14. Jahrgang Dienstag, 13. Feber 1934 Nr. 36 Etazefpms 70 UMer (•hndilMHch 5 H»H«r Port.) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, reoaktion UNO Verwaltung MAG xu„ fochova«. Telefon sm. Administration TELEFON sxnt. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNEE. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Bürgerkrieg in Oesterreich Bewaffnete Erhebung des Proletariats Polizeiangriff gegen Unser Parteihaus löst Mutigen Widerstand aus Ausbreitung der Kämpfe auf Wien und die Provinz Oesterreich ist der Bürgerkrieg a«Sge- brochen. Die Arbeiterschaft organisierte den he- loaffnete» Widerstand, als Vertreter der Regie- rang am vergangenen Sonntag vckündct hatten, daß am Montag die Arbeit der Hcimwehr znm „Umbau des Staates" beginnen, das heißt, der Staatsstreich durchgrführt und die sozial- demokratische Arbeiterschaft niedergeworfen werde. Diese Aktion sollte durch die Verhaftung sämtlicher sozialdemokratischer Führer und die Besetzung der Parteihäuser unserer österreichi- scheu Genossen eingeleitrt werden. In L i n, setzte sich die Arbeiterschaft zuerst gegen die Polizei zur Wehr. Als die Linzer Vorfälle in Wien bekannt geworden waren, riefen auch hier Gcwcrffchaf- tr» nad Partei in den Mittagsstunden zum Generalstreik anf, der lückenlos durchge- fährt wird. Wahrend am Nachmittag in Wir» nur ver einzelte Zusammenstöße zu verzeichnen waren, kam es in de» Nachtstunden z» schweren Kämpfen um den strategisch wichtigen Ostbahnhof. Knrz vor Blattschlnß wird gemeldet, daß die RegirrnngStruppen erst«ach Einsatz von Artillerie den Bahnhof erobern konnten. An mehr als einem Dutzend Stellen wird nm Mitternacht in Wien erbittert gekämpft. Auch in der Provinz sind heftige Kämpfe im Gange, so in Steyr, in Bruck an der Mnr und in einer Grazer Vorstadt. Die Regier-ng hat die sozialdemokratische Partei aufgelöst und eine Reihe führender Sozialdemokraten verhaftet. Die Rundsunkmelduu- gen, wonach dir Regierung überall Herrin der Loge sei, entsprechen keinesfalls der Wahrheit. Erst die nächsten Stunden werde« die Entscheidung bringen. Es ist kein Zweifel, daß die Heu- tigr Nacht im Bürgerkrieg auf beide» Seiten »och schwere Dlutopser fordern wird. Lett Montag mittag Generalstreik Montag vormittag» haben die sozialdemokratische Partei und die Freien Gewerkschaften den G e n e r a l st r e i k proklamiert. Nm 11.45 Uhr blieben in Wie« die Stadtbah« und die Straßenbahn stehen, die Lichter verlöschte« und die Zeiger der elektrischen Nhre« zeige« festgebannt auf die Minute deu geschichtliche« Augenblick an. Den«nmittelbaren Anlaß zur Ausgabe der Generalstreikparole bildeten die Zusammenstöße, z» denen es im Laufe der Nacht und des Vormittags in L i« z gekommen war. In Wien herrschte, von einzelne« Zusammenstößen abgesehen, bis in die späten Nachmittagsstunden noch Ruhe. Die Regierung konzentriert Truppen«nd Polizei und Formationen der Wehrverbände in der Innere» Stadt, die durch spanische Reiter, Maschinengewehre und Postenketten gegen die Bezirke abgesperrt ist. Auch die Kasernen sind durch spanische Reiter i» befestigte Stellungen verwandelt worden. I» den Bezirke» selbst sah ma» ebenfalls Polizei, teilweise auch Militär»nd bewaffnete Zivilisten von dem vaterländische» Schuhkorps, aber in geringerer Zahl als im Stadtzentrnm. Das RathanS ist im Laufe des Nachmittags von Polizei nad Heimwehr besetzt worden. Dav Kommuniyure der Regierung bezeichnet die Aktiv» al»„bolschewistischen Aufstand". E» scheint, daß die Regierung durch di« Aktion überrascht wurde und zunächst unschlüssig war, was z» tun sei. Nunmehr scheint die Absicht vorzuherrschea, durch ein möglichst große» Aufgebot von staatlichen Machtmitteln eine» moralische» Druck anf die Dedölkernug ans- znüben. Standrecht verhängt Die Regierung ging zunächst in Linz, wo schon am Bormittag blutige Kämpfe um daS ParteihauS im Gange waren, mit der Berhän- gung des Standrechtes vor. Um IS Uhr wurde da» Standrecht auf Wien ausgedehnt; die Polizei erhielt daS Recht, Kampfaufruf der Partei Die sozialdemokratische Partei hat in der Rächt zum Montag einen Aufruf an daS österreichische Volk erlassen, der durch Flugzcttel in ganz Oesterreich verbreitet worden istr Vizekanzler Fey redet von einer Verschwörung deS republikanischen Schutzbundes gegen die Sicherheit des Staates, um sich damit den Borwand für«inen entscheidende» Schlag gegen daS Wiener Rathaus und gegen die sozialdemokratische Partei z« schaffen. beim geringsten Widerstand von der Waffe Gebrauch zu machen. Rach weiteren Meldungen wurde da» Stand- recht auch auf ganz Ober- und Riederösterreich, Steiermark und Kärnten ausgedehnt.■> Herr Fey, der die Arbeiterschaft bi» aus» Blut reize, wage e», von einem verbrecherischen Anschlag bolschewistisch-marxistischer Elemente gegen die Bevölkerung zu reden. Di« Währhett sei, daß dl« Sozialdemokratie niemand en, weder Bürger noch Bauer angreife. Sie halte sich aber zum KamPfemitderW affe für de« Fall bereit, fall» Faseisten r» wagen wollten, die beschworene Verfassung der Republik vernichten zu. wollen. Wenn der Eid«nd die Berfaffung gebrochen würden und die Freiheit in Gefahr geriete, dann werde die Arbeiterschaft zu de« Waffen greifen. Strassenkämpfe Im nächtlichen Wien In den Abendstunden Hai sich Wien in ein bewaffnetes Heerlager berlvandeli. Alle öffentlichen Gebäude, Kreuzungen und die gesamte Ringstraste wurden von Polizei und Militär besetzt. Zahlreiche Plätze sind mit Drahthindernissen abgesperrt lind wieder andere mit Maschjneimewehzen geschützt. Infolge des Streiks in den Gas- und Elel- iriziiätötverkcn ist ein großer Teil der Wiener Bezirke o h n e B c l e n ch t u n g. In zahlreichen Kaffeehäusern, Restaurationen und Kanzleien wird mit Kerzen geleuchtet. Um 20 Uhr war die von Polizei und Militär zemierte Innere Stadt wie auSgestorben. Alle Kaffeehäuser, Gasthäuser und sonstigen Geschäftslokale waren gesperrt. ES waren nur Sicher- heitSorgane auf den Straßen zu sehen. In den äußeren Bezirken haben die Arbeiter sich in den Hei men verbar! kadiert. Gegen v Uhr abends entwickelten sich an mehreren Stellen schwerste Kümpfe. Zum Entsatz einer von Sozialdemokrateu besetzte« Polizeiwachtstubc im 19. Bezirk ist ei« Panzerwagen der Polizei herbcigeholt worden. Im 2. Bezirk sollen Waffen an dir Arbetter ausgegeben werden. Ans anderen Bezirken wird wieder gemeldet, daß LastkraftwagenmitWaffen unbekannter Herkunft die Absperrungen durchbrochen haben. Im Arbeiterbezirk Simmering schätzt ma« die dort zusammengczogrnen Schutzbündler auf 3 bis 4000. Nach andere« Gerüchten habe» Straßenbahner mit Kraftomnibussen gegen 19 Uhr ver- sncht, mit Gewalt«ach der Stadt dnrchzubrechen. I» der größten Brotfabrik Wiens, der Ankerbrotfabrik, haben die Arbeiter Maschinengewehre in Stellung gebracht. Die schwerste» Kämpfe spielen sich vor allem in den Arbeiierbezirken Ottakring und Favoriten ab. Die Arbeiterschaft konzentriert ihren Wider stand vor allem auf die Wohnh a nenn l a g e n, die von den Truppen angegriffen werden. Bor dem Rrumannhof und den anderen I großen Bauten anf dem Margarethen gürtet find i Maschinengewehre deö Schutzbund«» aufgcsahren. Rach 10 Uhr abendö herrscht« längere Zeit Ruhe. Gegen 12 Uhr flammten die Kämpfe wir der auf, die zur Stunde— nm 1 Uhr nachte — große Heftigkeit annrhmen. ES ist Gewehr I und Maschinengewehrfeuer zu vernehmen, in dao sich auch Kanonenschüsse mengen. Ter morgige Tag dürfte außerordentlich kritisch werden. Ter Oftbähnhof an der Grenze deS X. Br ! zirkrS wurde in de» Abendstunden von sozial demokratischen Arbeitern besetzt. Um den Babu bvs spielten sich heftige K ä m pf r ab. Erß in später Nachtstunde wurde der Bahnhof von starken Mitttärabteilnngen eingenommen, nachdem Artillerie eingesetzt worden war. Ebenso konnte die Polizei mit Tank» Barri kaden im XVI. Bezirk Niederreißen. Der Kampf in den meisten Wiener Boror- trn, besonders im 10., 11., 16.«nd 19. Bezirk, ist uni 23 Uhr noch voll im Gange. Ununterbrochenes heftiges Mafchinrngewehrfruer ist jetzt überall in der Stadt hörbar. Im 16. Bezirk geht der Kampf nm ein Arbeiterheim, daö von den Sozialdrmotra- ten zähe verteidigt wird. Der republikanische Schutzbund soll sich jetzt auf den oberhalb von Wien gelegenen Laaer- b c r g zusammrnziehen. Weitere Truppenverstär- kungen sind in die Gefechtszone der Borortzone entsandt worden. Neber die Lerluste auf beiden Seiten sind verschiedene Gerüchte im Unilaus. Vie Kämpfe In Uns Die Polizei wollte Montag vormittags im sozialdemokratischen Parteisekretariat in Linz sowie in der Redaktion und in der Druckerei deS sozialdemokratischen BlatteS, die sämtlich im Hotel„Schiff" untergebracht sind, sowie in anderen sozialdemokratischen Lokalen„H a u S s u ch u n- gennachWaffen" vornehmen. Angeblich hätte die Polizei erfahren, daß im sozialdemokratischen Sekretariat geheime Sitzungen stattfinden und Waffen verteilt werde». AlS die Polizei in daS HauS eindrang, stieß sie dabei auf Widerstand zahlreicher Schutzbündler, die sich im ParteihauS verbarrikadiert hatten und die Polizei mit Schüssen und Handgranaten empfingen. Daraufhin zog sich die Polizei zurück und berief Militärassistenz, die in weitem Umkreis daS gesamte Stadtviertel absperrte. ES wurden zwei Alpenjiigerkompagnien mit Maschinengewehren eingesetzt, die von Dachböden«nd auS Lucken heraus daS HauS beschossen. Rach ein« Meldung hat daS Militär kurz vor IS Uhr mittag- nach heftigem Kauipf da» sozialdemokratische Parteihaus» daS Hotel „S ch i f f" im Sturme genommen. Der amtliche Bericht meldet, dah dabei e i n Polizi st getötet und mehrere Polizisten und Wehrmänner verletzt wurden. Die Besatzung dre> Gebäude» wurde dem Gericht eingeliefert. Nach spätcrcn Meldungen, haben sich nicht nur im Zentrum der Stadt, sondern auch ander Peripherie von Linz an mehreren Stellen erbitterte Kämpfe entwickelt. Man schätzte die Zahl der bewaffneten Arbeiter auf 4000 Mann, die der staatlichen Exekutive auf 6000 Mann. Auf dem Pastalozzi-Platz kam eü zwischen Schutzbündlern und Polizei zu einem hrftigeu Zusammenstoß. Die Sozialdemokraten unternahmen sodann einen Sturm auf die Polizeiwachstube auf dem Pestalozzi-Platz und vertrieben die Polizei. Der Freiberg befand sich zn Mittag noch m der Gewalt deö Republikanischen Schutzbundes. Militär und Polizei drängten den Schutzbund zurück, der sich bei zwei Gasthöfen verschanzte. ES Seite 2 DienStag, IS. Arter 1834 «r. 36 gelang ihm, sich big 17 Uhr dort zu halten. Der Schutzbund soll 6, die Polizei enrn Toten ani Platze gelassen haben. Auf dem Platz vor der Linzer BahnhvfS- hasse kam eS um 15 Uhr zu einem heftigen Zu> sammenstotz zwischen Heimwehren und Schutz» bündlern. Die Krankenhäuser sind mit Verletzten überfüllt. Ihre Zahl wird auf über 100 geschätzt. Um 15 Uhr wurde von der Schlosskaserne ei« heftiges Maschinengelvehrfeuer auf der Urfahrer Seite abgegeben. Auch am Abend kam eS an verschiedenen Stellen der Stadt zu Strassenkämpfen. Die Schiffswerft wurde gegen Abend mit Hilfe der Artillerie erstürmt und geräumt, wobei an die 140 Sozialdemokraten verhaftet worden sein solle». DaS Parkbad wurde erst gegen 18 Uhr von der staatlichen Exekutive erobert und 40 Schutzbündler festgenoinmen. Olegen 21 Uhr herrschte in der Stadt Ruhe, doch sind gegen 2211 Uhr neuerliche blutige Kämpfe auSgebeochen, die die ganze Stadt in Atem halten. Am Abend meldet ein amllicher Bericht a«S Linz insgesamt 180 Verhaftungen. Das DNB meldet in der Nacht, daß der Schutzbund im Linzer Stadtgebiet zwei Pnnfte beseht hält, dass sogenannte Freie Werk nnb den Katzenberg auf der anderen Seite der Dona«. In Bruck, Steyr und Graz !^nch den in den Abendstunden ausgegebenen Meldungen sind in Bruck an der Mur^die So» zialdemokratm vollständig Herren der Lage. Die Gendarmerie und die Truppen erwiesen sich alS zu schwach.— In Stehr wird heftig gekämpft, die Arbeiter belagern die Waffenfabrik, die von Truppen verteidigt wird. Rach den Berichten auS Graz liegt auch dort die Hauptstadt in« Dunkel. In einem Grazer Arbeiterviertel haben Schutzbündler eine Wach- st» b e erstürmt und sich dort verschanzt. Sie werde» gegenwärtig von Polizei und Militär belagert. Bei de» Kämpfen in E g g e n b e r g sind nach den bisher vorliegenden Berichten drei Personen getötet und 14 schwer verletzt wordm. Auch auS Leoben und dem ganzen obersteierischen Industriegebiet werde» Zusammenstösse gemeldet, bei denen auch Militär eingreifen mutzte. Die Lage In Innsbruck In Innsbruck haben Polizei und Heimatwehr am Montag zlvischen 15 und 16 Uhr sämtliche sozialdemokratischen Gebäude besetzt, unter anderem das Parteiheim„HotelSonn e", das Gewerkschaftshaus, die Arbeiterkammer und das Gebäude der sozialdemokratischen„Volkszeitung". Der Hauptbahnhof und andere öffentliche Gebäude wurden gleichfalls mit starken Heimat- wehrabteilungen besetzt. Bor dem Parteiheim bildete sich eine Ansammlung von Sozialdemokraten, die die»Internationale" sangen. Die Polizei räumte den Platz; sie mutzte mit dem Gummiknüppel gegen die De- monstranten vorgehen. Melder Konzentrationslager In die lull geiiogen? I« Melk tu d. Donau ist ei« Konzentrationslager, i» dem sich z»m größte« Teil Kam- muuiste» befände«, durch eine Dhnamitexplosion i« die L«ft geflogen. 22! ILM. se Jom: Verschlungene Hatte Cwi Xoman in vier(pisoiten Autorisiert« Uebersetsun* aus dem Ho Händisch en von M. R. Fuchs. Gut, er würde heute Nacht hierbleiben müs- sen, vielleicht nicht einmal die ganze Nacht. WaS war geschehen?... Er hat ein paar flegelhafte Rotzbuben, die ein harmloses Mädchen belästigten, zu Boden geschlagen. Faktisch hätten diese Schufte eingesperrt werden sollen anstelle des Mannes, der ihnen gab, was ihnen zustand. Aber so war es ja immer... das Studentenpack konnte tun, was es wollte, die Polizei war immer auf feiner Seite... Schließlich, sie würden ihn wohl bald freilassen und dann wurde gemächlich alles vertuscht. Sie würden die Herrchen nicht verfolgen wegen Berlehung der öffentlichen Sittlichkeit und ihn nicht wegen Körperverletzung. So etwas verläuft sich im Sande. Jin Wachbüro wird der niedergeschlagene Student von einem rasch herbeigeholten Arzt untersucht und mit größter Ehrerbietung behandelt. Er scheint keine arge Verletzung erlitten zu haben, ist nur noch etwas schwindlig von dem mächtigen Kinnhaken, der ihn hingestreckt hatte, und er blutet auä einer Schramme an der Wange, auf die er gefallen war. Er lacht über die Besorgnis des Inspektors und des Arztes und erllärt, daß er sich sehr wohl fühle, und erkundigt sich nach seinem Angreifer. O, der saß hübsch sicher in einem bequemen Kämmerchen und sollte ehrlich haben, waS er verdiente. Wie er hieße?... Der Inspektor schaut in sein Notizbuch... Peter Zanzt... »Peter Zanzi?" Grübelnd betrachtete der Student den Fn- spektor. Petzer Zanzi... Da, ganz unerwartet, begann er zur größten Verwunderung der Poli- Die sozialdemokratische Partei aufgelöst abgesetzt Der Minister Schuschnigg gab in den Nachtstunden durch den Rundfunk bekannt, daß die Sozialdemokratische Partei durch einen Negie- rungSbeschluss aufgelöst sei. Bon der Auflösung ist auch der Wiener Gemeinderat betroffen. Schuschniggs Rede war selbswerständlich ganz auf die Beeinflussungen der öffentllchen Meinung deS Auslandes und Inlandes eingestellt. Im Gegensatz zu den durch alle Nachrichten bekannte« Tatsachen behauptete er, dass die Negierung über all Herrin der Lag« und der Widerstand de« Arbeiterschaft gebrochen sei. Den AuftösungSbeschlüssen kommt vorlänsig selbstverständlich keine praktische Bedeutung zu, da die österreichische Arbeiterschaft ja sehr kräftig zu erkenne« gibt» dass die Sozialdemokratie lebt. Die Entscheidung über die Beschlüsse der Regierung fällt nicht in den BeratnngSzimmern, sondern aus de« Straßen der österreichische« Städte! Führende Sozialdemokraten verhaftet Dir Polizei verhaftete soweit sie sie zu finden vermochte, die bekannten sozialdemokratischen Funktionär«. Genosse Seitz wurde zwar nicht formell verhaftet, wird jedoch im RathanS festgehalten. Verhaftet wurden dir Genossen JuliuS Deutsch, Hellmer, Schneidmadl, Bizebürgermeister Emmerling, General Körner und nach amtlichen MUteilungen, die ater von anderer Seite dementiert wurden, die Genossen Danneberg, For st ne r, Weigl, Paul Richter und Schärf. In Graz wurde der Bürgermeister Genosse M u ch i t s ch. in Hast genommen. Fascistiseher Staatsstreich war vorbereitet Die österreichische Regierung will die Oeffent« lichkeit glauben machen» daß die Aktion gegen die Sozialdemokraten notioendig gewesen sei, well diese einen Putsch geplant habe. Die Haussuchungen in der„Arbeiter-Zeitung" und in verschiedenen Parte iheimcn der österreichischen Genossen hatten den Ziveck, die„Gefährlichkeit" dieser Pläne zu beweisen und eine Reichstagsbrand st im mung zu erzeugen, die alle Maßnahmen der Regierung Dollfuß gegen die Arbeiter rechtfertigen sollte. In Wirklichkeit hatte es Dollfuß auf eine planmäßige Provokation der Arbeiter angelegt und dies knapp vor dem Staatsstreich, dessen Durchführung für die allernächsten Tage angesetzt war, auch zugegeben. In einer Unterredung mit dem christlichsozialen Chefredakteur Dr. Funder hat er angekündigt, daß„m a n" sehr bald daran gehen loerde. die Pläne der Heimlvehr in die Tat umzusetzen. Er, Dollfuss, werde dafür sorgen, dass sich der Umbau des Staates in möglichster Raschheit vollziehe. BisherMTdte Der Deutsche Nachrichtendienst meldet au- Wien: Die Berluste in den heutigen Nachttömpfen I werden von der Regierung mit 20 Toten und 80 Schwerverletzten angegeben, vielfach ober höher geschätzt. Angaben über die Berluste der Arbeiterschaft fehlen. AuS Steierinark hier vorliegende Nachrichten besagen, daß in Graz und in der Umgebung der Stadt und in deren Bororten Eggen bürg und Andritz sowie in Bruck a. d. M. bei den Zusani» menstössen zwischen der dnrch Militär verstärkten Gendarmerie und de« Schutzbündlern st 7 Tote! Und Herr F e y, der für den Regicrung»- kurS eigentlich Verantwortlich«, bat am Sonntag in einer Rede in EnzerSdorf feiner Genugtuung darüber Ausdruck gegeben, daß sich Dollfuß vollständig zu den Absichten der Heimwehr bekennt. Fey schloß seine Rede mit den Worten: „Wir werde« morgen an die Arbeit gehe«, und wir werden ganze Arbeit leisten." Zu den Provolationen. die sich die Regierung geleistet hat, gehören auch die Verhaftungen der sozialdemokratischen Vertrauensmänner in den Wiener Bezirken und die Enthebung des Wiener Bürgermeisters von allen seinen polizeilichen Funktionen. Es hat sich also in Oesterreich n i ch t um die Abwehr sozialdemokratischer Putschpläne gehandelt, sondern um den Versuch der Regierung, d i e Verfassung z« vernichten und mit Hilfe deS Staatsstreichs die Arbeiterschaft zu knebeln. Daß sich die Arbeiter dagegen wehren, ist nicht nur ihr Recht, sondern auch ihre Pflicht! »• zu verzeichnen sind, davon 11 Mann von Militär und Gendannerie und 26 Sozialdemokraten. Europa im Heber Roch am späten Abend wurde aus verschiedenen Hauptstädten in unserer Redaktion angefragt, ob eg wahr sei. daß tschechoslowakische Truppen an der österreichischen Grenze einmarschbereit stehen und daß große Trupps bewaffneter Arbeiter aus der Tschechoflowakei die österreichische Grenze überschritten haben, um ihren österreichischen Genossen zu Hilfe zu konunen.— Selbstverständlich find diese Meldungen zur Gänze unrichtig. An der tschechoflowakischen Grenze ist Ruhe. zisten schallend zu lachen, die besorgt von ihm auf den Doktor blickten, augenscheinlich in Angst, daß der Schlag sein Gehirn in ilnordnung gebracht habe. Aber er lachte nur noch mehr, als er ihre entsetzten Gesichter sah und sagte:»Nein, seien Sie ganz ruhig, eS ist vollkommen in Ordnung in meinem Oberstübchen. Peier Zanzil... Herrlicher Witzl... Meine Herren, behandeln Sie Peter Zanzi mit der größtmöglichsten Zuvorkommenheit und Achtung bei Ihrer eigenen Ehre und sorgen Sie, daß er in einer Stunde unbeschädigt und in völliger Freiheit in meinen Gemächern aügeliefert wird. Ferner wünsche ich, daß diese Angelegenheit hiemit vollständig erledigt ist. Guten Abend." Ohne sich weiter umzusehen, schritt er aus der Polizeistube hinaus uitd verschwand in den vollen Straßen. Der Inspeltor und der Arzt verbeugten sich hinter ihm tief und untertänig. Die zwei Geheimpolizisten folgten ihm schweigsam und rasch sogleich auf die Straße und ließen ihn nicht auS ihren tvachsam beobachtenden Augen wie gutdressierte Hunde ihren Herrn. Peter Zanzi hatte in der kleinen Zelle seine Ellenbogen auf die Knie gestützt, das Kinn in die Hmidflächen gepreßt und starrte mit blindem Blick auf die kahle Mauer gegenüber, an der sich die Schatten des Gitterfensters über der Tür eigenartig im Flackern des SchmetterlingSbrennerS im Korridor belvegien. Er denkt an eine andere Zelle, in der seine Schwester schmachtet, in einer anderen großen Stadt im Hauptgefängnis, eingesperrt für Jahre... Und wo ist ihre Schuld? Wie steht es mit dem RechtSspruch der strengen Männer, die sie verurteilten?... Und war er selbst nicht hart ihr gegenüber gewesen?... Wieviel von alledem hätte verinieden werden können, wenn er früher begriffen hätte, wenn er früher begreifen hätte Ivollen, nicht befangen in stuinpfsinniger, beschränkter, eingerosteter Auffassung von Ehre und Sitte... Lieschen, seine älteste Schwester, ein Jahr älter als er. Wie gerne hafte er sie früher gehabt, Ivie hatte er sie verehrt in seinen Jüng- lingSjahre» als daS Symbol deS reinen und unberührt schönen Mädchens... Vielleicht erklärte sich gerade daraus sein unüberwindlich tiefer Widerwille, sein Abscheu, sein Zorn und seine Empörung... bis sein schmerzlicher Trotz eines Abends gebrochen ward, bis endlich über ihn das große Verstehen gekommen... Und nun satz sie im Kerker, eine verurteilte Verbrecherin... sie, Lieschen, sein Mütterchen... daö arme Opferlamm.. Schlechtigkeit und Tugend... Recht und Unrecht ... Missetat und Justiz... eS war alles nicht so einfach, Ivie eS Sittenlehre und Gesetzbücher erklärten... Er war entsetzlich verwickelt und für die Geringen der Erde schlechterdings unentwirrbar, alle lvaren sie ja noch so sehr befangen in allerlei suggerierten, anerzogenen und aufgezwungenen Thesen... Sein eigener kleiner, unbedeutender Fall zum Beispiel... Ein paar betrunkene Lausebengel halten sich in niederträchtigem Uebermut schlecht gegen ein unbekannter Mädchen aufgeführt, daS ihnen nicht den geringsten Anlaß dazu gegeben hatte... Er hatte eingegriffen,, dem schändlichen Herumzerren eines heitzbetasteten Frauenkörpers ein Ende gemacht.. Und nun saß er in der Zelle, nur well er zugeschlagen hatte, waS ja jeder Kerl mit dem Herz am richtigen Fleck auch getan hätte... Tugend und Verbrechen... es war zum Gchreienl... Man stelle sich vor, daß er zu kräftig geschlagen hätte ... daß er einem den Kiefer zertrümmert... nur nach Verdienst... aber Peter Zanzi würde einige Monate ivegen Gewalttätigkeit brummen müssen... vielleicht sogar wegen UeberfallS auf offener Straße... Recht und Unrecht... Peter Zanzi und die niederträchtigen Herrchen... Lieschen und die saubere Gesellschaft, die gegen sie geschirmt werden muß... Die arme, durch das Leben gezerrte, hin- und hergeworfene Frau und die würdigen Herren, die sie, in feierliche Talare gehüllt, mit toternsten Gesichtem in krausm Worten zwischen zwei schön gesicherten Mahlzeiten, verurteilt hatten... Welch ein unwürdiges Spiel!... WaS konnte daraus Gutes sprießen» wie immer auch der Zweck heißen mochte... 7 Oesterreich... DaS große Ereignis des Togos ist, daß die kampferprobte sozialdemokratische Arbeiterschaft Wiens und Oesterreichs sich erhoben hat. Gleich, zeitig flammte an mehreren Orten Oesterreichs die offene Empörung auf, wie noch nie fest den ruhmvollen Tagen von 1848 tobt die Revostl- tion durch die Straßen Wiens. Lange genug hat die Geduld der politisch in Jahrzehnten erzöge- nen österreichischen Arbeiterschaft auf den entscheidenden Augenblick gewartet. Nun sind Oesterreichs Arbeiter bereit ihrkostbarstes Gut, ihre politische uird geistige Freiheit, ihre Organisationen, alle ihre Errungenschaften von Jahrzehnten, all daS Erbe ihrer Väter, das Erbe Diftor AdlerS zu verteidigen. ES gist den Kampf zu führen gegen jene, welche dem Aufstieg der arbeitenden Klasse auS dem Dunkel derGeschichte zum Lichte der Kultur für inuner ein Ende sehen wollen, es gilt Freiheit und Kultur zu vereidigen gegenüber dem FascismuS, gegenüber der Gewalt einer rücksichtslosen Bourgeoisie, gegenüber einer Bande von LandSknech- ten und Reaktionäre, die mit ihren Stieselob- sähen alle Kultur, alle Geisügkeit, alle Freiheit wnb alle Menschlichkeit treten wollen. Aber wie jeder Arbestcr in der Tschechoslo- wakci eS empfindet, sollte eS jeder in unserem Lande, dem Demokratie, Freiheit und kultureller Aufstieg noch ein hohes Gut sind, enipfinden: daß österreichische Arbester nicht nur für die Sache deS kulturellen Fortschrittes ihres eigenen Landes kanrpfen, daß daS österreichische Prole- tariat in der vor der st en Front des sozialen und kulturellen Kampfes ganz Europas und insbeson- ders Mitteleuropas ficht und daß eS auch unsere Sache ist, um die in Oesterreich ge- känipft wird. Sicherlich ist die Entwicklung der politischen Verhältnisse bei unö in der nächsten Zeit nicht allein abhängig von dem Ausfall des Kampfes in Oesterreich, den wir mit angehave- nen: Atem, fiebernd vor Leidenschaft mtterleben und mitverfolgen. Aber dennoch ist das Schick- sal der Proletarier aller Länder niit einander verbunden und der Befreiungskampf deS Pro- letariatS deS einen Landes erfährt stärkste Beein- flussung von den politischen Kämpfen des Proletariats anderer Länder. Bei der Nähe Oesterreichs gilt daS fiir uns doppelt. Feder Sozialdemokrat in der Tscheck>oflowakei wird aus den Kämpfen, die sich in unseren Nachbarländern obspielen, lernen, daß wir in eine Epoche eingetreten sind, wo eS gilt fürdenSozialiS- muSund für die Freiheit des Pro- letariatS alles zu wag en und wo nur derjenige den Anspruch auf den Ehrennamen eines Sozialdemokraten erheben kann, der alles opfert im Kämpfe für unsere große Idee. Der Bürgerkrieg in Oesterreich, der nun ausgebrochen ist, wird nickt nur von der prole- torischen Wett aufmerksam verfolgt, sondern bildet auch den Gegenstand der Beachtung der Staatsmänner der Großniächte Europas. Schon bisher war Oesterreich ein Spielball der mit- WaS konnte aus diesem geregelten Zusmnmenleben noch Gutes komme»?...' Düster spann er seine leidenschaftlichen De- trachtungen fort. Da wurde Schlüsselllirren hörbar, Fußtritt: stampften am Korridor vor seiner Zelle, die Riegel wurden zurückgeschoben nnd die Tür knarrend geöffnet. Ein Brigadier stand vor ihm, betrachtete ihn nicht unfreundlich, mit befremdlich forschendem Blick. »Sie könne» rauskommen, Zanzi... Schon ein lvenig beruhigt?" Peter stand auf, streckte sich, schaute düster auf den uniformierten Mann, antwortete aber nicht. »Sie dürfen nicht nachhause gehn", erklärte der Brigadier, infolge der schroffen Haltung des Arrestanten schon kürzer angebunden.»Hier im Gang ist ein Waschbecken. Spülen Sie sich etwas ab." »Wozu?" ftagte Peter mürrisch.»Bin ich so nicht schön genug für das Verhör?" »Sie werden nicht mehr verhört, aber Sie müssen irgendwo hin. Und es ist besser, wenn Sie da möglichst herauSgepuht hinlommen." »Wohin muß ich denn?" »Das werden Sie schon sehen... Schwemmen Sie sich etwas ab...'s ist Kot an Ihren Händen." »Ein Wunder!" grinste der Arrestant agres- siv,»wenn man mitten in den Kot hineingeschlagen hat." Mer er ivusch seine Hände und das kühle Wasser tat ihm wohl. Deshalb lvusch er auch sein Gesicht, trocknete sich dann mit dem rauhen, blauen Handtuch,.das daneben an einem Haken hing und säuerlich roch. Mit den Fingern strich er sein dichtes, welliges über die Stirn fallendes Haar zurück, setzte seine Mühe auf und sagte: -.Fertig! Bringen Sie mich jetzt wohin Sir wollen." lFortsetzung folgt.) Nr. M DienStag, 13. Feber 1934 Tritt« Lückenloser Streik in Frankreich Der Triumph sozialistischer Kraft Paris, 12. Feder. Durch den heutigen Generalstreik, der fast lückenlos war, war Pari- von der Äußeuwelt abgefchnittea. Da- Fernamt stellte keine Berbiuduugeu her. Die Telegrammanuahme war geschlossen. Militär mit aufgepflanztem Seitengewehr bewachte die Postämter. Innerhalb von Paris war der Telephooverkehr nur zum Teil in Betrieb. Der Generalstreik verlief ohne größere Zwischenfälle. einander u>n den entscheidenden Einfluß in Mft. teleuropa ringenden Großmächte. Drei Machte» gruppen: Deutschland, Italien, Frankreich und die Kleine Entente ringen miteinander um die künftige Gestaltung der wirtschaftlichen und staatlichen Verhältnisse in Mitteleuropa. ES kann Frankreich und unö auf keinen Fall gleich, gültig sein, wie die Dinge in Oesterreich aus- fallen und Frankreich und seine Verbündeten können eS weder zulassen, daß Oesterreich eine deutsche noch mich eine italienische Kolonie wird. Die Ereignisse in Oesterreich bergen damit ernste außenpolitischeGefahreninsich und die.Herren Dollfuß und Fey können ein Spiel begonnen haben, von dem man nicht weiß wie eS für sie und Oesterreich enden wird. Europa ist von einem schwere»sozia- len Erdbeben heungcsucht. Am gleichen Tage, an dem der Bürgerkrieg in Oesterreich seinen Anfang genommen hat, zeigt auch daL Proletariat Frankreichs durch einen General- streik, daß es nicht gewillt ist, in dem Lande der Revolution von 1789 den FasciSmuS zu Worte kommen zu lassen. Die nächsten Tage, Wochen und Monate können entscheidend sein für die Gestaltung deS Schicksals Europas, darüber, welchen Weg der Befreiungskampf des europäischen Proletariats in der nächsten Geschichtsepoche nehmen wird, sie können entscheidend sein dafür, ob dieser Erdteil, der durch Jahrhunderte der Mittelpunkt menschlicher Kultur ge- wesen ist, einem treuen Aufstieg zugeführt oder der Barbarei fascistischer Unkultur und fascisti- schen Niederganges verfallen wird. Wir Sozialdemokraten werden— komme was kommen mag —mrt aller unserer Kraft, unserer Leidenschaft und unserem Leben uns für den kulturellen Fortschritt, für dieFreiheit und die Wohlfahrt der Massen schlageni Dollfuß in der Rrvisiouö-Frout. Sudeten für Bursenland Wie zuverlässige Berichte auS Budapest be» sagov, ist bei dem Besuche Dollfuß' iit Pest auch über die Frage der Revisionverhandelt worden. Dollfuß soll den Magpaakn die Rückgabe deS BurgonlaMdeS zugestanden haben, wofür Lhm! GömböS großzügig die fudetendent- schen Gebiete versprochen habe. Wer den Bericht des«Az Eft" über daS tlhampagnergelage der Ministerpräsidenten kennt, wird die Abnrachung über Sudeten und Bürgenland vielleicht auf zu starken Genuß von Sphci» tiwsen zuriickfiihrc.il. Wer aber weiß, daß in dm nationalmagyarischirn Blättern über die Tschechoslowakei geredet witrd, als sei sie tot und’tlnt von Budapest aufzuteilende Beute, wer die gefährliche Doppelzüngigkeit und daS dilettantische Politisie» rchr Dollfuß' durchschaut, werd wisse», daß die Phantasbereien von Budapest nicht nngefährlich sitld und daß die Tschechoslowakei alle Ursache hätte, dem Regime D o l- fuß mit Energie entgegenzutre» t r n, um rechtzeitig de» Ring der fasristischen Revisionisten zu sprengen. Der„Mulatschag" des Diktators, Bei dem Besuch deS österreichischen Kanzlers in Budapest scheint eS hoch 7.gegangen zu sein. Tie Blätter Bethlenü berichten über die Orgien, die beim Abschied des kleinen Kanzlers von Budapest gefeiert wurden. „A z E st" erzählt, daß der Zug schon bereit stand, als Dollfuß sich entschloß noch zu bleilien. Man habe Zigeuner ins Kasino holen lasten und nun habe jeder der Minister sein Lieblingslied vestellt. DaS Blatt zählt die Lieder mit dem Titel auf. Dollfuß aber habe sich nicht begnügt, der Kapelle anzusagcn, was sie spielen solle, sondern habe den Taltstock ergriffen und dirigiert. Es sei eine urftdcle Stimmung gewesen. DaL Blatt sagt nicht geradezu, daß die Herren unterm Tisch gelegen haben, aber auS der Schrl- derung, die unter der Zensur GömböS erscheinen darf, kann man entnehmen, wie hoch die Stimmung bei diesem nationalmagyarischen Mulatschag gestiegen war. Vielleicht ist in dieser Stimmung die Vereinbarung der beiden Diktatoren über die Aufteilung der Tschechochslowakei zustande gekommen! Suvlch nach Budapest Budapest, 12. Heber. Wie am Montag sche Staatssekretär deS Aeußeren, Suvlch, am nmtlich bekanntgegeben wurde, wird der ltalieni- SamStag oder Sonntag zu einem dreitägigen Aufenthalt in Budapest eintreffen. WaS die politische Seite der Verhandlungen SuvichS in Budapest betrifft, wird amtlich zugegeben, daß alle Fragen erörtert werden, die Europa im allgemeinen und de» Südosten im Besoudere« betreffe«. Gewissen Andeutungen, daß der Besuch Su- vich- in Budapest mit irgendwelchen Paktobsichten verknüpft«erden könnte, wird hier mit aller Entschiedenheit eutgrgengetrete». DaS Stnrßenblld war bereits durch den Streik dar Taxichauffeure, der auS reim gewerk- fchatfllkchrn Gründen schon einige Tage anhält. vorändort worden. Seit friifi hat sich auch der Brr- kehr mit den öffontlichen Verkehrsmitteln stark vermindert und durch dessen vollständige Einstellung, die um 13 Uhr deshalb erfolgte, um jedwedem Zwischenfall vorzubeilgen, hat der Verkehr auf dm Pariser Stratzm noch mehr tnachgclassen Elncö der charakteristischesten Merkmale deS Pariser Streikes ist der vollständige Mangel an Zri- ttmgm. Zahlreiche Werkstättm und kleine Ge- schäfto bleiben mit Ausnahme des Viertels Din- rmneS, wo die Sozialisten und Kommunisten am Nachmittag ehren Umzug veranstaltetm, geöffnet. DaS Mineniministerinm teilt mit, daß der Generalstreik bis Mittag f st übesalk durchs«- IwlschMfMIe London, 12. Feber. Reuter meldet auS Paris: Der Führer der kommunistisch. Organisation in Chaville wurde unweit von Versailles auf der Hauptstraße in einer Blutlache tot aufgefun- dcn. Sein Körper wieS einige Wunden auf.— Durch die Straßen der Stadt Marseille marschierten 60.000 Streikende. In der Marseiller Schwefelmffinerie ist ein Großfcuer miSge- brvchen, das wegm Wassermangel schwer zu bekämpfen ist. Der Schaden belauft sich auf drei Millionen Franken. Seine Entstehung dürfte auf einen Bombenanschlag zurückzuführen sein.— In Dünkirchen sinn eS zu ernsten Zusannnen- MoSlau, 12. Feber. Die Telegraphen agen- tue der Sowjetunion veröffentlicht die Rede de» Oberkonunandanten dec Solvjetarmee im Fernen Osten, General Blüchers, welche er am kommunistischen Parteitag gehallen hat. Blücher erklärte: Der Fernösllichc Gau, in welchem ich das Oberkommando habe, ist eines der entferntesten Gebiete unsere- Landes, eü grenzt jetzt schon unmittelbar an Japan, das fieberhaft zum Kriege rüstet. Als Kenner der Ber- hältnisse des Fernen Ostens würdigen wir die weife, aber feste Politik des Zentralkomitees, das alle Maßnahmen getroffen hat, um die gespannte Atmosphäre unserer Beziehungen zu Japan zu entspannen. Leider weckt aber die Politik der japanischen Imperialisten ernste Besorgnisse, daß wir trotz allen unseren Bestrebungen, militärische Komplikationen zu vermeiden, in solche Vcrtvickelt werden. Zwischen den Worten der japanischen Politiker und den Tatsachen besteht eine enorme Kluft. Trotz der friedlichen Erllärungen sehen Ivir fieberhafte KriegSvorbercitun- g e n, bei denen die Nord-Mandschurei sich in einen Aufmarschplatz verwandelt hat» und daß Japan mit verzweifelter Entschlossenheit, seinen gesamten Staatskörper erschöpfend, Vorbereitungen trifft, um den Srungaufdensowjetistischen F e r n e n O st e n zu unternehmen. Blücher WieS sodann auf die großen Interventionen Japans im Femen Osten hin. auf die Eisenbahnbauten, so- loie auf die Errichtung von Straften, welche offensichtlich strategische Ziele dartun. Weiters verwies Blücher mif die Flngplatzbauten der Japaner, tvelchc etwa 50. gut ausgerüstet« Flugplätze errichteten. die sich insgesamt in dem Dreiecke Muk- ken-Eharbin-Tscksikar und nördlich von diesem I Gebiete befinden. Wir haben ganz genaue Informationen, daß sich vor der Besetzung der Mandschurei dortselbst nur 10.000 Japaner befanden, jetzt steht dort ein« Armee von 130.000 gut ausgerüsteten Japanern» das ist mehr als ein Drittel der gesamten japanischen Armee. Hiezu kommen noch gegen 115.000 Mann der Mandschukuo- Truppen, 12.000 Weißgardisten, insgesamt fähige und gut Der amerikanische Luftpostskandal Herr Llndbergh mischt sich hinein führt wurde. Die Versorgung mit Wasser, GaS und Elektrizität ist gesichert. Der Streik der Post-, Telegraphen- und Telcphonangeistelllön ist fast allgemein, in der Metallindustrie streikt der größte Teil der Angestellte». Große Kundgebungen in Paris In Paris veranstalteten 20.000 sozialistische und kommunistische Manifestanten einen Umzug, an dessen Spitze Deputierte schritten. Der Zug bewegte sich programmgemäß vom Vincenner Tor auf die Place de la Nation. Bis 16 Uhr 30 wurde ken Zwischenfall gemeldet. flößen zwischen Arbeitswilligen und streikenden Hafenarbeitern, wobei viele Personen verletzt Ivurdcn. Auf dem Marktplatz wurde die Mobilgarde von Kommunisten, die vor dem Rathaus gegen die Verhaftung eines GewerkschaftSsekretärS protestierten, mit Steinen angegriffen; viele Poli«| zistcn wurden verletzt. In Roubaix wurde ein Müllwagen von Streikenden umgestürzt.— Einige tmlscnd Manifestierende veranstalteten in Lille unter Musikbegleitung einen Umzug durch die Stadt. Die Manifestation schloß in versöhnlicher Stimmung mit einer Versammlung auf einem offenen Platz, wo die Musikkapelle spielte. ausgerüstete Soldaten. Hiezu kommt noch die Sitngari-Kricgsflotllle, welche in der letzten Zeit um 24 Kampfeinheiten vermehrt Ivurde. Der japanische KriegLminister HajasiS beklagt sich, daß die Sowjetregieoung im Fernen Osten 300 Militärflugzeuge konzentriert hat. Wir werden mit ihm nicht strecken; cö ist möglich, daß wir dort weniger haben, möglicherweise aber auch mehr. In jedem Falle erklären wir, daß, wenn eS nötig sein Witt», wirimFerncnOstenmehrFIug- zeugekonzentrieren werden, als die Japaner dorthin entsenden können. Ich kann mst Völler Sicherheit erkiä- ren» daß die Japaner in der Mandschurei bereits 500 Kriegsflugzeuge haben, obwohl sie eS in ihrer Bescheidenheit verschweigen. General Blücher polemisierte sodann gegen die Erllärung HajasiS, daß Javan an keinen Krieg mit der Sowjetunion denke, wenn eS nicht von ihr überfallen wird, ! und verweist daraus, daß Sowjetrußland keine neuen Gebiete und keine neuen Naturschätze | braucht, da cs deren genug hat. W i r s i n d a b e r ^vollständig vorbereitet, und an unseren Grenzbefestigungen und Eisenbetongürtelnwirdjedervom KricgSransch übermannte imperialistische Kopf zerschellen. Unsere Annee ist dort auS den besten Kaders zusammengesetzt, sie ist mtt der vollkommensten Technik ausgerüstet, mit den modernsten Tanks und Flugzeugen, und wir zweifeln nicht, bei einem Zusammenstöße als Sieger h c r v o r z uge h e n. Unsere Tanks und unsere Flugzeuge lvcrden ihre sozialistische Pflicht nicht nur an der Grenze Japans gegenüber, sondern auch sehr tief im Hinterlande des imperialistischen Gegners erft'illen. Am Schlüsse seiner Rede versicherte General Blücher namens der Armecparteiorganisationen. daß ün Falle deS Ausbruches von kriegerischen Ereignissen int Fernen Osten die Rote Armee mit einem solchen Schlag« parieren wird, daß die Grundfesten des Kapitalismus Risse bekommen und an manchen Orten auch zusammenbrechen suchungSkommission für den L u f t p o st s k a n- dal mitteilte. daß tvichtigc Dokumente über die Regicrungskontrakte für Luftpostverlehr auS den Akten MacCrackes verschwunden waren. Oberst Lindberg h richtete ein persönliches Schreiben an den Präsidenten Roosevelt, in welchem er an dessen„Gerechtigkeitssinn" appelliert und ersucht, alle Gesellschaften, welche beschuldigt werden, mit dein Postdepartement Kontrakte in betrügerischer Weise erreicht zu haben, früher anzuhören, bevor die Diebe suchen die Stavlsky-Akten Paris, 11. Feber. In den Justizpalast von Bayonne, wo die die Affäre Stavisky betreffenden Gerichtsakten deponiert sind, stahlen sich in der Nacht vom Samstag auf Sonntag Räuber ein, die offenbar nach den Stavisky noch betreffenden Akten fahndeten. Es gelang ihnen jedoch nicht, dieselben zu finden. Seit heute werden die Allen von einer starken Gendarmerielvache Tag und Nacht belvacht. Vor drei Wochen wurden aus dem Pariser Justizpalast die die Stavisky-Affäre betreffenden Allen vom Jahre 1020 gestohlen, die insgesamt 1200 Dokumente zählten und die Namen der Parlamentsmitglieder enthielten, die in die Affäre verwickelt sind. Beratung der sozlaidemoKratiscnen Parteien Eine gemeinsame Sitzung der Vorstände der tschechoslowakischen und deutschen Soziatde- inokratie hat am Montag, den 12. Feber» unter Vorsitz deS Genossen H a m p l stattgefunden. Ministerpräsident-Stellvertreter B« ch y n k gab einen Bericht über daö bisherige Ergebnis der Beratungen der tschechoslowakischen Sozialdemokratie und über die vorbereiteten Maßnahmen der Regierung. Minister für soziale Fürsorge Dr. E z r ch gab den Standpunkt der deutschen Sozialdemotratie bekannt. Rach einer kurzen Debatte wurde die v o l k k o m m e n e E i n- ni ü t i g k e i t deö Standpunktes beider Parteien und der Forderungen frstgeftellt, die beide Parteien bei den Verhandlungen in der Regierung durchsetzen wollen. ES sind dirS haupsichlich sozialistische Forderungen, die dir Linderung der Krisenfolgen, die Beschaffung von Arbeit und Rettung der Existenz von hundert» tasenden arbeitslosen Arbeitern betreffen. Im Verlaufe der Beratungen kamen Nachrichten über die Vorfälle i n O e st r r» r e i ch. Die gemeinsame Sitzung beider sozialdemokratischer Parteien sprach de» Genossen in Oesterreich» die für die Abwehr der Angriffe der Reaktion auf die Demokratie, auf die Rechte der Arbeiter und auf ihre sozialen Errungenschaften kämpfen» die herzlichsten Sympathien auS mit dem Wunsche, daß der schwere und heldenmütige Kai.^s der österreichischen Genossen im Interesse der Arbeiterklasse Oesterreichs und der gesamten Internationale erfolgreich beendet werde. Rasch fertig ist das„Montags-■ Dlatt“ mit dem Wort... DaS„Präger MoniagSblatt" brachte gestern auf der ersten Seite und in Fettdruck eine Betraw- iung der Situation in Oesterreich und fügte der Vermickung, daß mit Montag die Parteien aufgelöst würden, folgende Bemerkung bei; „Tie Sozialdemokratie kommt al» ernsthafter Gegner nach ihren politischen Versammlungen nichtmehrinFrag e." Der Unsinn, der dein Blatt da mit den„Versammlungen" unterlaufen ist. ist unwesentlich; wesentlich aber die, sagen wir: Kühnheit, mit der das„MoniagSblatt" die österreichische Sozialdemokratie schon als erledigt hinstellte. Während wir diese Zeilen schreiben, erreicht uns die Meldung, daß in Linz Artillerie auf die sozialdemokratischen Arbeiter schießt. Artillerie gegen jemanden, der„als ernster Gegner nicht mehr in Frage kommt..." Es täte dem„Montagsblait" gut, sich im Prophezeien und„Fesistellen" ein wenig zu zügeln! WoS du auch tust, e» ist Verrat. Der loin- inunistische Reichenbergcr„Vorwärts" schreibt am Freitag über die Ereignisse in Frankreich: .„Die französischen Sozialdcmokratcu konwien mit dem Angebot der Einheitsfront nnt den Kommunisten und haben einen 24stündig«n Generalstreik für Montag angelündigt. Sie wollen alko den Kampf verschleppen und die Einheit nur vortäuschen, um sie zu verhindern." Wenn die französischen Sozialdemokraten leinen Generalstreik beschlossen hätten, hätten die Kommunisten sicher gesagt, daß dies ein Verrat an den Arbeitcrinteressen sei. Jetzt, da unsere französi- schen Genossen de» Generalstreik prollainiert haben, schreiben die Kommunisten, daß diese Tat nur den Sinn habe, den Kampf zu verschleppen, Die Konlmunisten scheinen zu glauben, daß selbst, wenn ein Sozialdemokrat sich totschlagen läßt im Kampfe um seine Idee, daß er dies nur tue, um Verrat am Proletariat zu irben. Omladina-Feier i« Pilsen. Im Pilsener Rathaus fand am Sonntag in Anwesenheit von Mitgliedern der ehemaligen Omladina und von Vertretern deö öffentlichen Lebens eine Feier statt, bei der die Zellen, in welchen die Omladinisten. darunter Dr. Raöln, eingekerkcrt waren, in die Obhut der Justizverwaltung übergeben wurden. Außenminister Dr. Benrö ist in Begleckung de» LegationSrate' Dr. K u ü e r a Sonntag zur Tagung deö Präsidiums der Abrüstungskonferenz nach London abgereist, wo cr am Montag elntras. Er stattete sofort dem Vorsitzenden der Abrü» jtungslonferenz Henderson einen Besuch ad. Washington, 11. Feber.(Reuter.) Der ehe malige stellvertretende HandelSsekrctär in der Negierung MaeCrockes, dessen Verhaftung , durch den Senat angeordnet worden war, hat sich i der Polizei gestellt. Die Verhaftung MacCrackenL * war vom Senat besohle» worden» als dis Unter«> Verträge auf amtlichem Wege«mulliert werden. Der Streik In der Provinz Sowjetrußland ist abwehrbereit! Zuversichtliche Erklärungen des Generals Blücher Sette 4 Dien-ta-, 13. Arter 1-84 Rt.U Offener Brief an Goering I den Arbeiter Hagedorn aus '*•| jyopcn uno w inurbc. i n a v i t kam ungefähr um halb drei vorgenornmen. für das Jahr den sonn- Leitartikcl w e g u n ß gesetzt. Ratajskh sprang auf den fahrenden Zug, dach glitt er vom Trittbrett ab und siel lopfüber auf das Geleise, wobei ihm vom fahrenden Zuge der Kopf a b getrennt>v u r d e. In ein Uhr früh nachhause und hatte eine Auseinandersetzung mit seiner Frau. Um 3 Uhr wurde er von heftigen Schmerzen am Kopf und auf dem Rücken geweckt. Ec lief auf den Sticgengang und schlug Lärm. Seine Frau benützte diese Gelegenheit und flüchtete. Die Polizei fand bei der Durchsuchung der Wohnung ein Gefäss mit den Resten einer Säure. Wie auf der Klinik Kreibich festgestellt tvurdc, hat M i n a r i k Verbrennungen zweiten und dritten GradcS im Gesicht, am Kopf und an den Schultern erlitten. Nach der Täterin wird geforscht. Säure-Attentat auf den Gatten Die Prager Polizeidirektion nicldct: Sonn vo er in den Zug nach Bescli nad Moravou u m- steigen sollte.?llS er auf dem Bahnhof an der Gondel des Ballons zahlreicher Messapparate und Instrumente. Während des Fluges wurden 11 Messungen, 12 Aufnahmen in verschiedenen Hohen und 27 Messungen mif der Farbenskala . Die Beobachtungen wurden in einer Höhe von 8.600 Meter begonnen und während der ganzen Zeit dcS Aufstieges sowie auch während des Abstieges bis zu einer Höhe von 12 Kilometer fortgesetzt. ES wurde eine bestimmte stetige Aenderung der Himmelsfarbe beobachtet, u. zw. war der Himmel bei 8300 Meter blau, bei 11 Kilometer dunkeMan bei 18 Kilometer tiefviolett, bei 10 Kilometer tiefviolcttblau, bei 21 Kilometer schwarzviolettgrau und bei einer Höhe von 22 Kilometer schwarzgrau. Beim Abstieg deS Ballons in einer Höhe von 12 Kilometer, anscheinend dem Beginn der Katastrophe, stellte Wassenko fast unmittelbar vor seinem Tode noch«ine Reihe fortlaufender, überaus wertvoller Beobachtungen der Himmelsfarbe an. Die Aufzeichnungen des BordjournalS bestätigen und präzisieren die Beobachtungen der Flüge Piccards und deS ersten sowjetruffischen Stratosphärenballons, dessen Besatzung bei einer Höhe von 19.000 Meter den H i m m e l tiefbiolett sah. DaS weitere Studium der Materialien wird vom staatlichen optischen Institut vorgenommcn werden. Mord und Selbstmord wegen ehelicher Untreue. Die Prager Polizei-Korrespondenz meldet: Sonntag früh um halb 7 Uhr erschoss der 3öjäh- rige Kaufmann Augustin I ü st e l in Nusle seine Frmr Anna, worauf er sich selbst tötete. Beide waren auf der Stelle tot. Nach den polizeilichen Erhebungen liegt die Ursache der Tragödie in der Untreue der Frau. DaS Ehepaar hinterlässt vier Kinder im Alter von drei bis dreizehn Jahren. Arbeitsloser tödlich verunglückt Sonntag vormittags wurde an der Bahnstrecke bei Karolincntal die Leiche eines jungen Mannes gefunden, in tvclchem später der arbeitslose Schlossergehilfe Rudolf H r o ch sichergestellt tvnrde. Nach Annahme der Polizei dürfte H roch beim Ueberklettern einer Mauer mit Stachcldrabt in Berührung gekommen sein, welcher in unmittelbarer Nähe der eleltrisckicn Trolley-Leitung der Bahn steht, und tvurdc durch den Strom getötet. Hur 19 Wochen sind es bis zur in. Arbeiter-Olympiade, die vom 5. bis 8. J u 1 i in P r a g stattfindet. Wer sofort mit dem Sparen beginnt, kann auch mit dabei sein! Zehn Nationen.' sowie 60.000 Teilnehmer aus der Tschcchoslovakci haben schon gemeldet. Und Du willst zu Hause bleiben? Peinig, 11. Feber. Bei Tsckiangtscha explodierte ein grösseres chinesisches Munitionslager. Von der Wachmannschaft sollen 40 Soldaten getötet worden sein. Es handelt sich um einen kvinmu- nistischen Anschlag. Zu Tode gemartert Saarbrücken. Der»Deutschen Freiheit" lviro ans dem Reiche geschrieben: »In Wesseling bei Bonn starb am 19. Jänner unter grossen Qualen der 49 Jahre alte Viehhändler MoscS, verheiratet, Familienvater, ein allgemein beliebter Mann. Er tvar kerngesund, bis im Septcnibcr 1933 der Kölner Schlachthos- direltor einigen SA-Leuten die Weisung erteilte: »Nehmt doch mal den MoscS mit zur Behandlung in die Schweiz l" Die Schiveiz— das ist eine Müllgrube hinter dem Schlachthof. Dort tvnrde das Opfer hingeführt und befehlsgemäss„behandelt". Man fand ihn bcivusstlos: das Nasenbein zertrümmert, Abdrücke von eiscnbeschlagencn Stiefelabsätzen int Gesicht und Stirn, den Brustkasten eingeteten, Nippen gebrochen usw. Die besten Aerzte Kölns versuchten zu retten, was nicht mehr zu retten war: innere Zerreissungen, Lebervcrletzungen und chronische Blutungen machten alle Hoffnungen zuschanden. Am 19. Jänner ist Moses unter grausamen Schmerzen nach viermonatigem Siechtum der berühmten deutschen Hitler-Kultur erlegen. Im katholischen Wesseling trauert fast die ganze Bevölkerung um den allgemein beliebten prächtigen Mann und stillen Wohltäter. Selbst die lokalen SA-Grössen kondolierten tieftraurig den Angehörigen, nicht ohne die dringende Bitte, nichts von der Todesursache und über die AuSivüchse der Roivdies verlauten zu lassen. Der Herr Schlachthofdircktor und seine braune Schlachthofaarde sind nach wie vor in Amt und Würden.— Die Polizei des bc- rühmten Staates, in dem keinem Juden ein Haar gekrümmt wird, hat in dieser Sache bisher niebii getan. Heute, am 23. Jänner 1934, wurde Moses unter grosser Anteilnahme zu Grabe getragen." FriedrichSthal von nachts 12 Uhr bis zum Nachmittag des nächsten Tages 17 Uhr mit blossen Füssen auf dem Hof des Lagers Oranienburg»n- unterbrocheit im Kreise herumlaufen liess, bis ihnen die Haut in blutigen Fetzen von den Füssen hing? Wagen Sie es als ein„Greuelmärchcn" zu bezeichnen, dass der Kommandant, des Konzentrationslagers Oranienburg SA-Sturmbannerführer Schäfer Dunkelarrcstzellen einrichten liess,, die eine Grundfläche von 60 zu 30 Zentimetern haben und den darin eingeschlosscnm Gefangenen nur das Stehen erlauben? Wagen Sie es als ein„Greuelmärchcn" zu bezeichnen, dass der Schuhhaftgefangene Neumann im September 1933 in einer dieser Stehzcllen acht Tage und acht Nächte, 192 Stunden, stehend eingeschlossen war? Wagen Sic eß als ein„Greuelmärchcn" zu bezeichnen, was ich in meiner in der Lerlagsan- stalt Graphia,.Karlsbad, erschienenen Schrift „Oranienburg" an erlebten und erlittenen Tatsachen von der Behandlung der Schutzgefangenen im Konzentrationslager wiedergcgeben hab«, und was ich vor jedem unparteiischen, unabhängigen Gericht der Welt eidlich zu bekräftigen bereit bin? Sie beschimpfen die Opfer des nationalsozialistischen Terrors in Deutschland, die der Welt über ihre Erlebnisse die Wahrheit sagen, als „Kreaturen", die„keine Ehre und kein Vaterland" hätten. Die Tatsache meiner Tcilnehmcrschast am Weltkrieg, an den Fronten in Galizien, Frankreich und Italien und meine Kricgsnarben schützen mich«nd alle meine Kameraden, die das gleiche hinter sich haben, davor, dass uns dieser Anwur' von Ihnen trifft. Gerhart Seger. Zvehla-Gedenkfeier in Reichenberg Sonntag, den 11. d. M.. veranstaltete der tschechische DezirksbildungSanSschuss im Stadt» thcater Reichcnberg eine Gedenkfeier sür Anton Svehla. Im Rahmen musikalischcr Vorträge der Militärkapelle, dcS ArbeitergcsangvereineS „Jested" und der Sopranistin Maria Tutta sprach der Minister sür nationale Verteidigung D. L r a d ä C über die Bedeutung Antonm Svchlas. Nach der Festfcier fand ein Empfang im NathauS statt, wobei Bürgermeister Kostka und der Vertreter der tschechischen Sozialdemokraten Stadtrat Gen. K L g l e r den Minister begrüss- ten und, an seine Festrede anknüpfend.< Mehr als 30 Opfer der Schneelawine aus Korsika Paris, 12. Feber. Bel den RäumungSarbei- tcn in O r t i p o r i o auf.Korsika, wo kürzlich eine Schncelatvine mehrere Häuser mit ihren Einwohnern verschüttete, sind bis Samstag 30 Leichen geborgen Ivordcn. Man rechnet aber damit, dass sich noch tveitere Opfer unter den Trümmern befinden. und FascismnS, zwisckn'N Freiheit und Gewalt, zwischen Arbeit und.Kapital, zwischen Reaktion und Revolution hat begonnen. Mit aller Leiden- schäft wünschen wir den Sieg der österreichischen Arbeiter, der Sache, die«ich die unsere ist... Autosport alS einziger Lebensinhalt... Der Direktor des königlich-ungarischen Automobil« llubü in Budapest, Edmund Deghy, hat sich ver» g i f t e t. In seinem Abschiedsbrief gibt er als Grund seines Selbstmordes an, dass er infolge hochgradiger Blutarmut sich dem Automobilsport nicht mehr widmen könne. Ohne Autosport bedeute ihm das Leben aber nichts. Der Kamvf gegen den Alkohol in den Be> trieben. Die Gcwerbeinspeltoren widmet:» auch im Jahre 1932 der Frage des Genusses alkoholischer Getränke durch die Arbeiterschaft in■> n Industriebetrieben gehörige Aufmerksamkeit. Diesmal richteten die AufsicktSbeamten auf M>'- sung deS Zentralgewerbeinspektorats im Ministerium für soziale Fürsorge ihr besonderes Augenmerk darauf, wie die Bestimmungen deS Gesetzes S. d. H. u. V. Nr. 83/1922 Höllischer» gesetz") über das Verbot des Verlaufes von ai- kvholischen Getränken an jugendliche Personen eingehalten werden. Die gemähten Erfahrungen sind durchwegs günstig, denn es wurde kein Betrieb fcstgestellt. in dessen Kantine daL erwähnte Verbot verletzt worden wäre. Trotzdem bestanden die AufsichtSorgmie darauf, dass das behördliche Verbot nach dem genannten Gesetz in allen Bc» tri.l>Skantinen in dauerhafter, lesbarer Form auSgehängt wird. In den Kampf für die Alsii- nenzbcwegung griff äusser anderen Faktoren i.- direkt sehr wirlsam auch die Wirtschaftskrise ein, die daS Lebensniveau der arbeitenden Klasse s hr herabgesetzt und so die Ausgaben für Alkohol ei.>- geschränkt hat. Auf Anregung der Gewerbeinspektoren oder auh aus eigener Initiative sorgten weiter einige Betriebe dafür, dass die Arb'i- terschast in hinreißendem Masse alkoholfreie erfrischende Getränke um einen möglichst niedrigen Preis oder umsonst bekommen.(Aus dem Jahresbericht der Gctverbeinspektoren 1932.) Kramak- Artikel konfisziert. tägigen„Närodni Lisch" ivurde Dr. KramatS, welcher den nationaldcmokratischen Standpunkt zur Währungsfrage vertritt, an fünf Stellen konfisziert. Weisse Stellen zeigt auch ein redaktioneller Artikel über dieses Thema und die Wiedergabe einer Rede des Abgeordneten Hodai. Kindertod auf dem Eise. Auf dem Borbecken der Edertalsperrc bei Nicderwcrbe brachen drei 1 Kinder im Alter von drei bis fünf Jahren auf ; dem Eise ein und ertranken. ’- FahrikSbrand. Die chemische Fabrik in B a d D o b e r a n ist gestern nachts ein Raub ' der Flammen geworden. Sonntag gegen 21 Uhr ' brach aus dem Fabriksgelände ein Feuer aus, das in kürzester Zeit die gesamten Fabriksanlagen in Flammen hüllte und dem Erdboden g l e i ch m a ch t e. Die Brandursache steht noch nicht fest, doch nimmt man eine Explosion an. Ei« FrlSstück auk der Eisenbahnstrecke. Die Staatsbahndirektion Pilsen meldet: Am 11. Feber lockerte sich ini Kilometer 43.46 auf der Strecke Schönivchr-Ellbogen knapp vor dem Zuge 5602 ein Felsstück, das die Strecke verlegte. Der M o t o r iv a g e n, der wegen der allzugeringen Entfernung nicht Mehr zum Halten gebracht werden konnte, fuhr auf das Felsstück auf und entgleist e m i t allenBe i w a gen. Verletzt wurde niemand. Die Strecke wurde um 11.20 Uhr freigemachi. Der Personenverkehr wurde bis dahin durch Umsteigen aufrechterhalten. sSopade.) Der frühere sozialdemokratische ReichSiagSabgcardncte Seger- Dessau bat folgenden offenen Brief an den preussischen Ministerpräsidenten Goering gerichtet: Sic sprechen in einem Artikel in der englischen Zeitung„Morning Post' von einer„Flut feiger und niedriger Verleumdungen und Greuel- märchen", die im Ausland« durch„Kreaturen" verbreitet würden, die„keine Ehre und kein Vaterland haben". Ich war vom 14. Juni bis zum 4. Dezember 1988 als Schutzhaftgcfangcner im Konzentrationslager Oranienburg. Ich war Opfer und Augenzeuge zahlloser Misshandlungen, und ich frage Sic daher vor der Oeffentlichlcit der ganzen Welt: Wagen Sie eß als ein„Greuelmärchcn" zu bezeichnen, dass der SA-Sturmführer Krüger am 15. Juni 1933 mit zwei SA-Leuten in Zimmer 16 des Verwaltungsgebäudes im Konzentrattonslager Oranienburg Coswig stundenlang so auf die Nieren geschlagen hat, dass das Opfer dieser Misshandlungen tags darauf starb? Wagen Sie es alö ein„Grcuelmärchen" zu bezeichnen, dass am 27. Juni 1933 der Arbeiter Senö aus Zerbst durch die Blutstauungen infolo- stundenlanger Schläge, die ihm der SA-Sturm- bannerführer Krüger und zwei SA-Leute im Zimmer 16 des Verwaltungsgebäudes im Konzentrationslager Oranienburg znfügten, an Hcrzichlag gestorben ist? Wagen Sie es alö ein„GreuclmKrchen" zu bezeichnen, dass der Kommandant des Konzentrationslagers Oranienburg SA-Tturmbanner- führer Schäfer im August 1933 vier Arbeiter ai" Was ist mit Wie«...? Millionenmale ist gestern diese Frage auSgesprokheu worden: in! allen Sprachen— zu tiefst gefühlt aber nur in einer c i n z i g e n: in der Sprache des Proleten, des Arbeiters» des Sozialisten. WaS ist mit Wien? DaS war gestern und ist heute die bange, die hoffnungsvolle, die schicksalsschwere Frage nicht nur deS Arbeiters in Salzburg oder Steiermark, sondern überall, wo eS klassenbewusste Proletarier gibt. Also auch und vor allem in Deutschland, wo solche Fragen zwar in sozialistischer Betonung leise getan wer- den müssen, aber nm so mchr mit der Kraft innigster Schicksalsverbundenheit getan werden. Im österreichischen Nachbarland Tschechostowakei i wiederum wendet sich das leidenschaftlichste In- i teresse der demokratischen Nevölkenrng laut I den Geschehnissen in Oesterreich zu. Und die su- dclcndeutschen Arbeiter, die tschechischen Ar- i beiter haben seit gestern nur den einen Gedanken: wie wird cs sich in Oesterreich entwickeln, WaS bringen die nächsten Stunden. Und nut glühendem Herzen, mit angespannten Nerven möchten sic jede Phase des Kampfes persönlich verfolgen. Die sozialdemokratischen Reaktionen und Sekretariate in der Provinz werden mit hundert Anfragen, mit ständigen telephonischen Anrufen bestürmt. Und in der Prager Zentral- i-1‘ u t•> i'”*«---“«I*'«••*»»' i redaktion ruht das Telephon keinen Augenblick. J b-rc r^ts in wisst Ihr Neues?"—„Wie beurtcill .""*“ Ihr die Situation„Habt Ihr schon gehört, dass...?"—„Habt Bhr schon die neuste Extraausgabe gelesen... Ist cL wahr, dass .. Ia, es i st w ah r; die österreichische Ar- bcitcrschaft, die österreichische Sozialdemokratie kämpft einen grossen Kampf, von dessen Auö- , gang nicht nur unendlich viel für Oesterreich, ' sondern für ganz Europa, nicht nur für die österreichischen Arbcster, sondern für daö internationale Proletariat abhängt. Sie kämpfen! Wo gäbe es da in aller Welt einen Sozialisten, der nicht im Geiste mit dabei wäre! Blutig ernst ist die Situation, eine der wichtigsten Etappen in der Auseinandersetzung zwischen Denwkratie Nr.S« Sette 5 Dienstag, 13. gtSee 1034 Kindertragödie Ung. Brod, 12. Feber. Als bei dem Bauer Riloviil in Ung. Brod nach dem Schweine- schlachten Lebertviirste, gebraten lvnrdcn, bestieg sein siebenjähriges Töchterchen Ludmila einen Schemel und beugte sich Uber den Kessel. Da sie sich jedoch allzusehr vorbeugte, fiel sie in den Kessel, Die auf das Schreien des unglücklichen Kindes herbeigeeilte Mutter zog das Kind mit den bloßen Händen aus der brennenden Suppe heraus. wobei sie Berbrennungen erlitt. Die Brand- lvundcn des Kindes sind tödlich, die Mutter hat leichte Brandverletzungen an der Hand und konnte nach Behandlung derselben in häusliche Pflege entlassen werden. Eia ehemaliger Handelomintster verhaftet Washington, 12. Feber.(Reuter) Der Vertreter des HandelLniinisteriuins aus HooverS PräsidentcnschaftSzeit Mac Cracken wurde beute nachmittags wegen Nichtbefolgung der Anordnungen des Senates verhaftet. Arbcitertod. In der Gemeinde Megliadino bei Padua stürzte bei der Memontage einer Tranöformatorenstation ein Teil derselben samt! deni Motor auf fünf Arbeiter, von denen einer’ getötet und die vier anderen verseht Ivurden. Rumänische Zensur. DaS Zentralorgau der sozialdemokratischen Partei Rumäniens..Lumea Aoua" tvurde am 0. Dezember, kurz nach Einfüh- I rung des Belagerungszustandes, verboten. Dem Einschreiten des Parteivorstandes gelang cS, die Aufhebung des Verbotes zu erwirken. Der kommandierende General des Bereiches Bukarest befahl aber dem Zensor, den Gebrauch des Wortes! »Genosse" nicht zuzulassen, so daß die„Lumea Roua", die sich solche dumme Schikanen nicht gefallen lassen will, vorläufig weiter nicht erscheint. Infolge deS Schneedruckeö stürzte im Orte Miglionico bei der Stadt Matern« in Süditalicn ein Haus ein, lvobei vier Hausbelvohner getütet und drei schwer verletzt wurden. Der Krisenplan der norwegischen Arbeiterpartei Der erste Hinweis der Pläne einer kommenden Arbeiterregierung in Norwegen wurde, nach dem Erfolg der Arbeiterbewegung bei den allgemeinen Wahlen, in einem Brief des Partcivor» ftaudcö an die liberale Regierung gegeben. In der folgenden Periode waren Partei und Gcwerk- schaften intensiv damit beschäftigt, einen Rcgie- ningSplan auszuarbeiten. Die Ergebnisic wurden von der Norwegischen Arbeiterpartei in einer Broschüre von 98 Gesten unter dem Titel:„Det norSke Arbeiderpartis kriseplan"(Der Krisenplan der Norwegischen Arbeiterpartei) veröffentlicht. Zur Ausarbeitung des finanziellen und wirtschaftlichen Teiles der Pläne Ivar von der Partei der bekannte BolkSivirtfchaftler Prof. Ragnar Frisch zur Mitarbeit zugezogen worden, der zwar kein organisierter Sozialist ist, aber er- llärte, daß er für- die Politik der Norwegischen Arbellerpartci weit mehr Sympathie habe, als für die irgendeiner anderen norwegischen Partei, Weiter waren an der Ausarbeitung des Pro- grarmnS der Arbeiterpartei hervorrragend beteiligt die beiden Autoren des kürzlich von der Arbeiterpartei herauSgegebenen Buches»En norsk 3 arS plan"(Ein norwegischer DreijahrSplan) Ole Colbjornsen, Wirtschaftsredakteur des »Arbciderbladet", und Dr. Axel Somme, Dozent und Leiter der nordischen Hochschule in Genf. Die Energie und Aufmerksamkeit, die die Ar« bcüerbewegung dieser Arbeit widmete, hat dazu geführt, daß der Plan der Norwegischen Arbeiterpartei in den Vordergrund deS öffentlichen Interesses gerückt wurde. Auch in den Nachbarstaaten, vor allem in deren sozialdemokratischen Blättern, fand er freundlichste Aufnahme. Auf diese Initiative der ArbeUerbewegung ist cS offenbar zurückzuführen, daß die Regierung sich genötigt sah, am 18. Jänner dem Parlament eigene besondere Pläne für den Kampf gegen die Krise vorzulegen, ebenso aber auch, daß die norwegische Oeffentlichkeit allgemein die Notwendigkeit er« kennt, in den gegenwärtigen Umständen außerordentliche und umfassende Maßnahmen zu ergreifen. Der Leitgedanke deS Plans der Arbeiterpartei ist jener, der auch die Wahlkampagne beherrschte:„Hele sollet i arbeid!"(DaS ganze Volk an die Arbeit.) Eine Summe von 119 Millionen Kronen soll für diese Ausgabe aufgewendet werden, ein Betrag, der mit den gan- zen 43 Millionen verglichen werden muß, den die jetzige Regierung für den Kamps gegen die Krise aufwenden will. Boran gehen Vorschläge zur Sicherung der Bankdepositcn und zur Fesfignng der Banken. Der Staat übernimmt eine Garan- tie der Bankdepositen bei Banken, die von StaätSbankin spektorcn geprüft wurden. Die Kontrolle der Bank- und WährungS- polüit Norwegens wird,einem finanziellen Staatsrat übertragen. Die 140 Millionen Kronen sollen für öffentliche Arbeiten aufgewendet werden: Für Straßen, Eisenbahnen, Elektrifizierung von Eisenbahnen, Telegraphenlinien, Flugplätze, Bauernunterstützungen, die Förderung der Forstwirtschaft, Wohnbauten und die Förderung der I m me r. n ur Chi a r Weiße Zahne? Ja, aber... ... nickt auf Kosten des Zahnschmelzes Schöne Zähne machen jung, sie sind ein kostbarer Besitz, für den die beste Zahnpaste gerade gut genug ist. Sie muß die Zähne blendend weiß machen, ohne den empfind* liehen Zahnschmelz anzugreifen. Erhalten Sie sich schöne weiße und gesunde Zähne durch ChiorouonG Tube Kü 4- u. Kö 6.-. Cechoslov. Erzeugnis. Fischerei. 10 Millionen werden zur Unterstützung der Privatindustrie aufgewendet, 8 Millionen für die arbeitslose Jugend, 8.8 Millionen für eine Herabsetzung der Altersgrenze im öffentlichen Dienst, 20 Millionen stehen der Regierung für allgemeine Aufwendungen zur Be« täinpsung der Arbeitslosigkeit zur Verfügung, 17 Millionen dienen zu einer Herabsetzung der Z i n S l a st und der Hypothekar» v e l a it n n g, 12 Millionen für notleidende Gc- meinden. Die Kosten sollen aufgebracht werden: durch ein System von Anleihen, verbunden mit einer zeitweisen Einstellung der Til- gungszahlungen und der Ausgabe von Schatzscheinen in der Höhe von insgesamt 80 Millionen Kronen, Kapitalbesteuerung(Steuern-auf Zins» crträgnisse— 28 bis 27 Millionen), eine Erhöhung der Erbschaftssteuer um 10 Millionen, eine außerordentliche Einkommensteuer in der Höhe von 12 Millionen, eine Erweiterung der llmsah- stcuer, die 20 Millionen einbringen soll, und Ersparnisse in der Höhe von 6.3 Millionen an unproduktive« Ausgaben, wie Militär usw. Stratzenereigrris Ein Sonnenstrahl lockte ihn aus seinem Winkel heraus. Er streckte sich ein paar Mal, und lang- sam sprang er vom Boden auf die Treppe hinaus. Er war im dritten Hof einer alten großen grauen Mietskaserne, wo er sich gewöhnlich aufhielt. Mit lveichem Schritt ging er die leere Treppe herunter. Solche Stille herrschte da, daß man glauben konnte, alle Mieter in diesem Flügel seien auSge» storben. Er hat sich schon seit langem daran ge- jvöhnt, und da er dort nichts.bekommen konnte, hielt er auch nicht mehr an-dieser oder jener Tür, tvo er früher noch etlvaS Interessantes gefunden hatte. Als er in den Hof gelangte, suchte er die reinsten trockenen Stellen aus und machte einen Bogen um die Wasierpfntzen, als er ihn überquert«. Im zweiten Hof beobachtete er die spielenden Kinder, beschaute auch die Fenster, die fast alle mit zum Trocknen herausgchängter weißer und farbiger Wäsche geschmückt waren. Auch hier war augenscheinlich nichts, was ihn aufhaltcn konnte. Fast laufend eilte er zum vorderen Hof hinüber. Diesmal ließ er den breiten Durchgang beiseite und schlich sich durch eine Art schmalen, türlosen Korridor, auS welchem verschiedenste und unfeststellbare Gerüche strömten. Aber auch hier hielt er sich nicht lange auf und bald erschien er im vordersten Hof, der etwas größer und auch sauberer als die beiden anderen aussah. Statt auch diesen zu durchqueren, blieb er eine Weile stehen und dann ging er langsam, Schritt fiir Schritt, die Mauer entlang. Er hielt dabei an jeder Ein» gangStür, schaute in die offenen Türen hinein und manchmal verschwand er sogar in einem Eingang, um bald Ivieder herauszukommcn, und setzte dann seinen Weg fort. Endlich erreichte er das halbgeöffnete Haustor. Hier hielt er, als ob er Nachdenken wollte, was er jetzt unternehincn oder wohin er jetzt gehen solle. Nach einer kurzen Weile reckte er sich, drehte sich ein paarmal um, und mit einem Sprung machte er sich vom Hof auf die Straße. Er Ivar ein Kater. Ein ganz gewöhnlicher, häßlicher herrenloser alter Kater. Sein Fell war eine merkwürdige Zusammenstellung verschiedener Farben. Schmutziges Weiß und Gelb war mit Rot, Grau und Schwarz durcheinandergemischt. An einigen Stellen fehlten die Haare, so daß man die nackte bläuliche Haut sehen konnte. Mit Kot und Blutspuren bedeckt, schien er von einer ungeschickten kindlichen Hand mit zusanuncngcslickten Fetzen überzogen. Da aber das ganze Haus, in allen drei Höfen, mit den schmutzigen, verwaschenen und abgesprungencn Mauern, zerschmetterten und halbausgerissenen Türen und scheibenloscn Fenstern. mit den spielenden Kindern mit ihren elenden abgemagcrtcn krankaussehenden verhungerten Gesichtern und Körpern, die mit alten verblichenen farbigen Kleidern und Fetzen bekleidet waren, so traurig und verlassen aussah, bemerkte man die Häßlichkeit deS alten Katers nicht. Er war wie ein Teil dieses großen Haufens von Armut und Not. Auch seine Magerkeit und seine durch das Fell herausstoßenden Knochen und Rippen waren wie ein vervollständigender Beitrag zum gesamten Bild. Man sah dem alten Kater an, daß er schon seit langem hungerte und daß jeder Versuch, ir- gendtvelche Nahrung in diesem Hause zu finden, zwecklos und vergebens war Schöner Klang einer Autohupe erscholl Plötzlich von weitem. Die auf der Straße spielenden Kinder blieben stehen und warteten auf die hier so seltene Erscheinung, eines Autos, das sie mit einer Hupe zur Vorsicht mahnte. Hier, in dieser am Ende der Stadt liegenden Straße, fuhren nur schwere, leere oder beladene Lastautos vorbei. Bei diesen Fuhrwerken genügte der Krach, den sie im Vorbcifahrcu machten, um die Kinder und Passanten aufmerksam zu machen... Es dauerte nicht lange, bis das erwartete Wunder erschien und an der Ecke, nicht weit vom Hause, stehen blieb. Es Ivar ein langer rassiger Wagen, von einem eleganten Chauffeur geführt, in dem zwei Frauen und ein Hund saßen. Die Farbe der Karosserie, die Livree deS Chauffeurs, die Kleider und Hüte der Frauen, die Leine des Hundes und der Hund selbst waren von gleicher Farbe. Man hätte sagen können, daß irgendein Künstler die Zusammenstellung gemacht und alles einander angepaßt hatte. So ausgewählt und außerordentlich glänzend neu. so unpassend zu dieseser Gegend sahen sie aus. Der Wagen, trotzdem er sehr niedrig gebaut war, drückte majestätisch die vielstöckigen Häuser herunter und machte sie klein und unbedeutend. Man konnte fast sagen, daß die Bauten sich ihrer großen Armut und Not schämten, und wenn I sie eS nur könnten, so würden sie schnellstens verschwinden. Die herbeigelausenen Kinder umkreisten den Wagen und mit offnem Munde, ohne ein Wort zu sprechen, bewunderten sie die Angckommenen. Der Chauffeur öffnete die Wagcntür und eine Frau stieg aus. Die andere, ihr folgend, zog an der Leine den Hund hinter sich. Vor diesem Produkt der künstlichen Ticrzüchtung hielten die Kinder nicht mehr stand. Die ganze Gestalt deS Tieres, fast ohne Pfoten und wie auf niedrige Klumpen gestützt, seine langen blau-grauen bis auf die Erd, hängenden Haare, die fast unsichtbaren Augen, alles das war hier noch nie gesehen worden. Alles wurde bewundert und kritisiert. Und nicht nur die Kinder nahmen an dieser Schau teil. AuS allen Türen eilten auch die Erwachsenen heraus, und die Vorübergehenden blieben stehen. Ein stilles, hcruntergeschlucktcs Jauchzen und Stöhnen schic» in allen Munden und Herzen zu ertönen, obwohl nichts davon zu hören war. Das Elend sanunclte sich und mit schwerer Stille drückte es diesen herausfordernden Luxus herab. Die Frauen mit dem Hund gingen zum HauStor. Dort blieben sie plaudernd stehen. Unaufmerksam ließ die Frau die Leine auS ihrer Hand gleiten. Der Hund ist dicht am geöffneten Tor. Auf einmal spitzte er seine Ohren hoch und .... der aus dem Tor hcrauSspringcndc Kater wird vou dem wartenden Hund in Empfang genommen. Am Nacken gefaßt, wird der Kaier hin- und hergcsckilcudcrt. Er schreit und windet sich nach allen Seiten und versucht, selbst um den Preis eines Teiles seines schon zerrissenen Felles, sich zu retten. Der Hund hält aber seine Beute fest Vom armen Kater rinnt das Blut, auch sein Hals scheint aufgerisscn zu sein. Die Damen sehen, stolz auf ihren Liebling, dem traurigen Spektakel schweigend zu. Die Kinder und die Bewohner der Straße, die vorher den„Wunderhund" entzückt anschautcn. werden traurig. In diesem Kater sehen sic sich selbst, er ist in diesem Hause ausgewachsen und alt geworden. Er hat mit ihnen allen bcsscxe Zeiten gesehen und jetzt, genau wie sie alle, trägt er die Spuren der Not und der Verzweiflung. Zorn und Haß schimmert ans ihre» Augen. Dann, als ob der Kater die Gedanken dieser Menschen erraten hätten und als ob er die Ehre dieser Menschen diesem lebendigen Spielzeug nicht Preisgeben wollte, reißt er sich mit einem verzweifelten Ruck von dem Hunde los. Seine erste Bewegung ist zum Tor zurück, aber nein, er bleibt stehen; eine Sekunde dauert es nur und dann wirft er sich aus den Hund. Mit seinen Krallen dringt er ihm in die Augen. Der Hund schreit auf, blutend will er sich wehren, aber der Kater kratzt und schlägt immerzu auf ihn ein. Erst als der Hund an der Leine von der einen Frau zurückgcschleppt wird, läßt er ihn los. Die Damen. Mitglieder irgendeines Wohl- fahrtsvcreinrs, die die Armen des Hauses anfsu- chcn wollten, empört über das Geschehene, über das ganze grausame HauS, die unerträglichen Leute, die den Hund nicht retten wollten, und den furchtbaren Kater, vergessen den Zweck ihres Kommens und machen sich schnell mit ihrem Auto davon. Auch der Kater geht langsam inL HauS.zurück. I. UlcS. Genosse«! Genossinnen! W te t» y vaon,|3>rag II. HnvernskS JNamfestation der deutschen und tsrheeHiseyen Eoztaldeinottatte Mit der Tagesordnung r Äße Crejgntsse in sefterreiG. PBAftEB ZElTBMft Do» der Leiter gestürzt In dem Geschäft der Fa Engelbert in Prag X. vermißte man in den lllachmittagsstunden auf einmal den tcchnischeir Anges,cllien Daniel Marek. Man suchte ilm und fand ihn schließlich auf dein Boden des Hauses, dem« ß tl 0 s neben einer Leiter liegend, von der er heruntergcsallen war. In der .Klinik deS Professors I i r ä s e k eraab die llntcr- suchung, daß Marek eine G e h i r» e r s ch ii t t e» r u n a, sotvie Verletzungen des Rückenmarks durch den Sturz erlitten hatte. Er liegt schwer krank danieder. Todesfall in de« Osram-Werken Bei Osram, Prag VII, hat sich gestern in der Abteilung zur Herstellung von Radio-Lampen«in schweres Unglück ereignet. Dort wurde der "6jährige Monteur Bohumil Hütter aus Michle, .uirchstraße 60, vom Starkstrom so schwer verletzt, daß er auf dem Transport ins Krankenhaus st a r b. Ter Leichnam ist dem Institut für gerichtliche Medizin zur Obduktion überwiesen worden. Gin Gärtner verliert*70 000 fti Dein Gärtner Ja» S t u ch l i k, der in den Staatlichen Gärtnereien von Prag arbeitet, ist ein großes Unglück widerfahren. Gestern mittag hob er auf der Sparkasse sein erspartes Geld— insgesamt 70.000 KC in 0000-K r 0 nen- N 0 ten auf daö Sparkassenbuch Nr. 018.786 ab. Er wollte das Geld mif der Jemskä banka deponieren. Wie Stuchlik sagt, hielt er auf dem Weg zur Bank ununterbrochen seine Hand auf der Brusttasche, die das Vermögen barg. Trotzdem mußte der Gärtner, als er vor dem Bankschalter stand, eine schreckliche Entdeckung machen. Die 70.000 KC waren fort. Stuchlik ineint, cs könne nicht möglich sein, daß man ibm das Geld gestohlen habe. Er bittet auf jeden Fall, der Finder möge sich bei ihm melden. Wettlauf mit dem Tode An» Sonntag abend mietete sich die HauSange- stellte Rosa P a v l 0 v aus Bysokany in einem Hotel in Prag k. ein Zimmer. Als sie am nächsten Morgen um 0 Uhr noch nicht h e r a u S g e k 0 m- m e n war, ging der Hausineistcr, un» nach Rosa Pavlov zu sehen. Auf sein Klopfen machte ihm nie m and auf. Jetzt öffnete er die Tür mit einem Dietrich. Es bot sich ein schrecklicher Anblick. Am Fensterkreuz hing das Mädchen, eine Schnur um den Hals. ES war bereits bewußtlos. Der Hausmeister schnitt die Schnur sofort durch und alarmierte die Rettungsstation. Man brachte Rosa Pavlov auf die Klinik von Professor Hhnka, wo eS gelang, sie wieder ins Leben zurückzurufeu. Warum das Mädchen Selbstmord begehen wollte, hat man bis jetzt noch nicht feststellen können. Dom Starkstrom getötet In den Autogaragen der Tschechoslowakischen Eisenbahn. Prag, hat sich gestern nachmittag ein schwerer U n g l ü ck s f a l l ereignet. Dort arbeitet der 28jährige Monteur Wenzel V i l i m auS Prag X., Karl-Straße 10. Plötzlich erfolgte die Explosion eines Motors und Ailim erlitt starke Verbrennungen an Gesicht und Händen. In der Klinik deS Professors Schmnberger stellte man fest, daß es sich um Verbrennungen 2. und 8. Grades handelt. In Prag Schulschluß am 23. Juni. Das Ministerium für Schulwesen und Volkskultur trifft Vorbereitungen, daß dec Unterricht an den Volks-, Mittel- und Fachschulen in Prag heuer aiiöiiahiilsweisc am 23. Juni beendigt wird. ES geschieht dies, um die Unterbringung der Teilnehmer an der Arbeiter-Olympiade in den Schulgebäuden möglich zu inachen. Eine unbekannte Geisteskranke. Gestern mittag entdeckten Passanten im Hauseingang der Postsparkaffe am Weuzelsplatz eine Frau, die offenkundig Zeichen von G ei st eS st L run g auswies. Man holte einen Arzt, der die lleberführung der Frau in«ine Irrenanstalt anordnete. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, die Personalien der etwa 80 JahrealtenFrau, die keinerlei Aus- tveiSpapiere bei sich hatte, zu ermitteln. Die Kranke trug einen braunen Mantel mit Astrachan-Imitation besetzt. Sie ist ziemlich klein und hat grmtblaue Augen. Zusammenstoß zwischen Radfahrer und Auto- Zu einem schweren Zusammenstoß kam eS am Sonntag in D e j v i c e. Dort fuhr der Lenker eines Pri- vatauws gegen einen liiadfahrer an der Kreuzung der Na Kuthuce und Na Eilance. Der Radfahrer Julia B 0 l l a wurde vom Rad auf das Auto und von dort wiedeb zur Erde geschleudert. Er erlitt schtvere Verletzungen am Kopf und wurde in die Klinik von Professor Schlaffer gebracht. Dem Lenker deS NuioS, dem Chauffeur Friedrich K 0 h 0 u t, ist s 0 fort der Führerschein abgenommen worden. Serlciitsssal Revision eines Indizienprozeffes Bei der ersten Verhandlung vier Jahre wegen Raubes— heute Freispruch Prag, 12. Feber. In der letzten SchwurgerichtS- periode wurde der 81jährige Josef Horäk wegen ränberischen lleberfailS auf einen Schulknabcn zu V i e r I a h r e n s ch w e. r e n K e. r k e r S verurteilt. Wir haben seinerzeit über den Fall ausführlich berichtet und wiederholen heut« nur das Wesentlichste. Ter überfallene Junge kehrte in dunkler Abenstundo mif seinem Fahrrad aus der Schul« zurück. Auf der einsamen Landstraße zwischen dem Schulart und fei» nein HeimatLdorf wurde er von einem Mann in schlvarzer Mask« durch Androhung deS Erschießens zum Anhalten bewogen, lvoranf ihm der unbekannte Täter sein Fahrrad entriß und davonfnhr. ES tvar ein Indizienprozeß, denn der unter dem Verdacht deS UeberfalleS festgenommene Josef H 0 r ä k leugnete aufs entschiedenste, die Tat begangen zu Hatzen und beteuerte auch nach gefälltem Urteil tzcrztvcifelt seine Unschuld. Tie Anklage stützte sich vor allem auf die Aussage des überfallenen Jun- gen, der den Horäk an der Mütze, die er bei dem I lieberfall trug, erkannt haben tvill, ferner an seinem Schnurrbart und der Statur. Die Verteidigung ver- tvies auf die Unsicherheit von KinderanSsagen im allgeniejnen und betonte, daß der dreizehnjährige lleberfallene außerdem im Augenblick der Tat so erschrocken lvar, daß man sein Zeugnis mit Vorsicht aufnchmcn müsse. Belastet wurde Horäk noch durch den Umstand, daß man bei ihm eine schwarze MaSke. vorfand, wobei er freilich erklärte, er habe diese Larve dazu benützt, am Nikoloabend den Teufel zu spielen, um die NachbarSkindcr zu schrecken. Ein AlibibeweiS glückte nicht einlvandfrei und einer der zu seine» Gunsten aussagenden Zeuginnen wurde die Strafverfolgung wegen falscher ZeugenmiSsage angedroht. Ferner sprach gegen den Angeklagten, daß er auch einiger schwerer Diebstähle augeUagt rvar, hinsichtlich derer er geständig loar. Die Geschworenen ließen sich von der Schuld HoräkS überzeugen und erkannten ihn schuldig, lvorauf er lvie erlviihnt, zu vier Jahren schweren KerlerS verurteilt wurde. Tas Oberste Gericht in Brünn hob das Urteil indeffen auf und verwies die Sache zur neuerlichen Verhandlung an das hiesige Kreisgericht. Heute wurde unter Vorsitz deö OGR. Svantbera das ganze Bcweisverfahren nochmals aufgerollt. ES handelte, sich vor allem um die neue Erörterung des vom Angeklagten geführten Alibibeweises, in wel- chem bei der ersten Verhandlung die Einvernahme zweier von Horäk angcboteucn Zengen als unwesentlich abgelehnt worden war. Bei der heutigen Verhandlung gelangten die Geschworenen nicht zu der Ueberzeugnng, daß der Angeklagte den Raubübersall begangen habe und verneinten diese Schuldsrage. Horäk tvurde also nur wegen der eingestandencn Diebstähle zuzehnM 0- naten schweren Kerkers verurteilt, doch ist diese Strafe durch die Untersuchungshaft verbüßt, in ivelcher der Angeklagte über ein Jahr verbracht hat.* rb.. Kunst und Wissen Die Theatrrkrise in Atährisch-Ostrau. Ans dem Rathaus in Diähr.-Ostrau fand Sonntag eine Mani« festationSversammlung der Repräsentanten deS Kultur-, politischen und Wirtschaftslebens sowie der Vertreter aller Schichten der Bevölkerung des Ostrauer Gebiets statt, die vom Mähr.-Ostrauer Stadtrat und vom Verein„Mährisch-schlesisches Nalionalthcatcr" einbcrufen worden Ivar, um über die gegenwärtige Lage des mährisch-schlesischen NationalthcaterS zu verhandeln. Die Versammlung eröffnete und leitete der Bürgermeister der Stadt Abg. P r 0 k c»- Dr. Jng. Scbcla als Obmann des obgenannten Vereins erklärte, daß sich der Verein ungern entschlossen. habe, die Theatersaison Heuer vorzeitig am 80. April zu schließe» und daS gesamte Theaterpersonal zu kündigen. Das heurige Defizit des Theaters nach der Reduktion der Gehälter des Personals und der Herabsetzung der gesaniten Regie beträgt 1,10 0.000 Xä, während dem Verein nur 400.000 XL zur Versüguug standen. Nachdem noch Beisitzer des LandesauSschuffes Kopeke! aus Brünn über die Landessubvcntion für das Theater gesprochen hatte, tvurde eine Resolution angenommen, welche Vorschläge zur Erhaltung des Theaters beinhaltet. Gastspiel Dollh HaaS am 10. Feber in Nicode- miS„Scampolo". Preise Xi 3.— bis 30.—(Abonn. aufgeh.) Vorverkauf täglich. Premiere„Femina" mit Leopold Kramer a. G. Leopold Kramer beginnt am S a m S t a g ein längeres Gastspiel, in dessen Rahmen er die männliche Hauptrolle in van Rossems Salonkomödie„Femina" zur Darstellung bringt. Wochenspirlplan des Neuen Deutschen Theater». Heute, DieriStag um 7>/r Uhr: Boris Gudo» now A 2.— Mittwoch 7>L: Zu ebener Erde und erster Stock, BI.— Donnerstag 71s: Hoffmanns Erzählungen, CI.— Freitag 714: Ball im Sav0h, D 2.— Samstag 7H: Madame Butterfly, B 1. Wochenspirlplan der Kleinen Bühne. Dienstag 8: Weißer Flieder.— Mittwoch 7J4: Katz i m Sack.— Donnerstag 8: Der eingebildete Kranke, Knlturverbands- freunde und freier Verkauf.— Freitag 8: T 0 v a« risch.— Samstag 8: Femina, Gastspiel Leopold Kramer. Innerhalb de» Volkstümlichen Kurses über knltnrelle Fragen spricht Donnerstag, den 18. Feber, um halb 8 Uhr abends im P a r t e i V e i m (Prag II, Närodni tk. 4, 2. Stock.) Genosse L. Goldschmidt über Unsere Stellung zum Theater Diese BortragS- und DiSkuffionSabrnde sind auch R i ch tmitglirdem zugänglich. Rrgirbritrag für den Einzclahend 3 XL. Ans der Partei Jahresversammlung der Prager Dezirlisorganisatlon abgesagt Mit Rücksicht auf die Manifestatiouökundgcbung der beiden sozialdemokratischen Parteien am Mittwoch, den 14. Feber, wird die für diesen Tag geplante Jahresversammlung der BczirkSorganisation Prag auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. S. Ii. l. Dienstag, 13. Dünner, im Heini Narodni 4, M 0 n a t S v e r s a m m l u n g. I vercinsnadirlditcn Allgemeiner Angestellten-Derband Generalversammlung der Ortsgruppe Prag. Die. Ortsgruppe hielt vorige Woche ihre Jah- resversannnlung ab. Aus dem Bericht ist zu entnehmen, daß die Gruppe in Prag eine gute Position bezogen hat, trotzdem sie gegenüber den anderen Verbänden doch nur in der Minderheit ist.— Die Gruppe hat ihre Vertreter beim Arbeitsgericht, beim Versicherungsgericht und in der Krankenkassa und hat eine Reihe von erfolgreichen Interventionen zu verzeichnen.— Die Gruppe ist auch, soweit ihr dies die schwachen Mittel und Spenden möglich machen, ihreil Pflichten gegenüber den arbeitslosen Mitgliedern uachgckommen. Es lvnrden auch Ausschüsse zur Berufsausbildung gewählt. Der Informationsdienst für die Mitglieder ist gründlich.— Bei den Neuwahlen wurde als Obmann Koll. Ernst Strnad wiedergewählt. Amtsstundcn der Gruppe jeden Mittwoch von 7 bis 8 llhr in der Kanzlei Narodni tr. 4, 8. Stock. Hier werden Anrncldungen entgegengenommen und Auskünfte erteilt. Kinderfreunde Prag. Die für heute, Dienstag, den 18. Feber, angesagte Sitzung de» Ausschusses muß wegen einer Paralleleversammlung verschoben werden. Das neue Datum teilen wir in den nächsten Tagen init. Sport• Spiel• KürperpHege Die Welt- und Europameisterschaftskämpfe im Eishockey wurden am Sonntag in Mailand beendet. Der Besuch der letzten Spiele boten für die dortige Bevölkerung kein Interesse; ztnn Finale des Trostturniers fand sich kein einziger Zuschauer ein, beim Endspiel um den Europameister waren zirka 1000 rind beim Schlußspiel um die Weltmeisterschaft„nur" 8000 Personen anlvefendl Kanada holte sich lvieder den Weltmeistertitel, indem eS Amerika 2:1 schlng. Ueberraschend ist, daß die Schweiz den Europameistertitel an die spielerisch weniger entsprechenden Deutschen nach Verlängerung init 1:2 abgeben niüßten. Die Tschc- choslowakei kani in der Gesamtblacierung auf den 6. Platz; lvcnig schmeichelhaft für den Europanieisler von 1088. Die Frauen-Weltmeisterschaften im Eiskunstläufen, die in Oslo durchgeführt lourden, brachten wiederum der Norlvegerin Sonja H e n i e die Meisterschaft. An zlveiter Stelle placierte sich die Engländerin Taylor, während die zweite in der Europameisterschaft, Landbeck lWien), auf den dritten Platz kam. Die Profi-Meisterschaft brachte am Sonntag In der ersten Division folgende Ergebnisse: S l a v i a schlug erst nach Kampf die Karliner Eechie mit 5:2(1:2), Sparta blieb mit 8:8(5:2) über B 0 h e m i a n 8 sicherer Sieger.— J„ Kladno gewann der SK. gegen Zidenice überraschend hoch, aber verdient mit 4:1(0:1) und «K. Liach 0 d holte sich auf eigenem Platz von V i r t 0 r i a Z i z k 0 v mit 8:1(2:) beide Punkte. Der T e p l i tz e r FK. gewann in Teplih gegen die Pilsener Viktoria mit 8:1(0:1). Interessant an der Tabelle ist, daß der Anreger deö Planes, vier Klubs m: dem Mitropacup teilnehmen zn laffen, die Viktoria Ziskov, derzeit mit 11 Spielen und sieben Punkten mif der AbstiegSliste steht! Oesterreichs sogenanntes„Wnnderteam" batte zur Abwechslung lvieder Male einen„großen" Tag. Am Sonntag wurde in Turin das Länderspiel um den Svehla-Pokal gegen Italien auSgetra- gen und von den Oesterreichern— u. a. ohne Sindelar— mit 4:2(3:0) gewonnen. Dafür verlor Oesterreichs B-Tcani gegen das italienische in Triest glatt 2:0(2:0)1 „Wegen, nächtlicher Rnhrstörung" wurde ni O l m ü tz von der Polizei das EiShockeymeister- schafisspiel DEHG. Prag— Olmützer Eislaufverein abgebrochen. Die Gegner spielten trotz dreimaliger Verlängerung 0:0. Um Mitternacht machte die Polizei dem„Kampf" ein Ende. DFE. Prag gewann an» Sonntag ohne Anstrengung gegen Eechie VIII 6:1(8:1). DSV. Saaz schlug die Brüxer Schwalben 11:0. »er Mm Dlaanofe X Daß ein berühmter Arzt über seiner Arbeit Heim, Frau und Kind vernachlässigt, daß seine Gattin sich deshalb in einen jungen Taugenichts verliebt und daß der Arzt ausgerechnet diesen Jüngling durch eine höchst riskante Operation vor dem Tode belvahren muß, lvoraushin seine Ehe lvieder ersprießlich wird,— das ist eine Handlung, die allzusehr nach konstruierten bürgerlichen Romanen schinccki, um ''nie Vie überzeugende Kraft einer wertvollen Dar- ellung glaubhaft zu wirken. Der tschechische Film des Regisseurs Leo M a r t e n aber erreicht nicht einmal das Niveau seiner Handlung. Er ist in allen Einzelheiten unbeholfen: er reiht langlveilig und aufdringlich gesvielte Tbeaterszenen, die kümmerlich photographiert und geschmacklos auSgestattet sind, hilflos einander. Es fehlt ihm jeder Sinn für Ausbau und Betonung— und die eingeschmuggelten Kinderszenen und Nainraufnahnicn sind unbeschreiblich eindruckslos. Es ist fraglich, ob überragende Darsteller sich in solcher llmgebnng hätten durchsetzen können. Tie Darsteller dieses Films sind aber nicht iiberragend, sondern steif, leer und äußerlich. Nur N 0 v e n s k>> läßt etwas von Schauspielkunst abnen,— aber auch das ist mehr Theatralik als Gestaltung.—cis— Schütte an der Grenze Das ist kein Film, sondern ein Leinwandgreuel. Ein Schrecknis von der Goebbels- Schmiere. Ein kalter Fieberwahn, eine Orgie der Brutalität, eine Raserei des Menschenmords, des Schüffeknallens und der verbrecherischen Abenteuer. Daß hier alles stümperhaft, geistlos und verlogen ist, vom Manuskript über die Regie bis zur Darstellung, sei nur nebenher vermerkt, lvcil es selbstverständlich ist. Wichtiger erscheint uns, daß sich hinter der Maske des phantasiegeschwollcnen Schmuggler- und Entführerfilms die hysterische Hetze des braunen Terrors verbirgt: die Hetze gegen alles, was die ZuchthauSgrcnzen des dritten Reiches geistig oder körperlich zu überschreiten wagt. Da tvird nicht geschaffen, da tvird abgeknallt. Da wird nicht gekämpft, sondern nur noch genieuchelt. Und nach den Gründen wird nicht mehr gefragt. Wir aber fragen nach den Gründen. Dor allem nach den Gründen dafür, daß der„Chicago-Film" diese Schüsse an der Grenze über die Grenze geholt hat.-elS- Hlme In Frager Lidihplelhllusem bis einschließlich Donnerstag, den 15. Feber 1934. Alfa:„Katharina die Große." Avion: „Die Bettlerin von Notre Dame." Bernnek:„Jindra — Gräfin Ostrowina." Ftnix:„Kinder der Großstadt."—„LaMaternella." Gaumont: „Der Hüttenbesitzer." Hollywood:„Der Hüttenbe- sitzer." Kinrma, B.-Th.: Journale, Report., Groteske. Kotva:„Wolga in Flammen." Lucrrna: „Wolga in Flmnnien." Olympie:„Großfürstin Alexandra." Praha:„Diagnose X." SensationSdramo. Radio:„Jindra— Gräfin Ostrowina." Skaut: „Diagnose X." Alma:„Fräulein Josette"— meine Frau." Bajkal:„Leise flehen meine Lieder." Carlton:„Ihr Arzt." Central-BySehrad:„Ki.:g Kong." Favorit:„Leise flehen meine Lieder." Jllnston: „Jindra— Gräfin Ostrotvinat" Lido:„Der Revisor." Louvre:„Jindra— Gräfin Ostrowina." Ma- ceSka:„Großfürstin Alexandra." Roxy:„Jindra— Gräfin Ostrowina." Sport Smlchov:„D. Revisor." 11 Brjvodü:„Herr Saval, der Millionär.'' B e z u g 8 b e d i n g u n g e n: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Xö 16.—, vierteljährig Xö 48.—, halbjährig Xö 96.—, ganzjährig Xö 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Riickstcllnng von Manuskripte,, crsogt nur bei Einsendung der Retourmarkcn.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und Tclegraphen- direktion mit Erlaß Air, 18.800/VU/.108Q bewilligt.— Druckerei;„Orbits", Druck», Verlags» und ZeitMPS-A.»G., Prag,