14. Jahrgang Dienstag, 6. Feber 1934 Nr. 30 o»iMi 70 imh (•imchlltBUck 5 Heller Porto) IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEM REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xil., fochova«. teleeon«077. Administration teiepon j»7t. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Oesterreich erhebt Klage In Genf Einstimmiger Beschluß des Ministerrates W Le«, 6. Feber.(AN.) Der Bundeskanzler hat für heute eure« anßerordentlichen Ministrrrat einberufe« und diesem das Material vorgelegt, das den Konflikt zwischen dem Deutschen Reich«nd Oesterreich anbrtrifft. Der Ministerrat hat in mehrstündiger-Beratnng alle Unterlage« gründlich geprüft. Unter dem Eindrücke des umfangreiche» und schwerwiegenden Tatsachenmaterials hat der Miuisterrat noch eingehender Aussprache einstimmig beschlossen, den Bundeskanzler zu ermächtigen, die ihm notwendig und dienlich erscheinenden Schritte zum Zwecke der der deutschen Regierung bereits angeknndigten Befassung de» Völkerbundes zu unternehmen. fieimmellrlemir Derfdiärlt Ueberfall auf die„Innsbrucker Volkszeitung“ auf Befehl eines Plattenbruders Wien. 6. Feier.(Eigenbericht.) Die Lage in Tirol wird von Tag z» Tag chaotischer. Dir Zustände im Laufe drS heutigen Tagei brachten den Beweis, daß die Wiener Zentralregie, rung überhaupt nicht mehr i» der Lag« ist, das Land z« beherrschen. I« Lirot herrscht v o l t- k o m m r n e A n a r ch i e.«a» sich in den Straßen Innsbruck»«»spielt, zeigt, dass da» Land, wenn auch«och nicht staatsrechtlich, so doch moralisch»«reit» mit Hitler.Deutschland gleichgeschaltet ist. Heute wormittag drang ein« Bande von 70 Heimwehrpoliziftrn, von zwei Offizieren geführt, in da» Druckereigebiiude der sozialdemokratischen„JnnSbrucker Boll»,ei- tun," ei«, verhaftete dort vier Redakteur«»nd stürmte die Räume der Druckerei, wo sie technische Einrichtungen vernichteten«nd de« Satz einer in Druck befindlichen sozialdemokratischen Proklamation zerstörten. In wenigen Minuten halt« sich die Nachricht mm dem Sturm auf da» sozialdemokratische Par- leigetöudr in der Stadt verbreitet und die Arbeiter in den Betrieben, di« davon erfuhren, schick- tru sich an, di« Maschinen zu verlassen. Die reguläre Polizei, die von dem beginnenden Streik unterrichtet wurde, fuhr nun mit einem Nebersallanto-um Gebäude der Bolkö» zeitung und verhandelte dort mit ihren Heim- wehrkollegrn, wobei sich hrrauSstelltr, daß die Heimwehr ohne jede Legitimation da» Gebäude gestürmt hatte. Die Heimwebrlrr erklärten, sie hätten den Auftrag zu diesem Einbruch von de« Heimwrhrführer Penz bekommen. Penz ist einer der berüchtigsten Raufbold» »nd Messerstecher Innsbrucks, der Führer einer bekannten Berbrecherplatte, der schon wiederholt biegen EinbruchSdiebstahl» und Raufhandel vom Erricht verurteilt worden ist! Da die Polizei nicht stark genug war, mit Brachialgewalt mit ihren Hrimwehrkollegen fertig t» werden, verlegte sie sich auf» Brrhandel«. Rach edier-alben Stunde gelang e» ihr endlich, die -eimwehren zum Verlassen der Druckerei zu veranlassen. DaS sozialdemokratische Blatt konnte dann mit Hilfe von Noteinrichtungen am Nachmittag wieder hergestesst werden. Mißhandlung von Sozialdemokraten Aber auch in anderen Gegenden von Tirol spielen sich skandalöse Vorfälle mit der Heim- «ehrbesatzung ab. I« Rattenberg wurde dir Berichterstatter der JnnSbrucker Volkszeitung Genosse D a n e k von Heimwehrlern auf der Straß« überfallen, in ein Heimwehrlokal geschleppt und dort solange mißhandelt, ViS er bewußtlos liegen blieb. Die Gendarmerie teilte über diesen Vorfall mit, Danek sei von der Heimwrhr„strafweise mißhandelt" worden, weil er Artikel für die JnnSbrucker BolkSzeitung geschrieben hab«, in denen die Heimwrhr angegriffen wurde. Ja Innsbruck selbst wurde der sozialdemokratische Funktionär Podkrowsky von Heim- wehrlern in ei» Heimwehrlokal geschleppt. Dort wurde er gefesselt und man siößtr ihn» Rizinusöl ein. Nachdem er länger alö eine Stund« in der Gewalt der Heimwrhr gewesen war, kam endlich die reguläre Polizei, holte ibn ab«nd verurteilte ihn noch zu fünf Tagen Arrest, weil er während der Mißhandlungen dir Hrimwrhr- HilsSpolizri beschimpft(!) habe. Die Besetzung Innsbrucks hält an Die Lage in Tirol ist im Augenblick derart, daß e» gang unmöglich ist vorauszusehen, was sich daran» entwickeln soll. Die Regierung wollt« anscheinend gestern abend den Putsch zum Stillstand bringen, weil sie für ihre bevorstehende Intervention beim Völkerbund«inen offenen Putsch in Oesterreich nicht brauchen kann. Tatsächlich sind auch im Laufe der Nacht von Sonntag auf Montag einige hundert Heimwrhrlente vonJnnSbruckabtran»- portiert worden. Jin Laufe de» heutigen Tage»«nd Abends sind aber auf vielen Autobussen alle abtranSportierten Heimwehrler wieder nach Innsbruck zurückgebracht worden, wo sie neuerlich ihr« Quartirre beziehen. Man hat den Eindruck, daß auch innerhalb der Regierung volle llneinigkrit über dir Fortführung oder Liquidierung de» Heimwehrpntfchr» besteht und daß die Heimwehrfafristrn ganz planlos einmal von der einen Gruppe nach Hause geschickt und dann wieder von der anderen Gruppe zum offenen Putsch vorwärt» getrieben werden. „Autoritärer** Landesausschuss Landeshauptmann will Legalität bewahren? Sonntag spät nachts sandten die Tiroler Heimwehren ein Kommunique aus, in dem erklärt wird, der Landeshauptmann von Tirol habe der Forderung der Heimwehren nach Einsetzung eines von den Parteien unabhän gigen LandeSaussch u s s e S stattgegeben und den neuen LandeSauSschuss für Montag vormittags zu seiner ersten Sitzung einberufen. Dem neuen LandeSauSsckmss gehören an: Der Stellvertreter des LandeSführerS der Tiro» I ler Heimwehren, Dr. Ernst Fischer, ein zweiter Vertreter der Heimwehr, Jng. Herbert P i ch- l e r, der Obmann des Tiroler Bauernbundes, Arnold, der Obmann des Jungbauernbundes Pens und ein Vertreter der ostmärkischen Sturmscharen Zächner; ein Vertreter der Arbeiter(?) wird noch ernannt lverden. Was dir Kompetenz dieses neuen„autoritären" LandeöauSschusseü betrifft, so erklärte der Tiroler Landeshauptmann Dr. Stumpf dem Berichterstatter der„Stunde",»aß der Ausschuß nicht alS Nrbenregierung, sondern a l S B e- ratnngSorgan gedacht ist. Demgegenüber erklären die Hrimwrhrführrr, daß der neue Lan- peSausschuß mit dem Landeshauptmann an der Spitze mit weitreichenden Vollmachten au»ge- stattrt und die bisherige Landesregierung snSvendiert werden wird. Eine diesbezügliche Entschließung sei noch nicht getroffen worden und sei Sache drS Bundeskanzlers Dr. Dollfuß. Auch einem Redakteur der„Wiener Allgemeinen Zeitung" gegenüber erklärte Dr. Stumpf, daß die Angelegenheit drS Tiroler Lan- drsansschussr» noch nicht definitiv geregelt ist; er werde jedenfalls keine Exekutivgewalt, sondern nur eine beratende Stimme haben. Vorläu fig sei in Tirol noch alle» beim Alten. Ta» Land werde den Boden der Legalität nicht verlassen, die Verfassung müsse respektiert werden. HaBrede Starhembergs Gegen Demokratie und Sozialdemokratie Sonntag gab es in Innsbruck einen Heim- wehrappell. Starhcmbcrg erklärte, seit sich gezeigt habe, dass das Schicksal Oesterreichs mit dem Heimat schütz untrennbar verbunden sei(armes Oesterreickil), hätten die Hcimatschützker auch besondere bte und seien entschlossen, von ihnen auch rüan>tusloü Gebrauch zu machen. Es sei an der Zeit, wenn sichtbare Zeichen kämen, dass das Programm vom 11. September auch durckigesührt werde. Man brauche nur Ordnung zu machen und der ganze Aazirnmmcl werde aufhören. Wenn man aber verspreche, Schluss zu machen mit den Parteien und andererseits bedeutende Stellen, wie die Stadt Wien, rot verwaltet werden und wenn diese Bolschewiken auch westerhin in den verschiedenen Landesregierungen sitzen, wie solle dann die Bevölkerung an die Erneuerung glauben? Tiroler Volkspartei verurteilt Fascismus Don der Leitung der christlichsozialen Tiroler BolkSpartei wird, nomen» der durch st« vertretenen Organisationen (Bauernbund, Arbeiterbund und christliche Gewerkschaften) festgestellt: Die iu den letzten Tagen in Tirol niachtvoll eingesetzte Erhebung dr» Tic ler Volkes richtet st''»egen den allenthalben versuchten Terror der Nationalsozialisten und war eine gewaltige Ber- trauenskundgrbung für den Kanzler Dr. Dollfuß. Im Laufe der Aktion wurde von radikaler Seite versucht, dir Richtung dieser Bewegung gegen die Landesregierung, gegen die fünf Jahrhunderte alten Tiroler Landesrechte und gegen dir Tiroler BolkSpartei zu wenden. Tie Leitung der Tiroler BolkSpartei erklärt, daß sie geschlossen hinter dem Bundestazler dem Landeshauptmann und den von jbr in dir öffentlichen Körperschaften entsandten Funktionär stehe. F..frisier«n-Sbrstrebungen lehnt die Tiroler BolkSpartei auf daS e n t s ch i e d e n st e a b, weil dadurch der W i l l- RWWWMWWWWWWWW» kür und der Rorrutiv,. In» nnd Tor geöffnet werden. noch eine vernünftige Stimme In Äeissenbach an der Triesting sand gestern eine Bersammlung der dortigen Funktionär« der christlichsozialen Partei statt, in welcher der Minister a. D. Kolk- mann», a. erklärte: Di« christlichsoziale Partei müsse unter allen Umständen sorlbestehcn bleiben. Allerdings könne sie den Kampf für die Zukunft Oesterreichs nicht allein sichren. Wir müssen uns, erklärte Kollmann. aus eine breitere Basis stellen j und uns einer grosse» Front angliedcrn. Die sozialdemokratische Partei ist nicht tot. Diese Partei hat bei den letzten Wahlen 4'! Prozent der Stimmen auf sich vereinigt. Wen» sie sich jetzt ruhig verhält und abwartr», so gebe man sich keinen Täuschungen hin. Sie ist eine Partei von Bedeutung, mit der rrate Polititer rechnen müssen. Die Arbeit im Brüxer Revier Im vollen Umfans wieder aufgenommen Bei den samstägigen Verhandlungen, zu denen das Revierbcrgamt Brüx die Betriebsräte der Schächte Zentral, Kolumbus und Herkules sowie die Vertreter der Unternehmer eingeladen hatten, kam cs zu einer Einigung, derzufolgc die Arbeit am gestrigen Montag in vollem Umfange wieder ausgenommen wurde. Die Bergbehörde gab Zusicherungen, dass sie den Unzukömmlichkeiten auf den Gruben sofort energisch nachgchen werde und in kürzester Zeit die Forderungen nach Entfernung des Betriebsleiters Jng. Master und dcS Schichtmeisters ReiSmüller vom KolumbuS- fchacbt und alle Streitigleiten zwischen Betriebsrat und WerkSlcitung bereinigt werden Ivürden. Die Vertreter der Unternehmer versicherten, dass sie die Streikschicht entschuldigen und bei der nächsten Auszahlung einen Vorschuss von 100 KC für Verheiratete und 60 KL für Ledige über Ansuchen gewahren wollen, red in wöchentlichen Raten von 5 KL vom Lohn abgezogen tvird. WeiterS hinterlegen sie, wenn Montag die Arbeit ausgenommen wird, beimMinistcrpräsidiuin den Betrag von 100.000 KL als Spende für die Waisen bis zum 16. Lebensjahre nach den Opfern der ,, Nelson"- Katastrophe, lieber die Zusamiücniegung der beiden Schächte Kolumbus und Humboldt lvird eine Sachverständigenkommission des Ministeriums für öffentliche Arbeiten, welche bereits Samstag Vormittag diese Gruben inspizierte, entscheiden. Die Vertreter, der BertragSorganisationen und die ihnen«»gehörigen Betriebsräte nahmen diese Ver- eiisbarung znr Kenntnis und versicherten, den Belegschaften die Aufnahme der Arbeit zu empfehle», um sie vor lveiiercm Schaden zu belvahrcn. Anders dagegen die Kommunisten. Ihnen lag daran, wegen dieser lokalen Streitigkeiten den Revierstrcik zu entfachen und- schon zu Beginn der Verhandlungen brachte der kommunistische Sekretär Malik zwölf Forderungen vor, über die verhandelt lverden sollte, wobei zu den bisher ausgestellten noch einige neue hinzugcfiigt ivurdcn. u. a. die Erhöhung der Bcrgarbeiterlöhne um 20 Prozent, Sanierung der Bcrgarbeitervcr- stcherung und Erhöhung der Renten. Verkürzung der Arbeitszeit aus sechs Stunden täglich. Sistierung der Regierungsverordnung vom 10. Dezember 1086 über die Verlängerung der Verträge im Bergbau bis zum 80. April, Sistierung der Rcgierungsvcrordiiung vom 23. Juli 1033 über die Verlängerung des StaatSzuschnsscS zur Arbeitslosenunterstützung nach dem Genter System usw., Der Vorstand Dr. V o l e n i k belehrte Herrn Sekretär Malil, diese Forderungen an kompetenter Stelle cinzubringen. Den Kommunisten lag jedoch lvcnigcr an der Erfüllung dieser Forderungen, sondern mehr daran, die Verhandlungen zu vereiteln. Zu dieser Ansicht schienen sich auch die kommunistischen Betriebsräte schon durchgcrungen zu haben, denn ihrerseits reagierte kein einziger nur mit einem Worte auf die von Malik vorgebrachten Forderungen und trotzdem neben Malik auch der kommunistische Sekretär SedlaLck die Abmachungen sür unzureichend erklärte, und sie von ihm den Belegschaften nicht zur Annahme empfohlen wurden, ist die Arbeit heute.in vollem Umfang ausgenommen worden. «eite 2 DienStag, 6. Feier 1931 Uv. 30 lichste tun. um die begründeten Jnteerffe:» der Mieterschaft zu»vahren. Dir sehr instruktiven Ausüidrun«»n> d«t Ldge- ordneten Hakenberg wurden mit lebhaste«. lanaan- haltendem Beifall der Tagung zur Kennwi« genommen. Kn weiteren Verlause der Diskussion sprachen noch U l b r t ch-Eaaz, Trage r-KarlSdad, Ulrich« Reichenberg, R i ch t e r-Saaz, Klein« r-Jägern- dorf, Tape l.griedland und Loo«-Saaz, woraus Dr. Walter Klein in seinen» Schlußwort ans alle Anregungen einging und im besonderen nochmals die Grundzüge des Programms des Mieterverbandes zur Schaffung eines sozialen Wohnrechte» zu sprechen kam. Die Organisationen des Mieterverein«« verfügen über starke Kräfte, die noch vervielfacht werden müssen, um unseren Forderungen zum Durchbruch zu verhelfen. ES gilt vor allem zusammenzuhalten, da wir gerade in dieser Frage ein enscheiden- de» Stück unsere» Rechtes zu verteidigen und zu vertreten haben.(Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende dankte dann noch unserem Abgeordneten Hakenberg für seine Bemühimgen im WohnungSauSschuß, worauf eine Resolution einstimmig angenommen wurde, in Ivclcher die Forderungen der Mieter zusammengefaßt wurden. Damit war die Tagesordnung erschöpft. Mit eincln Appell, für die Vereine zu werben und auf jene politischen Parteien Einflug zu nehmen, die nicht die Interessen der Mieterschaft wahren, sand die Konferenz ihren Abschluß. Tschechisch- sozialdemokratische Frauenion- ferenz. SamStag fand in Prag eine ReichSkon- fcrenz der tschechischen sozialdemokratischen Frauei» statt. Die Konferenz, ivelche im ZiZkover GenossenschaftShaus tagte, tvar von 600 Vertreterinnen der Frauenorganisationen auS allen Teile»» der Republik besucht. Den Vorsitz führte Senatorin Genossin KarpiSkovä, welche die erschienenen Gäste, den Parieivorsitzenden Hampl, den Zentralsekretär Dundr, den Jnstizminister Dr. Meißner und für die deutschen sozialdemo- kratischen Frauen Genossin Kirpal begrüßte. Begrüßungsansprachen hielten u. a. der Justizmini- srer sowie Genossin Kirpal. welch letztere sagte, daß ihre Teilnahme nicht nur ei»» Akt der Höflichkeit seitens der deutschen sozialdemokratischen Frauen sei, sondern eine Kundgebung der unver- brüchlichen Treue der sozialdemokratischen Frauen aller Nationen der Republik. Referate hielten Genosse Hampl über die politischen Frage»» und Genossin KarpiSkovä über die besonderen Frauenfragen, woran sich eine lebhafte Debatte schloß. Sonntag referierte die Genossin Abgeordnete Jnrneölovä über Kulturfrage»» und Ge- nossin«torkauovä über die organisatorischen Kommunistenpropaganda im japanischen Heer? Tokio, 8. Feber. DaS seit dem Jahre 1020 bestehende Gesetz zur Bekämpfung der kommunistischen Propaganda ist durch eine neue Bestimmung ergänzt Ivorden, nach der fiir kommumsti- schc Propaganda innerhalb der Wehrmacht die Todes st rafc eingcsührt wird. Die Bestimmung soll am'l. April in Kraft treten. ster Dr..Meißner. Welches Interesse der Teilnehmer an dem Kongreß herrschte, dafür zeugt, daß sich 60 Delegierte an der Debatte beteiligten. Die politischen Minister befaßten sich gesteni mit der Frage der weiteren Gestaltung der Wob- »ungSgesehc. deren Gültigkeit bekanntlich mit Ende dieses Monats abläuft. Die Verhandlungen drehten sich hauptsächlich um Steuerbegünstigungen, über deren finanziellen Esselt erst Berechnung«»» vorgenommci» werden müssen. Es ist daher anzunchmei», daß die schon einmal auf heute verschobene Sitzung des Wohnung». auSschusseS der Koalition neuerdings wird vertagt»verden müssen, bis innerhalb der Regierung die Grundsätze der neuen Regelung der Wohnungsfrage»» sesrstchen. Aussprache Litwinows mit dem japanischen Botschafter R e v a l, ä. Feber. Wir aus Moolau gemeldet wird, empfing Außenminister Litwinow den japanische» Bolschaster O t a zu einer Aue- spräche über die politische Lage im Fernen Osten. Beitritt zur SAI Belgrad, 5. Feber. Der sozialdemokratischk Kongreß beschloß den Beitritt der jugoslawischen sozialdemokratischen Partei zur Sozialistischen Arbeiter-Internationale. In einer Resolution wurde als das zu erstrebende Ziel die Gründung eine» sozialdemokratischen BalkanbundcS ausgestellt, welchem die Staaten deü DonaubeckenL beizutreten hätten. Mleterschutzkundgebung in Teplltz für die Verlängerung des Mieterschutzes und ein soziales Mietrecht Lag«. Der Handels- und Gewerbestand ist vielleicht stärker am Mieterschutz interessiert, al» manch« glau ben. Der Kaufmann mit seinem GcschäftSladen, der GewcrbSmann mit seiner Werkstättc, ist an einen Kundcnstock gebunden, welcher ihm durch die Aus hebung des Kündigungsschutzes zum größten Teile verloren ginge. Will die Gewerbepartei dem größten Teil ihrer Anhänger da» Grab schaufeln? Wo ist sie heute? Redner fordert die Kaufleute und Gewerbe treibenden zur Mitarbeit für den Mieterschutz aus und sieht in der Schaffung eine» sozialen MietrechteS im Rahmen de» bürgerlichen Gesetzbuches die beste Gewäbr für«ine gesund« Wohnungtwirtschast. Einei» wertvollen Ueberblick auf die bisherige Mieterschuhgesetzgebung und die Frage eines sozialen MietrechteS gab Rechtsanwalt JUDr. Waller Klein der die Entwicklung in ausführlicher Weise kennzeich nete. Die absolutistisch« Regierung mußte sogar schon im Jahre 1917 daran gehen, einen Schutz gegen Wucher und KündigungSwillkür zu schassen. Rach dem Umsturz ergab sich die Notwendigkeit der Erneuerung des Gesetze», welches in den Jahren 1820 und 1021 geschaffen wurde und entsprechende Bestimmungen «uni Schutze vor Kündigung und gegen Steigerungen de» Mietzinse» enthielt. Im Jahre 1024 kam ein neuerlicher Abbau, der die Kündigungsgründe er weiterte. die Um- Zu- und Aufbauten ausschaltete und eine bedeutende Dcrichlechterung bei Reuvermie tungen beinhaltete. Im folgenden Jahr entstand ein Gesetz mit dreijähriger Wirksamkeit, da» eine jähr liche MietinSsteigcrung von 10 Prozent vorsah und auch sonst gewisse Rückschläge enthielt. Das Gesetz vom 28. März 1028 bildet die eigentliche Grundlage deS bestehenden Mieterschutzes und muß als eiy schwerer Durchbruch der bis zu diesem Zeitpunkt in Geltung getoesenen Bestimmungen bezeichnet werden. Damals bewies der Bürgerblock auch seine Mieter feindschaft. Tausende Menschen sind dieser Ver schlechterung znm Opfer gefallen und dem freien Er messen, der brutalsten Willkür wurde Tür und Tor geöffnet. Besonder» jene Bestimmung, daß Rcuvcr- mietungcn ab 1. April 1928 nicht mehr dem Schutz »mterliegrn, zeitigten eine ganz außerordentliche Ber- mehrung der sozialen Schwierigkeiten. Redner be schäftigt sich dann ausführlich mit der Bautätigkeit und behandelt den vom Mietervcrein verfaßten Ent wurf über ein sozial-gerechte« Mietengeketz, da» nur dann zu verwirklichen sein wird, wenn cs uns gelingt, den Mieterschutz überhaupt zu erhalten. Dafür haben »vir unsere ganze Kraft und AreitStätigkbeit einzu setzen I Die drei Referate Ivurden mit großem Bei fall ausgenommen. Außerordentlich lebhaft begrüßt nahm dang als erster Debatteredner Abgeordneter Theodor Hohenberg das Wort, der vor allem die Grüße unseres Par teivorstandes und des Klubs überbrachte und einen umfassenden Beriiht über den Stand der Vcrhand- lungen im WohnungSauSschusse und Minister komitee gab. Hakenberg machte besonders darauf aufmerksam, daß nur die deutschen und tschechischen Sozialdemokraten und die tschechischen National sozialisten hartnäckig die Interessen der Mieter verfechten, während die beiden agrarischen Par» ' feien, die tschechischen Nationaldcmokralen und die ' tschechische Volkspartei Gegner jeden Schutzes für " t die Mieter sind, von den sogenannten Opposition-« , Parteien ganz zu schweigen, die ja in der Aera des , Bürgerblocks ihren Standpunkt zum Mieterschutz I Aufgaben. In der Debatte hierüber sprachen bewiesen haben. So stehen Ivir also einer Mehrheit jauch Eisenbahnminister Bechyn? und Jnstizmini- Staatsfelern in Prellburg Anläßlich de» 13. Jahrestage» der Ankunft der tschechoslowakischen Regierung.in Prcßburg fanden in Preßburg große Feiern statt. Sie erreichten ihren Höhepunkt in einer Akademie im Theater und einem Truppendesilee. Von der Festakademie wurde an den Präsidenten der Republik ein Huldigungstelegramm gerichtet. Die Festansprache hielt der ehemalige erste Minister mit Vollmacht für die Verwaltung der Slolvakei, Doktor Srobar,»vorauf der Vizepräsident des Abgeordnetenhauses Stivin, der Vorsitzende des Senats Dr. Soukup, Minister Bradaö für die Regierung und der slowakische LandeSpräsidcnt Dr. Orszägh sprachen. Am Abend war die Stad» festlich beleuchtet, auf der Burg wurde ein Feuerwerk abgebrannt. Mit einer Festmifführnng des Slowakischen Nationaltheatcrs fanden die Feiern ihren Abschluß. der Mieterschutzfeind« gegrnüber, die einen ganzen Strauß von Forderungen überreicht haben, »velche gleichbedeutend mit der völligen Aufhebung desMieterschlchgescheS und einer schtvcren sozialen Krise hunderttausendrr Menschen unseres Landes fi»»d. Was wollen die Herren? Ausschaltung der Drei-Zimmcrwohnungen ab 1. April 1934, wobei Rücksicht zu nehmen ist auf die baldige Herausnahme der Zwei-Zimmer» und Em-Zimmer- und Wohnküchen-Wohnungen auS dem gesetzlichen Schutz; bedingunSlose Beseitigung des Schutzes jener Räume, die der Hausbesitzer für sich und seine Angehörigen benötigt, Wiederherstellung deS berüchtigten Reparaturparagraphen und für den Fall, daß dies nicht gelingen sollte, entsprechende Begünstigungen durch den Staat. Weiters verlangen die bürgerlichen Parteien die Herstellung der Lertragsfreiheit, die Herabsetzung der Einlom- menSgrenze auf 36.000 KL, bzw. 24.000 KL, die Beseitigung deS Erbrechtes, für Umbauten und Demolierungen keine Ersatzwohnungen, Ausschaltung aller Betriebsstätten und Aufhebung des Gesetzes für alle Gemeinden unter 6000 Einwohnern. Wir brauchen wohl nicht erst zu betonen, daß cs unsererseits an Anstrengungen, Kraftauf- Ivand und Energie nicht fehlt, aber es ist bei all dem auch das Kräfteverhältnis von entscheidender Bedeutung. Wir werden so wie bisher daü mög» Die Arbeitsstelle der deutschen Mietervereine' in der Tschechoslowakischen Republik hatte für! Sonntag, den 4. Feber, in die Kurhausveranda nach Tevlitz- Schönau eine außcrordcnt- 1 liche Tagung cinberufcn, die von mehr als 300: Delegierten und Gästen besucht war und den einmütigen Willen der Mieterschaft zum Ausdruck brachte, daß eine Verlängerung des bestehenden Mieterschutzes ohne wesentliche Verschlechterungen nicht nur vom wirtschaftlichen Gesichtspunkte, sondern auch im Hinblick auf das gesellschaftliche und lulturcllc Leben des Staates dringend geboten erscheint. Es ist überaus bezeichnend für die übrigen Par- leien. daß nur die sozialdemokratische Arbeiterpartei ihr Mitglied de» WohnungraueschusseS entsendet batte. Ivährcnd alle übrigen durch Abwesenheit glänzten oder ihr Fernbleiben.ciuschuldigen" ließen. Be- grüßungsschreiben lagen vom Minister für soziale Fürsorge Dr. Ludwig C z e ch und Senator Dr. Carl .veiler vor, während in Vertretung unsere« Parteivorstandes und de« Klub» der Abgeordneten und Senatoren Abgeordneter Theodor Hake»berg und der rtadtgemeinde Teplitz-Schönau Bizebürger- meister Josef R u s s v tcilnahmen. Der Obmann Basch des Aussiger Mietervereines eröffnete die Konferenz und widmete seine ersten Worte den Opfer nderOsseker Grubenkatastrophe. Tann verwies er daraus, daß die Delegierten in einer Zeit zusammengckoinmen seien, in welcher manche Wirlschasisvolitiker alle sozialpolitischen Er- rungenschakien abzubauen versuchen und au» klassenegoistischen Gründen jene Reformen ablehnen, die allein imstande»väreu, der Krise zu steuern. Hierauf begrüßte Bizebürgermeister Rusin als Vertreter des Stadtrates Teplitz-Schönau die Tagung. Grüße entbot noch als Vertreter des Teplitz-Swönauer Mietervereins Josef Richter. Zum ersten Vunkt der Tagesordnung„D i c wirtschaftliche Rotlage der Mie» t e r" referierte Gemeindevorsteher Ferdinand Bund ivclcher einleitend auf die wirtschaftliche Depression unserer 3eit verwies. Es ist eine allgemeine Verarmung eingctrcten; wir brauchen nur daran zu denken, daß die Löhne und Gehälter empfindlich ge» kürzt wurden. Die Wohnungsfrage ist ein Problem, da» losgelöst von den Gcldintereisen einiger Besitzer betrachtet werden muß. Die Gegner de« Mieterschutzes argumentieren damit, daß genügend Wohnungen leer stehen. Da« sind jene Kreise, die die Bisilkartc des'Hausbesitzers(»Eine Wohnung zu ver- nneten">, nicht zu lesen verstehen. Die Menschen lind einfach nicht mehr in der Lage, jenen Mietzin« zu leisten, der da für die freistehenden Wohnungen verlangt wird. Und deshalb sagen wir, daß der Mieterschutz erhalten bleiben muß. Zu der Frage-Der Mieterschutz un ter besonderer Berück sichti» gung der Lage in Handel und Ge» werbe" nahm Kaufmann Julius Gerstel Stellung. Gerade die Kaufmannschaft und die Gewerbetreibenden müssen ein starke« Interesse an der Beibehaltung dr« Mieterschutzes haben. Täuschen wir un« nicht über die wirkliche Lage dieser Bevöl- kerung-fchichte. Erleuchtete und schön dekorierte Schaufenster sind noch keine Zeichen einer wirtschastlichen Blütezeit. Sie verdecken mir die wirklich kritisch« 1» H. M. lje Iliny: Derscstümgene Haele (in Xornan in vier(pisotlen. Autorisierte Ueberoetzung aus dem Hollhndiochen von E R Fuchs. Er kratzte sich nachdenklich am Ellenbogen, verabreichte Peter ohne eigentliche Ursache einen Fußtritt auf seinen Hosenboden und brummte:. „Vorwärts, Galgenvogell... Hinein.... Kronprinz gerettet... sonst noch tvaöl" Der Junge beeilte sich, seine unsicheren Beine in Bewegung zu setzen, und stieß im Flur mit seiner Mutter zusammen, die ihm, halb lachend, halb weinend, ein paar Biaulschellen gab und ihn dann mit einer Flut ausgesuchtester Schimpfwort« überschwemmte und mit überreizten Nerven schriU und gellend leiste. Peter eilte an ihr vorbei in das unordentliche Wohnzimmer, wo seine Brüder und Schwestern halb entkleidet um den Tisch herum» lungerten und ihn aus Iveitaufgerifsenen Augen erschrocken und flennend anstarrten. Nach der Mutter kam auch der Vater herein und überschrie ihr hhstcrisches Gekreische: „Halte gefälligst deine Klappe!... Ein Husar hat ihn hekmgebracht... und der sagt so was vom Kronprinzen das Leben gerettet... Der Kronprinz wird feit Mittag gesucht... Was weißt vom Kronprinz, Strolch?... Erzähl oder ich schlag dir alle Rippe» in deinem Leib kaput, du Nagel an meinem Sarg!" „Den Kronprinzen gereitet? Er?" schrie gellend die Frau und, ihn neugierig musternd, schalt sie:„Gottchristiwillen, wie schmierig du bist!... Bist im Wasser gelegen, Donnerkeil?" „Halt nun endlich dein Maul!" befahl Zansi dringlicher und drückte sie unsanft auf einen Sessel beim Tisch.„Latz den Jungen«zählen!" Außer Atem griff sich die Frau nach ihrem Blusenkragen, als drohte sie zu ersticken. All ihre krankmachcnde Unruhe und Angst der letzten Stunden verlvandclte sich in hellauslodernde Wut gegen das gleichgültige Luder, das mürrisch am Tische lehnte und ihre Aufregung verächtlich zu studieren schien. Aber sic schwieg, nicht imstande, noch eine einzige Silbe durch ihre geschwollen« Kehle zu pressen. Dann begann Peter zu erzählen. Er machte es nicht lange. Eine ganze Reihe überflüssiger und aufregender Einzelheiten, die diese erwachsenen Menschen zweifellos nicht richtig beurteilen konnten, unterschlug er in unfehlbarer, diplomatischer Einsicht. Er sah die Augen seines Vaters und feiner Mutter größer und größer werden, erstaunt und verständnislos. Sie glaubten sicher, daß er ihnen etwas vorflunkerte, um sein schmutziges Gewissen reinzufegen. Aber er würde ihnen schon unwiderleglich die Wahrheit seiner phantastischen Erzählung beweisen. Und so endigte er mit den triumphierenden Worten: „Und hier iS der übergebliebene Tschinn vom Kronprinzen." Weit auSholend warf er einen Berg von Silber» und Kupfergeld auf den Tisch und scharrte msi nachdrücklich arbeitendem Zeigefinger ein paar Goldstücke heraus. Da lagen sie nun auf dem schmierigen Tisch, voll von Kaffeelachen und Brot» krümeln und sie glitzerten bezaubernd im grellen Lampenlicht... Gold!... Gediegenes, gemünztes Gold!... Die Kinder verhielten sich Mäuschen« still, gefesselt von der Erzählung ihres ältesten Bruders. Vater und Mutter schauten starr, mit offenem Mund faszinierend auf das mattglänzende, rosiggelbe Gold und Träume von Wohlergehen und Gorgenfrcihest umschwebten sie wie fremde Schat- ten. Langsam streckte Zansi eine magere, behaarte Hand mit zitternden, gekrümmten Fingern nach dem Geld auf den Tisch. Aber plötzlich schrie gellend die Frau: „Patz auf! Finger weg!'S iS gefährlich!" Klatschend sank die erschrockene Hand auf die Knie zurück und leer wandten sich die erstarrten Augen auf das rote, angstverzerrte Antlitz der Frau; dann fragte er mit stockender, bebender Stimme: „Gefährlich! Warum?" „Warum?" fragte die Frau keuchend.„Warum fragst! Blödsinn! DaS Geld vom Kronprin» zenl Wenn du davon einen Groschen nimmst, kommst für Jahre inS Loch!" Zanzi scheuerte sich an der Lehne seine- Stuhles und steckte die Hände nervös in die Taschen. Die Augen wieder starr auf daS Geld gerichtet, sagte er mit bebenden Lippen: „Mach dir»ich dicke... Ich rührS nich mal an... Was glaubst eigentlich? Er kann seine lausigen Groschen wieder kriegen!" „Ich glaub, daß ich sie behalten darf", sagte Peter gelassen.„Ich kann damit tim, tvaS ich »nag, sagt er." „Sagt er daS?" fragte gierig der Vater und seine Hände glsitei» lüstern auS den Taschen. Aber seine Frau bedeckte plötzlich mit bei» den Händen daS Geld und schrie wütend: „Finger weg! Müssen wir alle zusammen unglücklich werden?— Glaubst, daß sie nich nachfragen werden? Weiß Gott, waS da noch alles über uns kommt wegen dem Lausbubenstreich von dem Affen! Vorwärts, gleich auSziehn und ins Bett! IS schon viel zu spät." „Ich sterbe vor Hunger", protestierte Peter. Aber wenn er gehofft hatte, daß dies ein Argument sei, um ein Eesscn zu erhalten, hatte er sehr unpädagogisch gedacht. In der Verwirrung und Aufregung deS Augenblicks hatten Vater und Mutter vergessen, ihm feine Portion Schläge zu verabreichen, die ihm von rechtSwegen zustand, aber sie hätten es vor Gott und. den Menschen nicht verantworten können, wenn sie ihm jetzt auch iwch, als wenn nichts geschehen Iväre, sein Abend- brot gegeben hätten! So etwas würde eine bedin» gungslose Anerkennung seiner schlechten Aufführung bedeuten und hiefür waren Vater und Mutter denn dock» viel zu aufgeklärte und verantwortungsvolle Eltern. Und deshalb wurden Peter« Proteste und srürmische Bitten energisch abgc- stellt und als er heulend vor Zorn und Hunger zu seinen Brüdern in das eiserne Bett im Flurschmuk kroch, nahmen seine Erzeuger an, daß er ihnen tief in seinem reuevollen Herzen dankbar sein mutzte für ihre ehrlickcn und weisen Bemühungen, ihn auf den rechten Weg zu leiten und in seinem ureigensten Jntereße jein schwer erziehl«- reö, widerborstiges Wesen crwaS geschmeidiger zu machen zu Nutz und Frommen der Ordnung und Fügsamkeit. Aber Peter schalt sie in seinem unbilligen und dummen Eigensinn Unmenschen, sann auf Rachepläne und fluchte sich leise Iveinend in Schlas. Seine Mutter barg das gefährliche Geld des königlichen Hauses hinter einen Stapel fragwürdiger Wäsche in ihrem Wäscheschrank und begmm dann ein jammervolles Gespräch über die llnver« besserlichkeit des tollen Querkopfes, der sie alle zusammen noch einmal an den Galgen bringen werde. Zanzi horchte nicht lange zu. Er stülpte sich seine Kappe über und sagte, daß er noch etwa« Luft schnappen wollte. Die Luft schnappte er in der Schenke an der Ecke, tvo er mit Jubel als der Vater des tapferen Knaben aus dem Volk empfangen wurde, der den Kronprinzen vom sicheren Tod errettet hatte. Irgendjemand las die Extraausgabe vor. Zanzi wurde bewirtet und beglückwünscht und nach der Sperrstunde schwankte er vollkommen betrunken nach Hause in der felsenfesten Ueberzeugung, daß er auf. die eine oder andere noch nicht ganz feststehende Art die Mensch- heit vor dem Untergang gerettet hatte, daß er ein grotzer Mann war, dessen Verdienste voll und ganz anerkannt werden sollten, und daß ihm die Pforte ins Gelobte Land für die Zukunft offen« stehe. Seine Frau beurteilte ihn weniger günstig und hielt damsi durchaus nicht zurück. IFortsetzung folgt,). 9t. 80 Dien Stag, 6. Feier 1034 Sette 8 der inlän- kommt in in den i Warum Fabry ging Der Pariser„T c in p s" billigt die Grundsätze und Bestinimiingen de» abgeschlossenen Balkan- Pakte», namentlich den Umstand, das; der Pakt i m Rahmen de» Völkerbünde» bleibt, den territorialen statu» quo respektiert, auf der Gültig- leit der Friedensvcrträge beharrt und sich gegen deren Revision stellt. In dieser Hinsicht, schreibt da» Blatt, wird der Balkan-Pakt eine wert- Belgrad, 5. Feber. Die Konferenz der Außenminister I e f t i i, T i t u l e s c u, Maximos und TewfikRuschdiBeej wurde gestern abendS beendet. In den« unmittelbar nach Beendigung der Konferenz ausgegebenen Kommunique heißt es, daß alle vier Minister btn definitiven Text des Paktes der Balkan-Entente paraphierten. Dieser Vertrag wird noch diese Woche(wahrscheinlich Freitag) offiziell in Athen unterzeichnet werden, worauf der Inhalt deS Paktes bekanntgrgeben werden wird. eS ist, dem„eine dem teö entsprechende charlie- geistige Ausbildung" per volle Stütze der Kleinen Entente sein. Die beiden Blocke— die Kleine Entente und der Balkan-Block— sind, trotz der Teilnahme Rumäniens und Jugoslawiens an beiden von ihnen, voneinander völlig unabhängig, sie werden aber sicherlich in einer ganzen Reihe von Fragen auf internationalem Boden eine zumindest parallele Politik durchführen. Dar unbeliebte„Coriolanus“ Soll der wcüerc Verfall der Massenkauskrast de» Jnlandümarltes hintangchalten werden, die Rechtsvcr- icho» viel früher müssen das Signal sein, Wirtschaftspolitik und Wirtschaftöapparat umzustcllcn. Wir haben in den Jahren daher wiederholt in unserem Blatte darauf verwiesen, dass die gegcn- lvärtigc Krise der Weltwirtschaft keine konjunk- wrellc Schwankung, sondern struktureller Natur ist. Auch unsere Partei inrd unsere Gewerkschaften haben bei jeder passenden Gelegenheit'auf Liese Tatsache hingetviesen und dringlich Massnahmen gefordert, die den geänderten Verhältnissen entsprechen. Aber Industriekapitäne und Finanzmagnaten wussten es besser, sie spotteten unserer Warnungen und Vorschläge und setzten ihren Willen rücksichtslos durch. Der rückgängige Export wurde ermöglicht aus Kosten der inländischen Arbeiter und Angestellten und der Konsumenten. Anstatt de« Jnlandsmarkt tragfähig zu machen und so zu erhallen, einigten sich Agrarier>md Jndustrteritter über die Siche- rnng ihrer Profite. E» ist wahrlich kein Trost für die werktätige Bevölkerung, dass sich dabei die Unternehmer wieder einmal als die Kurzsichtigen erwiesen haben. Ihr starker Glaube an die angeblich unabänderlichen iniernationalcn Wechselbeziehungen der Wirtschaft hat sich als Aberglaube erwiesen. Gegentvärtig steht eS nun so. dass sich— während die meisten Länder nach Autarkie streben — eine bessere Exportmöglichkeit für unsere Industrie nicht erzwingen lässt. Unsere Unternehmer iverden daher zwangsläufig den Jnlandsmarkt mehr pflegen müssen als bisher. Dazu ist notwendig endlich Abstand zu nehmen von dem Lohn- und Gehaltsabbau. Denn Lohn- und GehaltSabbau ruinieren dm JnlandSmarkt. Die Arbeitslosigkeit wäre in unserem Lande bei weitem nicht so gross, wenn die noch in Bc« ichäftigung Stehenden die Löhne und Gehälter bekämen. die sie im Jahre 1020 hatten. Was das bedeutet, sei an eurem Beispiel aufgezeigt. Angenommen, Löhne und Gehälter seien derzcst im Durchschnitt pro Woche um KL SO niedriger als im Jahre 1020. Dazu nur die Anführung, dass dieser Betrag sicher zu niedrig angeseht wurde. Bei 2.5 Millionen Arbeitern, Angestellten und Beamten, die heute noch in Arbeit stehen, macht der Lohnausfall pro Woche KL 100 Millionen, oder im Jahr 5.2 Milliarden KL aus. Halle die erwerbstätige Klasse diesen horrenden Betrag nur in dm beiden letzten Jahren mehrauSgeben können, dann tväre nicht nur der Exportrückgang weniger spürbar gewesen, sondern da die Industrie ihre Produktionsanlagen besser auSnützen konnte, wäre der Exportausfall bei weüem nicht so gross geworden, wir hätten »nS im Konkurrenzkampf am Weltmarkt besser behauptet. Wer sich mit dieser These eingehender beschäftigt, wird sehr bald die Synthese finden. Bei weitgehendem Lohn- und Gehalteabbau liess sich doch nicht der Exportverfall aufhalten. Die Kaufkraftvernichtung im Jnlande sei durch einige Wem illustriert. Die Statistik der Zentralsozial- verfichemngSanstalt zeigt daS Abgleiten der Versicherten in die niedrigeren Lohnllassen. ES toaren versichert: Balkanpakt fertig Unterzeichnung noch diese Woche In Athen Erziehungsbeitrages ind nach den wirtschaftlichen Verhältnissen der ErziehungSberechtiglen zwischen 00 und 100 Mark. „Führernachwuchs 0 nur ans zahluntfskrtiltltfen| r am Illen! Berlin, 5. Feber. Dem Münchner Völkischen Beobachter zufolge erösfnet die Oberste SA- Führung am 1. April 1081 am Starnberger See in Felrasing(30 Kilometer südlich von München) eine ncunklassigc Erziehungsanstalt, deren Hauptaufgabe die Heranbildung eines nationalsoziol- stischen Führernachwuchs Wesen des neuen Staat risllsche körperliche und mittclt werden soll. Die Höhe deü Schulgeldes schlvaukl In der Presse wird auch scharf lritisieri. dass dem langjährigen und beliebten Direktor des staatlichen SchauspiellheaterS„Comüdic sran. eaisc". Fabr e, die Versetzung in den Ruhestand aus t e l e p h o n is ch e m Wege mitgcleilt wurde. ES wird behauptet, dass?abre aus den Druck zahlreicher Deputierten hin abbcruseu wurde, weil er vor Weihnachten in der„Comödie srancaise" Shakespeares„C o r i o l a n u s" ausführte, iu dem das faule parlamentarische Regime im alten Rom und die Bestechlichkeit der Senatoren scharf beleuchtet tvird. Tas Stück gewann einen ungewöhnlich aktuellen Charakter und bei den Vorstellungen wurden in der letzten Zeit häufig Manifestationen gegen die Deputierten veranstaltet. alle Sicherheiten gcgcki eine Inflation geschaffen werden. Zusammenfassend kann gesagt tvcrdcn: Es kommt nun daraus an. den Vrodnttionoapvarat in Gang zu bringen und die Wirtschaft aus ihrer Erstarrung zu befreien. !li u n d 800.000 Staatsbürger w a r t e n s c h n s ü ch t i g a u i Arbeit! Unsere Parlamentarier haben den Weg gezeigt, der zu ihr führt. Sie, sotvie unsere Partei und unsere Gewerkschaften werden mithelsen. diesen Weg gangbar zu machen. Sie Ilammern sich nicht an Thesen,— weil damit kein Hungriger gesättigt werden kann— sie sind auch bereit bessere Vorschläge zu u n ic r stütz eir damit endlich die schreckliche AirtschastSnot beseitigt und die so schwer betroffenen Angehörigen unserer Klasse ArbcitSmöglichkcit und damit wieher Lebensfreude erhalten. Konzessionen an die Linke Paul*Boncour Kriegsminister, Marchandeau Finanzminister Verzeichnis aller Stavlsky*Schecks wird veröffentlicht Funktion entkleidet und ohne vorheriges Befragen und ohne seine Zustimmung zum Generaigoupcr- nenr von Marokko ernannt tvurde. hat diese neue Ernennung a b g c l c h n t. In einem an den Ministerpräsidenten Taladier gerichteten offenen Briefe erklärt Chiappe, er habe ergeben gedient und fühle sich durch die ungerechtfertigte Aendc- rnng bctrosscn. Chiappe fühlt sich offenbar auch durch die Art brüskiert, in der seine Abberufung erfolgte. Sein Nachfolger am Samstag zog in die Amtsräumc des Pariser Polizeipräsidiums schon ein, bevor Chiappe überhaupt noch amtlich von seiner Abberufung verständigt ivorden war. Der Präfekt des Pariser Departement» R c n a r d ist aus Solidarität mit Chiappe ebenfalls.zurückgetreten. Auch seine Stelle wurde vom heutigen Ministerrat bereits wieder besetzt. Zum Rücktritt des Kriegsministers Obersten Fabrh führte sein Vorschlag im Minijtcrrat. General W e y g a n d, der am 1. Jänner nächjien Jahres die Altersgrenze--- 08 Jahre— erreicht, nicht zum Vorsitzcndensiellvertretcr des obersten Kriegsrates zu ernennen nnd ihn durch General G a m e l i n zu ersetzen. Ministerpräsident Taladier nahm aber gegen diesen Vorschlag scharf Stellung, der dann vom Minisierrat abgclehnt wurde. und dann ist notwendig, dass b i n d l i ch k c i t der K o l l c 1 t i v v e r t r ä g c und d i c S ich c r u n g d c r n o ch in Geltung st ehe n den Kollektivverträge als Krisenmassnahme gesetzlich sestgclegt wird. Das wird der Anfang zur Gesundung dischen Wirtschaft sein. Als nächste wichtige Massnahme Frage die Eingliederung der Arbeitslosen Produktionsprozess. Dahin führen mehrere Wege. Es seien nur genannt Arbeitsbeschaffung und Exportförderung. Ausserordentliche Zellen erfordern ausserordentliche Massnahmen. Nur jenes Land tvird seine Wirtschaft rasch in Ordnung bringen und dann konstant erhalten, das bereit ist. die feiernden lebendigen Arbeitskräfte produktiver Arbeit zuzufübren. Auch hierzulande muss man endlich die Hoffnung aufgebcn, dass es unserer Industrie möglich sei. die alten ausländischen Absatzmärkte wiedcrzugewinnen. Je länger solche Träume gehegt werden, desto furchtbarer wird die Enttäuschung sein. Woraus cS ankommt ist, so bald als möglich aus den derzeit Arbeitslosen recht viel sogenannte kleine Konsumkräfte zu schaffen, die als Abnehmer nur dem Jnlandsmarkt zugute kommen. Arbeit ist vorhanden. Es sei nur daraus verwiesen, dass die SelbstvertvaliungSkör- per seit Jahren genügend baureise Projekte fertig haben, bei deren Ausführung viele zehntau- sendc Arbeitskräfte verwendet werden können. Mll diesen Arbeiten könnte in wenigen Wochen begonnen iverden. Eine Unzahl anderer Projeltc können in ganz kurzer Zeit zur Ausführung fertig gemacht werden. Es seien nur genannt: Errichtung von Nutzlraftwasserwerken, Neubau und Ausbau von Elektrizitätswerken. Bau von Markt- hallen. Badeanstalten, Kranken- und Siechenbäu- sern, Fluss- und Bachregulierungen. Elektrisizie. rung bisher noch nicht mll elektrischen Strom versorgter Gemeinden, Erweiterung und Modernisierung der Anlagen der Post und Eisenbahn. Grosszügige innere Kolonisation und vieles andere mehr. Durch solche Investitionen würde die Konjunktur einen ungeahnten Austrieb erhalten und für hunderttauseude Menschen wäre Arbeitsmöglichkeit da. Würde mit dieser Arbeitsbeschaffung verbunden eine grosszügige Exportförderung, dann wäre die Wirtschaft aus ihrer Erstarrung erlöst. Damit die so herbeigeführte Konjunkturbelebung nicht vorzeitig abebbt, sind iveitcrc Massnahmen notwendig, die im Rahmen der gesamten Vorschläge liegen..Als eine der Krisenursachen, die auch bei unö eine tvichtige Rolle spielt, sei genannt die Rationalisierung. Kein vernünftiger Mensch wird annehmen, dass sich die Rationalisierung aufhalten oder gar ganz Verbindern lässt. Dagegen liegt eS im Interesse der Allgemeinheit -— die ja die Kosten dafür tragen muss— dass dieRationalisierungnichtnurder Bergröhe rung deü Profits allein dient. Je mehr sich die mechanischen Arbeitskräfte vermehren, je leistungsfähiger der Produktionsapparat wird, desto kürzer muss die Arbeitszeit werden. Es steht heute schon fest, dass die-lOstündige Arbeitszeit sehr bald noch weiter verkürzt werden muss. Bei welcher wöchentlichen Arbeits- zell die Entwicklung einmal halten wird, braucht wahrlich nicht Sorge der Gegenwart zu sein. Wichtig ist hingegen für die heute lebende Generation, dass die Arbeitszeit mit dem technischen Fortschritt in Einklang gebracht wird. Mit unserem Produktionsapparat können viel mehr lebenswichtige Güter erzeugt werden als wir im Jnlande verbrauchen und im Ausland verkaufen können. Deshalb bleibt ein erheblicher Teil dieser Anlagen ungenützt. Das freie Spiel der Kräfte hat zu Fehlinve« stitionen geführt, die den Konsum merklich belasten Hier eine Erleichterung herbeizuführen ist ein dringliches Gebot. Dann muss aber dem Grundsatz Geltung verschafft werden: dieRationalisierungdarfnicht auf Kosten der Allgemeinheit erfolgen. ES ist untragbar und ividersinnig, dass weitere Rationalisierungsverluste vergesellschaftet und die Gewinne Privateigentum bleiben. Deshalb ist eine Kontrolle der Rationalisicrungsmassnahmen notwendig. Der Klub unserer Abgeordneten und Sena- toren hat Vorschläge gemacht, die der Konjunkturbelebung dienen. Wer immer sich mll wirtschaftlichen Angelegenhellen beschäftigt und die nach abwärts gerichtete Entwicklung unseres Jnnen- und Aussenhandels verfolgt hat, tvird diesen Vorschlägen zustimmen, weil sic die Fehlerquellen aufzeigen, auS denen der Konjunllurbersall emporstieg. Wenn derzeit alle Kanäle der Wirtschaft, die über die Grenzen der Länder hinausführen, teilweise oder auch ganz versperrt und die inländischen wirtschaflichen Wechselwirkungen im weiten Ausmasse erschlafft sind, die berufsmässigen WirtschaftSführer ihren Bankrott erklären und nicht mehr ein und aus wissen, mussten unsere Parlamentarier wieder einmal das Chaos durchleuchten nnd auszeigen, tvelche Wege aus dem Birrsal der Zeit hcrausführen. Unsere Wirtschaftsführer gleichen verirrten Wanderern, die immer im.Kreise hernmgchcn und die Richtung verloren haben, nur mit der einen Unterscheidung: der verirrte Wanderer trägt Risiko und Kosten sechst, während die Unternehmer und tvaü sich sonst noch als WirtschaftSführer betrachtet, die Kosten der Allgemeinheit, in erster Reihe der werktätigen Klasse, aukbürden. Diese Methode wurde beibehalten unbekümmert nm aUeS, was auch inzwischen geschah. Und das Ivar immerhin allerhand. Unsere Ausfuhr, die dem Werte nach im Fahre 1928 noch KL 21.224,211.000.— betrug, ging in den folgenden Jahren rapid zurück. Sic betrug: Es ist wohl unbestritten, dass auch bei einer besseren Konjmrktur nicht mehr alle Arbeitslosen in den Produktionsprozess zurückgeführt werden. Wenn darüber Klarheit herrscht, dann inüssen doch auch jene Massnahmen getroffen werden, die zur Ermässiqung des Ueberangebotes von Arbeitskräften führen. Durch die Herabsetzung des Anfallalters für die Altersrenten und durch deren Erhöhung werden tausende Arbeitsplätze frei, die jüngeren ArbellSkräften zugewiesen werden können. Eü ist unmenschlich, wenn über 60jährige für ihre erwachsenen zwangsläufig feiernden Kinder sorgen müssen, eS ist aber auch unlviAschaftlich. die jüngeren leistungsfähigen Arbeitskräfte nicht auSzu- werten. Für die Durchführung dieser Massnahmen sind die Voraussetzungen gegeben, eine Belastung der Produktion oder der Allgemeinheit kommt nicht in Frage. 800.000 klenscken «arten aut Arbeit Um die Keniunkturbelebunn Paris, 5. Feber. Rach der unerwarteten, Demission dreier Kabinrltsmitgliedcr am SamS- tag abend, die in der Orfsrntlichkrit grohes Aufsehen erregte und vielfach Anlass zu einer ungünstige» Kritik des neue» Kabinetts gibt, hat Da- lädier sein Kabinett bereits wieder ergänzt. Zum Finanzministrr wurde der ehemalige Budgetminister Marchandeau, rin radikaler Deputierter, und zum KriegSminister noch dem Rücktritt des Obersten Fabry, der ehemalige Aussen. Minister Paul- Boncour ernannt. Zum UnterstaatSselretär im Finanz- und Budgrtmini- sterium wurde Joubert eniannk. Taladier wollte mit diesen Massnahmen offenbar dem Drucke der Lintsgruvprn, der Sozialisten und Ncosozialisten, nachgeben. um bei der morgige» Kammrrsiyung ihre Stimmen zu gewinnen. Gerade weg«: der Einbeziehung deü Obersten Fabr«. den der„Populaire" den Führer deü französisch en Hitle- r i ö in u o zu nennen pflegt, und des Deputierten P i e t r i ins Kabinett hatte» beide Gruppen dir Regierung scharf angegriffen. Bor allen» aber hatten sie aus dir Entfernung des Polizriprä- sekten C h! a p p e gedrängt. Nunmehr hat der Führer der sozialistischen Partei Leon B l n m gestern in einer Rede in Ekerinoild-Fcrrand bekanntgrgeben, dass die So- zialisten das Kabinett Daladirr ii» seiner nenen Zusammensetzung unterstützen iverden. Die Rechte dagegen verurteilt die Massnah- men Taladiers, und auch die Milte, die bisher zu einer Unterstützung Daladiero geneigt schien, dürfte in Opposition gehen. Taladier tvird sich daher aufdieLinke stützen müssen. Dem Ausschuss, der nach dem Wiederzusammentritt des Parlamentes zur gründlichen Prüfung der Stavisty-Afsärc gewählt werden wird, werden sofort nach seiner Konstituierung alle erforderlichen Dokumente und Belege, namentlich aber daö vollständigeBer- zeichniS der von Stavisky nusgegebenen Schecks, zur Verfügung gestellt werden. Chiappe fühlt sieh brüskiert Der Pariser Polizeipräsett, Chiappe, der nach fast siebenjähriger Wirkungsdauer seiner Indem wir diese Forderungen Herausstellen, übersehen wir keinesfalls die anderen Ursachen, die zur Verschärfung der Krise ganz wesentlich beitragen. In erster Reihe sind wohl die deflatorischen Bestrebungen zu nennen, d i c u n s e r e n H a n d e l mit a»r d c r e n L ä n d e r n e r s ch w e r c n und i rn Jnlande selb st einen ständigen Druck auf Löhne nnd Gehälter a u s ü b e n ohna dass die Preise der lebenswichtigen Güter sich dieser Tendenz anpasscn. Unterstützt werden diese Bestrebungen durch den Geldmangel und den hohen Zinsfuss. Er steht fest, dass das auf die Dauer lvcder die arbeitende Klasse noch unsere Wirtschaft auShält. Deshalb muss endlich die Deflation ab gedrosselt und der Geldinarkt anfgelockert werden, dainit allen, die Arbeit schaffen wollen und können, billige Kredite zur Verfügung stehen. Dabei ist so zu verfahren, dass die KL nicht gefährdet und Ilassc im Jahresdurchschnitt 1020 Oktober 1983 I 288.682 109.489 II 807.660 432.520 III 365.818 347.472 IV 288.015 255.054 V 282.418 205.002 VI 213.846 142.560 VII 141.800 88.318 VIII 125.007 71.542 IX 110.997 65.730 X 357.061 108.574 1920. .. KL 20.498,860.000 1930 KL 17.478,732.000 1931. KL 13.140,000.000 1932. KL 7.302.000.000 1933. KL 5.853,000.000 Dieser Verfall unsere S Aussenhandels hätte «rtte 4 StatftM, 6. Peter 1W4 Br.» rfrfmeit. Auch die hj-ge-! hervorragender Aerzte, solvic sanitärer Korpora- iegt unter einer Schnee-1 tionen bewies die Existenzberechtigung dieser Kon* Der I der " I w e sen gen gen sehr Be- ver- Tragischer Tod einer SreitSpfigen Familie Bautzen, 8. Feber. Ank tragische Weise kam Samstag abends eine ganze Familie ums Leben. Die vierjährige Tochter des Ehepaars Malcher war mit ihrem Schlitten aus dem Eise der Sürce eingebrochen. Ats die Mutter des Kindes ins Wasser sprang, um ihr Kind zu retten, geriet sie selbst in die Gefahr des Ertrinkens. Darauf eilte der Ehemann beiden zu Hilfe. Auch ihm gelang cS nicht, seine Angehörigen zu retten. Er brach selbst ein und bevor iveitere Hilfe zur Stelle war, ertrank die ganze dreiköpfige Familie. das Lmvinrniinglück von B o l» g- den Avrnninrn liegen von amtlicher keine Angabe» vor. Tksensichtlich hnn» del» es sich um die Verschüttung mehrerer Hiinfer des kleinen Pergortes Bologmila, der ein beliebter Wintrrsportplatz ist. Bolvgnola wurde bereits vor vier Jahren von einem graften Lawinennnglück be- trofken. das damals im Lrtr über 20 Todesopfer forderte. Taft über das Ansiimß der jetzigen Katastrophe bisher keine llchrrrn Nachrichten zu erhalten sind, rrkliirk sich ans der Unterbrechung sälNtlicherVerbindungrnin den mär- kischrn Apenninen. Ein furchtbares llit> t t r r, das sich im Tal in schweren Rrgengüs- und llcbcrschwrnlinungrn, in den höherril Lain Schurrstiirmen äußert, wütet seit zwei Tann diesem Teil der italienischen Dsttüstr. Tic erste Meldung von dem Lawinen»»- glükt in Bologmila brachte ein junger Skiläufer nach Eamerino, wohin er sich in 12 st ii n d i g e m Kamps gegen den 2 ch n e r st u r m durchgeschlagen batte. Roch in der Nacht zum Sonntag brachen ans Anordnung der Behörden Milizsolda- ten, Polizeisoldaten und Studenten zur.Hilfeleistung ans. Sie mutzten aber etwa 25 Kilometer vor dein Lrt Halt machen, weil sämtliche Stratzen durch den Schnersall unpassierbar geworden waren. Tie Rrttungsmannschafteil sind weiter bemüht, sich durch den Schnee nach der verunglückten Ortschaft dnrchzukäinpfen. Wort über das Verbrechen und den Täter zu ersahren. Die ärztliche Untersuchung hat ergeben, das, Forgasz von einem stumpfen schweren Gegen st and getroffen wurde, das; eiil hejti- ger Schlag gegen die linke Schädelhäljie den Bruch der Schädcldecke zur Folge hatte. Nach den Ansichten der Aerzte ist der Kutscher im Schlaf überfallen Unterschlagung von Armengeldern durch einen Nazibeamten Kaum das; sich die Oeffentlichkeit über die Iliiterschleife des Fürsorgcbcamtcn des Stadtamtes iil Trautcnau beruhigt hat, hat man dcn> Leiter des städtischen Meldeamtes in Traütenäu Unter .schlaguilgcn von mehreren tausend Kronen, die er an das Arnlenamt hätte abfühcen sollen, nachge- lviesen. Dieser Gcmeindcangcstclltc galt ebenfalls in den Nazikreisen als eine der verläßlichsten Stützen und Wortführer. Auch über die Taten dieses nationalen Helden schweigt die bürgerliche Presse, die sich in den letzten Monaten vor Wonne Uber die Beseitigung der roten„Verschwender an öffentlichem Gut" in Deutschland kaum mehr mit andern Dingen beschäftigen konnte. Der N Suber Jaaiak Warschau, 8. Feber.(Pat) Die Polizei erfuhr, daß der sehr gefürchtete und gefährliche Bandit a ii i a l, welcher bereits lange Zeit von der Polizei gesucht wird, bei seinen Eltern ün Dorfe Wola bei Lodz weilt. Die Polizei näherte sich in der Nacht dem Hause, in welchem der Räuber tvohnt und umzingelte es von allen Seiten. Als der Bandit sah, daß er verloren sei, ließ er den Nachtwächter, tvelcher entsandt worden war, um zu erforschen, ob der Räuber zu Hause aitwesend sei, ganz nahe an sich hcrankonimen und erschoß ihn dann. Hierauf forderte er seine Familienangehörigen auf, das HauS zu verlassen, verbarrikadierte sich, begab sich auf den Boden und eräfsnetc von dort gegen die Polizei das Feuer. Die ganz reguläre Belagerung des Hauses, in welchem der Räuber wohnte, dauerte bolle zehn Stunde n. Während der Schießerei wurden e n i g e.P o l i z i- deutschen Turnverbandes. AuS dem Befund der Behörde ergibt sich, daß das Liederbuch großdcutschc Lieder dcögrotzdcutschcnRc- vanchegeisteö enthielt und verbreitete. In den anstößigen Stellen sind z. B. die bekannten großdeutschen Lieder...Aus deutscher Wackt", „Bismarck Heill",„Der Goli der Eisen lvacbscn ließ",„Die Wacht am Rhein"...Deutschland, Deutschland über alles".„Zwischen Frankreich und dem Böhmerwald" uslv., insgesamt 26 beanständete Lieder, angeführt. Die armen Rothschilds! In den letzten Tagen ist. wie der„Morgen" meldet, die Sperrung des Wiener Rothschild-Palais in der Prinz Eugen- Straße erfolgt. Louis Rothschild hat ein Heines Haus in der Nähe der Plößl-Gasse bezogen. Er hat damit das Beispiel seines Bruders AlphonS befolgt, der schon vor längerer Feit sein Wiener Palais in der Theresianum-Gasse verlaßen hat und mit seiner Familie in das Schloß Schillersdorf in Böhmen übersiedelt ist. Lirbcsdrama vor dem Karlsbader Kurhaus. Am Montag vormittags erschien iin Kurhaus von Karlsbad ein jüngerer Herr und eine Dame, die sich nach dein Gencralmnsikdircktor Manzer erkundigteil. Während sie vor dem Kurhaus auf und ab- gingen, zog der Herr plötzlich eine Repctierpistoke und gab gegen die Schläfe seiner Begleiterin eülen Schuß ab. Dann eilte er iNL Klosett, wo er sich durch einen Schuß entleibte. DaS Mädchen ist auf dem Transport ins Krankenhaus ihrer Verletzung erlegen. Wie fesigcstellt Ivurde. handelt eS sich uin einen Hilfsarbeiter namens Rudolf$ i v mi aus Prag-Podol, bei dem Mädchen um die ledige Frida Wolf aus Fischern. Vermutlich handelt es sich ivn ein Liebesdrama. von eine Bora von 110 Kilomci digtcit. Sturm. 19 Tote bei Bolognas R o n», 5. Feber. Die Zahl der Todesopfer des LnwinenmrglückS in Bolognoln hat sich auf 10 fügsam au, Tote erhöht. Nähere Einzelheiten liegen immer noch nicht vor. TagcsnctiigKciteii Gräßlicher Unfall auf einem Schacht Ter auf der Grube„Karl" bei Ziickmantel, Brzirl Trplin, in der Sortierungoaulage beschäftigte Grnoffe Franz Seifert au» Tischan hatte lirutr Nachmittag gegen zwei Uhr knapp vor Schichtschluß die Transmission zu schmieren, da sie hritzgelaufrn war. Dabei wurde er von den Rädern erfaßt und autzerordcntlich schwer verletzt. DaS linke Bein wurde ihm beim Knie abgerissen, außerdem Arm und Futz gebrochen und der Hin- terkopf abgedrckt. Sofort nach erfolgter Einlieferung ins Krankenhaus ist der im 55. Lebensjahre gestandene Grnoffe verschieden. ! allen Teilen der Republik, die Beteiligung von i der gesetzgebenden Körperschaften, halbenM^r''erreicht"Sämtliche Üebergänge'und, Delegierten des^Ministeriums und einer Reihe Pässe im Appennin sind bei" lige Umgebung von Rom liegt unter einer Schnee-. decke, In Genua traf die Meldung ein, daß die D a ch i„A n n a E l i s a b e t h" s 800 Tonnen) in der Nähe von Savona mit der Besatzung von ackt Man n und dem Kapitän Castorino u n t e r g e g a n g r n ist. Ans den verschirdciisteu Stellen lausen an dauernd Meldungen über llnglückssälle ein. Neberall wurden Rcltungswannschaften eingesetzt. Das lürbirgsdorf Billa di M eg z e wurde durch eine.Schncelawinr verschütte», wobei 10, Personen getötet und-10 verletzt! wurden. An die Absturzstelle brr Lawine bei, sanken die^^.deraturen P k r IN a nm Monte Tibbino, die n ch t Men sch r n l e b r n znm Lpfer forderte, wurden Mili- tärabtrilnngcn entsendet. An Ancona wurden Dampfer und Barken den Antern loSgerissen. An T r i c st wütere Stundengeschwin» eit dem Fahre 1029 ist dies der stärkste Tarlstreik» in Par!» und New Dort Paris, 4. Feber. Die Pariser Taxichauffcure streiken heute— den vierten Tag— und erklärten in Versammlungen, daß sie bis zur vollständigen Erfüllung ihrer Forderungen und bis zum Widerruf der erhöhten Bcnzinsteuer im Streik ansharreu werden. Auf den Pariser Straßen sind nach vielen Jahren wieder Droschken und Fiaker aufgetauchi. ♦ New Aork, 5. Feber. Der Kraftdrofchkenfah- rer-Streik hat zu s ch w e r e n Ausschreitungen geführt, die sich nicht nur gegen Streikbrecher, sondern auch deren Fahr- g ä st c richteten. An der Ecke von Broadwah und der-14. Straße wurde eine DamcimAbend- kleid aus einem Taxi geholt und derartig geschlagen, daß sie bewußtlos wurde. Vierzig D r o s ch k e n wurden bei den Ausschreitungen schwer beschädigt. Giubrecher in unsere« Brünner Parteisekretariat Dao Sekretariat unserer Partei in Brünn, Französische Straße 21/26, wurde in der Nach: aus gestern von Einbrechern heimgcsucht. Die unbekannten Täter drangen über einen Balkon m das RedaktionSzinuuer des„Bolküfreund", wo sie ein Grammophon mit einigen Platten entwendeten. Hierauf begaben sie sich in die Kanzleien des Parteiselretariats. Hier erbrachen sic ;>oei feuerfeste Kassen und zwei Schreibtische und »parsen die Akten und Papiere auf den Boden. Sie beschränkten sich aber darauf, einen Geldbetrag und Briefniarken mitzunehmen. Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Worden. Die Tat muß ein Mensch verübt haben, der Forgasz, dessen Wohnung und dessen Lebensgewohnheiten gut kannte. Der Kutscher, der als außerordentlich hilfsbereit galt, pflegte von Zeit zu Zeit obdachlosen Bekannten, besonders Slowaken, in seinem Stall Astzl für die Nacht zu gewähren. Die Polizei fiihndct unter ihnen nach dem Mörder. Es gelang scstzustellen, daß der Einbrecher die Tür des Stalleö mit einen»?! a ch» schlüssel geöffnet hat. Ebenso wurden Fußspuren, von denen nian noch nicht lveiß, ol> sic dem Dieb oder dem Mörder gehören, aus der llmzäumung des Gehöfts gefunden. Bei der Durchsuchung des Stalles entdeckte einer der Detektive einen Brief Forgasz's, adressiert an einen gewissen I. Z. in Straönice. Hingegen fanden sich weder i m S tall, noch in d e n K lci de rn des Ermordeten die Lose derTschccho slowakischen Klasse nlottcrie, die Kutscher besaß. Im übrigen sind alle Nachforschungen erschwert worden, da viele Spuren von den wohnern dcö Gehöftes aus Unwissenheit wischt wurden. So hat man u. a. Forgasz gewaschen und ins Bett gelegt. An einer Schaufel fanden sich Blutspritzer, die g, Zt. chemisch untersucht tverden. Nach den Zeugenaussagen vermutet man, daß die Tat zwischen 2 und t ilhr früh verübt lvorden ist. Kj. Eine neue Spur Spät nachts teilt die Polizcikorrespondenz mit, daß die entwendete Wüsche, das Rasiermesser und die Schuhe zlvei Tage vor dem Mord dec Kutscher Karl K o p k i v a, geboren am 6. Jänner 1904„in Salmovce, der in dem umzäunten Platz gegenüber der Mordstclle beschäftigt war, in das HauS Nr. 81 in Straönice gebracht hat. Koptiva wurde um halb 11 Uhr nachts verhaftet. Er bestreitet den Diebstahl hartnäckig und macht über die Herkunft der Sachen unglaubwürdige Aussagen. Die Untersuchung- wird besonders in der Richtung fortgesetzt, oh Kopkiva nicht in direktem Zusammenhang m it dem Morde steht. Elementar Kalaßtropyen in Wien taioinen/ Grdveven/ 6turm und<5d>nee R o m, 5. Feber. Aus verschiedenen Drtrn der Apenninen werden wciterlnn Laminrnunglücke und Erdrutsche gemeldet. Am'.tzwrrstrn scheint rin Lnwinenunglück in P o b b i a n o gewesen zu sein. Bon dort werden evensolls Tote und Brnvundrte gemeldet. Man spricht von 2 Tote» und 15 Ver letzten..surr ist es gelungen, dtr erste Hilfe zu bringen. Uber n o l a in Seite nöl'* ! ste n verletzt. Schließlich wurde der Räuber Jcmiak durch einen Schuß verletzt, hierauf erhaf- ! tet und ins Gefängnis abgesührt. i In der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurde in Prag der 46jährige Kutscher Michael Forgasz, der aus Deieriee sTlowakei) stammt, im Stall erschlagen aufgcsun den. Forgasz wohnte sei seinem Dienstherrn, dem Fuhrmann Mrvik in Straönice Die Untersuchung hat ergeben, daß eS sich um eine» Raubmord bandelt. Die Polizei sucht den Täter fieberhaft. Sie hat als der Tat verdächtig unter anderem zwei Slowaken, den Kutscher I u r a y I. und einen gewissen H. verhaftet. Juray I. ist jedoch inzwi schen, da er seine Schuldlosigkeit einwandfrei nachweisen konnte, bereits wieder aus der Haft entlassen worden. H. jedoch hat man in Haft be lassen. Ztvar Wollten seine Frau und zlvei slowa kische Freunde bezeugen, daß er in jener Zeit, zu der die Tat begangen loecden konnte, nicht vom »Hause fort war. Die Freunde behaupten, daß sie mit dem Verdächtigten bis spät in die Nacht t^U/UU) l|UIIU>. Ä.UU) UliyUVEII IL'I L- • Kam UamI Uam Kam Kia 11M1A l< f M A CtiHMAH« den Kommissären noch mit Skepsis ausgenommen. Denn man hat bei H. frisches Heu in den Schuhen gefunden und auch das Aeußerc feiner Stiefel wie« frische Kotspuren auf. Der Ermordete war 46 Jahre alt, verhei ratet und Vater zweier Kinder. Er lvird als fleißig und gutmütig geschildert. Forgasz war bei dem Fuhrniann Mrvik in Strasniee an gestellt. Der Wochenlohn betrug 200 KC. Von diesem Geld sendete der Kutscher seiner Familie in die Slowakei getreulich jede Woche mehr als die Hälfte. ES gelingt ihm sogar, sich einen N o t- Pfennig zu sparen: 8.3 0 0 X e. Zuerst hat Forgasz dieses Geld auf der Sparkasse, später hebt er eS ab und verbirgt eS im Heuhaufen vor dem Stall, in dem er tvohnt und schläft. Wenige Tage vor der Tat fährt der Kutscher zu seiner Familie, gibt der Frau 1.8 0 0 X ü, der Rest bleibt im Koffer, dazu kommt noch der letzte Wochenlohn. Bereits am Freitag bricht ein Unbekannter, im Stall ein und st i e h l t Forgasz ein Rasiermesser und Wäsche. Der Kutscher, sehr erregt, geht zur Polizei, er stattet die Anzeige. Gleichzeitig nimmt er den Koffer aus dem Heu und bringt ihn. seinem Ar beitgeber mit der Bitte, ihn aufzubewahren. Denn jetzt fürchtet der Mann, daß man ihm auch seine Ersparnisse rauben will und daS Versteck entdecken könnttz.:..;-.;< Am SamStag abend kommt Forgasz. nach hause, besorgt sich sein Abendessen. Nm halb 8 Uhr Kam em Bogel geflogen.... Die Haupt- stadt der Republik hatte am Wochenende hohen Ir„., Besuch. Aus dem Lande Hitlers war ein Mann Schach gespielt hätten. Doch diese Angaben wcr- gckommen, der nicht zu den ersten besten im den vorläufig von den die Untersuchung führen- cxklusiven Kreis der«Führer" in den sicheren' Untergang gehört, Herr Reichs wirt- s ch a f t s m i n i st c r Schmitt nämlich. Es ist jener Herr, dem die komplizierte Aufgabe zu- fällt, den braunen Sozialismus der Regie- rungLpartei stramm privatkapitalistisch zu diri gieren. Da Herr Schmitt aber nicht nur Reichs- lvirtschastSministcr der erwachten Nation ist, son dern auch eine Vergangenheit als Generaldirek tor der Allianz Vcrsichcrungs-A.G. in Stuttgari hat, trat er im demokratischen Prag als schlich. ter Zivilist in Erscheinung und clnpfing in den behaglichen Ziminerii dcö Hotels„Esplanade", die für ihn reserviert lvaren, hiesige Geschäfts- frctlnde. Welch' sonderbare Blüten zeitigt ein „Sozialismus", der eine so originelle Prägung aüstveist! wie der im„Dritten Reich". Ein Mi nister, der ins Ausland reist, um mit seinen Gc- schäftsfreunden zu konferieren, da er doch— Ge meinnutz geht ja im Lande der Nazi-Diktatur be kanntlich vor Eigennutz— eigentlich gar kein Geschäft mehr hat! Wir werden uns, höflich und liebenswürdig, wie wir nun einmal sind, hüten, daraus häßliche Schlüsse zu ziehen. Immerhin drängt sich uns eine Frage auf, die wohl schwer zu beantworten sein wird. Ist der Herr Doktor Schmitt, der, lvie cö sich stir Männer des neuen Regimes geziernt, im smarten Privatflugzeug° ankam und wieder davonflog, nun als Dirck-1 sieht man noch Licht bei ihm. AIS er am nächsten tor der deutschen Reichsregierung A.-G oder als Morgen zur gelvohnten Zeit nicht auf den: Hof zu Reichöwirtschaftsininister der Allianz- Vcrsiche-s lehen ist, will der Fuhrherr. feststellen.-was los rungs- A.-G. in Stuttgart zu uns gekommen?,].**• G® finbet im Stall-F orgasz v l u t- Da wir es für völlig ausgeschlossen halten, daß ub-rströmt am Boden liegen. Noch -in Revräkentant d-S von republikanischer Kor. 5 8rt n,an leise röcheln. Doch auf der Klinik ein Jtiprafeiw des üon tepuBiitanimet«or- be3
« Nordamerika,««äinlich 924 Millionen Faß. Der ProduftionSzunahine von 7/ Prozent steht eine Zunahme des Verbrauches uin nur l’/i Prozent gegenüber, so daß die Ueberproduftion im Jahre 1938 113 Millionen Faß beträgt. Die Anstrengungen der Erdölproduzenten, eine Regelung der Produstion zu finden und die Konkurrenz nach Möglichkeit auszuschalten, gehen weiter. Nach der diplomatische«« Verständigung zwischen de«t Vereinigten Staate«« und Soivjet- rußland soll nun auch die Einbeziehung Sowjetrußlands in ein Erdöls b- kommen bevorstehen. Es ist demnach wahrscheinlich, daß sich die Sowjetunion aüiv an der kapitalistischen Politik der künstlichen Verteuerung der Preise sogar auf internationaler Grundlage beteiligt. Amerikanisch-russische Besprechungen haben inoffiziell schon staitgesundeii, und die U.S.A.- Petrolcumkapitalisten hegen die Hoff««ung, daß daö bolschewistische Rußland auf der nächstei« Petroleum-Konferenz vertreten sei«« wird. Die Bedeutung der einzelnen Länder für die Erdölgewinnung geht aus der nachsolgenden Zusammenstellung hervor. In Millionen Varrels betrug die Produktion in den Jahren: 1929 1931 1932 1983 Welt 1491,9 1871,0 1351,5 1452,0 U. S.«. 1007,3 851,1 814,7 924,5 Rußland 105,0 161,9 155,2 150,8 Venezuela 137,5 106,6 100,7 128,4 Runiänien 34,8 48,5 55,0 51,7 Persien 42,1 14,4 50,8 48,2 Nieder!.-Indien 39,8 85,5 40,4 89,8 Mexiko 44,7 38,0 38,9 83,2 Peru 14,0 10,1 10,7 14,8 Argentinien 9,4 11,7 18,2 14,2 Columbien 20,4 18,2 16,9 18;9 Trinidad 8,7 0,7 10,2 9,5 Britisch-Jicdieu 8,7 8,2 8,5 8,0
Wt s „Sozialdemokrat" Dienstag, tretet 1034 9fr. SV PRAGER ZEITUNG .”k:_ on<>U«« mühte erst darüber streiten, ob der Eindruck durch ei