Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Holler Porto) ERSCHEIN'/ MIT AUSNAHME DES MONTAG TXGLCH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«. telefon s»77. Administration Telefon stote. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR) WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 14. Jahrgang Mittwoch, 21. Feber 1934 Nr. 43 alle Bemühungen «eiter in Haft A|| I ü h l u n g der s rf)• i t n l i c tt i f rf) c n die sich au» der Rivalität der österreichischen Frage der englischen Sie werden morgen fortgeseht bietende Gelegenheit an- werde sich au- dein Zauberkreis, deutsche Außenpolitik seit tirrt und al- absolut ungen'ügend bezeichnet wurde, während das italienische Memorandum mit grober Sympthie ausgenommen wurde. Tie Abkehr Trntschlands von italieuischen Memorandum bat allerdings nicht in letzter Linie ihre Ursache in der gesanlten dent Beziehungen, der beiden Staate» in ergebe» hat. Welche konkreten Zugcständnisie Deutsch- land in der Abrüstungsfrage zn machen bereit ist, ist vorläufig nicht genau belaunt. Als sicher gilt aber, das; z. B. die Forderungen in der Luftrüstung, wie sie General Göring neu definierte, nicht das letzte Wort Deutschland-, sondern nur eine Mariiyalfordernng sind, in der' ein Rachlassen möglich ist. Rationalsozialistru der Regierung in Oesterreich bemächtigen würden. Diese Gefahr m n fi nm jede» Preis beseitigt werden, wenn der Friede in Europa gewahrt bleiben soll. Auch„Paris Soir" bezeichnet das Ultimatum der Hatrnlrenzler und die gestrige Rundfunk ansprnchr Habichts al- eine unerträgliche Provokation und spricht sich für eine beschleunigte Einbrrnfnng des Bölkerbundorate» aus, der sich mit den Forderungen in Oesterreich befasien würde. Berlin, 20. Feber. Heute vormittag fand im Auswärtigen Amt die erste Besprechung zwi» schcil dem Reich-außenminister von Neurath und dem Lordsiegrlbcwahrer Eden unter Beteiligung des britischen Botschafters und des Neichöwehr» ministerS von Blomberg statt. Der Reichskanzler empfing Eden und de» britischen Botschafter heute nachmittag im Beisein de- Rricki-außenministcrv und des Reichswehr- Ministers zu längerer Aussprache. Die„i n s e h r freundlichem Ton" geführten Besprechungen hatten die Regelung der Abrüstungsfrage zum Gegenstand und knüpften an die in den diplomatischen Verhandlungen der letzten Monate entwickelten deutschen Vorschläge sowie an das kürzlich veröffentlichte Memorandum Regierung an. werden. Dim'trow Goering gegen Hitler General Gocrin g. der Reichstagsbrand-> Nach Dimitrow gefragt, erklärte Bomben-Nazis in Triest verhaftet Triest, 20. Feber.(Stefani.) Die Aufmerksamkeit der Finanzer des Freihafens Triest wurde durch das verdächtige Benehmen einiger Individuen erweckt, zu deren Verhaftung sich die Finanzwache entschloß; es sind dies der deutsche Staatsangehörige Berger und die östcrrcich i- s ch c n Staatsangehörigen Alfons Kcttiner und Walter Maziner, denen die Wache zwei Gepäckstücke beschlagnahmte.. Im Gepäck wurden 40 Rauch- und Tränengasbomben gefunden. Bei einer genauen Untersuchung fanden sich 310 Bomben der gleichen Type, automatische Pistolen und Drucksachen, die der Propaganda ge gen Oesterreich dienen. Es verlautet, daß nach Feststellung dieser Tatsachen die Triester nationalsozialistische Gruppe aufgelöst wurde. Die drei Verhafteten wurden dem Gericht überfielst. Luftschisfahrt und über die Forderungen Deutschlands hinsichtlich der Lustrüstungcn. Deutschland müsse zwischen 40 und 00 Prozent der Flugzeug- stärle dec angrenzenden Länder Haven. Das Fehlen von Flugzcugabwehrgeschühcn und Militärflugzeugen mache die deutsche Reichswehr so gut wie zwecklos.„Aus diesem Grunde," sagte Goering,„verlange i ch eine defensive Luftstreitmacht und Flugzeugabwehrgeschützc." Goering lobte dann seine Tüchtigkeit und die Tüchtigkeit der deutschen Techniker. Die Aufmerksamkeit der deutschen Jugend werde auf die Luftfahrt gelenkt. Eine den deutsche» Bedürfnissen angemessene Luftflotte künne erst in zwei Jahren geschaffen werden. Die Verwendung von Zivilflug- geugcn fiir Angriffe sei ganz absurd; Deutschland besitze deren übrigens nur 300. Ein europäischer Krieg sei möglich; der Wcltfricdc würde, meinte der Morphinist, nllerdingS gesichert sein, wenn alle europäischen Staatsmänner wirkliche Führer wären wie die in Deutschland.(l l Die europäische Solidarität müsse außerhalb des Völkerbunds gesucht werden. Die kommunistische Gefahr bestehe noch immer. Die Konzentrationslager seien uqtwcndig. Man dürfe in seiner Gegenwart Gandhi nicht als Freiheitshelden feiern; Gandhi sei ein cngland- feindlicher b o l s ch e w i st i s ch e r Agent in Indien. ,l0'.. Wird sich England hineinlegen lassen? I Jn den offiziellen reichsdeutschen . Kreisen werden in di« Unterredungen mit Lord Eden über die Abrüstungsfrage große Hoffnungen gesetzt. Die deutsche Regierung ist, wie verlautet, ent- schoffrn, die sich zttnütze», und aufwenden, um in dent sich die dem Beginn de- nationalsozialistischen Regitnes bewegt, zu befreien. Durch große Zugeständnisse in der Abrüstung-- frage wollen die deutschen amtliche«Stelle«die Gunst Englandsgewinnen und so die Grundlage für eine gemeinsame Front gegen Frankreich schaffen. Dir Diskrepanzen zwischen dem französischen«nd dem englische» Standpunkt in der Abrüstungsfrage sind nach deutscher Meinung ein geeigneter Aus- | gangspunkt zu Annäherungsversuchen. Die heutige Beratung mit dem Lordgrhrim- siegrlbrwahrrr Eden bewegte sich nach dm Anformationen gut unterrichteter Kreise ansschlirß- l i ch iin iklahnten des letzten englischen M e m o r a n d u m 0 in der A b rüst u u g S f r a g e. Scho» dieser Umstand ist als sehr symptomatisch anzusehrn, da daß englische Memorandum betanntkich bis in die letzten Tage in Deutschland sehr n n g ii u st i g kommen- Zu diesein Interview ist zu bcmerlen, daß es wieder einiges Porzellan des. Herrn Neurath in Scherben schlägt. Dabei ist die Verlogenheit des Mcrphinistcn offcnlundig: denn Deutschland rüstet ja. ES ist im Begriffe, alle Wünsche des ReichS- tagSbrandstiftcrs und noch einige mehr zu erfüllen. Bei Opel und Hanomag macht inan Ucber- jlunden... Dimitrow bat vielleicht den Reichstag nicht in Brand gesteckt. Aber er hat sein Bestes getan, nm das deutsche Volk zn entflamme». Er war der tätigste bolschewistische Agent in Deutschland. Ich habo ihm im Gerichtshof gesagt, daß er den Gnl- gen verdiene, sei rS auch nur wegen seiner verbrecherischen und aufrührerischen Täliglrit in Deutschland vor dem Reichstagsbrand. Tas ist noch imtner meine private Ansicht. Wenn seine Partei gewonnen hätte, daun würde sic nns ohne Gnade aufgcknüpft haben. Ich sehe keinen Grund, warum wir nachsichtiger sein sollen. Jetzt ist rri kicher hinter Schloß und Riegel. E r w i r d d o r 11 auf jeden Fall vorläufig bleiben.! Dort ist er am besten atifgrhobcn. Ein solcher Man» ist zu gefährlich, als daß man ihn auf die Gesellschaft loslassrn könnte. Sein Leben I und seine Gesundheit sind nicht in Gefahr und er befindet sich so wohl, wie es im Gefängnis mög lich ist. Lord Eden bei Hitler/ Betont herzliche Aufnahme Sie versprechen das Blaue vom Himmel! I I VLIILllll l> L I I II||i l’ll|>IIIU!UIUI3VVLI||IV»'..'LUU fitster, erzählte einem Mitarbeiter der„Daily! Gvering: Mail" bemerkenswerte Dinge über die deutsche ist nicht die Kirche? „Dollfuß ist zwar ein frommer Mann und seine Regierung ist eine christliche, aber cs geht doch nicht an, fiir allc> bei dem Neuaufbau Oesterreichs Kirche verankworllich zu machen zahl ihre len von Habichts Ultimatum eine Provokation Schreibt die französische Reglerunsspresse Paris, 20. Feber. Ter heutige Minister rat befaßte sich mit den Ereignissen in Lrsterrrich. Auch die parlamentarischen»reise und die französische Presse widmen der Lage in Oesterreich große Aufmerksamkeit. Ter offiziöse„T e m p s" erachtet die neue Einmischung Teutschlnndo in dir innere Lage Oesterreich- nach der gemeinsamen Deklaration Frankreichs, Englands und Italiens als eine ausgesprochene Provokation. Da beweist uns, schreibt das Blatt, wir etwa dir Lage in Mitteleuropa ansfalle» würde, wenn sich dir> was in dicscn Tagen geschieht, die ' Die Mehr- der politischen Christen und insbesondere Führer haben keine menschlichen und iozia Bedenkcn, das reihenweise Nicdcrschießeu Männern, Frauen, Greise» und Kindern U/Ariihor VArhanHplt Ulirrl 11,11 Zwecke der Ausrottung jeder Freiheit aus' «Iss« vollem Herzen gutzuheißcn, aber ein kleiner Das DRV. meldet ans London: Wie in Rest, bei dem der Haß gegen die sozialistische unterrichteten englischen Kreisen verlauiei, schci« I Arbeiterschaft noch nicht jedes Gefühl ertötet neu die Besprechungen, die der Lotchsicgelbcwahrcrsucht wie oben ansgedriickt, sein t'iewissen Eden nut den maßgebenden Stellen n Bcrl n/ i dem entsetzen-vollen Geschehen in Oesterreich führt, einen nicht ungünstigen Verlauf L-, 1'’ 1 zu nehmen. In der llmgcvung Edens wurde nach verlohnen. Abschluß des erskeit BcsprccknntgstageS ein g c- m ä ß igle r OpIimis m u s zur Schau ge- i tragen und man ließ durchblickcn, das; für die' Unterredungen, die am Mittwoch fortgesetzt wer den, durchaus positive Möglichkeiten be stünden. Man gebe wohl nicht feist in der Annahme, daß im Mittelpunkt der bisherigen Besprechungen die Frage der Luftftrritkräftr, ferner dir englische Anregung ans Rückkehr Deutschlands nach Gens und schließlich die SA-Frage gestanden hätten. Auch die Vertreter der Kirche suchen ihre Rolle an der Nicdcrmcliclung des für die Er- Haltung der von deut christlichen Bundeskanzler beschworene» Verfassung kämpfenden arbei- !tenden Volles zn tarnen. Einige Wochen bevor der Starhcmberg sein Wort von den„Köpfen, die rollen werden" wahr mackhni konnte, haben die Bischöfe Oesterreichs angcordnet, daß alle Priesterlichen Personen, die in Politischen Par tcicn wirken, sich vorläufig aus dem politischen Leben znrückzuziehen haben. Als schon die Kämpfe im Gange waren, erhob der.Kardinal. Erzbischof von Wien, Dr. I n n i h e r seine ! Stimme, aber nur zu der höchst platonischen Mahnung, man möge des Kämpsens genug sein lassen und sich lieber die Bruderhand rei chcn. Zur Kaschierung der Rolle der Repräsentanten der katholischen Kirche kommt seht Doktor I Junipers Geste der„christlichen Charitas" nach vollendeten! Mord durch Einleitung einer Sammlung von Bettelpfennigen für die Hinterbliebenen der gefallenen„aufrührerischen Ele mente". Tie Kirche kann nicht auf die Gefolgschaft i breiter Voltsmassen verzichten, obwohl sie pral tisch stets nur zu den Bcsihendeu und Mächtigen und nie zu den Armen und Rechtlosen gestalt den ist. Gelegentlich haben das auch die chrisi lichen Arbeiter erkannt und es war der„Volks . ruf", die fjeituug der christlicheu Arüeiterber ! eine Tirols, der noch Ende Jänner schrieb:„All ! zulange ist von latholisckier Seile die lapitaii \ fusche Wirtschaft verhätschelt worden, allzulange hat man sich mit dem Kapitalis ut u s einsgewu ß t und nie bat man sich zu einem I eindeutigen Bekenntnis zu den Forderungen der > Arbeiterschaft anfgeraffi... I n d e r T h e o- r i c sozial, i n der P raxis kapita- l l i st i s ch, mit dem Adunde menschenfreundlich I und mit der Hand den Kapitalismus schübend j— das war jahrzehntelang die Praxis des poli- j tischen Katholizismus". Tic Machhaber und Nutznießer der katholischen Hierarchie wissen, daß ihre Machtstellung wie fauler Zunder'm i dein Augenblicke zersallen würde, in dem die l ihnen heute.noch vertrauensselig folgenden ' Massen so deutlich erkennen würden wie das 'Izitierte christliche Arbeiterblatt, wo ihre Z F ü h r u n g st e h t und wem sie zu dienen bc strebt ist. Darum versucht auch noch die letzte päpstliche Enzyklika„Ouadragesimo anno", auf deren Richtlinien sich alle Fascisten der Welt mit Recht berufen können, den Verdacht Volks und arbeiterfeindlicher Machenschaften von der Politik der Kirche abzustrcifen und führt darüber Klage, das;„auf die Kirche der falsche Schein und die Verdächtigung fallen konnten, sic begünstige die Besitzenden und sähe die Leiden und Röte der Enterbten dieser Erde teilnahmslos mit an". Auch nach diesen Beteuerungen der päpstlichen Enzyklika wird kaum jemand zur Neber- zeugung gekommen sein, das; die Herren der Kirche für die„Enterbten dieser Erde" mehr als Worte übrig haben. Und Worte sind nichts, CMte 2 Jte. 4S Mitinwck,‘!t. jacher 1934 Wird sich DollfiiBchen solange halten? Kim, 20. Scher. i(J. P. B.> Das Bun deskanzleramt hat die Verbreitung der Tages- Zeitung„S o», inldemotra t", Erkcheinnngs- ort Prag, für die Tauer e t it t» J n li r(■* «erboten. niemt sie nicht durch die Tat eine Bekräftigung erfahren. Entscheidend bleibt: wo siebt die i r ch e, w a s st r e b t s i e a n u n d w i e berät i g t sie sich in d e in g eg e n in ä r i i gen großen w e l t h i st o r i s ch e n Ringen zwischen de» k a p i t a l i it i s ch e» Mächten und d e m Proletariat? Tas; die österreichischen Bischöfe die vorläufige Zurückziehung der Priester auS der christlich sozialen Partei vcrsügt haben, iit gar lein Alibi dafür, das; sic sür das, was in Oesterreich geschehen ist, keine Verantwortung trifft nnd ebenso ist es eine schlechte Verhüllung der wahren Rolle der Repräsentanten der Kirche, wenn Herr Jnniher nun nach blutiger Freilegung des Wege? zum„christlich-autoritären" Staat für die Frauen und Kinder der vom katholischen Bundeskanzler getöteten Menschen eine Sammlung einleiten will. Tatsächlich Haven sich die österreichischen Bischöfe unzweideutig und unbedingt noch in ihrem letzten im I ä n n e r erlassenen Hirtcnbrici hinter die Dollfuß« Regierung gestellt, ihr ausdrücklich das Vertrauen auSgcsrochen und haben anerkennend darauf hingcwiescn. was die Regierung zum Schutze der öffentlichen Sittlichkeit, zur "Behebung der wirtschaftlichen Rot, zum Wohle der Jugend usw. getan haben. Tiefe Taten bestanden in der Tat darin, die Sozialversicherung zu verschlechtern, die Bctricbsrätcivahlcu zu hintertreiben. daö Parlament auszuschallen, Koklek- tivverträgc aufzuhcbcn, die Stadt Wien auSzu- rauben, Lohn- und Gehaltskürzungen durchzuführen und Streikverbote zu erlassen. In diesem letzten Sendschreiben der österreichischen Bischöfe wird auch jede öffentliche Gewalttätigkeit und cs wird auch der Ratio- nalsozialismus abgclehnt, ja sogar verurteilt. Auch das ist nichts anderes als eine billige Geste. Unter den Gewaltakten, welche die Bischöfe verdammen, verstehen sic natürlich nur jene, die möglicherweise gegen die hohe Obrigkcst begangen werden könnten, nicht aber jene, die von dieser, auch wenn diese. Obrigkeit ihre Macht ausschließlich der Gewalt zu verdanken bat, am Volke verübt werden. Dieselbe» Bischöfe haben zu allen Rcchtsbrüche» der Doll- inh-Rcgicrung geschwiegen, sic fanden kein Wort der Verurteilung für alle Gewaltakte, die von der.Heimwehr schon früher verbrochen wurden, -und auch der von den FcyL und Starhenrberg lange vorberestctc Massenmord an Arbeitern hat bei ihnen kein Wort der Mahnung und War- nung auSgclöst. Sie verurteilen den braunen FasciSmus, doch der Fascismus, dem ein österreichisches Gewand angelegt wurde und der sich in gar nichts von seinem rcichSdeutschcn und sei- 'nem italienischen Bruder unterscheidet, ist ihnen s weniger erwünscht. Ihr resllase-Z Schweigen ge- , genüber seinen Schandtaten und Bestialitäten ist i dentliäier Beweis genug für ihr Einverständnis j mit idm. Tie Herren der katholischen Kirche haben sich für den„christlichen IlutoritätLstaat" des Dollsus; ausgesprochen, cs ist klar, daß sie | sich auch über die Mittel zu seiner Durchsetzung klar sein mussten. Auf gesetzlichem, verfassungS- mastigem Wege wäre dies nie gefchchn, denn die ! Christlichsozialen mitsamt den Heimwehrbandeu I habeil^bci den letzten Wahlen kaum 26 Prozent i der Stimmen erhalte». Damit nun diese 26 I Prozent die alleinige Macht erhallen, blieb nur I der Weg der Vergewaltigung der Mehrheit des ! Volkes, die blutige Riedermctzelung der sich Wir Ilagen sie vor dem Forum der Menjch- lichkeil der Mitschuld an dem Schlächter- und Henkerwerk des österreichische» Heimwehrfascisten- tums an! Was haben Sie unternommen, um die Katastrophe des Bürgerkrieges vou Oesterreich ab- zuwenden? Warum hat sich der oberste Kirchen- für'! dieses unglücklichen Landes von dem antimarxistischen Politiker K n n s ch a l beschämen lassen, der in letzter Stunde— vergebens!— für die Wahrung der verfassungsmäßigen VolkSrechte und für eine christlich-demokratische Versöhnungspolitik eintrat? Sie, Herr Innitzer, hätten die Autorität besessen, den verbrecherischen Heimwehrführern in letzter Stunde die gegen die Freiheiten des österreichischen Arbeitervolkes erhobenen Waffen auö der Hand zu schlagen. Sie aber haben am Tage vor dem schreck- lichen Blutvergießen in einer dem Thronjubiläum "des Papstes gewidmeten Kundgebung die Entrechtung der Volksmassen durch eine sogenannte autoritäre, in Wahrheit kapitalistisch-fasei- stischeStaatSfiihrung als AuS-i druck des„g ö t t I i ch e n W i l l e n S" gefeiert und sogar den P a p st als Bahnbrecher dieser Entwicklung gepriesen! Sie, Herr Kardinal, haben damit dem ver- fajsungSbrecherischen eidbrüchigen Staatsstreichregime Dollstiß- Miklas den Segen der Kirche und dievolleMitverantwor- t u n g sür die blutigen Früchte der Heimwehr- politik übernommen. Wie können Sie. Herr, Kardinal Innitzer,"dazu schlöeigsn, daß Mörderbän- den, die auf Frauen und Kinder mit Gasgranaten schießen, daö Zeichen desKrenzeö in ihrer Fahne führen und- vor der ganzen zivilisierten Welt schänden? Wie km'.nicn Sie schweigen zu der tierischen Bestialität eines christlichen Regimes, welches fchwerverwundete Helden milderBahreauf den Galgen schleppen ließ? Wie konnten Sie es als Christ und S e e l e n h i r t ertragen, daß ein ch r i st l i ch e s Staats- ! 0 b e r ha u p t bluttriefende Kariätschenchristen I mit Auszeichnungen belohnte? Ihr schwacher Friedensappell, den Sie, Herr i i Kardinal, in den Kampfestage» erließen, hat keine| , gegen das llureäst erhebenden Arbcitermasscu. i Tast dies alles im Plane auch jener lag, die gegenwärtig christliche Barncherzigkeit zur Schau tragen, beweist schon allein die rechtzeitige Zurückziehung der priesterlichen Personen auS der Partei Dollfuß, damit gegen sic nicht der Vorwurf erhoben werden könne, es klebe an ihren Händen Arbeiterblut. >. Die Verteilung der Rollen ist zu klar, als daß abschließend viel Worte an ihre Erhellung verschwendet werden müßten. ES genügt, zu sagen, daß die Lehren, welche die Arbeiterschaft auS den österreichischen Ereignissen und dm für sie Verantwortlichen gewonnen hat, sie nie Wirkung niehr erzielt, weil die Repräsentanten der katholischen Kirche in diesem gerechten Kmnpse eines Volkes gegen eine eidbrüchige Regierung nicht Mittlerin, sondern Partei gewesen sind, die mit den stärkeren Bataillonen stritt. HerrKardinal! Sie haben durch Ihr Verhalien der Sache des Katholizismus einen schlechten D ie u ft erwiesen. Ter Glaube von Millionen arbeitender Menschen an die menschliche und göttliche Sendung des von Ihnen gepredigten Christentums ist i» diesen Tagen zerbrochen. Das in Bächen verströmte Blut der österreichischen Arbeiter, der Massenmord an Frauen uud Kindern, die Bestialität der Henker belasten Ihr Gewissen! HerrKardinal! Sie werden auch weiterhin die bluttriefenden Waffen deö österreichischen Fascismus seaneu, Sie werden den Dollfuß nnd MiklaS ihre päpstlichen Auszeichnungen nicht von der in Siegrrstolz geschwellten Brust reißen, Sie iverden den Feh und Starhemberg nicht ui den leichenbesäten Weg treten, tvenn sie den traurigen Ruhm der Liechtenstein-Dragoner überbieten. Mögen Sie als Mensch und Christ zu einem Henkerregime stehen, das O e st e rre i ch in ein M e n» schenschlachthans verwandelt hat— hören Sie aber, was Ihnen eine halbe Million aus tief verwundeter Seele blutender, in ihrem Glauben an die Sittengesetze des offiziellen Christentums zutiefst erschütterte sudetendeutscher Arbeiter und Arbeiterinnen und Klcinbauem. zuruft: Jeder Schritt äiif der blutgetränkten Bahn des Heimwehrfaseiümnö wird die Kirche von Millionen Arbeiterherzen jvegführen! Sie glauben mit Henker-Methoden dem Vatikan die Allein- herrschaft über Oesterreich znrückzuerobern? Hören Sie, Herr Kardinal, wenn Sie in Ihrer sündhaften Verblendung noch einer menschlichen lleber- legung fähig sind: Jeder Schuß, jeder Hieb und Stich, der mit geweihten Heimwehrwassen gegen unsere österreichische» Brüder>»id Schwestern geführt wird, wird die Macht des Kapitalismus in Mitteleuropa und lveithin in der Kultnrwelt mitten ins Herz treffen! Die Redaktion. Der Versammlungssturm gegen Dollfuß Es ist noch nachzutragen, daß auch im R eich e n b e r g e r, T r a u t e n a u e r und süd- w e st b ö h m i s ch e» Gebiet starkbesuchte Kundgebungen gegen den Dollfutz-Faseismus statt» fanden. I» Trautenan war uni v Uhr vormittags der große Saal im Augarten derart überfüllt, daß er gesperrt werden muhte. Es sprachen die Genossen P a l ni e und Heyduk. Die Angehörigen der wehrhaften Formationen niarschierten nach der Kundgebung auf den Marktplatz, wo sie ein Treuegelöbnis für die Partei ablegten.— Die Kundgebung in Arnau, in der Genosse Strobel sprach, wies einen Massenbesuch auf.— Die Braunauer Kundgebung fand im Schützenhaus statt, es nahmen 800 Menschen teil. Redner war' Genosse Dr. F r a n z e I.— In Mastig sprachen die Genossen Strobel und Palme zn den Versammelten. Im Kamuilstal(Kreis Reichenberg) fand eine massenhaft besuchte Versaminlung statt, in der nach einem Referat des Genossen K n p l e n t der Kommunist Korb die Opfer von Wien und die sozialdemokratische Partei beschimpfte. Ihm trat der frühere kommunistische Abgeordnete Elfin er in sehr scharfer Weise entgegen, worauf die vou der Versammlungöleitung vorgeschlagene Entschließung einstimmig angenommen lvurde. Zwei machtvolle Solidaritätskundgebungen wurden in Südwejibühmen durchgeführt. In MieS sprach Abg. Genosse Schäfer zu de» Massen: nach ihm erstattete Genosse Iaksch einen Bericht über die Wiener Ereignisse. In Staab sprach Genosse Jaks ch zu den Versammelten, nach ihm der tschech. Genosse Krasnp. Auch in Nordmähren lvaren zwei außerordentlich gutbesnchte Versammlungen. Die R i>- merstädter Versaminlung fand im Theaterhaub saal statt, in Freudenthal lvaren alle Rämne des Arbeiterheimes überfüllt. In beiden Versammlun gen sprach, oft von stürinifchen EntrüstungSkund- gedungen gegen die Tollfußchristen unterbrochen, der Genosse Fische r. Der Lohnkampf der Textilarbeiter Die lommunistische Presse bringt die Nachricht, daß am Sonntag in einer Konferenz kommunistischer Textilarbeiter beschlossen wurde, Donnerstag, den 22. Feber. 11 Uhr vormittags, in allen Textilbetrieben der vom vertragslosen Zustand betroffenen nordböhmischen VertragS-- gebieie in den Demonstrationsstreil zu treten. Die„Union der Tertilarbeiter" sowie die anderen Vertragsgewertstbaften fordern hingegen ihre Mitglieder auf. an diesem für Donnerstag geplanten Proteststreik sich nicht zu b e° teiligen. Donnerstag, den 22. Feber, findet in Verfolg der Aktion der Vertragsgewerkschaften beim Deutschen Hauptverband der Industrie eine Aussprache ans Grundlage des Vorschlages der Ver- tragsgewerkschasten vom 8. Jänner statt, eines Vorschlages, der dahingeht. die Tarifverträge für das Reichenberger, Tannwalder und Friedländer Gebiet auf ein Jahr zu verlängern. Vergossen wird! offener Brief an den Kardinal Innitzer| Wien Herr KardlnabEnblschofl 29 II. m. de Jom: VkteMiuiqtM Hacke (m in- vier Eptaufon Autorisierte Uebmetzunr nus dem Holländischen von E. R. Fuchs. Doch machte mich das Wort Bastard rasend vor Zorn nnd wenn nicht im letzten Augenblick mein Freund vor mich gesprungen wäre und mich zurückgedrängt hätte, ich hätte den Zierbengel von einem gräslichen Kadetten erwürgt. Kannst du mir erklären, wie so etwas geschieht?" Er schwieg und blickte fragend aus den Prin- ,;en Ter zuckte die Achseln. „Es Ivar vielleicht nur die Absicht, dich tödlich zu beleidigen, die dich so hart traf," überlegte er.„Und was geschah weiter?" Peter strich sich über die Stirn und seine Augen funkelten in wildem Feuer. „Dann ging alles sehr schnell," fuhr er fort. „Ich fragte über die Schultern meines Freundes hin, lvas der Graf eigentlich meine, llnd er sagte mit schamlosen! Lächeln, während er sein Mono- ie£ in seiner gewohnt unausstehlichen Art in daö Auge klemmte: „Ich bin der Ansicht, Zanzi, daß jemand auS einer Proleten- nnd Hurenfamilie kein Mitglied des Offizierskorps sein kann." Er sagte eS ganz ruhig, wie das gewöhnlichste Ding auf Erden. Hätte er es wütend heranöge- schrien, wäre es nicht so arg gekommen. Eö stürzte wie ein Strom eisigkalien Wassers in mich. Ich hatte gerade das Gefühl, als ob nrir jemand alle meine Kleider herunterrisse und ich nackt, den Körper voll ekelhafter Geschwüre und verunstaltet, der ganzen Welt zur Schau gestellt würde. Ich war schon tief genug in der Gewohnheitssphäre von Offizieren verankert, nm noch zu stottern: „Dafür mußt du mir Genugtung leisten!" Doch darauf sagte er aufreizend kalt: „Bedauere, Zanzi, oder wie du sonst heißen magst, aber ich werde meine Hände an einem Bastard nicht beschmutzen." Und, wunderlich genug, bei diesen Worten wurde ich Ivieder ganz Herr meiner selbst. Wie, vermag ich heute noch nickst zu erklären, denn in meinem Innern war alles zerbrochen und es wütete und kochte in mir ein bestialischer Zorn, Ivie ich ihn bishin noch nie verspürt hatte. Ich wußte, daß alles vorbei war, daß ich nach dem Vorgefallenen meine Studien nicht mehr beenden konnte. Als Offizier war ich so gut wie unmöglich, wie immer auch diese Sache beigelegt werden sollte. Und dann kam mir zum erstenmal zum Bewußtsein, wie überlegen meine Körperkräfte lvaren. Und genau so gelassen wie mein Angreifer, sagte ich:„Dann lverde ich so frei sein, mir selbst Genugtuung zu verschaffen." Ich schob meinen Freund zur Seite und schlug in das grinsende Gesicht meines Quälgeistes. Er stieß einen Schrei aus und prallte etwa einen Meter entfernt wie ein Ball zu Boden. Und dann kain mein ganzer innerer Zorn zum Ausbruch und zerschmetterte alle Hindernisse. Es war mir plötzlich, als ob ich über meinen Kopf hinaus in Schmach und Beleidigungen watete. Der Hund von einem Grafen hatte mir alles plötzlich zu Bewußtsein gebracht, worüber je indirekt, direkt oder hinter meinem Rücken über mich gespottet und getuschelt worden war.- Für. meine krankhafte Wut war er der Alleinschuidige. Ich stürzte mich auf ihn. Der Zim- merkonnnandant sprang dazwischen. Ich schlug ihn \ windelweich nnd zog den schreienden Grafen in die Höhe. Sein Gesicht war voll Blut, aber daö erhöhte noch meine Raserei, mein unbezwingbares Verlangen, mit ihm abzurechnen. Ich schleifte ihn auö dem Zimmer, stellte ihn auf die Beine und beförderte ihn mit einem Fußtritt ins Freie. Unter tosendem Lärm rotteten sich die anderen zusammen, riefen nach der Wache. Vor der Tür draußen kam der diensthabende Leutnant gelaufen, hielt inich fest, befahl mir, aufzuhören und mich in den Arrest zu begeben. Hinter ihm sah ich den flennenden Grafen bei dem Versuch, über den Vorplatz die Flucht zu ergreifen. Ta schlug ich auch den Pikett-Leutnant zu Boden und verfolgte den fliehenden Grafen. Vor dem Zaun konnte ich ihn ergreifen. Dann ztvang ich ihn zum Kampf. Ich habe ihm Fußtritte gegeben und ihn angespien, ihn gehöhnt und beleidigt, seinen Namen, seinen Vater und seine Mutter mit den schlimmsten Schimpfwörtern überhäuft uud als ich endlich seine Faust in meinem Gesicht spürte, habe ich ihn geprügelt, getreten und auf den harten Boden geschleudert, bis ich halb tot war vor Ermattung, j Hierauf warf ich, was von den: Lumpen übriggeblieben, in die Gracht. Es war hoch an der Zeit, denn die Wache war schon ins Gewehr gekommen nnd sechs, sieben Mann warfen sich über mich und überwältigten mich. Sie fischten den bewußtlosen Grafen aus dem Wasser und glaubten, daß er tot wäre. Ich aber wurde in den Kerker geworfen, in Spangen krumm geschlossen. Es lag mir nichts daran. Ich war ruhig mid zufrieden. Seit langem hatte ich mich nicht mehr so froh gefühlt und ich schlief diese Nacht wie ein Roß. Der Graf sollte kein schillernder Kavallerie-Leutnant mehr werden. Ich hatte ihm augenscheinlich mit dem ersten Fausthieb mit seinem Monokel ein Auge auSgeschlagen. Außerdem hatte er eine Gehirnerschütterung davongetragen und einen doppelten Schenkelbruch und ist als Krüppel aus dem Spital entlasten worden. Der Hund... ich hätte ihn doch ermorden sollen." Während dieses leidenschaftlichen Berichtes über den mörderischen Zorn starrte der Prinz erblaßt unverwandt seinem Gast ins Gesicht, faszi- niert von den wild-glänzenden Augen und der dumpfen, rachsüchtigen Stimme. Er wußte nicht, daß der Zorn in jemandem so zum Ausbruch kommen konnte, und eö erstand in ihm wieder etwas von der alten Bewunderung, die er alö Knabe für seinen wilden Gefährten eines Nachmittags gefühlt hatte. Atemlos kragte er: „Und du?" Peter betrachtete ihu einen Moment mit ver- Ivirrten. starren Äugen. Tann verblaßte die rote Vision seiner rasenden Rachsucht; lächelnd antwortete er: „Ich? Haha! Untersnckulngöhaft natürlich, Kriegsrat. Ter König hat mich satten lassen, hat seine Berichte erhalten, mein Freund hat gedroht, alles publik zu machen, falls sie mich zu schwer bestrafen sollten. Es wurde Geheimhaltung gefordert. Ich war Mündel des Königs getvesen. Ich wurde gnädig behandelt, degradiert, aus dem Heere auSgestoßen. Auf die Straße mit einem geschenkten Anzug als ganzen Reichtum. Das war das Ende meiner ruhmvollen militärischen Laufbahn. Zum Marschall deS Reiches scheine ich doch nicht die richtigen Anlagen gehabt zu haben, Prinz." lV. Ter Prinz war aufgestanden, ging nervös auf und ab und zerbiß zornig seine Zigarette, Peter schenkte sich neuerlich ein, trank gierig, schnalzte mit der Zunge, machte eine verächtliche Gebärde und sagte gelassen: „Bah!... Die verdammte Bagage!... Alle soll sie der Teufel holen." Da blieb der Prinz vor ihm stehen, lvarf seine Zigarette in den Aschenbecher, stampfte wütend auf den Boden und sagte zornig: Die Geschichte ist hiemit nicht erledigt, Peter!... Deine militärische Lmifbahn ist, beim Henker, noch nicht abgeschlossen... die muß erst beginnen, und sie soll rasch beginnen... Innerhalb eines Monats... daraus gebe ich dir mein Wort!" Er war blas; und zitterte vor Erregung. Verwundert schaute ihn Peter an. „Was meinst du?" fragte er.„Du hast mich bestimmt nicht richtig verstanden." (Fortsetzung folgt.) Set* 3 Mittwoch, 21. Feber 1034 Nr. 48 l 15. Feber 1934. hnbrn, wir schwöre» ihnen: werden nicht umsonst nur dann in den sie schon m i n‘ dieser Wohnung Hinsichtlich der Arbeitslosen wurde die Vorlage dahin abgeändcrt, das; der Aufschub der Exe- sutiou auch auf G e Iv e r b e t r e i l> e u d e ausgedehnt werden soll, die ihren Erwerb in der Krise verloren haben. Im l a n d w i r t s ch a f t l i ch c n Exclu- tionöschutz soll die Bestimmung gestrichen werden, daß die Zinsen und Annuitäten bis ,pt Mei Prozent trotzdem exeguierbar sind, sowie die Bestimmung, das; der Aufschub vom Gericht a bz u-- lehnen ist, lvcnn keine Aussicht besteht, das; der Schuldner dadurch gerettet werden lann. Die nächste Plenarsitzung dcS Senates findet morgen um 11 llhr statt. Es ist aber nicht an- zunehmen, daß der landivirtschaftlichc ErekutionS- schuh verabschiedet wird, wenn nicht auch im Parlament die Annahme der Wohnungögcsctze ohne weitere Extratouren inzwischen gesichert ist. Wohnbauten mit ihrer Agitation, wobei sie mit der Behauptung werben, daß Hakenkreuzler an den crponiertestcn Plätzen tapfer gekämpft hätten. An einem Gemeindetpohnbau ist folgende bezeichnende Aufschrift vorgefunden worden: „Erdant an- den Mitteln der Wohnbausteuer, zerstört nuS den Mitteln der Trefferanlrihr." Die Gcschäftskommiffion der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Nove heute Verhafteten befindet sich N. Karl Schneller und der ..Arbeiterzeitung" Karl Hans Wil heute amtlich sichergestellt befinden sich alle sozialdemokratischen tunst die Muffen des arbeitenden Bolte- fragen werden, wie will der Sozialismus die Welt aufbaue«, bann können wir mit Stolz dinwrifen ans da-, wo- er in fünfzehn fahren sozialistischer Anfbauarbrit in Wien geleistet. Wir grüßen die Helden des Roten Wiens, wir grüßen dir unerschrockenen Kämpfer in ganz Oesterreich.* Wir neigen un- in Ehrfurcht vor den Man- nern und Frauen, die ihr Leben der Freiheit hi» gegeben. Und wir einst die Internationale über! die Kämpfer der Pariser Commune, so wird man künftighin auch über die roten Kämpfer Lester- reich« sagen dürfen:„sie bleiben eingeschreint in den Herzen der internationalen Arbeiterklasse." Wir aber, die wir weiter zu arbeiten, weiter zu kämpfen ihre Opfer sein! Reue graste Exekutionsaufschub auch für erwerb-lose Gewerbetreibende. 3» mehrstündiger Sitzung beriet am Tiens- __ tag der verfassungsrechtliche AuSschus; des Senats scheu überhaupt, d e n W i i w"e n" u'n'b©Ti-1 Geschcntwürsc über den Aufschub der Exelu- sen der heroischen Kämpfer von Oesterreich z u"onen gegen Landwwte und gegen Arbeitslose, helfen.| fi*■'* Den Henkern de- österreichischen Proleta riat-, den Tollfust und Feh, die in den Arbeiter vierteln schlimmer gehaust haben, alö der Lande-- feind im Kriege, die mit Kanonen gegen Frauen und Kinder geschaffen, deren bluttriefende Hände Kunde geben von dem entsitzlichen Verbrechen an dem österreichischen Proletariat, da- nicht- ande re- al- Frieden und Freiheit woffte, ist der Hast und die Verachtung der zivilisierten Menschheit sicher. Der Dollfuß Galgen ist aufgerichtrt, die Standgerichte überantworten schwerverwundrte Menschen dem Henker. Di« Verwirklichung de- christlichen Staates hat die Dofffust-Regierung zu ihrem Programm erhoben, die barbarisch ste Menschenschlächterei ist ihr erste- Werk. Die Sozialisten aller Länder werden ihrer alten Ueberzrugung getreu aufrufen zum Protest gegen die bestialische Dodesstrafe. Aus den Toten von heute werden die Rächer von morgen, auü den rauchenden Trümmern Wien- ein neue- Note- Wien erstehen! Es lebe die Wiener Komninne! Es lebe der Weltkampf gegen den Fasrismns ES lebe dir österreichische So zialdemokratie, eslebe der inter nationale Sozialismus schen Kampfgeistes Coinniune von 1871 Rote Wien von 1934 Seite st e l l e». Wie die durch Jahrzehnte voranleuchtete dem Aufstieg de- internationalen Proletariat-, wird auch das Rote Wien zum Feuerbrand künftiger Kämpfe werden, ein Warnung-zeichrn aufrichten dem Internationalen Fascismus. Die Kampftage in Oesterreich, sie sagen aller Welt: Nicht ungestraft wird die Demokratie preisgrgrben, nicht kampflos lässt sich Vas Proletariat niederwerfen. DaS Schicksal der herrlichen Wohnbauten der Gemeinde Wien ist ein Symbol. D i e A u f- bauarbeit der Sozialdemokraten Hatsiegeschaffen, diekanonende- Fasri-mu- haben sie zurauchens den Ruinen gemacht. Aber wem» in Zu- Dle tschechoslowakischen Legionäre für die österreichischen Arbeiter Die tschechoslowakische Legioiiärgemeinde veröffentlicht folgende Entschließung: Der Vollzugsausschuß der tschechoslowakischen Legionärgemeinde gibt seiner Bewunderung und Verehrung für die tapfere» österreichischen Arbeiter Ausdruck, welche gegen eine ungewöhnliche Uebermacht einen opfervollen Kampf für di« Demokratie und die Freiheit führten, Ehre den gefallenen Helden! Diese Kundgebung macht auch den tschechoslowakischen Legionären alle Ehre! Reue graste politische Aufgaben stellt der heroische Kampf in Oesterreich für die gesamte Arbeiterbewegung. Heute aber, unmittelbar im; Angesicht der Opfer dieser Kämpfe, ist es vor allem dringendste Ehrenpflicht der Sozialisten der gan- zen Wett, und aller freien und aufrechten Men- Vas„neue" Oesterreich Die Regierung Dollfuß, die sich im Schuhe Mussolinis sehr sicher fühlt und sich jedenfalls sehr ernst nimmt, schasst nun das„neue Oesterreich". Tic Arbeit begann nach der Zerschlagung der sozialdemokratischen Organisationen mit der Entfernung von Straßentafeln. Jetzt hat man auch das Denkinal der Republik neben dem Parlament, das die Büsten der Arbeiterführer Viktor Adler, Ferdinand Hämisch und Jakob Reumann trug, beseitigt. An den Sockeln wurden die Fratzen der „Befreier" Dollfuß, Fey und Ttarhemberg angebracht. So hat das„neue" Oesterreich ein Denk- mal, das seiner würdig ist! Auch sonst richtet sich die Regierung häuslich ein. Ter sozialdemokratische Hosrat Stern wurde aus dem Verwallungsral der österreichischen Nationalbanl entfernt und heule irsih verhaftet. An die Stelle des Kärntner LaudeShaupimanneS K e r n m a i e r lvird der Heimlvehrführer H i l- g a r t h gescpt lverdeu. Tie mit den Stimmen der Sozialdcmokralen gewählten öffentlichen Funktionäre müsse» ihre Armier niederlegen. Der niedcrösterreichische Landtag lvird ein- berufen lverdeu, damit er an Stelle des bisherigen fozialdemolratischen Landeshauptmann-Stellvertreters den Heimwehrler Major Baar wähle. In der Aaffenfabrit Siehr wurden 200 Sozialdemokraten nicht mehr eingestellt. Winklers Ständefron! löst sich„freiwillig" auf Es verlautet, daß die von dem ehemaligen Vizekanzler Winkler gegründete nationalständische Front sich freiwillig auflösen wird, um ihrer> zlvangSweisen Auflösung zuvorznfomineu. Sorlaldemokratlsche Sympathie- Kundgebung im Budapester Parlament Budapest, 20. Feber. Der sozialdemolratische\ Abgeordnete Weltner brachte die österreickn-! schen Ereignisse zur Sprache und erllärte. die Wie-! ner Arbeiter seien keine Rebellen gewesen, sie! hätten nur zur Verteidigung der Freiheitsrechte Widerstand geleistet. Redner erging sich in scharfen Ausdrücken, worauf er vom Präsidenten ermahnt wurde. Abgeordneter Weltner verlangte, die Regierung möge die österreichische Regierung ermahnen, der unbegründeten Rachsucht und den Justifizierungen ein Ende zu bereiten. Jin Namen der Sozialdemokraten huldigte er den gefallenen österreichischen Arbeitern. ein christlich-soziales Blatt gegen Dollfuß Das vierzehntägig erscheinende tschechisch»! klerikale Blatt„Aivot" schreibt über die Wiener! Ereignisse: Vom katholischen Standpunkt kann man das, Was in Oesterreich geschehen ist, nicht billigen. Dollkufi hätte eilte Vereinbarung mit der Sozial- demokralie. versuchen und dem Blutvergießen Ein-' halt tun sollen. Er Hal weder dem Vaterland, noch i dem Glauben damit gedient, llnd eS ist nicht aus geschloisen, das; er einen: anderen Platz machen lvird, der aus den:.stouflikt der zwei größte» Par leien Vorteil ziehen wird. Auf seinem Gewissen aberwird das Blutlasten... TaS schreibt ein wiicklich christliches Blatt im Gegensatz zu der„Deutschen Preffe", in deren Redaktion sogenannte Christen sitzen, denen ver-! gosieneS Blut keine GetvissenSbiffe verursacht. Die Opfer werden nicht umsonst sein Die Internationale an die Arbeiter aller Länder Dir Arbeiter der ganzen Welt stehen im! Banne des grandiosen und tragischen Helden-' kampfeo der österreichischen Arbeiter. Richt leichtfertig sind sie in den Kampf ge- zogen. Zwischen Mnffolini Italien und Hitler-! Deutschland eingeteitt, ist Oesterreich der Schnu- i platz fascistischer Vorstöste aller Spielarten gewor den. Durch ein Jahr hat die österreichische Sozial demokratie in treuer Verbundenheit mit den Freien Gewerkschaften die ungeheuerlichsten Pro- i vokationen der Dollsust-Regierung hingenommen, weil sie sich der ganzen Tragweite der Entschei dung, die auf dem Spiele stand, dcwustt war. Sir haben dir schwersten Opfer aus sich genommen, in i ! der Hoffnung, dast es trat? der fafcistischen Flut ihnen gelingen werde, den wesentlichen Inhalt der demotratische» Vrrsaffung und der schwer er rungenen Arbeiterrechte zu behaupten. Aber eben so wie sie stet- entschioffen waren, sich nicht pro voziere» zu kaffen, waren sie auch rntschloffrn, sich nicht einschüchtern zu laffen. Und al» eo klar ge worden, dast die alten Pläne der Heiniwehr- faseisten, den Rechtsstaat zu beseitigen und ein Regime de- Kleriko-Fasri-mu- in Oesterreich aufznrichten, endgültig von der Dollfuß-Regie rung atzevtiert waren und die internationale Lage von Tollfust zur sofortigen Durchführung seiner Pläne al» geeignet erachtet wurde, haben die Arbeiter Oesterreichs im Bewußtsein, daß nnr noch der revolutionäre Kampf eine Aussicht auf Rettung bieten könne, zum letzten Mittel, z u m General streik und zum Kampfmil den Waffe» gegriffen. Sie haben die bewaffnete Macht des Staate- und die Horden der Heimwehrdanditen keineswegs unterschätzt, ober sie waren entschioffen, für ihre Sache lieber zn st erben, als widerstands los in der fasristischen Barbarei n n t e r z u g e h e n. Die„Kommune Wien"«ar der offizielle Titel der Gemeindeverwaltung der österreichischen Hauptstadt in früherer Zeit. Der alte Name Hot eine neue herrliche Weihe erfahren. Denn dem glorreich st en Vorbild proletari der Pariser darf sich do- sto 1 z an die Pariser Commune rein s i s t a t i- : Berechnung dec >uer für 19ll-s. si.h'.igie Pau- >uie wir v o m K den. Er bei den die neben wurde. Ihn begleiteten zwei Geheimpolizisten, die ihn, tnum daß er einige Schaufeln Erde in das Grab geworfen hatte, sofort wieder ins Gefängnis abführten. Als Sever im vsfrnr» Polizeiauto über die Thaliastraste fuhr, bereiteten ihm die Ottakringer Arbeiter eine stürmische S h m p a t h kein n d g e b u n g. An drin Begräbnis der Gcnoffin Sever nahmen 5.000 Personen teil, die der toten Gattin ihres geliebten Führer- trotz dem Widerstande der Polizei die letzte Ehre erwiesen. Die Polizei schritt gegen diese Solidaritätskundgebungen der Ottakringer Arbeiter mit der größten Schärfe ein. Die Verhaftungen der sozialdemokratische» Funktionäre gehen weiter. Der- Schutzbundfunktionär S ch n h b a n e r hat sick^ gestern abendS freiwillig gestellt. Agitation der Hakenkreuzler Die politische Lage ist völlig unübersichtlich. Die Hakenkreuzler beginnen in den Gemeinde- Aufhebung des Standrechtes ab heute 7 Uhr frtth i Heute lllietersihuisdebatte Ulelirnonelle angenommen Prag, 20. Feber. Fm sozialpolitischen Ausschuß des Abgeordnetenhauses wurde heute die Verlängerung des Mieterschutzes bis Ende Iü!15 mit etlichen kleineren Aendernngrn, für die sich D n b i c k h mehr exponierte, als der Bedeutung dieser Aendernngen entsprach, angenommen. Es können die Erben sEalte, Verwandle) in dirclker Linie und die Gesckuvister). die keine eigene Wohnung haben und zur-seit des Todes des Mieters bei ihnen wohnen. Mietsvertrag einireten, lvcnn d e st e n 6 drei Monate in sind. Eine zweite Acndcrung hat schen Charakter und betrifft dü Steucrgriindlage für die Jinsst Gestrichen lvird ferner die beabj schalierung der Steigerung d Stiegenbeleuchtung, Wasser-, Gaz. und Elektrizitätsmesser, die Kanal- und Ranchsar.ggebüh- ren>>sw., die man mit 10 Prozent des Grundzinses bemessen wollte; cs bleibt bei der komplizierteren Feststellung der tatsächlichen Steigerung aller dieser kleinen Posten. Am Plenmn soll die Vorlage Margen zur Verhandlung kommen, wobei die Agrarier anscheinend noch einen neuen Vorstoß lezüglich der Nrbcrwälzbarteit der Reparaturen ans die Mieter zu unternehmen gedenken. Heute wurde im Plenum dir Novelle zum Wchrgcsetz verhandel», iibcr die wir bereits vor einigen Togen referiert haben. Referent war Zier Abgeordnete David. Die Debatte lvurde von einem Kommunisten zu der üblichen Hetze gegen die Sozialdemokraten mißbraucht. Ter Rarionaldemokrcck Spane! mußte erst etliche Make vorn Beringend«.» ermahnt werden, bevor er von den Kvnfidkaticnen der„Rar. Lisin" zur Sache überging. Er sprach sich s ii r die Vorlage an-, konnte sich aber doch eine kleine Demagogie nicht versagen, indem der I billige AvändcrungSauträge hinsichtlich der Ein• rrchnnng dec Militärdienstzcir stellte. Der Referent David erklärte im Sckcknß- lvort auf die kommunistischen Angriffe, daß die Tschechoslowakei keine ErobenmgSzlcle bat und fest auf der Friedenspolitik I>ebarrt. Ec müsse aber auch vor der ganzen Welt feierlich verkünden. ! daß wir bereit sind, die Existenz des Staates gegen jeden und unter allen ilinst ä n d c n zu verteidigen. Man werd: nicht dulden, daß ini Falle der Gefahr gelviffe Kruppen in der Repuolik die Schlagkraft der Arme: herab- zusetzen versuche». Die Vorlage wurde dann in beiden Lesungen angenonunen nno auch noch ohne Debatte ein sfu- satzprotokoll ,;u dem(schon durch einen neuen ersetzten) Handelsvertrag mit Polen genehmigt, das Uebersetzungafchniper beseiti- gen soll. Dann wurden u. a. noch Ergänzungswahlen durchgeführt. An die Sporkommission lvurde an Stelle des zum Minister ernannten Agrariers Dr. Eerntz der agrariickie Generalsekretär Beran gewählt; für den Landbündler Windirsch, der wegen ArbeitSüberhä.isuug dieses Ausschußmandat niedergelegt hatte, lvurde Dr. Hodina gewählt. Nächste Sitzung morgen, Mittwoch. 10 Uhr. politischen Gefangenen kursieren in Wien brsorgnis- rrrefteude Gcriicklte. So lvird brlännt, dast dem 71jährigen Nationalrat Ellenbogen in der talken Gcsängniszellc eine Decke verweigert wurde. Dem magenkranken ehemaligen Finanzreferenten der Gemeinde Wien, Breitner, wird Tinttost verweigert, obwohl er die Gesäng- nisnahrung immer wieder erbricht. Daraus tnun man Rückschlüsse aus die Lage der übrigen Gefangenen ziehen. Die Gefängnisse sind ii b r r s ü l l t, so dast die Häftlinge wegen Platzmangels in den kalten(hängen schlafen müssen. Vor den Gefängnissen stehen dir Angehörigen Schlange. Die verhafteten Führer Unter den auch General i. Redakteur der Sailer. wurde, Mandatare und die übrigen Führer der ausge- lösten Partei in Hast. Nur die Abgeordneten Dr. Baue r und Dr. Deuts ch, ferner die Bundesräte Schabes und König sowie Schutzbund- sührer Heinz und der Führer der Gewerl- schastüorganisationcn S ch o r s ch sind geflüchtet und es lvurde ein Haftbefehl gegen sie erlassen. In Eiscnstadt wurde der sozialdemokratische burgenländische Landesrat Till zusammen mit mehreren sozialdemokratischen Führern des Burgenlandes verhaftet. Ter sozialdemokratische Stellvertreter des burgenländischen Landeshauptmannes Dr. Leser hat Eisenburg verlassen, sein Aufenthaltsort ist gegenwärtig unbekannt. Kundgebungen für Sever Die Nachricht von dem Tode Severs hot sich, schon meldeten, nicht bestätigt. Sever ist ampfplatz weg verhaftet wor- durfte noch au drin Begräbnis seiner Kämpfen erschossene» Frau teilnehmen, dem Grabe Schuhmeier- beigesrtzt Wien, 20. Feber..Heute wurde in Wien die Bestattung von 40 Toten, die ans Seite der staatlichen Exekutive gefallen sind, zu einer gro- sic» R e k l a m c s ü r d n s n r n r R e g i m e ausgcnützt. Im ganzen Lande war Trauer angc- ordnet worden: in Wien mußten alle Geschäfte «ährend des Begräbnisses schliessen. Dollfuss fehle in der Leichenrede die alten Rnndfunklügen fort, dass durch das Blutbad eine grosse Gefahr nicht nur für Oesterreich, sondern für ganz Mitteleuropa beseitigt worden sei, und sündigte zum Schluß an, dass die Weisung nusgcgcben worden sei, ab morgen 7 ilhr früh das Standrecht>uegen Auf» r n h r s n l l g r m ei n f ü r b e r. d e t zu erklär c n. Er hoffe, dass nicht„neue Verblendung" dies verhindere. Inzwischen kündigt die gleichgefchaltete Presse an, dass in Wien in der nächsten Zeit eine „A n s w c ch s e l n n g" der in den Diensten der Stadt und der städtischen Betriebe stehenden Arbeitskräfte geplant sei. Die Beamten und Angestellte», die beim Schutzbund oder auch nur bei der sozialdemokratischen Partei waren, bczw. an den letzten Kämpfen oder am Generalstreik teil genommen haben, sollen entlassen werde». Die Arbritsvermittlungostellen der christlichsazia- len und.Heimwehrgeluerkschaften treffen angeblich bereits die entsprechenden Vorbereitungen! Damit sollen also die ehrlichen Republi- kancr und einzigen Schützer der auch von Dollfuss feierlich beschworenen Verfassung aus die Strasse gesetzt werden, damit für dir Kreaturen des Dollfuss und Fe» Platz geschnsscn lucrde. '.'hidi darin kupiert also Dollfuss getreulich seinen grossen Lehrmeister.Hitler! Brutale Behandlung der Gefangenen -Neber die Behandlung der vielen Seite 1 Mittwoch, 21. Feber 103-1 Nr. 43 im Wiener Gnneindebau Sandleiten D:r Kindc Tie Tic auf den Lippen, im Herzen— stieg anS dm Gräsern der Macht Wirbelstürme über Madagaskar Paris» 20. Feber. Nach einer Mitteilung des Kolonialministcriums wurde die Stadt Moron- dabo auf Madagaskar am 10. Feber von einem heftigen Wirbelsturm heimgcsucht. Viele öffentliche und private Gebäude sind stark beschädigt Ivordcn. Gleichzeitig waren durch eine Springflut mehrere Brücken fortgerissen und in den Pflanzungen große Verheerungen angerichtet. Insgesamt sind 88 Eingeborene ums Leben gekoinmcn. der Zengnis gibt von der sürsorgcrischru Arbeit der sozinldcmolratischrn Gemeindeverwaltung WirnS, wurde von der Artillerie des Christen Dollsusi zerschossen. Die Zerstörung dieser Stätte glücklicher Kindheit durch die betenden Mörder ist symbolisch. beim Mannschaftsschacht III. gen durch Wcttcrtiichcr abzusprrrcn, mir die so gewonnene Basis von den übrigen Gruben teilen, auö tvrlchrn derzeit noch schlechte Wetter Zutritt haben, zu trenne». Hierauf werde» die Absperrungen durch Holzverschalungen uud nachher durch Mauerungen ersetzt. Sobald die Arbeiten beendet sind, lverdeu die gewonnenen Grubenteilc, deren Strecken durch die Explosion tcillveise verwüstet sind, hcrgerichtct. Vor allem wird auch die im untersten Teile des Mannschaftsschachtes beschädigte Fahrung repariert werden. Das nächste Ziel ist dann die Erreichung der Punipkammern und deren Instandsetzung. Erst dann lvird man von der so gelvonueucu Operationöbasiö aus unter Beobachtung aller gebotenen Vorsichtsmaßregeln, zur schrittweisen Wiedergewinnung des Reviers übergehen, was voraussichtlich Monate in Anspruch nehmen wird. In den jetzt zu erschließenden Grubenieilen, die schon nach der Katastrophe befahren wurden, befinden sich ussch den schon seinerzeit gemachten Feststellungen keine Toten. Die erste Mannschaft hat unter verhältnismäßig g ü n st i g c n Bedingungen arbeiten können. Nach zweistündiger Arbeit wurde sie Yon einer zwciten Mannschaft abgelöst, welche die?lr- »nd Im Flicsiband der Fabrik, im Grau der Stempelstellen— deren wunde Herzen lebten Ticustc der Zukunft— ES waren stille Männer, Männer des Volkes, Gütig uud voller Sehnsucht—— Da kamen sie. die Verdammten und Vergangenen, TaS Vaterland Nnd den Mord Tie Verwesung Nnd schrie nach Verfassung? Ein Fehm Papier! Wahrheit? In dm Schmntz ihrer Kommih stiefeln getreten k Freiheit? Ihr galt ihr ganzer Hah! stillen Männer schwiegen nnd wartete»... Eisenbahnunglück bei Sevilla Paris, 20. Feber. Wie HavaS aus Sevilla berichtet, ist Dienstag früh bei Villauucva de la Reina in der Provinz Kordoba ein Sonderzug, in dem sich 1900 Zuschauer der am Sonntag in Madrid veranstalteten Fußballwctispielc auf der Heimreise befanden, mit dem D-Zug Madrid- Sevilla zusammengestoßen. Nach den amtlichen Meldungen beträgt die Zahl der Toten nenn, die der Verletzten gegen hundert. Die Tie Monate Fahre..... Bis auf dm Tag—— Nnd der Tag brach an! Tav Volk, das tausendfach gedemütigte, stieg auf die Barrikaden, Flammen der Freiheit loderten über Wim, Eine Eine Ter Vier Don Vier Hin der Hrbeiter-Turn- und Sportbemeoung Der Arbeitsplan 1934 sieht unter anderem auch wieder eine Vorturnervrüsung vor, die im April in allen Bezirken stattzufindcn hat. Die Prüfling 1982 war ein schöner Erfolg. 198 t haben aber auch alle Mannschajtfiihrer, Spielleiter, Sportwarte mit den Vorturnern anzutretcn. Gründliche Vorbereitungen(Sitzungen in den Bezirken und Vereine», die sich nur mit der Prüfung aller Techniker— Hnuptfunktiöuäre— zu befassen haben, ev. Kurse vor der Prüfung fcstlegt. wo ferner über die Beschickung, Austvahl, die Prüfungskommissionen ustv. gesprochen wird) haben noch im Feber zu erfolgen. Im März bereiten sich die Techniker in Vereins- und Bezirlsahcnden auf die Prüfung vor. Die Verantwortung für einen neuen guten Erfolg tragen die technischen Hanptausschüsse und Erzieher der einzelnen Bezirke. Reue Materialsammluug. Mit Ende Feber gelangt wieder eine neue- Materialsmmnlung, n. zw. für eine„Kindcrfrüblingöfeicr", zum Versand. Jene Vereine, tvelchc sich bereits zum regelmäßigen Bezug aller unserer verschiedenen Materialfainmlun- gcn für Feste, Feiern, FreundschaftSabcnde ustv. angemeldet haben, erhalten sofort nach Einsendung von 5 Kc ein Exemplar. Alle übrigen Vereine, die ebenfalls ein Exemplar tvünschen, haben unbedingt ihre Bestellungen bis zum 24. Feber l. I. zu machen— Lieferung nur gegen Vorausbezahlung. Bei späteren Bestellungen keine Garantie sür die Zusendung. Radiovortrag. Mittwoch, den 28. Feber 1984, spricht unser BczirkScrzicher Gen. Hcitzcr-Aussig in der deutschen Arbciterscndung Prag über:„Unterhaltung und Erziehung im Ains". Ein Vortrag mit Schallplatte». Einfahrt in den Nelsonschacht Schaffung einer Operationsbasis Notzucht und Blutschande Die eigene Tochter seit ihrem 14. Lebensjahr misibraucht Prag, 20. Feber. Ein entsetzliches Bild der Verkommenheit bietet der vor dem heutigen Schwurgericht verhandelte Prozeß gegen den bö- jährigen Maurer Johann Simsa aus Zalow Brüx, 20 Feber. Gestern abends wurde vom Revierbergamt die Bewilligung zur Aufnahme von Vorarbeiten zur Wiedereröffnung des Nel- son-Schachies erteilt. Die Arbeiten werden sich zunächst darauf beschränken, im Gebiet der Hauptschächte III eine kleine WettcrbasiS zu sichern. Heute lvurde die Abdeckung des Mannschaftsschachtes III und des WetterschachtcS IV vorge- nommcu. Nach Oeffnung der Vermauerung des Vcutilationskanals im Wctierschacht, wurde der Ventilator in Tätigleit gesetzt, der einen Wetterzug von 300 Kubikmeter Luft in der Minute entfaltet. Der Maimschaftöschacht, der zunächst noch auSzichcnd war, nahm bald darauf frische Wetter. Zlvei brennende Sicherhcitsgrubculainpcu, die mit der Fördcrschalc in den Schacht Hinabgelaffen wurden, konnte» brennend lvieder herauSgczogen werden. Das Brennen der Lampen belueist, daß der Schacht bereits'gute Wetter enthält. Um 2 Uhr nachmittag fuhren Jng. H a»• s e r und vier Mann, alle unit Sauerstoffappa raten ausgerüstet, in dir Grube ein. Ihre Auf gabe ist es, nach Absperrung der BerbindungS- streckr zwischen Mannschafts- und Förderschacht durch ein Wettertuch in die nächste,' nur vier Meter tiefere Strecke einzudringen und dann die Strecke» der Hauptschächte in kurzcn Entfern«»-1 bestell fortsetzt. Bier Kinder e»asvergiftet Belgrad, 20. Feber.(Avala.) In dem Dorfe StepoZevac ereignete sich in der Familie Lescu- drik ein tragisches Unglück. Das Ehepaar Lcsen- dric war in den Nachbarort zu einer Hochzeit gefahren und hatte seine vier unmündigen Kinder im Schlafzimmer ciugcschloffcn. Als die Eheleute zurückkchrten, fanden sic die Kinder durch Kohlen- gas vergiftet tot vor. Sl« Steuereinnehmer um 180.000 Franks beraubt Paris, 20. Feber. In Marsaillc lvurde Dienstag früh ein Steuereinnehmer in seinem Automobil von acht Räubern überfallen. Die Banditen hielte» den Kraftlvagen au und zwangen den Stcucreinnchmer unter Vorhaltung von Revolvern, ihnen zlvei Säcke auözu- licfern, von denen der eine 180.000 Frauken enthielt. Die Räuber entkamen mit ihrer Beute. unnatürliche Vater außerdem noch dcö Verbrechens der Notzucht. Es ergab sich, als vor einigen Monaten ein Nachbar Vater und Tochter in einer unzweideutigen Situation überraschte und die Sache anzeigtc, daß Johann Simsa seine Tochter seit mehr als fünf Jahren ständig geschlechtlich mißbraucht hat, also schon zu einer Zeit, als sie das vierzehnte Lebensjahr kaum erreicht hatte. Die Verhandlung war natürlich gehet m. Nach dem, was mau auf dem Korridor erfuhr, war das Familienleben dieser Familie seit langer Zeit vollkommen zerrüttet. Simsa ließ sich von seiner Frau erhalten und lebte im übrige» mit ihr uud seinen zwei Töchtern(die jüngere ist erst neun Jahre alt) in ständigem Unfrieden. Bcmertens- lvert ist. daß er vor den Nachbarn gerade mit der älteren Tochter, die er noch als Schulkind zu feiner Geliebten gemacht hat, am meisten stritt und zankte, während sic zu Hause»reist gegen die Mutter zusammenhiclten. Die Geschworenen erkannten sotvohl den Vater, als auch die Tochter im Sinne der Anklage schuldig. Hinsichtlich Letzterer bejahten sie aber auch die vom Gerichtshof vorgelcgte Zusadfrage, ob sie unter dem Druck eines unwiderstehlichen Zwanges gehandelt habe.(Der Angeklagte soll sie durch Todesdrohungen gefügig gemacht und ihr Still, schweigen erzwungen haben uno gilt als brutaler Mensch.) Demgemäß lvurde die Neunzehnjährige freigesprochen, den entmenschten Vaicr aber traf exemplarische Strafe: sechs Jahre schweren und verschärften Kerkers. rb. Des Blutkanzlers„Arbcitübefchassuugspro- gramm". Herr Dollfuß, der Blut- und Hon- kcrkanzlor, hat in den Tagen, da das Volk von Wien gegen die fascistischeu Mörder auf den , v Barrikaden stand, immer wieder im Rundfunk und seine 10jährige Tochter M a r ie, die beide des die niederkartätschten Arbeiter ausfordern lassen, Verbrechens der Blutschande angellagt waren; der ihre»„landfremden Führern" den Rücken zu Geistesgegenwart und Mut eines Taxi-Chauffeurs London, 20. Feber.(AR.) Der Innenminister erwähnte gestern im Unterhaus mit herzlichen Worten die mutige Tat eines Londoner Taxi-ChauffcurS namens William Tyrcll, der auf einer der frequrntiertesten Londoner Straßen zur Zeit des größten Verkehrs eine seltene Probe von Geistesgegenwart und Mut ablegte. Der Chauffeur beobachtete nämlich, wie sich Polizisten vergeblich bemühten, einen luxuriösen RollS- RoyceAchtzylinderwagen ,;um Halten zu bringen, der mit unheimlicher Geschtvindigkeit die Straße durchraste, ohne dabei auf die ihm entgegenkom- mendcn Passanten zu achten, die ihm nur mit größter Mühe auStvcichcn konnten. AnS den Rufen und Gesten der Verfolger erkannte der Chauffeur, daß in dem LuxuStvagen Verbrecher saßen, die vor den Polizisten flüchteten. Ohne lange zu überlegen, fuhr er in vollemTempo seitlich in den Luxuswagen hinein. ES tam zu einem heftigen Zusammenstöße. Die Insassen des Luxuswagens, eine Verbrcchcrbaude, die in den vornehmen Vierteln Londons eine große Menge von Edelsteinen und Schmuck- fachen crbcutcl hatte, konnte verhaftet werden. Der Taxi-Chauffeur wurde glücklicherweise nur leichtverletzt und der Polizeipräsident sprach ihm persönlich seinen Dank aus. Er erhält auf Kosten der Staatskaffe einen neuen, besseren Mietwagen. Spenden für Ossel. Zu dem in der Nr. 41 unseres Blattes veröffentlichten„Spendciiauswcis für die Opfer der Offckcr Grubcukatastrophc" teilt uns der Betricbsausschuß des Gec-Vcrbandes in Prag mit, daß das Personal der„Gcc" sowie die Angestellten der„KGP.— Kousumgcuosseuschast in Prag" einen Betrag von 10 0 0 I< ö gesammelt uud in Form von Lebensmitteln an die Hiii- ierblicbcneu der Offcker Grubcukatastrophc zur Verteilung bringen ließen. Pressechef der deutschen Gesandtschaft entlassen. Der Pressechef der deutschen Gesäudtschafi in Prag, Johann:- U r z i d i l, ein gebürtiger Prager und seit dem Umsturz deutscher Gesandt- schaftSbcamtcr in Prag, ist jetzt seines Amtes enthoben worden.' Vom Rundfunk Empfehlenswertes au« den Programmen: Mittwoch, Prag(l., Libljtz): 0.16 Frisch auf tu den neuen Tagt Gymnastik/Musik. 10.15 Deutsche Nachrichten. 10.10 Schallplatteu. 11.00 Schallplatte». 12.10 Leichte Musik. 12.25 Presse. 12.35 Konzert. 18.25 Bojäöek: Schutz der geistigen Arbeit im wirtschaftlichen Wettbewerb. 13.45 Blasmusik auf Schallplatte». 14.00 D e ii t s ch e B ö r s e. 14.05 Deutscher A r b e i t s ni a r k i. 16.00 Konzert. 17.85 Violinkonzert. 18.05 Spanische Lieder. 18.25 Deutsch e S e n d u n g. 18.85 Arbcitersendung: Ernst Paul: Die Demokratie für die Jngcnd. 18.55 So- zialtuformationen. 19.00 Deutsche P r e s s c. 19.05 Musik. 20.35 Bunter Abend. II. Straschnitz: 14.80 Konzert. 15.10 Deutsche Sc»’ b»na. 15.10 Literarische Stunde. 15.20 Kinder- stunde. 15.45 D rutsche N a ch richte n. 19.05 Konzert.— Brünn: 10.00 Orchesterkonzert. 17.35 Musik. 18.05 Aktuelles der Woche. 18.25 Deut- sche Sendung: Schuster: Volksgesundheit und soziale Fürsorge. 18.00 Openiarien auf Schallplatte». 19.00 Deutsche Presse. 20.20 Abendkonzert.— Mährisch-Ostrau: 11.00 Schallvlatteu. 11.05 Orchesterkonzert. 17.Z5 Klavierkonzert. 19.80 Ncber- tragung a. d. Mähr.-schlesischen Aalionältheaier: W. A. Mozart: Figaros Hochzeit.— Presiburg: 12.20 Schallplatte». 13.15 Deutsche P r e s s c. 17 45 Schallplatteu. 19.00 D e u t s ch e P r e s s e. 19.35 Liederkonzert. 20.05 Konzert. Uevertragung a. d. Slowak. Nationalthcater.— Raschau: 12.80 Orchesterkonzert. 16.80 Baueriiblaskavelle. Mauer wuchs empor, lebendige, zuckende Maner Todgeweihten!» Tage standen sie, alle» Höllen umtobt, Nächte standen sie, Mensche» gegen Maschinen, Auf den Barrikaden wehten ihre rotglühenden Herzen, So starben sie— Auf den verlöschenden Lippen Brannte ihre Losung Freiheit! Ihre Häuser wurden ihre Gräber, In den Wohnungen, Tie einst Sonne geatmet hatten, 'Rieselte das Blut— Ihre bleichen Frauen Verröchelten zu ihren Füße», Ihre Rinder, dir Kinder des LolkrS, Fraß der Mord, Aber sie ergaben sich nicht—- Bier Tage Und vier Nächte— So starben sie, ltnd wurden unsterblich—! Ihre toten Augen find die Künder der Zukunft, Ihre stumuien Herzen schlagen und voran, Fackeln, die zum Siege leuchten! So kämpfen sie weiter, Schatten, die leben. Gemeuchelte, die Sieger gebürben find— Märtyrer, Die unsere Hand führen werden Am Tage der Abrechnung 1 lehren und zu ihm, dem Haubitzenfreund, zu kommen. Er werde, so versicherte er, den notlei- dcndcu Massen schon Arbeit verschaffen! O ja, -r hat ihnen»schon Arbeit" verschafft! So den Totengräbern zum Beispiel, die auf Wo- chcn zu tim haben werden, um die»Arbeit" zu bewältigen, die das blutige„Arbcitsbeschaf. sungsprogramm" des KanonenkanzlcrS ihnen zngewiesen bat. Auch die Maurer werden zu tun bekommen. Jene herrlichen, Glück und Sonne atmenden sozialistischen Gemeindebautcn, die die blnl schäumenden Landsknechte der Reaktion in Trümmer nnd zu Schutt geschossen haben, biete» sicher auf Monate die Möglichkeit, viele seicrnde Hände zu beschäftigen. Und schließlich werden die Glaser in Tätigkeit treten; die toten, ausgebrannten Fcnsterhöhlcn, in denen wirklich das Grauen wohnt, schreien geradezu nach rich. tenden Händen. Die Henkersknechte der Standgerichte aber arbeiten heute schon im Akkord! Das ist die c i n z i g a r t i g c„Arbeitsbeschaffung" des B l u t k a ii z l e r s von Wien!...»,,... Mord und Hohn. Der kommuuistische Funktionär Stolt wurde am 19. Jänner verhaftet und !am 21. Jänner mit einer tödlichen Kopfverletzung ■ im LcichcnschauhauS eingeliefert. Der Naziarzt höhnte die Angehörigen, die die Leiche idcntifizicr- ten:„Es ist dockt herrlich für einen Revolutionär, für feine Idee am Herzschlag zu sterben." Schulkinderausspcisung. Für das staatliche Ernährungshilfswerk sür arme Schulkinder biö zu l I Jahren im gegenwärtigen Winter bat das M i- n i st c r i u m für soziale Fürsorge 1 für den Tätigkeitsbereich der Deutschen Landeskommission für Kinderschutz nnd Jugendfürsorge in Böhmen den Gesamtbetrag von 512.666 Kö gewidmet. Die restlose Aufteilung der von diesem Ministerium genehmigten Beträge auf die Deutschen AczirkSjugendfürsorgen wurde von der Deutsche» Landcökommission bereits durchgeführt. Zur Teilnahme an diesem nun schon seit Jahren wic- dcrkehrcndcn staatlichen HilfSwcrke meldeten alle 10.1 Deutschen Bezirksjugendfürsorgen in 1252 A u S s p e i s e st c l I e n 101.715 arme, einer ErnährungSzubuße dringend bedürftige Kinder an. ES entfällt sonach pro Kind als staatliche Beihilfe der Betrag von rund 5 K£. Tagcsnaiiglfcitcn Ansterbliche Helden l Von Pierre. ES waren Alänner, Wie du und ich. Männer, die dinier Gittern gewachsen waren, Hinter de» Wittern der Not und de? Elend? Männer, die im Tmikel standen. Am ». 48 Miltwach, 21. Aelirr 1934 Seile 5 Aussig ist nicht die Otadt der Vetdstmiirder Hnfei: dem Titel— die Sradt der Selbstmörder" brachten ivir in den letzte» Ta,le» eine Noti,;. in welcher mitgctcilt wurde, das; Aussig zu de» Städte» mit der höchsten Prozcntzahl von Selbstmördern gehört. Zu diesem Schlüsse kommt der. Berichterstatter auf Grund einer»»Ißverstande- »en Statistil. Tic Zahlen, die dieser Behauptung zugrunde gelegt tvaren, stammen nämlich aus den Polizeiüerichten des Polizeikommissariates Aussig und beircssen nicht die Stad, Aussig, sondern das Tätigkeitsgebiet dieses PolizeikommissariatcS, also auch die Orte Schreckcnstein. Predlitz und Bota». Wenn man die Selbstmörder in diesem Gebiete auf die Bevölkerung»,zahl von Aussig bezieht, so kommt man sekbstversmiidlich zu einer außergewöhnlich hohen Prozent zisser. In dieser Notiz ist mitgeicilt, datz in den fahren 1930 bis 1938 sich 123 tödliche Seiosnuorde ereigne» baden. Im Stadtgebiet Aussig selbst aber tvaren cs nur 116 und nach Abzug derjenigen Selbstmörder, die von auswärts »ach Aussig kanten, nin hier ihrem Leben ein Eitde zu machen, verbleiben nur 87. Eine gleiche Richtigstellung kann an der Zahl vorgenommen werden. welche für das Jahr 1031 angegeben ist. Nach dem Bericht creigitcten sich 40 Selbstmorde mit tödlichem Ausgang. Zählt man bloß die im Aussi- ger Stadtgebiet erfolgten Selbstmorde, so gelangt man zur Zahl 36 und zieht man von dieser Zahl die Selbstmörder ab, die von auswärts stammen und den Selbstmord in Aussig verübt haben, so vlciben nur 20. Nach dieser Richtigstellung ergibt sich sur die Stadt Aussig selbst keine Steigerung der Selbstmordziffer, die gegenüber anderen Städten aus- sällt. Auch eine Zunahme in den letzten Jahren ist nicht bemerkbar. Die Statistik gibt für die letzten vier betrachteten Jahre 1930 bis t 933, wenn man die von auswärts stammenden Selbstmörder abzieht, folgende Ziffern: 19, 29, 10, 20, In den Pilsner Werkstätten der Ltoatedah» nen brach Montag abends im Tachstnhl des Kessel- Hauses ein Schadenfeuer aus. ES bestand die Gefahr eines lkebcrgreifcnS des Brandes auf die benachbarte ElektrizitätSzcntrale. Der herbcigcrn- fencn Feucrlvchr gelang cS, den Brand nach dreistündiger Löscharbeit zu lokalisieren. Der angerichtete Sachschaden lies; sich in den Abendstunden nicht mehr abschätzen; er dürfte jedoch bedeutend sein. Das Symbol. Die Berliner Morgenblätter veröffentlichen eine Meldung des preußischen Pressedienstes der NSDAP-, wonach Adolf Hitler den politischen Leitern sbis cin- schließlich Ortsgruppenleitern) der NSDAP das, Recht verliehen hat, zum Dienstanzug eine P i- st o l e zn tragen... Eine Tintrnflasche gegen die österreichische Gesandtschaft in Prag. Wie das Pressebüro meldet, zeigten sich Montag in den späten Abendstunden am Eck der Stefanikova trida und der Jung- mannova ul. in S m i ch o v ungefähr 2d junge Leute, welche verschiedene kommunistische Parolen auszurufen begannen. Sie wurden gleich darauf von der Sicherheitswache zerstreut. Hiebei gelang es einem der Flüchtenden. in ein im Erdgeschoß der österreichischen Gesandtschaft befindliches F e n- st e r von der Husova ul. aus eine Tintrnflasche zu werfen, durch welche zwei Fensterscheibe» e i» g c s ch l a g c u wurden. Dem Täter gelang es. in der Finsternis zu verschwinden. Beim Einschreiten der Wache wurde eine Person angehalten, gegen die das entsprechende Strasbersahren eingeleitct wurde. Falsche 10 Xi-Münzen. Die Gendarmerie in Seestadtt verhaftete den 31 jährigen Steinmetz Franz E h in i g aus Malta» im Bezirke Komo- tau und dessen Gattin, Iveil sie salsche Zehnkronenmünzen verbreitet hatten. Die Ehmig gestand nach längerem Leugnen, die Falsifikate, etwa 40 Stück, selbst hergestellt zn haben, um sich einen Verdienst zu schassen. Bei einer Haussuchung wurden die lltensilicn zur Falschmünzerei vorgcfunden und beschlagnahmt. Die Falsifikate tvaren a u S Zinn hcrgestellt und gut gelungen. Ehmig hatte daS falsche Geld in verschiedenen Städten, darunter in Saaz. Komotan und Kaaden auü- gegeben. Räuber. Die Gendarmerie in lkzhorod fahndet mit Skier» nach einer Räuberbande, die im j Bezirk Rachovo ihr Unwesen trieb und die Jagdhütte aus der Polonina Perianskä bei Kobylcckö Poljanh anSgcränbt hat. Die Gendarmen stießen auf fünf mit Militär- und Jagdgctvehren be- | tvassnetc Räuber, die in einer Waldschlucht im Schlafe überrascht ivurden. so daß sic, ehe sie von der Schußwaffe Gebrauch machen konnten, alle verhaftet und unschädlich gemacht wurden. Alle ft'mf Räuber, Einwohner der Gemeinde Dubovö im Bezirk Takevo, wurden in die.Hast des Bc- ! zirksgcrichtes in Rawovo gebracht. Eine Zentralkchute kür FliefteranSbilduno wird ani 1. April 1. I. in Prag eröffnet. Die Ausbildung eines Schüler- d-rnert zwei bis drei Monate»nd die Unterrichtszeit ist derart gewählt, daß die Kurkteil« ! nebmer in der Ausübung ihres normalen Berufes nicht gestört werden. Die Absolventen der Fliegerschule haben Borzugörck» bei der Aufnahme in die Schute des militärischen Fliegernachwuchses.-Die Schule veranstaltet auch Rachtslug» und Rebelflug» kursc lohne äußere Sicht), lehrt Flugakrobatie und bereuet die Flieger für di« Erwerbung eines Bcr- kehr-slieger.-Diploms vor. Prospekte und Informationen sind kostenlos beim Sekretariat der Zentralschule für Fliegermiöoildung Prag l., Celetnä ul. Nr. 13, Telephon 619-88, erhältlich. Was gab es da? DNB meldet: Der Leiter der Schleötvigcr.Kriminalpolizei, Kriminalsckre- tär Krüger, der bereits längere Zeit schwer ner- venlcidend war, hat sich erschaffen. Brsteuermig der ausländischen Arbeiter in ! Frankreich. Der vom Finanzansschuß der Kam- | mer verabschiedete Budgetvoranschlag sicht vor, daß die ausländischen Arbeiter, die wcniger als zehn Jahre in Frankreich ansäsiig sind, mit einer Sonderfieucr von 10 Prozent ihres Einkommens belegt werden. Für die nordfranzösischen Industrie- und Grubenbezivkc, in-denen es an' einheimischen Arbeitern mangelt, soll jedoch eine Ausnahme gemacht werden. Ein neuer„Dturzbonrbenwerfer". Bon den Heinckel-Flugzeugwerken in Rostock-Warnemünde ist nach langen Versuchen ein neuer Flugzeugtyp, ein sogenannter Dturzbombenwerscr, herauSgc- bracht worden. Die Motoren leisten 600 PS, die Geschwindigkeit beträgt bis zu 300 Kilometern. Bei einem Probeflug, der spätnachmittags in der Dämmerung dnrchgesührt wurde, stieg der Ehcs- pilot auf etwa 4000 bis 5000 Meter und stürzte dann in einem Winkel von 70 Grad nahezu senk recht nieder. In 200 bis 300 Meter Höhe drüctlc! er auf einen Knopf: unter den: Rumps löste sich! etwas WS, das Flugzeug fing sich automatisch auf j und ging fast senkrecht wieder hoch, linier ihm' schlug etwas ins Eis. Die automatische Aussang- vorrichtung ist nötig, weil der Pilot bei einer Ab- sturzgeschwindigkelt von etwa 600 bis 700 Kilometer die Steuerung nicht mehr mit der Hand bedienen kann. Von diesem Typ werden in Warnemünde 150 Stück gebaut. Weitere 150 Stück sind an die Fokker-Wulf-Werke. Bremen, in Lizenzauftrag gegeben worden. New Port im Gchnresturm. In der Nackt auf i Dienstag ging über New Jork und Umgebung em Schneesturm von solcher Heftigkeit nieder, toie man ihn schon 30 Jahre lang um diese Jahreszeit nicht erlebt hatte. Es siele» riesige Mengen Schnee. Mindestens eine halbe Million Leute, welche mit der Eisenbahn nach New Aorl fahren tvollten, uni ihrer täglichen Beschäftigung nachzugehen, konnten die kleinen Städte und Ortschaften in der Umgebung New DorlS nicht verlassen. Fast sämtliche Züge und Dampfer hatte» große Verspätungen. In Philadelphia entgleisten mehrere Tramways. I In zahlreichen Städten bildete sich au den Türen und Fenstern eine so starke Schicht von vereistem Schnee, daß man die Schneeschicht zerhacken mußte. Die Kirchrnanslrittttewegun- hat«ach den österreichischen Ercignisien eine starke Belebung erfahren. Auü verschiedenen sudetendeutschc» und tschechischen Orten liegen Nachrichten vor, die auf einen überraschend großen llmsang dieser spontanen Austrittsbewegung schließen lassen. Die Arbeiter wollen nicht mehr einer Kirche angehören, in deren Namen betende Bundeskanzler»nd Heimtvehrmajore mit Kanonen aus Frauen und Kinder schießen. Sie wollen nicht mehr einer Kirche angebören. deren eifrigste Diener— siehe Millaü! — blutbefleckte Verbrecher vom Schlage eines Fey mit Orden auSzeichnen. Die frommen Kanonenkatholiken haben, wie man sieht, ihrer Kirche einen schleckten Dienst erwiesen. Aus dem Meeresgrund. Einem Bergung- dampfcr in Gdingen ist cS gelungen, die Identität jenes Schiffes sichcrznstellen, das am 7. Jänner unweit des Küstenortcs Jastarnija untcrgegangen >var. ES handelt sich um den norwegischen 757- Tonnen-Dampfer„H a r d y", der am 7. Jänner mit einer Kohlenladnng aus dem Gdinger Hafen nach Kilrush ausgelaufen war. Ein Taucher , stellte fest, daS die„Hardy" in einer Tiefe von 23 Metern auf dem Meeresgründe liege. Infolge starken Seeganges konnte der Taucher nicht ermitteln, ob sich die Leichen der umS Leben gekommenen Besatzung in dem Wrack des Schiffes befinden. Wie scstgesiellt wurde, bestand die Besatzung ans 14 Personen, über deren Schicksal bisher nicht das Geringste bekannt ist. Bahn und Auto. Sonntag abend wurde ans einem Bahnübergang zwischen Büchenbeuren und Hirschseld ein ans der Richtung Traben-Trarbach kommendes, mit 5 Personen besetztes Auto von einem von Simmern kommenden Eisenbahnzug ersaßt und eine Strecke mitgeschleift. Bier der Autoinsassen erlitten schwere Verletzungen, der fünfte kam mit leichten Verletzungen davon. Der Personenzug nahm die Verwundeten nach Morbach mit, jedoch verstarbcn drei von ihnen auf der Fahrt. Die neue Emigration Freiheitskämpfer aus Oesterreich Var den Standgerichten und Galgen der christlichen Arbcitcrschkächter retten sich nun Teilnehmer des einstweilen abgebrochenen Kampfes in unser Land. Kleinere Abteilungen von Schutzbündlern haben die nahe slotvaiische oder mährische Grenze erreicht, einzelne sind bereit- auch uack Prag gekommen. Einer dieser Genossen schilderte uns seine Fluch!: Ich bin ohne Papiere uitd ohne Paß gekommen. Natürlich sind ick und nock ein Genosse, den ich unterwegs traf, nicht bis zur Grenzstation gefahren, schon weil wir keinen Paß hatten. Nock im Zuge wurden wir von Heimwcbrfascistcu kontrolliert. ES gelang uns aber, durchzukonunen.« Wie — das loerdcn wir den Fen-Schurken natürlich nicht erzählen.) In langen» Fußmarsck kamen tvir in ein Dors. Wir hüteten uns, die Bauern anznsvrcckcn. erfahren aber von einem kleinen Mädel zu unserer bitteren Ueverraschung, daß wir noch in Oesterreich waren, ilnserc vorsichtigen weiteren Fragen schienen dem Kind verdächtig vorzukonnnen— wir erhielten jedenfalls keine Ilarc AnSknnsl und gingen inö Ungewisse weiter. Nackt längerer Zeit erreichten lvir eine andere Ortschaft— noch immer Oesterreich. Später habe ick dann erfahren, daß lvir in Untcnntnis de» Weges und ohne Karten lange Zeit parallel der Grenze gegangen tvaren. Fragen dursten wir ja nickt, um uns nickt verdächtig zu mache«. Schließlich liefen tvir denn auch geradezu in eine Falle. Plötzlich standen wir mehreren Zollbeamten und Hcimwchrlcrn gegenüber, die alle Geivehre trugen. Für einen solche» Fall hatte ich mit meinem Gefährten genaue Verabredungen getroffen. Leider hielt ec sich nicht daran, sondern ergab sich. Ich konnte nun nichts anderes tun. als mein Heil in der Flucht zu suche». Ich rannte nm mein Leben, inir nachgcsandte Schüsic gingen schl, endlich erreichte ich einen Wald, aber dort bleiben, so nahe den Nachfolgern, lam nicht in Frage. Also weiter: Ein Schnccseld, in dem ich bis zu den Knien einbrach und natürlich ivcithiu sichtbare Trittspurcu hinterließ. To mußte ich sm nächsten Wald die Richtung vollständig ändern. Es gelang mir, die Verfolger irrczusühren. Hinter einem Baum oberhalb eines Abbanges versteckt, hörte ich sie unten wütend aus den Entkommenen schimpfen, wobei einige Hciinwehrburschen sich an der Ausmalung der Behandlung, die sie mir angedeihen lassen wollten, erfreuten. Durch Gestrüpp, Busch- und Unterholz hastete ich mit hochllopsen- dem Herzen weiter. ES Ivar schon duulel, ich mußte die eiskalte Nacht im Walde verbringen. In der Morgendämmerung dcS isämSlag. gc/ang cs mir endlich nach weiterem stuudcnlangcm Marsch zu einem Grenzstein zu kommen— ich Ivar gerettet! Der erste Mensch, den ick auf tschechoslowakischem Boden traf, ein Waldarbeiter, gab mir den guten Rat, nicht in einer bestimmten Richtung wei- ierzugchcn, denn dort seien die Leute alle„Hitler", da wäre ich vor Auslicserung nach Oesterreich nicht sicher. So ging ich in anderer Richtung weiter und in der zweiten Station diesseits der Grenze bc- I stieg ich ungehindert den Zug. Aus den wiener Kampftagen Montag Mittag kommt der Hausvertrauensmann atemlos an unsere Tür:„Generalstreikl Wasser ausspcichcrn, Lebensmittel besckmsfen!" lind schon ist er an der nächsten Tür. Wir füllen alle Behälter, laufen um Petroleum, weil unterdessen das clcktrilchc Licht auögeschaltet wurde, laufen für ein paar Tage Lebensmittel und finden in allen Geschäften von solchem Bedarf eine Menge von Leuten, die dieselben Wünsche haben. Unterdessen gibt eo nur mehr 1 Liter Petroleum für den Haushalt, wie im Kriege. Man ist froh, diese Menge zu erobern und eilt nach Hause. Tic Straßenbahn fährt nicht mehr. Wo ihr der Betriebsstoff auSging, muhte sie stehen bleiben. Der Strom fehlte. Die Stimntung wird erregter, man weiß, was uns bevorsteht.„Siegen sder untergeben!". Etwas anderes,— ein Kompromiß— gibt es nicht. Zuerst ist man stolz, daß die Partei doch den Kampf wagt, dann wird man lveitiger optimistisch, als man hört, daß zu wenig Schutzbund einrückt. Man zittert um das Geschick der Kämpfer und der Partei. Um%3 Uhr nachmittags die ersten Schüsse. Dann immer heftigeres Maschinenge- w e h r f e u e r aus der Richtung Ottakring. Wir hören, daß eö vom großen Gemeindcbau „Sandleiten" kommt. Vom Turntstocklvcrk ans wird die Straße damit gesperrt, als Polizei und Hilfspolizei anrückt. Hier sielen die ersten Opfer. Unterdessen weiß man, daß es in Oberöster- reick gekracht hat, weil der Schutzbund entwaffnet werden sollte-. Auch in Steiermark war etwas los. Das rote Wien wollte die Kämpfer in den Länder» nicht allein lassen. Run auch hier der Kamps. Am frühen Nachmittag verkündet die Regierung„Standrecht!", am nächsten Tag: In VienherrscheüberaNRuhe. Und wir hören heute, am dritten Tag, noch immer den Donner der Geschütze. Er kommt setzt aus Floridsdorf, dem 21. Wiener Bezirk, jenseits der Donau. Mit aller Macht seht die militärisch« Gewalt ein. u«iterstüht von den sasrisftschen Hilfstruppen. Und doch dauert es bis in den dritten Tag, ehe sie die armen, verzweifelten, verbitterten Proletarier besiegte. Jetzt hören wir von dem etwa zehn Wegminuten cntsernien Ottakringer Arbciierheim her heftiges Maschinengewehrseuer. Die Nacht bricht an. Eine ungewöhnliche Nacht. In allen Wohnungen ist es finster, wenn man nicht Ersatzlicht für die elektrische Beleuchtung hatte. In den Wohnungen flammen Kerzen aus oder werden alte Petroleumlampen hervorgcholt und entzündet. Aus die Straße darf man nach 8 Uhr abends nicht mehr. Man wird sonst erschossen. Mit vorrückender Nacht kommt auch aus Favoriten und Simmering der Hall von Schüssen. Auch nm unser Wohnhaus knallt cs. In manches Fenster verirrte sich eine Kugel, nianche Verletzte gab es in den Heimen. DaS Knattern der Schüsse halll iminer stärker in die stille Nacht des Montags. Da, knapp vor Mitternacht, dumpfe Schläge. Kanonen kämpfen mit! Wir glauben zunächst, daß unsere Genossen einen Angriff auf die nahe Kaserne auf„der Schmelz", dem Wiener Exerzierplatz. machen und daß die Geschütze sic abwehren. Die ganze Nacht schließen lvir die Augen nicht, weil etwa alle sieben Minuten einfache oder Doppelschläge die Häuser erzittern machen. Wir zählen bis gegen den Morgen mehr als 40 Schüsse. Dann erfahren wir. daß Haubitzen den Gemeindcbau Sandkciten und das Ottakringer Arbeiterheim beschießen. Wir zittern um die Braven, die sich für die Partei opfern. Da es keine Zeitungen gibt, gehen Gerüchte in Menge. Man erfährt, daß cs auch in anderen Bezirken losging und daß die Regierung keinesfalls so sicher Herrin der Lage ist, wie sie eii behauptet. In den äußeren Stadtbezirke», wo es viele Gemeindebauten gibt, geht der Kamps von allen Seilen los. Aus dem uns nahen Ottakring dröhnt eS ununterbrochen. Am Dienstag-Morgen wird die Kanonade hcstigcr. Ais Mittag sind die Rebellen nicht besiegt. Erst als die zweite Nacht anbricht, ergibt sich der noch lebende Rest. Viele der Kämpfer liegen tvohl unter den Trümmern begraben, denn das ganze Innere des Otialringer ArbcitcrhcimS ist z u s a m in c n geschossen von den Geschossen der Haubitzen, die in der nahen jkoppstraße standen. Je zwei Maschinengewehre der Schuvbi'mdler feuerten von jeder der zwei Straßenseiten des Arbeiicrhauses, in dem auch Mietpa ricien wohnten. Biele tonnten sich nicht mehr in Sicherheit bringen, lknter den cinstiirzeiiden Mauern liegt Genossin Sever tot, tvährend der bekannte alte Kämpe und Abgeordnete Sever verletzt aus dem Hause kam. Heute wird behauptet, daß er aus Verzweiflung üben diesen Schicksalsschlag und den Untergang der Partei Selbstmord begangen haben soll. Ob das wahr ist, lonute ich nicht erfahren. Tie Rebellen slandeu dort etwa 26 Stunden im Kamps. Die Wehrmacht vermochte daS Haus nicht zu stürmen, ehe es die Haubitzen besiegt hatten. Unterdessen rückten Soldaten und Polizei>nii Stahlhelmen durch die Krcitnergasse an, in der sich ein Einigung zu diesem Partciheim befindet. Sie treiben aus einem anderen in der Gasse befindlichen Gemcindewohnbau die Leute ans den Wohnungen. Alles muß«Hände hoch!" hinans- gchen. Dabei eine Mutter, die in der einen Hand ein Kind hält, die andere emporstrecken muß. Eine alte, kranke Frau steht in Unterlväsche vor Schreck gelähmt in der Straße, in der ununterbrochen geschaffen wird. Die Soldaten kümmern sich nicht darum. Mitleidige reißen die Frau weg. Die Delogierten müffen in der kalten Nacht auf der Straße bleiben. Dann wird das Haue nach Schutzbund durchsucht. Dreimal gehl Militär in das Haus und kommt immer lvieder ergebnislos heraus. Manche Soldaten habe» eine Heldentat begangen: Allen versperrten Wohunngeu, die sie schon vorher durchsucht hatten, als die Leute noch darinnen tvaren, tvurdcu die Türen ciugeschlagen und keine Scklitzwachc hingestetli. Diebe konnten da die armen Genossen bestehlen, wenn sie es gewollt hätten. Es gab dabei auck Sozialisten unter den Soldaten, die nicht schosse n. Einer zeigte einem Bewohner eines gegenüberliegenden Hauses, das ebenfalls vom Militär besetzt loorden war, sein Gewehr, daß es nicht nach Pulver roch. Er hatte leinen Schuß abgegeben, aber, Ivie alle seine Gefährten, seit anderthalb Tagen mit leerem Magen für seine Befehlshaber getä'.nvsl, tveit der Proviantuachschub der„so gut gciührien Truppe" nicht funktionierte. Aber auch die Bewohner dieser besetzten Häuser, die nickt ans die Straße dursten, hatten zwei Tage nichts zu essen, weil viele der Prolciarier leine Lebensmittel zu Hanse hatten. Und einige.Häuser weiter lämpsien verzweifelte Arbeitslose im Arbciterhestn iür ihre Sacke. Die Kämpfer tvaren zumeist arbeitslos, viele schon n u s g e st e n e r,. Mittwoch, als der Tag anbrach, hören wir wieder dumpfe Schläge. Es ist der dritte Kampftag. In F l o r i d s d o r f ivird das A r- beiterheim von den Haubitzen belämpjt und gegen 9 Uhr vormittags ist diese letzte Festung des roten Wie» im Kampf gcsallen. Wie viele Opfer diese Tage kosteten, weiß man noch nicht. Sicherlick in die Dutzende., iveil die Regierung darüber schweigt. Sic weih nur zu sagen, daß ihre Truppen mehr als 20 Tote hatten. Man beginnt nun die Teile der eingestürz- ten Gebäude, Ivie des Karl Marxhoses, der Sandleiten und des Ottakringer Heimes aufzuräumen und die armen, braven Genossen anszugrabcir, die dort ftir die Partei starben. „Sozialdemokrat" Mittwoch, 21. Feber 1V34 M. 43 PRAGER ZEITUNG I Vorfrage Einr Kunst und wissen I nach- Ivar, trug: militärische Verrat. Bei dem Gutachten der militä- rischen Sachverständigen wurde die Oeffentlichkeii ausgeschlossen. Die Verhandlung endete damit, daß B o r k m a n n im Sinn« der Anklage schuldig erkannt und zu drei Jahren schweren Kerkers und 10.000 KL Geldstrafe verurteilt wurde, im Falle der Nichteinllriuglichkeit zu einer weiteren Woche Arrest. Lein Vater Sstnünek wurde srcigesprochen. rb. Abenteuer im Schlafwagen. Diese englische Filmkomödie deS Deutschen Franz Schultz ist weder geistreich noch neuartig, weder witzig noch überraschend. Aber eine muntere und begabte Darstellung unter Anatol Litwaks Regie betvalirt sie davor, lang- weilig zu werden. Die fragwürdige Fabel von der Luxusdame, die um des französischen Bürgerrechts willen einen flotten Schlafwagenschaffner heiratet, den sie launenhaft-hochmütig liebt und hasst, um sim schließlich seinem kräftigen Willen zu beugen, ist hier mit spielerischem Eifer, mit heiterer Beweglichkeit, mit parodistischen Ilebertreibungeu und mit viel Sinn für schwankhafte Situationen vevfilnit worden, und die Hochzeitsszene ist unter den vielen Nachahmungen deS Rem! Clair-Stils nicht die schlechteste. In der Hauptrolle sehen wir Madeleine Caro l l wieder, die in dem Film„Die Spionin" ihre schauspielerische Bedeutung bewies, während sie hier nur zeige» kann, daß sie auch in uichedeutenden Rollen noch interessanter ist als die Haids, Helms und Müllers, die dergleichen sonst zu spielen pflegen. Ihr Partner, der sich I v o r N o b e l l o nennt, ist ein gutaussehender junger Mann, der selbstbewußt und frohgemut in eine aussichtsreiche Filmznkunft blickt. —cis— Der Tod uns der Straße. Gestern nachmittag wurde der 70 Fahre alte Fr. Seifer, als er von einem Besuch bei Bekannten kam, auf der Straße— Orebitskä»lief, in Zizkov— plötzlich von einem Unwohlsein befallen. Der herbeigerufene Arzt konnte nur noch den Tod des alten Mannes feststellen. 88jährig»r Arbeiter vom Auto üherfabren. Am gestrigen Nachmittag ging der 88jährige beschäftigungslose Arbeiter Josef Cern v aus Vysoian, Ma- nesova über den Damm der Hooverova zum Stadtpark. Dabei wurde er von einem Autobus der Linie .82-210, den der Chauffeur Oldkich S t u d e n h Univ.-Professor Oskar Kraus, der bekannte Prager Philosoph, spricht am Mittwoch, den 21. Feber, im Rahmen der„Deutschen Gesellschaft für sittliche Erziehung" im Frauenfortschritt, Krakovskä 21, halb 8 Uhr abends, über:„Die Sophistik des MachtgedankcnL". Der Vortrag bringt eine jetzt so aktuelle historisch-kritische Auseinandersetzung mit dem, Gewaltproblem. Tie Lverette»-„R»v»lution8rr". Herr Goebbels, der Unaussprechliche, faselt bekanntlich alle zloei Tage von einer„gclvaliigcn Wiedergeburt der deutschen Kultur", die,„von ortsfremden Elementen befreit, herrlich ausblühc". Nun, w i c sie aufblüht im Lande der Hiller und Göring, davon wissen sic uns Siau- stischcs mitzuteilen. Das„Theater-Tageblatt" vcr- öfscntlicht eine UrausführungSstatistik der ersten drei Monate der Spielzeit 1083/34. Danach haben vom September bis einschließlich Dezember 1088, in der Zeit der Hochsaison also, in Berlin 18 Uraufführungen statigcsuuden, 8 davon Ivaren Operette n! So sieht die„Wiedergeburt" der Schtvätzer auf der deutschen Bühne aus. Tas„Niveau" des gleichgeschalteten deutschen Theaters läßt sich daraus ersehen, daß, nach der gleichen Quelle, der Schmarren „Dcö Königs jüngster Rekrut" an vier Bühnen gleichzeitig in Szene ging. DaS selige Hof- theaier-Rcporioire ist ja im Vergleich zu der braunen Kulisscnmarmclade eine revolutionäre Tat gewesen! Roch einmal„Scampolo" mit Doll» Haas. Da die Montag-Vorstellung vollkommen ausverkauft war und Hunderte von Besuchern keine Karten bekommen konnten, hat die Direktion Dollh Haas mit Ensemble ringelnden, am Sonntag nachmittag noch einmal „S c a m p o l o" zu spielen, und die Künstlerin hat dieser Einladung Folge geleistet. Beginn der Vorstellung halb 8 Uhr. Preise KL 2.— bis 25.— Rechtzeitige Kartenbestellung erbeten! Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Mitttvoch halb 8: P e p P i n a, B 2.— Donnerstag halb 8 llhr: Boris G u d o n o w, C 2.— Freitag halb 8 llhr: Zu ebener Erde und erster Stock, Bankbeamte und freier Verkauf, D 1. — Samstag halb 8 Uhr: Der junge Baron N e n h a u 3, Erstaufführung, C 2.— Sonntag 11 lllir: K a in mermufik, halb 2 Uhr: G old e- n c s P r a g, halb acht Uhr: Figaros Hochzeit, A 1.— Wochcnspiclplmi der Kleinen Bühne. Mittwoch 8 Uhr: Gastspiel Lcop. Kramer: Femina.— Donnerstag 8 Uhr: Gastspiel Leop. Kramer: Femina.— Freitag halb 8 Uhr: Katz im Sack, Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.—Samstag halb 8 Uhr: Rapa, Gastspiel Leop. Kramer. — Sonntag 8 Uhr: Sturm im Wasserglas, 8 Uhr: Gastspiel Leop. Kramer: Papa.— Innerhalb des Volkstümliche» Kurses über kulturelle Fragen spricht D o it.it e r S t a g, den 22. F e d e r, um halb 8 Uhr abends im P a r t e i h e i m (Prag II., Rärodni tr. 4, 2. Stock.) Genosse Dr. Walter Lustig über Unsere Stellung-nm Film Diese BortragS- und Disknssionsabende sind auch Nicht Mitgliedern zugänglich. Regiebeitrag für den Einzelabrnd 3 Xi. Sch renne Dich nicht— und liebe Dich Daß Goebbels die braune Filmindustrie jetzt einer verschärften Zensur unterworfen hat und ihr in Gestalt des literarischen Analphabeten und mittelmäßigen WitzblattzeichnerS Willi Krause einen dramaturgischen Diktator gesetzt hat, wird an der Sache vermutlich nicht viel ändern. Denn tiefer läßt sich das Nivcan des reickisdentschen Films kaum noch senken— und anders als die Herren Börse und Bolvary stellt sich gelviß auch Herr Krause(dessen „revolutionärer" Elan erst erwacht«, als mamihn bei Hugenberg-Scherl zugunsten eines begabteren Juden hiüauswarf) einen„prima Film" nicht vor. Der urdeutsche Regisseur Geza von B o l d a r y, der Dreher dieses Liebesspiels mit dem oben widergegebenen Titel, stellt ihn sich folgendermaßen vor: Wie witzig ist es, wenn sich ein Jüngling in ein Mädchen verliebt, das er nur von einem Bilde her kennt, wie stimmnngsvoll ist es, wenn dieser Jüngling ein Komponist ist, lvie spannend und schön ist cs, wenn die Angebetete eine schlverreiche Dame, ist und noch dazu in Nizza residiert, wie geistreich ist der Einfall des Komponisten, sich bei ihr als Kammerdiener zu verdingen, wie überwältigend komisch ist es, wenn sich zu diesem verlicbten'Tieiicr noch ein zweiter gesellt, der gegen Bezahlung den keifenden Trottel spielt und wie beglückend ist schließlich die Tatsache, daß der.Komponist nach blektm betderscitigen-schmachten und ZcherPm di« Heißgeliebte erringt. Ilm diesen Geist zu retten, hat man Bücher verbrannt und Menschen gefoltert, hat man Gegner gemordet, verjagt nnd eingekerkert. Ein Grund mehr für ein gewisses hiesiges Publikum, sich an den Produkten dieses Geistes zu ergötzen.—eis— lenkte, ersaßt und zu Boden geschleudert. Im Allgemeinen Krankenhaus stellte man fest, daß Cern» eine Gehirnerschütterung, sowie eine Wunde am Kopf erlitten bat. Selbstmord zweier Beamten. In einem Hotel in B ii b e n e i erschoß sich gestern nachts der 8-ljäh- rige Beamte Josef M a t o n ö e k. Motiv unbekannt. - Der 30 Jahre alte Beamte F. S.— wir sind darum gebeten worden, den Namen nicht zu nennen — richtete gestern vormittags in seiner Wohnung in Prag VII., die Waise gegen sich. Ans der Rettungsstation konnte man nur noch seinen Tod fcststellcn. Auch in diesem Falle ist die Ursache der Tat nicht bekannt. Ende eines Stelldicheins. Auf der Prager Polizeidirektion erschien gestern di« Hausangestellte Marie N a ch t i g a l l ans KoSike und erzählte unter Tränen, was ihr geschehen war. Ein junger Mann Langgesuchter Iuwelenräuber begeht Selbstmord Augustin FabrtzS Komplizen in Prag verhaftet In Brunn hat sich in der Nacht vom Sonntag zum Montag der 82 Jahre alte August F a b r y, einc.r der geschicktesten Juwcleudicbe, im Untersuchungsgefängnis erhängt. Fabry konnten bei seiner Verhaftung eine Reibe von Tievstählen nachgewiesen werden. So u. a. der Raub bei dem Brünner Julve- lier Anton H u v a t e f, dem am 17. September vorigen Jahres kür 58.000 Ke Gold- und Wertsachen gestohlen lvurdcn.Jn Prag hat der„Juwelen-Spczia- list" Fabry die Juweliere Bodilanu und Soviel heimgesucht. Hier gelang cs ihm, Schmuck im Wert« von 87.000 KL zu erbeuten. Gestern nun traf in Brünn, kurze Zeit, dem der Selbstmord Fabrys entdeckt worden ein Paket für diesen ein. das die' Aufschrift „Vorsicht— Glas!" Als man es öffnete, kamen— E i n b r u ch s w e r k z e. u g e zum Vorschein. Die Brünner Polizeidirektion setzte sich jetzt sofort mit ihren Prager Kollegen in Verbindung, und noch im Laufe, des gestrigen Tages führten Ermittlungen zur Verhaftung der Komplizen Fabrys. ES sind dieö: di« 22jäbrige S ch w e st e r deü Vcrswrbenett, wohnhaft in Prag VII, der 28jäl>rige Bruder Fabrys aus Mkov und der.14jährige Berthold Beiiika. Alien konnte nachgewiesen werden, daß sie mit dem Juwelcndieb in Verbindung gestanden und ihm auch das Paket mit den Einbruchswerkzengen nachgesandt batten. Die Festgenommenen waren unmittelbar an den Einbrüchen beteiligt. Sie hatten die Julvelen hei sich verborgen und sogar einen Teil in Pfandleihen versetzt. Eine Menge Ivertvoller Schmuckstücke ist be- r«its bei den Geschwistern und bei Beiiika beschlagnahmt worden. filme in Prager LlditsvielhSusern von Freitag bis einschließlich Donnerstag Adria:„Abenteuer im Schlafwagen"(E.).— Alfa:„K athariua d i e G r o ß e."(E.).— Avion:„Die Bettlerin von Notre Dame".(Fr.)— Beränek:„Die Welt will betrogen lyerden."(Fr.) Fcnir:„Das Lied der Schwarzen Berge".— Gaumont:„Der Hüttenhesitzer."(Fr.)— Hollywood: „Ter Hüttenbesitzer."(Fr.)—Hvczda:„Sterne von Hollywood."(A.)— Kinema: Journale, Groteske, Reportage,(halb 2 bis halb 8 llhr.)— Kotva: „Wolga in Flammen."(Fr.)— Lucrrna:„Wolga in Flammen."(Fr.)—Olympic:„(ES war einmal einChapli n."(A.)— Praha:„Diagnose X."(Tsch.)— Radio:„Die Welt will betrogen werden."(Fr.)— Skaut:„Diagnose 3£."(Tsch.)— Alma:„Die siebente Großmacht."(Tsch.)— Be- srda:„IhrArzt."(Tsch.)— Carlton:„Jindra, Gräfin Ostrolvina."(Tsch.) I batte sic am Abend vorher, als sie ans dem Nachhauseweg war, angesprochcu. Ein junger Nimm von ca. 25 Jahren, groß, blond, dunkelgrauer Anzug, schwarzer Hut. Er begann eine. Unterhaltung mit ihr und begleitete sie bis vor die Tür. Dort entriß er ihr plötzlich die Handtasche, die Schlüssel, Kleinigkeiten, sowie etwas Geld enthielt und ergriff damit die Flucht. Man hat Marie Nachtigall versprochen, ihr wenn irgend möglich, die Handtasche und den,Räuber wieder zu verschaffen. Doch Marie legt jetzt nur noch Wert auf die Handtasche. Begreiflicherweise... Drei Geschäftseinbrüche. Gestern nachts sind folgende Einbrüche in Prag verübt worden: bei der Lotterie- Firma S t e i n am Perstyn raubten Diebe 800 KL. Die Firma, die in der Auslage ihres Schaufensters versichert, daß sie allen nur Glück bringt, hat diesmal bei sich selbst versagt...— Im Geschäft von A. K r y s«c k i h o, Zeltnergass«, wurde eine Kassette mit 90 KL und eine Schreibmaschine gestohlen.— Die Auslage der Drogerie Ander l e in der Ziina- Ecke Smekka- Gasse suchten unbekannte Täter heim und erbeuteten 14 Photo- Apparate im Werte von 10.400 KL. Liebestragödie Montag früh bat sich in der Prager Vorstadt H o l e s ch o w i tz eine, erschütternde Lie- beStragödie abgespielt. Dort— in der Gasse „ll Prohonu"— erschoß die Löjäbrige Köchin Anastasia Bi elicharovä ihren Geliebten, den gleichaltrigen Kellner Eduard R e v i m. Daun richtete sie die Waffe gegen sich selbst. Nevim, der einen Schuß in die Schläie erhielt,, ist bereits an den Folgen der Verletzungen g e- st o r b e n. Anastasia Mclicharovä hoffen die Aerzte am Leben zu erhalten. Das Verbrechen der Anastasia Meli- ch a r o v ä ist die Tat eines verzweifelten Herzens. Es ist erst wenige Monate der. daß dem jungen Rädchen der 25jährige Eduard N e v i m begegnete. Nevim war Kellner im Restaurant des Messepalastes in Prag VI l. Ein hübscher Mann. Ein stattlicher Mann. Die Frauen fliegen auf ibn. Da gibt es ein Mädchen, e? beißt M a g d a. Diese Magda hat Nevim in Mähren, seiner Heimat, kennen gelernt. Als der Mann nach beendetem Militärdienst sich Prag znr Wohn- und, Arbeitsstätte anssucht. folgt ihm Magda hierher. Sie nimmt eine Stellung als Hausgehilfin in Stresovice an. Sie ist ein fleißiger, ordentlicher Mensch, beriachtet sich als Nevims Braut imd wartet geduldig auf den Tag, an dem sie so viel Geld baben würden, mit einen Hausstand gründen zn können. Da geschieht etwas Unerwartetes. Eduard Nevim lernt Anastasia Mclicharovä kennen. Eines Abends konnnt sie mit einer Freundin in das Restaurant de§ Messehauses. Die Melicharovä ist ebenfalls aus der„Branche". Als Köchin arbeitet sie im Wirtshaus„Sloväcla Bouda". Sie ist ein hühschcs, Zeugen. Dem Nevim gefällt sein Gast so gut, Zeugen—. Dem Nevim gesollt sein Gast so gut, daß es nicht beim Bedienen bleibt. Man sieht sich wieder. Man verliebt sich ineinander. Und jetzt entstehen die Konflikte. Da ist die stille, treue, geduldige Magda, die das Heiratsversprechen des Kellners hat. Aber Anastasia will auch nicht unrein Gelegenheiisliebchen sein. Für sie ist Eduard Nevim d a S große Erlebnis. Anch sie toill ihn heiraten. Es kommt zn Auseinandersetzungen zwischen Anastasia und Magda, zwischen Magda und Eduard, zwischen Eduard und Anastasia. Magda erklärt, immer ruhig, immer gelassen:„Du mußt dich entscheiden. Sie oder ich." Anastasia hingegen sagt:„Du tvirst mir gehören oder keiner." Nevim fürchtet sich etwas vor dem allzu ungestümen Temperament der Anastasia. Er entscheidet sich für Magda. Der Tag der Hochzeit ist bereits festgesetzt, eine kleine Wohnung eingerichtet. Da kommt Anastasia zu Nevim— am Montag abend— und bittet ihn um eiu letztes Zusammensein. Nevim schlägt ihr diese Bitte nicht ab. Sie verbringen die Nacht in der Wohnimg des Kellners — itt jenen Räumen, die er bald mit Magda, seiner jtmgen Frau beziehen will. Sie feiern Abschied. In den Morgenstunden bringt der Mann Anastasia Mclicharovä die Treppe hinunter, begleitet'sie ein, Stück die Gasse entlang. Beim Lebewohlsagen geschieht e5 dann plötzlich: die! Frau zieht einen Revolver aus der Tasche, zielt, trifft— richtet daun die Waffe gegen sich selbst. Die Liebestragödie der Anastasia Melicbarovä hat ihren Abschluß gefunden. Solveit sie nicht— falls die Frau wieder genesen sollte— noch ein gerichtliches Nachspiel haben wird. Kj. GEDENKET bei allen Anllaien der Arbeiter? ürsorgeJ Dav sozialistische Denkmal der Republik wurde mit Tüchern verhüllt, die die Farben Oesterreichs nnd das Krukenlrenz der Heimwehrcn zeigen. Neber den verhüllten Statuen wurde rin Porträt von Dollfuß angebracht. Ein Stück christlichsozialer„Ordnung“ Gerichtssaal Drei Jahre Kerker für ein Spionageangebot ins Dritte Reich Einer, der militärische» Verrat offeriert.— sonderbare Enthüllung Prag, 20. Feber. Vor dem Strafsenat deS OGR. M r ü z«k waren heute der 22jährige Privatbeamtc Karl B o r k m a n n und dessen unehelicher Vater Franz 2 i m ü nek des militärischen Verrats nach Paragraph 0, Abs. 2 des Schntzgesetzes angckiagt. Der erstere war im September v. I. vor dem hiesigen Kreisgericht bereits wegen Diebstahls zn drei Monaten Kerker verurteilt worden. Dieser Diebstahl betraf verschiedene. Meiallbestandieile, die er feinet Dienslgcberfinua Pollak entwendet hatte und deren Wert mit 10,000 KL beziffert wurde. ES war aber kein gelvöhnlicher Diebstahl. Die Finna Pollak stellt mit den Brünner Waffcntverken und mit Skoda in Verbiiidniig, denen sie Maschinengewehrbestaiidteile lieferte. Ilm ebensolche bandelte es sich, lvie sich aber erst später durch eine sonderbare Füanng llcranS- stellie. Schließlich ergab sich, daß der leichtsinnige junge Mann mit der Waffenindustrie des Hitlerrei- ched ein Spionagcgeschäftchen hatte machen wollen, dabei aber schwer draufzahlen mußte. Diese Enthüllung spielte sich folgendennaßen ab: Die Nürnberger Metall- und Waffenfabrik Brüder Eckert erhielt ein Angebot von Bort- mann, er werde ihr die Konstrnktionspläne des in der tschechoslowakischen Armee cingefülirten Maschi- nengetvehreS beschassen. Die reichsdeutsche Finna wußte aber mit dem ischechisckigeschriebeuen Bries nichts anzufaugen und schickte ihn an eine befrcnu- dcie Prager Firma, mit der Bitte um Uebersctzung des Textes. Diese Firma sah allerdings sogleich, waS da geplant war und übergab den Bries der Polizeidirektion. Dadurch bekam die Diebsiahlsangelegen- hcit, wegen Ivclcher Borkmauu kurz vorher drei Monate bedingt ausgefaßt hatte, ein ganz anderes Aussehen. Eine sofortige Hausdurchsuchung brachte noch verschiedene Auszeichnungen, Pläne und Skizzen zutage, die noch andere Dinge betrafen, so z. B. Einzelheiten über den Eisenbahnbetrieb auf gctvisseit Strecken, die Dicustorganisation auf dem Masaryk- bahnhof u. dgl. Bezüglich dieser Anfzeichiiiingeit erklärte Borkmann bei der Voruntersuchung, sein unehelicher Vater, der Eisenbahner 2 i m it n e k, habe ihm die Daten beschafft. So kam auch dieser in An- klageznstand, konnte aber den Verdacht einer strafbaren Mitwisserschaft bei der heutigen Verhandlung widerlegen. ES scheint, daß Borkmann sich diese Taten aus Fachblättern zusammcngestellt hat und durch i Erklärung des im übrigen ahnungslosen SimünekS - näher erläutern ließ. Borkmann erklärte, er habe an keinen Verrat - gedacht, sondern die Nürnberger Firma nur hcrein- ! legen tvöllen, was freilich nach dem Beirugspara- > graphen strafbar Iväre, aber doch lveit milder als der Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 10.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—, ganzjährig KL 192.—,— Inserate wecden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Dlanuskripten erjagt nur bei Einsendung der Retourmarken,— Die ZettungSfrankatur wurde von der Post- und Telegraphen- direktio» mit Erlaß Nr. 13.800/VH/1980 bewilligt.— Druckerei: ,/OrBiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag.