IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«. telpon mwf. Administration tkefon mbw. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL'AUSS, FRAG. EfenfeNft 70 Ifffler (•inichlieBtich S HHItr FotM) 14. Jahrgang Freitag, 23. Feber 1934 Nr. 45 Seitz ins Konzentrationslager! Die Gefangenen in höchster Gefahr/ Mißhandlungen, Erschießungen Verschollene Schutibiincller Geheime Gräber „Die österreichische Laqc stellt Europa vor rin Problem von äußerstem Ernst; wir besinden nnS er- nent auf einem Vulkan wie im August 11)14... Der österreichische Bundeskanzler besitzt in seinem Land weder Prestiac noch Unterstsitzunq; in Wahrheit sinnt er sich auf zwei Tinge: ans dnS Gelb d«S Auslandes und am Ende ans nusliindisüie Truppen." Neber das Schicksal der toten und schwcrver- .vundeten Schutzbündler ist bis heute nichts bekannt. Aus verschiedenen Bezirken erfährt Man, das; die Angehörigen aus Furcht vor der Vergeltung ihre Toten geheim in Gärten vergraben haben. Das einzige Begräbnis, das in der Stadt bekannt ist. Ivar das der Frau des Genossen Scver, der, als ihn die Polizei lrieder vom Grab weg ins Gefängnis schaffte, den Ottakringer Arbeitern zurief: „Macht euch nicht» draus, es wird wieder anders werden." Wien, 22. Feber.(Eigenbericht.) Doll- fuh hielt' heute vor einem auserlesenen Forum von ausländischen Politikern und Journalisten im Hotel Meißl und Schad» ein Referat über die Bedeutung deö Nmsturzrö in Oesterreich und führte dabei u. a. aus, das« die Katastrophe in Oesterreich nicht aufzuhalten gewesen sei und daß nur ein kleiner Teil der österrrlchischen Arbeiterschaft sich gegen seine Pläne gestrtlt habe. Er sagte weiter, daß die Revolutionäre, dir mit so viel Energie nm ihre Sache gekämpft hätten, wert seien, für sein Regiine gewonnen zu werden. Zu dem'Ultimatum Habichts meinte er, daß er eS nicht zur Kenntnis nehme und sollten die Nationalsozialisten nach dem 28. Feber ihre staatsfeindlichen Mionen fortsetzen. Diese trotzige Parole hat in den Wiener Ar- bciterbezirken trotz aller Lügen dcS Dollsuß-Regi- mes die Oberhand behalten. Ein exponierter An- gcstellier eine» großen Restaurants ries einer Gruppe ausländischer Gäste ohne Rücksicht auf das anwesende Publikum zu: „Sagt es in der Welt draußen, daß das was geschehen ist, der Wiener Bevölkerung das Herz abdrückt. Wenns noch einmal lodgehl, wird da» Volk mit nackten Fäusten losgrhrn und die Verbrechen rächen." Bemerkenswert ist, daß die Parole der Regierung, anläßlich des Begräbnisses der gefallenen Soldaten und Polizisten die Kerzen in die Fenster zu stellen und die Häuser zu beflaggen, in den Mittelstands- und Arbeilcrbczirken nur mit verschwindenden Ausnahmen befolgt wurde. Die ungeheuere Mehrheit Wiens verharrt in stummer Trauer und trotziger Entschlossenheit. Was in diesen Tagen der Verfolgung an stillem Heldenmut geleistel wurde, laßt sich nicht schildern, ist aber in der Geschichte ohnegleichen. .. Aus einzelnen Bezirken liegen Berichte vor, daß sich die Polizei human benommen habe. W i c n, 22. Feber. Heute oder morgen wird die Entscheidung darüber fallen, wohin der gewesene Bürgermeister Seitz und die anderen sozialdemokratischen Mandatare werden gebracht werden, die sich gegenwärtig no ch im Polizeigesangrnenhause auf der Rossauerlände befinden. Es ist geplant, ein neucsAnhaltelagersürsie einzurichten. Sämtliche früheren sozialdemokratischen Führer wurden bereits cinvrrnommrn. Wir erfahren von unseren Wiener Genossen: Die Hinrichtungen sind vorläufig eingestellt, aber die stille Rache an den gefangenen Schutzbündlern und Sozialdemokraten ist in vollem Gange. WaS man von den Gefangenen von verschiedensten Seiten hört, gibt zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß. In der Polizeikasrrur der Marokkanrr- I straße, wo zahlreiche Schntzbündler eingrlie- I fort sind, erfuhr man durch daö Mitglied I einer ausländischen diplomatischen Drle- | galion, daß man Dirnötan den ganzen Tag! ■ dir Motore der Polizriautos lausen ließ, um I entweder die Salven von Erschießungen oder I das Geschrei der Mißhandelten zu über» W tönen. Lom Polizaikommissariat Döbling wird zu- vcrläsiig berichtet, daß die gefangenen Schutzbündler ganz»mch dem Muster der reichSdrutschen Goering-Sadiste» gemartert wurde». Als die Polizisten vom Schlagen schon ermüdet lvaren, schlugen sie dir Schutzbündler mit GnmnntNütteln über den Mund, bis ihnen die Lippen aufsprangrn. Angehörige der Jnhaftierlen werden nur in beschränktem Umfange nach tagelangrn Bitten zugrlassrn. Tie Frau eine» Wiener Gemeinderates wußte sich Zutritt zu einem hohen Polizrikommisiär zn verschaffen mist rrsnckitc nm Erleichterung für ihren nach einer schweren Operation kaum genesenen und seit neun Tagen inhaftierten Galten. Sie wollte ihm wenigstens rtwaö Wäsche,. Lebensmittel und Seife bringen. Der Beamte erklärte zynisch:„Im Kriege haben wir oft drei Wochen die Hemden nicht gewechselt nnd nichts zu fressen gehabt. Jetzt herrscht Kriegszustand und die Verbrechen der Sozialdemokraten müssen gerächt werden." Aus einer andern Kaserne wird berichtet, daß die Gefangenen,. die vollkommen erschöpft waren, noch drei weitere Tage hungern mußten und sodann erst eine Schale Kaffee erhielten. Uebrr das Schicksal der Gefangenen herrscht nach wie vor qualvolle Ungewißheit. Es bestätigt sich, daß dem ehemaligen Finanzreferrnten Brcit- ne>' trotz seines schweren Magenlridenv dir Diätkost verweigert wird«nd der von Hunger nnd Kälte vollständig dezimierte Mann die Gefängnisnahrung immer wieder erbricht. Eil« Arzt der Wiener Rcttungsgesellschaft teilte zuverlässig mit, daß während der Kämpfe Rett nngsan tos dazu benützt wurden, um schwer bewaffnete Polizisten nnd Mitglieder des Schntzkorps(Hrimwehe) auf die Kampfplätze zu bringe». Vie Empörung des Auslands London, 22. Feber. Unter der Ucberschrifl „Hände weg von Oesterreich" schreibt Olardiner im „S t a r", das Schicksal Oesterreichs sei in erster Linie eine Angelegenheit für Oesterreich selbst. Richt nur Deutschland, sondern besonders auch Italien müssen fick daher einer Einmischung in die innere Lage Oesterreichs enthalten. Dem österreichischen Boll müßte das elementare Recht gesichert werden, über seine eigene Zukunft zu entscheiden. Das österreichische Boll sei dieses Rechtes durch einen Akt der Grausamkeit beraubt worden, der unter den zivilisierten Bevölkerungen ohne Beispiel dasteht. Der Professor für mitteleuropäische Geschichte an der Londoner■ Universität, R. W. Seto»- Watson, erklärte auf einer Konferenz in Kings College; Dollfuß wiu die Revolutionäre, die er nicht hängen läßt, für den Fascismus gewinnen Für DollfuB mit„Hell Starhemberg!“ Wien, 22. Feber. Heute trat der nicdcröster- rcichischc Landtag ohne Sozialdemokraten zu einer Sitzung zusammen, in Ivclchcr der zum Landeshauptmann-Stellvertreter bestellte LandcSsiihrer- Stellvertreter dcS niederösterrcichischcn Heimat- schntzcS Major Baar von Baarensfeld einstimmig gewählt Ivnrdc. In seiner Antrittrede erklärte er u. a.: Im Rahmen der mir übertragenen Pflichten will ich dem Herrn Bundeskanzler Dollfuß in seinem heldenhaften erfolgreichen Kampfe nm ein deutsches, katholisches unabhängiges, soziales nnd ehrenhaftes Oesterreich mit allen meinen Kräften unterstützen. Der Landeshauptmann-Stellvertreter schloß seine Rede mit dem Rufe„Heil Starhcmbe rgl" Hegen Hitler- rar Dollfuß? Betrugsmanöver der Hänge-Christen Aeußerlich herrscht nun in Oesterreich die Ruhe deö Friedhofes, aber die christlichen Sieger über das arbeitende Volk sind keineswegs von jenem Vertrauen in die Festigkeit ihrer Blut und Rache-Herrscher erfüllt, wie sie in ihren Reden und in der von ihnen»rach Hitlers Muster gleichgcschalteten Presse prahlerisch zur Schall tragen. Die einzig wirklichcBürgschaft gegen den Hcreinbruch des branncn FasciSmuS, die sozial- demokratischen Arbeiter, haben sie nicdcrlar- tätscht und was der Dollsuß-Klüngel an Gewinn aliü der blntigcn Ernte dieser Febertagc davon- getragen hat, ist trotz der Beteuerungen, daß er Oesterreich gerade noch im letzten Augenblick vor der Schreckensherrschaft des Bolschewismus gerettet hat, keine gesteigerte Liebe der großen Masse der Bevölkerung. 3n die Herzen nnd Hirne der Arbeiterschaft dagegen haben seine Bestialitäten tiefsten lind nie verlöschenden Haß gesät. Daß die Nationalsozialisten, die weit stärker im Land sind alö die Anhänger deS Dollsuß- RegimcS, nuninchr ihre Aspirationen ansgebeil werden, einer solchen Allsfassung ividcrspricht alles, denn nicht die Nazis, sondern die Hcim- wehrbanditen werden cs sein, welche die durch die Unterdrückung der Sozialdemokratie lind bald wobl auch der anderen Parteien sreige wordenen Stellen unter sich aufteilcn werden. Den Siegern ist in ihrer Isoliertheit um so unheimlicher zuinute, als ihnen wobl die gegen Arbeiter. Frauen und Kinder abgeschosscncn Haubitzen und Schrapnells zur Macht verholfen, nicht aber gleichzeitig die Frage entschieden haben, wer von den Kkigncn der Dollfuß, Fen und Starhcinberg nnninehr eigentlich die Koni mandogewalt zu übcrnehinen habe und deutlich genug sind die Shmpioine der bcginnendeil Eifersüchteleien zwischcir den„von Gott" er kürten Siegern. Da ohne Zweifel der NazifasciSinns bald darangchen wird, alles daran zu setzen, dem Klcriko-FascismuS die Beute abzujagen, siebt sich dieser in seiner peinlichen Vereinsanunig nm BundeSgell assen um. Tas sollen— man muß sich anhalten, nm bei dieser gigantischen Frechheit nicht umzusallen— die sozial demokratischen Arbeiter sein! Dieselben sozialdemokratischen Arbeiter, deren Kameraden, Frauen und Kinder er in ihren Heimstätten mit unerhörter Grausamkeit nur deshalb z« vielen Hunderten niederschlachtcn ließ, weil sie Republik und Freiheit zu verteidigen wagten. Nach verübtem Massciunord soll jetzt der„vom Marxisinus befreite" Arbeiter geistig und seelisch für den christlichen Hahnen- schwanz FascismuS gewonnen werden. TaS Mittel soll dieses sein: Am letzten Montag wurde zuerst die Innsbrucker Bevölkcrling in Erstaunen verseht. DaS in den BürgcrkricgStagcn linterdrückte sozial- deniokratische Tagblatt, die„V o l k s z c i- tun g", war wieder erschienen. In der alten Dnickerei gedruckt, in derselben Aufmachung, ganz als wäre eS die alte im 42. Jahrgang stehende„Volks Zeitung". Nur daß anstatt der Warte„Sozialdemokratisches Or- gan" jetzt dec Untertitel lautet„Unabhängiges Organ". Wie unabhängig, das zu erfahren, genügt ein Blick in den Inhalt des BlattcS. Auch hier wird die betrügerische Täuschung fortzu- sctzen gesucht. Die Leser sollen den Eindruck empfangen, sie hätten ihr altes Tagblatt vor sich, nur geläutert vom„marxistischen Gift". Es wird darin sogar ein bißchen Kritik an der Regierung geübt und ihr zugcrcdet, möglichst 1 Großmut gegenüber den Besiegten zu üben, was wenigstens, wo die verantwortlichen Leute zu suchen seien. Neber da» Schicksal der sozialdemo» kratischen Führer äußerte er sich nnr ganz kurz und sagte, daß die ausländischen Journalisten sehr bald Gelegenheit bekommen werden, sich davon zu überzeugen, daß alle Gerüchte über Mißhandlungen derselben erfunden seien. Znr Frage der Zusammenarbeit mit der Heimwrhr rrklörte er weiter, daß die Zusammenarbeit mit derselben noch nie so gut wie gegenwärtig gewesen sei, wenn es auch menschliche Gegensätze zu überwinde» gebe. Damit wollte er offenbar die Gcwaltmaßnahme» gegen die Sozialdemokratie entschuldigen, die eben auf diese menschlichen Gegensätze znrückzuführen sind, dann wisse erj-i» 800 Sozialdemokraten im Landessericht Wien, 22. Feber. In die beiden Landesgerichte in Wien wurden gestern nnd heute 800 Sozialdemokraten und Angehörige des Rcvubli- kanischen Schutzbundes eingeliesert, die bisher im Polizcigefängnis auf der Rossauerländc oder in der'. NotgcfängniS in der ehemaligen Fabrik der Fa. Armbruster in Wien IX, Porzellangajsc, untergebracht waren. Hier ist inzlvischcn Raummangel eingetreten.-— Adelheid Popp in Lebensgefahr Die 68jährige sozialdemokratische Abgeordnete Adelheid Popp liegt derzeit, an einem Ge- bärmuttcrkarzinom schwer erkrankt im Lainzer Krankenhaus der Stadt Wien. Dieser Tage erschien Polizei im Krankenhaus, um die Frau zu verhaften. Der Primarius widersetzte sich energisch diesem Begehren, er erklärte, daß die Patientin eine Radinmkapsel eingcfiihrt habe und ein Transport in diesem Zustand lebensgefährlich sei. Daraufhin verpflichteten die Polizeibcamtcn den Primarius, ihnen davon Mitteilung zn machen, wenn die Radinmkapsel wieder entfernt sei. dann müsse die Abgeordnete Popp unverzüglich in daS Jnqni- sitcnspital geschasst werden. Dollfuß läßt weiter hängen Linz, 22. Feber. Das Standgericht in Linz hat heute in Angelegenheit der Ermordung deS Oberleutnants Nader und ztveicr Alpenjäger auf dem Polvgonplatz in Linz am 12. Feber die Sozialdemokraten Bulgari, Schwinghammcr und Gschlvandlncr wegen Verbrechens des Mordes im gegenseitigen Einverständnis zum Tode durch den Strang verurteilt. Das Urteil wurde um 17 Uhr 60 Minuten an Bulgari vollstreckt. Schwing- hammer und Gschwandtner wurden im Gnadenwege zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. Eine Greuelmeldung des Fey Wien, 22. Febce. Die Wasfcnsnche in den großen Kampfabschnitten des Ausstandes hat neue Funde ergeben. Es wurden von der Polizei insgesamt 1.6 Mill. Schuß Jnsantcricmuni- lion nnd 7800 Handgranaten beschlagnahmt. SeHe 2 Freitag, 23. Arber 193t «r.4» der Dollfuß in seinen Reden ja auch läßlich versichert, aber in den Verhaftungen und in der barbarischen, jeder rechtlichen Grundlage cirtbeh. rendeu Behandlung der Eingekerkerte;; unge hemint fertjährt. Jin Wesentlichen aber ist der Inhalt auf zweierlei abgestinunt. Einerseits auf immer wicdcrkehrende Aufserdcrungen zi:„s r i e d l i ck o in Z» s a m in e n w i r- i e n". nämlich mit Dollfuß, Fei) und Starhem- berg, auf Versöhnung der Arbeiter mit dem durch die Mord-Altion horbcigeführten Regime, andererseits auf die S t i m m u n g S m a ch e gegen H i t l e r- D e u t s ch l a n d. Den Arbeitern, an die sich das Blatt wendet, wird bald rcsilos klar geworden sein, welche schuftige Rolle ihnen da zugemutct wird, das ist, dein christlichen Fasciöiuuö au§ der Patsche zu helfen, dein einen Würger der Freiheit und der Rechte der Arbeiterschaft gegen den a n d c r c n Würger, der sein Konkurrent ist. beizustehen. Der infame VetrugSversuch soll nicht ber- einzelt bleiben, auch die Wiener„A r b e i- ter's e i t ir n g", deren Gebäude und Druckerei die Tollfuß-Fascisten gestohlen haben, ivird wieder erscheinen, sicher gleichfalls unter Benützung ibres alten, den Lesern wohlner- trauten Geiuandes, nur daß eben nicht mehr marxistische Redakteure sie schreiben, sonderi» einige Hciuiwehrschustc,>vic angekündigt gesagt wird.„bcivutzteS Christentum"(siehe Granaten gegen Arbeiter Heimstätten!) und„wahres und echtes soziales Verständnis zwischen allen Ständen und der Arbeiterschaft" verkünden werden. Kein Zweifel, das; allen ehemaligen sozialdemokratischen Zeitungen von den christlichen Proletaricrnlördcrn die gleiche Rolle zugedacht ist. Die österreichische Arbeiterschaft ist gegen über den besser ausgerüsteten und verpflegten »ascistische»; Henkersknechten unterlegen und zur Zeit ohitNtächtig, diese nichtswürdige Schändung der ihr teuer gewesenen Partciprcsse zu vcrhin- dcnl. Sic mutz zusehen, wie die mit ihren opscr- Volt und mühselig zirsanlineilgetragenen Gro- ilten erbauten sozialdemokratischen ZcitungS- gebäude und Druckereien der Reklame, der Verteidigung und den dunklen Zwecken der Fasci- sten dienen werden, zusehen, wie die Schurken INN die Gcwinittlng der Seelen der von ihren Mordgcschützen noch verschont Gebliebenen sich beinühcn. Aber zu glauben, das; diese äußere Wehrlosigkeit die Voraussetzung dafür bilden werde, die sozialdeinokratischen Arbeiter auch zur innerlichen Anerkennung des christlich- katholischen Mörder-Regimes, oder gar zu seiner Bewunderung und Verehrung zu bewegen, das verrät ein solches Mas; von Dummheit, daß üch ihre ausführliche Würdigung angesichts der hohen Stufe der politischen Reife der östcrreichi- schen Arbeiterschaft, welche diese der jahrzehntelangen Erziehungsarbeit der Sozialdemokratie zu danken hat, erübrigt. Vollends albern ist die Vorstellllng der Dollsutz-Klique, sie könnte mit der getarnten WicdcrhcrauSgabe der früheren sozialdemokratischen Zeitungen die Arbeiter als Dundesge- nossen für die bevorstehenden Kämpfe mit ihrem Nazi-Konkurrenten gewinnen. Für die Bcwah- rung der dcntokratischen Freiheiten gegen daS drohende fascistische Joch zu kämpfen, dazu>var, wie ihre Kämpfe belvieson, die österreichische Arbeiterschaft unter Fühning ihrer Partei bereit. Dollfus; hat diese Hilfe verschmäht, stets nur Hohn, Provokationen und neue Unter- drückungv Mafznabmcn als Antwort auf diese Bereitwilligkeit übrig gehabt. Nun, da er in blutigem Slrasienkampf niedergotrctcn. was vielen zchniansendcn Arbeitern Stolz und Lebensinhalt gewesen, ist, nun, da die Arbeiter Oesterreichs an den kaum geschlossenen Gräbern von zahllosen ihrer Mit streiter trauernd stehen, zu glauben, diese geschändete»;, gemarterten und in ihren heiligste»; Empfindungen tödlich getroffenen Menschen würden sich nun hinter die wcisi-grü- nen Fascisten, gegen ihre eigenen Mörder und Henker stellen, das verrät eine kaum zu übertreffende Ahnungslosigkeit von der sozialistischen Arbeitcrseele. Auch ohne prophetische Gabe kain; nlan den meineidigen Schurken, die sich in Oesterreich der StaatSgeivalt bemächtigt haben, Voraussagen, das; sich kein einziger ehrlicher, klassenbewusster Arbeiter dazu hergeben wird, in dem Konkur- rcnzkmnpfe. der braunen und der weiß-grünen Fascistcn-Hänptkinge einen Finger zu rühren! Üenderang im landmtrl- «hofllidiett Exekulionndiub Tic Vorlage geht an den Senat zurück. Prag, den 22. Feber. Im vcrfassnngsrechtHchen Aue schuß des Abgeordnetenhauses wurden heute vormittag die Senatsbeschlüsse über den Aufschub der Exekutionen in Gegenwart der Minister Derer und Hodza verhandelt. Der Aufschub der Exekutionen gegen Arbeitslose wurde in der Scnatöfassung angenommen, wobei der Ausschnf; ausdrücklich konstatierte, dah im 8 4, der definiert, iver als arbeitslos anzufehcn sei, der Pass»»?, dah die krankenversichc- rungSpslichtigc Besä»ästignug so auszulegen fei, dah es nicht darauf anlomnü, ob der Angestellte auch tatsächlich bei der zuständigen Krankenversicherungsanstalt angemcldcl»var und die Beiträge gezahlt wurden, sondern, dah«S genügt, wenn die Beschäftigung nach den geschlichen Vorschriften Versicherung«» pflichtig war. In dem TenatSbcschluh über den ExekutionS- I schuh der Lmidwirte wurde dagegen ein neuer Zu- sab zum 8 9 beschlossen, wonach von den Exekn- kionSschutz ausgenommen bleiben. „verabredete rcgelmähige KaPitalSabzahlungcn, die jährlich 2 Prozent des ursprünglichen Kapitals nicht überschreiten, Annnitüten und Zinsen, soweit diese Kapitalöabzahlungen, Annuiläten und Zinsen nach dem 9. Mai 1033(dem Tage deS Inkrafttretens des 1. E.rckutionSschnhcS) fällig geworden sind." Diese Bestimmung Ivar•- mit Ausnahme der Beschränkung von Zahlungen, die erst nach dem V. Mai 1038 fällig wurden— schon im ursprünglichen Regiernngscnttvurs enthalten, ist vom Senate aber gestrichen worden. Nun wird tvegen dieser Aende- rung die Vorlage an den Senat zuriickgehen müssen. Der Aenderung schloh sich auch der landwirtschaftliche AuSschuh an, der die Vorlage bereits ungcändcrt angenonnnan hatte und diesen Beschluh nun Henle umstohen muhte. In zwei Ausjchuhresolurioneii wird die Negierung aufgefordcrt, schnellstens eine Vorlage über die Entschuldung der Landlvirtschaft cinzubringen und den Steuerzahlern über begründetes Ansuchen erträgliche Ratenzahlungen auf die schuldigen Steuern zu bewilligen. Die Eröffnung der für 10 lthr angesetzien Plc !»»arsihung verzögerte sich infolge dieser langwierigen AuSschnhverhandlungen bis um 2 lthr. Im Plenum wurde zunächst der Jniiiativanirag aus Errichtung einer evangelischen theologischen ! Fakultät in Prehburg behandelt. Es geht darmn, der bereits seit den Zeilen der Reformation in Prcß- j bürg bestehenden theologischen Lehranstalt Hochschnl- j charakter zu verleihen. Eine neue finanzielle Be lastung der Staatskasse tritt nicht ein, da die Anstalt auch bisher schon vom Staate entsprechend subventioniert lvurde »Gesetz über Exehutionssrimlz für Arbeitslose angenommen Bevor der AuSschuhbcricht über den ExekutionS- schutz vorgelegt werden konnte, wurden noch die Referate über ein Zusatzprotokoll von; Mai 1088 zum französischen Handelsvertrag, sowie über den Handelsvertrag mit Bulgarien erstattet. AlS Referent znnr ExekutionSschny der Arbeitslosen hob Genosse Klein dann die schlvere Schädigung der Geschüstsreisenden durch die Krise hervor. Der Ausschuh spricht daher in dem Bericht ausdrücklich die Erivarinug ans, das; die Borteilc dieses Gesetzes auch den HandlungSreisenden und Vertretern voll zugute kommen tverdcn. In der Debatte sprach sich der tschechische Genosse K o u d e l k a gegen die Aenderung des 8■’ au«, weil die betroffenen Landwirte jetzt die Zinsen und Annuitäten für fast ein'Fahr nachzahlen mühten und ,;>var in einer Zeit, wo sie ihr Getreide be- j rcits verkauft haben und ohne Mittel dastehcn- Er ' führte weiter an, dah der landwirtschaftliche Exeku- , lionsschutz bis Ende Feber dieses Jahre« sich ans rnnd lt 2.000 Einzellalle erstreckt. Bis Ende des jsahres dürfte diese Zahl noch um 20.000 vermehr! ; werden. Enri k, der frühere GciverkjchaftSsnhrer de» i ischegüschen Klerikalen, der sich mit seinem Verband i selbständig gemacht Iiai, verlvahrte sich gegen die An- I jchuldigung, dah sein GewerlschasISverband das i Genter-Svstcm zu politischen Zwecken mihbrauchc. Zur Zeit als Minister 2 r ä m e l noch Obmann des I Verbandes»var, sei doch das Genter System nicht anders gehandhabt ivordcn al« jetzt. O ft r>>(Gewerbcparteil sprach gegen eine Verordnung über die Bekämpfung des Wuchers, die angeblich noch heute herauskommcn soll nnd die Geldstrafen bis zu»0.000 Ki* Porsche. Die Regierung solle lieber erst die Kartelle verfolgen. chn Laufe der Debatte traten auch drei kommunistische Redner anf, die wie üblich, die Regierung„entlarvten", das; sie auch mit diesen Gesetzen nicht« andere« bezwecke, al« die Arbeiter nnd Klein- bauern zu schädigen. Gegen 8 Uhr abends wurden dann sänstliche heute verhandelten Vorlagen in beiden Lesungen angenommen. Die nächste Sitzung wird aus schriftlichem Wege einberusen werden, voraussichtlich erst für den 6. März. Vor Schluh der Sitzung hält der , Vorsitzende noch dem Abgeordnete»; Prochäzka. dem I Führer der Eisenbahncrorganisation der tschechische»; Nationalsozialisten, der heute nachmittag verschiede»; j ist, einen Nachruf- w Die Regierung gegen die Teuerung Verordnung bevorstehend. Wie des„Prävo Lid;;" mitteilt, wird auf Grund des wirtschaftliche»; Ermächtigungsgesetzes vom ö. Juli 1933 eine Regierungsverordnung erscheinen, worin den; Ministerinnr deö Jimern nnd allen politische»; Behörde»; der Auftrag erteilt Ivird, darauf zu achten, dah die Mittel der Lebensbedürfnisse nicht gru»;dlos verteuert wer- dei». Nach der neuen Verordnung sollen alle diejenige»; bis zu 60.000 Kc, bztv. mit Gefängnis bestraft werden, welche für Ware»;»nehr verlangen, als durch die»virtschaftliche»; Verhältnisse gerechtfertigt ist.»veiter diejenigen,»velche Waren überzahlen,»velche Vcreinbarunge»; betr. die Ilebcrteucrnitg von Waren treffen,»velche aus SpekiilationSgründe»; Warenvorräte zusammen- kaufen nnd schließlich diejenige»; welche in spekulativer Weise Erzeugung und Handel einschränken. Die Verordnung ivird de»; Vorteil haben, daß über die angeführte»; Delikte die BezirkS- äinter selbst entscheide»; und auch die Strafe»; auf- erlege»; können. DaS Ivird eine rasche Erledigung des Verfahrens gegen alle»; Wucher ermöglichen. „Ebenso niet EntldiMenheit wie die Dihtaloren“ Veronika über die Folgen der österreichische» Ereignisse für die Tschechoslowakei. In der„Plttonniost" schreibt Pcroulta an leitender Stelle über die österreichischen Ereignisse. Einleitend legt er ein Bekenntnis der Bewunderung ab für die Tapferkeit, niit der sich die österrcichisck'e Arbeiterschaft geschlagen hat, nm dan»; später die Politik der österreichische»; Sozialdeinokratie sei» dem Nmsturz zu kritisiere»; und eine Parallele zu ziehen zur Politik der Sozialdeinokratie in der | Tschechoslowakei. Ter Artikel schließt mit folgender Betrachtung: ..Durch das Ereignis des österreichischen Kanipses hat sich der Rin»; des FasciSnnis um unsere Republik sozusagen geschlofsen. Wie im Weltkrieg koinnit es nun darauf an,»velche Partei die stärkere»; Nerve»; haben»vird. ob die Partei der europäischen Demokratie oder die des europäischen FasciSinuS. Die Tschechosloivakei wird nichts an ihrer Art ändern: Sie Hai die Aufgabe, in; demokratischen Realismus, dem sic bisher ergebe»;»var. fortzufetireiten und»veiter die Traditio»; der Koa- litionSpolitik zu pflegen. lind cs darf darauf nicht vergessen»verdcn: Bei der Demokratie bleiben und eine genug autoritative Regierung schaffen, welche 'die Fähigkeit hat, die En!stehui;g des Chaos, diese» ärgste»; Feindes der Freiheit, zu verhindern. Wen»;»vir bei der Tcinokratie bleiben,»nüsscn»vir genau soviel Ordnung nnd Entschlossenheit besitzen, wie sic die Tiktalnren haben." Abgeordneter Prochäzka gestorben. Gellern starb Abgeordneter Bohumil Prochäzka, Angehöriger der Tschechischen Nationalsozialistischen Partei, und Obmann der Eisenbahnerorganisation „Jednota". Es»var ein Mann, der innner energisch für die Interessen der Eisenbahner cingctre- icn ist und ausrichtig solvohl mit den tschechischen, als auch»nit den deutschen Sozialdemokraten zu- sa>n>nei;gearbeitct hat. 31 n. m. de Jims: VersekÄmgene Jfode Ck Xomafl- in vier CpUoUca Autorisierte Uebereetsunc um dem HoIIiadieclMn von E. R, Fuchs. Dieser Gedanke schien ihn zu erschrecke». Seine Augen»vurdcn starr und öffneten sieh weiter. ..Du bist beklagensivert", anttvortcte Peter; auü seinem Ton konnte man nicht entnehmen, ob er cS iin Ernst so meinte oder nicht. Aber der andere spann seine eigene»; Gedanke»;»veiter: „Du entledigst dich doch innner wieder alle»; Zwanges, käinpft dich durch alle Mühsal und du holst ausgiebig Atem, Iven»; du loicdec deine Freiheit hast... lind ich»nutz in den; Käfig bleiben... nicht einmal»vie ein wildes Tier, sondern wie ein gut ilmsorgteö, ängstlich verhätscheltes Aeffche»;... Alle meine Wünsche werden erfüll»... aber der Käfig öffnet sich nicht... Nun Iverde»;»vicder Berichte über»ncine Grillen geschrieben,»veil ich a»; dem offiziellen Este»; nicht teilgcnvnnncn nnd einen merkwürdigen Besuch empfange»; habe." „Ja, der Purpur drückt schwer", spottete Peter. Ter Prinz schien ihn nicht zu höre»;. Er beugte sich in seinem Stuhl nack» vorne und blickte seinem Gast ga»;z auö der Nähe in die Augen. „Eigentlich kau»; mau»;icht behaupte»;, dah ich»vie rin Me»;sch gelebt habe", fuhr er fort, „außer an jenem übermütigen Nachntittag mit dir... du und alle, denen wir begegnete»;, hielten mich für einen gewöhnlichen Jungen... der Bauer wagte eS, uiir mit seiner Gabel zu drohen!... Wir, Fürste»; und Fürstenlinder, sind genau genonune»; Götzen, gezierte hölzerne Puppen, Säulcnheilige... Immer umgibt unS ehrerbietige Anbetung in allerlei gezwungene»; Hal- »imgeu und wir dürfen und nicht frei u»;d zwangslos bewegen, um daS Decorum, die Hofetikette, die ehrsurckUgebietcnde Majestät nicht zu verletzen. Wir inüsie»; immer in Glanz und Pomp und Feierlichkeit i>; übergrellcn; Lichte stehen und unsere kleinste»; Taten werden zu Legenden. Selbst unser intimstes Leben ist nur soweit heilig, als es nicht»nit Politik verquickt werde»; kann. Ein Lebe»; nach Lust und Begabu»;g ist verboten. Trauung mit einer zufällig in den Weg tretenden Frau, nach der ma»; toll ist, uumöglick». Umgang mit sclbster- Ivählten Freunde»;— verboten... Politik,... Staatswissenschaft... dhnastische Belange... Tradition... Neberlieferung... Intrigen hier und dort und überall... allzeit der Hintergedanke: welche Belange sind hier am Werk?... WaS will man von dir erreichen?... Welche Ein- flüsic stecke»; da dahinter... welche heimliche Absicht da?... Der Mann, der»nein Vertrauen sucht... die Frau, die ihre Arme um meinen HalS schlingt..,.»vaö denken sie, was wollen sie?... Siehst du, Peter, uneigennützig, wie Mensch zu Mensch, werden wir selten, vielleicht nie behandelt... Und innner auf Grund eines uralten Ritus umhergeführt und zur Schau gestellt... von Kindheit an... man darf sich kaum mehr in seinem eigenen, abgcschlosienen Zimmer bewegen... und die widerwärtige, schleimige Schmeichelei rund uin dich... die klebrige»; Herren von der Presie, die bis zum Bode»; gebeugten Kaufleute, die sklavische Förmlichkeit... und innner flehende Augen, untertänige, gunstheischende Blicke... wegen eines Amtes, einer Beförderung, Auszeich- nung... Vergöttlichte Gefangene sind wir, Peter, zu lebenslänglichem Kerker verurteilt als Strafe für unsere Geburt, a»; der wir genau so unschuldig sind wie ihr... Und we»;n man tlagt, Ivird inan gerügt und getröstet mit vermoderten Worten: hoher Beruf, Gottes Gnade»;, das Wohl von Land u»;d Volk... Land und Volk... dafür müssen»vir unser Mcnschsein opfern, unser Leben als Mann oder Fra»;... Du, Peter, bist »virklich der Beneidenswertere von uns beide»;... Ach, Kerl, ich habe manchmal mit so»vildein Heimweh an dich gedacht I... Manchmal, siehst du... wen»; es gar zu schtvcr Ivar." Er schwieg eine»; Moincnt, seufzte tief und fuhr dann ruhiger fort:„Eigentlich, sichst du, Peter, vo»; Natur aus bin ich ein ziemlich schüchterner und zurückgezogener Jemand, der ei»; Ivcnig Halt braucht, ctivas Wanne und Freundschaft. Aber überall fand ich nur Ehrfurcht, Angst, hündische Anbetung, mcmmeichafte, kriecherische, flcnnerische Schmeichelei und immer »vicder zielte cö nur darauf ab, Einfluß zu erlangen, um dies oder jenes zu erreichen. DaS hat mich auf die Dauer entnervt und mir daS Ivahre Wesen der Menschen enthüllt. Ich kann sie nicht mehr lieben, mit dem besten Willen der Welt nicht, und so habe ich mir in meiner Gefangenschaft einfach genommen, p.aS eben erreichbar war... Und ach, Kerl, da konnte ich ja so viel erlangen! Alles... beinahe alles! Sobald die Frau in meinen Phantasien etwas zu bedeuten gctvann, bevölkerte sich augenblicklich»nein Leben heimlich mit Frauen und ich lernte alle Wollust kennen, die cs gibt, bevor ich noch voll- komincn erwachsen»var. Weißt du, alles Ivird dir zum Spielzeug und ein SHnb, das zu viel Spielsachen hat, kann sich nicht mehr richtig daran freuen. Bla»; wirst sie ein bihche»; herum, läßt sie achtlos liegen, vergißt oder zerbricht sie in schlechter Laune. Tief im Herzen liegt nun einn»al die Sehnsucht begraben, und zu viel Besitz macht das Leben so hohl und so leer wie eine düstere dunkle Grotte, in der»na»; vor Einsamkeit vergeht... Kein Mensch kann auf Erden so einsam sein wie ein Fürst... Das klingt vielleicht idiotisch, Peter Zanzi, aber wenn ich dich so aus der Nähe betrachte, möchte ich du sein." Peter Zanzi lachte nicht. Er schüttelte den Kopf und antwortete:„Taö würde dir nicht leicht fallen und sicher nicht mehr Befriedigung ge- Ivähren..." „Sehr inöglich", seufzte nachdenklich der Prinz.„Was auf Erden könnte mir noch genügen?" „Aber jetzt", plädierte Peter,«jetzt bist du UniversitätLstudcnt... Nun bist du doch so gut wie cm freier Manu." Der hinter ihn; lackNe höhnisch. „Student!" klag cS bitter,«Paradepuppe der Universität bi»; ich... Ingenieur hätte ick werde»;»vollen, da« hatte Reiz für mich. Ich bin Offizier, nicht eininal beim Genickorps, das würde sich für einen Kronprinzen nicht schicke». Und nun studiere ich hier die Rechte... bei Professoren. die zitter»; und sich bis zur Erde beugen, »venn ich herein komine... Ich ärgere»nich, ich langweile»nich z»i Tod... rings un;»nich lausen Wachlhunde und Spione,'S ist»vie je und eh, ich kann»nick» nicht rühren, ohne daß»nich das eine oder das andere Zeitungsungetüm belauert und über mein Tun und Lassen einen schlciinig patriotischen Artikel schinicrt... ich nniß Ausstellungen eröffnen und Kongresse nnd WohliätigkeitSfeste. Und Iven»; ich einen Moment entwischen kann, kann kneipe ich mit ein paar hündischen Speichelleckern vo»; der Sorte deines Grafen W.; ick saufe und ich schweinigle, bis ich unter den Tisch falle, und selbst dann kann ich nicht innner vergessen, daß ich nur ein leerer Schlauch bin, dem der lebendige Wein cninonnnen worden... Manchmal wünsche ich wirklich, ich wäre als der Sohn eines Pächters»neineö Vaters da oder dort geboren..." Er schwieg und griff»nit nervös zittemder Hand nach der Weinflasche. Peter musterte ihn scharf. „Prost, glücklicher Hund!" rief der^Prinz mit erhobenen; Glase. .(Fortsetzung folgt.)- «r. 45 8rtetiajt, 23. Seiet 1934- Seite 3 Brief aus einem Alpendorf Ein in einem Alpendorf wohnender Genosse schreibt uns: Werte Genossen! Ich kann unmöglich die Gefühle wiedergeben, von denen wir beseelt sind. Mir persönlich ist es, als seien wir in einem großen Kerker eingekerkert, in dem erbarmungslos die Peitsche geschwungen wird. Wir wissen nicht, wie es den Genossinnen und Genossen in den einzelnen Zellen geht, was sic zu erleiden, zu erdulden haben. Wir tappen tm Dunkeln und ahnen nur die Nähe unserer Genossen. Wie sehr wir unsere Zeitungen missen, kann ich unmöglich beschreiben. Waren sie doch unser Licht und. unsere Sonne, und nun sie am Erscheinen behindert sind, leben wir im undurchdringlichen Dunkel. Dabei nimmt die Gefahr des braunen Faschismus immer mehr überhand. Unsere Anhänger sind der Meinung, ob brauner oder schwarzer Faschismus, cs sei einerlei, nur der schwarze Faschismus muß um die Früchte seines Gewaltsieges gebracht werden, wenn schon der Faschismus herrschen soll. Es ist unmöglich, den Dingen freien Lauf zu lassen. Ein Dollfuß, hinter dem nur mehr sine verschwindende Mehrheit, mit inbegriffen die Bundesexekutive, steht, kann sich nicht mehr lange halten, einen Hitler aber werden wir nicht mehr los. Der deutsche Rundfunk nützt seine Chance ganz gehörig aus, während jedes Kind weiß, daß dem österreichischen nichts mehr zu glauben ist. Mehl kann ich Ihnen nicht schreiben, weil ich nicht weiß, ob mein Schreiben wohlbehalten antreffen wird. Schreiben Sie mir, ich bitte Sie um alle Welt darum, zurück, wie ich die Verbindung mit Ihnen aufrecht erhalten kann, damit doch ein Lichtstrahl in eine unserer Zellen dringt. Ich bitte Sie inständigst, übermitteln Sie mir die Zeitungsausschnitte vom Montag. den iß. d. M. Ihrer Zeitungen, die die Vorgänge in Oesterreich behandeln, die die Wirkung inner- und außenpolitisch beschreiben. Wie Sic das machen, kann ich Ihnen nicht sagen, Leben wir doch hinter Zuchthausmauern, während Ihr in der Freiheit ruhig erwägen könnt, wie so etwas zu geschehen hat. Es geschieht, nicht für mich allein. Mit besten Freiheitsgrüßen Ihr Der Eiertanz seht zu Ende Verhandlungen erfolglos. Berlin, 22. Feber. lDNB.l Tie Aus- sprachen.zwischen den Veriretern der ReichSregie- rung und dem Lordsiegelbewahrer, Eden, über die Abrüstungsfrage gelangten beute zum Abschluß. Eden hatte während seines Aufenthaltes in Berlin zwei längere Besprechungen mit dem Reichs- lanzler, sowie verschiedene Unterhaltungen mit dem Reichsaußenminister. Diese Besprechungen wurden in einem freimütigen und freundschaftlichen Geiste geführt und zeigten, daß beide Regierungen den Wunsch haben, sobald als möglich zu einer allgemeinen Verständigung über die Ab- rüstungSsrage zu gelangen. Obwohl die Unterhaltungen eine endgültige Vereinbarung über den Inhalt einer Abrüstungskonvention nicht zum Gegenstand hatten, führte die gemeinsame eingehende Prüfung der Fragen dazu, dos; jede der beiden Parteien den Standpunkt der anderes durchaus verstehe. Eigen« Meinung mit Ausschluß aus der NSDAP geahndet Leipzig, 22. Feber. Der Leipziger Bürgermeister Dr. Löser ist aus der nationalsozialistischen Franktion der Leipziger Stadtverordnetenver- Fraktion der Leipziger Stadtverordnetenver- tung über die Tarisreform der Straßenbahn bat nämlich Dr. Löser als einziger gegen die Vorlage gestimmt. Damit hat er, wie die Pressestelle der NSDAP mitteilt, grundlegend gegen die Grundgedanken des Führerprinzipes verstoßen. Soziale Einkommensteuer In Amerika Washington, 22. Feber.(Reuter.> DaS Re- vräsentantenhauS hat mit 388 gegen 7 Stimmen den Gesetzentwurf angenommen, durch den eine Erhöhung der Staatseinnahmen aus dem Titel der Einkommensteuer dadurch erzielt wird, daß jedwede Möglichkeit, auf Grund der gesetzlichen Erleichterungen für die Einbekennung der Einkommensteuer sich der Besteuerung zu entziehen, unterdrückt wird. Dieser neue Gesetzentwurf beinhaltet zahlreiche Erleichterungen für kleine Einkommen, erhöht jedoch die Steuer für größere Einkommen. Soziakdemokratischer Wahlerfolg in Jugoslawien. Die wieder zugelassene jugoslawische Sozialdemokratie erlangte ihren ersten Wahl- erfolg. und zwar bei den Wahlen zur sogenannten Pflichtorganisation der Bergbaunnternehmnn- gen. Die Christlichsozialen schlossen sich den Sozialdemokraten an, die einen heftigen Kampf gegen den nationalen Verband zu führen hatten und in Trbovlje, dem Zentrum des Bergbaureviers, mit 1384 gegen 635 Stimmen siegten. W l I I I I Vor den Instandsetzungsarbeiten am Nelson-Schacht mit, nttf er» ftc* Er Tie I Kommunisten als„Reformisten** ••••••••••••••••• Schon am 10« April kann Dir ein Haupttreffer zufallen, wenn Du recht eMg Lose der Arbetterfürsorge kaufst! Rnr 8 hi! Führer und Massen Was eine Engländerin erzählt: Die Sonderkorrespondentin des„Daily Herold", L a d y D r u m m o n d H a», veröffentlicht fortlaufend Berichte über die Ereignisse in Wien. Sie bebt besonders hervor, das: die Bombardienmg der groben Wohn- hauSbauten völlig unerwartet erfolgte, daß leine Warnung kam nnd daß das Militär und die Polizei auch keine Aufforderung ergehen ließ, daü Gebäude zu räumen... Ich fragte die Leute im Tchligerhos, ob sie ihre sozialistischen Führer verurteilten, die all dieses Unglück über sie gebracht hätten. Ohne eine einzige Ausnahme erklärten sie, daß sie ihre Führer nicht tadeln könnten. „Diese schreckliche Lage wurde unS Sozialisten ansgezwungen", erklärten sie. Der„Dailn Heeald" teilt ferner daß standgerichtliche Bernrteilungen Grund der Zeugenaussage eines v i ' zehnjährigen Knaben erfolgen» der als Spion der Paterländischen Front tätig war und die Angeklagten mit dem Finger bezeichnet, die angeblich geschossen haben. Ladh Drummond Hay teilt auch mit, \ daß e» niemanden gestattet ist, mit den Per wundetetr zu spreche». Es sei ihr lediglich möglich gewesen, mit einem vierjährigen Knaben einige Worte zu reden, der van den Soldaten gemeinsam mit seiner Mutter a u s derFluchtangeschossett nnd schtuer verletzt wurde. Die Regierung der christlichen Heuler fiirchlel oft'eubar die Nachrichten von ihren Schreckenstaten, die aus diese Weise ins Ausland gelangen könnten. Dollfußmorde im englischen Unterhaus London, 22. Feber. Im Unterhaus stand auch am Donnerstag die österreichische Frage zur Debatte. Mehrere Abgeordnete der Arbeiterpartei fragten, ob der englischen Regierung bekannt sei, daß die österreichische Negierung sich durch ihr Dorgehen einem Teil der österreichischen Bevölkerung gegenüber einer Verletzung des Friedensvertrageö von St. Germain schuldig gemacht habe nnd ob die englische Negierung in Wien Schritte unternommen habe, oder unternehmen werde, lveil trotz der englischen Vorstellungen in Wien Hinrichtungen erfolgt seien. Baldwin, der den abwesenden Außenminister in der Sitzung vertrat, lehnte es ab, die Fragen erschöpfend zu beantworten. Neuer Konflikt Rußland-Japan London, 22. Feber. Die Sowjetbehördeit in Wladiwostok haben die japanischen Gebote bei den Fischversteigerungen für ungültig erklärt, weil die hinterlegten Gelder den alten Rubelkurs zur Grundlage hatten. Ein Wortführer des japanischen Außenministers erklärte am Mittwoch, diese- Vorgehen sei ein Vertragsbruch. Japan erhebe nicht nur Einspruch, sondern verlange auch Abhilfe. Der Wortführer klagte auch darüber, daß die maßgebenden Stellen in Moskau japanischen Diplontaten gegenüber nicht die geringste Höflichkeit zeigten. Am 18. und 10. Feber hätten der Botschafter Oia und der Botschafter Saho gewünscht, Litwinow und den Leiter der fernöstlichen Abteilung Aoschwitsch zu sprechen. ES sei ihnen aber bedeutet worden, daß die beiden zu beschäftigt seien, um sie zu empfangen. Am Montag, den 18. Feber, versammelten sich in Reichettberg die Mitglieder der Zenkralge- werkschaftSkommission des Deutschen Gewerk» schaftSbundeS zu einer Solidaritätskundgebung für die österreichische Arbeiterklasse. In dem Bericht hierüber wird u. a. gesagt: Erst als keine Hoffnung mehr auf die Erhaltung des inneren Friedens bestand, der Heimwehr- fasciSmus zur offenen Gewalt überging, fetzten sich die Arbeiter Oesterreichs zur Wehr, um ihre Le- beusrechte zu verteidigen. Sie habe» gehandelt, wie sie handeln mußten. Sie sind keine Verbrecher, sondern Verbrecher sind die Heimivehrfaseisten, Verbrecher und Hoch» Verräter sind jene Politiker Oesterreichs, die die beschworenen VerfassungSgesetze mit Füßen getreten haben. Mit unzureichenden Kampsmitteln haben sich die Arbeiter Oesterreichs einer liebermacht zum Kampf gestellt. Sie tvurden bezwungen von dieser liebermacht der Staatsgewalt, die ihre Sold» nertruppen gegen den Schutzbund führte, die mit allen Mitteln der modernen Kriegstechnik ein furchtbares Zerstörungswert überall dort anrichtete, wo Arbeiter im Kampfe für ihr Recht standen. So baden die fafeijlischen Machthaber Oesterreichs die kämpfenden Arbeiter niedergerungen und Oesterreich in einen faseistischen Staat umgewan» delt, in welchem eine blutbefleckte saseistische Diktatur das arbeitende Doll in Unfreiheit und Rechtlosigkeit zwingt. Mr Heldenmut wird uns anspornen“ Eine Kundgebung der Zentralgewerkschaftskommission für die österreichische Arbeiterklasse Kongreß der französische» Sozialisten. Für den 11. März ist ein, außerordentlicher Kongreß I der sozialistischen Partei nach Paris eiuberuien.! Auf dem Programm desselben besindett iich die politische Lage nnd der„Kampf gegen den Faseis. mus". Der ordentliche. Kongreß der Partei bleibt für den 28. Mai einberukeu. Wie oft haben die Kommunisten in ihren Blattern und Versammlungen die soziale Tätigleit der freien Gewerlschasten und der sozialdemokra- I tischen Arbeiterpariei als Hilse für den Kapnatis- I MUS, als Verrat an der Revolution heruntergerissen! Daß sie den Kampf gegen die tägliche Not der proletarischen Massen führten, das wurde ihnen von den Kommunisten als schweres Verbrechen angekreidet. Daran muß man sich erinnern, wenn man in den Thesen, die von dem Anfang Feber in Moskau versammelten Plenum des Exekntiv-KomiteeS der Kommunistischen Internationale angenommen tvurden, einen Absatz liest, der von den Kommunisten in allen Ländern fordert: „die Einfatiung einer tatsächlichen Massenarbeit unter den Arbeitslosen, wobei ein unermüdlicher K a in p f f ü r d i e Sozialversicherung, für die verschiedenen Formen der Gemeinde- Unterstützung zu führen ist." Wer aber nun meint, die.Kommunisten wollten damit den jahrzehntelangen Kamps der Gewerk- schasten und der Sozialdemokratie um den Ausbau der Sozialversicherungsgesetzgebung wirkungsvoll unterstützen, der irrt l Denn auch iu diesen Thesen wird wieder die erhöhte Aktivität in der Zerstörungsarbeit der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen der sozialistischen Arbeiter» schäft den kommunistischen Anhängern zur Pflicht gemacht. Zwischenfälle in der belgischen Kammer Brüssel. 22. Feber. Kurz nach dem Begräbnis des Königs hielt die.stummer eine vertrauliche Sitzung ab, um die morgige Krönung König Leopold II1. vorzubereiten. Zu der Sitzung kam es zu lebhaften Zwischenfällen. Ein flämischer nationalistischer Abgeordneter verlangte, daß die Sitzung für öffentlich erklärt und eine öffentliche an den König adressierte Kundgebung der Flamen, welche ihre Forderungen enthalte, behandelt werde. Die Regierungsmehrheit' stellte sich gegen diesen Antrag. Ein kommunistischer Abgeordneter erklärte, daß König Albert l. unter merkwürdigen und sogar rätselhaften Umständen gestorben sei. Diese Erklärung rief in der Kamnier allgemeine Erbiiternng hervor. Ter Kammerpräsident erklärte entrüstet, daß er derartige Worte nicht an-- hören könne nnd schloß augenblicklich die Sitzung. * Brüssel. An einer neuen Kammersitzuug wurde die Huldigungsadresse für den neuen König angenommen. Sieben Mitglieder der sozialdemokratischen Partei, drei Kommunisten und sämtliche Abgeordnete der flämischen Nationalisten haben gegen die Adresse gestimmt. Entgegennahme der polizeilichen Meldung über diese Angelegenheit znsammentreten. Polizeikommissär Pachot erklärte:„Sollte wirklich ein Zttsamtnenhang zwischen der Ermor- I düng Prinees nnd dem Falle Siavislh festgestellt I werden, würde dies bedeuten, daß in Frankreich | eine Verschwörermafsia existiert, die alle Personen aus der Welt räumt, die von dieser Angelegenheit ettvaö wißen nnd die damit betraut wnr- I den, der Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen." Der 21jährige Sohn des ermordeten Rates ! Prinee erklärte, sein Vater habe ihm am Tage vor seinem Tode gesagt, daß der Fall Staviskh weit ernster sei, als er sich eö vorgestellt habe und ! daß in die Angelegenheit etwa hundert parlamen- i torische Persönlichkeiten verwickelt seien. Außerordentliche Vollmacht für die französische Regierung Paris, 22. Feber. Die Kammer gab Heute !gegen Abend der Regierung, welche die Vertrau- lenöfrage gestellt Hatte, mit.'168 gegen 188 Stimmen außerordentliche Vollmacht iu den sinanziel : len und BudgetangelegenHeiten bis Ende Fnni d. F. unter der Bedingung, daß die Regierinig Idem Parlamente bis zum 81. August die betref- I senden Dekrete nachträglich zur Genehmigung • vorgelegt wird. Vorher tvar ein sozialistischer Eie- genantrag mit 301 gegen 100 Stimmen abgelehnt >tvordeu. In der Nachtsitzung wird das Budget von der I Kammer definitiv angenommen werden. Die österreichischen Arbeiter haben eine große geschichtliche Tat vollbracht. Sie haben ntit ihrem Blute die deinokratische Freiheit verteidigt, sich gegen einen unerhörten Rechtsbruch zur Wehr gesetzt und durch ihren Mut und ihre TodeSverach» tung die Bewunderung aller ehrlichen Demokraten in der Well errungen. An den Herzen der arbeitenden Menschen haben sie sich durch ihr Verhalten im Kampfe um die Demokratie und den Frieden ein dauerndes Denkmal geschaffen. An todesmutigem Ringen sind Hunderte Männer im Kampfe für die Freiheit ihres Lander gefallen. Die Unmenschlichkeit ihrer Gegner, die mit Haubitzen und Kanonen herrliche Werke der Wiener Kommunalpolitik in Trümmer schossen, Hal selbst das Lebeit von Frauen und Kindern nicht geschont. Schmach und Schande lastet aus ihnen, während den mutigen Arbeiterkämpsern die Achtung der gesamten demokratischen Welt gehört. Fmmer werden sie ein leuchtendes Beispiel für die sozialistische Arbeiterschaft bleiben. Ihr Heldenmut wird uns anspornen, ihre Treue zum Sozialismus ein herrliches Vorbild sein. Niemals wird die Arbeiterklasse der Welt der österreichischen Arbeiterschaft vergeßen, was sie im Kampfe um den So-1 zialiSmus getan und geleistet hat. Arbeiter und Angestellte beteiligt euch an dem I Hilfswert für die tapfere österreichische Arbeiterklage, zu dem die Zentralstellen nuferer Arbeiterbewegung nnd die beiden Internationalen auf- rnfen! Brüx, 22. Feber. Die Arbeiten im Nelson Schacht nehmen ihren planmäßigen Verlaus. Im Laufe der Nacht und während des heutigen Tages wurden die provisorischen Holzabschlüsse der vom Mannschastsschacht ausgehenden Strecken bereits zuin Teil durch Mauern ersetzt. Die Vermauerung dürste heute noch beendet werden. Damit ist dann eine gesicherte Operationübaiis gewonnen, innerhalb welcher in den nächsten Tagen Ivieder In. standsetzungsarbeiten, wie das Reparieren der I Pumpen und der elektrischen Motoren der dort ! befindlichen Pumpenstation, das Ausbessern der ! elektrischen Leitung und der Wasserleitung mw. . durchgesührt werden können. Sobald das ! schehen'ist, wird mit der abschnittweisen ! schkießnug des Reviers begonnen tverdeu. 1 Luft in der Grube hat sich infolge der Abdichtung der Strecken und der normalen Funktion der Wetterführung solveil gebestert. daß die Arbeiten heute schon ohne Amvendung von Sauernon opvaraten durchgesührt tverdeu konnten. Die ! Grube wurde durch Vertreter des Revierberg- ! amtes in Briir, inspiziert, die die einzelnen Strel- ! ken abgingen und über das Ergebnis ein Protokoll aufnahmen. Mißtrauen in Frankreich Um die Reise Supich'. Paris, 22. Feber. Die Budapester Reise des italienischen linterjtaatSsekretärS für auswärtige Angelegenheiten Snvich wird von der| Pariser Presse mit großer Ansmerlsainkeit verfolgt. „Petit Parisien" sagt, der Zweck dieser Reise sei nicht bloß ein persönliches Zusammentreffen Mustolinis mit GömböS vorzubereiten, sondern die Grundlagen siir eine neue österreichisch-ungarische Wirtschaftsunion unter dem Protektorate Italiens zu schaffen. Ein derartiges Vorgehen, fügt das Blatt sofort hinzu, tonnte die Kleine Entente nicht gleichgültig lassen, wie dieü' übrigens aus der Kundgebung Tituleseus und! auS dem in der„Morning Post" veröffentlichten Interview des Außenministers Dr. Benes ersichtlich ist. Die Worte, welche Suvich über„Großungarn" und„über daS verstümmette Ungarn" brauchte, sind nicht darnach, die Befürchtnugen bezüglich der Lage zu mildern. Irgendeine Anspielung auf die Revision der Friedensverträge, irgendeine diesbezügliche Aufmunterung der ungarischen Negierung könne nur einen ungiin- stigett Eindruck in Bukarest, Prag und Belgrad Hervorrufen. DaS Blatt bemerkt weiter: Nach unserem Dafürhalten ist der einzige vernünftige Weg der. deö durch seine gewohnte Umsicht bekannten tschechoslowakischen Außenministers, der Weg, welcher ztt einer wirklichen wirtschaftlichen Zusammenarbeit aller kleinen Staaten in Mitteleuropa und i>t Balkaneuropa führt, zu einer von den Großmächten unabhängigen, von ihnen aber gebilligten Zusammenarbeit. Jede andere Anregung, wenn sie auch momentan die Hoffnung aus ein Gelingen z» haben schiene, ist notwendigerweise zum Scheitern bestimmt. Untersuchung des Mordes an Prinee Paris, 22. Feber. Die französische Regierung hat eine beschleunigte und strenge Untersuchung des an dem Oberrat des Pariser Appella- tionSgerichtes Prinee verübten Meuchelmordes angeordnet. Noch heute abends werden der Ministerpräsiden, der Justitz- und Innenminister zur Leite 4 Freitag, 23. Feber 133t Nr. 48 i rch ... atrr t e v i. SBiiuuii, aa, yizucv.«>ie vir„X.1111UV uuv schritten Abstand folgten dann Port of Spain(Trinidad) meldet, wurde die t >veil der Verlchr sowohl großen Fcierlich- der Bevölkerung Grabe getragen. Geldfälscher— Jahre. Aus Iiöin wird uns geschrieben: Bor dein Strafsenat des hiesigen KreiSgcrichtcS hatte sich dieser Tage der S3jährigc Mechaniker Wendel Hrdh aus Popovicc bei Jiöin wegen Geldfälschung zu veranttvorten. Die Mörder des Räubers Ondrüs vor den Richtern 1 tracht kommen. Die beiden Gerspitzcr Ivaren die Helfer Ondräs' bei dessen verschiedenen Einbrü- ' chen. Ondräs hatte sich nach langem Herumtrei« | bcn in den Wäldern bei den Brüdern versteckt und 7 Johann Gerfpitzer überredet, mit ihm ins Ausland zu fliehen. Bekanntlich Ivurdc Ondriiö von | der Gendarmerie angestrengt gesucht, da er am 7. März vergangenen wahres bei der Billa deS Dr. Tomnnek bei Bclehrad die Gendarmeric- Ivachtmcister Sitek und Svoboda ermordet hatte. Der Bcrbrechcr floh dann in die Wälder und kam so bis llhtice, wo er bei seinen Kameraden, den Brüdern Gerspitzcr, Unterschlupf suchte. Für diese Ivar die Anwesenheit Ondräs gefährlich; deshalb lockten sie in der Nacht dcv 14. März in die Felder bei Krumvid und ermordeten ihn. Die Brüder Gerspiher, der 29jährige Franz, verheirateter landwirtschaftlicher Arbeiter, und der 25jährige ledige Johann Gerspitzcr, die verhaftet wurdcn, hatten sich heute, den 22. Feber vor den Geschworenen des Kreisstrafgerichtes in Brünn wegen ihrer Verbrechen zu verantworten. Franz Gerspitzcr Ivird zur Last gelegt, daß er auf OndräZ in der Absicht, ihn zu töten, von rückwärts— also auf meuchlerische Weise— einen Schutz abgab und ihn so tötete. Johann Ger- spitzer ist wegen Anstiftung zum Mord und Teilnahme an diesem angeklagt. Franz Gerspitzcr ist auch wegen Teilnahme an einer Reihe von Diebstählen und gemeinsam mit seinem Bruder wegen einiger Kajfeneinbrüchc in der mährischen Slowakei und einer Anzahl weiterer Diebstähle ange- klagt. Die heutigx Verhandlung vor den Brünner Geschworenen wurde bei großem Andrang des Publikums eröffnet. Senatsvorsitzender ist Rat Dr. Hagel, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. Mick, Verteidiger der Angeklagten sind Dr. Lochmann und Dr. Popelka. Der Prozeß wird etwa zwei bis drei Tage dauern. Glne 20.000 Sollte alte Siedlung ent eckt Eine Expedition der Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Professor Gorobzow legte an der DeSna bei B r j a n e k eine pgläolithi- iche Siedlung frei, die über 20.000 Jahre alt ist. In der Siedlung wurdcn sechs alte Erdhütten, vier Kcl- lergrnben und zwei Werkstätten entdeckt. Mannigfaches Hausgerät wurde zutage gefördert. Die AuLgra- bungeii gebe» über die ältesten W o h n st alte n des Menschen Aufschluß und sind somit von großem wissenschaftlichen Wert. Die bloßgelcgien Erdhütten fassen 30 bis 40 QuadraUneter bei einer Höhe von 2.5 bis 3 Meter und sind mit flachen Balken und Latten bedeckt. In den Erdhütten wurdcn kcssekartige Feuerherde entdeckt. Unter den in den Erdhütten ansgefundenen Skeletten sind Knochen von M a in m u t s, Nenntieren, Elchen, Wölfen, Bären und Polarfüchsen festgestellt. i Kommission zur Regelung der Grenze zwischen Venezuela und Kolumbien des Nachts von Moti- lons-Jndianern überfallen. Die Wilden, die mit Giftpseilen schossen, töteten drei Beamte und verwundeten neun Arbeiter. Der kolumbianische Kommissar Don Juan Arbelatz berichtet, daß die Mo- - tiloncn gelobt hätten, sich dem Eindringen der Weißen auf ihr Gebiet bis zum Tode zu widcr- j sehen. In den letzten Jahren hätten sie zahlreiche i Angriffe auf Lager von Weißen unternommen, die gekommen waren, um die Bodenschätze deö I Landes zu untersuchen. Auf freundschaftliche An- 1 erbieten der Weihen wollten sie sich nicht einlasseu. bei der Leiche vorgefundenen Briefe stellte die| Gendarmerie fest, daß cs sich um den von den Behörden gesuchten Einbrecher OndräZ handelt und daß als Mörder die Brüder Gerspitzcr, landwirtschaftliche Arbeiter aus llhricc, in Be-( Ter verräterische Knopf. Ter Polizeidireltion gelang eL gestern, auf dem Arbeilsvcrinittluugs- ami in Prag einen Mithelfer deS Julvelcnräubcrs F a b r u. der sich in der Nacht vom Sonntag zum Montag in der Zelle des Brunner Untersuchungs- gcfängnisscs erhängt hatte, zu verhaften. Als Fabry vor kurzem bei einem Juwelier in B o d- n a n einbrach— er erbeutete dort Juwele» im Werte von 30.000 KL— fanden Detektive am Tatort den charakteristischen Knopf eines Huber- tuSmantelö. Kriminalbeamte, die die Prager Ar- beitövcrmittlungSslclle überwachen, fiel nun gestern dort ein Mann auf, dessen Wesen ihnen verdächtig erschien. Er wurde festgenoinmen. Der Detektiv bemerkte sofort, daß der Verhaftete einen HnbcrtuSmantcl trug und— daß an diesem Mantel ein Knopf s e h l t c. ES stellte sich jetzt heraus, daß der Festgcnommene, der 34 Jahre alte Wenzel Marcs, jener Kumpan von Fabry gewesen ist, der diesen bei verschiedenen Einbrüchen unterstützt hat. Hnngerünot durch Schnrestnrm. Am vergangenen Mittwoch lag der Verkehr in New Uork und Umgebung während des ganzen TagcS wegen der hohen Schneeanwehungen, die allem Anscheine nach noch anwachsen werden, da alle gestrigen Nachrichten der meteorologischen Stationen die Oeffentlichkcit auf neue Schneestürme vorbcrcitcn, Briinn, 22. Feber. Am 15. März 1938! lehr im Argen. Einige Stellen auf Long Island wurde in einem Felde in der Nähe der Eisenbahn- und im Staate Connecticut litten am Mittwoch strecke bei der Station Krnmvir in der Gegend un einen ernsten Mangel an Lebensmitteln, von Klobonly der verunstaltete Leichnam eines hauptsächlich an Milch, weil der Vcrkehr^sowohl durch einen Schuß ans einem Jagdgewehr getö-; nu| dm Eisenbahnen als auch auf den Straßen tetcn unbekannten Mannes gefunden. Nach einem nahezu unmöglich war. I Indianer kämpfen um ihre Freiheit Wilde, die die Weißen kenne». London, 22. Feber. Wie die„Timcö" ans Eine Expedition in die Eiswüste Hilfe für die Besatzung der„Tscheljuskin" Moskau, 22. Feber.(Taß) Wie die Regic- rungskonnnission zur Organisierung der HilfSar-1 beiten für die Teilnehmer der Tscheljuökin-Expe-' dition mittcili, wird nach den bisher erhaltenen, Meldungen der nach Kannschatka abgegangene! Danipfer„Stalingrad" am 23. Feber in Petro- pawkowsk eintreffen. Er wird dort Flugzeuge an Bord nehmen und nach dem nördlichsten Punkt deö! BeringmeereS abdampfen, von wo aus dann die j Flugzeuge nach Kav Wallen starten werden. Der in Wladiwostok vor Anker liegende Dampfer„SmolanSk" nimmt Kohlen- und Le-, benömittelvorräte sowie Flugzeuge an Bord und wird am 27. oder 28. Feber mit Kurs auf die Providcnziabucht abgehcn.— Zwei Flugzeuge mit den Piloten Kukanowyj und LapidcwSkij versuchten mehrere Male bis zum Schmidt-Lager vorzudringen, mußten jedoch der herrschenden Schneestürme und mangels Sicht sowie wegen des ungleichen Ganges der Motoren zurückkchre». Tas Treibeis macht cs der Chwonostjanskij-Expe-! diiion unmöglich, mit Hundeschlitten tiefer ins> Tschutschkenmccr vorzudringen. Die genannte s Expedition konzentriert sich in den Gebieten des! Kap Onman und deS Kaps Wankarem, wo eine Wäsche- und LebcnsmittelbasiS für die Ausnahme, der Erpeditionöteilnchmer errichtet wurde. I» der Zeit zwischen dem 13. und 21. Feber verschob sich das Eisfeld, worauf sich daS Lager befindet, um fast 28 Kilometer nach Nordwcsten. DaS Eisfeld begann merklich abzubröckeln und ein Riß verlief guer durch das Lager der auf der Eisscholle befindlichen ErpeditionSieilnehmcr. Die von der! Schmidt-Erpeditiou einlaufenden Meldungen besagen nach wie vor, daß die Stimmung trotz der schwierigen Lage der Erpeditionöteilnchmer eine gute ist und daß eine musterhafte Disziplin herrsche. Alles sei gesund.> Das Begräbnis Albert l Brüssel, 22. Feber. Unter leiten und riesiger Beteiligung wurde König Albert heute zu Seit den frühen Morgenstunden drängten sich in den Straßen Hnndcritausenkc, die aus ganz Belgien gekommen ivaren. Sogar ans Frankreich sind zehn Sondcrzügc eingctrosfen. Vor dem Sarg, der seit 7 Uhr aus einem Kaiasalk vor dem Königspalais stand, defilierten die Organisationen der Kriegsteilnehmer, an deren Spitze anierikanischc Frontkämpfer und tsche- ckioslowakisckie Legionäre zogen. Im Zuge, in wel- chcni die Kriegsblinden und Kricgswitwcn eine eigene Gruppe bildeten, waren ungefähr 10.000 Menschen. Gegen 12 Mir setzte sich der Trauerzug in Bc- tvcgung, der durch belgisches, französisches und englisches Militär cingeleitct wurde. Unmittelbar vor dem Sarg Ivurdc die königlickie Standarte getragen. Der Sarg selbst, der auf eiuer schweren Geschützlafette lag wurde von einem Spalier hoher Staatswürdenträger flankiert. Hinter dem Sarge Ivurdc des Königs Lieblingspserd geführt. In einigen9.05 Uhr: Musik. 21.00 Uhr: Orchesterkonzert. 22.15 Uhr: Tanzmusik(Schallplatten).(S t raschnitz): 14.30 Uhr: Lperctlenductte. 15.10 Uhr: Deutsche. Sendung. 15.50 Uhr: Deutsche Press«. 19.05 Uhr: Blasmusik.— Brünn: 11.00 Uhr: Eborszene a. d. Oper„Der Troubadour". 11.05 Uhr: Orche» stcrkonzert. 17.25 Uhr: Schallplatten. 18.00 Uhr: Aktualitäten der Woche. 18.25 Uhr: Deutsche Sendung. 19.00 Uhr: Deutsch« Presse.. 19.35 Uhr: Harmonika-Tolo. 19.55 Ubr: liebertragung Mts dem Saal Typo»: Abend jüdischer.Kunst.(Kla- viervorträge). 20.55 llhc: DorsblaSmusik(Schallplatten). 21.30 Uhr: Musikvorträge.— Miihrsflh- Ostrau: 17.25 Uhr: Aktualitäten der Woche. 18.00 Uhr: Lustiges altcö Frankreich.(Eine Hörfolge von Rezitationen und Liedern). 21.25 Uhr: Echallplat- ten.— Prrßburg: 12.20 Uhr: Schallplatten. 12.85 Uhr: Orchesterkonzert. 13.45 Uhr: Deutsche Presse. 17.55 Uhr: Schallplatten. 18.05 Uhr: Aktuelles dec Woche. 18.15 Uhr: Magyarische Sendung.(Rezitationen, Gesang.) 10.55 Uhr: Slowakische und tschechische Volkslieder. 20.55 Uhr: Bauernblaskapelle.— Kascha»: 11.80 Uhr: Schallplatten. 12.30 Uhr: Orchesterkonzert. 16.50 Uhr: Klavierkonzert. 17.25 Uhr: Schallplatten. 17.80 Uhr: Kinderstrmde. 18.00 Uhr: Schallplatten. 18.15 Uhr: Russische Berichte. 18.80 Uhr: Schallplatten. Zum Ausbau des Brünner Senders Der Brünner Sender, deffen Energie heute ungefähr 34 KW. beträgt, dürfte in absehbarer Zeit auf ungefähr 100 KW. auögebaut werden. Es ist bisher noch nicht bekannt, ob der neue Sender wieder dort errichtet werden wird, wo der alte steht. Schon seinerzeit, als an Stelle des alten 2.4-Kilowattsenderö der 34-KW.-Seiü>cr errichtet wurde, schlug man vor, die neue Station weiter von Brünn weg zu verlegen. Derzeit steht der Sender in der nächsten Nähe der Zwitta bei Kumrowitz, von der Stadt nur sehr wenig entfernt. Es wäre richtig, den neuen Brünner Sender nicht in Kumrowitz, sondern weiter östlich,, etwa in der Gegend von Austerlitz oder Ponctovice zu errichten. Nr. 48 Freitag, 23. Fe»» 1334 Leite 5 general vnerlnö klhl das Ausland aal! Bon Hmis Rheinländer. Zu den hauptsächlichsten Propagandamitteln der deutschen Nationalsozialisten gehört das demagogische Schlagwort. In den ersten elf Auflagen seiner Schrift„Mein Kampf" hat Herr Hitler seine Propaganda-Methoden unbedachterweise ver- ratcn! er sagte dort wörtlich:»Der Deutschhat leine blasse Ahnung, Ivie man daSBolt beschwindeln m u ß, wenn man Massen- anhängcr gewinnen will." Nachdem er Massenanhänger gewonnen hatte, lieh er den Sah, der des„Führers" Charakter und Glaubwürdigkeit dokumentierte, streichen. Ein beliebtes Schlagwort Hitlers Ivar das von den„Parteibuchbeamten" und von den demokratischen„Bonzen", die in gut bezahlte Stellungen gekommen seien, ohne die entsprechende akademische Bildung zu haben. Dieser Anklage folgte dann der Nazischwur:„In u n- s e r e m Staate wird niemand eine Stellung einnchmcn können, für die er nicht die entspre- chende Vorbildung genossen nnd die erforderlichen Examina abgelegt hat." Das hörte sich für viele, die von der wirklichen Demokratie keine Ahnung haben, für ewige! Zeit ein Bildungsprivileg aufrecht erhalten 31: j wollen, außerdem aber den Prüfungen aller Art eine übergroße Bedeutung beilegen, sehr charakterfest nnd entschlossen an. Aber lvclcbc Antwort würde ein neugieriger Deutscher bekommen, der jetzt im Machtbereich der Herren Hitler und Goe- ring fragen sollte: 1. ob die Erlernung des au sich gewiß sehr I anständigen Austreichcrbcrnfs die geeignete Vor»! b i l d u n g für einen R c i ch s k a n z le r- p 0 st e n sei; 2. ob der simple Hauptmann Goering, der I dcnr alten Herrn von Hindenburg einen Staats- j wald geschenkt hat und von demselben Reichspräsidenten zum General ernannt wurde, die richtige Eignung für das Amt eines Ministerpräsidenten mitgebracht hat; 3. ob ein junger Landsknecht, von dem man nur weiß, daß er einen der furchtbarsten Feme in oide auf dein Geloissen hat und deshalb zu Zuchthausstrafe verurteilt wurde, der rick- tige Mann für den Posten des P 0 l i z c.i p r ä-! sidenten in Breslau sei? Ja. wie wäre die Autivort, w e 1111 ein! Deutscher derartige Fragen stellen wollte? Der i würde in der nächsten Stunde administrativ, also ohne Ilntcrsuchnng und Zeitbegrenzung in ein! KonzentrationSIager gesperrt nnd dort vielleicht: nun Krüppel geschlagen werden. Deshalb wird in.1 Deutschland niemand so unvorsichtig fein,.derartige Fragen i'cherbaupt zn stellen. Herr Ministerpräsident und General Goc- ring. vor wenigen Monaten also noch simpler Hauptmann, hat unter seinem Namen ei» Buch drucken lassen über ,.D e u t s ch l a» d s Wiedergeburt", daS auch ins Englische überseht worden ist. Tie Londoner„Morning Post", ein hoch lonservat ives Blatt, hat aus diesem Buch einige Kapitel abgcdruckt. Sie hat das offenbar mit großem Behagen getan, denn sie stellt abschließend fest, daß Herr Goering den Englän- j dern(!) erzählt habe 1. von der„Einkreisung Deutschlands" vor lSl-l, 2. von der„notlven- digen" Eroberung Belgiens. 3. vom Ende deS Krieges, den Deutschland eigentlich g e w 0»- u e 11, und nur deshalb„v e r 10 r e n" habe, weil .Juden und Marxisten den berühmten Dolchstoß geiübrt hätten, 4. das parlamentarische Shstem cein englisches Heiligtum!), von Juden und Marxisten erfunden und gestützt, habe Deutschland 1 zngrundcgcrichtct, ö. mit dem Austritt aus dem j Völkerbund habe Adolf Hitler sich zum Führer der Welt gemacht. Das Buch— jedes Blatt eine„preußische Großschnauze"— sollte natürlich Nazi-Propa- i ganda im Ausland für Deutschland machen. Nachdem die„Morning Post" sechs Kapitel abgedruckt hatte— sie hatte das Nachdrucksrecht für viel Geld erworben—, hatte sic aber genug und ihre Leser auch. Ihren Lesern sagte sie dann zur Auf- tlärung. daß das Buch GocringS,„d i e s c S hervorragenden Vertreters des n c n c n T e u t s ch l a n d", außerordentlich aus- llärcnd sei. Freilich werde eS gerade die entgegengesetzten Gefühle erweckt haben, als der Autor beabsichtigte.«Von Anfang an bis Ende sioßc man auf einen Fanatismus, der für jeden englischen Instinkt a b st 0 ß e n d ist." G 0 e- rings Prahlereien u n d D r 0 h u n- g c n lännten selbst dann keinen Respekt einflößen, wenn sic durch die Wahrheit gerechtfertigt wäre». Kein ernsthafter Mensch könne, um nur ein Beispiel anzuführen, die Lehre GocringS glauben, daß der Krieg für Deutschland verloren wurde, infolge marxistischer Treibereien; der Zusammenbruch im Innern sei die Folge, nickt etlva die Ursache der militärisch hofsnnugSloS gelvordcncn Lage gewesen. Wörilick sagt das bedeutende englische Blatt: „Wir werden zu dem Schluß gezwungen, daß die N a z i nr i n d c st c n S so energisch im Fälsche n der Geschichte sind, lvie sie eS im Macken von Geschichte sind." DaS ilrteil der„Morning Post" über daS Buch GocringS und danrit über die Politik dieses „Generals" und seines Führers Hitler ist ver nichtend. Leider zieht man in England weder sei- i tcns der„Morning Post", noch seitens der Regierung oder der Parteien, die erforderlichen Folgerungen aus der klaren Erkenntnis der Wahrheit. „Aprcö nous le deluge!,. Nach uns die Sintflut— scheint man jenseits des Kanals, dec militärisch nur noch sehr lvenig bedeutet, zu denken. Ein nach den englischen Vorschlä gen a u f g c r ü st c t c S Deutschland wird auch dem englischen Weltreich einige Nüsse;u knacken geben. Hitler-Deutschland, das bald auch in Oesterreich direkt oder indirekt herrschen tvill, ist zu einer Gefahr für die gesamte Kulturwclt geworden. Deshalb muß man überall für Aufklärung sorgen, weil eS daran leider noch in allen Ländern fehlt. SkilWWM W ein veWMenes W Sine fllkWne Mordankloge- Der ftfntts beraubt und ruiniert- We unheimliche Frau Prag, 22. Feber. Vor ziemlick genau drei Jahren stand die Masseuse Rosa N 0 v h, unter deren Händen vier Pflegekinder spurlos und mif ungeklärte Art verschwunden waren, vor den Prager Geschworenen. Die Anklage lautete damals auf K i n- de-entführung und endete mit der Verurteilung der Angeklagten zu fünf JabrenKer- kers. Auch heule sicht daS Verschwinden eines unehelichen Kleinkindes zur Verhandlung, doch ist der heutige Fall weit unheimlicher nnd kraßer in seinen Einzelheiten. Tie Anklage latitet nicht auf Entsiiyrung, sondern aus Mord an einem Neugeborenen, einen kaltblütigen Mord aus nackter Gewinnsucht, verbunden mit schamlosester geldlicher Ausnützung der Kin- dcsmuiter. die nicht nur ihres Kindes beraubt, sondern buchstäblich bis auf die letzte Krone ausgevlün- dcrt wurde. Angeklagt ist die 36jährige Anna I a k u b aus Klanovice bei Jirna, der Verbrechen des Mordes, der fälschlichen Be nchtigung, der Verleitung zur falschen Zeugenaussage und des els- fachen Betruges. Der Prozeß ist mif drei Tage berechnet und der Andrang des Publikums ganz außerordentlich. Die umfangreiche Anklageschrift liest sich wie ein nnwadrscheinlicher Roman. Tragischer Auftakt:»in Telbftmord Im März v. I. vergiftete sich die Bäuerin Marie K a d e r n b e k aus sestajovice. einem Dorf das ganz nahe bei Klanovice liegt, mit Salzsäure und erlag am 11. März nach fünftägigem TodeSkamps dem schrecklichen TodcSmittel. Die Erhebungen der Gendarmerie führten zn dem Resultat, daß die Bedauernswerte Selbstmord verübt hatte, weil sie erfuhr, daß ihr Mann vor einem Jahr, also im Frühjahr 1882, mit der 48jährigen Anna I i l i ch ein Kind gehabt habe. Diese Kränkung konnte sie nickt verwinden. Als man dieser Spur weiter nachging, wuchs sich die Angelegenheit ztt einem geradezu unerhörten Fall aus. Sowohl die I i l i ch als auch Anna Jakub wurden in Haft genommen, doch stand die erstere bald nicht nur als völlig unschuldig da, sondern als bedauernswertes Opfer der Jaknb. Ein» vrrdöngnisvslle Liebelei. Tatsächlich hat Anna Jilich im Sommer 188 l mit dent Nachbar Kaderäbek ein Verhältnis an- geknüpft, als dellen Frau zu Besuch bei Verwandten in.der.Slowakei war und die Jilich in ihrer Abwesenheft in der Wirtschaft des Kaderäbek auSbalf. Tie Jilich ist eine alternde Frau, Kriegswitwe, und hat drei Kinder, von denen ihre älteste Tochter schon 18 Jahre zählt. Sie sollte die kurze Liebelei teuer bezahlen. Eines Tages fühlte sie sich schwanger. Ihre Verzweiflung war groß. Sie schämte sich vor ihren erwachsenen Kindern, ihrem noch lebenden strengen Vater, der ausgedehnten Verwandtschaft und wollte unter allen Umständen ibre Mutterschaft verheimlichen. In dieser Zeit trat die Anacktagic in Aftion: Anna Jaknb, di« Ant»rftät des Torfes. So darf man sie rubig bezeichnen, wicwobl ihr Ruf nicht der beste war. Man nannte sie meist „F ran E i i“, weil sie mit einem Mann dieses Na mens znsammcnlebte. Energisch, durchtrieben, überaus selbstbewußt, grenzenlos verlogen, dabei von suggestiver Beredsamkeit, hatte diese 36jährige Frau außerordentlichen Ruf und Ansehen weit und breit. Zwar war sie eines guten HauSmeisterSpostenS bei einem Klanovicer Villenbesiher unter dringendem Diebstahlsverdacht entsetzt worden, eine Stell« als Kinderfrau verlor sie, weil sie Schulden auf den Namen ihre» Dienstgebers machte. Aber das alles tat ihrem Ansehen keinen Eintrag und die Dörfler glaubten ihren abenteuerlichsten Erzählungen. Wenn man ihr glauben wollte, fo kannte sie alle bedeutenderen Leute Prags; wer etwas zu besor gen hatte oder einen Rat brauchte, wandte sich an sie und nahm— natürlich nickt umsonst— ihre Hilsc in Anspruch. Etwaige Mißerfolg« schadeten ihr natürlich nicht im mindesten, wie da» schon bei ihresgleichen zn sein pflegt. Diese Anita Jaknb nahm sich also der verzweifelten Jilich an. Zunächst versuchte sie eine A b- t r e i b e r i n zu finden. Tas gelang aber zunächst nicht nnd außerdem war in der Jilich der Mutterinstinkt so stark, daß sie erflärte, da? Kind zur Well bringen zn wollen. Nack der Geburt sollte eS für ein Jahr irgendwo uniergebracht werden, dann wollt« sie es a l S fremdes K i n d zn fick nehmen, so daß aus diese Weise der lieben Moral genuggetan Iväre und sie sich dock ihres Mutterglückes erfreuen könnte. Sokort bot die Jakub ibre Vermittlerdienste an, denn natürlich kannte sie zahlreiche vornehme Damen, die mir daran? lauerten, ein Pflegekind zn bekommen. Am 38. April brachte die Jilich, der eS tatsächlich gelungen war, ibre Schwangerschaft gehe.imzuhalten, in einem Prager Sanatorium unter dem falschen Namen Eis einen Knaben zur W e l i. Die Freundin nnd Beraterin Anna Jakub lag schon aus der Lauer. Sie erklärte, eine gute Pflegemutter gefunden zn haben, die aber„nicht erkannt und genannt sein woll e". Jeder Verkehr zwischen Mutter und Pflegemutter mülle ausschließlich über die Jakub erfolgen, persönlich würde iich die llnbekannt« niemals zeigen. Di« Jilich glaubte alles und folgte ihr das Neugeborene, einen kräftigen Jungen aus— n m ihn nie wicderzu sehen In den Klauen deS Erprellcrin. Was nun folgt, kann nickt anders bezeichnet werden, denn als raffiniert angelegter und erbarmungslos bis zum vollkommenen Ruin deS Opfer» dnrchgefübrter Raubzug. Schon bei ilebergab« des Kindes hatte sich die Jakub 1500 KO— natürlich für die Unbekannte— anSkolgen lasten. Im Namen dieser llickekanntcn erschien sie nn» immer nnd immer wieder und verlangte unter allerlei Vorwänden größere nnd Keiner« Beträge. Bald als Darlehen, bald als irgendein Entgelt. Die Hunderter nnd Tau- ! sender flogen nur so. Al« daS Opfer völlig auSge- ' plündert war, mußte der Vater der Jilich aus- ! belfen. Wenn der einfache Wunsch nicht Erfolg batte, d r 0 h t e di« Jakub mit Enthüllnttgen. Aber stets im ' Namen der„Unbekannten". Sie selbst heuchelte tiefes Mitleid mit der geanälten Frau. Natürlich ließ sie i es an rührenden Schilderungen von dem prächtigen Gedeihen des Kitaven nicht fehlen. Er sei auf den Namen R n d 0 l f gelaust, es geb« iüm herrlich nsw. Einer Schwester der Jilich„borgte" sie 8008 KO unter der Vorspiegelung ab, ibr Sckwager baue ein Sanatorium und die Jilich werde Verwalterin sein. Abgesehen von diesem„Darlehen" dürfte | sich die von der Jilich erpreßte und erschwindelte , Summe mif etwa 20.008 KO belaufen. Als sie aber sah, daß die Jilich tatsächlich völlig anSgeplündert war und von ihr nichts niebr zu holen sei, erklärte sie ihr. der Knabe fei g e< st orbc n. Natürlich verlangte sie gleichzeitig 1308 KO„fürs Begräbnis". Ta die Jilich keilt Geld nte.hr hatte, seh le ihr da» unheimlich« Weib zu, von Ka- detäbek Geld zu fordern. Schließlich übernahm sie selbst die Erprcsterrolle und bei dieser Gelegenheit enthüllt« sie dellen Fran die Liebesaffäre ihres Mannes, wodurch die Unglückliche zum Selbstmord getrieben wurde. DaS Kind in der Zentralheizung verbrannt'? Die Frage nach dem Verbleib des Kindes ist trotz allen Nachforschungen nicht geklärt worden. Sicher ist mir, daß es am 2. Mai noch gelebt hat, denn an diesem Tage sahen eS Zeugen noch in der Wohnung der Jaknb. Die Anklage folgert ans verschiedenen Indizien, von denen beim Beweisversahren noch Die Empörung gegen du „Prager Tagblali“ Noch ein Brief Verehrte Redaktion! Der Artikel des Herrn W..Falsch über den Leitartikel des„Prager Tagblatt" hat mich sehr erfreut, dock ist er leider zu zahm. Ich bin lein Sozialdemokrat und dock Hai mich der erwähnte Leitartikel aiißcrordcntlick empört. Wenn die Führer der r e i ch s d c n t s ch c n Sozialdemokraten sich friedlich uiiterwarseii, um(wie ich annchmcl kein Btut zu vergießen und weil sie sich die Gemeinheiten, die folgten, nick» vorstellcn tonnten, hat man sie der Feigheit und Schwache bezichtigt; wenn die ö st c r r e i ckt i s ch c n sich wehren, so wirft man ihnen Blutgier vor. Hockacbtcnd Ein Geschäftsmann. Prag, 18. 2. 84. zn sprechen sein wird, daß di« Jalnb das Kind i n ihrer 22 0 h n n n g getötet und dautt in der Villa ihres letzten DsenstgebcrS, eines Ingenieurs S. in der Zentralheizung verbrannt hat. Die Anklage legt der Jakub weiter» eine Verleitung zur falschen Zeugenaussage zur Last. Ibre Verteidigung stützt sich ans die Behauptung, daß di» Jilich selbst ihr Kind einer gewissen„F rau U h 1 i r i k" übergeben habe, die sich iit einer Restauration kennengelernt habe. Ilm diese Aussage zu cr- lstirteu, hat sie ihre Nachbarin, eine gewisse Turek, unter Erinnerung an verschiedene Gefälligkeiten ank- gesordert, di« von ihr behauptete Ilebergab« de» Kindes fälschl i ch zu bezeugen. Tatsächlich hat di« Turek bei der ersten Einvernahme in diesem Sinne anSgcsagt, aber schon atn nächsten Tag freiwillig diese Aussage widerrufen und wahrheitsgemäß erklärt, von der Sacke nicht» zu wissen und von der Jakub zn der FalschanSsage nngestiftel worden zu sein. Endlich ist die Jaknb noch der fälschlichen Be- I zichtignitg angcklagt, weil sie die vernehmenden Gen- ' darmerftorgane beschuldigte, sie hätten sie gewaltsam nnd in roher Art zn einem Geständnis zwingen wol I len. Nack Perlesnng der Anklageschrift schritt der Vorjivende O GR. 2 v a in b e r a zur Einvernahme der Jaknb. Diese Bernchmnng datierte stnndcnlattg. Da die. einzelnen Punkte der Verantwortung noch Gegenstand de« Betveisversabrens sein werden, genügt vorläufig eine summarische Kennzeichnnng des VerteidignngssnstcmS der Angeklagten. Diese prüfen- t tiert sich als stattliche, viel jünger anssebende, schwarzängige Fran, oflensickilich febr intelligent, redegetvandt nnd von außerordentlich guter Aus. drnckSweise. Dian glaubt gern, das; sie in ihrem Dors eine Rolle spielt. Sie gesteht die ihr zut Last gelegten Betrügereien, bestreitet aber jede Schuld in dem Hauptpunkt der Anklage: dem Verschwinden de» I Kinde». Sie beharrt darani, daß die Jilich selbst da» Kind einer Fran übergeben habe, die sich unter dem Namen Ilhlirik vorgestellt habe. Sie, die Jaknb, habe sie noch ausdrücklich gewann, ihr Kind so ohne wei- tcres einer Ilnbckannten zu überlassen. Sonderbar ist nur, daß diese „Fran llhlitik" von keinetn Mensche» gesehen wurde. Die„Zeugin" Tures Hai bekanntlich ihre falsche Aussage in diesem Punkt widcrrusen. Tic Jaknb beharrt jedenfalls fest auf ihrer Behauptung, von dem Verbleiben de» Kindes nichts zn tviiicn. lieber alle Einzelheiten wird beim Beweisverlahren zu re- den fein, das sich reckt drainatisät gestalten dürfte. Parteigenossin! Parteigenosie! Bist Du schon Mitglied der Kinderfreunve? wenn nicht, dann tritt bei. „SeeundfMnft!" Wiens Arbeiter-Zeitung Gemartert, ermordet und geschändet. Was sogar die Verbrechcrbandc Hitler, Goering, Gocvvcls und.Komplizen bisher nick» zuwege gebracht habeu, das verübt jetzt daö Hcn- lcrkonsortium Dollfuß, Fey, Starhcmbcrg, da» seine scheußlichen Bilder an die Stelle der Standbilder dreier edlen Menschen gehängt hat, de» Einigers der österreichischen Arbeiter, Dr. Viktor Adlers, des treuen Genossen Ferdinand H a- n u s ch, der dem jungen Staat vorbildliche So- zialgesehe geschaffen hat und des ersten rote» Bürgermeisters von Wien, des braven Jakob N e n m a n n. Keine Gleichschaltung haben die Galgenchristen immer geschrieben, aber in äffischer Nachahmung der Hitlcrbande stehlen und rauben sic den Arbeitern ihr Eigentum, nachdem sie dessen Verteidiger mit Granaten und Schrapnells hingemordet haben. Die Notationsntaschinen im ehemals so stolzen Parteihanü am Wicnsluß Iverden ein christliche» Papier drucken, das neben der Verleumdung der wehrlos gemachten stärksten Partei des Landes den Werktätigen und den Arbeitslosen das alte Eiapopeia, daö Entsagungölied von der Klassenharmonic und von einer Volksgemeinschaft Vorsingen soll, die in den Leichenhallen und Gefängnissen ihren Triumph feiert. Sic sind's imstande, diesen Wisch auch noch mit dem ehrenhaften Namen der Arbeiter-Zeitung zu benennen. Als Viktor Adler 1886 daran ging, die streitenden Fraktionen der Arbeiterbewegung wieder versöhncit, gründete er zu diesem;',wcck das Wochenblatt„Gleichheit". Rach vollzogener Einigung auf dent Parteitag zu Hainfeld an der Jahreswende 1888/88 und dem Ende des Aus- nahmSzujtandcs erschien drcitnal tvüchcnllich die Arbeiter-Zeitung. Die Aushebung der Kautionspflicht für Tagesblätter ermöglichte zuin Neujahr 1802 das tägliche Erscheinen. Der staatliche Zeitungsstcmpel und die vielen Konsisla- tionen bedrohten ihr Leben, aber sie übertvand alle Hindernisse samt dem Zcitungssrentpel und dem Staatsanwalt. Neben Adler und dem lcidcn- schaftlichen Kämpfer und unermüdlichen Arbeiter Friedrich Austerlitz schricbcit junge Talcnic und bald war die Arbeiter-Zeitung auch bei nicht imponierender Auslage eines der meistgelesenen und-beachteten, bestimmt aber das gcachtetstc Blatt im Staate nnd weit über seine Grenzen hinaus. Äußerlich sand ihr Wachsen Ausdruck durch die llebcrsicdclnngen aus einem Laden in eine Kellerwohnung, dann in gemietcie Stockwerke und schließlich in daö schöne eigene Hans. Die Zcnsnrplackcreicn hörten nach nnd nach ans. der Prozesse ivnrdcn weniger, erst der Krieg brachte den schwersten Kampf gegen Knebclnug. Selbst gegen die Kriegszensnr setzte Austerlitz manche Milderung durch. Die Republik brachte den großen Aufschwung durch die vorbildliche Einführung de» BetriebsabonncinentS, die freilich nur in einer nicht gespaltenen Arbeiterschaft I durchzusctzen war. Nun tvurdc die Arbeiter-Zeitung auch an Auslage zu einer der stärksten Zci- tiutgen. Tic Abzweigung de»„Kleinen Blattes" vor einigen Jahren, das eine Rclordauflage erreichte und fcsthielt. konnte der Arbeiter-Zeitung nicht wesentlich Abbruch tun. Nach der Weggauiicrung des Parlaments machten sich die Spitzbuben au das Hauptorgan der Dentolratic. Hitler Vorzensur gestellt, mehrmals in der Verlweitung aus Postzujtellung zum doppelten Porto bcschräntt, Ivar sie nur noch ein Schatten ihrer srührren Hcrrlichleil. Nun liegt sic genienchelt da, wie Karl Marxens„Nene Rheinische Zeitung"- eine stolze Ncbcllcnlcichc. Adler und Austerlitz sind tot, die Demokratie geknebelt, die meisten Redakteure der Arbeiter- Zeitung itn Gesängnis. Nun tvill die Furie der Leichenschändung das Kleid der Gemordeten zur Verhöhnung der „Besiegten" tragen. Ter FasciSinnö Ivirft die Arbeiterbewegung aus ihrer friedlichen Enlwicklung, er muß | dazu führen, daß die freiwillige Bcschränlüng auf die friedlichen Mittel der Werbung und j Ilcberzengnug, des Wählens und Argumentic- renS verdrängt tvird durch die ErlenntniS, daß Gewalt nur durch Gewalt gebrochen Iverden lann. Tann wird Wicit röter sein als je vorher, gelviß nicht durch den Stimmzettel allein.!lnd in diesem Roten Wien ivird die Arbeiter-Zeitung I ausersiehe». Ernst Neuer. •wie» „Sozialdemokrat" Nr. 4a Freitag, 23. Feier 1334 PRÄGER ZEITUNG mit Kunst und Wissen Vercinsnadirtditcn Jungens fingen an darauf Urania Kino, Kllmenfslrä 4. (Schluß folgt.) Dr. Er. fragte Paul, eigenen Brunnen der tSrohglni mit dem derübmte» Tenor Lauri Boldt beilslose in dieser Weise über ihre Kräfte zu miß. brauchen, ist eine Niedertracht, die nicht scharf genug gegeißelt werden kann. DaS wandelnde Delikatessengeschäft. Einem Kriminalbeamten, der durch Straschnitz ging, fiel auf einsamer Straße ein Manu auf, der zlvar Ivie ein Landstreicher gekleidet ivar, aber beide Arme voll mit Paketeir hatte. Er hielt ihn an und nahm eine Un» lersuchnng vor. Es ergab sich, daß der-11jährige Sta« nislaw H u d u sek Zigaretten, Schokolade, Wurst, Sardinen, Räucherwaren, Käse, Konserven, sowie auch«in paar Flaschen Bier und Wein bei sich trug. Bon der plötzlichen Begegnung mit einem Detektiv überrascht, gab Hudusek sofort zu, die ganzen Herrlichkeiten in dem Ort Kolin bei Prag entwendet zu haben. Er hatte dort unbemerkt das ganze Schaufenster eines Delikatessengeschäftes ansgcraubt und sich mit seiner Beute auf und davon gemacht. Doch— wie gewonnen, so zerronnen! Wochenspielplan de» Renen Deutschen Theaters. Freitag',48 Uhr: Zu ebener Erd« und erst e r Stock, Bankbeamte und freier Derkmif, D 1. — SamStag halb 8 Uhr: Der junge Baron Neuhaus, Erstaufführung, EL.— Sonntag 11 Uhr: K a m m e r m u s i k, halb 2 Uhr: Goldenes Prag, halb acht Uhr: F i g a r o 8 Hochzeit, A 1.- Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Freitag halb 8 Uhr abends:„Katz im Sack", Kulturverbnudssreunde und freier Verkauf.-—SamStag halb 8 Uhr: Papa, Gastspiel Lcop. Kramer. — Sonntag 3 Uhr: Stnrm imWasserglak, 8 Uhr: Gastspiel Lcop. Kramer: Papa.— zanz sacht. Erst merken sagt Paul:»Es regnet, Seine Hände sind be- sie schmerzen ihn, sein Der Kopf schmerzt Ihm Missbrauch von Arbeitslose», lieber Geschmack läßt sich vclantttlich streiten. Die Mode, verzweifelte Arbeitslose dazu zu mißbrauchen, in phantastischen Verkleidungen und Mißgestalten Reklame laufen zu lassen, um damit krampfhaft Auf. sehen für LchmamiS Unterhosen oder für Müllerö Ohrenschi'itzer zu erregen, überschreitet langsam alles Maß. Dieser Tage konnte man im Zentrum der Stadt einen Menschen beobachten, der in ein wahres Ungetüm der Rcllamc-Mißphaniasic gepreßt war. Ter Unglückliche, der, als Riese vcr- lleidet, in einer Umhüllung steckte, die sicher weit mehr alo er ivog, ragte in seiner Zwangsjacke fast bis zum ersten Stock empor. Ter Mann, der ganz ojfcnsichllich unter dein Gewicht seines Reklame- kostünts jürchtcrlich zu leiden batte, schwankte hin und her und man glaubte jeden Augenblick, daß er unter seiner Last zusammenbrechen würde. Un- «er den Zuschauern dieser beschämenden Szene gab eS über die kulittrwidrigc Roheit einer solchen »Propaganda" nnr eine Meinung. Hungernde Ar- »Du loirst sie mir geben."— »Nimm doch deine!—»Nein, eö geht nicht." —»Wieso nicht? Ich behalte.eine."—»Ich habe keine. Du mußt sie mir geben. Du hast sie immer, aber ich werde sic nur morgen haben." Paul sah ihn an:»Wie du daS sprichst!" Er lachte ihn auS. „So hat mein Daier gestern gesagt, als ich meine Eisenbahn dem Kleinen nicht geben wollte." Er sprach ganz selbswerständlich vom Kleinen, der drei Jahre jünger lvar als er, weil er eS immer so hörte.»Du mußt sie ihm geben, sagte mein Baier, denn du hast sie immer, er nur jetzt. Was mein Vater sagt, ist wahr!" Paul schwieg.—»Glaubst du eS nicht?" droht« Günther.—„Doch," beschwichtigte ihn Paul,»ich lverde dir die Schaufel geben."— Er stand auf. Ihn» machte der Brunnen keine rechte Freude mehr. Günther erhob sich schnell, er traute Paul nicht:„Ich lverde dich abholen," bestimmte er. Sie trotteten nebeneinander und schwiegen.„Tach!" knurrte Günther, hol' zwei Finger an die Mütze und bog in die heimatliche Gaste ein.— ES ist der nächste Tag. Paul hat Günther am HauSior erwartet. Er will nicht, daß erst großes Gerede ist. Er gibt nach. Er lveiß, daß Günther stark ist und er schlägt gern. Glicht weil er feige ist, geht er dem aus dem Wege, er ist ein wenig zart. Sein Körper ivirkt neben der Robustheit Günthers, wie der eines Mädchens. Manchmal kann Paul Gün- ® b? d i" ll u n g e n: Bei Zustellung tnS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich K0 16.—, vierteljährig KO 48.—, halbjährig KO 06.—. ganzjährig KO 102.—— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet,».ei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit.Erlaß Nr. 13.800/VH/1030 bewilligt.— Druckerei:„Orbiö", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. «I Snliai .Das Lied der sonne“ Vorträge Das Gesicht der Diktatur Ter überaus instruktive Vortragszvkluo Einil F r a n z e l s, der sich analytisch mir den scheinungSformen der Diktatur von der Vergangenheit bis in unsere Tage beschäftigte, ging am Mitt- Ivoch abend mit einer kritischen Stellungnahme zu den Diklaturei« von heut« zu Ende. Der Referent, der«in erschöpfendes Bild der modernen diktatorischantidemokratischen Konstellationen gab, warnte davor, die Diktaturen schematisch und bürokratisch in eine Reihe zu stellen. Mögen auch ihre Grundlagen weitgehend die gleichen sein, ihre Funktionen sind häufig durchaus verschieden! Die m o d e r n e Türkei ist ein Diktaturstaat, in dem gewiß nut Gewaltakten, mit Galgen und Terror gearbeitet wurde. Aber die Tendenz dieser Diktatur Kemal Paschas, die den mittelalterlich-patriotischen Feudalismus des Kalifais zerschlug, tvar in ihrer Wirkung bürgerlich-revolutionär, revolutionär allerdings in einem für andere Staaten längst unproblematisch gewordenen Sinne. Momente kulturellen, sozialen und allgemein-gesellschaftlichen Aufstieg« sind unverkennbar. DaS Regime der reinen Militärdiktatur hat sich zu einem Tysten» gewandelt, daS bereits mit einem gewissen ScheinparlamcntarismuS operiert und Ansätze de- mokratikcher Entwicklung nicht auSschließt. Den Typ der geist- und seelenlosen reaktionären Diktatur stellte die längst hinweggefegte Despotie Primo de Riveras dar, reaktionär-feudal, nach dem Clichk der„starken Hand" ausgcbaut, von einem Schwadroneur ohne, tiefere Bildung dirigiert, kurz, eine Säbeldiktatur im wahrsten Sinne des Wortes. Die jugoslawische Diktatur Alexanders hingegen, die vor allem errichtet wurde, um gewis- 1 sen hypernationalistischen Atavismen, die bi» zu btu- ttgen Mordanschlägen unter Montenegrinern und Kroaten führten, hin Ende zu bereite», ist anderer Natur. Eine AuflösungSiendenz ins Parlamenta- risch-Konstirutionelle ist auch bei dieser Dikiattir schon unverkennbar, die kürzlich erfolgte Gründung einer legalen sozialdemokratischen Partei ist dafür! ein symptomatischer Beweis. Eine Diktatur der Aristokratie und d«S asozialen Großgrundbesitzes gegen die völlig verelendenden Kleinbauern und die in Not untergehenden Jndu- strieproletarier ist die ungarisch e. Diktatur der Gömböö und Genosten. Es ist nichts anderes, als der Versuch einer interessierten Clique, die feudale aristokratische Gesellschaft am Leden zu erhalten. Am Ende dieses Rcnovierungsversuchs mit untauglichen Mitteln wird zwangsläufig die Revolution stehen! Di« fascistischen Diktaturen hingegen bauen sich auf Maffenparolen, auf Massenbewegungen auf. Sie. benutzen daS Stimulans der Revolution, um sich als„revolutionär" zu bezeichnen, obwohl sie ihrer Wirkung und Aufgak»« nach eindeutig reaktionär sind. Ganz in der Linie dieser pseudorevolutionären Blnfstaktik liegt auch di« krampfhafte Erzeugung der romantisierenden Le- Aus der Partei Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag Freitag, den 23. Feber, um 8 Uhr abends findet im Parteiheim Närodni tr. 4«ine wichtige Sitzung der Bezirksvertretnng statt, zu der daö Erscheinen aller Mitglieder der Bezirksvertretung er- tvünscht ist. „Ich weiß ein Geheimnis," sagte Günther zu Paul. PanlS zehn Jahre waren erfüllt von der Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen, seine Phantasie angeregt vom Lesen vieler bunter Märchen. Er rückte seinem Spielkameraden näher: „Was weißt du?"— „Es ist,— du mußt mir dein Ehrenwort geben, daß du eö nicht sagst." Paul gab sein Ehrenwort. „Wir werden einen Brunnen bauen," flü- jicrie ihm Günther in» Ohr,„Wasser werden wir graben."— Sic schwiegen, erfüllt von ihrem Geheimnis, denen Wert sie nicht kannten, nachdeni sic gar nicht fragten. Sie ließen sich auf der Wiese nieder, zupften Grashalme und zu kauen. „Wozu soll es gut sein?" »Es ist, daß man einen mit Wasser hat."— „Ja, man hat seinen eigenen Brunnen mit Wasser."— Sie saßen beide und sahen in die Pappeln, die am Rande der Wiese standen. »Es lvird sein, als wenn wir in Afrika sind."— „Ja, man ist weit>veg und gräbt Wasser. — Hast du eine Schaufel?" fragte Günther. „Natürlich habe ich eine Schaufel."— ther recht gut leiden; andere Male möchte er stark sein, um ihn durchprügeln zu können.— „Du kannst mir die Schaufel gleich geben," hat Günther gesagt. Er nimmt sie Paul aus der Hand und trägt sic über der Schulter, wie er eS oft von den Arbeitern gesehen hat. „Ich habe noch ein Taschenmesser mitgebracht für dich, daß du auch ettvaö arbeiten kaunst."— Sie sind auf der Wiese von gestern.„Hier wird das Master sein," bestimmt Günther und sticht die Schausel in die Erde. Paul steht zlveifelnd neben ihm. „Memme, los!" gibt ihm Günther einen Stoß. „Ja," sagt der,„die Jacke aus, natürlich." Günther ordnet an, daß Paul das GraS wegschneiden soll. Er selbst sticht in daS Erdreich, sticht ab, mißt mit wichtiger Miene ab. Paul kniet mit verbistcnem Gesicht und schneidet daS GraS weg. Er hat keine Freude nud kalt ist ihn:. Regenwolken ziehen. Wind geht. Günther sticht die Erde ab, Paul hebt sic mit den Händen auö. Wieviel Zentimeter sind sie nicht schon in die Tiefe gedrungen. ES regnet sie es gar nicht, dann jetzt gehen wir heim." schmutzt von der Erde, ganzer Körper tut weh. und er weiß überhaupt nichts mit sich anzufangen. Ortsgruppe Prag. 28. Feber 1684, jlO llhr, Zusammentreffen Endstation er Einser in Briovice, Fabrik Fcigl. Führer: Gröger. Sozlattfttsche Snnenb, Steele Prag Am 4. März findet int Partciheim, Närodni tl. 4, unsere diesjährige Kretsronfereu- folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnung und Konstituierung. 2. Berichte. 3. Gcgenwartöaufgabeit der proletarischen Jugendbctvcgung. 4. Unser neues Berbandsprogrannn. 5. Neugliederung-er Prager S. I. 6. Neuwahlen. 7. Freie Anträge. Bcgiiln pünktlich nm halb 1V llhr. Delegaiionörechk laut KrciSstatut. Als Gast Wird nur zugelassen, wer eine mindestens vicrmo- natliche Mitglicdsckmft in der S. I. oder Partei Nachweisen kann. Anträge müssen vis spätestens Freitag, den 2. März, dem Krcisvertrauensmann schriftlich übergeben werden. Freiheit! Dir Kreisleitung Sport• Spiel• Körperpflege Sehr begehrt bei den Bürgerlichen sind auch die r u s s i s ch e n Wimcrspvrtler geworden. Zu den vor kurzem in Helsinki statlgefundenen E i S- s ch n e ll a u f- Welt m ei st er schäften hatte man auch die Rusten ei»geladen und sie als bestimmt« Teilnehmer avisiert. So nebenbei toollte man Rußland für den E i tt t r i I t in die bürgerliche internationale Organisation gewinnen. Etwas verstimmt melden umt die bürgerlichen Zeitungen, daß die Russen zu den Kämpfen nicht erschienen und deshalb die geplanten Verhandlungen entfallen mußten. „Er" bat noch immer nicht genug— der Nazi- Schmeling! Nach der in Amerika empfangenen glatten Niederlage durch einen zweitklassigen Boxer findet er noch den „Mut", großsprecherisch zu verkünden, daß er weiter ! boxen will und in geeigneter Zeit Amerika wieder beglücken will. Fragt sich nur, ob man dort vom Nazi-Schmeling noch ettvaS wissen will... Die Prager Sparta sammelte im vergangenen Jahre als einziger(!) Prosiklub und Sportverein in Form eines 20-Heller-ZuschIag«S auf die I Eintrittskarte über 44.000 K0 f ii r d i e A r b«i t s- losen. Was dem von Arbeitern seinerzeit gegründeten Klub zur Ehre gereicht und den übrigen Vereinen, besonders den deutschen in der Provinz, zur Nachahmung empfohlen sei. »ne Film Werke russischer Klassiker im Film. Di« Sow- jelfilmindustrie bat nunmehr verschiedene Werke russischer Klassiker verfilmt. ES lvurden herausgebracht: „Petersburger Nacht" nach Dostojewski. „I u d u s ch k a G o l o w j e w" nach Saltykow- Schtschcdrin und„Gewitter" rmch Ostrowski. Literatur Gesundheitswesen und Sozialpolitik. Alo erste der in freien Intervallen erscheinende«:„Publikation««» deSSozialinstituteS der E.2.R." ist in diesem Jahr unter Nr. 60 eine Sammlung von Vorträgen hervorragender Fachleute unter vorstehendem Titel erschienen, deren Lektüre jedem an der sozialen Frage Interessierten zu empfehlen ist. Die Broschüre ist ein vorzüglicher Leitfaden unseres Gesundheitswesens. llntcr den dreizehnAuto- ren der einzelnen Aufsätze komme.» die berufensten Vertreter einzelner Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege zu Worte: Spezialärzte, Kliniker, leitende Funktionäre des Gesundheitsdienstes. Der Leser gewinnt nicht nur eine«« Uebcrblick über den Stand und di« Mängel dev heutige«« Zustandes, sondern wird auch über die Spezialgebiete der Sozialhygiene eingehend informiert wie: Beratungswesen, Tnberku» tösenbekänipfnng, Kämpf gegen die Sozialkrankheiten überhaupt. Schul» und Betriebshygiene, Wert und Funktion der Sozialversicherung u. a. Hervorzuhebei« wären die Abhandlunge«» über di« Spitals- und Jrrenhausfrage, die zi» den brennendsten Sozialproblemen von heute gehören. Mm» möchte wünschen, daß die Kenntnis von den, Ausgaben und heutigen Unzulänglichkeit««» dieses wichtige«» Zweiges der Sozialpolitik in breiteste Schichte«» getragci» würde. Denn die Erkenntnis von den ungeheueren kulturellen Alifgaben, vor denen die Gesellschaft in diesen» Punkte steht, müßte zum Ansporn tverdcn, eine vcr- nünstige und gerechte Ordnung herbeizuführen, die allein diese Aufgaben.zu lösen imstande ist. Al- Motto mag daS schöne Wort des Prager Oberphnsi- kuS Dr. L. P r o ch ä z k a in seinem einleitenden Aussah zur Tatsache der höhere«» Tuberkulosesterblich- keil der besitzlosen Schichten zitiert sein:„Sobald wir wissen, daß dieses soziale llnrccht»mr durch die sozialen Verhältnisse hervorgerufen lvird, dann kann mm» diese vergeudeten Leben nicht einfach kalt als..höhere Sterblichkeit der Sozial Schtvachen" anfnhrcu, sondern die vergeudete«» Leben bedeuten eine Nicht beachtung des GrundgcboteS: Du sollst nicht töten!" Dr. Bg. Die neue Universitätsbibliothek schon wieder zu klein Ueperfiiltic Lrscsälc, unzureichende Garderobe Studentisches Winterelrnd A's vor einigen Jahren die neue Univcrsi- iätsvibliolyek eröffnet lvurde, konnte mit begründeter Befriedigung festgeftellt werden, daß endlich ein in Einrichtung und Ausmaßen voll entsprechender Stlidierraun» für Hochschüler und wisscn- sck>äftlich Tätige geschaffen ivar, der voraussichtlich für längere Jahre ansreichen ivürde. Die tatsächliche Entwicklung hat diese optimistische Annahme leider über den Haufen geworfen. ES ist ein übliches Bild getvordcn, daß der g r o ß c L c s c s a a l .Tag für Tag übersüllt ist. Begreiflicherweise steigert sich der Zudrang in den Wintermona- t e n. in denen ja ein großer Teil der Studierender über keinen lvarmcn Raum verfügt und aus die Bitbliothek geradezu angewiesen ist. So wartet dann um 8 llhr früh und nach der Mittagspause um 2 llhr nachmittags eine dichtgedrängte Menge vor den» Eingang. Regelmäßig dauerte die Abfertigung iit der für über 200 Personen ö e r c ch n e t e n G a r d e r o b e. bei angestrengter Arbeit deck Personals, eine gute halbe Stunde. Regelmäßig mußte auch ein Teil der später Gekommcuen vor der Glastür des großen LcsemaleS lvarten, bis nach längerer Zeit Plätze frei tvurden. Immerhin aber war in der Garderobe i n« m e r n o ch e i n P l a tz auch für den, der später kam. Inzwischen hat dec Besuch dec Bibliothek aber Dimensiouci» angenommen, daß die Kleiderablage für den später Kommenden zu einer harten Geduldsprobe wird. Die Bücherei ist von früh bis abends derart überfüllt, daß die Kleider»' haken einfach nicht auSrcichen und nichts übrig bleibt, als sich wieder zu entfernen, oder zu lvar-, tcn, bis durch Abgang früherer Besucher Platz ge«; ikbasseu wird. Das dauert aber unter Umständen 1 st u n d c«i l a n g. Dadurch wird auch der Besuch t der anderen, nicht so stark besuchten Säle(Fach- und Zeiischrisieulcsesaal ustv.) unmöglich gemacht, s iveil dort der Eintritt nur ohne lieberrock gestattet- ist. Daourch sind auch viele andere fachlich iutcr- essiertc Leser lAerzte, Lehrer, Publizisten usw.) arg betrosfcn. Vielleicht wäre diese Kalamität, die ja nur in den Wintermonatcn in Erscheinung tritt, durch einige provisorische Maßnahmen z»« beheben. Deiilt mau aber ein wenig über den alle Kal- kulalivncu umwerscndci» studentischen Zulvachs nach, lvird mau sich trüber Gedanken über die gegenwärtige und künftige Situation dieser Jugend nicht crtvchrcn können. Dr. Bg. I gcnde Von der Eroberung der Macht durch Kampf, jener Macht, die ihn««» in Wahrheit geschenkt wurde. DaS gilt für Deutschland ebenso wie siir Italien, s Der blutige Terror erschien diesen Repräsentanten des deklassierten Kleinbürgertums notwendig, um den Kampf, der nicht stattgefunden hatte, in dieser sadistischen Nuance nachzuholen. Der FasciSmuS ist der großangclegte, mit allein Raffinement trainierter Demagogie inszenierte Versuch, die in Auflösung begriffene alte Gesellschaft zu konservieren. Die bolschewistische Diktatur in Rußland, die gewiß mich mit Terror und Gleich- schaltungStendenzen arbeitete, ist mit der fascistischen Diktatur nicht zu vergleichen. Sie ist revolutionär, sie dient den« Aufbau einer neuen werdenden Welt. AlleS ist, so schloß Franzel, im Fl»»ß. Daö aber, «vaS ewig sein wird, ist daS Prinzip der Revolution, der Revolution im umfassenden, zukunftträchtigen Sinne des Wortes. Ais. Konferenz der BezirkSorgonisation Gravliy. Am! 18. Feber tagte die ordentliche Konserenz der Be- zirtsorganisation GraSlitz. Der Bericht des Bezirkssekretariats ging von der trostlosen wirtschaftlichen Situativ«» iin Bezirke auS; bei einer BevölkerungS- ziffer von 88.000 gibt eS in dein Bezirk GraSlitz gegen 8000 Arbeitslose. Trotzdem konnte der Mitgliederstand der DezirkSorganisation im Berichtsjahr um 1061 Mitglieder gesteigert«verden. Die Presse verzeichnet keine Einbußen. Die BildungS- und Fürsorgearbeit nahm in der Berichtszeit einen großen Umfang in der Gesamttätigkeit ein. An den Bericht schloß sich eine lebhafte Wcchselrede, in der die Tre»»e der Fmcktionäre zur Partei und. ihr uner. schütterlicher Wille, in dieser schweren Zett erst reck«t für die Bewegung zu arbeiten, in schöner Weise zum Ausdruck kam. Anschließend wurde die Bezirksleitung getvählt. Bezirksvertrauensmann wurde Genoss« Friedrich Brandner.— Genosse Wunderlich sprach dann über die nächsten Aufgaben de^ Organisation. ES werden in der nächsten Zeit durch geführt: ein« BersmnmlungSaktion, eine Werbung für Partei und Presse und ein BezirkSarbeitertag. I — Die Konferenz in dem Hungerbezirk GraSlitz lvar ein Beweis dafür, daß unsere Partei den Krisenstürmen srandhäli; dies ist daS Ergebnis zielbe» «mißler, fleißiger Arbeit unserer VertrauenS- «nänner.