14. Jahrgang Donnerstag, 18. Feber 1934 Nr. 38 Einzelpreis 70 Haller (einschließlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TMGLXH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg XII.. fochova«2. teiefon atm. Administration teiefon;»/«. HERAUSGEBERt SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR. DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Widerstand bis zum Aeußersten Wechselvolles Ringen um die Wiener Vorstädte Schwere Geschütze zerschießen Floridsdorf> Neue Kämpfe in der Provinz Der Blutkanzler läßt hlnrlchten I Der Widerspruch, der zwischen den ofsiziellcn Meldungen nnd den zahlreichen Nachrichten au« privaten Ltncllrn schon gestern bestand, verschärstc sich im Lause des heutigen TageS so stark, dass es schwer geworden ist, ein annähernd objektives Bild der Lage zn gewinne«. Die Regierung seht mit ihrer Stimm nngomache, mit offensichtlichen Liigenmeldun» gen und vor allem auch mit den laszivsten, auf Täuschung der Welt berechneten Ablenkungsmanövern ihren Kurs in der Berichterstattung konsequent fort. Leider verfügten die Arbeiter auch heute über kein Mitteilnngsorgan. Eine Mnuchener Meldung gab zwar die angeblichen Nachrichten eines Arbriterfender ö wieder, aber es ist zur Zeit unkontrollierbar, was daran wahr ist. Derart auf die offensichtlichen Lügen der sasristischcn Mördcrban- baude nnd ans schwer zu überprüfende Privatmeldungen angewiesen, kann man nnr ein sehr vorsichtiges Urteil über die Gesamtsitnation fällen. Jedenfalls war auch heute keiue Rede davon, dost die Regierung die LagebeherrscheoderdasidieArbeiterkapituliert hätten. Die Kämpfe konzentrierten sich mehr und mehr auf den Abschnitt Floridsdorf, wo erbittert um die(Gaswerke in der Leopoldau gekämpft wurde,. Aber.auch ,in. andere«. Stadtvierteln setzten die schon abgebrochenen Kampfe wieder ein, der Schutzbund ging vielfach znm Angriff über und nahm verlorene Positionen neuerlich ein. Mittags ist verschiedenen Berichten zufolge ein Flugzeug über Wien er schiene», das Flugblätter abwarf, i« denen die Arbeiter zum Turchhalten ermuntert wurde». Charakteristisch für die Gefahr, in der sich die Regierung befindet, ist der Einsatz von schwerer Artillerie gegen einige WiderstandSzeatren. Das Bundesheer hat auf de» Anhöhen bei Floridsdorf regelrechte Stellnngen bezogen, nm die Arbeiter niederzukämpfen. Die barbarischen, gegen K inder nnd Fronen gerichteten Kampfmethoden der Fascistrn wurden noch verschärft und in den Gesamtrahmen der ch r i st k a t h o l i- scheu Schlächterei fügt sich stilgerecht die H in r ich t« n g eines schwer verwundeten Schutzbundführer-. Als hossnungsvollc Nachrichten konnte man die zuerst von Reuter verbreiteten und dann immer wiederholten Meldungen über den A n m a r s ch W i r n r r N e» st ä d t r r Schutzbündler gegen Wie» nnd über Bildung von Entsahtrnpprn im March feld buchen. Hier scheint sich tatsächlich eine Möglichkeit des Erfolges für die Arbeiter zu öffnen. Wenn es gelingt, Munition, Waffen und neue Mannschaft nach Wien zu ziehen, so könnte die stark erschütterten Trnppen der Faseistr« vielleicht an einer der strategisch entscheidenden Stellen geworfen werden. Das Bundesheer scheint in zahlreichen Fällen versagt zn haben. Ter Anstanscki oder die Znrückziehnng der Truppen wird von den offiziellen Lügenzentrale» als Folge der „Ermüdung" der Truppen hingestellt. Wie immer die Schlacht um Wien ansgeht, schon heute steht fest, dass dir Wiener Arbeiter der an Zahl nnd an Waffen überlegenen Macht der Fascistrn d i r größte Revolntionsschlacht der Geschichte geliefert, das; sie'Wunder an Heldenmnt, Ausdauer und Kampfgeist vollbracht, das? sie mit dem Blute Hunderter braver Proleten, mit dem Lpsertod von Frauen und Kindern, die sich noch i« den Keller» gegen die Mordbande» Fens wehrten, rin unsterbliches Zrugnis für die Idee des Sozialismus und den Geist der Sozialdemokratie abgelegt haben. Wir sind im Geiste bei unseren Brüdern und Schwestern auf den Barrikaden von Wien,»och lebt unsere Hoffnung auf Sieg, aber auch die Niederlage, sollte sic unvermeidlich sein, wird den Ruhm der unsagbar tapferen Kämpfer von Wien nicht verdunkeln, den moralischen Werl ihres Opfers nicht mindern, die Armee der faseistifchrn Schlächter nickst von der Schmack, befreien, mit der sie sich in ihrem feigen Materailkampf gegen die Arbeiter bedeckt haben. Die Nacht zum I». Feber wird tu oh l die endgültige E n t s ch r i düng darüber bringen, ob Entsatz möglich oder ob die österreichische Demokratie vrr loren ist. Diese(Entscheidung wird nichts an der heissen Liebe und tiefen Bewunderung des Wcltprolctariats für feine österreichischen Vorkämpfer ändern! Her Kampf um Hariilulorf Trotz grösster Anstrengungen gelang cs dem Heer und der Polizei auch in den Abendstunden des Dienstag nicht, den Widerstand des Schutzbundes niederzuringen. Im Innern des Bczir- Ics befanden sich die Polizcn und 700 Soldaten mil 5 Feldgeschützen in der Defensive. Zwischen dieser Gruppe und den übrigen Teilen der Regicrungötruppen liegt ein breiter Wiesenstreifen, der von den Schutzbündlern gehalten wurde. Sic hielten diesen Strich an der wichtigsten Verkehrslinie und auch die Brüste unter M n s ch i n c n g e w c h r f e u c r. Ultimatum der Regierung Vormittag., als Floridsdorf angeblich von Acgierungötruppen cingcschlossen war. wurde den Schutzbündlern ein nm 12 11 hr ablaufendes Ultimatum gestellt, die Waffen abzuliefern und sich ir Uhr nachts: In Floridsdorf hält sich der Schutzbund noch immer Wien, 14. Feber. Fn Floridsdorf wird der Voethe-Hof, dessen Bombardierung angekiindigt wurde, von Artillerie beschossen. Daö Bombardement dauert zur Stunde, noch an. DaS Haus brennt bereits an einigen Stellen. Der Schutzbund verteidigt sich trotzdem weiter. AuS dem 12. Bezirke, Meidling,, wird gemeldet, daß die Tollzei ihre Aktion gegen die Gemeindehäuser am 7, ckstenberg und im Tivoliviertel in de» Abeud- s..'»den unterbrochen hat. Sie soll mit neuen Ber- stärlung« morgen Bormittag fortgesetzt werden. zu ergeben, widrigenfalls ihre Stellungen von der Artillerie vollkommen zusammengeschossen würden. Ans St. Pölten sind Vormittag die A r kille r i e- und RcgierungSirnppcn eingctroffen und sofort in Floridsdorf in den Kampf eingesetzt lvorden. Oer Widerstand dauert an Trotz dem Ultimatum dauerte der Widerstand der Schutzbündler auch in de» NachmittagS- stundru au. Besonders heftig wurde um das Gaswerk in LeopoldSau gekämpft und ist znm zweitenmal erobert worden, nachdem dessen Verteidiger sich schliesslich in das nahe Aeraödorf zurückgezogen hatten! Schwere Artillerie in Stellung Auf dem LeopoldSberg und 5t a tz- len b c r g wurde leichte und schwere Artillerie in Stellung gebracht und eröffneten eine schwere Beschickung Floridsdorfs und der Positionen des Schutzbunds gegen Korneuburg hin. In den' Mittagsstunden meldete der amtliche Bericht, daß es den Regierungstruppen gelungen sei, Floridsdorf zu erobern, nachdem sich Teile des Schutzbundes ergeben hätten. Ebenso seien die Kämpfe an der Philadelphiabrückc zu Ende gegangen. Die Schutzbündler seien auf dem Rückzug. Auf einzelnen Arbeiterhäuscrn sei die weisse Fahne ge- hisst worden. Bei der Besetzung seien große Mengen von Waffen und Munition aufgefunden lvorden. Fey meldet Sles Der amtliche Bericht der österreichischen Regierung meldet, das; die Truppen Durchsuchungen der Gemeindehäuser durchführen. Dar, Gaswerk Leopoldau, das-von den Schutzbündlern gehalten lvorden lvar, sei ebenfalls in die Hände der Re- gierungstruppen gefallen. Im Judenhbf in Floridsdorf versuchten die Schutzbündler sich in Stellungen einzugraben. Vie Arbeiter halten sich trotzdem weiter Die Kämpfe in Floridsdorf waren jedoch trotz dieser offiziellen Siegesmeldungen nicht beendet. Ter gtcpubliknnische Schutzbund befass trotz dem Verlust drS Arbcitcrhcims und des Bahnhofs noch starte befestigte Positionen, vor allem in den Gemeindehäusern. Tie Nnigcbung des Ar bcitrrhrims bietet ein fürchterliches Bild, das durch die letzten Kämpfe verursacht lvorden ist, hauptsächlich durch die Wirkung der Artillerie. Um dir Mittagstunden brach der Kampf mit grosser Heftigkeit wieder loS. Die Zahl der Toten>md Verletzten auf diesem Schlachtfeldr ist beträchtlich. Der Floridsdorfer Bahnhof ist start beschädigt. Auch hier liegen Tote und Verwundete. Die Strecke befand sich jedoch in der,5-and der iltcgie- rungStruppen, so dass hier Züge ausgefertigt werden konnten. Die Schutzbündler errichteten in und und hinter Floridsdorf Schützengräben. Auf der Nordbahnsirecke wurde ein Panzerwagen in Richtung Floridsdorf in Verkehr gesetzt. Es kam- zu einem Zusammenstoss, bei dem der Lokomotivführer durch zwei Bauchschüsse schwer verletzt wurde. Auch der Lokomotivheizer erlitt schwere Verwundungen. Kremser Militär nach Wien Tic militärische Besatzung Wiens wurde durch Truppen der Kremser ttznrnisoa vcrstärlt beziehungsweise abgclöst. Nach Privatineldungen könnte diese Massnahme auch auf dir beginnende Unzuverlässigkeit der Wiener Truppen zurüstni führen sein. in der Umgebung Wiens Ten ganzen Tag über wüteten in der Ilm gevung Wiens und an der Peripherie der Stadl erbitterte Kämpfe. Der abendliche Bericht meldet, das; im 12. Bezirk eine grössere Abteilung von Schutzbündlern die Waffen gestreckt haben. In Jcdlesee spielten sich erbitterte Kämpfe nm di> Transformatorenstation ab, die nack Einnahme der Schützengräben, welche die Schutzbündler ei richtet hatten von Militär besetzt wurde. In K a i s e r iii ü h l befestigten sich die Schutzbündler in: Goethehof und verließen die Position auch ni.lu, als ihnen mit einer Kanonade gedroht wurde. In St reberödorf leisteten die Schutzbund!.• den Regicrungstruppen in neuen Positionen Widerstand. In S t a d l a u kam es zu kleineren Zusammenstössen. In M e i d l i n g halten die Schutzbündler den Wiencrbcrg besetzt. Die Regie rungsiruppen setzten zn Mittag mit einem Angriss auf das Gemeindehaus ein. Auch Panzerwagen Heute 11 Uhr Sympathiestreik in der Tschechoslowakei! Die deutsche» und tschechischen freie» Gewerkschaften nnd die tschechisch-natiu aalsozialistischea Gewerkschaften haben für QSUtC 11 AHr bOrmittOgB einen allgemeine» Sympathiestreik von fünf Minuten znm Zeichen der Solidarität mit der heldenhaft kämpfenden österreichischen Arbeiterschaft proklamiert. ... Jeder Arbeiter muß dafür sorgen, das; der Sympathiestreik lückenlos dmchgeführt wird! ScHt 2 Donnerstag, 15. Feber 1834 Ne. SS Hunderte von Toten Dollfuß sucht Hilfe bei Hitler? und andere Geldinstitute erhielten gestern die i strengste Weisung, keine Auszahlungen an sozialdemokratische Verein« und Organisationen vorzunehmen. Die Arbeiterbank und die Geldinstitute der Gemeinde wurden«beseht.— Der BundeS- kommiffär der Stadt Wien hat sämtliche sazial- demokratische Bezirksvorsteher abgeseht. Der Kommandant der Wiener städtischen Feuerwehr Wagner und einige höhere Offiziere der Feuerwehr wurden suspendiert. auS dem unter Feuer stehenden Hause geflohen sei, auf einen Haufen von Leiche« stieß. Am späten Abend herrschte, dem genannten Berichterstatter zufolge, in Wien Ruhe, doch haben die Kämpfe auf die Wiener Arbeiterviertel iibergegriffen. Auch in Linz, Steuer und Bruck leisten die Sozialdemokraten den MegierungSabteilunge» Widerstand. Wien, 14. Feber. Nach Privatmeldnngen beläuft sich die Gesamtzahl der Toten in ganz Oesterreich inklusive Wien aus rund 500. vwkemerlnchgWlauweMi Wien, 14. Feber. TaS Bundeskanzleramt hat 26 Gewerkschaften, die ihren Sih in Wien haben und der sozialdemokratischen Partei nahesteheu, aufgelöst. griffen in den Kampf ein. Die Schutzbündler erwiderten das Feuer aus de»' Fenstern und leisteten erfolgreich Widerstand. In den Abendstunden setzte an mehreren Punkten der Peripherie schweres Geschützfeuer ein. In D ö b l i n g verbarrikadierten sich die Arbeiter im Arbeiterheim und leisteten der anrückenden Polizei und dem Militär Widerstand. Die Stellungen des Schutzbundes auf dem 2 a aerbe r g sollen von den Regierungötruppen gestürmt worden sein. Die Kämpfe um den Fuchse nfeldhof dauerten trotz Verstärkung der Regierungötruppen den ganzen Tag über an. Auch in dec Umgebung dcS Marxhofes kam es zu neuen Zusammenstößen so daß der ZugS- verkchr bis Rußdorf unterbrochen werden mußte. Der offizielle Bericht meldet, daß die Regierungstruppen einige Arbciterhäuser in Wien erobert hallen. Trotzdem bilden sich in den Außenbezirken ständig nette Widerstände,cntren. Weitere Kämpfe bei Linz Ans Linz wird berichtet, daß das Bundts- heer bei Kämpfen um Waldegg schwere Verluste erlitten haben soll. Ein Leutnant deS 18. Alpen» iägerregimentes versuchte ntit 4 Mann in einem Auto dir Kampflinie zu durchstoßen, wurde sedoch in schweres Maschinengewehrfeuer genommen. Alle fünf wurden getötet. In Linz sind wieder zablreichc Verhaftungen vorgenommeit worden, darunter Nationalrat Kohof, sowie der ehemalige Präsident der obrrösterreichischcn Arbeiterkammern Pregau. An der Stadt Linz herrscht Ruhe, jedoch finden an der Perivherie von Urfahr Kämpfte statt. Kopfprämie auf Wallisch Graz, 14. Feber. lAmtlich.) Koloman Wallisch hat sich mit 4000 Mann vom Republikanischen Schutzbund, die mit drei Maschinengewehren und Handgranaten gut ausgerüstet waren, in di« Waldungen von Bruck an der Rtur zurückgezogen. Die letzten Nachrichten besagen, daß er in Frohnleiten sich mit seinen Anhängern verbarrikadiert hat. Der Sicherheitsdirektor in 'Steiermark hat eine Prämie von 1000 Schilling demjenigen auSge» setzt, der Koloman Wallisch der staatlichen Ex« k» tive ausltesert. Walisch tot Graz, 14. Feber. In der Nähe von Bruck at> der Mnr wurde die Leiche des früheren Abgeordneten Koloman Wallisch gefunden. Standrecht Im Burgenland Eise n stad t, 14. Feber.(AR.). Der Sicherheitsdirektor für das Burgenland hat dort- srlbst das Standrecht angeordnet. Amtsenthebungen Wien, 14. Feber. Der frühere Stadtrat Hugo Breitner, der sich belanntlich in-Haft befindet, lvurdc seiner Funktion als Direktor-Stellver treter der Zentralsparkässe der Gemeinde Wien enthoben.— Der Bundeskommissär der Stadt Wien verfügte die Eitthebung deö Magistratsdirektors Dr. Hartl und ernannte zu seinem Nachfolger Dr. Hießmaneder.— Die Salzburger Landesregierung hat die Gemeindevertretungen der Stadtgemeinden Hallein, Bischofshofen, Saalfelden und einigen anderen Orten aufgelöst und überall RegierungSkommissäre eingesetzt.— Die Wiener Gemeindewache lvurdc gestern abends aufgelöst.— Die Wiener Banken London, 14. Feber. Der Renterkorrefpon- dent meldet in den erswn Stunden nach Mitternacht über die Wiener Ereignisse, daß man nicht weniger als 500 Todesopfer In ganz Oesterreich zählen kann. Fm Wiener Allgemeinen Krankenhaus sind mindesteno 8V Tote, darunter 27 Frauen, dir bei den Straßenkämpfen getötet wurden oder an den Folgen der Verwundungen, die sie erlitten hatten, gestorben sind. Einer von den Bewohnern deS Häuserblocks Karl Marx in Heiligenstadt erklärte, daß er, als er mit seiner. Fra» Von höchst ernst zu nehmender Seite wird gemeldet, daß Dollfuß unter dem Zwange des heroischen Widerstandes des österreichischen Pro- letariatS eine Annäherung an Hitler anstrebt, von dessen Freundschaft er eine Ctabi- lisicrung seines Regimes erhofft. Die deutschen Nationalsozialisten sollen in den österreichischen Bürgerkrieg bisher nicht aktiv eingcgriffen haben, einerseits um außerrpolitische Berwick- litngen zu vermeiden, andererseits aber weil sie hoffen, daß das Regime Dollfuß-Fey-Starhem- berg auch nach einer blutigen Niederwerfung der Arbeiterschaft sich auf die Dauer nicht an der Macht haften könne. Verlässliche Meldungen besagen, daß in den allerletzten Tage« einer der führenden Männer der in Oesterreich herrschenden Gruppe« sich«ach Deutschland begebe« habe, um im Wege von Verhandlungen die Mithilfe bei der Vernichtung der österreichischen Arbeiterbewegung zu erwirken. Diese Verhandlungen habe« ohne Ergebnis geendet, da sich die deutschen Nationalsozialisten zu keinerlei Zugeständnisse an die österreichische Negierung bereit fanden und die völlige Unterwerfung Dollfussens unter das Kommando Hitlers, also die totale Gleichschaltung Oesterreichs zur Boraussetzung ihres Eingreifens machten. Diese, wie betont, durchaus zilverlässige Meldung zeigt mit großer Deutlichkeit, wie ernst eS Dollfuß um die Loslösung Oesterreichs auS der deutschen Einftußzone ist, ferner aber auch, daß seine offiziellen Siegesberichte vom Kriegsschauplatz gegen die eigenen Staatsbürger doch mit der allergrößten Vorsicht cutgegen- zunehmen sind, da er im Falle eines vollkommenen Sieges doch keinesfalls bereit wäre, seinen schärfsten außenpolftischen Gegner um I Hilfe und Unterstützung anzugehen. HsrlSttllwn-cilnilenI Die Blutsrtiuld des Klerolasclsmus Den Volkes Blut verströmt la Bächen Und bittre Tränen rinnen drein... Dieses Lied der Anklage gegen den russischen Zarismus wird künftig den llerikalen Machthabern in Oesterreich um die Ohren gellen. Sie tragen die Blutschuld für Hunderte von Laten und Tausenden von Verwundeten, für all die entsetzlichen Opfer und Folgen deL Bürgerkrieges auf ihrem schwarzen Gewissen. Die Arbeiter Oesterreichs haben für ihre verfassungsmäßigen Menschen- und Bürgerrechte.gekämpft! Ein eidbrüchiger StaaLpräsident, eine Gruppe politisch-militärischer Abenteurer haben sie auf den Weg der Gewalt getrieben! Mit welchem Rechte maßte sich dieser her- gelaufene Herr Fey an, eine Partei verbieten zu wollen, hinter der 42 Prozent der österreichischen Bevölkerung stehen? Wie anders häüc sich jener Fürst Starhcmberg Anspruch auf Staatsführung erworben» als durch Schuldenmachen und Maulaufreißen? Wie ist dieser Dollfuß zu den mweschränk- ten Vollmachten eines autoritären Regierungschefs gekonunen? Durch Selbstanma- ßung! Eine parlamentarische Mehrheft Hot ilm zum Bundeskanzler gemacht und er hat diesen Platz einfach usurpiert, als diese Mehrheit zerfallen war. Dieser Dollfuß hat die demokratische Verfassung Oesterreichs beschworen. Beschworen hat die demokratische Staatsverfassung auch Bundespräsident M i k l a S, ja er war durch sein hohes Amt zum Hüter dieser Verfassung berufen. Zum blutigen Bürgerkrieg ist eS gr- kommen, well dir führeuden christlichsozialeu Manner Oesterreichs ihre Berfaffungseide ge- brochen haben. Wer und abermals hat die sozialdemokratische Partei ihre Bereftlchast er- krlärt, sich auf dem Boden der demokratischen Verfassung mit den anderen Parteien zu vcr- ständigen und an einer friedlichen Lösung der StaatLkrise mitzuwirken. Sie ist mft ihrer Besonnenheit bis an die Grenze der Selbstaus- opferung gegangen. Kampflose Preisgabe ihrer Rechte, nein, das hat sich aber die kampsgewohnte österreichische Arbefterklasse nicht zu- muten lassen. .Wir wissen, daß diese Erörterung der rechtlich-moralischen Seite der österreichischen Tragödie für die verhängnisvolle Entwicklung ün Lande selbst zunächst ohne Belang ist. Tie Schuldigen am österreichischen Bürgerkriege werden aber der Klarstellung dieser Schuldsrage im internationalen-Maßstabe nicht entgehen! Der politische Katholizismus sitzt auf de^Anklagebank des WeltgewissenS. Wir klagen die höchsten Spitzen der öfter- reichischcn Geistlichkeit an, diesem Henkerwerk an der Arbeiterklasse geistige Handlangerdienste Am vergangenen Sonntag, hat Kar- Auslandsstlmmung gegen DoüfuB Wie sehr das Gemetzel von Wien jetzt schon di« Stimmung des Auslandes gegen die Regierung Dollfuß-Fey verändert hat, beweist ein Kommentar der österreichischen Ereignisse, den die bürgerliche Baseler„N a t i o n a l z e i t u n g" veröffentlicht. Darin heißt eS: „Setten liegt Recht und Unrecht so klar wie hier verteilt. Dollfuß und feine Minister haben unter Billigung deS Bundespräsidenten sich von ihrem geschworenen Eid selb st losgesagt, waS bei so frommen Herren besonders überraschend ist. Sie haben die immer noch weitaus st ä r t st e Partei i m Lande entrechtet, und wen« sie heitte dafür den Sozialisten dir Berantwortung zuschieben, so weiß jedermann in der Welt, daß der General streik nur eine letzteundverzweifelte Abwehrhandlung gegen dm offenen BerfaffnngSbruch der Regierung war. Doll- f q tz w ir d v o l lk o m m e n der Gefackt gene der Hei mw ehreu seln. Den Siegern fehlt es zu sehr an Begabung in der Verwaltung, Sauberleit, Jirtelli- g e n.;, Staatsknnst und Schöpferkraft, als daß sie sich zugleich gegen die National sozialisten und Sozialisten behaupten könnten. Mit Mcherhell ist anzunchmen, daß deshalb binnen lnrzrm Start,einberg und sein Dollfuß den Weg nach Canossa werden gehen müssen und daß dann dem Nationalsozialis mus der Weg frei gelegt sein wird." An dieser würdigen Haltung eines der So- zialdemolratie ferne stehenden Blattes könnte sich die Presse deS sndetendeutschen Bürgertums ein 1 geleistet zu haben, Beispiel nehmen. I zmn 12. Krönungstckg deS Papstes, 24 Peter lachte bitter. „Nein", antivortete er brüsk.„Die hat mein Baier verschcppert, um sich das letzte Stadium von Delirium autrinkeu zu lönncn. Dann ist er unter die Trambahn gekommen und in Stücke gefahren worden.'Dos>var eines der glücklichsten Gescheh nisse unseres Familienlebens, aber es ist viel zn spät gekommen, weißt du... es hatte sich schon zu viel ereignet, das nicht mehr gutzumachen Ivar." Entsetzt sah der Prinz auf ihn. „Das tut mir leid", sagte er verlegen.„Ich habe kein Glück bei meine» Versuchen, dir wieder näher zu kommen..." Er erhob sich und lief peinlich berührt hin und her. Dann sagte er: „Hier ist'S viel zu hell... Wart einen Moment." Er drehte ein paar Schalter ab. Die Glüh birnen des großen Iristalleneu Kronleuchters er loschen. Nur eine große, mit zarter goldbrauner Seide bespannte Lampe leuchtete gedämpft weiter hinter dem niedrigen Tisch, an dem sic saßen. „Willst du ein Glas Wein mft mir trinken?" Peter zuckte die Achseln. Er zog sich tiefer in seinen Stuhl zurück, streckte die Beine von sich, schaute über seine kotige, sanckenc Arbeitshose auf die groben Schuhe und antwortete kurz unter La chen: „Waumr nicht?'S ist ein Fest heute, nicht wahr? Wir sind in festlicher Stünmnng durch un ser herzliches Wiedersehen... Feiern Ivir das mit eineni ÄlaS guten Weines!" Der Prülz schüttelte den Kopf. „Du bist schrecklich verbittert. Peter, mein Junge", sagte er mißbilligend.«Ich glaube, du nimmst die Dinge viel zn schwer. Du müßt sie ein I bißchen durchschaue» und lernen, über sie zu i lachen. Glaub mir:'S ist nicht der Mühe wert.. > Nichts ist der Mühe tuert. Ivenn man ihm auf den t Grund schaut....Außer vielleicht ein gutes Glas . Wein, eine Stunde mit einer feurigen Frau uick I tierischer!körper, um mit ihm zu spielen." dann noch ein sttrrischeS Rassepferd.-. Der Rest 1(Fortsetzung folgt.). H Id. de Jons:! I versMmgme Sfade i Cis Xomcui la vier tpisoäea Autorisierte Ueberoetzung aus dem HollKniMschen von E. R Fuchs. Unser Peter versuchte vergebens, in dem glatten. zl)nisch lächelnden Antlitz das des verlegenen, ettvas unbeholfenen ReichcleutlindeS zu erkennen, mit dem er einen herrlichen Nachmittag in fröhlich-lauter Kameradschaft verbracht hatte. Eine Weile rauchten sie schweigsam und beide überkam ein stilles Heimweh, ein bittersüßes Sehnen nach der kindlichen llnbewußtheit längst verflossener Zeiten. Bis ihnen langsam wieder daS Heute einsiel und sie über den bizarren Zufall lächelten, der sic auf diese Weise miteinander wieder in Berührung brachte. „Du hättest taW ungeschehen gemacht, was du mir vor zwölf Jahren Gutes getan, Peter", begann der Prinz..„Hättest du ettvaS höher gezielt. wäre ich schon ad patres." Peter zuckte die Achseln. „Ach wußte genau, wohin ich schlug", murmelte er. Hierauf schweifte sein Blick scheu durch das saalartige Gemach mit dem überluxuriösen Mobiliar und er fragte: „WaS Ivird eigenllich von mir gefordert i" Der Prinz lachte leise. «Nichts Besonderes", antwortete er.«Nur das eine, daß du die neutrale Sprechweise aufgibst und mir gerade wie an senem unvergeßlichen Nachmittag göttlicher Freiheft plauderst. Nenn mich nur wieder Piet, duze mich, schilt mich, wenn ich albern daherrede oder dummes Zeug fchwatze und modle mich ein wenig nach deinem bewunderungswürdigen Modell." Peters Mund verzog sich in bitterem Hohn. „Die Zeiten haben sich geändert, Peinz", antivortete er bedächtig.„Ich kann dich ja noch duzen und auch schelten, Wenns dazu einen Anlaß gibt... Aber eS hat sich zuviel ereignet, um i nochmals einen so sorglosen Nachmittag zu crle-* ben... Wir wissen nun beide von einander, wer! wir sind... das ist ein großer Unterschied." Der Prinz betrachtete ihn grüblerisch. „Vielleicht", sagte er,„vielleicht auch nicht.. Wenn ich dich so ausckiane, glaube ich doch nicht zu wissen, wer und was du bist, und ich vermute, daß duü von mir ebenso tvenig weißt. Können wir nicht versuchen, unS wieder als Gefährten zu finden?" „Nein", wehrte Peter schroff ab.„Das ist verlorene Mühe. Wir leben in zwei verschiedenen Welten und wir können gewiß nicht mehr zusammenkommen. Ich weiß genug von dir, um daö behaupten zu können." Dann sank er wieder in Schweigen. Der Prinz blickte fragend auf Peter und sagte: „Ich bin begierig zu hören, tvaS du denn alles von mir weißt... Und eigentlich bin ich ein wenig enttäuscht: du sprichst säst so zivilisiert wie ich... das nehm ick dir übel, Peter." „Ich bin das Mündel des Königs gewesen", I antwortete dieser in bitterklingendem Ton.„Ich I habe Mittelschulunterricht genossen, bin auf der Kriegsakademie gewesen und hätte es fast zum Offizier gebracht." Verwundert sah ihn der Prinz an. Er dachte nach, erinnerte sich dann:„Richtig... es war davon die Rede, als du mft deinem Baier und deiner Mutter in das PalaiS kamst... Später habe ich nichts mehr davon gehört... Sie haben mir niemals ein Wort da-, : von gesagt und ich habe ehrlich vergessen, danach > zu fragen." „Nun siehst du, waö wir für Kameraden sein könnten", grinste Peter sarkastisch. Der Prinz ging nickt darauf ein.. „Aber die große goldene Medaille, die mein Pater für dich hat machen lassen... der berühmteste Graveur hat deshalb zwei Nächte nicht zu Bett gehen können, weißt du das wohl?... Hast du sie noch?"-■ rst Unsinn, langweilige Possenreißerci, erfunden von'vertrockneten tugendhaften und angesehene:! Narren und der einigen, verfluchten Pflicht.. Was über andere kommt, iann man nicht>nr Haaresbreite ändern... das darf man sich ni Brände. Bei dem einen Brande tvurde ein Heizer schwer verletzt. Schließlich wurde am Dienstag ein Fliegersoldat vom Propeller eines auf dem Deck des Schiffes laufenden Flugzeuges getroffen mid getötet. 18 Arbeiterinnen getötet Tokio, 14. Feber. Auf dem Dach eines Schlafraumes in Niigata, in dem 19 Mädchen, die in einer S e i d e n f al> r i k beschäftigt waren, schliefen, sammelten sich solche Mengen von Schnee, daß das Dach am Mittwoch früh z u- s a m m c» b r a ch. Nur sechs von den Mädchen konnten lebend unter den Trümmern hervorgezogen werden, die anderen 13 wurden getötet. BergtverkSkatästrophe. Wie Reuter aus I ohanneSburg meldet, hat sich dort in einem Berglverk bei der Vornahme von Sprengungen ein schweres Unglück ereignet. Zwei Europäer und sechs Eingeb orene wurden getötet und fünf Eingeborene wurden ver- btzt Der Bürgerkrieg in Oesterreich Unten Lastautos mit Truppen auf der Wiener Ringstraße, oben eine Tnippenver- sammlung auf dem Heldenplatz in Wien. I Raubtiere, zwei- und vierbeinig.....1 Herr Goering, der tierfreundliche Pyromane, hat sich mit seinem Raubtier entzweit. Auch gleichgesinnte Seelen können in schwerwiegende Differenzen geraten, wovon die„Times" der staunenden Unuvelt Mitteilung zu machen wissen. Der Leipziger Zoo hatte dem preußischen Ministerpräsidenten einen..jungen Löwe» zum Geschenk gemacht. Das Tier gedieh in-der nachbarlichen Umgebung deS morphiumsichtigen Premiers zuerst prächtig, bis sich jetzt gewisse Kalamitäten einstellten— auch ein Löwe hat schließlich sein Ehrgefühl! Jedenfalls hat Goe- ring jetzt dem Leipziger Zoo den Löwen mit der Bemerkung zurückgeschickt, daß er«zu seltsame Eigenschaften" angenommen habe, uin weiterhin fein Hausgenosse zu sein. Uns scheint, daß hier wieder eine der nazistischen Lügen in die Welt gesetzt wurde, mit denen das Land der Barbarei ja ungelvöhnlich reich gesegnet ist. Sollte eS vielmehr nicht so sein, daß dem Löwen mit der Zeit die Hausgenossenschast eines Goering unerträglich geworden ist? Mit einem Mann von den verbrecherischen Ouanti- täten des preußischen Preiniers unter einem Dach zu weilen, muß selbst einem Löwen auf die Nerven gehen. Es gibt einen alten, aber trotzdem sehr amüsanten Witz, der direkt aus diese Demission des goeringmüden Löwen pointier zu sein scheint.„Ich habe mir einen Esel angeschafft", erzählt ein Mann seinem Freund. „Einen Esel?" bemerkte der Freund erstaunt, „was machst Du denn damit?"„Er trägt meine Pakete und>oenn ich müde bin, reite ich auf ihm nach Hause. Und deS nachts logiert er in meinem Schlafzimmer!"„In Deinem Schlaf- zimmer?", ruft der Freund,„ja, riecht denn daö nicht fiirchterlich?"„Nun", meint der Eselbesitzer lächelnd,„er geivöhnt sich daran!" „Nurr", der Löwe deö Herrn Goering hat sich nicht daran gewöhnt! Er ist aufatmend in den Leipziger Zoo zuriickgekehrt und wird daS Fazit dieses peinlichen Zusammenlebens mit einem der verwegendsten Brandstifter aller Zeiten in die Worte'zusammeiigefaßt haben:„Wir Tiere sind doch bessere Menschen!" Möglich wäre allerdings auch die Erklärung deS Raubtierab- ganges, daß der zuriickgefundene Löwe dem Bandenchef deS braunen Zuchthausreiches allzu deutlich die Zähne gezeigt hat. Held Goering, der sehr tapfer zu sein pflegt, wenn eS darum geht, wehrlose politische Angeklagte frech und schamlos int Gerichtssaal zu beschimpfen, be- kommt de» Schüttelfrost, wenn ein Wehrhafter ihm die Zähne zeigt. Auch daö Volk, das tausendfach geknechtete und gedemütigte, wird dem hohen Großverbrecher einmal so die Zähne zeigen, daß ihm Hören und Sehen vergeht! Dann wird es der Schuldige an unzähligen national- sozialistischen Schandtaten nicht hinter die Güter zurückschicken können— dann wird man ihn fassen und unschädlich machen—, und das . Lir immer) Zur Hilfsaktion für dir Kinder, der Arbeitslosen. Die Wirtschaftskrise und Massenarbcitölosig- keit hat neben anderen schweren Auswirkungen auch schwere Schädigungen deS kindlichen OrganiS- muS int Gefolge gehabt. Das Fürsorgeministerium hat daher eine Aktion zur Beteilung von kinderreichen Familien mit Zucker ins Auge gefaßt und sich mit den maßgebenden Kreisen der Zuckcrindustrie in Vetbiuduitg gesetzt. Da sich diese zur Aktion deö FürsorgcmInisttriumS positiv cinstellten, tvird auch diese Hilfsaktion für die kinderreichen Familien Arbeitsloser schon in nächster Zeit der Vertvirkli- chung zugcführt werden können. Tas Fürsorgeministerium hofft, näheres darüber bereits in allernächster Zeit mitteilen zu können. Singe, wem Gesang gegeben. Die Führung des dentschcn Sängerbundes ersuchte Alfred Rosenberg, die Ehrenfi'ihrcrschaft des Bundes zu übernehmen. Rcichslciter Rosenberg entschrach dieser Bitte. Dieb imd Heiratsschwindler verhaftet. Gestern gelang eS der Prager Polizei, den lange gesuchten 26jährigen Chauffeur Frantiöck Ai e d i i c t y aus Prag-Weinberge, Slezskä 32, festzunehnicu. Kurz»ach seiner Verhaftung legte Medkicky ein Geständnis ab. Er gab zu, im Aiai vorigen Jahres in dem Bankhaus von Paul Wolf, Weinberge, eingebrochcn und dort Gegenstände im Wert von 3000 Kronen geraubt zu haben. Ferner hat der Verhaftete Einbrüche im Bankhaus Hugo Lcsk, Prag II., Wenzelöplatz und bei der Firma I. AngerS in der Lazar- ska verübt. Sein s ch l i m m st e S Vergehen aber: vor einigen Monaten machte Medricky die Be- lanntschasi deS Hausgehilfin M. K. aus Smi- chov. Durch ein Heiratsversprechen gelang cs ihm, dem Mädchen ihr Sparkassenbuch zu entlocken. Bon diesem Sparkassenbuch hob der Mann 14.700 Kronen ab. F a st den g a n z c n B e t r a g. Auf dem Konto blieben nur noch 65 XL und 31 Heller. Franti- öek Medricky wird sich also sowohl wegen Ein- brnchSdicbstahlS als auch wegen Betruges vor dem Richter zu verantworten haben. AutobuS-Katastrophe. Am Dienstag nach- nlitlag kam es in Biareggio, der Stadt der traditionellen berühmten Karnevale, zu einem schwere» Kraftwagenunfall. Ein mit 30 Personen besetzter AntobuS fuhr zur Zeit des lebhaftesten Straßenverkehrs in voller Fahrt auf einen Personenwagen auf, der völlig zertrümmert wurde. Dabei erlitten 15 Personen zum Teil schwere Verletzungen. „Ich nehme mir daö Leben, aber ich weih nicht— warum!" Gestern abend gegen acht Uhr entdeckte man, daß sich die 22jährige Hausgehilfin Marie Kotkova in der Wohnung ihrer Arbeitgeber in Prag II, durch Gas vcrgif- t e t hatte. Mau fand einen Brief, den das Mädchen ihren Eltern hinterlassen hatte. Marie Kot- koba schrieb darin u. a.:„Ich begehe Selbstmord. Mit diesem Brief nehme icki Abschied von Euch und von der Welt. Mein Entschluß zu sterben, ist ganz freitvillig. Ich nehme mir das Leben,.allerdings weiß ich nicht— warum!" Die Leiche des Mädchens ist polizeiärztlich untersucht und dann dem Institut für gerichtliche Diedizin Verwiesen worden. Das Feberhcft der „Tribüne“ ist soeben erschienen und enthält folgende Besträgc: Josef Hofbauer: Oesterreich. Dera Denis: Beispielgebend für die JntenraSo- nale. Emil Strauß: Kriscnbckämpfung in der Tschechoslowakei. Fritz Weise: Monopolkapitalismus und Wirt schaftskrise. Tünon: Prostitution, Geschlechtskrankheiten und Gesetzgebung. Bemerkungen. Bü^erschau. Mitteilungen der Zentralstelle für das BiDuugS- wesen. Bestellungen sind zu richten an die Vertrauens- leute, Parteisekretäre, Schristenabteiluugen und Volksbuchhandlungen oder direkt an die Verwaltung der„Tribüne", Prag H., Nrknzanka 18. Ruffischer Eisbrecher gesunken Moskau, 14. Feber.(TASS.) In Moskau ist ein vom Expeditionüführer Schmidt abgesand- tes Radiogramm eingegangen, in dem auSgesührt wird, daß der Eisbrecher„Tscheljuskin" am 13. Feber durch EiSmasicn erdrückt tvurde und gesunken ist. Schmidt teilt weitcrS mit, daß die letzte Nacht infolge des häufigen Druckes und der starken Auftürmung der EiSmaffen aufregend war. Am 13. Feber barst dann der größere Teil der Bordseite deS vorderen KielraumcS, bis zum Maschinenraum durch einen unvermittelt starken Druck. Gleichzeitig barsten auch die Dampflei- tungSrohre, so daß die Möglichkeit nicht mehr bestand, die Pumpenankagen in Tätigkeit zu sehen, die ja ohnedies infolge zu starstcn Wasscrdrangcs unbrauchbar gewesen tvaren. Ohne Panik wurden im Laufe von zwei Stunden die letzte Nahrungsmittelreserven, die Zelte, die Schlafsäcke und das Flugzeug, sowie daö Radio, auf daS Eis auSge- laden. Die Löschung der Ladung Ivährte bis zu den: Augenblick, da der Schiffsschnabel bereits im Wasser versank. Die Führer der Besatzung der Expedition verließen den Eisbrecher als letzte einige Sekunden vor dem vollständigen Versinken in den Wellen. Bei dem Versuche, das Schiss zu verlassen, kam der Stetvard Mogilcwitsch ums Le« ben; er wurde von einem Balken erdrückt und ins Wasser gerissen. Die übrigen Expeditionöteilnch- mcr konnten unbeschädigt und gesund Zelte nnd Holzbarackcn bauen. Jeder besitzt einen Schlafsack und eine Pelzbckleidung. Schmidt teilt ferner mii, daß die Verbindung mit den Radiostationen von Wallen und vom Nordkap hergestellt ist, von wo aus Hilfe durch Flugzeuge und Hunde abgeschickt tverden. Die Stimmung aller Teilnehmer ist zuversichtlich. Der„Tscheljuskin" lief am 16. Juli 1938 aus Arck'augelsl mit Marschroute auf Wladiwostok aus. Die Verhältnisse für die Borwärts- bewegung des Schiffes erwiesen sich äußerst schtvicrig, was jedoch den„Tscheljuskin" nicht hinderte, daS Beeringmeer zu erreichen. Das Erreichen der Gewässer des stillen Ozcans mißlang, da Stürme und die überaus starke Meeresströmung den„Tscheljuskin nach Norden abtruge». Automatischer Stratospärenballon Reval, 14. Feber. Aus Moskau tvird gemeldet, daß voraussichtlich am 20. März ein automatischer Stratosphärenballon starten wird. Der Ballon wird ohne Besatzung aufsteigen. Alle Apparate nnd die Borrichtungen znm Landen werden tum einem russischen Observatorium aus fcrngeleitet. Der Ballon soll mindestens 1-1 Stunden in der Luft bleiben und eine Höhe von 40,000 Meter erreichen. Mt Gaö vergiftet. Um 7 Uhr abends tvurde gestern der 34jährige Kaufmann K. Immer» gut aus Pilsen in seiner Prager Wohnung, Dlouha tkida 31, durch GaS vergiftet aufgcfun- dcn. Uebcr die Gründe des Selbstmordes ist nichts bekannt. HannS Iahst entsichert seinen Revolver. Wie der„Völkische Beobachter" meldet, wird Hanns Johst,„um in lebendiger Beziehung mit der Entwicklung des europäischen Theaterlebcnü zu bleiben, eine Reise in die wichtigsten Knlturländer unternehmen". Tic Steife ist auf eine Dauer von sechs Monaten beabsichtigt. Vom Rundfunk Smpfrhlruuwerte» aus den Programmen: Freitag. Prag, Sender L. 10.05: Deutsche Nachrichten, 10.80: Schulfunk, 18.23: Deutsche Sendung: Prof. Brcinl: Technischer Vortrag, 18.50: Arbeitersrndung: Aktuelle zehn Minuten, 1V: Deutsche Pressemeldungen, 19.83: Konzert, 20.15: Die Welt in der Umgestaltung, 21: Orchesterkonzert.— Sender S. 14.80: Schallplatte», 14.43: Schwedische Lieder. 13.10: Deutsche Sendung; Stunde für die Frau,- 15.43: Deutsche Pressenachrichtem— Brünn 16: Nachmittagskonzert, 18.25: Deutsche Sendung: Sportberichte.—Preßburg 17: Orckesterkonwrt.— Wie» 13.30: Äinderstundc, 17.20: Arie» und Gesänge, 21: Enrico Mainardi, Ar. 38 Donnerstag, IS. Feier 1834 Seite? Ameise« als GSrtrrer «o» S. Aldt. Den Vock zunr Gärtner machen, heißt eS im Sprichwort. Ja, eigentlich scheint eü Wohl so, als taugten die Ameisen zu allem anderen eher, als zum Gärtner. Im schönen, glatten Rasen werfen sie ihre Hügel ans, hier einen und da einen, unterminieren die Pflanzen, züchten Blattläuse, die ärgsten Feinde der Pflanzen, bauen im Wald ihre mächtigen Haufen auS Erde und Nadeln auf, ohne sich im geringsten um die Blumen oder das Bäumchen zu lümmern, die gerade an dieser Stelle wachsen wollten. manche Arten zerstören allen PflanzenlvuchS in der Nähe des NesteS, offenbar, um das Nest einer nwglichst intensiven Sonnenbestrahlung auSzusctzcn.— Aber schließlich— der Mensch rodet auch, und führt sein Vieh auf die Beide und legt Straßen und Plätze an, wo vorher noch üppig die Blumen gediehen, und walzt den Boden und pflastert ihn, daß kein Grashalm- chen mehr Herborsprossen kann. Und doch hat die SpecieS Mensch etliche recht brauchbare Gärtner hervorgebracht. Ganz selbstlos und nur den Pflanzen zu Liebe tun es ja auch die Dlenschen nicht, Ivenn sie Blumen hegen und Gemüse pflanzen, oder den Acker bebauen; und di« Ameise erst recht nicht. Aber sie verstehen ettvas von der Pflmizen- zucht und ganz besonders von der Kultur der Pilze. Unter den einheimischen Ameisen gibt es freilich nur eine einzige Art, die sich mit Pilzzucht abgibt, und die scheint nicht allzu viel davon zu verstehen, aber in der Tropenzone, wo die Ameisen eine Großmacht datstellen, kennt man gegen hundert Arten, die regelrechte Pilzgärten arüegen. Nicht alle verstehen sich gleich gut darauf. Jede Art hat ihre eigenen Methoden in Nestbau, Anlage des PilzgartenS, Düngung und Wartung des Pilzes ausgebildet. Endlich sind es auch verschiedene Pilzarten, welche von den einzelnen Ameisenartcn bevorzugt werden. Bei«ürer ziemlich großen Art, derrn Königin eine Größe, von etlva zwei Zenti- nictr erreicht, ist der Pilz die einzige Nahrung sämtlicher Einwohner des Staates. Daher haben dick. Ameisen diese Pilzzucht auch besonders sorg« (Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) auS Un- und Di« arische Haarbürste. Zwei Anzeigen nationalsozialistischen Blättern FrankeirS: In welchem arischen Geschäft kaim man eme Kleiderbürste kaufen? Offerten unter Nr. 00. Schreibmaschinen . rein deutsch, schon mit monatlich 7.60 Mk. Fachwerkstatt Kuch. Nürnberg. Sorgen der Rassegercinigtenl Der glückliche, der inserieren muß. um eine Kleiderbürste mit einwandfreier Erbmasse zu erstehen und der Händler, der auf seiner iwrdischen Tastatur herumreitet, sind zwei eindeutige Opfer del gleichen Irrsinns! Samuel Jnsoll bietet der Türkei ein« Anleihe an. Der ehrenwerte amerikanische Millionär Taumel Jnsull, der auf Grund einer Verfügung der griechischen Regierung das griechisch« Staatsgebiet verlassen muß, wo er bisher eine Zuflucht gefunden hatte, bietet der Türkei eine Anleihe von mgeblich 16 Millionen türkischen Pfund zur Durchführung des türkischen F ü n f j a h r e s p l a n e S an. Für den Abschluß dieser Anleihe stellt Jnsull die Bedingung, daß die tückische Regierung ihm den Aufenthalt in der Türkei bewillige. Ursprünglich erhielten bekanntlich die türkischen VertretungSbehörden die Weisung, ihm daS Visum vorzuenthalten, wenn er in die Türkei reisen Ivallt«, obtvohl ein ExtraditionS- veckrag zwischen der Türkei und den Vereinigten Staaten haben dieser Tage einen Extraditionö- lrlaaien haben dieber Tage einen ExtraditionS- vertrag auch mit Albanien ratifiziert, um Jnsull die Flucht nach Albanien unmöglich zu machen. „MiMonenerve der alten Geeräuver gefuGt!" Geheime Reidismehndiule Berlin. In Spercnberg bei Zossen befindet >io»»rn iparer me munaryrye nuo«',~—-—--— Bildung der ihnen unterstehenden SA-Formatio- iraurigste und allcrnuchtcrnste Gegend im London nen leiten.■—-- .. Der letzte achtwöchigc Kursus, der 185 SA- Führer mid auch einfache SA-Leute umfaßte, ging am 21. Jänner zu Ende. Bom 1. Feber al' ist die Schule nur noch für SA-Führer vom Trup- pner Hafenviertel: aber in kurzer Zeit fährt von hier auS eine Dampsyacht mit vierzig ausgesuchten Seeleuten und wissenschaftlichen Mitarbeitern zu dem romantischesten Mer menschlichen Ziele: zum Schahsuchen— in die Welt. Die Gruppe der KokoS-Juseln — etwa 87 Grad von Greenwich uird 5.5 Grad jBriidcnbau, Sprengung von Brük- erfundenen, teils ivahrcn Berichten von Schatze I IMUJI,feil,«IJIJUlUUllWlf A/IUJIUMI WAV« 1 bekannt. Stevenson hat seinen berühmten Roman von der„Schahinsel" nach den alten Fabeln der Spanischen See verfaßt, sein Teasure Island ist die Hauptinscl der KokoSgruppe, die eigentliche Kokos-Jnsel selbst. Ruy»auf die Aussagen von phantasievollen Dichtem und Abenteurem müßte ' man nicht viel geben. Aber ganz ernst zu neh- mendc, trockene Handbücher der englischen Admi- der Entente ralität und des Auswärtigen Amtes enthüllen -1 Angaben, nach denen festzustehen schein, daß etwa zweihundert Manllierlaste« Gold und Kostbarkeiten allein von der Brandschatzung der Stadt Panama im Jahr« 1670„irgendwo auf den KokoS-Inseln und höchstwahrscheinlich auf der Hauptinsel der Gruppe" vergraben liegen müssen. Wohlgemcckt, das iväre bloß die Beute eines einzigen Raubzuges in diesem sahrzchickelangm Kampf zwischen der spanischen Weltmacht und den nicht wcniger goldgierigen englischen, holländischen, französischen Konkurrenten. Ein See« kriegürccht existierte damals kaum auf dem Papier, sogenannte„reguläre" Kaper und Freibeuter mit ordentlich ausgestellten Kommissionen der Admiralität waren praktisch nicht von Seeräubern auf eigene Faust zu unterscheiden. Kam eö zu einem entscheidenden Kampf, so mußte der unterliegende doch stets über die Planke und inü blaue Tropenmeer marsckierm. Menschenleben kosteten nicht viel. Und die Spesm sowie die enormen Gewinne dieser frisch-fröhlichen Unternehm mungen wurden auö den Schatzkammern der spanischen Bizekönige, auü den Reichtümern der spanisch-amerikanischen Kathedralen und der üppigen Bürgerhäuser bezahlt. Sir Henry Morgan, Seeräuber uud Gouverneur! „Jack" Morgan— ein Al Capone der See des 17. JahrhundeckS— war der Führer des Zuges über die Landenge, von ihm stammt der große Schlag der Plündemng von Panama. Dabei ging es sogar, nach Anschauung der ner- venstarken englischen Zeitgenossen, sehr wüst und unmenschlich zu. Und Iveil außerdem gerade die FriedenSverhandlungen zwischen England und Spanien am Abschluß waren, wurde der damalige Gouverneur von Jamaica, Modyford, zur Verantwortung nach London berufen. Ja, Morgan selbst mußte vor dem Seegericht Rede und Anttvort stehen. Seine Ungnade war allerdings nur von kurzer Dauer, König Karl ll. erhob ihn sogar in den erblichen Adelsstand und schickte den früheren Seeräuber schließlich als Gouverneur nach Jamaica zur ck. In Port-Royal'S Kathedrale erhebt sich heute das prunkvolle Grabnwnument Sir Henry Morgans— und irgendwo auf den KokoS- Jnseln befindet sich der Großteil seiner irdischen Besitztümer. Jack— später Sir Henry— Morgan halte nicht gern zu viel flüssiges Geld im Gouverneurspalast. Seine Leute, zum Teil Kameraden des ehemaligen wüsten Lebens, sollten nicht aus dumme Gedanken gebracht werden. Wenn er neues Gold braucht«, ließ er sich eine beschwerliche Reise ans Festland, den Marsch nach Panama und tviedcrum 700 Meilen Seefahrt nicht verdrießen. Und trotz allen Vorsichtsmaßregeln damals ist nun schon fest 250 Jahren bekannt, daß die Kokos-Jnseln noch riesige Schütze„in sich" haben. Ein Geschäftsmann gibt ein Interview. Mr. Stratford Jolly, der Manager der Schah-Expedition, spricht im Hauptquartier dcö Unternehmens, St. Catherine'S Docks, von too die fällig ausgebildet. Bestimnite Arbeller sind den ganze» Tag Lb«c als„Schlepper" tätig. Von früh bis abends klcktern sie in den Baumkronen herum und sammeln Blätter. Mst ihren Freßzangen schneiden sie Blattstücke ab, eben so groß, daß sie sie heimschleppen können. Dock übernehmen andere Arbeiter die Blattstücke uud zerkauen sie zu einem Brei, aus dem ein schtvammartia poröser Körper aufgebaut wird, der in Erd- oder Baumhöhlen eingefügt. ist. In den Hohlräumen dieses schlvamm» ähnlichen Geblldeü ziehen sie ihre Brut auf, gleichzeitig aüqr dient es ihnen als Substrat zur Zycht des sie ernährenden Pilzes. Aber diesen Pilz lassen sie nicht einfach wild auftvachsen, sondern sie benagen die feinen, schlmmelpilzähnlichen Fasern, wodurch sich keulenförmige Anschwellungen an ihnen bilden, die sehr eiweisreich sind und die sie dqnn ernten. In der Freiheit sieht der Pilz völlig anders aus. Fängt man die Ameisen aus dem Pilzgarten heraus, so daueck es nicht lange und der Pilz„verwildert" wieder, und blldet keine derartigen Anschwellungen mehr auS. Der erste Forscher, der diese merkwürdig geformten Pilze sah, bezeichnete sic vergleichsweise alö„Kohlrabi". Die Tiere bringen also hier ein Zuchtprodull Her- Por, welches sooft nirgends in der Natur vor- komnst, eine richtige„Kulturpflanze", entsprechend etwa den Gemüsepflanzen des Menschen, wenn auch auf etwas andere Weise erziell. Während di« Arbest des Blattschneidens und Schleppens von großen Arbeitern geleistet wird, ist eine Schar von ganz kleinen Arbestern Tag und Stacht damit beschäftigt, die stets neu hcrvorsprosseirden Pilzfäden abzubeißen, wodurch der Pilz sein Wachstum in der charakteristischen Weise ändcck. Daneben obliegt eü ihnen aber auch, daS Unkraut auSzurotte», nämlich dafür zu sorgen, daß ihre Pilzkultur eine„Reinkultur" bleibt und keinerlei fremde Pilze überwuchern. Das Blattmatcrial myß oft erneuert werden, tvaü ganz allmählich, durch ständigen Umbqu geschieht. In jedes neu eingebaute Stück wird sofort von einem der kleinsten Arbeiter ein Büschel von Pilzsasern cinge- pflanzt.. Da der Pilz fiir die betreffende Ameisenart Lcbcnsvcdingung ist, kann keine neue Kolonie gc- gckindet werden, ohne daß sofort die Pilzzucht einsetzt. Die Gründung einer neuen Kolonie ist aber stets das Werk eines einzigen, vom Hochzeitsflug zurückgekehrtcn Weibchens. Wie soll nun die junge Königin für den zu gck'mdenden Staat die Nahrung beschaffen?— In einer Mundtasche hat sic, als Mitgift aus dem heimatlichen Nest, eine Portion von dem heimatlichen Pilz auf den Hochzeit.- flug miigenommen. Nun kehrt sie einsam aber voll Zukunsishofsnungen zur Erde zurück und sucht Unterschlupf. Hat sie eine passende Höhle für das neue Nest gefunden, dann würgt sie den Pilz her. vor und pflanzt ihn an. Freilich stehen ihr j>nt noch leine Arbeiter zur Hilfeleistung, zum Bla!! schneiden und zum Nestbau zur Seite. Daher kultiviert sic den Pilz zunächst auf ihren eigenrn Exkrementen und nährt sich einftweilcn von den Eiern, die sie ablegt. Neun von zehn ihrer Eicr frißt sie auf, wohl nicht allein, um ihren Hunger zu stillen, sondern auch nm Düngemittel für den kostbaren, staatücrhaltcnden Pilz zu gctvinncn. Sind dann erst einige Arbeiter zur Enttvicklung gelangt, dann beginnt erst das Blattschneidcn und der eigentliche Ausbau des PilzgartenS und damit des NesteS. Die Düngung der Pilzkultur führt die Königin in ganz besonders sorgfältiger Weise durch. Sie sängt die etwa stündlich auÄre- tenden flüssigen Exkremente auf einem Stückchen Pilz auf, das sie zuvor der Kultur entnommen hat und ihr hernach sorgfältig wieder cinfügt. Einige Arten der Pilzzüchter haben unterirdische Pilzgäcken in einer bestinunten Schicht unterhall> ihres Nestes. Manche Acken züchten nicht auf Blattmuü, sondern aus Raupenlot, wieder andere auf eingehcimsten Staubbeuteln von Blüten, je nach Art des Pilzes. Die verschic- denartigsten Methoden wurden erprobt und au: gebil»' Im Gebiet des AmazoncnstrameS sind die sogenannten„Aineiscugärten" in den Baumkronen eine häufige Erscheinung, schtvebende Ameisen- nester, hoch obm in den Bäumen, welche ganz bepflanzt sind mit allerlei Blumen, so daß sie direkt I tvic Blumenampeln tvirken sollen. Die Ameisen überlassen die Bepflanzuirg ihrer Nester nicht etwa dem Zufall, sondern besorgen die Aussaat der Pflanzen selbst. Unsere einheimischen Ameisen sind tveniger vielseitig begabt, als die der Tropen. Immerhin tragen auch sie zur Verbreitung mancher Pflanzenacken bei. tvcnn sic die Samen auch zu anderen Zwecken verschleppen, als sie anzubaucn. Die Zahl der von einer einzigen Ameisenkolonic während eines Sommers verschleppten Samen geht schähungStveise in die Zehntausende. Biele Pflanzen unserer Flora sind nämlich in ihrer Samenverbreitung direll angcpaßt an die Ameisen. An den hacken Samenkörnern vieler Pflangen. so z. B. des Veilchens, sitzen kleine, fleischige und nährswffrciche Anhangügcbildc, die keinem anderen Zwecke dienen, alü der Anlockung von Ameisen. Diese schleppen sie mit sich in ihr Nest, um sic später wieder hinauszutragen, sobald das tvohlschmeckendc Anhängsel aufgezchrt ist, oder lassen sic gar schon unteckvegs irgendwo fallen unb leisten damit, ohne eü zu wissen, der Pflanze einen großen Dienst. Besonders die Eichen- und Buchentvälder sind sehr reich an solchen Pflanzen, die sich der Ameisen bedienen, um ihre Samen auöstreuen zu lassen. Träumerei in der Großstadt Bier Schaufcitster nebeneinander, über strahlt voll Hellem Lickt. Schneeweiß glänzt in einem der Lack der ausgestellten Schlafzimmer möbel. „Weißt du, Mila— das wär' schön, wie? Das Zimmer da!" Milas Augen leuchten sehnsüchtig. „Solche Betten, Mädel— fein, wie? Und wir beiden da dckn... Na, tvaö denn? Waruni gibst du inir Rippenstöße? Ich hab' doch nichts Schlimmes gesagt." Und Mila:„Nein... aber der große Schränk da. Der niit dem Spiegel! Ganz so groß brauchte er ja gerade nicht zu sein— sonst wüßten wir an: Ende nicht, was wir hineingeben sollten... o, und guck mal: die ichöne Waschtoilettel Alles so schön sauber und hell und freundlich...!" „Du, hier daS braune Zimmer, das ist auch nicht ohne! DaS ist echt Eichel" Da schaut Mila auf die Uhr.„O Gott die Gnädige wartet! Ich muß eilen. Tressen wir uns morgen für einen Augeicklick?" „Morgen—? Warte mal. Morgen früh muß ich zum Ackieitsnachweis. Aber morgen Abend?" „Da läßt sie mich nicht fort." „Uebcrmorgen?" „Um dieselbe Zeit wie heut'?" „Abgemacht!" Schnell läuft Mila fort. Ivirst noch eine,: hastigen Abschiedsblick auf die hellerlcuchteten Schlafzimmer im Fenster. Und auch er steht noch einen Augeicklick lang da. starrt auf die schneeweißen Schleiflack- möbel. Zimmer steht da neben Zimmer— eins prächtiger alü das andere... Und in das Gesicht des jungen Mannes tritt plötzlich ein harter, grimmiger Zug. H. E. Sette 8 „Tozialdemokrat" DoimerStag, Io. Fever 1934 Sir. U l (IW L I v K&ebzte*. Jag. Benützen Sie diese letzte Gelegen heit billig einzukaufen. Mager zeltens Städtischen Sparkasse war. einen jungen Mann, der s ch w e r Ter V I I Wotan, verhüll« drin Haupt! Schmerzliches ist den: deutschesten aller deutschen Sporte widerfahren: S ch m e l i n g, zu dessen Promotoren u. a. auch ertappt. Am 17. Jänner Sophie Schleifer, im in Prag II., Na Struzc Mann überfallen. der dort ständig hinter einer alten Frau herging, die sich eine größere Geldsunmie abgehoben hatte. Das Benehmen deS jungen Menschen war so auffallend, daß der Beamte ihn fcstnahm und zur Polizeidireliion brachte. Man stellte dort fest, dass der Verhaftete der 20jährige Schneider Vladimir H r o n ans Vr'ovice ist. Sein AcnßcreS stimmt genau mit der Beschreibung überein, die der Polizei von dem Räuber, der im Jänner eine Frau Schleifer überfiel, gegeben Imirde. diese Heller hat der Man» die letzten Wochen bei 10—14 Minus 4. Stunden im Freien ge standen! Ein anderer, ein Ü 3 j ä h r i g e r M a n n. : l u n g c n k r a n k ist, ist noch weit schlimmer daran. Er läßt sich Zeitungen in An die Abteilung«Poesie" dcü ReichSpropaganda- Mysteriums Berlin. Sehr geehrte und hochgeschätzte Litcraiursührcr! Ich beziehe mich auf Ihren geschätzten Erlaß betreffend die Erneuerung der deutsche» Dichtkunst im Sinne einer erdgebundenen und schollendampfcnden Wiedergeburt und offeriere Ihnen hiermit, franko Verstand, diverses Tich- tungSmaterial wie folgt: 10 Stück nationale Dramen aus 1« historischen Stoffen ab Wallensteins Lager, mit erstklassigen völkischen Pointen garantiert humanitätsfrei, abend- und bei Zwangsvorstellungen auch kasscfüllend, zum Preise von 130.— Mark pro Stück, rasserein netto. 6 Gros tiefempfundene Gedichte in sadistischen und Gnmmiknüttelversen, Kleinodien ans einer deutschen Reimschmiededarunter 2 Dutzend Hymnen an den Führer und jc 1 Dutzend einmaliger GefühlSauSbrüche einer germanischen Seele und Haßgesängc wider den Erbfeind. Preis pro Dutzend Mark 10.80, zuzüglich 4.5 Prozent Geistcstrisenzuschlag. 11 Sack KonzentrationSlyril, Marke „Blut und Boden", sortiert nach AntisemythoS und Wchrwillen, zu Ramschpreisen nach lieber- einkunft. 780 Meter Festprologc für Gleichschal- tungSsciern, Bücherverbrennungen und Fi'ih- rergcburtStagc. Auf Wunsch auch nach Maß. Preis Mark 4.26 pro laufenden Meter. 15 Stück Germane(das sind aufgeuor- dcie Romane), mit heldischem llebcrschwang in vier Stärkegradcn, spannend, belehrend, national erhebend. Darunter acht Ilebersetziuigen von Systemliteratur ins Ncudeutsche. Prä- Mark ISO.— pro Stück. 75 Stück Äreuclmärchen, für die reifere Hitler-Jugend bearbeitet, aus dem Ableben gc griffen, zum Preise von drei Monaten Einzelhaft pro Stück. Indem ich hoffe, daß Sic mich baldigst mit poetischen Aufträgen beehren werden, zeichne ich, mit Vorbedacht Ihren Diensten gewidmet, heil-hitlervoll Pg. Asus. (Für die Abschrift: Karo.) Pachelbel, Vivaldi, Mozart, Bach, Couperin, Duskk und Scarlatti. Wochrnspirlplan des Neuen Deutschen Theaters. Douncrötag halb 8: HosfmannSErzählun- g e n, C 1.— Freitag halb 8: Ball im Savoy, D 2.— Samstag halb 8: Madame Butterfly, B 1. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag 8: Der ei n g eb i lde te K ra n ke. Kultur- verbandsfreiinde und freier Verkauf.— Freitag 8: Tovarisch.— SamStag 8: F e m i n a, Gastspiel Leopold K r a m e r. „Berufe" des Hungers Arbeitslose, die einen Ausweg suchen.. Kunst und Wissen Arbeiter-Vorstellung„Wildschütz" abgesagt Mit Rücksicht auf die Wiener Ereignisie hat der Bildungsverein deutscher Arbeiter seine Vorstellung abgesagt. Die gelüsten Karten könne» für dir nächste Arbeitervorsteüung im März benützt oder an dir Ausgabestelle retourniert werden. Spor!»Spiel»Körperpflege In Polen geht es vorwärts Die junge polnische Arbeitersportbewegung hat trotz alter Schwierigkeiten ihren Miiglieder- stand in den letzten Monaten auf 20.000 erbö- b e» können. Die Festigung der Lrganisationösorni ist beendet. Ter technischen Schulung der Funktionäre wird jetzt große Aufmerksamkeit geschenkt. Im Jänner sand in der neu errichteten Verbandsschule i» Warfckian ein 14-TagckurS für Vereinstechniker statt. An diesem Kurse,-der in der Hauptsache daS Gebiet der Gymnastik behandelte, nahmen Vertreter aller Sparten teil. An den ideologischen V.o r t r ä- gen beteiligten sich auch die Vertreter der Partei und G e w e r k s ch a f t e n. Die Teilnehmer Ivurden am Schlüsse des Lehrganges auf ihre Fähigkeit"als Instrukteure für Gymnastik geprüft und erhielten vom Verband ein Zeugnis als geprüfte Vereinöleiter. Anschließend fand in Rozlucz ein 14-Ta- gckurS für Skiläufen statt. Mit großer Begeisterung waren über 100 Frauen und Manner dem Ruf der Verbandsleitung gefolgt. Auch der Danziger Kreis, der seit der Auflösung des deutschen Arbeitersportes dem polnischen Verband angehört, war mit 15 Teilnehmern erschienen. Dieser Lehrgang war auch mit einer körperlichen Prüfung der Teil- nelnner verbunden. Die Wetikampsstrecke betrug für Frauen 8 und für Männer 12 Kilometer. Ein Skiausflug nach der Tschechoslowakei wurde durchgeführt. Die Abende wurden für die geistige Schulung auSgenutzt. Für den Humor sorgten ein deutscher und ein polnischer Abend. Beide Kurse, an denen 140 Frauen und Männer teilnahincn, staiideu unter der Führung des technischen Leiters der SASJ, des Genossen Bühren. Sie sind ein weiterer Fortschritt in der Entwicklung des polnischen Verbandes. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Hmiö oder bei Bezug durch die Post monatlich!<ü IS.—, vierteljährig Kä 48.—, halbjährig K4 00.—, ganzjährig Kä 103.—,— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zetmngäfrankatur wurde von der Post- und Tclegraphcn- direktion mit Erlaß Nr. 13.800/VH/1S30 bewilligt.—Druckerei:.ArbiS", Druck-, Verlags- und Zeitungs-A.-G., Prag. Bühurnnngehörige, Achtung! Alle Bühnenangehörigen werden dringend mifgefordert, sich beim Biihncnbiind, Brünn, Janakekplatz 2a/IV, sofort an- zumclden, da sonst auf sie bei EngagcmentSvcrmitt- lungen keine Rücksicht genommen werden kann. Das Konzert der lkrmbalo-Virtuosiu Wanda Landoivska findet schon heute'um 8 Uhr abends im Smetanasaal statt. Am Programm alte Meister: Beim zweiten Mal wurde eine junge Frau, Flur ihre?- Wohnhauses 7. von einem jungen Frau Schleifer trug in jenem Augenblick 5000 Kronen bares Geld bei sich. Ferner: Zwei S p a r k a s s c n b ü ch r r über 818.000 KC und ein Wcrtpapicr der tschechoslowakischen Arbeitsanlcibc über 100.000 Krönen. Der Unbekannte näherte sich der jungen Frau von der Seite und stürzte sich dann auf sie. Es gelang ihm, ihr das Wcrtpapier zu entreißen. Der Kriminalbeamte Salaä beobachtete nun gestern vocniiitag zufällig, als er auf der Prager ♦ Kommission geben und zieht, dann bis spät in die Nacht durch Kaffees, Automaten und Bierlokale, j Seine Situation ist noch besonders schwierig, da! er die tschechische Sprache nicht fließend beherrscht. Der Mann ist bis acht Stunden unterwegs und hat manchmal eine noch geringere Tageseinnahme als sein Kollege, der immerhin noch das Glück hat, I ständiger Händler einer bestimmten Zeitung zu j sei». Ein Dritter schließlich handelt mit hängengebliebenen Zeitschriftenauslagen. Tas ist eine ganz trostlose Sache. Die Ramschware tvird dem! Publikum zu einem Spottpreis angeboten und trotzdem beißt höchst selten jemand an. An einem Exemplar verdient der Händler oft nicht mehr als zehn bis zwanzig Heller. Dabei ist diese Tätigkeit ein wahrer Lungen-Raubbau, da der Händler nach kurzer Zeit stockheiser ist. Sehr„beliebt" ist auch der Beruf der nächtlichen• W ü r st ch e n-■ und Zigarettenhändler. Eö ist ein nervenfressender Beruf, vom frühen Abend bis morgens um fünf, einhalb- sechs ilhr auf den Beinen zu sein. In den Winternächten eine Strapaze, für die man zum mindesten mit einem chronischen Rheumatismus bezahlt. Einer der Händler klagte unserem Berichterstatter sein Leid. Er war bis vor anderthalb Jahren Fa- brilSarbeitcr, verlor infolge der Krise seinen Posten und schlägt sich seit diesem Schicksalsschlag als Händler durch. Heute verdient er weniger, als die Hälfte seines früheren Lohnes, der ja auch alles andere als auskömmlich war. Dabei trägt er noch das Risiko, nicht verkaufte, schlechtwerdendc Ware auö seiner Tasche bezahlen zu müssen.„ES ist nur ein halbes Leben", sagte der Mann müde,„am Morgen um Ü Uhr kommt man nach Haus in eine mcnschcnübcrfülltc Kammer. An Schlaf ist nickt zu denken, und abends, tvenn man zur Arbeit geht, ist man so huudemüde, daß man fast im Stehen wieder einschläft".' Dann gibt cs die Leute, die Lichtleitungen, Klingellcitungen legen/die für ein paar Kronen und bei einem„guten Bekannten" tagelang in Staub und Schmutz hcrumkriechen und von ihren „Arbeitgebern" schändlich üverbortcilt werden. Hier ist der Punkt, wo die verzweifelten Versuche des Einzelnen, aus der Not des Tages herausznkommen, bereits einen asozialen Anstrich bekommen. Denn die menschlich ja so vcr« ständischen Bemühungen, der Aniatcur-Sozialisten um jeden Preis und um jeden Schundlohn Arbeit zu bekommen, drücken und gesährdcn die Löhne der in Arbeit Stehenden. Für daö Chaos dieser Welt, in der der Hunger gleichsam im Dunkel der Illegalität einen Ausweg zu ehrlicher Sättigung sucht, ist diese vielgestaltige Armee der.improvisierten Hunger- Arbeit ein lebendiges, anklagendes Zeugnis! Ais. wwwwMMMHMemMeewwi» Innerhalb des Volkstümlichen Kurses über kulturelle Fragen spricht heuteDannrrötag, halb 8 Uhr abends im Parteiheim(Prag II, Rörodni 1k. 4, 2. Stock.) Genoss« L. Goldschmidt über | Unsere Stellung zum Theater Diese VartragS- und DiSkussiouoabende sind auch N i ch tmitgliedern zugänglich. Regiebeitrag für den Einzrlabend 3 KE. Familientragödie wegen 10.000 KC Prag, 14. Feber. Ter Fall des Buchdruckers Franz C., der heute vor dein Senat Be. rnäsek der gefährlichen Droh» u g augeklagt war, «nthlsllte bei der Verhandlung eine wirklich tragische Vorgeschichte. WaS die Anklage betrifft, so hat dieser zufolge Franz C. seinem Bekannten Josef Stich in Mehreren Briefen teils mit ausdrücklichen Worten den Tod aggedroht, teils in symbolischer Weise Anschläge. argen ihn in Aussicht gestellt z. B. durch Ilebcrsendung einer Revolve. rpatrone"mit dem lakonischen Begleittext:„So eine ist für dich bestimmt." Zeugen erklären u. a., der Angeklagte habe auch davon gesprochen, daö Häuschen de4 S t ich in die Lust zu sprengen, habe zu diesem Zweck Pläne dieses Hauses gezeichnet u. dgl.- ’ Der Angeklagte gab zu, diese und ähnliche Briefe geschrieben zu Haven, erklärte aber, deren Zweck sei gewesen, den Stich zur Rückzahlung von 10.000 KC zu veranlassen, die ihm Franz(5. vor Jahren als Darlehen gegeben hatte, damit sich Stich mit diesem Kapital eine kleine Druckerei einrichte." Leider ging dieses Unternehmen nach kurzer Zeit zugrunde und Franz C. sah von seinem Geld (jcrlditssaal Vertagte Geheimverhandlung vor dem Schwurgericht Prag, 14. Feber. Heute tagte daö Schwurgc- richi- unter Ausschluß der Tessentlichkeit über eine Anklage wegen versuchter Notzucht. Auf der Anklagebank saß der 22jährige Ladislav Prochäzka. dem zur Last gelegt wird, daß er milder Heimkehr von einer Tanznnterhaltung seine Partnerin, cm 22jädriges Mädchen zu vergewaltigen vertu,1» habe. Tie llevcrsalleiie wurde noch zu rechter Zeil von ihrem Vater befreit, der ihr ein Stück enigegeugegaiigen war. Der Gerichtshof(Vörs. OGR. S u d o in a r vertagte schließlich die Verhandlung, über deren Einzelheiten natürlich nicht zu berichten ist, zwecks Prüfung des Geisteszustandes ProchäzkaS. deh,, WaAtfim Woc&e" mit 20% MoMom! Diditer bieten sirti an Für alle jene deutschen Dichterlinge, deren einziger Befähigungsnachweis eine arische Großmutter ist, herrscht im Dritten Reich endlich die ersehnte Konjunltur.(Prosperity for EwcrS.) Nun gilt's, den Anschluß nicht zu verpassen. Rührige GeschäftLpoeten versenden zu diesem edlen Zweck. Offerte, Ivie etwa das Nachstehende an die maßgebenden Stellen: keinen Heller mehr, obwohl er mit Erfolg die Rückzahlung einklaate. Aber bei den» Schuldner blieben alle Erekntionen vergeblich, ebenso erwies sich eine SichcrstellungShypothek auf ein Zizkower Haus, das der Familie Stich gehörte, als wertlos, weil das Haus schließlich billig versteigert tvcrdcn mußte und für unseren bcdcucrnSwcrten Gläubiger nichts mehr abfiel. Weit schwerwiegender als der Geldverlust waren aber die Folgen, die dieser nach sich zog. Es kam infolge dieses Verlustes zu Familienzer- w ü r f n i s s e n, die sich derart steigerten, daß die Mutier deS Franz E. den Tod in der Moldau s u ch t e u n d fand. Kurze Zeit später verübte auS dein gleichen Grunde auch die Braut des Angeklagten Selbstmor d. Begreiflicherweise Ivurde Franz(!. durch diese Katastrophe aufs nessle erschüttert und erlitt einen Nerveiiznsammcnbruch, von dem er sich nach Meinung einiger Zeugen bis heute nicht ganz erholt bat. Welche Gefühle er für Stich hegte, den er als Anlast alles Unglücks ansah, kann'man fick ! leicht borsielteu. Er hat wohl die anstößigen Briese auS diesem Hangefühl heraus geschrieben,, ohne lange zu überlegen, daß er damit den Tatbestand des Verbrechens der gefäln'li^en Drohung erfülle. Vielleicht hoffte er auch tatsächlich, den säumigen Schuldner, der trotz zahlreicher Versprechungen bisher nur 500 XL abgezahlt hat, zur Einhaltung seiner Verpflichtungen zu zwingen. DaS Gericht beschloß jedenfalls, sich über die Zurechnungsfähigkeit des Angeklagten.Klarheit zu verschaffen und vertagte die Verhandlung, um dessen Geistesznsland prüfen zu lassen. rb. Diese Zeit. tiefster Not, die über Nacht Iverl- I tätige Menschen brotlos macht,, und. in der die Sicherheit der AlliägSexistenz zu einem riesigen, ' drohenden Fragezeichen geworden ist, die von heute \ ans morgen immer über uns hersällt, ist alles in ! Fluß. Es gibt ganze Kategorien von Menschen, die sich ans dem Nichts heraus eine küinmcrliche Notexistenz schaffen müssen und dies mit jener pbairtaficbegabten Beharrlichkeit tun, zu der die würgende Not die Hungernden zlvingt. Unzählige jArbeitslose gibt eö, die von Berufen leben j in ü s s e n, die eigentlich gar keine Berufe sind, j Ein jeder dieser Unglücklichen, die mit wirklich heroischer Energie sich auö dem Elend ihrer er- zlvuiigencn Tatenlosigkeit hcrauSzutvinden versuchen, ist gleichsam„selbständig", selbständig allerdings auf eine beispiellos kümmerliche Art. Da gibt es junge Menschen, die, seit langem arbeitslos, jedeGelcgcnhcitSarbeit annchmcn und sich im Laufe der Zeit eine gewisic Stammkundschaft gesichert haben. Diese Stammkundschaft gibt den jungen Leuten von Fall zu Fall Arbeit. Teppiche ausllopfen, Kohlensäcke tragen, Böden anSscheuern. Bestellungen auSrichtcn, Möbelstücke transportieren und manches andere. Tic Arbeitslosen haben sich zu einer Art K o l l e k- t i v zusammengefchlossen. Einer ist damit beauftragt, jeden Tag bei den Stammkunden vorzusprechen und die eventuellen Aufträge einzuholen. Daö auf diese Weise erhaltene Arbeiisquantuin wird sodann nach Reckt und Billigkeit unter die Mitglieder des Kollektivs verteilt. Tie Einnahm- meu sind äußerst geringsiigig, die Bezahlung des ! Kollektivs ist jämmerlich schleckt, aber die Menschen sind ja unendlich glücklich, überhaupt von Zeit zu Zeit eine gewisse Beschäftigung zu haben. Z e i t u n g S h a n d c l ist sehr beliebt. Unzählige Arbeitslose, die nicht tvissen, wie sie den Hunger ihrer Familien stillen sollen, bandeln mit Zeitungen, dabei stets bedrängt vom Konkurrenzneid der regulären Zcitungshändler, die sich durch „die Wilden" in ihren Erwcrbsmöglichkeiten behindert fühlen. Nehmen wir einige Stichproben, die beweisen, wie unsäglich wenig diese Notberufe abwerfcn. Einer dieser provisorischen Zeitungshändler, der, im Zentrum der Stadt, an einer der belebtesten Stellen, gegen Provision mit einer Tageszeitung handelt, legte uns seine Tagcsein- nahme vor. Der Mann verdient bei einer täglichen Tätigkeit von annähernd vier Stunden ganze 7 Kronen! Nie werden es mehr, oft aber weniger. Das ist also ein Stundenlohn von etwa 1.70 K£. Für ; Hitler und Goebbels geboren, focht dieser Arge in Amerika einen Boxkampf aus, den er j äm- m erlich verlor. Aukgezogcn war der blonde I Recke, um die. Weltmeisterschaft wieder für Deutschland zurückzuerobern. Aber«s kam anders, denn der selbst in Amerika nicht hoch eingesthätzte Boxer Hamas schlug Schmeling in einen IL-Runden-Kampf jhoch überlegen nach l'unkten. In der 10. Runde ret- I tcte. Nazi.Schmeling der Gong vor den» sicheren Nielderschlag! Und damit schließt eine„Karriere", vor der vor Fahren eine seiisationSwütige. Welt sozusagen Kopf stand. Tie sportliche Betätigung jüdischer Spartvereine in Deutschland wurde von» Polizeipräsidenten von Gladbach- R h e. y d t unter Berufung auf die Bestimmungen zur Ausrcchterbaltung der Ruhe, Ordnung und Sich«rheit(!) bis auf weiteres verboten. Mit dem Paddelboot nach Prag. Bei der NI. tsche. ckoslowakischenArbeiterolym- piade in Prag wollen auch W i e. n e. r R r b eite rpaddle.r dabei sein. Die Paddelgrupp« des ArbeiterschlvinunvereinS bat bereits beschlosten, im Juli in Prag mit ihren Booten einzufahren. Wien müssen sie selbstverständlich auf dem Landweg verlassen. Sie. werden mit der Eisenbahn bis Äud- weis fahren, von dort an wollen sie fick von der Moldau bis ist die Feststadt tragen lassen. Damit möglichst viele. Paddler nach Prag kommen können, hat die Paddclabteilung des ASB. eine Arbeit ä« gemeinschaft zum B a u von Faltbooten gegründet. ES werden Svorteiner und Spori- ! zweier gebaut werden, die so konstruiert sein sollen, daß sie. sich auch als Wanderboote verwenden lassen. Für die. Arbeitsgemeinschaft haben sich sehr viele Jn- I leressenlen gemeldet.