Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Rode) IRSCH:iN MIT A'. SNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag XII., fochova«r. TELEFON am. Administration TELEFON 53074. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 14. Jahrgang Sonntag, 4. Feber 1934 Nr. 29 Offene Ausrufung der Diktatur? Man wartet angeblich nur noch auf Starhemberg... Wik», 8. Feber. sEigenbericht.) Die Ber- Handlungen, die dir Regierung angeblich mit den Tiroler Putschisten führt, sind bivher v o l l k o m- »en ergebnislos geblieben. Dir Heim- webr benimmt sich in Tirol noch Immer wie feind» siche Truppen im befehten Land. Besonders in Innsbruck häufen sich die Exzesse uon Stunde zu Stande. In den Strassen werden harmlose Pas» soaten. die den Putschisten nicht passen, blutig geprügelt und ohne jede rechtliche Legitima- sion in den Heimwehrubikationen ringesperrt. Auch die öffentlichen Gebäude und Bahnhöfe sind noch immer beseht. Die Hrimwrhr hat sogar noch mehrere Maschinengewehre an den wichtigsten Stra- jealrcuzungen zur Aufstellung gebracht. Ein Arbeitsloser erschossen! Wie spät abend gemeldet wird ist dabei ei« Arbeiter von de« HeimweHren erschossen worden. Amtlich wird lediglich gemeldet, dass heut« zwischen dem Bundeskanzler Dr. Dollfuss und dem Vizekanzler Major Fey sowie Starhemberg eine„Aussprache" über die Vorgänge in Tirol stattgcfunden habe und dass morgen sowohl I Der Arbeitslose Franz Steiner hat sich angeblich„verdächtig" gemacht nnd blieb auf den Anruf eine« Hilfspolizisten(wahrscheinlich wohl eineö gewöhnlichen HeimwrhrmanneS) nicht stehen, sonder» wollte„die Flucht ergreifen", worauf er nackt berühmtem drntschrn Muster von dem Heimwehrmann„ans der Flucht erschossen" wnrde. Dieser Borfall hat»nr noch dazn beigetragen, die Erregung unter der Arbeiterschaft weiter zn verschärfen. Die Landesregierung steht den Vorgängen vollkommen machtlos gegenüber. Der Landeshauptmann erklärt den Deputationen zwar, dass er auf dem Boden der Verfassung stehe, fügt aber hinzu, daß er keine Möglichkeit sehr, die Putschisten zu vertreiben. DaS Bundrtmilitär, daS auS Wien nach Tirol beordert wurde, verhält sich vollkommen passiv und wurde überhaupt nicht eingesetzt. Steidle, der schon wieder seit Freitag in Innsbruck ist, als auck Starhemberg, der erst Hinfahrt, in Innsbruck an den Verhandlungen z"nschen dec Heimwehr und der Landesregierung reilnehme» werden. Zwei Wiener Schutzbundführer verhaftet In Wien wurden heute früh zwei führende Funktionäre deS anfgrlösten republikanischen SchntibundrS verhaftet, u. zw. der rlirm. Stabschef Major Alexander Eifler nnd der CrganifationS- leitrr Rudolf Löw. Die Polizei erklärt, dass dir Verhaftung im Zusammenhang mit der Waffensuche in Schwechat stehe. Mit den Verhafteten ist momentan leine Verbindung möglich. Ma» weist! daher auch nicht, wessen sie wirklich beschuldigt werden. Nach einer späteren Meldung tvurde auch der Bezirlsführcr des 16. Bezirkes, der Zolloffizial Franz Musil, auf Grund belastenden Materials in Haft genommen. Nach einer amtlichen Meldung wurden in Fischamend und in Ebrcichsdorf bei Dursuchungen bei vormaligen Mitgliedern deS Republikanischen Schutzbundes weitere zwei Maschinengewehre, 1V Gewehre, vier Kisten Handgranaten sowie Munition beschlagnahmt. Im Zuge der Erhebungen wurden in den genannten Orten eine Reihe von Verhaftungen vorgenommen. ' Waffenfunde beim steirischen Helmatschutz In St. Georgen in Steiermark wurden nach einer Meldung der Amtlichen Nachrichtenstelle bei Mitgliedern des steirischen(hakenlreufferi- schenl) Heimatschutzes Waffen. Mnnilion. Maschi- nengewchrbestandteilc und vier Papierböllcr gefunden. Mehre Verhaftungen wurden vorgenoni- men. Tauschltz In Wien Montag Miniftrrrat Wien, 3. Jänner.(AN) Bundeskanzler Dr. Dollfuss empfing heute de» österreichischen Gesandten in Berlin Tauschltz, der einen eingehenden Bericht über die letzten Vorgänge erstattet«. Für Montag hat der Bundeskanzler Dollfuss einen Ministerrat einberufen, der sich mit dem Material beschäftigen wird, das sich auf den deutsch-österreichischen Konflikt bezieht. » Der Pariser„Tempo" behandelt den österreichischen Konflikt und dringt neuerdings daraus die ganze Angelegenheit dem Völkerbund vorzulegen, der das einzige kompetente Forum siir die Durchberatung nnd Vereinigung dieser Sache sei. Sozialdemokraten künden offenen Widerstand an Di« Sozialdemokraten haben dem Landeshanptman« die Erklärung abgegeben, dass jeder Versuch einer Diktatur und jeder Versuch ei«rS Vorgehen« gegen die Partei nnd die Gewerkschaften mit dem o f fe« e n W i d e r st a« d anf der Strasse nnd der Stillegung der Betriebe beantwortet werde« wird. Auch heute vormittags waren sowohl in i Arbeiter sich spontan weigerten, in dir Betriebe zu Innsbruck die dortige grosse Textilfabrik als auch gehen, solange dir Putschisten an der Macht seien, andere Betriebe der Umgebung stillgelrgt, weil dir I Bürgerliche Journalisten, di« heute ins Tiroler„AriegSgebiet" gefahren sind, trlr phouieren am Abend, dass eine starke Steigerung der Hcimwchrbewegung bemerkbar ist nnd daß dir Heimwehrfuhrer versichern,«an wartennranfStarhemberg, der morgen früh in Innsbruck einttessrn soll,»« sofort die saseistische D iktatnr in Tirol offen auSzurufc». Dollfuß selbst steckt dahinter! Maa hat allgemein den Eindruck, dass der Putsch in Tirol in voller Ueberriastim- vtung mit dem Willen der Regierung Dollfuss vor sich gegangen ist, die eine„n n w i d e r- stehlicheBcklkSbewrgung" Vortäuschen will,»m im erste» österreickiischcu Bundesland die faseistische Diktatur zu verwirkliche». Vie christlichen Arbeiter und Bauern nicht einverstanden! Die HeimweHren erhielten gestern unverhoffte Stütze, da eine ganze Reihe der neu gegründeten Organisationen der„P a t e r l ä n d i s ch e n Front" das Programm der HeimweHren zu dem ihren machten. Andererseits stiessen aber die Forderungen der Heimlvehren auf den scharfen Widerstand derchristlichsozialenAr- beiterschaft und ihrer Gewerk- schastSorganisationen und heute auch deS Bauernverbandes und anderer christkichsozialer Organisationen und namentlich der Mandatare, die ihre Positionen nicht ausgeben wollen, wie dies die Heimwehren verlangen. Der Tiroler BauernbuiTd, die stärkste Tiroler christlichsoziale Organisation, hat heut« zur Lage einen Beschluss gefasst. Darin wird u. a. erklärt: Dir Organisation stellt sich bedingungslos Puter Dollfuss und ist für die Aufrichtung deS TttndrstaateS. Der Bauernbund behält feine Or- gwüsationßform aber, auch im neuen Staate bei. Sr stellt sichauf dr'nBodrndrrLrgali- tat und wendet.sich scharf gegen alle jene, die «S Vaterland verraten(d. h. gegen die Vszi), und überdies auch„gegen all« "«hiiitca, kis Itch iieiRdi undGesetzhinwegsrhen"(also gegen dieHeimwehrrn!). Der Bauernbund erwartet von den Mandataren in den öffentlichen Körperschaften und in der Regierung, dass sie a u S h a r r« n, und lehnt die Bestrebungen ab, die dir Landesverfassung auf ungesetzlichem Wege ändern wollen. Die christlich-soziale Arbeiterschaft hat zu der Lage in Tirol folgenden Beschluss(Don unS bereits gestern kurz er- tvähnt i) kundgetan: Die christliche Arbeiterschaft in Tirol msi ss und wird ihreOrganisations» formen auch im Verbände deS neuenOe st erreich beibehalten. Sie fordert die Errichtung deS sozialen Ständestaates und gründliche Ausscheidung des klaffenkimpferi- schen Prinzip». Sie fordert ein freies, unabhängiges Oesterreich und stellt sich geschloffen hinter den BundeSführer Dr. Dollfuss. Sie wendet sich sehr scharf gegen alle Stantsfeinde, deren Entfernung aus allen Armtern sie fordert. Sie duldet eS in keinem Falle, dass ihre Führer bekümpft werden undvonPerso- nenverdrängt werben sollen, die keineSwegSEignung und Fähigkeit zur Führung deS Landes erwiesen haben und auch nicht die erforderliche Kenntnis und das notwendige Verständnis besitzen, den Forderungen und LebenSinterrffen der Arbeiterschaft Rechnung zn tragen. Die christliche Arbeiterschaft ruft alle VaterlandSfrrunde zur Einig- MM- Der Naziterror geht ruhig weiter... Die Amtliche Nachrichtenstelle veröfsentlichl wieder eine zusammenfasiende Meldung über die nationalsozialistischen Terrorakte am Donnerstag. In Ollrichstirchen und in St. Pölten explodierten in den Abendstunden deS Donnerstag zwei Papierböllcr. Deswegen wurden einige Na- tionalsoziälisten ins Konzentrationslager gebracht. Auf dem Hauptbahnhof in Graz wurde der Fahrdienstleiter dabei betroffen, wie er 30 Papicr- böllcr fortschaffen wollte. Er wurde verhaftet-nnd mit sechs Monaten A r r c st bestraft. Nach Verbüssung der Strafe wird er dem Berichte übergeben werden. In I n n S b r u ck wurde ani Donnerstag Nachmittag ein Papierböller zur Explosion gebracht. wodurch mehrere Fensterscheiben zertrümmert Ivurden. Zum Schadenersatz werden Nationalsozialisten hcrangczogcn werden. Ein Nationalsozialist wurde ins Konzentrationslager gebracht. In-Leonfelden in Oesterreich wurden am.30. Jänner 16 Papierböller zur Explosion gebracht. Eine grosse Anzahl bekannter Nationalsozialisten kam daraufhin ins Konzentrationslager. Am Freitag Abend explodierte in einem Hof des Rathauses in Leoben«ine Blechbüchse, wodurch 100 Fensterscheiben zertrümmert wurden. Im WohnhausedeSLan- deShanptmannrS in Graz explodierte rin Papierböller, wodurch ebenfalls mehrere Fensterschkiben eingedrückt wurde«. Der deutsch polnische Pakt —m. Warschau, Ende Jänner. Nach dem polnisch-russischen Nicktangrisfs- Pakt von 1933 hat die Pilsudski-Regierung jetzt einen ganz ähnlichen Pakt für 10 Jahre mit dem Deutschen Reich Adols Hitlers abgeschlossen. Ani Tage vor der Unterzeichnung berichtete der stellvertretende striegSminiftcr im Sejm über die Entwicklung der polnischen Hccrcüorganisation: „Besonders befriedigend ist der Stand unserer schweren Artillerie. Unsere Luftflotte wird jetzt mit neuen erstklassigen Motoren versorgt, die wir im Lande selbst bauen. Wir haben Maschinen- karabiner eiiigestihrt, die den LeistungSrekord voll 1300 Schuss in der Minute erzielen. Wenn wir unsere Heeresausgaben in diesem Jahr um 7 Perzent herabsetzen, so ist das durch die Brr billigung der Rohstoffe und Lebensmittel mög lich geworden. Die Schlagkraft der Armee wird nicht darunter leiden. Eine RüstungSvcrmindc- rung komnlt angesichts des Standes der Genfer Konferenz nicht in Frage." Deutlicher al» die wohlklingenden Kommentare zu dem neuen Pakt zeigen solche Worte, dass nicht gerade wirk lichcS Vertrauen zu der» Vertragspartner dir regicreriden polnischen Militärs zur Unterzeichn nung dieses diplomatischen Aktenstücks veranlasst hat........ Welches Ziel verfolgen die Diktatoren mit solchen Pakten? Sie»vollen dem naiveren Teil des eigenen Volkes, aber vor allem des Alls landed die Friedlichkeit ihrer Absichten beweisen. Doch das ist nicht der einzige Zlvrck der llrbung. Mit kühler Offenheit erklärte das führend« Warschauer Negierungsblatt in seinem Kommentar zu der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Abkommens:„Man kann diesen Vertrag brechen oder auch halten. Aber man kann nicht an ibm herumdeuteln." Ob der zehnjährige Friede eingeholten wird, ist also eine bloss e M acht, frage. Aber so lange er dauert, müssen aus- tauchende Streitfragen irgendwie geregelt wer den, und die Form dafür wird in diesem Pakt festgelcgt. Der grösste Teil der deutsch-pylnischen In- tcrcssen-Gcgcnsätze wurde bisher aus dem Wege über Ölens geschlichtet. Nach seinem demonstrativen Austritt aus dem Völkerbund will Deutsch land diesen Weg nicht mehr gehen, obwohl ihn» noch für einige Zeit das Recht dazu offen bleibt. Mit dem neuen Nichtangriffs-Pakt sucht Hitler zil zeigen, dass es auch einen direkten Weg zur Regelung aller Streitigkeiten ausserhalb der Liga der Nationen gibt. Soeben war der polnische Aussenminister noch Vorsitzender des Völker- bundratcs. Dass er sich jetzt daraus einlässt, so weit wie möglich mit Dcntschland ohne die Anrufung dieser Instanz einig zu werden— wobei er allerdings durch sein Verbleiben im Völker- bund alle seine Rechte vorbehält—, darin liegt Hitlers Haupterfolg bei diesem Abschluss. Er bezahlt ihn damit, dass Polen, welches im Vierer- Pakt-Plan Mussolinis noch als Staat zlveitcn Ranges behandelt ivurde, jetzt als gleichberechtigter Partner des Deutschen Reiches auftreten kann. Aber Hitler musste den polnischen Unter- Händlern noch weiter eiltgegcnkommcn. Beide Regierungen stellen fest, dass ihre Vereinbarung sich„nicht auf solche Fragen erstreckt, die nach illternationalem Recht ausschliesslich als innere Angelegenheiten eines der beiden Staaten anzusehen sind." Das bedelitet eine weitgehende Preisgabe des Schuhrcchtes, welches das Deutsche Reich bisher gegenüber der deickschen Minderheit im polnischen Staat in Anspnlch nahm. Als Mitglied des Völkerbundrats konnte Deutschland sich auf die allgemeinen Minder- Hcitcn-Schutzverträgc berufen. Darauf hat eS mit seinem Auszug aus Genf verzichtet. Jetzt verzichtet es auch al»f die Möglichkeit, diese Fragen einem direkten Schlichtllngsverfahren zu über- geben. Wenn nach einer kllrzen UebergangS- zeit das Mandat der jetzt noch in Oberschlesien Seite 2 Sonn tag, 4. Feber 1034 Xe. 29 Der Anschlag gegen Kardinal I Faulhaber Die Münchener Polizei hat rö nicht eilig... Wie der„Ojservatore Romane" vor einigen Tagen berichtete, sind in-er Nacht zum 28. Jän« »er gegen das erzbischöfliche Palais des Kardinals Faulhaber in München mehrere scharfe Schüsse abgegeben worden. Dir amtlichen deutschen Stellen gaben bezeichnenderweise erst g e st c r n einen Bericht aus, worin lediglich festgestellt tvird. das; n jemand verletzt wurde. Die bayrische politische Polizei schreibt nun für Mitteilungen, die zur Ergreifung des Täters führen, nachträglich eine Belohnung von 1000 Wart au6.— Inzwischen ist ja schon so viel Zeit verflossen, daß e-L schwer fallen würde, den Täter zu erwischen— selbst wenn die bayri- sche politische Polizei dies tatsächlich ernsthaft wollte l tätigen VölkerbunüS-Koinmission erloschen sein wird, bleiben die Deutschen in Polen auSschließ- lick dein Wohlwollen der Pilsudski-Regierung überlassen. WaS hätte wohl eine Regierung Hermann Müllers oder Dr. Streseinanns zu hören bckoinmen. wenn sie eine solche Regelung ange- nonunen haben würde! DaS polnische Volk hat den Abschluß deS neuen Pakts mit Mißtraue n ausgenommen. Eine Rechtsgarantie, die die Anwendung von Gewalt zur Acnderung des jetzigen Standes der Dinge ausschließt, ist zwar jederinann in Polen willkommen, zumal nach den« BölkcrbundSpakt und Locarno-Verträge Delitschland gegenüber an Wert so sehr verloren haben. Aber niemand hält den deutschen Gewaltverzicht für endgültig. Selbst in einem angesehenen Blatt der Regierungspartei konnte man die Befürchtung finden, Hitler habe sei» Ostprogromm keineswegs auf- gegeben. er umgehe nur Polen als allzu starken Gegner und versuche jetzt auf den Linien geringeren Widerstandes voranznkommen: dein Ost-! nfer der Ostsee entlang und im Südostcn über{ Oesterreich, Ungarn und Rumänien. Gelänge| dieser Plan, so käme Polen von Norden und Süden her in die deutsche Zange... Dio Warschauer Regierung ist offenbar optimistischer. Sie rechnet damit, daß in den Ostsee-Staaten die russische Politik, in Oesterreich die Bemühungen anderer Mächte dem nationalsozialistischen Vordringen entgegentrcten. Nachdem die Be- fiirworter einer Revision der Friedensvorträge nicht inehr in allen Fragen zusammenhalten, sieht Pilsudski auch die bedingungslose Einheits- front der RcvisionSgcgner nicht inehr als politische Notwendigkeit an. Er ist als aller Mann zu vorsichtig geworden, um jetzt gemeinsam mit Hitler aus osteuropäische Abenteuer auszugchen. I Aber seine Pakt-Politik. die eben noch mit Mos-! tau über die Sicherung der Ostsee-Staaten gegen i Deutschland verhandelte, um gleich darauf zum Abschluß mit Berlin zu komme», erweckt ein j Mißtrauen in Ost und West, das am Ende Polen selbst in eine gefährliche Isolierung bringen kaim. 15 I fl. in. de Jong: IlerLeKümgMe Jfode (in Jtoiwui in vier Cpiaodtn Autorisierte Uebcrsctzuntr aus dem Holländischen von BJ. R. Fuchs. Eine halbe Stunde später ritte» sic im Schritt in der Stadt«in. Vor den Auslagen der Tabaktrafiken drängten sich die Menschen, lasen. tvaS auf den an die Scheiben angcklevten Zetteln gedruckt stand, und debattierten eifrig gcstilulierend, aufgeregt. Peter hörte hin und wider das Wort „Kronprinz" und sein Herz krampfte sich zusammen in beklemmender Angst. Sieh da: jeder wußte schon alles! Es stand angeschlagen... Am Ende bemerkten sie ihn hinter den» Wachtmeister und stürzten tvütend ans ihn, nm ihn zu erschlagen, ihn, der den Kronprinzen beschimpft und mit ihm gelüst hatte... Er machte sich so klein als möglich, preßte sich fest an den dunklen Rücken des Reiters ... hätte sich am liebsten in seine Taschen verkrochen... lind statt durch Nebenstraßen zu reiten, durcheilte der verdammte Soldat unbesorgt die bevölkertste» Straßen der Stadt.— Die Leute begannen schon»ach der wunderlichen Gruppe zu blicken und auf sie zu zeigen... Ein Husar mit einem zerlumpten und schmutzigen Burschen hinter sich am Pferd... Was konnte das nur bedeuten? .. Peter fluchte im stillen wie ein Heide in purer Angst und er hätte gerne das Pferd in die dunklen, leeren Seitenstraßen lenken wollen; vor Furcht und innerer Spannung wurde ihm schlecht... Dann kam ein Junge, eine Menge ZeitungSbläller über dem Ann, schreiend um die Ecke einer Straße gelaufen: „Der Kronprinz gefunden... Extraausgabe vom ilbendblattl... Der Prinz von einem armen Knaben aus dem Boll vor dem Tod ge weift sich auch die Geschichte von dem kommun ist „Brüxer bekannte Kommunisten befanden, schöpft« niemand Verdacht und er wurde mll vollem Vertrauen behandelt. Kattner war nämlich Anfang April nach Spandau in Schutzhaft gebracht worden und teilte dort mit 84 Leidensgefährten den Haftraum Nr. 12. Er erwies sich stets als guter Kamerad. Mitunter war er gedrückter Stimmung, Ivaö aber jeden: verständlich schien, da man annahm, daß er zusammen mit Thälmaim wegen Hochverrat vorö Reichsgericht gestellt werden würde und weil sein weiteres Schicksal völlig im Dunklen lag. AuS dieser Zeit läßt sich nicht der geringste Anhalt dafür finden, in ihm einen Spitzel zu sehen, eL sei denn, daß wohlmeinende Beamte die Schutzhäftlinge immer Ivicdcr warnten, bei Gesprächen recht vorsichtig zu sein, weil jedes Wort der Geheimen Staatspolizei hinterbracht wurde. Im Mai s>ß Kattner noch in Span d au. Was dann mit ihm geschah, ist unbekannt. Die Nachricht von seiner Freilassung drang nicht über die Grenze. Sie tväre auch kaum geglaubt tvorden, da jedermann annahm, daß man Kattner den Prozeß machen würde. Nach einer Version soll Kattner in seiner Wohnung in Nowawcs bei Potsdam von unbekannten Tätern erschossen worden sein, nach anderen Verlautbarungen soll ihn die Kugel auf der Straße getroffen haben, als er gerade auf dem Weg zur Polizei war, um dort die Namen der Täter anzngebcn, die vor Jahren am Bülolvplah die Polozcihauptlente Lenk und Anlauf erschossen hätten. Diese ziveite Meldung verdient keinen Glauben, da schon vor Monaten amtlich mitgeteilt wurde, daß die Täter bekannt und Mithelfer von ihnen festgenommen tvorden seien. ES ist also offenbar, daß die amtliche deutsche Nachrichtenstelle '" Man wird ! Spitzel betrachten dürfen, als unwiderlegliche Beweise erbracht sind. Wer war Kattner? Von einem, der mit ihm in Untersuchsngshaft war Sin reichsdeutscher Genosse, der mll dem getöteten Alfred Kattner län gere Zell zusanunen in Schutzhaft zuge bracht hat, schreibt uns: Die Meldung, die der Goebbels'schc Nach richten- und Propagandaapparat über den angeb lichen kommunistischen Fememord an dem Tischler Kattner und die Erschießung von vier kommunisti schen Führern„auf der Flucht" verbreiten läßt, sind tviderspruchSvoll und mysteriös. Doch besteht kein Zweifel, daß die Schutzhaftgefangenen, die im Polizeiauto von Berlin nach Potsdam transpor tiert wurden, bei Aannsee mit Wissen der Gestapo beseitigt, d. h. ermordet worden sind. Ihre Namen sind inzwischen bekannt geworden und man weiß auch, daß sie schon seit Monaten in Schutzhaft saßen, also mit dem Fall Kattner ebensowenig zu tun haben können, wie sie die Möglichkeit hatten, während der Fahrt zu fliehen. Die Ermordeten sind Jonny Scheer, seit 1V82 der stellvcr- tretcnde Leiter der KPD und seit Thälmanns Verhaftung deren Führer, Steinfurth, Mit glied des Zentralvorstandes der Roten Hilfe und LandtagSaligcordnctcr, der vornchnilich die Fragen der Justiz und des Strafrechtes behandelte, ferner R u d o l f S ch w a r z, der Sekretär des Zentral« Vorstandes dec KPD gewesen sein soll und zuletzt ein gewisser S ch ö n h a a r. KattnrrS Name toar selbst den Berliner Ar beitern so gut wie unbekannt. Trotzdem spielte er in der KPD als Sekretär Thälmanns eine große Nolle. Thälmann wohnte zeittveilig bei ihm und Ivurde auch Anfang März 1033 in seiner Woh nung verhaftet, Kattner wurde init ihm zusammen auf das Polizeipräsidium am Alexanderplah ge«. bracht, wo er mehrere Wochen festgehalten Ivurde i wieder mit tlnwahrheiten arbeitet. In seiner Brieftasche wurden 1000 Mark gefun- Kattner solange nicht als den, von denen die Polizei seiner Frau 300 Mark s........ v’._ wieder aushändigte. DaS erscheint, nachträglich Gelingt daS der Berliner Polizei nicht, dann cr- lvtrachiet, sonderbar. Aber als er cS damals sei- weist sich auch die Geschichte von dem kommun isti- ncn Hafigcnossen erzählte, unter denen üch auch schen Fememord als ein Märchen. I j doch nicht mit einzelnen Parteien verderben(inan weiß doch warum) und so gehen sie um den Kern der Frage herum,(die die„Brüxer Zeitung" so gern beantwortet haben möchte) Ivie die Katze um den heißen Brei. Natürlich Ständegedankcn. aber die Parteien brauchen deswegen nicht gleich verschwinden. ES genügt, wenn fürs erste der Senat dein Ständcgedanken geopfert wird. Später wird sich daS andere schon finden. Nur zwei Antworten sind interessant: die des Herrn Schicht und die des derzeitige» Minister Spina. Mit Herrn Minister Spina wird noch an anderer Stelle Gelegenheit sein, sich auseinanderzusetzen. Sein krampfhaftes Bemühen, als Demokrat angesehen zu werden, reizt nur die LachmuSkcln. Als sogenannter demokratischer Minister undemolratischen Allüren nachzuhängen, scheint seine Spezialität zu sein. Herr Schicht gibt aber diesen Neugierigen die einzig richtige Antwort: Ob Parteien», ob Ständestaat, alles eins;„ehrliche und a n jt ä n- d i g e Menschen", das ist seine Forderung. Und der dürfte doch seine Klasse kennen! Alles in allem, hier hat wieder die„Brüxer Zeitung" bewiesen, daß sic Hiilcr. Henlein und Mussolini I nicht vergessen kann. Und tvenn man schon nicht Rund um den Ständestaat Nach längerer Pause fängt die Zeitung" wieder mit der„Reformierung" der deutschen Parteien an. Um aber, um Gotteswillen, ja nicht als staatsfeindlich zu gelten, macht sie dies in Form eines KreuztvorträtselS:„Wer sagt mir das. was ich wünsche?" Und Nun läßt sic die verschiedensten Freunde der„Parteireform", daS heißt, deS StändegcdanlenS. aufmarschieren. Grundsatz dieses Frage- und Ant- IvorispielcS ist:„Die Parteien sind schlecht, die Parteien sind an allem schuld, drum fort mit den Parteien und her... na, mit was denn?" Natürlich mit dem Ständcgedanken. Und da hat man alle gefragt, die Mayr-HartingS, die Schuster uslv. lind siehe da. auch Herr Dr. Spina ist unter den AuSerwähltcn. Daneben natürlich auch die Kapazitäten der Wirischast: pan Jindiich Petr, Herr Max Mühlig. Herr Georg Schicht und um daS nationale Gleichgewicht zu erhalten, auch den Sekretär der tschechischen Industriellen pan Dr. Milio Kotrba. Alle diese Prominenten sagen herzlich wenig Neues. Die meisten wollen cü sich offen Reklame für den FasciSmuv machen kann, warum denn nicht in versteckter Form? Jeder Mittel scheint dieser Presse gut genug, im Kampse gegen die Demokratie. Vielleicht erinnert sich auch diese der„Brüxer Zeitung". Neue Verhandlungen In BrOx Brüx, 3. Feber.(Tsch. P.-B.) Im Brüxer Revier herrschte heute absolute Ruhe. Samstag wird in den Gruben sowie auch an Sonntagen nicht gearbeitet. Heute früh eröffnete daü Revierberg amt in Brüx die Verhandlungen betreffend den Zusammenschluß der Gruben„Humbold" und „Zentrum" durch ein kommissionelleö Verfahren auf der Grube„Zentrum". Nachmittags um 16 Uhr wurden die Vertreter des Betriebsrates der streikenden Gruben und die Vertreter der Bcrgarbeitcrorganisationen zum Zwecke von Verhandlungen über die Forderungen der streikenden Bergarbeiter in das Revier- bcrgamt geladen. rin Auirui der Bczlrhsbehörde Die Bezirksbehördc in Brüx hat an die Bergarbeiterschaft des Bezirkes eine Kundmachung erlassen, in welcher cö u. a. heißt: „Wenn die gerade in dieser Zett wieder etwas auflrbcndc KahlennuSfuhr in dnS Ausland neuerdings durch riue» Streik unlerbimdcn würde, würde daS hiesige Kohlenrevier feine lehte auSlän- discheKundfchaft definitiv verlieren und die Folge davon wäre, das; die Anzahl der Schichter« noch verringert, eventuell einzelne 2chich> tm stillgelrgt werden müßten und eine große Zahl von Arbeitern ihr Brot verliere«« würde." Zum Schluß appelliert die Behörde an alle einsichtigen Bergarbeiter, sich im eigensten Interesse nicht zu einem Streik verleiten zu lassen, der ihnen nur Schade«« bringen würde. Die Industriespionage In den Bafawerken Drei frühere Angestellte verurteilt Ungarisch-Hradisch» 3. Feber. Bor dem hiesigen KrciSgerickt hatten sich heute Karl Kupla und die Brüder Ignaz und Franz Eelcchov- s k h wegen des Verbrechens des Diebstahles wichtiger Dokumente zi« verantworten. Kupka war Obermeister in der Mafchincnablci- lung der Bata-Werke und Ignaz Eelechovsk«). war Meister in der aleicheu Abteilung zur Zeit, als in der Fabrik an der Konstruktion des automatischen Förderbandes gearbeitet wurde. In der gleichen Zeit kau« auch der Solu« eines reichen japanischen Industriellen nach Zltn, der ein auffallendes Interesse für das Produktionssystem der Baka-Werke zeigte. DaS brachte die beiden Angeklagten ans den Gedanken, sich der wichtigen Pläne, an denen eben gearbeitet wurde, zn bemächtigen. Sonii- ta-> den 10. Juni 1932 entwendeten sie«ine Kopie deS Planes des automatischen Förderbandes. Nach dein Diebstahl richteten sie sich in Olmüh ein Obstgeschäft ein und versuchten, die aestohlenen Pläne, teils im Anland, teils i>» Holland geldlich zu verwerten. Sie forderten für die Pläne«ine Million lli >«nd gaben sie für ihre eigene Erfindung aus. AK sie unter dein Verdacht, die Pläne gestohlen zu haben, verhaftet wurden, legten sie ein Geständnis ab. Der Senat verurteilte heute Karl Kupla zu 20 Monatei« schwerem Kerler und Ignaz Eelechov- sky zu dec gleichen Strafe, Franz Celechovskh erhielt l 0 Monate schweren Kerkers. rettet!... Große Freude ain Hof... Extraausgabe! Extraausgabe vorn Abendblatt!... Lest die Einzelheiten!" Haufenweise stürmten die Leute auf den Zeitungsjungen ein, rissen ihin die Blätter auö der Hand, lasen hastig und aufgeregt, lachten und riefen einander Einzelheiten zu. Einige schauten mitleidig und verächtlich auf die Aufregung, zuckten die Schulter«« und bahnten sich mürrisch einen Weg durch die in heller Begeistcnmg Zu- sannnengerottetei«. Und der Zeitungsjunge schrie fröhlich, teilte die Blätter aus und ließ seine schrillen Rufe erschallen: „Lest die Heldentat des armen Knaben aus dem Volk... Peter Zanzi rettet den Kronprinzen vor dem sicheren Tod!" Und hinten am Pferd des Husarenwachtmeisters fühlte Peter Zanzi plötzlich eine schwere Last von seinem Herzen fallen. Der Kronprinz gerettet!... Ja, daS hatte er eigentlich schon getan... Und waS hernach geschehen war, ihre Händel, ihr Streit... darüber hatte Piet natürlich geschwiegen!... Doch ein fescher Kerl!... Das entsprach eigentlich seinen Erwartungen... Hehe l... Da Ivar ein Stet«« von seinem Herzen gefallen!... Nun glaubte er, fast nicht mehr fürchten zu müssen, daß er ins Kittchen gesteckt würde...— Erleichtert schöpfte er Atem und setzte sich etwas bequemer aus den Rücken des eilig trabenden Pferdes. Da sagte der Wachtmeister: „Hörst du daö, kleiner Schuft?... Bist du Peter Zanzi?" „Ja, der bin ich", antlvortete Peter bescheiden. „Hast du dem Kronprinzen das Leben gerettet?" „Nu!" schnitt der Bengel stark auf.„Wenn ich ihn nich aus dem schlammigen Graben gezogen hätt, wär er ersoffen wie'ne Katze, Mann! ... Er war schon havb im Schlamm erstickt!" „Riesenschwein!" sagte der Wachtmeister eifersüchtig,„Wär ich nur bei dem schlanunige» Graben gewesen!" „Tja", ließ sich Peter naseweis vernehmen und verstand nicht, was der Husar nicinte.„Wie wissen sie'ö hier so schnell?" fragte er dann erstaunt. „Durch den Telegraph natürlich oder durchs Telephon", erklärte der andere.„Wir sind beinah eine Stunde geritten". Er lenkte daL Pferd in eine Seitenstraße, über eine Brücke, durch einige enge, unansehnliche Gassen und ritt i>« daö Gäßchen, in dein Peter wohnte. Und Peter hatte den ganze» Kronprinzen und die Zeitungen und alles vergessen und gedachte n««r mehr der steinharten Fäuste seines Vaters, init denen er auf sein ohnehin schon genügend mißhandelten Hinterteil einen wütenden Wirbel tronuneln würde. Ein Glück, daß sie zu Hause«wch nicht i alles wußten!... Stell dir vor, daß sic eine Ahnung davon hätten, wie er mit einem wildfremden Jungen Pläne geschniiedct hatte und weglausen wollt«, zur See gehen!... Mit einem wildfremden Jungen... dem Kronprinzen... Himmelherrgottsakrainent!... Was für eine Situation!... Es hat nur wenig gefehlt, und er, Peter Zanzi, wäre in die vaterländische Geschichte gekommen!... Eine RiesenjahreSzahl! ... In dem und den« Jahr: Peter Zanzi rettet dem Kronprinzen das Leben und brennt mit ihm durch... Sie stranden auf einer Insel in der stillen SUdsee und werden nach soundsovielen Jahren wiedergesunden.,. Welche Freude im Land!... Und Peter Zanzi... nun. der wird natürlich RatSpensionär oder Leutnant-Admiral, auf jeden Fall der Vertraute des.Königs, und kriegt massenhaft Geld und heiratet dann eine Prinzessin... wenn'S ihn« vaßt... Aber es sollte anders kommen! DaS große Abenteuer war schon zu Ende, als«S just begonnen... Und Peter Zanzi kam nicht ii« die Geschichte seines Vaterlandes „Müßen wir noch weit in die Gasse hinein?" unterbrach der Wachtmeister PeterS geschichtliche Bettackstungen. Der Knabe erschrak und betrachtete die hohen Häuser des schmalen Sträßchens, die sich leicht nach vorne neigten wie redselige Nachbarsfrauen, beschwert mit drückenden, spannenden Geheimnissen. „Nein," sagte er. ein wenig- aufseuszeiid. „Grad da bei der zweiten Laterne, Nuimner sechzehn." Bei der zweiten Laterne schwang der Reiter sein Dein über den Hals seines Reitpferdes und ließ sich zur Erde gleiten. Dann hob er den Jungen vom Roß und stellte ihn unsanft auf seine Beine. Peter fühlte sich schwach und zerbrochen, geradeso, als ob er lange krank gewesen tväre. Seine Knie drohten einzuknicken und er mußte sich Gewalt antun, um stehen zu bleiben und seinen Schwindel zu bezwingen.Schlvankcnd balancierte er bald auf den einen«, bald auf dem anderen Fuß. bis er plötzlich die Stimme seines Vaters Hütte. „Was sagste dazu?... Wird der Bengel mit der Polizei heimgcbracht!^... Was hat er denn auSgefrcssen, Schuhmann, der Salamander?" Aber der Husarenwachtmeister fühlte sich beleidigt. „Ich bin kein Polyp," steUte er hochmütig fest. ,. Ich habe Auftrag von« Herrn Rittmeister, den Jungen nach Hause zr« bringe««... Und du tust besser, gar nichts Schlechtes gegen ihn z«« sagen, denn er hat dem Kronprinzen das Leben gerettet und das kann der glücklichste Tag deines Lebens werden, Vater... Und nun geh ich, adicsl" Gewohnheitsmäßig schlug er die klirrenden Sporen zusanunen, salutierte und drehte'ich uni. Noch ehe der verblüffte Zanzi seine Sprache wieder gefunden hatte, uni ihn« zu danken, oder über seinen unpassenden Witz zu fluchen, klapperten die schnellen Hufschläge schon durch die Gass: ui«d der Vater betrachtete unsicher seine«« lo ungewöhnlich und unertvartet zurückgekehrten Sohn. (Fortsetzung folgt.) Nr. 20 Sonntag, 4. Feier 1034 Sette» Japanische Friedensbeteuerungen... London, 8. Feber. Der neue japanische Botschafter für Washington, HiroschiSaito, der sich SamStag früh von England nach den Bereinigten Staaten einschiffen tvird, hat in einer Unterredung mit amerikanischen Pressevertretern für ein Gentleman»Agrement zwischen Japan und den Vereinigten Staaten Stellung genommen. Der Botschafter erklärte u. a., in der Geschichte der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Japan müsse ein neueSBlatt begonnen werden. Beide Völker müssen sich die Hände reichen, um den Frieden im Gebiet des Stillen Ozeans zu sichern. Er sei der Ansicht, dass man. ivcnn er erst seine Arbeit in Washington begonnen habe, zu einer Art Nichtangriffspakt mit den Vereinigten Staaten kommen könne. Dabei könne auch die Mithereinbczichung von Sowjctrußland in Betracht gezogen werden. Bon der Gefahr eines Krieges zwischen Japan und Rußland könne keine Rede sein. ... und fieberhafte Rüstungen »DailyExpreß" veröffentlicht eine Unterredung seines Sonderberichterstatters mit dem neuen japanischen Kriegsminister H a y a s ch i. Der Minister habe u. a. erklärt, er glaube nicht, daß Japan gegen die Vereinigten Staaten von Amerika kämpfen werde oder daß es in der nahen Zukunst zu einem Kriege mit Rußland komme. Im weiteren Berlaufe dieser Unterredung habe Hayaschi jedoch auögeführt, dah Japan jetzt 40.000 Mann im Alter von 17 biS 25 Jahren zur Arbeit in den MnnitionSfabriken einfiellen werde, um genügend Munition für dieMandfchurei herzuftel- len. Der Grund für diese NüstnngSmahnahme sei, die verarmten landwirtschaftlichen Arbeiter am Lande zu unterstützen(!) USA fordert Flugzeugbau Washington» 3. Feber. Dem Repräsentantenhause wurde ein Gesetzentwurf unterbreitet, durch welchen die Zahl der Militär-Flugzeuge der Vereinigten Staaten von 1800 auf 4884 und die Zahl deS militärischen Flugpersonales von 18.000 aus 83.033 erhöht wird. Im HecrcSauSschusse des Repräsentantenhauses erklärte General FouloiS, der Ehef des LuftschiffahrtSkorpö, daß die Armee binnen kurzer Zeit mehr als 800 Flugzeuge an welcher Stelle immer konzentrieren könne. Große Änderungen im amerikanischen Marine-Offizierskorps Washington, 3. Feber. Es»oird eine Reihe bedeutsamer Veränderungen in den Kommandeurposten der amerikanischen Kriegsflotte verlautbart, die 28 Admirale betreffen. Zum Oberkonunan» danten der Kriegsflotte der Bereinigten Staaten wurde Admiral Reeves ernannt. Die Veränderungen treten nach der Revue der Kriegsflotte, welche Präsident Roosevelt am 31. Mai in New Jork vornehmen wird, in Kraft. Anleihesperre in USA gegen alle säumigen Schuldnerstaatrn? Washington, 8, Feber. Der Senat hat neuer- dingö. Ivenn auch mit verschiedenen Abänderungen, den Gesetzentwurf angenommen, besten Zweck cs ist, öffentliche und private Finanzemiffionen aus dem amerikanischen Markte seitens jener Länder zu verbieten, ivelche nach dem»kriege ihre Schuldenverpflichtungen nicht voll erfüllt haben. Das neue Gesetz betrifft 18 Länder, mit eingerechnet auch jene Staaten, welche Teilraten auf ihre Kriegsschulden bezahlt haben. Das Gesetz, tvelcheö wahrscheinlich auch vom Kongreß angenommen werden wird, verfügt die Sperre des amerikanischen FinanzmarkteS nicht bloß gegenüber der französischen Regierung, sondern auch gegenüber allen französischen Privatgesellschaften. »er Papst Uder den Nationalsozialismus Fanatismus... verabscheungswürdig... In einem Pcesteinterview hat sich Papst PiuS XI. u. a. auch mit der deutschen nationalsozialistischen Betvegung befaßt, über die er sich folgendermaßen äußerte: Bon allen äußersten Uebertreibungen, die wir in letzter Zeit in der Welt beobachten können, ist eine, die am meisten beunruhigt. ES ist die- die Bewegung, die unter dem Deckmantel eines wahren Patriotismus, der lobenöivert wäre, das Volk derart aufpeitscht, als ob«S über ihm nichts Höheres gäbe. Die katholische Kirche hat stets verteidigt, was in den Gefühlen der Ergebenheit und des Stolzes, die jeder Mensch gegenüber seinem Baterlande hegen kann oder soll, gerecht und angebracht ist. WaS jedoch die katholische Religion immer ablehnt, ist die Theorie, die verkündet, daß die Schaffung rein mrtionalistischer Staaten das absolute Ideal eines jeden Volkes sei. Was verabscheuungswürdig ist, ist nicht die Vaterlandsliebe, sondern der Fanatismus jener, die lein anderes Ideal haben als ihre Nation als das Höchste himmelhoch zu Preisen. Daladier wankt Drei Kabinettsmltglieder demissionieren Paris, 3. Feber. Der Ministrrrat hat (sciitc beschlossen, den bisherige» Polizeipräfrlten Chiappe abzubrrufen; er wurde gleichzeitig znm Gcneralrestdeuten in Marokko ernannt. Der neue Pariser Polizripräsident Bonnesoy» S i b o u r g hat noch heute abends fcht Amt übernommen. Auch der leitende Poste» der politischen Polizei sowie der Posten deS Pariser Genrralpro- kuralorS wurde» neu vesrtzt. Dir Versetzung C h i a p p e S rief in dem eben erst gebildete» Kabinett Daladier eine Teilkrise hervor. Finanzminister P t t r i, Kriegömini- ster Oberst Fabry und der NnterstaatSsekrctär im Fachschulwesen D o u s f a i n t, die damit nichl cinverstaudcn waren, beschlossen heute Abend nach einer längeren Beratung, ihre Demission zu geben, und haben ihre Entscheidung dem Ministerpräsidenten Datadicr bereits bekanntgcgeben. Daladier berief hicranf für morgen früh 10 ' Illir eine KabinettSsitznng rin, deren Vorsitz er selbst führen wird. Wie dir Agenre Havas loriters meldet, soll , dir Stelle deS Obersten Fabry der Außenminister im Kabinett Ehaulemps, Paul- B o n c o n r, ' entnehmen. Im Hinblick auf die zahlreichen Proteste, die i nicht allein ans dem oppositionellen Lager, sondern auch anS den Reihen der eigenen radikalen Partei flaut lvnrden. hat Ministerpräsident Daladier von der für heute geplanten Rundfunk-Kundgebung an die französische Nation über die Absichten der neuen Regierung A b st a n d genommen. Die Par- j lamcntSmitglicder waren nämlich damit nicht zu- j frieden, daß Daladier, entgegen dem bisherigen i Brauch, sich zuerst an die breite Ocffcntlichkcil : lvendcn und dann erst dem Parlamente sein Programm bekannt geben will. Rechtsanwaltberuf Inkompatibel? Im heutigen Ministcrrat hat der Justizminister verschiedene Entlvürse vorgclegl, die die Unvereinbarkeit des RechtSanlvaliSbcrnfS mit einem Parlamentsmandat zum Inhalt haben. Nach dem ersten Entwurf soll den Mitgliedern deS Parlaments in Zukunft die Ausübung des RechtSanwaltSberufcS vor den Gerichten in allen denjenigen Fällen un tersagt sein, die das Sparkapital oder den Kredit überhaupt betreffen. Ebenso soll eS den Parlamentariern verboten tverden. gegen den Staat oder gegen die Departements oder Gemeinden zu plädieren, die sie selbst im Parlament vertreten. Ein westerer Entwurf sieht erhöhte Gefängnisstrafen für Unterschlagungen und VertrauenSmiß- bräuche zum Schaden deS öffentlichen Kredits vor. Ein dritter Entlvurf verbietet den Rechtsanwälten, das Geheimnis des UntersuchungSverfahrenS durch Veröffentlichung von Mitteilungen, die den Akten entnommen find, zu verleben. Der Geschäftsordnungsausschuß der Kammer hat sich der Anschauung angeschlossen, an Stelle einer 4-tgliedrigen parlamentarischen Un- tersuchungSkommission eine nur 22gliedrige zu wählen. Eine Abordnung soll sich mit dem Ministerpräsidenten Daladier bezüglich des Standpunktes der Regierung einigen. vsyliaiSy wird verhört PariS, 3. Feber. Der Gerichtshof verfügte die Vornahme einer neuen Untersuchung betreffs der Betrügereien der Sacazan-Bank und-Gesellschaft. Infolgedessen wird der ehemalige Justizminister R a y n a l d y verhört lverden, welche» einer der ersten Subskribenten und Mitglieder der BcrwallungsauSschüsse der Sacazan-Unterneh- mungcn Ivar. Handelspolitische Differenzen zwischen Frankreich und England Paris, 3. Feber. Das sranzösisch-citglische HandclSverhältniS hat sich erheblich verschärft. Frankreich hat am 1. Feber gctvisse englische Ein- suhrkontingentc auf 28 Prozent herabgesetzt. England hat Gegenmaßnahmen getroffen, lvclchc Frankreich soeben mit einer Art Ultimatum beantwortet hat. in welchem cS erklärt, daß es den Handelsvertrag mit England kündigen ivürde, Ivenn diese Gegenmaßnahmen nicht innerhalb fünf Tagen widerrufen würden. An informierten Stellen wird erklärt, daß die französische Regierung vorbereitet ist. diese Drohung zu verwirklichen. Vie Wiederaufrichtung der Jugoslawischen Sozialdemokratie beschlossen I Belgrad, 3. Feber. In einer heute abend abgehaltenen Tagung sozialdemokratischer Organisationen Jugoslawiens wurde die Wiederaufrich- tung der bestehenden sozialdemokratischen Partei einstimmig beschlossen. Der Vorstand deü Aktionskomitees Topa» l o v i i legte dar, dah im neuen Parteiprogramm den gcgenivärtigen sozial« mrd wirtschaftlichen Verhältnissen Rechnung getragen wird, so daß das neue sozialdrmokrattschr Programm in Jugoslawien wesentliche Acndernnge» gegenüber den» Programm der vorbildli-'- geivesenen sozialdemokratischen Partei Deutschlands ausweise. Referent P e t e j a n stellte fest, daß der italienische FasciSntuS und der reichsdeutsche 9ta* tionalismuS im wesentliche'» die Freiheit und die Rechte der Arbeiter einschrättken. Petejan wieS d« Vorwurf zurück, dah die Grüttdtmg der sozial- demokratischen Partei in Jugosiawim aus Bestellung erfolgt sei,»nd erklärte, dah dieser Vonvurs durch die Tätigkeit der Partei von selbst widerlegt werden wird. Seltsame A&ffffassuns Komintern: Der proletarische Kampf in Deutschland ist jetzt leichter denn je. In dem Bericht, den der orgmiisatorischc Leiter der Komintern, Pjanitzki, soeben auf dem 18. Plenunt des Exekutivkomitees der Kommunistischen Parteien eine schlechte Note erteilt. Nur die deutsche KP. hat ihre Sache so gemacht, daß sie von Moskau ein besonderes Lob bekam. Natürlich hat, so sagt Pjanitzki, die KPD. trotz ihrer großen Erfolge auch Fehler gemacht. Diese Fehler aber siltd, daß die KPD. nicht heftig genug gegen den Versailler Vertrag gekämpft hat und sich von den Nationalsozialisten den nationalistischen Wind aus den Segeln nehmen ließ, 2. daß die KPD. nicht hartnäckig und lies genug den Stampf„hauptsächlich gegen die Sozialdemokratie" geführt hat. Die einzigen Vorlvürse, die Pjanitzki erhebt, sind also, daß die KPD. nicht genug nationalbolschewistisch war und daß sie die These vom SozialsascismuS nicht konsequent genug durchgesührt hat. In Wirklichleit aber hat die KPD. gerade dadurch, daß sie viel von diesen beiden falschen Thesen praktiziert hat. den Spalt in der deutschen Arbeiterbewegung weiter vertiest, die AktionSunfähigkeit der KPD. herbeigeführt und die katastrophale Niederlage itt Deutschland mitverschuldct. Eine seltsame Bewertung der derzeitigen Situation in Deutschland drückt sich in der folgenden Feststellung Pjanihkis auS:„Trotz des unglaublichen Terrors ist eS jetzt unter dem deutschen Proletariat deshalb leichter zu arbeiten, Iveil die Sozialdemokraten... zu einem großen Teil enttäuscht sind von der Politik der Sozialdemokratie." So kann wirklich nur der urteilen, dem der Kampf gegen andere Arbeiterparteien wichtiger ist, als der Kampf gegen den FasciSmuS und gegen den kapitalistischen Klassengegner. Jeder an der illegalen Front in Deutschland kämpfende Proletarier weiß nur zu gut, daß der Kamps gegen seine tvirk- l lichrn Feinde nicht so schwer war wie gegenwärtig und eS klingt darum wie eine Verhöhnung, wenn ' ein Führer der Komintern fej.stellt, daß unter j HitlerS Diktatur die Arbesi unter den Proleta- I eiten leichter geworden ist. Vie FlttcMIIngsfrage London. Unter dem Vorsitz von Lord Cecil und James M a c D o n a l d hat der Verwaltungsrat des VölterbundauöschuffcS für die Flüchtlingsfrage sich mit zwei wichtigen Fragen beschäftigt: mit der Beschaffung der zur Abwanderung der deutschen Flüchtlinge notwendigen Mittel und mit der Verteilung der Flüchtlinge auf verschiedene Länder. Doktor Wcizinann, der frühere Präsident der zionistischen Weltorganisation, betonte, daß in der Hauptsache Palästina das Hanvtasyl für die jüdischen Flüchtlinge sein müsse. Aber auch Argentinien komme in Betracht. Der französische Senator Henri Beceiigec unterstützte den Antrag und nannte auch Brasilien, Uruguay und namentlich Amerika auf Grund ihrer Ivirtschaft- lichen Möglichkeiten als weitere ZusluchtSländer. Der französische Delegierte legte besonderen Wert auf die Bereitstellung von ausreichenden Mitteln, da man neben der für Landwirtschaft in Frage kommenden Schicht vor allem an die Beschäftigung der sehr zahlreich vorhandenen Intellektuellen denken müsse. Die Pläne dürften nicht auf deut Papier stehen bleiben, sondern müßten unbedingt so schnell wie möglich verwirklicht werden. Der VerlvaltungSrat nahm mehrere Beschlüsse an; der wichtigste empfiehlt die Schaffung einer internationalen Organisation, die für die Intellektuellen, die nicht Studenten sind, Existenz» Möglichkeiten an Universitäten oder in freien Berufen finden soll. Das Komitee der Bölkerbundstoinntision für die deutschen Emigranten hat beschlossen, dem Völkerbund vorzuschlagen, daß den deutschen Emigranten der internationale Paß, der unter dem Namen„N a n s e n p a ß" bekannt ist, zur Verfügung gestellt werden kann. Taxistreik in Paris Paris, 8. Feber. Die Gewertschaftsverbände und Streikausschüsse der Chauffeure beschlossen, daß die Chauffeure der Pariser Autotaxi im Generalstreik insolange verharren werden, als die erhöhte Abgabe von Betriebsstoffen nicht wider- I rufen werden wird. 300.900 Mann das Minimum erklärt die letzte deutsche Note Berlin, 3. Feber. Nunmehr veröffentlicht auch die deutsche Negierung ihre Antwort vom 1V. Jänner aus die seinerzeitige Note der französischen Regierung vom 1. Jänner in Sachen der Abrüstung. Die deutsche Antwort untersucht zunächst, welche Lage geschaffen würde, wem: es zu einer Konvention auf Grund des französischen Planes käme, und kommt zu dem Schluß, daß auf dem wichtigen Gebiet des Kriegsmaterials die Abrüstung um mehrere Jahre hinauSgeschoben würde und die gerüsteten Staaten dabei ihr schwere» Landmaterial behalten würden. Wie könne Deutschland, da«„ans die im Versailler Vertrag vorgesehenen völlig unzureichenden Wasfenarten beschränkt" bliebe, in dieser Zeit die llnrbildung der Reichswehr vornehmen, wen» ihm das notwendige Material nicht zur Verfügung stehe? Was die Herabsetzung der Heeresstärke betrifft, fo wird auf die VerwendungSmöglichkeü der französischen Kolonialtrnppen in Eurova verwiesen. Vor allem aber wird behauptet, daß die Mächte für den „mit der Ebre und Sicherheit» Deutschland» unvereinbaren" Plan, daß die Diskriminierung Deutschlands noch nm eine weitere Reib« von Jahren verlängert werden soll, keinen stichhaltigen Grund ansühren könnten. Es gebe keinen anderen Ausweg, al» die Ab» rüstungSmaßnahmen, über die gegenwärtig eine Einigung möglich wäre, sestznlcgen, im übrigen aber die Rüstungen der hoch gerüsteten Staaten für die Tauer der ersten Konvention auf den gegenwärtigen S mnd zu begrenzen und die G l e i ch b e r e ch t i- gun Deutschlands„durch eine gewisse Anpassung seiner Rüstnngcn an das Riistungöniveau der anderen Länder" zu verwirklichen. Der Einwand gegen die deutsche Forderung nach 300.000 Mann Reichswehr könne nicht anerkannt werden, denn die» sei da» Minimum, da» Deutschland für seine Sicherheit benötige. Die politischen Organisationen tSA und SS) können unmöglich li) mit den militärischen Reserven anderer Länder ans eine Sinke gestellt werden. Auch wenn die deutschen Wünsche berücksichtigt wurden, behielten Frankreich und die anderen Staaten noch einen getvaltigcn RüstungSvorsprung. sinter diesen Umständen könne die Ablehnung.der deutschen Wünsche nur bedeuten, daß man die Gleichberechtigung Deutschlands nicht anerkennen wolle. Zum Schluß richtet die deutsche Note noch eine Anzahl konkreter Rückfragen an Frankreich. Allen Zuckerfabrlksangestellten in der Tschechoslowakei Am Mittwoch, den 31. Immer 1033 tagte in Prag eine Besprechung der BorftandSrnüakieder des Verbandes der Arbeiterschaft der chemischen Industrie, LebeuSmütelarbester, Zuckerkocher, FabrtkSar- beiicr-Pcrband und llni« lukebnich zamösmancb, in tvelchcr über alle altuellen Fragen, lvclchc die Zucker- sabritsarbeiter betreffen, ohne Rücksicht ob sie ganzjährig oder nur in der Kampagne beschäftigt sind. Besonders wurde über die Situation gesorvchen, Ivelche durch die hetzerische Kainpagne der Lrgani- sace cukrovarsküch zkizencst gegen die Mitglieder anderer Vcriragöorganisationen betrieben tvird. Nach einer ausführlichen Debatte aller Vertreter wurde beschlossen, den bisherigen Arbeitsausschuß ohne di« Vertreter der Organisace cukrovar- skhch zrizencü zu konstituieren und eS wurde mit dem bisherigen Vorsitzenden Kollegen N ä d v o r n i t als Referenten an d« Spitze beschlossen, die Interessen der gesainteu Arde'.erschast und Angestellten nach dem besten Wiste» und Gewissen zu schützen. Der Arbe>t.4nuöschus> hat die Versicherung der sozialistischen politischen Paricien, Ivelche. den Arbeitsausschuß in seinem Bestreben allseits unterstützen werden und daher ist eS notwendig, daß auch die Arbeiterschaft in allen Betrieben demselben das volle Bertrauen schenkt und daß sie sich von niemanden von dem bisherigen Wege abwenden läßt und jede Zersplitterung ihrer Organisationen zurückweist, wenn sie mich von verschiedenen Angestellten betrieben wird. Neber alle Ereignisse in den Betrieben berichtet umgehend euren Organisationen. lieber den Verlauf der weiteren Verhandlungen und Beratungen wird die Arbeitersckiast durch ihre GelvcrkschastSorganisation informiert werden. Für den Verband der chemischen Arbeiter: F. Riidvornik. Für den Zentralverband der LebenSmittelarbeiter: V. Jetela. Für den FabrikSarbeiter-Berband: A. Pobl. Für den Zentralverband der Zuckerkochcr: F, Bulikek. Für die Unle lukebnich zamöstnanclt, Prag: B. Bohäkek. In Prehburg begannen gestern große Feierlichkeiten auS Anlaß der 15. Wiederkehr deS Tages, an dem die die tschechischen Verwaltungsbehörden mit Minister Dr. S r o b a r an der Spitze in Preßburg einzogen. Für die Regierung ist Minister B r a d ä i anwesend, für die Nationalversammlung eine Delegation mit Dc. Soukup und S t i v i n an der Spitz«. Am Abend sand vor dem Slowakischen Nationaltheater eine große Manifestation statt, der ein Fackelzug vor» anging.— In Prag veranstaltete atts demselben Anlaß der tschechoslowakische Nationalrat im Rathaus eine Kundgebung, an der die Minister Dr. D i t e r und Dr. Eernh teilnahmen. «Sefte 4 Sonntag, 4. Frier 1834 St.*» den aus bet I 4. Fahrten von Arbeitsplatz Krankender- bewölkt mit Schnecschauern, frischer Wind aus nordwest- Bon der Ortsgruppe JoachimSthal der Union der Bergarbeiter wird uns geschrieben: Bohrturm verbrennt Bevor er noch auf Oel gestoßen ist Wien, 3. Feber. In Zistersdorf in Niederösterreich ist SamStag früh auü unbekannter Ursache im Bohrturm„Prinzendorf" der Firma Musik & Co. ein Feuer auSgebrochen, das binnen kurzer Zeit den ganzen Turm und die Maschineneinrich- tung vernichtete. Die Fcuerivehr muhte sich auf den Schutz der uinkiegenden Objekte beschränken. ter Sonntag: Vorübergehende Erwärmung, zu nächst Voriviegend später veränderlich, lichen Richtungen. Fritz Paeplow In den Mittagsstunden schlugen aus dem Innern des Turmes noch die Flammen empor. Zisterdorf besah in der letzten Zeit drei Bohrtürme. Den ersten errichtete die Firma Raky-Danuvia, den zivei- tcn die Petroleumproduktionsgesellschaft. Diese beiden ersten Bohrtürme trafen bereits vor einiger Zeit aus Petroleumqucllen. Der dritte Bohrturm der Firma Musil, der heute verbrannt ist, drang in eine Tiefe von 680 Meter vor, stieh aber noch auf keine Quellen. Dr. Zajikck hat gestern die Nichtigkeitsbeschwerde gegen das gegen ihn gefällte Urteil angemeldet, nach dem er zu viereinhalb Jahren schweren Kerkers verurteilt wurde. Die Strafanzeige gegen den Pilsner Bau- unlernchmrr Spcta, der in die Millionen gehende Htzpothcken-Schwindeleien begangen und dadurch zahlreiche Personen ins Elend gebracht hat, zählt hundert niäschinengeschriebene Seiten; sie wurde gestern der Pilsner Staatsanwaltschaft abgetreten. Die Strafanzeige führt an. das; Epeta in zwanzig Fällen Betrügereien durch Abschluß von Kaufverträgen unter falschen Vorspiegelungen verübte. In der Strafanzeige werden auch sämtliche Personen anfgeführt, denen die Teilnahme an de» Betrügereien Spetas nachgelviesen wurde oder die dieser Teilnahme verdächtig sind. Schiffsuntcrgang. Der am 12. Dezember v. I. von Antwerpen nach Savona in See gegangene italienische Motorsegler„Anna Eli>'a- b e t h". der bis heute seinen Bestimmungsort noch immer nicht erreicht hat, wird seht amtlich als verloren angegeben. Man vermutet, dah das Schiff dem Z>; l l o n in der Nacht vom 14. Dezember 1833 im Golf von Gascogne zum Opfer gefallen ist. Die n c u n k ö p f i g c B e f a b u n g dürfte dabei den Tod gefunden haben. füllt ist. Diese drei Krankheiten müssen sein: 1. Lungenkrebs, verursacht durch Radiumstrahlen und Radiiimemanation. Zweitens schwere Fälle von Verstaubung der Lunge durch Quarz oder Eisenstaub. Drittens Lungentuberkulose, hervorgerufen durch Steinstaub. Ein Fall von der letzten Segic- rung eines Joachimsthalcr Bergarbeiters sei hier angeführt. Beim Oesfnen der Lunge befand sich im Innern derselben ein knotenartigcs Gebilde, in diesem Gebilde war der Krebs vorhanden. Auch die Brustkorbknochen waren schon vom Krebs ersaht. ES ist somit erwiesen, dah bei Lebzeiten der JoachimSthalrr Bergarbeiter dir wirkliche Krankheit nicht festgestrllt werden faitn Arbeitslose mit 100.000 KC jährlichem Einkommen. Man ist allzusehr von der Borstel- lung befangen, dah es jedem Menschen schlecht geht, denn von den Arbeitslosen weih man cS und von den andern nimmt man eS an, weil sie vorzüglich zu jammern»erstehen. Doch diese An- nähme wird gründlich zerstört, wenn, wie in den letzten Tagen, die Ocfscntlichkcit von einer VermögcnSstatistik überrascht wird, durch die der Nachweis erbracht wird, das; cS neben hlmdert- tausenden notleidenden Menschen so gegen 148.000 gibt, deren Reinvermögen mehr als 100.000 KL beträgt. Darunter sind an die 2000 Personen, die mehr als 1 Million Vermögen austveisen und mehr als 1100 mit nichr als 2 Millionen. Wir gehen wohl in der Annahme, dah die meiste» dieser Millionäre in der Haupt- fache von ihren Renten leben, nicht fehl. Wenn das Gesamtvcrmögen dieser 3100 Millionäre nur mit 6 Milliarden angenommen wird, so ergibt sich bei einer sehr mäßigen Verzinsung von 4 Prozent ein arbeitsloses Einkommen in der Höhe von 240 Millionen KL pro Jahr oder 77.000 KL im Durchschnitt pro Person. Hat aber einer gar ein Vermögen bon 2,500.000 Kronen, dann erhält er, ohne auch nur einen Finger zu krümme», jährlich 100.000 KL. Das ist der eine Arbeitslose, mit dem es das Schicksal— oder besser gesagt unsere göttliche Weltordnung— besonders gut gemeint hat, der andere— und solche andere, gibt eL zur Zeit an die 800.000— muh sich in den meisten Fällen mit einem Einkommen von jährlich 480 Kronen begnügen und auch diesen ärmlichen Betrag bekonimt er nur auf Grund eines von der Sozialdemokratie gegen daS Bürgertum hartnäckig geführten Kampfes. Kein Wunder, wenn nicht mehr für ihn bleibt, da die Arbeitslosen in Villen und Palästen so viel zum Leben brauchen. Vorübergehende Erwärmung? Auch ül der Freitag-Nacht hatte das ganze Gebiet der Republik strenge StrahlungSfröste; in den böhmi- schenNiederungen sank die Temperatur fast allgemein uüter— 18 Grad Celsius. Die tiefsten Minima melden Tabor, Milovice und Malack»— 30 Grad, Polikka— 21 Grad C. Unter Wirkung eines Ausläufers der EiSmeer-De- presfion trat gestern vom Norden eine Zunahme der Bewölkung ein. Bei auffrischendem Nordwest- tvind ist eine zumindest vorübergehende Erwärmung mst Schnecschauern zu erwarten.— Die Temperatur in Prag betrug gestern morgens — 14 Grad C, das Minimum während der lebten Nacht— 14.7 Grad C.— Wahrscheinliches Wct- Bor 125 Iahr'n wurde Amerikas Ratio ualheld Lincoln eboren A b r a h a m L i n c o l n, der die Sklaverei in USA\ abfchaffte und der feit Washington lvohl die popu-1 lärsle Gestalt Amerikas Ivar, erblickte am 12. Feber 1808 das Licht der Welt. 1860 wurde er als Geg»' ner der Sklaverei zum Präsidenten gewählt. Tie| Wahl veranlaßt« die Südstaaicn zum Absall. Lincoln führte den amerikanischen Bürgerkrieg siegreich durch, der infolge des Abfalls auSbrach. Bei einer» SicgeSkeier in Washington wurde er am l-l. April 1865, von einern Südstaatler erschossen. gestorben. Auf Umwegen erreicht uns die Nachricht, dah der ehemalige Sekretär und spätere Vorsitzende der Banarbeiter-Jnter» aationale Fritz Pacplow im Alter von 74 Jahren am 18. Jänner gestorben ist. Schon als Sekretär des später ü> dem Deutschen Baugewerk- schaftSbund aufgegangenen Maurerverband galt er als einer der tüchtigsten Gelverkfchafter. Er wurde fchliehlich Vorsitzender der Organisation. Schon früh hatte Pacplow die große Bedeutung einer internationalen getverkschaftlichen Verbindung der Arbeiter erkannt. Als Sekretär der ersten Bauarbeiter-Internationale legte er das Fundament, ans dem nach dem Kriege, als die zerrissenen Fäden von Holland ans neu geknüpft wurden, die jetzige Bauarbeiter-Internationale aufgebaut wurde. Fritz Paeplow tvurde Vorsitzender. — Zum Lebenswerk des Verstorbenen gehört vor allem die Gründung der sozialen Baubetriebe oder Bauhütten, Betriebe auf produktiv- gcnossenschafilichcr Grundlage, die sich unter schtvicrigeu Voraussetzungen durchsetzen muhten, aber noch heute einen Wert von 80 bis 60 Millionen Reichsmark repräsentieren. Brand in einem Münchener Theater. Gestern vormittag wurde die Feuerwehr nach dem.Kolosseum" gerufen, wo im Bühnenhaus ein Brand auö- gebrochen lvar. Die Brandwehren, die wegen der starken Rauchentwicklung mit Gasschutzgeräten vorgehen muhten, konnten das Feuer bald eindämmen. Verbrannt ist ein Teil der Bübnendekoration. Der Zuschauerraum tvurde nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die Untersuchung über die Brandursache ist im Gange. Das Feuer wurde von einer Reinemachefrau entdeckt. ES soll plötzlich ein explosionsartiger Knall erfolgt sein, worauf Flammen hinter dem eisernen Vorhang hervorschlugen. Ein interessantes Naturereignis tvird vom Klimatologischen Observatorium in Bad Luhatscho- Ivitz gemeldet: Gestern um 7.08 Uhr wurde vom Osten her zwischen der Morgenröte ein blendend tveihcr Heller streifen gesichtet, der rasch an Gröhe zunahm und sich seinen Weg bahnte, um im zweiten Drittel seiner Laufbahn zu verschwinden. Die Erscheinung sah wie der Abschuh einer riesigen Rakete in den Him- melSraum aus, deren mächtige Rauchbahn ebenso rasch verschwand, wie sie aufgckommcn war. Die Frau deS bekannten deutschen Rennfahrers Earraeiola wurde bei einem Lawinenunglück getötet. Das Unglück ereignete sich am Uebcr- gang von A r o s a nach Lenzerheide. Frau Carra- ciola befand sich auf einem SkiauSflug mit ihrem Mann. Auher einem Führer nahmen noch zwei lveitere Personen an dem Ausflug teil. UnterlvcgS wurde die Gesellschaft von einem Schnee- rutsch überrascht. Während cS Carraciola und den beiden anderen Ausflugstellnchmern gelang, sich auf Grund einer im letzten Augenblick erfolgten Warnung deS Führers iy Sicherheit zu bringen, stürzte Frau Carraciola und wurde unter den Schneemasten verschüttet. Trotz sofortiger Bergungsarbeiten durch eine Rettungslolonne aus Lenzerheide, gelanug cs nicht mehr, Frau Carraciola lebend zu bergen. Ihre Leiche wurde in zwei Meter Tiefe unter dem Schnee gefunden. Stürme an der Riviera Mailand, 3. Feber. In Nord- und Mittel» iialicn haben bei überaus starkem Absinken der Temperatur erneut beftigc Schneefälle eingesetzt In der Stadt Mailand, in Turin und auch in Genua zeigte heute morgens das Thermometer minus 4 Grad Celsius unter dem Gefrierpunkt. An der Riviera herrschten überaus starke Stürme. Jin Hafen von Livorno zerschellte ein Motorboot an der Moole. Der Schiffsverkehr an der Adria ist dnrch die starken Winde und Stürme stark gestört. Ein Wolfsrudel in einer rumänischen Stadt Schnellfeuer auf dem Bahnhof B u k a r e st, 3. Feber. In ganz Rumänien haben starke Schnee stürme eingesetzt. Der gesamte Eisenbahnverkehr ist überaus erschwert. Auf dr» Landstraßen ist der Verkehr für Passanten und Fahrzeuge saft vollkommen unterbrochen. In Braila geriet der ganze Straßenverkehr iiu) Stocken. Im Hafen sind alle Schiffe eingefroren. Die Telephon- und Tele» graphrnleitungen sind zerstört. Die Gendarmerie unternimmt überall Streifen, um die Wolfsrudel zu erlegen oder mindestens in die Berge und Wälder zu vertreiben. Dir Wölfe sind nunmehr zu einer regelrechten Landplage geworden. In Husi am Brutto drang gestern in den Abendstunden, von Frost und Schnersturm gejagt, rin Rudel Wölfe in die Stadl und gelangte bis zum Stadtbahn Hof, wo daS Rudel von einer Polizeiabteilung und dem Bahnpersonal unter Schnellfeuer genommen wurde. Vom Rundfunk Empsehleniwerte» au» den Programme»: Montag. Prag, Sender L. 11: Konzert des Salonorchejters. 13.Jo: Schallplatte», 16.50: Kinderecke, 17.08: Dr. Stejjkcrl: Das anormale Kind in der Schnle, 18.25: D e u t s ch e S e n d u n g: Dr. Walter Koerting: Die Gefahren des Gebirges, Hilfe bei Unfällen, 18.50: Dr. Schulz: Vorschau auf das Musikprogramm, 10: Deutsche Pressemeldungen, 10.20: Violinkonzert, 21: Tamburizenkonzert. 21.26: Konzert, 22.15: DcutscheNachrichten. SenderS. 14.50: Populäre Arien, 15.15: Deutsche Sen» br.na: Stunde der Fran, Prof. Zwickel: Worte für die alternde Frau, 15.80: Deutsche Schallplatte», 16.45: Deutsche Pressenachrichten.— Brünn: 18: Körpererziehung und Sport, 18.26: Deutsche Sendung, 21.15: Lustige Musik unserer Zeit.— Preßburg: 16: Nachmittagökonzerl, — Kascha»: 12.30: Orchcstcrkonzert. 16.80: Liederkonzert.— Mähr.-Ostrau: 21.16: Unterhaltungskonzert.— Wien: 11.80: Stunde der Frau, 16: Kinderstunde, 17.15: Klaviervorträae. 17.45: Aus modernen Operetten, 20.45: Orchesterkonzert.— Dienstag. 10.05: Deutsche Nach- Deutschcr Schulfunk, en, 10.85: Harmonikakomposi- 18.26: Deutsche Sen- Dr. Husty: Wirtschaftliches Relief, Willi Prag, Sender L. richten, 10.15:! Pressemeldur 16.55: Jugendfunk, düng:.. Haas: Adolf Loos zum Gedenken. 10: Deutsche Pressemeldungen, 18.85: Harmonikakomkosi« iionen, 21.80: Weinberger GcsangSguarteit, 22.80: Tanzlieder. Sender S. 14.80: Schallplatte», 14.45:. Violinkonzert, 15.10: Deutsche Sendung: Landwirtschaftsfunk. Licdcrkonzert, 15.45: Deut- schePressenachrichten, 18.05: Tamburizzen» konzert.— Brünn: 18.25: Deutscheren düng: Jugendfunk.— Preßburg: 17.80: Unterhaltungsmusik.— Wien: 12: MittagSkonzert, 17.20: Konzert- stvnde, 18.10: Der Mensch in China und seine Umgebung, 20.40: ES ruft eine Melodie. Fahrprei erleichterungen für Arbeitslose lieber Einschreiten der GcwcrkschaftSzentrake hat das Eisenbahnministerium eine Neuregelung der Bestimmungen über die Benützung der Arbeitcrfahr- karten durch Arbeitslose vorgenommen, u. zw. wie solgt: Ans der Arbeit entlassenen Arbeitern oder Angestellten, welche nachweisen, dah sie sich noch in Kranlcnbehandlung befinden und zwecks Heilung zu dem von der zuständigen BezirkS- krankcnversicherungSanstalt eingesetzten Arzt fahren müssen, kann der Bahnhossvorstand der dem Wohnort oder dem früheren Arbeitsplatz nächstgclegenen Station die Benützung der Fahrpreisermäßigung auch auf eine vom Unternehmer nicht bestätigte Aus- wciSkartc bewilligen. Falls es sich um Ausweiskarten für Wochenfahrtcn handelt, können auch Rückfahrkarten gelöst Iverden. Die Bewilligung kann der Bahnhossvorstand für die Dauer des Anspruches der Krankcnbehandlung, längstens aber aus die Dauer eines, Jahres vom Zcitpunli der Entlassung aus der Arbeit gewähren. Die Bewilligung wird für jeden Monat besonders aus der Ausweiskarte eingetragen. Die Ermäßigung steht immer für der dem Wohnort oder dem früheren nächstgclegenen Station zum Sitz der sicherungSanstalt zu. Dieselbe Vergünstigung wird auch Arbeit cntlaiseuen Arbeitern und?lngestelltcn gewährt, welche zwecks Behebung der Arbeit:- l o s e n u n t e r st ü tz u n g in einen bestimmten Ort fahren müssen, wenn sie sich mit der Arbcilölosen- AuöwciSkarte legitimieren, ivorin bestätigt sein muß, daß sie sich dreimal in der Woche nm Arbeit melden. Ohne diese Bestätigung haben sie keinen Ansvrnch auf die Unterstützung und demgemäß mich nicht aus die Fahrtermäßigung. Außerdem müssen sie sich mit der MitgliedSlegitimation jener Gewerkschaft aus- weisen, welche ihnen die ArbeitSlosenunterftützniig auSzahlt. Hat der Arbeiter oder Angestellte eme EiscnbahnauSwciskarte, welche er im selben Jahre für seine Fahrten an die Arbeitsstätte verwendete, so kann er sic auch weiterhin für die Fahrten»im Bezug der Arbeitslosenunterstützung benützen, sviisi beschafft er sich eine neue AuSwciSkarte. In beide» Fällen hat die GclverkschaftSorganisation aus Seite 6 der Eisenbahn-AuSwciskarte zu bestätigen, tn welche Station der Arbeitslose um seine Unterstützung fahren muß, und sie bestätigt außerdem auch allmonatlich die Eiscnbahn-Auswciskarte statt des Unternehmers. und wir somst keinen Vorteil vom Berufsunfall- gcsetz haben. ES ist vorgekommen, daß Bergarbeiter nach kurzer KrankheitSdaucr plötzlich gcswrben sind, bei denen noch kurz vor dem Tode der Lungenkrebs nicht festgestcllt werden konnte, jedoch bei der Sezierung der Lungenkrebs als Todesursache festgcstellt werden mußte. Auf Grund dessen hat Herr Professor Schickl-Prag beim Ministerium für soziale Fürsorge den Antrag gestellt, daß auch denjenigen Bergarbeitern die Unfallsrente zuerkannt tvird, welche vor dem Jahre 1829 provisionicrt wurden. Die St. Joachimsthalcr Radiumgrubcn sind Staatsbetriebe. Berichte» zufolge, besitzt daß Joachimsthalcr Radium die grüßten Machecinhei- ten in der ganzen Welt. Andere Staaten, die ein solches Kleinod besitzen würden, tvürden sicherlich für diejenigen etwas tun, welche diese Schätze fördern. Was geschieht aber bei uns? Lohnabbau, in der Woche zlvei Schichten Iveniger, das bedeutet noch mehr als ein Drittel weniger Verdienst. Also anstatt unö zu helfen, tvird die Lebenslage der Ra- diumtodcsopfcr immer elender, immer unhaltbarer. Die Nationalisierung geht immer mehr vorwärts. die Lebenshaltung immer mehr rückwärts. Unser einziger Ruf ist: Heraus mit dem Radium- schnhgesctz für die JoachimSthalrr Bergarbeiter. Todesopfer des Radiumbergbaues! Heraus mi- elftem Schutzgesetz für die Joachimsthalcr Bergarbeiter Schon durch sechs Jahre hindurch fiihren die Joachimsthalcr Bergarbeiter einen Kampf um Besserstellung ihrer Existenz, vor allem jedoch um eine Pension kämpfen sie, damit die Bergarbeiter in der Zeit der Arbeitsunfähigkeit wenigstens menschenwürdig davon leben können. Infolge der geringen Höhe der Brudcrladenprovision sind die meisten Joachimsthalcr Bergarbcitcr gezwungen, sich so lange zum Arbeitsplatz zu schleppen, bis sic aufs Krankenlager geworfen werden und ihre Tage gezählt sind. Zu diesem Kapitel sei bemerkt, daß die durchschnittliche Lebensdauer der JoachimSthalrr Bergarbeiter 37 Jahre, ihre Arbeitsdienstzeit 18 Jahre 2 Monate beträgt. Nach dieser zurückgclcgten Dienstzeit ist der Bergarbeiter bergfcrtig, das heißt: er ist reif für den Totengräber. Kann sich die Ocffentlichkeit vorstellen, was das heißt, wenn junge Bergarbeiter im Alter von 32 bis 42 Jahren bcrgsertig sind? Nach Auffassung der Jvachimütha» ler Bergarbeiter ist sich-die ärztliche Wissenschaft darüber klar, daß der frühzeitig herbxigeführte Tod der genannten Bergarbcitcr n u r durch die R a» diumemanation verursacht wird. Am Dezember 1830 wurde im Parlament ein Grsrtzesantrag Pohl-Brojik frü die Radiumbergarbciter von St. Joachimo- thal eingebracht, welcher bis heute noch auf seine Erledigung wartet. Von diesem Gesetze erhofften die Joachimsthalcr Bergarbeiter die Rettung. Jedoch was wurde geschaffen? Eine Einreihung in I daü BcrufsunfallversichcrungSgcsch, und daS nur in drei gewissen Fällen. Für uns Joachimsthalcr Bergarbeiter ist dieses Gesetz nicht ausreichend. Nicht einmal die Hinterbliebenen erhalten alle eine UnfallSrente, wenn einer der drei Punkte nicht er- Tagcsnculghdtcn Arbeitsverbot für Fragen in Gruben unte.tags Aus Genf wird uns geschrieben: Das Internationale ArbeitSanü übersandte den Regierungen der Mitgliedsstaaten eine» Bericht über das Verbot, Frauen in untertags gelegenen Gruben aller Art zu beschäftigen. Dieses Problem befindet sich aus der Tagesordnung der heurigen Session des> Internationalen Arbeitsamtes, die am 4. Juni ihren Anfang nimmt. Die Arbeit untertags ist den Frauen durch Gesetz im Großteil der Staaten verboten. in denen sich Gruben befinden, inSbcson- Lere aber in den europäischen Ländern. In Großbritannien seit dem Jahre 1842, in Frankreich seit dem Jahre 1874, in Luxemburg seit 1876. in Deutschland fest 1878. Trotzdem werden noch in einigen Ostgegendcn Frauen untertags be- schäftigt.' Das Problem wurde bereits 1828 ventilier!, und zwar durch den japanischen Arbcitcrdelc- gicrten auf der Internationalen?lrbcitükonfcrenz, die dann diesbezüglich einen Beschluß faßte. Eine weitere Resolution wurde durch die Konferenz im Jahre 1831 angenommen, und zwar nach der Annahme der Abmachung über die Arbeitszeit in den'Kohlengruben. Der Bericht des Internationalen Arbeitsamtes schlägt vor, daß die Regierungen der Mitgliedsstaaten über den Standpunkt zur Frage des absoluten Verbotes der Beschäftigung von Frauen in untertags gelegenen Gruben aller Art befragt werden. *r. rs Sette 5 Sonntag, 4. Feber 1934 gegen Grippe, Erkältungskrankheiten,' Rheumatismus, Gicht, Kopf- und Nervenschmerzen. In allen Apotheken erhältlich. Genoraldepot: Brauners Apotheke „Zum weißen Löwen“, Prag II, Pfikopy M. BernfSstatistik der Emigranten, lieber die| VerufSzugehörigkeit der bon den Prager Für- sorgestellcn unterstützten Emigranten unterrichtet eine Statistik, die ergibt, das; 70 v. H. der Emigranten ledig, 30 v. H. verheiratet sind. Den freien Berufen gehören 11.5 v. H., dem Journalistenberuf 4.75 an. Selbständige sind 0 v. H., lausmännische Angestellte 29 v. H„ Studenten ■1.25 v. H., Beamte 1.75 v. H., Arbeiter 6.25 v. H„ Handwerker 28.5 v. H., Büroangestellte öv. H. Wahrend die Zahl der Arbeiter an sich ge- ring ist, ist der Prozentsatz der Angestellten und Handwerker verhältnismäßig groß. Sic stellen über 00 Prozent der Emigration. Knapp ein I Viertel der Emigrierten kommt anö intellektuellen Kreisen. Tschechoslowakei als Exportftaat— Preisdiktatur der Kartelle Für die Weltwirtschaft im allgemeinen wird! angenommen, das; der Tiefpunkt der Krise über-! wunden ist. Seht man den Index der Weltproduktion 1928 mit 100 fest, so Ivar er 1929 noch ans 108 gestiegen, um dann 1930 auf 93, 1931 aus 81, 1932 auf 67 zu fallen. Im September 1938 ist er zum ersten Male tvicder aus 79 gestiegen. I ES bleibt abzuwarten, lvie sich die Weltlvirtschaft 1934 cntlvickcln wird. Ablveichend von der Weltlage lag jedoch die ProduktionSziffer der ESN. im Sommer 1933 tiefer als im Sommer 1932. Das Krisentief, das 1933 von den meisten Länder» überschritten lver- len konnte, ist also für die ESN. noch nicht erreicht worden. Der entscheidende Grund liegt bei der sinkenden Ausfuhr. Seht man den Index der Ausfuhr der ESN. 1929 mit 100 fest, so sank er 1930 auf 85, 1931 auf 64, 1932 auf 36 und 1933 aus 28,5, beträgt also heute dem Werte nach nur tvenig über ein Viertel der Ausfuhr von 1929. Abgesehen von den Vereinigten Staaten, deren Aussuhrindex 28 beträgt, stehen die Aus« fuhrindiceS aller Staaten höher als diejenigen der ESN. ES zeigt sich: Polen 38, Oesterreich 38,8, f Schlveden 81,5, England(in Goldwährung) 85, Ungarn 35, Frankreich 36. Holland 37, Deutschland 37,5, Südslawien 39, Schlveiz 40, Italien 40, Rumänien 48, Belgien 44.. Besonder» hart getroffen ist der Export der Tschcchoslotvakischcn Republik in Fertigwaren, er betrug: 1929.... 14.595,734.000 Kü 1930.... 12.865,581.000 KL 1931.... 9.920,913.000 KL 1032.... 4.958,418.000 KL 1933(geschäht). 3.900,000.000 KL Abgesehen von der Zoll- und Devisenpolitik muß auch die mangelnde Anpassung der Preise an das Weltpreisniveau als Ursache des sinkenden Exports gesehen werden. Die Uebersichten zeigen, das; der Preisrückgang in der ESN. sich besonders langsam vollzogen hat. Der KlcinhandelSindex in der ESN. ist gegenüber 1928 nur nm 17 Prozent, in Frankreich um 20 Prozent, in Italien un: 24,5 Prozent, in Deutschland um 27,5 Prozent gefallen. Im gleichen Zeitraum, in dem die Preise des Großhandels innerhalb von 5 Jahren in der ESN. um 31 Prozent gefallen sind„ist der Preisrückgang im Kleinhandel nur 17 Prozent. Es ist auch erwiesen, daß die Kartelle den PreiSriickgang und damit einen erhöhten Absah verhindert haben. So hat z. B. die Baumtvollc, eine nichtkartellicrte Ware, im Jahre 1929 KL 16.28 per Kilogramm gekostet, kostet aber jetzt nur 6 KL, während Zucker, eine kartellierte Ware, heute den gleichen Preis auflveist wie 1029, nämlich 555 KL per 100 Kilogramm. Während in früheren WirtschastSkriscu die Preissenkung zur Steigerung der Nachfrage geführt hat, tvird diese Entwicklung heute durch die Kartelle verhindert. KataMopHale Lage der SeMMe« AiInnnbuftrie GeNSHtvekerrntnMe Nach einem Jahr Hitler-Herrschaft sind die Verwüstungen, die der bramce Terror in Deutsch- lcncd angerichtet hat, den„Volksgenossen" so sichtbar geworden, daß selbst die gleichgeschaltete und vom Propagandaministerium kommandierte Presse im Reich keine Möglichkeit mehr sieht, den Niedergang tolzuschweigen. Der„Berliner Herold" beschäftigt sich in seiner letzten Ausgabe sehr eingehcird mit der katastrophalen Lage der braunen Filmindustrie. Den offenkundigen Besucherstrcik innerhalb Deutschlands will ec mit der wirtschaftlichen Notlage erklären, wobei er freilich zu der Behauptung vom hitle- rischen„WirtschaftSanfschwnng" in einen auffälligen Gegensatz gerät und anch die Frage ungeklärt lassen mnsi,»Mriiiii ausländische Filme, die frei vom Goeb- beld-Geift sind, in Denrschland so erstaunliche Erfolge erringen konnten, lvie eS bei„La Matcrnclle" und„Jennie Gerhard" der Fall Ivar.„Bei der FilinhcrsteUnng sind gewaltige Neforinen notwendig," so erklärt der„Herold" in Fettdruck.„Die stosten der Filmprodnktion müssen gesenkt lverdcn, wenn nicht ein katastrophaler Rückgang der Industrie eintretcn soll." Er begrüßt daruin freudig ein von dem(offenbar nicht rein-deutschen) Regisseur llscrrcpy erdachtes Sparshsten», das eine Senkung der ProduliionSkolteu um 80 bis 40 Prozent er- inöglichcn soll, lind er konnncntiert die Ankündigung dieses Rationalifierungserperimeuts, das in einem neuen Filmatelier in Kladow bei Potsdam auS- probieri werden soll, mit dem für die Situation der braunen Filinindustrie sehr bezeichnenden Satze: „Die Verbilligung der Filme erleichtert das AuS- landSgeschäst, und vor allen Dingen werden die Kinos die Eintrittspreise senken können, sie können hoffen, sich dadurch jenen Teil des Publikums zu- rückznholen, der wirtschaftlich nicht mehr mitkonnte." Um es kurz zu sagen: Die braune Filmindustrie will ihren Absatz dadurch hebe», daß sie die Kon- lurrenz, die sie bisher nur geistig unterboten hatte, nun auch noch im Preise unterbietet. Daß man aber seiner Sache nicht sehr sicher ist, bctveist die Flut von Beschimpfungen, die man zunächst einmal gegen die Konkurrenz losläßt. Es ist der Mühe wert, ein paar dieser angst- kreischcnden Sätze aus dem„Herold" zil zitteren: „Bis vor einiger Zeit gab es in Europa lediglich drei bemerkenswerte ProduktionSzentren für die Filinindustrie, und ztvar Deutschland, !)l u ß l a n d und Frankreich. Innerhalb we- niger Monate hat sich das wesenlich verändert, ... In England wächst ein neues Film- zentrunc heran... In F r a n k r e i ch hat die Filmproduktion neuerdings aus verschiedenen Gründen starken Antrieb erhalten. Auch von dort droht dem deutschen Film eine nicht zu unter- schätzende Konkurrenz.'.. Ebenso kommt miS Oesterreich die Meldung, daß die dortigen Produktionsbetriebe bedeutend vergrößert werden sollen... In den schwedischen Ateliers beginnt es sich nach langer Zeit wieder erheblich zu regen, und sogar Holland gehört heute be- restS zu den Ländern, die bewußt darauf bedacht sstrd. selbst zu produziere»... AehnlicheS gstt von der Schweiz und von der Tschecho- s l o w a k e i... Mait fiibrt die erstaunliche ProdnktionSinitiative mit Recht zmn großen Teil auf Bkachenschaften zurück, die schlechthin mit Saboiage und Verrat dcü deutschen FilmS bezeichnet werden dürfen. Diese Saboteure und Verräter sind in sehr vielen Fällen Filmleute, denen daS neue Rcginie in Deutschland einen Strich durch die Rechnung gemacht hat und die ihr Wirkungsfeld schleunigst ins Ausland verlegten. Dort haben sie durch erbärmliche Skru- "ellojigkeit bereits neues Terrain gewonnen. Nun sind sie fieberhaft am Werke, im Ausland neue Produktionsstätten zu schaffen oder bereits bestehende ganz erheblich zu erweitern. Diese unlauteren Elemenie wollen sich erst einmal selbst lvieder die Taschen füllen und möchten obendrein noch auö purem Rachegcfühl den» deutschen Filin erhebliche Schläge beibringen." Daß diese„moralischen" Argumente auch dem gleichgeschaltecesien Leserhirn nicht einleuchten loer- bcil, dürfte selbst der„Herold" der braunen Jilrn- indnsirie, der diese Sätze verfaßt hat, geahnt haben. Aber daß er keine andere Möglichkeit sieht, seiner Enttäuschung über den Mißerfolg des Goebbels- FilmS Luft zu machen, ist ein Beweis dafür, lvie „empfindlich" die„Schläge" sind, die der Widerstand in allen Teilen der Welt der braunen Film- industrie zugcfügt hat und wie sehr dem von Goebbels verwüsteten und von seinen Sklaven verratenen deutschen Film die„unlauteren" Regisseure und Schauspieler fehlen, die den Entschluß faßt«:, das Dritte Reich zu verlassen und aus„purem Rachegefühl" ihren künstlerischen Beruf nicht aufgegeben haben: Regisseure wie Pabst, Granowskh und OphülS, die nach Paris auswanderten, und Schauspieler wie Elisabeth Bergner, Conrad Bcidt und Marlene Dietrich, die jetzt den englischen und mnerikanischen Film bereichern. Es ist nur bedauerlich, daß wir in Prag wenig Anlaß haben," die ehrenden Aeußernngen deS„Berliner Herold" anch auf uns zu beziehen. Statt lene „unlauteren Elemente" zu beschäftigen, beschäftigt ncan sich hier mit der Einfuhr der hitlerdeutschcn Filme und läßt braune Ehrenmänner am Barranvov gastieren. Statt vom Aufschwung des französischen und englischen FilniS ausgiebigen Gebrauch zu machen, zeigt die Hälfte unserer KinoS reichsdeutsche Boykottware. Dabei ist gar kein„Rachegefühl" nötig, um Werke wie die französische Verfilmung der „Misörables" von Victor Hugo oder wie die englische Verfilinung des Kennedh-RomanS„Dir treue Nymphe" oder wie den Pariser Film des Regisseurs Pabst„Bon oben nach unten" oder wie die beiden neuen Ruffenfilme„Menschen und Taten".und „Okraina" für aufführungswürdiger zu'halten als die Kitsch- und Schundfabrikate der Ufa und der Terra, die uns Woche für Woche Heimsuchen. PBAGEK ZEITIJMa Umstehen Ich versprach Dir, lieber Leser, von den Annehmlichkeiten auf der Prager Straßenbahn, von meinen exotischen Reiseerlebnissen bet den Fahrten mit den schönen weißroteu Wagen iwch etwas zu erzählen. Höre also, was mir geschehen ist. als ich von der Fochovä in dec Weinberge nach Zisjkov in die Husovä(daS ist dort, wo der Ausgang zum ZiZkaberg ist) zu fahren mich entschloß. ES ist allerdings ein verwegener Plan, den ich gefaßt hatte, um von der Weinberge ucul) Zi.siov mit der Elektrischen zu fahren. Die beiden Stadtteile grenzen ane«nander und man kaim entlang des RiegerparkeS sicherlich bequevier und rascher dahiit zu Fuß gelangen. Aber wozu ist denn die Elektrische da? Man muß doch die Stadt unterstützen und außerdem Iveiß ich, daß man etwas erleben kann. we>tn man eine längere Reise(andere kannst Du mit der Prager Straßenbahn nicht zurücklegen) mit der Elektrischen macht. Ich begebe mich also in der besten Laune zur Straßenbahnhaltestelle und ich hatte wirklich größeres Glück als kürzlich der Arbeiter in Frankreich, dem man sagte, er habe das große Los gewonnen, loaS sich aber bald als Irrtum herausstellte— sofort kmn eine 22er, die mich in rasender Fahrt zum obere» Ende deS Wenzelsplatzeö brachte. Da begann nun daS Abenteuer, Willst, Du, nämlich vom Museum nach Zi.skov, mußt Tu in die 1er oder 7er umsteigen. Du entschließt Dich für die 7er, die Du, vor dem Museum stehend, den Wenzelsplatz herausfahren siehst. Du willst rasch hinüber zur Haltestelle, da stehst Du wie vom Donner gerührt still, denn eine Hupe tutet, daß Dir daS Trommelfell zu zerreißen droht— Du dankst einem gütigen Schicksal, daß Du nicht überfahren tvurdest, tvartest in einer gewissen Erregung, bis zwanzig Autos vorübcrgefahrrn sind, stürzt dann mit Todesverachtung zur Haltestelle— gerade um zu bemerken, daß Dir die 7cr davonfährt. Du willst aufspringcn, da blickt Dich der Wachmann mit einen» so durchbohrenden Blick an, daß Dir daS Herz in die Hosen fällt und Du nichts anderes vermagst als einen wehmütigen Mick der 7«r nachzublicken, die mit Getöse, Pfeifen und Kracken zmir Wilsonbahnhof davonfährt. WaS tun? Nichtig, da kommt eine 1er von der Mezibranjkä daher. Ja. aber wie koinint man von der 7er zur ler-Haltestelle. Du glaubst, die seien beide an einer und derselben Stelle. Woher? So unromantisch-nüchtern ist man bei uns nicht. Dn muht, zurück zuin Gehsteig vor dem Museum— das kannst Du nicht, locil dort gerade der Wagenverkehr flutet— und bist Du endlich dorthin ge» j langt, wo Tu warst, daiu» nnißt Du noch einmal über die Straße, die aber jetzt dicht mit Wagen besetzt ist, weil der Wachmann wieder dort den Durchlaß für die Wage»» geöffnet hat— kurz und gut, auch der 1er ist Dir davongefahren. Jetzt köirntefl Du eS wieder, versuchen, zur 7er zu gelange»», ober ! Du gibst das Rennen auf, bleibst s»eben, ivo Du I bist und tvartest auf die nächste 1er. Lange genug. Endlich koimnt die Ersehnte und Du fährst ain Deutsche» Theater und am Wilsonbahhof vorüber und kommst ai» die Kreuzung Hoovcrova—Hybernskä. Wieder sorgt für Dich die Stadtvenvaltung und Dn kannst wählen: entweder»nit der 9er oder der 21er. Da jede vo»» einer»»»deren Seite kom»»»t, stellst Du Dich zur Straßeitkreuzung, tvirst dort einige Male angestoßen oder angerempelt und kan»»st znsehen, wobei eS Dir so gehen kan>» wie beim Nmsteigen vor den» Mnseun». Wann Du da nach Ziskov kommst und wie lange die Fahrt dauert voi» der Fochovä in die Husovä ist? DaS werde ich Dir nicht verraten. Ber- suchs. Du tvirit Deine lleberrakchnngen erleben. Dn kannst dann noch viel rou»a»»tischere Dinge davoi» erzählen, wie gut in Prag das Umsteigen von einer Linie, der Elektrischen in die andere geregelt ist und daß»>ran bei Reisen m»f der Straßenbahn viel Schönes erleb«»» kann. Allerdi»»g« eines mußt Du haben, lieber Leser, viel Feit. Solltest Du diese »tickt besitzen, kann ich Dir nur einen Rat geben: Geh zu Fuß! E. St. 1.50 Kt für Schwerstarbeiter Hyänen des Emigraiions. Schlachtfeldes Es scheint driilstend nottvendig, aus den üble», vcrabsckcuungstvcrlcn Mißbrauch hinznwei- sen, den einzelne, von Skrupeln»nid sozialen» Gefühl unbeschwerte, Zeitgenosse»»»nit der fürchterlichen finanziellen Not proletarischer Emßn-anten treiben. Im kapitalistischen S»)stcn» der Ausbe»»tui»g und Anöplündcrung sind dreckige Hvänen, die die „Konjunktur" ausnutzen und die Hilflosigkeit vertriebener und entwurzelter Mitmenschen für ihre schäbigen Zwecke einspannen, leider keine Seltenheit. So wird uns mitgeteilt, das; eine dieser edlen Seelen zlvci Emigranten nach außerhalb, etlva zwei Stunden weit bestellte, um K o h I e»»s ä ck e zu tragen. Die beide»» trugen die Last vom Mezzanin bis zun» dritte»» Stock und erhielten für diese für schleckt genährte Menschen noch besonders qualvolle Schwerstarbeit, sage und schreibe, 1.5Ö KCl In einem anderen Fall Hai einer dieser Vampire es gewagt, Emigra»»tcn, die für ihn u. a. Möbel tragen mntzten, ein Päckchen Zora- Zigaretten— 10 Stück 1 Kö— anzubieten 1 Weiterhin soll es vorgelonimen sein, das; dunkle Existenzen diese»» Aermstcn der Armen irgendwelchen Ramsch zum Vertrieb,„bei Provision", aber gegen„Sicherheit" angedreht haben. Die BedaueriiSivcrtcn opferten ihre letzten Heller und blieben sodann auf dem Ramsch sitzen. Die Haltung der Prager Bevölkerung den vor der Hitlerbarbarei in die Demokratie geflüchteten Reichsdeutschen gegenüber war im allgeinei- nen v o r b i l d l i ch. Umso schärfer müssen Elcincnte gcbrandmarkt werden, die, im schreienden Widerspruch zu der menschlichen Einstellung voi» 99 Prozent der Prager auS Not und Tchiveis; der Asvlsuchenden ein e r b ä r n» l i ch c s Geschäft zu»nachei» verstehen! Wiedereröffnung des Eafc lsontiiiental. DaS „Eflff Continental" ist am SainStag nachmittag um halb 6 Uhr wieder eröffnet worden. Mit den Gläubigern der alten Inhaber wurde», Ivie uns uritge- lestt wird, fest längerer Zeit Verhandlungen gepflogen. die jetzt zu einer Einigung geführt habe»». Daraufhin ist der G. m. b. H. von den Behörden die llonzesfion erteilt worden. Die Anglo-Banl hat die ZwangSvertvaltung zurückgezogen und wird von de»» Inhabern auf privatem Wege abgefundeii werden. — Die Wiedereröffnung des Lokales hatte sich sehr schnell herrungesprochen, das Lokal war bald gut besetzt. Die Leidtragenden sind jetzt allerdings die Kellner, die einen erhebliche»» Trinkgeldverlust zu verzeichnen haben. Falls die ZwangSvertvaltung die berechtigten Forderungen der Kellner nicht von sich aus erfüllen sollte, loolleii die Kellner ihre Entschädigungsansprüche in einer gemeinsamen Schadenersatzklage gelte»»d machen. Bon der Ttesanik-PolkSsternwarte in Prag. In» Monate Feber ist die Sternlvarte der Bevölkerung täglich außer Montag um 6 Uhr abends zugänglich; Schülerertursionen um 5 Uhr abends und gemeinsame Besuche um 7 Uhr abends. Massenbesuch e müssen erst der Kanzlei der Ster»»>varteasser, täglich mehrmals ge- nonnnen, ei» herrliches Mittel. Aerztlich einpfohlen. 2106 (jcrichlssaal Ein unmenfchlicherRaufbold Messerstiche in den Kopf Prag, 8. Feber. Gerichtsverhandlungen wegen mehr oder weniger schiverer Raufhändel zählen nick» eben zu Seltenheiten. Zinueilen ereigne»» sich aber Fälle, die dirrch besondere Roheit Aufmerksamkeit erwecken, lvie dieser vor dem ersten Strafsenat verhandelte. An» 5. November v. I. kam Josef Blaha, ein 23jähtiger Bauernsohn und weit und breit gefürchteter Raufbold i>» das DorswirlS- haus in Zele»'» bei Brandeis, fetzte sich an eine»» Tisch u»»d remvelte, kaum daß er sein Bier betorwnei» batte, den dorr sitzenden Anton M r ä z»nit dei» Worten an:„Was gaffst du mich an. Gestanks" Mräz fragte ihn, was er sich erlaube^ be- kan» aber in» gleiche»» Augenblick eine solche Obr- Ifeige, daß ibn» das Blut aus der,Nase schoß. Er gab die Ohrfeige zurück, woraus Blaha sofort das Messer zog und sich auf den Waffenlosen stürzte. Die Sache endete sehr bös. Der rasende Raufbold bearbeitete den K o v» und vor allem das El e s i ch t des Angesallenen mit zahllosen Messerstichen. Diesem tvurde die Wange ausgeschlitzt, die Nase durchschnitten, beide Lippen durchstochen und da» Kinn mehrfach verletzt, wobei ihm auch nock» ein Zahn ausgeschlagei» wurde. Ein gegen die Schläfe gesiihrter Stich war von sol- icher bestialischer Wucht, daß die Messerspitze an» I Schädelknochen abbrach. Der Mißhandelte hatte ein langes, schweres Krankenlager zu überstehen nnd mußte sich einer Operation unterziehen. 0 9 hat nicht viel gefehlt, daß Mräz feinen Verletzungen erlegen toäre. Ter Angeklagte Ivar geständig, beyauptete aber, daß der llebersallei.e ibn durch spöttische Reden gereizt habe. Da aber alle Jeugei» diese Verleidignng widerlegten, verurteilte der Gerichtshof mit Rückiich» auf die besondere llloheit der Tat und den schlechten Ruf de» gefährlichen Raufboldes diesen zu einer unbedingten Strafe von acht M u u a» e n schweren und v e r s ch ä r f t e n K e r t e r S. rb »Lieber 10.000 XL Prozeßkosten als 500 Kc dem Angestellten" Episode vom Arbeitsgericht Prag, 8. Feber. Nicht nur die VerhandlungS. säte, sondern auch die Korridore de» Arbeitsgerichtes vemlitteli» den» Beobachter oft genug charakteristische Eindrücke. Ein wohlleleibter Herr in» Pelz»n»d puderrotem Gesicht wälzt sich heftig gestikulierend und in höchster Erregung a»»f seinen Begleiter— sichtlich sein RechtSbeistcmd— einsvreckeud. dem Ausgang zu. Man vernimmt die Worte:„——— fällt mir gar nicht ein. Und iv c n n ich zehntausend verprozessierenmnß, keine»» Heller zahl' ich ihr" Der Begleiter flü stert ihn, etwas zu, der Dicke verstuinnit und beide verschwinde». Und der Sachverhalt? Durch Zufall wurde er mir bekannt. Ei»»e Verkäuferin, die bei dem kollernden Herrn(er ist Besitzer einer große»» Kon fektionShandlung) bedienstet tpar, tvurde aus»»ich tigein Anlaß f r i st l o S entlassen. Sie klagte ar Einhaltung der Kündigungsfrist. Der R-chter be mühte sich um einen Vergleich und daS Mädel, da stellungslos ist und Hunger hat, war bereit, sich ,mß 509 KL auszugleichen. Aber der Herr Chef dachte gar nicht daran, obwohl er tvenig Aussicht hat, den 9tüt 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 4 Feber 1834 Nr.-8 Kunst und Wissen Der Zeuge ihre tete vcr» Sie Wie «r> den uni. den AUNl Kärntner Vereine noch angeschlossen, so würden ihr seht 1057 Spieler, dao ist säst doppelt soviel als vor einem Jahre, angehören. Die Steirer führten fünf Länderspiele gegen Niederösterreich, zwei geprn Wien und zwei gegen Gaswerk-St..Veit durch. In Steiermark wird die Meisterschaft noch innerhalb eines Kalenderjahres dnrchgeführt. Im Kreis Graz wurden VottSbcrg, im Kreis Mnrtal Red Star Knittelseid und im Kreis Mürztal die Amateure Kaufen- verg Meister. In der steirischen Provinzmeisterschaft siegten die Kapfenberger über Knittelscld zweimal. Die. Landesmeisterschaft wird erst im Frühjahr entschieden werden. Nm dreihundert Spieler mebri Der Jahresbericht, den die st eirisch en Arbeiters uß- baller über das Jahr 1833 soeben veröffentlicht haben, kann sich sehen lassen. Am Beginn des Jab- re? 1933 gehörten der LandeSgruppe Steiermark 22 Vereine und 859 Spieler an. Im vorigen Jahre bildeten die fünf Kärntner Vereine, die der steirischen Gruppe angeschloffen waren, einen eigenen Landesverband. Trotzdem tvar die steirische Gruppe am Jahresende stärker. Sie besitzt ztnar nur noch 21 Vereine, dafür aber 842 Spieler. Wären ihr die Selchwaren der Fi. WEGNER• CI«.. PILSEN SIND DIE ALLERBESTENI Verlangen Sie toi'«der Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Hrme HEGNER ft Cie.. PILSEN Am gleichen Vormittag Frau, die Französin ist, mit Heimat. In der Mittagszeitnng Mitteilungen aus dem Publikum MNTr. Reichmann, gem. Anstaltsarzt d. San. SanopL u. San. Dr. Schneider, hat seine Praxis Prag II., Mezibranskä 7, eröffnet. Ord. 2—3, Tel. 30007. 2260 Aus der Partei Bezirksorganisation Rendel Am vergangenen Sonntag tagte die ordeniliche Jahreskonferenz der BczirkSorganisetion N e u d e t. Ans dem Organisationsbericht ging hervor, das; die BczirkSorganisation trotz den Auswirkungen der Krise eine Steigerung der Mitglicderzahl um 20 Prozent auszuweisen bat. An dieser Steigerung haben die Frauen einen besonderen Anteil, die nach einer Werbeaktion ihre Zahl beinahe verdoppelt haben. Bemerkenswert ist eine Aliersstatistik der Funktionäre, die der Konferenz vorlag. ES sind 288 Funktionäre unter 85 Jahren. 254 bis zu 50 Jahren und 71 älter als 50 Jahre. Die Zahl der Zeitungsabnehmer ist in der BcrichlSzcit ebenfalls gestiegen. Die Berichte der einzelnen Funktionäre gaben ein Bild reicher, ziclbe- wusttcr Arbeit. Den Berichten folgte eine sehr lebhafte Wechsclrcdc. Sodann wurde ein Arbeitsprogramm der Bezirksorganisation bcschloffen. In einem grostangc- legten Referat nab>„ der Vertreter des Parteivorstandes, der Genosse T a u b, zur politischen Situation Stellung. Seinen mit stürmischem Beifall auf- aenoinmenen Ausführungen folgte eine lebhafte Aussprache, die mit der Annahme einer Vertraucnükund- gebnng für die Führung der Partei abgeschlossen wurde. Die bisherige Bezirksleitung wurde bestätigt. Auswe s fü" den Monat Jänner Bodenbach 4880(1220), Kd Brünn 4480 (1120), Karlsbad 8000(2000) Kd, LandSkron 400 (100) Kd, Pilfen-BndweiS 2472(548) Ke. Prag 774(100) Kd, Prestburg 240(60) Kd, Reichenberg 400(100) Ke. Sternberg 8520(880). Tcp- litz-Saaz 4620(080) Kd, Trautenau 2140(500) Kd. Troppan 2920(730) Kd. Prozest zu gewinnen, was ibm der Richter auch zu verstellen galt. Er in also, wie sein Herzenserguß aus dem Korridor verriet, entschlossen, lieber 10.000 Kd zu vervrozeffieren, als 500 Kd zur gütlichen Erledigung der Sache zu opfern. Tas ist die„Prinzipienfestigkeit" gewisser Unternehmer. Wie wir diesen Typus kennen, wird er die Sache bis zur letzten Jn- stauz ireiben und ivenu er schon sachfällig wird, wenigstens die Genugtuung baben, dast die verwegene Angestellte, die es wagt, ihr Recht zu verfechten, einige. Wochen hungern mutzte und der' Qual der llngewitzbeit ausgesetzt war. Tos Talutit der«n^ett Verhandlung ist vorgemerkt; wir werden über den Fall eingehend berichte». rb. Es war schon sechs Uhr morgens. Er sprang auf die erstbeste Straßenbahn und fuhr nach Hanse, noch fuhr seine dem Kind in nach drei Tagen noch leben, werden Sie den Selbstmord in irgendeiner Zelle begehen. Die SA.-Kameraden. Nicolai sah den Nazi auf dem Stuhl an. Auf seiner Stirn war eine Säbelnarbe noch nicht verheilt. Er erhob sich, nahm Haltung an und sagte: „Meine Kanieraden bedauern, aber eS bleibt nichts anderes. In drei Tagen muh alles erledigt sein." Er grüßte und trat ab. „Warten Sie," sagte Nicolai. Der Bursche machte lehrt, als erwarte er einen Befehl. „Sie sind Student?" fragte Nicolai und der Gefragte bejahte.„Sagen Sie, hätten Sie auch so ein Korpötheater gemacht, wenn ich nicht Arzt, sondern ein gewöhnlicher Arbeiter gewesen wäre?" „Gestatten Sie, Herr Doktor, Sie..." „Antworten Sie auf mente Frage! Alle? andere ist Blödsinn", fuhr er den Studenten wie einen Rekruten an.«Hätten Sie mir auch einen Revolver gebracht und vor mir stramm gestanden, wenn ich ein Prolet gewesen wäre? Oder was hätten Sie getan?" „Sie bei Nacht und Nebel über den Hänfen geschossen." „Verschwinden Siel" Und der Nazi wischte ein Schatten zur Tür hinaus. M Mit Hilfe einiger Genossen kam er auch ohne Sichtvermerk über die Grenze. Und fünf Tage nach dem Besuch des Studenten berichtet' er mir die Geschichte in einem Brief aus Paris. B. Natt sch. Viktor U'b Viktoria Viktoria heisst sie nur im Film,— in Wirklichkeit heisst sie Renate Müller und ist eine eitle und^ plumpe Propagandistin des Führers zu Folter, Schmach und Schaffott. Ein Star der braunen Filmindustrie, die außer ihr und den Damen Helm und Haid offenbar keine„Diva" mehr für ihr« Kitfchhauptrollcn zu besitzen scheint, nachdem sogar Lilian Harvey die Berliner Ateliers verlassen hat.„Ein glänzend anSgestattctes Lustspiel" nennt die Ufa diesen Film,— und sie hat wahrhaftig allen Grund, von den Werten zu schweigen, die sich hinter dieser Ausstattung verbergen. Den Kinos„Metro" und„Julis" gebührt das Verdienst, dem glänzend äüSgestatieten Hngenbergrnmmel Obdach geboten zu haben. Heute, bald 8 Ubr, Arbeitrrvorstellung:„Der eingevildete. Kranke", Lustspiel von Moliere, vorher: „Les vetitS riens". Ballet von Mozart, Karten an der Tbeaterkassa. Nächste Ardeitervorstrllung:„Ter Wildschütz", komische Oper von Lortzing am Sonntag, den 18. Feber, nm halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten atz Dienstag täglich von 8 bis 2 und von I vis 0 Uhr bei Optiker Tentsch, Graben, Kornno. Wochcnspielpla» dr» Neuen Teutschrn Theaters. Heute, Sonntag, den I. Feber, nachmittags 2M.* Uhr: ßS petitö rien S. D e.r eingebilde t e K r a n k c, 7: B o r i s G o d n n o w, Erstans- führung, El.— Montag 7j/j: Zwei Herzen im D r e i v i e. r t e l t a k t. Volkstümliche Vor fand Nicolai Bericht vom Ueberfall. Die Namen wurden Zweck einer genaueren Untersuchung noch geheim gehalten. Die Täter konnte man unmittelbar nach der Tat verhaften. ES Ivarcn wieder verkleidete Kommunisten, die schon gestanden hätten, daß... usw. Am Nachmittag erschieit in der Sprechstunde ein junger Mann. Als Nicolai ihn ins Sprech- zimnter bat, übergab er ihm in der Tür ein verschnürtes Päckchen und wollte sofort wieder gehen. Jetzt wußte Nicolai, was ihni bestimmt war. Und er atmete erleichtert ans.„Setzen Sie sich", sagte er zn dem Burschen. „Ich habe auf nichts zu tvarten," antwor- der. „Haben Sie Angst?— Nun, dann sehen sich." Der Bursche gehorchte. Der Arzt öffnete das Päckchen. Es enthielt einen Revolver. Aus der Lauföffnung sah ein zusammengerolltes Papier heraus. „Das ist in dieser Zeit ein wertvolles Geschenk," sagte Nicolai tmb untersuchte das Magazin der Waffe und fand einen vollen Rahmen Munition. Dann zog er das Papierchen aus dem Lauf. Mit der Schreibmaschine geschrieben stand folgendes darauf: Sie sind ein Schuft und müssen sterben. Nehmen Sie uns die Arbeit ab. Sollten Sie Spart»Spiel• Körperpflege Die dritte Winterolympiade in Lettland Di« dritte Arbeiterolympiade findet bck.unttlich im Jahre 1937 in Antwerpen statt. Die Vorarbeiten für den Bau eines RiekenstadionS, das die Stadt Antwerpen errichten wird, sind bereits im Gange. Die Frage, wo die Wintersportkämpfe der dritten Olympiade auSgetra- gen werden sollen, wurde nun ebenfalls gelöst. Belgien, das im Wintersport ja keine Rolle spielt, kam alü Land der Wintcrolympiade nicht in Betracht. Die Arbeitersportinternationale hat sich daher entschlossen, die dritte Winterkportolympiade in Lettland abzuhalten. Dort sind zweifellos alle Bedingungen für eine gute,' sachgemäße Durchführung gegeben. Der Beschluß ivird von den nordischen Verbänden, die sn die ganze Olympiade mit liebsten in Finnland gehabt hätten, sehr begrüßt werden. filme in Prager UiMsptelhtarn BIS einschließlich Douner-tag, dr» 8. Feber. Alfa:„Der kleine König". Feaiz:„Kinder der Großstadt— La Meternelle". Flora: „Ihr Arzt". Hvizda:„ES war einmal ein Chaplin". Kinema: Journale. Reportage, Lustspiel(halb 2 bis halb 8). Koruna:„Es war einmal ein Chaplin". Kotva:„Der ewige Jude". Lacerna:„Der ewige Jude". Olympic:„Vergessene Patrioten".(Samstag und Dienstag um 22 Uhr russische Filme). Praha; ..Sturm über der Sahara". Skant:„Sturm über der Sahara". Bajkal:„Ihr Arzt". Belvedere:„Vru- ''er und Schwester". Carlton:„Herr Saval, der Millionär". Favorit: r, ert Saval, der Millionär". Jllnston: Jbr Arzt". Kapitol:„Ihr Arzt". Lido: „Der gute Tramp Bcrnacek". Mareika:„Ich und die Kaiserin". Rory: ,Hhr Arzt". Laldrk: ,^lhr Arzt". Dlilieilungen der„Urania“ Wochenprogramm vom 4. biv einschließlich 11. Feter 1034 Heute, halb 11 Uhr:„Schön bist du, o Schweizerland." Kulturfilm. Heute, 8 Uhr:„Wege zum MusikverständntS durch aktives Hören." Prof. Kestenberg. Was bedeutet Stil in der Tonknnst. Einzelkarten. Montag. s-s9 Uhr:„Schön bist du, o Schweizer land. Kulturfiltn. Dienstag, 8 Uhr: Urania-Radwbund. Mittwoch, 8 Uhr: Kindernachmittag. Miltivoch, 8 Ubr: Gedenkstunde für Manfred Kyber.(Geb. 1830, gest. 1933.) Dr. OSkar Schwarz und Prof. Karl Birk. Donnerstag, 8 Uhr:„Rußland tmd Europa seit Peter d. Gr." Univ.-Prof. Dr. I. Pfitzner. Freitag, 8 Uhr:„Futurismus tmd absolute Malerei." Russolo und Kandinsky. Dr. Max Deri. Freitag, 8 Uhr:„Abend norwegischer Knlwr." I. RciSmann. SmuSlag, 3 Uhr:„Wallensteins Tod." Urania- Rlassikervorstellung im Reuen Deutschen Theater. SamLtag, 3 Uhr: Führung. Ausstellung Pros. Thiele im Kunstverein. Prof. Meffer. Masarqk»Volk»hochsch«Ie Heute, 3 Uhr: Opernstudio. Oberregiffeur, Steinschneider und Kapellmeister Aron. Sonntag, 10 Uhr: Handelskurs. Schulleiterin Schenk. Sonntag, 10 Uhr: Opcrnstudio. Montag, halb 7 Ubr: Einführung in die Weltliteratur. 1. Slawische Literattir. Dr. Anton Mou- cha. 3. Tschechische Literattir. Donnerstag, 7 Uhr:„Wie lese ich eine Bilanz." Dr. Heinrich Anspitzer. Beginn eines 4stündigen Kurses. Werden Sie Mitglied der Urania. Jahresbeitrag 18 Kd. Zusatzkarte 8 Kd. Anmeldungen Urania- Kassa, Klimentskä 4. Fernsprecher 61623. 62441. « Uranta-Stino „...und wer küßt mich?" Eine Filmoperette. Vorstellungen täglich ltzll,%9 Uhr. Sonntag, 2, 4. 6,»4 9 Uhr. Urania-Kino, Klimentskä 4. Fcntspre- cher 61623. (Schluß.) „Und zu welchem Sturm gehörten Sie?" fragte bluffend der Kommissär. „Zinn 31. Sturm." „Wir werden das untersuchen. Bis alles aufgeklärt ist, bleibe» Sie hier." Also doch verloren? dachte Nicolai init Zähneknirschen. Er saß in der einen Ecke deö Zimmers rind die drei Beamten in der anderen um einen Tisch hcrmn. Er konnte kein Wort ihrer Diskussion verstehen, aber er sah, daß zwei langsam in einen Streit gerieten. Schließlich sprang der eine auf, warf seinem Kollegen die Akten an den Kopf und verließ das Zimmer, die Tür hinter sich zn- lnallend. Der andere lachte ttnd schüttelte .Kopf. Dann sah er sich snchetid im Zimmer Als er Nicolais Hut auf dem Tisch liegen kehrte sein Blick zu seinem Kollegen zurück, standen beide auf, nahmen die Akten und ließen das Zimmer ditrch die Tür zum Korridor, die sie nicht einllinkten. Die Tür drehte sich gniekcnd in ihren Angeln und blieb handbreit offen stehen. Vielleicht war diese Fluchtgelegeicheit eine Hntierhältigleit. Aber was konnte ihm noch geschehen" Entweder behielten sie ihn hier- oder er entkam. Zuerst ging er ohne Hut bis zur Tür und sah hinaus. Vorn im Gang standen drei SA.-Leute und unterhielten sich. Nebenan klapperte eine Schreibmaschine. Er holte seinen Hut. Daim trat er auf den Gang, schloß die Tür hinter sich mtd ginn ohne Gruß an den Nazis vorüber. Sturm über der Sahara Wir müffen uns mit dem Abfall der amerikanischen Filmproduktion begnügen. Es gibt einen neuen Lubitfch-Film,— wir sehen ihn nicht. Es gibt einen Film mit Greta Garbo, er heißt„Wie Du mich willst",— aber uns nützt kein Wollen, lind statt Buster Keaton in seiner neuesten Rolle kennenzuler- nen, müssen wir uns mit alten Chaplin-Erinnerun- gen zufriedengeben. Dieser Sahara-Film freilich fordert Zuschauer mit einem besonderen Humor: Leute, die sich bei Mord, Totschlag,, Mcnschenjagd und un- aufbörlichent Schlachtenlärm genau.so wohl fiihlen wie die Helden auf der Leinwand. Ta sind zwei Spione, die einander für Verräter halten und drei Musketiere von der Fremdenlegion, die mit ber- gnügteut Grinsen jede Situation meistern nnd schließlich den tückischsten aller tückischen Araber- scheichö zur Strecke bringen, womit die europäische Zivilisation gerettet und der Film glücklich beendet> ist.—eiS—| stellung, AA.— Dienstag 7J4: Tango nm Mit- ternacht, A 1.— Mittwoch 7%: Boris Go- d u n o w, B 2.— Donnerstag 7>/i: Z n ebener Erde und er st er Stock, ncuinszenicrt, C 2.— Freitag 7J/j: Figaros Hochzeit, Cyklus lV, DI.— SamStag 8: Wallensteins Tod, Schülervorstellung, 8: Zu ebener Erde und ! erster Stock. A 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne: Sonntag 8: Desiric, 7)4: Katz im Sack, Erstaufführung. Montag 8: T o v a r i s ch.— Dienstag 8: Weißer Flieder.— Mittwoch 8: Andere Seite.— Donnerstag 7J4: Katz im Sack.— Freitag 8: Andere Seite(auch freier Verkauf), Kultur- vcrbandsfrennde.— Samstag 8: Katz im Sack. Literatur Bon anonymen nutz Erprefferbriefen und der Eruierung ihrer Schreiber mit Hilfe der wissen schaftlichen Schriftkunde handelt n. a. die interessante Broschüre d«S weltbekannten Graphologen nnd Schriftsachverständigen RobertSaudek, die in tschechischer Sprache unter dem Titel:„Zloiin v Pi Sind(DaS Verbrechen in der Schrift) im „Orb i S"-V erlag(Prag XII.) erschienen ist. (Preis 24 Kd). Der Verfasser geht unbarmherzig mit gewissenlosen oder unwissenden Charlatanen, die alS„Schriftsachverständige" in großen Kriminalfällen schon eine verhängnisvolle Rolle gespielt haben, inS Gericht. Er weift nach, daß die Schriftkunde eine exakte Wissenschaft ist. die mit modernen technischen Mitteln arbeitet und auch den Rang einer Wissenschaft beanspruchet: darf. Nicht, nur für den Fachmann interessant sind die Darlegungen über charakteristische Zeichen einer Handschrift, deren Kenntnis auch im täglichen Leben zustatten kommen kann. Saudek gibt u. a. eine fesselnde Darstellung des berüchtigten DreyfuS-ProzesseS, in welchem daü Opfer durch die falschen Gutachten der Schrist„sachverstän- digen", die zum großen Teil gekauft oder absolut unwissend waren, unschuldig zu schwerer Strafe verurteilt wurde. Die Art, wie diese„Sachverständigen" zu Werke gingen, zeigt das scheußliche Intrigenspiel einer reaktionären Generalität gegen den unschuldigen Kapitän DreyfuS, dessen einzige Schuld seine jüdische Herkunft war. Auch sonst enthält das unterhaltend und fesselnd geschriebene Buch eine Menge interessanter Dinge. Dr. Bg. Verclnsnadirldtfen Deutsche BolkSstnggenteind« Prag. Nächste Probe Dienstag, den 6. Feber. Mit Rücksicht auf die Programmvorbereitung ist es Pflicht aller ausübenden Mitglieder, pünktlich zn erscheinen. Der Film Es war einmal ein Chaplin Gewiß sind das alte Filme, sehr alte sogar, Filme von jenem Chaplin, der noch keinen Weltruhm hatte und noch mehr Clown als Humorist, noch mehr Artist als Filmdichter war, aber obwohl diese Filme alt und so schlecht znsammengeklebr sind, daß die schwächste Szene aus End« nnd manches ganz durcheinander kommt, ist ihr Anblick eine Freude! eine Wiederentdcckung dieses unvergeßlichen Weh- mutS- nnd HeiterkeitSspenderS ans der Zeit des stummen Films. Gerade weil wir wissen, daß ans diesem grotesken Vagabundcnspicler mir dem wippenden Stöckchen tmd den monströsen Schuhen der Schöpfer de«„Goldrausch", des„Zirkus" und des „Pilgrim" wurde, spuren wir in den Spässen, die er hier als galanter Strolch und frecher Varidtdbesucher treibt, die tiefere Heiterkeit, zu der er fähig tvar: die Heiterkeit einer phantastischen und doch nie wirklich- kcitsfremdcn Märchensigur, die mit vkiffig-listigen, stannend-enttäuschien tmd gleichmütig-pendclnden Gesten die Welt tmd sich selbst entlarvt und verspottet. einer Märchenfigur, in der Sinn und Ilnsinn ge- mifcht sind und in deren neugierig-ängstlichen Träu- meraugen mehr zu lesen steht als in den meisten Filmmanuskripten. Wir lachen üver einen Cloton, wir bestaunen einen unheimlich gewandten Artisten, und tvir erinnern uns an einen Zeitgenossen, der, nebmt alle« nur in allem, der seltsamste und hinreißendste Künstler ist, den tvir je im Film gesehen ha- —eiS— B-. zugSbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kä 16.—, vierteljährig Kd 48.—. halbjährig Kd 06.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erft>ck tmr bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatnr wurde von der Poft- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.8C0/VH/1080 bewilligt.— Druckerei: ,F)rbis", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag.