14. Jahrgang Freitag, g. Feber 1934 Nr. 33 HnzelfttU 70 Hiller (•Jn>chU«Wch 5 Heller Farto) IE NTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAO TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova m. telefon sjozz. Administration telefon swt. HERAUSGEBER. SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR. WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Ufi£n Ain Pulverfass) bis Mse rollen. W M M WWW W MW W M MW D W MM WM WM M Ban der Lubbe hingerichtet! Peter WWWD Strand in Oesterreich an den Galgen gekniipt. In Köln starben unter deinHenkcrSbcil sechs kommuni- stische Arbeiter. Im Ländchen Anhalt wurde» noch dreißig Jahren zwei Hinrichtungen an Kommunisten vollzogen. Anü allen Teile» Deutschlands meldet der anitlichc deutsche Nack- Große Polizeiaktion gegen das Parteihaus/ Ergebnislose Waffensuche Plant Fey einen Sturm auf das Rathaus 9 Wien, 8. Feber. sEigenbericht.) Während Bundeskanzler Dollfuß bei politischen I Besprechungen in Budapest weilt, hat Vizekanzler Fen heute in Wien und auch in der Provinz unter großem Aufgebot von Polizei und Militär eine Waffensnche in soziaidemokra tischen Parteihäusera und Organisationen vornehme« lasse«, die allerdings vollkommen ergebnislos geblieben ist. Sturmabteilungen der Wiener Polizei, die bis an di« Zähne bewaffnet waren, bc- sehte« hrnte vormittags«m acht Uhr das Parteihau» in der Rechten Wienzeile, wo die„Arbeiter-Zeitung" und dav Parteisekretariat«ntergebracht find, sperrte« die ganze Umgebung ab»ud«ahme« eine HanSsnchnng«ach Waffe» vor. In der Redaktion der„Arbeiter-Zeitung" wurde» sämtliche Schreibtische durch- wühlt und nach Dokumente« gefacht. Um halb 3 Uhr nachmittags mußte die Polizei ergebnislos abziehe«. Um 6 Uhr abends kamen zumz weitenmal starke Polizeiabteilnngen, die die Waffensnche im Parteihaus fortsehten. Auch jetzt wurde nichts gefunden. Die zweite Hanö-! suchnng dauerte bis 9 Uhr abends. Dan» ließ die Polizei eiue starke Wache im Hans zurück, die die Rächt über dort bleibe« soll,»ud kündete gn, daß die Aktion morgen fortgesetzt werden wird. Alle Anzeichen deute« darauf hi», daß eS sich hier»m einen entscheidenden Endschlag gegen die Arbeiter-Organisationen handeln soll. Es wird in de« Abendstunde« auch bekaant, i daß die Regierung alle Barbereitunge« für eine AktiougegeudaSWirnerRat- h a« s bereits getroffen hat und zu« Schlag bereit ist.,- Ei« amtliches Kommunique, daS in de« Abendstunde« anSgegcbcn wurde, läßt über die weitere» Pläne der Regierung kaum eine» Zweifel. Obwohl heute alle Waffensnchen vollkommeuergebniSloS gebliebeu find, wird in diesem Kommuniqus auf eine Waffensnche in Schwechat hingewirse», die bereits vor längerer Zeit stattgefundea hat. Bei dieser Waffeus»che wurde«, wie die Regierung mitteile» laßt, eiue Anzahl vou Sprengkörper» und Waffe« gefunden. Die Partei zum offenen Widerstand gerüstet! Die sozialdemokratische Partei erklärt dazu, daß sie wiederholt im Parlament und in der Oefsentlichkeit die Erklärung abgegeben hat, daß die österreichische Arbeiterschaft b e« waffuet ist»ud bewaffnet sei« m»ß angesichts der Tatsache, daß die Fascisten, dir Monarchisteu, die Heimwehr«ud die Razi iu Oesterreich bis a n die Zäh nein Waffen st ecke« und bereit find, die Republik zu zerstören. Die Arbeiter können unter diese« Umständen nicht darauf verzichte«, für Waffen vor- znsorgen, da eS vielleicht notwendig sein wird, den Bestand der Republik und ihre Unabhängigkeit m i t de« Waffe« zu verteidige». Die Mitteilung der Regierung schließt sehr deutlich mit einer Warnnug an die Ar- bntrrschaft, worin darauf hiugewiesen wird, daß die Regierung sich mit dem Plan trägt, eiue jener Aktionen zu setzen, die die Sozialdemokratie, wir sie bereits ei«de«tig erklärt hat, mit dem Generalstreik und dem offene« Widerstand beantworten würde. Wien macht auch sonst den Eindruck einer Stadt, i« der sich entscheidende Aktionen vorbereite». Im Laufe des heutige» Nachmittags wurde ans der Umgebung Gendarmerie nach Wien zusammengezoge». Die Wachposten wurden aus den Straße» zurückgezogen«nd in de« Polizeiwachstubru und Kasernen konzentriert. Auch die gesamte Wiener Garaiso« des Bundesheereö ist in de» Kaserne» konsigniert. Ma» hat allgemei« den Eindruck, daß entscheidende Tage»nd Stunden bevorstehe«. Die Negierung Dollfuß hat eS» wie man jetzt deutlich sieht, darauf angelegt, ihre f a s e i st i- scheu Totalitätspläne auf Biegen oder Brechen durchzusrtzen. Die Altionrn der Heimwehr in beit österreichischen Bundesländern waren ein Vorspiel, das der österreichischen Regierung den willkommenen Anlaß zu ihren Plänen gibt. Der Bundeskanzler Dollfuß ist gestern nach Budapest gereist«nd schon hat sein Vertreter Fey, dem daS Tempo der Faseisterung in Oesterreich noch immer zu langsam ist, eine neue Aktion untrrnom- meu, die deutlich darauf abzielt, die Organisationen der österreichischen Arbeiterschaft zn zerstören. Am frühen Morgen wurde« in Wien nnd Mederösterrrich die wichtigsten" Plätze der Sozialdemokratie von einem Gewaltaufgebot von Polizisten, die mit Stahlhelm»nd aufgrpflanztcn Bajmietten ausgerüstet waren, besetzt. Das Wiener PartrihanS in der BRrnzette wnrde tot MO Po lizisten besetzt; drei Maschinengewehre wurde» vor dem Hause aufgestellt und die ganze Umgebung des Häuserblocks wurde von Polizisten mit nnfgc- pflanzten Bajonetten abgefperrt. Bon 8 Uhr morgens bis halb 4 Uhr nach-! mittag wurden alle Räume im PartrihanS und in der„Arbeiter-Zeitung" vom Bode» biS zur Decke durchsucht. Jeder Schreibtisch wurde geöffnet und! die Schreibtische jeder Grnoffe», die nicht anwesend waren, aufgrbrochen und durchstöbert. Gleichzeitig wurden in de« Wohnungen zahlreicher führender Funktionäre Hausdurchsuchungen veranstaltet. Der Kommandant der offiziellen städtischen Schutzwache, Schubert, wnrde verhaftet. Die Untersuchung wurde um halb 4 Ahr im Par- ttihanse vollkommen ergebnislos abgebrochen. Gegen 6 Uhr kam aber neuerlich ein Polizei- detnchentrnt, das bis zur Stunde die Keller des Hanfes ausgräbt, um auch dort nach Waffen zu wühlen. Auch in anderen Ortri» Rirdervsierreich» wurden ähnliche Aktionen nnlernommen. In Liesing bei Wien, in A tz g e r s d o r f nnd Sievenhirten wurden die Parteiheime ebru- falls von Militär und Polizei beseht und i» Sirbrnhirlen wnrde ohne Angabe eines Grundes die gesamte sozialdemokratische Gemeinderatssrak- tion verhaftet. Alle diese Suchen sind bisher vollkommen ergebnislos geblieben. Richt das geringste Material» weder eine Waffe noch eine Patrone ist gefunden worden, ebenso wir bei de» Waffensuchrn, die vor wenigen Tagen in D r ä- sing bei Hohenau veranstaltet worden waren. Auch dort wurden 13 BrrtranrnSmänner der Arbeiterschaft verhaktet, obwohl nicht das geringste belastende Material gesunden werden konnte. Dir Erregung der Arbeiterschaft über diese Aktionen des Herrn Feh wächst sichtbar von Stunde zu Stunde. In der Umgebung Wienö in Liesing und Siebenhirtrn sind heute sämtliche Betriebe stillgestanden, da die.Arbeiter sich weigerten, die Arbeit anfzunrhmen. Auch in Wien haben während der Waffensuche im Parteiheim zahlreiche Betriebe die Arbeit nirdergelegt. Feys Greuelmelduns In diesem, sichtlich von Herrn F e tz inspirierten Bericht, der dem Ausland offenbar das Gruseln ob der unerhörten Bürgerkriegsvorberei- tungcn der Marristen beibringen und gleichzeitig die Tatsache vergessen macken soll, daß die Fasci- stcn im Heimwchrkleid seit Tagen ihre schtver bewaffneten Abteilungen in allen größeren Orten ganz offen zum Putsch gegen die vcrfafsungö- mäßige Staatsform konzentrieren und auch die Nazi-Fascisten seit Monaten tagtäglich beweisen, das; sie Bomben nicht nur haben, sondern auch entsprechend auzuwcndcn verstehen, ivird u. ter bewies, wie ausgeprägt sein Rechtsempfinden ist. Auch in einer solchen Beweisführung würden wir weder auf die Herren des Dritten Reiches noch auf die Massen einen Eindruck machen. Wenn wir darauf Hinweisen würden, daß die trockene Zahlcnbcrechnung ergeben hat, daß die Kriminalität gerade in den Zeiten, wo Todesurteile vollstreckt wurden, nicht gesunken ist, sondern daß diese barbarischen Hinrichtungen an die schlechtesten Instinkte im Menschen rührten und keinessalls schwere Verbrechen vcr- hinderten— der Hamburger Strafrechtslehrer Max Liepmann hat bereits 1912 in seinem tiefgründigen Werke über die Todesstrafe nachgewiesen, daß mit der Steigerung der Hinrichtungen todeswürdige Verbrechen nicht geringer wurden—, so würden wir auch hiermit keinen Schritt weiter kommen. Mit Recht wird man von uns eine andere Argumentation verlangen, als sic in einer Zeit zu brauchen war, wo noch der Gegner der Todesstrafe in Blättern der Rechten mit den: Anhänger der Todesstrafe zu diskutieren vermochte. Seit der Kanzlerschaft Hitlers sind f ü n f u n d- fünfzig Todesurteile voll st reckt worden! Soweit die ZcftungSnachrichten hier- für Unterlagen bieten, waren etwa die Hälfte der Hingerichteten unter fünfundzwanzig Iah- ren. Also junge Menschenleben werden nicht etwa einem sittlichen Zweck, sondern einer politischen Maßnahme geopfert. So wenig jener Peter Strauß in Oesterreich irgendetwas mit den Böllerschüssen und dem Veite 2 Freitag, S. Feier 1934 Nr. 39 Der Urteutone Vesely Wien, 8. Feber. Tie Bundespolizcidirektion in Wien hat die Tätigkeit der Ortsgruppe„Prater-Teutonen" des deutschen SchulvereineS Süd- rnark Ivcgen nationalsozialistischer Betätigung eingestellt. Der Obmann der Ortsgruppe Major a. D. Adalbert Beseit; und das Vorstandsmitglied Herrmann wurden wegen Beihilfe bei der Fabrikation von Papierböllern verhaftet. Terror roher Nazibandcn etwas zu tun hatte und doch sterben mußte, so wenig haben die znm Tode Verurteilten oft etwas mit den Mordtaten zu tun, derelttwegen sie hingerichtct wurden. Die Strafprozeßordnung als sicherste Garantie für die Verteidigung des Angeklagten liegt durch, löchert auf der Walstatt der sogenannten..nationalen Revolution". Tie Freiheit der Verteidi- gung existiert nicht mehr, denn die angeklagten Arbeiter haben nicht die Möglichkeit, sich ihre Verteidiger z»l wählen, zu denen sie Vertrauen hätten. Sic sind als„Marxisten" oder Inden davongejagt worden. Tie Richter zittern oder sind vollkommen eins mit der herrschenden Macht. So kominen die Urteile zustande. ES ist nicht entscheidend, ob der Angeklagte die Tat vollbracht hat. ES genügt allein der N a ch w e i S einer Gesinnung, die nach der herrschenden Meinung ihn hätte veranlasse!» können, die Tat zu vollbringen. Der Nachweis also, daß bei irgendeiner Schlägerei auf der Straße— sogenannter schwerer Landfriedens- bruch— die Angeklagten dabei gewesen seien, dürfte schon zu Verurteilung sichren. Im Mai- kowski-Prozeß, wo rin gütiger Zufall die mehr als drciundvierzig Angeklagten vor der Todesstrafe bewahrte, mii s sew Fe h Iurie» le gefällt werden, da der wirkliche Täter sich gar nicht unter den An- geklagten befindet. Er ist längst in Sicherheit. Aber was frommt das die heutige Justiz in Teutschland, die nickt danach fragt: hast du die Tat begangen? Sie belegt den Anti- fascisten, den Kämpfer fiir den Sozialismus mit hohen Zuchthausstrafen oder bringt ihn auf den Block des Henkers. Wir erinnern uns jener geu- gcnauvsage Adolf Hitlers im Ulmer Reichswehr-! Prozeß im Jahre 1931, ivo er emphatisch aus- rief: Wenn wir an der Macht sind, werden Köpfe rollen! Hitler hat Wort gehalten. In der Tat, gegenüber diesem Tempo der Hinrichtungen, gegenüber diesen» serienweisen jkopfabschlogen halten unsere Arguincnte aus der Vergangen» beit nicht stand. ES sind daö Argumente fiir Ucberlegcnde, nicht für Rasende, eS sind Argumente für Denkende, nicht für B l u t h u n d e. Gegen letztere gibt eS nur ein Mittel, das jeder anzuwcnden verpflichtet ist, dem sein Leben»licht Selbstzweck ist. Dieses Ar» gument, das im 8 58 des deutschen Strafgeset- zeü dem Straffreiheit zusichcrt, der in Notwehr seinen Angreifer tötet. Diese Mörder können nicht überzeugt, sie müssen vernichtet werden. Ihre Raserei wird heute und morgen nicht beendet sein, aber eS wird der Tag kommen, wo die Opfer als blutige Zeugen der furchtbaren Gegenwart auferstchen werden. Dazu tue jeder Kämpfer für die Freiheit das Seine! , Bohemia“- sich selber treu Seit 41 Jahren gleichgeschaltet Als im Spätsommer deö vergangenen Jahres gewijse Dokumente zur Kenntnis der Oeffent« lichkeit gelangten, durch die mehr als seelische Abhängigkeiten der ach so demokratischen Deutschen Zeitung„Bohemia" bekannt wurden, erregte das Ucberraschuug. Diese licbcrraschung war nicht ganz berechligt. Sic ist nur dadurch zu erklären, daß die Menschen rasch vergessen und die Geschichte der Zeit ihrer Väter und Großeltern kaum noch kennen. Denn sonst hätte man den Herren von der „Bohemia" zunlindest zugutehalten müssen, daß die Zuneigung dieses Blattes zu den reaktionären Mächten des Deutschen Reiches bereits Tradition ist und nicht erst gestern und heute,»richt erst am Tage der Machtergreifung durch Hitler entstanden ist, als cS hieß, sich daü einträgliche Absatz- und Verbreitungsgebiet jenseits des Erzgebirges zu sichern. In Wahrheit besteht die„Gleichschaltung" der„Bohemia" schon seit nrindestenS-iö Jahren. Einer, der es wissen mußte, der damalige deutsche General st abSchef Graf Alfred W a l d e r s e e, hat eS der Nachwelt überliefert. Im zweiten Bande seiner„Denkwürdigkeiten" (Stuttgart und Berlin 1923) findet sich auf Teste 14/45 folgende, vom 12. März 1889 datierte Tagebuch-Notiz, die ihre psychologische Erklärung in WalderseeS Rivalität gegen Bismarck findet, als dessen voraussichtlicher Nachfolger er damals galt: „Mit daß Aergste ist der Pressefchmindel. Der Kanzler benutzt den WelfcnfondS fiir keine politischen Zwecke, er bearbeitet die öffentliche Meinung durch seine Presse, dir über alle Begriffe heuchlerisch ist, er benutzt sie, um den Kaiser zu beeinflussen, unter Umständen auch, ihn anzngreifen.„B»- h e m i a" und„Pall Mall Gazette" si»»d übrigens auch darunter!" lieber alleBegriffe heuchlerisch l Ein hartes Wort eines Mannes, der dank seines AinteS und Einflusses die Hintergründe kannte, wie wenige. Also auch die„Bohemia", wurde auS den» „RrptilienfondS" gespeist, dem 1866 beschlagnahmten Millionen-Vermögen der Welfcn-Könige von Hannover, Uber dessen gewaltigen Zinsertrag der Kanzler in seiner gleichzeitigen Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident„diSlret" verfügen konnte, ohne dem Parlament, noch irgendeiner anderen Stelle darüber Rechenschaft ablegen zu müssen. Diese Erinnerung aus der Vergangenheit der Huiidertundsicbcn-Jährigen dürfte nnS an sich genügen, nm Rückschlüsse auf ihren lvahren Charakter zu ziehen, wenn cS nicht darüber hinaus bis auf den heutigen Tag lehrreich lvärc, nachzufor- schen, aus welchen Motiven der reiche Liebhaber von damals sich ihre Hingabe so viel Geld kosten ließ. Dies Thema an den Ouellen zn erfassen und bis auf den Grund auszuschöpfen, wäre bestimmt eine dankbare Aufgabe für einen jungen Historiker. Wir müssen uns im» des knappen Platzes Ivil- len mit kurzen Hinweisen begnügen. Trotz deö Bündnisses init Oesterreich schlvankte damals die Außenpolitik des Reiches ziviscken der Anlehnung an den Dreibund und der traditionellen preußischen Rückendeckung durch Rußland, hin und her, dessen Annäherung an Frankreich besonders. Bis marck beunruhigte. Er befürchtete einen Zerfall der Habsburger-Monarchie und beargwöhnt« jeden Schritt der Wiener Regierung in der Nationalitä« tenfrage als eine Nachgiebigkeit gegenüber den Tschechen. In dieser Hinsicht herrschte ungeachtet aller persönlichen Rivalitäten im allgemeinen llebereinstiinmung zwischen Kanzler und General- stabschef, der unter dem 21. Oktober 1888 sich notierte, daß der Versuch in die innere Politik Oesterreichs cinzugreifen, indem der Ministerpräsident Taaffe bei der Verleihung des Schwarzen Adler-OrdenS übergangen worden sei, völlig sehlgeschlagen und im Ministerium die Taaffesche Richtung(die für tschechenfreundlich galt. Die Red.) noch vcrstärll worden wär«. Am 12. November 1888 vermerkt Waldcrsee:„Wir haben in Oesterreich Vorstellungen wegen der dortigen inneren Politik erhoben. Die Tschechen werden so dreist, eine Krönung in Prag zu fordern, nach der sehr bald die Trennung der dazugehörigen Länder folgen lvird. Wenn dies so fortgeht, Ivird Oesterreich zunächst ein Föderativstaat und geht sodann völlig Um die neue i EleMcifizienmosnerotdnung Erklärungen des Arbeitenministers Prag, 8. Feber. Im Schlußwort zur Elek- ! trifizierungSdebatte gab Minister D o st a l e k eine Erklärung über die vorbereitete Verordnung betreffend die ElektritätSwirtschaft ab. Die Verordnung soll demnach folgende Richtlstiien befolgen: 1. Eine Verschmelzung kann«ne bei gemeinnützigen Werken»ngeardnet werden; 2. die Bestimmung über die Möglichkeit einer Regelung deS BrrsorgungSgebirteS wird üch gleichfalls nur auf gemeinnützige Werke beziehen: 8. die Bestimmung über daS Verbot der Errichtung elektrischer Leitungen gemeinnütziger Werk« im fremden Bresergungögrdirt beziehe sich auch auf daS Gebiet v»n Unternehmungen ohne GrmeinnützigkeitSrecht. In den ersten beiden Punkten, erklärt- der Minister, sei ein Entgegenkommen möglich gewesen; eS sei aber nicht möglich, der»»eiteren Forderung Rechnnng zu tragen, daß gemeinnützige Unternehmungen Strom n i ch t in Gebiete liefern dürfen, die bereits durch andere Werke beliefert tverden; einerseits»vürde das dem Gesetz widersprechen, daß ge- mcinnützige Werke verpflichtet seien, den Strom allen Konsumenten zu liefern, andererseits würde das die Zuerkennung einer Monopolstellung der Werke in Gemeinde- und Privatbesitz bedeuten. Die vorbereitet« Verordnung enthalte überhaupt keine Bestimmung, die die Grundlage für eine Enteignung städtischer Werke bilden könnte; an etwas derartiges werde überhaupt nicht gedacht.—Auch zu Beginn seiner Rede hatte der Minister erklärt, er hoffe, daß I feine Erklärung die nötige Beruhigung bringen werde und versichert, eS könne nicht die Rede von irgcndtvclchcn Maßnahmen sein, die de>» städtische»» Elektrizitätswerke»» nachteilig sein würden. auS den Fugen. Wir haben sagen lassen, daß eh» Föderativstaat weit»vcnigcr bündniüsähig für uns sei." Dann am 24. November 1888:„Der Kanzler... ist aber sehr eingenommen gegen den Kronprinzen(von Oesterreich). Alle den Klatsch über seine Vorteile für die Tschechen betau» ich wieder zu hören." Daß diese Haltung und Politik in der gleichen Völkischen Ueberheblichkcit und Germanisierunge- tcndcnz ihre Wurzeln Hal, ivic die der heutigen Machthaber Deutschlands, verrät Waldcrsee am 17. März 1890, als er aufzcichncte, dem Kaiser (direkt in bezug auf die Russen) gesagt zu haben: „Slawen»vollen mit Fußtritten behandelt wecken, sie küssen noch die Stiefel der sie gelrclcn hat", uin dann nach dein Besuch der französischen Flotte in Kronstadt noch einmal, am 26. Juli 1891, beunruhigt niederzuschreibcn:„Dazu immer wieder die deutlich sichtbare»» inneren Schwierigkeiten unseres Nachbarstaates, dessen tschechische Bevölkerung offen ihre Stzinpathien für Slalvcn und Franzofcn bezeugt." Wenn damals Geld aus dem Welsenfonds in die Kassen der„Bohemia" floß, so gewiß einzig zu dem Zlveck, eine Politik zu stützen, die in der Politik des Dritte»» Reichs ihre Wiederauferstehung feiert. Planlose Elektrifizierung Genosse Kremser Obi Kritik In der Elektrifizierungödebattc hatte, wie wir bereits kurz berichteten, Genösse Kremser die bisherige Planlosigkeit in der Durchführung der Elektrifizierung zieinlich scharf kritisiert. Zu einer systematischen Elektrifizierung gehört, Ivie Genosse Kremser anfiihrte, vor allem die Aufstellung eines generelle»» PlaneSfürden ganzen Staat,»vobei die bestehenden Werke voll berücksichtigt werden müssen. In den letzten Jahren hat inan genieinnühige Werke direkt mit Gcivalt aus dein Boden gestampft, und diese befinden sich nun in einer sehr ungünstigen Position. Nach unserer Ansicht haben sich sowohl der Staat, als mich die Länder und Bezirke und Gemeinden bei dieser Elektrifizierung übernommen und leide»» heute allgemein unter der schweren finanziellen Last dieser planlosen Wirtschaft. DaS will man sich nicht eingestehen. Wenn in dem Erpofee deS Ministers behaupt«» wurde, daß in der Elektrizitätswirtschaft in Böhmen „einigermaßen unztveckmästige Verhältnisse" bestehen, dafür die Verhältnisse in Mähren als„am meisten konsolidiert" und in der Slowakei als„langsani fortschreitend" bezeichnet werden, so ist dieses Urteil nicht objektiv, weil eL nicht voi» den Bedürfnissen der Bevölkerung auSgeht, sondern»»ur von dem Gesichtspunkt, ob man eS mit gemeinnützigen oder nicht gemeini»ütz»gen Werken zn tun hat. Tatsache ist, daß in Böhmen 83 Prozent der Bevölkerung mit elektrischer Energie versorgt ist, in Mähren nur 70 Prozent, in der Slovakei nur 45 und in Karpaiho- rußland nur 26 Prozent. AuS der Statistik deS Prof. List können wir aber auch feststellen, daß die in Böhmen bestehenden Gemeinde-Elektrizität S w e r k e.in den Preisen mir alle»» gemeinnützigen ElektrizitätS- werken konkurrieren können. Was die Konkurrenz ztvischen Gemeinde- und gemeinnützigen Werken betrifft, so sind die gemeinnützigen Werke kolossal im Vorteil. Man beabsichtigt, durch eine Verocknung die gemeinnützigen Werke zu s a»»i e r e n, ohne Rücksicht darauf, ob andere Werke dadurch vernichtet werden oder nicht. Den gemeinnützigen Werken soll das Recht gegeben werden, auch in die Gebiete der nicht gemeinnützige»» Werke Strom zu liefern, und ztvar 1V H. m. de Jong: Xkr&cMun^tM 5fode km. Vornan in vier tpUndtn Autorisierte Uebersetcun< aus dem Holländischen von E. R Fuchs. „Pflanz deine Großmutter", rief Peter ernst,„'s ist nur.»veil»vir hier in euren» Palast sind, Männekc, aber sonst müßt ich mit dir den Boden auswischen." Dann schüttelten sie sich beide vor Lachen. Darauf sagte Peter»vieder:„IlcbrigcnS, du hast mich schön an der Nase rumgcführt, Pctcrchcn! Anstatt daß du sagst, du bist der Kronprinz, sagst du, du heißt totsicher Peter von Ahrcmberg. DaS war eigentlich'n blöder Teufelsstreich von dir und eine lausige Lüge auch noch dazu!" „Aber nein!" lachte der Prinz.„Denn ich heiße Peter und ich bin Herzog von Ahreinberg auch, rein» dir's nur selbst zusammen: Peter von Ahrenibcvg... stimmt genau!" „Herzog von Ahremberg?" fragte Peter bestürzt.„Und du bist doch der Kronprinz?... Wie kommt daS nur?" „Nun, ganz einfach: als Kronprinz bin ich zugleich Herzog von Ahrenibcrg, upd Graf von EalenSlo und Baron von Vcrdogne und Fürst von Umbrien..." Peter schwindelte. Seine Augen öffneten sich weit. Wurde er nun zum Narre»» gehalten von dem Dämling? „Urrd sicher auch Kaiser von Rußland?" fragte er streitsüchtig. „Nein," lächelte sein Freund.„Daö ist mein Vetter." Nun vergaß Peter vollständig, wo er sich besä^» und schrie laut:„Du bist'n riesiger Geck, Sein Vater schnellte vom Stuhl empor. „Peter!" rief er, entsetzlich erschrocken. „Willst wohl deine Kinnladen dicht halten, widerlicher Affe!" Und dann erschrack er noch heftiger über seine eigene Stimine und die Schimpfworte, die ihm entfahren Ivaren, und in Angstschweiß versank er in seinen Stuhl, schaute verstohlen auf den König, der sich den Bauch hielt vor Lachen, und die Königin, die eil» Lächeln nicht unterdrücken konnte. Er hatte daö Gefühl, daß die gefährliche Wolke, auf der er bis jetzt geschaukelt, nun mit einemmal unter ih»n versank und daß er zur Erde ta»»melte, immer tiefer und tiefer. Doch die sanfte Stimme der Königin brachte ihn wieder «in»venig zu sich: „ES ist nichts, Vater Zanzi... die zwei Peter haben sicher eine kleine Meinungsverschiedenheit..." Dann wandte sie sich an ihren Gatten, der noch iinmer unbändig lachte:„Will Eure Majestät nicht die Audienz beenden?" „Ja. ja, das will ich!" rief der König, Tränen ans seinen Augen wischend. Aber er konnte seine majcstctische Würde unmöglich aufrechterhalten und rief: „Peter Zanzi, nichtsnutziger Taugenichts, komm da her!" Die stockende Unterhaltung mit den totver- lcgenen und»naßloS unglücklichen Eltern hatte ihn entsetzlich gelanglveilt und nun wollte er die ganze Angelegenheit so unoffiziell als möglich beenden. Peter war zubainmengeschreckt und kam bebend und schleppenden Schrittes näher, wie ein Schulknabe, den der Lehrer gerufen hatte,»in» ihin seine Strafportion zu verabreichen. Rasch flüsterte ihm der Prinz noch zu: ■„Sei nicht bang, Junge, Vater ist nicht böse.. „So," sagte der König und lachte wieder. „DaS bist du also, he?... Steht da mit hängenden Pfötchen, aw ob er nicht bis zehn zähle»» könnte! Ein hübscher Bursch« bist du!... Einem Bauern ein Ei in die Augen»verfen, he?, daß er nichts mehr sehe»» kann!... Feine Manieren!" „DaS hat Piet also auch erzählt!" schoß eS dem erschreckte»» Peter durch den Kopf, und schnell verteidigte er sich: «Ja, aber, Herr, der Bauernkaffer wollt unS mit seiner Mistgabel stechen!" „Daö weiß ich!" lachte der König,„unb das ist auch die einzige Entschuldig»»ng... und ich »vüßte auch leine bessere... Nun. wir wollen darüber nicht»nehr plaudern. Gib mir die Hand. Du bist ein herzhaftes und tapferes Bürschchen und auö dir soll ein Prachtkerl von einem Soldaten tverden. Willst du Soldat werden und später Offizier!" Soldat?... Offizier?... Napoleonische Träume tvirbelten plötzlich vor Peterö Augen. „Nu, furchtbar gerne!" antwortete er gierig. „Sehr gut, dann werden wir also dafür sorgen," lachte der König.„Wer weiß, vielleicht tvirst du noch mal Feldmarschall d«S Reiches!... Aber nun etwaö fiir heute." Er Ivinkte dem Lakai an der Türe, der ihm ein flaches Döschen brachte. Der König klappte eS auf und darin lag eine große goldene Medille mit schönen Figuren und Buchstaben. „Das ist für dich, Peter, ein Gedenkpfennig, »veil du den» Kronprinzen daS Leben gerettet hast. Darauf kannst du iinmer stolz sein, lind hier, dieses Kouvert, das ist für euch," wandte er sich an die Eltern.„ES ist etwas Geld darin. Verwendet eS gut. Und ich werde für bessere Arbeit sorgen, Zanzi, machen Sie sich darüber keine Sorgen... Deine Zukunft ist gesichert dnrch das tapfere Verhalten deines strammen Jungen... Du wirst noch von mir hören... Guten Tag!" Er reicht« ihnen freundlich die Hand, die Königin desgleichen. Der.Kronprinz gab Peter eine»» Schlag auf die Schriller und flüsterte: I„Tag, Peter... auf Wiedersehen!" „Adjes," anttvortete Peter verwirrt. Er hörte den König»vieder lachen... Dann stand er mit rem Vater und Mutter allein in dem Saal und in größter Verwirrung wurde»» sie hierauf vom Hofinarschall hinauögeleitet; der Hofwagcn starrd bereit, um sie in ihr Gäßchen zurückzu- b ringen. Niedergedonnert sahen sie in den Kissen und schauten einander geisteSablvcsend an. War eS ein Traum? Träumten sie noch? Waren sic beini König und der Königin in» Palast gewesen?.., Eine goldene Medaille, Geld, eine gute Anstcl- limg... Peter Soldat, Offizier?... War es ein Märchen... ein Traun»?... Konnte dies alles Wirklichkeit sein?... Plötzlich stieß Mutter Zanzi einen unterdrückte»» Schrei aus. Ueberreizt vor Nervosität sprang der Baier halb auf m»d schnarchte: „JesuS, Frau, du erschreckst»nich... was gibt's?" „Das Geld," jammerte sie.„Unglücksrabe! Du hast das Meld nich abgegeben!" Vater erschrak. »Verdammt" seufzte er hinterhältig.„Hätten »nich auch erinnern können I... Hast es grad so gut vergesse»»... Mach kein solches Gezeter!" ES drohte Radau, aber Peter berichigt«: „Mach dich nich dicke... Piet hat gesagt, daß du'S behalten kannst." „Piet... Piet... WaS Piet?" „Nu, Piet!... Der Kronprinz halt!.., Er sagt, daß sie doch nicht davon tvissei» und daß es nicht drauf a»»komn»t." Die Eltern atmeten erleichtert auf, Gottseidank, diese Gefahr war abgelvendet... DaS war noch über Ertvarten gut gegangen... Und waS Wird da in dem Kuvert sein?... Sie wagten nicht, eS hier zu öffnen... aber es bra»u»te in BaterS Fingern... Ain Abend würde er sie alle freihaltcn in dem kleinen Kaffeehaus an der Ecke! (Fortsetzung folgt.' rr«. ss Freitag, y. Feber 1934 Beite S 'n n r Kraftstrom. Dadurch Ivürden die betreffenden nicht gemeinnützigen Werke natürlich zur Verteuerung des LichtstromeS gezwungen. Genoss« Kremser warnte davor, eine solche Verordnung zu erlassen, weil durch die Entwertung, bzw. gänzliche Stillegung von GcmeindeelektrizitätSwcrken, die aus «es« Art niederkonkurriert würden, den betroffenen Gemeinden grosser Schaden zugef ü g t würde; schliesslich müssten diese Gemeinden den Abgang doch wieder auf andere Weise von der Bcvöl- tzerung bereinbringc». Wir müssen vielmehr verlangen, dass zuerst ein genereller ElekbrifizierungS- plan für den ganzen Staat ausgcarbeitct und zur öffentlichen DiSkuiiion gestellt wird. Der Plan muß auch auf die lokalen Verhältnisse und auf die schon bestehenden Werke gebührend Rücksicht nehmen und eg dürfen bereits vorhandene Vermögenswerte nicht geopfert werden, well dies nur zum Schaden der gesamten VollSwirtschaft deS Staates auSfassen würde. Neue Beratungen des Zwölferauöschuffcs für Dtaatsangestelltrn- fragen. Am Mittwoch trat wiederum die Kommission der Organisationen der öffentlichen Angestellten bei den koalierten Parteien z» einer Beratung zusammen. In den nächsten Tagen wird der Zwöl- fcrauSschuss vom Ministerpräsidenten empfangen, dem er die unerledigten Forderungen unterbreiten wird, die noch vor Erlass der Regierungsverordnung Nr. 282 durchberaten wurden. ES handelt sich vor allem um die Verkürzung der Dienstzeit auf 85 Jahre bei jenen Kategorien, wo dies noch nicht der Fass ist, um die Erlassung von Durchführungsbestimmungen zum G e h a l t S g e s e h, vor allem zu dessen 8 25 (Anwärter auf Bcdicnstctcn-Stellen) und zu 8 142 (Einrechnung früherer Dienstjahre, v or allem der Militärdienstjahre), und die Besetzung von nach pensionierten Personen freiwerdcnden Stellen durch junge Angestellte. Ausserdem wurde eingeheird über die A u 8- toirkungderWirtschaftspläneder Regierung auf die öffentlichen Angestellten verhandelt und der entsprechende Standpunkt formuliert. Durch Nachfrage bei der Regierung soll über die im Umlauf gesetzten Gerüchte über neue Pcrsonalinahnahmcn Klarheit geschaffen lverden, besonders soweit es sich um die Rekonstruktion deS GchaltSgesehcS, um das geplante PcnsionSgeseh und um das Gesetz hinsichtlich der Doppelverdiener handelt. Vollmachten„für eventuelle politische Auswirkungen" tut den Partrivorstand der tschechischen Sozialdemokratie Prag, 8. Feber. Der ZenlralcxekuiivauSschuß! der tschechischen Sozialdemokratie hielt heute seine ordentliche Monatssitzung ab. Der Vorsitzende! Hampl gedachte deS Ernstes der Lage, unter welcher der Exekutivausschuss zusammen-j tritt, und gab dann in grossen Zügen eine Ueber- sicht der gegenwärtigen wirtschaftlichen Entwicklung in der Welt und ihrer AuStvirkungen auf| die wirtschaftliche Lage der Tschechoslowakei und i die Staatsfinanzen der Republik. Hierauf erstattete er Bericht'über die geplanten^ Regierungsmaßnahmen. Aber den Standpunkt der Wirtschaftskommission der Partei und über die Stellung, die zu dieser Sache die übrigen Koalitionsparteien eingenommen haben. Die Minister B e ch tz n i und Dr. Meissner referierten hierauf eingehend über die Re- gierungaiLeitcn und Mer die politische Lage. Rach ausführlicher Debatte wurde die ge- sordertr Vollmacht für daS weitere Vorgehen ertcUt, u. zw. sowohl hinsichtlich der wirtschaftlichen Maß- nahmen alS auch für die Lösung rventurllerpolitischerAnSwir- t u n g e n. In der Debatte lvurdc die Forderung formuliert, daß mit grösster Beschleunigung auf die Geltendmachung der von der Partei vorgcbrachten Anträge zur wirtschaftlichen Belebung hingcarbei- tet werde, und es wurde der Wunsch ausgesprochen. daß die Regierung ihre Maßnahmen rasch und einmütig treffe. Stahlhelm schwürt auf Hitler ' Berlin, 8. Feber. Der Stahlhelm-Bundesführer Franz S e l d t e hat, wie das BDZ- Büro berichtet, in einem Erlass Anordnungen über die künftige Arbeit des Stahlhelms getroffen. Der Bundcsführer spricht die bestimmte Erwartung aus. daß jedes Stahlhelmmitglicd, das nicht körperlich oder beruflich verhindert ist, seinen Dienst in der SA-Reserve westerversicht tote bisher. In einzelnen Teilen des Reiches, so heisst es in dem Erlaß lveiter, ist dem Stahlhelm in der letzten Zeit vorgelvorfen worden, er verfolge reakttdnäre Bestrebungen oder er sei zum Sammelpunkt der Reaktion getvorden. Ilm allen Verdächtigungen des Bundes von vornherein auch den Schein des Rechts zu nehmen, ordnet der Bun- deSsührer an, dass bis zum 28. Feber jeder Stahlhelm-Kamerad sich auf sein Mannes- und SoldatenIvort schriftlich mit eigenhändiger Ikntcrschrift der unbedingten Gefolgschaft Hitlers zu geloben und zu verpflichten hat. Wer diese Verpflichtung ablehnt, Ivird aus dem Bund auS- gejtoßen. Doumergue erwartet, dass daS Kabinett I Später wird an eine Verfassung gedacht ihren normalen Gang zu Der Tiroler Landtag wurde für den 18. dss. Mts. einberufcn, um Ergänzungslvahlen für die Landesregierung vorzunchiueu, nachdem ein Mit- Paris, 8. Fever. Den lebten Nachrichten zufolge, ivird Gaston Doumrrgue sein Kabinett erst morgen Bormittag bilden. Der ehemalige Präsident lebte seit dem Fahre 1031 ausserhalb Paris. Er will erst durch persönliche Besprechungen mit den Führern aller politischen Schattierungen dir wahre Gesinnung der parlamentarischen Kreise kennen lernen. In den späten Abendstunden wird bekannt, dah Dountergue nach dem Muster einiger Staaten eine gemischte Regierung bilden wird, der auch Beamte angrhören sollen. Gaston Doumergue loerdc neben der Mini- sterpräsidcntschaft das A u ss e n m i n i st e r i u m verwalten, UnterstaatSsckretär im Außenministerium werde eine Parlamentsmitglied werden. Ole Heimwehraktion in den Ländern Die Kärtncr Hcinuvchrcn und die„Vater« '! ländische Front" bereiten eine gleiche Aktion wie ' die Hcimwchren in den übrigen Ländern vor. Die «Forderungen der Kärtncr unterscheiden sich von denen der übrigen Länder darin, dass die Heim« ! wehren und die Vaterländische Front in erster l Reihe die Beseitigung des gegenwärtigen LandeS- j Hauptmannes, der dem Landbund angchört, na« streben. Donnerstag nachmittags sind die salz- b u r g i s ch c u Heiunvehrsührer zusammengetre- I len.»in eine ähnliche Aktion cinzuleiien, wie sie die Tiroler und oberöjtcrreichischc Heim wehr l«reitS durchgesührt haben. sie, indem sit rasse g c mach t oder der chenialigc Ministerpräsident Albert S a r r a u t, als Arbciienministcr der ehemalige Ministerpräsident Laval, als Minister für die Kolonien der ehemalige Minister Paul Reh n a u d in Aussicht genommen sein. Die ehemaligen Ministerpräsidenten Her r i o t und T a r d i r u beschlossen, als allzu poli tisch exponierte Persönlichkeiten im Interesse einer Versöhnung der Parteien nicht in da- Kabinett einzutrrten. Zu dem Berichterstatter des„Paris Soir" erklärte Doumergue:„Ich halic mein Vaterland gern und dieses kann auf mich rechnen. Ich denke an den Eindruck i m Auslände,, Ivenn cs erfährt, daß die nationale Konzentra-! tion verwirklicht lvurde. Revision der werden müssen, um sichern. Allgemein wird Doumrrgue eine Arndernng der Aussenpolitik zur Folge haben und m e h r F e st i g- leit nnd Entschiedenheit in die internationalen Verhandlungen bringen wird. es deutschen Volkes ermöglichte." Die Herrschaft dieser Herrenrassc tvar. weil unter ihr das deutsche Volt zu einem H ungcr- volle getvorden tvar, etwa» wackelig getvordcn. Weder zu den Andusiriesührern, noch zu den ostpreussischen Baronen hatte es mehr besonderes Vertrauen. Da führte es Hitler in eine große rassische Erneueruugsbeiveguug, deren Ergebnis ist, dass das Reich der Reichen, die Herrschaft der Herrschenden befestigt wurde, nun freilich nicht allein begründet auf brutalste Gewalt, sondern, auch zusannnengchaltcn durch den>vissenscl»sk« (ich nusgeputzten Rassenschwindel. der den Ausbeutern sagt: i h r v e u t e t m i t R e ch t a u t, s d c n n ihr seid von d e rRa t u r zu Herr s ch e r» ö e st i m m tl— und den Unterdrückten sogt: wehrt en>" doch n i ch t gegen euere U u t c r d r ü ck n n g. denn die Natur selber>v i l l euch z u c i ne r U u t c r hat! standen größtenteils aus Neugierigen. Den Poli- zeidienjt versahen diesmal hauptsächlich Wach männer zu Fuss. Es kant jedoch nur geritlgerer,_ u wurden aber nach dem amtlichen Berichte zwei i» Berlin predigte. Personen getötet und viele verletzt. seiner DaS Portefeuille für Justiz, das mit Rücksicht auf die Untersuchung der Betrügereien StawislhS! sehr wichtig sein wird, soll der Oberstaatsanwalt des Obersten Gerichtes, Matter, übernehmen. Finanzminister soll ein Parlamentsmitglied wer- den, doch soll zum UnterstaatSsckretär dieses Mi nisteriums der Vizegouverneur der Bank von Frankreich R i st ernannt werden. Zum Kriegsminister ist Marschall Petain, zum Ma- rinennnister Vizeadmiral Lacazc, zum Luftfahrtminister General Vuillcmin auöersehen, der eben mit seiner ESkadre von 28 Flugzeugen einen grossen erfolgreichen Asrilaflug absolviert hat und in Flicgerkreisen sehr geschäht Ift. Als Innenminister soll ein radikaler Seiiator gesamten Landesregierung durchführen wird. und ein zweites Mitglied, wie berichtet, gestern gestorben ist. Die Wiener Konferenz dos Landeshauptmannes und der Tiroler HcinNvehrführer mit dem Bundeskanzler Dr. Dollfuss, die ursprünglich für den nwrgigcn Freitag projektiert war, wurde aus Montag verschoben. In dieser Konferenz tvird darüber entschieden werden, ob der Tiroler Landtag nur diese ErgänznngSwah« j len vornehmen oder ob er gleich die Neuwahl Es gibt zwei Sorten | Rassen |— innerhalb des deutschen Volkes, eine mindere ! und eine bessere, und, welche Fügung der Natur und GoitcS, die von Natur aus..bessere", die Herrenrassc. herrscht tvirklich, die Ilnterrasse ist wirklich unlen I Olanz genau mit der Klassenscheidung. von der die Marrislen immer sprachen» zu Zusammenstößen, stimmt die Rasseiischcidung überein, über die Art. Nichtsdestoweniger^Hitler am 7. Fever vor den Studenten „Wenn Deutschland nicht I an seiner Vielseitigkeit zugrunde gehen wolle", so verkündete er,„müsse cs die politische Führung autoritär einem gewissen Bestandicil. der Herrenrasse innerhalb des deutschen | v v.,, v vw„ml nur Von Natur aus dazu geeignet sei. sondern auch 12 Todesopfer Donnerstag morgens meldete daS Deutsche! Bolkcs übertragen, da diese nicht Nachrichtenbüro, dass von den Mittwoch evrwun-1"u t u r aus dazu geeignet sc„- beten Personen zwei weitere ihren Verletzungen durch ihre geschichtlich nachweisbare^ Tätigkeit die erlegen sind, so dah die Gesamtzahl der Opfer Bildung de, jetzt 12 beträgt. Nachrichten aus der gleichen Quelle besagen. dass eS auch in einigen Provinzstädten, darunter Lille, Grenoble und Lyon zu Zusanmienstößen tam. bei denen eine Reihe von Personen verletzt lvurde. Der Vorstand des Pariser Gemeinderateü hat beschlossen, die bei den Unruhen inns Leben gekommenen Personen auf Stadtkosten bcizu- setzen. Montag Generalstreik Der Vollzugsausschuß des Allgemeinen Gewerkschaftsbnndes hat beschlossen, Montag, den 12. Feber einen 24-stüudigen Generalstreik j zn veranstalten. Doumergue verhandelt noch! SnbeJÄ*“® 9 Energischere Aussenpolitik 1 I |WW_—„ w— v——. jglied der Kmibcvtcßicrunn vor kurzem resignierte Die letzten Zusammenstöße Paris, 8. Feber. Der Prüfest deS Departe ments Seine-et-Oise hat den Verkauf von Waffen und Munition in seineni Verwaltungsbezirk verboten. Alle Waffcnläden müssen schliessen und ihre Vorräte an Waffen und Munition unter sicherem Verschluss bringen. In den Warenhäu sern müssen jene Abteilungen, in denen Waffen und Munition zum Verkauf anfliegen, geräumt werden. In den Abendstunden spielten sich am BoulardS des Capucines, also zwischen hem Opernplatz und der Madeleine, wieder heftige Zwischenfälle ab. Etwa 800 Kommunisten schlu gen hier alle grossen Schaufensterscheiben bis nach dem St. Lazare-Bahnhof ein. Alles brennbare Material— Bretterbuden, Bänke nsw.— wurde losgerissen und angezündet. Ausserdem wurde an sechs Stellen die Wasserleitung aufgeschlagen, so dass die Strasse überflutet wird. Einige GaS- leitungen wurden ebenfalls aufgeschlagen und daS entweichende Gas angezündet. Die Demon stranten haben daran Holzstücke entflamint, mit denen sie hierauf die aus Brettern zusammen geschichteten Scheiterhaufen in Brand steckten. Die Erregung nnd die Kundgebungen dauerten bis ein Uhr früh an. Die grössten Ansammlungen von Manifestanten fanden wiederum auf dem Place de la Concorde und in den umliegenden Gassen aus den Grossen Boulevards und in der llmgcbung deS Rathauses statt. Die Manisestan- ten protestierten diesmal nicht gegen die Regie rung. sondenc gegen die Polizei und deren Verhalten am gestrigen Tage. Die Volksmassen be- Ole Budapester Verhandlungen „Oettenseltlge Unterstützung“ beschlossen Budapest, 8. Feber. Bundeskanzler Dr. Dollfuss und Ministerpräsident Gömbös haben heute die gestern nachmittags begonnenen Verhandlungen fortgesetzt und um 11 Ilhr beendet. Ueber diese Verhandlungen wurde nachstehendes Kommunique verlautbart: Die österreichischen und ungarischen Staatsmänner haben sämtliche die beiden Länder interessierenden Fragen besprochen und als Ergebnis der Verhandlungen nut der größten Befriedigung festgcstellt, dah in allen Fragen volles Einner st ä n d n i ä zwischen den beiden Staaten besteht. ES lvurde beschlossen, auf politischem tvie auf wirtschaftlichem Gebiete die bisher befolgte Politik fortzusetzen, die vomBesichtöpuirkte der beiden Länder auch bisher befriedigende und günstige Resultate ergeben hat und die eS ermöglicht, dass die beiden Staaten auch in Hinkunft in allen Fragen, die gemeinsame Interessen berühren, sich g e g e n s e i t i g u n t e r st ü tz e n und miteinander zusammeiUvirlen. Der weitere Ausbau sowohl der politischen wie auch der wirtschaftlichen Zusammenarbeit dient nicht nur dem Interesse der beiden Länder, sondern auch jenen des eurö- päischen Friedens. Reichsvertoeser Horthy verlieh dem BundeS- kanzler Dr. Dollfuß bei einer Audienz das Großkreuz deS Ungarischen Verdienstkreuzcs, die höchste ungarische Auszeichnung. Scharfe Sprache der spanischen Genossen Madrid, 3. Feber. In namentlicher Abstimmung hat das Parlament der Regierung Lerronx mit 235 gegen 51 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen. In der vorhergehenden politischen Aussprache forderte der Führer der katholischen Volksaktion Chil Nobles ein schärferes Vorgehen der Negierung gegen den täglich mehr um sich greifenden Anarchismus, anderenfalls seine Partei, die bekanntlich mit den Radikalen die Hauptstütze dieses Kabinetts bildet, der Regierung ihr Vertrauen entziehen müsste. Der Innenminister wandte sich gegen die „W ü h l a r b c i t" d e r S o z i a l d c m o k r a- l i e. Er erklärte, dass bei deren Weiterdauer zu überlegen sei, ob die sozialdemokratische Partei nicht als ausserhalb des Gesetzes stehend proklamiert werden solle. Tie Antwort des ehemaligen Ministers nnd Sozialistenführers Pietro war die offene Erklä- rnng, das? mit allen Mitteln auf dir Revolution hmgearbeitct werden müsse und werde. Bomben In Barcelona Nach einer Reutermeldung aus Barcelona explodierte dort Mittwoch am späten Abend im Zentrum der Stadt auf der Straße eine Bombe und tötete einen Fußgänger. Eine zweite Bombe explodierte im Hause des Vorsitzenden des Fabrikantenvcrbandes der Stadt Tar- rassa. Ein Dienstbote wurde schwer verwundet. Scheinwissenschastticbe Begründung der Klasseicherrschajt der Besitzenden über die Besitzlosen— das ist die nationalsozialistische Rassenlehre! In seiner Rede vor den Studenten führte , Hitler lveiter aus. der M a r x i S m u 8 sei nickittz I anderes als der Versuch, innerhalb der einzelne» j Staaten und Völker jenen Rasscnbcstandteilc» ! nachznspüren, die seit Jahrtausenden miteinander verschmolzen sein lönncn, deren Abgrenzung«» j aber auch heute„für den Tieserblickenden" noh deutlich sichtbar seien.»Wenn auch die staats«' bildende Herrenrassc im Laufe der JahrtausenE sich mit den Unterworfenen zn einen« neuen VoV verschmolzen haben, so ist doch im einzelnen der Prozess nicht immer so tvcit abgeschlossen, daß ein Rückfall in die ursprünglichen Bestandteile einfach als unniöglich erscheint. Tic marxistische Lehre ist ein einziger Appell an die einen rassenmässig mehr oder lveniger genau begrenzten Bestandteil fast aller Völler der Welt..." Ohne hier das ganz« Rasscngclväsch Hitlers näher zu untersuchen, wollen wir nur sagen, daß die Theorie der Siaatenbildung durch Unterwerfung minderwertiger Rassen durch höherrassige Eroberer zuerst von ei n e in jüdischen Soziologe», von Ladislaus G u in p l o tu i c z, ausgestellt lvurde, dass also der Oberanlisemit sich einer j ü d i s ch e n L e h re bedient, und dass er selber, der fanatische Ber- fechter eines besonderen NaturrechtcS einer Herrenrasse, der von ihm so sehr verachteten Unterrasse entstammt, dass er also selber leben« ! diger Widerspruch gegen seine Lehre ist und mit j jedem seiner Rassctvorte sich k e. l b e r und 'seine Ahnen bespuckt! Seite 4 Freiing, 9. Fever 1984 «r. SS i auf g der t zu i das; den Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen: SamStag: Prag, Sender L. 10.05: Deutsche Nachrichten, 10.50: Rundfunk für ertvachsene Jugend, 17.25: Schallplatten, 17.35: Tschechischer Kmwersations- kurs, 18.10: DeutscheSendung: Jugendstunde, Harpe: Jugend rind MusikverstündniS, Fast- ursche äklonal- ' 8orlu1l8Ü«vlivr«kuxendverbsud flir die deutschen Gebiete der CSR. Im Auftrage der Reickskonferenz bernft der BerbnndSuorstand den 6. ordentlichen Berbandstag für den 31. Mürz, den 1. und 2. April 1934 nach Komata« in die Parkfüle ein. Als Tagesordnung wird vorgefchlagen: 1. Eröffnung und Konstituierung. 2. Rückblick nnd Ausblick. 3. Die LJ. im Kampfe um den Sozialismus. 4. Unser Programm. latzungbünderungen. ti. Neuwahl der Verbandsleitnng. 7. Eingelaufene Antrüge. Tie Delegatiandbestimmungen werden den Organisationen direkt bekanntgegeden. Ter BerbandStag beginnt am SamStag, den 31. Mürz 1934, um halb 9 Uhr abends. Für den Verbandövorstand: Karl Ker», VerbandSobmann. Josef Matern» Rudolf Geißler, Verbandskassier, BerbandSsekretär. Grohfeuer in der Mkstikad-Anlage im Mährischen Karst. In der Doline M e st i! a d im Mährischen ar st wurden in der letzten Zeit unter der Leitung Prof. A b s o l o n s Per- ncbclnngSversuche gemacht, nm neue Höhlen des mährischen Karstes zu erforschen. Zu diesem Ztvccke Ivar in der Doline eine weitverzweigte Anlage, bestehend aus einer Wohnbarackc, Bauschuppeu und einem Motorschuppen, eingebaut worden, die niln am vergangenen Dienstag abend einem Brand zum Opfer fiel. Das Feuer brach nach Arbeite!- schlug nach 18 Uhr anS und wurde von dem Werl- nieister P e l i i c l bemerkt. Es verbreitete sich rasch und da die Feuerwehren der nächsten Ortschaften erst sehr spät eintrasen, war an ein Löschen nickt mehr zu denken. Der Materialschaden beträgt eine Viertelmillion XL. Das Feuer dürste gelegt worden sein. Fahrtbegünftigungen zur Prager Frühjahrsmesse. Zur diesjährigen Prager FrühjahrSmeffe, die bereits vom 11. bis 18. März zur Abhaltung gelangt, wurden den Messeteilnehmern wieder von den meisten Ländern auf Eisenbahn-, Flug- und Schifffahrtslinien Fahrpreisermäßigungen zugestanden: Die tschechoslowakischen StaatSbah- n e n geben inländischen Messebesuchern Fahrpreis- ennätzigungen um ein volles Drittel, a u s l ä n d v sch e n sogar um die Hälfte des normalen TarifeS. Deni schweren Sturm über der Nordsee ist Donnerstag nachmittags in Fuhlsbüttel der westliche der beiden großen Funliürme des dortigen Flugplatzes zum Opfer gefasten. Der ganz: Funkturm stürzte unter donncrähnlichem Krachen zu Boden. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Kurz vor dein Einsturz brausten die Böen »yt einer Geschwindigkeit von 29 bis 31 Sekuu- denmctern dahin. Ta die schwere Antennenanlagr bei jedem Stnrntstos; ins Schwanken geriet, war die Beanspruchung dec hölzernen Türme, die vor zehn Jahren erbaut worden sind, naturgemäß sehe bedeutend. Man hofft, das; der zweite Turm infolge der ganz bedeutenden Entlastung nnd der durch die Fcuertvehr angebrachten Notversteisunz das Sturmwetter überstehen wird.— Auch im Innern der Stadt Hamburg hat der schwere Sturm an verschiedenen Stellen durch Abreiße:: von Dächern und Eindrücken von großen Schaufensterscheiben Schäden angerichtet. Im Hafen von Mona sind zwei Fahrzeuge leck geschlagen und abgcsackt. Unter den Agramer Juden wurde eine Agitation kür die Ablegung ihrer deutschen Vor-, bezw. Familiennamen eingcleitci. Die Zionisten propagieren hiebei die Annahme von hebräischen Namen an Stelle jugoslawischer, um die Stammzugehörigkeit der in Jugoslawien lebenden Juden zum jüdischen Volke zu dokumentieren. TodeSmrldung ans dem Tierreich. In D o r k (Südtarolina) ist der älteste und größte Elefant auf dem an:erikanischcn Festland, A i p, im Alice von 92 Jahre n verendet. Der Dickhäuter wog volle fünf' Tonnen, sein Tod ivurde durch Grauenhaftes Sexualverbrechen in Lemberg Lemberg, 8. Feber.(PTA) Heute wurde hier ein gewisser Cy bu l sli verhaftet, der des Mordes an einer jungen Fran beschuldigt wird, deren Körper in vier Teile zerschnit- t e n worden war, die in einem Parke gefunden wurden, Nach den Feststellungen der Aerzte handelt cs sick bei Cybulski um einen Sexualverbrecher vom Typ des Düsseldorfer Mörders. Sein Opfer Ivar eine Prostituierte. Der stärkste Eindruck des Dr. Sekanina. Dor Wochenschrift„E i n" entnohnlen wir fol-1 gonde Glosse: Der kommunistische Advokat Dr. Ivan Sekanina reiste in der vorigen Woche nach Deutschland, um bei den dortigen Aeintorn für die Freilassung DimitroffK und seiner Gcnos. son vorzusprechen. Einige Tage lang traf von ihm keine Nachricht in Prag ein und so liefen die hiesigen Kommunisten ins Außenministo- rinin, dem sie sonst nicht auf den Namen kommen, damit dieses den von den Nazi sicherlich bedrohten Sekanina rette. Inzwischen reiste Dr. Sekanina ruhig in Deutschland herum und stellte sich mich in Paris ein, worauf er ordnungsgemäß nach Prag zurückkchrte. Ein kommunistischer Journalist ging zu ihm um ein Interview und legte ihm auch die Frage vor, welcher der stärkste Eindruck sei, den Sekanina auS Deutschland heimgebracht habe. Er erfuhr eS nnd teilte den Lesern der»Halo Novinn" vom 18. Jänner mit, daß es der Horst-Wessel-Film, der jetzt auf„Hans Westermann, einer von Vic- len" umgetauft wurde, gewesen ist. Nach Sekanina ist„dieser Film, der das Vordringen der Nazi in Berlin darstellt, gleichzeitig die schrecklichste Anklage der Politik der Sozialdemokratie und er zeigt, wer die heutige Situation in Deutschland ver- fchlildct hat". Wahrlich, eine seltsame Belehrung hat sich Dr. Sekanina aus Deutschland mitgc- bracht, und noch dazu aus seltsamen Onellen. Wir wissen ja ein wenig, wie die Hstler-Propa- ganda-Filmc gemacht werden. Sie für historische Quellen zu halten, bedeutet, alles zu glauben, was sich in ihnen abspielt, und noch dazu ihre Tendenz zu übernehmen. Daß solches nicht etwa ein Nedaktenr des„Erpres", sondern ein kom- munistischcr Jurist fertig brachte, paßt in die große Sammlung moderner sltarrcteicn und in den Rahmen der allgemeinen Trübung der Urteilsfähigkest, der die komnmnistischc Par- tci in diesen schweren Zeiten erlegen ist. Niederschläge, Wind und Abkühlung. Dienstag behauptete sich nur noch im äußersten Osten der Republik leichter Frost. In Mittelböhmen und Mittelmähren stieg" die Temperatur ans plus 5 bis plus 6 Grad. Auf den Bergkämmen ist etwas Scknec gefallen. Eine neue sehr tiefe Druckdepression über Südnorwegen veranlaßt ein weiteres Anssrischen des Westwindes, lieber die Berggipfel Mitteleuropas und an der deutschen K ü st e zieht ein O r k a n. Die Schneekoppe meldet Windstärke 11 nach der zwölfstelligen Skala, entsprechend einer Windgeschwindigkeit von etwa 95-Stundenkilometcrn. Von Irland her dringt erneut kühlere Luft vor.— Wahrscheinliches Wetter heute: Veränderlich und unruhig, teilweise Schauer in den höheren Lagen, vor- tviegcnd in O'^neeform. Später auch in den Niederungen allmähliche Abkühlung, starker Wind auö nordwestlichen Richtungen. Die Hilfe für Ofsek, Tas Ergebnis der Sammlung, die vom Ne v i e r r a t e in Brüx zugunsten der Hinterbliebenen nach den Opfern bei der Katastrophe auf der„Nelson Grube" in Ossel veranstaltet wurde, beziffert sich am 8. d. M. auf 747.909 XL. Auf dem Weg ins JrrenhanS geflüchtet. Franz Dkdek, 46 Jahre alt, von Beruf Fleischer, war vor einiger Zeit in AeisteStranlheit verfallen. Ms sein Irrsinn sich als gemeingefährlich herausstellte, erklärten die Aerzte, daß Dedek in eine Anstalt müsse. Gestern nackmittagö nun brachten zwei Bekannte a:w der Gemeinde B y s ch i tz bei Prag den Geisteskranken im Auto in das Irrenhaus von B o h n i tz. In K o b y l i S, an der Endstation der Straßenbahn, sprang Dsdel jedoch plötzlich,, ehe einer seiner Begleiter ihn daran hindern konnte, aus dem Auto, stieg auf einen vorbeifahrenden Wagen der Linie 14 auf und fuhr davon. Es gelang bisher nicht, den Entsprungenen wiederzufinden. Er ist 17 0 Zentimeter groß, st a r l, u n t e r s e tz t, hat kastanienbraunes Haar und trägt einen p e l z b es e tz t e n braunen, k u rz e n W i n t e r r o ck. Auf dem Kopf hat Dkdek eine Tellermütze. Kellnerstreit bei einem spanischen Ministerbankett Madrid, 8. Feber. Im Hotel„Naeional" wurde an: Mittwoch ein Bankett veranstaltet, an de:n sämtliche M i n i st c r teilnahmen. Die Kellner hielten dies für eine günstige Gelcgerchest, um geschlossen in den Streik zu treten und in „N i e d e r"->R u f e auSzubreckrn. Sie wurden vom Platz verhaftet und abtransportiert. Tagcsnculglrclten Eine fürchterliche Statistik London, 8. Feber.(Reuter.) Im Unterhaus erfolgte anläßlich einer Interpellation die Bekanntgabe der Zahl jener Persone,., die in den Jahren 1926 bis 1933 in Großbritannien Straße»Unfällen zum Opfer fielen. In der genannten Zeitperiode kamen 50.837 Menschen umo Leben, 1,421.083 wurden verlebt. Um sich an dem Bahn Wächter zu rächen... Ein Eisenbahnanschlag, der zum Glück ohne Folgen blieb Donnerstag gegen 7 Ithr früh wurde auf der Strecke Pardubitz-Prag unweit der Station Valh bei Pkclouö scstgcstelli. daß aus den Schienen 12 Schrauben herausgezogen waren, so daß ein Geleisteil gelockert Ivurde. An den Tatort Ivur- dcn sofort die Gendarmerie sowie Fahndungö- vatrouitlen mit Polizeihunden berufen. Neben dem gelockerten Geleisteil wurden die herausgezogenen Schrauben und ein grüner Militärhandsckuh gefunden. Die Gendarmerie verhaftete in Svitkov bei Pardubitz eine» Soldaten des Inf.-Reg. Nr. 28 auö Prag, der Montag von der zweiten Feldrotte desertiert Ivar. Es wurde in ihm der Soldat Drahomir SyriStä aus Hostomic fesigestellt, der im Jahre 1905 geboren und bereits mehrcre- male vorbestrast ist. Er machte sich dadurch verdächtig. daß er mit Wagenschmiere beschmutzt war. Er wurde ins Verhör genommen und legte unter der Wuckt der Beweise ein Geständnis ab. Er gab an, daß er die Schrauben aus den Schienen gegen Mitternacht mit einem französischen Schraubenschlüssel hcrausgczogcn habe, den er in Valh entwendet hatte. Er habe sich auf diese Weise an dem Streckciuvärter der Haltestelle Valh rächen wollen, der ihn aus dem Dienstlokal gewiesen hatte. Ueber die gelockerten Schienen waren bereits einige Schnellzüge und Personenzüge gefahren, doch kam cö wie durch ein Wunder zu keiner Katastrophe. Die Schienen waren nämlich in der Nähe eines steilen Abhanges unweit der Elbe gelockert, so daß cs im Falle einer Entgleisung zu einem schweren Unglück hätte kommen müssen. Eine Woche Taxi-Streik i« Par» Paris, 8. Feber. Ter Streik der Chauffeure der Pariser Taxi dauert bereits eine volle Woche, und es besteht einstweilen teine Aussicht, daß er beigelcgt wird. Die Chauf- seure erklärten, sie würden im Strcile verharren, bis sic ihre Forderungen nach Znrückziehung der neuen Benzin- und Betriebsstoss-Abgaben erreicht haben werden. Tie zurüclgctretene Regierung habe nachtssptele von Hans Sachs, 19: De Pressemeldung, 19.35: Musik der Na^onal- ?arde, 22.85: Schallplatten. Sender S. 14.30: Lieder u. Duette aus Tonfilmen, 15.10: Deutsche Sendung: Elsa Pokorny singt Lieder von Liszt, 15.40: Kulturrelief von Fritz Seemann. 15.50 Deutsche Pressemeldungen. Brünn 11: Bormittags- 'ouzert, 18.15: Theaternachrtchten, 18.25: Deutsche Sendung: Konzertstunde.— Kascha» 16.50: Marionettentheater, 20.20: Paganiui, Operette von Lehar.— Prehburg 12.30: Orchesterkonzert.— Wien 16.80: Zitherkonzert, 18: Ein Arzt durchquere China. 18.55: Manon, Oper von Majsenet, 22: Abendkonzert.- unter den gegenlväriigen Verhältnissen nicht die erforderliche Autorität zur Zurücknahme des De- | kretes. Die Pariser Bevölkerung beginnt, sich an den Streik der Chaufk.-.re zu gewöhnen, und benützt in reichlichem Maße die Autobusse und die lintergrundbahn. Freuden de» Militarismus London, 8. Feber. Die Blätter schenken einer Mitteilung eines N:.!crhauSmitgliedeö vom gestrigen Mittwoch über ein n e u a r t i g c ö Ka in p f- f l u g z e u g große Beachtung. ES wird mitgcteilt, daß dieses Flugzeug„w i e ein Fahrstuh l" steigen und In kurzer Zeit die erforderliche Höhe erreichen könne, um einen feindliche» Luftüberfall labzuwehren. Drei Flugzeuge dieses Typs kosteten ebensoviel wie ein Bombcnslug-eug. Als weiterer Vorzug dieser neuen Maschine wird der ltm- stand angeführt, daß sie keinen großen FlugradiuS habe und nicht genügend Bomben mit sich führen lönne, um ein fciiidlickcs Land anzugrcifen,'daß sic also nur als Verteidigungswaffe Wert habe, als solche allerdings einen sehr großen Wert. SIN« notwendige Erwiderung linier der llebersckrift„Eine iwtiveudige Feststellung" nimmt ein gewisser Toni M ü l l e r, „Bauer in Tronitz", in der„Deutschen Landpost" zu unserem Hinweis auf die„Landständischen Monatshefte" und ihren fascistischcn Inhalt Stellung. Es fällt dem Müller natürlich nicht ein, etwa anderen Zeitungen zu antworte», die in nicht weniger scharfer Weise auf die seltsame Rolle des Sudeieudeulschen Laudstaudes und seiner neuen Monatsschrift hinwiese». Ties kommt davon. daß die Faseisten im Laiidstand glauben, den Sozialdemokraten gegenüber jene bequemere Art der Polemik bevorzugen zu dürfen, die dem geistigen Vermögen des gesamten Bürgertums entspricht: sie werfen der sozinldemolratischen Presse Denunziation vor. Ten Toni Müller bat niemand gefragt. Ta er aber im„Wir"-Ton, also zweifellos im Auftrage einer Gruppe redet, sei ihm geantwortet. Wir nehmen an. daß er auck für den Toni K ö h- l e r sprickt, den wir als den Führer der Sudetendeutschen Landjugend gefragt haben, ob er die Waffe der giftigen Verleumdungen im politischen Kampfe billige. Ob sich Köhler, den wir auch Widers kennen, seit der Sckassnng des Sudetcn- seutschen Landstandes gcivandelt hat oder jetrt von len Tronitzern bevormundet wird, wissen wir lickt. Jedenfalls hat er geschwiegen und auch Herr _rr. H e tz, der die niedrige Verleumdung gegen die. Sozialdemokratie von sich gab(„Es gibt da ein): Gruppe, die jedes Erhalten der deutschen Kiiltnr als staatsfeindlich anslegt. und das ist der Marrismus"), hat nickt geantwortet. Der Tronitzer Müller mackt sich den Beweis für die Bchanptnng des Heb lcickt:„Wenn die Zeitung— nämlick der Sozialdemokrat. D. Red. - 7- dan> noch einen Beweis verlangt, so will ich sic nur auf die Artikel, die im letzten Vierteljahr sc manche Spalte iin„Sozialdemokrat" füllten, verweisen, wo klar anfgezcigt ist als unlöschbare Schande, daß sie den Kampf keineswegs um der deutschen Kultur willen geführt haben, sondern lediglich zur Ausnützung einer für sie paricipoli» tisch günstigen Siination und zur Verhinderung der Bollwerdung unseres Stammes, zur Verhinderung einer Tat also, die an sich kultnrscköpferi- fchcr sein würde, als sick der Kämpfer gegen hunnische Scheiterhaufen überhaupt vorstellen kann." Also schreibt Herr Müller, desicn süßcö Ge- beimnis eS bleibt, was er sich unter„VollSwcr- dung unseres StannneS" vorstellt. Daß er aber ans unseren:„Volksverrat" ein Geheimnis zu machen versucht und sich mit dem Hinweis auf die im letzten Vierteljahr erschienenen Artikel begnügen will, ist für die verächtlichen Methoden dieser fascistischcn Volkserneuerer ebenso be- cichnend wie die blöde Phrase von der„Volk- .'crdung unseres Stammes" für ihre geistige Vcr- rssung. Der Müller nenne uns einen Artikel, er als ein Beweis für die kühne Behauptung des Hetz gelten könnte! Oder Herr Dr. Hetz nehme och selbst das Wort. Ihm muß es doch noch leich- cr fallen, die Marxisten dcS VolksvcrratS iberführen, da er ja einige von ihnen aus der lähe kennt und sich darüber klar fein muß, lese auf die Erläuterung seines Angriffs größten Wert legen müssen.— Eine Verleum- mkng wird, Herr Müller, nicht dadurch glaubhafter, daß man sie wiederholt. Der Müller meint, unsere Charakterisierung der Landständischen Monatshefte sei ein Versuch, den Ruf des Dr. Hetz und des Herrn Dr. Spina zu schädigen, indem tvir diesen mit Franz von Papen in Verbindung bringen und jenen wegen der Beschlagnahme seines Aufsatzes schmähen.— Mit Verlaub: die„Landständischen Monatshefte" erscheinen in aller Oefientlichkeit und jeder, der sic sieht, kann sich selb st ein Bild über den Geist machen, der sie erfüllt. Man ist also auf unsere Darstellung gar nickt angewiesen, sondern lann sich an das Original halten. Das sei jeden: empfohlen, der über die Absichten der„Landständischei: Monatshefte" und seiner Hintermänner volle Klarheit gewinnen will. Herr von Papei: hat bekanntlich den ersten Beitrag für die„Landständischen Monatshefte" geschrieben. Es ist der Herrenreiter ins Dritte Reich, dem der Müller in der„Deutschen Landpost" nochmals huldigt: „Wir haben un? aber ehrlich darüber gefreut, «daß selbst von dieser Seite fesigestellt wurde, daß M>cr„Ungeist", an der Spitze dieser seltsamen ^Wionaisschrift geäußert, in jeden: kleinen Beitrag Mwiederkehrt." Wir sehen darin die Anerkennung unseres geschlossenen, gedaicklich selbstbegründeten Willens, der sich völlig deckt mit dem Willen des Volkes, und diesem Willen des Volkes zu entsprechen, bedeutet bekanntlich: Demokratie." Es ist ein Wille, der sich völlig deckt mit den hlnsichten deS Herrn von Papen. Und die sind natürlich eine geistige Rechtfertigung der Demokratie. Das glauben piclleicht die Bauern von Tronitz. Aber dem Herrn von Papen wird die Behauptung des Müller ein Lächeln entlocken. Er meint schon die Demokratie, die Hstler verwirklichte. Herr Müller müßte ein sehr dummer Bauer ,'Lin, wenn er das nicht wissen sollte. Seine Ohrenbläser wissen Bescheid. Wir aber auch Kopkiva überführt Dramatische Gegenüberstellung. Im Laufe ihrer weiteren Vernehmung Polizeidircktion erklärte Frau F o r g a c z, daß ihr Mann über größere Geldbeträge als über einen Wochenlohn von 200 Xc am Tage vor seiner Erinordnng verfügt haben müsse. Er hatte nämlich seit langen: für eine Reparatur gespart, die er an seinen: Häuschen in der Slowakei vornchinen lassen wollte. Als es zu einer Gegen über st cllung zwischen den: verhafteten Kopkiva und der Witwe kam, geriet Frau Forgacz in furchtbare Erregung. Sie schrie den: Mörder ihres Mannes zu:„W a rum hast du das gemacht? Er hat dir doch nichts getaKopkiva antwortete nichts darauf. Er lackte>:ur höhn if ch und drehte der Frau dann den Rücken zu. Die unermüdlichen Nachforschungen der Polizei haben weiteres Beiveismaterial für die Täterichast des Verhafteten erbracht. So fand man im Abort der Kopkivischcn Wohnung jene G e l d t a s ck e, die den: Kutscher Forgacz gestohlen worden war. Sic enthielt die B e st ä t i» g u n g über die von Forgacz gelausten dr e i! Ächtellvsc. Eine chemische Untersuchung der Kleidungsstücke des Verhafteten ergab B l u t» spuren an 15 verschiedenen Stellen. Trotz allem leugnet Kopkiva nach wie vor das Verbrechen. Die vernehmenden Kommissare wundern sick bereits über seine starken Nerven. gteftag, 9. Feier 1934 Bemerkungen «r. SS W M lommiiMM Merz Im kommunistischen„A a S l e r Vorwärts" vom 1. Fcbcr 103-1 findet sich diese Veröffentlichung: An den Reichs-Justizminister in Berlin Die Generalversammlung des Vereines für Kaninchen- und Geflügelzucht„Vorwärts" protestiert aufs entschiedenste gegen die willkürliche Feftvaltung der vier„Freigesprochenen im Leipzig Prozeß Dimitrow, Torgler, Popow und Ta- new. Dec Versammlung verlangt die sofortig« Freilassung derselben und freies Geleit an eine sellyigetvcihlte Grenze. Für den Verein für K a n i n ch e»»«» n d Geflügelzucht Vorwärts Der Vizepräsident*> Der Präsident »Ein Fasinachisschcrz" schreiben dazu die bürgerlichen„Basler Nachrichteir"... Alle Achtung vor der braven Gesinnung der Ivackeren Leute, die diesen Beschluß faßten. Die Redaktion des kommunistischen Blattes aber, die ihn voll stolz abdruckte, muß von allen guten Geister» verlassen gewesen sein. Eie hat damit eine große«ache zum Gespött genracht. Mag man bei anderen Gelegenheiten dieser bekannten Methode der Stalinisten, sich selbst und ihren Getreuen eine unter ihrer Führung stehende Masscnbctvegnng vorzutäuschen, lächelnd nachsehen, so ist es hier doch anders. Denn diese Verkuppelung von Politik und Kaninchenzucht ist dazu angetan, eine tatsächlich vorhandene Massenbeioegung für das Recht zu kompromittieren, die an keine Parteigrcnzen gebunden, über die Grenzen der Klassen hinauS- gcgrissen hat. Emigranten in Abelsynirn? Bestimmten Gerüchten zufolge, die bisher amtlich noch nicht bestätigt worden sind, soll die abessynischc Regierung die ErlaubitiS für die Niederlassung von 1000 deutschen Juden gegeben haben. Man bringt in AddiS-Abeda mit dieser Möglichkeit den Besuch des Arztes Professor Reinhardt aus Berlin in Verbindung, der von der Negierung außerdem den Auftrag erhalten hat, die sanitären Einrichtungen der abessynischc» Hauptstadt zu reorganisieren. Der Danziger sozialdemokratische Abgeordnete Britt tvnrde zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt, weil er der Danziger VollSstinnne aus Gctverk- fchaftSgcldcrn 16.000 Gulden übermittelt hatte. Die richtige Antwort. In dem von den Horden Hitlcrö gestohlenen Arbeitereigeuium gehört auch der gesamte Besitz des Arbeiter-Turn- und EportbundcS Deutschlands. Wie zum Hohn haben die Nazi über das Vermögen des TurnerbundeS noch einen„Treuhänder" eingesetzt, der sich erkühnte, selbst bei ausländischen Verbänden angebliche Rückstände einzufordern. So erhielten auch die lettischen Genossen eine solche Mahnung; die Antwort, die der„Treuhänder" der Nazi erhielt, wird er sich lvohl kaum hinter den Spiegel gesteckt haben. Sic lautet: „Dem Arbeiter-Turn- und Sportbund in Deutschland wurden die Bundesschule, viele Turnhallen, Spielplätze usw. geraubt. In Lettland aber ist eS nicht üblich, daß man Rauben» und Erpressern noch IvaS dazuzahlt. Mit dec gebührenden Verachtung..." Ein Geistlicher ermordet.' Ein SLjähriger römisch-katholischer Geistlicher namens John Garde»» wurde in seinem Hause ii» Helmia, ungefähr zehn Kilometer von Kairo entfernt, ermor« det. Die Verbrecher hatten ihn offenbar nach heftigen» Widerstand die Kehle durchschnitten und dann daS Haus geplündert. AuS zahlreichen Fingerabdrücken und Fundspuren schloß die Polizei, daß drei Personei» an dem Verbreche»» beteiligt waren. Später wurde»» drei verdächtige Männer verhaftet. Ter Erniordete hat als Armeekaplan am Weltkriege teilgenommen und>oar mehrfach in Depeschen rühin- lich erwähnt worden. Da»„Goldene Herz''>m»rde in der letzten Vor- siandssitznng de» ReichSverbandeS für deutsche Jugendfürsorge auf Grund einer Anregung von Dr. Göhl als Symbol ded deutschen Jugendfürsorge« Arbeit gewählt. Mit den» Pfeil, dem Vogen... Nazideutschland, daS mit den fürchterlichsten Errungenschaften der modernsten Technik, mit Flugzeugen, Fliegerbomben, Giftgasen, Cholcrabazillci» zum nächsten Krieg rüstet, bereitet niittlertveile auch sein Kanoirenfuttcr, seine K i n d e r, auf die seelische»» Erbauungei» dieses Sterbens in Gestank und Feuer vor. Jedoch Blaukreuz und elektrische Fernzündung stnd zwar wunderbare Mittel, um in wenigen Minuten daS Zehnfache besten auszurottcn, was sich vor fast zweitausend Jahren in tagelangen Kümpfen in der Schlacht im Teutoburger Wald gegenseitig umgebracht hat, aber für Heldenpathos ist das leider doch nicht recht geeignet. So lernt denn, was dereinst vierzig Kiloinetcr weit tragende Brandbomben abschließen will, beizeiten den Bogen krünnneii und mit Pfeilen abschicßen. Darm» plädiert die„Deutsche Allgemeine Lehrerzcitung" für eine„Waffenweihc der deutschen Jungen":„In die Hand des in die Mannbarkeit tretenden dcritschen Jungen gehört dieblitzende Waffe und in die Faust des jüngeren Bruders dcrSpeerundde< Bogen. Im lkmgang mit der Waffe und Auge in Auge mit der Gefahr gehen ihm die tiefsten G e h e i»n n i s s e seines Wesens und Wertes ahnungsvoll durch die Seele und lasten ihn nicht n»ehr los." In der Faust den Speer, in» Gürtel Handgranaten, im Tornister Schopenhauer und Nietzsche, in den Eingeweide» Hunger, im Hirn Mord und Totschlag— wahrhaftig, vor£000 Jahre»» haben in der Barbarei der Unvälder Germaniens bessere Menschen gelebt... 100 Prozent Zinsen. Georg Bernhard, der frühere Chefredakteur der„Vossischen Zeitung" und jetzige Herausgeber des„Pariser TagblatteS", schreibt zu dem Hitlerschcn„Gesetz der Arbeit":„Die Bei einem Kampf zwischen Polizei und vier Banditen In Sapulpa(Oklahoma) wurden zivei Polizisten getötet. Von den Bandite»» wurden zwei getötet und die beiden anderen, einer von ihnen schwer verwundet, verhaftet. Als die Verhafteten ins örtliche Gefängnis gebracht Ivorden Ivaren, versanr- incltc sich alsbald eine aufgeregte Volksmenge. Die Behörden schickten zunächst eine Kompagnie Miliz an Ort und Stelle ab, u»n einen Lynchversuch zu verhindern. Rcldisillm-Dronratarg Krause Meine Erinnerungen an den von» Propaganda- Minister Goebbels zum Reichsfilmdramatnrge»» ernannten„A n g r i f»"-Redakteur Willy Krause reiche» ziemlich weit zurück. ES mag jetzt ungefähr drei Jahre her sein, da tvnrde mir eines Tages im U l l st e i n h a u S, von einem Kollegen aus den» inzwischen so unselig entschlafenen„Tempo" erzählt, daß ihnen der Verlag einen neue»» Volontär beschert habe. Er sei daS fürchterlichste Exemplar Mensch, dem er jemals begegnet wäre; frech, unbegabt. Der so Charakterisierte hieß schlichtweg Willy Krause. Ich selbst sah Krause nur hin und wieder flüchtig. Sein unbedeutendes, etwas dreistes Jnngenge- sicht vergaß man gleich wieder, mich wem»«S einem noch so kurz vorher begegnet war. Schließlich hörte ich eines TägeS— es war dies für dan»alige Ver- hältniste en» außergewöhnlicher Fall— daß man Will» Krause hinauSgeworfei» hab«. ES sei unmöglich gewesen, ihn zu einem brauchbaren Journalisten zu erziehen. Krause schied van hinnen. Keiner weinte ihm eine Träne nach. Erst viel später, begegnete ich ibn» wieder. Und ztvar in Moabit, im Berliner Kriminalgericht. Krause saß auf der Anklagebank, in Gesellschaft des verantwortlichen Redakteurs des„Angriffs", Dr. Lippert, he»»te StaatSkommisfar im Dritten Reich. Kraise war also, waS ich erst jetzt erfuhr, beim „Angriff" gelandet, nachde»n cs ihm auch nicht gelungen war, bei dem örtlich benachbarten, wenn mich ideologisch sebr weit entfernten Zeitungskonzern „Scherl" Karriere zu machen. Hier jedoch, i»n Laaer der Nationalsozialisten, war eS ihm gelungen. So kühnsten Traume des seligen Freiherrn von Stunn waren farblose Scheinen gege»»über der Entrechtung und Eriliedrigmig der deutschen Arbeiterschaft durch da« neue Arbeitsrecht. Thyssen hat verwirklicht, WaS Stmnm nur träumte. Die Tarife sind abge- schasst. Das Recht der Arbeitgeber zu Aussperru»»gen ist wieder hergestcllt. Die Löhne werden so festgesetzt, wie es dem Unternehmer aus RentabilitätSgründcn wünschenswert dünkt. Die SchlichtungSauöschüste und die Schlichter haben aufgehört zu existieren. An ihre Stelle treten sozi>.e Ehrengerichte. Mit anderen Worten: Jetzt sind wirklich die deutschen Unternehmer zu Jndustriekapitä»»en befördert. Die Arbeiter dürfen im Hcizraum schuften. Mit einein Federstrich ist alles, was die Gewerkschaften aller Richtungen in jahrzehntclangein Kan»pf mühselig errungen haben, auSgestrichen, als wäre es nie gewesen. Die viele»» Jahre der Nationalsozialistischen Partei bezahlten UnterstütznngSgclder, die au« lartcllierte»» lieberpreisen den Konsumenten abgeprcßt und von den Herren Generaldirektoren den Aktionären vor- e»»thalten wordei» sind, haben 1000 Prozent Zinsen ! getragen." Kommunistischer ZeitungSstil und kommunistische Diplomatensprache. Bei der Meldung der Katastrophe des Flugzeuges„Emeraude" nannte die konmm- nistischc Pariser„Humanite" eines dec Opfer, Herrn Pasquier, den Generalgouverneur von Indo-China, den„Henker der anamitischcn Kommunist« n". Aber A l S k n i S, der Kommissär der sotvjetrussischen Lufistreitkräste, telegraphierte m» Herrn Pierre Cot, den französischen Lnftminister: „Bin tief erschüttert durch die schrccklikhc Katastrophe, welche eminenten Mitgliedern der französischen Bertvaltmig da« Leben kostete." glänzend sogar, daß er bereits vier Vorstrafen wegen Beleidigung und Verleumdung sei»» eigen nennen konnte. Man merkte eS ihm sichtlich an, wiersiolz er darauf war. Hingelümineli, in brmmer lknisorm und Landsknechtsstiefeln, saß er neben dem eleganten Zivil deS D r. Lippert, der bereits zu jener Zeit schon als R e p r ä s e i» t a t i o n S s i g u r der Nationalsozialisten galt. In diesem Prozeß ivaren Lippert als Chefredakteur,.»»raus« als verantwortlicher Redakteur wegen Beleidigung und Verleumdung de« seinerzeitigen Polizeivizevräsidenten Dr. W e i ß angeklagt. Dr. Weiß hatte sich den» Verfahren als Nebenkläger angeschlossen. Im Lauf dieser Verhandlung, die fast drei Woche»» dauerte, lernte ich so recht verstehe»», warum Krause auS unserem Verlag hinaus,:dM'- fen worden war. Seine llnmanierlichkeit war noch schlimmer als seine Dummheit, sein freches. unver» schämte« Benehmen gegen Richter und Neveuk'nger erreichte mitunter einen(brav, daß ich nock»'«eure Dr. Weiß bewundere, der diesen» Rotzbnven gegenüber niemals Ruhe und Haltung verlor, lvährend daS Gericht allerdings den Angeklagte» mehrmals heftig zurechiwieS. DaS Ende deS Prozesses ist bekannt. Krause und Lippert wurde»» zu Geld- und Freiheitsstrafe»» verurteilt. Ta jedoch bald darauf die Barbaren alle Macht an sich rissen, bedarf eS Wohl keiner Erwähnung, daß dieses Urteil buchstäblich in den Ai»»d hincii,gesprochen worden war. Und wieder hörte inan lange Zeit nichts von Krause. Bis eS vor wenigen Tagen die Zeitungen verkündeten: Goebbels habe den verantwortlichen Redakteur deS„Angriff" Willi» Zkranse z»»m Reichsfilmdramaturgen ernannt. Krause hat also Karriere geniacht. Er ist im„Drillen Reich" ein mächtiger Mann geivorden. Denn darüber muß n»an sich klar sein: der junge, höchstens sechs- oder siebemindzwailstgjährige Mann verfügt auf diesen» Posten über geradezu diktatorische Vollmachten. Er allein entscheidet, ob ein Filmmanuskript gedreht werden darf oder nicht. WaS bei diesem Pöstchen allein a>» privaten Echiniergeldern der vor dem neuen Herrn zitternden, auf seine Gnade und Ungnade angewiesenen Frlnibranche hermiSspringen wird, daS jst wahrhaftig keine Kleinigkeit. Soll man lachen? Soll man weinen? Eines tut man auf keinen Fall: s i ch w u n d e r n. In einem Reich, das zum größten Teil auS der Engstirnigkeit und Dnnnnheit feiner Kleinbürger entstanden ist — indiesem Reich können ja nur die Krauses Karriere machen. (Katja) Ml o» Mm« L Wer Mein lieber Johannes! Du wunderst Dich gewiß über die intime Anrede, aber lassen wir die bürgerlichen Formalitäten beiseite. Ich kann Dich nicht mit„verehrter Meister" ansprechen, denn seitdem ich gestern die Deutsche Ientral-Zeitung aus Moskau erhalten und das schöne, lange Gedicht gelesen habe, das Du meiner kleinen Glosse über den„Literarischen Freibeuter" gewidmet hast, ist alles, was sich trennend zwischen uns geschoben hat, verschwunden. Johannes, Du hast mich in die Weltliteratur ein» geführt, toir gehören jetzt zusammen, wie der Dichter,.das Erlebnis und der Leser, der es mit ihm erlebt, gemeinsam geröstet am Marterpfahl Deiner Poesie. Ich bin kein Dichter und dichte daher nicht(Du wirst das vielleicht nicht begreifen, aber laß' mir meine kindliche Bescheidenheit), ich will Dir nur in schlichter Prosa für alles danken, was Du für mich und zur Motivierung meiner Polemik getan hast. 18 Strophen hast Du mir gedichtet, und eine schöner als die andere. Welch' souveräne Beherrschung der Sprache, welche Vollkommenheit der Formt Ich weiß noch nicht genau, welche Strophe am besten gelungen ist und möchte Vich mit Dir beraten. Vielleicht diefeL Daß späterhin Herrn Eggerstädt Ermordete die SA. DaS ändert nichts daran, er heißt: „Bluthund von Altona", Das kann nur ein großer Lyriker geschrieben haben, Johannes, einer, der mit dem Herzen dabei ist und Phantasie genug hat, um zu wissen, was eS heißt, gefangen, gefoltert und ermordet zu werden. Oder hältst Du diese Strophe für noch besser? Er spie mich an,«S tat sein Mund Sich auf wie eine Latrine, Es waren die Bäckchen kugelrund Trotz seiner wütenden Miene. Herrlich! Johannes, Du bist der kürzeste Weg von» Mund zur Latrine, nur sag' mir bitte, wie sehe»» dem» die Latrinen bei Euch in Moskau aus? Bist D»l schon einmal von einer Latrine, die sich aufgetan hat, angcspien Ivorden? Mci>» Dichter, Ich bin in ernster Sorge um Dich. Du erträgst die primitiven Verhälinisie nicht, Du scheinst Dich nicht wohl zu fühlen. Du hättest nicht nach Moskau gehen sollen. In Brünn hast Du eö doch so gut gehabt, glaub'S mir, Johannes, viel besser als der Eggerstädt im Konzentrationslager. Freilich, Du hast dichten müssen und er bloß sterben, aber Dir hast doch deS Guten ein wenig zu viel getan. Es tällt mir scher» w Dir daS M sag«» Johanne«, aber Du solltest— ich schreibe eS nicht aus Egoismus— Dich schonen. Du stotterst ja schon! Warum schreibst Du dem»? Ich sei schon in ruhigen Zeiten«in— E i n schwerer Fall gewesen. Oder: Darauf, darauf liegt der Akzent. Oder: AufEuch, aufEuch nicht zu bauen. Du solltest, du solltest Dich erholen Joha- joHannes! DaS nimmst Du mir doch am Ende nicht übel, denn ich tu's ja nur aus Sorge um unS alle. Und ich will auch gar nicht bestreiten, daß Du seit Altona Fortschritte gemacht hast. Hans, es hat mich so gefreut, daß Du Dir von mir raten läßt: das Versmaß in Deinem neuen Gedicht ist schon viel besser als in dec literarischen Hinrichtung von Altona. Oder hast Du bloß Rücksicht auf»»ich genommen? Weißt Du, Hans, ein paar Verse hast Du ja wieder verpatzt, aber eS fällt eben keil» Meister vom Himinel. Kränk' Dich nicht, Johannes, Du sollst leinen schlechten Freund an mir haben. Ich werde Dir die Metrik schon beibringen; und wenn Du einmal weißt, inaS eine Hebung und eine Senkung ist(daS ist gar nickt schwerl), dann gewöhne ich Dir daS Dichten ganz ab und— Tu wirst eS sehen, Johannes— mache noch einen ganz talentierten VollSschüler aus Dir. Seite S Soeben erschienen! Llli Körber: Eine Jüdin erlebt das neue Deutsdiland 313 Selten, in Leinen gebunden KC 40.— Rabattgnippe D. Auslieferung durch die Zentralstelle kür das Bildungswesen Prag XU.« SSesskd 13. Der erste Spatenstich Der»eudcutsche Bonze beschäftigt sich. Vor ausgehungerten Arbeitslosen Vollzieht er in Stulpen und braunen Hosen Symbolisch den ersten Spatenstich. Dam» überlässt er die weitern Gnädigst den Zwangoarbciirrn. Er hält eine Rede.(Marie: Leiisadcn für Geistesschwache.) Die Rede ist Sache. Also, mal herhören, Volksgenossen. Heil Hitler! Hoch mit dci» dreckigen Flossen Wir schlagen die sic,»reichste ArbeiiSschlackst der Welt. Und m»sere Erwervsloscnzifscr, die fällt. Seitdem wir statistische Eini»>pfgcrichic kochen Ununterbrochen. DaS ist phänomcital! Pyramidal!! Kapital!!! UebrigenS: Kapital. Diese marrzsiischc Einrichtung ist vollkommen ex. Der Führer besiegte sie im Geiste deS Hitler- jungen Ouex. Marxistisch-kapitalistischer Tariflohn wird nicht mehr gezahlt, Damit der Stern unserer Volksgemeinschaft heller erstrahlt. Denn es sieht in unseren sämtlichen unabänderlichen Programmen: Volk und Führer gehören eisern zusammen. | Ihr seid daS Volk. Ihr habt gemciiischafilich zu parieren. Wir sind die Führer. Wir befehlen und profitiere». Ihr seht,»vir sind füreinander da. DaS übrige regeln SS und SA. Achtung! Märxist Meier, nehmen Sic die Nase gerade i»r das Gefickt.- Hier lvird jetzt umgehend feierlich gcspatcn- sticht. Stillgestanden I Schultert Schaufel, Hacke und Spate». Abteilung marsch! Euer Brot ist die Ehre, ihr Arbeitösoldaien. DaS ist die Rede. Anschließend wird daun spatcngestickrli. Und abends lvird stcuerermäßigier Sell gepichelt. Recht so. ihr geistigen Schicksalökrüppck. Knuiet das eigene Volk mit Lüge. Hunger und Knüppel. Aber merket: Jeder Spatenstich, den ihr gefeiert habt, Ist ein Stich zu dem Grabe, das ihr euch selber grabt. Der Rote Hans. Ei« guter Genosse legt nicht nur Wert auf pünktliche Zusendung seine« Partei» blatteö, sondern auch ans r e ch t z e i t i g e B e» Zahlung der Abonnementsgebühr, nm der Verwalt»iig unnötige Auslagen zu erspare«! Ich danke Dir also von ganzem Herzen. Johannes, und bitte Dich n»ir noch um eine kleine Gefälligkeit. Unter Deinem Gedicht in der Deutschen Icntral-Icituiig steht„Ein Kommentar" von unserem Franz Lcschnihcr. Es sollte wohl ein Kommentar zu meiner Glosse sein. Sag' ihm, daß Ich mit ihm zufrieden Ivar. Franz tvar ausgezeichnet bei Stoß. Wie er mich als Vorkämpfer der „fascistischen Diktatur des Finanzkapiialö im literaturpoliiischen Ivie im politischen Kampf" demaskiert, ist wirklich großartig. Der Frmiz hat mich durchschaut. Dafür bekommt er die Hälfte meiner Tantieme»» von der Iivno-Vank und meine Aktienmehrheit der Skoda-Werke. Grüß' ihn recht herzlich von mir und bestell' ihm, daß ich an dem saubere»» Paar, das Ihr beide vorstclli, meine reine Freude habe. Früher hat eö so etlvaö mir in der „Fackel" gegeben. Vielleicht erinnert sich der Franz noch daran, obgleich er ja viel vergessen zu haben scheit». Jehl aber muß ich schließen, denn ich habe noch eine dringende Unterredung mit dem deutschen Gesandten.(Du weißt eS ja. ich bin„zehnmal lieber bereit zu paktieren mit den Fascisten als einmal mit unS".) Wir bleiben aber weiterhin mit einander in Verbindung und wenn die deutsche Revolution anSbricki, schreibe ich Dir und Franz nach Wladiwostok. Dem S. T. Veite• „Sozialdemokrat* Freitag, S. Feier 1634 Nr. 88 PRAGER ZEITUNG Sport• Spiel• Körperpflege Unterhaltungskunst im Urwald r• 5V am der ArbeUerfürsorge finden jeden Sams- tag von'7 Uhr im Verein deutscher Arbeiter, Smrkkagaffe Nr. 27, statt. Vorträge für SPD-Emigranten. Am Montag, den 12. Feber, nm 8 Uhr abends spricht im Partei- Uranla Kino, Kllmentshd 4. zu verfolge» und sogar zu messen. In der Konkurrenz der Bedürfnisse tritt am meisten die Kleidung zurück, während die Ausgaben für Wohnung und Beheizung unerbittlich bleiben. Nahrungsmittel find nicht nn- elastische Bedürfnisse, sie treten häufig, hinter Ausgaben zurück, aber auch hinter entbehrlichen Bedürfnissen(Tabak. Zeitung, Vereins- und Organisationsbeiträge). Die grohe Bedeutung des kleinen Wirt- schaftö- oder HanSbcsitzeS in Zeiten der Arbeitslosigkeit hat sich voll bestätigt. Nun durften sie dem lastend dumpfen Stadt-1 sommcr entfliehen, sic hatten die verkehrSdurch- Sie'tzmrden I brausten Riesenstädte verlassen und tuaren im Ur- i I Freitag halb 8: Figaros Hochzeit, Cyklub lV, Dl.— SayrStag S: Wallensteins Tod, ISchülervorstellung, 8: Zu ebener Erde und erster Stock. A 2.' Wochmspielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8: Andere Seite(auch freier Verkauf), Kultur vcrbandsfreunde.— Samstag 8 Uhr: Kay im Sack. fen. Es Ivar die durchdachteste Vortragsfolge, die er je zusammcngestellt hatte. Auf die verwöhnte Großstadtpresse hatte er nicht so viel Rücksicht genommen, wie auf diese einfachen Menschen, die ihn jetzt höre» sollten. Sie kamen von weither, sowohl mit Automobilen. bei denen jede Radumdrehung ein Experiment war, wie mit solchen, die selbst auf der LnxuSstraße einer Weltstadt wegen ihrer schnittigen Form Aufsehen erregt hätten. Andere Zuschauer kamen zu Pferde und alles mögliche Getier und alle möglichen Gefährte umgaben die schnell gusammengenagelte Siheinrichtung als Wall, wie man ihn sich eigenartiger nicht ausdenken konnte. Die Vorstellung stieg. Jede Nummer hatte den verdienten Beifall. Keine wurde ohne Zugeben entlassen. Alle aber trugen mit sichtbarer Begeisterung ihre Dankesschuld ab, ganz gleich, ob eS sich nun um die kleine akrobatische Tänzerin oder den Jongleur handelte. Dann kam der Vor- tragökünstler. Er hatte.Herzklopfen wie ein Lehrling, der sich seinem Lehrherrn vorstellt. Würde er durch daS Wort wirken können? Doch alle Sorge war umsonst. Er wirkte, er durfte sogar in seiner Muttersprache Lieder singe» und erzielte mit ihnen Beifall. DaS Publikum war ganz hingerissen vom Rausch der Ablvechslung, es war wirklich vom Herzen dankbar. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich K£ IS.—, vierteljährig Kä 48.—, halbjährig KC SS.—, ganzjährig K£ 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Rewurniarken.— Die Zeitungsfrankatnr wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 1S.800/VH/1030 bewilligt.— Druckerei: Orbis", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. Mer Pelzdiebe verhaftet In den letzten Tagen gelang es der Polizei, vier langgesuchte Diebe—„Spezialisten" für Pelzwaren— sowie vier Zwischenhändler zu verhaften. Die Festgenommcncn hatten u. a. in der Nacht vom 28. znm 2V. in der Kürschnerei von Josef Pospiöil, Kleine KarlSgasie 21 fiir 1 6.0 00 Kronen und in der gleichen Nacht bei dem Kürschner Josef M a t o u s e l, Weinberge, Fochstraße 57, für 3 5.0 00 Kronen Pelzwaren gestohlen. Die Namen der Verhafteten. bei denen eS sich um lauter vorbestrafte Leute handelt, sind: Franz Mikes. 82 Jahre Josef Turek, 3-1 Jahre. Josef Zeleznv, 86 Jahre und Karl Kriötofik, 34 Jahre. Eine wahre Begebenheit erzählt von Erna Bst sing Der BortragStünstler verbeugte sich gerade, als er plötzlich ein Gefühl hatte, als bliebe ihm ein Kloß im Halse stecken. Er riß die Augen weit auf und Schweiß rann ihm von der Stirn und Schweiß rann ihm vom Nacken. Er konnte die Bühne nicht verlassen, er konnte weder vor- noch rückwärts; denn eine Riesenschlange hatte sich ihm vor die Füße gelegt. Er hatte einen guten Lehrer gehabt, der ihn frühzeitig und den hcrläufigcn Ansichten entgegen darüber aufgeklärt hatte, daß Schlangen nickt besonders klug sind, kaum hören, kaum sehen und namentlich Riesenschlangen»»gereizt den Menschen nichts täten. DaS Züngeln sei auch kein Ausdruck der Bösartigkeit, es sei nur die ciirzigc Möglichkeit der Schlange, sich ihre Bente zu suchen. Das alles wußte er im Augenblick, als würde eS ihm in der Schulstunde abgehört. Der Beifall echote durch den Wald. Er aber sah die züngelnde Schlange, sie suchte sich ihre Beute. Er tvagte keinen Schritt, er wollte die Schlange nicht reizen. Doch er war Artist. Er schlug die Hacken zusamnteit, er machte eine Verbeugung und,— eS fiel ihm wahrhaftig im Augenblick nichts ein,— fang den letzten VcrS noch einmal. Wieder wurde Beifall geklatscht und die Schlange lag rioch immer vor den Füßen des Unglücklichen. Er wagte sich nicht zu bewegen, er wagte weder zu schreien noch zu rufen, damit er die Schlange nicht reize. Man kann doch beim allerbesten Willen nicht wissen, was nun ausgerechnet eine Schlange übel nimmt. Er sang den letzten DerS noch einmal. Angstschweiß ließ seinen Anzug am Körper festklebcn, die Augen wurden ihm starr, er konnte die Lider nicht mehr schließen. Da reckte sich ein biederer Farmer, die hölzernen Bretter knarrten und schwankten etwas, er griff sich an die Seite, guckte scharf auf die Bühne, dann knallte es und piff, paff war die Schlange tot. Der VortragSkünstler verbeugte sich, er erhielt herzlichen Beifall, der Schlangenjäger griff auf die Bühne, sah sein« Beute an und meinte:„Na, man kann.sie gebrauchen, die verrückten Weiber in Europa tragen jetzt ja Schlangenhäute als Schuhe". Damit war die Angelegenheit erledigt. Die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums wandte sich restlos den auf die Bühne kommenden Akrobaten zu. Der VortragSkünstler liebte die freie Natur nach wie vor, doch wurde er eine innere Angst vor einem Abenteuer wider Willen nicht los, war er doch klug genug zu wissen, daß eS leichter ist, sich auf der elegantesten Bühne deS vornehmsten Groß« stadtvariktse richtig zu benehmen,'als auf einem Holzkistenpodlum im Urwald. Vcrclnsnadirlflitcn Kinbrrfreimbe Prag. Die für Dienstag, den 18. Feber angesagt« Sitzung deS Ausschusses muß Ivegen einer Parallelversammlung verschoben werden. DaS neue Datum teilen wir in den nächsten Tagen mit. Ein Sonntag Wintersport in Westböhmen Sonntag, den 4. Feber, fanden drei größere Ainterfportveranstaltnngen statt. In R o t h a u das Bczirkswintersportfest des GraSliher Bezirkes, in Ne»Hammer das Gautreffen der Naturfreunde und in B r ü n bei Falkenau das erste Bezirkswintersporttreffen der Bezirke Falkenau und Eibogen. In Rothau starteten IS Mannschaften zum Sechs-Kilometer-MannschaftSlauf. Die Bestzeit lief AtuS Oberrothau mit 3s:0S, beachtenswert ist die Leistung der EI.-Mannschaft Unterrothau, welche die zweitbeste Zeit mit 84:46 aufweist. 00 Knaben und Mädchen nahmen an dem Ztvei-Kilo» meter-Lans teil. An einer Fuchsjagd beteiligten sich ISO Fänger. 21 Springer zeigten vor 1600 Zuschauer ihr« Kunst, Sieger wurde abermals Gö« risch(Pechbach) mit Note 18.528 vor Held (Abertbam) und Hüller(Rothau). Sehr gut sprangen Jugendspringer Morbach(Därringen) und Schüler Denk(Eibenberg). Die Schneelage war gut für die Läufe und schlecht für das Springen, den weite st«n Sprung zeigte G ö r i s ch mit 42 Meter(46 beim letzten Springen). In Nenhammer haben die Natu freunde ein gelungenes Fest veranstaltet. Wettkämpfer und drei Gruppen Kinder waren Start. Die Atus» Mitglieder belegten die meisten Plätze. Am Nachnnttag wurde erstmalig von 18 Wettkämpfern ein Slalomlauf durchgesührt, welcher eine ganz große Anzahl von Zuschauern anlockte. Dem Abschluß bildete«ine fröhliche Fuchsjagd. Sieger der Läufe wurden: SechS-Kilonieter-Lauf Häuser sAbertham mit 31.08; 2 Kilometer für Sportlerinnen: Nejedlo(Karlsbad) mit 10.28; AbfahrtSlauf: Bäreuther kAbertham) mit 28 Sekunden. In G r ü n bei Falkenau führten die Läufe über den 777 hohen Goldberg. Sieben Vereine der Flachlandbezirke stellten 88 Wettkämpfer. Die Schneelage war nicht besonders, das Kunstlaufen und die Fuchsjagd mußte deswegen unterbleiben. An den Rodelwettkämpfen beteiligten sich 41 Wettfahrer, Hunderte Rodler behinderten die kurvenreiche Abfahrt. Die Sieger stellten die Vereine Elbogen, Unterreichenau und Falkenau. Der nächsteSonntag bringt das Kreis» wintersportfest des S. Turnkreises in -.jTrinksaifen bei Neudek. Dieser Tag wird ein -- Großkampftag der Rintersportler werden. Führertum und Selbstverantwortung Ei« Abend der Lrrwirrnng Im Auftrage der„Deutschen Gesellschaft für siftliche Erziehung" sprach am Mittwoch. in den Räumen deS„Frauenfortschritts" in der Krakovskä die Witwe deS in Karlsbad von nationalsozialistischen Mordbuben gemeuchelten Professors Lessing. Der Vortrag der bekannten Pädagogin, die in Hannover lange Zeit Leiterin des städtischen VolkShochschulwe- senS war, behandelte das verfängliche Thema„Füh- rertum und Selbstverantwortung in der Erziehung". Der Vortragenden lag gewiß nichts ferner, als fascistifch-antoritäre Theorien zu propagieren, aber es kann nicht geleugnet werden, daß manches außerordentlich zweideutig, ja gefährlich formuliert war. Frau Professor Lessing behauptete zwar in der anschließenden Diskussion, mißverstanden worden zu sein und bewnte die völlig unpolitische Grundhaltung ihrer Darlegungen. aber eS scheint uns völlig unmöglich, ei« solches Thema, isoliert von den bren nenden Problemen des Tages, gleichsam abstrakt, zu' behandeln. Es ist ungemein bedenllich, sich von den Schlag- wortbegrifsen flacher Demagogie dadurch lösen zu wollen, daß man dem geistig und weltanschaulich in« ferioren Gegner gleichsam einen veredelten Extrakt auS seinen gewalttätigen Plattitüden entgegenstellt. Weiter störte an dem Vortrag Frau LessingS, der gewiß mancherlei interessante nnd zum Nachdenken zwingende Pointen bot, eine säst unerträgliche Objektivität gewissen Dingen unseres Alltags gegen- über, mit denen man sich nur mit kämpferischen Elan oder überhaupt nicht beschäftigen sollte. Die Rednerin war der Ansicht, daß eine absolute Selbstverantwortung deS jungen Menschen zur Anarchie, znr individualistischen Hemmungslosigkeit führen müsse, linerläßlich sei daher die„Führerpersönlichkeit", die dem einzelnen die Verantwortung abzunehmen haben. Die Rednerin verficht eine Art■ Synthese zwischen autoritativem Führertuni und Selbstverantwortung. legt aber offensichtlich den Haupt- Wert auf«in gewisses pädagogisches Diktatorentum. In diesem Zusammenhang sprach sie einmal von einer eisernen Diktatur", mit der man den Indi» vidualegoiSmuS überwinden müsse. Ihr Ideal ist der Instinktsichcre Führer, der im entscheidenden Augenblick„den gordischen Knoten dnrchhaut." Wir hatten den Eindruck, daß die Vortragende kehr diskutable Gedankengänge in einer denkbar indiskutablen Form vor ihren Hörern auSarbeitcte, eine Methode, die dann auch den erheblichen Wider- fpruch der Erschienenen hervorrief. Abzulehnen ist ans jeden Fall, wenn Frmi Lessing daS Primat deS Ethischen, Moralischen in der modernen Pädagogik zu negieren und«S durch den Begriff von der mora- lifchen Ititcgrität des Einzelnen. deS Führers, zu ersetzen versucht. Auch muß eine gewisse llnlogik darin gesehen werden, daß die Rednerin in einer deutlich polemischen Wendung gegen den MilitariSniuS, seine Macht über di« jungen Menschen, alS einen Ausfluß der Führersehnsucht der jungen Generation zu charakterisieren versucht. Aber wenn dem so ist: Glaubt Frmi Lessing wirklich den Teufel n»it Pelzebub austreiben zu können? Demokratie schließt Führerpersönlichkeit nnd Fübrerinitiative bestimmt nicht aus. Im Gegenteil: der n>ahrhafte, verantwortungsbewußte Führer wird stets nur auf dem Boden der Demokratie ertvachsen. Mit intellektuell verzierten Kopien abschreckender „Vorbilder", mögen diese Kopien auch noch so gut gemeint sein, ist«S allerdings nicht getan. AiS. Kunst und Wissen Wochmspielplan de» Neuen Deutschen Theater». Rene Möglichkeiten im Skilauf. Der staatlich« SkikurS vom 28. Jänner bis 3. Feber in SchWade r b a ch wurde zur Einführung der sogenannten Reul-Skitechnik veranstaltet. Der Kurs war stark besucht, vom Arbeiter-Tnrn» und Sport» verband nahmen allein 17 Mitglieder teil und stellten damit fast die Hälfte der Teilnehmer. Tas Gasthaus Herrenmüller bietet für einen derartigen Kurs Raum, ebenso bietet das prächtige Skigelände in Schlvaderbach viel Bewegungsfreiheit. Ein Glück war, daß wenige Tage vorher Neuschnee kam, sonst tvären alle neuen Möglichkeiten auf den verharschten Hängen zunichte geworden. Die Organisation Ivar eine für uns Arbeitersportler ungewohnte lockere Form, die sich auch auf dem Lehrerfolg ungünstig auswirkte. Die zwei Leiter, Herr Dr. Hönisch(Leipzig) und Herr Frankhauser aus Tirol bemühten sich, hie Kauer- Telemarkhocke und Reulschwünge an die Kursteilnehmer heranzubringen. Eigentliche Lehrtätigkeit wiesen mir die ersten zwei Kurötage auf, in Anbetracht der großen Opfer, welcher ein achttägiger Aufenthalt für Arbeitersportler darstellt, kann daS Resultat nicht ganz befriedigend DaS Gelernte beinhaltet kurz gesagt Anleitungen, in bequemer Tiefhocke Abfahrten nnd Schwünge auSzuführen. Der Schwerpunkt des Körpers wird in die tiefste Lage gelegt, Schnlter- und Rnmpfarbeit tritt im Vordergrund. Sicher wird sich das Gelernte günstig auöwirken.nnr dürfte das Erzgebirge selten die notwendige tiefe Schnetlage aus langen Hängen ausweisen, die Ivohl Vorbedingung sind. Ilm den Kurs haben sich mich die Herren Turnprofessoren Wünsch und Oertl verdient ge- nmcht, nicht vergessen wollen wir einen Vortrag über Erste Hilfe beim Skilauf der Frmi Dr. Srradal (Aussig), Weicker Anerkenming verdient. GEDENKET M alten ArHmm der Arbeiterfürsorge! I„Oranienburg".— Montag, den 19. Feber, abends 8 Uhr Abschluß der Vortragsreihe. Es spricht Genosse Dr. Robert Wiener über„Die Politik der Sozial- demokrasie in der Tschechoslowakei". Deutsche sozialdemokratische Bezirk»- organisation Prag Mittwoch, den 14. Feber, um acht llbr abends findet im Saale des Gcwerkfchaftshauses, Prag I., PerStßn, die 3aQreteerfamnilnna der Bczirköorganisation statt, in der Berichte über die Tätigkeit der Organisation erstattet und Neuwahlen vorgenommcn werden. Die Parteimitglieder werden daher ersucht, an dieser Versammlung recht zahlreich tcilznnehmen. DieBczirkSvcrtretung. Literatur Die neue Weltbühne(Prag l., Melantrichova 1/M), Heft Ü, ist soeben erschienen und enthält unter anderem folgende Beiträge: Willi Schlamm: Der viel zu bescheidene Hitler.— Wilhelm Stefan: Kanzler Fey.— Karl Hartkopf: Selbstgespräche am Radio.— Louis Fischer: Planwirtschaft heißt graues Leben".— Englische Fasciften. Agnes Smedley: Schanghai; Auto 4228.— Interview mit Ludwig Börne. Vorträge Wie leben die Arbeitslosen? Zwei Borträge im Sozialen Institut. Am Rahmen eines Vortragszyllus über den Einfluß der Arbeitslosigkeit auf das Leben der be- trofscnen Arbeiter sprach im Sozialen Institut Frau Dr. N e t a o und M. R. Dr. Kolar. Fran Dr. Reöaü stützte ihren Vortrag auf Untersuchungen, die in England. Nordanierika, Bel gien nnd Osstcrreich vorgenomnien worden Ivaren. Die Unkenntnis der tvahren Lage der Arbeitslosen zeigte sie durch die Anführung der allgemeinen fal sche» Ansicht mif. daß Arbeitslosigkeit revolutionie rend tvirkt. Daü behaupten Beamte in den Arbeits ämtern, Sozialarbeiter und Politiker. Dieser Irr tum entsteht dadurch, daß eine systemlose Beobachtung an der aufsallcndsteu Erscheinung hängen bleibt— an Ausbrüchen des Zorn» oder Verzweiflung. Dem gegenüber haben große tvissenschaftlich angelegte Untersuchungen gezeigt, daß die Arbeitslosigkeit alles Leben lähmt nick aluötet. Die Vortragende berichtet über die Ergebnisse der Untersuchungen in dem öster reichischen Tcxtilort Marienthal. Diese Ge meinde wurde von der Arbeitslosigkeit kompakt und dauernd erfaßt. Da? Einkommen der Familien sank auf ein Viertel. Nach ziveieinhalbjährigcr Dauer der Arbeitslosigkeit hörte jede Verbindung der 400 arbeitslosen Familien mit dem eine halbe Dahnstunde entfernten Wien vollkomnien aus. Früher fuhr man dorthin der Bildung. Unterhaltung nnd deS Einkaufes wegen. Der vorbildliche Skinderhort, ein Stolz der...... u„„,.... lT Textilarbeiter, ging zugrunde. Die Anlagen verwil-1 hcj,ri der deutschen Sozialdemokraten, Prag H„ derten. Die Bücherei gab um mehr als 50 Prozent„ärodn! tkida 4, Gerhart-Seger über lvemger Bucher aus, obtvohl kostenlos geliehen wurde. Der Bezug des gelrsensten Blattes, der,.Arbeiter zeitung". ging auf 60 Prozent zurück, die Mitglied-I schäft in politischen Organisationen mif 80 bs» 60 Prozent. Wenn auch die Weliauichauung sich nicht änderte, wie die Wahlen zeigten, trat sie angesichts der täglichen Sorgen zurück. Im gesamten Leben zeigt« sich das Abgleiten von einem höheren Kuliur- riivcan-» primitiver gegenseitiger Unverträglichkeit. Tie Zahl der anonymen Schreiben stieg anßerordcnt-j sich. Fe tiefer die Menschen sanken, desto mehr erlosch i in ihnen die Hoffnung mif die Zukunft. Sie wurden H“',?'"’". resigniert, manchmal verzweifelt und schließlich tvald gelandet, t^s tvarkein solch dichter Urwald, apathisch. An diese Schilderung schloß Frau Dr. daß in ihm Schluiggewachse das VorwartSkommen NeäaS eine» Bericht über die Ergebnisse der bei uns fast unmöglich machten und zur Regenzeit Schim- vorgcnonnnenen Untersuchung._ mel gleich Tropfsteingebilden an den Bäumen haf- Dr. Kola r teilte in seinem Vortrag über den fetc, aber für sie, die sie auf den Bariitö- und Ka- Einslnß der Arbeitslosigkeit auf den V c rbra uch| baretlbühncn ihr Brot verdienten, tvar er daS der Familien einige Erkenntnisse mn, we.che die j g—---———---- Erforschung des Verbrauches unter Berücksichtigung der Dauer der Arbeitslosiglrit gebracht hatte. Das Ans der Partei Eine Sitzung der Bczirkouertretung findet Montag, den 12. Feber im Parieihcim, Närodni tr. 1, nm acht Uhr abends statt. Märchen an sich. Ihre Regnisiten hatten sie, bevor &' c Fahrt in'S Grüne antraten, einem Speicher- Material ist außerordentlich schivierig zu gewinnen. Inhaber in Buenos Aires in Vcrtvahr gegeben. Sie wenn es eiiihciilich und ohne Vorbehalte vergleichbar I reiften mit einem Alrobatenteppich. dem sie die sein soll. Trotzdem haben die Uniersuchungcn in! vielseitigste Verwendniig zntrauten und mit ein mancher Hinsicht allgemeine Beweiskraft. Wenn zu wenig Handgepäck. Sicgesgetviß Ivar dieses Häuf- Beginn der Einkonimcnverringcriing die Einflüsse mck Artisten; denn sic waren schon durch die ™(lerccieltc Ernährung mäst beunruhigend sind g^ltze Welt getrudelt nnd fühlten sich jedweder (Rückgang des Bierkomums, Abkehr von der teueren Fleischkost zur Pflanzenkost), so wird in einem!bä--1-cdcmlagc gewachsen., teren Stadium bereits eine Gleichgeivichtsstörung be- Inmitten der kleinen Gruppe tvar der Bormerkbar. die besonders die Kinder bedroht. Der Vor-1 tragskünstler besonders begeistert und redselig, tragende sicht den grössten Gewinn der Untersuch»«- Immer wieder erzählte er, wie er alS Knabe mit J enc"’^schnitt, tD0; Pveit(n,ä. E hier zu- feinen, roten Backen Abrnteurergcschichten laS, die gangsichen Literatur bekannt ist zum ersten Male der weiten Ferne und vom Urwald berichteten. Versuch aelunflen ist, die Durchschlagskraft der we-1 dürfniffe im Verlaufe der Einlommenkverrinneruna’ u,n c. r'"V, uni©rüneib auf einer zu verfolgen und sogar zu messen. In der Konkurrenz schnell zurechtgezimmertcn Buht.e Vorträgen» dür»