! Bauern die Verfügung über ihre Güter nimmt Reichswehr führen sic kein selbständiges Dasein ihre Kinder außer dem erbberechtigten Sohn mehr. Aber auch die Isolierung der Reichs- JU Kochten macht. Die Osthilfc hat zwei ein- wehr geht ihrem Ende entgegen. I halb Milliarden Mark für insgesamt 26.000 Der alte Apparat der Söldnerarmee hat j Besitzer. nämlich nur für die Großgrundbesit- •••• t Bauern auLgeworfen. Der Großteil deS jüdischen Kleinbürgertums ist ver nichtet worden. Der große Besitz, jüdisch oder „arisch" blieb unangetastet. Der kulturelle Inhalt deS Dritten Reichs ist die Verödung von Kunst und Wissen schaft durch die Gleichschaltung deS kulturellen, Schaffens mit der Parteipropaganda und ihren I tzjc Lage am ÄrbcitSmarlt sich bessert, die ArbeitS- Zirkusmcthoden. Vertreibung von Gelehrten und Künstlern, Rinn von Literatur und Bühne i zeichnen diesen Weg. Mehr und mehr gewinnt> nack; der antijüdischen eine a n t i ch r i st l i ch c! Strömung an Raum, die nicht das Christentum I ! durch eine höhere Form überwinden, sondern die! heidnisch-barbarisch- Ideologie des germanischen Urwalds wiederherstcllen will. Das Ziel So marschiert der Nationalsozialismus in der deutlich erkennbaren Richtung der Aus- lösung und der Zerstörung der euroPäischenKultur und der abcndlän-! bischen Gcistesgemcinschaft. Diese Ideologie ergibt sich zwangsläufig aus seiner Tendenz, den Kapitalismus und de» junkerlichen Feudalismus in Deutschland mit den Mitteln brutaler Gewalt aufrechtzuerhaltcn. Nur durch eine unerhört gewalttätige und be stialische Diktatur läßt sich in einem so stark pro- letarische» und indnstriolisicrten Lande wie in Deutschland dieses Ziel erreichen. Nur eine bar- barische Denkform kann diese Politik vertci- digen. Außenpolitisch ist das Ziel des Na- tionalsozialismus unverändert die Aufrichtung «r. S4 DienStag, 3V. Jänner 1934 Sekte« SuulschlucM zwischen marxistischen Offizieren und SA-Leuten Kaisergeburtstagsfeier gesprengt— Stahlhelm aufgelöst Wie erst jetzt bekannt wird, waren die frei- tägigen Zwischenfälle anlästlich einer Kaiser- Geburtstagsfeier In den Zoo-Lokalitäten in Berlin, die in einein verspäteteir amtlichen Bericht ganz harmlos und völlig unrichtig dargestcllt wur- den, sehr ernsten Charakters. An der Frier zu Ehren des 76. Geburtstages des Exkaisers waren vorlviegend Offiziere— ganz alter Adel— mit ihren Damen und Angehörige der ersten Kreise des„vornehmen" Berlin beteiligt. Unter den Anwesenden gab eS eine Anzahl Mitglieder des S t a h l h e l m s i n N n i f o r m, die gewissermaßen den Saalschutz darstellten. An den Türen sammelten sich gleich bei Beginn der Feier verdächtigerweise SA-Leute, die aus ihrem Unwillen über die Veranstaltung kein Hehl machten. Die Kaiscrfeiern waren ztvar nicht offiziell verboten worden, doch wußte man in Sen Kreisen der Offiziere sehr gut, das) sie nicht erwünscht seien. ES kam kurze Feit nach der Eröffnung der Veranstaltung zu S t anker e i e n zwischen der SA«nd Offizieren; der offene Konflikt brach aber erst aus, als der General Graf von der Goltz die Festxede hielt, die das alte Kaiserreich und die„Ruhmestaten" Wil helms glorifizierte. Da drangen die SA-Männer, unterstützt von Nationalsozialisten in Zivil, auf die antvcsenden Monarchisten ei», und als die Offiziere dem Befehl der SA, die Kundgebung zu schließen, nicht sofort Folge leisteten, wurde von der SA G e w a l t angewandt rind in tvcnigen Minuten Ivar eine regelrechte Saalschlacht im Gange. Mit Biergkäscrn und Stuhlbeinen lvurde auf beiden Seiten gekämpft und als die Polizei in den Kamps cingrifs und sotvohl der Feier, als auch der Prügelei ein Ende bereitete, bedeckten fünfzig zum Teil Schwerverletzte den Kampfbodcn. Bei diesen Opfern des Kampfes blieb cs aber nicht. Die SA-Leitung hat Samstag früh sofort die Auflösung des Stahlhelms verfügt und das Tragen der Stahlhclm-llniform verboten. Gegen die Stahlhelmführer, die an der Kaiserfeier im Zoo teilgenonnncu haben, wird eine strenge lintersuchung eingcleitet. Man tvill eö offenbar nunmehr den Militärs, die sich um den Stahlhelm sammeln, beibringen, daß Hitler, Goering und Goebbels sich selbst genug Konkur« renz sind und der Vermehrung dieser ungekrönten Könige mit aller Getvalt entgegenzutreten bereit sind, in I Deutschlands Rüstungen <5Mi Jngenieirr- I sechs Arbeiterver- in welchen scharfe Proteste die Kürzung der Arbeiter- Arbeitslosigkeit der Jugendlichen in der Tschechoslowakei 26 Prozent aller Arbeitsloser Jugendliche. Tas Ministerium für soziale Fürsorge, welches' der Minister Genosse Dr. C z e ch verwaltet, führt Untersuchungen über die Arbeitslosigkeit der Jugend durch. AuS der Statistik geht hervor, daß im der« slossenen Juli unter 888.8V t Arbeitslosen in Böhmen 16.284 Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, I 23.266 im Alter von 1v bis 20 Jahren und 64.475 worden, daß sie für die Massenherstellung in nor- von 21 bis 24 Jahren, zusammen also 80.875 malen Maschinenfabriken geeignet ist. Bon der ähnliches Resultat hatten auch die früheren Unter-( worden. Die Seitenwände, die früher kompli suchungen. Mi dieser Ar- u. Kicnzle die Die Zeichnungen für diese Konstruktionen sind zum größten Teil erst nach dem Kriege angc- fertigt worden und nach einen» System geordnet, das cs jederzeit erinöglicht, die Fabrikation in weitestem Umfange aufzunehmen. Große Aufmerksamkeit widinet man hier der Moterlilerung der Artillerie Besonders ist inan bemüht, die provisorische i Motorisierung mittels geländegängiger Militär- Nlcht willkommen! Sudctcndentschr SA-Begeisterte in Deutschland verhaftet. Auf offiziöse Veranlassung hat der VolkS- verüand für die Deutschen im AuSlande an die deutsche Presse im Reich einen Bericht gegeben, wonach die Breslauer Polizei drei junge Leute auS der Tschcchoslolvakei, die ohne Paß über die Staatsgrenze geflohen waren und versucht hatten, in die SA in Breölau einzutreten, verhaften ließ, sie an die Staatsgrenze eskortierte und den tschc- chostowakischen Organen übergab. In der Nachricht wird weiterhin in Erinnerung gebracht, daß die preußische Regierung seinerzeit eine Verordnung herausgab, wonach freinde Staatsangehörige, die nicht die vorge» schricbenen Dokumente, Pässe oder Visa haben, und die Reichsgrenze überschreiten, ob cs sich»tun um Polen oder Deutsche handelt, ohne Ausnahme am Grenzüüertritt gehindert und, Iveim sic dann trotzdem im Reich angetroffcn werden, zwangs- weise zur Grenze geleitet werden. Der Bolksvcrband versucht zwar, diese drastische Maßnahme der deutschen Organe g-zen Emigranten dainit zu begründen, daß durch Auswanderung der Deutschen, die außerhalb der Grenzen Deutschlands wohnen, die Position deS Auslandsdeutschtums gcschivächt wird. Nichts- destoweniger wird in dieser Kundmachung der Ausländsdeutschen klar gesagt, daß solche Emigranten in der Zukunft, tvcnn sie in das Reich entfliehen, dort nicht als Märtyrer angesehen werden und daß ihnen auch jede ettvaigc Hilfe, auch sozialer Art, verweigert wird. Daladler betraut Ein Kabinett neuer MUnner— Auch Paul-Boncour geht? Nach dem polnischen Staatsstreich Warschau, 20. Jänner. Einige Warschauer Blätter melden, daß im Lager der opposi- tionrllrn Parteien gegenwärtig daS Projekt einer solidarischen MandatSnie- dcrlegung znin Zeichen deS Protestes gegen die Annahme des PerfafliingsrevisionSgesrheS im Sein» durch de» RrgirrungSblock erwogen werde. I» der heutigen Sitzung deS BudgetauS» schusicS deS Sejnr legte der sozialistische Abgeoxd- nete Z a r e in b a scharfen Protest gegen die Art und Weise ein. in der der RegierungSblock im Sejm daS BcrfaflnngSrevisionSgesetz angenommen Hobe. Der Borfitzende entzog dem Redner daS Wort. Im Namen der nationaldcmolratischrn Partei schloß sich der Abgeordnete Czetwer» t n n s l i der Deklaration der sozialistischen Partri an. Die sozialistische Partei veranstaltete gestern in Warschau sarnmlungen, gegen da§ Gesetz über die Verlängerung der Arbeitswoche und urlaube beschlossen lvurde. In L o d Z sand eine Konferenz der Leitung der sozalistischen Arbeitcrgelverlschaftcn statt, in welcher der Beschluß gefaßt lvurde, in allen Jn- dustricztvcigen den Abschluß neuer ArbcitS- nnd Lohiwcrträge zu fordern, lvckche die bisherige sechSimdvierzigstündige Arbeitswoche, sowie die Arbcitcrurlanbe unverändert belassen sollen. Im Falle einer Weigerung der Industriellen soll in einer neuen Konferenz in Lodz am 3. Feber gegebenenfalls die Proklamierung eines allgemeinen Streikes in ganz Polen beschlossen lverden. lastkraftwagen, EinheitSanhängern für Geschütz- und Munitionütranöport(auf zlvei Rädern), Einführung gefederter Lafetten. Verwendung normaler Zugmaschinen für SchwcrgcschütztranS- port usw. mit größter Beschleunigung durch- zufiihrcn. Daneben lverden eifrigst Konstruktionen für die Vollmotorisierung der Artillerie cnt- Wickelt. Schön unter der Regierung des Generals Schleicher lag ein bis in Einzelheiten auögearbei- teter Entwurf für provisorische Motorisierung der Artillerie vor, der besonders durch Oberst Zwcngauer und Hauptmann v. Renz vorgetrie- bcn wurde. Das HeereSwaffenamt unterhält ein großes zentrales Konstruktionsbüro in einem der obersten Stocklvcrke des Baues. Dieses führt alle laufenden Heineren Konstruktionsarbeiten, die sonst in den einzelnen Referaten erledigt»vurdcn, aus. Das Büro untersteht dem Obering. Pollat, der früher bei der Firma Kock) u. Kienzle als Dr. Jng. tätig war. Die Zahl der dort beschäftigten Techniker beträgt 100 bis 150. In Zusammenarbeit mit der Firma Koch n. Kicnzle, Doktor Jng., Berlin W. Margareten- straße 0, und anderen Jngenieurfirnien lvurde mid wird seitens des tzecreüwafsenaintcs die Normalisierung von HeereSgcrätteilen eifrigst betrieben. Man will eine weitgehende Vereinfachung, Verbilligung und Vereinheitlichung der Konstruktion. Fabrikation und Ersahteilbcschaf- fung erreichen. Für HeereSgerätteile werden zu ihrer Fabrikation bestimmte Vorrichtungen konstruiert und die Zeichnungen dieser Vorrichtungen sorgfältig auf Lager gelegt. Alle Einzclieikzcichnungen der HeereSgeratc zeigen Hinlvcisc auf diese Vorrichtungen. Für die Einzelteile solvic für ganze HeereSgcräte werden Fabrikationögängc anfgc- Paris, 20. Jänner. Der Präsident der Republik hat heute vormittags den Deputierte» und früheren Ministerpräsidenten Daladier mit der Bildung de« Kabinetts betraut. Daladier erklärte beim Berlasien deS Ely- scS, eS fei feine Absicht, eine Regierung energischer und achtenswerter Männer zu bilden, die entschlossen sind, die Autorität deS Staates im Vertrauen auf die Republik wirderherzilstellen. Daladier teilte um 21 llhr dem Präsidenten der Rcvublil Lebrun mit, dass er die Diifsion der Kabinettsbildung definitivannehmr. In der Umgebung DalodirrS glaubt man, daß dieser I sein Kabinett noch im Laufe der heutigen Nacht ! oder wahrscheinlicher noch nach französischem Brauch morgen in der früh bilden werde. Gegen Abend verlautet in Kreisen, die Daladier nahcstehen, daß von den bisherigen Ministern deS zurückgetrenen Kabinetts ChautempS nur drei in der neuen Regierung Daladier« verbleibe» würden: Frot, Queuille und P a g a n o n. Sogar das Portefeuille des Außenministers wird eine Aendcrung erfahren. Daladier beabsichtigt, cs He r r i o t anzubieten, zweifelt aber, daß Herriot eS annehmen wird. Als Grund hicfür wird der Umstand angegeben, daß der Präsident der Republik nicht ihn mit der Kabinettsbildung betraut hat. Es ist nicht ausgeschlossen, daß in diesem Falle Daladier s c l b st daS Außenministerium verwalten würde. Ferner wird behauptet, daß Daladier die Absicht habe, drei Portefeuilles den ^Neosozialisten anzubieten, u. zw. das Jugendliche, d. i. 25 Prozent, gezählt wurden. Ein Schlveißung ist weitgehend Gebrauch gemacht I zierte, große Preßstückc waren, werden bei dieser Neukonstruktion aus Eisenblech und Winkeleisen . 1 zusannnengeschweißt. Ferner hat nian durch die Die 5eekOnrerenZ von Slngapore Umkonstruktion eine bedeutende GewichtSerspar- u I nis erzielt. Smgapore, 20. Jänner. Die Konferenz der| Neben diesen Geschützkonstruktionen werden englischen Admirale, welche an Bord der britischen hier noch viele andere ähnlicher Art für Tank- KriegSschiffe„Kent" im Hafen von Singapore abwehrgeschütze mit 3.6 Zentinieter Kaliber, für abgchalten wurde, sand am Sonntag nach ein- Feldhaubihen uslv. auf dem laufenden ge- wächigen Beratungen ihren Abschluß. Zur Er-! en‘------ örterung gelangten die Probleme betreffend die wirksame Verteidigung der britischen Herrschaft im Fernen Osten. Keiner der Admirale wollte nach Beendigung der Tagung gegenüber den Pressever- iretem irgendeine Erklärung weder über die getroffenen Entscheidungen, noch über die der englischen Admiralität in London erteilten Empfeh- lmigen geben. stellt. Unter anderen bestehen solche Fabrila- tionögänge für das Jnsanteriegewehr. für Gewehr und M. G.(Maschinengewehr), Munition, für das leichte M. G., sür das schwere M. G., für Handgranaten, für Tankabtvchrgeschütze 3.6 Zentimeter, für den leichten Minciiwcrfcr. für das normale Feldgeschütz, für die leichte Feld- hanbitzc, sür 1.5 Zentimeter Langrohrgejckiützc. sür den 21-Zentimeter-Mörser modernster Konstruktion, für Trainfahrzeugc, für die Renton- struktionen zur Motorisierung der Artillerie, sür Artilleriemunitton und dergleichen mehr. Diese Aufzeichmmgen über derartige Fa- brikationsgänge lverden vcrviclfaltigungssähig gleichfalls vorrätig gehalten. Eingehende Arbeiten über Drehen, Schleifen, Bearbeiten mit Diomantwerkzeugen usw. sind ‘im Auftrage des RWM. von der Firma Koch u. Kicnzle Doktor Jng. und anderen büros durchgcführt worden. nie Tarnung Von Interesse ist die Tarnung beiten. Z. B. führt die Firma Koch neben diese» Arbeiten iwch Arbeiten sür Privatindustrie— Nationalisierung von Werkstätten uslv.— durch. Unter dem Deckmantel dieser Arbeiten werden die Aufträge des HeercS- wasfenamteS anSgcsührt. Alle Angestellten sind bei hohen Strafe» zum absoluten Stillschtvcigcii verpflichtet. Koinnien z. A. Fremde, wie Handwerter und dergleichen mehr in die betreffenden KonstrilktionSbüroL, so besteht die Anweisung, sic möglichst schnell hinauszulomplimenticrcn, alle Alten, die zur Einsicht offen liegen, zu schließen, keinerlei Auökunst zu geben und sie an das Empfangszimmer zu verweisen. Aus den obigen Abschnitten ist ersichtlich, daß die ReichSivchr jederzeit iinstandc ist, die Massensnbrikaiion von Hcercsgcrät innerhalb weniger Wochen im größten Umsange zu entfalten und ein Millinnenheer mit allen notwendigen Dingen aiiSznrüstcn. Ministerium deS Innern dem Deputierten M a r- z u e t, das Ministerium für Unterricht den» Deputierten D e a t und daS Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen dem Senator Auray. Iläihtliihe Demonstrationen in Paris Die Kommunisten an der Seite der Monarchisten und Fasclsten Paris, 20. Jänner. Die Demonstrationen den Pariser Boulevards, die Samstag abends begonnen hatten, dauerten bis Soimtag morgens 8 Uhr an und arteten vielerorts in scharfe Schlägereien der Demonstranten mit der Polizei aus. Die Demonstranten zerbrachen Stühle und zertrümmerten die Fenster dir Terrassen zahlreicher Kaffeehäuser, cnttvurzelten Bäume, rissen Kandelaber um und zertrümmerten ZeitungStioSkü und Bänke, mit tvelchen sie dann die Fahrbahn verbarrikadierten. Einige KioSke wurden auch angezündet. Es tvar notwendig, einige Male die Feuerwehr zu Hilfe zu rufen. Es kam zu zahlreichen Zusanuncnstößen mit der Polizei, die über 400 Personen verhaftete und auf die Kommissariate brachte. Jnteresiant ist. daß nicht nur Monarchisten und Nationalisten, sondern auch Anhänger der äußersten Linken, hauptsächlich K o m m u n i st e n, demonstrierten. Ein zahlreiches Publikum sympathisierte offen mit den Demonstranten. Zahlreiche Kaffeehäuser und Kinotheatec waren gezwungen, die Lokale zu räumen imd zu schließen. Vie Belegschaft der Trupschltzer Schächte neuerdings gekündigt Die Belegschaft des Anna- und Andreas- Schachtes ist schon wieder l 1 tägig gekündigt wor den, und ztvar miö dem Grunde, weil am 10. Fe ber in Brüx die Zwangsversteigerung durchge führt werden soll. Die Betriebsräte haben sofort bei der Betriebsleitung Protest erhoben, unter Hinweis auf die Regierungsverordnung vom 7. Dezember 1033, wonach Kündigungen im Berg bau unzulässig sind. Trotzdem hat aber die Be triebsleitung den Kündigungsanschlag auLhängen lassen. Die Belegschaft der beiden Schächte ist be reits einige Male gekündigt worden, denn die Fir ma Stcjskal hat wiederholt ihren Namen gewech selt und bei jeder Firmenänderung ist gewöhnlich auch eine Kündigung erfolgt. Eü wäre höchste Zeit, daß hier den Machinationen einer Clique von Ak tionären endlich einmal ein Riegel vorgeschoben würde, denn die ständige Unsicherheit der Ver hältnisse auf diesen beiden Gruben ist für die Belegschaft längst unerträglich geworden. Der grüßte Teil der Arbeiterschaft des Anna» I,, Schachtes ist zurzeit auf dem AndrcaS-Schacht bc- c j nc großeUahl von' Flakgeschützen—"i\a> schästigt, einige Leute sind bei den Aufraumungü-1 Wer 7.7 Zentimeter, Type KWG 11 Rn und arbeiten auf dem Anna-Schacht tätig. Mit dem^p—, di« auf Kraftwagen aufmontiert sind. h»r tmtrh» Ib,ak>-V Diese Flakgeschütze wurden nach dem Krieg« für I Flachfeuer umgcbaut, dann etwa 1030 wieder für Steilfeuer zur Flugzeugabwehr hergerichtet nnd eingehend überholt. In der letzten Zeit wurde besonders an die sorgfältige Ausgestaltung und Organisierung der Ersatztcilbeschaffung herangegangen, um den Park dieser etwa 70 bis 80 vorhandenenGeschühc erhöht verwendungsfähig zu machen. Flakgeschütze mit 8.8 Zentimeter Kaliber und Springlafette sind ebenfalls hier in letzter Zeit sorgfältig bearbeitet worden. Besonders leistungsfähige leichte Mine nwerferkon st ruktion— Rheinmetall— mit Klappvcrschluß sind hier, innerhalb der letzten Jahre im Zusammenhang mit den entsprechenden Fabriken enttvickelt worden. Die Konstruktionspläne für 15 Zentimeter Langrohrgcschütze werden aus dem laufeirden gehalten. so daß man jederzeit die Fabrikation im gewollten Umfange aufnehmen kann. Der 21- em.- Mörser mit langem Rohr ist nach dem Kriege um die Jahre 1030 bis 1032 herum modernisiert Ivorden. An Stelle der Mitführung des Rohres auf einem besonderen Rohrivagen tritt jetzt die Mitführung des Rohres auf der Lafette und mi Stelle des Pferdezuges, der noch teilweise für die Geschütze vorgesehen Ivar, durchweg Kraftzug. Die Lafette ist von Krupp so umkonstruiert Die„Prager Presse" veröffentlicht aufsehenerregende Einzelheiten über die deutschen Rüstungen. Nach einer genauen Darstellung der Einrichtungen und der Arbeit des Berliner Heeres-Waf« f e n a m t e s, das die Zentrale der dcnt- fchen Aufrüstung ist, teilt das Blatt Einzelheiten über das Referat IV/ü mit, das sich in erster Linie mit artilleristischen Fragen beschäftigt, insbesondere mit Geschützkonstruktionen nnd ausländischen Geschütztypeii.(DaS Material wird mit Hilfe einer wirkungsvollen Spionage» organisation verschafft, die ebenfalls im Heeres-Waffenamt ihren Sitz hat.) Einige Spezialfälle aus dem reichen Arbeitsgebiet dieses Referates mögen herauögegrif- fen werden, um zu zeigen, mit welchen Dingen man sich hier beschäftigt. Deutschland besah z. B. im Kriege 1014/18 schästigt, einige Leute sind bei den AufräümungS-1 fib« rHentimctcr,"Typc KWG^l 1 Rn"und Wiederaufbau der Förderanlage wurde bisher noch nicht begonnen, hier wird wohl die Frage der Finmizierung die entscheidende Rolle spielen. Ob die alte Firma den Betrieb wieder aufnchmen wird, ist noch gar nicht sicher. Die VersichcrungSabschätzungskommission hat am Freitag ihre Arbeiten beendet. Die auf dem AndrcaS-Schacht geförderte Kohle wird per AutoS zu den Bahnhöfen in Trupschitz und Wurzmcs zur Verladung gebracht. Die Belegschaft der beiden Gruben hat, obzwar sie sich selbst in der denkbar mißlichsten Lage befindet, für die Opfer der Katastrophe vom Nek- son III einen Betrag von 1486.50 ttä gespendet. ES ist dies ein leuchtendes Beispiel proletarischer Solidarität. Geile 4 Dienstag, 30. Jänner 1834 Nr.« laücsnculüHclten ! I I Dr. Karl Zajiiek sein. in- mit von Den Vorsitz der heute um 0 llhr eröffneten Ver- handlung führt GR. Dr. H a h», als Verteidiger fungiert Dr. Goliath. Explosions-Katastrophe einer Villa Maflentod im Schneesturm Totio, 28. Jänner. Auf der I n s e l Da g c- let an der Ostküste von Korea wurden 41 er« froren«Eingeborene aufgefunden. Die Insel war durch einen schweren. S ch n e e st u r m von der Verbindung mit der Außenwelt abge- schnitten tvordcn. Am Sonntag abends gelang es einer Rettungsabteilung, die Insel zu erreichen. Es wird befürchtet, daß auf der Insel n o ch v i c l mehrMenschen umsLcbcn gekommen sind. London, 28. Jänner. Wie Reuter aus Nagasaki meldet, ist dort ein vollbesetztes Fährboot gekentert. Bisher tvurden fünf Leichen geborgen. 30 Leute wurden, weil sie Verletzungen infolge der starken Kälte erlitten hatten, in die Hospitale eingeliefert. Man nimmt an, daß die meisten der an Bord befindlichen Dockarbeiter trotz der bitteren Schreckensnacht in einer Taubstummen-Anstalt Bukarest, 27. Jänner. Fürchterliche Schrek- lensszcncn spielten sich heute abends in der Taubstummenanstalt in Klauscnburg ab. Aus unbekannten Gründen Ivar in dem großen Gebäude ein Brand auSgcbrochen, Schnelligkeit ausbreitete, men entstand eine Panik, die sich in einer Art M a s s e n w a h n äußerte. Die Insassen weigerten sich, das brennende Gebäude zu verlassen, so daß Militär und Gendarmerie aufge- boten Iverdcn mußten, denen cs erst nach erbitter-! ten Kämpfen mit den sich wie irrsinnig gebärdenden Kranken gelang, diese aus dem brennenden“ Gebäude zu entfernen. Kaum war der letzte Kranke in Sicherheit gebracht, stürzte das Dach ein und das große Gcbäudcbrannterestlos a u S. Wie durch ein Wunder sind weder Opfer an Menschenleben noch Verletzte zu beklagen. trat, nachdem er vor dem Umsturz als Güterdirektor in den Diensten des berüchtigten Erzherzogs Friedrich gestanden hatte, im Jahre. 1925 in der Eigenschaft als Zentraldirektor in den Dienst des gewesenen Grafen Tr. Johann L a r i s ch- M ö n- n i ch, dessen Besitz bei K arwin liegt. Zajiiek be- kmn ein Gehalt von 38.000 Kö monatlich und »»beschränkte Vollmacht für den GeschäftS- verkebr mit den Banken, mit denen Larisch-Mömnch in Verbindung stand. Schon im folgenden Jahr benützte der Angeklagte Zajicek seine unkontrollierte Stellung zu Malversa-1 lionen hinter dem Rücken des Tr. Johann L a r i s ch, die systematisch und raffiniert fortgesetzt, zu stattlicher Milliouenhöhe antvuchsen.;’,ur Charakterisierung des Angeklagten ist folgendes zu bemerken. Er beherrschte elf 2 prachen, hat die ganze Welt bereist und galt als glänzender Organisator und wirtschaftliches Genie— in seinem Privatleben als Verschwender und Wüstling grüßten Stils, Held zahlloser Weiberasfären, Besitzer einer pornographischen Bibliothek, deren Anschaffungspreis auf viele Tausende geschätzt wird, Lebemann, der in de» Nachtlokalen die Tausender nur so fliegen ließ. Private Auszeichnungen, Tagebuchnotizen u. dgl. die bei ihm aufgefunden wurden, lassen sein Privatleben in denkbar widerlichstem Lichte erscheinen. Großspekulant Zajikek Zunächst versuchte Zajiiek, für dessen kostspielige Passionen sein Gehalt in keiner Weise hinreichie, sich die erforderlichen Mittel auf die„reelle" Art waghalsiger Spekulationen.zu beschaffen. Er hatte Geschäftsverbindungen mit mindestens 20 Banken deö In- imd Auslandes, spekulierte mit allen möglichen Papieren, besaß unter falschem Namen Fabriken, Oelgruben und Grundstücke in den verschiedensten Ländern. Aber alles das nützte nichts. Er geriet imnier tiefer in Schulden, was ihm allerdings vorläufig lvenig schadete, weil man es sich zur Ehre an- rcchnete, dem allmächtigen Herrn Zentraldirektor kreditieren zu dürfen. Aber schließlich genügten diese Geschäfte, die außerdem zum großen Teil schlecht auSgingen, auch nicht mehr und nun begann Zajiiek von seiner Bankvollmackt in seiner Art Gebrauch zu machen. ZajiiekS DefraudationSmethodrn Der Zentraldirektor gab den Banken Ordre mlf Eröffnung verschiedener Kontos auf den Namen dcS Dr. Johann Larisch-Mönnich, dann begann er von diesem Konto für. i g e n e n B c d a r f abzuheben. Neben einem offiziellen Dollarkonto mit einem Stand von 200.000 Dollar, ließ er ein weiteres privates Konto unter der Bezeichnung„Konto S e p a r a t o Z" auf 40.000 Dollar errichten, das er als sein Gcheimkonto betrachtete. und damit denn auch völlig nach seinem Willen disponierte. Dieses Dollarguthaben trug ihm 1,344.050 XL ein. Auch weitere 10.000 Dollar flössen in die Taschen des Herrn ZentraldirekiorS. Dann ging es— das war im Jahre 1028— wieder über das offizielle Dollartonw her. Vom 0. bis 10. März wurde eine Million von diesein toiderrecht- lich abgehoben. Schon vorher hatte er, gleich nach Eröffnung des KUnloS 000.000 Kt in seine Tasche dirigiert. Alles in allein betragen die defraudierten Beträge ohne Zinsen nicht lveniger als 3,023.630 JW Alle diese Transaktionen vollzogen sich reibungslos bis zum Jahre 1031, loo die Belastung dcü Erdbeben in Mexiko Mexiko, 20. Jänner. Ganz Süd- und Mit- tclincxiko wurden am Sonntag abends von einem Erdbeben erschüttert. Die mexikanische Hafenstadt Acapulco am Stillen Ozean hat schwere Schäden erlitten. Das Erdbeben löste in I H a u p t st a d t großen Sc,—— Volkerung flüchtete aus die Straßen, mehrere Personen wurden im Gedränge verletzt. Materialschaden ist in der Hauptstadt bisher nicht gemeldet wordeii. Dagegen blieb in Acapulo fast kein Haus unbeschädigt. Me Bevölkerung brachte die Nacht im Freien. In Amecamcca. das nördlich des Vulkans Popocaepetl liegt, soll abends ein Feuerschein, möglicherweise ein Meteor, beobachtet worden~ Byrds Winterlager in schwerer Gefahr Paris, 28. Jänner. Havas meldet aus Nelv Dork, daß ein Teil der Polarexpedstion Byrds, der sich auf dem Schiffe„Jacob Rupert" befindet, in der Walfischbai von einem heftigen Wintersturm hcimgesucht wurde. 46 Mitglieder der Besatzung, die im Winterlager zurückgeblieben waren, sind von der übrigen Expedition völlig abgeschnitten. DaS Lager, in dem sich die Leute aufbaltcn, wird bedroht durch die A u f- lös» n g der die Bucht bedeckenden E i ü z u n g c, da die Temperatur nur wenig über dem Gefrierpunkt liegt. Vier andereMitglieder der Expedition werden in Kleinamerika auf dem Hauptstützpunkt der Expedition sestgchal- tcn und sind ohneVerbindung mit ihren Kameraden. Inzwischen treibt daS Flaggschiff deS Admirals Byrd„Jacob Ruppert" i n- mitten von Eisschollen und ist nicht imstande, vor Anker zu gehen. I Kontos bis auf überfechs Millionen gestiegen war und die Bank bei allem Respekt vor dem Herrn Zeiitraldirektor eine neue Bankvoll- ni a ch t forderte. Ta der Kontoinhaber Dr. Larisch von allen diesen Belastungen keine Ahnung hatte, konnte Zajicek sich natürlich aus keine Erörterungen mit seinem Vollmachtgeber über den gegenwärtigen Stand seines Kontos einlassen und zog eS daher vor, zur Fälschung der Unterschrift Tr. LarischS seine Zuflucht zu nehmen. Trotzdeni waren die Tage seines Glanzes gezählt, obwohl die Fälschung fürs erste nicht durchschaut wurde. Tenn Zajiiek erhielt aus anderen Gründen am 1. Feber 1032 die Kündigung. Als die Bankleitung hievon erfuhr, hielt sie es sirr angezcigt, mit dem Kontoinhaber Dr. La»' risch einmal d i r e k t F ü h l u n g zu nehmen und erst bei diesem Anlaß erfuhr dieser zu seinem Entsetzen, daß er von seinem Zeiitraldirektor ohne sein Wissen iim mehr als sieben Millionen (bei Einrechnung der Zinsen) erleichtert worden sei. Man stellte Zajiiek eine viertägige Frist und nahm ibm den Reisepaß ab, womit er sich ruhig einverstanden zeigte. Kein Wunder— denn er hatte in weiser Voraussicht deS Kommenden sich die Dokumente seines verstorbenen Bekannten Frank Raabe angeeignrt, einen Paß auf diesen Manien beschafft, ausländische Bankkonti auf diesen Namen angelegt und Geschäfte, KapitalSanlagen und Transaktionen aller Art unter dem Namen seines toten Bekannten durchgeführt, sinter diesem falschen Nanicn verschwand er dann auch ungehindert nach Zentralamerika, wo er durch Zufall im April 1032 erkannt und der Tscheche» flowakei ausgeliefert wurde. Im November 1032 kam der Defraudant in seine Heimat zurück; die Voruntersuchung dauerte also ganze vierzehn Monate. ZajiiekS Verteidigung gebt dahin, er habe die verschwundene Summe im Interesse seines DienstgeberS verbraucht. Er machte zu Beginn seiner Vernehmung dunkle Andeutungen über Steuerschulden und deren Regulierung und betonte, daß er vieles sagen könne, was manchen Kreisen sehr unangenehm sein werde. Für die von; Revierrat in Brüx veranstaltete Hilfsaktion zu Gunsten der Hinterbliebenen nach den Opfern der Grubenlatastrophe in Ossek sind.,,„„„„ m biS heute insgesamt siö 654.410.00 eingegangen, i zösischer Sprachkurs' 2Öcho"Orchesterko'iizert"/^-nd'ec Minister Dr. Dürer empfängt am Mitt- ,.- lvoch, den 31. d. M., keine Besuche, da er an den der(ich mlt rasender Verhandlungen im Kulturausschuß des Abgcord- »nt-r den Taubstiim-! nctcnhauscö teilntmmt. Wetterübersicht. Sonntag schneite es nahezu | im ganzen Staatsgebiete. Die Niederschläge waren I jedoch im allgemeinen weniger ergiebig; nur aus I dem Böhmcrwalde meldet der Panzer 10 Zenti- i Meter Neuschnee. In Böhmen herrschte dabei in den Niederungen leichtes Tautvelter, ostwärts vom Böhmisch-Mährischen Hügellande blieb jedoch die : Temperatur nahezu unter Null. In der Slowakei sanken die Tcinperatur-Minima nachts stcllen- tveise noch unter Minus 10 Grad Celsius. DaS Truckhoch, dessen Kern noch über den Britischen Inseln verharrt, breitete sich ganz allmählich gegen daS Binnenland aus, infolgedessen macht die Besserung weiter nur langsam Fortschritte.— Wahrscheinliches Wetter heute: In den tvestlichen und mittleren Teilen deö Staates wechselnd bewölkt, im ganzen niederschlagsfrei, bei Ans- heitcrung verstärkter N a ch t f r o st, schwacher Wind. Gerüchte über eine Grubenlatastrophe in der Slowakei, denen zufolge durch eine Explosion 120 Bergleute untertags eingcschlossen seien, sind, wie : I das Tsch. P.-B. meldet, schon deshalb v o l l l o m- , in e ii gegenstandslos, weil am Sonntag, den 28. Jänner, nirgends gearbeitet wurde. Die | Gerüchte sind zweifellos dadurch entstanden, daß i in der Rundfunkszc n e, die Sonntag ! abends aus Kascha» gesendet wurde, eine Gruben- I explosion^schildert wurde, bei der cö sich um die erwähnte Zahl von 120 Bergleuten handelte. Mordtat in Trautrnan. Montag früh ! wurde auf einem Felde im Stadtteil Neuhof der 1 20 Jahre alte Friscurgchilfc Josef K r e j i t tot aufgcfunden. Die Gendarmerie wurde verständigt. Bald stellte sich heraus, daß Krejöi durch mehrere Messerstiche getötet wurde. Dank der Nachforschungen der Polizei in Trautcnau gelang es bald, den Täter sicherzusteilen und zu verhaften. ES ist dies der 20jährige Bäckergehilse Franz Kammel aus I Nieder-Altstadt, der die Tat bereits ciugestauden jvk.. h"i. Krejöi begleitete Sonntag nachts ein Mäd- i i dcr und) Neuhof, auf dem Rückwege lauerte ihm Schrecken aiw' Die Ac-\ Kammel auf und stach ihn nieder. Maflengaövergiftnng in einer Kirche. In der , G a r n i s o n s l i r ch c in Kassel wurden , Sonntag während des Gottesdienstes mehrere Personen von Unwohlsein befallen, so daß der ! Gottesdienst abgebrochen werden mußte. Etwa 20 Kirchenbesucher wurden ins Freie gebracht. Man stellte bei ihnen Ltohlenoxydgasvergiftung fest. Eine größere Zahl der Erkrankten mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Der Vorfall ist auf schadhaften Zustand der H e i z u n g s a n l a g e zurückzusühren. Selbstmord im Krankenhaus. Im Allgemeinen Bezirkskrankcnbauö in D e u t s ch- B r o d befand sich der Landtvirt Josef V a n t a aus Luiicc bei Deutsch-Brod in Behandlung. Samstag nachmittags stürzte er sich plötzlich auö dem Fenster im zweiten Stock des Gebäudes und blieb tot liegen. Die Ursache des Selbstmordes ist unbekannt. 20 Auwbusiiisassen verletzt. In der italienischen Stadt Bergamo streifte ein mit 40Angc- hörigen der italienischen Feicrabendorganisatien besetzter Autobus beim lieberholen ein Pferdefuhrwerk. Der Führer des Autobusses verlor dadurch die Getvalt über das Steuer und raste gegen ein Haus, daS schwer besck)ädigt tvurde. Die Insassen des Wagens mußten durch Feuerwehr und Sanitäter befreit werden, 20 von ihnen wurden Verletzungen ins Krankcnhans gebracht. Bier ihnen wurden lebensgefährlich verletzt. Die katastrophalen Ueberschwemmungen folge der außergewöhnlich starken Schneeschmclzc in den Bergen an der chilenisch-argentinischen Grenze haben bisher rund 100 Todesopfer gefordert. Der A c o n c a g u a, der höchste Gipfel Südamcriksa, verlor seinen Aiantel von ewigen Schnee. Säyitlichc Verkehrsmittel in diesen Gegenden wurden lahmgclcgt, Brücken, Straßen, Kraftwerke und teiltveisc aucki Ortschaften zerstört. Den Schaden schätzt man auf rund 400 Millionen Kd. Graz, 29. Jänner. In einer Villa des Jng. Raimund P o l e s ch i n s k y in Trofaiach, der 1 dort einen Quarzbcrgbau besitzt, ereignete sich heute vorm. eine Dynamitexlosion, durch die die ganze Villa in einen Trümmerhaufen verwandelt und der S p r e ng meister Georg Rciscnhofcr getötet, die Frau Pole- s ck> i n s k y schwer und Poleschinfly selbst leicht verletzt wurde. Das Unglück geschah dadurch, daß Sprengmeister Reisenhofer auf dem Küchenherd der Villa 28 Kilogramm gefrorenes Dynamit erwärmen wollte. Der Sprengstoff wurde jedoch überhitzt und explodierte. Reisenhofer und die Frau dcS Ingenieurs wurden von der einftürzen- dcn Küchcnmauer begraben. Jng. Poleschinfly, der im Augenblick der Explosion die Küche betrat, tvurde zur Seite geschleudert, erlitt aber wie durch ein Wunder, nur an der Nase leichte Verletzungen. Reiscnhofer dürfte durch den Luftdruck getötet worden sein, Ivährend Frau Poleschinfly, die sich in dem an die Küche angrenzenden Wohnzimmer befand, durch die einstürzende Mauer äußere und Innere Verletzungen davontrug. Sie wurde ins Krankenhaus nach Leoben gebracht. Von der Villa, die aus vier Räumen im Parterre und vier Räumen im ersten Stock bestand, steht nurmehr die vordere Mauer. Auch die Einrichtung der Vllla wurde größtenteils zerstört. TaSDach wurde durch die Explosion in die Luft geschleudert. Zur Zeit dcS Unglückes waren andere Personen in der Villa nicht antvcsend. Der Mllionen-Defraudationsprozeß gegen den Zentraldirektor Dr. Zajicek Der Mann mit 38.000 Kc Monatseinkommen— Ein Zeitbild Mähr. Ostrau, 20. Jänner. Heute begann vor dein hiesigen Kreisgericht die gerichtliche Verhandlung der ungeheuerlichen Skandalasiäre nm den gewesenen Zentraldirektor der Larisch-Mönnichsche» Betriebe in Karwin Tr. Karl Zajiiek. Als dieser Skandal vor nahezu zwei Jahren ausslog, wuchs er sich zu einer europäischen Sensation aus. Dieser Kriniinaliall ist mehr als ein Riescubetrugsprozeß; er ist ein Zeit- und Sittenbild anS der Verfallsperiode des kapitalistischen GesellschafissnsicmS. Juit in Mährisch Ostrau, dem Zentrum eines unserer grüßten Kohlenreviere, wo tmisende von Bergarbeitern in Not und Hunger dahinvegctieren, ächzend unter der Geißel der Arbeitslosigkeit oder der.Knochenmühle der Rationalisierung,. erscheint, gleichsam als Jlliistrierung der andern Seite des kapitalistischen Snstcms, der 140 Kilogramm schwere Zeniraldircktvr, der„n u r" 38.000 siö f ix eitSlo« natSgehalt« S bezog(ohne von den Ncben- eiiiuahnicu" verschiedenster Art z» reden) und sich gleichwohl Tcsraudasionen von über sieben Millionen sie zuschulden kommen ließ. Fassen wir den Inhalt der Auflage und die Ergebnisse der sonst bckanuigcwordcncn Erhebungen zusanimen, so ergibt sich in großen Zügen folgendes Bild: Kälte an daS Ufer geklettert sind und sich schon jetzt wieder aus dein Wege zur Besserung befinden. Die Zahl der Todesopfer dürfte daher nicht so groß sein, wie zuerst angenommen wurde. Shanghai, 20. Jänner. Nach einer Meldung au§ Tschifu ist ein chinesischer Frachtdampfcr mit 3 1 Ma nn Besatzung in einem Taifun ge- funke n. Die Verhandlung Wahrend der Verlesung der Anklageschrift, loar der Ziifchaucrraiim der GcrichtSsaalcS bis auf das letzte Plätzchen gestillt. Ank die Frag«, ob er sich schuldig fühle, sagt Dr. Zajiiek: „Nein, wenigstens laut der Anklage nicht. Dr. Za- jick fühlt sich nur in bestimmten Dingen schuldig. Er sagt, seine Verteidigung lverde sachlich sein. Wer eine Sensation erlvartet bat, lverde enttäuscht sein. Seine Anklage will er in drei Punkte, gliedern: 1. Sein persönliches Konlo; 2. in den Jahren 1030 bis 1032 wollte er seine Schuld ans Larisch übertragen, 8. bat er keine Unterschrift gefälscht und keine gefälschte Unterschrift der Bank übergeben. Dr. Zajiiek schildert sodann verschiedene Banktransaktionen, die Aufteilung der Konten bei den Banken, wozu Larisch Geld gebraucht hat, die Führung von Separaikanten und warum er sich die Korrespondenz über die Separaikanten an seine eigene Adresse senden ließ. Dr. Zajiiek führte aus, daß er Geld auf das„Konto separat»" für diskrete Zwecke behoben habe und daß er dem Direktor Pesek von der Ceskä prümyslovö banka angedeutet habe, um was«S sich handelt. Dr. Zajiiek äußert sich sodaun über die Forderungen LarischS kür Lieferungen von Plebiszitkohle nach Polen, über den Larisch durch einen politischen Streik mif den Gruben verursachten Schaden und über die Abgabe von Kom- pcnsationSkohle. Larisch sollte für die nach Polen gelieferte Kohle 58 Millionen ungestempelte Kronen bekommen, erhielt jedoch nur 8 Millionen, der Rest von 50 Millionen wurde durch die Devalvation der Währung in Polen vollkommen entwertet. Larisch suchte um«ine Vergütung seitens der tschechoslovaki- schen Regierung an. Der hiebei genannte Betrag be- lvegte sich zwischen 60 biS 80 ja 100 Millionen sie. Um die Angelegenheit zu beschleunigen, brauchte Dr. Zajiiek Geld. Er verausgabte hiesiir 3 Millionen siä. Als Zentraldirektor ließ er sich in Unternehmungen ein, lvie den Verkauf von Jodsalz u. a.. weil er glaubte, hiermis für Larisch einen Geloinn heraus» schlagen zu könne«. Er täuscht« sich jedoch, fiel Gaunern in die Hände und verlor zwei Millionen siä. Er erwartete, daß Larisch ihm, wenn er seinen Posten verlassen lvürde, den Verlust vergüten werde. WaS den auf lllaab lautenden Paß betrifft, sagt Dr. Kajikek auS, daß er ibn bereits im Oktober besaß, während Raab erst im Dezember gestorben ist. Er benützte ihn laut der Aussage LarischS bei seiner Fahrt von Prag nach Paris, als er sich nach einem neuen Posten umsah, lvobci jedoch niemand wissen sollte, wohin er reise. Die Spekulationen auf den Namen Raab führte er ebenfalls deshalb durch, damit mm« nicht wisse, daß er dahinter stehe. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» an» den Programmen: Mittwoch Prag, Sender L.: 10.18 Deutsche Nachrichten, 14.05 Deutscher Arbeitömarkt, 18.05 Schalllatten, 18.25 Deutsche Sendung: Zehn Minuten Aktuelles, 18.85 Deutsche Arbritersendung: Hedda Zinner: Kann und soll die schaffende Frau die Mod« mitmachrn?, 18.55 Sozialinfonnationen, 10.00 DeutschePressenachrichten, 18.20 Fran- S.: 15.20 Deutsche Kinder st unde.— Brünn: 15.40 Jugendfunk, 10.00 Nachmittagskon- zert, 16.50 Kindertheater, 18.15 Arbeitersen- d u n g.Pavlinec: Die heutige Jugend und die Krise, 18.25 Deutsche Sendung: Architekt Oppenheimer: Moderne Kunst in Mähren und Schlesien. Preßburg: 12.25 Mittagskonzert.— Kaschau: 12,80 Orchesterkonzert.— Wien: 11.80 Stunde der Frau. 16.00 Wie der Kaffee, nach England kam. 18.10 Problem der Rauschgifte, 10.00 UnterhaltmigSkon- zert, 20.15 Ein Volk und seine Stadt— Budapest. «r. rt Sette 5 Dienötag, 30. Jänner 1934 -x Heinrich Mann an Gerhart Seger Die ungarischen Genosse», die gemek« dei hatten, sind ohne Angabe von Gründen nicht erschienen. Komotau) 39:12; 8. Daniel Engel(DTJ Komata») 40:07 Min. Die Etshockeyspieke der D T I- M a ir n s ch a f- ten von Prag und Brünn endeten am Samstag nut 8:1 und Sonntag mit 6:3 für die Prager, die' die bessere und einheitlichere Mannschaft stellten. Die Brünner verlegten sich mit wenig Erfolg auf Einzelvorstötzc. DaS Rodeln über 3 Kilometer gewann bei den Frauen von 15 Bewerberinnen Jindra Dräz« dovä(DTJ Schumburg) in 7:2 t Min. nnd bei den Männern Fr. Dubsky(DTJ SmrZovka Dol.) in 7:28 Min. vor 12 Teilnehmern. laufe seiner beifällig aufgenomnicncn AuSfiih- rungen auch der brüderlichen Zusammenarbeit mit der deutschen sozialdemokratischen Partei und dem Atu«. Sodann sprachen der Vorsitzende des Verbandes der DTJ, Mg. Genosse H u m l h a» s. Bieder (Wien) für den Askö, S a l m i n e n(Tul, Hel- sinski), Reitzner für den AtuS und für den Win- tersporifachauSsckuss der SASJ., Dr. Riedl im Nmnen de» Gesundheitsministeriums, S t r n a d (Prag) für die Naturfreunde und B c n e& für die tschechischen Arbeitertouristcn. An den Präsidenten M a s a r h t wurde ei» BcgrüssungStele- g r a m m abgesandt. Erhebend>var der gemeinsame Gesang der^Internationale" und des„Liedes der Arbeit".— Der unterhaltende Teil muh leider als sehr dürftig bezeichnet tverden; der Sprechchor „Rote Rebellen" unserer Sportler aus Dessendorf war avt wirkungsvollsten. In den nächsten Tagen erscheint im Verlag„Graphia", Karlsbad, das Buch„Oranienburg" von Gerhart Seger, in welchem der Verfasser, ehemaliger sozialdemokratischer ReichStagSabgeordnctcr, seine enischlichcn Erlebnisse in diesem Konzentrationslager und die schauerlichen Zustände in dieser vertausendfachten SchrcckeuSkainmcr schildert. Heinrich Mann hat zu diesem Buche ein Vorwort gc« schrieben. Wir freuen uns, heute schon die tapfere» Worte des grossen Dichters und unerschrockenen Kämpfers bringen zu können. Sehr geehrter Herr Gerhart Seger! Sie sind einem der übelsten Orte der Well eutroiincn, ich will Sie vor allem bcgliicktvi'mschcn und Ihnen meine Teilnahme aussprccken an Ihrer heutigen Rettung Ivie an Ihrem vergangenen Leid. Sie haben im Konzentrationslager Oranienburg körperlich und seelisch gelitten, und alles wurde Ihnen zngefiigt von Wesen mit Menschengesicht, denen Sic nichts Böses getan haben, denen Sic vielmehr, nach Ihrer Gesinnung und Ihren Kräften, ein besseres Leben hatten bereiten wollen. Vielleicht noch trauriger Ivar cs, als Sie sogar unter Ihren Leidensgefährten, den Opfern derselben Peiniger, noch Feinden, ja Verrätern begegneten. Das müssen beschämende, erdrückende Erfahrungen gewesen sein fiir jemand, der, wie Sic, ein gewisses Mass von Vertrauen gesetzt hatte in die Gattung Mensch, in die Gesellschaft der Deutschen. Ich fürchte sehr, dass Sic, nach sechs Monaten Oranienburg, anders in die Welt blicken als vorher und dass Ihre Hoffnungen, dieser Gattung, dieser Gesellschaft tväre zu helfen, arg herabgestimmt sind. Unser aller Hoffnungen haben gelitten, auch wenn wir dcni Grauen eines solchen Lagers rechtzeitig ausgewichcn sind. Das Jahr 1933 hat jeden von unö um mehr als nur dieses Jahr älter gemacht, es hat auch einen zweiflerischen Sinn schwerer enttäuscht als seine ganze vorige Lehrzeit. Es tväre schon furchtbar genug, wenn in einem Lande, das tvir für das unsere hielten, feindliche Orte wie der von Ihne» verlassene bestehen, wenn sie von den Negierungen aufrecht erhalten und von der Nation geduldet tverden. Aber das ist noch nicht alles. Auch ausserhalb der.Konzentrationslager häuft sich im stanzen Lande eine unvorstellbare Masse von Unrecht und Abscheulichkeit, den Ausschweifungen widerlicher Triebe. loo.ooo KC für die Partei können mit Leichtigkeit g c>v o n»e n werde», ohne dass der Einzelne auch nur daö geringste Opfer z« bringen hat. Es genügt, wenn von nnu an jeder Abnehmer unserer Parteipresse pünktlich nnd ohne Aufforderung seine Aboime- mcntsgebühren bezahlt, nm der Verwaltung die Mahnspesen zu ersparen. Dadurch werden in wenigen Jahren die 100.000 KC hercingcbracht. •• Den samstägigen Begrüssu»grabend eröffnete Genosse Bros im Namen der politischen und kulturelle!, Organisationen der. tschechische» Genossin sotvie■ im. Nmnen dcS StadtrateS' von Grosshammer.‘ Der RcdnÄ:- gedachte' im Ber- Vom Prager Rundfunk Zunächst ist eine betrübliche Beobachtung technischer Natur zu melden: an vielen Orten des weiteren Radius Böhmens und für kleinere EmPfangS- geräte ist der 2 t r a s ch n i tz e r Sender sehr schwach,— bei ei»''-rmassen ungünstigen Emp- saiigSverhältniffen üb. rupt nicht hörbar. Dieser Lender scheint also doch zu tvenig Scnde-Encrgie zu baden und dieser Zustand ist auf die Dauer nicht tragbar. Tenn die Vermehrung der Prager deiitschcu Sendung soll ja gerade in den Grenzgebieten die Hörer von den reichsdcntschen Sendern unabhängig machen,— Abhilfe ist demnach dringend und rasch geboten I Und cS ist mich sachlich schade um manche der Darbietungen, die über Straschnitz gehen. Besonders die Berichterstattung aus aller Welt ist nngchcuer wertvoll. Die meisten Menschen lesen doch mir ihr Leib- und Magenblättchen und empfangen ihr Weltbild nur in der ost recht verzerrten Perspektive dieses nicht immer reinen Spiegels. Vorbildlich fiir übersichtliche Zusammenfassung aus den Stimmen euschiedenster. Herkunft und Richtung Ivar die auhenpolitische Z e i t u n g ö s ch a u, die Genosse Red. Karl Kern vor ächt Tagen hielt. Die Geschehnisse der„grossen Welt" sind ja so bunt und widerspruchsvoll, jagen einander in solchem Tempo, dass cs schon einer grossen Ikebiing und Erfahrung bedarf, die Fäden zu verfolge», die Zusammenhänge M begreifen; dem Unerfahrenen ist cs endlich gar- »icht möglich, die Hintergründe zu erblicken, von denen sich der grelle Figurenwechsel des Vordergrunds abhebt,— und so bilden derlei Uebersichten und „Querschnitte" wichtigste Hilfsmittel, eine gesund« und verständige öffentliche Meinung zu bilden. Darin wird man Planmässig und umsichtig fortfahren müssen. Im Uebrigen kann ich von dieser Woche nur bwchitücktveise berichten,— eS lässt sich, wie ich schon früher einmal sagte, beim besten Willen nicht alles niitnehmen. Wenig bedeutungsvoll erschien mir, IvaS Hans Regina Nack aus eigen enWerken laS. Es ist guter Durchschnitt einer Zeit, die durch Training und Konkurrenz diesen Durchschnitt, was die Beherrschung der Form betrifft, ansehnlich gehoben hat. Sehr fein behandelte Otto P i ck sein Thema: D i e S ch a u s p i e l e r i n u n d d i e L i e b e, indem er Werfel und Heinrich Mann als Kronzeugen anführte fiir die Tragik der Einsantkeit, die als versönliches Schicksal über jeden echten Künstler verhängt ist. In so allgemeiner Schau vertieft sich aber das persönliche Problem zum sozialen,— Ivie gelingt cs der Gesellschaft, den Menschen, der persönliches Unglück erträgt, um der Allgemeinheit tvert- vollste Kulturgüter zu bereiten, für solche Opfer schadlos zu halten? Ein Problem, das bisher nur in Zeiten grosszügigen MäzenatS individuell gelöst ward, dem der Kapitalismus ganz hilf- und verständnislos gcgenüberfteht und das erst der Sozialismus wird meistern können. Recht herzig plauderte Dr. Erwin Klein in der Jugendstunde mit den kleinen Hörern, die er zu tätiger Mitarbeit an der Ausgestaltung dieser Abteilung anfforderte. Hier ergibt sich eine gute Er« »änznng des Schulfunks. Vollgcwichtig nach Form und Inhalt als Bil- dungSvortrag tvaren die Ausführungen des Univ.- Prof. Dr. Emil Starkenstein über die Erforschung der H e i l u n g S v o r g ä n g e. ES ist jeradczu erschütternd, von dem hervorragenden Fachmann zu hören, dass eS heute etwa 60.000 grösstenteils unnütze Arzneimittel gibt und dass die Apotheke der Gegenwart mit 300 Mitteln alles leisten könnte, was zur Heilung der unS bekannten Krankheiten notwendig ist. Ich will nicht toelter eingehe» mif die klugen und richtungdeutenden Darlegungen des Redners,— könnte doch nur wertlose Bruchstücke geben. Aber zweierlei Folgerungen sollen sich anschliessen: 1 dass echte Wissenschaftlichkeit, basiert auf schonungsloser Wahrheitsliebe, eines der nötigsten Heilmittel für die Krankheiten unserer Gesellschaft ist, da sie auch ganz ohne Tendenz die Syniptome und ihre Ursachen aufzeigt,— und 2. dass sich auch in dieser wahntvitzigen Ueberbildung des ÄrzneitvesenS die chaotische Planlosigkeit der kapitalistischen Wirtschaft beweist: nichts anderes als Bereichernngösucht und Konkurrenzkampf sind ja die Triebkräfte, auS denen dieser Dfchungel von trügerischen Arzneimitteln hervorgctvnchert ist. Wirtschaft, Horatio! rief Thakespcarc,— heute würde er Planwirtschafti ru- >ln.— auch auf diesem Gebiet. Fürstenau enthüllt sich ein Taumel der verkommenen Leidenschaften, gleichzeitig aber ertönen Reden über einen „VcrnunftStaumel", der überwunden und vorbei sei. ES ist allerdings um die Vernunft gescheh«, aber die Unvernunft ist deshalb noch nickt ehrlich. Zergliedernde Erkenntnisse, die man schon längst hätte haben können und auch hatte, tverden nicht wirklich rückgängig gemacht, wenn man sic plötz- lich für eine heroische llngebrochenheit erklärt. „Arier", in deren eigenen Lehrbüchern sicht, das; cS keine gibt, begründen vergebens ihre lieber- Hebung über Mitmenschen mit einem ungcglauv- ten Wort. Zuletzt tvciss man durchaus, was man tut und wohin man treibt. In Katastrophen natürlich, und sic müssen so ungeheuer sein wie die vor- hcrgcgangene Sclbstaufgabe. Wir können nur ablvartcn, bis der schwere und harte Ordnungsruf, den das Schicksal einer so Ivcit abocwichcnen Nation nicht ersparen wird, erfolgt ist und die Besinnung eingesetzt l>at. Eine Frage: möchten Sic vorher zurücklehren? Ich meine, zuriickkehrcn unter verbürgter Gefahrlosigkeit, tvcnn es denkbar tväre, und mit freiem Geleit sozusagen? Ich selbst dann nicht. Das Land, an dein auch ich mit meinem Dasein beteiligt gc- toescn bin» bedrückt und quält mich ichon auü der Ferne genug, seine unmittelbare Gegenlvart ertrüge ich nicht, und ich kenne die Verzweiflung mancher, die sie ertragen müssen. Ich tvill nicht Menschen lvicdcrsehcn, die sich dazu verstanden haben, daö alles mitzumachen, es auch noch zu verherrlichen, es zu idealisieren. Sich und anderen> täuschen sic eine neue grossartige Geisteshaltung vor, aber nur die nackte Gewalt war ihr Anlass. Nur das armselige Interesse und die schimpfliche Auflösung ihres Gcivissenü verbergen sich hinter all den Ausreden. Idealisten— die in der Atemnähe von Konzentrationslagern wohnen, sind von jeher geistig Ehrlose gewesen; nnd die geistige Ehrlosigkeit ist der Anfang jeder anderen. Sie haben Ehren und Pensionen von der Republik empfangen und nehmen dasselbe und noch mehr von dem Regime, das ihre Kameraden martert oder aus- trcibt, sie aber blühen, gedeihe« und singen das Lob ihrer Ernährer. Ich tvill die Hände der falschen Freunde nie tvicdcr berühren, tvill an Gestalten, die mich, aber zuerst sich selbst verrate« haben, nie mehr auch nur das leerste Wort richten müssen. Ich muß cö auch nicht, und Sie, Herr Gerhart Seger, müssen eS ebenso tvenig. Dies Gute hat die Verbannung, so bitter sie uns sonst schmeckt. Heinrich Mann. Hitler Nacht über sie hercingebrochen ist. Den Blicken. Am Sonntag wurden die Winterkäiiwfc fortgesetzt. Auch dieser Tag brachte noch bis in die Mit- tagSsNindeu reicken Tchiieesall. Das so schön in den Bergen eingebettete Städtchen tvics noch regeres Leben ans als am Vortag. Auf dem herrlichen Weitz' der Hänge tununelten sich Hunderte von Sportlern und Sportlerinnen. Vormittag wurden die Mannschaftsläufe über 8 Kilometer sür Sportlerinnen und Sportler durchgcführt, ferner fanden die R o de l Wettkämpfe und das Rückspiel des EishockcykampscS Prag—Brünn statt. Im MannjchaftSlauf der Sportler Ivar die Kombination F i n n l a n d—D T I. nicht zu schlagen. Man muss immer tviedcr staune», mit welcher Leichtigkeit mck Ruhe die Fiuucn über die weisse Fläche dahin sausen. Pon den AtuS«Mannschaften placierte sich die von T r a u t e n a u an dritter Stelle. Die Marienberger hatten keine weiteren Läufer von der Klaffe D r ess l e r, der vor dem Ziele über fünf Minuten auf seine Kameraden warten musste. Ob cs da nicht wertvoller gewesen tväre, die besten Läufer der vertretenen ÄtuS- Krcisc in einer Mannschaft zu stellen, das möge man in Zukunft beachten, um einer starkeir Konkurrenz besser begegnen zu könne». Aber trotzdem kann nia» mit de» Erfolgen der Alus-Tportker überaus zufrieden sein. Den M a n n s ch a s t SI a u s der Frauen bestritt nur der A t n S. Der Neuschnee behinderte natürlich sehr und drückte eitvaS Hie Zeiten. llioch mehr wirkte kick aber dieser Umstand bei dem am Nachmittag abgehaltcnc» Springen auf der S cha n z e in P l a v v aus. Die Springer kamen deshalb auch nicht über 50 Meier hinaus. Er gab auch einige bös mi-schcnde, aber neben Skibrnch noch ziemlich glimpflich abgelausene Stürze. Bon de» A t u ö- L e u t e n zeigte sich Richter(Jungbuch) als guter»nd sicherer Springer,»nährend Petra- s e k(Dessendorf) durch zu steile Vorlagen nicht zu dem gewünschten Erfolge kam; sein Springen tvirkte aber elegant. Als bester Springer der Veranstaltung ist S a f a t(Naturfreunde Unter-Maxdorf) zu bezeichnen. Bon den österreichischen Genos« s e n Ivar man einigermassen enttäuscht. Ihr bester Mann war noch der Wiener D w o r a k. Dem Springen wohnten über 3000 Zuschauer bei, die jede schöne Leistung mit Beifall bedachten. Eine Siegerverkündung mn Abend beschloss diese internationale Veranstaltung, die einen wirkungsvollen Auftakt fiir die im Sommer stattsin- dende III. Tschechoslowakische Arbeiter-Olympiade bildete. «eite« „Sozialdemokrat" DienStag, 30. Jänner 1934 M. 31 PltAGBR ZEITUMfi Prager Wochenende Drei Einbrecher und eine unerschrockene Frau. Sonntag gegen 5 Uhr nachmittags hörte die Hausbesorgerin im Hause Wassergasse 17 ein verdächtiges Geräusch, Im ersten Stock fand sie, als sie nachsah, die Tür zu den Räumen der Finna Spitz geöffnet. Ehe sie die Polizei verständigen konnte, stieb sie im Sticgcngang mit drei unbekannten Männern zusammen, die ihre Anwesenheit im Hause nicht recht zu begründen vermochten. Die Frau folgte ihnen und hielt ans der 2trage einen von ihnen fest, wobei sic um Hilfe rief. Der Mann rig sich los und flüchtete mit den beiden anderen in der Richtung zur Schulgasse. Zwei von den Einbrechern wurden jedoch von Passanten an- gebalten und der Polizei übergeben, während der> dritte flück'ten konnte. Tic Berhasteten sind der 2tjäbrige Bcriscb Orglcr aus KraSna in Polen imd der gleichaltrige Otto Lehman» aus Berlin. Ihren Komplizen kennen sie angeblich nur als einen gewissen.,^obnny". -iwci Prlzgcschästr ausgeraubt. Gleichfalls am Sonntag brachen bisher un- Lelainite Täter bei der Firma P o s p i ö i l in der Karlsganc in"trag I ein und entwendeten Pelzwaren im Werte von über 17.000 KC. Noch größere Beute trugen Einbrecher davon, die in der Nacht auf Sonntag in der Hooverstraße die Firma A. Ticha hcimsnchten und Waren für 20.000 KL davontrngen. Mordversuch an der Geliebten. Die t!»säbrige Marie Svec wollte anö unbc« tannten t'lründcn ihre Bekanntschaft mit dem 2-1 Jahre alten Schnhmachergchilfen Josef Chanra lösen. Das»ahm sich Chanra so zu Herzen, daß er beschloß, das Mädchen und sich selbst zu erschießen. Samstag abends suchte ec sie auf und versuchte sic umzustimmen. Während des erregten Wortwechsels zog er den Revolver und verletzte die Svec scktvcr. tvcnn auch nicht lebensgefährlich, durch einen Schuß in den Kopf. Dann richtete er die Waffe gegen sich, fügte sich jedoch nur eine leichte Verletzung zu. Ein Schutzmann entwand ihm den Revolver und verhaftete ihn. Chaura gestarid die Mordabsicht ein. GasthanSranfrrrirn. In einer Wrschowitzer Kantine begannen Samstag abends zwei Burschen mit dem tllljäh- rigen Mathias Othyü Händel, Ais der Wirt, Josef Bomäkka ne aus dem Lokal wies, kam cS Zu einer Rauferei, in deren Verlauf der Wirt'und OthS durch Mcsserstickic ernste Wunden davontrugen. Die Messerhelden flohen und konnten bisher nicht gefunden werden. In einer Licbener Restauration lvurde der Musiker Jaroslav Löffler von seinem Partner beim Kartenspiel mit dem Messer gestochen. Der Täter lvurde verhaftet, bestreitet jedoch, Löffler angegriffen zu Ja&cn. Der Streit entstand, lvcil Löffler 2 KL Spielschulden nicht zahlte. Das Bermögensgeheimnis der Lehrersrvitrve War WajglSprrgrr überhaupt in Italien'? Wie wir bereits berichteten, verhaftete dis Prager Polizei vor einigen Tagen den 48jährigen Ferdinand WajglSpcrgcr, gegen den Anzeige wegen Unterschlagung und Diebstahls vorlag. WajglSpcrgcr steht im Verdacht, seiner inzwischen verstorbenen Tante, der 73jährigcn Lehre r s w i t w c R ü Z o v a I a n o u s c k„ die in Smichov wohnte, 76.000 KL in bar, sowie Sparkassenbücher über einen fast gleich hohen Betrag und cincu Familienschmuck entwendet zu haben. Der Fall WajglSpcrger ähnelt fast einem Hintertrcppcn-Roman. Die alte Lehrerin hatte, wie ebenfalls an dieser Stelle schon mitgeteilt wurde, ihr gesamtes Vermögen, sowohl das bare Geld Ivie Sparkassenbücher und Schmuck in ein Sofa cingenäht. Als sie schlvcr erkrankte, teilte sie ihren Schwestern mit, tvo sich das Vermögen befinde. Diese sahen nach— an der bezeichneten Stelle lvar nichts. Und auch an keiner anderen. Dec Verdacht, Geld und Schmuck entwendet zu haben, siel jetzt auf WajglSpcrger, den Neffen, der öfters vorübergehend bei den Schloestcrn wohnte Man sah seine Koffer nach, man fand zwar nicht den Schmuck und die Sparkassenbücher, hingegen 70.000 KL in barem Geld. Wajglöperger behauptete jetzt, diese 70.000 KL habe er von seiner Mutter geerbt, und sie gehörten ihm. Jedoch— noch am selben Abend— eS war der 18. Jänner— verschwand er aus des Janoöekfchen Wohnung. Bor Aufregung über all diese Geschehnisse ver» schlimmerte sich Frau Janonscks Zustand, sie starb am nächsten Tag. Drei Tage später gelang es jedoch der Polizei, Ferdinand WajglSpcrgcr in einem Prager Hotel zu verhaften. Er erklärte, inzwischen in Italien gewesen zu sein und dort die 70.000 KL in einem Bozener Hotel deponiert zu haben. Dies alles mußte sich, falls WajglSpcrger Angaben stimmen — Hin- und Rückreise nach Bozen, sowie Hinter legung des Geldes— innerhalb von drei Tagen abgespielt haben. Leider arbeitet die italienische Polizei nicht so prompt wie unsere. ES lvar bisher unmöglich. Näheres von den Bozener Behörden zu erfahren, obwohl die Stadt Bozen doch nicht zu den größten Städten gehört. Bei einer nochmaligen Durchsuchung des Gepäcks fanden sich Obligationen und andere Wertpapiere. Auch einige Scknnuckstückc, goldene Uhren und Armreifen, die vermutlich aus dem Familien- scknnuck vom Frau JanouSck stammen, wurden gesunden. Ebenso die Bestätigung eines Bozener Hotels. die allerdings völlig unleserlich ist. Man hat sic an die italienische Polizei gesandt. Außer diesen Dingen förderte aber die Durchsuchung noch etwas sehr Sonderbares zutage: nämlich zwei N o t i z b ü ch c r, die der verstorbenen Lehrerswitwe gehört hatten. Diese Bücher enthalten verschiedene Aufzeichnungen, u. a. auch die Namen von Leuten, denen Frau JanouSck bei Lebzeiten Geld geborgt hatte. Im ganzen schuldete man ihr 30.000 KL. Die Polizei hat die Notizbücher dem Nachlaßgericht zur Verfügung gestellt, das versuchen wird, jene 36.000 KL für die wirklichen Erbinnen einzutreiben. Der Fall WajglSpcrger ist damit aber immer noch nicht geklärt. Die Polizei vermutet, daß der Verhaftete gar nicht in Italien war. und daß sich Geld, Sparkassenbücher und restlicher Schmuck innerhalb der Tschechoslowakei befinden. Kunst und Wissen „Pünktchen und Anton" Jugend, die sich selbst spielt Im Bühnensaal der„Urania" spielte am Sonntag nachmittag das„Theater d e r I u g e n d" Erich Kästners„Pünktchen und Anton" in einer ein wenig gar zi^lapidarcn Bearbeitung von Lene Reiner. Am Spielenthusiasmus dieser entfesselten Kinder, deren ungekünsteltes, berückend lebenswahres Sich-austoben den Saal mit elementarer, naiver Freude erfüllte, könnte sich manches Theater der Erwachsenen eil» Beispiel nehmen! Die Geschichte von Anton, dem früh erwachten Proletarierkinde und seiner Freundin Louise, genannt Pünktchen, ist beispielhaft dafür, wie Stücke für Kinder geschrieben werden sollem Pädagogisch, aber nicht ausdringlich lehrhaft, kindiich-ein- fach und doch nicht läpvisch-infamie! Hier ahmt kein hoffnungslos Erwachsener mit verstellter Fistelstimme, Karikatur wider Willen, mit kreischenden Kitschtönen das unbekümmerte Lachen der Jugend so seelenlos nach, daß einem das Weinen ankouunt, sondern hier lebt einer mitten in der Jugend, deren' Sprache er spricht. Ohne Maske und ohne geborgte Balltöne. Den.Kindern machte es offensichtlich diebischen Spaß, die„Großen", die manchmal ja auch sehr klein sind, zu verulken, man merkte förmlich den inneren Elan, mii dem sie mitgingen, wenn Anion und Pünktchen, die Frondeure gegen die Ahnungslosigkeit und das DeSimeresiement ihrer Erzieher und Erzeuger, als Sieger das muntere happt) end auf der ganzen Linie beherrschen. Den kleinen, sviel- lvütigen„Schauspielern", die eine erstaunlich zielsichere anonvme Regie angenehm dirigierte, dankte ein so stürmisches Echo, daß der Vorhang immer wieder in die Höhe gehen mußte. Namen zu nennen, hieße den Sinn dieses Jugendkollektivs in sein Gegenteil Verkehren, darum sei nur notiert, daß Anton, der Titclspieler, so herrlich losgelöst von allen Hemmungen, über die Bühne wirbelte, daß aus der Kopie Original und aus dem Spiel der Worte fast ein Stück Leben wurde. Das höchste Lob, das man diesem unbeschwerte» Dreikäsehoch ausstellen kann. Aber auch Louise, ein vielleicht neunjähriges Mädel, lebte die Nolle, als ob sie zu Hause tväre. Sogar satirische Talente tvurden entdeckt; ein selbstbewußter Rothaariger spielte den „Schurken"'des Stückes niit soviel Bravour, daß es fast richtiges Theater wurde. Es war alles da— sogar schmissige Dekorationen, die immer umfallen wollten, und eine gefällige musikalische Untermalung(Rudi Beck). Er sei genannt, weil er als einziger auf dem Theaterzettel steht. Im Theater saßen die kleineren und größeren Geschwister, die Eltern und Tanten. Sie juchzten und Heiteres Dreimal Ratzlaad Stalin begegnet nicht weit voin Roten Platz Bucharin:„Wie gehts Genosse Bucharin, was sagen Sie zu dem neuen Wolkenkratzer am Roten Platz?"—„Aber Genosse Stalin, ich komme eben vom Roten Platz. Steine Spur von einem Wolkenkratzer sah ich!"—„Bucharin, Bucharin, lesen Sie dennkeineZeitung?!" » Im Leningrader Hasen wird eine Leiche gefunden. Die„Pratvda" berichtet darüber in einer Notiz: „ES wurden bei ihm gefunden: eine Mitgliedskarte des Arbeiterkraftfahrbundes, eine Mitgliedskarte des Arbeiterradiovereines, eine Mitgliedskarte des Arbci- terleichtathleicnve bandes, eine MstglicdSkarte des Roten Fußballklubs Stalin, eine Beitragskarte der Roten Pioniere, eine BcitragSkarte der kom. Jugend, sonstige Zeichen von Gewalttätigkeit tvurden nicht festgestellt. In der russischen. Steppe..gehen zwei Juden spazieren.„Weißt du, die letzte Rede von Stalin, waren außer sich vor Freude. Dies„Theater der Jugend" ist auf dem rechten Wege! Ais. Der Btzrentanz B i l c n> W e r n e r, der durch drei erfolgreiche Stücke<„DaS Recht auf Sünde,„Todo Outsider" und.Komödiant Hermelin") bekannte einheimische Autor erregte vor zwei Monaten mit der in Mähr. Ostrau vorgeführtcn Komödie„Der Bärentanz" so viel Aussehen, daß das Stück nun im Stäirdctheatcr zur Aufführung gelang. Der Bär ist ein alter Buchhändler(Hugo Haas), der vierzig Jahre lang allein wirtschaftet, schuftet und spart, um bann zu erkennen, daß er nur ein Zuschauer im Leben Ivar. Er verliebt sich blitzschnell in die erstbeste Tänzerin, richtet ihr eine Wohnung ein, fährt mit ihr an die Riviera, verfolgt sie mit feiner Eifersucht, worauf sie ihm durch ihren Liebhaber die letzten Fünfzigtan- scnd stehlen läßt. Der Dieb wird erwischt, das Geld gerettet; der Alte macht mit der Tänzerin Schluß, wirft ihr das wiedererlangte Geld nach und will sich das Leben uehnien. Da kommt zufällig eine Verwandte zn ihm(Nedoöinskä), eine Frau aus dem„Volke, das, wenn es ein Dach über dem Kopf hat, mit drei Kronen täglich auskommt— bißchen Kaffee, Erdäpfel— und Feiertags noch zwei Kronen fürs Kino..." Der alte Mann erkennt, daß die Menschen auf der Welt die Ausgabe haben, b e n noch Ärmeren dieSteine von ihrem Weg z n entfernen. Und die Zuschauer, die z>l den„zwei Kronen siirS Kino" noch eine zugegeben haben, um ins Theater gehen zu können, die freuen fick« Uber bas Stück; sie stehen hoch oben auf der Galerie, haben den Hals verdreht, um zwischen deir vielen Säulen zu sehen, sie sind vergnügt, sie lachen. Richt nur deshalb, weil sie vom Kino her gewohnt sind, über die zwei prächtigen Schauspieler Haas und Nedoöinskä zu lachen— nein, sie lachen, weil sie sehen, daß eS noch ärmere Leute gibt, als sie selbst eS sind...• n-b. Deutsche Kammermusik.— Die sonntägige erste Aufführung des Prager Deutschen Kammermusikvereines im neuen Jabre gab nicht nur Gelegenheit, ein neues Kammermusikwerk kcnnenzulernen sondern mich eine neue.Kammerinusikvereinigung. Jenes stammte von dem jungen Münchner Tonseher Ernst S ch i f f m a n n und ist ein viersähiges, eigentlich aber sechsstelliges Streichquartett, das trotz der großen Zahl seiner Sätze kurzatinig geraten ist, es also an reicherer Durchführung fehlen läßt; auch die Invention seines Schöpfers ist nicht sehr groß, weder im thematisch-motivischen, noch im rhhthmischen Sinne, und eine gewisse Monotonie in der Amvendung der Sah» und Jnstrumcntälmittel läßt eS farblos erscheinen. Köstlich in der Klarheit unb melodischen Schönheit seiner Musik wirkte dagegen ein zu Beginn der Konzertmatinee gespieltes Streichquartett(in Es-Dur) von dem in Prag geborenen Zeitgenossen Mozarts Anton Reiche, eines zu seiner Zeit sehr geschätzten Theoretikers und Hochangesehenen Komponisten. Als Hauptwerk des Konzertes stand auf dem Programm Beethovens E-Moll-Streichquarteit opus öS, ein echter Beethoven in der formalen Geschlossenheit und Ge- dankenttefe des wundervollen Werkes. Die neue Kam- niermusikycreiniguna. per Pie künstlerische Durchführung des Konzertes oblag, nennt sich nach zwei in ihr wirkenden Brüdern„Peter- Quartett" und konimt aus Deutschland, wo bie Künstler(die Herren Fritz Peter, Robert H a a ß, Gust. Peter und Karl D r e b e r t) bereits großes Ansehen geniess«. An rhhthmischer Präzision und einheitlichem Zusammenspiel läßt dieses Kammermusikensemble nichts zu wünschen übrig, wohl aber an leidenschaftlichem Teniperament; auch daS solistische Sichvor- drängen des PrimgeigerS stört mitunter die Homogenität des dynamischen Klanges.— Am Abend vorher hatte das Quartett bei dem ersten Konzert z c i t- g e n ö s s i s ch e r K a m m e r m u s i t des Deutschen KannnermusikvereinS außer dem Quartett von S ch i f f m a n n noch ein ntueS Streichquartett von Frank W o h l f a h r t und Paul Hindemiths Streichquartett opus 22 gespielt. E. I. Arbeitervorstellnng„Der eingebildete Kranke", Lustspiel von Moliere. Vorher:„Les petits rienS", Ballett von Mozart. Sonntag, den 4. Feber, um halb 8 Uhr im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8—2,4—6 Uhr bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna. „DaS Lied von der Erde" I I I. Philbarm. Konzert— 12. Feber. Einmalig« Aufführung! Dirigent: Szell. Solisten: Kindermann, Riaweh. Kartenverkauf eröffnet. Sonntag Erstaufführung„Boris Godunow" (C 1) Mussorgskys große Oper, die in der Bearbeitung Rimsky-KorfakoffS hier zum ersten Male gegeben wird und fast daS gesamte Opernpersonal be- schäftigt, erscheint in einer neuen Ausstattung von stirchan, in der Regie MordoS. Dirigent: Szöll. Titelpartie: Kannnerkänger Theodor Scheidl. etwas..."„Pfcht, fei ruhig!"— Nach zehn Minuten beginnt der erste wieder:„Mit Litwinow fcheints ..."—»Pfcht, hör auf!"— Nach weitere» zehn Minuten hebt der erste wiederum an:„Und wenn das .stimmen kann mit den Planzisfern..."—„Hör schon endlich mif!"—„WaS hast du, bist du nieschugge, auf dreißig Werst keine Menschenscelel Wer kmin unS schon hören?"—„Kann man wissen, vielleicht ist einer von unS bei der G. P. 11.?" *** Dreimal Deutschland Ein deutsches Gericht verurteilte jiüigst fünf Bmiern und sprach ihnen den Titel„Bauer" ab. Es steht zu erwarten, daß die Reichsregicrung auf Grund der Verordnung des Herrn Reichspräsidenten zmn Schuhe von Volk und Staat eine Bestimmung erlassen wird, wonach alle ErlverbSlosen, die entgegen dem Wunsche deS Führers noch iinmer erwerbslos, somit des vollendeten Hochverrats überführt sind, als Strafverschärfung die Absprechung deS Titels„ErwcrbS- wfer" zu gewärtigen haben. Damit wird Deutschland frei von Erwerbslosen sein, WaS der Reichstag in einer feierlichen Sitzung bestätigen wird. Der SitzungSver- Wochenspielplan deS Reuen Deutschen Theater« Dienstag, 7>h Uhr: Fidelio, Zyklus III, A 2.— Mittwoch, 7% Uhr: Zwei Herzen im Dreivierteltakt, BI.— Donnerstag, 7Zh Uhr: DerBarbier vonSevilla, CI.— F«i< tag, 7H Uhr: Sic verkaufte Braut, D S. Bankbeamte und freier Verkauf.— Samstag. 7% Uhr: Goldene« Prag, AA.— Sonntag, 2>4 Uhr: Arbeitervorstellung: Les Petit« rienS, Der«i«. geblkdete Kranke; 7 Uhr: Boris Godunow Erstaufführung, C 1. Wochenspielpkan der Kleinen Bühne. Dienstag 8 Uhr: W e ißerFlieder.— Mittwoch, 8 Uhr- To w a r i f ch.— Donnerstag, halb 8 Uhr: Die andere Seite, Erstaufführung.— Freitag. 8 Uhr: Weitzer Flieder.— Samstag, 8 Uhr: Die andere Seite.— Sonntag, 3 lihr; DefirLe; halb 8 Uhr: Katze im Sack, Ech- auffiihrung. Ans der Partei S. I. I. Dienstag, 8 Uhr im Heim in der Närodni 4, Bunter Abend. Vcrclnsnadiriditcn Kinderfreunde, Prag. Heute, Dienstag, abends 7 Uhr, in der Redaktion„Sozialdemokrat", Prag XII.,Jochovatr. 62, wrchtige Ausfchutz- fit z u n g. Andere Einladungen ergehen nicht. Deutsche Bolkssinggemeinde Prag. Die nächste UebungSstunde findet Dienstag, den 30. Jänner, statt. Vorher Ausschuß- s i tz u n g, Beginn 7 Uhr. Klub deutscher Buchdrucker in Prag. Samstag, den 8. Feber, ini Saale des Handwerkervereins F a s ch i n g b a l l, zn welchem Masken erwünscht sind. Eintritt im Vorverkauf 10 KL, an der Kassa 13 KL. »er Film Biseots Abenteuer Georges BiScot ist ein etwas massiver, aber gar nicht uns sympathischer französischer Komiker, der anfangs in diesem Film mancherlei Gelächter erregt. Daß anS der Heiterkeit sehr bald Ermüdung wird, ist nicht seine Schuld, sondern die Schuld einer Handlung, die sich einfallsarm und unbeholfen mn das große Strassenrennen„Tour de France" rankt nnd im Gegensatz zu diesem sportlichen Schnelligkeitstaumel nicht von der Stelle kommt. In ewigen Wiederholungen sehen wir die Radfahrer in die Pedale treten, hören wir die Zuschauer brüllen und den verliebten radelnden Briefträger BiScout. stöhne» oder schnarchen. Man fühlt sich versucht, mitzustöhnen: denn em künstlich in die Länge gezogeirer Spa; ist Quälerei.—cIS— filme in Prager Uditspielltäusern bis einschließlich Donnerstag, den 1. Feber. Alfa:„Der kleine König". Föniz:„Kinder der Gross st>ldt— La Maternelle." JuIiK „Unter Deinem Schutz." Kinema, B.-Th.: Journale, Report. Groteske. Kotva:„Der ewige Jude." L«> cerna:„Der ewige Jude." Olympier„Leise flehen meine Lieder." Praha:,»Biseots Abenteuer^. Skaut: „BiScotS Abenteuer". Academia:„Der Fall deS Tyrannen." Earlton:„In einer kleinen Garnison." Lid»;„Ein Herz für ein Lied." Sport-Smlcho»: „Ein Herz für ein Lied." U Vcjvodu:„Der Fluß." I Soeben erschienen! Lili Körber: Eine Jüdin erlebt das neue Deutschland 313 Seiten, in Leinen gebunden Ki 40.— Rabattgruppe D. Auslieferung durch die Zentralstelle für das Bildungswesen Prag XII.« Sleszkä 13. lauf wird über alle deutschen Sender übertragen. DaS internationale Arbeitsamt in Genf hat übrigen? die neue Lage bereits zur Kenntnis genommen und statissisch vcrwcrict. Der liebe Gott erfährt von der Priesterverfolgung im Dritten Reich. Zu JnformationSzwcckcn schickt er den Erzengel Michael nach Berlin. Da man lange Zeit von ihm nichts hört, wird ihm Gabriel nachgesandt. Auch seine Spuren verlieren sich. Nun mutz sich der heilige Petrus selbst auf den Weg machen, nach Michael, Gabriel und dein rechten zu sehen. Aber auch er bleibt verschwunden. Da entschließt sich Gott, allen rassischen Bedenken zum Trohe, Moses mit der schwierigen Aufgabe zu betrauen. Lange hört man auch von ihm nichts. Da kommt eines Tages eine Depesche:„Michaels Gabriel, Petrus aus Oranienburg freibckommcn stop Ankommen überinorgen stop Sieg Heil M o s o w f k i Sturmbannerführer. In München wurde kürzlich ein Jude zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, ivegen Verächtlichmachung der ReichSregicrung. WaS hat er denn gesagt? Nichts, aber er heißt AdolfDeutschland. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung inSHauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.— vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 66.—. ganzjährig KL 162 Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung bon Dtanuskripten ersogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitunaSfrankatur wu'rde'von der Volt- und Telearavben- direktion mit Erlatz Nr. 13.800/VN/10Ü0 bewilligt.- Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und ZeitungE-G, Uag.* Telegraphen-