Einzelpreis 70 IMter («InichlleMIch 5 Heller Porte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, koaktion und Verwaltung mag XII., fochova«. thefon 53077. Administration TELEFON 5307«. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHEIM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 14. Jahrgang Sonntag, 11. Feber 1934 Nr. 35 Letzte Vorbereitungen der Putschisten: Proskriptionslisten fertig Wiener Bexlrksführer des Schutzbundes verhaftet Dollfuss zögert noch... Wien, 10. Feber.(Eigenbericht.) In Kreisen, die der Regiernng nabestehen, wird auf da- bestimmteste erklärt, daß im gestrigen Ministerrat bereit« ent scheiden de Beschlüsse gefaßt worden sind, die sich ans die Einführnng eine« diktatorischen Regimes in den Bundesländern mit Einschluß Wiens und ans das Schicksal der sozialdemokratischen Partei beziehen. Es kam dabei im KabincttSrat zu heftigen AnSrinandrrsctzungen zwischen T o l l f u ß, der die Erhebung der Arbeiterschaft befürchtet, und die letzten Entscheidungen noch etwas bin auSschiebcn möchte, und Fey, der sofort und mit brutaler Gewalt die faseistischc Totalität durchsetzen will. ES wird berichtet, daß die Einsetzung diktatorischer Regiernngskommisiärr in Wien und den anderen Bundesländern und die Auflösnn g der sozialdemokratische» Partei g r n n d s ä tz- lichbeschlo ssen, der Zeitpunkt dieser A kion aber noch nicht festgesetzt wnrdr. Wie erust die Lage jedoch ist, geht am deutlichsten wohl daraus hervor, daß das Bundeskanzleramt bereits den Geheimbefehl au sämtliche Bezirkshauptmannschaften des Bundesgebietes rrlaffen hat, sofort Li st en aller sozialdemokratischcnBer- trauenS.mLnneranzufertigrn, die nach Auflösung der Partei in die Konzrnrra- tionslager einzuliefern wäre». lieber dies sind im Laufe des heutigen Tage» in Wie» wieder z a h l r ei ch eB er Haftung e n vorgenommen worden. 36 führende Genossen, unter ihnen alle BezirkSobmänner des ehemaligen Schutzbundes, wurden verhaftet. Unter diesen Umstäuden muß man annehmen, daß die Faseisten gar nicht die Beendigung aller der für di« nächste« Tage»och aube räumten Verhandlungen abwarten, sondern schon früher losgehen werden. Nach der gewohnten Taktik bemüht sich die offizielle Pressestelle deS Herrn Dollfuß, den gestrigen Ministerrat als eine gewöhnliche Geschäftssitzung darzustellen. In Wahrheit aber geht schon ans den Ereignissen des heutigen Tages hervor, daß es sich nm wesentlich wichtigere Dinge gehandelt hat. Heute in den späten Abendstunden trat im Bundeskanzleramt eine vertrauliche Sitzung zusammen, an der D o l l f« tz, Fetz, Starhemderg und ein Vertreter der monarchistischen sturmscharen teilnahmen. Man hört, daß in dieser Sitzung bereits die Frag» ventiliert werden wird, wie die Beschlüsse de» gestrigen MinisterratS rascher in die Tat umzusetzen und welche Formen z» dieser Gleichschaltung zu wählen seien. Dollfuß hat für Montag und Dienstag auch die Landeshauptleute aus den Bundesländern nach Wien berufen, um sie hier in gemeinsamen Verhandlungen mit der Heimwehr zusammenzu- bringen. Bekanntlich haben die Landeshauptleute die fascistischen Hcimlvehrforderungen durchwegs für undurchführbar erklärt. Dollfuß ist nun für die Faseisten eingesprungen und bemüht sich, die Heimwehren und die Landeshauptleute, welch letztere zum großen Teil noch auf dem Boden des demokratischen Flügels der christlichsozialen Partei stehen, unter einen Hut, und zwar unter de n Heim wehr Hut zu bringen. Die Verhandlungen sollen Montag und Dienstag in Anspruch nehmen. Am Mittwoch wird der Ministerrat fortgesetzt und man erwartet, datz dieser Ministrrrat bereits Entschlüsse tätigt, die auf Grund der vorhergehenden Verhandlungen gefotzt wurden. Verhaftung ces Wiener Neustadter Vlzeblirgermelsters Unterdessen setzt die Regierung Dollfutz ihre Provokationen gegen die Arbeiterschaft fort. In der größten niederösterrekchischen Industriestadt Wiener Neustadt wurde gestern abends der sozialdemokratische Bizebürgermelster und Landtagsabgeordneter Genosse P ü ch l e r unter Mißachtung seiner Immunität verhaftet, nachdem er «in« Auseinandersetzung mit Heimwehr-HilfS- valizisten gehabt hatte. Püchler wurde dem RreiSgericht«ingeliefert. Als die Nachricht von seiner Verhaftung sich heute in Wiener-Neustadt verbreitete, wurde die Arbeit in allen Betrieben Wiener-Neustadts »iebprgelegt. Die Arbeiter zogen auf den Hanplplah und veransialicten dort eine sponiane Versammlung, an der mehrere Tausend Arbeiter teilnahmen. Daraufhin wurde Gendarmerie ans allen muliegendcn Orten zusammcugczogeii. Sic brachte auf dem Hauptplatz d r c i M a s ch i n enge w e h r e in Aufstellung, allerdings erst, als die Versammlung der Arbeiter bereits beendet Ivar. Fey rennt offene Türen ein DaS heutige Abendblatt der Heimwehr meldet in großer Aufmachung, daß Fey dem Wiener Bürgermeister die SicherlieitSagendrn, die ihm al» Landeshauptmann zugrstanden feien, e t n z o g e n habe, und stellt die» in bombastischer Weise alS einen gewaltigen Erfolg der Heimwehr auf. In Wahrheit handelt es sich bei dieser Altion um eine längst überholte Formalität, da der Bürgermeister von Wien seit mehr als einem halben Jahr, nämlich seit der Einführung der Sicherheitsdirektoren überhaupt, keine Siclierheitsagenda mehr fübrt und daher von ihrer Entziehung in diesem Augenblick auch praktisch nicht die Rede sein kann. Zu dieser Verordnung wird voni Wiener Nathans folgendes fcstgestclli: Sämtliche Polizeiagenden tvcrden in Wien vom Polizeipräsidenten ausgeübt, der also ebenso Organ des Bundes ist in Fragen, die nach der Verfassung DundcSsache sind, als Washington, 10. Feber. Präsident Roosevelt hat in den vo«der vorigen Negierung übernommenen BertvaltungSapparat energisch enigegriffen und am Freitag mit der„Säuberung deS Hauses" begonnen, indem er sämtliche Verträge über die Beförderung von Jn- lanSpost auf dem Luftwege kurzerhand aufhov mit der Begründung, rö bestehe hinreichender Verdacht, daß Betrügereien«nd Best e ch n n g e n vorgekommen seien. Roosevelt hat den KriegSnrinister angewiesen, einstweilen die Luftpost zu übernehme». Ferner verlande der Präsident vom Justiz- auch in Fragen, die Landessache sind. D crLande ö h a u p t m a» n f n n g i e r t ü b erst a n p t>n n r als R e k u r s i n st a n z. Tiefe Pflicht ist ihm durch die Verfassung anfer- I legt und kann ihm durch lein gewöhnliches Gesetz I oder eine Verordnung genommen werden. Wenn cS also die Absicht der Verordnung ist, die Poki- zciagenden zu übertragen, so ändert sich au dem derzeitigen Zustande überhaupt nichts. Wenn jedoch die Absicht bestehen sollte, die Entscheidungen über Rekurse dem Polizeipräsidenten sellist zu übertragen, ist hiezu eine Acnderung der Verfassung notwendig. Der Bürgermeister Hai daher an den Bundeskanzler ein Schreiben gerichtet, in dem er auf diese llnllarheit hinweist und erklärt, daß er kei- I ncrleiKompetenz nustrcbc, die ihm nicht zukomme, daß er aber von seiner Amtspflicht, die er in die I Hände des Bundespräsidenten beschworen habe, in kc in er Weise sich entheben las- Iscn könnte als durch die Versa s s.u n g. Tie ganze Aktion ist offenbar nur zu dem i Smrrt unternommen worden, um die Faseisten, !denen man in diesen Tagen die totalitäre G l e i ch s ch a l t u n g versprochen hat, nnn noch i für ein paar Tage hinzuhalten, die die Rrgie- rnng zur Durchführung ihrer Pläne braucht. Meinungsaustausch Uber die österreichische Beschwerde London, l0. Feber.(Renier.) Die britische Negierung Hai. wie Renier erfährt, einen Mci- nungsanstausch mit der französischen und der italienischen Regierung über das österreichische Dokument eröffnet, das die ungesetzlichen Eingriffe Deutschlands in die Verhältnisse Oesterreichs betrifft und das heute im britischen Außenministerium eingclangt ist. An offiziellen Stellen herrscht die Ansicht vor. daß gegenwärtig— da Oesterreich die Absicht angedeutet hat, die ganze Angelegenheit dem Völkerbunde zu unterbreiten— seitens der britischen Regierung kein Komme ntar zu erwarten steht, da die britische Regierung a b w a r- t e t, bis die österreichische Regierung ihren Schritt beim Völkerbund unternehmen wird. Überreichung In Genf erst nächste Woche Während des Budapester Aufenthaltes des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß ist in Wien das sehr umfangreiche Bclegmatcrial für den Schritt Oesterreichs in Genf vorbereitet worden. Die Großmächte sind von dem Material bereits in Kenntnis gesetzt worden. Das Schriftstück wurde numnehr in Druck g eg e b e n, und sobald diese Arbeit beendet sein wird, wird der Schritt unter gleichzeitiger Ucber- reichung des Delegmaterials erfolgen. Dies dürfte in den nächsten Tagen, voraussichtlich anfangs der nächsten Woche, der Fall sein, Minister die sofortige Verfolgung aller Beamten und Firmen, die im Verdachte standen, bei der Belieferung der Armee die Regie- rungvetroge zu haben. Schließlich sandte er an den Kongreß eine Botschaft, in der er schärfste Maßregeln gegen die gewissenlosen Börsenmakler und scharf einschränkende B."eisten sowohl für die Kundenberatung, wie für die Spekulation in Wertpapieren, Getreide und Baumwolle fordert. Mehrere hohe Beamte der Negierung Hoover sind teils bereits an geklagt, teils zur Aeufterun» aufgefordert worden. Natypclr spricht Zum crstenmake seit denr Beginn der vcr Heerenden Wirtschaftskrise, deren Opfer die gegenwärtige Generation geworden ist, ist die Bohl der Arbeitslosen zu Ende dck vergangenen Monats etwas geringer als in derselben Zeit des Vorjahres und auch die Beistcllung von Eisei;■ bahnwaggonS ist im Jänner 1931 größer als tut Jänner 1933. Diese beiden Lichtpunkte, die unS sagen, daß der Tiefpunkt der Krise nicht im heurige» Winter gelegen, sondern im vcr gangenen Winter erreicht worden ist, dürfen uns nicht darüber hinwcgtäuschcn. wie krisenhaft unsere wirtschaftlichen Zustände sind und daß alle unsere Anstrengungen darauf gerichtet sein müssen, wenigstens einen Teil der mehr als 800.000 arbeitslosen Menschen wieder Arbeit und damit Brot zu geben. In den letzten Wochen war das Haupt- angcumcrl der Regierung auf die Export f L r d e r u n g gerichtet. Während der Wclthan del von 1933 sich auf dem Tiefpunkt von 1932 erstalten konnte, ist der Umsang des tschechoslowakischen Außenhandels 1933 neuerlich um mehr al§ ein Fünftel cingeschrnmpst. Unsere Exportindustrien liegen brach, Zehntausend» von Textil-, Glas-, Porzellan-, Metallarbeitern sind dadurch arbeitslos geworden. Jahrzehntelang hat ein Teil des sudctendeutfchcn Proletariats davon gelebt, daß feine Erzeugnisse in fremden Ländern begehrt und gebraucht werden— sol len unsere Arbeiter leben, müssen wir weiterhin ausfiihren. Deswegen haben die treuesten Sach- Walter der Arbcsterklassc in der Tschechoslowakei, die beiden sozialdemokratischen Parteien, sich aktiv an jene» Verhandlungen beteiligt, deren Ergebnis eine Erleichterung für unsere Export industriell werden soll— woran gerade die deutsche Arbeiterschaft und damit daS gesamte Sudetcndeutschtum ein Lcbcnsintcrcsse hat. Der grundsätzliche Standpunkt der Sozial ' demokratie in den Verhandlungen, deren größter Teil hinter uns liegt, tvar der, daß wir bereit waren, alle Bestrebungen nach Förderung unseres Exportes tatkräftig zu unterstützen— unter einer Bedingung, daß nämlich d i e Masse der kleinen Menschen, Arbeiter, Angestellte, Kleingewerbetreibende, Kleinbauern nicht geschädigt werden. Das ste dingt aber zweierlei: eine stabile Mäst- r u n g und keine allgemeine P r e iS erhöh« n g. Eine Erschütterung der Kc würde eine Herabsetzung deS Realwertes der Löhne und Gehälter und eine Herabsetzung auch des Wertes der Zuwendungen an die Arbeitslosen bedeuten. Eine allgeineine Preiserhöhung würde die Lage der arbeitenden ebenso wie der ar- beitSlosen Menschen noch mehr verschlechtern, ihre Kaufkraft schwächen und unS dadurch noch tiefer in den Abgrund der Krise hineinzicstcu. Die sozialdemokratischen Parteien haben daher gewissen Plänen, die in der Diskussion zuerst aufgctaucht sind, Widerstand entgegengesetzt— unsere Parlamentarier haben ihre Auffassung deutlich sowohl der Regierung als auch unserer Partciöffeutlichkeit gegenüber klargelegt. Daß dieser Wider- stand nicht erfolglos war, lehrtdicRedc, wclchcMinistcrprä- s ident M alyp etr gestern im Rundfunk gehalten hat. Der Vorsitzende der Regierung hat zu Beginn seiner Ausführungen mit Recht darauf verwiesen, daß die Stärkung der Kaufkraft der Bevölkerung, Kreditbereitstcl- lung für unsere Wirtschaft und Exportförderung daS Gebot der Stunde sei und er hat geradezu feierlich versprochen, daß die nächste Woche zu erwartenden Maßnahmen keine inflatorische Teuerung Hervorrufen werden. Er hat auch die Pflicht der Regierung anerkannt, gegen die überhöhten Preise der Kartelle vorzu- gehen— die sozialdemokratischen Parteien wer- dcn Gelegenheit nehmen, die übrigen Teilnehmer der Koalition an dieses Wort des Regierungs- Roosevelt will w säubem u Mehrere hohe Beamte des Hoover-Regimes verhaftet «eite 2 «r. as Sonn Inn, 11. Feier 1034 r Starhembers Experte für Verfassungsrev.slon Wie das»Weltblatt" meldet, wurde den Forderungen der Heimwehren dahin entsprochen, daß den Beratungen des MinisterkoiuitöS für die VerfaffungSrevision.»vclchc gestern ausgenommen und heute fortgesetzt, wurden, der BundeSfiihrcr der Hcimtvchren Star Hemberg zugezogen tvurde. chcfs noch zu erinnern. Allerdings möchten wir allen denjenigen, die mit uns am Rundfunk Malypetr in seiner bestimmten Art haben sprechen hören, sagen, daß der Ministerpräsident in seinem Namen gesprochen hat und das; seine Worte von der„Erleichterung der Steuerlasten des Staates, der Selbstverwaltung und der so- zialen Abgaben" von uns nicht dahin verstanden werden können, das; an den Abbau irgend einer Ein trauriges Kapitel ist der Bericht der Gewerbcinspcktoccn Ober die Lohnvcrhältnisse der tsckeckoslowakiscken Arbeiterschaft. ES wird festgestellt. das; sich die Lebensbedingungen der Arbeiterschaft mit der steigenden Absatzirise und den mangelnden Verdiciistmöglichkeilcn konstant verschlechterten. „Es gab anscheinend überhaupt keine llnter- nehmnngSgrupve mehr, deren Arbeiterschaft eine empfindliche Herabsetzung der Löhne erspart geblieben wäre... Tic Verdienstverhäl.liffc der Arbeiterschaft litten naturgemäß auch infolge der NichtauSniit- zung der gesetzlich zulästigcn Arbeitszeit, infolge der zeitweiligen Einstellung der Betriebe, durch das periodische AuSsctzen aus der Arbeit usw. ES war keine Seltenheit, das; der Jahresverdicnst einer Arbeiterfamilie aus eilt Fünftel, ja selbst auf ein Sechstel deSNormalver» dien st es vor derKrise sank, und daß dir Herabsetzung der Zeit» und Akkordlöhne im Zeitraum von zlvei Jahren-10 Prozent erreichte. DaS Lebensniveau vieler Arbeitergruppen, besonders in der Slowakei und in Karpathorustland, wurde auf ein Mast hcruntergcdriickt, das kaum zur Befriedigung der allcrbeschcidcnsten Bedürfnisse reichte, wie sie zur Erhaltung eines gesunden menschlichen Organismus nötig sind." Der amtliche Bericht der Gcwerbeinspektorcn erhärtet diese furchtbare Anklage mit Ziffern: in manchen Strickerrifabriken im Jnspekto- ratöbezirk Zvolri'r(Reusohl) verdienen die Arbeiterinnen in acht Stunden nur 0 Kronen und in einer Emailfabril desselben Jirspekto- ratübezirkeS 80 Heller pro Stunde. ES handelt sich hier, wie lvir verraten können, um die Emailfabrik in Filakovo, die zum Sphinxkonzern gehört und wo nicht nur diese schandbaren Löhne gezahlt, sondern auch alle gesetzlichen Schutzbestimmungen umgangen werden, >vo man täglich 10,12undmchrStun» den ar b e i t e t, wo in der Saison Hunderte von magyarischen Schulkindern aus Ungarn beschäftigt werden und wo trotz allen Bemühungen der Gewerkschaften keine Besserung herbeigeführt werden konnte. fürsorgerischen Maßnahme für die von der Krise heinigesuchten Massen gedacht werden könnte. Die Maßnahmen, die bevorstehen, werden selbswcrstältdlich vo>n Parlament beschlossen werde»», sie lverdci» ein Ergebnis der Koalitionsbe- ratunge»; sein. Sie werde»; einen Kompromiß- charakter tragen und wir brauchen deshalb politisch denkende»; Mensche»; nicht zu sagen, daß der vermutlich am Donnerstag dem Parlament vorgelegte Gesetzentwurf nicht eine sozialdenwkra- tischo Lösung der WirtschaftSschwicrigkeitc»; dar- stellt. Aber cS zeigt sich, dast die Demokratie bei unS noch imstande ist, produktive gesetzgeberische Arbeit zu leiste»; und dast rein kapitalistisch c Maßnahmen mit oder ohne Parlament bei uns»ucht möglich sind. Die Sozialdemokratie übt ihren Einfluß zit Gunsten der arbeitende»; Schichte»;»nit Kraft»ind Umsicht aus— sie ist nicht alle»»» da, a b e r s i c i st d a.. I Als der zuständige Bezirkölmuptinann anläßlich einer Intervention nufgefordert»vurde, Maßnahmen gegen die Finna zu ergreifen, lehnte er dies mit der Begründung ab, daß rS der einzige Betrieb seines Brzirtr» fei, der noch arbeite nnd daß die Gefahr einer Be- triebSrinstrllung bestehe, wc»u; man irgendwelche Maßnahmen zur Erzwingung der Einhaltung der Gesetze ergriffe! Gegen diese sonderbare sozialpolitische Auffassung i»t mai» nun an daS Ministerium für soziale Fürsorge gelangt und es ist zu hoffen, dast es dock' gelingt, auch in diesem Grenzwinkel der Republik Ordnung zu schaffen. In verschiedene»» Sägerribetrieben in Kar- pathornstland bewegen sich nach den» Bericht der Gewerbrinspcktorcn die Stu»;denlöhne der männliche»» Arbeiter zwischr»; 1.25 nnd 1.60 K£, bei den Frauen zwischen 0.7!) nnd 1.— K2, in einem Betriebe erhielten die Männer sogar nur 0.00 bio 1.10 K£ Stundrnlohn, die Frauen 0.54 biS 0.61 KO! „Man darf sich daher nicht Wundern"— so fährt der Bericht der Gclverbrinspektorcn fort— «wenn die Bestrebungen der Unternehmer nach einen» lveitercn Lohnabbau um LV Prozent und mehr diesmal auf einen hartnäckigen Widerstand stießcn und den größten Teil der Arbeitskonflikte verschuldeten. Diese Konflikte endeten jedoch»»leistens für die Arbeiter ungünstig und eS ist begreiflich, daß auch die Bestrebungen nach einer Verbesserung der Lohnvcrhältnisse wenig erfolgreich»vareil." Die kurzsichtige Unternchinerpolitik, die nichts als den Lohnabbau keiult, erfährt im Bericht der Gcwerbeinspektorcn eine ztvar vorsichtige, aber doch recht deutliche Zurückweisung.„Die mannig- fachen Erfahrungen aus de»; letzten Jahresberichten ertveifen, daß die problematische Tendenz, der Krise»nit einem Lohnabbau beizukom- »nen, fast allgemein Ivnrdc." Die Bilanz des Lohnabbaus, wie sie die Gewerbeinspektoren ziehen, ist geradezu furchtbar und man muß leider hinzu fügen, daß sich die Verhält- nissc seit dem Jahre 1032, für welches der Bericht erstellt wurde, noch ganz wesentlich verschlechtert habm. In de»; Steinvrüchen wnrden darnach die Löhne um dnrchschllittlich 5 bis 10 Prozent abgebaut, in einzelnen Granitbrüchen gar bis zu 20 Prozent. Die Zlegeleie»; reduzierten die Löhne ihrer Arbeiter um 0 bis 20 Prozent, die Zementfabriken um 6 Prozent, dir Kakkwerke um 6 biS 8 Prozent, dir Glasfabriken um 3 Vis 20 Prozrnt, In rinrr Pragrr Automobilfabrik(Walter In Jinonice) wnrden die Berdien- ste nach hartnäckigem Kampfe um 16 bis 40 Prozent, im Durchschnitt um 26 Prozent reduziert, in einer Budweiser Emailfabrik um 6.6 bis 30 Prozent, in der übrige»; Metall- und Maschinrnindu» strie un» durchschnittlich 10 und»nehr Prozrnt. In der Holzindustrie kam es zu Lohnherabsehungen bis zu 36 Prozent, in einzelnen Gummifabriken u»n 2 bis 10 Prozent, in den Gerbereien um 10 Prozent. Weitgehende Lohnsenkungen waren in der Textilindustrie zu verzeichnen» und zwar durch direkten Lohnabbau, dann aber auch durch die Beseitigung oder Reduktion verschiedener Zulagen, so daß durchschnittlich mit einer Verschlechterung von 20 und mehr Prozent gerechnet werden muß. In de»; KonfektionSfabrikrn wurden die Verdienste uin 10 big 25 Prozent reduziert, in einzelnen Hutfabrikri; mn 15 bis 25 Prozrnt, in verschiede- nrn Papierfabriken um 4 biS 20 Prozent, in verschiedenen Lrbensmittelbetrieben um 5 bis 10 Prozent, in der chemischen Industrie u»n 10 biS 20 Prozrnt, im Baugewerbe nm 2 bis 13 Prozent usw. Lohnerhöhungen waren unter diesen Umständen nur ganz selten zu verzeichne»; und da fast ausschließlich im Baugetvcrbe. So kan; eS in einzelnen Bezirken zu Erhöhungc»; der Stundcnlöhne für die Maurer um 10 Heller, also etwa um 2 Prozent. Man sieht, wc„großzügig" die Unternehmer beim Lohnabbau sind: da geht eS un; 20, 80, 10 und ost noch»nehr Prozent, beim Ansba»» dagegen»nöchie»; sic ain liebsten in Promille messen. lind dann ivunder»; sic sich über die Absatzkrise und stauucn, dast niemand etlvaS kauft,»venn I sie vorher selbst den Arbeitern die Möglichkeit nehmen, etlvaS zu konsumieren! Der Bericht der Gewerbeinspektoren beklagt cs auch, datz heute in den Betriebe»; vielfach ein vertragsloser Zustand herrscht, der der llnterneh- mcrwillki'ir Tür und Tor öffnet. Vielfach mußten die Gewerbeinspektoren als Vermittler fungieren, »vobci sic nach drm Bericht die Unternehmer davon zu überzeugen bemüht lvarci», datz eine kollektive Regelung der Lohn» und Arbeitsbedingungen für sic doch vorteilhafter sei als der wilde Vertrags« losc Zustand, Gelang cS dann nach mannigfachen Verhandlungen schließlich doch zu einem Vertragsabschluß zu gelangen, so fast immer nur aus Kosten der Arbeiter, welche eine Verschlechterung der Lohnbcdingungen in Kauf nehmen»nutzten. Im» I incrhi»; liest fick» die Arbeiterschaft die Reduktionen »nicht wehrlos gefallen und in 546 Fälle»; kam es in» Jahre 1032 zu Arbeitskonflikten» davon waren 157 Streiks in Einzelbetrieben, 53 Gruppen- ! strcits, die sich auf mehrere Betriebe bezogen und 17 Aussperrungen. Der Rest entfällt auf Konflikte, die ohne offenen Kampf liquidiert werden konnten. Tie Gelverbeinspektoren intcrvcnliertc»; in diese»; Fällen 083»nal. Bei den Streiks handelte cs sich zumeist uin das Baugewerbe, vielfach kann« te>» dabei doch gewisse Erfolge erzielt werde»;. 84 Streiks endete»; allerdings mit einein Mißerfolg, dagegen 60»nit einen» vollen und 08»nit einem teillveifen Erfolg. Man»vird nicht fehlgehen,»venn man annimmt, daß die Art der Erledigung der Streiks weitgehend von der organisatorischen Kraft der beteiligten Arbeiter abhing. Die Aussperrungen endeten bis auf eine mit einem Komproniiß, in eiuein Falle konnte der Unternehmer seinen Wille»; restlos durchsetzen. »ilanz des Lohnabbaues Aus den Berichten der Gewerbeinspektoren 21 H. Ul. de Jong: VersMmgen» Heute (in- Xomaa in vier tpisodcn Autorisierte Uetjeraetxung aua dem Holllndlechen von 8. n. Fuchs. Schwüle Sinnlichkeit ballt die Gnippen zu irrsinnig heulenden Menschenknäueln zusainmen, wollüstig schreiend öffnen sich die Münder schwarz »»; den geröteten Gesichtern, Hände greifen brutal «ach den fchrill aufgirrenden, entfliehende»; Frauen. Führ stampfen schwer auf de»; Pflastersteinen nach dem RhtzthunlS eines banale»; Fest« liedeS; die fröhlich lachende Menge vom Nachmittag verschwindet in der tolle»; Ungebundcnhcit des Abends. Die abstoßende, rauhe Derbheit eines Volles komint zum Durchbruch, daS keine Feste feiern kann, sondern bloß schlemmen und sich den niedrigsten Instinkten hingeben. Durch die in iinmer größerer Zügellosigkeit durcheinanderschwirrende Menge bahnte sich ei»; ernster junger Mann mürrisch und verächtlich einen Weg. Die alte Kappe sitzt ihm schief auf dem wirren, schwarzen Haar und seine dunklen Augen starren geradeaus, traurig und geistesabwesend, als sähen sie etwas, das anderen verborge»; bleibt und daS ihn in ständigen; Schrecken gefallen hält. Er hat die Hände i»; seinen Hosentaschen zu Fäuste»; geballt und schafft sich teilnahmslos mit seinen auSgcstrecktcn Ellenbögen und den breiten Schulter»; einen Weg durch die unablässig hin- und herflutenden, festlich gestimmte»; Menschen, welche die Straßen erfüllen. Auö offenen Schänkentüren dringt wilde Tanzmusik und wahnwitzige» Stampfen schwerer Füße. In der Gracht schwimmt ein lampion-»md blumen- «eschmückteS Boot, besetzt mit Musikanten in fttqKnSdtaii« die aut Mandolinen und Harmo- nikaS eine llagetcke, sentimentale Weise spielen, und am Ufer läuft ei»; ebenso gekleideter Bettler, der in einem kupferite»; Gefäß Geld sammelt für die Musik. Er hält es auch den; junge»; Man»; hin, aber der sieht und hört nichts, schiebt ihn mit seiner Schulter zur Seite und geht weiter; ein roher Fluch wird ihm nachgeschickt, den er nicht einmal vernimmt. In düstere Gedanken versunken, arbeitet er sich in innerem Zwiespalt zwischen Schmerz und immer neu aufloderndem Ingrimm durch die Menge. Er hat nur den ein«; Wunsch: wegzukommen aus diesem irrsinnig machenden Festeslärm, der ihm wie Hohn und Beleidigung in der Seele brennt; z»»hause zu sei»; in der Stille und Einsamkett seiner arntseligen Schlafkammer, noch einnml alles zu überdenken, zu begreifen, zu verarbeiten... Seine Schwester, arineö Mädchen! ... Daß eS so tveit hatte kommen müssen!... ES war zu schlimm, zu irrtvihig... Erst so kurz wußte er alles und die Reue über feine mitleidlose Härte ihr gcgenUberrüttclte an seinem wachgepeitschte»; Gewissen... Plötzlich wurde er durch einen grell aufspringenden Streit im Weitergehen behindert. Die Menschen strömte»; zusammen, verdrängte»; einander, bildeten einen unentwirrbaren Knäuel, i»; den der junge Mann hineingepreßt wurde, ohne sich weiterbewegen zu können. Da wurde gelacht, geschrien, gelärmt. Rauhe Stim- men fluchten, eine Frau schrie gellend auf, Gejohle stieg hoch. Ganz in seiner Nähe über den Köpsen der vor ihm Stehende»; sah der junge Man»; die Ursache dieses Ausbruches... Aus der Tür eines großen, besonders reich geschmückten und beleuchteten Grachthauses stürme»; lachend und jauchzend einige Studenten in Abendkleidung; die färbigen Mützen leuchten über den erhitzten Gesichtern. Sie haben ein molliges Dienstmädchen auS den Armen ihres Liebsten gezerrt, unerwartet, in toller Laune. Der Bursche protestiert, greift nach dein Mädchen, aber unter Gelächter wird er zur Seite geschoben und daS kreischende, in argem Entsetzen»blaffende Mädchen wird aufgehoben, über die Köpfe gestemmt»n»d auf die Schultern der tanzenden, singenden, lachenden Studenten gesetzt. Ihre Röcke flattern. In der Weiße der Wäsche zappeln die schwarzbestnnnpsten Beim, freche Hände greifen danach; sie schreit laut auf, wehrt sich, schlägt»nit zitternden Händen auf dst Köpfe unter sich, weint und schimpft, den Hut schief auf dem sich lösenden Haar. Ringsum rast Erregung. Ermutigendes Schreien, aufmuntcrn- deS Gekicher, Proteste, Fluchen, rohes Lachen. Und die betrunkene»; Studenten tanzen Ivie besessen herum; da» Mädchen hopst hilflos auf ihren Schultern, betastet von lüsternen Händen, schluchzend vor Wut, Demütigung und Scham. Und der kleine Liebhaber wird von einem riesenhaften Studente»;»nit einein Arn; in Schach gehalten, kämpft Vergebeiw um seine Freiheit, stößt mit den Füße»; und kreischt, weint auch sogar vor Verwirrung und ohnmächtiger Wut. Dumm u»ü> grausam lackt die Menge und jauchzt dem frechen Scherze zu. Die wenigen Protestrufe werden nicht gehört im Chor dieser sinnlich erhitzten, halb trunkenen Masse, die zu einem grausamen, wollüstigen Tier wird. Da durchbricht plötzlich der jm^c Mann mit dem düsteren Gesicht die zusammengepferchten. grinsende»; Zuschauer. Mit wenigen Sprüngen ist er mitte»; im Tumult der übermütigen Studenten. Wortlos faßt er das Mädche»; um die Mitte, zieht es mit kräftigem Ruck vo»; de»; Schultern der beiden Rädelsführer, stellt eS auf den Boden, we»»det sich wieder un» und tritt in Positur, um die flu- cheilden. wütende»; Studente»; vom Leibe zu halten. Wilder Zorn durchzittert ih«. DaS gauze Leid der letzten Wochen verdichtet sich zu toller Raserei, die rote Nebel vor seinen Augen tanzen läßt, seine starken MuSkel hart wie Eisen macht, u»ü> in ihm flackert der Vernichtungswille auf: er wird alles i;iederschlagen, was sich ih»n in den Weg stellt. In blindwütigem Zorn geht er wie ei»; Stier mH gesenktem Schädel los. Bevor noch jeinand eingreifen kann, hat er zwei herauSgeputzte, st; Abendkleidung Neuer Handelsvertrag mit Polen „Geeignete Basis für die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen" Prag, 10. Feber. Heute wurde i»; Präg dec Handels- und Schiffahrtüvertrass zkstischen der Tschechoslowakei und Pole»; unterzeichnet, der an die Stelle des früheren Vertrages aus den» Jahre 1025 tritt-, welcher bekanntlich st»; Vorjahre gekündigt worden ist. Der Handelsvertrag, ein sehr umfangreiches Werk, enthält außer einem allgemeine»; Teil, noch eine Reihe vo»; Zoller»nästigun gen für Waren, an denen die eine oder die andere Selle interessiert ist. Außerdem wurde ei»; Veterinärabkommen getroffen und auck ein Abkommen über die Vollstreckbarkeit gerichtlicher Urteile unter- zeichnet. Offiziell wird hiezu noch mitgeteilt: Der Inhalt des heute unterfertigten Handels- und Schiffahrtsvertrages wurde den heutigen Wirtschaftsverhäll« nisten angepaßt, wobei insbesondere auf die Ausnutzung aller Möglichkeiten des gegenseitigen Umsatzes Bedacht genommen wurde, den der tschechoslowakische und der polnische Markt gewährt. Man kann erwarten, das; der abgeschlossene Handelsvertrag eine geeignete Basis für die Vertiefung der »virtschastlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern bilden wird. Der Vertrag läßt die Möglichkeit einer Erweiterung dieser Basis für den Fall offen, daß die. Kaufkraft der Bewohnerschaft in den beiden Länder»; steigen sollte. Ministerrat Prag, 10. Feber. Amtlich wird über den heutige»; Ministcrrat geineldct, dast der Außcn- miuister eine»; Bericht über die aktuelle»; außenpolitische»; Ereignisse erstattete, der zur Kenntnis genominen»vurde. Ueber die Arbeiten an dem neue»; Wirt- schaftsprogranm;»vird lediglich gesagt: Erstattet»vurde ein Bericht über den Feri- gang der Beratungen in den Ministersubkommis- stonen, die Anträge znr Erledigung der dringenden Fragen vorberriten, dir in de»; Komplex der nächsten parlamentarischen und Regierungsarbeiten fallen. Ferner wurde u. a. beschlossen, den» Eisen bahnininistcrimn weitere Mittel auö dein Ertrag der Arbeitsanleihe zur Verstigung zu stellen, die zur Beendigung der Ausstattung der Waggons mit der Druckbremsc und zur Rekonstruktion älterer Lokoniotiven zum Zwecke der Erzielung größerer Leistung, Betriebssicherheit und Wirtschaft- lichkcit verwendet»oerden sollen. Ein Sozialdemokrat Bürgermeister von Jägrmdorf. Taü Ministerium des Inner»; bat auf Grund der g.trollenen Parteienver-ia- barungcn die Ernennung der Jägerndorfer Stadt. Vertretung durchgesübri. Aberkannt wurden<0 Mandate de»; Nationalsozialisten und 6 Mandate der Nationalpartei. Davon erhielten die deutsche»; Sozialdeinokraien 7 Mandate, den Bürgermeister und 2 Stadiräie, die Christlichsozialen 4 Mandate, een Bizebürgermeister->>?- 1 Stadtrat, die Gewcrbepartei und der La«-''- bund 5 Mandate und 2 Stadträte. Die D. S. A. P. hat von 42 Mandaten 21, mit den tschechischen Genossen 22 M....date. Zum Bürg-r- meistcr»vurde Genosse Ernst Richter gewählt. steckende Studente»; zu Boden geschlagen; mit einem Geknurr von Befriedigung sucht er nach einem neue»; Opfer. Erschrockenes Schreien erschallt. Lachen, aufreizende Stufe. Um ih»; ist Raum. Doch unversehens wird er vo»; rücktvärtü angegriffen von zwei starken Männern mit steifen Hüten, dunkle»; Knebelbärten und harten, starren Augen. Behende drehen sie ihm die Arme auf den Rücken und erstaunt fühlt er Fessel»; um seine Pulse sich schließen... Die Geheimpolizei!... Wo kommt die auf einnml her?... Der junge Mann ist erstaunt. Der Zorn verebbt. Seine Glieder sind wie gelähntt. Das Blut saust in seinen Ohre»; und de»; Tumilkt ringsum hört er nur noch wie ein Summe»; ohne Sinn und Bedeutung. Eine»; Moment schließt er die Augen und wankt. Als er sie»bieder öffnet, ist die Menge zurückgewichen und er»vird fortge« stoßen. RingSuin hört er Murmeln, sieht ersckrok- kene, mitleidige und rachsüchtige Gesichter. Hinter ihm taumelt zwischen zwei todcSbleichen, ernüchterten und kräftig fluchenden Kameraden einer der Studenten, der einen starken Schlag abbekommen hat. Die Polizeüvachstube ist ganz in der Nähe. Alle gehen hinein, vor der knallend zufallenden Tür bleiben aufgeregte Menschen debattierend stehen, bis sie von nachdrängendew Festteil- nehmern mitgeschleift werden, angelockt von einer weitweg hännnernden Musik, dem Schein der gualmenden Schenken, dem tollen Rausch dieses tollsten Festtages... In; Sicherheitsbiiro wird der junge Mann verhört. Mürrisch autloortet er und nennt gleichgültig Namen, Alter, Geburtsdatum. Widerstandslos läßt er sich in die Zelle abführen, wo ihm die Handschellen abgcnoinmen werden. Die Tür fällt hinter ihm inS Schloß, Riegel schieben sich knirschend vor. I»; dem spärlichen Licht» daS durch das vergitterte Fenster oberhalb der Türe fällt, betrachtet er die roten Striemen nm seine Gelenke, lacht grünmig auf n»;d läßt die Arme sinken... Dann setzt er sich auf die Pritsche. Ur. 35 ©Bittt tag, 11. FeSer 1934 Seite 3 ninlsferprüsident nal/petr Im Rundfunk über Wirtschaft und Währung Keine Experimente mit der Krone Ministerpräsident Malypetr sprach gestern nachmittags im Rundfunk über die Mrt- schaftS- und WährungSprobleme, wel che derzeit dir Regienmg beschäftigen. Wir befassen unS mit seiner Rede, die von allen tschechoslowakischen Tendrm übertragen wurde, an leitender Stelle. Der Ministerpräsident sagte: Heber die Wirtschafts- und Währungsfragen in unserer Republik kursieren in der Bevölkerung die verschiedensten Gerüchte, Vermutungen und Andeutungen, die vor allem jene beunruhigen, die sich nicht überzeugen können, wieviel an ihnen Wahres ist. Ich erachte es deshalb für meine Pflicht, auf diesem Wege wenigstens kurz auSeinanderzusetzcn, lvarum cs notwendig ist, im Zusammenhangs mit der Wirtschaftskrise der gegenwärtigen Zeit sich auch mit den WährungSsragen zu befassen. Ich habe bereits bei Behandlung des Staatsbudgets darauf aufmerksam gemacht, das; cS notwendig ist, sich nach Möglichkeit um die Belebung unseres Wirtschaftslebens zu kümmern. Hiezu ist cs notwendig, den Warenabsatz bei unS zu Hanse durch Stärkung der Kaufkraft unserer Bevölkerung zu erhöhen, den Absatz unserer auf die Ausfuhr angewiesenen Erzeugnisse zu dergröhern, unserer Erzeugung einen genügend großen Kredit zu billigen: ZinS und Erleichterungen in der Belastung durch öffentliche, sei es staatliche, autonome oder soziale Abgaben zu verschaffen und die Schwierigkeiten deS Wettbewerbes im internationalen Handel zu lösen, die dadurch entstanden sind, daß sich die Währungen einiger Staaten gegenüber unserer Währung in einem anderen Verhältnis befinden, als dies vor drei Jahren der Fall war. ES kann uns nicht gleichgültig bleiben, das; das englische Pfund im Jahre 1931 162 biS 164 KL und heute rund 110. KL kostet. EiportrtcKgang und Arbeitslosigkeit Wir dürfen nicht vergessen, das; wir auf einigen Gebieten der Produktion, sowohl der landwirtschaftlichen als auch— und namentlich— der industriellen, auf den Export ins Ausland angewiesen sind. Bei der Industrie handelt es sich ungefähr unr die Hälfte unserer Produktion, allerdings bei voller Beschäftigung der Betriebe. Hieraus folgt natürlich, das; sich unser Wirtschaftsleben um so mehr verengert, je mehr die Menge unserer exportierten Waren sinkt. In der Industrie verursacht dieS Arbeitslosigkeit und in der Landwirtschaft eine Preissenkung stark unter die Gestehungskosten. Diese beiden Erscheinungen schwächen die Fähigkeit deü Ankaufes der heimischen Waren» womit wicdcrunr dir Arbeitslosigkeit vergrößert wird und die Preise in der Landwirtschaft vermindert werden. Der Ministerpräsident erläutert dann an einem Beispiel, kvie unser Export durch die Kursänderung deü englischen Pfunds und anderer Währungen auf dem internationalen Markt aus der Konkurrenz gedrängt wird, und fährt fort: Dem könnten Ivir nur dadurch steuern, wenn wir uns dieser: niedrigen Preisen durch Verminderung unserer ErzeugungSkosten anpaffen könnten. Wenn wir darüber erwägen, ob cö möglich ist, so kommen wir zu der durchschnittlichen Berechnung, derzufolge eS notwendig rväre, die Löhne, die Zinsen, Steuern::nh andere Abgaben mindestens nm 28 Prozent zu kürzen, also um ein Viertel gegenüber dem gegeMvärtigen Stande. Wir sind nicht der Ar:sicht» das; dieser Vorgang durchführbar wäre, m:d deshalb wird erwogen, ob eö nicht notwendig tst, in unseren Währungsverhältnisse:: dieses schwere Hindernis unserer Konknrrmzsähigkeit im Auvland zu be- seitigm. Wenn wir uns entscheiden sollen, so fft not- ivendig, unS ganz klar zu sagen, was Ivir vermeiden müssen, damit wir hiebei nicht mehr Schaden als Ruhm in unseren inneren wirtschaftlichen Verhältnissen haben. Keine Inflation! Deshalb habe ich öffentlich u:ü> entschieden gesagt, dass es bei unS keine Inflation geben wird. Machen wir für einen Augenblick Halt bei diesem Keinen Wort, das dort, wo eS verwirklicht wurde, schwere wirtschaftliche Schäden verursacht hat, und das deshalb Angst erweckt, vor allen: bei denjenigen, die auf die Zahlungen und Löhne oder auf den Ertrag ihrer Ersparnisse angewiesen sind. Man könnte ssch darüber nicht wundern, wenn bei unS diese Gefahr tatsächlich be- ftünde. Aber sie besteht nicht und kann nicht bestehen, so wie sie sich auch nicht in England und auch nicht in aiü>ercn Staaten geäußert hat, die, wie bereits gesagt wurde, sei eS aus eigenem Willen, sei es durch die Umstände gezwungen, eine Verminderung deS Goldgehalts ihrer Wäh« rmig durchgeführt haben. Inlandprelse nur unwesentlich betroffen In allen diesen Staaten hat sich die Tatsache erwiesen, daß im inneren Wirtschaftsleben fast keine Aenderungen eintraten und dort, wo sie doch auftraten, sie entweder nur gai:z vorübergehend oder sehr geringfügig ivaren. Um dieS gut zu verstehen, muß angeführt werden, daß sich die Preise in England und andertvärts, nach einer sehr kleinen Schwm:kung, wieder auf dem gleichen Stand stabilisierten, auf den: sie sich vor der Wäh- rungürcgclung befanden. ES ist deShalb sicher, dass eine besonnene und vernünftig durchgesührte Wähnmgsänderung int inneren Wirtschaftsleben weder eine Zerrüt- i 1»ng noch einen Umsturz Hervorrufen und das; sie ans die Geldeinlagen keinen Einfluß Haban tarnt. Weil bereits nach den Verhältnissen anderwärts bewiesen Ivurde, daß WährungSmaßnahmcn— soferne sie keine wirkliche Inflation sind— keine einseitige verteuernde Wirkung haben, ist jedwede Bcunnihigung miS diesen: Grunde vollständig überflüssig. Die Verbreitung beunruhigender Gerüchte solcher Art find deshalb nicht nur schädlich, sondern direkt strafwürdig und zwar deshalb, weil sic diejenigen, die ihnen Glauben schenken, zu überflüssigen Käufen von Waren oder Immobilien bewegen kann, bei welchen sie in Zukunft nicht wieder— wie man sagt — zu ihren: Geldc koinmcn können. Es ist begreiflich, daß diese durch nichts begründete Angst, insbesondere bei den Einlegern, entweder von Leuten verbreitet und absichtlich gefördert wird, die von diesen Fragen überhaupt nichts verstehen, oder von solchen, die daran selbst etwas verdienen möchten. Deshalb werden dazu die sonderbarsten, vollständig erdichteten Gerüchte hinzugefügt, so z. B. das; das Geld neuerlich gestempelt werden wird, oder das; jedem Einleger ein Teil seiner Einlagen abgeschrieben werden wird und weitere derartige — verzeihen Sie mir, bitte daS hart« aber verdiente Wort— Dummheiten. Im vollen Bewußtsein meiner Verantwortung, sowohl vor nwinen: eigenen Gewissen als mich in Ausübung:::eines schweren verantwortlichen Amtes, würde ich mich niemals dazu hcrgeben, vor vielleicht hunderttau- sendcn unserer Bürger, welche in diesem Äugen« Paris, 10. Feber. Die Spuren der gestrige» Ausschreitungen sind überall zu sehen: Entwurzelte Bäume, zertrümmerte Bänke, KioSke und Fensterscheiben, herauSgeriffenrr Asphalt, rauchgeschwärzte Portale zweier Kirchen, mehrere verbrannte AutoS und Autobusse usw. Die Presse bezeichnet die gestrige kommunistische Kundgebung als wahren»revolutionären Aufruhr". Die Manifestanten, welche nicht zum Place de la Röpublique gelangen konnten, waren durch vier Stunden tatsächlich die Herren des Stadtviertels vom Nordbahnhofe bis zum Boulevard Voltaire. Sie besetzten außer den: Ostbahnhof fiir einen Moment auch den Nordbahn Hof. Beide Bahnhöfe waren über zwei Stunden für jedweden Verkehr gesperrt. Die Manifestationen dauerten bis 1 Uhr früh. Der Polizeipräfekt ließ nach 22 Uhr von allen Seiten erhebliche Verstärkungen heranziehen, welche die Lage nach Mitternacht beherrschten. Die im Verlaufe deS gestrigen AbendS und der Nacht erfolgten Zusammenstöße waren ungewöhnlich scharf, da die Manifestanten an zahlreichen Stellen Barrikaden errichteten, hinter welchen sie sich verbargen und gegen die Polizisten Schüsse abgabrn. In zahlreichen Stadtvierteln griff auch die Bevölkerung die Polizei an. ES wurden beiderseits Tausende von Schüssen avgefeuert. In beiden Lagern, namentlich aber unter den Kommunisten, gibt eS viele Verletzte. Die wirtliche Zahl der Verlebten kann aber bisher, ni^'t angegeben werden, da die Manifestanten ihre Verletzten selbst wegschafften und in Pflege nahmen. In den Krankenhäusern waren über 300 Verletzte in Behandlung, 60 wurden dortselbst belassen. Unter denselben befinden sich viele Schwerverletzte. Die Zahl der verletzten Gardisten und Polizisten beträgt etwa 60. Gestern toar mitgetcilt worden, daß auf dem Ostbahnhof ein Polizist durch einen Revolverschuh getötet wurde. In Wirklichkeit wurde er aber nur s e h r blick hier zuhören, etwas zu sagen, Ivovon ich nicht überzeugt wäre, daß cd ivahr ist. Wir werden niemanden, weder bei uns noch im Auslande schädigen. Wir erwägen nur, wie wir uns der Schäden erwehren, die uns dadurch verursacht wurden, daß die Währungsverhält- nisse anderer Staaten eine Ivesentliche Herabsetzung unserer.Konkurrenzfähigkeit im internationalen Handel herbcigeführt haben. Wir dürfen nicht ruhig auf die Tatsache blicken, daß mehr als drei Viertel dieses imtenmtionalcn Handels von diesen geänderten Währungen beherrscht werden. Vie Krone bleibt stabile Goldwährung Aber um eines werden wir uuü sorgsam kümmern, daß nämlich unsere Währm:g nicht rin Spielzeug kn der Hand einer Finanzsprku- lation werden kaum. DeShalb könne» wir diese Angelegenheit nur durch die gesetzgebenden Körperschaften regel» und so die Stabilität unserer Währung sichren, auch tvem: die Gold- menge, der unsere Pnpirrkronc gleichkon:mt, um etwas herabgesetzt würde. Unsere Währung bleibt deshalb eine Goldwährung und in ihrem Verhältnis znm Gold wird sic nur durch daS Gesetz geregelt. Noch eines muß mm: dabei bedenken, und zwar, daß durch die Regelung dieser Angelcgen- fo:it unsere inneren wirtschaftlichen Schwicrigkci- tcn nicht schon an sich verschwüren, das; dadurch daS Mißverhältnis der Preise zwischen den einzelnen Zweigen der Produktion ausgeglichen wird, und daß dadurch nicht dem Einhalt geboten wer- dcn kann. tvaS von der Regierung in der Regie« ningScrklänmg von: Jahre 1933 gesagt wurde, nämlich die AnStvüchse der Kartell wirt- s cha s t und der Vermittlungstätigkeit zu beseitigen. Auch die Fragen eines ausreichenden und billigen Kredites sowie der Entschuldung werde» eine eigene Lösung verladen, desgleichen eine ganze Reihe anderer Fragen. Wir dürfen deshalb von irgendwelchen Eingriffen der öffentlichen gesetzgebenden oder staatlichen Geivalt keine Wunder erwarten, sondern müssen unS aufs eifrigste darum kümmern, daß wir aus der Tiefe der schweren Wirtschaftskrise— sei eS auch nur Schritt für Schritt— zu einem besseren wirtschaftlichen Niveau der gesamten Bevölkerung aufsteinen, deren beide an Zahl stärksten Schichten, die Arbeiter und die Land- Ivirte, verhältnismäßig an::::cisten gelitten haben. Schutz der Schwächsten E s wäre volkswirtschaftlich nichtrichtig, die starken Komponenten des Wirtschaftslebens zu vernichten, aberenar:»:uftsi ch vorallem um die wirtschaftlich Schwächste» k ü m n: e r n. schwer verletzt. Bisher läßt sich noch nicht sagen, ob er mit dem Leben davonkommen wird. Insgesamt ivurde» über 800 Personen verhaftet. Sehr viele von ihnen wurde» bei der Abgabe von Schüssen, bei der Vornahme von Gewaltakten usw. ertappt. Chlappe wird Gesandter? Der Vorsitzende der Pariser Stadtverordnetenversammlung ist beim Innenminister Sar- raut vorstellig geworden mit der Forderung, die Regierung möge den frühere» Polizeipräfckten E h i a p p e und den aus Solidarität mit ihm zurückgetretencn Präfekten des Seinedcpartemcnts R e» a r d wieder einsetzen, da sie das volle Vertrauen der Pariser Bevölkerung genießen und ihre» Aufgaben geivachsen seien. Innenminister Sarraut wies daraufhü:, daß nicht er, sonder:: dieRegierung darüber zu entscheiden habe. Von zahlreichen Seiten wird aber erklärt, daß Chlappe selbst ersucht hat, im Interesse der Versöhnung nicht lviü>er als Polizeipräfekt von Paris eingesetzt zu werde::. Er habe aber erllärt, daß er der neuen Regierung für jeden andern: Posten zur Verfügung stehe. Chiappc soll znm Botschafter in Brüssel auSersehen sein. Renard dagegen soll neuerdings seinen früheren Posten als Seinc-Präsclt übernehmen. London, 10. Feber.(Reuter.) Das Handelsministerium erließ eine Verordnung, wonach auf französische Waren ein 20prozentiger Zusatzzoll ad Valoren: über den heutigen Tarif eingeführt wird. ES handelt sich«n: Kleider, die in Frankreich erzeugt werden, un: Schuhwaren, Sck/muckfedern, künstlige Blumen, Obst, Pelz-, Leder- und Seidenwaren. Dieser Zusatzzoll gilt Streikparole bleibt aufrecht Mißbrauch durch die Kommunisten Der Allgemeine Grwertschnstvvervand b e» st e h t auf den: Generalstreik, dem sich auch die Sozialistische Partei, die Neosozialist en und die Liga sür Mensche»rechte angr schlossen haben. Die radikale Partei erließ eine Erklärung, worin sic es sämtlichen Föderationen der Partei f r e i st e l l t, ob sie sich dem Streit anschlirßcn wollen oder nicht., Samstag abends nach Arbeitsschluß erschienen auf den Straßen der Arbeiterviertel zahlreiche Vertrauensmänner der Arbcitcrshndikatc und verteilten einen Ausruf znm Streik. Die Polizei schritt jedoch nirgends ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß Paris, 10. Feber. Das Kabinett Dou- m e r g u e ist an: Samstag gegen Abend zur ersten Kabii:cttSratSsihung zusammcntrcten, auf deren Programm die Beratung über die Lage, über die crstci: Maßnahmen zur Herstellung und Aufrechterhaltung der Ordnung, die Liquidierung der Stavislh-A'färc, die Vorbereitung de» Budgets für das Jahr 198-1, die Frage der inneren Beruhigung und dringende anhenpolilifchc Fragen entschieden. Der Justizministcr ivurde ermächtigt, über die rasche Durchführung der in: Znsanm:e::hang mit der StaviSkh-Afsäre im Zuge befindlichen Untersuchung zu wachen. Tie Regierung beschloß im Prinzip die Einsetzung einer p a r l a m e n- t a r i s ch e n U n t c r s u ch n n g ü k o m m i s- s i o::, ähnlich den tlntersuchungSkonunissivnen, die früher in Tätigkeit waren. Boulsson tritt aus der Partei aus Wie HavaS meldet, ist der Vorsitzende der Dcpnticrlcnlammcr B o u i s s o n aus der sozialistischen Partei ausgetreten; er begründet diesen Entschluß mit dem Hinweis auf die K r i t i k, der er seitens der Mitglieder der sozialistischen Partei wegen seines Verhaltens bei den letzten Ereignissen ausgesetzt war, obtvohl er in vollem Einvernehmen mit dem Senatspräsidcntcn Jean- ncnetz vorging. Wie Goebbels den Thälmann* Prozeß vorbereitet Paris, 10. Feber.(Jnprcß.) lieber die Vorbereitungen deS angckündigtcn Prozesses gegen den Führer der KPD, Ernst Thälmann, erfährt das Internationale Befrciungskomitec: In: Auftrage des Propagandaminifteriums hat sich die Nazi-Justizbehörde, unter Aussetzung einer Belohnung, an Prostituierte und Zuhälter sowie Wirte berüchtigter Lokale in Hamburg ge- lrandt, un:„Zeugen" für Orgien und Seltgclage deS kommunistischen Parteiführers her.bcizuschas- fen. Weiter haben die Polizeipräsidenten von Berlin und Hamburg unter Aussetzung einer Belohnung eine Rundfrage an ihre Agenten und Vcr- bindungslcnte lSpitzel) erlassen, in der zur Beibringung von„Material" gegen Thälmann ansge- fordcrt lvird. Schließlich hat sich das Propaganda» I Ministerium an eine Reihe von Renegaten, llcbcr- läufcrn und Ausgeschlossenen gewandt, ans der Kindheit, Jugend und den: Privatleben Thälmanns möglichst„sensationelles Material" hcr- beizuschassen, das zn dessen persönlicher Diskreditierung beitragen könnte. Vie Karlsbader Bankaffäre Zwei weitere Prokuristen verhaftet. Karlsbad, 10. Feber. Gestern abends verhaftete die Karlsbader Staatspolizei über Auftrag der StaatSantvaltfchaft Eger die beiden noch auf freien: Fuße befindlichen Kolteltivprokuriften des Bankhauses Mäher, SeveruS Laubenfeld und Josef Mayer. Die Ursache der Verhaftung ist darin zu suchen, das; in: Laufe der Untersuchung daS Vorhandensein eines G c h e i m s ch r a n- k e S festgestellt Ivurde, von dem bisher weder die Untersuchungobehördc, noch die Konkursmassenverwaltung Kenntnis besaß. Die beiden verhafteten Prolnrisicn ivurde» dem KrciSgcrichtc Eger eingeliefcrt. In: Zusammenhang mit den Verhaftungen ivurdcn an fünf Stellen HauSsuchun- I gen vorgcnommen. nicht für Waren aus den: Saargcüiete. Es wird, jedoch in Fällen, wo cs sich un: die eben zenannten Warengattnngei: handelt, eine bcsondereUr- sprungSvcstütigung auch für Waren spanischer, portugiesischer, italinischer, schweizerischer, deutscher, hollkndis.'icr, belgischer Herkunft sowie auch fiir Ware» aus den: Saargebiet verlangt iverden. Die Straßenkämpfe um den Pariser Ostbahnhof Tausende von Schüssen beiderseits absefeuert Englische Zollrepressalien gegen Frankreich Seite l Sonntag, 11. Feber 1034 Nr. 38 Bremser oft verschlingt! I > | | die Menschen schieben ans dem Olesicht, geblieben, den Kanal im zugefrorcncn Hudson geöffnet hatten. Ein schamloser Kitschdiktator. Herr Doktor Joseph Goebbels, der ReichSgrcuelproPaganda- Minister des„Dritten Reiches", hielt anr Freitag Abend in der Krolloper vor Filmfachleutcn eine Ansprache, die wegen ihrer selbst bei diesem Herrn ungclvöhnlichen Dreistigkeit kommentiert zu werden verdient. Herr Goebbels erklärte wörtlich— und es war tvirklich nicht hunwri- stisch gemeint—„cs handle sich darum, der deutschen Filmindustrie Leu ausländischen»Markt Vom Rundfunk Empfehlenswerte» an« den Programmen: Bon der Hochzeit in den Tod Lastauto überführt.Hochzeitswagen. Ujhorod, 10. Feber. Donncrötag, spät abends, stich auf der Straste von UZHorod nach Mukakvo ein Lastautomobil mit einem Bauerntvagen zusammen. Hiebei wurden vier Personen getötet und fünf verletzt. Den Bauernlvagen lenkte der Bürgermeister der Gemeinde Stare Davidkovo im Bezirke Mukakevo, Alexander S i k s a y, welcher in Gemeinschaft mit acht Teilnehmern von einer .Hochzeit bcimkchrtc. Der Wagen lvar nicht beleuchtet und fuhr mitten auf der Straste. Ihm fuhr das Lastauto der Uzhoroder Fabrik für künstliche Fette, das vom Chauffeur Ionas Grünfeld ge- lentt lvurde. entgegen. Als Grünfeld den Wageil SiksayS erblickte, lvollte er ihm auSlvcichcn, doch Siksay begann gleichfalls alif die unrichtige Seite auszuweichen und fuhr direkt in das Lastauto. Der Chauffeur bremste, der Wage» geriet aber ins Schleudern und fuhr geradezu inmitten des Bauernwagenö. Bei dem Zusammenstöße wurde der letztere vollständig zcrtrümincrt, ein Pferd getötet und ein zweites verletzt. Bürgermeister Siksay wurde so schlver verletzt, dast er den erlittene» Verletzungen sofort erlag. Drei auf dem Aauernwagen befindliche Personen Wurden tödlich verletzt. Einer der Frauen ist das Gehirn ausgeronnen. Die übrigen vier Personen des Bauern- tvageus wurden leicht verletzt. Alle Verletzten wurden von der hcrbcigcnifenen Polizei in das staatliche Krankenhaus in Mukakevo gebracht. Die Verletzten sagten aus, dast der Bürgermeister Siksay zwar bei der Hochzeit eine große Menge Wein getrunken hatte, jedoch nicht betrunken war. Der Chauffeur G r ü n f e l d, welcher eine leichte Verletzung davongctragcn hat, lvurde nach ärztlicher Hilfeleistung verhaftet. Reue 6(OneUjuglot0motibe vee tfj0e^of!oioafi|^en Staatsvaynen Dieser Tage setzen die tschechoslowakischen Staatsbahnen eine neue, von den Skodawerkcn erbaute, Schnellzugslokomotive in Betrieb. Es ist di.s die größte in der Republik je erzeugte SchnellzugSlolomotive und eine der größten Schnellzugöinaschinen Europas. Die Lokomotive bat vorn ein Zweiachslaufwerk, vier gekuppelte Achsen und eine Laufachse hinten. Ihre Gesamtlänge ohne Tender ist: 10.81-1 Meter, gekuppelt mit einem Tender von 80 Quadratmeter Wafferin- hall, erreicht die Gesamtlänge 20 Meter. Die Lokoniotive entwickelt beinahe 8000 BS. das ist die größte Leistung, die bisher bei einer Maschine der tschechoslowakischen Bahnen vorgekommen ist und vermag einen Zug voit 580 Tonnen Gelvicht lcttva 13 Schncllzugwagen) mit einer Höchstgeschwindigkeit von 110 Stundenkilometecil zu ziehen. Tas Gesamtgewicht dieses Stahl- kolosseS beträgt 102 Tonnen, Sturm, Winterstemitier, Brandkatastrophe« Große Berlvüstungcu in Palm Warschau, 9. Feber. In der verflossenen Nacht hat eilt orkanartiger Schneesturin, tvelcher über die westlichen und mittleren Gebietsteile Polens niederging, große Vcrlvüstnngcn verursacht. Im Dorfe Imicwin bei Warschau lvurde ein Baucrngehöft dein Boden gleichgemacht, lvobci die Bäuerin und der Knecht unter den Trümmern den Tod fanden. In dem Dorfe Bablce bei Warschau wurde eine Bäucriil getötet, welche unter einer zusammcngestürztcil Scheune begraben lvurde. Ferner hat der Sturm in der Gemeinde Kostary bei Brest einen Brand verursacht. Trotz der sofort cingeleitetcn Rettungsaktion wurden 04 Wohnhäuser, das sind fast zwei Drittel des Dorfes gänzlich cingeäschcrt. Bei Krakau hat der Orkan in dem Dorfe Radziszolv einen Brand verursacht, durch den über 30 Wohnl>äuser und zahlreiche Wirtschaftsgebäude völlig cingcäschert wurden. Bei dem Brande wurden 0 Eintvohncr schwer und mehrere leicht verletzt. In Warschau selbst lvurdcn durch den Orkan mehrere Auslagenscheiben in den GcschäftSlädcn eingedrückt und durch die Glassplitter zahlreiche nächtliche Sira- ßcnpassauten verletzt, lieber Po>cn ging ein Schneesturm und ein Wintergewitter nieder. Infolge des Orlancü lvurde» auf zahlreichen Strecken die Telegraphen- und Telephonleitungcn zerstört. Wien: Ter Frühling naht— rr sucht nach Waffen, 3» Wien wird lebhaft disputiert, .Herr Feh will„Tatbestände" schaffen, Verflucht, das; niemand konspiriert! Er sucht von oben bis nach unten, Herr ToUfus; lächelt etwas matt, Nud stebe da, nach 50 Stunden, Hat rS selbst Feh für diesmal satt—! Ter Kanzler will um Ruhe bitten, Ob ihm die Bändigung gelingt? TnS sind des Frühlings rauhe»2itten, Daß rr den Berlin: Ter Frühling naht, Ten Maulkorb facht Soweit das Rückgrat ganz Grollt man diskret—. Mehr ist nicht. Ein Lüftchen weht. Noch schüchtern, leise, Wird auS dem Babh wohl ein Mann? ES nicht ganz unerlaubterweise, WaS ihm gewiß nicht schaden kannl So lebt daS kleine Ding inmitten Ter kalten Diktntorrnpracht, TaS sind des Frühlings rauhe Sitten— Hört wie e« flüstert, knistert, kracht! Pierre. Küttewelile Wer Amerika Todesopfer Aussig— die Stadt der Selbstmörder Aussig gehört zu de« Städten mit der größten Prozcntzahl von Selbstmördern. In den letzten vier Jahren entfällt pro Woche ein Selbstmord oder Selbstmordversuch, der zu 50 Prozent tödlichen AuSgang nahm. Im Jahre 1931 unternahmen allein 02 Personen Selbstmordversuche, 40 Fälle endeten mit dem Tod. In den letzten vier Jahren(1030/38) unternahmen 225 Personen Selbstmordversuch, 123 Fälle nahmen einen tödlichen Ausgang. In den übrigen Fällen lonnte das Leben gerettet werden. Das Alter der Selbstniörder bewegt sich zwischen 16 und 76 Jahren, das hauptsächliche Motiv ist unglückliche Liebe und Arbeitslosigkeit. Aiontaa Prag, Sender L. 10.05: Deutsche Nachrichten, 11: Salonorck ester, 17: Pädagogischer Rundfunk, 18.25: Deutsche Sendung: Dr. Robert Kirschner: Mensch nud Insekt, 19: D eu t sch c Prcsscnachrichtcn, 20: Ilcbcrtragung aus dem Nationalchcaier„Eva", 22.85: Deutsche Nachrichten. Sender S. 1-l.30: Schallplaiten, 1-1.50 Harfenkonzert, 15.15: Stunde für die Frau, Hedda Zinner: Die Frau im Zeitalter der Maschine, t 6.45:DeutschcPrcsse nachrichten, 19.05: Gesaiigskonzert- Brünn: 17.16: Neuerscheinungen in der nordamcrikanischen Literatur, 18: Körpererziehung mid Sport, 18.25:-Deutsche Sen- d u ng: Wintersport im Altvatcrgebirge, 19.20: Har- monikasolo.— Prcßburg: 10: Nachmittagskonzcri. — Wien: 12: Mittagskonzert, 10.05: Für die Kleinen, 22.20: Tanzmusik. Zeit an— waS gar nickst böse gemeint ist, denn an der„neueren" Feit ist wahrhaftig nicht alles besser, auch nicht an der neueren Literatur. Spina über das„Role Kreuz". Minister Spina hat einem Vertreter des Deutschen Nachrichtendienstes ein Interview gegeben, in welchem er sich über die Aktion„Die Demolratic dem Kinde" äuhcrte. Er sagte da unter anderem: Die Aktion,„Die Demokratie dcm jdinde", ist auch ein Prüfstein für die Demokratie, auf die die Augen einer durch Not und Elend gegangenen Nachwelt nur verächtlich blicken könnten und darum ist die Hilfe für das Kind für uns alle eilte doppelte Pflicht, nicht nur eine menschliche, sonvcrn auch eine politische uitd eilte Zeit oder eine Generation, die diese Pflicht nicht zu erfüllen verstände, hätte für immer abgclvirtschaftet. Bemcrkcnstvcrt ist ferner die.Kritik, die der Mini- stcc am Tschechoslowakischen Roten Kreuz übt. Er hofft nämlich, dast die Aktion„für das Kind" auch dazu beiirägi.„endlich außerhalb und neben der Politik jene Plattsorin zu schaffen, die selbst vor dem Kriege bestand und in der Tschechen und Deutsche in der Erfüllung humanitärer Ausgaben einträchtig Zusammenwirken, nicht nur gelegcnt- lich, sondern ständig. Diese Funktion zu ersüllen, ,'väre zweifellos Ausgabe des Tschechoslowakischen 'Noten Kreuzes. Im alten Ocsterrcich-klnganl war daS Rote Krenz eine über und außerhalb aller politischen und nationalen Fragen stehende Organisation— was sicherlich auch für unsere Verhältnisse ein erstrebenswerter, idealer Zustand wäre." Verhaftetes Eiubrechertrio. Als den Urheber dcS Einbruches in die Wohnung des Jos. M i r s ch in M a r i a s ch c i n, bei welchem Wertsachen im i Werte von 2100 Kö cnilveitdet wurden, verhaftete die Anssiger Polizei de» aus Teplitz-Schonan stammenden Chauffeur.Karl Angerl, der am 30. Oktober nach Verbüßung einer mehrmonatigen Kerkerhaft entlassen worden lvar. Angerl gestand die Tat ein und nannte auch seinen Mittäter, und ! zwar den bereits mehrmals vorbestrasien Oswald Tagcsncuiglrcltcn Internationales Frühlings-Barometer Parks: Der Frühling nabt, wie stets, mit,Brausen, Er knallt und' schmettert wie noch nie, Entflautmte Steuerzahler bansen, Der Aufruhr gilt nlS„dernier eri"! Bei Ttciiten, Latten und Pistolen Zerschmolz daS lebte Kabinett, Duumcrgue, als Retter vorgeschoben, Bezieht rin stark zcrwüblteS Beit— Wird er die Firnta wieder litten—? Macht sic der neue Ebes solvent—? TnS sind des Frühlings raube Sitten, Tast man schon neue Namen nennt! New?)ork, 9. Feber. Die Ost- und Nordoststaaten werden seit Donnerstag von einer unge- tvöhnlichen.Kälietvelle heimgcsuchl. Int Eisenbahn- und Straßenbahnverkehr kam cs vielfach zu erheblichen Störungen. Die Schiffahrt mußte tcil- Iveisc eingestellt tverdcn. Am Freitag früh lvurdcn in New shork etwa 24 Grad Celsius unter Null gemessen. Die obdachlosen llntcrkünfte sind überfüllt. Die Noittandsarbeiten mußten eingestellt werden. Etwa 80.000 Arbeitslose sind davon betroffen. Auch in Washington herrscht ungelvöhnliche Kälte. Der Freitag Ivar mit 24 Grad unter Null der kälteste Tag seit dcm Jahre 1912. Die Folgen für die sonst an ein mäßiges subtropisches Klima gewöhnte Bundeshauptstadt sind schwer. Mehrere Persoucu sind erfroren. Glatteis führte zu zahlreichen linsällen. In den Gebirgsgegenden erreichte das Thermometer einen noch tieferen Stand. In Highpoint (New Jersey) wurden 40 Grad Kälte gemessen. Zum ersten Male seit 60 Jahren ist der Ontario-See wieder zugefrorcn. Infolge der Kälietvelle sind 22 Personen umS Leben gekommen. Der Laccrie-Sce ist von dem einen Ufer zum anderen zngefrorcn. Auf hoher See gegenüber Pecod, im Staate Massachusetts, sind 75 Fuß lange Eisberge zum Vorschein gekommen.— Die Polartemperatür, welche in der letzten Zeit in New Vor! geherrscht hat, hat 26 Grad unter Null erreicht. Der Trans- ozcaiidampfcr„Beregaria", tvelcher eine Ladung europäischen Goldes an Bord hatte, langte nach mehrstündigem Warten im Hafen ein, nachdem Eisbrecher und Remorqucurc den Durchgang durch P c e s c aus Teplitz und Josef M i r s ch aus Ma« riaschcin. Den Genannten wird auch eine Reihe anderer Einbrüche in Nordböhmen zur Last gelegt. Josef Mirsch, ein Enkel des Beraubten, leugnet. Nicht aufspringen! Die Staatsbahndireltion in Brünn meldet, dast am 0. d. M. um 17 Uhr 81 in der Station Knnovicc bei dem unerlaubten Aufspringen in den abführenden Personenzug Rr. 707 der 16jährige Kcllnergehilfc Jarosiav Ratajsky aus Vesely n. M. unter die Räder geraten ist. Die Zwaugsverstrigernng des Anna-Schach- tcs neuerdings verschoben. Die für gestern anberaumt getvcsene ZlvaugSversteigerung des Trnp- schitzer Anna-Schachtes wurde wiederum verschoben, und zwar auf den 12. Mai. Bis dahin wird die Firma Stcjskal a spol. die Belegschaft der Grube zlveifelloS noch einmal kündigen, wie man cö von ihr ja schon längst gclvohnt ist. Die Aufbauarbeiten am Schacht tverdcn ab Donnerstag in Angriff genoiinncn und eS tvird vor allem der Fürderturm und die SorticrnngSanlage wieder Hergerichtei. Ob auch die Seilbahnftation des Andrenü-SchachkeL wieder instand gesetzt wird, ist bis zur Stunde noch nicht bekannt. Die Belegschaft wird nach Fertigstellung dieser Ausbau- arbeiten tviedcr auf dcm Anna-Schacht beschäftigt tverden. Kopriva in Pautraz. Kopkiva, der des Raubmordes an dein Kutscher F o r g a c z aus Strasth- uitz beschuldigt wird, ist g e st e r n nach Pankraz übcrgcführt worden. Trotzdem er in den Augen der.Kriminalisten bereits als überführt gilt, leugnet der Verhaftete die Tat noch immer. Es sind bereits umfasseitde Ermittlungen über sein Vorleben angestellt ivordcn. Dabei hat man in Er- sahrung gebracht, dast Kovkiva bereits mehrmals vorbestraft ist. ll. a. tvnrde er einmal wegen Diebstahls und cittmal tvcgen Meineids zu längeren Freiheiisstrasett verurteilt. Alle böhmischen Gerichte sind befragt tvorden, ob sie cttvaL über den Verhafteten lvisicn. Als Uuterstichungörichter wird Dr. Vlk den„Fall Kopkiva" führen. Tie japanische Schaluppe„Schatamarn" ist mit Volldampf in Taircn eingetroffcn. Der Kapi- ,jän teilte mit, dast sein Schiss und drei andere japanische Schaluppen von f ü n Piraten- schiffen überfallen wurden und daß cS ihm nur durch ein geschicktes Manöver gelang, sich der Gefangenschaft zu entziehen. Die japanischen Militärbehörden in Port Arthur ersuchten die MariurbasiS um die sofortige Entsendung dreier Torpedobootzerstörer, welche die Nachforschungen nach den drei vermißten Schaluppen ausnehmen sollen. Wahrscheinliches Wetter heute: Bei vorwiegend westlichem Winde lvcchselnd bewölkt, ohne erhebliche Niederschläge; in den nördlichen Teilen der Republik zeitweise windig, im Süden teilweise heiter mit Nachtfrösten. Auf den Bergen Ganziagfrost. tviedcr zu erobern, den sie durch den vor Hitlers Machtübernahme gang und gäbe gewesenen Filmkitsch verloren hätte." Der sarkastische Witzbold wieder Willen besaß sodann die Kühnheit, angesichts der braunen Filmkatastrophe von den „hohen künstlerischen Zielen" und den„neuen Gesichtspunkten" der gleichgcödcten Filmproduk- tion zu reden. So also wagt Herr Goebbels die armseligen Sklaven des Filmmarktcs zu froz- zeln, und sie dürfen noch nicht einmal eine Miene verziehen, tvenn der ministerielle Harlekin seine Faschingsscherzc als ernsthafte Parolen erwachsener Menschen in die lächelnde Welt schmettert. Wen glaubt denn der Propagandamixcr der nationalsozialistischen Unkultur mit derlei sinn- kosen Mätzchen düpieren zn können? Wendet man sich nicht allerorts mit Grausen und Widerwillen von dein unsäglichen Kitsch ab, den die erwach- ten Pfuscher produzieren? Ist der deutsche Film seit der Machtergreifung der Nazis nicht aus einen Tiefstand gesunken, wie er beschämender nicht gedacht werden kann? Alle namhaften Künstler, alle wegweisenden und schöpferischen Regisseure hat man verjagt und den parteier- gebcncn Dilettanten daS wertvolle Instrument des Films in die Hand gegeben. Ein 25jährigcr Jüngling, dessen Spezialität cS war, Bcrleum- düngen zu fabrizieren und weiße Mäuse in pazifistischen Filmen loszulasscn, darf auf der verrat- t teten Klaviatur des deutschen FilmS nach eigenem Gutdünken„spielen"! Von Filmkitsch der! . anderen und den«hohen künstlerischen Zielen" redet der neudeutsche Komiker und mit diesen «Zielen" meint er den beispiellosen Ramsch, die am laufenden Band fabrizierten Gclatinofetzen, in denen der Kitsch seine Triumphe feiert, und über denen Regisseure, die mit keinem Funken Talent geschlagen sind, die Mistgabel als das Instrument der Knnsttendenzcn schwingen. Das; die ideenlosen Phraseuro der Hitler-Diktatnr den einst angesehenen deutschen Film in dieser Weise ruiniert und zum Gespött der ganzen Welt gemacht haben, ist schon traurig genug. Dast sie diesen Meuchelmord jedoch als einen neuen Weg zu hohen künstlerischen Zielen nmfälschen» ist eine Angelegenheit, die nicht mehr die normale Polemik, sondern bereits den Psychiater angeht. Ter deutsche Schriftsteller Frdor von Zobel- titz, Verfasser vieler Romane und Novellen, ist am Samstag im Alter von 77 Jahren gestorben. Sein Stoffgebiet waren die gesellschaftlichen Zustände des wilhelminischen Deutschland. Seine Kritik, wenn er Kritik versuchte, blieb an der Oberfläche. Seine Romane waren gangbare Unterhaltungsbücher. Ossipp Schubin, eine früher sehr bekannte Romanschriftstellerin(mit ihrem richtigen Namen Aloisia Kirschner), ist in der Nacht zmn Samstag in Prag im Hotel„Blauer Stern", das sie während ihrer häufigen Prager Besuche zu bewohnen pflegte, gestorben. Ossipp Schubin fehlten nur noch wenige Monate zum achtzigsten Geburtstage.— Einst waren die Romane der Dichterin sehr bekannt, Romano aus dcm Leben der„allerbesten" Gesellschaft, Romane meist aus Adelslreisen(„O du mein Oesterreich!") lvar einer ihrer gelesensten Romane. Ossipp Schubin lvich ernsten Problemen nicht aus, aber doch war Ivie das Milieu ihrer Roinane auch ihr ProblcmkreiS eng umgrenzt. Sie war eine geistvolle Frau, deren Gesellschaft von geistigen Menschen sehr geliebt lvar. Mit vielen Großen der Geisteswelt ihrer Zeit war sic befreundet. Sie gehörte einer längst versunkenen! «r. 85 Sonntag, 11. Frier 1934 gegen Grippe, Erkältungskrankheiten, Rheumatismus, Gicht, Kopf» und Nervenschmerzen. In allen Apotheken erhältlich. Generaldepot: Brauners Apotheke „Zum weißen Löwen", Prag II, PHkopy14. Warm»:« für die Telcphonavonncnten! In letz- kr Zeit besuchte die Telcphonaboimenten wiederum «in unbekannter Mann, der ihnen Telephoneinlagen der Marke„Eureka" teuer zum Kaufe anbietet, die nach seiner Behauptung die Funktion des Staatstele« Phons verbessern sollen. Hiebei weist er darauf hin, dab die Benützung dieser Einlagen vmn Ministerium für Post« und Telegrapheiüvcsen bewilligt wurde. Die staatliche Telephonverwalwng macht die Teil» nehmer darauf aufmerksam, das; diese Behauptung nicht der Wahrheit entspricht und dab die Benützung dieser Einlagen ganz unzulässig ist, und warnt vor dem Ankäufe der Einlagen. Bei den Teilnehmern, die die Einlagen von dem unbekannten Manne gekauft haben und von ihm an das Mikrophon amnon« tieren liehen, wird die staatliche Tclcphonverwal« tung gezwungen sein, diese Einlage durch ihre Organe wieder entfernen zu lassen. Für eventuelle, durch das Anmontieren der Einlage verursachte Beschädigungen der staatlichen Apparate haften die Teilnehmer. Tödlicher Betriebsunfall. In Wtzsotschan, in der TranSformatorcn-Station der ElcktrizitätS« werke von Prag, arbeitete als Obernionteur Josef S v a n c a r an der Reparatur des TranSforma- tors HI. Wegen dieser Arbeit hatte man im Erd« geschah den Starkstrom, dessen Spannung 2 2.0 0 0 Volt betragt, auSgeschaltct. Svancar ging in den ersten Stock hinauf, um die Warnungstafel, die sonst den Eintritt in den Hoch- spannungöraum verbietet, zu entfernen. In dem Augenblick, als der Obermonteur zur Tafel griff, wurde er vom Starkstrom, der erst einige Sekunden später im Parterre abgestellt wurde, ersaht und t ö d l i ch v e r l e tz t. Er st a r b bald darauf in der Klinik an der Folgen schwerer Verbrennungen. Lastauto fährt in eine Militärkolonne. In der Nähe van Warschau fuhr ein Lastmrtomobil der Warschauer Bierbrauerei Habcrbusch in eine nach Warschau von einer Uebung zurückkchrenden Kompagnie des 30. JnfmtterieregimenteL hinein. Zwei Soldaten wurden getötet, fünf erlitten schwere und sechs leichtere Verletzungen. Der Chauffeur des Laftautomobilcs und sein Gehilfe, die die furchtbare Katastrophe verursachten, wurden verhaftet. Ein Baby„beglückt" rin Volk. Zur Feier der im Dczcnwer des Vorjahres gemeldeten Geburt des königlichen japanischen Kronprinzen wird morgen eine königliche Amnestie verkündet werden, die von insgesamt 66.000 Häftlingen 36.000 betrifft. Die Gefängnisstrafen werden mindestens um ein Viertel gekürzt, die Todesstrafen in andere Strafen umgcwandelt werden. 26.000 japanischen Bürgern werden durch die Amnestie die bürgerliche Rechte zurückgegcben. 119 treiben auf den Wellen. Nach Meldungen aus Gorontala(NordcelebeS) wird das mit 110 Personen besetzte Motorschiff„Ocna-Oena" seit einigen Tagen vermiht. Das Schiff hatte im Der neue Dichter Von Theodor Baldauf. Damals, als Max Soundso an seiner Feder verzweifelte, sah er noch im Berliner Litcraten- eafc und wartete auf die weihe Taube der Eingebung. Er hatte das rosig« Kinn sorgenvoll in die Hand gestützt und schüttete mir sein zcrfnrchicS Herz auS. Schwer sei eS mit dem Dichten jetzt, sehr schwer. Vor ihm lag ein ZeitungSauSschniit, ein Preisausschreiben für den besten Roman des Dritten Reiches. Völkisch-heroisch sollte daS Buch sein, erwachsen aus„Blut und Boden", das Hochlied des neuen, heldischen, nationalsozialistischen Menschen... Seit drei Wochen brütete Max sozusagen sich selbst. Er ist heute ein weitverbreiteter Typus in Nazedonien; seine Schmerzen sind die Schmerzen vieler freiwilliger oder unfreiwilliger brauner Groh- und Kleindichter, denn wie und was soll man, klagte er ganz folgerichtig, bei den neuartigen Ansprüchen eigentlich dichten? Einige braune Musterromane fehlten, bei denen das Heroische sgundso lang liegt und das Nationale soundso breit. Jeder der neuen Literaturpäpstc forderte «ettvas anderes. Goebbels inöchte Soziales fürs And, aber das vertrug sich weder mit Thyssen, noch mit den Einkünften der neuen Bonzen. Kul- tuSbeamter Wilfried Bade verlangte in seiner Broschüre die„konservativ-revolutionäre Dichtung", als ob der Dichter aus jeder Konfusion »in Gebilde gestalten könnte. Durch Erhalten PHAGtB ZEITOIG Am das GGiekfM des Kroger DeMsGen TyeateeS CinetSrflörutig ves XQeaterbereineä: Große Gefahr für den Wettervestanb—^Aufnahme eines„ttevervrtitkungS- ikredttS"—«eine GngagernentSverirttge fite 1934-35, die vis 25 Vrozent Avfietiye erhalten iviirdenr Der Deutsche Theaterverein Prag übermittelt uns einen Bericht den der Vorsitzende in der letzten Sitzung erstattet hat und der ün wesenlichen folgendes besagt: Die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse haben sich auf das Theater sehr ungünstig auSgc- wirkt; einer der festesten Pfeiler des Budgets, die Subventionen, ist empfindlich erschüttert, schon 1986 hat das Theater um 800.000 K£ weniger erhalten(1082 betrug die Subvention 2.7 Millionen). Die Mittel des Theatervereins sind erschöpft, weshalb er sich genötigt sicht, einen„Ueberbrückungskredit" anzustreben. Unter solchen Umständen„siegt eS auf der Hand, das; wir keine Engagemenwerträae für die Spielzeit 1034 bis 1036 abschließen können". Und dann hciht eS aber Welter, daß der Voranschlag für 1934/86 nach bedeutenden Einschränkungen in den Vorjahren weitere Herabsetzungen in der Höhe von 20 bis 26 Prozent vorsieht. Der Verein begrüßt dankbar jede Unterstützung„und ist f ü r j c d e A n r e g u n g in dieser Hinsicht verbunden". Er hoffe zwar, auch über diese Zeit hinwcgzukommen, müsse aber„mit offenenKartcn spielen" und dürfe„keineswegs die grobe Gefahr verschleiern". Das„Spiel mit offenen Karten" haben wir längst als notwendig erklärt; unsere Offenheit aber schon zu einer Zeit, wo die Gefahr v or- a u Sgesehen werden mußte und noch mit anderen Mitteln und leichter zu bannen gewesen wäre, ist unS immer wieder übel angekreidet worden. Das „Spiel mit offenen Karten"— das war eS bisher, was der Theaterverein als national-kulturelle Schädigung ansah. Nunmehr ist eS spät, aber nach unserer Ansicht noch immer nicht zu spät. ES versteht sich von selbst, daß die Krise deS Theaters durch die schwere Einbuße an Subventionen mitverursacht ist. Aber eben nur m i tverursacht, wie ja auch die allgemeine Krise nur e i n e r der Gründe der Gefährdung deS Prager deutschen Theaters darstellt. Wir haben seit langem Wege gezeigt und Anregungen gegeben— leider ohne gehört zu werden. Wir brauchen sie hier nicht ausführlich zu wiederholen und zu begründen. Das Praoer deutsche Theater muß ein Ensembletheatcr sein und-nicht eine RepräsentationSbühne; lein Star- und Gasticrthcatcr und auch kein von cincnr längst unzulänglich gewordenen ThcatcrvcrcinSauSschuj; und einem autvlratisch, nut absoluten Vollmachten auSgestattcten Direktor geleitetes Institut. Und es darf sich nicht, wie das gerade in der letzten Zeit immer deutlicher der Fall war, nur auf die Gönnerschaft von Bankinagnatcn, Jndustriehcrrcn und auf das besitzende Publikum stützen, sondern auf die b r e i t c M a s s e der gesamten deutschen Bevölkerung Prags, nach deren Wünschen das Theater auch seinen Spielplan gestalten mutz, um so den Interessen einer wirklichen Kunst mehr denn je im Sinne des Fortschrittes und der Demokratie z» dienen. Man kmm unseres Erachtens weder die allgemeine Krise für die Gefährdung des Theaters verantwortlich machen, noch auch den teilweisen Entfall der Subventionen, da der Thcatcrverein allein in de» zwei Jahren der Acra Eger an Direktionsbezügen mehr auS- gegcben hat als die 1033 entfallenen achthunderttausend t<ö ausmachen. Wenn jetzt der Theaterverein öffentlich erklärt, daß seine Mittel erschöpft sind und das; er vorläufig noch nicht einmal die um ei» Viertel gekürzten Bezüge der Mitgliedschaft für das nächste Jahr sichern kann, so hat unseres Erachtens die gesamte deutsche Oef- fentlichkeit»ach Wegen zur Erhaltung des Theaters zu suchen. Die Verantwortlichkeit kann dann nicht mehr allein den Herren vom Theaterverein und dem von ihm konkurrenzlos eingesetzten Direktor überlasten werden, sondern nun wäre eine öffentliche Kontrolle ettva aus je einem deutschen Vertreter deS Staates, des Landes, der deutschen Parteien, des ThcatcrvcreinS und der Künstler, Arbeiter und Angestellten des Theaters einzusehcn. Diese Vertretung hätte eine ausreich en deS ubventionierung dnrchznsctzen und die Verantwortung für die Verwendung der Mittel zu übernehmen. ES besteht für unS kein Zweifel darüber, daß n e n e W e g c zur Erhaltung und Betreuung des Theaters gegangen werden müssen. Golf von Tomini einen Maschinenschaden erlitten. I Man vermutet, daß eS auf das offene Meer hin« I auSgetriebcn worden ist. Ein Regierungsdampfer stellte die Nachforschungen nach seinem Verbleib an. Torturen an Kindem. Der Korrespondent des„Daily Herold" in Deutschland schildert die Unmenlchlichleit der antisemitischen Propaganda in den Nazi-Schulen. Nicht nur, daß die jüdi- W’-’n Kinder in besonderen Bänken untcrgcbracht sind, in denen sie sich die Reden der Lehrer über „höhere" und„niedere" Rollen anzuhören haben:„Die Kinder", schreibt der Berlchterstat-r, „brechen oft in Tränen auS, und ich selbst kenne ein jüdisches Mädchen im Alter von neun Jahren, daö einen hysterischen Anfall in der Klaste bekam, Ivcil der Lehrer sich über die Verderbtheit der sü- difchcn Rasse verbreitete. DaS Kind mußte bewußtlos aus dem Klaffenzimmer fortgetraocn werden." Skelett einer Ermordeten nach 14 Jahren aufgrfunden. Durch das Geständnis des Landwirtes Walter hat, wie aus Glogau berichtet wird» daS rätselhafte Verschwinden seiner Frau Siegrid Walter vor 14' Jahren und das Auffinden von Knochenresten in: Stall seines Anwesens in Sed» schin seine Aufklärung gefunden. Walter ließ sich am Freitag dem Untersuchungsrichter vorführen und legte ein volles Geständnis ab. Er gab an, am 4. Jänner 1020 feine Fra u erdrosselt und im Stall vergraben zu haben. Auf dieses Geständnis hin wurde im Beisein Walters eine Nachgrabung vorgenommen und das Skelett der ermordeten Frau im Pferdestall in ein Meter Tiefe vergraben ausgefunden. Ein Museum. In Koblenz wurde ein inilitärhistorsi'eü Museum eröffnet, in dem die Uniformen aller Waffengattungen der alten Armee, Waffen aller Art und Gcschützmodelle in tbrer historischen Entwicklung zu sehen sind. Den „Glanzpunkt" der Ausstellung, wie sich die n>• tionalsozialistische Presse ansdrückt, bildet eine 600 Stück umfaffende Ordensschau, in der alle militärischen Auszeichnungen vom„Pour le micite“ bis zum„Eisernen Kreuz" zusammengetragcn sind. Eine Bildersammlung von Schlachtcndar- stellungen von 1818 bis 1918 vervollständigt die Ausstellung. ES brennt nm Goering. In der Schorfheide stand ein altes, halbverfallenes Jagdhaus, da» in den letzten Monaten über Auftrag GoeringS in ein modernes Jagdfchlößchen umgebaut wurde. Dieser Umbau kostete dem preußischen Staat nach der Ansicht von Fachleuten hunderttausend« Reichsmark und sollte ein Geschenk für Hitler werden. Nun ist, gerade zu einer Zeit, da Goering in der Nähe der Schorfheide dem edlen Weidwerk oblag, das Jagdschloß plötzlich abgebrannt und weil sich niemand die Brandursache erklären kannund vor allem eine Reihe sehr mysttscher Umstände allerlei Schlüffe zulassen, rmmen sich die Untertanen Hitlers zu, daß der Brand nur aus- brach, um den„Führer" um sein Geschenk zu bringen. Denn al» Preußen» Regent den Befehl erteilte. daS Jagdschloß zu errichten, da war er noch nicht der Herr über Deutschland und Hitler noch nicht sein Todfeind. Jetzt mußte eS also brennen, wie alles in der Nähe des Herrn Goering zu seiner Zeit brennt. So wie beim Reichstagsbrand, schweigen auch bei dem Brand des Schlosses auf der Schorfheidc die Zeitungen des Dritten Reiches. Gegen die Maschinensetzer. In Bayern wird dafür Propaganda gemacht, mit Rücksicht auf die Arbeitslosigkeit im Buchdruckgewcrbe anstelle des Maschinensatzes wieder zum Handsatz überzugeben. Vor allem sollen die Behörden bei der Vergebung von Druckaufträgen dies beachten. Die Folge ist natürlich eine Lohnsenkung, da nun der Handsatz genau so billig verlangt wird, wie der Maschinensatz. Ebenso hat man den Dervirlfäl- tipungSapparaten den Krieg erklärt. Der Weinberger deutsche Kindergarten in Gefahr. Am vergangenen Dienstag Abend fand in: Gebäude der deutschen Volksschule in Prag-Weinberge eine Sitzung des OrtsschulauSschusscS statt, an der auch die deutschen Stadtverordneten von Groß-Prag teilnahmen. In dieser Sitzung wurde über die bedrängte finanzielle Lage des deutschen Kindergartens in Weinberge Bericht erstattet und über Maßnahmen beraten, die eine Sicherstellung deS Kindergartens ermöglichen sollen. Der deutsche Kindergarten in Weinberge besteht seit dem Jahre 1882 und wird vom Deutschen Kindergartenverein in Weinberge erhalten. Die Mittel werden durch Veranstaltungen, Sammlungen und durch Zuwendungm anderer deutscher Vereiue aufgebracht, die Subventionen des Staates und der Stadt sind ganz minimal. Die Einnahmen des Vereines sind in der letzten Zeit so stark zurück- gegangen, daß die Einstellung der Tätigkeit droht, wenn eS nicht gelingt, bis zum Jahresende mindesten» 15.000 bis 17.000 Kö aufzubringcn. Der Weinberger deutsche Kindergarten, der durchschnittlich 30 Kinder alljährlich betreut, ist für den deutschen Nachwuchs in der Weinberge in Erman« gelang jeder anderen Betreuung der vorschul- pflichtigcn Jugend eine unbedingte Notwendigkeit. In der Sitzung wurde beschlossen, an die Stadtgemeinde wegen Flüssigmachung einer sofortigen Subvention heranzutreten, weiters eine umfassende Werbeaktion mit Nnierstütznng der deutschen Stadlvcrtrclcr von Groß-Prag durchzufnh- ren und schließlich der Versuch zu unternehmen, durch Veranstaltungen Geld hereinzubekommen. Diesem Zwecke dient auch das Reinerträgniü des heute im Heiucsaal stattfindenden Kinderfestes, das vom Vereine der Deutschen in Weinberge veranstaltet Ivird. Die finanzielle Lage des Weinberger Kindergartens ist so ernst, daß nur rasche Hilfe eine Schließung dieser Anstalt verhindern kann. Von den deutschen Stadtvcrtrctern wurde dem Kindcrgartcnverein jede Unterstiitzung zugcsagt. Ausflug ins Dritte Reich. Wie das„Prager Tagblatt" meldet, beabsichtigt Prof. Marian San Nicolo, einer Einladung der Nazinnivcrsitäten Breölau und Berlin folgcyd, im Sommcrscmcstcr Gastvorlesungen im Dritten Reich zu halten. Ob etwas umstürzen— erst können vor Lachen... Nein, so herum ginge' auch nicht. Und das Erotische? Ettva zum hundertsten Male der: SA- Jüngling beschreiben, der durch seinen erhebenden Heroismus, so im Maulhalten oder Judenver« dreschen besteht, eine schon durch langes blondes Haar genügend deutsch veranlagte Marxisttn bekehrt? Solcher Kitsch überschwemmte den Markt bereits hinreichend und.Han» Grimm konnte den Schiincmannprcis trotzdem nicht verteilen... Blut und Boden— wenn man nur wüßte, tvas das ist?? War es die frühere Heimatkunst mit einem Schuß Antisemitismus? Tat man von letzterem jedoch zuviel dran, so entstand unzulässiges Greuelmaterial für's Ausland, zu wenig AntiscmttiSmuS hinwiederum galt als Mangel an guter Gesinnung. Ein Elend warst Vielleicht versuchte man'S mit einem historischen Rassen«Roman? Wie auS deutschem Boden der dcutschbürtigc Arier erstandl Jedoch in der rassischen Vergangenheit hcruinwühlcn, war zu gefährlich. Nichts als Mischraffe, soweit daS blaue Auge zlvischcu Rhein und Oder reichte. Und wenn schon die Japaner arisch sein sollten, lver dann nicht? Vielleicht könnte nmn den ganzen nordischen Menschen zum Epos verwalken! Mer die Kerle dachten deinokratich und ließen sich mit Vorliebe von marxistischen Ministern regieren... Ein Kreuz war daS, ein Kreuz— von der Religion gar nicht zu reden. Wotan oder Christus— welcher braune Dichter konnte seine Leute noch richtig und preisgekrönt beten lassen? Da lag nun das Preisausschreiben und for derte den neuen Heldentyp l Schließlich konnte man, wenn manS recht bedachte, eigentlich kaum fehlgehen, tvenn man einen F ü h r. r zun: Helden des Romans erwählte. Mer wen? Hitler— der war etwas zu unbeweibt; da fehlte die Liebesgeschichte mit nachfolgenden Kindern... Untauglich. Und Goering? Zuviel Morphium dabei und die schwedische Etappe. Goebbels— z u schwach über die Brust; reden wir nicht weiter davon. Röhnr— daS würde ein Buch für Lustknaben und solche, die eS werden wollen... Frick konnte zwar — endlich einer— mit Frau und Kindern protzen, aber dafür kannte er den großen Krieg nur von Pirmasens aus. Ist es dem Dichter zu verdauten, daß er stöhnte? In allen Konjunkturjahren hatte man sich zurecht gefunden— in der Neuromantit, im Expressionismus, in der neuen Sachlichkeit, in der rasenden Reportage— und plötzlich konnte n:anö nicht mehr erdichten... Kein Zweifel, so hatte ihn, verdammt nochmal, der Marxismus und die alles verweichlichende Demokratie verdorben! Damals durfte einer dichten, wie er wollte, wie ihr» der Schnabel gctvachscn war. Infolgedessen versagte man jetzt vor der braunen Maßarheit. Weil man nie gelernt hatte, auf höheres Kom- mando nach nationalen Richtlinien zu fabulieren. DaS war es und das rächte sich jetzt... Eine Dichterschule mußte her, ein Arbeitslager aus Blut und Boden für ncuhcroische Poeten Als ich den noch immer Ringenden das letzte Mal traf, hockte er im Cafä„Vaterland". Dort sammelte Max zwischen SA-Uniformen hcriosche Inspirationen.„Jetzt habe ich meinen Stoff, bin schon feste drüber!" blitzte er mich ttiumpbiercnd ab.„Denken Sie sich einen Dichter, der seinem Volke dienen und etwas großes Heroisches schreiben will. Aber er findet den Stoff nicht und findet ihn nicht, er hat die Verbindung mit Blut und Boden verloren, weiß nicht, IvaS das ist. Gedankenfreiheit und Demokratie haben ihn bcguem gemacht, er kapiert das neue Stichwort nicht. Doof sitzt er da, verzweifelt an sich, flucht der ehemaligen Freiheit, die jeden dichten ließ, wie er wollte, geht hin und erschießt sich... Mit großem Blick belauerte er in meinem Gesicht die Wirkung seiner Konzeption.—„Was denn?" frug ich nicht ohne Tremolo in der Stimme.„Sie wollen sich erschießen«" „Jiich machte er erstaunt,„wieso denn ich?" „Warum denn gerade Sic nicht?" gab ich roh zurück. Max sah mich teils erzürnt, teils bestürzt an, einige berufsmäßige Horcher machten bereits lange Ohren, und lver Ivciß, was geschehen tväre, wenn in der Nähe der Tür sich nicht ein Tumult erhoben hätte. SA-Leute hatten einen alten Herrn, der grußlos cintrat, mit einein„Heil Hitler!" «»gedonnert.„Gott zum Gruß", antwortete der. Das lvurdc als Provokation betrachtet, und braune llniforincn bemächtigten sich des grmlhaarigcn Störenfrieds. Dieser Wirbel drehte auch mich unauffällig mit hinaus, während Max die Füllfeder zückte und heroisch vor sich hin dichtete. „Sozialdemokrat" Sonntag, 11. Feder 1934 Rr. SS «Mi Vorfrage Sport• Spiel• Körperpflege FOR WARME SCHUHE aus) mit Gallen-, Nieren- und Blasensteinkranke, sowie Leute, die an übermästiger Harnsüurebildung und Gichlansällen leiden, regeln durch Gebrauch deS natürlichen„Franz-Josef"-BttierwasserS ihre träge Darmvcrrilbtnng. 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Trotz ihrer tödlichen Ernrattung holte sie au» der Küche ein Messer und dlirchschnitt dem Neuge- borenen den Hals mit zwei so wuchtigen Schnitten, das; er bis auf dieWirbelsäule durchtrennt tvurde. Die kleine Leiche barg sie. dann in einen Koffer, in den sie die KindeSleiche so hastig und überstürzt hineinzwängte, daß dem toten Säugling beide Arme gebrochen wurden. Dann fiel sie, überwältigt von Schmerz, Blutverlust und Erschöpfung mif den Divan und wurde betvusttlos, ohne das; sie die Blutsvuren hätte beseitigen können. Durch dielr wurde ihr Schwager aufmerksam gemacht, der die Polizei verständigte. Vor Gericht bekannte sich die Angeklagte weinend zu ihrer schrecklichen Tat. Wer mag nachkühlen, was in der Seele einer „ledigen Mutter" vor sich geht? Auch unser altertümliches Strafgesetz nimmt Rücksicht darauf, dast eine Frau in ihrer schweren Stunde in einem ganz austcrgewöhnlichen Gemütszustand ist. Daher wird auch die Tötung des Kindes unmittelbar nach der Geburt nicht als gewöhnlicher Mord betrachtet, sondern nach einem besonderen Tatbestand unter Strafe gestellt, die mit fünf bis zehn Jahren schweren Kerkers begrenzt ist. Auf diese Milde des Strafgesetzes wies auch Staatsanwalt Dr. Svoboda hin. als er die Geschworenen bat, die Schuldfrage zu bejahen. Dies geschah denn auch mit iStimmeneinhelligkeit. Der Schwurgerichtshof verurteilt im Sinne des SchnldsprucheS die Angeklagte unter Anwendung des austerordentlichen MilderungSrechteS zu d r e i I a h- ren schweren und verschärften Kerkers. Die Angeklagte, wie auch deren Mutter, die sich im Auditorium befand, brachen in heftiges Weinen und Jammcrrufe aus. Die Aufseher machten durch schnelles Abführen der Verurteilten der traurigen Szene rasch ein Ende. rb. Für die SPD-Emigranten in Prag spricht Montag, den 12. Feber, abends 8 Uhr,>'n Pa—iheim der d. rischen Soziald...wkratie, Prag I. N'^rodnt tkida 4, II., Ge.hart 3c» > er über„Oranienburg". Der Abschluhvorirag ür den Kursus„Geschichte der Tschechoslowali- chen Republik und ihrer Arbeiterbewegung" Ub Montag, den 26. s-eb-r, iin gleichen Lokal kalt finden. Dr. Wiener spricht über das Thema:„Die Politik der Sozialdemokratie in der T'chcchoslowakischctl R"ublik." »DK Mill» XOolga m flammen Wahrheitsgemäß kann man von dieser einem Filmball und einem Feuerwerk bevorschuhten „Welturaufführung" deS vielberedeten französischen Barrandov-FilmS nur berichten, das; sie ein Durchlall war: nach ausmunterndem Beginn ein langes und stetes Abebben, ein Versanden im Lärm, im Kitsch und im Unsinn. DaS ist der bedauerliche, aber unter ehrlichen Leuten nicht zu bestreitende Tatbe- tand. Dar Verwunderliche und Unertvartete ist geschehen: das: die Regie TurjanskiS, auf die man nach dem Anblick seines Films, In einer kleinen Garnison" so viele Hoffnungen setzte, zu einer Kette von Mihgrisfen geworden ist. Hat sie damals eine Maupassant-Novelle in der stimmungsvollen Atmosphäre einer verzauberten Vergangenheit schwennütig und anmutig leben lasten, so hat sie diesmal eine Puschkin-Erzählung durch unbegreifliche Torheiten verlvüstet. Die Geschichte eines Kosaken- ausstandeS gegen den Jaren sehen wir zwischen opernhaft stilisierte altrussische Kulissen gesetzt, aber mit modernen Kostümen, mit Panzerwagen und Maschinengewehren„anSgeschmückt" und damit einem GegenwartSurteil unterworfen, das sie nicht verträgt. Den struppigen Kosaken, der sich zum BolkS- zaren auSrust, sehen wir nicht kämpfend, sondern kitschig berlidbt in eine langweilig-vornehme Gefangene. Und dem zaristischen Leutnant, der als Endsieger Sympathien erringen soll, wird diese(in Anbetracht der geschichtlichen Rolle des Zarentums schon ziemlich hoffnungslose) Wirkung durch ein Blumen» strmtst-happy-end verdorben, wie eS geschmackloser nicht gedacht werden kann(zumal der besiegle Rebell eS in Ketten mitansehen mutz). Turjanski hat versagt. Nur eine einzige Szene: ein heiter und eifersüchtig bewegtes Rodelvergnügen der Garnisonsoffiziere ist gelungen. Und in dieser Szene hat mich Albert P r i j e a«seinen Höhepunkt, der liebenSwürdig-dreiste Prejean, der als Liebhaber immer wieder sehenswert, aber als pomadisierter Rebellenbekämpfer bemiileidenStvert ist. Seine Partnerin Danielle Darieux ist eine hoffnungsvolle Entdeckung, die man in einem besseren Film wiederzusehen wünscht. Wohingegen Natalie Kowän- k o W a ein hoffnungsloser Fall zu sein scheint. Den rebellischen Kosakenhäuptling spielt Inlisch i n o f f, der unvergebliche Mongolenprinz des „Sturm über Asien". Aber was ist aus seiner rasenden Dämonie geworden? Das gelassene Lächeln eines französischen Schauspielers, der über einen in- terestanten Charakterkops verfügt und nur manchmal noch mit einem furchtbaren Augenrollen an den Russensilm erinnert, den: er seinen Ruhm verdankt. Es sieht miS, als sollte er das Schicksal derer teilen, die vor ihm den gleichen Weg gingen, das Schicksal der Anna Sten, die in den Ufa-Ateliers ihre echte Einfachheit verlor und das Schicksal Kowal-Sambor- skis, der aus den ftrablendsten Naturburschen deS Russenfilms zu einem westeuropäik'^en Chargenspie- ler wurde— und inzwischen klanglos verschollen ist. —eiä— Boykott gegen den HMerspott! Die. Repräsentanten der norwegischen gewerkschaftlichen Landesorganisationen haben beschlossen, den Sportboykott gegen Hitlerdeutschland durchzuführen. Kein gewerkschaftlich organisierter Arbeiter darf an sportlichen Veranstaltungen in Deutschland teilnehmen oder austerhalb Deutschlands in Konkurrenzen starten, an welchen deutsche Sportler teilnehmen. Wird dieser Beschlub übertreten, so erfolgt der sofortige Ausschluß ans der Gewerkschaft. Mitte Jänner sollte an den Boxkämpfen in Oslo auch ein deutscher Sportler teilnehmen. Als dieholländi s ch e Mannschaft ankam, weigerte sie sich, mit den Hitlersportlern zusammen im Hotel zuwohnen und sich an der Veranstaltung zu beteiligen, wenn der deutsche Sportler mit antriit. Der Deutsche muhte da§ Hotel wechseln und durfte zum Boxkampf nicht mit an- treten. die Berufung dem Wissenschaftler gilt oder dem Protektor der akademischen Sndetcnnazis, entzieht sich unserer Kenntnis. Schwerer Uuglücksfall cincS Ehepaares. Das Ehepaar Wenzel und Elisabeth K u b i n hatte in Wotitz ein WcekendhauS. Als sie eS nach längerer Zeit tvieder einmal aufstichten, mußten sie fcststellen, das; die Räumlichkeiten infolge deS kalten WeiierS außerordentlich durchgekühlt waren. Ilm sie zu erwärmen, heizten sie kurz vorn» Schlafengehen alle Oefen deS Hauses sehr stark. Dann ginget» sie zu Bett. Als sie am tiächsten Tag nicht nach Prag zurücklehrten, ging die verheiratete Tochter des Ehepaares Kubin in die Wohnung der Eltern, tvo ihr jedoch niemmtd öffnete. Frau Schar- » a g l war darüber sehr erstaunt, denn die Eltern hatten bestimmt zurückkommen wollen. Sie gab jetzt eine Depesche an die P o l i z e i st a t i o n in Wotitz auf, worin sie bat, Nachforschungen an- zustcllcu. Poiizcibeamte gingen sofort zu dem einsam gelegenen Hänschen. Sie hörien zwar bereits draussen ein l e i f eS Stöhne n, doch auf ihr Klingeln und Rufen öffnete nie ma n d. Jetzt drang man gewaltsam in die Wohnuttg ein. ES bot sich ein furchtbares Bild. Frau Rubin lag tot int Bett. Neben ihr, völlig bewußtlos und in der Ohnmacht leise stöhnend, der Mann. Beide waren, Ivie der hcrbcigertlfcne Arzt feststellte, von Kohlcngasen vergiftet. Die Aerzte glauben, dast sie den Patienten am Leben erhaltet» werden. Pcrkehrsnnfall. Am späten Nachinittag gab es gestern einen Zusammcnstoh zwischen Auto und Motorrad in Prag II in der Hooverova. Der Lenker des Autos, ein Prager Bankdirck- t o r, tvurde fchlvcr verletzt, der Motorfahrcr war sofort tot. Auch dieser Fall wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben. FEUER», EINBRUCH-, STURZ*, SPRENG- UND SCHMELZSICHERE AJAX 11- PANZERKASSEN Kunst und Wissen 9nosort-4>eei6oben*3ntlM W. A. Mozarts beglückendstes und erheiterndstes Werk, die unsterbliche B u f f o o p e r„F i- garoS Hochzeit" bildete, den vierten Abend des gegenwärtig am Prager Deutschen Theater veranstalteten Beethoven-Mozart« Zykluö. Leider lies; die musikalische Sauberkeit und Sicherheit der..Figaro"-Atifführung mitunter zu wünschen übrig, was aber zu entschuldigen ist, da Kapellmeister Max Rudolf in letzter Stunde, also ohne Probe für den erkratiktenOpernchef S z f 11, die musikalische Leitung übernebmen musste. Aber im allgemeinen sorgte er für ein sehr freundliches und anmutiges musikalisches Bild, Ivar vor allem dynamisch sehr zurückhaltend und rhythmisch lebendig, wie es Mozart ziemt. Ein bedeutender Sängergast gab dem Opernabend auch so ettvaS wie festliche Stimmung; der Berliner Bastbuffo Willy Domgraf-Fastbänder sang den Figaro. Ein Sänger, der kein Stimmprotz ist sondern ein im Vortrag vornehmer, in der GesangSkunst hochkultivierter Bastbariton mit unergiebiger Tiefe, aber um so schönerer und eindrucksvollerer Mittellage und Höhe; seine ungewöhnliche Vitalität im Spiel, sein frischer Humor und seine liebenswürdige Natürlichkeit der Darstellung lasten es begreiflich erscheinen, das; er zu den besonderen Lieblingen deS Berliner Piiblikumö gehört. Auch zwei Ivichtige Neubesetzungen brachte diese„Figaro"-Aufführung: Fr. Rose Pauly als Gräfin und Irene Eisknger als Susanne. Während diese eine Mozartsängerin bester Art ist und durch die Anmut ihrer Stimme und die lebendige Frische ihrer Darstellung nicht tninder entzückt wie durch die vollendete und llare Gesangskultur ihres MozartstileS, ist jene durch die unruhige und wenig biegsame Stimme in der kantablen Me- lodiesührung Mozarts gehemmt, llnte: den von früher her gebliebenen Sängern der Oper belvährle sich vor allem wieder Frl. R o b u e S liebreizender und gesanglich nobler Cbertibin, sowie Herrn HagenS darstellerisch und stimmlich vornehmer tmd stilvoller Graf Almaviva. E. I. VV Erstklanslgo und bewAlirte Konstruktion- Prima Zaugnlsae Ober erfolglose Einbruchuversucho Feuer- un dlenesslchere Bücherschränke, geheime Mauerschränkchen, Geldkassetten usw. PANZERKASSEN- UND KASSETTEN-FABRIK Job. Otto Großer, Bodenbach a. E GEGRÜNDET ILM- PRIMA REFERENZEN- MEHRFACH PRÄMIIERT Gcrichtssaal Kindesmord Wegen aufgehobener Verlobung. Prag, 10. Feber. Ein furchtbares Ende nahm die Verlobung der 21jährigen Modistin Rosa P l e- ch ä l c k, die heute vor dem Schwurgericht(Bors. QGR. Sitta) mtter Anklage des Kindesmor- des auf der Auklagebaick fast. Die Angeklagte hatte seit sechs Jahren eine Bekanntschaft mit einem Schlossergehilfen, die zur Ehe führen sollte.Tatsächlich >var auch schon der Tannin der Hochzeit festgesetzt und sogar das Aufgebot b e st e l l t, als Rosa Plechatck die Entdeckung machte, dnst sie in andern Ilmständen sei. Als sie ihrem Bräutigam davon Mitteilung machte, erklärte dieser mii grösstem Nachdruck. das Kind k L n n e auf keinen Fall von i h m st a m n» e n. Er liest sich auch durch keinerlei Zureden und Veschtvörungen von dieser Meinnng abbringen und,hob die Verlobung auf. Die Angellagte, die bei ihrer verheirateten Schtvester in Koöii lvohnte, verheimlichte ihren Zu- stanb bis zum letzten Augenblick und es gelang ihr auch tatsächlich, ihre Schwester und deren Mann über filme In krnger Lirtilwtellräusßrn bis«tnschltehltch Donnerstag, den 18. Feber 1034. Also:„Ka thari na die Groste." Avion: „Die Bettlerin von Notre Dame." Brränek: ,Iindra — Gräfin Ostrowina." Fcnix:»Kinder der Groststadt."—„La Maternella." Gaumont: „Der Hüttenbesitzer." Hollywood:„Der Hüttenbe- sther." Kinrma, B.'Th.r Journale, Report., Groteske. Kotva:„Wolga in Flammen." Lacerna: „Wolga in Flammen." Olympir:„Grohfürslin Alexandra." Praha:„Diagnose X." SensationSdrama. Radio:„Iindra— Gräfin Ostrowina." Skant: „Diagnose X." Alma:„Fräulein Iosette" meine Frau." Baikal: ,«Seife sieben meine Lieder." Eark- ion:„Ihr Arzt." Eentral-Bybebrad:„King Kong." Favorit:„Leise fleben meine Lieder." Illusion: .Iindra— Gräfin Ostrowina." Lido:„Der Revisor." Louvre:.^Iindra— Gräfin Ostrowina." Ma- eebka:„Grostsürstin Alerandra." Roxy:„Iindra— Gräfin Ostrowina." Sport Smichov:„D. Revisor." N Brsvodü:„Herr Saval, der Millionär." Wanda Laitdowska, die weltberühmte Cembal- viriuosin, kommt nach ihrer glorreichen Tournee in der Schweiz für ein einzige* Konzert nach Pra>, Welches von der Mozarigemeinde veranstaltet tv.rd. Dieses findet schon am Donnerstag, den 15. Febe-, im Smctmiasaal statt. Karten im Vorverkaul. Abend deS Lachens. Deutsche«migrierte Schau» Vieler der Reinhardt-Bühnen und des Kabaretts der Komiker, Emil Feldmar, Ernst Morgan, Eva Maria Medak, Max Grünberg, Christa Bühler, Max Kühne u. a. in., bestreiten am 17. Feber 1031(SamStag) das ausschliestlich heitere Kabarcttprogramm im Bühnensaal der Urania. Wer an diesem Abend fiir wenig Geld seine Sorgen zu Hause lassen Ivill und aus vollem Halse lachen möchte, der sichere sich beim Genoffen Franzl, Verein deutscher Arbeiter, Na Smekkach 27, arten, die schon von KC 2.— an zu haben sind. Wochenspirlplan des Reuen Deutschen Theaters. Sonntag 2Ü Uhr: Tango nut Mitternacht, AA. 7% Uhr: Boris Gudo- n o w, D 1.— Montag 8: III. Philharmonisches Konzert, Das Lied von der Erde, AA.— Dienstag 7>,h: Boris Gudo- n ow, A 2.— Mittwoch 7%: Z u ebener Erde und er st er Stock, D 1.— Donnerstag 7%: Hoffmanns Erzählungen, C 1.—• Freitag 7%: Ball int Savoy, D 2.— Samstag 7 Madame Butterfly, B 1. Mochenspielplm der Kleinen Bühne. Sonntag 3: Weister Flieder, 8: St a V im Sack.— Motttag 6: Weister Flied e r, Bankbeamte und freier Verkauf.— Dienstag 8: Weister gliche ö,— Mittwoch 7%: Katz i m Sack.— Donnerstag 8: Der eingebildete Kranke, Kulturvcrbands- sreunde und freier Verkauf.— Freitag 8: Tova- risch.— Samstag 8: Femina, Gastspiel Leopold Kramer. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KC. 16,—, vierteljährig KC 48.—, halbjährig KC 06.—, ganzjährig KC 102.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltunget» Preiönachlast.— Rückstellung von Mam'skripten.erfogt nur bei Einsendung der Rewurmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlast Nr. 18.800/VII/1080 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS", Druck-, Verlags- und LeitungS-A.-G., Prag. s Bewusttsein, dast keiner daS Kino schlechter oder dümmer verlaflen must, als er eS betreten hat. Und dal ist wenigstens etwas! l. g. „Der Hüttenbesitzer", Georges Ohnet'S Kassenstück auü der Jeit der Grostmütter, Sudermänner nnd Bollbärte, ist also nun auch verfilmt worden; von einem Regisseur mit dem„stofflichen" Namen Revers und einem Komponisten mit dem militärischen Namen Verdun. Warum.man diesen Staub aitf die Leintvand gebracht hat, ist unerfindlich; man sehnt sich da zwei Stunden lang nach dem stummen Film zurück I Dabei bleibt die Sprache immerhin noch erträglich, weil eS die elegante französische ist, die angenehm llingt, auch wenn man ganze Sähe nicht versteht. Die Herrett Autoren aber haben nicht den geringsten Versuch unternommen, die verzwickte Geschichte von den verarmten Aristokraten und dem steinreichen Hüttenbesitzer auch nur einigennasten zt» modernisieren; mit AutoS ist'ü da nicht getan. Die machen eS nur erst recht deutlich, wie weit wir vlyt der Zeit entfernt sind, in der die Menschen immer dort redeten, wo eS aar nichts zu reden gibt, und immer schwiegen, wo ein Wort Konflikte lösen könnte, die durch ein Duell ungelöst bleiben.— Die französischen Schauspieler bemühen sich recht sehr, Charak« tere zu entwickeln, Stimmungen wiederzugeben und Jndividualpsychologle zu betreiben, können aber streckenweise gähnende Langeweile nicht bannen. DaS Publikum hilft sich tmd lacht herzlich über Laub« und Blütenkitsch, der alv Poesieersah geboten wird. Da waren unS die Ilmhängebärte aus den Neunzigerjah- ren noch immer lieber!— Bleibt als anerkennenswert tnir die wanne, anständige menschliche Gesinnung, die tveiland Herr Ohnet auf Theatererden zu» rücklaffen wollte und also wcnigsteitS das tröstliche mitteilungen dec„Urania“ Wochenprogramm vom 11. Feber bis einschließlich 17. Feber 1984. Heute, halb 11 Uhr:„DaS Gesetz des Meisten ManneS". Kulturfilm. Photographische Wunderlei- stung. Montag, 8 Uhr:„Wege zunt Musikverständnis durch aktives Hören". Prof. Kcstenberg. Verschoben auf den 27. d. M. Montag, UO Uhr:„DaS Gesetz deS weißen Mannes." Der bedeutendste russische.Kulturfilm. „Prager Zeitgenosten in der.Karikatur." Fa- schingSzeitnng in Lichtbildern von G. Iilowsky. Mitwirkung bekannter Prager Künstler. Dienstag, acht Uhr. DienS,tag» 8 Uhr: Heinz Politzer: Vorlesimg auS eigenen Werken. DienStag, 8 Uhr: Urania-Radiobuitd. Mittwoch, 8 Uhr:.Lugendkino". Großes Kasperltheater. Märchenfilm: Prinz als Zauberer. Mittwoch, 8 Uhr:„Die Geburt der abendländischen Wissenschaft". Univ.-Prof. Dr. Emil Utitz. Donnerstag, 8 Uhr:„Aus der einigen Nacht des Höhleneises". Die schönsten Eishöhlen Oesterreichs. Dr. MarkovitS. Donnerstag, 8 Uhr:„Indien und daS Abeitd- land". Univ.-Prof. Dr. M. Winternitz. Freitag, 8 Uhr:„Expressionismus". Dr. Max Deri. Beginn deS neuen Kurses. SamStag, 8 Uhr:„Ium Kap der guten Hoff- ming". Reisefilm. Masaryk-Bolkshochschule SamStag, 8 Uhr: Opernstudio. Sonntag, 10 Uhr: Opernstudio. Sonntag, 10 Uhr:„Handelskurs". Schulleiterin F. Schenk. Montag, halb 7 Uhr:„Einsithrung in die Weltliteratur". 1. Slawische Literatur. Dr. Anton Mou« cka. 4. Tschechische Literatur.