a d■ i d,-j ta i e ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion UNO Verwaltung frag»>., fochova a. Telefon skt7. aomiNietration TELEFON 5307«. HERAUSGEBER i SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS. PRAG. EtaztWs 7Dmüi (•ImcMIcflHch S Heller ftmtz» 14. Jahrgang Sonntag, 25. Feber 1934 Nr. 47 Suvich Inkognito In Wien DollfuB bei ihm zu Besuch Wien, 24. Feber. Der italienische Unter» stanlösctrctär Suvich ist ans seiner Rückreise aus Budapest nach Rom inkognito in Wien angekom- mcn nnd nahm hier einige Stunden Aufenthalt, den er auf der italienischen Gesandtschaft zubrachte. Fn den Rachmittagsstnnden besuchte ihn Bundeskanzler Dr. Totlfuh. Der inkognito-Gast beging die Geschmacklosigkeit, nachher mit Dollfuß im Auto eine Rundfahrt auf die Stätten der Kämpfe der Vorwoche zu unternehmen. So besichtigte er u. a. das Ar« veiterheim in Floridsdorf sowie den Goethe- und den Schlingerhof. Abends feine der Unterftaatsfekretir Suvich seine Reise nach Rom fort. » lieber die Unterredung lvurde kein Kommunique herausgegeben. Aus informierter Quelle verlautet jedoch, daß cs sich um eine Besprechung der Zusammenkunft* Mussolini— Dollfuß— Gömbös in Rom sowie um die Frage Deutschland— Oesterreich und daL Hewicht-Ultimatum gehandelt hat, Oesterreich nimmt das Ultimatum offiziell nicht zur Kenntnis, eine Stellungnahme entfällt deshalb. Um aber einer Ueberrafchung vorzubeugen, verstärkt man bereits den Schuh der österreichisch-bayrischen Grenze, um dem Menschen«, Propaganda- und Tprengstosfschmuggel entgegenzuloirktn. In Italien will sich Oester- >eich eine stärkere„moralische" Rückendeckung holen.« Zn einem Presse-Interview erklärte Srarhcmberg zu den Verhandlungen mit Italien: Es gebe nur zwei Möglichkeiten: Entweder den Anschluß an Deutschland oder Kooperation unter der Aegide Italiens. Er sei entschieden gegen den Anschluß; es bleibe nichts anderes ilbrig, als eine österreichisch-ungarisch-italicnische Kombination. Starhemberg schloß die Unterredung mit den Aorten:»Die engere wirtschaftliche Bindung der Kleinen Entente zwingt uns zu raschem Handeln." Der rätselhafte Mord Die Untersuchrrngsrrgebniffe des Richters Prinee bekannt? Paris, 24. Feber. Die Untersuchung bezüglich der meuchlerischen Ermordung dcö Oberge- richtSraicS Prinee hatte bisher trotz der Ausschreibung einer Belohnung von 100.000 Franken kein Ergebnis. ES liegen im Gegenteile vollständig verworrene und einander widersprechende Aussagen vor. Gerichtsrat Lemarchadou, der unmittelbare Kollege des ermordeten Richters Prinee, erklärte, die Zcugenschaft, welche Prinee Donnerstag in der Staviskh-Affäre ablegcn sollte, sei vollkommen bekannt und sollte nur den schriftlichen Wortlaut der mündlichen Zcugenschaft, die Prinee vor einigen Tagen abgelegt hatte, enthalten. Der samstägige KabinettSrat hat beschlossen, neuerdings eine strenge Untersuchung aller Vorfälle in die Wege zu leiten, die in letzter Zeit die französische Oefsentlichleit neuerdings in große Erregung verseht haben. StavIsky-AusschuB In Permanenz Der 41gliedrige Permanenzausschuß zur Untersuchung der Stavisky-Affäre hat den radikalen Deputierten G u e r n u t, den früheren langjährigen Generalsekretär der Liga für Menschenrechte, zu seinem Vorsitzenden gewählt. Der zweite Untersuchungsausschuß, der sich mit der Prüfung der blutigen Ereignisse vom 6. Feber befassen wird, wählte zum Vorsitzenden den Deputierten der Mitte Bonnevay, der seit den Achtzigerjahren der Kammer ununterbrochen angehört. ES wurde beschlossen, daß die Staviskh- Kommission täglich, mit Ausnahme von Sonntag, zusammcntreten und täglich« Berichte Wer die Ergebnisse ihrer Beratungen veröffent« lichen wird. Gleich zu Begimi will sich die Untersuchungskommission mit der Prüfung der Schecks Sta- viskys befassen. Wallenstein Zum 300. Jahrestag seiner Ermordung Die Gestalt Albrecht von Waldstcius ist durch Schiller und in jener Prägung, die Schiller ihr, j gab, in das Denken des Volles eingegangen. Der Wallenstein, den man heute feiert, das ifr der Held der Schillcrschen Triologie und als Trachtenfeste im Stil von»Wallensteins Lager" werden sich die Feiern vor allem abspielen. ES wird im,Grunde keinem Menschen, der an einer der mannigfachen Gedenkstätten, die vom Wirken AaldsteinS zeugen, seinen Schatten heraufbeschwört, ernstlich ein- fallcn, für oder gegen Wallenstein Partei zu nehmen, den Mordprozeß gegen' Ferdinand von Steiermark neu anfzurollen oder die Hochverratsakten gegen WaldstcinS nochmals zu überprüfen. Es wird eine sehr sonderbare Feier sein, ein Fest um seiner selbst willen oder besser, um der vielen Leute willen, die daran verdienen, sich dabei wichtig machen, reden und vor allem trinken können. Wallenstein ist der höchst unwichtige Anlaß dieser Heimatfeste. Wir finden und tvollcn es tühn behaupten, daß vielmehr die Feste untvichtig, die Gestalt Wallen st eins aber interessant genug ist, daß man den Anlaß benützen und sic ins Licht historischer Betrachtung rücken mag. Wallenstein gilt der Nachwelt vor allem als großer Soldat. Nichts kann sein historisches Bild mehr verdunkeln als diese irrige Auffassung. Wallenstein war ein großer Soldat, aber eine Würdigung seiner Persönlichkeit muß sagen: er war auch ein großer tSoldat. Daneben oder zunächst war er ein großer ll n t c r n c h m e r und ein bedeutender Staatsmann. Nur daß man in jener Zeit beides nicht sein konnte, ohne Soldat zu sein. Es ist ja das Jahrhundert, in dem der schwedisch«' König Gustav Adolf seinen Hof aus dem Palast in das Zelt des Lagcrkonimandanten verlegen mußte, da der Staatsmann und Kardinal Richelieu, der andere große Gegner Wallensteins, die Rcitersticfel anzog und höchst persönlich General spielte. Aber das Soldatische ist nicht das Wesentliche an Wallenstein gewesen und seine rein militärischen Fähigkeiten sind nicht selten überschätzt tvordcn. Als Sproß eines— bereits reformierten und mit ihm wieder zum Katholizismus zurückkchren- den— böhmischen Adelshauscs hat Wallenstein bis in das fünfte Jahrzehnt seines Lebens keine ge- schickulichc Rolle gespielt, sondern all die Dinge getrieben, die ein Edelmann in jenen Lausten unternahm, um die Zeit und ein paar Rivalen totzuschlagen, die Welt zu sehen, zu Geld nnd Ruhm zu kommen und seinen Anteil an der ewigen Seligkeit zu erwerben. Also studierte Albrecht Graf von Waldstein, nachdem er bei den Jesuiten studiert hatte, noch an der hohen Schule zu Landshut, diente im Heere Mathias von Oesterreichs und in dem seines späteren Herrn und Widersachers Ferdinand von Steiermark, heiratete reich, snchie sein Vermögen planmäßig zu ertvcitern, bcschästigte sich mit Astrologie, dem Mode-Aberglauben der Zeit, der so dicht neben ernster Wissenschaft, wie sie Tycho de Brahc nnd Johannes Kepler repräsentierten, gedeihen konnte, und ging zlvischcn Kriegen und Studien allerlei modernen Erwerbsmöglichleiten nach. Der deutsche Frühkapitalismus war z u s a m m e n geb r o ch a n. Und wäh- rend'in England und Frankreich der Laitdadcl und das Königtum die Wirtschaft in die Hand nahmen und die Grundlagen für den merkantilistischen Staatskapitalismus in Frankreich, für den Kolo- nialkapitalismuS in England schnfen, erwiesen sich die deutschen Fürsten, dem reinen von der Grundrente zehrenden Feudalismus verbunden, als unfähig, die Produktivkräfte zu emanzipieren. In dieser Zeit des Rückfalls in den Feudalismus ist Wallenstein einer der wenigen und zu- .'> der bedeutendste Vertreter staats- ! a p i t a l i st i s ch e r T c n d e n z c n, die er freilich zunächst nur im Rahmen seiner Gülerver- Ivaltung durchsetzen kann. Sein Herzogtum Friedland ist nachmals eine der bestorganisierten merkantilistischen WirtschaftSprovinzen geworden. Tie Niederwerfung dcö böhmischen AdelS- und Stände.-Ausstandes durch Ferdinand II. und die Konfiskationen, die dem Blutgericht von 1021 folgten, boten Wallenstein die Gelegenheit zu großzügigen Spekulationen. Durch seine Grundkäufe und seine zweite Heirat mit einer Gräfin Harrach wurde er einer der reichsten Männer in den habsburgischen Erblanden. Zum Unterschied von den Feudalaristokraten ging aber Wallenstein daran, sein Kapital arbeiten zu lassen, die Grundrente nuybar zu machen. Mil sicherem Blick crlannle er. daß cs kaum ein besseres Mittel dazu gab, als ein Heer aufzustcllen und Krieg zu führen. Das tat er denn auch. Er hat dann als erster niodcrncr General den Krieg nicht auf planlosen Plünderungen aufgebaut, sondern eine systematische Versorgung seines Heeres organisiert, womit er zugleich eine Reihe größerer Manufakturen- metallverarbeitender und Tcxtilmanufakiuren ins Leben rief. Zugleich unterhielt er die engste Verbindung mit den großen Finanzleuten, vor allem mit der Prager Judenschaft. So war er ein Rüstungsindustrieller und RüsiungSsinanzicr großen Stils, sein eigener Lieferant und Produzent. Selbstverständlich gab er den Grundsatz, daß der Krieg den Krieg ernähren müsse, nicht auf. Aber sein System waren nicht planlose Brandschatzungen, sondern große Kontributionen nnd K o n f i 8- lationcn, mit denen er zugleich sein Geschäft nährte und die übermütigen RcichSstände an der cnrpfindlichstcn Stelle traf. Da sein Heer nicht zu Plündern brauchte, um versorgt zu sein, konnte Wallenstein ans strenge MannSzucht hätten und diese wiederum machte seine Armee zu einem Kampfinstrument, das im ersten Jahrzehnt des großen jkriegcö seinesgleichen nicht hatte. Erst die schtvedischen Bauernlackel, die bcutctüstcrn, srumm und blutsrisch unter Gustav Adolf uach Deutschland kamen, Ivaren den Wallcnsteincrn gewachsen. Zudenr Ivar ja Wallensteins zlveite Armee, mit der er sich gegen die Schweden schlug, der ersten nicht mehr gleichwertig. Für die deutsche Geschichte i st Wallenstein eine Episode, allerdings eine höchst charakteristische. Ein Condottiere, der zugleich ein Kapitalist und Händler war, versuchte die Fundamente eines modernen Staates zu schaffen und die Wüstenei des feudalen llr- walds in Deutschland auSzurodcn. Er mußte scheitern, weil die feudalen Verhältnisse mit einer nur militärischen Gegenkraft nicht zu meistern waren. Er mußte scheitern, weil der Mann, für den er socht,»Ferdinand der Andere", selbst ein Gefangener mittelalterlicher Ideologien war und die Ideen seines Generalissimus nicht begriff, seine Macht aber fürchtete. Richelieu konnte die Hugenotten, M a z a r i n konnte den Aufstand de» AdelSfrondc nicderwerfen. Gegen das deutsche Fürstentum, daS Franzosen, Dänen. Schweden und Türken zu Hilfe rief, als Wallenstein die elende»teutsche Libertät", die Privilegien der schmarotzenden Landesherren, antastete, konnte ein noch so wciwlickendcr Staatsmann, konnte ein noch so energischer Organisator nnd Soldat allein nicht aufkommen. Seine ersten Erfolge hatten Wallenstein berauscht. Wie alle kapitalistischen Gründer hatte er eine ausschweifende Phantasie. Er wollte, die Ostsee zum deutschen Meer machen, Italien unterwcr- sen, Konstantinopel erobern. Aber vor Stralsund versagte seine Kriegskunst und auf dem Regensburger Reichstag siegten intrigante Betbrüder nnd jämmerliche Duodezfürsten über den Herzog von Friedland und Mecklenburg. Als Wallenstein sei» zweites Kommando übernahm, brütete er Rache gegen den Kaiser. Nun wollte er sich von Habsburg lösen und auf eigene Faust Politik machen. Daß er in diesem Sinne ein Hochverräter war, ist heute er. wiesen. Ferdinand fehlten der Mut und die Kraft, den Rebellen zu besiegen und zu richten. So ließ er ihn ermorden, 3000 Messen lesen und sich in der Beichte die Absolution erteilen. Die latholische Staatslunst war zu allen Zeiten allen Zwischen- sällen gctvachsen. Mit Wallensteins Abfall und Tod wird der Dreißigjährige Krieg ans einem Kampf nm die Aufrichtung einer modernen Staatsgewalt in Deutschland eine Balgerei um die Erblande, Rcli- gionSprivilegien und Libertätcn der Fürsten. Er endet mit der staatsrechtlichen und machtpolitischcn Auflösung des protestantischen PartilulariSmus, der Aufteilung Deutschlands in fremdländische Macht- und Interessensphären, wobei in wachsendem Maße Preußen der Bundesgenosse der Reichsfeinde wird. Für Böhmen hat Wallensteins Werk größere Dauer gehabt. Der»König der Tschechen", als den der Dichter chn apostrophiert, ist Albrecht Waldstein zwar nicht geworden. Aber seine Manu, fakturcn blieben bestehen, seine Anregungen wirkten fort. Der K a p i t a l i S m u S i n B ö h m e n, der sich zunächst schüchtern merkantilistisch, später stünnisch und machtvoll entwickelte, der das Erwachen der tschechischen Nation und die Auslösung des HabSburgrcicheS ermöglichte und bedingte, hat seine Wurzeln in der Politik des Friedländers. Und so hat, sehr weitläufig und mittelbar Wallenstein doch bei den Zuständen Pate gestanden, die heute in seinem Baterlandc herrschen. E. F. Seil« 2 Sonntag, 25. Feber 1934 «r. 47| Die Rache der Fascisten Dr. Englis: Niemals Inflation! Die Angehörigen der Kämpfer In quälender Ungewißheit Wien, 24. Feber.(Eigenbericht.) Hinter den persönlichen Beschwörungen der österreichischen Bischöfe i» dem letzten Hirtenbrief tobt sich die siegreiche sascistische Konterrevolution in grauenvollster Weise ans. Sie rächt sich an den Toten und ihre» unglücklichen Familien. Noch immer liegt kein amtliche« Verzeichn!» der Zivil- apfer vor. Hunderte von Familien leben in ent setzlichcr Ungewissheit, was au« ihren vermißten Angehörigen geworden ist, ob sie tot, eingeker- lrrt oder geflohen sind. So erbielt die Frau eine« ani Dienstag in Floridsdorf gefallenen Achntzbiindlrr« erst am Freitag Nachricht von dem unmittelbar bevorste- hciideil Begräbnis. Freitag sind aus dem Wiener Zentralfried- !iof in aller Heimlichkeit die ersten 71 Zivilopfer begraben worden. Rur die engsten Fainilienange- Iiörigen batten Zutritt. Die Gräber wurden mit Absicht über die ganze riesige Friedhofsanlagr ver. ilreu«, um vcinliches Aufsehen zu vermeiden. Es bewahrheitet sich auch, daß in Florid«- dors und in Bruck a. d. Mur tote Schul?» bündler al« abschreckende« Beispiel tagelang ungeborgcn auf den: Kampfplatz liegen gelassen wurden. Die Nachrichten, daß gefangene Schutzbündler durch bestialische Mißhandlungen zum Wahnsinn oder zum Selbstmord getrieben lunrden nnd daß verwundete Schutzbündler«ach der Gefangennahme ohne Hilfeleistung verbi utetodererfrore« sind, finden leider Bestätigung. Die männliche Bewohnerschaft de« Florids- dorfer Lchlingerhofe« Halle au« diesen Ursachen nach ihrer Gefangennahme noch mindesten« 10, wahrscheinlich aber 15 Todesopfer zu della gen. Sobald es ohne Gefährdung der Angehörigen möglich ist, werden wir die in unserem Besitz befindlichen konkreten Daten veröffentlichen. Die scheinbar sinnlosen vereinzelten Schießereien nach den drei Kampftagen finden dahin ihre Aufklärung, daß Schutzbündler, dir van den Mißhandlungen und der Abschlachtung ihrer gefangenen Kameraden erfnhrrn, nochmal« zu den Waffen griffen und in blinder Wnt Rach« zu üben versuchten. Heimwehr plündert und raubt B e st i a l i s ch benommen habenI sich in sa st allen Fällen dir Mit- g l i e d c r d e r H c i m w c h r e n, die wahrend der Kämpfe zumeist in sicheren Nesrrvestclluugen lagen. Die Hcimwehren, deren Blätter heute die| toten Schutzbündler al» Banditen besudeln möchten, haben sich i» vielen Orten nachweisbar als pliindcrndcRäubrrhorde» entpuppt. In Graz wurde das große Kaufhaus der J östrrrcichifchrn Konsumgenossenschaft volltom> in t ii ausgepliindrrt. Heimwrhrleute Hollen ihre Frauen und Töchter hinein nnd staffier» teu sie mit Mänteln, Kleidern, Schuhen und Wäsche aus. Auch da« Lagerhaus der steirischen Konsumgenossenschaft und ihre Konsumbäckerei in Eggenbcrg, ferner da« Kinderrrholungshrinl in Dollinggraben bei Donawitz und der Konsumverein in Ebenste, ferner zahlreiche Privatwohnnn- gen in Wien nnd in der Provinz sind total auvgcraubt worden. In Eggenberg stahlen die Heimwehren den gefangen genommenen Bäcke- reiarbritrrn ihre Kleider. An Graz raubten sie rin sozialistische« Studentenheim, welches auch al« Schutzbündlrrlokal diente, vollkommen au« und zerstörten vandalisch die dort oufbewahrten Lehrbehelfe vieler steirischer Arbeiter-Studenten. Diese Borgangoweisr hat bi« in die Reihen' des Bürgertums hinein ungeheuere Empörung nnd einmütige Berurtei- lnng ausgelöst. Die Welt wird noch erfahren, daß die Helden der österreichischen Arbeiterklasse rein und unbefleckt dastehen, luähreud ihre christlichen Schlächter vor Rand nnd Mord nicht znrückschreckten. Wir werde» in den nächste» Tagen über die Heldentaten der österreichischen Konterrevo- lntion sensationelle Detail-Schilderungen veröffentlichen« Heue Auflösungen Das Bundeskanzleramt hat gestern sieben weitere sozialdemokratische Vereine aufgelöst, darunter den Arbeiter-Esperantobund, den Verband der Arbeiter-Tennisvrrrinr und den Arbeiter- Briefmarkensammler-Verein. Wie die„Reichspost" erfährt, wurde zum „Treuhänder" de« Gesamtvermögrn« de« Verbandes„Sozialistische Arbeiterjugend Oesterreich«" der katholische Augendsührer Sekretär Han« Scheffel bestimmt. Da« Vermögen soll der Aktion„Jugend in Rot" zugeführt werden, die bereit« auch die Heime der Arbeiterjugend in Besitz genommen hat. Jour nallstenbesuche,.bewilligt? Die Union der ausländischen Berichicrstät« ter hat am SamStag die Bewilligung bekommen, im Laufe der nächsten Woche einige prominente Führer der Sozialdemokratie, die in Hast sind, zu besuchen. Am Goethehof in Wien, der während der Kämpf« stark im Artilleriefeuer gelegen hat, zeigten sich heute neue große Sprünge im M a u e r w e r k, so daß die Feuerwehr ausgedehnte Pölzungen vornehmen mußte. Ein neues Notgefängnis wird in der Nähe de« vollkonunen überfüllten Landesgerichtes l auf dem Bahnhofe der Stadtbahn Michel-Beuern, wo früher ein Heim für die sozialdemokratischen Sportorganisationen bestand, errichtet tverden. Prag, 24. Feber. Der Bankrat der Nationalbank hielt heute seine ordentliche MonatSsihung unter Borsitz des neuen Gouverneur« Dr. Karl Englis ab, der vom Regierungskommissär Dr. B l a s ä l in. sein Amt eingeführt und vom Vize« gouverneur Dr. Dvokäk begrüßt wurde. In seiner Ansprache würdigte der neue Gouverneur die Arbeit seines Borgängrr« und erklärte, daß er selbst in der geschaffene» Tradition fort» fahren wolle, da sich im Grunde die Aufgabe der Rationalbank mit der Aendrrung des Goldgehalte« der XL in k e i n e r Weise geändert habe, daß er sich nie zu einer Inflation hergeben werde und daß er mit dem Bankrat und allen Organen der Bank im vollsten Einvernehmen, wie e« auch bisher stet« der Fall war, arbeiten wolle. Besserling der Wirt schaftslage anhaltend Dem vorgetragenen Geschäftsbericht entnehmen wir: In deni letzten Monat-abschnitt trat eine Reihe internationaler Ereignisse von großer wirtschaftlicher nnd politischer Bedeutung ein. Der Entschluß Roosevelts, den Dollar auf seiner vorläufigen Parität zu stabilisieren, erweckte Hoffnungen auf einen Währung S f r i e d e n zwischen den Vereinigten Staaten und Europa. Die Welttendenz, welche, auf die Verbilligung der Kredite, hauptsächlich der limgfristigen, hinzielt, wurde durch die politischen Ereignisse in Frankreich und Oesterreich abgeschwächt. Die Aelteffektenbörsen zeigten eine freundliche Ten denz in erster Linie infolge der anhaltenden Fortschritte d er W ir tschaf tsbele« bung. Die Preisbewegung an den Weltbörsen der international gehandelten Waren verzeichnete auch Wetter eine mäßig ansteigende Tendenz, in dem Maße, al« eine günstigere reale Voraussetzung für den Rohstosfverbrauch In der Erzeugung und für die Absatzmöglichkeiten der Fertigwaren gebildet wird, Die Arbeitslosigkeit der Welt wieS trotz der Saisoneinflüsse auch Iveiter eine günstige Grundentwicklung auf und stieg saisonbedingt in den Wintermonaten in geringerem Umfange als im Vorjahr«. Die Jndustriebeschäftigung spiegelt im ganzen die Einflüsse der Saisonruhe der ersten Mo- nate wieder. Trotz der bedeutenden Schwierigkeiten, hauptsächlich in der Ausfuhr, kann beobachtet werden, daß die Besserung der Wirtschaftslage fortschreitet. Der Saisonzuwachs der Arbeitslosigkeit Ivar im Jänner niedriger als analog mit den Vorjahren erwartet werden konnte. Auch der Güterverkehr, gemessen an der Transportbewcgung der Eisenbahnen, bessert sich. Der Außenhandel überstieg im Jänner l. I. in seinem Gesamtumfange zum ersten Male nach einer Reihe von Jahren die Ergebnisse des gleichen Monat« vom Vorjahre. Auch die Jännerbilanz de« Außenhandels war Heuer etwa« günstiger als im Jänner 1988. Die Fertigwarenausfuhr bleibt aber noch hinter den Ergebnissen des Vorjahres zurück, i worin die dauernden Schwierigkeiten der tschechosso- wakischcn Ausfuhr auf den Auslandsmärkten wider- j spiegeln. ver Lenst fügt sich Annahme dr« EretutionSschutzeS in der geänderten Form. Prag, 24. Feber. Heute vormittag mutzte sich der Senat nochmals mit dem Aufschub der Exekutionen für Landwirte befassen, da die vom Senat vorgenommene Streichung der Bestimmung im 8 8, lvornach Zinsen und Annuitäten sowie vereinbarte regelmäßige ZkapitalSrückzahlungen bis zu 2 Prozent Iveiter exequierbar bleiben, im Abgeordnetenhaus wieder rückgängig gemacht worden'war. Die geänderte Vorlage wurde schließlich genehmigt. Der Senat begnügte sich mit der Annahme einer Resolution, in der die Regierung ausgesorhert, wird, den Geldinstituten einen „Wink" kn der Richtung zu geben, daß'sie den Landwirten, welche die fälligen Annuitäten nach dem umstrittenen Paragraphen zahlen sollen, jetzt zum Frühjahr ohne Geldmittel sind, angemessene Ratenzahlungen bewilligen und mit der Bezahlmig bis nach der neuen Ernte zuzu- lvarten. Genosse Josef Russy Bürgermeister von Tep- litz-Schönau. Samstag nach 1 Uhr mittags erschien H. Oberkommissär Zita im Teplitzer Bür- s germeisteramte und überreichte dem Genossen Rufs«) das Dekret seiner Ernennung zum Bürgermeister der Stadt Teplitz-Schönau. Eine schwerwiegende Repressalie Berlin, 24. Feber. DaS halboffizielle DNB meldet, datz die deutsche RcichSregicrung als Repressalie dagegen, datz in der Tschechoslowakei trotz wiederholten Vorstellungen bei der Regierung daS private Zeigen der Hoheitsabzeichen des Deutschen Reiches, der schwarz-weitz-rotcn Fahne und des Hakenkreuzes in Wimpeln, Flaggen und Abzeichen rücksichtslos vvfolgt werde,„zur Wahrung der Ehre des deutsche» Volkes" das pribate Zeigen tschechoslowakischer Flaggen und Wimpel sowie daS private Tragen von Abzeichen in den tschechoslowakischen Farben verboten hat. ch Wie daS tschechoslowakische Prctzbüro hiezu auö Berlin meldet, wurden die zuständigen tsche- choslowakischen Stellen von den: Verbot vorher nicht verständigt. ES handle sich unr daS erste Verbot dieser Art in Deutschland, obwohl daS Tragen des Hakenkreuzes auch in zahlreichen anderen Staaten verboten sei. ver deutsch-polnische Pakt In Kraft Warschau, 24. Feber. Heute vormittags erfolgte die angckündigte Ratifizierung de« deutschpolnischen Paktes vom 26. Jänner d. I. im Wege eines Dekrets des Präsidenten der Republik. Der Austausch der Ratifikationsurkunden wurde im Autzenminifterium in feierlicher Weife.durch den Außenminister Dr. Beck und den deutschen Gesandten in Warschau von Moltkc vollzogen. Der Pakt tritt mit dem heutigen Tage in Kraft. 38 H. m. de Jm: VersMm-ene Hacke tin Xomon- in vier(pisottea Autorisierte Ueberaetsunc aua dem HoHUntschen ▼OB S, R. Fuchs. Aber die hier könnte mit einem einzigen Griff ihrer kindlich kleinen Hand den ganzen Wust entwirren, alle Probleme lösen, alle Klüfte überbrücken, alle Falten glätten. Sie sprach nicht, sie smig, himmlische Musik. Sie lief nicht— sie schwebte, als hätte sie Flügel. Trink, Peter und das Glück wird zu dir kommen! Er hatte getrunken. Wenn er die Arme auübreitetc, würde ihm das Glück um den Hals fallen. Sie näherte sich am Arm des Prinzen, der sagte: „Ja, Lydia... ich habe Besuch... Ganz besonderen Besuch... Sei vorsichtig mit ihm... sei ganz Güte und ganz Liebe... Er ist ein bedeutender Mann... ein Prinz! Genau so wie ich... aber ei» verzauberter Prinz, weißt du... Geh', begrüße ihn, gib ihm einen Kuß und swliei- ihn in dein Herz, genau so wie ich." Peter lächelte. DicS schien ihm kindisches Geschwätz. Seine schweren Hände lagen zu Fäusten geballt zwischen seinen Knien. Seine dunklen Augen glühten unter den breiten, schwarzen Brauen. „Er scheint so düster, dein Freund. „Mach, datz er leuchtet wie das strahlende Tagesgestirn, Lydia... Entzaubere ihn!" Er schob sie lachend vor sich her. In den leicht wogenden Falten ihres luftig blauen Kleidchen« kam sie auf ihn zu. Wie durchsichtiger Nebel stand sie vor PeterS entzückten Blicken, bläulicher Abendnebel, der Gestalt.angenommen hat und auf ihn . zuflutet, langsam, beklemmend herrlich... Dann legte sich die Kühle zweier weicher Hände, liebkosend wie Rosenblätter, auf seine erhitzten, wild klopfenden Schläfen. Die silberne Stimme sang dicht an seiner Seite: „Ich grühc Euch, o Prinz aus dem Zauber- 1 land!" Und dann versank er langsam in schwindel- crregende Tiefen, denn ihre weichen, warmen Lippen hatten sich in feurigem Kuß auf seinen Mund gepreßt. Mit halberstickiem Schrei schlang er plötzlich die Arme um sic, hob sie wie eine Flaumfeder auf seine Knie, drückte sie fest an sich und küßte ihr Gesicht, ihre Augen, Wangen nird Mund, die Stirne nnd den pochenden Hal« und ganz an seinem Ohr erscholl da« silberne Glöckchen ihres Lachens und drohte, ihm alle Besinnung zu rauben. Lachend stand der Prinz vor ihnen, da« Glas karsunkelroten Weines hochgehoben, und sprach tönend: „O Hymen!" Peter hörte ihn nicht. Das Blut brauste rasend in seinen Ohren. Er hielt da« Mädchen ein wenig von sich. Ihr Kleid war verschoben. DaS blanke Rund der jungen Brüste schimmerte goldig im Lampenlicht und ächzend vor verlangen und ungekannter Pein öffnete sich PeterS Mund. Völlig unerluartet war die Erscheinung da lachend aus seinen Armen gesprungen und um ihre schimmer« den, schlanken Beine spannte sich die Seide wie glühende Haut. „Er ist stark, dieser verzauberte Prinz!" keuchte sie.„Und keck... aber er düstet nach Maschinenöl!" Wie betäubt lauschte Peter ihrer Stimme, dem schallenden Gelächter des Prinzen, dem Knistern ihres Seidenkleides. Seine Sinne waren wunderlich überreizt, sein Empfinden übersteigert und er fühlte sich verwirrt von einer großen Zahl von Eindrücken, die alle von ihr auSströmten. In seinen Händen spürte er noch da« kitzelnde Prickeln ihres dichten, gelösten Haare«, seine Seele schwelgte im Dust ihres Körpers und des exoti schen Parfums, auf den Knien fühlte er noch den leichten Truck ihres warmen, weichen Fleische« und durch sein Herz tobten Stürme von Leidenschaft, Verlangen, Angst und Freude, ein noch nie gekannter Zauber hielt sein Wesen im Bann und wie ein Bär, der den Strick fühlt, schüttelte er seinen schweren, dunklen Kopf mit dem wirren Haar. War das der Wein? War das daö Glück? War daS SinneSvcrwirruirg, ein Wahnbild seiner erhitzten Phantasie? Träumte er? War er eingeschlafen und war die plötzliche Ucberstürzung verworrener Gefühle nur eitler Trug?... Dort stand sie, an die Schulter des Prinzen gelehnt, und schaute mit halb belustigtem, halb scheuem Blick auf ihn, einen nervösen Zug um den roten Mund. Auf ihr Antlitz fiel gerade das Licht der Lampe. DaS Grübchen an ihrem Hals zuckte... lebendige Weichheit, ein lockender Ruf... Mit einem Ruck riß Peter sich zusammen, stand taumelnd auf den Beinen, straffte seine Muskeln und bohrte seine schwarzen, glühenden Augen fest in ihr glattes, warme«, weiches, lebendiges Fleisch... Mit gesenktem Haupt stand er so einen Augenblick, al« wollte er losspringen, um sie dem Prinzen zu entreißen, als seine Beute zu rauben, wegqutragcn und zu seinem unveräußerlichen Eigentum zu machen. Tollkühnheit loderte in ihm empor. Sein vom Wein erhitzte« Blut klopfte wie Hammerschläge gegen seine Schläfen. Nebel schob sich vor seine Augen und er stemmte sich mit der Faust an den Tischrand. Dann kam wie aus weiter Ferne die fröhliche, lachende Stimme des Prinzen: „Siehst du, Peter Zanzi, du hast getrunken! Das Glück ist gekommen! Faß es!" Und gleich darauf, erschrocken und ungläubig, die des Mädchens: „Peter Zanzi!... Nein!" Irgendetwas in dem veränderten Klang traf Peter befremdlich. Die Stimme rief vag« Erinnerungen in ihm wach. Wer sprach da?... Der Nebel entschwand vor seinem Blick. Mit aller Kraft versuchte er, der Betäubung Herr zu werden. Er wollte klarer denken, doch Verlvirrung um- lrampfie ihm das Gehirn. Er sah, wie der Prinz sie mit einer Handbewcgung ihm zuschob und wie sie ängstlich zur Seite wich, bereit zur Flucht. Ihr glattes Gesichtchen war angstverzerrt und verlegen legte sic die Hand an ihre Wange. Diese Gebärde versetzte ihn plötzlich Jähre zurück... Er erkannte sic. „Susann!" sagte er gepreßt, etwas schwankend. Die Susann Ivar sic... die kleine Freundin seiner Schwester Liese... das Nachbarskind, das Töchterchen des Jagdaufsehers. Er batte sie zu Hause gesehen, mit ihr gebalgt, manchmal an sic gedacht in seinen unbestimmten Knabenträu- mcn, vor langer Zeit, als er noch auf der Mittelschule war. Er sah sie mit seiner Schwester Liese Arm in Arin gehen in einem weißen Kleidchen, am sinkenden Abend unter den Bäumen der breiten Allee. Er scherzte mit ihr, zog sie an ihren dicken Zöpfen... sie lachte, schalt ihn einen langen Schlingel und schlug auf seine scherzenden Hände... die vielleicht verliebte Hände gewesen waren... wer weiß... c« war so lange her. Sie und Lieschen. Und nun war sie hier beim Prinzen. Und Lieschen. Liese saß dort in einer Zelle, für Jahre eingeschlossen, llnb er... er schwelgte hier mit einem Prinzen... küßte sein Liebchen... das Susann war! War er irrsinnig? Träumte er etwa? Was bedeutete das alles zusammen? Welchen Sinn hatte dies wilde Durcheinander? Einen Moment schloß er die Augen, stützte sich mit beiden Händen auf den Tisch. Dmin starrst er das Mädchen am das noch die Hand an der Wange hielt, ihn verwirrt anblickend mit ihren hellblauen Augen, in denen Furcht und leiser Verdruß zu lesen stand... verwandt dem seinen, der ihm auS^ der Erinnerung erwuchs. „Susann", wiederholte er, zart wie ein Seufzen. (Fortsetzung folgt.) 9t. 47 Lonnwg, 25. Feber 1984 Sette» er« 0er susenblicklick glücklichere Liebhaber - 1984 der sind mit der Ver- zugleich die sei» Verhängnis, ihm. rent skizzierte die desolate Situation, in die sich die kapitalistische Prosilwirtschast verrannt hat, den Ale» chanilmu» der kapitalistischen Krisen im allgemeinen und dieser letzten grossen Krise im besonderen, deren verhängnisvolle soziale Auswirkungen und die hilflosen Versuche konservativer Volkswirtschaftler,«inen Ausweg aus dieser Sackgasse zu finden. Versuche, die deshalb nnblingeil müssen, weil das Grundübel nicht erkannt ist. nämlich eine Wirtschaftsordnung, die nicht um des Bedarfs, sondern um des Profita willen produziert. Dieser anarchischen Wirtschaft stellt« Genosse Fischer die Bedarfsdeckung» wirtschaft gegenüber, ans die sich der genossenschaftliche Gedanke stützt nnd die sich, obwohl fie vorläufig noch feinen entscheidenden Faktor de» Wirtschaftsleben» darstellt und zu schwach ist. um das Weltgeschehen entscheidend zu beeinflussen, doch stark genug ist. nm als feuchtendes Beispiel den Weg zu einer kii n f t i g e n gemeinnützigen Weltwirtschaft zu weisen. Daher auch der Hatz der internationalen Reaktion. deshalb alle die offenen und versteckten Angriffe gegen den GenosicnschaftSgedanken. Nach kurzer Debatte wurde eine Resolution für den Londoner Kongretz angenommen, in der u. a. gesagt loird: „In einer Reibe von Staaten ist irichtung der politischen Demokratie Weiterentwicklung der Konsnmgcnoffenschastrn in freier Selbstverwaltung ihrer Mitglieder unmöglich gemacht worden. Vielfach wurde der Weiterbestand verhindert nnd ihre Einrichtungen zu anderen Aweck«« mißbraucht. Der Berband»tag hält e» deshalb für die dringendste Ausgabe de« Internationalen Gr- noffenschaftSbundeS, die in ihm vereinigten Genossen- schatten der ganzen Welt zur Verteidigung der Demokratie als der Grundlage eine! gesunden Genossenschaftswesens anfznnifen. Genosse Dietl ergriff hierauf das Wort zu einem ausgezeichneten Referat. Er verloieS einleitend auf die allenthalben auftauchenden Bestrebungen der Händler und Zünftler, die den Bankrott der Profitwirtschaft mit einem erbitterten Angriff auf die genossenschaftlichen Bestrebungen erwidern. Er kennzeichnete die, oft mit behördlicher Förderung unternommenen, skrupellosen Angriffe dieser Exponenten an Hand drastischer Beispiele. Der Schrei nach dem„Befähigungsnachweis", dem Entzug der Steuerbegünstigungen, dem „Numerus clausu,", der jede Verbreitung des genossenschaftlichen Wirkungskreises verhindern soll, find heute internationale Erscheinungen. Auf den Tätigkeitsbericht über das letzte Jahr eingehend zeigte der Referent, datz der niengenmätzige Umsatz keine wesentliche Veränderung erfahren hat, wohl aber der rechnungSmätzige Effekt. Bei gestiegener Zahl der Mitglieder wird pro Kopf west weniger umgesetzt— ein furchtbares Zeichen d«S Zeitelends. Sa* die Spareinlagen eine beträchtliche Berminde- rung erfahren haben, kann nicht wundernehmen, wenn man bedenkt, datz dar Nationaleinkommen gegenüber 1020 von 42 Milliarden pro Jahr auf 30 Milliarden gestürzt ist. Da» Regiekonto hat eine unheilvolle Steigerung erfahren, die leider zu Spar- matznahmen zwangen, die man, wenn irgend möglich vermieden hätte. Eingehend beschäftigte sich Genosse Dietl mit dem„Gesetz über den unlauteren D e i t b e w e r b", das in seiner Fassung die Handhabe zu gefährlichen Schikanen gegen die Genossenschaften bietet. Zu der Prag, 24. Feber. Früher als in anderen Jahren üblich, traten heute vormittag» ün grotzen Urania-Saal die Delegierten de» Verbandes zum neunten ordentlichen BerbandLtag zusammen. Verbandsobmann Genosse Lorenz eröffnete mit Begrüssung der Versammlung und der Gäste, von denen genannt seien: Ministerialrat Dr. Schmidt al» Vertreter de» FürsorneminisleriumS, die Vertreter des englischen GenosseuschaktSverbande» P i c k u p und Marlow, für die tschechischen Bruderorganisationen Genosse Lustig, die Vertreter der Aewerk- fchastsorganisationen und in Vertretung unserer Partei Genoss« Abg. Taub. Der Vorsitzende entbot, während sich die Ver- sammlung von den Sitzen erhob, den Gruss der Genosse nschaftlerandieFreibeitS- kämvfer Oesterreich», gedachte der Opfer deSNelsonfchachteS und der im letzten Jahre verstorbenen Genossenschafter, insbesondere de» toten Genossen Knobloch. Weiters zeichnete Genosse Lorenz in der Eröffnungsansprache in kurzen Strichen die katastrophale wirtschaftliche Situation mit ihrer verhec.«den Arbeitslosigkeit, die natürlich nicht ohne Rückwirkung auf die Konsumgenossenschaften bleiben konnte. Als Lichtblick scheint der unaufhaltsam« Mitgliederzuwach-, der belveist, wie sehr sich trotz der Krisenzeit genossenschaftlich« Gedanke durchsetzt(seit 1920 30.428 Mitglieder und 821 Verteilungsstellen zuge- wachsenl. Auch die finanzielle Entwicklung, wie auch die Leistungsfähigkeit der Genossenschaften beweisen die gesunden und festen Grundlagen unseres Genossenschaftswesen». Rach Wahl der Mandatsprüfungskommission begrützt der Vertreter des Fürsorgeministeriums Mi- nssterialrat Dr. S ch m i d t die Tagung. Der Direktor der englischen GrosseinkaufSgenostenschäft P i c- k u p brachte Grütze und Glückwünsche der englischen Genossenschafter. Genosse Lustig sprach namens des Zeniralver- baudeS tschechoslowakischer Genossenschaften, der tschechischen GrotzeinkaufSgenossens-*aft und der Jn- teressenzentrale der Genossenschaftsverbände. Er betonte insbesondere, dass ein Genossenschaftswesen im wahren Sinne deS Worte», d. h. akS Schuhorganisation de» Konsumenten nnr in einem freien und demokratischen Staat drnktar ist. Jede Diktatur missbraucht solche Organisationen zu ihren Zwecken. Deshalb ist es Aufgabe der Genossenschaftler. den republikanischen und demokratischen Staat zu verteidigen, al» Grundpfeiler der Freiheit der Menschheit und der Arbeiterschaft. Wenn sich auch bei un» die Offensive gegen die Konsumgenossenschaften verschärft, so liegt der Grund eben in dem vollkommenen Berkrachen der Profitwirtschaft. deren Rache sich gegen den genossenschaftlichen Selbsthilfegedanken richtet. Als nun dem Berichterstatter zum Tätigkeitsbericht das Wort'erteilt wurde, versuchten einige „Oppositionelle" kommunistischer Richtung durch provokative Anträge einzugreifen, wie sie auch schon vor Eröffimng der Tagung durch Verteilung kommunistischer Propagandadruckschriften Lergerni» erregt hatten. Die Provokationen der ewig Unbelehrbaren gingen in dem empörten Protest der Versammlung unter. wie mich die verteilten Druckschriften ihnen zerknüllt vor die Füsse geworfen wurden. Der Berichterstatter Unsere ScnvsseascNaNer tatzen IX. ordentlicher Verbandstag des Verbandes deutscher Wirtschafts* genonenschaften— Heute Generalversammlung des Gec*Verbandes Debatte über diese» Referat nwldeten sichdreizehnRed- n e r, die zu den Ausführungen de» Referenten grösstenteils positiv, auüsührend und illustrierend Stellung nahmen. Eine Ausnahme bildete ein Oppositioneller auS Reichenberg, dessen Ausführungen nach dem üblichen k o m m u n i st i s ch e n S ch e- nta gehalten waren und zu stürmischen AuSeinan- dersetzmigen Anlass gaben. Nach einem Schlusswort deS Genossen Dietl wurde eine Resolution gegen die geplante Margarine st euer einstimmig angenommen. Genosse Fischer über das Thema:„Der Internationale GenossenschaftSbund und der bevorstehende Londoner Ko»gross". Der Refe- Dle Zollnachlässe Die gestern erlassene Verordnung über di« Massnahmen im Zollwesen besagt im wesentlichen: Der Finanzminister kann in Nebereinstim- mung mit den Ministern für auswärtige Angelegenheiten. für Handel, sowie für Landwirtschaft für Waren auü den Staaten, mit denen die Tschechoslowakische Republik keinen die Bestimmungen im Zollgebiete enthaltenen Handelsvertrag besitzt. Zollnachlässe bi» zur vollen Höhe deL Unterschiedes zwischen den entfallenden allgemein gültigen Zollsätzen und gegenwärtig gültigen vertraglichen oder nach Art. ll de» Gesetzes vom 22. Juni 1028. Z. 108 2. d. G. u. B., ermässigten Sätzen gewähren, mit welch letzterem dav Gesetz über den Zolltarif für die tschechoslowakischen Zollgebiete und der Zolltarif geändert und Bestimmungen Wer die Regelung der Handelsbeziehungen mit dem Auslande herausgegeben werden, oder nach Art. 1, 8 2 der Regierungsverordnung vom 10. Juni 1983, Z. 06, über die Regelung deü Zolltarife», wenn vadurchdic Ausfuhr tfchechoflowa- kifcherAarenmindestenS im gleichen Werte in den betreffenden Staat ermöglicht oder andere wichtige Vorteile für die tschechoslowakische Volkswirtschaft erzielt werden. Wallertfteirrs Tod 1684— SS. Feber Von Walter. Er ist herein. Ihn führte Dec Rechen ist gefallen hinter Und wie die Brücke, die ihn trug, beweglich Sich niederliess und schtvcbcnd wieder hob, Ist jeder RettungSwcg ihm abgeschnittcn. Bis hieher, Friedland, und nicht tveiterl sagt Die Schicksalsgötiin. Aus der böhmischen Erde ErhW sich dein bewundert Meteor, Weit durch den Himmel einen Glanzweg ziehend, lind hier an Böhmen» Grenze mutz cs sinken! Schiller:„Wallenstein» Tod". 4. Aufzug. „Er ist herein..." So lässt der Dichter den Mitverschloorencn und Mordhelser Oberst Buttler triumphieren. Ahnungslos war Wallenstein in den trüben Nachmittagsstunden des 24. Februar 1634 in die Falle gegangen. Gichtkrank,„in einer schlechten senften von zwei Pferden getragen, von zwey Compagnien reutter begleitet, mit etlichen Kutschen nnd Pagagy", Ivie die Egerer Ratöchronik verzeichnet, hatte er seinen fünften und letzten Einzug in Eger gehalten. Piloty hat die Szene gemalt; der Totengräber, am Fricdhosörandc in der frischgeschauselten Grube stehend, grüsst den Herzog; cs ist das eine Hamlet-Reminiszenz des Malers, die das Ende shinbolisiert. Wallenstein ahnte dieses Ende nicht. Zwar wusste er gerüchtweise um das Treiben gegen ihn, und schon am 21. Februar hatte ihn in Pilsen die Nachricht erreicht, dass das Abschiedspatent bereits öffentlich in Prag angeschlagen sei; Wallensteins Botschaften nach Wien, in denen et sich erbot, sich zu jeder geforderten Rechenschaft zu stellen und das Kommando abzugeben, an Iven der Kaiser befehlen werde, waren von GallaS und ! Oktavio Piccolomini abgefangen und unterschlage» i worden. Die Verleumdung brandmarkte ihn als | Verräter. Seine Feinde wussten zu gut, dass nur dieser Makel stark genug sein werde, Wallensteins Gefolgschaft entscheidend z» zersplittern und ihm abspenstig zu machen. Das gelang ihnen" hinreichend. Während im ersten„Pilsener Schluss" am 12. Januar 1634 noch 49 Offiziere sein Bleiben ! forderten und ihm unverbrüchliche Treue gelobten, standen unter dem acht Tage später auSgesertig- ten zweiten„Pilsner Schluss" nur noch 30 Unterschriften, lvobei eine angeblich hinterhältig gestrichene Klausel, wie sie in Schillers Wallenstein- ! Trilogie den Gang der Dinge dramatisch ivendet, tatsächlich keine Rolle gespielt hat; das belanntc Schillerzitat„Vor Tische las man'S anders" beruht auf einer Legende, die der Forschung nicht standhält. Der angebliche Verrat, deit Wallenstein be- ggangen haben sollte, war ein Vorwand sür die tieferen Gründe, die seine Feinde zur Ermordung Wallensteins trieben. Knapp und treffend hat Franz Mehring das Ergebnis langwieriger, von den Historikern dreier Jahrhunderte in vielstimmigen! Meinungsstreit betriebener Forschungen in lvcnigen Sätzen zusammcngefaht:„Wallenstein verfolgte in Deutschland dasselbe Ziel, da» Richelieu in Frankreich gleichzeitig verfolgte (und erreichte): Tie Herstellung einer rein weltlichen Monarchie, die sich frei von allen konfessionellen Gegensätzen über die hadernden Fürsten erheben und die gesamte Kraft der Nation nach aussen kehren sollte. Wallenstein unterwarf die katholischen Reichsstände nicht minder als die protestantischen der kaiserlichen Autorität; er war kein phantastischer Politiker, sondern hatte ein sehr klares Ziel, das, wie das französische Beispiel zeigte, nicht nur erreichbar Ivar, sondern auch im Sinne deö historischen Fortschritt» lag. Gescheitert ist Wallenstein daran, dass die, Souveränität der Reichsstände viel zu tief in den Weiter» wird gegen die Gefahr eine» neuen I Kriege» Stellung genommen und schliesslich vom I. G. B. ein internationale» genossenschaftliches j WirischafiSprograinm verlangt. Hierauf wurde die Wa hl d«»Bor st ändert vorgenommeu, die wieder Genoffen Lorenz an die Spitze de» Verbände» stellte. Nach ö Uhr nachmittag» schloss der Vorsitzende die Tagung. Sonntag vormittag» findet eine weitere bedeutungsvolle Genosten« schaftStagung statt:' die Generalversanunlung de» Gcc-Verbande». Bg. TagcsncnlgKcltcn Die staatliche Losaktion zugunsten der Arbeitslosen ergab 1V a Millionen Kronen Von amtlicher Stelle ivird bekanntgemacht, dass der Erlös der 15. Staatswohltätigkeitslotterie, welche in der 1. Hälfte des Jahres 1933 ausschliesslich zugunsten der Arbeitslosen veranstaltet wurde, 371.132 Kö 95 Heller beträgt. Diesem Ertrage wurden aus dem Erlöse der 14. Staats« wohltätigkeitslotteric. welche zugunsten der wohltätigen und der der Leibeserziehung dienenden Institutionen veranstaltet wurden, ausnahmsweise noch weitere 100.900 KL zugcwiesen. Der Gesamtbetrag 971.132 KL 95 Heller wurde sür die D^rHeidungSaktion der Kinder der arbeitslosen Eltern bestimmt. Zu diesem Betrage wurde ein Teil des Erträgnisses au» der Saminlung der Postschcckkontiinhabcr, welche auf die Zinsen zugunsten der Kinder der Arbeitslosen verzichtet haben lAktion:„Hilfe für die Kinder der Arbeitslosen"), und der Zuschuss des Ministerium» für soziale Fürsorge zugcschlagen, so dass dec Gesamtbetrag, der für diese Aktion zur Verfügung steht, beinahe 1,500.000 KL ausmacht. Die Geldverteilung nehmen die einzelnen Landesstellen sür die Jugendfürsorge unter der Aufsicht des Ministeriums sür soziale Fürsorge vor. Tod im Auto Verhaftung eine» Oberlehrer». Böhm.-BudweiS, 24. Feber. An der Lahn- Lbergucrung bei LuZnice ivurde heute nach Mitternacht von einem Eisenbahnangestcllten ein zertrümmertes Personenauto und daneben auf der Strasse in einer Blutlache liegend die Leiche eine» Manne» gesunden. Bei der alarmierten Gendarmeriestelle hatte sich inzwischen al« Besitzer des Autos der Oberlehrer K r o u p a au» Zvikov eingcfundcn, der erklärte, bei der Fahrt an einen eisernen Pfosten am Slra- ssenrandc angerannt zu sein. Der G a st>o i r t B o h o n ii k aus Lisov, der neben Kroupa im Auto Platz genommen hatte, wurde bei dein Anprall tödlichverletzt und starb kurz darauf. Die Gendarmerie verhaftete Kroupa und lieferte ihn in die Untersuchungshaft de» Kreisgerichteö in Lom- uice n. L. ein. Ein Toter im Nelsonschacht geborgen Brüx. 24. Feber. Bei den mit der Wie- derbewältigung der Nelson-Ill-Grube verbundenen Arbeiten bemerkte Jng. Hauser, der die Schachtvermauerungen leitet, im Scheine der Re fleltoren die Leiche eines Bergmannes. Ta sic an der Stelle lag, Ivo sich früher die Seilbahn befand, glaubt man, dass eS sich nm den Bergmann P i n c handelt, der mit der Bedienung der Seilbahn beschäftigt Ivar. Der Grubenavschnitt. in dem die Leiche gesunden wurde, ist von gefährlichen Gasen noch nicht vollkommen freigemach! und muhte daher verschlossen werden. Internationale Solidarität. Der zur Zeit in W a r s ch a u tagende Kongress der sozialistischen I u r i st c n hat beschlossen, die höchste Bewunderung sür den heldenmütigen Kamps unserer österreichischen Genossen auSzuspreä'cn und eine Hilfealtion zugunsten ibrer Fa- milien zu beginncn. ökonomischen Zuständen des damaligen Deutschland verankert war, als dass er sie hätte losreisser können." Während Kaiser Ferdinand II.. blind ge- »tachi und falsch beraten durch Wallensleiit» Widersacher, nicht das geringste Verständnis für Wallensteins weitsichtige Politik ausbrachtc. wussten aber eben diese Widersacher recht genau, worunl eS ging: nm den Bestand ihrer Macht. „Den katholischen Fürsten war das Erstarken der laiserlschcn Autorität, wie eS Wallenstein bctrieb. nicht Ivcniger ein Dorn im Auge, als den protestantischen." Zweimal zwangen sie durch Drohungen und Verleumdungen den Kaiser zur Preisgabe Wallensteins, das erstemal 1080, das zweitemal 1034. Diesmal trieben sie eS bis zur Aechtung Wallensteins— der Weg, der ihnen der sicherste schien zur Erreichung ihrer Ziele, der Weg über die Leiche Wallensteins war damit freigegcben. lind Eger war die Falle. Wallenstein, dem nur die Truppen Tertzkhs nach Eger gefolgt waren, hatte sich im Pack'el- Helschen Hause, dem heutigen Stadthause, am Markt einquartiert. Bier Schützen, die ,.bcy des Herrn Generalissimi auartier off der gassen wachen vnd alles gedäss, klopfen auch pellen der Hund vorhindern müssen", standen Wache, weil Wallenstein Hundegcbell und Hähnekrähen nicht auSstehe» konnte. Dass e» Schlimmeres abzuwchreit galt, ahnten Wallenstein und seine Getreuen nicht. Aber der Mordplan war fertig. Für den Abend des 25. Februar lud Oberst Gordon, der Stadtkommandant von Eger, im Einverständnis mit dem Oberste» Buttler Wallenstein und seine Offiziere zu einem Gastinahl nach der Burg ein. Wallenstein, von der Gicht geplagt, blieb im Quartier und legte sich arglos zur Ruhe, während die Grafen Tertzkh und Kinsky, der Feldmarschall Ilio und Rittmeister Neumann der Einladung folgten. Auf der Burg, in einem Erkerzimmer in Gordonü Hause fielen noch während Seite 4 Sonntag, 35. Feber 198-1 Nr. 47 Der Arbeitslosen-Marsch nach London MacDonald lehnt einen Empfang ab. London, 24. Feber.(AR.) Die aus den verschiedenen Teilen Englands nach London marschierenden Arbeitslosen sind heute am Ziele eingelangt. Sonntag Ivird im Hydc-Park eine große Manifcstationsvcrsammlung der Teilnehmer am Marsche siattfindcn. Die Polizei hat für diesen Tag alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen, bisher wurde die Ruhe nicht gestört. Die lirchlichcn Behörden sowie verschiedene humanitäre Organisationen haben den Teilnehmern Gastfrcund- schäft gclvährt. Die Veranstalter der Demonstrationen haben um einen Empfang beim Minister- p r ä si de n t e n nachgesucht, um ihm die Wünsche der Arbeitslosen zu verdolmetschen. Der Premierminister ist jedoch diesenr Ersuchen nicht nächste» kommen und sagt in seinem Antwortschreiben auf da» Gesuch: Die Deputation dient nicht den Interessen der Arbeitslosen. Es ist allgemein bekannt, daß die Hungermärsche im Schlepptau der St o m m ü n i st c n stehen. Die Regierung ist für den im Parlamente zur Beratung stehenden Ge- setzentwurs zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verantwortlich. Bis das Gesetz in Kraft tritt, wird die ganze Frage der Arbeitslosigkeit in weit befriedigendem Maße gelöst werden können. Kiefern nlo Ticbsvcrsteck. In llZhorod und Umgebung trieb bereits längere Zeit eine Bande von Einbrechern ihr Unwesen, die jetzt unschädlich gemacht tverdcn konnte. Der staatliche Heger I. Hugsty fand in den Kronen großer Kicfcrbäume aufgchangen, große Bündel mit der Diebsbeute versteckt. Die Gendarmerie überwachte die betreffende Stelle im Walde und konnte d r c i M ä n- n e r und eine F r a u, die die Bündel abholen ka- men. verhaften. Die Bande hatte insgesamt 15 Einbrüche verübt. Bom Manne, der zum Mörder für sie wurde, geschieden. Der Ehegattin des Leutnants Masiie in R c n o(Nevada) ist es gelungen, eine Scheidung von ihrem Manne wegen dessen schroffen Charakters zu erreichen. Die große Affäre in Honolulu im Jahre 1982 dürfte noch in allgemeiner Erinnerung sein. Leutnant Massie hatte einen Eingeborenen, der Frau Massie vergctvaltigt hatte, ermordet. Die Sache beschäftigte lange Zeit hindurch die angelsächsische Oeffentlichkeit. Niedergang des deutschen Buchmarktrs. lieber die Verhältnisse auf dem deutschen Bu'ch- markte unterrichtet folgende Statistik: 1982 erschienen in Deutschland 30.000 Bücher mit einer t Vom Rundfunk J-kl. ttcbcrtragung erfolgt miS dem Stadtbücherei- in Aussig. Gesamtauflage von 120 Millionen wth einer Auflage der älteren Werke von 60 Millionen, 1933 dagegen erschienen nur 12.000 Bücher mit einer Gesamtauflage von 30 Millionen und einer Auflage der älteren Werke von 10 Millionen. Die Zahl der Arbeitslosen im graphischen Gewerbe in Leipzig beträgt jetzt 65.000. Der geistige Niedergang im Dritten Reich kann nicht besser dokuinentiert werden, als durch diese Statistik. was wahrscheinlich der mumifizierenden Luft des Gewölbes, in dem sic lag, zuzuschreiben ist. Erst im Mai 1636 wurde sie in die Kart Hause Walditz bei Jitschin übergeführt. Auf einem Leiterwagen, „eingeengt und eingeztvängt in eine schmale, nur ungcsüg behauene und schlecht gezimmerte Truhe, ganz nackt, von keinem Faden bedeckt" traf sic dort ein, tvo sie dem Befehle gemäß sine honore — ohne Erweisung von Ehren— an der Seite der ersten Gattin Wallensteins beigcsetzt wurde. Im 1744 tvurde die Gruft wieder geöffnet und die Ueberreste in einem Mctallsarg neuerlich bestattet. Nach der Aufhebung der Karthause tvurdcn die Särge Wallensteins und seiner Gattin im Jahre 1785 in die Schloßkapclle zu München- zrätz übergeführt. Noch ztveimal wurde Wallensteins Sarg geöffnet, das letzte Mal 1824, Ivobsi die Ueberreste in eine gläserne llrne getan und nun endgültig beigesctzt wurden. Bierundzlvanzig Jahre vor dieser letzten Bestattung hatte der dichterische Genius den geschändeten Toten in die Unsterblichkeit erhoben. In Schillers dramatischen: Meisterwerk lebt Wallenstein alö die tragische SchicksalSgeß^lt einer unseligen Zeit, der er als Lebender im Wollen voraus war, die zu meistern aber unterm Zwange ökonomischer Zeitgebundenheit ihn: nicht gelingen konnte. Prag, 24. Feber. Der drstte und letzte Verhandlung-Stag deö Prozesses gegen Anna Jakob tvurde cingclcitet durch die Einvernahme der letzten vier Zeugen, die nicht mehr über den Hauptpunkt der Anklage auszusagen hatten. ES handelte sich bei diesen Einvernahmen um die Anklage wegen fälschlicherBezichtigung, deren sich die Angeklagte dadurch schuldig gemacht haben soll, daß sic die Gendarmen, die sie verhört hatten, bezichtigte, sie hätten ihr auf brutale Art ein Geständnis erpressen wollen. Die Zeugen bestritten das unter Eid und die Jakob blieb bei ihrer Behauptung, auch als sie mit den von ihr Beschuldigten konfrontiert wurde. Dann folgten die Pro- tokollverlcsungen und die Verlesung der Straftarte der Jakob. Da zeigte sich, daß die Autorität von Kla- novicc bereits eine ganz hübsche Zeit hinter Schloß und Riegel verbracht hat. Sie hat sechS Borst r a f e n, zunächst nur einige Tage Ivegen Diebstahls, dann massivere Sachen. Die beiden letzten Strafen bestehen in fünf und siebenMv- unten schweren K e r ke r s. Der Verteidiger beantragte noch die Psy« chiatricrung der Angeklagten und bei dieser Gelegenheit zeigte sich wieder deren fabelhafte Anpassungsfähigkeit an jede Situation. Als sic der Vorsitzende fragte, ob sie jemals irgend einen Gesundheitsschaden erlitten habe, der eine GcisteS- lranlheit wahrscheinlich mache, wußte sie sofort eine ganze Menge derartiger llmstände anzufnh» ren: Kinderkrankheiten, einen Hundcbiß, einen Eisenbahnunfall. Außerdem sei eine Tante im Irrenhaus gestorben. Der Gerichtshof lehnte den Antrag der Verteidigung auf Prüfung des Geisteszustandes ab. Nach ziemlich langer Beratung legte der Gerichtshof den Geschworenen insgesamt 35 Schuldfragen vor. Verbrechens des Diebstahles, des Verbrechens der Vorschubleistung sowie des Vergehens gegen das Waffenpatent für schuldig erkannt. Beide Brüder tvurdcn zum Tode durch den Strang verurteilt, wobei festgesetzt wurde, daß bei der UrlcilSvoll- streckung zuerst Johann und nach ihn: Franz hin- zurichien ist. Nach der Bekaruitgabe des Urteil» verhandelte das Gericht, ob die Verurteilten der Gnade des Präsidenten zu empfehlen sind. Beide Verteidiger haben die Nichtig- keitsbeschwerde und die Berufung eingcbracht. Die llcbertragung der Krvnungofcicrlichkcitcn aus Brüssel. Am Freitag hätten in den Mittagsstunden die Krönungzercnwnicn und die Ansprache des neuen belgischen Königs aus Brüssel über alle europäischen Sender gehen sollen. Auch das Prager Radiojournal Ivar gemäß den Angaben der belgischen Rundfunkgcscllschaft darauf vorbereitet, um 12.30 llhr die Sendung zu übcr- nchincn. Im letzten Augenblick wurde aber in Brüssel das Programm geändert und die Feier eine Stunde vorvcrlegt, ohne daß der Prager Sender verständigt worden wäre. Anstelle der llebcrtragung hörte man von Prag nur eine lurzc Reportage, die Dr. Äocourck besorgte. Der Kindcrchor der Bolkssinaacmrtndc Aussig bringt am Dienstag, den 27. Feber l. I., vor- mittags 10 llhr, int deutsche» Schulfunk in Prag unter Leitung des Prof. Leo Franz die Kinderoper, betitelt„Dav Ei send ahn spiel", von Robert Seih, Musik van Paul De^au, zum Vortrag. Die saal hätte und erwartet in Hinkunft eine Aenderung der Form der Berichterstattung." Diesem Protest ihrer Ortsgruppe Aussig hat sich der Bundesvorstand im Namen des ganzen „Freien Radiobundcö" angeschloffcn. er>var damals um leinen Deut besser als sein späterer Feind Piccolomini und dessen grausamer tlnterfeldhcrr General Harrant. dessen Name so fürchterlich wurde, daß man noch in viel späteren Zeiten„mancher Orten die Kinder anstatt des Popanz mit dem Harrant schrecket." Insofern Ivar auch Wallenstein durchaus ein Kind seiner Zeit und seiner Klasse. Aber als späterer Feldherr und Politiker hat er nach dem Urteil unvoreingenommener Historiker den Krieg nie um deö Krieges willen geführt, sondern inuner, tvo cs Schon am 10. April wird.der H«»«pttveffe» der Arbeiterstirsorge-Lotter'e atulotloft! 1 Los kostet nur Kl 8.— Protest des„Freien Radiobundes" gegen die> schimpflichsten Orten, die zu finden sind, ausgesetzt werden sollten." Gallas ließ aber den Leichentransport in MieS aufhallen und die Töten im dortigen Fcanziskanerlloster einstellen, bis der Kaiser bestimmt haben werde, was ge- Außer der Frage auf g cm e i n e n M or d wurde den Geschworenen noch eine Reihe anderer Schuldfragen vorgelegt, vor allein,anf das Verbrechen der Entführung eines Kindes. Die übrigen Fragen betreffen die einzelnen Betrugsdelikte, oder sind Z u f a tz f r a g e n, die für die Qualifizierung der einzelnen Straftaten von Bedeutung find. Nach den Plädoyers des Staatsanwaltes Dr. T r Z i c k y, der sich erbötig machte, der Angeklagten eine königliche Genugtuung zu verschaffen, wenn sie den Verbleib des Kindes nachweisen könne, und des Verteidigers Dr. G c r m d I, der betonte, daß es sich um einen Jndizienprozeß handle und kein direkter Schuldbeweis vorliege, zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück, die entsprechend lange dancrte. Nach der Rückkehr auS dem Beratungszimmer verkündete der Obmann des Geschworencnkolle-! ginmS unter atemloser Spannung des Pnbli- i kums das Derdikt. Anna Jakob ist mit acht gegen vier Stimmen, also gerade mit der erforderliche» Zweidrittelmehrheit schul-! digerkanntdeSgc meinen M ordcS i sowie... aber das übrige interessiert schon nie- j manden ans dcni Auditorium mehr, denn nach einem solchen Aahrspruch gibt eS nur c i n Ur- j teil. Und einige Minuten später verkünde! denn auch OGN. E a in b e r a das nach dem Gesetz einzig mögliche I Todesurteil. Die Angeklagte blieb nihig und bedeckte nur das Gesicht mit den Händen. Gegen das Urteil wurde vom Verteidiger Nichtigkeitsbeschwerde angcmeldet. Mit den: heutigen Urteil endet auch die erste SchwnrgcrichtSpcriode dieses Jahres, die in ihrer dreiwöchentlichen Dauer dreiTodes urteile brachte. rb.• Empfehlenswertes aus den Programmen Sonntag. Prag(Liblitz): 6.45 Uhr: Frisch auf in de» neuen Tag! Morgengymnastik. Musik. 7.80 Uhr: llebcrtragung deS Karlsbader Frühkonzert. 8.80 Uhr: Uebcriragung aus dem Hushaus der tfchecho- slowakifchcn Kirche(Orgcllonzcrt). 0.15 Uhr: Biolincellokonzert. 10.30 Uhr: Aus der liierarischen Welt. 11.00 Uhr: Ucberiragung aus Patzau. A. Eova-Gedculstunde.(Musik, Rcziialioncu.) 12.00 llhr: Glockengeläut vom St. BeikSdom. 12.05 Uhr: Presse. 12.15 Uhr: MittagSkonzert. 13.45 llhr: Sozialinformationc».(Soziale Verhältnisse der japanischen Arbeiierschaft.) 16.00 Uhr: Orchesterkonzert. 17.00 Uhr: Prager Denkwürdigkeiten an A. Wallenstein. 17.15 Uhr: Operettenprogranun. 18.00 Uhr: Deutsche Sendung. Dr. Viktor Popper:„Vorschau auf das Musikprogrmmn der tschechoslowakische» Sender." 18.10 Uhr: Josef Mühlbergcr: Wallensteins Tod. Eine Hörszene, llr- seirdung und Uraufführung. 10.10 Uhr: Deutsche Presse. 22.20 Uhr: Presse und' Sport(deutsch). 22.25 Uhr: Konzert der Hermann-Schrammel». Straschnitz: 14.30 Uhr: Deutsche Sendung. Landwirtschaftliche Sendung. 14.45 Uhr: A r b e i t c r s e n d u n g.„Hexe", ein dramatischer Monolog, versaht und gesprochen van Anna Maria 715.00 Uhr: Vokalmusik bedeutender Zeitgenosse» Wallensteins. 15.80 Uhr: Jan Wenig: Karneval des Schreckens.(Hörspiel.) Brünn: 10.00 Uhr: Salonorchester arbeitsloser Musiker. 17.80 Uhr: Volksblaskapclle. 18.00 Uhr: De Nische Sendung. Kouzcrtstundc. Mübr.-Ostrau: 17.15 Uhr: Opereticn-Poipourri. Prchburg; o.OO Uhr: Violinkonzert. 16.00 Uhr: Ucberiragung aus Rosenberg. Blasmusik. 17.05 Uhr: Konzert. 18.15 llhr: Musikvorschau. 18.25 Uhr: Musik. 10,25 Uhr: GvtMtsg, 25. Arber 1934 gegen Grippe, Erkältungskrankheiten, Rheumatismus, Gicht, Kopf* und Nervenschmerzen. In allen Apotheken erhältlich. Generaldepot: Brauners Apotheke „Zum weißen Löwen", Prag II, PFikopyU. PRAfiER ZE1TBMQ I I hat I ! den Be- so das; sich dieAngeböri- as junge Mädchen lebt schon einiger Zeit völlig haltlos dahin. Die Juwelen der Tänzerin ' An: gestrigen Abend erschien die Tänzerin Louisa Franke aus dem Polizeirevier in Prag 11, Krakauer-Gasse, und teilte dort in großer Erregung mit, das; ihr anS dem Schrank des Hotelzimmers an: Weuzelsplatz-die gesamten Juwelen im Werte von nngesähr 20.000 Kd gestohlen worden seien. Der Schmuck habe auS einer Damenplatin-Uhr, beseht mit 60 Brillanten, ciitcjt: anndickcn Annband mit gro- s;em Anicthisten, einem antiken Ring mit großer Perle, sowie fünf goldenen Brillantringen bestanden. Verdacht gegen irgendeine Person äußerte die Tänzerin nicht, sie hatte keine Ahnnng, wer der Dieb gewesen sein könnte. Detektiven gelang eS jedoch noch mn selben Abend, den Dieb zu ermitteln. ES Ivar eine W i t- bewohnerin des Hotels, die auf der gleichen Etage wie Louise Franke ihr Zimmer hatte. Eine Durchsuchung des Raumes förderte ztvar nichts zutage, dennoch schien das Benehmen der 2 2 jähri» gen S t k p a n k a H l» n o v s k ä den Beamten verdächtig. Sie nahmen das Mädchen mit zur Polizei. Hier legte sie bald ein Geständnis ab und gab zu, einen Teil der Juwelen verseht, den anderen Teil aus dem Postamt alZ Poste restante-Paket deponiert zu habe». Stkvanka Hliuovskä Kt ein junges Mädchen auS gntb ärgerlich er Prager Familie. Vergebens versuchten die Ellern sie aus dem rechten Weg zu halten. Sie liehen das Mädchen studieren, zuerst wollte Sikpanka Zahnärz i i n werden, später K r a n k e n s ch w e st e r. Doch sie hat weder S t u d i u m noch Ausbildung zu Ende gcsäbrt. Neigung zu leichten: Lebenswandel, wiederholte Vergelien gegen das Gesetz— wobei es sich stets um Eigentumsdelikte handelte— brachten sie schließ- lich aus die schiefe Ebene gen von ihr loSsagtcn. seit Brand am Wochenende Am Sonnabend-Nachmittag wurde die Feuerwehr nach Prag II, Palackhgasse 3, gerufen. Dor: war in dem Wohnraum der Angestellten deS Restaurants Pavliiek auS bisher noch nicht gc- klärtcin Grunde ein Feuer ausgebrochen, daS schnell nn: sich griff und bei Eintreffen der Beamten bereits den Plafonds des Zimmers ergriffen batte. ES gelang, den Brand nach einiger Zeit zu löschen. Das Haus gehört der Allgemeinen Krankenversicherungsanstalt. Leser wird mehr delt. den.„daß sich an der Richtung deS Blattes nichts änderte". Tie Richtung ist. nur eben in diesen: Falle einmal mit seltener Klarheit zum Ausdruck gekommen. Prager Konzertsaal Tie Einschränkung de» Prager Konzertbelriebes ! war nicht von langer Tauer. Eine neue Äonzen- hochflut hat die Prager Konzertsäle in den letzten Tagen überschwemmt. Sie bat auch wieder den ! Unfug doppelter Konzertveranstaltungei» mitgebracht. ': Sin- ,-schechischenPhil- harmoni c, bei dem neben Anton Bruckners formal und inhaltlich schöner Dritter Sinfonie in D-Moll(es ist die Richard Wagner ge- widmete Sinfonie dcü grasten oberösterreichischeu Sinfonikers) und einem von dem in Prag rühmlichst bekannten italienischen Dirigenten Bernardino M o- l i n a r i klang- und stilvoll bearbeiteten Con- c e r t o g r o s s a des altitalienischen Geigers und Komponisten Antonio P i v a l d i ein Orcheste r- k o n z e r t von den: Prager deutschen Tonsetzer und Rektor der Prager Deutschen Mnsikakademie Fidelio Finke zur erfolgreichen Erstaufführung gelangte. Dieses Orchesterkonzert ist eine instrumentale Neubearbeitung eines vor mehreren Jahren komponierten Konzertes für Zwei Klaviere. Zwischen den rhythmisch straffen und durch die strenge gerade Taktart bestimmten lebhaften Ecksätzen des Konzertes steht ein besinnlicher und verträumter, romantische Stimmung ahnender langsamer Miitelsatz. Den: Titel Orchesterkonzert trägt das Werk im vollsten Matze Rechnung; denn fast alle Instrumente und Jnstnunentengruppen sind in konzertanter Weife aucgenüht und zeigen Finke als souveränen Meister der Orchestertechnik. Manches wirkt in den Farben des Orchesters allerdings we- niger Plastisch und anschaulich als dies im doppelten Klaviersatze der Fall war, aber in der Gesamtheit Hai das Werk durch daS instrumentale Gelvand stimmungsinhaltlich bedeutend aelvonnen. Wenztzi Tal ich war den aufgeführten Werken ein ebenso sorgfältiger wie temperamentvoller Mittler, den das passioniert spielende Orchester aufS wirksamste unterstützte.— Im Smetanasaale des GenreindehauseS spielte die berühmte Cembalistin Wanda Lan- d o w s ka. Das Bestreben der Konzertunternehmer, die Konzerte berühmter Künstler in möglichst großen AAen abzuhalten, um möglichst viele Konzert« NIMM M WM Leistungen des Glasarbeiterverbandes|~ aS Ha»pt-reignis der Berichtszeit'»var ein ’ fonrekonzert der Ts check) eschen! Verbotene politische Dersammlungen Ans Gründen der öffentlichen Sicherheit die Prager Polizeidirektion zwei politische Vcrsamm- lungen verboten- Für den 26. Feber war von den N a t i o n a l d e m o k r a t e n, sür den 27. Feber von der Nationalen Liga eine Zusammenkunft anberaumt worden. Beide sollten auf der So- phien-Jickel stnttsinden. Die Nationaldemolraten haben gegen das Verbot Protest eingelegt und eine Mi» glieder-Versammlung angekündigt. Drei Todesopfer eines Bankrinbruchs. Am Freitagabend versuchten zwei Eingeborene in Sidi-! Bel-Abbes(Algerien) in eine Bank einzubrrchen. Als sie dabei von einem Wärter überrascht wurden, gaben sie mehrere Revolvcrschüsse auf ihn ab und verletzten ihn tödlich. Der Direktor der Bank eilte hinzu, wurde aber ebenfalls durch eine Kugel in den Kopf gelötet. Den ersten B u ch- Halter, der die Verbrecher an der Flucht verhindern wollte, ereilte das gleiche Schicksal. Auf der Straße versuchte ein Vorübergehender, der durch die Schüsse aufmerksam geworden war, sich den Mördern entgegenzustellen. Er wurde durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Die Täter konnten entkommen. Strahrnbahnvnglück. In Spezia stießen zwei Straßenbahnzüge nut über 100 Fahrgästen infolge falscher Weichenstellung zusammen. Tie Vor- derplattformen der Triebwagen wurden völlig ineinandergeschoben. Der Führer des einen Wagens wurde schtver verletzt; der andere konnte sich durch Absprin« j gen retten. 22 Personen erlitten mehr oder weniger schwere Verletzungen. Prager GlaS- und Porzellan-Fachmesse. An der kommenden Prager Frühjahrsmesse wird sich die GlaS- und Porzellanindustrie stark beteiligen. Die bisher belegte Fläche umschließt 1084 Geviertmeter. Fast der ganze zweite Stock des Messepalastes wird bou diesen beiden Industriezweigen beansprucht. Angeschlosscn sind Feinkeramik, Tera- lotta, Bijouterie. Boi: der Messeleitung wurden im AuSlande für die Abteilung Glas und Porzellan fo.iit..Sgac geleitet., 26 Millionen Arbrltslofenunterstiitzung im Jahre 1023. Das Organ des Verbandes der Glas- und Keramarbeiter(Teplitz) bringt eine Statistik über die Arbeitslosigkeit des Verbandes und die ausge- gcbcne ArbeitSloseuunterstützung in: verga>:gencn Jahre. Danach ivurdcn auSgcgcben an Gcwcrk- schastsuntcstützung 8,81.1.050.10 KL, an staatlichem Beitrag 20,540.086.03 KL, zusammen 20,062.716.08 KL. Die gewaltige Leistung des. Verbandes ist um so bedeutungsvoller, wenn man dabei berücksichtig!, daß die schwere Wirtschaftskrise in der Glas- und Keranlindustrie nun schon vier Jahre andauert und gegenwärtig 82.0 Prozent der Mitgliedschaft des Verbandes arbeitslos ist. Die im Jabre 1083 auögczahltc Gcwerk- schaftsunterstützung allein beträgt 10 t Prozent der gesamten Einnahme an Mitgliedöbeiträgen. Es sind geradezu uuglaubliche Leistungen, welche da von unseren Gewerkschaften vollbracht werden. Eine teure Nacht Der Bergarbeiter Wenzel Z n g n r s k tz aus Groß-Plitoö erhielt vor einigen Tagen von feinen: Arbeitgeber den Auftrag, einer bestimmten Person 1000 Kc zu übergeben. Zägursly nahm das Geld'wohl in Empfang, doch er lieferte es nicht ab. Die 1000 Kc in der Tasche, fuhr er nach Prag, suchte fick: lustige Gesellschaft und brachte das Geld in einer Nacht durch. Als er am nächsten Tage mit schwerem Kopf und noch schwereren: Herzen zurückkehrte, wurde er schon von der Polizei erwarte: nnd in Empfang genommen. Man verhaftete Zägur- skn und übergab ihn den: Kreisgericht in K l a d n o. Feyt wird ihm diese Nacht noch teuer zu stehen kom- n:cn. Vielleicht muß er sie weit höher bezahlen, als sie es wirklich wert war. Ilie Empörung gegen das „Prager Tagblair Eine Abonnentin deS Kellerblaites. di der Bortvoche aufhörte, es zu sein, erhielt ihm folgenden Bries: Sehr geehrte gnädige Frau! Wir haben Ihre Mitteilung, daß Sie Bezug des„Prager Tagblatt" ausgcbcn, nut Sauern zur Kenntnis genommen. Er entspringt zweifellos einer begreiflichen augenblicklichen Erregung, welche un: so ungerechter ist, als Sic, wenn Sie nicht eine einzelne Wendung heransgrcifen, sondern das„Prager Tagblatt" daraufhin anschen, wie es seit vierzig Jahren bis zum heutigen Tag geführt tvnrde, zugcbcn müßten, daß sich an der 31 ichtung des Blattes nichts geändert hat. Hochachtnngsvoll Prager Tagblatt. Daß das Kellcrblatt die Erregung seiner begreift, ist schon allerhand; und es schon noch darauskommcu, daß es sich um als eine„augenblickliche" Erregung han- Denn von niemanden: ist bezweifelt lvor- Mit dem Auto in die Glasscheibe Ilm hall: 4 Uhr früh fuhr gestern morgens der Ehauffenr der Transportfirma Jaroslav Skoda aus Neustadt a. Mettm: ein Möbeltranöportauto über den Obstmarkt, Richtllng Zeltnergasse, Prag I. Der Führer des Wagens, der ziemlich angeheitert war, verlor plötzlich die Gewalt über das Auto. ES wurde auf den Bürgersteig und mitten in die Schaufensterscheibe der Firma Drsata geschleudert. Zum Glück verletzten die Scherben niemanden. Nur die Glasscheibe ging in Trümmer. Dem Chauffeur ist sofort der Führerschein abgenommen und er selbst nach Pankratz gebracht worden. Dort wird er bis zur Klärung des Falles in Haft bleiben. Die BezirkSftekle deS Heilfonds für iffeutlichc Angellrllte in Prag l.(Bethlcmskä ulicr) übersiedelt an: 26. Feber und l. März d. I. in die. neuen Räumlichkeiten in Prag I., Rhbni ul. 0n.(gegenüber dem Hotel Central). An den angeführten Tagen wird der Heilfonds m:r in den dringendsten Fällen amtieren. Grldsibriinkkuacker. In der Nacht z»n> Samstag drangen unbekannte. Diebe in die Büroräume der Firma„Tracor e", Prag-Karolinenthal, Palackb- Gasse 44, ein. Sie erbrachen den Geldschrank, in den: sie Lohngelder vermuteten. Die Firma hatte diese Lohngelder jedoch an anderer Stelle deponiert, und so siel die Beute recht mager aus. 180 Xi und ein Paar goldene Ohrringe. Das war alles. Kaum so vieler Mühe wert. Ehrlicher Finder melde sich! Gestern nachmittag verlor auf dem Weg vom Tyl-Platz in die Weinberge, H ä l k o v a u l. eine. Frau Ida Fanti, Prag II, Hälkova ülice II, ihre Handtasche. I Diese, enthielt 200 KL in bar, ein silbernes Zigaret- teu-Etui, eine goldene Damenuhr, I Lorgnon mit Platineinsassung nnd Onur-Griff, sowie eine goldene ! Puderdose. Den Gesamtwert der Dinge schätzt die Verliererin aus 8000 KL. Selbstmord eines Ingenieurs. Gestern morgen stürzte fick: der 47jährige Ingenieur Zdiflav S a,:»i>0 Kö I gestohlen. Tas Geld bestand aus fünf Tausendern, einer 500-Kö-Note, einen: 50-Kc-Schein und zwei 20-Kc-Notcn. Pelzlirbhaber... In der Nacht zum Soun- abend suchten Pelzumrder die Kürschnerei Pedkl- k a. Prag VIII, P r i n: a t o r s k ä 20, heim. Sie stahlen dort einen Bisammantel, drei Otternsclle nnd I fünf Füchse. Der Schaden beträgt 8000 Kö. Werdende' Mütter' wüsten jede Stnhlverhal- ’ tnttg durch Gebrauch deS natürlichen„Franz-Folef"- Bitterlvasscrs zu vermeiden trachren. Aerztl. empf. | 2106 \ Kunst und Wissen Talich als Dirigent deS Wiener Konzerthauses. Vaclav Talich dirigiert« Freitag in: großen Saale des Wiener KonzcrthauseS ein Ttzmphoniekonzert des Wiener Stuupbanieorchesters. Bei den: unter den: Protektorate des Wiener tschechojlotvakischen Gesandten F i e r l i n g e r veranstalteten Konzerte, wurden hauptsächlich Tmnpvonien Smetanas und Dvoraks zur Ausführung gebracht. Talich errang in: auSver- länften Konzert Hause einen großen Erfolg. Heute halb.1 Uhr letztes Gastspiel Toll» 'Haas in„Scompoto". Preise 2 bis 28 l(ö. I besuche« zu gewinnen, ist nicht zn loben. Tenn gerade die Kunst vieler Kanzertlünsttei: gebürt in mög- lichst intime Konzertränme. lind gerade mtl den: wenig akustischen großen Su:etanasaal hat man bej Kammerkonzerten wiederholt die schlechtesten Erfahrungen gemacht; erst kürzlich bei einen: Konzerte des Ondricek-Slreichquarteltes, früher bei einem Konzerre des brr»hinten spanischen Gitarrevirtuosen Segovia und nun beim Cembalo-Konzert der Lan- doloska. Man hat diese größte Künstlerin des Ccm- balospieles der Gegenwart schon vor Jahren als junges Mädcheii in Prag spielen gehört. Was damals an ihrer K»mst Verheißung war, ist nun Erkühlung geworden. Ihre wunderbare Registrierung in: Klang, die tvundervolle Sanghaftigkeit ihres gebundenen Piano, die kristallene Klarheit ihrer Technik und die Vollkommenheit ihres Vortrages in stilistischer Hinsicht find wirklich nnerreicht. Die seltensten künstlerischen Genüsse bot an sich auch ihr Programin. das Werke von Hoh. Seb. Ba ch, Couvert n. Scarlitti, Pachelbel und Mozart enl- biclt. Und besonders instruktiv lvirkte der Versuch der Künstlerin, einen Satz der gespielten Sonate von W. A. Mozart llaviermäßig in: modernen Sinn und cenwalomäßig in: historischen Sinn vergleichend nebeneinander zu stellen, mn die nmßgebendeu Stil- momente eindringlich zur Geltung zu bringen. Höchst lohnend war auch die bei diesen: Konzerte vermittelte Bekanntschaft nut dein ausgezeichneten Cembalo, einen: zweinmnualigen Instrumente der französischen Finna P l e y e l, das sich die Künstlerin eigens aus Paris mitgebracht hatte.— Der große Erfolg, den der Geiger Fan Kubel i t kürzlich mit seinem Sohne'als Dirigenten hatte, bewog die beiden Künstler, ein zweites Konzert zu geben, bei dem als Hauptwerke ein Vi o l i n k o n z e r t von K u b e l i k, ein mehr technisch bedentendes als von musikalischer Erfindung getragenes Opus, und Peter k. T.schaikow- s k y S glanzvolles Violinkonzert zur Aufführung gelangten. Als ausführender Instrumental» körper wirkte auch bei diesen: Konzerte wieder daS Orchester der Tschechischen Philharmonie mit.— Eine sehr stimmungsvolle musikalische Gedenkfeier hatte die M u- siksektion deS Tschechischen Kunst« Vereins(„Hndebni Malice um«stecke Besedh") 8r genügt nicht einfach Mineralwafler... Verlangen Sie. für Ihr gutes Geld ausdrücklich eine OualitätSmarke— nämlich„Mattoni'S Gietz< hübler". Er zeichnet sich durch besonderen Wohlgeschmack und anerkannte Hcileigcnschäften aus. 2820 Woihenspielplai» deS Neuen Deutschen TdeotcrS. Tonnlag: l l Uhr: Kammermusik, halb 3 Uhr: Enscmblcgastspiel Dolly Haas: Scampolo, halb 8 Uhr: Gastspiel Willst Domgras-Faßbaendcr: Figaros Hochzeit(AI). Montag: halb 8 Uhr: Volkstümlich« Vorstellung: Fn: weißen Rüßl(RA). Dienstag: halb 8 Uhr: Carmen(A 2). Mittwoch: halb 8 Uhr: Boris Gudonow(B 1). Donnerstag: 8 Uhr: Pep- vina(E l). Freitag: halb 8 Uhr: Der junge Baron Neuhaus(D 2). Samstag: halb 8 Ubr: Rigoletw (B 2). Wochenfpirlplm: der Kleinen Bühne. Sonntoa: 8 Uhr: Weißer Flieder, 8 Ubr: Gastspiel Leopold Kramer: Papa. Montag: 8 Uhr: Fcmina.(Bankbeamte und freier Verkauf). Dienstag: 8 Uhr: Gastspiel Leopold Kramer: Papa. Mittwoch: 8 Uhr: Gastspiel Leopold Kramer: Papa. Donnerstag: halb 8 Uhr: Weißer Flieder.(Volkstümliche Vorstellung.) Freitag: halb 8 Uhr: Gastspiel Leopold Kramer: Papa.(Knlturvcrbandsfrcunde und freier Verkauf.) Samstag: 8 Uhr: Peppina. Der Film Die gelbe Maske Es bestehl kein Grund, die Erinnerung an den Romanfavrikanten Edgar Wallace zu feiern,—'nicht einmal mit einer Parodie, da die Erzeugnisse des Entschlafenen sich ja eigentlich selbst parodiert haben: diese Hirngespinste einer primitiven Räuberroman- tik, die mit den Geheimnissen der modernen Technik anstrmnpfte und die Leser, denen diese Mischung imponierte, mit den Witzen des seine Sache selbst belächelnden Autors verspottete. Was der englische Regisseur Harry Lach- man— vor längerer Zeit— gedreht hat, ist also, Iveil eü teils eine. Wiederbelebung und teils eine Vernlkung des Wallace- Geiste? sein tvill, ein Versuch am untauglichen Objekt. Es gelingt diesen» Film ztvar, mit efsektsichcren Schauspielen» Ivie Wartvick Ward und Lupino Lane ein paar unterhaltsame nnd heftig-komische. Momente zi» erzeugen,— aber schließlich artet die. ganze substanzlose. Geschichte von» Kleinod Buddhas, das die geheimnisvolle chinesische Erzelleuz aus dem Londoner Tower rauben läßt, in eine lännende Revue und ii» eine Apothefe der englischen Armee aus, wav alles andere als unterhaltsam ist. Bei dieser Gelegenheit eine Frage an unsere Filinvcrlciher: warum iibcrschlvcnnncn sic die Licht svielbänser mit einer Flut von Nichtigkeiten, während draußen in der Welt eine ganze Reihe bedeutsamer Filme Beachtung und Erfolg findet? Ter Hin- lveis auf die Einfuhrdrosselung der amerikanisch«» Filiiie-reicht nicht aus, siulchicst FzMc zu beantworten. Man hat in Frankreich die„M i* sörableS" von Victor Hugo verfilint, man begeistert sich in Paris seit Monaten an den» Russenfilm „O k r a i n a", eS gibt einen englischen Film„D e r unsichtbare Mens ch", dessen Autor kein geringerer als H. G. Wells ist, und eS gibt einen sicherlich interessanteiz französischen Eskimo- F i l m. Warum zeigt maiz uns keinen Vai» diesen Filmen? lind warum haben wir im letzten Film des Regisseurs P a v st»md den schon vor längerer Zeit importierten Rusfenfilm„M e n s ch e n u n d Taten" noch immer nicht zn sehen bekommen? —eiä—r Awei ausgekochte Zunge» Selbst der Todfeind des braunen Terror-» schämt sich, daß Filme, wie dieser stumpfsinnige Clown-Spaß hcuic der Welt als deutscher Bei» rag veranstaltet. Sie galt den bedeutenden Piaui- ft e n D r. R i ch a r d und R o n» a n Pesel»>, jenen frühvcrsiorbenen Künstlern, die sich mn das tschechische. Musikleben als Musikpädagogen, Musik wissenslhastler besiebnngsweise Bearbeiter»uusika- lischer Weile große und bleibende Verdienste erworben haben. Eine dieser Klavierbearbeituuge»» gelaugte bei de»' Feier amh zum Vorlrage, wodurch diese SettenheilSwer» erlangte; denn feilen ist iu» öffentlichen Konzertsaal vielbändige Klaviermusik zu hören. Dei» Geben tvortrag hielt der aukgezeichneie tschechische Musiksorscher Jilg. O. Sonrel, die vierhändigen Klaviervor- träge»die Trauermusik aus Tute Märchen„Radnz und Mahulena", Pittzslav Noväks sinfonische Dichtung„Von elviger Sehnsucht" und den' erste»» Satz aus Joses Hastdns G-Motl-Sinfonie spielten Dr. Wenzel S t i p n n und Karl Sole. An S o l i- s» c n k n>» z e r» e n war i>» der BerichtSzcil kein Mangel, daß heimische Künstler durch sie zur Geltung kamen, ist sehr erfreulich. Besonders der P i a- i» i ft i n Alice Herz-To n» in e r ist der bedeutende Erfolg ihres Klavierabends zu gönnen, weil sie eine Künstlerin ist, die ihrer Kunst mit ganzen» Herzen hingegebeu ist und sie geistig und seelisch gleich restlos«»'faßt. Ilnierstützt wird sie dabei durch aus- geglichenste Technil, vielseitigste Auschlagskultui. echtes Künstkertemperament und vollkommenes Stilgefühl. Leider konnten wir nur einen Teil ihres reichhaltigen Vortragsprograinnres hören, das schon in der Wahl der Komponisten»Beethoven. Schuman n, D e v n s s tz, Ravel) die Künst- lerin von Bildung und Geschinack ofienbarte.— Auch der in der letzte»» Zeit i»nmer mehr zur Geltung kommende junge tschechische Geiger Peter R tz- bar gab ein erfolgreiches eigenes Konzert, das sich durch prograinmliche Gediegenheit und ausgezeichnete reproduktive Leistungen auS der Menge ähnlicher Konzerte vorteilhaft abhob. Als mustergültiger Begleiter am Flügel tvaltete bei dem Konzerte Frank Pollak seines Amtes.— Die vokale Konzertkunst vertrat i»» einen» Liederabend, dei» zu besuchen wir verhindert waren, der heimische Bassist Prof. Dr., E h n», den» sich als künstlerischer Helfer der Pianist und Professor der.Prager Deutschen Musikakadcmie Franz Langer bfigesellt hatte. E. I. Sehr 6 Sozialdemokrat" Sonntag, 25. Feber 1934 Nr. 47 FURCHTET KEINE TEUERUNG! DAFÜR WOLLEN WIR SORGEN! ZIEL! I S T D A S der Konsumenten. Durch wahren wir die Interessen Taten HNENI F E N I W HEL I R Sie werden auch künftig Ihren ihglichen Bedarf billig eindecken können. Wie bisher werden wir dem Staate bei der Preisregelung beistehen. UNSER Innerhalb dcö voltStümlichenKur- idS über knlturrllr Fragen spricht DonuerStag, den l. Marz, nm 8 Nhr abrndö Dr. Max Dtri !il>cr: »Die bildende Kunst" Tiefer Vortrag findet, nicht wir die biSheri- gen, im Partcihcim, sondern in der„U ra- n i a" statt. Tie Genossen und Genossinnen, die Trilnrlnnrr des ganzen Kurses find nnd id» bezahlt haben, sind von uns an der Urania-Kasse gemeldet und haben freien Eintritt. Alle anderen Genossinnen und Genossen erhalten gegen Vorweisung der Par- teilegitimation bei der Kaffe eine Eintritte- lartr zu 3 Kronen. nur Filmkunst geboten werden. Dieses lrampfhafte Bemühen, zwei Stunden mit plumpen Scherzen auszusüllcn, die nichts bedeuten, nichts verspotten und in Herz und Hirn des Zuschauers nichts erwecken dürfen, ist bezeichnend für ein zur Selbstverleugnung und zum geheuchelten Vergnügen über seine eigene Schändung gezwungenes Land. So folgerichtig die'braune Filmindustrie ihren geistige» und künstlerischen Bankrott betreibt und mit diesen inhaltlosen, in zweiter Besetzung gespielten Filmen erklärt, so unfaßbar ist eS, das; ihr irgendwo in der Welt— und in Prag sogar mit größter Bereitschaft— diese Filme avaenommen werden.—eiS— Sport• Spiel• Körperpflege Neuendorf von der DT. abgesetzt! ES ist den Arbeitcrsportlern noch in guter Erinnerung, lvie Herr Neuendorf, der gewesene Jugendsührer der Deutschen Turner- schaf t, nach dem Umsturz in Deutschland mit fliegenden Fahnen in das Lager der Nationalsozialisten überschluenkte, sich an die Spitze. der Deutschen Tur- uerschaft stellte und von ihr treue Gefolgschaft verlangte. ES war auch sein Werk, Hitler zum Deutschen Turnfest in Stuttgart einzuladen. ES dauerte aber nicht lange, nnd T s ch a in in e r- O st e n übernahm den Vorsitz der Deutschen Turuerschaft und Neuendorf winde Stellvertreter, llin seine ,Kenntnisse" auf dem Gebiete der Leibesübungen zu zeigen, schuf Tschammer-Osten eine neue Gaueinteilung für alle Verbände. Diese iunc Gaueinteilung zeigte so recht die Unfähigkeit dieser Nationalsozialisten. ES entstand ein g r o s; e S D n r ch e inan d e r in der Deutschen Turnerschaft und aus'alleu Gauen liefen„Proteste" gegen diese Neueinteilung beim Reichssportführer ein. Aber Befehl ist Befehl und geändert tvnrde nichts. DaS war schließlich au ch N e n e n d o r f zu dum m. Er schickte dem hohen Herrn Reichs- sportführer ein Schreiben, worin er diesem seine Unfähigkeit bescheinigte. Dieses Schreiben sandte er auch an die Gauführer der Deutschen Turnerschaft. Anscheinend hatte Neuen- darf noch nicht gemerkt, das; im Dritten Reich nut der„Führer" etwas zu sagen hat und„Führer" w a r Herr Neuendorf nicht. Die Quittung für dieses Schreiben folgte sofort. Herr Neuendorf wurde aus der Deutschen Turnerschaft h e r a u S g e s ch m i s s e n. Ter Ncichs- svortführer schreibt, doch das Verhalten des Herrn Neuendorf mit nationalsozialistischer Anffaffung nichts zu tun hat. Er betrachtete die Weiterbeschäf- tigung, die von den Instanzen der Deutschen Turnerschaft verlangt wird, als Sabotage st) seiner Arbeit. Auö diesen Ausführungen ikt zu ersehen, das; sich auch im Sport das Dritte Reich nur mit Erpressungen und Drohungen halten kann. Herrn Neuendork aber sagen tvir: Gegen Unfähigkeit im Dritten Reich känipfen selbst alle deutschen Turnergöhen vergebens und für' den Vorrat der Deutschen Turnerschaft haben sie nun den verdienten Fußtritt. Gut Heil! Richt schade darum! Die Skimeister- schäften des HDW., die dieser Tage in B ä r- ringen stattfanden, waren auch u. a., von den reichsdeutschen Nazis beschickt toorden. Diese trugen sich mit der A b s i ch t, ihre H a k i n« gerfahne aufzupflanzen. Als jedoch ihrem Ansinnen nicht Rechnung getragen wurde, reisten sie auf Beseh 1(1) des„Reichssportfüh- rerS" Tschammer-Osten von Bärringen tvieder ab. Die Nazis laffen, wie nian sieht, keine ausländische Veranstaltung, welcher Art sie immer sei, vorübergehen, ohne den„neuen deutschen Geist" vorzuführen. Eine unrichtige Bemerkung finden wir im Sportteil des„När. Osvobozeni" vom LS. d. M. Es lvird dort über einen von der Dollfuß-Regie« rung erlassenen Haftbefehl gegen den bekannten Innsbrucker Skifahrer Helmut L a n t s ch e r, der nach Deutschland geflüchtet ist, berichtet und daran die folgende Bemerkung geknüpft: „Lantscher ist Sozialdemokrat— das sagt alles!" — Wir stellen aber fest, das; das doch nicht alles ist und an der Wahrheit vorbeigeht, den» Lantscher war nie ettvaS anderes als ein Nazi ersten Ranges, der mit Papierböllern ebensogut wie mit seinen Skiern umzugehen versteht. ülitleilungen der„Urania“ Wochenprogramm vom 25. Feber bis einschließlich 4. Mär, 1934: Sonntag, halb It Uhr:„Mit der Kamera über der Erde und unter dem Wasser." Kulturtonsilm. Montag, viertel 9 Uhr:„Mit der Kamera über der Erde nnd unter dem Wasser." Amerikanische Luft- und Untersecbootcxpedition. Dienstag, 8 Uhr:„Wege zum MustkverständniS durch aktives Hören." Prof. L. Kestenberg. Programm-Musik. Franz Liszt. Dienstag, 8 Uhr: Urania-Radiobund. Mittwoch, 3 Uhr:„Jugrndkino". Robinson der Jüngere. Kinder nnd Tiere als Darsteller. Donnerstag, 8 Uhr; Wanderbund„KoSmos". Donnerstag, 8 Uhr:„Ueber die bildende Kunst. Dr. Max Der!. Freitag, 8 Uhr:„Expressionismus". Dr. M. Deri. Die'soziale Tendenz: Käthe Kollwitz. SamStag, 3 Uhr:„Mit der Kamera über der Erde und unter dem Wasser." Kulturtonfilm. „Wallensteinfeirr". Gcineinsani mit der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Knust. Vokalmusik bedeutender Zeitgenosse» Wallensteins. Gesamtleitung: Rektor Prof. Fidelio F. Finke. Sonntag 11 Uhr. Mafaryk-Volkshochschnle Sonntag, 10 Uhr: Oprrnstndio." Sonntag, 10 Uhr: ,^>andelSkurS." F. Schenk. Montag, halb 9 Uhr:„GrdächtniSauSbildung." Dr. B. Fürst. Neuer Kurs. Ura«ta-nr«o „DaS Lied der Sonne." Lauri Bolpi, der berühmte Tenor, Lilian Dietz, de Sira in den Hauptrollen. Eine Reise durch das sonnige Italien. Täglich: halb 0, viertel 9 Uhr, Sonntag: 2, 4, 6, viertel 9 Uhr. Für Jugendliche geeignet. Soeben erschienen! Llli Körber: Eine Jüdin erlebt das neue Deutsdiland 313 Seiten, in Leinen gebunden Kl 40.— Rabattgruppe D. Auslieferung durch die Zentralstelle für das Bildungswesen Präs XII.« Slesskä IS. Filme In Prager Udtfsiiielltäusern biS Donnerstag, den t. März 1934. Adria:„Abenteuer im Schlafwagen." Rur bis Sonntag.— Alfa:„K a t h a r i n a d i e G r o ß e." — Avion:„Die Bettlerin von Notre Dame." Letzte Woche. Samstag, halb 11 Uhr nachts:„Lachen und Humor-Abend amcrik. Grotesken".— Fenix:„Tas Lied der Schtvnrzcn Berge."— Gaumont:„Die goldene Katharina".— Hollhwood:„Die goldene Katharina."— Kinema, B.-Th.: Journale, Groteske, Reportage.— Koruna:„Tic gelbe Maske." — Koiva:„Wolga in Flammen."— Lucerna: „Wolga in Flammen."— Metro:„Die goldene Katharina."— Olhmpic:„Kinder dec Großstadt." — La Maternelle."— Praha:„Die gelbe Maske." Skaut:„Die Sintflut."— Arademia:„Son cn- strahlen."— Belvedere:„Seine letzte Nacht." — Kapitol:„Mit der Kamera über der Erde nnd unter dem Meere."— Lido:„Tas Verbrechen im New-Dorkcr Aguarinm." Der SimplieuS, die einzige illustrierte satirische Wochenschrift der Republik, nimmt in seiner soeben erschienenen Nummer zu den Vorgängen in Oesterreich und Frankreich Stellung. Verlang«» Sie In jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firme HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der F1.HEGNER& Cle„ PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I Für ein Gewerkschaftsbüro in Prag wird eine UWk AW zum nlöglichst baldigen Eintritt gesucht. Bedingungen: Stenographie und-Schreibmaschine, vollständige Beherrschung der denlschen und tschechische» Sprache in Wort und Schrift. Anträge unter„Perfekt Tschechisch" an die Verwaltung d. Zeitung. 2316 Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—, vierteljährig Kä 48.—, halbjährig Kö 96.—, ganzjährig Kä 192.—.— Inserate Weeden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungssrankatur wurde von der Post- und Telegraphen« direktion mit Erlaß Nr. 13.800/VH/1980 bewilligt.— Druckerei:„OrblS". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag.