1ENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEIN MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«. Telefon sjot. Administration telefon sxz«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR> DR. EMIL STRAUSS. FRAG. SszelBrels 70 Hefter («InichlitSllcli 5 Haller Fort») 14. Jahrgang Donnerstag, 1. Feber 1934 Nr. 26 1 Roosevelt-Dol’ar - 0 59 Gold-Dollar Dis aut Widerruf... Washington, 31. Jänner. Nach Jn» Irasttreten der Goldrrserveakte hat Präsident Roosevelt von den ihm durch dieses Gesetz erteilten Vollmachten Gebrauch gemacht und den gefetzlithe» Goldwert des Dollars mit 50.00 Pente fesigeseht. Der Godlwert wird bis auf Widerruf 35 Dollar pro Unze, n. zw. ab 1. Feber dieses Fahret- betragen. Der nette Dollar enthält I5> Grains .721 Gold, hievon 9/10 Feingold. Durch dir Gold» rrservrakle wird automatisch ein Währungsanü- zlrichfondS in Höhe von zwei Milliarden Dollar ßkschasfrn. Neue See- und Luftrüstursen in USA W a s h i n g t o n, 31. Jänner. Dav Reprä- sentanirnban» hat Präsident Roosevelt ermächtigt, 1184 neue Militärflugzeuge zum Ausbau und zur Modernisierung der amrrilanischrn Luftflotte in Auftrag zu gebe». Für diese Flugzeuge werden 1)5 Millionen Dollar benötigt. Das Repräsentantenhaus hat ferner mit erdrückender Mehrheit de» Gesetzentwurf Winsons betreffend den Bau von 120 neuen Kriegsschiffen angenommen. 250 Milliarden Kt Ist das Ausland Amerika schuldig Washington, 31. Jänner.(Reuter.) Tas Schatzamt hat dem Senate bekanntgegrben, daß dir Gesamtsumme der Kriegsschulden, die den Bereinigte» Staaten noch nicht bezahlt würben, 862.108.837 Dollar beträgt. Dir Gesamtsumme aller Schulden des Auslandes an die Bereinigten Staaten beträgt 12.710,451.610 Dollar. Zwei Revolverschüsse gegen daö Münchener erzbischöfliche Palais Rom, 31. Jänner. Die heutige Nummer des„Osservatore Romano", des Organs des Va- tilan, bringt auf der ersten Seite die Nachricht von einem Attentat, das in der Nacht vom 27. auf den 28. Jänner gegen den Münchner Kardinal Faulhaber verübt wurde. Darnach haben zlvci erfahrene Schützen nach 20 llhr gegen die FensterdesAudienzsaalesdeSerz» bischöflichen Palais in München zwei Schüsse abgegeben. Der Kardinal habe sich zu dieser Zeit in der entfernt gelegenen Kapelle befunden und feine gewohnte Arbeit ruhig fortgesetzt. Die Polizei habe er st am näch- ste n M o r g e n(!) die Nachforschungen ausgenommen. Pfarrer furchtbar mißhandelt Zweibrücken, 31. Jänner. sJnpretz): Der katholische Geistliche Schüler aus Hornbach bei Zweibrücken Ivurdc nachts von einem SA-Kom« mando, das lärmend, mit Rcvolveni bewaffnet, in das Pfarrhaus eindrang, verhaftet. Man liest dem Geistlichen nicht einmal Zeit, sich anzuklciden. Im Nachthemd und in Hausschuhen wurde er auö dem Hause gezerrt, verhöhnt, beschimpft und furchtbar geschlagen. DaS Blut rann ihm vom Gesicht herunter... Pfarrer Schuler liegt jetzt furchtbar zugerichtet im Krankenhaus Zweibrücken. Kommunistische Flugblätter Freiburg im Breisgau, 31. Jänner. Die Polizeidirektion teilt mit: Gestern abends während des Anmarsches zur Kundgebung auf dem Münsterplatz zur Feier des 30. Jänner hat die illegale KPD. wieder einmal Gelegenheit genommen, Flugblättermitaufreizende m I n h a l t zur Verteilung zu bringen. Die gewohnt versteckte Art der Verbreitung machte es unmöglich, die Täter zu fassen. Die Polizeidirektion Freiberg sah sich deshalb veranlaßt, zu. einschneidenden Repressalien zu schreiten. Sämtliche aus Anlast des Weih- nachtsfcstes zur vorläufigen Beurlaubung aus den Schutzhaftlagern gelangten ehemaligen Angehörigen der KPD. wurden noch gestern abends wieder festgenommen. I Säuberung Sektion In Tirol Die Schutzkorps anscheinend stark naziverseucht Wie», 31. Jänner.(Eigenbericht.) Es scheint, das? die Nazi der Regierung Dollfuß nicht den Gefallen tun wollen, zu jener Zeit loözu- schlagrn, die dir Regierung allgemein als den kritischen Zcitvunkt erklärt hat. Man gewinnt den Eindruck, daß die Haken freu Ker ihre Aktionen jetzt vor allem andicTirolerGrenzever» legen. Dir Vorgänge in Tirol sind in den letzten Tagen immer undurchsichtiger, zumal dir Rrgie- rungüzensur jede wahrheitsgetreue Berichterstattung unmöglich macht. In Innsbruck hat sich beute ein B e r t ei- d i g u» g s a u s s ch u s; lonstruirrt, wobei eine offizielle Ertlärnng abgegeben wurde, das« di» G e f a h r s o g r o ft sei, daß man mit dem Einsatz der Berteidigimgoträste des Landes in jeder Stunde rrchnm müsse. Regierungöpolitilcr befürchte», die österreichischen Nazi, dir in den Legionen in Bayern ausgebildet wurden, hätten einen Einbruch über die Grenze vorbereitet. Was an diesen Gerüchten wahr ist und was blost Nervosität der Regierung ist, läßt sich kaum unterschridrn. Jedenfalls ist in Tirol dir Aktivität der Nazi heute wieder brsmiderö groß. Es wird grnirldrt, daß in Innsbruck im Laufe des heutige» Tages nicht weniger alS 120 Sprengkörper explodiert sind. Auch sonst sind die Dinge in Lestrrreich scheinbar recht-beunruhigend. Wie ernst mau auch im RegiermcgSlager, das doch sonst bemüht ist, die steigende Benoirrung zu vertuschen, di» Lage beurteilt, geht aus einer sehr aufgeregten Rundfunkrede hervor, dir D o l l f u ß heute mittags hielt und die alle Zeitungen als Pflichtnachricht veröffentlichen müssen. Dollfuß erklärte in dieser Rede, man neüsse sofort eine große Säubr- rnngS- und Strafaktion in der Errkutwr in Tirol beginnen. Er sagte u. a.: In der Nacht auf den 30. Jänner ist der Finanzwachbeamte Fritz Winkler im Bezirk Kufstein in Tirol auf einem Dienstgange entlang der Grenze ermordet nnd in den Inn geworfen worden. Den vorliegenden Anhalespnnkten nach bat er ein« Gruppe Nationalsozialisten beim Schinng- geln von Propagandamaterial überrascht nnd wurde von diesen int Kampfe getötet. Deshalb wurden am 30. Jänner die gesamte»Tirol e. rWehrverbändez nm Grenzkorpsdienstherangezogen und der EicherhcitSdirektor von Tirol hat mit der Exekutive und den anfgebotenen Wehrverbänden eine große Säuberung-- nnd Strafaktion in ganz Tirol in die Wege geleitet, nm dem Treiben aller Staatsfeinde nnd Terroristen ein für allemal ein End« zn bereiten. Der in meiner Pertre- tung mit der Leitung des Sicherheitsdienstes beauftragt« Vizekanzler hat nngesänmt alle Maßnahmen zu treffen, nm die absolute Sicherheit des Staates nnd der Bevölkerung zu gewährleisten. Alle Staatsfeinde sind znrRaison zu bringen(!) und nackt Maßgabe der Notwendigkeit auch die Landes- nnd Gemeindeorgane, soweit sie mit dem Sicherheitsdienste betraut sind, heran- znziehen. Bisher ist noch nichts davon bekannt geworden, daß der Tiroler Sicherhritsapvarat der Regierung derart mtznverläsflg erscheint. Ausgeköst dürfte diesen panischen Schrecken der Regierung vor der eigenen Exekutive der gestrige Vorfall mit der Erschiestung eines Äcim- wehrniannes in Tirol haben. Es hicst ursprünglich, der Heimwehrinaun sei im Lause der Panil, die bei dem Werfen von Stinkbomben in der christlichsozlalcn Versainnilung entstand, irrtümlich erschossen worden. Nun hat sieh aber erwiesen, daß der Heimwehrmann s e l b st die Bombe gcwors n hat ustd ein geheimer Naziagent war, der, auf der Flucht erschossen wurde. Selbst bollfuB 1 leibdetektlv konspiriert mit den Nazli Besonders kennzeichnend für die Zustände in der Exekutive ist dir heute bekannt gewordene Tatsache, daß der KriminalinfpeUor Baumann, der dem Bundeskanzler von der Polizei als be 1 soliderer persönlicher Schutz brigegcdrn war, plötzlich vom Dienst suspendiert wurde, da man ihm Konspirationen mit den Hakenkrruzlern Nachweisen konnte. Baumann wird, wie man hört, einvernommen. Es wird sehr davon gesprochen, daß seine Bcrhaftnng brvorstehen soll. vcr neue englische Abrttstnngsplan 300.000 Mann Reichswehr und leichte Tanks Berlin, 31. Jänner. Das Deutsche Nachrichtenbüro veröffentlicht einen Auszug aus dem britischen Abrüstungsmemorandum, das dieser Tage in Berlin überreicht wurde. England habe demnach seinen früheren AbrüstungSplan modifiziert: Der Grundsatz dec Gleichberechtigung sei nicht weniger wesentlich als der der Sicherheit; beide miistten praktisch zur Aiiweudung gelangen. Ausgehend von der Annahme, daß die Ab- rüstungsvercinbarung aufzehn Jahre abgc- schwsscn wird, wäre die englische Regierung auch mit einer deutschen Heeresstärke von 300.000 Mann einverstanden, wenn nur der mit-der Zahl 200.000 augcstrcbtc Grundsatz der Parität(?) zwischen Frankreich, Deutschland, Italien und Polen zu einer entsprechenden Regelung führen Ivürdc. Die deutschen Versicherungen bezüglich der SA und SS werden mit Befriedigung(l) zur Kenntnis genommen. Weiter werde vorgeschlagen, Tanks über 10 Tonnen binnen fünf Jahren zu vernichten und der neuen deutschen Armee Tankwagen bis zu 0 Tonnen zuzubilligcn, ebenso be- wegliche Landgeschütze mit einem Kaliber bis zu 18.5 Zentimetern, Geschütze über 35 Zentimeter sollen bis Ende des ersten, über 22 Zentimeter bis Ende des vierten und über 15.5 Zentimeter bis Ende des siebenten Jahres zerstört werden. In der Frage der L u f t r ü st u n g e n wird folgende Vereinbarung vorgcschlagen: Wenn die ständige Abrüstungökommission nach Ablauf von zwei Jahren die Abschaffung nicht beschlossen hat, sollen alle Länder das Recht aus eine Militärluftfahrt haben. Sie würden in den folgenden acht Jahren je nach ihrer Lage ihre Bestände schrittweise bis zu einem zu vereinbarenden Stand entweder vermindern oder erhöhen. Bezüglich der überseeischen Landstrcitlräste bleibt die englische Regierung bei ihrem alten Konvcntionscntwurf. Amtliche Bespitzelung Ser Emigranten Ooerlntf legt Verzeichnisse an Berlin, 31. Jänner. Zur Durchführung der vom preußischen Ministerpräsidenten als dem Chef der geheimen Staatspolizei vor einiger Zeit bekannt gegebenen Richtlinie», hat der Ministerpräsident folgende Anordnungen getroffen: ES sind von allen Staatspolizetstellrn beschleunigt Listen auszustrlle», die sämtliche Emigranten jedes Gebietes nnlrr möglichst genauer Angabe der Per sonalien, sowie des früheren und drS jetzigen Aufenthaltes enthalten. Diese Listen sind dem geheimen Staatspolizeiamt biS Mitte Feber vorzule- grn. Dabei ist anzugebrn, zu welcher Kategorie von Flüchtlingen der Emigrant gehört, zu kriminelle» Elemente», zu Flüchtlingen ntchtdeutscher Staatsangehörigkeit, zn führend gewesenen mar- ristischen Zersetzern und Verbrechern oder zu grundlos verängstigten BolkSgcnossen, die auf Grund gewisienloser Propaganda der vergangenen Systemparteien über die Grenze geflohen sind und deren Rückkehr nichts in den Weg gelegt werden soll, wen» sie aufrichtig und ernstlich in die neue Volksgemeinschaft sich einzugliedern gewillt sind. „Kreuziget ihn!“ Die Kampagne gegen Dr. Ripha „ES steht freilich außer Zweifel, daß- die Kanipagne Dr. RipkaS für die deutsche nationale Autonomie int tfcheckto slowakischen Lager nicht die geringste Aussicht auf Erfolg hat.' „Närod" vom 30. Jänner. ES geht uni folgenden Tatbestand. Dir tschechoslowakische Gesellschaft zum Studium der nationalen Fragen ist schon seit längerer Zeit in anerkennenswerter Weise bemüht, eine p o- s i t i v c Behandlung des Nationalitäten- |>roblcms in diesem Staate geistig vorzubereiten. Diesem Zwecke dienten verschiedene von dieser Gesellschaft heransgcgcbcne Publikationen und zulebt eine in Prag veranstaltete Vortragsreihe. Das; eS sich dabei keineswegs um ein germauo phileS Unternehmen handelt, dafür bürgt schon die führende Beteiligung deS stellvertretenden Außenminister K r o s t a. Auch ei» zum Ab schlnst der erwähnten Vortragsreihe von dem fortschrittlichen Publizisten Dr. Ripka gehal teuer Vortrag hat ansschliestlich vom Stand punkte des tschechoslowakischen Staatsinteresses zu den Forderungen der nationalen Minderhe! tcn Stellung genommen; wobei der Referent allerdings nach mancher sehr vorsichtigen Ver klansulierung zu dem Ergebnis gelangte, dar, die Regierung klug handeln würde, den Wüu■ scheu der Minoritätsvölkcr in einigen wesent lickten Punkten entgegenzukommen. Als solche zahlte er auf: ' 1. Die kulturelle 2 ch u l n n t o m i e. Wahl eines Kulturratr» aus den Paria- mentarirr» der Minoritätsvölker als Br ratungsorgan des Dchulministeriumv. Er- richtimg einer 2 e k t i o» f ü Minder h e i t s s ch u k e n in diesem Ministerium mit einet» drntschen Sektionschef an der Spitze. 2 Ernennung rmeS deutschen Lands m a n n m i n i st e r s in jeder Rrgirrung durch de» Staatspräsidenten. 3. Regelung der Sprachen präzis im Sinne der praktischen Bedürfnisse durch Beseitigung aller überfkiisiigcn Prestigemo- mente. 4. Herabsetzung der bisher 20prozrntigrn Br völkerungöquotr, welche Borausfetzung der zweisprachigen Amticrnng in Gerichtsbrür grn nnd Gemeinden ist, auf 15 Prozent. 5. Es wäre im SwatSinterrsse anzustrcbcn, daß mehr deutsche Beamte in dir Zcntralämter berufen werden. 8. Bewilligung deS deutschen und des unga rischen Rundfunks. 7. Errichtung ungarischer Lehrstühle an der Prcßbnrger Universität. Diese Vorschläge, die wir bereits auszugsweise in dem Vortragsbericht anführten, waren Ausdrücklich als D i Z k u s s i a n ü b a s i s bezeichnet, also ohne jede politische Verbindlichkeit erstattet. Vom Standpunkte des deutschen Akti- vismus konnte man nun darauf gespannt sein, wie die tschechische Ocffentlichkcit auf diesen Versuch einer positiven Einstellung zn den Forderungen der Minderhcitsvölker reagieren werde. Das Echo, welches die Anregungen Dr. RipkaS bisher in der tschechisch-bürgerlichen Presse gesunden haben, ist aber sehr u n c r s r c u l i ch zu nennen. Es mochte noch hingehen, das; am nächsten Morgen schon die Stkibrnv-Pressc mit vierspaltigen Ueberschriftc» Alarm schlug. Von ihr war nichts anderes zu erwarten. Bedenklicher ist schon, wenn auch das Zentralorgan der tschechischen Agrarier sich bemüßigt fühlt, in aller Form von den Gcdankengängen Dr. Rip- kaS abzurückcn.„Wir informierten uns— so schreibt der„Venkov"— an jenen entscheidenden Stellen, von denen angenommen werden könnte, daß Dr. Ripka für sic spricht, und wir überzeugten uns, daß ähnliche Anschauungen keineswegs Gegenstand der Erwägungen maßgebender politischer Faktoren waren, sondern sogar entschieden abgolehnt wurden." Der«Venkov" versichert schließ- Leite 2 Donnrrstas, 1. Feber 1031 Nr. 26 lich seinen Lesern, das; eS sich nur um reine P r i v a t a n s i ch t e n NipkaS handle,»damit unsere Oefsentlichkcit nicht vielleicht überflüssig irregeführt werde". Den heftigsten Gegenangriff leistet sich aber der„Närod", immerhin das Organ einer Regierungspartei. Dieses Blatt beschuldigt frisch von der Leder weg Dr. Ripka der„germano. Philen Propaganda" und macht dafür sogar die ganze tschechisch-nationalsozialistischc Partei verantwortlich, weil daS Blatt, bei dem der Ketzer tätig ist, dein Abgeordneten Dr. S t r a n s k y gehört. Der Standpunkt des„Närod" und da- mit Wohl der gesamten nationaldcmokratischcn Presse ist durch jenen Sah gegeben, den wir als Motta vorangestellt haben. Es besteht„nicht die geringste Hoffnung", die tschechoslowakische Ocf- sentlichkcit für die Vorschläge Dr. RipkaS zu gewinnen. Zu diesem Standpunkt must aber einmal von deutscher Seite ein offenes Wort gesagt worden. Die Herren Ucbcrpatrioten in den tschechisch-bürgerlichen Redaktionen denken osfenbar nicht daran, welche verheerenden psychologischen Wirkungen sic mit diesen» Kreuzzug gegen Doktor Ripka in der sudetcndeutschen Ocsfentlichkeit anrichten. So wird daü anfkeimendc Bertranen in die demokratische Berständiguagüberestschast des tschechischen Volkes systematisch vernichtet. Soll daS ewig so bleiben, dast jeder ehrliche Tscheche, der ein vernünftiges Wort für die nationale Verständigung cinlegt, sofort von dem Eboruo der chauvinistischen Presse nicdergcbrüllt tvird, dast danil im nächsten Augenblicke politische Parteien von der Stärke der tschechischen Agrarier vor dieser geheuchelten Entrüstung zu- rückivcichcn? Wann soll dann in diesem Lande überhaupt ein realer Fortschritt in den Formen dcö nationalen ZusanuncnlebenS erzielt werden? Zudem wird die Polemik in einer so unwürdigen Form geführt, für die kein Wort der Verurteilung zu stark ist. Der„Nä- rod" hat z. B. entdeckt, dast die Anträge Dok- tor NipkaS gegen die Einheitlichkeit(celivost) des Staates gerichtet sind, das; ihre Durchführung den„ersten Schritt zur Lostrennung des gemischten Gebietes von der Republik" bede»«ten würde. Hier tvird mit den grundverschiedenen Begriffen der territorialen und der personellen Autonomie direkt Eskamotage betrieben, mn den Leser zu verwirren. Es ist an und für sich eine recht anfechtbare Behauptung, das; die territoriale, die Gebietsautonomie der Deutschen die Losreißung der Grenzgebiete von der Republik bedeuten würde. WaS hat aber ein beschei- dcncr Versuch der personellen Autono- m i e, wie ihn Ripka vorschlägt, mit der Einheitlichkeit dcS Staatgebietes zu tun? ES gehört schon eine gute Portion Böswilligkeit dazu, zu behaupten, dast die Wahl eines halbamtlichen Kulturrates durch deutsche Parla- mcntaricr, oder eine Minderheitcnsektion im Schttlministcrium, oder die Verselbständigung dcS deutschen und ungarischen Rundfunks den Anfang zur Lostrennung der deutschen oder ungarischen Randgebiete bedeuten würde. Eine solche unsachliche Argumentation wird und kann ans der deutschen Seite nur so verstanden, daß im tschechisch-bürgerliche« Lager für einen engherzigen nnd nnbelehrbarr« Machtstandpunkt fadenscheinige AnSrrdeu gesucht werden. Auf Sachlichkeit kann diese KampfeSweisc gegen die Ideen der nationalen Verständigung keinen Anspruch erheben. ES ist durchaus denkbar, dast eine tempera- mentvolle Weitersührung der geschilderten Kampagne alle tschechisch-bürgerlichen Parteien und auch die Nationalsozialisten zuin Abrücken von den„germanopbilrn" Ansichten Dr. RipkaS veranlastt. Nein sagen ist tit der o I i• tikdielci chtc st eundbcquem st«Arbeit. Die wirklich staatSerhaltcndcn tschechischen Parteien— ob man dazu die Nationaldemokra- tcn zählen kam», sei dahingestellt— mögen sich aber doch überlegen, ob man gerade in diesem Augenblicke den deutschen und un- garischcn Mitbürgern in die Ohren brüllen soll, dast innerhalb dcS tschechoslowakischen Staates „nicht die geringste Hoffnung" für die Erfül- lung ihrer bescheidenen kulturellen und sprachlichen Wünsche besteht. Diejenigen, die in der öffentlichen Meinung gekreuzigt wurden, haben in der Geschichte ineistenS recht behalten! Nach Bayern verschleppt Der Präser Händler Kolllnsky In Furth I. W. Interniert DaS Abendblatt der„N ä r o d n i L i st y" berichtet über einen Vorfall, dec sich am Montag an der tschechoslowakisch-deutschen Grenze zwischen Tauü und Furth i. W. zugetragcn hat. In die Station Bollmau kam an diesem Tage der Prager Fabrikant K oll in s ly und zeigte an, daß er in der neutralen, ungefähr künf Meter breiten Zone zwischen den beiden Grenzposten eine Zusammenkunft mit einem Münchner Geschäftsfreund vereinbart habe. Der Ort war darum gewählt worden, weil weder Kollinsly noch sein Verhandlungspartner Pässe besitzen. Tatsächlich kam zur angegebenen Zeit von Bayern ein Auto, welches ungefähr 100 Meter von der Grenze Haltmachte, Kollinsky und der Münchner trafen einander in den» neutralen Abschnitt der Strahe. Während des Gespräches führte der Reichsdeutsche den Prager Fabrikanten, der dabei Gcschäftspapiere studierte, auf deutsches Gebiet. In diesem Augenblick näherte sich ihnen rin Mann mit einem Tragkorb. Als er neben siol« linsky stand, setzte er den Korb plötzlich ab, z o g einen Revolver und richtete ihn auf den überraschten Fabrikanten. Gleichzeitig sprangen aus dem Auto einige Männer, welche Kollinsly sesthiclten. Der tschechosloivakische Grenzer gab zlvci Rcvolverschüsie ab, uni Verwirrung hervorzurufen und Kollinsly so Gelegenheit zu geben, auf daS nahe tschechosloivakische Gebiet zu flüch ten. Dieser versäumte jedoch die Gelegenheit, wurde von der Uebcrzahl der Angreifer überwältigt und im Auto, wahrscheinlich nach Furth i. W., entführt. Die tschechoslowakische Grenzwache mußte ohnmächtig zuschen, da der Vorfall sich auf bayrischem Gebiet abgespielt hatte. „V. N. L." will erfahren haben, dast Kollinsly auf dem Umwege über Holland Papierwaren nach Deutschland geliefert und dadurch die deutschen Einfuhrvorschriften umgangen habe. Sein Geschäftsfreund in München wurde deshalb verhaftet. Gegen das Versprechen, bei der Ergreifung Kollinskys behilflich zu sein, soll er jedoch wieder freigclasien worden sein. Die deutschen Behörden verlangen nun von dem Prager Fabrikanten eine riesige Geldstrafe. Rach einer späteren Darstellung von amtlicher tschechischer Seite wollte Kollinsih mit dem Lug dir nach Fürth fahren, wurde aber von der tschechischen Grenzkontrolle von der Weiterfahrt ausgeschlossen, weil er keinen Patz hatte. Kolkinsky telephonierte daraufhin von der Grenzstation seinem Geschäftsfreund nach Furth und forderte ihn auf, an die Staatsgrenze zu kommen. Kollinsly wurde von unseren Grenzorganen wiederholt vergeblich darauf aufmerksam gemacht, nicht die Grenze zu überschreiten. Die Polizeidirektion in Prag teilt mit, daß es sich nicht»im den Fabrikanten Kollinskts handelt. Der Verhaftete heisst Josef Kollinsih, ist H n n d l e r m i t Wertpapieren, 24 Jahre alt, jüdischer Natio- I nalität und in Karolinental geboren. Ilm die Export förderung Während eü gegen Ende der vergangenen Woche, insbesondere nach den Ausführungen des Ministerpräsidenten vor den Prager Journalisten, schien als ob der Plan des Finanzministerö EngliS zur Förderung des Exportes vor seiner Verwirklichung stehe, haben sich diese Woche die Stimmen gemehrt, welche auf daS Bedenkliche des EngliS- PlancS Hinweisen. Oesterreichischrr Minister gegen Engliö-Plan Bemcrkenstvert ist, waS der österreichische Finanzminister Dr. B u r e s ch anläßlich seines Vortrages im Prager Jndustricllenllub sagte. Die Verwirklichung des Planes würde bedeuten, daß die tscheckoslotvalische Ware in Oesterreich un» 18 Prozent billiger, die österreichische Ware in der ESN. um 15 Prozent teuerer wäre. ES würde also die österreichische Einfuhr in die ESR. gedrosselt werden, während die tschechoflotvakische Ausfuhr»ach Oesterreich unter wesentlich günstigeren Bedingungen arbeite» würde.„Da aber", so sagte der österreichische Minister wörtlich,„der jetzige Zustand im Handelsverkehr mit der ESR. für Oesterreiai nicht gut erträglich ist, Ivürde eine weitere Begünstigung der tschechoslowakischen Wirtschaft zu Lasten Oesterreichs, das angcstrcbte Ziel eines Ausgleiches in weite Ferne rücken". Aus diesem Vortrag dcS österreichischen Ministers gehl damit hervor, daß die Verwirklichung dcS Engliö-PlancS zu einer Lockerung der Wirtschaftsbeziehungen mit Oesterreich führen könnte. Konsumgenossenschaften gegen Jmportzuschliigc Der Vorstand des ZcntralvcrbandeS der tschechoslowakischen Genossenschaften hat über die Exportsörderungüpläne beraten, und sich gegen alle Maßnahmen ausgesprochen, die eine Belastung des Importes bedeuten, denn die Importbelastung bedeutet ihre Ueberwälzung auf den Verbraucher. Deswegen tvarnt der Verband als Zentrale der größten Verbrancherorganisation vor Maßnahmen, die zur weiteren Unterbindung der JnlandSmarktrS führen lvürden. Matouvek-Plan: AuSfuhrschrine Einen neuen Plan der Exportförderung hat Handeisminister Dr. MatouSck ausgcarbeitct. Dieser Plan betrifft nur jene Ausfuhrländer, mit denen keine Kompensationsverträge und sonst keine die Ausfuhr hindernden Maßnahmen bestehen, tvo also eine Preisherabsetzung praktische Bedeutung hätte. Wer in diese Länder Ware» auSführt, erhält das Recht, Fertigerzeugnisse mir dem AuSlandc in derselben Höhe einzuführcn. Wenn also jemand für 100.000><ö ins Ausland verkauft, kann er für 100.000 llö Waren einführen und ans dem Gewinn der eingeführtcn Waren Verluste decken, die aus dem Auslandgcschäftc erwachsen. Für die Ausfuhr dieser Waren erhält der Exporteur vom Zollamt eine Bescheinigung, einen AuSfnhrschein. den er auch an dritte Personen verkaufen kann, so daß auf diese Weise der Exportverlust gedeckt wird. Gegensätze im tschechlsch-hierlhalen lager „Rovä Toba", das Blatt der- Pilsener Sozialdemokraten, veröffentlicht einen Leitaussab über die Verhältnisse in der tschechisch- klerikalen Partei. In dieser Partei herrschen gewisse Gegensätze zwischen der parlamentarischen Führung der Fraktion, die durch den Minister Srckmck repräsentiert wird und der böhmischen LandcSpartci, an deren Spitze dec Abgeordnete S t a s e k steht. Gegentvärtig handelt es sich in dem Konflilt der beiden Flügel der Partei um die S t ä n befrage. Während Stasek und die Redaktion der „Lidove Listy", dem Zentralorgan der Partei, für die Idee der Ständcvcrfassung eintreten, sieht Srämek entschieden auf dem Boden der gegenwärtigen demokratischcit Verfassung und einer demokratischen Politik der Partei. Das hat Skämet auf der Brünner Konferenz der Tscheckischklerika- le», die Sonntag stattfand, erklärt. Srämek sprach sich hiebei für die Erhaltung der gegenwärtigen Koalition aus. deren Schwächung eine Erschüttc- rnng der demokratischen Front bedeuten würde. Auch der Führer der christlichen Gewerkschaften, Abgeordneter Petr, sprach in ähnlichem Sinne und in einer Resolution treten die christlichen Gewerkschaften stir eine Reorganisation der tschechischen BolkSpartci im Sinne ihrer Zentralisierung aus, tvas zweifellos eine Stellungnahme gegen Stase! und die„Lidovä Listy" bedeutet. Der Nelson-Schacht wird nächste Woche geöffnet werden. Dienstag wurde im Auftrag der Staatsanwaltschaft bei der Frau des verhafteten Schacht- Meisters Kutina eine Hausdurchsuchung vorgenommen, da die Fmu der Witwe nach einem im Schacht getöteten Arbeiter Aufzeichnungen über die Verhältnisse in der Grube entlockt hatte, um se belastendes Material zu beseitigen. Die Notizen wurden in der Wohnung tatsächlich gefunden und beschlagnahmt. Der Schacht, welcher nach der Katastrophe hermetisch abgeschlossen worden tvar, Ivird nächste Woche geöffnet werden. Die Pläne für diese Arbeit wurden fertiggestellt. « 12 H. m. de Jong: HeracMwigtm Harte I tin Xwnun in vier tptaufen Autorisierte UeberMteunir aus dem Holländischen ▼on B R. F u c h i. Peter betrachtete ihn mit glasigem Blick, aber den einzig möglichen Schluß ziehend, mitivortete er schnell: „Halt deine Alte zum NarrenI... Hier schau nur, Dämling: Blaserchen I" lind er zeigte seinen.Kameraden eine Schachtel billige englische Zigaretten. „Kannst rauchen?" „Hab's noch nie probiert... darf nicht..." „Fluchen darf man auch nicht," tröstete Peter weltersahren.„Aber wir gehn uns fein ein Ziga- rettchen anstcckcn, Mann... Versuch eS nur!" Seufzend nahm Piet die ihm zugedachtc Zigarette an. „Man sagt, daß einen/ davon schlecht wird," toandte er dagegen ein. „Wenn man Schund raucht, ja." unterwies ihn Peter.„Aber diese haben einen Namen, Junge...'n Glück, daß ich sie in dem Bauern- geschäst kriegen könnt!" Er gab das Vorbild ab, steckte sich eine Zigarette an und puffte verführerisch blau-weiße Rauchwöllchcn aus. In der Angst, für ein Wickelkind gehalten zu lvcrdcn, ahmte sein Gefährte mit Todesverachtung sein Beispiel nach und sog den bitteren Rauch der billigen Zigarette in seinen widerstrebenden Mund. Aber nackt ein paar Zügen gefiel es ihm duckt besser, als er erwartet hatte, und das Gesicht seines furchtbar dampfenden Freundes erfüllte ihn mit Genugtuung: erweckte er selbst nicht einen ebenso männlichen Eindruck?... Sie schichteten einen tüchtigen Holzstapel auf das knisternde Feuer, das kurze Zeit zu ersticken drohte, dann aber höher aufflackerte und zischende Flammen empor peitschte. Und in tiefer Seele zufrieden saßen sic um das romantische Lagerfeuer, rauchten ihre Zigarette und guckten vergnügt über das lvesiige Land zu ihren Füßen, über das der purpurne Schein der sinkenden Abendsonne rosiges Gold breitete. Am Horizont war die Silhouette der Stadt in den flammenden Himmel cingckcrbt, zackig und zerschnitten durch hohe Gebäude mit darüber hinauöragenden Türmen und mit Rauchfahnen dunkelbefiederten Fabriksschlöten. Im Wald hinter ihnen rauschte der Wind und die Bügel sangen ihr letztes Preiölied an den sterbenden Tag. Schnell würde die Dmnmerung kommen und dann die Finsternis der Nacht und die Einsamkeit des weiten Landes. Beide dachten sie an die lange, dunkle Nacht, die hcrannahte und die sie in der Höhle unter den Wurzeln des alten Baumes verbringen sollten... und sie wußten nicht, ob sie darüber froh und stolz waren oder vielleicht zu Tode geängstigt... Schlveigend rauchten sie noch eine zweite Zigartte, husteten ab und zu, rieben verstohlene Tränen aus den Augen, die ihnen der prickelnde Rauch hervorlockte, und unmcrklich versank ihre fröhliche Stimmung in ein iinmer drohender anwachsendcS Gefühl des Unbehagens und jeder von ihnen war nach und nach überzeugt, daß die Nacht in der dunklen Höhle weit entfernt tvar von einem freudigen Abenteuer... Heimlich ließ jeder eine nur zur Hälfte gerauchte Zigarette in das Feuer fallen und blinzelte seitwärts, befriedigt feststellend, daß der andere auch nicht mehr rauchte... Dumpfer Schmerz bean» in ihren Köpfen zu hämmern. Ihr Magen wehrte sich heftiger und heftiger gegen die Einwirkung des un« gewohnten Giftes und dunkler Nebel senkte sich über die dunkle Abcndlandschast und ihr klopfendes Herz. Sie begriffen plötzlich nicht mehr, wie sie die Welt hatten so göttlich finden können, und ihren idiotische» Einfall von zu Hause fortzulaufen, verwünschten sie innerlich al» das Dümmste, tvas ein eseligeS Geschöpf je sich hatte auSsinnen können.. Ein unendliches Bedürfnis nach Trost und unbekannten Gesichtern nistete sich in ihrem plötzlich sehr wenig selbstvertrauenden Herzen ein und trübselig blickten sie vor sich auS ermüdeten Augen und ihre Leiden erschienen ihnen schwärzer nach jedem Nicker; sie kämpften verzweifelt gegen daS unwiderstehlich aufsteigende Uebclsein, daS ihnen die Welt in diesem Augenblick als einen dunklen und barbarischen Ort erscheinen ließ, eigenS erschaffen, um arme, betrogene Jungen zu quälen tind totunglücklich zu machen. Piet hatte das Schlucken und er kämpfte hartnäckig, um einen unbegreiflichen Brechreiz zu unterdrücken, und Peter lag seitwärts nnd preßte krampfhaft seine Hände gegen den Bauch in einer durchaus nicht anderen Absicht. Er brachte nicht einmal mehr genügend Mut auf, um mit kernigen glückten gegen die unbarmherzige Schicksalstücke zu protestieren... Und so hörte keiner von ihnen die raschen Schritte des Jagdaufsehers, der aus dem Wald herauskam, die steile Böschung herabsprang und in großen Sähen rasch auf die Jungen zueilte... Matt und gleichgültig sahen sic auf, als seine Stiinmc sich laut, aber erregt nnd endlich erstaunt nahe an ihrem Ohr vernehmen ließ:„Wahrhaftiger Gott... Der Kronprinzk" V. Peter starrte glasigen Blicks und verständnislos auf den Mann mit dem geschulterten Getvchr und der grünen, mit blinkenden Knöpfen versehenen Uniform. Waö tvollte der Kerl? Warum inußte der sie behelligen mit seinem Blödsinn: „Kronprinz". Ging es ihnen nicht schon elendig genug? TodeSkrank und nun natürlich auch noch ausgeschrieben zur Bestrafung wegen ihrer Feuer» anzünderci? Huh, tva? für'» Dreckkerl, der seine Opfer so niederträchtig verhöhnte... Warum erstickte der nicht an seinem Gerede vom Kronprinzen?... Gelassen setzte er sich auf in Er» wartung. tvas das grün uniformierte Verhängnis weiter über sie bringen tverde. Vielleicht kamen sic noch mit einer Tracht Prügel frei... Aber sein Magen schien solch stürmischen Aufregungen nickt mehr gewachsen und nach raschem Rülpsen und Würgen entleerte der unglückliche Peter alles, tvas von der letzten fesllichen Mahlzeit noch in seinem Innern ruhte, in die Asche des glimmenden FeuerS. Und in herzlicher Solidarität tat Piet desgleichen... Worauf sie, todcSblaß, aber merklich erleichtert, sich wieder seitwärts zur Erde fallen ließen,— cs Ivar ihnen alles auf der Welt einerlei in diesem unangenehmen Augenblick. Sie würgten, um daS bcennende, saure Gefühl in ihrer schmerzenden Kehle loüzutvcrden, und folgten mit ihren schmutzig-schwarzen Handrücken die ekelhaften Klümpchen weg, die ihnen von Lippen und Kinn baumelten. Peter sah, wie der Förster sich über seinen kleinen Freund beugte und besorgt fragte: »Sind Eure Hoheit krank?" Und in all seinem Elend mußte er doch etwa» lächeln, als er Piet mit schwacher Stimme antworten hörte: «Hol dich der Teufel, Kerl! Mein Kopf zerplatzt mir fast!..." Er Ivar neugierig, tvas der feige Saukerl von einem Förster nun wohl tun wiirdel Aber er erschrak doch, als er sich aufrichtete und entschlossen die Büchse von seiner Schulter nahm. WaS nun? Wird er schlagen oder schießen mit seinem Gewehr? DaS sollte er versuchen. Schreck und Wut verdrängten mit einem Schlage den Rest seiner Uebeskeit und blitzschnell tvar er aufgesprungen und hatte einen knorrigen Ast ergriffen. Zornig stand er vor seinem Freund und schrie: «Sie tun ihm nichts, hören Siet.. Oder ich schlag Sie...ich schlag Siel" (Fortsetzung folgt.)' ftr. 2Ä Donnerstag, 1. Feier 1934 Seite 3 Buresch bei Benes Die Beteiligung der ÜSN. an der Lausanner Anleihe. Prag, 81. Jänner.(Tsch. P.-B.) Der österreichische Finanzministcr Dr. Buresch, der inoffiziell in Prag tveilte, ist heute nach» mittags nach Wien abgereist. Dr. Buresch hatte während seines Aufenthaltes in Prag Gelegenheit mit Außenminister Dr. Benes und Finanzminister Dr. T r a p l über die Beteiligung der Tschechoslowakischen Republik an der Lansan- nerAnleihczu verhandeln. Man kam zu dem Ergebnis, daß ein Betrag von vier Millio- nen Goldschilling als t s chccho slowakische Tranche vereinbart wurde. Die Verzinsung tvird fünf Prozent, der ZuzahlungSkurS VS betragen. Außerdem sagten die Vertreter der Tschechoslowakischen Republik dem österreichische!» Finanzminister zu, daß die Verzinsung der sogenannten Konvertierungs-Anleihe 11 aus dem Jahre 1922 per restlichen rund 86 Millionen Kc von 0.98 Prozent auf 6.75 Prozent. und zwar mit Wirksamkeit vom 1. Feber 1984 herabgesetzt wird. Die Verhandlungen, die durchtvegS in freundschaftlichem Geiste geführt tvurden, geben der Hoffnung Raum, daß die demnächst aufzu- nehmcnden handelspolitischen B e r- Handlungen zwischen Oesterreich und der Tschechoslowakei ein für beide Staaten günstiges Ergebnis zeitigen werden. Dienstzeitverlängerung „In Erwägung gezogen" Entscheidung liegt bei der Nationalversammlung Russische StratosphärenfSieger tot London, 31. Jänner. Wir Reuter auS Moskau meldet, sind die drei Insassen deS sowjetrussischcn Stratosphärenballons in der 01 o n d c l deS Ballons tot aufgesunden worden. Die Fundstelle befindet sich in der Nähe des DorfrS Potinskh an der Bahnlinie Moskau—Kasan. An- , scheinend ist die Gondel vom Ballon abge- .rissen und zu Boden gestürzt. Moskau, 31. Jänner.(Reuter.) Nach Be« ' richten von Augenzeugen ereignete sich die Katastrophe des Stratosphärenballons durch LoSlösen der Gondel beim Fallen des Ballons während . eines heftigen Sturmes. Die Insassen > der Gondel, die mit großer Schnelligkeit zu Boden ' stürzte, wurden als arg v e r st ü m m e l t e Leichen anfgefunden. Sämtliche Apparate in der Gondel wurden vernichtet. In der heutigen Sitzung des kommunistischen Parteitages in Moskau machte I e n u k i d s e folgende Mitteilung: Gestern zwischen 15 Nhr 30 und 17 Uhr stürzte die Gondel drö Stratosphärenballons des Dssoawiachim Nr. 1, die sich vom Ballon loSor- läst batte, im Jnsarsk» Bezirk im Gebiete der Mordwa bei dem Dorf Potischskis Ostrog, acht; Kilometer südlich von der Station Kadoschkino an der Eisenbahnstrelke Moskau—Kasan ab. Der Ballon selbst wurde vom Wind sortgctrie» ben. In der obgcstürzten Gondel wurden sämtliche drei Flugteilnehmer Fcdosseujrnko, Was- srnko und llsinskin tot aufgefunden. AuS Bekundungen von Augenzeugen geht hervor, dass beim Abreisten der Gondel vom Bollon ziuci Explosionen vernommen wurden. Dir'Leichen aller drei Flieger sind biS zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Sämtliche Geräte und Gegenstände in der Olondel sind zertrümmert. An den Ort der Katastrophe ist zugleich ein Sonderausschuß abgereist, nm dir Ursachen der Katastrophe zu I untersuchen. Der kommunistische Parteitag ehrte das An- denken der drei verunglückten Helden Sowjet ruß« lands durch Erheben von den Sitzen und faßte den Beschluß, ihre sterblichen llcberresle in Moskau, und zwar an der Krcmlmaucr auf dem Roten Platz bcizusetzen. Daladier greift durch Noch vor der Kammersitsung scharfe Massnahmen in der Stavlsky«Afff£re In der gestrigen Sitzung drö Wehrauü» schnsiro erklärte Minister B r a d a l auf Anfragen über die angeblich beabsichtigte Berlän- grruug der Dienstzeit:«Alles, waS wir tun, ist die notwendige Folge der gegenwärtigen außcn- volilischen Weltlage. Der Genrralstab muß alleEventualitätenür Evidenz halten und deshalb wird auch die Berlängerung der Dienstzeit in Erwägung gezogen. Der Oberste Bcrtcidigungsrat hat bisher über diese Sache nicht verhandelt und rtz ist selbstverständlich,' dast die endgültige Entscheidung darüber den! gesetzgebenden.Körperschaften zusteht." I Bezüglich der Entlassung deS Jahrganges 1982 auS dein Präsenzdienst, erklärte der Mini-! sier neuerdings, daß die Angehörigen dieses Jahrganges am 31. März d. I., also nach Ablauf der fiir diesen Jahrgang vorgcschriebenen lömonati- gen Dienstzeit, entlassen tverden. Elektrifizierungsfragen Der BcrkchrSauSschuß nahm gestern ein Exposee des Arbeitenministers Jng. 2 o st ä l c l über die stzsteinatischc Elektrifizierung, sowie über die Maßnahmen des Ministeriums hinsichtlich der Verbilligung des elektrischen Sironics entgegen. Auch zwei Sachverständige, Professor L i st von der Brünner Technik und Dr. Sasar von» Verband der tschechoslo» ivalischen Städte, ergriffet» zu diesen Fragen das Wort. Der Minister teilte u. a. ausführliche Daten über sänitliche gemeinnützigen ElektrizitätSunter- nehmungcn mit, analysierte die einzelnen Kompo- ncntcn der Preisbildung und erklärte u. a., daß das Ministerium eine Bereinigung kleinerer Un- «criiehinuiigen auf diesem Gebiet zu größeren wirtschaftlichen Einheit vorbereite. Nan»entlich in Böhmen seien derartige Maßnahmen notwendig; er denke hier an die Schaffung fünf großer Untern eh in en für Ost-, Süd-, Mittel-, West- und Aordweschöhmen. In Mähren sei die Elektrizitäts« wirtschaft verhältnismäßig konsolidiert und die Bildung großer Werke am meisten fortgeschritten. Bekanntlich ist die Frage der Bevorzugung gcmeinniihiger ElcktrizitätSunternehmungen vor vielen gut cingeführten Werken, die in den Händen von Gemeinde«» uslv. sind, zumindest noch sehr umstritten. Es ist daher lvohl zu erwarten, daß in der Debatte, die am tiächsten Mittwoch beginnt, auch ein den AuSfiihrungen des Ministers vielfach gegenteiliger Standpunkt zum Ausdruck kommen wird. Erhaltung der Rundfunk gebühren? Im K u l t u r a u S s ch u ß deS Abgeordnetenhauses wurde nach einer längeren Debatte, in die »uch der Schuluiinister«ingriff, ein Initiativantrag auf Errichtung einer evangelischen theologischen Fakultät in P r e ß b u r g genehmigt. Die Regierung dat, wie ausgeführt wurde, diesen» Antrag ihre Zustimmung erteilt, weil der Austvand für diese historische Schule bereits seit dem Umsturz im Budget gesichert sei und auS der Verwirklichung deS Antrages somit keine neuen finanziellen Lasten erflie- ßen; eS werde lediglich der bisherige Zustand legalisiert. Weiters referierten& pal et und Pech- manovä über die Petitionen tschechischer und deutscher Provinztheater bezüglich ihrer finanziellen 2anier»liig. Die Referenten beantragten, die Sanierung enllvcdcr durch einen„Zuschlag zu»» Ra-. diojournal"(offenbar zu den Rundfunkgebühren!)| oder so zu lösen, daß die Bruttoeinnahnien deS Radiojournals erhöht nnd ein eigener Fonds zugunsten der Provinzthcater geschaffen lvird. Die Frage der! Theater soll demnächst in einer eigenen Sitzung be-, handelt werden.' Paris, 31. Jänner.(Havns.) DaS Kabinett Daladier wird sich statt Freitag erst am D i e n S t a g der Kammer mit einer Regierungserklärung vorstellen, die Montag in einem Ka- binrttSrat konzipiert und Dirnötag von» Ministerrat ratifiziert werden wird. Der Miilistrrpräsi- dcnt hat sich für die Verschiebung bis Dienstag ausgesprochen, um biS zu diesem Zeitpunkt schon eine Reihe Strafmaß na hm en gegenüber den für den Stavisky- Skandal verantwortlichen Braintrn zu treffen. Nachmittags traten bei Daladier der Innenminister und der Justizminister zu einer Beratung über geeignete Massnahmen zur Verschärfung der Untersuchung der Betrügereien StaviskyS zusammen. Es wird behauptet, das« Daladier noch biö DienStag gegen einige hervorragende Persönlichkeiten, die in den gegenwärtigen Affären kom- proniittiert sind, darunter anch gegencinige führende Parlamentsmitglieder Haftbefehle erlassen will. So will Daladier das Parlament vor eine neue Verantwortung stelle», wenn er den Antrag auf sofortige Einsetzung einer ausserordentlichen Unter- suchnngSkommistion nnd gleichzeitig die Brrtran- rnSfrage stellen wird. Es werden auch Maßnahmen gegen hohe Polizeibeamte und Gerichts- funktionäre nnternommen»verden, die sich Rachläsiigkeiten zuschulden kommen ließen. Die Regierung wird auch den Bericht der gemischten NntersuchungSkommission anhören. Ministerpräsident Daladier beabsichtigt, SamSIag abends i«n Rundfunk über fein Regie- rungöprogramm einen Vortrag zu halten. Ji» der Kammer beschloß die republikanische Linke, vorläufig noch keine Stellung zur neuen Regierung zu nehmen, sondern sie nach ihre»» Tatei» z»» beurteilen. Dieser Beschluß bedeutet jedoch noch keine Ablehnung, fanden» lediglich gewisse Zurückhaltung. Kricgsininisier Fabry wurde wegen seines Eintrittes in das Kabinett Daladier voi» der Kamlncrfraktion des republitanischen■ Zentrums ausgeschlossen. Dieser Beschluß tvird damit begründet, daß die Regierung Daladier weder die Voraussetzungen für ein energisches Handeln im Sinne der moralischen Wiedcrausrichtung fühle, noch den"olitischen, finanziellen und moralischen Notwendigkeiten gerecht werde. Als Grund gab Erbe an, daß die Freigesprochr» nen in jedem Londe, das sie betreten würden, eine kommunistische Agitation Hervorrufe»» würden. WillianlS Ellis erwiderte, das« diese Begründung für dir Sowjetunion nicht stichhältig sei, aber Erbe rief:„Gerade nach Rußland wollen wir sie nicht gehen lasten!" Die englische Schriftstellerin erfuhr dann»och von der Mutter Dimitrows, daß die drei Eingekerlrrten sämtlich an Grippe ertrankt seien. Das Gesnch Dimitrows, mit eine«» nnö- lüildischen Korrespondenten zn sprechen, wurde vniiinvn| iuiiui|ii|vn iiiuunuviiicii ,)ii ivumviif wiirnv ReichSmnenministeriumS, Erbe, der ihr erklärte, abgeschlagen. Die Mutter und Schivester können daß die deutsche Negierung eS als ihre Pflicht Dimitrow neuerlich nur noch einmal»vöchentlich betrachte, die drei Bulgaren in Haft zu behalte».' besuchen. Dimitrow bleibt in Haft D i e Bulgaren erkrankt. L o n d o n» 31. Jänner.(Jnpreß.) Die bekannte englische Schriftstellerin William Eliiü, ist soeben aus Deutschland zurückgrkehrt, wo sie sich in einer ükeihe von Besprechungen für die Frei» lastung Dimitrows, PopowS und Tanews einsetzte. Nilmittelbar vor ihrer Abreise aus Berlin sprach sie noch mit einem hohen Beamten deS Agrarische Stimme gegen das Landwirtemoratorium Im Organ der agrarischen Wirtschaftszentrale„Zemidklskö drujstevni listy"(Landwirt- schaftliche GcnossenschaftSblätter) findet sich eine bemerkenswerte Acußerung gegen die Verlängerung des Gesetzes über den Aufschub von Exekutionen bei Landwirten. ES wird da u. a. gesagt: DaS Gesetz wird von den Schuldnern mißbraucht, die überschuldet sind und die auf die Dauer nichts retten wird, nicht einmal der Aufschub der Exekution. Solche Schuldner unter den» Schutz des angeführten Gesetzes schädigen nicht nur ihre Gläubiger, sondern werden auch sich selbst nicht retten. ES ist die Frage, ob eine solche Lösung der Landwirtcschulden zweckmäßig und gerecht ist. Tie Erfahrung hat nämlich gezeigt, daß daS Gesetz über den Aufschub der Exekutionen zur Erschütterung dec Moral auch einiger ordentlicher Schuldner geführt hat, welche sonst ihre Verpflichtungen erfüllen könnten und wollte«», die es aber deswegen nicht tun, weil sie wiffen, daß ihnen unter dem Schutz des zitierten Gesetzes nichts geschehen kann... Nach dieser Seite hat das Gesetz das psychologische Milieu geschaffen, in welchem der Grundsatz sanktioniert tvurde, daß Schulden zwar gemacht tverden können, aber nicht bezahlt werden müssen. Ztveifellos ist, daß die Verschuldung der Landlvirte drückend ist, aber man darf die Frage nicht löse«» auf Koste«» der landwirt- schaftlichcn Geldinstitute, denei» die Liquidatioi» jener Forderungen unmöglich gemacht wird, welche sie den Schuldnern unter der Voraussetzu«»g geborgt haben, daß diese ordentlich bezahle«» lvcr- den. Zwischen zwei Stühlen auf der Erde Ein englisches Urteil über Dollfuß. Wie ernst mm» die Situativ«» i>» Oesterreich im AuSlande beurteilt, geht aus einem Artikel hervor, de>» Montag die englische Zeitung„R c«v S C h r o n i c l e" veröffentlicht. In diesem Artikel heißt eS: „Die letzten Nachrichten zeigen, daß Dr. Dollfuß seinen letzte«» Kampf kämpft und ge- zwu«»gen sein dürfte, in seiner Not den Völkerbund»in» Hilfe anzucufen. Die vaterländische Front des Dr. Dollfuß ertveist sich als ein sichtlicherMißerfolg. Der Grund dafür ist, daß Dollfuß, besten Diktatur in jüngster Zeit immer mehr und mehr zu UutccdrückinigSmaß- nahincn greifen mußte, seit dem Herbst z»« hoffen schien, er könne feine Diktatur ohne jeden Rückhaltin» Volke gründen. Aber zwischen bei» beiden starken Kräften der Nazi und deS österreichischen Sozialismus ist nun der Bundeskanzler zwischen zlvei Stühlen auf die Erde gefallen. Wem» Dollfuß nun de«» Völkerbund zu Hilfe ruft, dann«nutz der Völkerbund die B e d i n g u n g st c l l e n, daß d i e ö st erreich i s ch e Regierung s i ch j e n e Kräfte sichert, die allein fähig sind, den österreichischen Nazi die Stirn zu bieten. Sie mutz vom Völkerbund aufgefordert«verden, sich mit denSozialisten zu einigen und auf diese Weise die einzig e P a r t c i zu«nobilisiercn, die wirklich fähig ist, dieDemolratic inOe st erreich zu rette n." 40Slunden-nidil länger! In» Kamps»nn den Achtstundentag ist die Arbeiterschaft in manchcn Ländern in. großen Etappen zum Ziel gekommen. Als die Forderung der achtstündigen Arbeitszeit vor rund-16 Jahre«» als eine Losung des täglichen Kampfes ausgestellt wurde, gab es selbst in den großen kapitalistischen Staalen Europa» noch eine Arbeitszeit von 12 Stunde«» und noch mehr für ganze Arbeiterschichten. Darum crjchiei» die Forderung der Arbeiter kühn— von den Unternehmern nnd ihrem Anhang tvurde sie verhöhnt. Aber sic verftuininte nicht. Acht Stunden Arbeit: das Ivar der Ausdruck des entschlossenen Wolleitö der erivachendcn Ar- beiterjtlasse, sich die Möglichleite«» deü Stählens und der Entfaltung ihrer Kräfte iin.Kampf um größere Ziele zu erobern. Zahllos find die Arbeitskämpfe, in denei» um Herabsetzung der Arbeitszeit gerungen«vurde. Seither hat die Technik der Produktion, der gesamte Arbeitsprozeß, geivaltige Wandlungen erfahren. In den Länder«« der Welt gibt cs noch immer annähernd 80 Millionen Menschen, die diirch sie aus der Arbeit gedrängt worden sind. Sie«vicder für die gesellschaftliche Arbeit nützlich zu machen, ist eine Aufgabe, und die andere ist, die diirch die Technisierung und andere Maßnah- mci» gelvaltig erhöhte A»»sbeutung der menschlichen Arbeitskraft vor dem frühzeitigen Verfall z»» schützen. Daruin Herabsetzung der Arbeitszeit auf-10 Stunden wöchentlich— aber ohne daß der Lebensstandard eine weitere Einschränkung erfährt. Statistisch tonnte belegt werden, daß unter der heutigen Arbeitsweise ii»-10 Stunden wöchentlich mehr aus den» Arbeiter herauSgcholt wird, al» früher. Die Mastcnarbeitslosigkeit in allen Ländern sollte jede«» Widerstand gege>» die Durchführung dieser Forderung beseitigen. Aber da« Unternehmertum ist auch hier wieder ein zäher Gegner. Seinen Profitintercsten kommt eine längere Arbeitszeit mehr entgegen, Arbeitszeitverkürzung und Ncueinstellung von Arbeitern bringt Vermehrung der Sozial,.lasten". So sucht es alle„Argumente" gegen die 40-Stun- denlvoche zusammci». Die organisierte Arbeiterschaft ist bisher der Schrittmacher auf sozialpolitischen» und auch auf anderen Gebieten gewesen. Sie muß sich als solcher auch«vieder im Kampf um die Verkürzung der Arbeitszeit erweisen.-10 Stunden— nicht langer. Und«veiler vorn zeigen schon die amerikanischen Getverkschaften die nächste Etappe, die 30« Ttundenivoche. Immer vorwärts— der Kampf gegen die lange Arbeitszeit rüttelt auch an den» Bestand der privatkapitalistischen Wirtschaft. Nächtliche Verhandlungen im Briizer Revirrbcrgamt. Brüx, 81. Jänner.(EPB.> Nach dei» Verhandlungen des Rcvierbergainteö mit den Vertretern der Nordböhinischen Kohlenwerkügesellschast fand gestern nachmittag eine Aussprache von Vertreter«» des RcvierbergaintrS«nit den Betriebsräten der streikenden Schächte statt,«vorauf eine gemeinsame Beratung im Revierbcrgaint ausgenommen wurde, die bis heute drei U h r früh«vährte. In den Verhandlungen«vurde scite«»s der Bergbehörde die Zusicherung erteilt, Freitag die Frage der Zulästigkeit der Zusammenlegung der Schächte„Zentrum" und„Hmnboldt ll" noch einmal lonunistionell prüfen zu«vollen. Hinsichtlich des Verlangens der Arbeiterschaft nach Erhöhung der Zahl der Schichten konnte von den Vertretern der Unternehmer leine Zusicherung gemacht werden. Die Frage der Al>schafsu«»g der Lademaschinen soll von der Bergbehörde tommissionell geprüft«verden. Hinsichtlich einiger lokaler Forderungen betreffend technische Einzelheiten im Schachibetricb«vurde eine Einigung erzielt. Die Erfüllung einiger anderer Forderungen wurde für einen spätere«» Zeitpunkt in Aussicht gestellt. Dec Betriebsrat behält sich vor. den Belegschaften über die Verhandlungen Bericht zn erstatten und es ihrer Stellungnahme z»i überlassen, ob auf Grund de« VerhandlungöcrgebnistcS der Streik beendet werden soll. Wie aus der Streiksituation hervorgeht, haben cö die Velcgschasten der Schächte„Zentrum" und„Kolumbus" abge- lehnt, aus Grund dieses Vcrhandlungöergebnistes den Streit cinzustellci». Für heute abendö sind die VertragSkontra- henten des P r a g e r A b k o n» m e>» s aus Seite der Arbeitnehmer(Union der Bergarbeiter, Svaz horniku, Zsruzcni horniku, Jcdnota horniku) zu einer Konferenz in das Reviecbergamt eiugela- dcn, in welcher sie ihre Stellungnahme zum Streik bckannigebcn«vollen. Vie Kohlendestellungen der Staatshahnen MN 600.000 Tonne«» verringert. Wie daö Eiscnbahniriiiiistcriuu« mitteilt, tvurden dieser Tage die Kohlensieserunge«» für die Staatsbahnen für das Jahr 1934 vergeben. Es handelt sich uni eine Gcsaintincngc von 8,654.000 Tonnen, deren Preis 380,560.000 KL beträgt. An der Lieferung sind insgesamt dreißig Firmen beteiligt; unter ihnen befinden sich zwei neue Firmen. Die bestellte Kohlenmenge, die ben gesamten Bedarf der Staatsbahnen einschließlich der Feuerung für die Lokomotiven decken soll, ist infolge des vcrininderten Bedarfes»«m rund 500.000 Tonnen kleiner als im Vorjahre. ®etfc i Donnerstag, 1. X-Cdtr 1934 St. 26 Tagcsncnlgkcltcn MM, M sie Die NeWtittg SimitraiBS Metten... Gilt Zwischenfall nur deut reichsdentscheu lumi'itlnl ' in Kascha» Prag, IN. Jänner.(Tsch. P.-B.) Samstag, Den 27. Jänner, vormittags, schlichen sich bet der Ablösung der Polizeiwache vor dem Warcnhause in Kaschau, in welchem nuclt das reichsdcnlschc Konsulat seine Büros Hai, nach nnd nach sechs bis zehn Einzelpersonen in das Haus ein. Obwohl sich an diesen Stellen ein ltcdeutcndrr Handelsverkehr abspiclt. der noch dadurch erhöht wird, das; hier täglich rin großer Lebenslust telhandcl vor sich geht, entging es der Polizeiwache nicht, das; das Ge- vätide einzeln mehrere Personen betraten, als dies sonst der Fall ist. Ans diesem Grunde tvurde die Naebbartvache hcrbeigcruscn. Die vereinigten Patrouillen betraten nun das Geltände und postierten sich vor dem Vitro des Konsulates. Hierauf wurde festgestellt, das; sich im Büro des Konsulates eine t o m in u n i sl i s ch c T c p u t a t i o n eilige- runden hatte, Ivclchc die r e i l a s s n n g Dimitrows und Tanews forderte. Die Deputation wurde von den Beamten des Konsulats aus de Ni Büro gewiesen und cs wurden, nach dem sic den exterritorialen Boden ver- lasien halten, die Mitglieder der Deputation v e r- haftet und der Kaschaner Staatsanwaltschaft e i n g e l i c f e r t. In der Angelegenheit lvird die weitere Untersuchung vorgenonnnen werden. Nach dem Ergebnis toerden eventuell lveiterc schritte gegen die Organisatoren der Aktion uuternom- men toerden. Das deutsche Konsulat erachtet den. Vorfall durch das Einschreiten der Polizeiwache für ligni- diert. 150.000 Kronen gefunden und abgeliefert Die riirlichc Finderin rettet einen Bramlen vor Selbstmord. Ein höherer Staatsbeamter in Neuhäusel in der Slowakei verlor— wie„V. G. S." meldet - auf einem Dienstgang eine Aktentasche, i» welcher 130.000 Ke staatliche Gelder lvaren. Ans Angst, der Pernntreunng verdächtigt zu werden, Ivar er schon entschlossen, lieber den Tod zu suchen als sein Versehen zn meiden und die Untersuchung einleiten zu lassen. Als er in größter Erregung Vorbereitungen zn einer Verzweiflungstat traf, ivurde er durch Kollegen unterbrochen, die eine einfache Landfrau zu ihm führten, tvclche die Tasche niit dem Geld gefunden hatte und kam, nm sie abzuliefcrn. Im allerletzten Augenblick hat so die ehrliche Fran auch ein Menschenleben gerettet. Wenn man Geld hat... Herrn Insult„rnüssrn Spezialärzte begleiten" Athen, 81. Januar. Der Bankier Samuel Jnsnll, tvclcher bekanntlich gegeuiväriig in Griechenland Ashlrccht genießt, beschwert sich darüber, daß sein Gesundheitszustand ein sehr schlechter sei nnd daß er demnach längere Zeit in Griechenland bleiben müsse. Er Ivill auf diese Weise eine eventuelle Auslieferung an die Bereinigten Staaten, tvo er sich tvegcn Betrügereien verantworten soll, vereiteln. Zwei Amtsärzte, die den Gesundheitszustand Jusulls prüsten, stellten fest, das; er tatsächlich an einein ernsten Herzleiden erkrankt ist. Wenn er gegenwärtig aus Griechenland aus- geiviesen werden sollte, müßten sich in seiner Begleitung einige Spezialisten befinden. Das griechische Innenministerium hat diesen Bericht zur Kenntnis genommen und wird nunmehr seine Entscheidung treffen. Opfer der Arbeit Prag, 31. Januar.(TNO.) Heute nach 7 Uhr morgcnö explodierte bei der Firma Sell irr nnd Bellot in Zifkov beim Mischen die Zündzu- t'atnnicnsetznng. Die Zelle, in der diese Arbeit vollführt tvurde, ist stark beschädigt. Bei der Explosion wurde der Arbeiter Karl P i k a r d schwer und der Arbeiter Emil S i n d c l n t, beide ans ZiZkov, leicht verwundet. Beide befinden sich im Krankenhaus. Eine Korruptionsrpitzeiuie geht durch die Welt. In Bf ä h r i s ch. O st r a u steht Zentraldirektor Dr. Karl Zajitck, dies Urbild des skrupellosen großkapitalistischen Hasardeurs, vor seinen Richtern. Man braucht nur sein gewiß nicht schönes, aber sehr typisches Gesicht anzublicken, und kennt ein ganzes System. 38.000 Kronen Monatseinkommen mit den felbstver- ßändlich dazu gehörigen beträchtlichen Spesengeldern genügten diesem sexualtollen Gentleman nicht, er mußte mehr als sechs Millionen defraudieren, um die sinanzielle Basis für sein unausiprechliches Triebleben zu schaffen. Eine noble Kreatur, deren bloße Existenz gewiß auf. klärender und überzeugender wirkt, als hundert antikapitalistische Leitartikel.— In Paris hat die politische Krise, die die Stavisky-Affärc zur Folge hatte, zum Rücktrüt des Kabinetts ChautemPs und zur Bildung der Regierung Da.adicr gefiihrt. Die ominösen Schecks des Minuten. 30.884; 30.400; einer neuen seinen Ur- Motiv und als es die sein kann, 7. Hugo Knappe(fftui Eiahockeyspiel Prag-Brünn. Ein Moment vor dem Tore der Briinner. lassen wurden. Auch in Napafedl bei Ungarisch Hradisch>vurd»cin die schwarze Schlachtbank beliefernder Fleischhauer eines Steuerdeliktes überführt. Einen dramatischen Verlauf nahm die Kontrolle bei einem Fleischer in V c I c h r a d. Dieser war bereits im Vorjahr wegen Steuerhinterziehung zu einer Strafe von 100.000 KC verurteilt worden. Als er nun der neuen Strafhandlung überführt tvurde, bekam er aus Angst vor der zweifachen Strafe eine starke Nerve n-E r- s ch ü t t e r u n g, so daß er statt ins Gefängnis ins Krankenhaus eingeliefert tvurde. Während der erhöhten Tätigkeit der Kontrollorgane tvurden bereits Strafen im Betrage von mehreren M i l l i o n e n K r o n en verhängt. Die Verhaftungen der Schuldigen werden fortgesetzt. Gablonz) 27.688; 6. Petrasek(AtuS Dellen- hort) 20.800 und als 10. Josef Beterin lAtus| J a roSlavMateS Trautenau) mit 10.483 Punkten. geklagte unwahr anSfagtcn. Sic richtssaal verhaftet, während die gesprochen tvurde. Französisches tkieitnen nach Links: Marina Denuith vom Atus Trautcnau, Siegerin im 6-Kilometerlauf. Re cli tu: Rudolf PHkryl(DTJ. Tarnt), der beste Langstreckenläufer der tschechischen Genossen. GGwarre GGIaGtvünke Massenverhaftung van Fleischhauern- Mittianen-Geldftrafen die immer wieder, man nur mit einet mit der Hygiem Staats- und Wirt auch ein Beweis der Solidarität unter der tschechischen Bevölkerung. Möge das rote Herz, das uns so oft ins Auge leuchtet, auch ein Mahner fiir die Deutschen sein, die sich bis jetzt zu einer ähnlichen Aktion für die hnndcrttauscndc von Arbeitslosen int deutschen Gebiet noch nicht entschließen konnten. Winterwetter. Während im Osten des Staates die.Kälte eine weitere Milderung erfahren hat, ist die Temperatur in Böhincn nahezu unverändert. Hinter der von Skandinavien ostivärts ab- zieltenden Depression dringt sogar erneut kalte Lu ft aus höheren Breiten gegen das Binnenland vor. Daö Wetter dürfte daher in den nächsten Tagen seinen vorioiegend winterlichen Charakter beibchaltcn.— Wahrscheinliches Weiler heute: Bei nordwestlichem bis nördlichem Winde kälter, veränderlich, nachlasiende Schnceschaucr, auf den Bergen strenger Frost. Aus dem AuSlaud des FaseiSmtiS. Ein römisches Sondcrlribunal für die Sicherheit des Staates verurteilte vier Führer einer antifascistischcn katholischen Organisation, der sogenannten„Neuen Gneisen", in Mailand und Genua zu drei bis fünf Jahren Zuchthaus, während 30 Mitglieder einer sogenannten Gruppe„Neues Italien" nach vorheriger Abgabe von patriotischen Erklärungen und dem Zugeständnis, daß sie unüberlegt handcl- ten, von dem Tribunal freigesprochen wurden. Roosevelts Popularität. Präsident Roosevelt, der Dienstag seinen 52. Geburtstag feierte, erhielt 250.000 Gratulationen ans der ganzen Welt und e i n i g c h ii n d e r t G e s ch e n l e. 13.883, 88 und 48.- 8. H e i ß e n b e r g e r Mürzzuschlag) 13.160, 3N und 40; 10. Petrasek(Atus Dessendorf) 12.608, 30 tt. 42; 12. llllinaim(Naturfreunde Gablonz) 11.833, 38 und 42; 18. Schwarzendorfer>Askö Wien) 10.416, 34 und 38; 16. P<•_ terka(Avis Trautenau) 7.016, 27 und 81; 18. Kraus Artur(AtuS Desiendorf) 6.700, 22 und 27; und als 20. der 17jährige Jugcudsporster 1. SchövS< Atus Trautman) mit 6.800 und 23 und 34 Meiern. Kombinierter Lauf: 1. Stritzl (Askö Semmering) 38.833 Punkte; 2. Skoda(DTJ. Svktla p. I.) Ha v a r a(DTJ chwarzeudorscr Ullman u dem Haupttreffer. Frankreich hat seit Dienstag abends um 1 6 k! i I l i o n ä r e mehr, darunter einen füiiffa- )en. Dienstag fand nämlich die fünfte Ziehung erStaatslottcrie statt. Vom Jahre 1033 erübrigen noch drei weitere Ziehungen. Für das Jahr 11)3 l wird die französische Staatslotterie in erheblicher Weise abgeändert toerden. Es werden nur vier Ziehungen stattfindcn, da sich die Geschäftsleute und die Inhaber von Theatern und Vergnügungsunternehmungen über eine erhebliche Abnahme ihrer Einnahmen beschweren. Eine große Anzahl von dem Mittelstände angehörenden Franzosen hält sich nämlich von Vergnügungen scr» und laust lieber 100 Frank-Lose in der Hoffnung auf Gewinn. Tod bei Ticnstantritt. Montag, den 21). Jänner trat in Plestice bei Pilsen der neue Be- zirksyauptmann Joses Hladik sein Amt an, der von seinem bisherigen TntigkeitSort Milevsko dorthin verseht wurde. Der neue leitende politische Beatme stellte sich vormittags der Beamtenschaft und den Mitgliedern des Bezirksausschusses vor, ivorauf er sich in sein Büro begab, nm sofort einige dringende amtliche Angelegenheiten' zu erledigen. Plötzlich saut er zu Boden'und starb, noch ehe det herbeigerusenc Arzt zur Steile sein konnte, an den Folgen eines Schlaganfalles. Mord und Selbstmord. Der 48jährige verheiratete Maschinist Franz Valeo, in Zinlovy. Vater zweier unversorgter Kinder, geriet in finanzielle Bedrängnis, für welchen Umstand er die Gc burtsastijtentin Theresia Antonovä verantivortlich machte. Die Aerbitteriing dcS Valeo steigerte siH Montag in eincin solchen Maße, daß er die Antonovä in dem Augenblick, als sie zum Begräbnis einer ihrer Dclanntcn gehen wollte, mit einem Jagdgewehr niederschoß. Valeo begab sich dmm in seine Wohnung zurück, wo er durch einen Schuß in den Mund seinem Leben ein Ende machte. Vermißt. Seit 20. Jänner wird der 17 Jabre alte Student der Realschule in Kromirij Josef K»- kera vermißt, der zum letzten Male am 22. Jan- der d. I. in Start) Breclav bei seinem Bruder gesehen ivurde. Der Vermißte hat blondes Haar, ist mager, 178 Zentimeter groß, hatte einen grünen Hu- bertnSmantel, eine Sporthose, einen lichtgrauen Rock, hohe gelbe Schuhe an, trug einen Rucksack unk batte eine blecherne Schüssel für Eßlvare bei sich. Wer etwas von ihm iveiß, möge dies dem Vater des Vermißten, Josef Kucera in Kromeliz, Tnrsova 318 oder der nächsten Gcndanneriestation mittcilen. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen:’ Freitag: Prag, Sender L.: 10.18 Deutsche Nachrichten, 18.28 Deutsche Sendung, 18.80 Deutsche Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 10.00 Deutsche Pressemeldungen. 21.35 Kompositionen von Smetana. Sender S.: 14.45 Holländische Lieder, 15.10 Deutsche Sendung, Stunde für die Frau, 15.25 Fr. Molnar: Ter taktlose Mensch, Hörspiel, 18.45 D e u t s ch e Pressenachrichten.— Brünn: 16.00 NachinittagSkon- zert, 16.55 Skiterrain, 18.25 Deutsche Sendung: Sportbericht, 20.40 Abendkonzert.-— Prest- burg: 20.10 llnterhaltintgskonzert.— Kaschau: 12.80 Orchesterkonzert, 18.40 Sport und Touristik. Wien: 12.00 Mittagskonzert, 15.50 Jttgendstunde. 17.05 Schwedische Musik, 18.80 Ter Kampf um den Menschen, 10.30 Ralph Bcnatzkn.— Frankfurt: 20.10 Der schwarze Domino, Over von Auber.— Hamburg: 16.00 Musik nach Volksweisen. Finanzmiiiisterö Raynaldi haben ChautemPs das Genick gebrochen.— Fn Buenos Aires in Argentinien hat der Währungskontrollansschuß Unterschlctfe in Höhe von mehreren Millionen Pesos aufgedcckt. Hohe Beamte des Finanzniini. sterinms sind in die üble Angelegenheit verwik- t'elt.— In den Ländern der f a s c i st i s ch c n D i k t a t u r, in Italien und Hitlertanicn. stinkt es an allen Ecken und Enden. Wenn cs auch streng verboten ist, über die Korruptionsaffä- ren in den„erwachten" Staaten zu berichten, so pfeifen cS doch in Berlin zum Beispiel die Spaßen von den Dächern, mit welcher Scham- losigteit kleinere und größere Osass sich schmieren und bestechen lassen. Moralische Entrüstung nützt hier nickst viel, wenn die„Ordnung", in der dergleichen Schändlichkeiten zum System und zur Epidemie werden, selbst kauni moralischer ist. Solange es zu den vornehmsten Prinzipien der Gesellschaft gehört, seine Mitmenschen nach allen Regeln der Stranchrittcrzunft aus- zunehmen, solange die Gier nach Geld jener Trieb ist, der die ossizielle Staats„moral" ans füns Sechsteln dieser Erde darstellt, braucht man sich über Korruptions- nnd Desraudationsassä- ren:t la Stavist'y und Zajirek nickst zu wundern. Es sind Epidemien, kehren werden und denen Hygiene radikal bcikonimt, einer anderen und besseren schaftsmoral I „Man trägt ivirder Herz". So der Titel einer Glosse in der„Bohemia" vom Mitttvvch, die an die Beobachtung der vielen roten Herzchen au der Klcidnttg von juttg und alt attknüpft. Die Be- trachtmtg, so gescheit sie auch scheiucn mag, geht an der Wahrheit weit vorbei. Nicht der Liebe gilt das Abzeichen, von der in der Glosse die Rede ist, nicht dem Bekenntnis zur Erotik, nicht Modelaimc verdankt das Herzchen sprung, sondern cinem Ivcit höheren einer vielleicht noch reineren Quelle Vereinigung ziveier Menschen heute nämlich der N ä ch st e it l i c b e, von der mau weit weniger und auch nicht so gern speicht, als von der Liebe zwischen Mann und Weib. Das rote Herzchen verkündet nämlich höchst nüchleru, das; sein Träger der hungernden t s ch e ch i- s ch e n G l a s a r b e i t e r und deren Kinde; gedacht hat und diesen ein kleines materielles Opfer brachte. Tcuit es ist daö Erkennungszeichen eines H i l f S w c r l e ö für die arbeitslosen Glasarbeiter im tschechischen Gebiet inid ist damit AciS Ungarisch Hradisch lvird unS geschrieben: Da in der letzten Zeit das Geschäft mit un- verstcncrtem Fleisch, das aus den sogenauitlen schwarzen Schlachtbänken stammt, einen großen llntfaitg angcnotumeu hatte, führten die Organe der GefällSbehördcii eine erhöhte Kontrolltäligteit durch, die zur Folge hatte, daß in die Hast des hiesigen KreiSgcrichtes täglich einige Fleischer in ei ft er, ans Ungarisch Hradisch und Umgebung eingeliefert wurden. Eine Revision in Prcran hatte gleichfalls mehrere Steuerdelikte zutage gefördert. Dort wurden fünf Fleischer in Haft genommen, die erst nach Bezahlung von Ä c f ä l l S st r a f c n, die in die H n n d e r t t a u s e n d e gehen, freige- tttlt die Existenzrechle der Zahntechniker werden alle Zahntechnilergehilset; der Tschechoslowakei am S o n tt t a g, den 4. Feber, vormittags halb 10 Uhr in P rag II., Produktenbörse, manifestieren, denn trotz langjährigen Bemühungen»m eine Korrektur der Mängel und Härten der Gesetzes 303/20 ist bis heute noch keine Aenderuug eingctrcteu. In untragbarer tviristhasikicher unsozialer Notlage verlangen die attgestelltcn Zahntechniker sofortige Novellierung dcS zitierten Gesches, denn nur diese Novelle kann die notwendige Bcsseruttg bringen. Der Knndgebtntg am 4. Feber in Prag soll daher lein Zahntechniker fernbleibcn. Wer andern eine Grube gräbt... In Jung' bunzlau fand vor cinigctt Tagen die Verhandlung gegen eine Frau statt, die der falschen Zeugenaussage vor Gericht bezichtigt tvurde. Dabei kam das Gericht daraus, das; zwei Zeugen gegen die An» wurden int Gc- Angeklagte irci« Großhammer) I Dessendorf) 1:10:04; 8. Otto U l l m a n n(Natur- (Askö Wien) freunde Gablonz) 1:10:14; 0. Rudolf Gansel lNalursreuudc I(AtuS Trautenau) 1:20:24; 17. Heinrich Petra- s e. k(AttiS Desseitdorf) 1:26.:27; 22. Josef P e t e r k a(AtuS Trautenau) 1:88:01; 24. Otto H a w e. I k a (Naturfreunde Gablonz) 1:37:37; 26. Brutto Nockziegel(Natttr- frenttde Gablonz) 1:42:02. Der 25-Kilometer-Lanf der Sportler brachte u. a. noch als: 5. Herbert Schüller(Natttrsreiitt- de Gablonz) 2:10:15; 10. Mar Burger(Naturfreunde Gablonz) 2:31:58; 17. Felix Schüller (Natursrcunde Gablonz) 2:40:44; 18. AloiS A u s o r g e(RtuS Trautenau) 2:42:20. Im HinberniSlauf über 8 Kilometer(Sportler) kamen ferner n. a. ein als: 5. Karl Bieder(Afkü Wien) 18:47; 6. Rudolf Schari (Afkü Wien) 18:55; 12. Alois So, lensky(AtuS Trautenau) 21:27; 13. Emil Grob heiser(AtuS Predlitz) 21:50. DoS Jugendlaufen über 6 Kilometer gewann "(D. T. I.) in 30.00 Im folgenden bringen wir abschließend die aus- iührlichen Ergebnisse de der Kombinatiou' A I» S» S p o r I l c r n, Naturfreunden und O st e r r e i ch e r u in den schon von uns gemeldeten Wettbewerben. Haupt springen: 1. Safar Josef (Nalursreunde Unter- Mardorf) 17.883 Punkte, 47 und 48 Meter; 2. H a v a r a Aut.(DTJ. Großham mer) 16.106, 43 nitd 45; 3. D tu»• r a k Ferd.(Askö Wien) 14.010. 42 und 48; 4. Richter Josef(Atu» Jnugbuch) 14.758, 44 und 43; 5. S t r i tz l Rudolf(Askö Semmering) Ferner als: Z.(Askö Vic Witüirsporfliainpic in tiroOhanuncr Weitere Ergebnisse Im 15 Kilometer tzgus der Sportler pla- HanplsvringeuS und eierten sich u. a. noch als: 6. Fritz E f f l c r(Ains sowie Placierungen von Trautenau) 1:18:47; Seite 5 «r. r« Donnerstag, 1. Feier 103X „Noch ist c8 Tag, da viiTitc sich der Manul Der Prozess ZaJRek Fortsetzung des Zeugenverhörs i » einen Teil dieses Zinsendienstes eine Erhöhung In einer Reihe von Artikeln hat sich unser Blatt der Krankenhauonot beschäftigt, doch waren die I Das; Hitler und das Dritte Reich an der historischen Wahrheit nicht nur kein Interesse haben, sondern sie wie jede Wahrheit hassen und verfolgen, ist inzwischen an den Tag getreten. Hegemann selbst lebt als E m i g r a n t i n Amerika und ist Professor an der Netv school of social research in New Kork. Seine B sich er sind verbrannt und verboten. Seine Kritik wird lebendig bleiben und hoffentlich in dein Geiste tvirken, in dein Hege- wann sie geübt hat, dem Wort Goethes gemäß, das er an den Schluß der ersten Auflage stellte: DaS Buch ist in der BerlagSanstalt Nachf. Möhr. Ostrau) Kä 40.—, F n r.t o ii i c r t Ke 32.. Organisationen trat ft eile für Prag XII., Tlezskä 13, bezogen werden. Mähr. Ostrau, 81. Jänner. Nach Abschluß der Einvernahmen des Direktors P eö ka wurde die Zeugin Marie G ö b l vernommen, die als R« v i- so r i n bei der Larischschen Zentraldirektion beschäftigt war. Sie erklärt, vom Konto Separat« nichts gewußt zu haben, obwohl sie sonst alle Konti kontrollierte. Als die Affäre im April 1032 aufflog und sie von diesem mysteriösen Konto Kunde erhielt, habe sie sogleich geahnt, das; etwas nicht in Ordnung sei. Sie wußte zwar von dem 200.000- Dollarkredit, nicht aber, das; Vie Bank einen Rahmeukredit bis 403.000 Dollar bewilligt hatte. Die„Ausgaben" Zajikek» im Interesse Larischs habe sie für nicht so bedeutend gehalten, das; Millionenbeträge resultieren konnten. Gegenüber ven Berechnungen über feine Einnahmen rechnete dann der Angeklagte vor, daß er viel mehr verdient habe, als die Revisoren wahr haben tvollen. Er führte allerlei Tantiemen, Nebenein- uahmen, Spekulations- und Unternehmergewinne ins Treffen und betonte, er habe pro Tag 1000 Ke gebraucht, und zwar nur für leinen Privntbedarf. Tie Zeugin benierkr darin noch, das; erst Zajikek den Usus eingelsihrt habe, das; er der Zentraldirck- tor, selbst nm Geld zur Bank lause. Unter feinem Vorgänger sei das nicht üblich gelvescn. Nach verschiedenen Borstößen der Verteidigung, wie auch des Anklagevertreters wurde die Verhandlung vertagt. K r o u t i l l k bestätigte diesen Besuch ZajikekS vom 1. September 1081. Der ehemalige Hauptkassier der Larischschen Unternehmungen Onido D o st n l berichtet über einen Borsall, der beinahe zur s r ü h e r e n Entlarvung Zajliek» geführt hätte. Entgegen dessen ausdrücklichen Wunsch gelangte nämlich versehentlich einBelastungSbrief über 500.000 KC, die er vom Konto abgehoben hatte, in die Büros der Zentraldireklion, statt direkt zu Händen Za- jikckS zugestcllt zu werden, Ivie dieser in der Bank ausdrücklich angcordnct hatte. Man wnsitc mit diesem Brief nichts anznfangen, da ja Zajikek den ganzen Bankverkchr selbst organisiert hatte, anS- schließlich all ein erledigte und man j infolgedessen von diesen Abhebungen keine Ahnung Halle. Zajiiek speiste den Zeugen nut der Auskunft| ab, es liege ein Irrtum vor, der Belastungsbrief betresse Heinrich Larisch, einen Verwandten des hier in Frage stehenden Grobgrund- und BergwerkS- besitzerS. Weiter zn fragen habe sich Zeuge nicht getraut. Der Advokaturskonzipient Dr. Adam Sternberg, ein ehemaliger Aristokrat und Verwandter Larischs, weist nur, das; Zajikek medrerenials seinen Chef, den Advokaten Dr. A r n o s t in Prag besuchte und legte auch die Korrespondenz vor, die dieser we- gen der„polnischen Sach e" gepflogen hatte. (Dr. Arnost selbst Ivar durch.Krankheit am persönlichen Erscheinen verhindert. Außerdem Hal dieser Anwalt eine Zuschrift an das Gericht gesendet, der- zusolge der Kommissionär Adolf K a b e l ä( seine bekannten Interventionen unter Mithilfe„i h m bekannter Parlamentarier" angeboten habe. Zajikek sei dann selbst nach Prag gekommen, habe einer Ibprozentigen Entlohnung sür den Vermittler zngeftimmt und den bekannten Millio« nenlvechsel als Garantie übergeben. Später wurde I die Sache noch einmal nnsgegrisfen, schlief aber dann cndgiiliig ein. Zu irgendwelchen faktischen Auslagen seilens ZajikekS sei es seines Wissens nicht gekommen. Ferner kam auch ein Brief des ehemaligen Bankprokuristen her Larisch-llnternehmcn, Pollak, zur Verlesung, in Ivelchem eS u. a. beistt, Pollak habe den Verdacht, das; Zajikek Larisch um die auf dem Zinsen-Separatkonto geführten Zinsen bringen tvolle. Deshalb sandte er einen RechnnngSanszug vou diesem Konto an die Zenlratdirektion der Larisch- Ilnlernehmen und keineswegs, wie vertraulich angeordnet worden war. zu Händen des Zajikek. Hie- für wurde Pollak vou Peska gerügt. Dann wurde die Verhandlung vertagt. beruft'sich aus die Notlvendigkeil, die vom Lande zn zahlenden VerpflegSkostenersätze herabzudrücken, vergisst aber dabei ganz, dast er auch die Pflicht hat, die Gemeindespitäler zu unterstützen. Ter im LandeS- voranschlage für diese Zlvccke vorhandene Betrag von 200.000 Kd ist ein Bettel. Bis jebt wurde zur llnterstiitznng der Krankenhäuser eine 7pro,;cntige Sanilätsnmlage eingehobcn. Davon erhielten die LandeSanSschüsse 75 Prozent der im Lande eingehobenen Umlage zur Verteilung an die öffentlichen Krankenanstalten, 25 Prozent verteilt das Gesundheitsministerium an die privaten Heilanstalten. Nun beabsichtigt daS Ministerium eine Novelle einznbringen, wonach den Landesausschüssen Entlarvte GcsdMitc Za dem gleichnamigen Bache tarn Werner üegemann ES ist ein glückliches Zusaunnentreffen, das; zur gleichen Zeit, da in Deutschland daS offizielle Verbot von HegemannS„Entlarvter Geschichte" ausgesprochen wird, die zweite Auflage des Buches(die erste war schon im März 1088 vergriffen) erscheinen kann. Hegcmann hat einiges geändert, anderes erweitert, Tendenz und Gehalt des Buches sind sich gleich geblieben. Die„Entlarvte G e s ch i ch t c" des Architekten Hegemann, der auf der Höhe seines Lebens zur Geschichte und Publizistik umgesattelt hat, stellt in zweifacher Hinsicht ein überaus wertvolles Buch dar. Sie es eine wissenschaftlich durchaus ernst zu nehmende Auseinandersetzung mit d e n g e f ä h r l i ch e u G e s ch i ch t S l ü g e n der höfischen und nationalistischen deutschen Historiographie, sie ist aber auch eines der großartig- sten Pamphlete gegen den Nationalsozialismus, die seit Jahren geschrieben wurden. Hegemanns polemischer Stil ist allerdings eigenwillig und sagt nicht jedem Leser zu. Hegemann verschmäht daS grobe Geschütz, er ficht mit Ironie, aber seine Ironie ist tödlich. Sie beginnt in der Entlarvten Geschichte beim Motto. ES lautet: „Oer Deutsche bat keine blasse Ahnung, wie man das Volk beschwindeln muß, wenn man Massenanhänger haben will." Adolf Hitler „Mein Kampf". Ente bis elfte Auflage, Nicht enthalten in der zwölften und den folgenden Auflagen. Die Widmung deö BucheS: von FUhrern der Deutschen Paul von Hindenburg und Adolf Hitler in erwartungsvoller Verehrung gewidmet ist der zweite Schnst inö Braune, denn im weiteren Tert nimmt sie Hitler beim Wort, indem sie den Punkt 17 deö„utiabänderlichen" Programms, die Bodenreform auch als Ziel des Autors proklamiert. Solcherart seht sich die Polemik durch das ganze Buch fort. Dauernd werden Hitler und seine Vorläufer konfrontiert, dauernd wachsen ans dieser Konfrontation, die mit dem Schein herzlicher Sinnpathie für den„Führer" vorgenommen wird, die willigsten satirischen Pointen. Auf den ersten Blick wird ein Leser, der an eine rohe und grob effektvolle Polemik gewöhnt ist, über manche dieser Ironien weglesen oder sie mißverstehen. Wer Stil«nd Viethode HegemannS begriffen hat. liest das Buch mit größtem Benutz. Sein Wert liegt aber wie gesagt nicht nur in der Satire, sondern ebensoscbr in der Sachlichkeit,! mit der Material gegen die Ideologien des deutschen FastiSmu» herbeigeschafft wird. Auf zwei Hauptkapitel ist HegemannS Werk ausgebaut: die R e f o r m a t i o n und Fried- richdenGrotzen. FridericuS, von Hegcmann bereits in zwei grotzen Werken dargeilellt wie er wirklich Ivar, wird nun vor allem daraufhin untersucht, ob er tatsächlich der„erste deutsche Nationalsozialist" gewesen ist. Köstlich, mit welchem Will Hegemann den„Führer" immer wieder beschwört, die Vergleiche doch nicht zu dulden, da sie ihn, Hitler. in den Verdacht bringen, ein schlechter Nationalsozialist zu sein. Die Gestalt Luthers und die geschichtliche Rolle des deutschen Protestantismus als einer vorwiegend reaktionären, barbarischen Denkform hat Hegemann in seinem interessanten Werk „Der gerettete Christus" wiederholt berührt. Nun gebt er auch auf dieses Thema ausfübrlsch ein. Klar bat Hegcmann daS Gemeinsame an Hitler nnd Luther herauögearbeitet: „Adolf Hitlers Werdegang ist dem Werdegang LutherS verwandt. Beide haben durch volkstüm- liches Schimpfen den Beifall verzweifelnder Arbeiter und Bauern zu getvinnen verstanden. Gleichzeitig aber wustten Beide durch scheinbare oder weitgehende Unterordnung auch das Vertrauen der volksfeindlichsten Grostmächte ihrer Zeit zu erwerben. Beiden wird Vorgetvorfen, sie hätten sich von diesen Grostmächten gegen die Massen gebrauchen lassen." Wie stark die fascistische Ideologie in gewissen Tenksormen der Resornmtion nnd des Altpreußen« NnnS verwurzelt ist, das wird bei Hegemann deutlich. Wer fühlte sich nicht an daS Dritte Reich erinnert, wenn er folgende Schilderung des Spieß- rnienlaufens der im Heere Friedrichs des Grotzen weitverbreiteten und oft geübten Strafe für Tesertenre und andere Verbrecher wider die Disziplin deS PrentzenstaateS liest: „Erlitt der Verurteilte die Strafe zum ersten Male, so war sie schon entehrend und hart; härter in der Verdoppelung, die gelvöhnlich ein schmerzvolles Ende erzeugte, wenn er zum zweiten Male desertiert war. Wenn er wohl gar zum dritten Male davongegangen war, so wurde er zn Tode gepeitscht und damit fortgefahren, nachdem er nic- dergcsnnken und an einen Pfahl gebunden war, so dass Stücke von dem immerfort geschlagenen und zerfleischten Rücken herunterfielen, bis der Todeskampf begann..." ' cgcmann belegt seine Behauptungen auö ver- liten Quellen und begnügte sich wie in seinen avveren Büchern oft damit, Kronzeugen zu zitieren. In dankenswerter Weise werden auch die vergeblichen Versuche, des Reichsfreiherrn vom Stein, Preußen durch eine wirkliche Bodenreform gesund zu machen, von Hegemann in den Bereich der Entlarvung der preußisch-deutschen Legende gezogen. Da» Buch schlicht mit der Wiedergabe eines nationalsozialistischen Urteils über Hegemann. Es ist niedergeschricben worden, bevor die Nazi HegemannS Bücher verbrannten und ihn in den Feuersprüchen al» einen der 15 Hauptfeinde Hitlers feierten. Der Nazi, inzwischen wohl durch da» Ausbleiben der Re- v"lution geheilt und an Hitler zerbrochen, hatte HegemannS Geschichtskritik bejaht. Er sprach die Ueber- zevgung aus, daß Hitler in einer vertrauten Aussprache über Friedrich den Arohcn und andere preußische Heroen genau so denken würde wie Hegemann. mit Ausführungen zum gröhten Teile den böhmische» Krankenanstalten gewidmet. Zum Unterschiede von Böhmen sind in Mähren-Schlesien neben Staat nnd Land nicht die Bezirke, sondern die Gemeinden Er- richler nnd Eigentümer der öffentliche» Kranken- hänser, weil zur Zeit der Errichtung keine Bezirksvertretungen bestanden. Die meisten Gemeindespi- täler sind deshalb verhältnismäßig klein geblieben; wohl dienten sie vom Anfmig an der sanitären Versorgung der Bezirke, c» bestand aber keine Möglich- \ feit, die Landgemeinden zur BeitragSleistung heran» > znziehen. Versuche, mangels einer geselllichen Bei- ' tragSpslicht eine freiwillige Leistung herbeiznfübren, wie sie z. B. in M.-Schönberg unternommen wurden, blieben erfolglos. In früheren Zeiten konnten wohl die Gemeinden ; die Opfer, welche die Errichtung nnd di« Einrichtung der Krankenanstalten erforderten, bringen, weil da- ' malS hiefür nicht allzu große Geldmittel gebraucht ' wurden. Mit dem Fortschritte der medizinische» | Wissenschaft wuchsen aber die Kosten derart, daß es ! den Gemeinden schon vor der gegenwärtigen finan- ' zielten Not unmöglich war, alle erforderlichen Erweiterungen dnrchzuführen. Heute ist«S überall voll- i kommen ausgeschlossen, das; die überschuldeten Stadtgemeinden den Zinsendienst von Anleihen für Erwei- ! terung der Spitäler übernehmen können. Die Spitäler heißen zwar Gemeindespitäler, dienen aber überall den Bezirken. Die noch heute geltende Minifterialverordnung von 1855 bestimmt, daß die BerpflegStare bloß zur Deckung der Betriebsausgaben bestimmt ist, daß also der Zinsendienst für Neubauten, Erweiterungen und Einrichtung von den Gemeinden getragen werden mutz. Infolgedessen lehnt der mährisch-schlesische Lan- dcSmisschuß alle Ansuchen der Gemeinden, selbst nur für' der BerpflegStare um 1 bis 2 KL zu bewilligen, ab. Im Gegenteil: überall mußten mit Berufung mif die Senkung der LebenSmittelpretse die Verpfleg!, taxen herabgesetzt werden, so daß nirgends mich nur ein kleiner llebcrschuh bleibt, welcher für Investitionen verwendet werden könnte. Der LandeSnusschuß Nur 1000 Kt täglich zum privaten Gebrauch.., Amerika wrackt sein bekanntestes Luftschiff ab Die„LoS Angeles", das bekannteste Marineluftschiff der Vereinigte» Staaien, dak als„ZN III" in der Zeppelinwerft von Friedrichshafen erbaut wurde, wird jetzt abgewrackt, nachdem es bereits im vorigen Jahr außer Dienst gestellt worden war. Kolporteure und Inserenten! Wir mache» nochmals darauf aufmerksam, dass unsere neue Adresse ab 1. Jänner für die Prager Verwaltung nnd Redaktion Prag XII.» Fochova tr. 62 V lautet. Wir ersuchen, Zuschriften anSschlicssiich an diese Adresse zn senden! Die Verwaltung. Als weiterer Zeuge wurde, bei der heute fortgesetzten Verhandlung der Buchhalter der Eskomptc- bank Josef T t e r m e r einvernommen, der über die Manipulation der für diesen Prozeß relevanten Bankagenda auSsagte. Der Angeklagte nahm den Zeugen unter ein förmliches Kreuzverhör, dem schließlich der Vorsitzende mit der Bemerkung ein Ende machte, daß der Zeuge nicht vor Gericht erschienen sei, um sich einer Buchhaltungs- I Prüfung zu unterziehen. Direktor Ales K o v a t t t von der Brünner ! Eskomptebankfiliale war bei einem Besuch in Ostrau am 17. September 1081 zufälliger Zeuge, als Zaii- kek dem Direktor PeSka drei unterzeichnete K o» t o k o r r e n t b e st ä t i g u n g e n iibergab. Er fragte später den Kollegen PeSka, wer „dieser Dicke" eigentlich gewesen sei und bat deS Interesses halber Dir. PeSka, ihn die Unterschrift Larischs sehen zu lassen. Audi der Beamte AloiS Die Verhältnisse der Gemeindekranken anstalten in Mähren-Schlesien das Berfügungörecht über ihre Anteile genommen nnd dem Ministerinm übergeben werden soll. ES soll ein Fonds für die llnttrstützung der öffentlichen Krankenhäuser und Heilanstalten gebildet werden, in ähnlicher Weise wie der StraßenfondS, der wasser- wirtschaftlick;e Fonds, der MeliorationSfondS. Diesem Fonde soll als Einnahme die 7prozcntige Sanitätsumlage zugewiefen werden, außerdem solle er daü Reckst haben, Anleihen bis 50 Millionen Kd aufzunehmen, welche a»S den Fondseinnahmen zu verzinsen wären. Gegen diesen Vorschlag wandte sich die I mährisch-schlesische Landesvrrtretung in ihrer Früh- fahrötagung 1088. Sie wollte au» guten Gründen ihr Dispositionsrecht über die Verteilung der Sani» I tätSumlage nicht aus der Hand geben. Die sozial« I demokratische Fraktion benützte, die Gelegenheit, um die unhaltbaren Verhältnisse aufzuzeigen. Sie beantragte eine Resolntion, worin da» Miuisterinin aufgefordert wurde, ein Gesetz zur parlamentarischen Erledigung vorzulegen, in welchem die Ministerial- ! Verordnung deS Jahre» 1855 aufgehoben nnd die. BeitragSbslickst des Staates zu den Kosten der Neubauten, Znbantcn, Grnnderwcrbnngen, inneren Einrichtung der Spitäler der Gemeinden nnd Bezirke festznlegen wäre. Im Gesetze wären auch die Bc- dingungen festznsetzen, welche die Behörden stellen I können, um diese Quelle ständiger Schwierigkeiten s durch llebcrgrisse des sogenannten freien CnnessenS , I zu verstopfen. Sind die Bedingungen erfüllt, so soll- . len die Spitalserhalter da» Reckst ans Unterstützung l erhalten. Würde trotz de» Widerstandes der LandeS- ' Vertretung der Fonds gegründet, so solle sie einen I maßgebenden Einfluß aut die Gebarung erhalten. ' Den Gedanken der FondSgründung, namentlich das , Reckst, Anleihen bis 50 Millionen KC aufzunehmen, i! begrüßte die Fraktion und verlangte, daß der Fonds i da) sslecht erhalten solle, den Gemeinden und Bezirken DarlrhenSteile zuzuweisen und deren Verzinsung zu I übernehmen, um die Möglichkeit zu haben, statt jähr- Ilicher geringer Unterstützung mit einem Male die I ErlvriterungSbauten ausreichend fördern zu können; ebenso solle der FyndS das Reckst bekommen, die Vcr- I ziufung solcher Darlehen der Gemeinden und Dczirf«; zu übernehmen. Diese Anträge wurden von der Lan- deSveriretnng beschlossen. Seitdem bat man von der | beabsichtigten Novellierung nichts gehört. Es ist Pflicht der öffentlichen Körperschaften, t die sanitären Ausgaben zn bezahlen, aber c» kann ■ heute diese Pflicht doch nicht mehr den Gemeinden > allein zugemntet werden. Den Ausweg, die Spitäler ' auch in Mähren-Schlesien den Bezirken zn übergeben, [ werden, solange durch die Berwaltungsreform die. I Bürokratie in den Bezirken allmächtig ist, die wenig- I sten Gemeinden gehen wollen. Darum muß gesetzlich I die Beitragöpslickit der Bezirke zn den Zinscnlasten ! der Gemeiudespitäler ausgesprochen werden, wenn diese dem Bezirke dienen. Allerdings würde diese gesetzliche Pflicht bei der heutigen Finanznot der Bezirke den Gemeinden wenig helfen. Darum muß Weiler verlangt werden, das; wenigstens ein Teil die- seS Erfordernisse« durch die BerpflegStare gedeckt I werden kann, wobei man sich nickst verhehlen darf, I daß dies auch eine Belastung der Krankenkassen bedeutet. Aber gerade diese Anstalten müssen daS größte Interesse an der allen Anfordernngen entsprechenden Modernisierung der Spitäler haben. Hand in Hand damit müßte auch ein moderner Krankentransport eingerichtet werden, welche Aufgabe heute meistens van freiwilligen Körperschaften geleistet wird. Dr. Ludwig Morgenstern. Soziologischen! (Anöliesernng Jul. KittlS l erschienen, kostet geb.! und kann von und Genossen durch die Z e n- da» Bi I d u n g v w e s r n, „Nock; ist eS Tag, da rühre sich der Man«! I«»»»«WWW»WMHW»WMMMMW Die 9lnrt>‘«ritt ei«, wo niemand imden fanii«. An unsere Abonnenten,VerschlelBer, . Sette 6 „Sozialdemokrat* Donnerstag, 1. Feder 1034 Re. 2S % Gegen Schnupfen und Grippe unsere Wollsocken„SIBIRIER^ LASS! raU^l^s^nitiriaMen^IhrerSnewarm* Für Kinder Ki 1.60,2.40, Männer und Frauen Kö 3.20 ruoen. Die„Sibirier** halten ihre Füße warm PRAGER ZEITUNG Heute erster Abend ♦ ♦♦ Wer inseriert heilbar. Verlanget unent verknust! wate.®wf»:„aotn- neu" an PiraS, Prag, Bredovskä 1. SSSö hat lein Bon der Straßenbahn getötet. Der Tischler Adalbert Friedl wurde Dienstag nachmittags in der Taborstraße in Nusle von einem Wagen der ISer-Linie erfaßt und einige Meter weit mit» geschleift. Er wurde mit einem Bruch der Schädelbasis in das Allgemeine Krankenhaus gebracht, wo er starb, ohne vorher das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Taubheit Ohrenfluß, Ohrensausen l» geltliche belehrende Bro« Regiebcitrag für diesen Abend drei KL, für den ganze» Kurs zehn KL.— Teilnahme von Genossen und Freunden unserer Bewegung auch ohne bisherige Anmeldung möglich und erwünscht. stellte den Tod des Kindes fest und erstattete pflichtgemäß die Anzeige. Nach Anhörung der Jengen kam das Gericht zu der lleberzeugung, daß eine strafbare Fahrlässigkeit nicht vorliege und die Angeklagte eher als Opfer eines beklagenswerten JufalleS geworden sei. Es sprach sie daher von der Anklage frei. A«el Selbstmorde am Dienstag Vorgestern wurden in Prag zwei Selbst« morde verübt, während in fünf Fällen der Versuch verzweifelter Menschen, sich das Leben zu nehmen, noch verhindert werden konnte. Die Hausgehilfin L. K. wurde in der Wohnung ihrer Arbeitgeber in Karolincnthal bewußtlos aufgefunden. Sie hatte sich am linken Hand- und Armgelenk Schnittwunden bcigcbracht und außerdem Gift genommen. Im Krankenhaö starb sie. Die Tat verübte sic aus Gram über den Tod ihrer Mutter. Auf dem Olschaner Friedhof fanden Angestellte Dienstag gegen 1 t Uhr vormittags die Leiche einer jungen Frau, die sich durch einen Re- volvcrfchuß in die Herzgegend getötet hatte. In der Selbstmörderin wurde die Arbeiterin A. JonäS fcstgcstellt. Sie erschoß sich in dem Augenblick, als ihr Verlobter, der sie verlassen hatte, ein anderes Mädchen heiratete. Bemerkenswert ist, daß von den fünf noch glücklich abgelaufcncn Selbstmordversuchen nicht lveniger als drei von Hausgehilfinnen verübt tvnrden. Bon den Dummen, die nicht alle werden die er- Wenn jemand eine Reise tut Erlebnisse aus der Prager Elektrischen. InS Anöland zu fahren, lieber Leser, jetzk seine Schtvicrigkciten. Erstens hast du Geld dazu und lvcnn du cs hättest, bekommst du keine fremden Valuten, denn so ein Mogler bist du nicht, daß du dir auch das beschaffen könntest. Also bleibe im Lande, nähre dick redlich und ivcnn du cttic schöne Reise machen tvillst, so stecke dir 1.20 Kc in die Tasche und fahre mit der Prager Straßenbahn ettva vom Baumgarten oder der Prager Messe in die Redaktion de§„Sozialdemokrat". Fochovii 62. Du stehst also etwas früher auf als sonst, die Reise ist lang und begibst dich zur Haltestelle vor deni Mcssepalast. Du kannst das gcivaltige Gestände, tvclchcö die Merkwürdigkeit hat, daß dort Millionen vergraben liegen, lange mit Ruhe und Muße betrachten— denn cS dauert geraume Feit, bis eine 3er oder 17er angewackelt kommt. Endlich erlebst du cs, der Mcssepalast ist liuks und rechts von ztvci Uhren flankiert, damit man genau ablcscn kann, mit welcher Geduld der Passagier der Prager Elektrischen gcivappnet sein muß, daß ein Wagen kommt und du fährst quietschver- gnügt, denn du tveißt, welche Genüsse und Erlebnisse dir bevorstchen, in der Richtung zum Stroß» mayerplab, worauf eö mit einer ungewohnten Geschwindigkeit von f> Km. pro Stunde an der vor» überfliegenden Unfallversicherungsanstalt zur Stc- sanikbrücke geht. Schon glaubst du, noch an dem» selben Tage vont linken auf daö rechte Moldauufcr gelangen zu können— doch was sind Hoffnungen, was sind Entlvürfe. Der Weg ins gelobte Land der Altstadt ist durch ein Ungetüm verstellt, welches du erst für das Ungeheuer von Loch-Neß ge» halten hast, da- sich aber bald als ein simpler Autobus«Praha—Kladno" entpuppt. Hinter dem Autobus stehen ettva zwanzig Wagen, die alle— o teuflisches Beginnen— nach Holleschowih wollen. Du warst vorsorglich, lieber Leser, wolltest ein demokratisches Blatt lesen, hast dir die«Bo» hemia" eingesteckt und suchst nun zwei Stunden in dem Blatt, tvas darin eigentlich demokratisch ist, so däß du dir über die lauge Wartezeit hin» weghilfst, endlich überquerst du die Moldau, betrachtest den majestätischen Hradschin— Feit genug hast du dazu, weil gerade ein Handwagen vor der Elektrischen fährt und die Brücke so schmal ist, wie ein Steg, daß an ein Ausweichen des Wagens nicht zu denken ist— um bald darauf nach Ueberwindung aller Hindernisse siegreich in dieRevoluLni einzufahren. Wenn du aber glaubst, Der Export Zlvei Kölner JungS gehen am Rhein entlang spazieren, da sagt der eine: „Im Tritten Reich gehtS doch lvirklich aufwärts. Hast du schon gehört, jeden Tag fahren 130 bis 200 große Lastkähne mit deutscher Exportlvare dm Rhein hinunter nach Holland."„Nein," sagte der andere erstmmt,„daS hab ich noch nicht gehört." Am nächsten Abend treffen sich die beiden wieder. „Du," sagt der zweite,„was hast du mir bloß gestern erzählt? Ich habe heute den ganzen Tag auf der Brücke gestanden, aber ich habe kein einziges Frachtschiff den Rhein hinunter fahren sehen."„Ja," er« Ividert der erste und schlägt seinen Freund auf di« Schulter,„wenn du auch in den Rhein schanst, statt in die Zeitung...1" AuS dem Prager„SimplicuS", dessen ausgezeichnete erste Nummer eben erschienen ist. HMMWMMWWMIMMMMMMMW Stele Bereinigung sozialistischer Akademiker Heute, halb 8 Uhr abendS, im Heim «Beiieraftoerfatnmftiua Tageöordnu n g: 1. Berichte, 2. Wahlen, 3. Die Arbeit im Sommerseniester, 4. Freie Anträge. Ersckeinm ist'Pflicht! B e z u g S b e d i n g u n g e n: Bet Zustellung inS HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16,-x-, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 06.—. ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeittingSfrankatur wurde von der Post-und Telegraphen- * direktion mit Erlaß Nr. 1S.800/VN/1V80 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck». Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. filme In?rsner Llditsplelhausern bis einschließlich Donnerstag, dm 1. Frier. Alfa:„Der kleine König". Ftnürr„Kinder der Groß st„dt— La Maternelle." Julis> „Unter Deinem Schuh." itinrina, B.-Th.: Journale, Report. Groteske. Kawa:„Der ewige Jude." Lu- eerna:„Der etvige Jude." Olympier.Leise flehen meine Lieder." Praha:..BiScotS Abenteuer". Skaut: „BiScotS Abenteuer", Acadrmia:„Der Fall des Tyrannen." Carlton:„In einer kleinen Garnison." Lido:„Ein Herz für ein Lied." Tport-Smichm: „Ein Herz für ein Lied." U Bejvodu:„Der Fluß." Hansl und Rissen Wochenspielplan des Reuen Deutschen Tveatrr«. Donnerstag, halb acht Uhr:„Der Barbier von Sevill a", X 1.— Freitag, halb 8 Uhr:„Die verkaufte Braut", D 2, Bankbeamte und freier Verkauf.— Samstag, 7’s Uhr: Goldenes Prag, AÄ.— Sonntag, 2 st- Uhr: Arbeilervorftellung: Les petitS rienS, Der eingebildete Kranke; 7 Uhr: Boris Godunow, Erstausführung, C 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, halb 8 Uhr: Die andere Seite. Erstausführung.— Freitag, 8 Uhr: DieandereSeite. Sonntag, 3 Uhr: Desiree; halb 8 Uhr: Kahe im Sack. Erstaufsübrnng. 77jährigc Greisin betrügt uni Hnndrrttausrndr! Tic Millionen Erbschaft einer GastmirtSfrau Die Prager Polizcidircktion hat gestern die 7 7 j ä h r i g c G r c i s i n I. K„ eine Gastwirts- frau au» Prag II. verhaftet, der cS gelungen war, verschiedene Leute sotvohl in Prag, als auch aus dem Lande um viele 10V.000 Kc zu betrügen. Der Fall der Gastwirlvwitwc I. K. hat eine sonderbare und tragische Vorgeschichte. Am 27. Jänner findet man in Vylaü den Kleinbauern Wenzel Riegl in seiner Wohnung erhängt auf. Als die Kleidungsstücke des Verstorbenen dnrcksncku iverden, entdeckt man in einer Sei- tcntasäie deS Anzugs Wechsel in Höhe von 200.000 KL, iiusgestelll von einer Gastwirtin I. K. in Prag. Für die Angehörigen des Kleinbauern steht jetzt fest, daß der Selbstmord Wenzel Riegls mit diesen Wechseln zusannneuhäugt. Die Polizei beginnt»ck jetzt näher mit der Persönlickkeil der Ausstellerin zu beschäftigen. Und da ergibt sich überraschenderweise folgendes: nicht nur der Kleinbauer Wenzel Riegl bat der «Greisin eine so hohe Suurinc geliehen. Auch eine Reibe anderer Leute borgte der 77jähri- gcn große Betrüge, die in manchen Fälle» jene von Riegl gegebene Summe nach überstiegen. Man fragt die Greisin, loie es ihr gelang, soviel Geld zu erhalten und ivozu sic es gebraucht hat. Fran K. erwiderte:„Ich habe niemanden betrogen, denn ick erwarte eine Erbschaft v o n mehreren Millionen K c. Wozu ich jedoch das Geld verwendet, habe, darüber vertvei- gerc ich jede Aussage." Da die ganze Angelegenheit sehr rätselhaft erscheint, ist die Greisin verhaftet und nach Pan- lraz eingelicfert worden. Vergebens fragt man sich, wie eS Menschen geben kann, die ihr Geld einer 77jährigcn leihen, einzig und allein auf die Behauptung bin. diese rechne trotz deS hohen Alters noch mit einer Millionenerbschaft. Der Fall iväre fast komisch, tvcun er nicht anch so tragisch iväre: hat er dock nicht nur viele Leute um ihr« gesamte Habe gebracht, sondern einen Menschen sogar daS Leben gekostet! Fafcistffche Schmutzaffäre Der Prager Gauleiter der Gajda-Fafcisten unter Anklage der Brrnntrenung Prag, 3t. Jänner. Die„nationalen Erneuerer" welcher Nation immer, haben allerhand sonderbare Parteigänger, wie eine ganze Reihe von Kri- nimalprozcffen sattsam bewiesen haben. Heute war vor dem Senat Bernäsek der 60jährige Wenzel V o d ä k, Leiter des Prager Gaues der„Ratio- n a l e. n F a f c i st e n g e m e i n d e" Herrn Gaj- das, der Veruntreuung von 16.000 KL ange- !klagt, die ihm der„Bruder" Weisel Math. Land- tvirt auk Tukice beiNeu-Benatek zwecks Ankaufs eines AntoS anvertraut hatte. Die Verhandlung führte zu netten Auseinandersetzungen ztvischen den„Brüdern", Ivie die sasci- ftifch« Titulatur lautet. Der Angeklagte, im Hauptberuf K aus m a n n, beschwerte sich, daß ihn seine politische Tätigkeit ohnedies schweres Geld gekostet und er für seine„idealen Ziele" an 11.000 KL ausgewendet habe, die er dann durch eine Sammelaktion hereinbringcn wollte. Diese Sammlung aber habe ein miserables Resultat gehabt, tveil der „Bruder F ü h r e r", nämlich Herr Gajda höchstpersönlich, alle vermögenden Parteifreunde schon so ausgievig nbgegrast habe, daß diese von keinen»'eiteren Sammlnngeu mehr hören wollten. Der Angeklagte deutete weiters an, daß der Landtvirt Malt) aus persönlichem Ehrgeiz eine politische Funktion angestrebt hab«. Sie hätten dann ge- ineinsain beschlossen, einen alten Wagen anznschas- fen, um damit Propagandafahrlen zu unternehmen. ' Schließlich sei Herr Gajda selbst,nicht abgeneigt ge« Ivefen. einen Wagen, den er einst von seinen begei- ' sterirn Jüngern zinn Geschenk erhalten hatte, für 1 15.000 Kc z» verklovfen. Tann habe sich aber der 1 Kans zerschlagen nsw. Aach endlosen Redereien und ' Streitereien ztvischen den beiden„nationalen" Er- ' neuerer», die sich gegenseitig jede Krone verrechneten, ' die einer sür den anderen anSgegcbcn habe, ver- ' tagte schließlich daS Gericht die Verhandlung ' zwecks Ladung neuer Zeugen. des volkstümliche II Kurses über kulturelle Fragen. Heute abends nm halb a ch t U h r hält im Partriheim(Prag H., Rärodnk tk. Ar. 4) Gen. Dr. Emil Franze! den ersten, einleitenden Vortrag innerhalb deS Kurses„Kulturfragen des Sozialismus" mit dem Thema: Der Sozialismus als Kulturproblem (jcrlchtssaal Geburt auf dem Misthaufen Kind erfroren— Mutter angrNagt Prag, 81. Jänner. Die Landarbciteröfrau Ottilie H., aus einem Dorf bei S ch l a n war vor dem Senat Tisek angeklagt der fahrlässigen Tötung des eigenen neugeborenen Kindes, begangen durch Vcrnachläffi- gung der erforderlichen und pflichtgemäßen Fürsorge für das Leben des Neugeborenen. Die Angeklagte, die eine Stube des Gemeindehauses ihrer HetmatSgemeinde gemeinsam mit noch einer anderen Familie bewohnt, lmtrde in einer kalten Märznacht v. I. von Geburtswehen befallen, als sie auf den Hof ging. Sie schleppte sich auf den Misthaufen und brachte dort ein Kind zur Welt. Da sie bei der Geburt ohnmächtig wurde und nahezu zwei Stunden brauchte, ehe sie wieder sotveit bei Kräften war, daß sie sich in das Haus zurückschleppen konnte, war das Neugeborene inzwischen erfroren. Man machte ihr den Prozeß. Sie verantlvortete sich mit der großen Erregung, die sie bei der noch nicht ertvarteten Geburt überkommen habe und ihrer physischen Hilflosigkeit. Sie habe eS für zwecklos gehalten, um Hilfe zu rufen, weil sie mit ihren Stubengenossen nicht in gutem Einvernehmen lebte und diese ihr sicherlich keine Hilfe geleistet hätten. Als sie wieder zu sich kam, habe sie nicht daran gedacht, daß dem Kinde etwas zugestoßen sein könne, weil eS„so schön still" gewcfen sei. Erst die herbeigcrufene Hebamme Vorträge Klaffenkampf im Nationalitätenstreit Weg und Ausgabe der sudetendeutschen Sozialdemokratie Ter vierte Abend der sehr i istruktiven Vortragsreihe, die die S. P. D.-Prag sür die emigrierten deutschen Sozialisten veranstaltet, lvar der Entwicklung der sude.tendeutschcn Arbeiterbewegung nach dem Kriege, gewidmet. Ter Redner Gen. W. I a k s ck verstand cS meisterlich, ein Bild dieses kriscnvollen Weges zu geben. In ztvaugloser Form gab Genosse Jaksch eine Reibe cindringjichcr Impressionen, die den Hörern nmnchcrlei wertvollen Einblick in die innere Struktur der deutschen sozialistischen Arbeiterbewegung der Republik boten. Das Wesen der Partei, die hier aus österreichisch-ungarischem Provinzialismus zur Selbständigkeit im neuen Staat emporwuchs und so ein Organisationsgebilde tvnrde, in dem Tradition und erpe- rimeniierfrohe Znkunftsträchtigkeit glücklich und fruchtbar zusammenflofsen, wurde so von einer dem Fremden ganz neuen Seite aufschlußreich beleuchtet. Die sozialdemokratische Partei ist im Lause der Entwicklung zu einem konstruktiv mitarbeitenden Faktor der Republik geworden. Gewiß hat die unselige Spaltung, die nach dem historischen Parteitag von Karlsbad auch hier einsctzte, die Energien der Partei zeittveilig zu hemmen und zu mindern vermockt. Also Ivie die übernationale Einigung der Sozialdemokratie daS Klaffeninteresse über nationale Hcm- niungen siegen ließ, eine. Einigung, die die Stoßkraft der Arbeiterklaffe gestärkt und ihren Elan vermehrt und beflügelt bat, so wird anch daS elementare Klas- senbewußtfein der deutschen Arbeiter dem Spiel der Intrigen und des„Linien"-Harakiris, einem Spiel, bei dem nur der hohnläckelnde FasciSmns der Gewinner sein kann, über kurz oder lang ein Ende macken, und die Einigung des Proletariats erzwingen, erzwingen aus den Erfordernissen der politischen Situation heraus. Gerade jetzt erwachsen uns mannigfaltige u»' sehr fnichtbare Aufgaben, geboren aus dem Besonderen unserer politischen und wirtschaftlich-soziale» Situation. Der Beifall der Hörer war herzlich und ehrlich. AiS. in dieser Gasse vorstürmcn zu können wie Revolution„mit Ivild-wchendem Lockcnhaar, zcne Sandalen an ihren Sohlen" dann hast du die Rechnung ohne die Langcgasse gemacht, die ununterbrochen einen Strom von Autos und Pferdewagen in die RevoluLni speit, daß an der Kreuzung der beiden Straßen ein fortwährender ! Knäuel sich bildet, den dn lange mit Interesse !betrachten kannst, bis der Polizeimanu dir-mit dem Stab den Weg ins Freie, Richtung Pulverturm tveist. Mit Gelassenheit führt dich die Elektrische zum„Nämisti republikt)", ein großer, schöner Platz. Die weisen Techniker, tvelcke im i Sckwciße ihres Angesichts darüber nackdciikeii, wie sie dem Fahrgast auf der Prager Straßenbahn viel Zeit zur Bewunderung der Schensivürdigkeitcn der Stadt schaffen können, haben dir eine Ivnn» dervoklc llcberraschnngen zngedacht: Du umfährst ! den großen Platz, in alle Ecken kannst du hinein- gucken, die Elektrische dreht sich Ivie ein Kreisel vier- oder fünfmal herum— bis sic langsam, ganz langsam, damit der Piilverturm nicht um- I fällt, stehen bleibt. Lange, lange kannst du den I herrlichen Turm betrachten, wobei das rote Licht des Semaphor feinen Schein auf das alte Gebäude tvirft. Nachdem du alle Details der Gotik gründlich betrachtet hast, kommt ein orangefarbenes, schließlich ein grünes Lickt, o Farbe der Hoffnung; die Reise geht weiter! Weil dir die farbigen Lichter so gut gefallen haben, kommen zwei Reprisen, eine beim Brückel, eine bei der Hcin- richogassc—»«ahrhafiig eine schöne Reise, bei der eS nickt im Eilzugtempo geht, sondern wobei du j deine Nerven beruhigen kannst. Dann kommt I schließlich eine herrliche Bergfahrt auf den Wen- zclsplatz. du umfährst das WenzelSdenkmal in einem Bogen, der dich an die Serpentinen der | Bahn auf den Semmering oder an die Jungfrau- bahn in der Schweiz erinnert. Die Fochovä weiter geht eS schon besser, datveil ist cS dunkel geworden und dn kannst den wunderbar verbrachten Abend abscklicßcn und in einem Hotel in der Weinberge dich der süßen Ruhe nach der langen Fahrt hingeben, um am nächsten Tag in deine Heimatstadt Holleschowih zurückzukehrcn— wobei du abermals eine herrliche TageSreise machst. So hast du für KL 2.40 einen wundervollen Urlaub verbracht, eS wage jemand zu sagen, daß die Tarife in der Tschechoslowakei nicht billig find. Hast du, lieber Lefer meinen Rat befolgt und hat dir die lange Reise gefaflen, so werde ich dir nächstens noch eine zweite schöne Reiseroute verraten, ohne daß du hiebei von mir denken mußt, daß ich vom Vcrwaltungsrat der Städtischen Straßcnl>ahncn als Reklamcagcnt angestcllt bin. E. St.