j.dS.’iCLeffli« 14. Jahrgang Dienstag, 27. Feber 1934 P r a h 1 Hybernsicft n Eräzeipftis 70 MUBr (aiMchHeMIch 5 Heiter Forte) 4 IE HTRALORGAH PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECMOSI0WAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME LES MONTAG TÄGLICH FRÜH, reoaktion und Verwaltung frag xii., focmova n. täbton nvn. Administration telefon sm. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUE. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHE* REDAKTEUR: DR. EMIt STRAUSS, FRAG. Oesterreichs zwei Gesichter Bolschewistische Dollfuss-Husaren Blutige und unblutige Rache an den Besiegten Wien, 26. Feber. Im Bezirke Margarethen bat sich gestern nachts in einem Gemeindehausc eine furchtbare Familientragödie abgespielt, die drei Todesopfer forderte. Der 82jährige Bedien« stete der städtischen Elektrizitätswerke Laurenz Oehler, der sozialdemokratischer Vertrauensmann und Funktionär des ehemaligen Republikanischen Schutzbundes war, lourde in seiner mit Leuchtgas gefüllten Wohnung tot aufgefunden. Reben ihm lagen seine zweijährige Tochter und ein zehnjähriges Pflegekind, die gleichfalls beide tot waren. Ochlerv Gattin war am Samstag mit einer schweren Angina ins Spital gebracht worden. Seither hatte man den Mann und die Kinder nicht mehr gesehen. Die öüjährige verwitwete Gastwirtin Marie Deutscher, welche die bei den letzten Kmnpfcn in Floridsdorf besonders arg hergenommcne Nord- bahnrestauration gepachtet hatte, hat infolge eines Nervenzusammenbruches Selb st mord verübt. Sie war in die Donau gesprungen und wurde als Leiche geborgen. Irrsinnig geschlagen Der sozialdemokratische Parteisekretär auf) dem 20. Wiener Bezirk, Karl Po ko ruh, Hal de« Verstand verloren und wurde nach Steinhos eingeliefert. Er war von der Polizei derart verprügelt worden, daß ihn seine Frau bei der Gegenüberstellung nicht erkannte. Ihm war durch Kolbenschläge der Oberkiefer zerschmettert. Plündernde Heimwehr Don den Bewohnern der Häuser im Goethe- Viertel wird unL mitgeteilt, daß die Heimwehren, die gegenüber dem Goethehof einquartiert waren, die Wohnungen der Häuser kurzerhand auSplün» derten. Sie nahmen alles, außer den Möbeln, mit sich, die Bettwäsche zerrissen und beschmutzten sie mit ihrem Kot. Einer der Räuber liest in einer seiner Wohnung sein Firmungsgebet mit Namen und Adresse liegen, so dast man chn feststellen konnte. Die Bücherei im Goethe-Hof wurde vernichtet, die Bücher wurden zum Teil mit roter Tinte übergossen. nach<ßer Verhaftung erschossen Ueber die Vorgänge nach der Besetzung des SchlingerhofeS erfahren wir: 400 Personen aus dem Schlingcrhof, darunter Frauen lvurden am Dienstag, den 18. Feber aus den Wohnungen geholt und muhten mit hochgehobenen Händen durch Floridsdorf laufen. Die Frauen wurden dabei auf unflätigster Weise beschimpft. Die Männer wurden auf dem Wege mit Geloehrkolben geschlagen. Zehn von ihnen wurden dabei getötet. Im Hofe der Polizei wurden noch einige Schutzbündler von der Exekutive zusammcngcschossen. Mittwoch nachts wurden die Gefangenen in die Armbruster-Fabrik geschafft, tvo sie, wie Heringe zusammengepfercht, zwei Tage ohne Nahrung blieben. AuS Floridsdorf wird unL geschrieben, dast einige Leute im Ku gelregen aus zloei kleinen Privathäusern herauSgetrieüen wurden, um verwundete Polizisten und Heimtvehrleute zu bergen. Die Schutzbündler muhten dagegen liegen bleiben, obzwar manche von ihnen zu retten ge- toesen wäre». In den kalten Nächten erfroren sie. In Floridsdorf stellte man die Leichen drei Tage lang zur Abschreckung aus. Kein Fluchtversuch Glöckels Die Nachricht von der Flucht des Genossen Glöckel, die durch einige bürgerliche Blätter verbreitet wurde, bestätigt sich nicht. Glöckel befindet sich vielmehr seit Dienstag, den 13. Feber in Haft, er amtiert« bis zu seiner Verhaftung im Stadtschulrat. Der ihn verhaftende Wachebeamte sicherte ihm beste Behandlung zu, doch Glöckel verbat sich eine Sonderbehandlung. Interessant ist, dast das Ministerium für Unterricht nach der Der-! Haftung Glöckels telephonisch anfragte, was er als Präsident des Stadtschulrates für ein Gehalt habe. Die Korruptionsschnüffler muhten erfahren, dast Glöckel diese Funktion ehrenamtlich versah. Heuchelt der Kardinal? Kardinal Innitzer hat Freitag im Radio eine salbungsvolle Kundgebung der österreichischen Bischöfe verlesen, in welcher viel von christlicher Nächstenliebe die Rede war. Die Bischöfe erklärte« darin u. a., es dürste nicht neue Verbitterung und Verstimmung in die Bevölkerung getragen werden. Entweder ist diese Kundgebung eine auf die Täuschung dcö Auslandes berechnete Heuchelei, oder die österreichischen Hcimloehrführer sind Heiden, die sich an daü Gebot ihrer obersten Kirchensührer einfach nicht kehren. Katholische Fürsorge Die Rache der Sieger an den besiegten sozialdemokratischen Arbeitern, ihren Frauen und Kindern, nimmt weiterhin.hemmungslos ihren Lauf. Was unter dem Titel einer halbamtlichen Fürsorge für die Angehörigen der getöteten oder verwundeten Schutzbündler geschieht, ist nichts anderes als christlicher Seelenkanf. CharitaS-Schwe» stcrn erscheinen bei den Frauen der Toten und Ge- henven mit Lebenümittelpaketen und versuchen durch diese Lockmittel die zerbrochenen Seelen der Frauen für die aNeinsekigmachende Kirche zu gewinnen. Die Frau des Hingerichteten Floridsdor- fer Feuerwehrkommandanten Ingenieur W e ih e I hat noch bevor sie in geistige Umnachtung verfiel, einer solchen Besucherin stolz dieT ürge Io lese n. Die Frau eines Floridsdorfer Schutzbündlers, namens Lutz, der lebendig gefangen genommen, aber während des Transportes abgeschlachtet wurde, rief der besuchenden Charitas-Schwester zu: „Den Man« habt ihr mir geraubt, meinen Haß««erdet ihr mir nicht mit einem Laib Brot abkaufen." Sozialdemokraten ohne Arbeitslosenunterstützung Dazu kommt noch, dast sowohl in Wien, als auch in der Provinz Arbeitslosen, welche der Beteiligung an den Kämpfen verdächtig sind, oder als Schutzbündler gefangen genommen wurden, durch wegs die Arbeitslosenunterstützung gesperrt worden ist. Das betrifft auch kinderreiche Familien ohne Gnade. Es sind schon Fälle vorgekommen, wo die Angehörigen nur im letzten Augenblick durch daü Eingreifen proletarischer Solidarität vor dem Selbstmord gerettet werden konnten. Die„Säuberungsaktion" in den öffentlichen und Privatbetrieben gegen alle bekannten Sozialdemokraten, BetriebSauSschuhmitglicdcrn, Parteifunktionäre und Schutzbundangehörige geht schonungslos weiter. Im ganzen Lande werden erbarmungslos zehntausend« von Existenzen vcrnichiet, während die österreichischen Bischöfe Milde predigen und die Bevölkerung auffordern, der Regie-' rung Dollfuh Verträum entgegen zu bringen. Todesurteil in Graz Vor dem Wiener Standgericht, das beute in Graz tagte, verantwortete sich der Schutzbündler Friedrich Göllner wegen Mordes, begangen dadurch, daß er am 12. Feber an einem Urberfall auf eine Wachstube teilnahm, bei der zwei Wachleute erschossen wurden. Der Angeklagte war der Teilnahme an dein Neberfall geständig, wußte aber nicht mit Bestimmtheit anzugeöen, ob die Wachleute durch seine oder seiner Genossen Schüsse gefallen find.(St wurde zum Tode durch dm Swang verurteilt» jedoch zu 20 Jahren schweren Kerkers begnadigt. Eieichschaltuns der presse Eine„durchgreifende" Reform des Prcstgc- setzeS verlangt in den Montagblättern der österreichische Komniissär für Propaganda Doktor S t e i d l e. Durch dies« Reform soll unliebsamen Elementen Zutritt zum Journalisten-Berus verwehrt Iverdcn. Dr. Stcidlc verlangt die Errichtung einer Journalisten-Kammer, die über Ausnahme zu entscheiden hat. Die Aufnahme wäre an bestimmte Voraussetzungen und an die Zustimmung der Negierung gebunden. Der verantwortliche Redakteur wäre schärfer zur Verantwortung zu ziehen als bisher, eventuell wäre für jede Rubrik ein verantwortlicher Redakteur zu bestellen. Auf Wunsch des Bundeskanzleramtes Iverdcn 4n den Redaktionen österreichischer Blälicr an führender Stelle Heimwehrleute eingestellt. Fey bietet den Nazi «die Bruderhand“ Sie gehören angeblich auf Seite der Regierung Wien, 26. Feber. Vizekanzler Feh hat gestern in Etsmstadt bei einer Hcimwehrdefilie- rung, der auch Starhemberg beiwohnte, ganz offen dm Nazis»die Bruderhand" dargeboten, Indem er u. a. erklärter Es gebe eine Reihe von Anhaltspunkte«, daß bei de« Nationalsozialisten Oesterreichs E inkehrnndBesinnnng Platz greifen. Es sei z« hoffe», daß diese einsehen, daß vaterländische Gesinnung«nd Ocstrrrei- chertum untrennbar mit einander verbanden sind und daß sie, die Nationalsozialisten, ans die Seite der Regiernnggehö- r e«. Es sei ihnen daher die Bruderhand gereicht. Sollte« sie aber de« Versuch nntcrneh- men, Gewalt auszuüben, so würde« sie nie- dergernnge« werde«. Heute fand auf der Schurelz in Wim eine große Heimwehrparade statt, wobei Fey den Ausbau eines Freiwilligen-Schutzkorps ankündigte, damit Oesterreich in Zukunft gegen ale Eventualitäten, von welcher Sette sie auch kommen mögm, gesichert sei. Zunächst werde eine gemeinsame Kommandostelle in Wien errichtet werden. Starhemberg ließ sich von einem un- garischm Blatt über die HabSburgrrfrage interviewen, wobei er sich jedoch ziemlich vorsichtig auS- drückte. Mit der Außergefetzstellung und der Enteignung fei den Habsburger« großes Unrecht geschehen. Die Lösung der HabSburgersrage könne den Orsterreichern auf Grund ihrer Bergan- genheit und Tradition nicht gleichgültig sein; wann aber diese Lösung erfolgen werde, könne man heute noch nicht klar sehen. Da jetzt wichtigere Aufgabm im Gange seim, werde man dm günstige« Zeitpunkt abwarten müffm. Der ungünstige Eindruck der Feh-Red« im Ausland soll offenbar durch ein amtliches Dementi abgeschwücht werden, das alle Meldungen über die Aufnahme von Berhandlnngen mit Deutschland durch die österreichische Regierung oder das Bundeskommando der Heimwehre« in Abrede stellt. Ebenso wird die Nachricht dementiert, daß A n t o« H a b S b n r g im Aeropla««ach Deutschland gefahren sei, um die Vermittlung zwischen den beide« Landern aufzunehmen. Der Feind im Rücken Nie noch trat die Verräterrolle, welche die kommunistischen Führer am Proletariat üben, so abscheulich und empörend in Erscheinung, als zur Zeit, da die österreichische sozialistische Arbeiterschaft mit den Henkerskiicchten des Fascis- mus mrf Tod und Leben nm Existenz und Zn kunft gerungen hat. Jene. Arbeiter, die etwa gehofft batten, Sowjctrnßland werden österreichischen Barrikadenkämpfern Hille zuteil werden lassen, cttva durch Beistellung einiger Fltigzcugc, muhten erfahren, dah die Moskauer bolschewistischen Diktatoren Wohl hilfreichste Unterstützung leisteten, aber nicht ihnen, sondern den Habs burgerstrizzis, welche zum Zwecke der Nieder- mctzelung der noch verbliebenen Freiheiten ihre Soldateska und ihre Haubitzen gegen das arbeitende Aolk von Wien vorschicktcn. Die Parole für die Verwertung dieser Ztämpfe im Sinne der bolschewistischen Verleumdung der Sozialdemokratie und ihrer Vertrauensmänner tvar schon geprägt, ehe die Kämpfe noch begonnen hatten und sie lautete: Die österreichische Sozialdemo kratie hat die Arbeiterschaft dem Fascismus ans Messer geliefert. Schon am 16. Feber, da man in Moskau noch unmöglich irgendwelche verlän lichc authentische Berichte haben konnte, war im Moskauer Sender zu hören:„Es gibt keilte Gc mcinheit, keinen Betrug, keine List, keinen Verrat, den die Führer der österreichischen Sozial demokratie nicht angcwcndet hätten, um den Ar bcitern die tatsächliche Macht zil entreißen und sie den Kapitalisten unb Grundbesitzern zurück- zugebcn. G c.st ü tz t auf d i e Führer der Sozialdemokratie ist die oster reichisckc Boltrgeoisie zu einer -Offensive gegen die Arbeiter klasscübergegang en." Mancher wird der Meinung sein, es bleibe da nur die Frage offen: was für Esel müssen cs sein, die solch einen Galimaihias verzapfen und für waS für Trottel müssen sic ihre Anhän gcr halten, wenn sie ihnen solches zu glauben zilmuten! In einem Atemzuge hat der Mos- kauer Rundfunk vom„Türmen" der Führer und von ihrer Verhaftung erzählt, welche Bei- Haftung aber duriha us ini Willen der Verhafteten gelegen gewesen sei. Wäre der Großteil der führenden Sozialdemokraten den schon seit langen: auf dem Sprunge lauern den Schergen des Fascismus enttvischt— wie hätten da die Moskauer Soldknechte Zeter und Mordio über„Ausknciscrci" geschricen. Da eS der Polizei gelang, einer größeren Anzahl von ihnen Habhast zu werden, ist dies nach konnnn- nistischer Darstellung auch nichts anderes als eine s at a n i s ch e Li st:„Mit ihrer Verhaftung wollten die Führer die Bewegung enthaupten, u:n ebenso wie in: Jahre 1027 die Arbeitermassc zu desorganisieren und den fascistischen Banden auSzuliesern." Soll inan dagegen polemisieren, wenn die Führer einer sogenannten Arbeiterpartei zu den: blutigen Ent- scheidungSkanchf, der daL Denken und Fühlen der Proletarier in der ganzen Welt auspeitschte, keinen anderen Beitrag zu liefern wissen, als den tollwiftigsten Has; gegen eine sozialistische Partei, deren Anhänger in: Kampfe gegen eine Wohl ausgerüstete lkcberumcht unerhörtesten tausendsälligeu Heldenmut bewiesen haben? Die sozialdeinokratisckp!:: Führer, nafiirlich durchwegs„Bonzen", haben ihre„fetten Pfründen" freudig in: Stiche gelassen, haben ihre behaglichen Posten n:it der Kcrkcrzclle vertauscht und beabsichtigen numnchr dauernden Aufenthalt in einen: Konzentrationslager zu nehmen, alles nur, um„die Bewegung zu enthmchten" und die Arbeiter„den fascistischen Banden auSzuliesern"! Soll man der Lumperei Worte widmen, wenn der Moskauer Sender und mit ihm die lommu- ®rifc 2 «r.« DienSIag, 27. Feber 1034 ntstischc Presse wie folgt irre redet:„Aehulich ihren deutschen ZwillingSbrüdern beeilen sich die Führer der österreichischen Sozialdemokratie, dem fascistischen Regime die Treue zn schwören"! Nein, man kann.nur kräftig vor solchen Hyänen desKlasscnkampfes auSspucken! Wiewohl die kowinunistische Partei in allen Ländern Zeit ihres Bestandes noch nicht den kleinsten Beweis dafür zu liefern gewußt hat, daß sie die Interessen der Arbeiterklasse zu wah. ren versteht, dagegen zahllose Beweise für die tatkräftigste Unterstützung, die sic den Todfeinden des Proletariats angedeihen laßt, erfrechen sich dennoch die Drahtzieher dieser Hampclmän- nerpartei alle Tage, die ncunmalweisen Besser, wisser und anmaßlichcn Kritiker der Sozialdemo, kratic zu spielen. Ihre journalistiswen Unter- läufel tun auch jetzt so, als hätten sic das allein richtige Rezept für die Führung einer revolutio- närcn Erhebung in der Tasche. Das; cs die öfter- rcichischcit Sozialdcmokratcit falsch angestellt hätten, das ist nach Ansicht der Apparatschiki selbstverständlich, obwohl sich sogar die konununi- stischen Arbeiter obgewöhnt haben, den blödsinnigen Parolen und Weisungen ihrer Führer zu folgen. Hätten die Kommunisten entscheidenden Einfluß auf die österreichischen Arbeiter gehabt, es wäre sicher nicht erst zu den revolutionären Kämpfen gckonunen, die Arbeiterbewegung wäre längst iin Sumpfe der Moskauer Thesen erstickt. Tic eigentliche Ursache für die Tobsucht, in die zur Zeit dir kommunistischen Linicnsuchcr verfallen sind, ist die, das; der heldenhafte Ab- wehrkaiupf der durch die Schule der Sozialdemo, kratic gegangenen österreichischen Arbeiterschaft der Lüge von der Schlappheit der Sozialdcmo- kratic in der breitesten Oeffentlichkcit ein jäheö Ende bereitet hat. Wie sollen sie noch gegen die verkalkten Rcfonnistcn geifer» können, wenn aller Welt sichtbar geworden ist, wie lebendig, jugcndsrisch und kaiupfsreudig diese tausendmal mausetot gesagte Sozialdemokratie ist und wie ihre Bekenner begeisterungövoll an ihr hängen, so das; sie für sie sogar ihr Leben in die Schanze schlagen! Und dann: welcher Arbeiter soU noch in der kommunistischen Partei eine Hoffnung sehen, wenn er wahrnehmen musz, das; eS der Taktik der Kommunistischen Internationale ge- lungen ist, ihre einstmals großen Parteien in allen Ländern auf ein solches Mast zu reduzieren. daß heute alle komnnlnistischen Parteien in Europa und Amerika zusammengerechnet zah- lemnäßig nicht so stark sind, als die Sozialdemokratie iil der einen Stadt Wien Anhänger zählte. Um sic nicdcrzuringen, mußten hunderttausend Man» der bewaffneten Staatsmacht vier Tage lang mit allen Mitteln der Waffentechnik kämpfen. wäre dagegen die Arbeiterschaft unter kom- inuuistischcr Führung gestanden, so hätte sie die Ärbcitcrbctvegung so hcruntergewirtschastet gehabt, daß wie bei uns ein nasser Fetzen genügt hätte, um sic in Schach zu halten. Die kommunistischen Schimpfereien sind der Ausdruck der besinnungslosen Wttt darüber, daß die Sozialdemokratie eine unzerstörbare Anziehungskraft auf die Massen ausübt, daß ihre Werbekraftnach den österreichischen Kämpfen eine noch vielfach gestcig crtc ist, während die Kommunisten mit ihreni Geschrei keinen Hund mehr hinter den» Ofen hervorlocken. Darum übernehmen fle glatt alle Lügen der christkatholischen Mörder und stünnten kräftigst ein in den Chorus der kapitalistischen Verleumder. Es ist nichts dagegen Prag, 26. Feber. Anschließend an die Tagung des„Verbandes der deutschen Wirt- schastsgenossenschaften" fand am Sonntag die diesjährige Generalversammlung des GEE-V erbandes statt, die vom Vorsitzenden des AufjichtSrateS, Genossen Lorenz, mit einer Ehrung der im Berichtsjahr verstorbenen Genossenschafter eröffnet wurde, wobei der Vorsitzende besonders des Genossen Knobloch gedachte. Hierauf ergriff Genosse K r e j,s k y daü Wort zum Tätigkeitsbericht über das vergangene Geschäftsjahr, das er krnnzeich- nete als ein Jahr der höchsten Arbeitslosigkeit, des größten Exportrückgangcs und des geringsten In» tandskonsumS. Mit Genugttumg ist festzustellen, das; der Anteil der genossenschaftlichen Eigenproduktion ständig steigt und mengenmäßig im letzten Jahr die höchsten Ziffern seit Bestand deS GEE-Ber- bandrS erreicht hat, so daß man von einer Annäherung an die beispielhafte Entwicklung in den nordischen Staaten sprechen kann. Die Entwicklung der Eigenproduktion erläuterte Genosse Krejsky, in einem interessanten lieberblick über die einzelnen Betriebe, die zuni Teil einen überraschenden Aufschwung genommen haben und konnte zusammenfassend feststellen, daß daS Programm auf Erweite- rnngderProduktionderAreiteund d e r T i e f e nach, voll eingehalten wurde. Der Re- serent betonte die Notwendigkeit weiterer intensiver Mitarbeit der arbeitenden Schichten. Hier erinnerte er daran, das; die Arbeitslöhne der GlfE-Brtrirbe um 20 bis 30 Prozent höher find, als in der Privatwirtschaft, waS bei einer Lohnsumme von 38 MiNionen in den lebten 13 Jahren bedeutet, daß in dieser Jett um 7.6 MiNionen mehr in die Hände der Arbeitnehmer geflossen sind. Mit einem Dank an die hingebungsvolle Mitarbeit der VerbaudSfunktionäre. Angestellten und Arbeiter, schloß Genosse Krejsky unter allgemeinem Beifall sein ausführliches Referat. Anschließend erstattete Genosse Lorenz das Referat zum Bericht deS AnffichtSrateS. Su befaßte sich besonders mit der EinkmifSstatistik, die betveist, daß daS Verständnis für die Bedeutung der genossenschaftlichen Eigenproduktion sich nicht überall in gleicher Weise durchgesebt hat. Im Gc- samtdurchschnitt wird noch mehr als e i n D r i t- tel derWaren von p r i v a t e n Liefern n t e» bezogen. Am besten bewährte sich der st r«i S W e st b v I> m c n, der 70,26 Prozent seines Bedarfes bei der GEC. deckt und in diesem Kreis toieder A s ch mit 01,0 Prozent. Demgegenüber zeigt sich die„genossenschaftliche Treue" der sog.„raVilla l e n" Opposition in den Ziffern deS ReichenbergerKonfum Vereines „Vorwärts", der vor seiner Fusion mit Raspe- nau und SllbrechtSdorf ganze 8,4 Prozent bei der GEC. und 01,6 Prozent bei den kapita-i listischenProfitwirtschaftendeckt«. Genosse Lorenz stellte dann namens des AufsichtS- rates den Antrag auf Entlastung des Vorstandes, auf Genehmigung deS RcchenschaftSabschlusscS und Verteilung des GcbarungSüberschusscS, von welchem dem Reservefonds ni 86.000.—, dem cinzuwendcn, wenn sich die Moskauer so ein-! dringlich darum bemühen, dem heuchlerischen! Getue mit ihrer„Einheitssront" ein Ende zu bereften und sich als Handlanger des tnternatio- nalen FaseiSmuS zu entlarven. Produktionsfonds Kt 128.000.— und der Anteilsverzinsung ttä 217.004.28 zugewiesen werden sollen. Zur folgenden Debatte hatte die sog.„proletarische GenoffenschaftSopposi- tion" neue Provokationen vorbereitet. Diese sechs Mann hatten schon beim gestrigen Verbandstag die j 30 anderen Versammlungsteilnehmer in einer Art heranSgefordert, die an deren Langmut und Selbstbeherrschung die allergrößten Anforderungen stellte. Wir Haven diese unwürdigen und dreisten Störungen mit Absicht nicht eingehender geschildert. Aber die llnverschämtheit der Kommunisten bei der Svnn- tagStagnng können nicht übergangen werden. AlS Hauvischreier hatte sich an beiden Tagen der Redakteur P rad e(Reichenberg) hervorgetan. In die Debatte schickten die Bolschewiken zunächst Herrn Köhler, der wenigstens äußerlich die Form lvahric. Im übrigen Ivurde sein pharisäerischeS Go» jammer über angebliche antikommitnisti- s ch e Spaltungsarbeit(!) im Reichenberger Bezirk durch Genossen Fischer schlagend nnd sachlich widerlegt, der nachwieö, wie der brutale Terror in den von Kommunisten beherrschten Vereinen jede gütliche. Abmachung von Grnnd auf verhindert.?llS dann Genosse Krejsky dem Opposi- tionobäuptling Redakteur Prade schwarz auf weiß bewies, wie dieser in seinen Blättern die genossenschaftliche. Arbeit diskreditiert und besudelt und gleichzeitig der Profitindustrie Reklame macht, von Plmtwirtschast in Sowjetrußland schwätzt und alles ! lut, um den Aufbau der Planwirtschaft bei nnS zu Verbindern, da wußten die sechs„Oppositionellen" nicht ander» zu antworten, als durch Beschimpfungen. Dabei fiel von ihrer Seite dai Wort„Arbei» tervrrrat". Run aber gab es kein Halten mehr, die Geduld der Genossenschafter war zu Ende. Ehe fie fichS versahen, befanden fich die Krawallmacher an der frischen Lust. Genosse Lorenz stellte unter einmütiger Zustimmung der tief empörten Versammlung fest, daß daS Benehmen der sog. proletarischen Opposition den Anstoß zu dem Zwischenfall gegeben habe. Hierauf wurden die Anträge des Aufsichtsrates einstimmig angenommen. Als nächster Punkt der Tagesordnung wurden ErgänzungSwahlrn für die anSscheidenden Mitglieder deS V o r st a n- d e S nnd AufsickitSrateS eingeleitet. Der Wahlvorschlag hinsichtlich deS Vorstandes lautete auf die Genossen Dietl und H a ck l. Für ausscheidende AufsichtSratSmitglieder wurde vorgeschlagcn: Wiederwahl der Genossen Lorenz, zur Netüoahl die Genossen Max Sch Wander(Teichstati) und Karl Podzimek(Bodenbach). Die vorgeschlagene Statutenänderung(Abänderung, bzw. Ergänzung der Paragraphen 1. 3, 11 und 81 der Statuten) lvurde von der Generalversammlung einstimmig genehmigt. Die inzwischen vorgenommenen Wahlen ergaben die Annahme der Wahlvorschläge. Damit war die Tagesordnnng erledigt und Genosse Hackl schloß die Generalversammlung mit Worten des Tankes und der Aufforderung zu weiterer srrtchtbarer ge« nossenschastlicher Arbeit. Bg. Vie Tschechoslowakei und Italien Betrachtungen anlässlich der österreichischen Ereignisse In den ,Mdovs Novinh" widmet Rudolf Prochäzka dem PerhältniS der Tschechoslowakei zu Italien folgende interessante Betrachtung: Einige Staaten tragen eine offensichtliche Gleichgültigkeit gegenüber Oesterreich und seiner Regierung zur Schau, wenigstens soweit eS ftch nicht um die direkte Annexion durch Deutschland handelt. So wird in der letzten Zeit lvcuigstens der Sandpunkt Englands und Polens zum Ausdruck gebracht. Einige Staaten, wie Jugoftawien und Rumänien, verwahren sich jedoch schon gegen die italienische Herrschaft entschiedener al» gegen die deutsche. Bleiben Frankreich und die Tschcchoslowa« lei. Für uns war bisher der Anschluß Oesterreichs an Deutschland, ob der formale oder der sachliche, die einzige Gefahr. Bon einer anderen war es nicht notwendig zu sprechen. Erst jetzt nehmen die Italienischen Ambitionen konkrete Gestalt an und können unü in zlveicrlei Hinsicht beunruhigen; Im Hinblick auf dieRestauration und aus die Revision. Die Erneuerung der Herrschaft der Habsburger in Oesterreich oder Ungarn und insbesondere in beiden Ländern gleichzeitig schien lange abgetan zu sein. Run wird sie von einigen Seiten neuerlich angeschnitten. Vorläufig gibt es keine gefahrvollen Anzeichen, daß Mussolini die österreichisch-magyarische Annäherung, die er anstrebt, durch solche monarchistische Banden festigen — und gleichzeitig sein eigenes Protektorat über sic dadurch gefährden will. Gerade deswegen lveil in einem neuen habsburgischen Oesterreich-Ungarn sich die Möglichkeit eines selbständigen Gebildes zwischen Deutschland und Italien zeigt, beginne» die Restauration wieder einige Faktoren in Frankreich zu ivünschcn. Für uns ist daL genau so undis- kutabel wie der Anschluß. Eine konkrete Gefahr sehen tvir im Revisionismus. Suvich sprach jetzt bei der Ankunft in Budapest von dem„verkrüppelten" und von den;„großen" Ungarn. Das sieht so ans, als ob Italien den Magyaren die Slo- w a k e i geradezu als Hochzeitsgeschenk bei der Bereinigung in Oesterreich unter seinem Protektorat geben würde. In diesem Falle haben tvir keinen Grund, Italien gegen Deutschland zu unterstützen. Italien muß sich entscheiden, ob eS mit uns oder gegen uns arbeiten w i l l. Es kann sicherlich nicht gleichzeitig beides betreiben: Mitteleuropa vor Deutsch- s land schützen nnd eS gleichzeitig in seine Anne dadurch treibe», daß eS hier»och ärger hausen wird, als man von Deutschland erwarten kann. Verordnung gegen die Teuerung verschärft Der Ministerral hat die von uns bereits veröffentlichte Verordnung gegen die Teuerung noch verschärft. Es wird nun wegen einer Ver- waltungSübertretung noch bestraft derjenige, der für Gegenstände schlechterer Qualität den Preis von Bedarfsgegenständen besserer Qualität verlangt, ferner derjenige, der sich an Maßnahmen der Organe einer Jnteressentenkörperschaft oder eines Vereines beteiligt, die auf eine unbegründete Erhöhung der Preise von Bedarfsgegenstand * den oder Leistungen abzielcn. Vie zweite Tagung unserer Genossenschafter fieneralDerfammluno* DEC-DerbandBs Die kommunistische Opposition nach unerhörter Provokation aus dem Saal entfernt 34 I R. m. de Joni: VaiMunqtnt JftwU tin Komoo in vier(pisoden Autorisierte Uebereeteunp«vs den Bomtndischen von E. R. F u c h a. Und sie antwortete, ebenfalls beinahe flüsternd, ans tiefster Befangenhett: „Peter... Peter Zanzi." Dann saßte sie sich, da sie eine Grille ihres Prinzen argwähnte. Sie tvußtc, daß Peter zur Kriegsschule gegangen Ivar... kannte die alte Geschichte ihres ersten Zusammentreffens. Mit mühsam erkämpfter Selbstbeherrschung fragte sie lachend: „Warum bist du nicht in Uniform? Du bist doch Offizier!" Aber ihr Lachen klang unecht und gezwungen. Peter hörte gar nicht, was sie fragte. Er sah im Geiste Susann neben seiner Schwester. Sein Taumel wich. Er ging ihr entgegen, ergriff sie beim Handgelenk und zog sie zur Lampe. Hier, im vollen Licht, betrachtete er sie genau. Wie war eS möglich, daß er sie nicht sogleich erkannt hatte. Er war betrunken... er war bestimmt sehr betrun- ken. Beine und Arme waren ihm schwer wie Blei und eS hämmerte in seinem Kopf. Aber er dachte doch ganz klar. WaS sagte da eben der Prinz? „Kennt ihr einander? DaS ist drollig!" Ja... daö war drollig! Das war ver- dammt drollig... Susanns Hand bebte in der seinen. Vielleicht fürchtete sie sich vor leinen schwarzen Augen und dem starren, verbissenen Gesicht, aber sie entzog ihm ihre Hand nicht. Dann sagte Peter mit rauher, klangloser Stimme:„Patz auf, Susann... paß auf! Ich warne dich: patz auf!" Befremdet blickte sie ihn an. WaS meinte er? Dar er so betrunken, daß er nicht wußte, was er sagte? Seiit Atem roch nach Wein und seine Augen glühten voll tiefen Feuers in die ihren. Der Prinz hatte sich gesetzt, schentte sich ein GlaS ein, steckte eine neue Zigarette an, summte eine Opernaric und sah belustigt ans das wunderliche Paar im Lichtkreis der Lampe... tvelch ein Riese war der Peter und wie furchterregend schien er zu sein. Ob er wohl daö ranke Püppchen lebendig verschlingen würde... die arme, keine Lydia. Schließlich, wenn Peter darnach Lust verspürte,.. ihm gönnte er'»... Er hat so wenig Freude in seinem Leben gehabt, der arme Peter. Geh nur deinen Weg, Junge, friß sie doch auf... ein feiner Bissen. Er lachte leise vor sich hin. „Worauf soll ich attfpasscn, Peter?" „Paß auf. Susann... daß dir's nicht ergeht Ivie Lieschen." DaS Mädchen schauderte. „Hab davon gelesen. ES ist schrecklich." „Vielleicht, Susann... nein... ja. du hast recht... cö ist entsetzlich. Drei Jahre hat sie bekommet;... heute nachmittags verurteilt... ich war dabei." „Gott...Peter!" „Sie ist unschuldig... wenigstens daran... nein, überhaupt... sie ist überhaupt unschuldig, hörst du, an allem. Sie hat nie etwas Schlechtes getan... ich weiß es jetzt... sie tonnte sich nicht helfen. Mein Vater war's, das elende Daheim... sie werden ihn jetzt aufhän- gcn. Paß auf, Susann... patz gutMf... du stehst auf schieber Ebene... Denk an Lieschen." Rasende Angst leuchtete auf einmal in Susannes Augen auf: Angst und auch Bösheit. Sie biß sich auf die Lippen, entzog ihm ihre Hand und sagte dann bitter: „Paß auf!... Paß auf!... Die anderen hätten auf mich achten sollen. Du hättest vicl- würde ich jetzt nicht... auf schiefer Ebene ste- leicht besser auf mich achten sollen... dann hen." „Ich?" fragte Peter fassungslos und peinlich berührt.„Ich, Susann... hätte besser aus dich achten sollen? Wie meinst du daö? Ich habe doch nie... wir haben doch... «Ach nein", wehrte sie ungeduldig ab.„Unsinn... lauter Blödsinn. Atas weiht du davon?" Der Prinz hatte sein Glas geleert, stellte eS nieder und rief lachend: Was zankt ihr euch denn, Kinder? Seid nicht langweilig! Setzt auch! Am Kamin stehen noch ein paar alte Knaben, die darauf warten, daß ihnen der Hals gebrochen wird. Kommt und trinkt! Trink, Peter, mein Junge! Denk an das Glück! Du warst schon nahe daran nnd jetzt blickst du wieder so grimmig." Susattn zog Peter am Arm zu seinem Stuhl. „Sch dich", flehte sic.„Seh dich, Peter, und erzähl mir etwas von Lieschen... die Aermstcl" Peter gehorchte. Der Prinz hatte ihm das GlaS gefüllt, aber er berührte eS nicht. Er kämpfte wütend gegen feine Trunkenheit an, gegen seinen schweren Kopf, den Gedankengänge durchzuckten, die er vergebens festzuhalten trachtete, um sie zu Ende denken zu können. Er drehte sich und wandte sich, trag und schwer. „Ich bin betrunken," sagte er ärgerlich.„Ich kann meine Gedanken nicht zusammenhalten." «Trunkenheit macht die Menschen Gott gleich," verkündete der Prinz.„Du mußt leset;, was Dinar Khayyam darüber sagt, Peter... dann wirst du innner betrunken sein wollen." Peter hörte ihn nicht. „Lieschen," rauschte eS durch sein Gehirn. Lieschen lag auf einer harten Matratze in der Zelle nnd weinte sich ihre Augen blind. Und er saß hier betrunken iin Stuhl, ein Fest feiernd mit dem Kronprinzen, und da war Susann, die nun Lydia hieß und die Hure des Prinzen war. Sie und er.. aus Ställen in die Gemächer des allerhöchst gestellten Hauses gekrochen. Ber- danunt! Wie hing das nur zusammen? Gleich... gleich mußte er wieder in die Fabrik... wenn die Sirene pfiff. Lieschen. Selbstvortvürfe marterten flüchtig fein Herz und eine unbekannte Hitze ätzte feine Augenlider. Er wird wird doch nicht zu heulen beginnen? Auf der Suche nach einer i Stütze streckte er seine Hand aus und faßte die des Mädchens. Er sah sie traurig an und sagte stockend: „Du hast sie gekannt, nicht wahr, Susann? Du hast Lieschen gekmmt. Du weiht wohl, daß sie nicht schlecht war. Sie war lieb und gut... die beste von uns allen, iie ist zu gut gewesen, Susann... sie hat jemanden zu gerne gehabt und ihr Herz war zu treu, um ihn zu verstoßen, als er in Todesangst bei ihr um Hilfe flehte. Weißt du. die Liebe, ist etwas Furchtbares, glaube ich. Ich kenne sie nicht, Susann, die Liebe, weißt du. Sie hat sie umgebracht, ganz und gar, und sie ist knapp dreiundzwanzig.„Hast du ihn gekannt, Josef Panovsii, den Polen? Er spielte Klavier in Kaffeehäusern. Ihn Iverden sic jetzt aufhängen. Er ist's gewesen. Für ihn hat sie dies alles getan. Es ist kaun; zu glauben!" DaS Mädchen streichelte seine zitternde Hand, die mit lindem Druck sich um die ihre schloß. „Nimm dir'S nicht so zu Herzen, Peter," sagte sie und fühlte die aussteigenden Tränen in ihrer Stimme Ivie fremdartigen Trost. „Nein," fiel unsicher der Prinz ein,„nein, Peter, nimm dir's nicht so zu Herzen. DaS ist ein guter Rat von Lydia. Du sollst dir'S nicht so zu Herzen nehmen... sonst kannst dt; ja nicht niehr leben. Sieh mich an, wenn ich die Dinge alle wirklich ernst nähme, dann könnte ich auch nicht leben. Stell dir nur vor! Du sollst nur ab und zu ein wenig aufmucken und dann weiter gehen. Nur nichts schwer nehmen." Peter hörte seine Worte und versuchte, ihren Sinn zu begreifen. Das Brummen in seinen Ohren wär nun ganz stark und der Klang der Worte widerhallte sinnlos in seinem Kopf wie daS Echo in einem leeren Raum. (Fortsetzung folgt.) 9r..« TtettiSfun. 27. Feber 1934 «eile 3 In diesen Tagen erscheint im Verlag unserer Partei eine von Otto Bauer verfaßte Broschüre: Der Aufstand der österreichischen Arbeiter seine Ursache und seine Wirkung: Die Broschüre ist der erste Rechenschaftsbericht über die blutigen Ereignisse in Oesterreich. Soweit eS sich um den Kampf selbst handelt, ist die Broschüre mit begreiflicher Zurückhaltung geschrieben, da irgendeine Angabe seine Parteigenossen, die in Händen der österreichischen Regierung sind, gefährden könnte. Desto freimütiger stellt die Broschüre die Vorgeschichte des Aufstandes dar. Bauer schildert insbesondere die in den letzten elf Monaten gemachten Bemühungen der Sozialdemokratie zu einer friedlichen und verfassungsmäßigen Entwicklung der politischen Krise zu gelangen; man erfährt hier manches, was bisher nicht bekannt gewesen ist. Bauer erörtert dann die gegenwärtige! volitische Lage in Oesterreich und die Wir-1 klingen der österreichischen Katastrophe auf Europa. Die Broschüre ist ein wichtiges Dokument zum Verständnis der österreichischen Ereignisse. Die Broschüre kann zum Preise von 3 K£ durch daS Sekretariat, Prag XIl., Stczska Nr. 13, bezogen werden. Die Stavisky-Schecks vor der Untersuchungshommlsslon' Paris, 25. Feber. Der Untersuchungsausschuß! für den Slaviskp.Skandal hat in seiner ersten Sitzung beschlossen, unverzüglich die Listen und die Photographie» der Stavislh-Schccks und die sonstigen in den Händen der Behörden befindlichen Unterlagen anzusordcrn, um sich auf Grund einer ersten Prüfung dieses Materials über die weitere BcrhandlungSmelhodc schlüssig zu tvcrden. In der Mordsachc Prince hat die bisherige Untersuchung, die am Tatort und in Paris mit allen Kräften geführt wird, keine neuen An» I Haltepunkte zutage gefördert. Dem»Le Journal" zufolge>vird im Zusammenhang mit der Stavisly-Asfäre eine Gc- richtSnnlersuchung gegen die ehemaligen Mnister Dalamier, Ra hnaldy und Renault, sowie gegen den Oberstaatsanwalt Pressard, den Schwiegersohn drS ehemaligen Ministerpräsidenten EhautempS, eingeleitet werden. Sie sollen über die Nachsichtigkeit der Behörden in Angele- gendeil der Betrügereien Staviskho Auskunft geben. Das Ende des„Angriff“ ,.D e r Angriff", daö Berliner Boulevardblatt der Nationalsozialisten, stellt Anfang März wegen völligen LescrschivundeS sein Erscheinen ein. Sein Tod ist die erste wichtige innerparteiliche Niederlage des Reichspropagandaministers G o e b b e l s, der einst mit dem von ihm begründeten„Angriff" große propagandistische Erfolge zu erzielen wußte. Das Blatt ließ die Hitler-Konkurrenz, den„Völkischen Beobachter", der. von München m einer norddeutschen Ausgabe nach Berlin verlegt lvurde, um den„Angriff" zu schädigen, weit hinter sich. Tas Goebbels-Blatt zeichnete sich durch einen selbst für nationalsozialistische Unkultur-Begriffe ungewöhnlich schnoddrigen Ton aus, er war sozusagen das preußische Gegenstück zu dem kreuzordinären„Stürmer" des Nürnberger Psychopathen Streicher. Darüber hinaus aber stellte er die radikale, pseudosozialistische Ablagerung des deutschen FaszismllS dar und gelangte auf diese Weise zu großem Einfluß innerhalb der llein- bürgerlichcil Schichten der deutschen Hauptstadt. Beim Berliner Verkehrsstreik, einige Monate vor Anbruch des Hitler-Regimes, gebärdete er sich fast anarchistisch und forderte— die Aktion wurde bekanntlich von Nationalsozialisten und Kommunisten gemeinsam durchgeführt—«»verhüllt zu Sabotageakten auf. ES ist bezeichnend dafür, wie sehr'daS Großkapital im Nationalsozialismus ausschlaggebend geworden ist, daß man aus radikal-demagogische Mätzchen und sozial getarnte Boulevardblätter offiziellerseitö nicht mehr den mindesten Wert legt und die Eintrciber des kleinbürgerlichen Stimmviehs„van anno dazumal" sang- und klanglos verenden läßt. Hitler, der immer ein guter Geschäftsmann Ivar, will, er ist ja bekanntlich am Völkischen Beobachter" beteiligt, den gefallenen Konkurrenten beerben und an Stelle deö entschlafenen„Angriff" ein eigenes Abendblatt des„Völkischen Beobachters" herausgeben. Der von Skrupeln nicht geplagte GoebbelD hatte in letzter Zeit noch verschiedenüich versucht, das Blatt vom ReichspropagaiGaministerium aus zu finanzieren, eS war jedoch, trotz erheblicher Zuschüsse, nicht möglich, da mit riesigem Defizit arbeitende Naziorgan von dieser Seite ans zu halten. Jetzt sind die Zähne I gegen Zahnstein Preis KC 3. Vorabend Hiller vor erratenen) verkündigt Gegen die Leitung der Arbeiterbank wurde beim Landgericht I eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitct, die klarstcllen soll, ob die Leitung der Arbeiterbank ihr anvcrtraute Gelder nicht zu anderen als statutenmäßigen Zwecken verwendet hat, besonders ob mit den Geldern nicht Waffenankauf finanziert wurde. Falls irgend eine Verschuldung festgestellt wird, wird die Leitung wegen Hochverrats und Unterstützung des Aufruhrs, eventl. auch wegen HandclSuntrcue angeklagt. Narb bis- in Sicherkann noch Ungarisch-Jugoslawischer Grenzzwischenfall Budapest, 26. Feber. Am Samstag wurden an der jugoslcuvischen Grenze bei Lenti in der Nähe der Grenzlinie zwei Mitglieder der ungarischen Grenzlvache von jugoslawischen Grenzwäch- tern angegriffen. Einer von den ungarischen Grenzwächtern wurde e r s ch o s s c n, der andere auf jugoslawisches Gebiet verschleppt. Vlertöglge Arbeitswoche In USA? Paris, 26. Feber.(Tsch. P. B.) Wie der „Btatin" auö New Dort meldet, hat General Johnson, der Vorsitzende des Ausschusses für den nationalen Wiederaufbau in Amerika, die Leiter aller amerikanischen Industriezweige rasch nach Washington einbcrnfcn, um mit ihnen die Möglichkeit der Einführung einer viertägigen Arbeitswoche zu besprechen. Er erklärte, daß die Bereinigten Staaten gegcnlvärtig 10,500.000 Arbeitslose haben und daß sich ihnen in der nächsten Zeit 4,000.000 anschlicßcn werden, die gegenwärtig einstweilen bei den großen nationalen Ausbauarbeiten beschäftigt sind. General Johnson ist der Ansicht, daß durch die Einführung der viertägigen Arbeitswoche 5,000.000 beschäftigt würden. wirklich schön! Das macht die regelmäßige Pflege mit Kalodont, Der Kalodont-Schaum dringt selbst in die kleinsten Zwischenräume und entfernt alle schädigenden Unrein* heiten, auch wenn sich die Zähne noch so eng aneinanderreihen. Durch Kalodont bleiben Ihre Zähne gesund, denn cs enthält als einzige Zahncremc in der Tschechoslowakei das wirk* same Mittel gegen den Zahnstein: Sulforizin* Oleat nach Dr. Bräunlich. Der Internationale Frauentag noftt! Genossinnen, denkt daran! Soldatensetbstmord— aus Heimweh? Prag, 26. Feber.. Am 26. Feber wurde um 8 Uh: morgens aus dem Dachboden der Kaserne Jan Jiskras z Brandhsa in Karlin der Soldat Franz Bit h von der l. Kavallcriestandarte erhängt ansgefunden. Es handelt sich nm einen überaus braven und guten Soldaten, der niemals bestraft war. Die Eltern des Verstorbenen wohnen in Jngoslavie», wo auch er vor Antritt seines Prä- scnzdiensteü gelebt halle. Nach der Zeugenaussage der Soldaten und aus Grund Vorgefundener Briese kann angenommen werden, daß die Ursache des Freitodes in der Sehnsucht nach dem Elternhaus zu suchen ist. Eine zehniährlqe als Schrankenwärterin Bier Todesopfer. Paris, 26. Feber. Unweit von Perigucux stieß bei einem Straßcnübergang ein Zug mit einem Automobil zusammen. Hiebei kamen die vier in dem Automobil befindlichen Personen nmS Leben. Durch die Untersuchung wurde festge- stcllt, daß den Dienst bei den Eisenbahnschranken an diesem Tage ein zehnjähriges Mädchen versah Ihre Mutter, welche den Dienst zu versehen hatie, pflegte ihre kranke Schwiegertochter. Brutalitäten in Innsbruck!Eden und Mussolini einig über sie zu fällen. Gehe der Appell schlecht auö (das werden die SA und SS schon zu verhindern wissen I) dann werde man erneut lernen müssen, wieder in das Volk hineinzugehen. Nach etlichen Friedensphrasen vertrat der Füherer plötzlich den Standpunkt, nur wer bloß einen kleinen Klüngel sein eigen nenne und fürchten müsse, vom Volke beseitigt zu werden, der könne der Versuchung verfallen, durch äußere Erfolge die mangelnden inneren anszugleichen. Tie NSDAP brauche keine autzenpoliti- schen Erfolge, um das Bolt zu gewinnen, denn das Volk gehöre ihr. Er werde nur im nutzer- sicu Notfall an dir nationale Kraft appellieren. Berlin, 26. Feber. Am Sonntag vormittags sand im ganzen Reich die(wie vielte?) Vereidigung der politischen Leiter auf Hitler statt, deren Zahl eine'Million erreichen soll. Am sprach im Münchener HofbrüubauS. wo vier Jahren die 25(seither sämt.'ich t Programmpunktc seiner Bewegung hatte, der„Führer" selbst. Hitler erklärte n. a„ wohl seien viele Millionen in der Parteiorganisation, aber Nationalsozialisten seien sic noch lange nicht. Die Partei wolle dem deutschen Volke eine politische Führungshierarchie schenken. Wenigstens einmal im Jahre wollen sic auch in Hinkunst dem Volk dic Möglichkeit geben, sein Urteil Tagcsncuighcitcn 400 Fischer auf einer Eisscholle im offenen Meer Moskau, 25. Frbcr. dem Vatikan einen Besuch ab, wo ihn der Papst in Privatondicnz empfing. Seinem Programm I zufolge wird Eden Mitttvoch früh Rom verlassen und sich nach Paris begeben, wo er neuerlich mit den französischen Ministern verhandeln wird. Die Unterredung mit Mussolini in Gegen- von Stootsselretör Snvich dauerte etwa eineinhalb^ ! Stunden. In der amtlichen Mitteilung darüber 1 heil« es, das« Eden dem Duce über seine Bespre- ' chuugen in Paris und Berlin nuterrichtet habe. I Die Unterredung habe beide Staatsmänner in die i Lage versetzt, das italienische und das englische Abrüstungsmemorandum von neuem zu prüfen. Beide seien sich über die zu erreichenden Ziele einig geworden und insbesondere über die Mäg. lichkeit, eine Grundlage für ein allgemeines Abkommen zu finden. Sir Simon tritt ab? London, 26. Feber. Einige Blätter verzeichneten das Gerücht, wonach in den nächsten Tagen eine Aenderung in der KabinettSzusammen- t setzung eintreten soll. Macdonald soll angeblich weiter Premierminister bleiben, gleichzeitig aber auch das Amt deö Ministers für auswärtige Angelegenheiten übernehmen. Der bisherige Außenminister Sir John Simon soll zum Innenminister ernannt werden, während der bisherige Innenminister Gilmeaur zum Mitglied des Oberhauses ernannt werden soll. Denkmalenthüllung für Genossen Banek. Samstag nachmittags wurde aus dem Zentral- friedhof in Brünn unter riesenhafter Beteiligung der Arbeiterschaft und in Anwesenheit des Bürgermeisters Tomes sowie zahlreicher Gemeinde- und Stadträte eine Bronze-Gedenksigur anläßlich deS 10. Todestages deS ersten sozialistischen Bürgermeisters von Brünn, Genossen Vanek, ent- hüllt. Bei der Enthüllung des DenlmaleS, das Genossen Vanek darstcllt, sprachen für die tscke- chische Brudcrpartei Genosse Dr. E t e r und kür unsere Partei Genosse W e l l a n. Arbeitertod in der Brettmühle. Beim Schneiden von Brennholz in der Brettmühle„Tberesien- säge" bei Bodcnba ch, wurde dem Arbeiter Ernst Seidel ein Scheit mit derartiger Duckt an den Kopf geworfen, daß er einen schweren Schädelbruck erlitt, dem er kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus erlag. Zwei Militärflugzeuge sind am Sonntag bei der Aussührung von K u n st f l ü gen über dem Militärflugplatz von Orltz(Frankreicks zusammengestoßen und abgestürzt. Beide Flugzeugführer— zwei Offiziere— wurden getötet. I uiäius>■ aaawaawaa a aaaaaaimiuiiuiiaaa!■■■ aaWaaaaSa a>■<»>aatabi Ein gutes Werk Ist der Kauf von losen der ArbelterfUrsorsel Staaten, 37. fftfcr 1034 Mr« Blutende Steiermark Das Land« in dem die Rache wachst Marburg, Ende Feber 1984. Wer im Kriege ein besetztes Land gesehen hat, diesen bitteren Trotz, diese stnimnc Trauer, diese nach innen blutenden Herzen, der wird heute in der Steiermark ein Gleichnis finden. Die„grüne Mark", Oesterreichs stärkste Jndustricprovinz, ein Kleinod an landschaftlichen Schönheiten, trauert ihren tapfersten Löhnen nach, den Schutzbündlern, die heldeulsaft gekämpft haben und blutig-ehrenvoll unterlegen sind. Was ich nach den Kampftagen durch die Berührung mit den verschiedensten Schicksten in der ganzen Provinz festgestellt habe, berechtigt mich zu sagen: Die Stimmung von 90 ProZ'nt der Bevölkerung ist geschlossen gegen die Regierung Dollfuß und gegen die verbrecherischen Heimwehrführer gerichtet, In der Hauptstadt Kraz hat die Ausplünderung der Hauptlager dec steirischen.Zkonsuingenossenschasten durch Heimwchrban- den, die Beraubung vori Privatwohnungen und vor allem die Standgerichispraxis gegen die gefangenen Sämtzbundhelden auch die bürgerliche Bevölkerung in maßlose Erbitterung versetzt. Noch während der Kämpfe tveigerie sich eine ganze Anzahl von menschlichen Richtern, den Borsitz vom Grazer Standgericht zu übernehmen. Eine Deputation von bürgerlichen Advokaien wicö ans die BerfassungStvidrigkeit dcö Verfahrens hin und lehnte jede Mitwirkung an den geplanten Justizmorden ab. Die Front der Empörung wurde>wch 8g Ä, B 7 X u Ernten die Braunen? Bauern beten für Koloman Wallisch Bruck unter christlicher Herrschaft I Dieses Bild schenkte Wallisch noch zum Abschied einem Kampfgenossen. verbreitert durch die niedrige,«lelhafie Leichenschändung, welche die offizielle Berichterstattung an dem Hingerichteten Mctallarbciterselretär Stanek begehen wollte. Stanek tvar konfessionslos und lehnte nach der Verurteilung geistlichen Beistand ab. Die Regierungspresse meldet nun, Sta nek habe sich in den lebten fünf Minuten seines Lebens.mit Gott ausgesöhnt". Exekutivorgane, tvclcke die Tragödie aus nächster Nähe mitcrlebl haben, bezeugen aber folgendes: Stanek ist als groß, daß sich aus dem österreichischen Pulverfaß neuer großer Konflikt entzündet. Ich kann-diesen Bericht nicht schließen, ohne der zahllosen Beispiele großer Gesinnnngstrcue und idealistischer Selbstaufopferung zu gedenken, die ich bei meinen alten steirischen Kampfgenossen auch in den Tagen schwerster Verfolgung vorsmid. Begreifliche Rülksichten verbieten die Anführung von Beispielen. Wenn eö einmal möglich sein wird, das Schweigen über diese Dinge zu brechen, dann werden Millionen freiheitlicher Menschen in der Welt in Demut nicdcrknien vor den Arbeitern und Arbeiterinnen der Steiermark, die zwischen Galgen, Hungertod und Kerker denMärtyrcr- weg ihrer Gesinnung gehen. Sollte eö gelingen, die Stimme und die Tat der Menschlichkeit dringen zu lassen in die blutende Steiermark, die Nacht des Grauens, die über diesem Lande liegt, mit dem Lichtstrahl nicht nur Proletarischer, sondern auch demokratischer Solidarität zu besiegen, dann wird dieses Land für ein freies und friedliches Europa die tapfersten Soldaten stellen. Karl Gruber. W sondern auch auf Privatste« In der Drahtzieherei Felten und in Diemlach bei Brncl lvurdc mit der der nichtsascistischcn Arbeiter bereits Hauptstadt Graz beordert wurde, sagte er beim Abschied zu den Drucker Arbeitern:.In den sch w er st en Stunden werde ich bei Euch sein!" Er hat Wort gehalten und dieses Treugelöbnis mit dem Tode besiegelt. Dieser Maurer aus der altungarischcn Provinz Siebenbürgen, der wegen seiner Rebcllcngcsinnung zuerst aus Ungarn, dann aus Jugoslaivien flüchten mußte und dann in Oesterreich nur durch den tausend betrage, find aus Bruck und Hingebung allein 700 Sozialdemokraten eingekerkert, darunter viele Frauen. Zehn Tage nach Beendigung des Kampfes fanden noch immer neue Verhaftungen statt. Hochcrhobcnen Hauptes schreiten die gefangenen Schutzbündler an der Seite ihrer Häscher durch die Straßen. Das Stadtbad, eine große Schöpfung der sozialdemokratischen Gemcinde- vcrtvaltung, ist von Häftlingen überfüllt. Man härt ihre Stimmen durch die offenen Fenster auf die Straße und die schneidigen Kommandoworte der Kerkermeister, welche zu den Verhören ausrufen. Frauen und Kinder stehen weinend vor den GefängniStoren. Einschüsse an der Brücker Gendarmeriekaserne. Henker zur Strecke gebracht tverden konnte, ist nicht tot! Sein Rebellentrotz lebt in den Herzen der steirischen Arbeiter weiter. ungebeugter Rebell in den Tod gegangen. Unter dem Galgen stehend rief er den Vertretern der Staatsgewalt zu:„S o wi« i ch h i er g e- hängt Werde, so werdctJhr hängen. JchsterbefürdieFreiheit!" Die Leiche dieses Helden wird nun durch die Lüge besudelt, daß er als reuiger Sünder von der Welt geschieden sei. So will die katholische Kirche Proselyten machen l Die uniformierten Sieger gehen stumm und gedrückt durch die Straßen, von den Pasianten gemieden und von feindseligen Blicken verfolgt. Wo in öffentlichen Lokalen ein lautes Wort gesprochen wird, ist eS kein Lob für die Hcinuvehren und ihre Führer, sondern die unverhüllte Ankündigung der kommenden Rache. Der verblutete Schutzbundführer Sepp Lienhart Der Stahlhelm wurde erst vor der fotographi- .sehen Aufnahme sur Leiche gelegt, um die .,Gefährlichkeit" des Toten tu demonstrieren. ■fe Bruck, d e Stadt der Helden Furchtbar ist die Rache der Sieger gerade in Bruck an der Mur, lvo Wallisch an der Spitze des Schutzbundes getänipft hat. Diese kleine oberstcirische Industriestadt gleicht noch imn.er einem Heerlager. Militärautos und Kanonen sind noch immer auf dem Marktplatz aufgefahren und zeugen von den christlichen Befrie- dungsmcthoden in einer Siadt, wo es keine Ge- meindebauten als„Festungen" zu bombardieren galt. Während die Wiener Regierung heuchlerisch verkünden läßt, daß die Zahl der Verhafteten keine Häher noch lodern die.Haßgcfühle in persönlichen Gesprächen auf. Wenn vor den steirischen Arbeitern der Name des verratenen und Hingerichteten SchuhbundführcrS KolomanWal- l i s ch genannt wird, dann beginnen ihre Augen unruhig zu flackern. Die Schmähungen, die dem Toten von seinen Henkern ins Grab nachgesandt Ivurden, bewirkten das Gegenteil. ES ist nicht Ivahr, daß Koloman Wallisch in weiteren Kreisen seiner Gegner als der.böse Geist der Steiermark" verhaßt tvar! Auch anständige Bürgerliche waren von der Lauterkeit seines Charakters überzeugt und schätzten seine stahlharte Gesinnung, seine Liebe fiir die arbeitende Klaffe. Glaub- tvürdige Berichte besagen, daß in den zwei Tagen, in denen sich Wallisch vor seiner mißglückten Flucht in den Bergen verborgen hielt, Bauersfrauen auf den Knien lagen und für das Leben WallischS Nächte hindurch beteten. Ein^ hoher Gcrichtsfunl- tionär versicherte mir, die Mitglieder des Standgerichtes in Leoben hätten sich heftig gesträubt, Wallisch zum Tode zu verurteilen. Die Wiener Regierungsstellen mußten äußersten Druck aufbic- tcn, um das Todesurteil durchzudrücken. Jede Viertelstunde kam eine ungeduldige Anfrage aus Wien, wann denn Wallisch schon hänge, bis der Wille der Hängcchristen endlich tviderstrcbend erfüllt wurde. Die Trauer der Arbeiter um Wallisch ist unbeschreiblich. Als Wallisch im November vorigen Jahres von der Partei in die LandcS- sie, um den Kampf um die Seele des österreichischen Arbeiters im Sinne einer demokratischen FriedcnSsichcrung zu entscheiden? Dollfuß flockt sie mit Zuckerbrot und Peitsche in die vaterländische Habsburgerfront. Der Nationalsozialismus Ivirbt mit dem reichsdcutschen Rundfunk. Moskau funkt feine kommunistischen Parolen nach Oesterreich. Die Gefahr für die Nachbarstaaten, aber auch für die europäischen Demokratien ist geronnenem Blut bedeckten Leichen bis in den Schlaf verfolgt. Die Rache der christlichen Sieger triftt auch die unschuldigen Frauen und Kinder. Den der Beteiligung an den Kämpfen verdächtigen Arbeitslosen wurde die Unterstützung gesperrt. Auch den Familien der Eingekerlerten. Von- einer dem AuSlandc vorgcschwindeltcn Hilfe christlichsozialer Stellen für die Hinterbliebenen der Sckmtzbünd- ler war bis Ende voriger Woche in der Stcicrinark nichts zu bemerken. Ja, die neuen christlichsozialen Machthaber einer großen steirischen Gemeinde haben allen Ernstes erwogen, die Angehörigen der Schutzbündler auch aus der gesetz« lickicn Pftichtfürsorgc nacki dem Armen- und Hcimatrechi auSznschlicßen, als abschreckende Vergeltung. Ein großdcutschcr Fürsorgern! drohte hierauf mit der Verständigung der Auslandspresse. Die Zahl der Zivilopfer wird sich durch die Grausamkeit der Regierung noch vergrößern. Die Gattin dcS Hingerichteten Grazer Metallarbeitersekretärs Stanek ist wahnsinnig gctvorden. Jetzt kommt noch die Entlassung aller Männer, die der Teilnahme mi dem Aufstand beschuldigt tverden. Die Aktion zur wirtschaftlichen Vernichtung der -aufrechten.Sozialdemokraten erstreckt sick' nicht nur aus öffentliche triebe. Guillaume Entlassung In Bruck an der Mur weigerten sich national, sozialistisch eingestellte Unternehmer und Betriebsleiter, dem Wunsch der Hcinuvehren auf Entlastung der sozialdemokratischen Arbeiter nachzukommen. In solchen wirksamen Sympaihiebeweisen liegt eine große Gefahr für die Zukunft Oesterreichs und seiner Nachbarländer. Die Nationalsozialisten haben in der Steiermark auf der ganzen Front den Kampf um die Seele der sozialdemokratischen Arbeiter ausgenommen. Sie erfreuen sich dabei einer großen Bewegungsfreiheit und liebevoller Duldung der hitlerisch verseuchten Behörden. In Graz gehen die Nazis von Haus zn Haus für die Angehörigen der Schutzbündler sammeln. So kommen sie auch mit den Arbeitern in Berührung und versprechen ihnen, daß eine unmittelbar bevorstehende nationalsozialistische Revolution auch die toten Schutzbündler rächen wird. Die Nazis feiern Koloman Wallisch als einen Helden. In Bruck mi der Mur besuchen national- sczialistische Funktionäre die verwundeten Sozialdemokraten im Krankenhaus und beschenken sic mit Liebesgaben. Wenn dem Rachewerk der österreichischen Regierung nicht durch den moralischen Druck des zivllisierien AüSlandcs Einhalt getan loird, Ivenn die Verhaftungen, die Verurteilungen, die Entlastungen weiiergehcn, dann werden große Teile der steirischen Arbeiterschaft dem individuellen TerroriSmuS und damit wahrscheinlich dem Nationalsozialismus in die Arme getrieben. Die steirischen Arbeiter gehören zu den besten Soldaten der Welt. Die steirischen Nationalsozialisten haben mit Misten der Negierung große Waffcnlagcr aus den Beständen jener Heimwchr- sormationen, die zum Hitlerisinus übcrgeschlvcnkt sind. Wenn diese zwei Elemente, der verzweifelte Rachedurst der Arbeiter und die Massen der Nazis zusammenkommen, dann dürste sich die allgemeine Ankündigung bewahrheiten, daß Oesterreich im März eine neue Revolution und damit den Sturz der Regierung Dollfuß-Fey erleben Ivird. Für den europäischen Frieden bedeutet das eine ungeheuere Gefahr. Wir Sozialdemokraten haben kein Jntereffe daran, das; die Lsierreichischcn Arbeiter mithelfen, um an Stelle des schwarzgelben FasciSmus einen braunen eiuzutauschcn und den siegreichen Nazis ihre gefangenen Führer zur Abschlachtung auSzulieferu. Tie Entscheidung liegt bei den europäischen Demolratien. WaS tun i Walllsch-Verräter gerichtet? Kolomau Wallisch ist bekanntlich durch den Verrat eines der Heimwrhr nahestehenden Eisenbahners in die Hände der Henker gefalle«. Dieser Eisenbahner hat sich die von der katholischen Regierung Dollfuß auf den Kopf des Helden Wallisch ausgesetzte Prämie von 5000 Schilling verdiene« wollen und wurde von den Schergen des allerchrist- lichstea Kanzlers der Belohnung für würdig befunden. Die leidenschaftliche Empörung über die Hinrichtung des Genostcu Koloman Wallisch ist in der Steiermark nicht geringer als die Empörung über die Jndaßtat des Eisenbahners. Nn» kommt ans der Obrrsteiermark die Nachricht, daß der Verräter an Koloman Wallisch t o t ausgcsundcn wurde. Er soll von bisher unbekannten Tätern erschossen worden sei«. Die Behörden, die mit der Ansklnrimg des Falles fieberhaft beschäftigt sind, bewahre« strengstes Stillschweigen und habe» der Presse verboten, über de« Akt der Vergeltung a« dem Juda» zu berichten. Den pollrlsten graust es! In Druck sind zwölf Schutzbündler tot und zwei Arbeiter, die mit ihnen gekämpft haben. Daneben find bei den Kämpfen nur vier Mitglieder der RcgierungStruppcn gefallen, ein Bclveis, daß auf der Seite der Arbeiter keine Mordlnst herrschte. An ftinfgig Verwundete liegen noch im Krankenhaus. Drei. tote Schutzbündler wurden als„abschreckende Beispiele" ztvci Tage lang ungeborgen im Garten der Forstschule unter freiem Himmel liegen gelassen. Bon dem toten Unterführer des Brücker Schutzbundes Sepp Lienhart wird berichtet, daß er schwer verwundet in Gefangenschaft geriet und ohne ärztliche Hilfe verblutet ist. Lienhart tvar Jugendführer und zuletzt Krankenkastenbeamter. Das Bild seines ungc- borgenen Leichnams verschaffte mir ei» angesehener Bürger von Bruck an dec Mur, der cs ohne Schlvierigkeit in einer öffentlichen Buchhand- I lung kaufen konnte. Die Leichen der auf den: Kampfplatze gefallenen Drucker Schutzbündler wurden nach drei Tagen ihren Familien znr Bestattung ausgefolgt. Sie Ivurden von den Regie- rungStrnppen ungewaschen, mit dem Blut und d e m Schmutz der Schlacht bedeckt, in primitive Särge g e ft eck t und die Angehörigen durften ihre geschändeten Toten nicht mehr anrühren. Diese Mitteilung verdanke ich einem beteiligten Sicherheitsfunktionär, der mir versicherte, daß ihn das Granen des Anblicks der von I begonnen. «r. W DienStag, 27. Feber 1934 Seite 5 Wa- Haftbefehl München, I LebenSge»'ahr. lvnr. I 23 Tote und mindestens 40 verletzt. Am schwersten hat Alahama gelitten, wo 10 Todesfälle berichtet wer« den. Eine Familie von sechs Personen kam bei Zerstörung eines Landhauses ums Leben. I holländischen Behörden kündigen s ch a r f c M a ß- n a h ni c n an. noch stän- a»»S« Der Tornado vernichtete alles, was ihm in den Weg kam. To wurden drei Häuser votl- konimen demErdbodcnglcich gemacht; hiebei kam eine Frau umS Leben, sechs weitere Personen wurden schlver verwundet. Die Frau wurde durch Trümmer ihres eigenen Hauses erschlagen; der Gatte wurde mit einem kleinen Kinde im Arm im Kamin versteckt aufgefundcn, wo er— durch reinen Zufall— dadurch, daß sich daö Gebälk vcrsprcizt hatte, dem Tode entrann. Sali Lake Eich,(lltah) 26. Feber. Ein Ueberlandflugzeug, das seit seinem am 24. Feber erfolgten Ttart verschollen war, wurde am Tonn- iag Abend vollkommen zertrümmert in einer Entfernung von 30 Meilen östlich von Salt Lake Eilt; aufgefundcn. Alle Reisenden, sieben Männer und eine Frau, sowie beide Piloten sind tot. Die Tuche nach dem verschollenen Flugzeuge wurde mit einem Automobil, das von zwei Flugzeugen dirigiert wurde, vorgeuom- men und man fand hiebei die llebcrrestc der zerstörten Maschine, die sich am Eingänge in den sogenannten Parley Kanon mit dem Motor in eine Baum gruppe eingekeilt hatte. Das Automobil, das die Trümmer des Flugzeuges ausfand, ist bereits zurückgclchri und feine Besatzung meldete, das; das Flugzeug kväh- scm Rennen auf dem gleichen Wagen als Dritter im Rundrenncn über 1462 Kilometer. In dem unglücklichen Rennen siegle dann der Rennfahrer Emilio Karstulario in 12 Stunden 58 Minuten 2 Sekunden. Eine Stadt ohne Wasser. Seit Donnerstag, den 22. ds., ist T r a u t e n a u ohne Wasser, da die aus dem Rchorngebirge das Wasser zuführende Leitung durch einen Defekt unterbrochen wurde. Bis jetzt wurde das Gebrechen der Wasserleitung nicht' aufgefunden. Ivcil der tiefgefrorene Boden und die mit Tauwasser überschwemmten Erdüberlagerungcn der Leitung das Aufsiuden der Bruchstelle außerordentltch erschweren. Unter der Bevölkerung ist durch den plötzlichen Mangel an Trinkwasser eine tvahre Panik auSgebrochen und die hundert« von Menschen, die mit allen möglichen Gefäßen ausgerüstet weite Wegstrecken zurücklegen, um gutes Wasser zu erlangen, haben dem Stadtbild ein geradezu komisches Gepräge gegeben. Seit Samstag wurden alle Wasserwagen der umliegenden Bezirke reguiriert. die nunmehr ununterbrochen aus den zur Bersügung stehenden Quellen Wasser in die einzelnen Stadtteile führen. Die tvcnigen vorhandenen Brunnen im Stadtgebiet sind dig von Menschen umlagert und vollständig geschöpft. Urbrrfall auf einen Fabrilodirrltor. 20 Chinesen hingerichtet Charhi», 26. Feber. Nach einer Meldung aus Laibasusu(in der Nähe des Sungeri-Flusses) wurden dort gestern 20 Chinesen wegen Plünderung der mandschurischen Post- a n st a l t öffentlich hingcrichtct. gegen»Inen bayrische» Gxminister 20. Feber. Wie aus Regensburg gemeldet wird, hat die dortige Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen bayrischen Landwirtschaftsminister Wutzlhofer Haftbefehl erlassen. Es werden ihm Vergehen gegen das GenossenswastS- gcsetz und fortgesetzte Betrügereien zur Last gelegt. Die Blätter melden, daß Wutzlhofer nach E n g- l and g e f l ü ck> t e t sei. Bei den Betrügereien soll es sich um Beträge in der Höhe von etkva 500.000 Reichsmark handeln, die durch Fehlspekulationen entstanden sind. Wutzlhofer gehörte zu den führenden Mitgliedern des früheren Bayrischen Bauern-undMittclstandS- b u n d e s. Für die 40» Stundemvoche. Die Brünner Industrie-Beamtenschaft hielt Sonntag eine Tagung ab, in welcher sie sich für die Einführung der 40-Stuudcuwochc und Kürzung der Arbeitszeit einsetzte und zu dem von der Wirtschaftssektion des Einhcitsverbandes der Privatangestelltcu ausgcar beiteten Wirtschaftsplan Stellung nahm. rend eines Wirbelwindes Uber den fatsch Bergen abstürzte. ES wird hinzugcfügt, daß das Flugzeug von Salt Lake City bei einem S ch n c e st u r m st a r t e t e. Absturz eines französischen Postflugzengs llasablanka, 26. Feber. Ein Hilfsflugzeug kreuzte heute um nenn Uhr morgens über der Stelle, wo heute nachts ein die Verbindung zwi- schen Frankreich und Südamerika besorgendes französisches Postflugzrug abgestürzt ist, und stellte fest, daß der Apparat zertrümmert tvurde und in Brand geriet, tvobci er eiugeäschcrt wurde. Das Flugzeug stürzte zwischen Cap Juba und Billa Cisneros auf dem Gebiet von noch nicht I unterworfenen Stännncn ab. Mit dem Slennmas»» in di» Anschauer«»»-» BurneS Aires, 26. Feber. Bei dem Rennen um den Großen Automobilpreis von Argentinien kam ein Wagen in der Kurve ins Schleudern und raste in die Zuschauermengc. Das Unglück ereignete sich, als der bekannte argentinische Rennfahrer Ernesto Blanco das Zielband durchfuhr und plötzlich die Herrschaft über seine schwere Maschine verlor, die mit einer Geschwindigkeit von über 200 Stundenkilometern in die Zuschauer hineinfuhr, die sich über zwei Meilen an der Straße entlang drängten. Fünf Personen wurden auf der Stelle getötet und 15 s ch w e r verletzt. Ernesto Bianco placierte sich vor die- Ne«» Student»» gasoergiftet Hannowrr in New Hampshire. 26. Feber. Sonntag fand der das Gebäude des Tartmouther Kollegs aufräumende Tchuldiener der Anstalt neun tote Tteudenten. die in ihrem Bette durch Einatmen von KohlenoxydgaS während des Schlafes den Tod gefunden hatten. Sie hatten ein Alter von 19 bis 21 Jabren erreicht. Tie tödlichen Gase überraschten die schlafenden Studenten im zweiten und dritten Stockwerk der lluiversiiätSschlasräume; sie strömten aus einem großen geheizten Qscn aus. bei dem des Nachts ein Rohr g e v(atzt das den Rauch in den Rauchfang abführte. Hunger-Demonstration in London. An der sonntägigen Huugcr-Temoujtratiou im H y d e- Park nahmen 2000 Arbeitslose und einige tausend Neugierige, darunter viele Frauen und Kinder, teil. Auch Studenten der Oxforder lluivcrjität von„roter Tendenz" und einer Reihe Studierender anderer lluiveriitäien beteiligten sich an den Demoustratioucu. Ein starkes Poli- zcikontingcut begleitete die Demoustranteu. Ein heftiger Regen ließ keine besondere Stimmung auskommen und es tvurde» bisher keine besoudercu Zwischenfälle gemeldet. Der franzöfische Kolonial- Jmperialismus Paris, 25. Feber. In S ü d m a r o k k o haben französische Truppen Freitag und SamStag neue Gebiete besetzt, die bisher unter der Herrschaft nicht unterworfener Stämme tvaren. Bei den Kämpfet» fanden ein französischer Offizier, ei»» Eingeborenen-Offizier und einige Unteroffiziere den Tod. Du sollst nicht stehlen Herr Dollfuß, der Kanoncnchrist. ist bekanntlich ein höchst bibelgläubigcr Manu. Seine Bibel- sestigkeit hat er jetzt wieder bewiesen, indem er den christlichen Gcivcrlschaftei» das den Arbeiterverbänden geraubte Geld zu untreuen Händen überweisen ließ. Das siebente Gebot, gegen das der fromnie Haubitzenchef so slagrant verstoßen hat, ist Wohl noch nie in so erschöpfender Weise von„kompetenter" Stelle interpretiert ivorden lvie es hier geschieht. ES genügt den christfascisti- schen Mördern der österreichischen Freiheit noch nicht, daß sie Tausende heldenmütiger Arbeiter niedergeinehclt, unschuldige Kinder und Frauen ermordet, gefangene Gegner an ihre autorilären Galgen gebracht haben, sic müssen auch noch ein wenig für ihre Portefeuilles tun und sich als Christen der unchristlichcu Tat aus Kosten der Niedergeschlagenen bereichern. Tie reden von Ständestaat und von„christlicher Wiedergeburt des österreichischen Menschen", Kardinal Jnnitzcr aber steht dabei und streckt segnend seine geweihten Hände über das Werk aus. Sie habe» das Prinzip des Sozialismus in einer für die Moral und die Gesinnung des raubtätigen Bürgertums geradezu vorbildlichen und nnüberirefslich charakteristischen Weise umgcdreht—: das sozialisierte Eigentum der Hundcrttauscnden, die hier ihre Spargroschen zusammcngclragen haben, enteignen sie, u>n cs für ihre Privatziveckc zu mißbrauchen. Aber es lvärc überflüssig, sich über eine derart sellsamc„christliche" Moral zu wundern. Schließlich ist Herr Dollfuß nicht? anderes als ein konsequenter Kapitalist der alten gediegenen Schule. Genau ivie der Kapitalismus in» großen die Arbeitenden um die Früchte ihrer Arbeit betrügt, so macht es das autoritäre Regime der.Kassenstürmer hier im kleinen. Uns überrascht cs nicht, daß Herr Dollfuß in dieser schmählichen Weise die Kasse seiner chrisllichsoziatcn Partei aufzufüllen gedenkt, uns interessiert nur eins: was gedenkt die christliche Kirche im gleichgemordeten Oesterreich in Zukunft zu tun, um die zehn Gebote vom Sinai, die ja bekanntlich auch in der christlichen Lehre eine so überragende theoretische Rolle spielen, in Einklang niit der traurigen Praxis der Dollfußianer zu bringen? Nachdem das fünfte Gebot„Du sollst nicht töten" längst gefallen ist. wird man auch das siebente:„Tu sollst nicht stehlen" au? den» Lexikon streichen müssen. Und da fchlicßlich jenes Gebot, das von dem falschen Zeugnis tvider den Nächsten spricht, in» Zuge des LügcntroinmelfcucrS der christantoritärc»» Tchwindelpropaganda gegen die Freiheitskämpfer ad acta gelegt ivorden ist, wird sich die österreichische Geistlichkeit»nit einer stark gelürzten Ausgabe der Sitteulehrc vom Si»»ai begnügen müssen. WWM und HpoH Was»nf»»e Gewerkschaften leisten! Bo« Berband der Bekleidungsarbeiter Wie wir den» Bcllcidungsarbeiter, dem BerbandSorgan der Arbeiterschaft der Bellei- dungS-, Wäsche-, Hut-, Leder«, Handschuh- und Koffcriudustric cntnchmeu, betrug die ausgezahlte Arbeitslosenunterstützung(Vcrbandsiiuterslützung und Staatszuschuß) im Jahre 1930 711.118 XL. 1981 1,397.339 XL, 1932 3,650.185 XL, 1933 3,817.118 XL, zusammen: 0,575.760 XL. Da- voi» entfallen auf die BerbandSunterstützung selbst 2,078.872 XL, aus dci» Staatszuschlag 7,496.888 XL. Das Wraterfporttreffe« auf dem KeUberg Karlsbad, 25. Feber.(Eigenbericht.) Tas heutige Treffen der Arveitertvintcrsportler an» Keil berg >var ein schöner Erfolg. Aus den 25 Vereinen träte»» 100 Wettkämpfer an. Außer den» fünften und s e ch st e n K r e i S v e r b a n d dcS Atu? waren die D.T.J., der tschechische T o i» r i st e»» v e r b a n d und der westböhmische Gnu der„N a t u r f r e u n d e" vertreten. Von 70 Läufern erzielte Leh»»l>a r t (AtuS Abertham) vor Hönig(Joachims»bat) die beste Zeit. Sieger in» Springe»» wurde Hüller (Anis lkuterrothau) mit drei gestandenen Sprünge»» voi» 37, 4l und 47 Metern, syoeitcr wurde. Ha- vara(D.T.J. Großbanuner) mit 29, 41 und 48 Metern. Die größte GeiamtU'eite erzielie Sandt- ner(AtuS Eibeuberg-türünbergi mit 129 Bietern; er wurde jcdock» nur Dritter. Vom Anlauf der Sprungschanze mußte über eine»» Nieter Neuschnee entfernt iverdcn, die Ansprungbahn konnte daher nicht»nebr tcsigebrach» tverdcn. Die Teniperatur lag über Null Grad. Die Arbeitersportkütte am Keikberg speiste Hunderte zu billigen Preisen aus und hatte eine»» Massenbelag zu verzeichnen. Fiugzeugkataftrophen Neun Menschen mit einem Derkehrsflngzeng zugrundegegangen Razt« aus— Sava Batavia, 25. Feber.(Reuter.) Heute wuc- dcn hier sämtliche Mitglieder des Vollzugsausschusses der nationalistischen Eiugcborencn-Partci verhaftet. Auch in den übrigen großen Städten Javas tvurdci» strenge Hausdurchsuchungen vorgc- nomincn. Bereits vor einigen Monaten begannen sich die holländischen Behörden für die nationalistische Bewegung unter den Malaycn und den Bewohnern Holläudisch-JudienS zu intcrcsiiercn, da diese Beloeguilg Befürchtungen verursachte. Die Vom Rundfunk Empsehlenawkrte» au» den Programmen: Dienstag: Prag, Liblitz: Morgenkonzcrt. 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.10 Musikdarbietungen. 10,15 Den»- s ch e r Schulfunk. 10.55 Musik. 12.10 BolkSlie• der(Schallplatte»). 12.35 Mittagskonzert. 18.45 BlaSmusik. 14.00 Deutsche Börse. 10.00 Orchester kouzert. 17.15 Bücherschau. 17.25 Tanzmusik. 17.50 Opernmusik. 18.25 D e. u l s ch e S e n d u n g. Abgeordneter Dr. Franz Bacher: Wirtschaftliches Re lies. Unsere Epoche und die Maschine. 18.45!lk. Gitschuer: Fremdenverkehr in der CSkti. 19.00 Deutsche Presse. 19.05 Musikvorträge. 20.25 Schall- platte«. 21.00 Nebertraguug aus Brüssel: Festton zert zu Ehren A. GreefS(Belgisches Rundsnukor- chester).— Strasch nih: 14.30 Musilvorträge. 14.45 Violinkonzert. 15.10 Deutsche S e n- d u n g. Gartenarchitekt Hans Iriderh: Der Kleingarten für jedermann. 15.25 Liederstmide. 19.05 Tanzlieder. 19.30 Arbeilersendinig: Arbeileraktnalitäten. Brünn: 14.45 Vortrag. 16.55 Jugendstunde i.Mi» derhörspiekl. 17.25 Musik. 17.50 Italienische Lie der(Schallplatte«). 18.15 Arbeiterscndung: 9l»»(»i- stcll teuf rage. 18.25 Deutsche Sendung. Fr. Hilmar: Der gcgemvärlige Stand der geuosseuschoftlisien O» nanilalionen. Aitschließend Opernmusik 19.55 Marschmusik. 21.30 Konzert. 22.30 Tanzmustk.— Mährisch,Ostrau: 11.00 Opernnuisik. 17.50 Orche- siermusik(Schallplatte«). 19.20 Blasmusik.— Presiburi»; 11.05 Kinoiibrrtraguug. 11.35 Schall platten. 13.45 Deutsche Presse. 17.10 Musilvorträge 19.20 Schauspiel ans dem Atelier: Licht in» Grab (Funksvicl.) 21.00 Orchesterkonzert.— Kascha«: 11.30 Schallplatten. 16.00 Schallplatte»». 16.30 Konzert. 17.30 Magbar. Sendung: Der'Mensch van Yente.(Radiofcnilleton.) Anschließend Musikvor- trägc. 21.00 Mcsaliaucc.(Funkjletsch.i 21.80 Or- chcfterkonzert. Mangel an Hörspielen. Die französischen Zeitschriften führen Klage über den Mangel an ! guten Ruudsuulspielc». llm den Preis George Telamareö für das beste Hörspiel beivarbcn sich 10 Autoren, aber nicht eine einzige Arbeit konnte Verlvendet»vcrden, so daß der Preis voir 8000 Franken nicht erteilt werden konnte. Ebenso beschweren sich italienische Zciischrifte»» darüber, daß die Dramatiker den Rundfunk pernachlässi- gen, so daß man sich mit der Bearbeitung von Stücken der Sprechbühne behelfen muß. Wie inan sieht, sind die Verhältnisse anderötvo nicht bester als bei uns. Lin mörderischer Geistlicher Kowno, 26. Feber. In dem Kownoer Frau- zislauertloster hat sich SamStag ein aufregender Zwischenfall ereignet. Der vor Jahresfrist ivegen feines LebcnStvandelS strafversetzte Priester Ta- vaikis verließ tvährend der Andacht, ohne die vorgeschriebenen Schlnßgebcte zu beenden, plötzlich die Klosterkapcllc. verschaffte sich Eingang in die Zelle deS 70jährigcn Klosterpaterö Kurka und schoß diesen nieder. Hierauf drang er in die Zelle eines 22jährigeu Klosterbruders,BernajaviciuS ein und gab auch auf diesen mehrere Rcvolverschiisse ab. Ter um sich schießende Priester konnte schließlich übcrwältigi und verhasiel tverdcn. Bei seiner ersten Vernehmung gab er als Grund für seine Tat an.| daß daS Klosterlebeu für ihn schlimmer als Ge- j sängniS gewesen»ei und er es länger nicht habe ertragen können. Tie beide»» Verletzten schlveben j in I» Eula»» bei Bodenbach ist dieser Tage der Tirck- tor der Metall- und Hornfabrik Mathias Oechsler & Sohn in RiegerSdorf, Jäger, ii» den Abendstunden bon zlvci Männern, die ans ihn ausgc- lauert haben, überfallen und durch Stockschlägc mißhandelt ivorden. Erst aus die Hilserusc de» Direktors ergriffe»» die Angreifer die Flucht. Es steht noch nickt fest, ob eS sich uu» einen Ranbübcrfall oder»in» einen Racheakt handelt. Dir. Jäger mußtc ärztliche Hilfe ii» Anspruch nehmen. Wichtig für Stctlungopslichtigc! Das Mini- t steriun» für nationale Verteidigung teilt mit: Um Einreihung in die E r s a tz r e s e r v c kam» in erster Linie derjenige ansuchcn, der Familicuer- haltcr ist, d. i. der e i n z i g c S o h n einer W i t w c oder eines arbeitsunfähigen V a»e r S; der c i n z i g e E n k c l, falls der Va-! ter gestorben ist; der c i n z i g c B r u d c r Vater-! loser Geschwister; der ein zigcun eheliche Sohn einer unvcrheiraicteii Mutier; als einziger! Sohn, Enkel, oder Bruder gilt nach dem Gesetze i i auch der Wehrpflichtige, dessen sämtliche Brüder entweder Militärdienst leisten oder jünger als 17 l Jahre sind oder die tvegcu einer(»leistes- oder kür-! pcrtichen Krankheit arbcitSunjähig sind. ES tvird I jedoch nur möglich sein, lediglich wirklich berück- j iilbtiguugswürdigcn, durch Besitz- und soziale Verhältnisse begründeten Gesuchen Folge zu leisten. Tas stempelpslichlige Gesuch muß der Wehrpflichtige selb st einreichen; cs»st an die TtcI- l u u g s l o m m i s s i o n zu adressieren. Der ! Wchrpslichtige niinn»! das Gesuch in den Raun» i mit, wo assentiert tvird und übergibt es sofort, sobald er hört, daß er assentiert ist. Gesuche, die von» Baier oder der Mutter oder von einem anderen Verwandten eiugcrcicht werden, gelten nicht und werden zurückgesendet. Welche Beilagen zu den Gesuche»» nottvcndig lind, erfährt jeder beim Bc- zirkLamte oder Geineindevorstcher(Notar). Falts der Wchrpflichiigc an» Aiscutieruugslagc noch nicht alle GesuchSbeilagei» beisammen hat. muß er bei der Assentierung wenigstens das»'christliche Gesuch selbst einreichcn. Auch d i e G e s u ch s b e i l a- g c n müssen g c st c u» Pelt lein. Später kann daö Gesuch nur daun ciugereicht werden, wenn die Umstände, die daö Gesuch begründen wurden, erst nach der Assentierung eingetreten sind. In diesem Falle ist das Gesuch spätestens bis zum 15. Tage nach Eintritt des angeführten lkmstandcs(Todesfall u. dgl.), und zwar beim Bezirksamt des eigenen Wohnortes, cinzurcichen. Wer in ein Spital geschickt und dann als assentiert erklärt wurde, muß ein derartiges Gesuch spätestens innerhalb von 15 Tagen ciurcicheu. vom Tage an gerechnet, au wel- chcm er durch Zustellung dcS AsscntscheincS die schriftliche Verständigung bezüglich seiner Aiseniie- rung erhalten hat. Die Heuer zur Stellung gehenden Personen müssen diese Hinweise strenge ein- halten. Sie sollen auch ihre Bekannten aufinerk- sam machen, von denen sie wissen, daß bei ihnen Gründe zur Vorlage eines Gesuches vorliegen. Im übrigen sollen die zur Stellung gehenden Personen aufmerksaln die Kuudmachungen lesen, laut welchen sie für bestimmte Tage zur Stellung einbc- rufcu sind. Diese Kuudmachiiugcn culhalien noch detaillierte Winke. Sie machen auch ans daS Einreichen von Gesuchen um A u f s ch u b d c S Prüfe n z d i e n. st e s aufmerksam. Wirbelstürme über den amerikanischen Südstaaten New Jork, 26. Feber. Ein neuer schwerer Schneesturm hat Neu- England heimgesucht, wo die bei dem Sturm am Dienstag niedergegan- gcncn Schnccmassen noch hoch aufgcschichtet liegen. Seit Sonntag mittag ist in N e w g o r t bei star kem Wind Schnee gefallen und hat die(Äraßcn in eine dichte weiße Decke gehüllt. Der Flugver kehr ist c i n g e st e l I t worden. In Northport auf Lang Island sind viele Familien, die noch vom letzten Sturm her eingcschneit sind, von Man gel an Lebensmitteln und Brennstoffen bedroht. In Philadelphia ist eine Frau er froren. Teile der Staaten Mississippi, Alabama und Georgia wurden von schtveren Wirbelstürmen heimgesucht, 23 Personen wurden getötet •rite S .Sozialdemokrat" DienStag, 27. Feber 1934 9h. 48 PRAGER ZEITUNG Wahlen in dir Betriebsansschüsse der Prager I I auü aus wer Ar- B) geschlagen. ViktoriaZiZ- ~’ einen Zn Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kä 16.—. vierteljährig Kä 48.—. halbjährig Kä 96.—, ganzjährig Kä 192.—.— Inserate werden laut Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken..— Die Zettungsfrankatur wurde von der Post-- uud Leleoraphen- direktton mit Erlaß Nr. 18.800/VH/1980 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-. Verlags- und ZeituugS-A.-G.. Prag. nertcn aber sind Stellenlose, denen der gewissenlose Merl unter Vorspiegelung einer späteren Anstellung ,,.u ii u l i o n e»" herauögelockt hat. Auf diese Weise sind eine ganze Reihe armer Teufel schwer zu Schaden gekommen. Der Angeklagte, der mit großer Zungengewandtheit die Richter von seiner absoluten Schuldlosigkeit und seinen lauteren Absichten überzeugen wollte, fand keinen Glauben, sondern wurde durch zahlreiche erbitterte Zeugen restlos überführt. Der Gerichtshof erkannte ih>i schuldig und verurteilte ihn zn sieben Monaten schweren und verschärfteil Kerkers und zum Ersah des veriirsachten Schadens. Diese Verpflichtung ist allerdings durchaus platonischer Art, denn der Erfinder hat sich beeilt, das ergaunerte Geld eiligst durchzu- bringen. rb. Papa ein altes französisches Lustspiel, das dem gastierenden Herrn Leopold Kramer zuliebe für die Kleine Bühne hervorgeqolt tmirde, hat, nach diesem fragwürdigen Abend im großen Haus, bezeichnenderweise geradezu erlösend gewirkt. Selbstverständlich auch hier keine Probleme, keine literarischen Qualitäten; aber ein gnlgebantes, anständiges Lustspiel, an dessen Hauptrolle das unvermeidlich Gräfliche ganz nebensächlich wird durch die vornehme, menschlich gültige und warme, übermiS wirkungsvolle Dar- stellungSkunst„Papa" Kramers; ganz unnachahmlich spielt er seinen Lebemann und Frauenjäger und erzielt stärkste Wirkung in der Wandlung seiner Lie- lieleien zu einer wirklichen tiefen Liebe, die den Sechzigjährigen seelisch so erschüttern und fortreißen läßt, daß man in der Darstellung Kramerö nicht nur mehr einen spielerischen Bonvivant, sondern plötzlich einen ganz großen Schauspieler vor sich hat, einen herrlichen Zeugen Wiener Theaterkunst"aus dennoch besseren Tagen. Unter Kramerö Regie übrigens auch sonst eine sehr hübsche Aufführung: vor allem Herr »OGGGOGOGGGOG0OO« Deutsche sozialdemokratische rrauenorftanlsatton Prag Freitag,' den 2. Mörz, abends 8 Uhr, im Parteiheim, Rörodni tktda 4(neben Niiredni divadlo) Frauen- und Mädchen-Abend Genossin Emma Riedel spricht über da- Thema „Die tschechoslowakische Wirtschaft»nd die Arbeiterklasse." »eeeeeeeeeeeeeeeet Prager Frühlingsfest U svatäho Matöje, kdyi sc slunko zasmfije, na poutl je hezkych panon jak kdyz. mälcu aaaeje. Ich weiß nicht, ob es stimmt, was dieser Heine Vers besagt: nämlich, daß am Sonntag des hl. Matthäi die schönsten Jung frauen zusammenkommen in einer Fülle, nur dem Mohn im Kornfeld vergleichbar. Ich tveitz nur, daß cS viele hübsche Mädchen und Frauen an diesem Sonntag ans dem Dejlvitzer Kirchweihplatz zu sehen gab. Sie kamen in Hellen Scharen, der Himmel hatte sich der Volksmeinnng angeschlos- fen. daß er an diesem Tage, dem Tag des Früh- lingseinzugeS in der böhmischen Hauptstadt, strahlen müsse. Wie ein Gespinst aus lichter, Heller Seide lag er über dieser Erde, die so schön sein könnte... Vom frühen Morgen an zog eö herauf. Zu Fuß, per Bahn, per Auto. Ter gesamte Straßenbahnverkehr mußte umgeleitet lverden, es gab viel Arbeit für die Verkehrspolizisten, die ihren gar nicht leichten Dienst mit unermüdlicher Geduld versahen. Bereits vor dem Siegesplatz begann der „Budenzauber", um sich dann auf dem Platz und in den umliegenden Straßen zum richtiggehenden Jahrmarkt zu erweitern. Mit allem, lvaS dazu gehört: Luflschankel, Karussell. Bor- und Ringkämpfen. der„größten Frail" und dem„kleinsten Mann". Vom türkischen Honig bis zum Speckwürstel, vom Schnellphotographen bis zur„durch-1 sichtigen Dame",„da fehlte sich nichts", wie der Bayer sagen würde. Ein paar Minuten vergaß man. wie schwer alles ist. Man schüttelte die Sorgen ab, man drängte sich im Menschenschwarm, man freute sich, daß die Sonne schien, daß die Luft so zart und linde schmeckte, und daß tatsächlich ein richtiger Frühlingstag war. Kinder jauchzten auf in den Armen ihrer Mütter, Verliebte gingen Hand in Hand, sahen sich lächelnd, wissend und erwartungsvoll an. materieller Veranlagte kanten behaglich süßes Zeug—„slatkä v a t ä" oder, wie er- mir mein tschechischer Freund übersetzte:„rosa Fädchen"— und kamen damit ans ihre Kosten. Wenn auch der Boden nebenbei gesagt, so matschig war. daß lehmbeschmutzte Schuhe die letzte Erinnerung vom großen Prager Frühlingsfest blieben— e§ macht durchaus nichts. Tenn Ivo gibt eö etwas Schönes auf dieser Welt, dem nicht zuletzt ein trüber Nest anhaftet? Eö war ein herrlicher Tag. Es war für den. der den hl. Matthäi zum erstenmal beging, ein köstliches Erlebnis. Katja. scher Schlüssel ins Schlüsselloch eingeführt wurde, sich automatisch ein durchdringendes Alarm läuten erhob. Diese Idee schien einzuschlagen und der „Alarms ö" gefiel einigen Geldgebern so gut. daß sie dem Sobotik größere Beträge zur Finanzierung „„„„„„ seiner Idee zur Verfügung stellten. Dies ist eine Erfinders'der Lithographie^(eines geb'Nrttgen'Pra-!Gruppe der Geschädigten, denen unter betrügerischen gers) Natt. Er starb am LS. Feber 1884 in München. Vorspiegelungen stattliche. Beträge(,m Eiitzelfall Die Feier wurde vom Verein graphischer Faktoren 125.000 bis 30.000 Kä) herauögelockt wurden. Spä- in der Tschechoslowakei unter Mitwirkung der be- ter erwies sich nämlich die ganze Konstrnktion als bördlichen Vertreter, der Hauptstadt Prag, sotoie der wü ste rD lufDie zweite Gruppe der«egau- Buchdruckerei» und graphischen Getverbe veranstaltet. Zoo in Troja verschönert sich. Ter Zoolo gische Garten in Troja beginnt bereits jetzt, nach dem so überraschend früh gutes Wetter eingesetzt hat, mit seiner FrühlingSverschöncrung. Die Tiger werden ein neues„Heim" erhalten, ebenso bekommen Elefanten, Büffel und Bären sowohl geräumigere Behausungen wie neue Spielplätze. Den Vögeln sind ihre Käfige frisch instand gesetzt tvorden. Und die zweibeinigen Besucher der Tier welt werden ihren Frühlingsspaziergang in den Trojaer Zoo auf vollkommen neugeschaffenen Wegen machen können. Da auch der Schlosspark von Troja einer gründlichen Auffrischung unter zogen wird, werden wir vielleicht noch eine In standsetzung der ganzen Insel erleben. Zwei Wohnungen am Sonntag nachmittags auögeränmt. Das herrliche Sonntagswetter hatte ztoei Drittel der Prager Bevölkerung ans ihren Wohnungen gelockt. Diese günstige Gelegenheit ließen sich natürlich„Spezialisten für WohnungS- einbrüche" nicht entgehen, ll. a. wurde die Woh- mmg des Kaufmannes Josef Schmidt, Wein berge, Kronenstraße, gewaltsam geöffnet. Hier erbenteten die Diebe jedoch nur 115 Kö und eine goldene Uhr. In Smichow drangen Einbrecher mit Nachschlüsseln in die Wohnung eines gewissen Jan Mojdl, Preßlgasse. Dort fiel die Beute— 2000 Kö und eine goldene Kamee— immerhin reichlicher aus. S ck> m e r z e n r e i ch überzeugt als ernster, tief und anständig empfindender junger Mann stärker denn je und Herr Stadler stellt einen liebenswürdigen alten Pfarrer auf die Bühne. Die weibliche Haupt- roUe spielt— wie könnte das an dem Gastiertheater anders sein!— ein Gast, Fräulein Elfriede Borodin, ganz nett, aber ohne im mindesten klar machen zu können, warum die engagierten Darstellerinnen spazieren gehen müssen(wie Frau Behrens) oder ein paar Sätze zu sprechen haben(wie Fräulein Warnholtz). In kleineren Rollen tun ihr Bestes vor allem Herr Dörner und Fräulein Tranie EiSner. ES gab herzlichen Beifall, insbesondere für Kramer. L. G. DoS Deutsche Theater erhält keinen Kredit? Wie daS Prager„MonlagSblatt" meldet, ist die Aktion zur Erzielung eines UeberbrückungSkredites für das Deutsche Theater gescheitert.„Direktor Feilchen- f e l d von der Beben hat sich entschieden geweigert, einen Bankkredit zu anderen Bedingungen als gegen Solidarhaftung des TheatervereinS beizustellen: die. anderen Banken haben sich seinem Beispiel angeschlossen. Ter Tyeaterverein konnte wiederum mit Rücksicht aus seine weniger bemittelten Mitglieder(die etwa die Hälfte deö MitgliederstandeS ausmachen) mif diese Kondition nicht eingehen." VIH. Arbeitervorstellnng. Sonntag, den 11. März 1084, um halb 8 lllir nachmittags, int Neuen Deutschen Theater. Gastspiel Leopold Kramer „D a S K o n z e r t". Lustspiel in 8 Akten von Hermann Bahr. Wochenspielplan deS Nennt Deutschen Theaters. Dienstag, halb 8 llhr: Garmen(A 2). Mittwoch, halb 8 llhr: BoriSGudonow(B 1). Donnerstag, halb 8 llhr Pepina(C 1). Freitag, halb 8 llhr: D e r j u n g e B a r o n N e n h a u S(D 21. Samstag, halb 8 llhr: R i g o l e t i o(B 2). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Dienstag. 8 llhr: Gastspiel Leop. Kramer: Papa. Mittwoch, 8 llhr: Gastspiel L. Kramer: Papa. Donnerstag, sh 8 Uhr: WeißerFlieder.(Polkstüml. Porst.) Freitag: halb 8 Uhr: Gastspiel Leopold Kramer: Papa. sKnlturverbandsfreunde und freier Verkauf.) Samstag: 8 Uhr: Peppina. Vcrcinsnadirldilcn Kinderfreunde, Prag. Donnerstag, den 1. März, abends 8 Uhr, in der Redaktion des„Sozialdemokrat", Prag XII, Fochova tkida 62, wichtige Aus- fchußsitzung. Atuü, Prag. Dtorgen, Mittwoch, den 28. Feber, Punkt 8 llhr abends allgemein zugänglicher Vortrag unseres Bezirkserziehers Gen. Heitzer aus Aussig: „Du sollst Deinen Geist nicht töten" verbunden mit Bücher-Ausstellung. Kommt alle! Lokal: Wintergarten des Hotel Monopol(gegenüber dem Masaryk- Bahnhof, Ankunft). Ein unterlegener Ringkämpfer. In Nacht zum Sonntag gab es „Sport"'.. sehen. Dort gerieten der 27jährige Malergehilfe Josef Skaba und der Ringkämpfer Franz Pecha in einen heftigen Streit, der damit endete, daß sic dem Publikum gratis und franko einen richtigen tadellosen Ringkantpf lieferten. Der Antateursportler trug jedoch erstaynerltcher- weise den Sieg über den Professional davon. Und zwar ging er tttii solcher Wucht auf seinen Gegner los, daß Pecha bewußtlos am Boden liegen blieb und von der Rettungsgesellschaft ins Kran kenhauS gebracht werden mußte. Seinen Gegner aber nahm matt in Haft, da er zu sehr betrunken war, nm allein den Heimgang antreten zu können. Bon der Amtsstelle B der Allgemeinen Pen» stonSanstalt in Prag. Wegen llebersiedlnng in daS neue Anstaltsgebäude findet in der Zeit votn 27. Feber bis 4. März 1084 kein Parteienverkehr statt. Die netie Adresse der AmtSstelle B lmitet: Prag-Ziskov, „U Rajske zahrady" EN. 1800. HE der vor dem Eafi in D e j w i tz einen Ringkampf zu j Sport• Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Sport Die Ligameisterschaft der ProsiS fand am Sonntag ihre Fortsetzung. In P rag siegte Sparta über SK. Rachod mit 5:0(4:0) sehr leicht. Slavia hatte niit SK. Z i d e n i e e keine schwere. Arbeit, um mit 2:2(8:1) siegreich zu bleiben. In Pilsen gab eS eine lleberraschung: die dortige. Viktoria wurde von der E e ch i e K a r l i n verdient mit 8:2(1’' kov gelang es in K l a d n o gegen den SK Punkt zu retten; der Kampf endete 2:2(1:0). Teplitz wurde der T.F.K. von den flinken Botz e m i a n ö zwar nicht geschlagen, doch ist das Remis von 8:3(1:8) noch glücklich zu bezeichnen. Sonstige Fnhballergebnisse. Prag: 2.F.E. gegen Sil. Zlichov 15:0.— Karlsbad: K.FK. gegen D.F.K. Pirkcnbaniiiier 7:0.— Aussig: D.F.K. gegen S.K. Rondnice 1:1.— K öuig- gräh: Amateur-Ausivahlteant gegen S.K. 7:2 (4:1).— Brünn: T.S.V. gegenS.K. Brno 7:1. Zideniee II gegen T.S.V. Zwittan 8:2,— Budapest: FerenevaroS gegen Attila 3:1, Ujpest gegen Szeged 8:1, Hungaria gegen Somogb 7:1.— Wien: F.A.E. gegen Austria 2:2!, Vienna gegen Hakoatz 1:11, Rapid gegen Liberias 8:4, Admira gegen Wacker 7:2, F.C. Wien gegen Donau 2:1, Sportklub gegen W.A.C. 2:1.— Dublin: Belgien gegen Irland 4:4(1:2). Die Weltmeisterschaft im Eiskunstlaufett für Paare errang wiederum das ungarische Paar R o t- ler-SzollaS vor den Wienern Papetz-Zwack. Einen netten Weltrekord im Schwimmen erzielte die Holländerin Villie de Ouden über 100 M.e t e r F r e i st i l in 1:05.4 Mi». Eishockey. Die II.S.A.-Rangers schlugen in München den S.C. Rießersee 3:0 und 1:0.— Saskatoon Quaker? siegten in Basel gegen Rot-Weiß 14:0 und in Zürich gegen die Graßhopperö 0:0. Der Tennidspielcr R. Menzel ist derzeit att den südlichen Gestaden und hat bisher kein einziges Turnier auch nur annähernd erfolgreich beendet. Zuerst verlor er im Verein mit Hecht den Länderkampf Tschechoslotvakei—Italien, der in Mailand vor völlig halbleeren Zuschauerplätzen ausgetragen wurde. Daß Menzel verlor— so wußte eS n. a. die bürgerliche Presse zu berichten—, dafür waren verschiedene U m st ä n d e" maßgebend, so z. B. hatte er keine geeigneten RackettS, Fußkrämpfe u. ä. und im Doppel Ivar sogar das verschwindend wetiige Publikum noch für die„Anfeuerungsrufe" zu zahlreich— daö interessierte die Prager und deshalb lvurde das Doppel verloren. Wem: aber in Prag die Zuschauer buchstäblich rasen, dann verliert der Herr TenniSamateur seilte Nerven nicht... So ist es bei den bürgerlichen Sportgrö- tzen: Verlieren sie gegen einen Gegiter, so wird nicht anerkannt, daß dieser besser war,— nein, dann werden„Umstände" in die Zeitungen lanciert, damit der„Versager" auch seine„Begründung" findet. Fair platz... l Schließlich erfand er eilt grandioses SicherheitS- i schloß, dem er den schönen Namen.Al ar mos" gab u Stimmen und I Mandat(nn Vorjahre und baS iu seiner Art einzig dastehen sollte. Die Mandate). EL haben al)o die Sozialdemokraten Hauptattraktion bestand darin, dah, wenn ein fat- Hansl and Wissen Der junge Baron Neuhaus Ein Beitrag zar Reaktion am Reuen Deutschen Theater Am dreihundertsten Jahrestage der Ermordung Wallensteins: im großeit Haus ein seichtes Lustspiel mit einer.Handlung", die„für Jugendliche nicht geeignet", aber mit Bewußtsein für jene Erwachsenen gemacht' ist, die beim k. k. Lesebuch sitzengeblieben sind; und eine Woche ttach dem Massenmord im ge- mütlichett Wien dessen verlogenes Konterfei aus dem Theresianischen Zeitalter, daö keine andere Sorgen gehabt hätte, als sich mit einer blöden^Fensterln-Ge- schichte zu beschäftigen. Der Atitor, Stefan Kama r e.'der mit seinem.Zeinen aus Irland" so viel Glück hatte, machte schon vorher etliche Zeitungeit unsicher, indem man ihn dort schildern ließ, wie sehr er sich in den Geist der Zeitett und der Zeit versenkt, wie er das Wienerisch von damals gründlichst studiert hätte, nm nur ja daS Milieu baargenatt zu treffen; das Milieu, wie er es sieht oder gesehen haben will. lind die Trottel glaubett, daß das Wien anno 1758 nur auS Backhendeln, Heurigem, der Liebe zum angestammtett Herrscherhaus, Liebesabenteuern und Hofintriguett bestand; wird denn auch so geschmacklos sein und von der mut deö Volke« von Wien und von der damals grenzenlosen Not der österreichischen Bauernschaft sprechen?! Nein, unterhaltet euch nur, biedere Bürger, geht inS Theater, um zu fühlen, wie herrlich eS damals war und wie sorglos man ja auch heute leben kann, wenn man statt eines Herzen Geld besitzt und dem demokratischen Ernst öde Amüsierlitst vorzieht! Ilnd nicht eünnal dieses Publikum, sondern Herr Kamare. ist schuld daran, weim jenes doch nicht auf seine Rcchttung kam, wenn es nur hie und da frennd- lich(oder dreckig) lachte und sich von ein paar schattspielerischen Leistungen gefangen nehmen ließ, wenn eS sich noch Wohler als zu Hause fühlte, da dieses ganz auf Aeußerlichkeiten und RevräsentativitSlust eingestellte Theater sich in schwere Unkosten gestürzt hatte— wir haben'L ja!— um den Spießern ntir ja ein möglichst getreues Abbild von der Jnnende- koration deS Schönbrunner Schlosses tmd von der Außendekoration der hohen Herrschaften zu vertnit- telii; dennoch eben langweilte sich der Großteil des Publikums ganz erheblich und sehr viele verließen vor Stückschluß daö Hans, weil sie eö als eine zu arge Zumutung empfanden, einen solchen Schmarren bis nach viertelzwölf Uhr nachts ansgelvalzt zu seheit! Der Regisseur, Herr L i e b l. hat eö für noi- Ivendig erachtet, dem Prager Publikum nur ja keine einzige Geschmacklosigkeit vorzuenthalten, auf die man in W: eu verzichtet hatte: sind denn die Herren wirklich schon von allen guten Geistern verlassen, daß sie, um der wohlgenährten Plebs willen, mit„behaglicher" Breite erzählen lassen, tote der Doktor den Urin des Herrn Kammerheizers nnter- sncht? Sind sie schon so weit Schüler der erbärmlichsten Afterkunst geworden, daß sie schildern lassen, wie einer sein Wasser abschlägt? Sie sollten sich alle— das zu sprechen ward einer Frau zugemutet!— „bis in Arsch eint schämen"! Daö aber gilt mich von einer gewissen Bnrgerprefle, die diesem Stück Beifall klatschen läßt! Herr M. B..zittert" nicht etwa um Wien oder um die Kunst und um daS Niveau deü Prager deutschen Theaters, sondern„um das Schicksal... deS jungen Herrn" in diesem Lustspiel, er ergötzt sich an dem„Sprachkunstwerk", bat seine„technische Freude" an einem Garderobcn- schrank-Detail, er hat sich„keine:: Augenblick gelangweilt"., Nun ja, toir haben es ja schon in der Bor- tvocke. neiterdiitgs erfahren, wessen sich„Demokraten" im„Prager Tagblatt" schämen und wessen sie sich nicht schämen... Wir verzeichnen noch eine Aufführung, in der Herr D u d e k als Stockerl eine ganz ausgezeichnete Leistling bot; seilte Natürlichkeit, seine Sicherheit im Dialekt, über die übrigens neben ihm nur noch Frau Lord souverän verfügt, sein zwingender Humor und seine Kttttst des Ausspielens verhalfen nicht nur ihm zu einem ganz starken Erfolg, sondern retteten überhaupt, waS zu retten war. Den Damen Car- p e n t i e r t:nd Lord gelang eö, mit ihrem Dialog den menschlich echtesten und wärmsten Augenblick des Abends zu schassen, Frau O n d r a war eine strahlend schöne Kaiserin, der.man dieserhalb manche Unzulänglichkeit in der Charakterisierung und im Text vergeben ntochte, Herr Frey(Baron Neuhaus) hatte gute und schlechte Momente. Herr Ströhlin war ein interessanter Kännitz, Herr H ö l z l i n ein tvaschechter Preuße, Herr Renner, fesselnd wie itnmer, ließ sich dennoch zur Uebercharak- terisierung einer unergiebigen Rolle verleiten. Die kleineren Rollen tvaren sehr ungleich besetzt; ganz böS war das abscheuliche Falschsingen der zweiten Kellnerin. DaS Publikttm zeigte sich bald gelanglveilt, bald amüsiert; ein.sehr, sehr schwacher Erfolg. Aber auch daö gibt keine Hoffnung, da die Direktion ztveifelloS davon überzeugt ist, den einzig richtigen Weg zu gehen. I-. G. Gcrlcnissaal Sin ewiger Projektmacher Gründer, Erfinder, Organisawr, Kautienshtzäne— 03.000 Kä Schaden Prag, 26. Feber. Der 43jährige Kaufmann Cyrill Sobotik, der heute unter der Anklage des schweren Betruges tutd ebensolcher Veruntreuung vor dem Senat K a i s l e. r erschien— die Schadensumme beträgt im ganzen über 08.000 Kö— ist der geborene Projektmacher und sein Lebensschicksal dementsprechend bunt. Seine. Karriere begann er mit der Herausgabe eines Buches mit dem vielversprechenden Titel„W i e j w erde, ich Millionär?" Das Bnch blieb aber unbegehrt und der Ratgeber für Rillionäranwärter verlor bei dieser Gelegenheit sein ganzes Geld. Er verzagte nicht uitd gründete, den„W eltfami» lienbnnd", dessen Attfgabe eö sein sollte, alle Familien der Welt, ohne Unterschied der Raffe, Sprache I und Religion zu irgendlvelchen idealen Zwecken zu \ vereinigen, wobei der Organisator auch noch ver» «sprach, eine simkelnagelneue„Weltsprache" zu ersinden, mit Hilfe derer sich die BundeSmitglieder verständigen könnten. Hauptzweck dieses Weltbundes war jedoch der Vertrieb eines„Familienal- b tt in ö", zu dessen Ankauf jedes nett eintretende Mitglied verpflichtet tvar und das aus einem billigen Einband und im übrigen der Hattptsache ttach auS I leeren Papierblättern bestand, auf die jedes Bundes» Mitglied nach Gefallen die Bilder seiner Lieben aufkleben konnte. Atißerdem enthielt es eine kurze Geschichte des tschechischen Volkes und verschiedene j häusliche Ratschläge, so z. B.. wie man Handschuhe —- putzen, Zwiebeln schneiden, Wanzen vertilgen solle tflektrischen. Samstag und Sonntag fanden die und Aehnliches. Da der Bund aber nicht mit der er- Wahlen in die BetriebSauSschüffe der Elektrischen forderlichen Schnelligkeit zur Weltorganisation her« Unterttehmungett der Stadt Prag statt, an der sich anwuchs und demgemäß auch das Album nur lve- 6927 Angestellte beteiligtett. ES erhielten an ssig Interessenten fand, ging der Organisator unter Stimmen: die Nationalsozialisten 3001 und 10 r'. e Erfinder und konstruierte einen sinnigen Mecha- niSmuS zum Hang von Tasche u o i e b e n. Mandate gegen eleitiovtel Mandate nn Voriahr, 1^ tDat e j ne Art Drahtnetz, da« in die Kleidertasckien dir Sozialdemokraten 1488 Stimmen und 8 Man- eiugenäht werdet: sollte und bestimmt war, die diebi- date(1933: 4 Mandate), die Kommnntsten 1086 sch,. Hnnd durch automatisches Zusammeitziehen der Stimmen uitd 4 Mandate(iin Voriahre 8 Man-Stahlbänder festzuhalten. date). die Nationaldentolraten 690 Stimmen und 2 Mandate(2 Mandate) und eine tmpolitischc| Liste 442 C ein Mandat gewonnen, die Kümmunisten eines verloren. Fahrhundertfeier für Senefrlder. Vor dem Ge bäude des Altstädter Rathauses fand Sonntag, den 22. Feber in den Mittagsstunden eine Pietätfeier an läßlich des 100. Todestages Alois SenefelderS, des