IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TOCHECHOSiOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGL'CH FRÜH» Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova a. telefon sxt7. Administration telefon 53076. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. EtaeW* 70 Mitt l«inKhllaSllch S Heller Part») 14. Jahrgang Donnerstag, 8. Feber 1934 Nr. 32 Rücktritt Daladiers- Um weiteres Blutvergießen zu vermeiden Der Präsident der Republik hat am Nachmittag de» ehemaligen Präsidenten der Republik Doumergue ersucht, die Kabinettsbildung zn übernehmen. Tonmcrgnc war bereits vor der Bildung des Kabinetts Daladier in der Borwoche, die Ministerpräsidentschaft augeboten worden; er hatte sie jedoch mit Rücksicht ans sein Älter sowie ans den Umstand, daß er derzeit keiner parlamentarischen Körperschaft angrhürt, abgelehnt. Doumergue, der unweit von Toulouse auf einem Landgut lebt, lehnte auch heute zunächst aus denselben Gründen ah. Erst nach wiederholte» telephonischen Gesprächen mit dem Präsidenten Lebrun verstand sich Doumergue am Abend zur Uebernahme der Kabinettsbildung. Er wird mit dem Abcndschnellzng von Toulouse nach Paris abrcisen, wo er Donnerstag früh eintrrffen wird. Douniergue will eine sogenannte„Negie rung drS Waffenstillstandes zwi schen den Parteicn" bilde»..Er hat jedoch dem Präsidenten einige Bedingungen gestellt, die er am Donnerstag deS Nähere» darlegen werde. Mn ist der Ansicht, das« Doumergnc daS Budget erledigen und dann die A u f l ö s u n g de r Kammer und baldige Neuwahlen borbereiten will. Eine der Bedingungen Doumergurs war, daß die ehemaligen französischen Ministerpräsidenten ohne Unterschied ihrer politischen Angehörigkeit befragt werden, ob sie seiner Ernennung-«stimmen. lieber 20 Tote und Hunderte von Verletzten Douniergue übernimmt Kabinettsbildung Die Präsidenten des Senates und der Kammer beriefen demnach eine Beratung aller ehemaligen Ministerpräsidenten ein nnd teilten danir am Abend Doumergue folgende rinmiitige Ansicht dieser ehemaligen französischen Ministerpräsidenten mit: „Gaston Doumergue ist mehr alS sonst jemand zur Berwirklichnng der Aufgaben geeignet, welche daS Land in diesen äusserst ernsten Augen. blicken von einem Regierungschef erwartet." Man erwartet, daß Gaston Doumergue dir Mehrzahl der ehemaligen Ministerpräsidenten in sein künftiges Kabinett nehmen wird. gestoßen lvaren. Der große EinigtcitSplatz würde sozusagen zu einer Art Hauptquartier aller Manifestanten. DaS Gebäude der Depntiertenlammer liegt gerade gegenüber und ist bloß durch die Seine nnd die Einigkeitsbrücke getrennt; diese Brücke Ivar durch Polizei und berittene republikanische Garde beseht. Die Manifestanten steckten auf dem Platz einige Autobusse in Brand und errichteten mehrere Bari laden. Gegen 20 ilhr fielen die Manifestanten sodann plötzlich die Brücke an. durchbrachen die Polizeikordone und stießen bis zur Kammer vor. Die berittene Garde vor der Kammer zog nun blank und ritt nun auf Befehl mitten in die demonstrierende Menge hinein. Hier fielen auch die ersten Schüsse, anfangs allerdings hauptsächlich in die Luft. Der Zusammenstoß war ernst: Zahlreich« Verletzte blieben auf dem Erdboden liegen. Die republikanische Garde schlug um 21 Uhr definitiv den Angriff der Manifestanten zurück,, drängle sie auf den Einigkeilsplatz zurück und jagte sie bis zur Königsgasse und zur St. Madcleine-Kirche. Die Manifestanten steckten sodann daL Einfahrtstor de§ Marineministeriums in Brand, doch konnte dieser Brand alsbald gelöscht werden. Zwei Stunden hindurch lvaren die Manifestanten bis 23 Uhr Herren des EinigkeUsplatzeS. In einem Augenblicke durchbrachen sie den Polizeikordon, der die Gabrielgasse mit dem Palais Elyfse verbindet und zum Innenministerium führt. Die Polizei warf die Demonstranten zurück— den Blättern zufolge mit Hilfe von Maschinen- gewehren. Bor Mitternacht fielen die Manifestanten neuerdings die Brücke an.. Es kam zu einem neuerlichen heftigen Zusammcnjwß, bei dem wie- dermn geschossen wurde, diesmal iu der Haupt- Paris, 7. Feber. Die blutigen nächtlichen Demonstrationen in de» Pariser Straßen, die einschließlich der Verletzten, die heute in den Pariser Spitälern gestorben sind, über 20 Tote nnd Hunderte von Verletzten sorderten, haben heute de« Rücktritt der Regier nng Daladier hcrbeigeführt. Nach Beratungen mit den Vorsitzenden der Kammer und des Senates sowie nach einer Rücksprache mit Leon Blum nnd H e r r i o t überreichte Daladier nm 14 Uhr dem Präsidenten der Republik seine Demission. Jonrnalisten gegenüber erklärte Daladier, die Regierung, die für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung verantwortlich sei, wolle zn leincu außerordentlichen Maßnahme» greifen, wie z. B. zur Alarmierung dcö Heeres. Sir wolle ein weiteres Blutvergieße» vermeiden nnd habe sich deshalb zum Rücktritt entschlösse». Tas Jnnenrninisterium gibt folgende Mitteilung über die Derlustziffern der gestrigen Kundgebungen bekannt: sechs Tote auf Seiten der Demonstranten, sechs Tote bei der Republikani- schen Garde. Die Leichen der letzten wurden von den Demonstranten in die Seine geworfen. 170 Berletzte sind auf Seite» der Demonstranten, 180 auf Seiten der Polizei, 130 bei der Republikanischen Garde und 100 bei der Garde mobile zu verzeichnen. Einer Mitteilung der Zentrale der Pariser Krankenhäuser zufolge, die um 11 Uhr vormittags bekanntgegeben wurde, starben in de» Hospitälern von Paris 10 Verletzte, 182 Verwundete befinden sich noch in Pflege; davon soll der Zustand zahlreicher Personen zu ernsten Besorgnissen Anlaß gehe». 300 Verwundete» wurde in den Krankenhäusern erst« Hilfe zuteil und noch dem Anlegen von Verbänden wurden sie in häusliche Pflege entlassen. Das Bild der Dicnstag-Manife- st a t i o n e n zeigt sich in kurzen Zügen wie folgt: Gruppen nationalistischer Jugend brachen Dienslag vom Rathaus ans auf, nm durch die Rivoli-Gasse in Richtung zur Kammer zu ziehen. An ihrer Spitze standen einige Pariser Stadtverordnete. Zweimal wurden die Gruppen durch die Polizei auseinandergetrieben. Bei der Solferino- Brücle kam es dann zum dritten schwereren Zusammenstoß, bei dem auch mehrere Stadträte verletzt wurden. Die Manifestanten begaben sich sodann einzelii auf den Enigkeitsplatz, Ivohin am Abmd auch die Studenten aus dem Quartier Latin sowie der Fronlliimpferbuud und die LommuMen Antifascistische Front? ifooperauonsbestrcbungen auf der Linken Die sozialistische Partei hat eine Protlama- erlasic», in der sie lirkannt gibt, sic trete so- sachc aus Maschincngclvehren. Dem»Petit Pa-1 risien" zufolge sollen mehrere tausend Schüsse abgcfcuert worden sein. Zahlreiche Verwundete lvurden ins Cafe„Weber" in der LtönigSstraßc gebracht. Das Cafe Ivurde amtlich ausgeräumt und in ein ambulantes Hospital verwandelt, Ivo den Verletzten die erste Hilfe zuteil wurde. Die Leichtverletzten. wurden in häusliche Pflege entlassen, während die Schwcrvcrwundcten ins Krankenhaus transportiert wurden. Rach Mitternacht war die Polizei Herrin der Situation auf dein Einigkcitsplatz und später auch in den übrigen Vierteln. Dir Ätanisestanten gehörten verschiedenen Lagern an. Sie seinen sich and R o>> a l i st r n, aus der Patriotische» Jugend, 2 Inden I e it,>! o in m»niste», ehemalige» Jront- i tämpfern nnd dergleichen zusammen. Es scheint j jedoch, daß dir Zahl der ehemaligen Jronltämpfer verhältnismäßig sehr gering war und daß i die große Mehrheit derselben sich an dem Umzüge nicht beteiligte. Biele derselben befanden sich aber unter den Zuschauern und den Neugierigen auf den Straßen. tion fort mit der kommunistischen Partei, mit dem Allgemeinen Arbeitervrrband und dem tommunisti- schkn ArbeitSbund über die Verwirklichung einer gemeinsamen Urbrreiukunst in Unterhandlungen, I damit sie g e m e i n s a m dcrfasci st i schon 8t r a k t i o n W i d e r st a n d entgegen- z u s e tz e n vermöchten. Tas sozialistische Blatt„P o p n l a i r e" ! schreibt, daß sich unter den Manifestanten zahlrei I che Agitatoren brfandru, die die Menge gegen die ! Polizei nnfgcwirgrlt ballen, ja, dir scl b st in die i Luft zu schießen begannen, nm dadurch eine Panik hrrbrizusührrn: diese Agitatoren trügen ein Großteil der Berantwortung für die gestrige» bln- tigrn Ereignisse. Der Gewerkschnstoverband der Postangcstrll- ten beschloß, auf dru Post-, Telegraphen- und Tclcphonämtcni einen allgemeinen Streik zu proklamieren, wenn eine Negierung gebildet werden sollte, die„die Demokratie erdrosseln" würde. Bein« zurückgetretcnen Ministerpräsidenten Daladier fand sich eine Delegation des Allgemeinen ArbeitSvrrbandeS(EGT), der Zentralstelle der französischen Gewcrtschaftöorgnnisationen, nn ! ter Führung des Generalsekretärs Jo n h a u r rin, der P r o t e st dagegen erhob, daß Daladier ! vor dem Aufruhr kapitulierte und zurücktrat, während andkrr Negierungen vor ihm dies nicht taten. Unter diesen Umständen, erklärte Jouhonr, werde sich der Allgemeine Arbeitsvrrband seine weiteren Schritte Vorbehalten, Neue Zusammenstöße vor dem Palais des Präsidenten Während Mittwoch morgens die Straßen von Paris, die in dichtem Nebel lagen, Ivieder ruhig waren, kam es während der Mittagsstunden neuerlich auf den Boulevards zu größeren Ansammlungen, die von der Polizei zerstreut werden mußten. An einer Stelle wurde eine Gruppe von Deputierten von der Menge bedroht. Gegen Abend nahm die Spannung neuerlich zu. In den Straßen zwischen dem Place de la Toncorde und dem Palais des Präsidenten der Republik kani es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Manifestanten, die zum Prä- sidcntenpalaiü zogen, nm Lebrun durch eine Deputation zu veranlassen, Doumergue mit der Kabinettsbildung zu betrauen. Etwa 20 Verletzte muhten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Manifestanten wurden zerstreut. Advokaten gegen Frot Im Justizpalast kam cS am Mittwoch zu Denwnstrationen von etwa hundert Advokaten, die die Streichung des Innenministers Frot aus der Advokatenliste verlangten, lvcil er die Schuld an den blutigen Vorfällen trage. Tie Advokaten öffneten schließlich den Garderobeschrank FrotS im Gerichtögebäudc, nahmen seinen Talar heraus und verbrannten ihn unter dem Absingen der Marseillaise. Legen die Korruption? Stavisky-Skandal und Reaktion Tie Unruhepcr'wde, in die Frankreich seit der Enthüllung des Stavisky-Skandals geraten ist, hat am Tage, da sich die iuzwischc» zurück getretene Regierung Daladier der Kammer vorstellte, ihren Höhepunkt in Stroßcnkundgcbun- gen erreicht, die geradezu bürgcrlricgähnlichen Eharaktcr annahmen. Royalisten, Patriotische Jugend, Frontkämpfer, die Liga der Stcuerzah lcr. die Eoty Fascisten und alle andere» Fafci- stcngruppcn und gemeinsam mit diesem ganzen Heerbann der Reaktion die Kommunisten, hatten ihre Anhänger mobilisiert und lieferten der Polizei förmliche Straßenschlachtcn. Die Nachrick ten sprechen von 20 Toten uitd 600 Verletzten. Ma3 sich da abspieltc, ist sicher ein ernstes Zeichen der tiefen Erregung, in welche die französische Bevölkerung durch das Bckanntwer- dcn der Betrügereien des Erzschwindlers Sta- visky und die von ihm vorgenommcnen Bestechungen von Beamten versetzt ist. Soweit sich die Empörnng gegen die Schuldigen richtet, welcher Art sie immer fein mögen, ist sie-begreiflich. Ein anderes ist, daß die sra« zösischc Reaktion aus der aufgepeitschten öffentlichen Meinung Gewinn für ihre dunkeln Ziele zu ziehen sucht und zum Sturm gegen Parlamentarismus und Demokratie bläst. Auch die Fascisten der anderen Länder weisen höhnisch mit Fingern auf die Stavifky-Äffäre hin, in der sie einen neuen Beweis für die Verruchtbeit des demokratische» Systems, auf dem die Korruption blühe, gesunden zu haben behaupten. Wahr ist soviel, daß das Ereignis, das an i Umfang sogar die Panama-Affäre übertrifft, einen Sumpf von Leichtfertigkeit, Bestechlichkeit. Verderbtheit in Justiz, Polizei, Verwaltung und in politischen Kreisen enthüllt hat. Aber welch ein Unsinn, böswillig ausgeheckt, daß daran das parlamentarische System Schuld trägt! Nichts- destoweniger droht cs, besonders jetzt, nach dem Rücktritt Daladiers, das parlamentarische System Frankreichs in eine ernste Krise hineinzutreiben. Schon bisher war Frankreichs Stellung in der Außenpolitik infolge seiner inneren Kala mitäten nicht unerheblich erschüttert und die Demokratie einer starken Erschütterung ausge setzt, sic wird cs jetzt nach dem wenig ruhmvollen Abgang Daladiers noch mehr. Daß die Rechtskreise und besonders die Fascisten als Anwälte der Moral und Ankläger der Korruption austrcten. ist eine Heuchelei. Es gibt kein staatliches System, daS unbedingten Schutz gegen die Korruption gelvährcn würde. So offen man zugeben muß, daß gerade in Frankreich, dem Lande einer der ältesten Demo tratien, weite Kreise des Bürgertums angc- fault sind, Geldniacher und Jndustrieritter aller Art ihr Unwesen treiben und e§ dort unter den Gründungsschwindlcrn auch genug auf hoher gesellschaftlicher Stufenleiter stehende Persönlichkeiten gab und gibt, so weiß man doch, daß Korruption auch schon vor der Demokratie überall da war und daß sic uni so üppiger wucherte, je autokratischer das Regierungüsystem war und sc mehr es gleich dem FasciSmus die Möglich- leiten einer öffentlichen Meinung und Kontrolle drosselt. Den Staat zu plündern, sich auf seine Kosten zu bereichern, aus Machtstellungen durch Wilcher, Steucrpncht und Aemterkauf Profite zu ziehen, daS war schon in den Uranfängen des modernen Kapitalismus Gepflogenheit. Ein neues goldenes Zeitaüer ist für die Korruption mit dem Kriegsende angebrochen und kaum ein Staat ist von ihr verschont geblieben. In Deutschland waren cs der Lahusen- und der Sklarek-Skandal, in-Oesterreich u. a. der Kreditanstalts-Skandal, die als auffallendste Blüten des raffgierigen Nachkriegsgeistes einer'gewissen Bourgeoisie übelriechende Düjtc ausstrahl- Gelte S DumierSwg, 8. Arter 183 k «r.W tcn, auch die Chronik von Amerika, Italien, Ungarn und unseres Staates weih von dieser weitverbreiteten Epidemie manches zu erzählen. Aber war das despotische Rußland der Vor» kricgSzcit und sind die orientalischen Despotien, wo die Schuld auf keinerlei demokratisches oder parlamcniarischcs System abgclenkt werden kann, etwa von dieser Seuche frei? Man weiß, das; gerade dort sich die schlimmste Korruption cinnistcte und das; überall, wo diese Despotie noch besteht, die Zustände nach wie vor und ohne jede-Hoffnung aus ihre Beseitigung vcr- feucht sind. Darum ist es eine böswillige Verleumdung, zu behaupten, die Korruption sei ein der Demo- kratie anhaftendes Laster. Schmutzige Hände sind überall zu finden, ivo der Kapitalismus herrscht und so lange dieser besteht, wird eS immer Menschen geben, die der Sucht nach rascher Bereicherung, der Versuchung des Geldes erliegen werden. Doch wie ganz anders ist die Bekämpfung des Nebels möglich in einem demo- kratifchen Gemeinwesen, wo cs eine freie Presse und Parlamente gibt, als in einem absolutistisch regierten Lande! In Deutschland und in Italien ist ein Stavisky.Skandal ebensowenig außerhalb deö Bereiches der Möglichkeiten gelegen, wie es in Frankreich war. Aber während hier der Druck der öffentlichen Meinung, die cs in den fascisti. scheu Staaten gar nicht geben darf, in den vorgenannten Staaten von dem Vorfall überhaicht nichts erfahren, seine Bckanntwcrdung wäre schon im 5teime unterdrückt worden und keine Gewähr bestünde für die.Hinwegräumung des Mistes. Tic Diktatoren wissen, warum sic jede Kontrolle ihres Regierens durch die Presse und die Parlamente ausschalten— es könnte sie die Existenz kosten. In der Demokratie dagegen und nur in ihr allein ist der Bevölkerung das Mittel gegeben, Kontrolle zu üben und Rechenschaft zu fordern. Dennoch: schlimn;e Tage sind siir Frankreich angebrochen. Durch den Rücktritt Dala- dierS, den die Reaktion als einen Sieg buchen wird, ist die Lage noch verivorrener geworden. Immerhin darf man hoffen, daß der sranzösische Parlamentarismus die Krise heil überstehen Nürd und daß am deniokratischcn Sinn des französischen Volkes, von dem man weiß, daß es den Besitz der Freiheit zu schätzen weiß, die Pläne und Hoffnungen der Reaktion zuschanden werden. Ist der Tiefpunkt der Krise überwunden? Im D8nner 1934 weniger Arbeitslose als Im Dinner 1933 Air hal>en bereits gestern mitgeteilt, daß sich nach der Statistik der Arbeitsvermittlung-« ämter die Zahl der Arbeitslosen Ende Jänner 1931 auf S35.650 beläuft. Vergleicht man diese Ziffer mit der Zahl der Arbeitslosen Ende Dezember 1838. also einen Monat vorher (778.150). so wird man feststellen können, daß die Zabl der ArteitSlosen im Monat Jänner 1934 um rund 57.000 gestiegen ist. Das Steigen der Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten ist keine besondere Erscheinung des Winters 1938/84, sondern findet in jedem Winter statt, nicht nur in den Zeiten der Krise, sondern auch in den Zeiten der Konjunktur. Gibt eö doch viele Arbeiten, die vom Detter abhängig sind, wie z. B. die Arbeiten in der Landwirtschaft und des ganzen Baugewerbes, welche im Winter fast zum Erlahmen kommen und dadurch das Heer der Arbeitslosen vergrößern. Daß also die Arbeitslosigkeit auS diesen s a i son- mäßigen Gründen auch im Jänner 1934 zugenommen hat, ist bei der heutigen großen Arbeitslosigkeit wohl eine beklagenswerte, aber im Kreislauf der kapitalistischen Konjunktur durchaus normale Erscheinung. Die zweite Feststellung, die man an Hand der Ergebnisie der amtlichen Statistik machen kann, ist, daß die Ziffer der Arbeitslosen in der Tschechoslowakei noch immer erschreckend hoch ist. Bei.etwas über drei Millionen in Konjunk- turzeitcn beschäftigten Menschen in der Tschechoslowakei sind mehr als ein Viertel aller arbeitenden Unselbständigen arbeitslos. Eö müssen also Anstrengungen gemacht werden, um die Arbeitslosen über Wasser zu halten und die ArbeitS- losenfürsorgc gerade jetzt im Winter, da die Menschen nicht nur hungeni, sondern auch frieren, in unverminderten! Maße aufrecht zu erhalten. Solvohl der Staat hat die Pflich t, von seiner Arbeitslosenfürsorge nichts abzubauen, als auch jeder einzelne Mensch muß alle privaten Aktionen unterstützen, damit das Elend der Menschen gelindert werde. Zn der amtlichen Statistik ist aber noch eine dritte Feststellung notwendig, an der man nicht vorübergehen darf. Die Zahl der Arbeitslosen ist nämlich im Jänner 1934 mit 858.650 niedriger als Ende Jänner 1933, da sie 872.775 betrug. Zum ersten Male, seitdem die Wirtschaftskrise die Welt Heimsucht, daS ist seit dem Jahre 1929» ist di« Arbeitölosenziffer in der Tschechosiow. Republik unter die Ziffer der gleichen Zeit deS Vorjahres gesunken. Wohl ist die Differenz nur klein, die Zahl der Arbeitslosen ist Ende Jänner 1934 nur um etwa 37.000 geringer alü Ende Jänner deS Vorjahres. Immerhin scheint die Arbeitslosigkeit bei uns den Höhepunkt überschritten zu haben und eL ist kamn anzunehmen, daß wir die Höchsiziffer deS Vorjahres, nämlich von 920.182, die im Feber 1938 aufzuweisen war, erreichen werden. Die Befürchtungen gar, die gehegt wurden, das; unsere Arbeitslosenziffer im heurigen Winter die Million erreichen werde, muß man nicht mehr haben. Bemerkt mag nur noch werden, daß die niedriger« Zahl der Arbeitslosen als zur gleichen Zeit des Vorjahres nicht etwa auf die Art der Erhebung der Zahl der Arbeitslosen zurückgeführt werden kann. Im Gegenteil! Die Genauigkeit der Statistik ist seit dem Vorjahre dadurch gewachsen, daß in der Slowakei einige neue ArbeitSver« mittlungSämteh geschaffen wurden, die ihre Arbeitslosen im Vorjahre nicht gemeldet haben, jetzt aber melden. Die Zahl der Arbeitslosen ist, daS braucht tvohl nicht besonders hervorgehoben zu werden, freilich noch immer so groß, daß die Arbeitslosigkeit daü ernsteste Problem unseres Staates ist. Die gesamte Wirtschafts- und Sozialpolitik muß in den Dienst der Bekänipfnng dieses furchtbaren Hebels gestellt lverden. Dazu ist nicht nur Exportförderung nottvendig, sondern vor allem inüßte man sich entschließen, daS amerikanische Beispiel der V e r k ii r z u n g d e r Arbeitszeit in großzügiger Weise nachzuahmen. Bezeichnend ist, daß ein bürgerliches Blatt, nämlich die„Lidove Roviny" in einer Besprechung der Ergebnisie der Arbeitslosenstatistik sagen, es sei nottvendig, daran zn denken, daß wir der Frage der Verkürzung der Arbeitszeit auf die Dauer nicht tverden auötveichen können. Sinowjew leistet Abbitte Reval, 6. Feber.(Tsch. P.-B.) In der heutigen Sitzung des Parteikongresies in Moskau gab der ehemalige Vorsitzende der komnmnistischen Internationale, Sinowjew, eine Erklärung ab, in der er die Partei bat, ihm seine Fehler zu verzeihen. Er werde von jetzt ab wieder für die Partei mst derselben Energie arbeiten, mit der er seinerzeit die Opposition aufgebaut habe. Diese Opposition wolle er mit aller Getvalt zerstören, weil er erlannt habe, daß jede Opposition eine große Gefahr für den Bestand deS sozialistischen Staates bedeut'. Er wolle der Partei den Beweis für die Treue zu ihrem Führer Stalin erbringen. Generaldirektor Löcker aus der Halt entlassen Brüx, 7. Feber. Dje Rattkammer des Brü- xer.Preisgerichtes hat beschlosien, mir Ausnahme des Betriebsleiter- Jng. Beisser und deS Steigers Kutina, sämtliche wegen der Osseker Katastrophe verhafteten Beamten auf freien Fuß zu setzen. Die Kautionen betragen: für Generaldirektor Dr. Jng. Löcker 3 Millionen KC, für Direktor Dr. Jng. K a r l i k 1 Million AL, für Obcrinspel- tor Jng. K u p k a 500.000 AL, für die Betriebsingenieure BambaS, Blahnil und Krpata je 20.000 AL und für Obersteiger Neid 5000 AL. Die Bürgschafiscrklärnngen für die Kautionen wurden bei der Union'-Bank hinterlegt. Die Enthaftungen erfolgten nm 18 Uhr. Die Entlassung auS der Untersuchungshaft mußt« nach dem Gesetz erfolgen, da das Obergericht bereits vor einigen Tagen entschieden hatte, daß eine Kollusionsgefahr nicht mehr b e st eh t. Ta auch dieFlnchtgefahr nach den bestehenden Bestimmungen durch die auferlegren hohen Kautionen eliminiert erscheint, entfällt jeder gesetzliche Grund für die weitere Jnhastbehaltung der angeführten Tirektoreil und BeanUen der Drüxer Kohlenbergbaugesellschast, die seit 8. Jänner d. I. in Untersuchungshaft waren. Sie ersticken sonst... Die deutschen Christlichsozialen trauern noch immer unentwegt um den Ministersih, den ihr Mayr-Harting verloren hat und so redet ihre »Deutsche Presse" den tschechischen Machthabern wieder einmal zu, doch endlich eine Gelegenheit herbeizuführen, sei cS durch Nemvahlen oder sonst irgendwie, um den Christlichsozialen daS Hineinschlüpfen in dieRegierung zu ermöglichcn.Jn einem einfältigen und gegen die Sozialdemokratie als Wählerin der Arbeiterintcrcsien gerichteten haßerfüllten Artikel, fleht das christlichsoziale Hauptblatt inständig, der„heutigen roten O b c r h e r r s ch a f t"(so heißt es wirklich wörtlich! l) ein Ende zu machen, sonst müßte auch — wie besorgt um die Tschechen!! — die tschechische Politik„früher oder später Schiffbruch erleiden" und sic schließt: „Sollte sich die tschechische Mehrheit nach den Präsidentenwahlen zu parlamentarischen Neu- tvahlen entschließen können(vielleicht dränge» die WirffchaftSverhältnisie dazu), kann sie eg in der Ueberzeugung tun, das; dem Staate von den nationalen Minderheiten keine Gefahr droht. Aber die Atmosphäre muß gesäubert werden, s o n st e r st i k- ken wir". In den Versammlungen im Lande draußen buhlen die deutschen Christlichsozialen um die obdachlos gewordenen Hakenkrcuzlvähler, hier aber winseln sie gottserbärmlich die tschechischen Machthaber an, sie doch gnädigst tviedcr in die Regierung cmfzunehmcn— bei Gefahr der Erstik- kung!— sie würden dort wahre Musterknaben zu sein sich bemühen. Ob die Drohung mit dem Ersticken die ffchechischcn Regierungsparteien allzu sehr rühren wird?!.... herauSzugeben. neuerdings be- der Gemeinde Elektrifizierungsdebatte Im VerkehrSauSschuh des Abgeordnetenhauses wurde gestern im Anschluß an daS kürzliche Exposee deS Arbeitenministers eine Debatte über die systematische Elektrifizierung abgeführt, in der vor allem eine vom Ministerium vorbereitete Verordnung über gewisse Maßnahmen in der Elektrizitätswirtschaft von einigen Seiten einer entscheidenden Kritik unterzogen wurde. Bon unserer Seite äußerte sich Genosse K r c m s e r ziemlich skeptisch über die Erfolge der bisherigen Elektrifizierung und setzte sich dafür ein, daß endlich ein genereller Elektrifizier ungSplan für das ganze Staatsgebiet ausgearbeitet werde, der auch auf die Bediirfnisie der vorhmidenen nicht gemeinnützigen Werke entsprechend Rücksicht nimmt. Er warnte davor, die Verordnung die den gemeiynühigcn Werken trächtliche Vorteile auf Kosten ElektrizitätSIverke sichern soll. Wir werden uns init den Ausführungen de-- Gcnosien Kremser noch näher bcsasien, ebenso mit den; Schlußwort des Minister-, das erst morgen ausgegeben wird. Tauschitz verläßt Berlin Berlin, 7. Feber. Amtlich wird gemeldet: Der österreichische.Gesandte Stefan Tauschitz hat Berlin verlassen. Während seiner Abwesenheit führt Legationsrat Seemann die Geschäfte der Gesandtschaft. 18 9. M. de Jong: UeracMwujewe Jfade twi XomaK la vier€piMdtn Autorisierte Uebarsctzung aus dem Holländischen von E R Fuchs. „Bist du blöd, Peter! Red hier nur ganz gewöhnlich mit mir... aber tuen» du fluchst, dann tue eö ganz leise, bitte, daß Vater und Mutter es nicht hören können." „Der König und die Königin!" flüsterte Peter entsetzt und blickte verstohlen auf den großen Mann iil Generalsuniform und die Dame in dem prächtigen Seidenkleid. „Nu ja", lieh sich der Kronprstiz gelangweilt vernehmen, aber Peter, der noch immer nicht seiner ungeheuren Bertvunderung Herr geworden war, flüsterte, schon wieder in der Gegenwart fußend: „Gottödonnertvetter... beim König uvd der Königin auf Besuch... auch'ne tolle Sache!" „Ach, Junge, quengle doch nicht!" wehrte der Kronprinz ungeduldig ab. „Was ist da schon Besonderes dran? Erzähl lieber, wie du nach Hause gekommen bist. Hast du's auf deinen Allerwertesten gekriegt?" Peter grinste. „Nein," erzählte er.„Sie hatten ganz den Kopf verloren über das, tvas ihnen der Husar erzählt hat. Zum Teufel, sag Piet! Was ist der Kerl scharf geritten! Wir sind fast immer geflogen! Und mein Hintern war ganz mürb, als lvir angckonnnen sind." Der Prinz prustete hinter der vorgehaltenen Hand. „So bist du gar nicht bestraft worden?" „Ja doch! ohne Esten ins Bett.., und ich lvar halbtot vor Hunger, Mann! Aber am nächsten Morgen hab ich zehn Korinthenbrötchen aus« gefressen, von deinem Geld. Du bist doch nicht böse darüber?" „Bist du aufs Hirn gefallen?" sagte der Prinz leise, dieses verpönte Wort wie eine heimliche Näscherei genießend.„Du kannst ruhig alles behalten; kauf dir nur davon, wa» du willst!" „Siehste wohl!" triumphierte Peter.„Hab ich auch gesagt, aber sie haben's nich geglaubt. Sie haben es bei sich, um es deinem Vater und Muster wiederzugeben. Der Kronprinz lachte: „Sie sollens nur behalten, hör,'S ist nicht der Mühe wert." „Du", fragte Peter,„können wir nicht ein bißchen in den Obstgartep gehn... da müsien doch reife Himbeeren und so sein..." „Nein, Junge, daS geht nicht!" antwortete der andere bedrückt.„Ich habe Strafe, siehst du.. vierzehn Tage Zimmerarrest." Peter schaute ihn verwundert an. „Zimmerarrest?" fragte er ungewiß.„WaS ist das?... Daß du vierzehn Tage nicht auS dem Zimmer darfst?" Der Kronprinz nickte und sein Gesicht uni- wölkte sich. «Da bleibst stehen!" flüsterte Peter empört.„Was für'n Henker! Aber das wirst du doch nicht tun? Vierzehn Tage im Zimmer bleiben!" Er grinste nachdenklich vor sicb hin. „Sollen's bei mir nicht fertig bringen! Ich lief sicher fort!" Bewundernd und bedrückt seufzte der andere. „Ja", sagte er,„du getraust dich so viel du willst! Aber hier würde eS dir doch nicht glücken. Jeder weiß von der Strafe und bevor ich draußen wäre, hätten sie mich wenigstens zehnmal aufgehalten. Peter überlegte. Er wußte, wie man hin- auSkam. „Aber du bist doch der Kronprinz, Junge", unterwies er ihn klug.„Sie müssen dir doch folge»! Bem; dich jemand zurückbalteg will, sagst du ganz einfach: auf die Knie vor mir!... Dann I läufst du eiskalt vorbei!" Der kleine Prinz lachte belustigt, aber doch ein wenig traurig. „So leicht geht das nicht, hörst du!" sagte er.„Ich habe hier nicht viel zu reden, laß dir nur nichts weismachcn." Peter schaute ihn ungläubig an. Dieser Pitt war doch ein kleiner Narr, dachte er. Wenn er Kronprinz wäre, würde er die Leute anders traktieren, na! „Spring dann aus'm Fenster in den Garten!" riet er. „Sicher vom zlveiten Stock?" „Dann mußt einen Strick machen auS Decken und Leintüchern", ereiferte sich Peter. „Das machen sic in Pensionaten auch. DaS hab ich schon in einem Buch gelesen." „Und die Schildwache draußen?" fragte der Prinz. ES wurde immer schwieriger. Schildwache draußen auch noch? Alles Sachen, mit denen Peter nicht gerechnet hatte. Seine Stirn zerfurchte sich in dec Anstrengung des Denkens und das klebrige Schöpfchen stellte sich auf. Aber sein fleiner Freund lachte und sagte ruhig: „Denk dir nichts mehr aus, hörst. Es geht doch nicht und es kann mir auch einerlei sein! Auf jeden Fall haben wir zusammen einen feinen Nachmittag gehabt und die Strafe habe ich auch schon weg. Schadet nichts." Peter war mit ihm nicht ganz derselben Ansicht. Sein freiheitstrunkenes Blut kam in Wallung und er hätte gerne Mittel und Wege ersonnen, um diesem mißhandelten Jungen das Leben erträglicher z» machen. Aber der lachte unbefangen und versicherte, daß dies gar nicht so arg wäre. Und Peter sah mit einemmal all die Pracht des wunderschönen Hauses und all die herrlichen Dinge ringsum, und er sagte sich im Innern, daß cs doch vielleicht lvirllich keine schtvere Strafe war, in einer solchen Umwelt vier zehn Tage bleiben zu müsse». Plötzlich fiel sein Auge auf einen kleinen Ritterorden, der an einem blauen Band an der Brust des lleinen Prinzen hing. Was hast du da für'nen sonderbaren Strrn auf deinem Kittel?" erkundigte er sich verwundert. „Oh", antwortete der andere gleichgültig. „daS ist der Orden vom Weißen Adler. Dcn hab ich zu meinem Geburtstag von meinem Ohm, den« Kaiser, bekommen. Ich mußt ihn heute umnehmen, weil Vater und Mutter euch offiziell enlpfangen wollten, um dir zu danken. Darum trägt der König auch die Generalsuniform und die Königin ihr Diadem." Der Eindruck auf Peter war ein gewaltiger. Mein Ohm, der Kaiser... kein Katzendreck! Und dieser Piet, der hat einen Stern... der tvar ein Ritterorden... dann war er auch Ritter! Peter hatte eine andere Vorstellung von Rittern... die trugen einen Harnisch und ein zweischneidiges Schwert... wahre Riesen. „Mein Gott!" sagte er.„Kriegen lleine Jungen auch schon Ritterorden?" Und als Piet ernsthaft nickte, fiel ihm wieder etwas anderes ein, und mst einem Sesten- blick auf das königliche Paar flüsterte er: „Ich dachte, daß ein König und die Königin immer eine Krone aufhaben, und e... so'n roten Mantel an mit den: Weißen drauf mst den schtvarzen Schwänzchen, und e... ein Szepter in der Hand und ncn goldenen Apfel mst'nem Kreuz drauf..." Der Kronprinz prustete wieder. „Du bist estl Tepp!" flüsterte er herzlich. «DaS wär noch schöner, weißt!... Das tragen sie immer nur bei festlichen Anlässen." „O", sagte Peter ein wenig beruhigt.„Dann haben sie'S wohl, alle diese Dinger?" „Ja", lachte spöttisch der Prinz,„die liegen in der Waschtischlade." (Fortsetzung folgt.). fc.« Dimncrstag, 8. Feier 1934t «eilt 3 Ein Nachwort zum Zajltek-Prozeß Der Zcntraldirellor. Wirtfchaftsstihrer, Spekulant und Defraudant Karl Z a j i k e k ist auf viereinhalb Jahre hinter Schloß und Riegel gefetzt. Damit endet ein monströser Prozeß, der stimmungsvoll durch die hochcrfrculichc Nachricht cingeleitet wurde, der itntcrsnchungshäftling habe am Tage vor der Prozcßeröffnung in fideler Stimmung seinen Geburtstag gefeiert, sich zu diesem Anlaß einen Korb kanadischer Aepfcl besorgen lassen usw. Dieser Angeklagte ist sicherlich eine der widerlichsten Gestalten, die je in solchen Prozessen aus dem Netz des Strafrechtsparagraphen zu schlüpfen suchten. Aber sehen wir ganz von der Persönlichkeit diese« Mannes ab, dec sich vor Gericht rühmte, täglich tausend Kronen nur zu seinen» Privatbcdarf gebraucht zu haben und behalten wir nur das im Auge, was er als typischer Repräsentant einer gewissen Schichte mst so vielen Seinesgleichen gemeinsam hat. die wir in ähnlichen Prozessen auf der Anklagebank gesehen Höchen. Als charakteristisches Material solcher Typen wird man nebst einer höhnischen Ignorierung jedes natürlichen Rcchtsgefiihls eine absolute soziale Verant. wortungölosigkeit ansprcchcn müssen und vor allein das feste Vertrauen auf die Unzulänglichkeit des gcktendenStraf» rechtes. Bon dem letztgenannten Punkt legte das Ber- Icidigungsfystem des Angeklagten ein groteskes Zeugnis ab. Wenn einer, dec einer Siebenmillio- nendefraudation angeklagt ist, sich vor Gericht da- init verteidigen kann, das Geld fei gar nicht unterschlagen, sondern ganz ehrlich zu Be» stcchungSzwecken verwendet worden, er sei also kein D e f r a u d a n t, sondern ein redlicher Korruption ar, so ist daS sicher ein Zeichen, daß die Beschaffenheit der Rechtsordnung allerhand zu wünschen übrig läßt. Hätten Wir entsprechend wirkungsvolle Strafbestimmungen gegen Schmiergeldnehnier undSchmicrgeldspender, so lväre dem Herrn Zaskkek wohl die Lust vergangen, mit der harmlosesten Miene von dem„Vertrauensmann im Finanzministerium" zu sprechen, der gegen 30 Prozent Provision die„polnische Sache" mS Reine bringen wollte, oder zu behaupten, er habe eine Million in Kleinigkeiten" zu je 50.000 bis 100.000 Kö zu Bestechungszwecken so unter der Hand auSgcgebcn. Schon die Tatsache, daß Zajikek überhaupt hoffen konnte, da- imrch, daß ec sich als Korruptionär bekannte, der Strafe zu entgehen, oder milder Wegzukommen, ist bedenklich genug. Betrachtet man die rein kommerzielle Seite der Machenschaften mit den diversen Bankkonti, so fällt einem untvillkürlich die bekannte Sentenz ein, daß man von Unredlichkei- t e» nur bis zu einer Grenze von einer Million spreche. Von da aufwärts heiße cs„Tr ans« aktiv n". Tatsache ist, daß sich in solchen„Höhen" die zweifelhaften Geschäfte und oft auch die unzlocifelhaftesten Lumpereien in Formen vollziehe», für die der armselige BetrugSpara- gr a p h unseres Strafgesetzes viel zu unzulänglich ist. Wir haben eben kein Wirtschafts- st r a f r c ch t, das den modernen, komplizierten Äirtschastsverhältnisseir angepaßt, die Leute, die im Zirlulationsprozcß des Kapitals maßgebende Stellungen einnehmen, zu jener Redlichkeit zivingi, deren Verletzung der Besitzlose aufS pünktlichste mit inehrmonatlicher Kcrkcrstrafe zu sühnen hat. Wir haben keine Strafbestimmungen für Vernachlässigung der hohen Verantwortung, die die ..WirtschastSji'ihrer" vor der Allgemeinheit tragen müssen, ivenn ihre üppigen Existenzen auch nur den Schein einer Berechtigung haben sollen. Man erinnere sich nur an die diversen Prozesse gegen die Funktionäre zusammengcbrockoner Banken. Hunderte von Millionen auvertrautcn Geldes wa- ren verpulvert, Hunderte Existenzen vernichtet: Zusammenbrüche, Selbstmorde und Verelendung kleiner Sparer zeichneten die Spur segensreicher ..Führertätigkeit". Und das strafrechtliche Fazit: Allenthalben Freisprüche und einige geringfügige bedingte Verurteilungen tvegcn „fahrlässiger Ärida". Ist es bei solcher Lückenhaftigkeit des Gesetzes vertounderlich, daß Leute voin Schlage Zajikekö ihr Gctverbe mit Munterkeit und Zuversicht betreiben? Man sollte nicht außeracht lassen, daß solche Lücken des Gesetzes das Rcchtsbewußtsein breiter Schichten schtvcr erschüttern und damit auch die Fundamenie der Demokratie bedrohen, die nur in der Form dcö Rechtsstaates existieren kann. Die Vorlümpfer des„autoritären Staates" hatten das ganz richtig erkannt. So komisch cs wirten mag, daß die Wegbereiter der ärgsten sozialen Reaktion den„unsozialen Geist" der von der Demokratie leider nicht modernisierten alten Strafgesetze sich als Angriffspunkt auöersehen haben, so ist dock Tatsache, daß z. B. die autoritären RechtStheorctiker Dahm und Schaffenstein in Deutschland der bisherigen Rechtspflege den Bor- lourf gemacht haben, sie sei nur auf den kleinen Mann zugeschniiten und lasse die Sozialvcrbrecher großen Formates ungeschoren. Herr Zaskkek hat in seiner allzugroßcn Sorglosigkeit den Bogen überspannt, so daß schließlich auch der Paragraph hinreichtc, ihn zu fassen. Er hätte bei etwas mehr Vorsicht die Sache feiner cinfädcln können und in diesem Fall hätten die Richter wohl das Nachseheit gehabt. Dr.Bg. Mussolini reformiert den Völkerbund Tirol macht Schule l Parlament am 15. Feber Prag, 7. Feber. Das Präsidium des Abgeordnetenhauses beschloß in seiner heutigen Sitzung, die nächste Plenarversammlung des Hauses für Donnerstag, den 15. Feber, 1 1 Uhr vormittags einzubcrnfcn. Auf der Tages« l ordnung steht der Gesetzentwurf über den Versicherungsvertrag und zivci untergeordnete handelspolitische Abkommen sowie Immunitäten. In dieser Sitzung soll eine Novelle zum Wehrgesetz vorgelegt werden, die jedoch nur die Dienstpflicht der Offiziere bis über das 00. Lebens« fahr hinaus verlängern und die Assentierungen des GeburtSjahrgangeS 1011 auf das Jahr IM!.", hinauS- fchieben soll. Im Jahre 1035 geht bereits auch der GepurtSjahrgang 1015 zur Stellung, der infolge des Krieges zahlenmäßig sehr schwach ist. Um das Rekrutenkontingent nickt zu stark sinken zu lassen, sollen die Rekruten des Jahrganges 1011 also auf das nächste Jahr aufgehoben werden. Ob auch bereits der neue Mieterschutz vorgelegt werden wird, ist noch nicht bestimmt, jedoch ziemlich unlvahrscheinlich, da die Beratungen erneut in daS Kollegium der politischen Minister verlegt wurden, als die gestrige Aussprache im parlamentarischen WohnunySanSschnß nach einem Referat des Vorsitzenden bald Ivieder ohne Ergebnis abgebrochen wurde. Heimwehrvorsprachen In Unz, Graz und Eisenstadt I der Pfarrer-Notbund kapituliert mit eine nach Fühlungnahme mit der Bundes seine weitere Stellungnahme bekannt übrigen der so- gibt die Stuttgart, 7. Feber. Wie der Evangelische Pressedienst mittcilt, hat sich der württembergische Pfarrer-Notbund aufgelöst und erklärt, gemäß dem Wunsche der kirchlichen und staatlichen Führung an der Befriedung des kirchlichen Lebens helfen zu wollen. Fey hilft nach? Vizekanzler Fey hat u. a. verfügt, daß zu den SicherheitSdirekiorcn, zu allen selbständigen Polizeibehörden und BezirkShauptmannsckaftcn Steirischer Landeshauptmann zitiert die Verfassung In den heutigen Abendstunden intervenierten auch die st e i r i s ch e n Heimwehren in Graz im selben Sinne beim Landeshauptmann Dr. Dienstleder. Ans die Ausführungen des LandeSführers Berger verwies der LandeShaupluian» darauf, dass er vom Bundespräsidenten auf die Bundes- und Landesverfassung vereidigt wurde und somit diese als Landeshauptmann zu beachten habe. Bezüglich jener Fordernuge», die in dir Kompetenz der Bundesregierung fallen, werde er sich mit dieser ins Benehmen setze». WaS die die steiermärkische Landesregierung bclresfcnden Forderungen an- gehe, so stillen diese in daS Entscheidungsrecht des steter märkischen Landtages, dessen Einberufung Sache drü LandeSpräsidrnten sei. Der LaitdeShauptmann versicherte, die jhni überreichten Forderungen überprüfen zu wollen. Er werde regierung gebe». Auch in E i s e n st a d t, der Hauptstadt des Burgenlandes, überreichte eine Hcimwehrdcputa- tiou dem Landeshauptmann eine Resolution ihren bekannten Forderungen, denen sie noch Reihe von Exiratviiuschen angehängt hatte. Der Landeshauptmann sagte z», nach Rückkehr des Bundeskanzlers aus Budapest diesem die vorgebrackten Forderungen zn unterbreiten. Konferenz Dollfuß—Stumpf verschoben T'r-ler Baurrndündler vom Schlag grtrossen; Einwirkungen auf w i r t s ch a f t licke In Innsbruck erlitt in der Nacht auf Iternchinun ge n^ Verbände usw. Vie deutsche Studentenverfanuns Bor allem— Wehrhaftigkeit Bei der Verkündung der studentischen Verfassung hielt der Rcichsinnenmstnstcr Dr. Frick eine Ansprache,!n welcher er die Organisation der Studentenschaft schilderte und auf die Bestimmungen der neuen Verfassung hinlvies, wonach die Studenten durch die Verpflichtung zum SA- Dienst und Arbeitsdienst zur Wehrhaftigkeit zu erziehen sind. Die Gcsamtorganisation, die sogenannte Reichsschaft, hat die deutschen Studenten im Reiche und jenseits der Grenzen miteinander zu verbinden. Die Erziehung zur Wehrhaftigkeit liegt bei dem SA- Hochschulamt, die politische Erziehung wird dem Nationalsozialistischen deutschen Studentenbund l immer empfindlichere Answirtnngen lauf die deutsche Wirtschaft hat.— Im , bedeutet der Erlaß eine Bestätigung 'genannten„Grcuelmeldungen". denn er übertragen. In der Verfassung heißt-S weiter:! l'-siang-ne" N-bergrisfe ausdrücklich zu. Deutsche Studenten, die nicht Reichsdeutsche sind,; übernehmen während ihres Aufenthaltes an einer, reichsdeutscken Hochschule durch ihre Zugehörigkeit. zur deutschen Studentenschaft keine Pflichten, die! den Gesetzen des Staates widersprechen. Zum Reichsschaftsführer wurde Dr. Oskar Stäbel! ernannt. Verbindungsorgane der größeren Schuhkorpsverbände, wie Hcimatschuh, Ostmärkische Sturmscharen, Freiheitöbund und christlich-deutsche Turner, einzubcrufen sind. Andere Weisungen beziehen sich aus das Aufgebot und die in Dienststellung weiterer Teile deS freilvilligen Schuhkorps und auf die Aufstellung von mobilen Schutzkorps-Detachements, die bei rasch durchzusührcnden O r d n u n g s- und S t r a f s a n k t i o n e n Verwendung finden sollen. Eine Reihe weiterer Weisungen betreffs Anordnungen über die Enthebung aller jener Organe des Bundes, der Länder und Gemeinden, die mit den Agenden der öffentlichen Sicherheit betraut sind, wenn diese in ihrem Amte nicht zuverlässig sind. Vertrauensvotum für Stumpf Dollfuß in Budapest Wien, 7. Feber. Bundeskanzler Tr. D o l l- f u ß ist in Begleitung des bevollmächtiglen Mini« terS Hornbostel und des ungarischen Gesandten in Wien, Nclty, um 8 llhr'20 Min. nack Budapest abgercist. Dollfuß traf um 12 Uhr-16 in Budapest ein. Am Bahnhof erwarteten ihn der ungarische Ministerpräsident G ö m b ö s und die Mitglieder der ungarischer Regierung. Nach der Begrüßung begab sich der Bundeskanzler in die österreichische Gesaudtschaft. nisätionest in Tirol, Tiroler Bauernbund und Tiroler Arbeitsbund, haben dem Landeshauptmann Dr. Stumpf das Vertrauen ausgesprochen und den Wunsch geäussert, daß die christlichsozialrn Mandatare auf ihre» Posten ouöharren mögen. Noch ein verfassungstreuer Landeshauptmann? In der allwöchentlichen Sitzung der niederösterreichischen Landesregierung, die heute stattfand, brachte» die Sozialdemokraten die Vorgänge in Tirol und Oberösterreich zur Sprache. LandeShanptniann R c i t h e r gab die Versicherung, daß er aus dem Boden der Legalität stehe und die Ruhe und Ordnung im Lande verbürge. Jin übrigen tverde Niederösterreich durch die Vorgänge in Tirol und Obcrösterreich in keiner Weise berührt. Wien, 7. Feber. Die gestern von den oberösterreichischen Heimwehren dem Landeshauptmann überreichten Forderungen sind im großen und ganzen identisch mit jenen der Tiroler Heimwehr; lediglich die Forderung nach Auflösung der Parteien wurde nicht gestellt. Dafür verlangte man u. a.„Unterbringung von Heimattreuen Arbeitern und Angestellten in den von der Landesregierung abhängigen Betrieben und weitestgehende Berücksichtigung vaterländischer Gewerbetreibender bei der Vergebung öffentlicher Arbeiten." Der Landeshauptmann Dr. Schlegel erklärte der Abordnung, ec»verde zn ihren Forderungen erst nach einer Rücksprache mit dem Bundeskanzler Dollfuß Stellung nehmen. Dir sozialdemokratische Landespnrteileitung hat sich mit Rücksicht auf die Ereignisse in Oberösterreich in Permanenz erklärt. Morgen wird die Parteileitung eine Deputation zum Landeshauptmann entsenden, nm einen Protest gegen die Heimwehrforderungen einzulrgen. Selbstmorde deutscher Wiffriischaster. MUDr > H a n st e i n. Berlin-Wilmersdorf, der beste Zien« ! ner der Geschichte der Syphilis, Ivar Mitte von« . gen Jahres verhaftet und kurze Zeit danach wic- j der entlassen worden. Am 12. November lag erneut Haftbefehl gegen ihn vor. Um sich der nochmaligen Verhaftung zu entziehen, hat sich Han-" stein, wie wir erfahren, vergiftet,— Dem weltbe- ! kannten Professor der Zahnheilkunde Moral I aus Rostock, der im Laufe der Jahre viele Lehr- ! aufträge von Universitäten des In- und Auslan« ! des erhielt, wurde auf Grund seiner jüdischen Ab« I stammung vor einigen Monate» die Lehrbereckti« - gung entzogen. Pros. Moral hat daraufhin Telbst- i mord verübt Frick„schützt** die Juden Berlin, 6. Feber. Der Reichsininiftcr des Innern Dr. Frick hat an die obersten Reichsbehörden, die Reichsstatthalter und die Landesregierungen ein Schreiben gerichtet, tvorin er, wie das VTZ- Büro meldet, feststellt, daß die deutsche Die beiden grössten christlichsozialen vrga-' Ariergesetzgebung aus völkischen und staatüpoli« tischen Gründen notwendig sei. Andererseits habe I sich die RcichSrcgierung selbst gewisse Grenzen gesteckt. deren Einhaltung gleichfalls erforderlich sei. Die deutsche Ariergesetzgebung, so schreibt der ! Reichsininifter u. a„ tvürde im In- und Ausland ! richtiger beurteilt werden, wenn diese Grenzen j überall beachtet würden. Insbesondere sei eS nicht 1 angebracht, ja sogar bedenklich, wenn die Grnnd- I sähe deS sogenannten Aricrparagraphen im Reicksgesetz zur Wiederherstellung deS Berufsbeamtentums, das vielfach als Vorbild wirkte, auf Gebiete ausgedehnt würden, für die sie iibcrhanpt nicht bestimmt seien. Dies gelte insbesondere— wie die nationalsozialistische Regierung immer wieder betont habe(!)— von dec freien Wirtschaft.— Minister Frick bittet. U e b c r g r i s f c n auf diesem Gebiete mit Ialler Entschiedenheit cntgcgcnzutrcteu und die unterstellten Behörden nachdrücklichst daraus bin- zutveisen, daß sic ihren Maßnahmen und Entscheidungen nur die geltenden Gesetze zugrunde zu legen hätten. Ebenso, wie die Behörden gegebenenfalls ihre Amtshandlungen ohne Verzug durchzuführcn hätten, fei es andererseits geboten, daß durch Gesetz oder Verordnung nickt erlaubte Einwirkungen auf w i r t s ch a f t l i ch e 11 n- ~.' unter« Mittwoch der christlichsoziale Landesrat Andcras lassen würden. Eine Auslegung, Aendcrung oder ‘ stehe nach nur dec den diese Gebhart, einer der prominentesten Tiroler I Ausdehnung geltender Rcicksgcsehc Bauernbündlcr. nach langwierigen Vcrhandlun-! Maßgabe des Ermächtigungsgesetzes gen, die im Schoße des Tiroler Landesbauern-! Reichsregierung selbst zu, nickt aber raus geführt wurden, einen Schlaganfall. Wäh- j Gesetze auSsührenden Organen, rend der Nackt ist er gestorben. Gebhart spielte bei den Verhandlungen der letzten Tage eine Ivichligc Selbstverständlich will der Erlaß des Rc^cks- Rolle. Jene Hciinwehrkreise, die die Schaffung Innenministers leine Wiedergutmachung der eines neuen„autoritären" Landesausschusses an- I Schandtaten, die an den deutschen Juden bcgan- strcbcn, bekämpften zum Teil auck Gebhart. üen wurden. Er ivill nur vortäuscken. daß int Mit Rücksicht aus das Begräbnis Grbhartö„wirtschaftlichen Sektor" nichts mehr gegen sie wurden die für Freitag festgesetzten Beratungen unternommen werden würde. Man merkt nämlich des BundeSlanzlerS Dollfuss mit den, Landes- immer mehr, daß die Abwanderung^des jüdischen Hauptmann von f.irol Dr. Stumpf und den übri-,-iapitals c».j gen Tiroler Führern verschoben. Serie 4, DonnrrstaF, 8. FeBer 188t «r. rr i P. I „E 41" Beide ltn« An der Jveter nahm Gesandtschaft. Dr. Der Apparat, mit de« da» Radi«« i« Loachimetai««tdeikt wurde ei» Goldblatt-Elektroskop, ist in den Besitz des Technischen Museums i n P r a fl ii b e c fl c fl a ii fl e n, Ivo er in der chemischen Abteilung ausgestellt ist. Mit diesem Apparat stellte im Jahre 1 SOS daö Ehepaar Curie fest, daß das von ihm entdeckte Radium auch in der JoachimSthaler Pechblende enthalten ist, und aus Dankbarkeit, das; ihm bei seinen Forschungen genügend Erze zur Beifügung gestellt wurden, schenkte das Ehepaar den Apparat der staatlichen Bergdircktion in Joachimsthal. Der Apparat war ursprünglich im Wiener Technischen Museum untergebracht, aus dem das tschecho- slotvakische Ministerium sirr öffentliche Arbeiten ihn als sein Eigentum reklamierte und dem Technischen Museum in Prag übergab. Frau Torgaez im Verhör Reue Schuldbeweise gegen Kopriva. Am Dienstag abend ist die Frau des ermordeten Kutschers F o r g a c z, von ihrem Bru- der begleitet, mit dem Bratislavaer Schnellzug in Prag cingetroffcn. Nock) in der Nacht vernahm man sic auf dec Polizcidirettion und zeigte ihr auch alle Gegenstände, die man bei Kopkiva gefunden hatte., Frau Forgasz erklärte sofort m i t B e st i m in t h e i t, das; cS sich um Sachen ihres v e r st o r b e n e n Mannes handle. Die Wäschestücke seien von ihr vor l u r; c in auSgebesscrt worden. Damit ist die Behauptung des Verhafteten, datz er die Wäsche von einem unbekannten Manne gekauft und dann selbst in Ordnung gebracht habe, widerlegt. Gestern früh führten Kriminalbeamte die Frau deS Ermordeten zum Tatort. Dort fand man noch nachträglich ein blutgetränktes Taschentuch, das der Frau gehörte, bei der Kopkiva gewohnt hat. Gestern nachmittag hat in aller Stille die Beerdigung des Kutschers Forgaez stattgefunden. Trotz der sich häufenden schweren Schuldbeweise leugnet der Verhaftete noch immer, den Raubmord an Forgaez verübt zu haben. Er ist nach seiner Verhaftung bereits dreimal verhört worden. Doch er beantwortet die Frage, ob er das Verbrechen begangen habe, stets mit„N e i n". Hingegen gibt er den Diebstahl zu. Ein sonderbarer Vorfall ist nachträglich be- kauntgeworden. Kurze Zeit, nachdem der Raubmord durch die Zeitungen veröffentlicht worden war, kamen Bekannte zu Koptiva und rieten ihn, sich um die freigcwordene Stelle des Kutschers bei dem Fuhrmann M r v i t zu bewerben. Ko- priva lehnte das fedoch mit auffälliger Erregung ab und erklärte, niemals dorthin gehen zu wollen. Der Verhaftete ist jetzt noch Panlrac üstcrgcführt worden. Man wird gegen ihn Strafantrag wegen Raubmords stellen. Di«-edammeu-Rekord Savona, 7. Feber.(Stefani.) In dec Stadt Savona wurde der ungewöhnliche Rekord und zugleich die langjährige Tätigkeit der 80jährigcn Ge- burtSassistcniin F.c licitaDodino gefeiert, die während ihres 45jährigen ununterbrochenen Wirkens mehr alS 15.000 Neugeborene dreier Generationen aus der Taufe hob. Funktionärstlatt deS Sozialistischen Jugendverbandes und des Reichsvereins der Kinderfreunde, ist soeben erschienen. In einem sehr bemerkenswerten Aussatz wird zur Aeu- fasinng des Programms unseres Jngendverbandes Stellung genommen. Jugendliche unterhalten sich über das Thema„Demokratie und Diktatur". Austerdem enthält der dem Jngendverband gewidmete Teil der Zeitschrift Hinweise für die praktische Arbeit.— Auf dem den Kinderfreunden Vorbehalten«!! Raum finden wir Anleitungen zur Arbeit unter den Nestfalken, über die Gesangsarbeit in den Falkengruppen und die Tätigkeit in den Elternbciräten.— Die sehr wertvolle Zeitschrift ist allen erzieberisch tätigen Genossen zu empfehlen. Aus dec Arbeiter-Tum- mm Tportbemegung v. Kreis(raflball) Samstag, den 10. Feber 1984 nachmittags halb 8 Uhr in Aussig Volkshan« dringende Sitzung des KreiSsPielauSschüsscS. Die Genossen werden ersucht, sich piinktlich einzufinden, da die Tagesordnung einige Stunden Zeit in Anspruch nimmt. Besondere Einladungen ergehen nicht. Vom Rundfunk »MtzsehlenoWerte» tu de» Programmen: Freitag: Prag, Sender L. 10.06: Deutsche Nach, richten. 10.80: Schulfunk, 18.46: Schallplatten, 16.65: Junge Menschen betrachten die Welt, 17: Ondriiek-Ouartett, 18.28: Deutsche Sendung: Weinhuber: DaS Recht des Alltages, 18,50: Deutsche Ardeitrrseuduug: Wenzel Jaksch: Aktuelle zehn Minute«, 19: D eu t s ch e P r e s s e Meldungen, 20: Die Welt in Umgestaltung, 20,25: Konzert deS Bläserquintetts, 21: Orchesterlonzeit. Sender S. 14.45: Populäre Lieder, 15.10: Deut« scheSendung: Die sparsame Hausfrau, 19.06: Schallplatte».— Brünn 16: Konzert, 16.65: Skifahrten im Hochgebirge, 18.25: Deutsche Sendung: Sportberichte, 19.85: Chorkonzert.— Preß- burg 16.80: Klavierkonzert.—• Wie« 15.45; Jugendstunde, 16.15: Drei Grazien de» Tanzes, 10.86: Der Kreidekreis, Oper von Zemlinsky.— Kulturbericht 1934 Schilderung eines Ringkampfes Johannesburg, 7. Fester. Bei einem Ringkampf zwischen deni Kanadier Ben Sherman und dem Nordamerikaner Henry JrSlingcr ging es„recht lebhaft" zu. Oistwohl es bei dem Kamps, der im Freien vor sich ging, unaufhörlich regnete, gerieten die beiden Gegner derartig in Hitze, das; in der vierten Runde Sherman seinen Kopf in die Raupe, verwickelte. JrSlingcr ergriff den Kaps seines Gegners und k l c in m t c ihn derartig in die Raupe hinein, das; der Kanadier in Gefahr war, erwürgt zu werden. Einer seiner Sekundanten wollte ihm zn Hilfe kommen, wurde aber durch«inen F a u st s ch l a g JrSlingcr aus; er Gefecht gesetzt. Hierauf griff der S ch i c d S r i ch t e r ein. warf den Anicrikancr zu Boden und setzte sick auf ihn. JrSlingcr verlor nun jedes Interesse an Sherman und ging zum Angriff auf den Schiedsrichter über, der aber ll n i c r st ii tz u n g aus den vordersten Reihen der Z u s ch a n e r erhielt und Jrslingcr nieder- k ä»G> s t e. Tann Ivurde JrSlingcr dioqualifizicrt und Sherman zum Sieger auSgcrufen. TagcsiKUlgKcttcii Engelbert Dollfuß Ein BIitzV» rtrit. Halb Adolf, und ball« Mussolini, Ein Zwitter, doch«in großer Monn, Kurzum, ein zweiter Bellachini, Der zaubern und auch packeln kann! Bon Böllerschüssen sanft umwedelt, Spricht er so manches starke Wort, Inzwischen schwimmt, brn»nbemd„veredelt Ein Fell ihm nach dem andern fort! Wer protestiert, der wird zerschmettert, Tie kleine BafiS wird noch Keiner, Ter Retter, der Tode rettert, Bleibt«ntewegt: Heil,«nS kann keiner! Schon klopft er an die Genfer Pforte, In sanftem Singsang tönt die Klage, Indes wird seine LandbknrchtShorde In Oesterreich zur LandeSplage! So steht er, einer gegen all«, Und spielt auf sämtlichen Klavieren, Ter Kleine will in jedem Falle Ans ganz spezielle Art krepieren! Die Wrrtschastsbelcbuug. Ein Glcichgeschal-, teter, der aus der Durchreise durch die Tschecho»■ slowcikei den„Sozialdemokrat" las, fühlte sich! bemüßigt, die„Irrtümer" der sazialdemokrati- schen Presse über daö Dritte Reich zu berichtigen. Er schickte von Berlin aus„Beweise" für den< wirtschaftlichen Aufstieg: eine bebilderte I'nse« ratcnseitc der Opel-Werke auö dein„Illustrier- ten Beobachter" und Zeitungsausschnitte mit Wirtschastsbcrichten. Da erfahren, wir, das; die Zahl der Beschäftigten in den Ope l-Antoinobil- Iverken seit dem Juni des Vorjahres 10.000 beträgt, also um 40 Prozent gestiegen ist. Die Mehrleistung an Lohnstunden beträgt sogar 104 Prozent. Roch erstaunlicher ist die Entwicklung bei H a n o m a g. Der Umsatz der Hanomag- Wagen hat sich im Jahre 1933 gegenüber dem Porjahr verdoppelt; aber die Belegschaft, die am Tiefpunkt der Krise 300 Mann betrug, hat sich auf 2200 Mann erhöht und man hofft, wie es in dem Zeitungsbericht heisst, bis zu»; Früh, jahr noch 1000 Mann einstellen zu können. Frü> her waren bei Hanomag 100 Beamte beschäftigt, jetzt sind es 400.— Dem Propagandisten des Herrn Goebbels sei geantwortet, das; wir diese Angaben sogar aufS Wort glauben. Wir haben uns freilich erlaubt, sic mit einem anderen in feinem Material enthaltenen Bericht zu ver- gleichen, der die Beschäftigung in den Baum- Wollwebereien betrifft. Dieser Bericht ist sehr kleinlaut und spiegelt, die Verhältnisse in jenen Industrien, die nicht so unmittelbar den Kriegs- vortzereftungen dienen können wie Hanomag und Opel. Es sind da keine Rätsel zu lösen; bei Ha- nomag werden Tanks erzeugt und Opel baut Flugzeuge. Der Schäker, der uns belehren wollte, hat unbewußt zur Verbreitung der blutigen Wahrheit über das Drifte Reich bcigctra- gen: cs ist Hochkonjunktur in der Erzeugung von Mordwaffen. Damit ist zwar noch lange nicht botviesen, das; eö wirtschaftlich auswärts; geht, wohl aber, daß Europa der Enftvicklung. der deutschen„Autoindustrie" genaues Augen-< merk schenken muß. Gut Wetter. In den Siidcienläiidcrn ist bereits wärmere Luft vom Westen her eingedrun- gcn. Auf den Bergen, wo cS Dicnötckg noch hcücr und warm war sMaxima vielfach bis-f- 4 Grad, in Starh Smokovec-f- 8 Grad) ist gestern durchwegs Abkühlung unter den Gefrierpunkt eingctre- ten. In der Tatra fiel stellenweise etwas Schnee. Der Zufluß milder Lust aus dem Westen gegen Mitteleuropa dürfte noch andauern.— Wahrscheinliches Wetter heut e: Ziemlich bewölkt, keine oder nur unbedeutende Niederschläge, mässig warm, Westwind. Die neueste Lokomotive der tschrchoslowati- schrn Staatsbahnen. Dieser Tage traf die neueste und zugleich die größte von den Skodawerken in Pilsen hergcstellte Lokomotive der tschcchoslowa- kischcn Staatsbahnen von Pilsen in Prag ein. Die neue Lokomotive ist für die Beförderung der internationalen Schnellzüge bestimmt, da sie eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 112 Kilometern pro Stunde erreicht. Die schon durch ihre Ausmaße stemerkcnüwcrtc Dampfmaschine wurde ans den Bnhnbof von Nufte geschafft, wo sic Gegenstand der Beachtung aller fachlichen Kreise, insbesondere der Vertreter deS Eisenbahministeriums Ivar. Die neue Lokomotive wird sofort in den Betrieb eingestellt Iverden. 10.000 Bewerber für einige hundert Arbeitsstellen. Die Brünner Waffenwerke haben ausländische Aufträge erhalten' und können infolgedessen wieder Arbeiter aufnehmcn. Nun hasten sich bei den Waffenwerken fast 10.000 Arbeitslose gemeldet, in der Hoffnung, angestellt zu werden. Die Betriebsverwaltung har entschieden, daß vor allem jene Arbeiter ausgenommen werden, die bereits früher dem Betrieb angehört haben mrd entlassen wurden. ES wird also leider nur eine verhältnismätzig geringe Anzahl der Arbeiter ausgenommen werden, die sich jetzt ge« meldet haben. Jüdischer Chirurg rettet SA-Führer. Der Leiter deS israelitischen Krankenhauses in. Berlin. Prof. Dr. Rosenstein, erlebte in diesen Tagen eine seltene Ueberraschung. Die Reichskanzlei rief telephonisch an,.uni mitzuteilen, daß«in SA-Chef aus der Umgebung Hitlers im Hospital antoiiunen Fl»gzeua-A«sam«e«st»ß in Prag Prag. 7. Fester.(TRO.) Heute, Mittwoch, kam es um 10 Uhr 40 Minuten auf dem Flugplatz in Prag beim Landen zu einem Z u s a m- ni c n st o tz zwischen deni einsitzigen Flugzeug „S 181" und dem zweisitzigen Flugzeuge„E 11". Die Besatzung bet beiden Maschinen kam heil davon. bis auf den Zugssührer Pakt! vom Flieger-Regiment Nr. 5, der'im Flugzeug“ satz, der leicht verwundet wurde. Apparate wurden beschädigt. Die Ursache des falleS untersucht eine Sondcrkommission. und zlvar in den 14. Bezirk(Rudolfs- Dorr lernte er die»proletarische Jugend und seither stand in ihm der Plan fest, sich Kampfe für die Besserstellung der prolcta- Jugcnd in die vorderste Fronr zu stellen, anderen Lehrern, darunter auch! er die Lehrcrgruppe der Otto Glöckel sechzig Jahre Am heutigen Tage feiert eine der sympathischesten Persönlichkeiten der österreichischen Arbeiterbewegung, der unentwegte Kämpfer kür ein: freie moderne Schule, Genosse Otto Glöckel, seinen 60. Geburtstag. Die deutsche» Arbeiter auch unseres Landes werden dieses Tages um so mehr gcdcnlcn. als Glöckel als Abgeordneter des Erzgebirges einst auch unser war und unserem Gefühl nach auch unser geblieben ist. Glöckel der Lehrer stammt aus einer Lehrerfamilie. Er ist in Pottendorf in Niederösterrcich am 8. Feber 1874 geboren worden und studierte an der Lehrerbildungsanstalt in Wiener-Neustadt. Ivo er sich, da sein Vater siir ihn nicht in genügendem Matze zn sorgen in der Lage war, buchstäblich durckgestungcrt hat. Nach Absolvierung der Lehrerbildungsanstalt kam'er als ilnterlehrer nach Wien, heim). kennen in dem rischen. Mit einigen Seitz, bildete er die Lehrcrgruppe der„Jungen", die tapfer und rücksichtslos gegen die chriftlichso- zialcn Schnlvcrdcrber zu Felde zogen. Deswegen wurde er 1807 von Lueger seines Lehramtes enthoben. Aber Glöckel lietz sich nicht beugen und nahm umso energischer den Kampf auf. Er gewann bald in hervorragendem Matze das Vertrauen der sozialdcmolratiichen Arbeiter und lvurde im Jahre 1007 im Wahlkreise St. Joacstimsihal—Graslitz—Plauen—Ncudcl zum Abgeordneten ge-! wählt. Diesen Wahlkreis vertrat er bis 1018. Im Abgeordnetenhaus hat Glücket eine unermüdliche Tätigkeit entfaltet, vor allem auf dem Gebiete der Lehrer und Schule. Er war einer der glänzendsten Redner des altöfterreichischen Parlaments, einer der beliebtesten PerfaminlungSreducr und hat auch taufend judetcndeutschc Arbeiter für den Sozialismus und für den Kampf um eine höhere Kultur zn begeistern verstanden. Nach dem Kriege hat die Republik Oesterreich Glöckel 1019 zur Leitung ihres llnicrrichlswcsens berufen und er Hal gleich vom ersten Tage seines Amtsantrittes mit einer grotzzügigcn Uniwandlung der alten Schule begonnen. Die. politischen Verhältnisse zwangen ibn bald znm Rücktritt, aber die Gemeinde Wien verivandie ihn sofort seinen Fähigkeiten entsprechend und stellte ihn an die Spitze ihres Stadtschulrates. Glöckel war da der Schöpfer der Wiener Schulreform, die das stärlstc Interesse, auch des Auslandes, hcrvorgerufcn und der die Schulen in Wien in sozialem Geiste umgeformt hat. Er hat.die Schule verlebendigt und das öde Eintrichtern aus der Schule verbannt. Glöckel hat nicht nur seinem Lande, sondern weit über dessen Grenzen hinaus gezeigt, was sozialdc- molratische Aufbauarbeit aus dem Gebiete der Schule und damit für die Gcsamtentwicklung der Kultur bedeutet. Auch die jüngere Generation der deutschen Arveitcrfchaft in der Tschechoslowakei hat in den letzten Jahren Gelegenheit gestabt Glöckel öfter zu stören, insbesondere unter den Proletariern des Erzgebirges ist er heute noch eine populäre Persönlichkeit. In treuer Freundschaft grützcn wir daher Otto Glöckel, der unS das Symbol einer stcsie- ren Zeit und höheren Kultur ist. Mehr Sachlichkeit gegenüber der Emigration Die vom Hitler-FasciäinuS ans ihrer Heimat Vertriebenen haben in allen Gastländern einen schweren Stand. Tie Aussichten für ihre Existenzmöglichkeit werden täglich schlechicr. und immer wieder wird von der Rechtspresse der Gastländer die Behauptung ausgestellt, das; die deutschen Emigranten der ciiiheimischen Bevölkerung das Brot wcgnestmen. Mit diesen unberechtigten Vorwürfen steschäsiigt sich Leopold Schwarzschild im„T a g c st n ch", der über die Verhältnisse in Fr a n l r c i ch(sic sind in allen Gastländern ähnlichl schreibt: k Mögen sie sich vor allem klar machen, und, wenn nötig in, auksprechen, das; die Legend« vom zelvegnetzme.n und Vrollvegessen in allen Ländern M c eben Legende ist. Gerade wenn man die Tau- ,ende und i'.ehutansende Eiuzelinenschen mit ganz verschiedener Einzetlage in einen gemeinsamen Tops „Emigration" zusammen wirft, war dies« Emigration bis zum heutigen Tage noch für kein einziges Land ein Loser. Geopfert hasten Privat« in allen Ländern, teilweise mit vollen Händen geopfert. Aster daö ist ihr persönlicher Ruhm, istre persönliche Leistung. In der Bilanz der Volkswirtschaften Ivar die Position Emigration bisher überall ausgesprochen aktiv. Sie. gehört dorr, ökonomisch gesehen, grötzten- teils unter den Tilel„Fremdenverkehr". Denn«s ist Tatsache, das; der weitaus grötzt« Prozentsatz bisher überall von Mitteln gelobt hat, die er selber noch mit inS Emvfang.Sland gebracht hat. Wenn es in Frankreich, tint dieses Beispiel zu nehmen, ständig 5000 Unglückliche geben mag, die mit durchschnittlich 20 Fr. täglich, sichtbar oder unsichtbar von privater Wohltätigkeit erhalten lverden, so gibt es täglich 20,000 Glücklicher«, die sich mit 20 bis 100 Fr. täglich von mitgebrachleu Fonds unterhalten. Dies macht für die Empfänger 3 Millionen Francs iin Monat, für die Bringer aber 12—60 Millionen. Rechnet man ein französisches Arsteitereinkommen mit 1500 FrL. monatlich, so nehmen äusterslen Falls die llnierkiützteu 2000 französische Arsteiierplätze weg, di« andern aber schaffen 8000 bis 4.0.000. werde und sofort durch Rosenstein operiert werden müsse. Der berühmte Chirurg machte daraus aufmerksam, datz cS sich nm ein jüdisches Krankenhaus handle und erhielt folgende Antlvort:„Das macht nichts, keine Diskussion— bereiten Eie die Instrumente vor." Eine stakste Stunde später geschah die Operation. DaS Leben des SA-Führers lvurde gerettet. Der Transozeandampfer„Julins Caesar" ist gestern nachts zur ersten Fahrt von Genua nack Südafrika abgedampft. Die Fahrt vom Mittelländischen Meere nach Kapstadt wird 11% Tage dauern. Hotel Sacher versteigert. Am Miltloocki ivurde in exekutiver Versteigerung das bekannte Wiener Hotel Sacker verkauft. Der Schähungspreis betrug 350.000 Schilling. DaS Hotel erstand der Wiener Advokat Dr. Gürtler im eigenen Namen und im Namen des bekannten Wiener CafciicrS Josef Siller für 314.000 Schilling. 14.000 Schmuggler gehen frei aus. Tee- Oberste Gerichtshof in Washington ordnete am Montag an, datz alle bisher nicht erledigten Klagen gegen Schmuggler mit alkoholischen Getränken und gegen Bootlegger? verbrannt lverden. Hiedurch werden sich 14.000 Schmuggler, welchen der Schmuggel nachgetvicscn worden war, nicht vor dem Gerichte zu verantworten haben. Der Oberste Gerichtshof traf auch die Entscheidung, datz die Prüfung von einigen hundert Berufungen verurteilter Schmuggler von geistigen Getränken nicht weiter fortgesetzt wcrdensoll und datz diese Schmuggler autonmtisch in'Freiheit gesetzt werden sollen. Star- Liebes- und Eheassären. Lord Ashley, der einzige Erbe des Earl of ShafteS- burry, hat die S ch e i d u n g s klage eingercichl, wobei er als die zweite beklagte Partei den bekannten Filmschauspieler DouglasFair- b a n k S nennt. Lady Ashley war vor ihrer Ver- ' heiratung eine Ehantan-'Sängerin.(Nach dem * englischen Neckt wird bei der Verhandlung von > Fällen des Ehebruchs nutzer dem Hauptange- > klagten, dem Rcspondcnten, auch sein Mitschul- > diger, bzlv. die zweite Partei, der joint respon- , den! oder correspondent, vor Gericht zitiert.)— [ Die bekannte kalifornische Schauspielerin Sau- d r y R a m b o erklärte, sie werde sich in den nächsten Tagen nach Genna begeben, um sick dort mit dem Prinzen B i s h n u zu vermählci:, welcher der dritte in. der Rcih.ufolgc der Prätendenten auf den Thron von Neapel ist. Prinz Biöhnu erklärte, als er bezüglich der Hochzeit befragt wurde, d a tz e s i h ui n i ch t e i n f a l I e. Fräulein Rambo zu heiraten. Die Schauspielerin erklärte aber, der Prinz müsse aus„staatlichen Gründen" die Vermählung in Abrede stellen. Fräulein Rancho erklärte weiter, datz sic sich ain 11. Feber nack Italien begeben werde. Die Tschechen in Wien. In Schwechat bei Wien lvurde Sonntag vormittags ein neuer tschechischer Kindergarten des Vereins Komenskh, der mit allen niodernen Errungenschaften ausgestattct ist und bereits heute 110 Kinder beherbergt, eröffnet. der Legationsrat der üsl. Borel Dohalökst, teil. „Der Wegweiser", das Rx. 82 Donnerstag, 8. Feier 193t Seit« S Begegnung in» Revel noi netii: Er Wesen hat seht etwas Geduck- i Ruck, wehr instinktiv als einer scharfen Wendung lang starren uns wie ge- I Weise die Milliardärstochter nicht an I Studenten bringen lau» Bon Hedwig Erik Jetzt hört die breite Chaussee auf. ES folgt ein schmaler Landweg; rechts und links hohe Büsche. Nur noch dieser Pfad und dann kommen die ersten Häuser. Aber dieser Pfad ist so schmal, daß zwei Menschen nicht nebeneinander gehen können. Ich mache den Versuch, ihn vorbeizulas- scn, aber er^bleibt stehen. Kalter Schweis; bricht aus~“ Musiker, Eintänzer ans andere den braven In diesem Falle hat allen Poren... Weiter! Weiter! Ich fühle, wie er folgt. Jetzt— hinter mir— ganz dicht— der Mann. So dicht diesmal, das; ich seinen keuchen- de», warinen Atem im Nacken spüre... Ich möchte schreien... und... da fange ich an, zu sprechen. Worte. Sinnlose Worte. Hastend, jagend, sich überstürzend. Ich frage nach seinen! Zuhause, tvarte keine Antlvort ab, erzähle von der Stadt, von mir, vom Theater... alles wirr durcheinander, wie es mir gerade in den Kopf kommt. Verspreche ihin Essen, Trinken... gleich sind wir ja bei mir angekomnienl Reden! Reden! Nur nicht aufhören! Reden, reden, reden, ganz einerlei, waS! Dicht nebeneinander gedrängt stolpern wir jetzt vorwärts. Und ihn immer mrsehend, ihn nicht auS den Augen lassend, seine Verwirrung auSnuhend, meine Augen fest in seine bohrend, kommen wir endlich, während die Füße mechanisch weiterhasten, zu Häusern... und Menschen... rmd Licht...! Ich fasse den Klingelzug. lind läute, läute... lang und anhaltend. Der Hund schlägt an. DaS elektrisch« Licht überflutet nnS grell. Ich atme auf, erlöst und befreit. Jetzt bin ich wieder Herr meiner selbst und betrachte meinen merkwürdigen Begleiter, scheint unschlüssig,^ob er nun gehen oder bleiben soll. Sein ganze"* tcS und ScheueS, wie ein geprügeltes Tier. Die großen, behaarten Hände drehen unaufhörlich eine schäbige, blaugrauc Mühe. Meine Wirtin öffnet die Tür. „Kommen Sie mit mir." Eine Weile steht er noch da, ängstlich, ungläubig. mißtrauisch.^Danu setzt er sich ungelenk im Hause ist mit plumper. schwerfälliger Studenten in deutschen Filmen leben meistens zu zweit in einem sehr schäbigen Zimmer und such nichtSdcstotvenigcr stets herrlich aufgelegt. Das Zinuncr ist gewöhnlich nicht so möbliert, wie Studentenbuden eS zu sein pflege», sondern ganz besonders ärmlich und schmuÄoS. Die notweichigen Möbelstücke und sonstigen Ein- richtungSgegcnstände werden durch krampfhaft originelle Atrappen ersetzt, wie man sie miS ältesten Chaplinfilmen kennt. Sanz besondere Lacherfolge werden erzielt, wenn man etwa eine Weckeruhr im Nachtgeschirr ertönen läßt.(Hundertfünszig Meter Großaufnahme dcS Nachttopfes aus vrschicdcnen Perspcl- tiven. Was Rcnöe Clair und Eisenstein können, kann unser gleichgeschalteter Regisseur noch allc- mal.) DaS Tagewerk beginnen richtige Filmstuden- ten mir einer kleinen Balgerei, die in freundschaftliche Ohrseigen auSmündet. Nachher lacht man sich gegenseitig an und gibt sich die Hände. Auf diese Weise erfährt da» Publikum, daß es nur Scherz war. Der Held dcS Stückes, wenn es einer der beiden Studenten ist, hat immer männlicher und mutiger zu wirken als sein Kollege. Dieser Zweite darf auch ruhig etwas vertrottelt sein. Humor und Gemüt genügen vollkommen. Einer der beiden muß des öfteren singen, tvcnn es nicht ratsam erscheint, das; beide es tun. Im Gesang muß von Liebe. Glück und Sorglosigkeit die Rede sein. Von Krise und Arbeitslosigkeit darf nur gesungen tverden, wenn von baldigen! Ende die Rede ist.(Es wird schon wieder bester...) Geld im Gesang erivähnt, wirkt geschmacklos, wenn nicht eindeutig aus dem Text hervorgcht. daß man es verachtet. Ettva so: „Was brauch ich Geld, wenn ich ein herziges Mädel(oder etwas anderes Nützliches) mein eigen nenn'." Studenten in deutschen Filnicn werden unter keinen Umständen von ihren Vätern auSgehaltcn. Sie verdienen ihr Geld prinzipiell allein. Sehr beliebte Jilmstudcnicnbcrufe sind Autolchrer, Erfinder oder ähnliches ist nur erlaubt. Iven» der Autor In diesem Stück hatte ich nur in den beiden I ersten Akten zu tun. So gegen zehn Uhr war ich also fertig. Es wohnten verschiedene Kollegen da draußen in der Siedlung; und gewöhnlich warteten wir auch aufeinander, um gemeinsam nach Hause zu gehen. DieSnial aber hatte ich mir vor- genonunen, noch zu arbeiten, und so ging ich allein. Ich Ivar völlig in Gedanken versunken, so daß ich erst ein ganzes Stück außerhalb der Stadt zuin Bewusstem der Stille ringS um mich her kam. ES war kalt, nebelig und schon ziemlich dunkel. Vereinzelte Laternen warfen merkwürdig bizarre, flackernde Schatten quer über die Straße. Man sah immer nur ein paar Schritte weit. „Klapp-klapp, klapp-klapp, klapp-klapp..." hallten meine Schritte durch die Stille. Da... WaS war das? Da hallte etwas mit!„Klapp-klapp, klapp-klapp... hinter mir. Manchmal ganz gleichmäßig, dann wieder aus dem Takt fallend und plötzlich... schneller. Schritte—l Mein Herz klopft unruhig. Unsinn! Das ist eben jemand, der zufällig denselben Weg hat. Wozu diese sinnlose Aufregung? Ich versuche, mich gewaltsam zu beruhigen: absichtlich verlangsame ich meine Schritte. Ich möchte ihn vorlasten. Cs ist immer angenehmer, ihn vor sich zu wistcn. Ihn? Wen? Woher weiß ich denn überhaupt, daß eS ein Mann ist? Kann doch ebenso eine Fran sein! Ich möchte inich umdrehen... aber vielleicht ist eS einer jener üblen „Kavaliere", die immer glauben, mit ihrer Gesellschaft angenehm zu sein. Dann könnt« daü Ilmdrehen als Aufforderung aufgefaßt werden. Ich versuche", über die Schulter hinweg, nach rückwärts zu schielen. ES ist ein Mann. Viel mehr kann ich nicht erkennen, denn der Nebel läßt alle Umristc ver- schwommen und unscharf erscheinen. Noch etwa zwanzig Schritte bis zur nächsten Laterne! „Klapp-klapp, llapp-klapp..Die Schritte hinter mir werden plötzlich schneller.„Klapp- klapp-tlnpp. klapp-klapp-klapp...!" Mir stockt Meine Wirtin ist etwas ub-rra;cht, faßt sich<,er Held leicht melancholisch zu wirken, aber schnell und fuhrt den sonderbaren Gast in die Küche. Mit aufgerissenen Mäulern ängstlich-neu gierigen Augen umstellen die Kinder den Frem- den."bis sie sortgejagt werden..Nur der Hund reibt nach kurzem Schnuppern seinen Kops ver traulich an der zerlumpten Hose dcö Mannes. Ohne«in Wort, ohne einen Gruß blickt er scheu und müde vor sich hin. Was er zu essen bekonunt. verschlingt er gierig und heißhungrig. Sein Gesicht bleibt aus druckslos und stumpf. DaS letzte Stück Brot schiebt er in seine Tasche. Dann steht er wortlos auf. Wieder, wie bei seinem Eintritt, dieser merkwürdig scheue, mißtrauische Blick im Kreise herum; und dann tappt er ohne Gruß wortlos zur Tür. Dort scheint er sich plötzlich zu besinnen, kommt zwei, drei Schritte zurück, bückt sich lang- sam und streichelt"?,~ Bewegung über den Rücken des HuudeS; richtet sehen, daß echier sich langsam auf und geht. Knackend fällt die Tür inS Schloß. Eine Woche später klebt an der Litfaßsäule| vor dem Theatercingang dieser Steckbrief: 500 Mark Belohnung! Einbruchdiebstabl In der Nacht vom 5. zum 6. Jänner wurde in der Gastwirtschaft„zum Mühlen- krng", Mühlenstr. 2, ein Einbruch verübt. Der Täterschaft dringend verdächtig ist der unten abgebildete arbeitslose polnische Landarbeiter Josef Kowalski. Zweckdienlich« Angaben, die zu seiner Er greifung führen usw.... Und aus dem Foto auf dem roten Zettel starren mir die stumpfen ausdruckslosen Augen meines Gastes entgegen... der Atem. Meine Kehle ist wie zugeschnürt. Ganz» und schtversällig in Bewegung; dicht hinter mir, fühle ich, geht es jetzt! Meine| ggnnnc und Licht. Nerven sind gespannt bis zum Zerreißen. Da... mit einem bewußt, mache ich mit kehrt. Emen Augenblick bannt in die Augen. ..• Er saßt sich zuerst:„Können sie... mir sa ge». loo... die... nächste Herberge ist?""Seine Stimme hat einen fremdartigen Tonfall und klingt heiser. AuS einem flachen, unhcinilichen Gesicht voller Stoppeln starren zwei stumpfe, ausdrucks lose Augen. An der lnrzen, gedrungenen Gestalt hängen Fetzen von Kleidungsstücken. In meinem Kopf jagen sich die Gedanken. Menschen! Wenn doch bloß Menschen kämen...! Meine Augen irren verzweifelt umher. Nichts. Dunkel. Weit und breit Stille. Bis zum nächsten Gasthaus sind's minde stens fünfhundert Meter; dort beginnt auch die Siedlung. Linsen? Unsinn. Wie weit würde ich kommen? Ich reiße mich zusammen:„Die näch ste Herberge ist in der Stadt, dort hinunter," Die Augen starren tveiter ausdruckslos.„Ich... habe... seit ztvci Tagen... nichts mehr geges sen." Es ist zu gewagt, meine Tasche zu öffnen, so überlege ich schnell; sie enthält eine halbe Mo- uatSgage.„Ich habe leider nichts bei mir." Drückende Pause. Meine Knie schlottern und meine Füße sind schwer wie Blei. Aber wir können doch hier nicht ewig stehen bleiben. Mein Herz hämmert. Unter Aufbietung aller Kräfte gehe ich weiter:„Klapp- klapp. Napp-klapp, klapp-klapp..." Und neben mir jetzt:.Mapp-klapp, klapp- klapp...", der Mminl Meine Füße arbeiten mechanisch wie Automaten.„Klapp-klapp, klapp- klapp. klapp-klapp..."" hallt eS im Doppeltakt durch die Nacht. Die Studenten haben die Pflicht, nicht nur monatelang die Miete schuldig zu bleiben, sondern sie haben darüber hinaus der unsiimvathischen Vermieterin(Zimmervermicterin haben iminec unsympalhtisch zu sein) mit geistreichen Tricks größere Summen zu entlehnen. Von Rückzahlung hat in einem seriösen Film nicht die Rede zu sein. Die Shmpathicn des Publikums tverden immer ans feiten der feschen jungen Leute sein. Ein herrlich sitzender Frack ist unerläßlichstes Requisit des Filmstudenten. Sollte ec sich so weit vergesten. als einfacher Arbeiter tätig zu sein, dann hat die Arbeitskleidung wie ans der Schachtel geholt zu wirlen. Das Publilnm muß immer merken, daß er eigentlich etwas Besseres ist und mehr auS Jur als aus Notwendigkeit arbeitet. Dem Helden ist in allen Lebenslagen anzu A.-Geist in seinen Knochen steckt und daß cs weniger aufs Studieren als auf die Forschheit ankommt. Der Held hat auch zum Schluß die Milliardärstochter zu kriegen, die er eigentlich für ein armes Mädel hielt. Er hat sich mit Anstand und Humor mit den peinlichen Millionen des I Schwiegervaters abzufinden. Dec Kollege des Helden niniuit mit etwas geringerem, etwa der Gesellschafterin vorlieb und hat heilfroh zu sein, daß sie wenigstens nicht so ekelhaft reich ist. In diesem Falle sind die gesellschaftlichen und sozialen llnterschiedc bei beiden Paaren als nicht vorhanden zu betrachten. Der gutherzige, schwerreiche Schwiegervater wird schon für das leibliche Wohl der Paare sorgen. Für das geistige tut eö der WchrkrciSpsarrer. Dcdit und Gcreditlgkclt Im Dritten Rcidi Weg mll der Objektivität Ich danke meinem Schöpfer, daß ich nicht t«iß, was Objektivität ist... Rust nicht so viel nach Gerechtigkeit, es könnte sonst eine Gerechtigkeit geben, die in den Sternen steht und nicht in euren Paragraphen Ministerpräsident Goering in Essen, 10. März 1288. Der Jurist darf nicht mehr der„objektive -lichter" sein, der nur nach Paragraphen geht wid selbst dem Marxismus und dem Pazifismus sein Recht geben will. Der Richter muß sich vielmehr in das Erlebnis der Gesamtheit und das Fronterlebniü hineinstellen. Antrittsrede des neuen Breslauer Ober- landeSgerichtSpräsidenten Dr. Herwegen, 21. Juni 1088. Die Gegner vogellrel Schon heute muß der mutige Richter den Angeklagten s r e i s p r c ch c n, d e r a uS nationalen Gründen Totschlag oder Körperverletzung begangen hat... Der nationale Zweck lmm eine Reihe von Handlungen bestimnien. Körperverletzungen, Freiheitsberaubungen, Tötungen sind als Kampfhandlungen die nächstliegenden, die hierher zu rechnen sind... Der innere Feind verfiel bei unseren Altvordern der Acht und wurde ehrlos, rechtlos und ftiedlos, vogelfrei; jeder Volksgenosse konnte ihn offen erschlagen. Landgerichtspräsident Dr. Dietrich in der„Deutschen Juristenzeitung", 1. Juni 1088. üasserecht Deutsches Recht wird in Zukunft Rasterccht sein. ReichSjusrizkommistär Dr. Frank auf dem Leipziger Juristentag. Oie befreiten Verbrecher ... daß die in der Nacht vom 8. zum 10. Mrz befreiten Häftlinge der NSDAP, nicht wieder in die Gefängnisse zurückgebracht werden, da die Würde und der Anstand der deutschen Justiz die Freiheit der FreihcitSlämpser Adolf Hitlers erfordern. Justizkommistär Dr. Frank in den Richtlinien seiner AmtSfühnmg. Arbeltermörder— Ehrengäste In einer Ehreirreihe vor der Front der SA- Männer standen unter anderii äuch brei ter V o t e m p a- M ö r d c r, die seinerzeit" von dem Sondergcricht lwcgcu der bestialischen Ermordung eines Landarbeiters. Anm. d. Red.) zum Tode verurteilt, aber sofort beim Regierungsantritt Adolf Hitlers von diesem auf freien Fuß gesetzt worden waren. Ats der Reichspräsident die Ekk-Front abschritt, fiel sein Blick auf diese Männer. AuS dem Bericht über die Reichstags» cröffnung in Potsdam, 21. März 1033. Air sind stolz daraus, daß diese Männer der Tar wieder zwischen uns weilen... Wir graben unö die Namen dieser Männer in unser Gedächtnis ei», wissend, daß die Geschichte einst diese Tat als noch bedeutender hinstcllen wird, als lvir sic heute schon zu sehen vermögen. Bericht der badischen Zeitung„Der Führer" vom 9. September 1V83 über die Heimkehr der von Hitler begnadigten Erzberger-Mördcr Schulz und Tilleffen. Aufforderung zu weiteren„Taten“ Polizeibcamte, die in Ausübung dieser Pflichten von der Schußwaffe gegen staatsfeindliche Elemente Gebrauch niachen, werden ohne Rücksicht auf die Folgen von rnir gedeckt. Polizeierlaß G o e r i n g S vom 20. Feber 1088. Nur Halenkrruzler in die Krankenkassen! Zur Neuordnung der Krankenversicherung hat, wie das BDZ.-Büro meldet, der Ncichöarbeitsministcr eine weitere Verordnung crlasten. Sie behand'lt die Voraussetzungen, unter denen ein Angestellter bei einer Krankenkastc angestellt oder befördert werden kann. Die Voraussetzung ist jeweils eine besondere Prüfung, die in einem schriftlichen und in einem mündlichen Teil zerfällt. Gegenstand der Prüfung muß außer den allgemeinen und sachlichen Keuntniüen auch die Staatsbürgerkunde sN a t i o»al sozial i st i s ch e W.e l t- a n s ch a u u n g) sowie die Rassenkunde, Rassen- und Erbgesundhettöpflege sein. Die Krankenkassen haben Vorkehrungen zu treffen, daß alle Beamten, Angestellten und Arbeiter, auch soweit sie keine Prüfuno abzulcgen haben, in Staatsbürgerkunde, Rassen künde, Rasten- und Erb-, gcsuiifhcitsvflege di« nötigen Kenntnisse erhalten. Der Methusalem von Puerto Nie». Anierika- nstchen Blättermeldungen zufolge starb am Sonntag der älteste Einwohner auf der Insel Puerto Rico, der Fanuer Gregerto Torres, im Alter von 114 Jahren. Torres arbeitete während seines ganzen Lebens allein auf seiner Farm und erkrankte erst einige wenige Tage vor seinem Tode. Der Verstorbene hinterläßt insgesamt 800 Söhne, Enkel und Urenkel Strahe»schlacht i» rinn» bulgarischen Dorfe. Infolge Verbotes einer Wahlversammlung der unabhängigen Arbeiterpartei durch die Polizei kam eS in dem bulgarischen Dorfe K o n a r e bei Plowdilvo zn einem blutigen Zusammenstoß zwischen etwa 600 Kommunisten und einer Polizei- patroujlle. Bei dem entstandenen Feuergefecht wurden 5 Zivilisten und 4 Wachleute, davon einige schluer, verletzt. 17 Kommunisten wurden verhaftet. NIMM M WM Fleischpreise steigen! Wegen Drosselung der Einfuhr Am Montag-Markt sind die Preise für ausländische Fcttschtveine neuerlich stark gestiegen. Für Bakonher wurden bis 8 X£ gezahlt, gegenüber 7.50 Ke in der Vorwoche. Für Rohspeck 11.60 XL, gegenüber 10.70. Nur inländische Schweine sind toller um v Heller billiger geworden." Man bezahlte hicfür 5.40 gegen 5.45 XL. Ein Preisvergleich gegenüber den Notierungen von Anfang Dezember ergibt folgendes Bild. Damals kosteten Bakonher 0.80 XL, also eine Preissteigerung von 1.20 XL, Rohspeck 0.60 XL, also eine Verteuerung um 2 XL und Jnlandsschlveine ü XL, also eine Ermäßigung um 60 Heller. Die Preissteigerung für ausländische Schweine und Rohspeck ist zum größten Teil auf die geringe» Importe zurückzuführen. Die Agrarier verhindern die Einfuhr größerer Mengen ausländischer Schweine. Sie haben den Bauern eingcrcdet, daß die Schweineeinfuhr Schuld sei an den schlechten Preisen für Jnlandsschlveine. Daß dies unrichtig ist, haben wir wiederholt dargclegt und beweisen schlagend dies neuerlich die obigen Ziffern. Die g e- ringeSch wein«ein fuhr aus dem Auslande verursachtehohcPreise, konnte aber nicht verhindern,daß d i e P r e i s e für d i e I n l a n d s ch w e t n c zurückgeganqcn sind. Den Erfolg haben nur die ausländischen Schweine-Exporteure, die für ihre Ware mehr bezahlt belominen, als sie bezahlt erhielten, tvcnn größere Schlvcinemeiigen importiert werden könnten. Zu den Leidtragenden der Einfuhrbeschränkungen gehört die ganze Volkswirtschaft. Je weniger Schweine wir importieren können, desto weniger können wir Jndustriecrzeug- nisse exportieren. Eß« umstrittenes Pergament— die Sinai-Bibel Für 100.000 Pfund hat die Sowjetregif- ruug eine der ältesten Bibelhandschriftcn, den Codex Sinaiticus, nach England verkauft, wo das Pergament im Britischen Museum untcrgcbracht ist. Nun erhebt aber der Erzbischof Porphhrius vom Sinai die Forderung, daß der Codex dem Kloster auf dieser Halbinsel zurückgegeben werde, weil er einst dort gestohlen tvorden sei, und ztvac durch Tischcndors. der den Schatz dein Zaren Alexander ll. zum Geschenk gemacht hat. Das Britische Museum aber führt eben diesen Tischcndors al» Zeugen dafür an, daß die früheren Besitzer deS Codex ihn freiwillig hergcgcben haben. 1871 ist nämlich ein Buch Tischcndorss „Die Sinai-Bibel" in deutscher Sprache erschienen, und darin heißt eö:„Nachdem>869 der neue Erzbischof Kallistratos von der Hohen Pforte und der Negierung Aegypten formell anerkannt worden war, haben der Erzbischof und die Väter der Klöster von Kairo und von St. Katharina den Code dem russischen Botschafter in Konstantinopel, Jgnatieff. für seinen Souverain geschenkt und damals ist die Sinai-Bibel nach der türkischen Hauptstadt und" auf die russische Boischasl gebracht worden". Ceüe 6 „Sozialdemokrat" DmmerStag, 8. Fever 1934 PRAfigft ZEIffig Eine Sensation Prager Elektrische und Badeorte. Einer der Leser der„Prager Zeitung" hat mir eine Nachricht übermittelt, die geeignet ist, alle Mordaffären in Prag, die in der letzten Zeit geschehen sind— von der Auffindung einer Leiche in einem Koffer der Strecke Prag—Preßburg bis zu dem Mord an dem Kutscher in Straönicc— in den Schatten zu stellen. Er behauptet nämlich nichts weniger als etwas, wodurch man sich des Vergehens der Ehrcnbcleidigung oder des Verbrechens der Verleumdung schuldig macht, ivenn inan davon spricht, er beschuldigt die Vcrivaltnng der löblichen städtischen Straßenbahnen— in geheimer Verbindung zu den Kurorten der Tschechoslowakischen Republik zu stehen. Die Velebung der Kurorte ist etil für den Staat und unsere Boltswirtschaft außerordentlich bedeutsames Problcin und tausende von Geschäftsleuten und Proletariern ivcrden jedem dankbar sein, der einen größeren Strom von Kurgästen in unsere Badeorte leitet. Die Verwaltung der Elektrischen Bahnen unterstützt nun in wahrhaft großzügiger Weise, die heimischen Kurorte durch zwei Maßnahmen, die streng und lonsegucnt durchgeführt ivcrden. Diese bestehen darin, daß l. die Wagen im Winter nickt geheizt werden, und wenn die Temperatur bis auf dreißig Grad unter Null sinlen sollte. Da man aber befürchtet, daß die Fahrgäste anck dann nicht das Zipperlein kriegen, werde» ohne Rücksicht auf die Jahreszeit lcicktcr gebaute, luftigere Wagen verwendet, in welchen die Passagiere auf eine Temperatur hcrnntergcbracht Iverden sollen, der die stärkste Konstitution nicht widersteht. Infolge dieser tvcisen Maßnahmen, für tvclche die Mitglieder des VerwaltnngSrateS der Elektrischen llniernrlnnnngen der Stadt Prag zu Ehrenbürgern von Teplitz-Schönau, Ppstian und einigen anderen Kurorten ernannt tvcrdcn sollen — in Tcplitz wartet man nur auf die Einsetzung des neuen Bürgermeisters— haben einige hundert Leute in Prag Gicht und Rheuma bekommen und sind auf diese eigentlich angenehme und durchaus nicht brutale Weise zu lünftigcn, und ztvar dauernden Kurgästen gemacht worden. Sollten die zwei oben erwähnten Maßnahmen nicht zum Ziele führen, lvaS aus der Knr- ortestatistit der künftigen Saison ersichtlich werden wird, so stehen der Städtischen Straßenbahn noch drastischere Mittel zur Verfügung, die bis zu der natürlichen Grenze angetvandt werden sollen, tvelche dadurch gegeben ist, daß eine größere Sterblichkeit unter den Fahrgästen der Straßenbahn die Bilanz des mir ans Herzen gewachsenen Unternehmens gefährden würde. E. St. Ter llebrrsall ans den Trafikanten Blaha. Wie lvir bereits gestern meldeten, wurde in der Nacht vom,DicnStag zum Mittivoch der Trafikant Franz Blaha in seiner Trafik in Radlice von einem Mann und einer Frau überfallen, die ihn mitderWafflbedrohten. Auf G rund der von der Fran verlorenen Photographie gelang eS, bereits gestern die Angreifer zu verhaften. ES handelt sich um einen ge- ivissen Jaroslav S o u d n h und seine Geliebte, die M a t u ö o v ä heißt. Gcrlchlssaal Tragödie einer„ledigen Mutter" Tns Kind getötet— um der Moral willen. Prag, 7. Feber. Der Herr Staatsanwalt be- sckwor heute in seinem Plädoher die Geschworenen, sich nicht von„falschem Mitleid zu unangebrachter Milde verleiten zu lassen". Die Geschworenen beantworteten seine feurige Anklagerede mit einem e i n st i m m i g e. n F r e i s v r u ch der Angeklagten, des 22jährigen Dienstmädchens Marie Mly- n a k i t. Tie Anklage lautete ans das Verbrechen des Mordes am eigenen Kind. Der Sachverhalt ist einfach genug. Am 8. Juli gebar die Angeklagte in der Gebäranstalt ein Kind. Am 16. Juli wurde sie entlassen und warf den Säugling noch am Abend des gleichen Tages in die Moldau. Der Herr Staatsanwalt äußerte in seinem Plä- dover die Meinung, daß heute genug soziale Institutionen bestünden, wo das Kind hätte untergebracht Iverden können, so daß eigentlich kein vernünftiger Grund vorlag, der die Mutter zur Tötung ihre? Kindes gezwungen batte. Ter Herr Staatsanwalt bat in dem Punkte reckt, daß es kein vernünftiger Grund war, der diese furchtbare Tat veranlaßte. Das anne Mädel stammt aus einer kleinen Bauerngegend. Sie lonßte, daß ein uneheliches Kind sie für alle Zeiten aus der Familien- und Sippeugemeinschaft ausgeschlossen hätte. Sie tötete also um der lieben Moral willen ihr Kind. WaS dock sickerlick kein gottgefälliges Beginnen ist, wobl auch nickt einmal in de» Augen jener.christlicken" Journalisten, die bei jeder Gelegenheit nach dem Henker rufen. Die Angeklagte bot einen erbarmungswürdigen Anblick. Sie weinte nnansgcsetzt und eben diese, sicher nngehcuchelten, Tränen einer Mutter, die im Namen der I.iligen Moral ihr Kind getötet hat, bewogen den Herrn SiaatSanwalt zu seinem Appell an die Geschworenen, sich dock» ja nicht zu menschlichen Rücksichten bewegen zu lassen. Eine arniseiige Episode lvnrde über Gebühr breitgetrcten. Das arme. Mädel hat nach der Verhaftung aufs Geratewohl irgend einen ihr gerade einfalleudcn Namen als den ihres Verführer- angegeben. Zufälligerweise traf dieser fingjerte Name auf einem gewissen Bürger zu, der das siebzigste Lebensjahr längst überschritten. hat und zudem sein Alibi in der kritischen Zeit einwandfrei nachweisen konnte. Ter richtige Kindesvater entpuppte sich als ein gewisser Soldat. Aber da- ist für diese Sache schließlich bedeutungslos. Es scheint, daß die Gescklvorenen sich der Erkenntnis nick» verschlossen, daß hier ein armer Mensch von Vorurteil und moralischeni Aberglauben geradezu in? Verbrechen gebeht wurde. Der Freispruch der Angeklagten erfolgte, wie erwähnt, e i n st i ni- m i g. Ten Vorsitz der Verhandlung führte OGR. S>s k o r a, die Anklage vertrat Staatsanwalt Dr. S t i b r a l. rb. Sport• Spiel• Körperpflege Ein staatliches Sportkollegium in Oesterreich Seit einem Jahre spukte in Oesterreich infolge der Nazipropaganda in den bürgerlichen Sportvereinen der Rus nach einem staatlichen Sportkommissär. Nach einem ziemlichen Durcheinander in der bürgerlichen Sportbewegung ist man später von der Bestellung eine? Kommissärs abgekommen. Als sich ivahr- fcheinlick die streitenden Gruppen nicht einigen konnten. Nunmehr wurde ein Sportkolleginm ernannt, dem Professor Preis vom Turnbund, der bisherige Referent für körperliche Erziehung im llnterricktsiinni- sterium, angchört, weiter Herr Wratschil, Vorsitzender der bürgerlichen Leichtathleten(806 Mitglieder). Herr Klojsp vom Rudcrvcrbaud(200—000 Mitglieder), Herr Kinzl vom Tcnniösvort und der bekannte Turnprosessor Slama. Der bekannte Skilehrer Schneider(Arlberg) hat seine Ernennung nicht anerkannt. Er bcsürchtet„Gcsck>nt,r"störunncn. Die st ä r k st c Turn- und Sportorganisation, den A s l ö, hat man nicrkwürdigcrweise nicht berücksichtigt. Wohl schreibt man ossizicll, daß gegen die Verbände nichts unternommen werden soll und ein großes Forum, in dem auch die Verbände vertreten sind, geschaffen wird. Den letzten Anlaß zur > raschen Schaffung des Svorltollegiums gaben wahr- scheinlich die Ereignisse in I n n S b r u ck, wo die N a z i eine offizielle Sportveranstaltung gründlich für ihre politischen Zwecke auSniitzlen. Ob mit dem Numvssportkollegium den österreichischen Leibesübungen und dem Sport gedient wird, kann man bezweifeln. I Der A s k ö leilte seinen Verbandsvereinen mit. I daß die Organisotionsverhältnisie des österreichischen Arbeitersportes durch die Ernennung der Sportkonsulenten nicht berührt werden. Für alle Arbeiter- Sportvereine in Oesterreich gelten weiterhin die Be- stimmnngcn und Beschlüsse der Arbeitersportverbände und de? Askö. Zu der von den bürgerlichen Plättern ange- denicten Einführung der Staatsmeisterschaf! liegen Vorschläge von den Behörden bis jetzt nicht vor. Der Askö und die Verbände Iverden, wenn Vorschläge erfolgen, hiezu Stellung nehmen. 35 Jahre A.bö Der Arbeiter rad-undKraftfah- re rbundOesterreichS feiert in diesem Jahr seinen fünsunddreißigjährigen Bestand. Im GründnngSjahr 1809 umfaßte er an zweitausend Mitglieder. Bis zum Jahre 1014 stieg die Mitgliederzahk auf 12.000. In der Nachkriegszeit kam der Arbö auf mehr als 20.000 Mitglieder, die er auch bis jetzt behauptete. Der ebenso große Arbeitcrrad- und Kraftfahrerbund in der Tschechoslowakei entstand aus den Teilen des alten Verbandes. Vor acht Jahren entstand die Motorfahrersektion, die-1000 Mitglieder umfaßt. Der schönste Er- fokg der letzten Jahre war, daß auch die sportfrcndigc Jugend zu ihrem Recht lam. Früher einmal gab eS bei den Arbeiterradsahrern keinen Sportbetrieb, heute find sie im Straßenrennfahren und im Saalsport in Oesterreich führend. Kunst und Wissen Tie nordmährische Städtebühne(Dir. Karl S ch r o t h) brachte als Höhepunkt der bisherigen Spielzeit eine„F a n st"-Inszenierung bei ausver- kanften Häusern. Dieser„Faust" wird in den nächsten Wochen in allen nordmührischen Städten aufge- sührt werden. Im dritten Abonnement-Konzert der Mozart- gemeinde, lvelcheS am 12. d. M., im Smctanasaal> stattfindet, wird das Cembalo, welches von Paris nach Prag gesandt wurde, die Virtuosin Wanda L a n d o w s k a spielen. Äüochcnspirlplnn des Reuen Deutsche» TheaterS. Donnerstag halb 8 Uhr:„Zn ebener Erde und erster Stock", neuinszeniert, C 2.— Freitag 7J/J: Figaros Hochzeit, CykluS IV, DI.— SamSiag 8: Wallen st eins Tod, Schülervorstellung, 8: Zn ebener Erde und e r st e r Stock. Ä 2. Wochenspirlplan der Kleinen Bühne. Donnerstag halb 8 Uhr:.„Katz im Sack".— Freitag 8 i Ilhr:„Andere Seite"(auch freier Verkauf), Kulturverbandsfrennde.— Samstag 8 Uhr: a tz! im Sack". Literatur '„Geburt des Dritten Reiches." Von K o n r a d j Heiden. Europa-Verlag, Zürich. Der durch sein in den letzten Wochen vor Hitlers Machtantritt erschie-1 neues Buch„Karriere einer Idee.— Geschichte des Na tionalfozialiSmuS" bekannt gewordene Verfasicr gibt hier an der Hand eines ausgezeichnet gesichtete» und formvollendet gestalteten Materials eine Fortsetzung zu dem genannten Werke, in der er darzulegen bemüht ist, Ivie der Nationalsozialismus zur Macht gelangen konnte und lvic sich diese Ausübung der Macht vollzieht. Selbstverständlich verabscheut auch er, dessen erstes Buch zur Ehre einer höheren Geistigkeit und Menschlichkeit, als sie das Merkzeichen des braunen Hunnentmns sind, auf den Nazi- Scheiterhaufen im illiärz verbrannt wurde, das Hitlerregime aus voller Seele, um so bewundernswerter ist. daß er sich bei der Niederschreibung seines neuen Buches nicht von blinder Leidenschaft leiten läßt, sondern den Gegner so zu sehen sich bestrebt, wie er ist. tvas der Gckamiwirknng des Werkes keineswegs abträglich ist. Wenn er die besonderen demagogischen Fähigkciien der Führer des Nationalsozialismus anerkennt und gewisse ihrer Begabungen feststellt, so durchschaut er sie auch und sagt von ihnen: „Der Kern der Partei dagegen, die so rührend gepriesene alte Garde, besieht doch vielfach aus geflickten Halbnatnren, Versagern, die sich seit Jahren I im Leben nickt zurechtsinden. Ganz- oder Halb- Orolilierzog und Gefreiter Hitlers Dank an Hindenburg In dem hpsterischen Gekeife Hitlers am vorigen Dienstag heißt cs auch, daß der„hoch, ehrwürdige" Reichspräsident in wahrer G r o ß- herzigleit den Gefreiten Hitler trotz allein Vorhergcgangenen zum Reichskanzler crnaim! habe. Das Vorangcgangenc Ivar dieses: Hindenburg war 1028 zwar auch von den Nazis in der Stichwahl gewählt worden, aber seither hatten sie ihn wüst beschimpft und er war aus sie auch wegen jener Methoden schlecht zu sprechen, die sic jetzt in Oesterreich anwenden, wie vorher in Deutschland. Als nun Brüning im Frühjahr 1082 Hitler zu Hindenburg brachte, damit der Feldmarschall dem Gefreiten die Gegenkandidat»! auürcde, überfiel Hitler den Greis mit einer ein- stündigen Rede voll der bekannten Erlöscrphra- sen. Hindenburg sagte unmittelbar nachher:„Ra, der Mann kann doch weder Reichspräsident noch auch nur Reichskanzler werden." Noch einmal erschien Hitler auf Beireibe» der Kamarilla, 1032 bei Hindenburg. Dec fragte ihn, ob er eine gute Reise von München gehabt habe. Hitler erwiderte, er sei geflogen. Daraus Hindenburg, langsam und nach Ucbcrlegnng:„Ja, geflogen bin ich auch einmal im Kriege. Haben Sie einen guten Flug gehabt?" Hitler antwortete der Exzellenz mit gehorsamstem Dank. Dann wurde er noch gefragt, wie es ihm sonst gehe und mit der ergebensten Antwort lvar die Audienz zu Ende. Hitler fuhr im Mercedes wieder hinüber zum Hotel Kaiserhof und stürzte zu seinen Komplizen ins Zimmer mit dem verzweifelten Ausruf:„Mit dein alten E... kann ma ja überhaupt nicht reden!" Die Vorsehung und die Kamarilla haben rS ja schließlich doch anders gefugt. pathologischen. ES lvar eine ausgesprochene Auslese der Mindcrwcriigcn. Tas Führerprinzip führt(dar Personal der ItTDAP bclvcist eS) zur Auslese nickt nur nach der sachlichen Eignung, sondern nach dec persönlichen Ergebenheit gegen den, Führer." Tie Aufgaben gegenüber dem NarioualsozialismuS saßi Konrad Heiden so zusamnien: „Ter FasciSmuS hat auf die Dauer nur die Wahl zwischen Armut und Krieg. Beides,wird ib» vernichten. Wir wollen wünschen, daß sein Unheil den ersten Weg nimmt, aber auch aus den zlveiün gefaßt sein. Jeder, der die Freiheit liebt, hat dazu beizutragen, daß das Ende des FasciSmuS nicht das Ende, sondern der Beginn Europas werde. Dieses Europa muß, Ivenn sein Tag in der Geschichte mibricht, in unseren Herzen und unsere» Köpfen fertig sein. Bis dahin aber haben wir uy- so zu verhalten daß ein kommendes Geschleckt beii unS wird sagen können: Ihr Leben war, doch schön. Sie durften für die Freiheit kämpfen, die wir nun genießen.. Daß das deutsche Proleiariat kampflos in die Hände der braunen Tprmuien geriet, scknierzt Konrad Heide» eben so tief, wie viele andere und das verleitet ihn zu Unrecht zu manchem harten Wort. Doch abgesehen von diesen, die damals gegebenen Bcrhälinisis nickt richtig eiuzuschätzcnden Stellen des Buches, kann dieses als eines der besten und wertvollsten unter den Neuerscheinungen auf' dem Büchermärkte bezeichnet werden.—r. Hodhfeyüler, Stenograph, Niaschinenschreiber, für täglich zweistündige Beschäftigung gesucht. Zuschriften„C. E. R." an die Administration. 228t Verlanget überall Volkszünder 3287 Arveiter Konfumveretn«odeavE Schmerzgebeugt habe« wir in schlichter lmd würdiger Weise die sterblichen Überreste unseres unvergeßlicheil Obnlannes und Geschäftsführers 0 s d i»gungen: Bei Zustellung tnS HauS oder bet Bezug durch die Post monatlich Ki 10.—, vierteljährig KC 48.—, halbjährig Ki SS.—, ganzjährig Kö 102.—.— Inserate werden laut Tarif «an verecknet Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Rewurniarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaß M. 13.800/VH/1980 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. Franz KnovloG am 5. Feber d. I. in Brüx den verzehrenden reinen Flammen übergeben. All den vielen Organisationen, Körperschaften und Einzelpersonen aus nah mrd fern, die auf irgend eine Weise klns ihr Mitgefiihl zum schier unersetzlichen Verluste ausdrückten, besonders jenen, die an der Einttscherungsfeierlichkeit sowie an der Trauer- kundgebllng in Bodenbach teilnahmen, sei hiemit der innigste Dank ausgesprochen. In seinen Werken wird der gute Geist des Verewigten fortleben. Der Vorstand und VussteHtdrat.