14. Jahrgang Elnzelprek 70 IMItr (•InichliefMich 5 Heller Port*) Sonntag, 4lsMärz 1934 cica akaa p r a h ^ybernska IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii., fochova«r. teiefon S3O77. Administration teleron sxit. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Der Raubzug vollendet! Im Geiste Ges Christentums (Taktische Lehren der österreichischen Katastrophe Wien, 3. Lärz. Der gestrige Ministerrat Hat die Anflösung der gemeinwirtschaftlichen Unternehmungen Lewa Oesterreichische Werke im Arsenal) und Bereinigte Leder- und Schuhfabriken in Brunn am Gebirge, sowie die Uckerführung der gemeinwirtschaftlichen Unternehmungen„Heilmittelstelle" und G i s e b a in privatrechtlicher Gesellschaftsform beschlossen. Die Einrichtung der gemeinwirtschaftlichen Unternehmungen(Gesetz vom 29. Juli 1919) wird sohin aufgehoben werden. Än sehr ausführlicher Weise beschäftigten sich schließlich der Ministerrat, wie es in der amtlichen Meldung heißt, mit dem vom Bun- deSminister für soziale Verwaltung vorgelegten Entwurf einer Verordnung über die„Z u s a m- menfassnng der gesamten Arbeiter» und Angestelltenschaft in einereinheitlichen Organisation", die„im Geiste des Christentums, der sozialen Gerechtigkeit(?!)«ad der Licke' zum Baterlande" allen Arbeitern«nd Angestellten angeblich eine wirksame Interessen» Vertretung geben und den bernfSständi» scheu Aufbau der Gesellschaft vorbereiteu soll. Ucker die Grundlinien des Entwurfes sei vollkommene Uebereinstimmung erzielt wordeu. Den einzelnen Gewerkschaften wird noch Ge- Wien, 3. März. A. D. Bon der unerhörten Roheit der zur Herrschaft gelangten Banden, die sich von ihren deutschen Gesinnungsbrüdern in keiner Weise unterscheiden, ist bis jetzt nur wenig Nachricht ins Ausland gedrungen. Tausende aktiver Genossen Ivurdcn aus Gemeinde- und Privat- bctricken fristlos entlassen und stehen vor dem Nichts. Für Sozialdemokraten gibt es heute überhaupt keinen gesetzlichen Schutz mehr, was selbst höhere Polizeioffizicre unverhohlen eingestehen. Jeder Heimwehrmann kann ohne weiteres Hausdurchsuchungen vornehmen, verhaften, ja selbst Strafen verhängen, gegen die kein Rechtsmittel möglich ist. Natürlich geht es bei solchen Hausdurchsuchungen auch nicht immer sehr ehrlich zu, den Betroffenen fehlt nachher bald dies, bald jenes, vor allem das Bargeld, das man ihnen in der Regel ganz offen abnimmt.. So hat man der Familie eines verhafteten Lehrers, der seiner Stelle enthoben wurde, bare 97 Groschen übrig gelassen, die sich zufällig in der Hosentasche eines Sohnes befanden. FmGefängnis wirdgeprügelt, und zwar nicht nur in der Erregung der ersten Tage, sondern auch systematisch, um„Geständnisse" zu erzielen. Ein Gemeinderat deS 13. Bezirkes hat im Gefängnis einen Selbstmordversuch unternommen, um den Prügeln zu entgehen. Im 19. Bezirk wurde einem Schutzbündler der Bart auSgeriffen «nd seine Frau verübte daraufhin mit ihrem Kinde Selbstmord. Dem Mann wurde nicht gestattet am Begräbnis teilzunehmen. In der Brigittenau wurde ein Schutzbündler taub geschlagen, zwei junge Arbetter von 23 und 25 Jahren wurden derart behandelt» daß sie nach ihrer Enthaftung tagelang von Weinkrampfen befallen waren. In Döbling hat man«inen kräftigen Mann mit Gewehrkolben derart znge- richtet, daß er für immer arbeitsunfähig bleiben wird. Für alle diese Fälle, die leicht durch weitere ergänzt werden könnten» stehen Namen und Adreste» zur Verfügung. legenheit gegeben werden, den Entwurf in seinen Details kenne» zu lernen, ehe dir Verordnung verlautbart wird. So wie in Deutschland nach dem 5. März 1933 das Vermögen der Gewerkschaften und aller übrigen, auf sozialdemokratischer Grundlage aufgrbanten Verbände und Organisationen von den Nationalsozialisten in Besitz genommen wurde«nd wie man dort mit Hilfe der Gewalt die geschloffenen Formationen der Arbeiterschaft in die nationalsozialistische Arbeitsfront überführte, so geschieht das jetzt in Oesterreich. Nnr ist hier nicht der Nationalsozialismus, sondern die Christlichsozialen für daö Unrecht«nd de« Diebstahl an der Arbeiterklasse verantwortlich. Der Sinn, der des Gewaltaktes, ist hier wie dort der gleiche. Man erledigt sich innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft, der «m eine Neuordnung ringenden Klaffe, mit Hilfe der modernen Kriegsmittel» gegen die man sonst nur noch kurze Zeit standzuhalten vermag» man eignet sich ihre» Besitz an, so wie im Mittelalter die Kriegsscharen sich des Eigentums der Besiegten bemächtigten, man zwingt den Unterlegenen im Gefängnis oder der Sklaverei zugrunde zu gehen. Ma» ruft aber anch mit diese» aller Kultur und Menschlichkeit hohnsprechende« Taten zu erneutem und zweifellos anch siegreichem Kampfe der Arbeiterklaffr. Ein weiteres Kapitel find die Bemühungen des Klerus, aus den Opfern der Katastrophe noch für sich Kapital zu schlagen. Die Frauen der Hingerichteten wurden tagelang vom Erzbischof selber belagert und bestiirmt, ihre Kinder im Kloster erziehen zu lasten. Angesichts der Heuchelei der offiziellen Kreise, die zuerst die Väter hängen liegen, um nachher die Kinder zu beklagen, fällt die internationale Solidarität der Arbci- terschaft besonders ins Gewicht. Nicht nur die beiden Bruderparteicn der Tschechoslowakei, mich die Schweizer und belgischen Genossen überbieten sich in Anstrengungen, die Opfer der Ereignisse zu untcrstiihen. Schon am 18. Feber holte eine Schweizer Delegation zirka hundert Kinder aus Steyr in die Schweiz zu einem längeren Aufenthalt und eine Woche später folgten ihnen weitere dreihundert. Ja selbst aus Lettland kamen Beweise internationaler Verbundenheit in Form von Geldspenden und Einladungen. Trotz der schweren Jahre, die dem österreichischen Proletariat bevorstehen, ist aber eines sicher und darüber herrscht Einmütigkeit unter allen österreichischen Genossen: Dieser Widerstand war notwendig, er war sogar nützlich, selbst tvcnn ec für den Augenblick zu einer Niederlage geführt hat. Er Ivar notwendig und nützlich nicht nur fiti die Arbeiter pon Wien, sondern für die Arbeiter der ganzen Welt, die hier gesehen haben, das; der Sozialismus auch versteht, sich zu verteidigen. In einem Lmid aber, in dem der Sozialismus zwar im Kampf besiegt, aber in den Herzen noch lebendig ist, kann keine Macht der Welt ihn auörot» ten. Von 0170 BAUER Die österreichische Sozialdemokratie hatte 600.000 Mitglieder in einem Lande mit sechs- einhalb Millionen Einlvohncrn. Bei allen Wahlen der Nachkriegszeit haben mehr als-10 Pro- zcnt deS österreichischen Volkes nnd beinahe zwei Drittel dcö Volkes von Wien sozialdemokratisch gestimmt. Die österreichische Arbeiterschaft war nicht gespalten, die Kommunisten waren nur eine unbedeutende Minderheit. Daß eine so gewaltige Partei zcrtrümnicrt werden konnte, beschäftigt natürlich jetzt die Sozialisten aller Länder. Begreiflicherweise fragen sic, ob nicht schwere taktische Fehler der Partei die Ira- gische Katastrophe mit verschuldet haben. Manche glauben, die Katastrophe wäre zu vcnneidcn gewesen, wenn die österreichische So- zialdcmokratie rechtzeitig eine Koalition mit bür- gerlichen Parteien angestrebt, sich auf diese Weise Anteil an der Staatsgewalt gesichert nnd dadurch der Entwicklung znm FasciSmuS entgegengewirkt hätte. ES kann im Nahmen eines Zeitungsartikels nicht erörtert kvcrdcn, ob eine solche Politik in einem frühere» Zeitpunkt möglich und zielsüh. rend gewesen wäre. Gcwis; ist, dass sie seit dem Jahre 1932 nickt mehr möglich war. Seitdem der schnelle Aufstieg deS Nationalsozialismus die „antimarristischc" Konjunktur in Oesterreich her- vorgcrufcn hatte, gab cs keine bürgerliche Par- tci mehr, die zu einer Koalition mit der Sozial- demokratie bereit getvesen wäre. In einem Zeit- punkt, in dem die Nationalsozialisten im schnel- len Aufstieg waren, hätte jede bürgerliche Partei gefürchtet, ihre Wählerschaft an die Nationalsozialisten zu verlieren, tvcnn sie sich mit den „Marxisten" koaliert hätten. Eine Koalitionspolitik war also mindestens seit dem Jahre 1932 schlechthin unmöglich. WaS möglich gewesen wäre, wäre nur eine„Tolcric- rungSpolitik" gewesen, wie sie die dentsckc Sozial- dcinolratie gegenüber der Regierung Brüning geübt hat. In der erste» Hälfte des JahreS 1932 regierte in Oesterreich die Negierung Burcsch. Sie tvar auf die Christlichsozialcn und Land- bündler gestützt. Die Groszdeutschcn verliessen die Rcgicrungskoalition und traten in Opposition, seitdem Deutschland und Oesterreich unter dem Drucke der Wesünächte gezwungen worden waren, die geplante Zollunion zwischen den beiden deutschen Staaten fallen zu lassen, und Schober, der Vertrauensmann der Grossdeutschon in der Regierung, unter französischem Druck demissionieren musste. Die Regierung Burcsch hatte daher keine Mehrheit im Parlament. Eine TolcricrungSpolitik der Sozialdemokratie gegenüber dieser Regierung hätte ihren Sturz und dadurch die Bildung der Negierung Dollfuss, einer Koalitionsregierung der Christlichsozialcn mit den fascistischcn Heimwehren, verhüten können. Die österreichische Sozialdemokratie hat sich zu einer solchen TolcricrungSpolitik nicht ent- schlossen. Die Erfahrungen der deutschen Sozialdemokratie schreckten uns. Wir fürchteten, dass die durch die Wirtschaftskrise verelendeten Massen zu den Nationalsozialisten abströmen würden, wenn diese allein in-Opposition gegen daS herrschende System blieben. Wer will heute entscheiden, ob die Entwich, lung einen anderen Weg gegangen wäre, wenn wir nus zu einer„TolcricrungSpolitik" gegenüber der Negierung Burcsch entschlossen hätten. Wahrscheinlich wäre die Partei durch eine solche Politik vor breiten Arbeitcrmassen kompromit- tiert und dadurch empfindlich geschwächt worden. Als dann mit dem. grossen Siege Hitlers in Deutschland im Jahre 1933 die Hochkonjunktur deS„AntimarxiümuS" kam, wäre sic erst reckt niedcrgeworfen worden. Tic„TolericrungSPoli tik" gegenüber Burcsch hätte die.Katastrophe vermutlich ckcnso wenig verhüten können, wie die TolcricrungSpolitik gegenüber Brüning in Deutschland sic verhütet hat. Auf Burcsch folgte Dollfuss. Die Heimweh- rcn saßen in der Regierung. Nun ging der Kurs auf den FasciSmuS zu. Am 7. März, zwei Tage nach dem grossen Wahlsieg Hitlers in Deutsch- land, nahm Dollfuß einen parlamentarischen Zwischenfall zum Vorwand, das Parlament aus- zuschalten, die Verfassung tatsächlich zu suSpcn- dieren, einen RegicrungSabsolutiSmus aufzurick teu. WaS nun? Die Sozialdenwkraüe hat sehr wohl gewusst, dass ein Generalstreik in einer Zeit unerhört grosser und lang andauernder ArbeitS- losigkeit sehr schwer gelingen konnte. Die So- zialdemokratic wusste erst recht, dass seit dem Jahre 1818 ein bewaffneter Ausstand der Arbeiter immer nur dann gesiegt hat, wenn ent weder die Armee selbst revolutionär war, wie in der letzten spanischen Revolution, oder Niederlagen auf Schlachtfeldern die Armee desorganisiert hatten, wie in der russischen Revolution von 1917. Die Sozialdemokratie kannte sehr wohl die klassischen Darlegungen Friedrich Engels in seinem berühmten Vorwort zu den„Klos- scnkämpfen in Frankreich", in denen der grosse Stratege der Revolution dargclegt hat, wie schon damals, schon 1895 die Entwicklung der Waisen- technik die Aussichten eines revolutionären Sieges im Strasscnkampf verkleinert hatte. Die So zialdcmokratie wusste, wie sehr die Entwicklung der Wafsentcchnik seit 1895 die durchschlagende Kraft jeder disziplinierten Armee gegenüber einem proletarischen Ausstande noch vcrslärkt hatte. Die Sozialdemokratie hat daher seit dem Staatsstreich vom 7. März 1933, volle 11 Monate lang, alles Erdenkliche getan, um eine gewaltsame Entscheidung zu verhüten. Wir haben 11 Monate lang immer wieder versucht, zu Verhandlungen mit Dollfuss und mit der demokratischeren Fraktion der christlichsozialen Partei zu gelangen. Wir haben ihnen immer wieder unsere Zustimmung zu weitgehenden Berfassungsresormen und zu ausserordentlichen Vollmachten für die Regierung für die Dauer von zwei Jahren angcboten und als Preis für uilö nichts anderes verlangt als die elementarste gesetzliche BclvegungSfrciheit für die Par- tci und für die Gewerkschaften. Aber alle unsere Bemühungen scheiterten an dem starren Nein Dollfuss'. Der entscheidende Grund deS Scheiterns war: die monarchistischen Aristokraten und Generäle, die katholische Kirche und die Kapitalisten waren entschlossen, die antimarxistische Hochkonjunktur, die durch Hitlers Sieg in Deutschland entstanden war, gegen unL vollständig auszunützen und sich daher auf kein Kompromiss einzulassen. Und der seit dcni Sommer 1933 vorherrschende Einfluss Italiens in Wien trieb die Regierung zum hundertprozentigen Fascis- muö zu und schloß daher jedes Kompromiß mit unS auS. Wir haben die Möglichkeit, zu einer friedlichen Lösung zu gelangen, überschätzt, weil wir die Widerstandskraft der bäuerliche» und klein» Ql« Konferenz In Rom vom 14. bis 16. März Budapest, 3. März. DaS«ngarifche Telegraphcn-Korrespondcnzbüro meldet amtlich a«S Rom: Der««garische Ministerpräsident G ö nck ö s«nd der österreichische Bundesländer Dr. Dollfuß werden am 14,, 15. und 16. März der italienischen Regierung in Rom ei«» Besuch abstattr«. in den Wiener Gefängnissen wird geprügelt tapferer Männer «eile 3 Sonntag, 4. März 1934 Nr. 88 bürgerlichen Clemente der chrisilichsozialcn Par-! tei gegen die znni FascismuS drängenden Aristokraten und Generäle und weil wir die Gegenwirkung Frankreichs gegen den italienischen Einfluß in Wien überschätzt habe». Während der l 1 Monate, in denen wir uns uiu eine friedliche Entwirrung bemühten, hat sich aber die Staatsgewalt militärisch bedeutend gestärkt, sind die Heimwehrcn bewaffnet worden und sind andererseits breite Schichten der Arbeiterklasse, nor allem die Eisenbahner, durch den schweren Truck der Negierung zermürbt, cntnm- tigt, kampfunfähig geworden. Hätten wir in! einem früheren Zeitpunkt loSgeschlagcn, so wäre unsere Aktion größer, allgemeiner, die Aussicht auf einen Sieg günstiger gewesen. Wenn wir also einen Fehler-begangen haben, so war cs der, das; wir uns allzulange um eine friedliche Eutlvirruug bemüht, allzulange die Entscheidung im Kampfe aufgeschobcn haben. Wir brauchen uns dieses Fehlers nicht zu ichänicn. Er ist begangen worden, weil wir dem| Lande und der Arbeiterschaft die Katastrophe eines blutigen Bürgerkriegs ersparen, weil wir das Schicksal der Arbeiter nicht ohne zwingende Not von dem auch in einem früheren Zeitpimkt höchst unsicheren Auögang eines gewaltsamen Kampfes abhängig machen wollten. Das; wir so lange zugcwnrtct haben, hatte aber und hat trotz der schtvercn Nachteile, die cs zur Folge gehabt hat, doch auch seinen großen Vorteil. Heute weiß in Oesterreich jeder denkende anständige Mensch trotz aller RegierungSlügen, daß wir nicht leichtfertig zu den Waffen gegriffen daß wir vorher 11 Monate lang alle Möglichkeiten einer friedlichen Lösung versucht haben, daß wir nicht früher gekämpft haben als in einem Zeitpunkt, in dem uns die Regierung selbst keine andere Wahl mehr gelassen hat als die zwischen dem Kampf und einer schimpflichen Kapitulation. Diese Erkenntnis bedeutet eine« starke moralische Rechtfertigung, die für das Wiedererstehen der Sozialdemokratie>;icht geringe Bedeutung gewinnen kann. Diesen Vorteil I hätten>vir nicht gehabt, wenn wir in einem frü- Heron citpnnkt, in dein die Zwangslage nicht so offenkundig war, losgeschlagen hätten. Öder hätten wir, da wir doch die furcht- baren Gefahren deS Kanrpfes kannten, überhaupt nicht loöschlagen, vor dem FasciSinus ohne Kampf kapitulieren sollen, wie cs in Deutschland geschehen ist? AIS die Regierung im Feber die Llbschafsung deS allgemeinen und gleichen Wahl- rechtes, dos Koalitions- und Strcikrcchtes der -Arbeiter, die Oktroierung einer im Wesen fasci- stischen Verfassung ankündigte, als bewaffnete Aufgebote der Heimwehr die Absetzung der ver- fassungSmäßigcn Landesregierungen und die Uebergabe der Verwaltung an Vcrtrauensmön- ner der Zascisten forderten, während Fey gleich- zeitig die lokalen Führer deS Republikanischen Schutzbundes verhaften und die Wasfenvorrätc des Schutzbundes beschlagnahmen ließ, war cS schlechthin unmöglich, die wehrfähige Elite der Arbeiterschaft daran zu hindern, daß sie einen letzten Verzweiflungskampf zur Rettung der Freiheit loagt. Die österreichischen Arbeiter be- saßen seit der Revolution von 1918 Waffen. Sie haben diese Waffen nie mißbraucht. Sie haben sic 15 Fahre lang in ihren Verstecken geborgen gelassen. Die Partei hatte sie 15 Jahre lang gelehrt, daß diese Waffen nur in e i n e m Fall benützt werden dürften und müßten: im Falle eines faseistischeu Angriffes auf die Freiheit. Fetzt war dieser Fall da. Keine Macht der Well hätte die bewaffnete Elite der Arbeiterschaft hindern können, in diesem Falle zu Mn, was seit Wie erinnerlich, hat die n o r d b ö h m i s ch e Textilindustrie Ende Dezember 1933 den BertragSgcwcrkschastcn in der nordböhmischen Textilindustrie mitgeteilt, daß sie einen Lohnabbau von 19 Prozent und in den Betrieben, die Kunstseide verarbeiten, von 25 Prozent beabsichtige. Die Vcrtragögewerlschaftcn haben demgegenüber die Forderung nach unveränderter Ver- längcrung der Verträge auf ein Fahr aufgestellt und als Antlvort darauf haben die Textilindustriellen Mitte Jänner die Verträge ge- l ü n d i gt. Aus Grund des Vorgehens der Unter- nchiner drohte nun in der nordböhmischcn Textilindustrie ein schwerer Konflikt auSzubrcchcn. Die Vcrtragsgcwerkschaften haben in Kundgebungen an die Oeffcntlichkeit auf die ungeheuere Gefahr aufmerksam gemacht, die ein neuerlicher Lohnabbau für die gesamte Wirtschaft verursachen würde. Sie haben damit erreicht, daß die gesamte Oeffent- lichkeit sich hinter die berechtigten Forderungen der Textilarbeiter stellte. In den letzten Tagen hat sich insofern eine Aenderung der Situation ergeben, als die Unternehmer an die Vertragügewerkschaften eine Zuschrift richteten, in welcher sie sich bcrcst erklärten, auf Grund der Forderungen der Bertragsge- Iverlschaflen nach unverändericr Verlängerung der Verträge auf ein Jahr eine Aussprache hcr- beizuführen. Bei dieser Aussprache verwiesen sie jedoch darauf, daß cs für einzelne Unternehmungen unmöglich sei. die Verträge unverändert zu verlängern. Sie lehnten die Verlängerung der Veredelungoindusiric, für die Streichgarnspinnc« reicn und für die WcigSdorser Jute ab und teilten mit, daß diese Betriebe vorläufig vertragöloS zu bleiben gedenken. Gleichzeitig gaben die Unternehmer bekannt, daß sie auf eine Verlängerung der Exportllausel nicht verzichten können. Auf Grund dieser Erllärnngcn wurde die Aussprache abgebrochen, um dem von den Mitgliedern der Vertragügewerkschaften gewählten AbwchrauSschuß Gelegenheit zur Stellungnahme zu gebe». Am Sonntag, den 25. Feber/ trat der AbwehrauSschnß zusammen, der ebenso wie die Konferenzen der Funktionäre jener Betriebe, deren Einbeziehung in die Verträge unter den alten Bedingungen von der Industrie abgclehnt Ivurdcn, der Berhandlungsdelegation die Vollmacht zur Fortführung der Verhandlungen einstimmig erteilte. Hierauf fanden am Mittlvoch, den 26. Feber, neuerlich Verhandlungen statt, die folgendes Ergebnis hatten: Beide Vertragspartner stim- mcn der unveränderten Verlängerung derVerträge auf einJahr z u. Für die VeredelungSindustrie finden in kürzester Zeit besondere Verhandlungen statt. Bei Vertragsabschluß wird von den BertragSgcwerk- schaften eine Erklärung abgegeben, derzufolge sie 15 Fahren ihr Wille war: sich nicht schimpflich zu ergeben, sondern der Welt zu zeigen, wie sich freiheitsliebende Männer wehren, wenn man sie versklaven will. DaS haben die Männer des Re- Publikanischen Schutzbundes getan. Sic sind von der technischen Ueberlcgenheit der Armee besiegt worden. Aber der Heroismus ihres letzten Kampfes wird feine Früchte tragen. sich Vorbehalten, im F a l le a u ß« r g e w ähnlich erPreisverhältnifse einen Ausgleich in den Löhnen anzustrcben. Auf Grund des Widerstandes der Vertrags« gctverkscktaften gegen die Erneuerung der E x» Portklansel haben hierauf die Unternehmer auch davon Ab st and genommen. Die zuständigen, von den Mitgliedern der BcriragSge- wcrtschaftcn bevollmächtigten Körperschaften haben sodann die Zustimmung zur Unterzeichnung der Verträge gegeben, die ani 2. März erfolgte. Für 17.000 Textilarbeiter wurden die Forderungen der Vrrtragsgrwerlschaftrn hundertprozentig durchgesetzt. Für 300 Textilarbeiter konnte vorläufig eine vertragliche Sicherung der bisherigen Löhne nicht erzielt werden. Es kann jedoch schon jetzt gesagt werden, daß auf Grund einer Erklärung der Unternehmer in den nächsten Wochen ein Abbau der Löhne in der VeredelungSindustrie nicht durchge- führt werden tvird. Der Kampf gilt für 17.000 Textilarbeiter, für die die unveränderte Verlängerung der Verträge auf ein Jahr vereinbart wurde, als abgeschlosicn. Er wird jedoch in jenen Betrieben fortgesetzt werde», für die vorläusig eine unveränderte Verlängerung der Verträge nicht erreicht tvurde. Das Ergebnis dieser Lohnbewegung Ist für die VcrtragSgeloerkschaften unbestreitbar ein großer Erfolg. Wenn cS bisher nicht gelungen ist. für die Streichgarnspinnerei, für die WcigSdorser Jute und die Firma Rolf in Friedland das gleiche Ergebnis zu erzielen, so sind daran die Kommunisten. schuld, die in einzelnen Betrieben dieser Branche die Widerstandskräfte der Arbeiter geschwächt haben. Die Vertragsgewerkschasten werden jedoch nichts außer Acht lassen, um auch von dm Arbeitern dieser Betriebe die Gefahr eines Lohnabbaues abzuwcnden. Neue sozialpolitische Maßnahmen Heute fand eine Sitzung der politischen Minister statt, in der über die Grundzügc einer Regelung der F c t t w i r t s ch a f t verhandelt tvurde. Ferner wurde über einige beabsichtigte Maßnahmen sozialpolitischen GJf) arakters eine Generaldebatte abgeführt. Hiezu gehört vor allem eine Regierungsverordnung, die den, willkürlichen Betriebüein- stellungcn durch die Unternehmer, durch die oft ungezählte Arbeiter um ihr Brot kommen, entgcgentvirken soll. An der endgültigen Formulierung dieser Vorlage, die der Regierung ein MitbestimmungS-, bzlv. ein Einspruchsrecht bei derartigen vielfach grundlosen BetriebSeinstellnn- gen cinräumen soll, wird noch gearbeitet. Vie Reeskontstelle i perfekt$ Prag, 8. März. Die wirtschaftspolitischen Verhandlungen innerhalb der Regierung habm in dieser Woche zur endgültigen Textierung der Vorlage über die neue Recükont-Stelle geführt, die noch am Montag vom Ministcrrat offiziell genehniigt und am Dienstag bereits im Parlament vorgelegt tverdcn soll. ES besteht die Absicht, die parlamentarische Verhandlung dieser Vorlage soweit zu beschleunigen, daß sie von beiden Häu- scrn der Nationalversammlung noch im Laufe dieser Woche verabschiedet werden kann. Die neue Reeskontstelle soll vor allem die Kreditgewährung au die Wirtschaft erleichtern, ferner den Markt der StaatS- papiere regeln und dadurch auch die Liquidität der Geldinstitute fördern. Die Mittel dazu soll das Institut einerseits aus einer Einlage des Staates, andererseits dadurch erhalten, daß alle Geld- und VersichernngSinstitute einen bestimmten Prozentsatz ihrer neuen Einlagen bei der Reeskontstelle mif lausende Rechnung anlcgen. Das Institut wird ferner berechtigt sein, Staatspapiere zu kaufen und zu lombardieren. Darlehen wird das neue Institut nur auf Wechsel und auf Wertpapiere gelvähren dürfen. Bon dieser neuen Reeskontstelle ertvartet man eine neue tvcsentliche Erleichterung auf dem Kreditmarkt, auf dein selbst ganz seriöse Unternehmungen heute kaum Kredite erhalten können. Eine Erleichterung des Kredites müßte sich aus die Wiederbelebung der Wirtschaft und damit auch auf ihren Beschäftigungsgrad günstig aus- tvirken. Suntme 52.675.80 1. Spenden-Ausweis für dir Helden der österreichischen Kämpfe. Von den Bezirksorganisationen: Aussig 2.800.— Jglau 2.078.— Karlsbad 2.760.— Mährisch Trübau 1.000.— Neudek 400.— Prag 37.510.—♦) Tnschkau 100.— Warnsdorf, Kous.-Vcr. Teichstatt 1.150.80 Wigstadtl.... 3.388.— Znaim 179.— Gewerkschaften.... 680.— Sinzelspender.-.» 685.— *) Von der Prager Zentrale der Gee-VerbandeS wurden bis heute für die österreichischen Freiheitskämpfer K 28.487.— vom sozialdemokratischen Parieisekretariat in Prag und von der Redaktion und Administration deS„Sozialdemokrat" 5214 Kä gezeichnet. Jeder Genosse und jede Genossin hat sich«in persönliches Opfer auferlegt.. Wir hoffen, daß dieses Beispiel überall Nachahmung findet. Sow jetrussische Arbeiter lllr die Wiener Opler MoSkau, 3. März.(Taß.) Der Borswnd des Allunionistischen Zentralrates der Gewerkschaften überwieS der Gesellschaft für Hilfeleistung der Revolutionäre» den Betrag von einer Million österreichischer Schillinge, welche unter den Arbeitern der Sowjetunion gesammelt worden war und welche für die Unterstützung der österreichischen Arbeiter, der Opfer deS FaseiSmus, bestimmt ist. Ein Erfolg der Textilarbeiter Der Anschlas auf die Löhne abgewehrt Vertrag auf ein Jahr verlängert 39 H IN. de Jons: VersMmgene Hute tin Kom akl- io vier(pisoäeo Autoriirierte Ueberaetxung au» dem Holländischen von E. R. Fuchs. „Die Menschen?" fragte er mit schneidender Stimme.„Du weist nichts von Menschen! Die Menschen, die dich umgeben, sind nur Karitaiurcn ihres eigenen JchSl Ach arbeiten in die Fabriken, durchwandere nötigenfalls das Reich als Landstreicher, schlaf in Nachtasylen und unter Brücken, unter Strolchen und Verbrechern... dann hast du noch bessere Gelegenheit, die Menschen kennen zu lernen." „Danke schön!" lächelte der Prinz.„So scharf bin ich nicht auf diese Erkenntnis, um deinen Rat zu befolgen. Komm, Lydia, prächtige Karikatur eines Menschen, füll' mir noch ein Glas... meine Hände zittern so." Aber Lydia hörte nicht auf ihn. Sic legte ihre Hand auf Peters Arm und fragte: „Und Lieschen?... Was geschah weiter mit Lieschen, Peter?" Peter wandte ihr sein düsteres Gesicht zu. „Lieschen?" knirschte er mit aufeinandergebissenen Zähnen.„Lieschen ist auS jenem HauS davongelaufcn, nach Monaten. Aber sie hatte es nicht leicht, die Polizei kannte sie, weißt du...- Eine ehrliche Beschäftigung ist für ein Mädchen miS dem Hurenhaus nicht so leicht zu finden... Wenn sic eine gefunden hatte, kam bald jemand mit der Frage:„Wissen Sie wohl, gnädige Frau, und so weiter..." Nun, der Pole hat sie wieder ausgesucht und sie konnte ihm nicht widerstehen. Sie hat für ihn... gearbeitet, verstehst dn?... Kurz darauf hat er den Raubmord begangen. Aber damit hatte sich dieser Verlorene selbst zu viel zugetraut und er brach zusammen wie ein Jammerlappen... beichtete alles Lieschen, den schwarzen Kopf in ihrem Schoß, ein Erbarmungswürdiger, ein Wrack, ein Häufchen Unglück— in Todesangst. Hätte sic ihm grollen sollen wegen all des Leids, das der Verruchte ihr migctan. Nein, sic hat ihn ganz anders behandelt. Oh, wohl schüttelte sie der Abscheu vor den Händen, die gemordet hatten... aber doch— sie hatte bei ihm auS- geharrt, ihn verpflegt und verborgen, so lange eS ging... Und als ihn endlich die Polizei fand, verhaftete man auch sie, und zur Belohnung für ihre Treue erzählte nun der Pole, daß sie an den Vorbereitungen zum Verbrechen mitgcholfen habe. Vielleicht glaubte er, daß er mit einem Helfershelfer bester abschneiden würde. Und zu guter Letzt — die Beweise waren zwar nicht hinreichend, aber sic bekam doch drei Jahre... Ich weiß alles erst seit kurzem... Ich wollte sie nicht sehen, ich verachtete, ich verfluchte sie in meinem dummen Herzen... Endlich hat mich ihr Verteidiger zu einem Besuch überredet und als ich nun alles lvußte und verstand, begann ich mich selbst zn hassen lvegcn meiner stumpfsinnigen Härte und mit einemmal ist mir alles verständlich geworden, denn bei LicSchenS Geschichte sind mir die Augen aufgcgangen über die grauenhaften Zusammen- hänge ringsum." «Das ist... das ist," stotterte der Prinz mit schwerer Zunge,„wahrhaftig... das ist die Geschichte einer... einer Heiligen, Peter... deine Schwester ist eine Heilige." «DaS ist sie," sagte Peter schroff.„Und darum mußte sie auch zur Märtyrerin werdenl.. Denn diese überempfindsame, aufrichtige, christliche Gesellschaft, die Demut, milde Liebe und Sclbswerleugnung als die höchsten Tugenden preist, lvirft sich wie ein Scharfrichter auf alles, was gut und schwach und hilflos genug ist, um in diesen Tugenden zu l e b e n... Die Klugen bekennen die Tugenden, die Toren allein leben sie... Dafür müssen sie bestraft werden, denn wie stünde es mit dieser wohlgeordneten Welt von Fressern und Gefressenen, wenn diese heiligen Hilflosen, diese edlen, zu tiefst uneigennützigen Herzen als Vorbild in das Ivirkliche Leben gestellt würden?... In der Kirche und den Erbauungsbüchern ist das natürlich etwas anderes... und darüber ergießt sich dann erst noch eine überirdische Brühe aus gottnahcr Askese und Wundergeruch. Ivährcnd man mit Engelsaugen zum Himmel emporblickt." Das Mädchen saß vornübergebeugt auf seinem Sessel und weinte, die Hände vor daS Gesicht geschlagen. Der Prinz legte seine zitterige Hand auf ihre bloße Schulter. „Peter," sagte er gemütvoll wie ein Trunkener.„Peter, du hast uns mit deinem Bericht tief erschüttert. Die Moral, die dn da herauSdestillierst, ist Unmoral,«aber die Erzählung selbst ist wirklich erschreckend.„Ich tvcrde trachten, sic rasch meinem Vater zu berichten." „Nichts!" schrie Peter, plötzlich wieder in wilden Zorn auSbrechcnd.„Nichts sollst du tunt Wir brauchen von euch keine Gnade, hörst du! Wir werden selbst für uns sorgen... Eure Gnade hat uns allen schon genug Elend gebracht. Bemüh dich nicht unsertwegen!" „Sei nicht so ungerecht." «Ich bin nicht ungerecht... dieses Unrecht kann mit keiner Gnade gesühnt werden!" „Aber doch vielleicht gemildert." „Da gibt'S nichts zu mildern... Diesem Urteil ist ein ganzes Leben voll Not und Leid vorausgegangen... das ist nicht mehr zu mildern oder gutzumachen. Laß uns doch wenigstens in unserem Elend in Frieden." „Aha," lachte der Prinz,„du willst nicht dankbar sein müssen... dn willst deinen Haß hegen und pflegen..." „Ja", sagte Peter fest und hart,„so ist eS ... Denn unser Haß ist daS einzige Wirkliche, das ihr uns gelassen habt. Unser Haß ist das einzige, aus dem für die Welt und die Menschen, die ihr so mit Msicht verdorben habt, Gutes entstehen kann. Wenn wir nicht mehr inbrünstig genug hassen, können wir nicht mehr feurig genug um eine neue Welt kämpfen. Wenn je noch wahrhafte Liebe in der Welt herrschen soll, muß sie erblühen auü dem unauslöschlichen Haß derer, die sie erringen tvollen. „Revolutionäre Phrasen, Peter", spöttelte der Prinz.„Nütze deine Talente für weniger gefährliche Dinge, nicin Junge, die Kerker und die Verbannungsorte nieincS Vaters sind ein unerfreulicher Aufenthalt. Wir sind doch,Freunde, nicht wahr, du und ich?... Du hast mir einmal daS Leben gerettet... das kettet uns beide aneinander. Warum können wir nicht Freunde bleiben?" „Freunde?" anttvortetc Peter grüblerisch. „Du und ich? Nein, Freunde können wir nicht sein... Unsere Lebenspfade laufen gegeneinander... sie müssen zusammcnprallen." «Ich werde deiner immer als Freund gedenken", antwortete ernst der Prinz. „Vielleicht", überlegte Peter.„Aber du wirst mich als Feind begegnen." „Sei auf der Hut, Peter Zanzi!* warnte der Prinz mit dunlel drohender Stimme.„Wenn sich unsere Wege auf diese Art kreuzen sollten, kann ich für nichts einstehcn." „Du hast auch für nichts einzustehen", brummte Peter.«Ich bitte dich doch um nichts. Ich kenne nun meine Aufgabe und die scheint mir größer als die deine." Er eilte nut schweren und unsicheren Beine» zur Tür; dumpfer Schmerz pochte aufs neue in seinen Schläfen. „Schwärmer!" rief lachend der Prinz. „Tori" (Fortsetzung folgt.)! 9t. S» Senttiftfl. 4 März 1934 CMteS USA billigt den englischen Abrdstungsplan Bl* auf wenige technische Punkte Washington, 8. März. Das amerikanisch« Staatsdepartement veröffentlichte am Freitag das britische Memorandum, sowie den Text der Ausführungen des amerikanischen Unterstaatssekretärs PhillippS, die dieser am IS. Feber dem britischen Botschafter gegenüber gemacht hat. Darin betonte Phillips die grundsätzliche llebereinstimmung der Vereinigten Staaten mit den britischen Vorschlägen in der AbrüstungSfrage. Die Vereinigten Staaten sehen ein, daß die britische Regierung mit Rücksicht auf die politischen hen können wie die Vereinigten Staaten es gehen können wie die Vereinigten Staaten s gewünscht hätten und lute eö Roosevelt in den bekannten drei Punkten seinerzeit niedcrgelegt hat. Die Vereinigten Staaten mischen sich nicht in di« europäische Politik. Sie seien aber stark interessiert an der Erhaltung des Friedens in Europa und betrachten daher ein Abkommen, das di« tatsächliche Abrüstung herbeigeführt, als nicht nur an sich sehr notwendig, sondern auch als Vorbedingung zur Erreichung der allgemeinen politischen Be friedung. Die amerikanische Regierung erkläre daher, mit Ausnahme locniger technischer Punkte und der vorgeschlagenen Acndcrungen zu Teil 1 des KonbentionSentwurfeS die von der britischen Regierung vorgetragcnen Grundsätze als sehr begrüßenswert. Die erhoffe die baldige Wiederaufnahme allgemeiner Abrüstungöverhand- lungen. Vie Luftrüstungen London, 3. März. Durch die im HauShal« tungövoranschlag 1934—35 vorgesehene Verstärkung der englischen Luftflotte um vier Geschwader wird die Gesamtzahl der englischeit Luftgeschwadcr von SO auf 04 erhöht. Die Zahl der Frontflug« zeuge, ausschließlich der Reserve, erfährt eine Erhöhung von 860 auf SSO Maschinen. Die Erhöhung deS Lufthaushaltes wird in der englischen Presse allgemein begrüßt.„Times" sagten, die Erhöhung sei im Vergleich zu den Ausgaben anderer Staaten für ihre Luftstreitkräfte beinahe unglaublich bescheiden. Junge JfKensdien, Oesterrdcfts Melden rufen fuefif In den Straßen der österreichischen Städte floß Blut in Strömen. Arbeiter standen auf den Barrikaden und kämpften in den Wiener Gemeindebauten. Sie wur♦ den niedergezwungen mit Kanonen und Gas; sie wurden niederkartätscht, gefangen, gequält, gehenkt. Oesterreich, das einmal das Land der höchsten Freiheit war, Wien, in dessen Mauern die Arbeiterschaft wahre Wundertaten sozialistischen Schaffens• und Kulturwillcns verrichtet hatte— sic sind Kerker und Friedhöfe geworden. In Trümmern liegt, was den Ruhm und die Größe des roten Wien ausgemacht hat: zerschossen sind die sonnigen, freudvollen Wohnungen, die die sozialdemokratische Gemeinde dem Wiener Volk gebaut hatte, zerstört die Kindergärten und Schulen, vernichtet die Organisationen der Arbeiterschaft und ihrer Jugend. Die christliche Regierung Dollfuß tötete oder setzte jene gefangen, denen die Freiheit, das Leben teert war. Die Kanonen der christlichen. Regierung schossen in Wien nicht nur auf die kämpfenden Männer des Schutzbundes, sondern auch auf Frauen und Kinder. Es geschah dies alles im Namen und im Zeichen des Kreuzes— und als die Schergen einer feigen, verfassungsbrüchigen Regierung die Freiheit des Volkes beseitigt und die Freiheitskämpfer erschossen, gehenkt und gefangen hatten, veranstalteten sie Dankgottesdienste. Die österreichischen Arbeiter kämpften nicht nur um ihre Freiheit, sondern, indem sic dem weiteren Vormarsch des blutgierigen, kriegslüsternen Fascismus Einhalt gebieten wollten, für die Freiheit und den Frieden ganz Europas. Sie sind auch für uns, für die Arbeiter der Tschechoslowakei und ihre Jugend in den Tod gegangen. Es ist nicht wahr, daß sic einen„Aufstand" gegen Gesetz und Ordnung organisiert, daß sie sich gegen„Zucht und Sittel vergangen hätten: sie haben lediglich die freiheitliche Verfassung des Landes gegen eine Regierung verteidigt, die diese Verfassung beschworen hatte und sie verriet. In den Reihen der Regierung Oesterreichs sind die Verbrecher zu suchen, nicht aber in den Reihen des Schutzbundes, der nur für Recht und Gerechtigkeit gekämpft hat. Die österreichischen Arbeiter sind unterlegen. Tagelang haben sie sich, nur schlecht bewaffnet, gegen eine gewaltige Uebcrmacht zu- Wehr gesetzt. Wunder wahren Heldenmutes wurden von ihnen vollbracht; sie trotzten den Kugeln und den Granaten der katholischen Regierung ebenso wie der Kälte und- dem Hunger, die sic bedrohten. Erst als die letzte Patrone verschossen war und die Trümmer ihrer Wohnungen über ihnen zusammenstürzten, ergaben sic sich. Ganze Bataillone des Schutzbundes wurden bis cum letzten Mann aufgerieben; die Tapferen zogen es vor, im Kampfe zu fallen, statt in Knechtschaft zu leben. Und, die Helden, die die Henker der katholischen Regierung unter den Galgen führten, starben mit einem Bekenntnis zur Sache der Arbeiter und der Freiheit, mit einem Bekenntnis zur Sozialdemokratie auf den Lippen. In der Geschichte der Revolutionen steht der Hcldenkampf der österreichischen Arbeiterschaft unerreicht da; und an der Spitze der revolutionären Freiheitskämpfer stand die österreichische Arbeiterjugend. Bis zum letzten Augenblick blieben sic hinter den Karabinern und Maschinengewehren;• trotzig und begeistert gingen sie in den Tod. Und die Frauen und Mädchen trugen Nahrung und Munition durch den Kugelregen. Ihr alle, Jungen und Mädchen, steht in ehrfürchtiger Bewunderung vor dem Heldentum der österreichischen Brüder und Schwestern. Der Heldentod der österreichischen Kämpfer und das Unglück, das über sie kam, erwecken euer Mitgefühl und eure Hilfsbereitschaft. Die Hilfe wird organisiert. Ihr aber, ihr Jungen, dürft euch nicht auf Aeußerungen des Mitgefühls beschränken. Die österreichischen Helden mahnen auch durch ihr Kämpfen und Sterben ihnen nachzucifem; die Gefallenen und Gehenkten mahnen euch, sie zu rächen! Ihr könnt es und ihr müßt es! Die sudetendeutsche sozialistische Jugend hat jetzt- das geistige Erbe der deutschen sozialistischen Jugendbewegung überhaupt zu wahren. Wir können in Freiheit wirken und übten Verrat an den österreichischen Brüdern und Schwestern, wollten wir diese Freiheit nicht zu stärkster Arbeit für die Ideale nützen, für die die österreichischen Arbeiter gekämpft haben und gefallen sind. Die toten Helden und die zerschossenen Wohnungen der Wiener Arbeiter vor Augen, der gewaltigen, erhebenden Leistungen des roten Wien gedenkend und die Rache vorbereitend— so sollt ihr, so müßt, ihr jetzt in den Reihen der sozialistischen Jugendbewegung wirken. Macht sic groß, macht sie gewaltig: so leistet ihr den vom Fascismus geknechteten Brüdern und Schwestern wirksamste Hilfe, so bereitet ihr den Tag vor, an dem die rote Fahne siegreich auf den Barrikaden und- über befreiten Ländern wehen wird. Die sozialistische Jugend ruft eueh, Abseitnstehende! Die österreichischen Helden rufen euch, Mitglieder und Funktionäre des Verbandest Wer will jetzt noch müde und Basic abseits stehn? Niemand? Vorwärts für Wien, vorwärts für die Freiheit! Das ist der Ruf, den ihr an alle weitergeben müßt! Das ist die Parole, die euch zu stärkster Annspannung der Kräfte bestimmen muß!. Her zu uns, arbeitende Jugend! Es lebe der Heldenkampf der österreichischen Arbeiter! Es lebe der Sozialismus! Der Verbandsvorstand des Sozialistischen Jugendverbandes Arbeiter, lest! Eine Schurkentat gegen Otto Glöckel In St. Joachlmsthal Vor wenigen Tagen meldete eine bürger- I liche Zeitung, daß Otto Glöckel, der Vorsitzende deS Wiener Stadtschulrates, auf der Flucht an der Grenze verhaftet worden sei. Au diese Meldung schlossen einige sascistischc und halbfascistische Blätter der Tschechoslowakei tief« sinnige Bemerkungen, die darin gipfelten, daß Glöckel habe.fahnenflüchtig" werden und die Arbeiter verlassen wollen. Kurz darnach stellte sich heraus, daß sich Glöckel seit 14. Feder in der Haft dev Wiener Landgerichtes befindet. Die Meldung über seine Flucht war eine freche s F ä l s ch u n g, dazu bestimmt, das Ansehen Glöckels herabzusetzen. Man hatte den verteum- - dcrischcn Angriff gerade deshalb gegen ihn geführt, weil er auch unter den s u d c t e n d e u t- s ch e n Arbeitern sehr bekannt ist. Im GraS« j liher Wahlbezirk, der ihn einige Male in den ! ReichSrat schickte, ist die Verehrung für den i selbstlosen Führer der österreichischen Arbeiter und den genialen Schulmann, der das Wiener I Schulwesen ob seiner Fortschrittlichkeit weltbe- j rühmt machte, besonders groß. Diese Tatsache hat die„St. Joachimsthaler s Zeitung" zum Anlaß genommen, über Glöckel in ’ einer Art zu schreiben, die jedem anständigen ! Menschen die Schamröte ins Gefickt treiben und ihn bestimmen muß. die für diese Niedertracht Verantlvortlichcn zu z sichtige n. In der Ausgabe vom 28. Feber schreibt die ,,St Joachimsthaler Zeitung", die sich im Untertitel als„Dcutsckvölkisches Heimatblatt" bezeichnet und sich also von vorherein das Recht sicherte, besonders gemein zu sein, eine„Glosse" über ! Glöckels„Flucht", der sie den bezeichnenden Ti- i tcl gibt:„Otto Glöckel als Devisenschieber verhaftet." Das Schandblatt teilt seinen Lesern mit. die Verwaltung der Wiener Arbcitcrbank habe für die flüchtigen GewcrkschaslSsekretäre— die bekanntlich biS auf den Genossen Schorsch alle in Hast sind— fünf Millionen Schilling Gctverk- schastLaelder ins Ausland gebracht. Was dieser Feststellung folgt, muß man aber im Original genießen: .„llnter diesen ländlichen Betrüger gehört felöstverstäadlicki auch der Generalfrkre» ! tür der österreichischen sozialdemokratischen Gewerk- schastrn t 1) Ott» Glöckel, der nicht nur Jahrzehnte von Arbriterkreuzern kette, sich ein ungrhenereö Vermögen verschasstc, richtiger wohl e r ur a u st e, und nun, wie das Wiener„Neuigkeitsblott" meldet, tri GroßGöpfriP an der österreichischen Grenze, als er m seinem eleganten Aut» aut Oesterreich ! flüchten wollte, verhaftet wurde. Dieser groß» zugige Verbrecher und habgierige Ar. beiterbetriigcr, der erbarmungslos den Ar- ' heitern die strenger ft ah l, hatte nicht weniger | als 100.000 Schillinge teils in tschechoslowakischer, ! teils in österreichischer Währung, bei sich, das andere Bermögenhatteerschonlange vorher ins Ausland in Sicherheit gebracht. Nun hat ihn der Ann der Gerechtigkeit erfaßt, u. zw. in dem Augenblick, wo er als Hauptanführer der österreichischen Austromarxistcn seine armen, verführten, für ihn blutenden und gemordeten„Genossen" verlassen und sich nach echter Sozi- art mit ihren sauer verdienteit Kreuzern drücken wollte. Wenn die österreichische Justiz gerecht ist, dann erhängt sie diesen Verbrecher, er verdient den Galgen eher, als jene armen, verführten Opfer, die im stampfe Mann gegen Mann gefaßt, und selbst schwerverwundet, aufgrdöngt wurden. Otto Glöckel hat sich mich als österreichischer Staatssekretär für Unterricht so schwer am österreichischen Schulwesen und somit an der österreichischen Jagend vergangen, daß er schon aus Grund dieses Verbrechens am österreichischen Volke die schwerste Strafe verdient. ES verlautet, daß Otto Glöckel in JoachimSlhal Anfcnthalt nehmen wollte. Von dieser Ehre sind wir, Gott fei dank, durch die Aufmerk, samkeit der österreichischen Grenzsoldaten verschont geblieben. TaS historische Zimmer in der in Aussicht genommenen Eniigrantrn-Visia bleibt— leer!" So arm, wie Glöckel seine politische Lauf- bahit begann, so arm Ivar er. als ihn die Bsiitel des Henkerslanzlera Dollfuß für seine Lebensarbeit im Dienste des Proletariats in den Kerker warfen. Ter mehr als Sechzigjährige hat es als seine Pflicht erachtet, bis zum letzten Augenblicke an feinem Posten zn bleiben; er hätte können am 12. Feber, da er in Vorarlberg war, bequem flüchten. Er zog eS vor, nach Wien und in sein Amt zurückzukchren. Sein Verbrechen ist, den Wiener Kindern Sonne und Freude in dir Schule gebracht und der Arbeiterschaft die Treue gehalten zu haben. Darum fordert die„St. Joachimsthaler Zeitung" den Galgen für ihn. Sie mag besonders ungeschickte Redakteure haben, die ihre Gefühle nicht hinter glatten Worten verbergen können: die Gesinnung, ans der diese Schurkerei wuchs, teilen sic mit ihren Kollegen aus der bürgerlichen Presse. Deren Haß gegen die Arbeiter äußert sich ztvar nicht in dem Rufe nach dem Galgen sür die Führer, aber in dem Lobe für Dollfuß. Das kommt auf das gleiche heraus. Die„St. Joachimsthaler Zeitung" aber und ihre Redakteure tragen daö Schurkenmai snseistischcr Gesinnung offen auf der Stirne. Sic zerren in den Kot, was allen Arbeitern heilig ist. Tie beschimpfen Wehrlose, weil sie dafür bezahlt werden und moralische Jämmerlinge find. Sie mögen zur stenntnis nehmen, daß sie in dem Konto einen Plast haben, das die Knltnrmrnschrn rineö Tages in Ordnung bringen werden. Karl Kern. Ernste Hemmunsen In Cer nationalsozialistischen Partei Hamburg, 3. März. ReichSiniuister Dr. Goebbels sprach Freitag abends in den Zoohallen in Hamburg über den Aufstieg des Nationalsozia-! liSmus und erklärte hiebei u. a. Man hat unS j manchmal vorgeworfen, daß wir zu hart gewesen seien. Diese Härte war notwendig. Ein Volk kann alles verzeihen, eines aber wird eS der Regierung nie verzeihen, daß sie die Macht besitzt, aber zu schwach ist, sie anzuwendcn. Wenn man glaubt, sagte Dr. Goebbels weiter, unsere Politik durch irgendeinen irgendwie aufgezogenen monarchistischen Rummel stören zu können, dann irrt man sich. Wenn man in Kreisen der Kirche glaubt, dem nationalsozialistischett Regime Schwierigkeiten bereiten zu können, dann irre man ebenfalls und die Kirchen ivisscu gar nicht, wie schlver sie sich damit selbst schaden. Diese Widerstände sind nicht ernst zu nehmen. Ernster sind schon die Hemmungen, die in der eigenen Partei entstehen könnten, nicht von den alten Parteigenossen, son- dern von den neu hineingeschneitcn, die uns nun beibringen wollen, was eigentlich Nationalsozialismus ist. Wenn eS nach denen ginge, würde unsere Idee herabgcwürdigt zu einem Surrogat! von Muckertum und Spießertum. Mit diesen Dingen wollen wir in der Bewegung aufräumen. Das zweite Kabinett Lerroux Madrid, 3. März.(Havas.) Ministerpräsident Lerroux hat seine neue Regierung gebildet, welche folgendermaßen zusammengesetzt ist: Außeres: Pita Romero, Inneres: Talazar Alonö, Krieg: Hidalgo, Marine: Rocha, Landwirtschaft: Cyrilo del Rio, Handel und Industrie: Samper, Verkehr: Cid, Arbeit: Estadella, Ocsientlichc Arbeiten: Guerra del Rio, Finanzen: Marracs, Justiz: Mvarez ValdeS, Unterricht: Salvador de Madariaga. Das neue Kabinett Lerroux setzt sich wieder fast vorwiegend aus Mstgliedern der radikalen Partei zusanuncu. Die Linksparteien haben in dein bisherigen Bol-Hafter in Paris und nunmehrigen UntcrrichtSmiuistcr Madariaga die Garantie, daß ihre Interessen nicht bedroht werden. Die Sozialisten bleiben weiterhin in Opposition und verlangen die Auflösung der Cortes. Garbe! enthaftet Wien, 8. März.(Eigenbericht.) Der gewesene Präsident der ungarischen Räterepublik Garbci, welcher in den Ausruhrtagcn in Wien, wo er eine kleine Elastwirtschaft betrieb, verhaftet wurde, ist heute freigelasscu worden. Bei seiner Entlassung wurde ihm mitgetcilt, daß er innerhalb von acht Tagen Oesterreich verlassen muß. Garbei, der organisierter Sozialdemokrat ist, war an der Abwchrvewegung der Sozialdemokratie in keiner Weise beteiligt und seine Verfolgung kann nur aus seine Vergangenheit zurückgcsiihrt wer- dcn. Er beabsichtigt, in den nächsten Tagen Wien zu verlassen. Heber tot als Sklav Linz, 3. März. Der Angeklagte der Bundesbahnen Josef Ternholz aus Linz, ein gewesener Führer des Schutzbundes, hat sich bei Slehregg vor einen fahrenden Zug geworfen. Er wurde überfahren und getötet. Nach einer bei dem Toten Vorgefundenen Vorladung, hätte er sich vor einer besonderen Tisziplinarkommission der Linzer Bun- deSbahndirektion wegen bclvaffncter Beteiligung an den letzten Ereignissen verantworten sollen. pariser Autodroschkenstrelk beendet Paris, 3. März. Der seit 30 Tagen dauernde Kraftdroschkenstreik von Paris ist Samstag um 8 Uhr abends beendet worden. Die Straßen von Paris haben wieder ihr altes Bild gewonnen. In langen Reihen stehen die Kraftdroschken an den Standplätzen. Seilt 1 Ur.» Ammin-, 4. Miirz 1934 li r die der 1 von bi 3 in« dem be- Dcr Ganz Norditalien -ab der Verger. ^ClViU'tC Steigen der Arbeitslosigkeit In Deutschland gilt selbst gleichgcschaltete Schrift zu. Der Prager Börsen-Courier zitiert eine der„Frankfurter Zeitung" herausgegebene Broschüre„Umschwung", worin sich eine Kritik der Arbeitslosenstatistik des Dritten Reiches findet, die umso beachtenswerter ist, als die„Frankfurter Zeitung" so wie alle anderen Zeitungen Deutschlands, gleichgeschaltet ist. In der genannten Schrift beißt es: Die offiziellen Zahlen von 3.7 Millionen Arbeitslosen Ende November 1033 gegen 5.8 Millionen Ende 1082 geben kein vollständiges Bild, weil sie die unsichtbaren Erwerbslosen nicht berücksichtigen, d. h. diejenigen, die statistisch nicht erfaßt werden können, da sie. keinerlei Unterstützungsanspruch haben und sich im Gefühle der Aussichtslosigkeit schon gar nicht mehr als Stellungsuchende bei den Arbeitsämtern melden. Man hat ihre Zahl zeitweise annähernd aufzwei Millionen geschäht. Wenn man also zur richtigen Ziffer der Arbeitslosen in Deutschland gelangen will, muh man zu der Hitlerischen Statistik nach der Meinung eines gleichgeschalteten Blattes noch zwei Millionen dazuzählen. Da nun die offizielle deutsche Statistik Ende 1033 die Ziffer mit 3.7 Millionen angibt, gab es in Deutschland in Wirklichkeit zu dieser Zeit 5.7 Millionen Arbeitslose gegen 5.3 Millionen Ende 1032. Das Ergebnis deL nationalsozialistischen Kampfes gegen die Krise ist also, dastdieZahlderArbeitslosen seit Hitlers Regierungsantritt u m 4 0 0.0 00 ge st regen i st. Eine Anregung an falscher Adresse Brandkatastrophe in einer Stadt ohne Feuerwehr Mexiko-Stadt, 3. März. In der Stadt F r e S m i l l o brach am Donnerstag ein Brand aus, der ungeheueren Umfang annahm und erst im Laufe des gestrigen Tagcö gelöscht lverden konnte, sichrere Häuserblocks wurden vollständig vernichtet. Bei den Ausräumnngsarbciten fand man die verkohlte Leiche einer Greisin. Man befürchtet jedoch, daß noch w e i t e r e Opfer unter den Trümmern liegen. Der Gc- samtschadcn Ivird auf über eine Million PesoS geschäht. Der Brand konnte so außergewöhnlich große Aue-maste annchmen, lveil in der Stadt leine Feuerwehr besteht und die Löscharbeiten überdies durch Wassermangel sehr erschwert wurden. Vernichtung der Wiener Schulreform Brief eines Schulmannes Stenerlicher Kasfnelnbruch in der„Freiheit" In der Nacht von Freitag auf SamStag besuchten neuerdings einige Kassenknacker die Ver- waltungSkanzlcien unseres Tepliher Blattes, obzwar erst am 18. Dezember v. I. die große Wertheimer Kasse dort aufgerissen und entleert worden war. Die Einbrecher dürften in der Zeit zwischen ein und zlvci Uhr früh die Korridortür aufgebro- chen und sich in der VcrivallungSkanzlci an die Arbeit gemacht haben. Da nach dein letzten Einbruch die eiserne Kasse auf der vorderen Seite eine neue stärkere Panzerplatte im Türrahmen erhielt, risien die Besucher eine Seiienwand des Kassenschrankes auf. wobei natürlich der Füllsand auf den Fustbodcn geworfen und in allen Kanzleien hernmgctragcn wurde, ja sogar noch vor dem Hause seine Spure» hinterließ. Der Inhalt der Kasse wurde entleert, der vorhandene Geldbetrag mitgenommen und ein Schreibtisch in der Redaktion aufgebrochen, auch hier fielen den Einbrechern.kleinere Geldbeträge und ein Photoapparat in die Hände. Eö ist eigentümlich, daß am Schauplatz ihrer Tat Ivieder ein seidenes Taschentuch, wie daö letztemal, gefunden tvurde. Auch die ganze Arbeit läßt darauf schließen, daß cs die gleichen Kassenknacker waren, tvelche reit» im Dezember dort ihr Untvcsen trieben. Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Wanden rissen und durch Plakatbilder des Ar- beiterscindes Dollfuß ersetzten. Den Beginn des Unterrichts bildete ein G o t t e s d i e n st in den Kirchen und Tempeln aller Konfcssioiten, zu dem die Kinder von ihren Lehrern geführt tverden mußten. Bei diesem Gottesdienst mußten, auf Anordnung des Bundeökonnnisiärö für Wien, Schüler und Lehrer die Bundeshhmne singen. Diese Anordnung soll die Vernachlässigung der BundeShhMtic beheben, deren sich die republika- nisckien Lehrer der alten Kaiscrhnmne gegenüber sckmldig gcmackit hatten. Der nächste Alt der „Schulreform", die gegenwärtig durchgcführt wird, ist die Anbringung protziger Bilder „Retter" Wiens, Dollfuß und Feh. Die Schulbücher Oesterreichs wurden Unterrichtsgebrauch bisher zngelassen nach Urteil einer ans Lehrervertretern bestehenden Schulbücherkommission. Die Kopunission wurde abgcschafft. und der llntcrrichtsminister wird allein über die Zulassung von Büchern entscheiden. Der Minister ist ein junger Advokat aus Tirol, S ch u s ch n i g g, der das Konkordat zwischen Rom und Oesterreich unterzeichnete, der au» seiner Abneigung gegen die öffentliche Schule kein Hehl macht, und der sich nicht scheut, als oberster Sachwalter der öffentlichen Schulen, sein Kind in die katholische Privatschukc zu schicken. Tic österreichische Lehrerschaft erwartet den Einbruch der finsteren Reaktion im Geiste des noch immer nicht veröffentlichten Konkordates, die völlige Vernichtung der Lehrfreiheit, geistliche Schulaufsicht, entsprechende wirtschaftliche Zurücksetzung der Lehrerschaft, vielleicht sogar den Zusammenbruch des öffentlichen Schulwesens oder die llebergabe der Schulen an geistliche Orden. Diese Mahregcl ist zu ertvartcn,.lveil die Staatsverwaltung, um im Bürgerlricg zu bestehen, alle verfügbaren Mittel für militärische Zwecke verwendet hat und vor leeren Kassen steht. Die moralisch-gesellschaftliche(Kiene.„Das Verhältnis zwischen Kirche und Staat ist nicht ein religiöser Akt, sondern spielt sich auf der moralisch.gesellschaftlichen Ebene ab. Die Kirche verpflichtet im Geiste Christi ihre Gläubigcit, die weltliche Autorität zu achten, wenn diese Autorin tät nicht Handlungen verlangt, die den Geboten Gottes widersprechen."— Diese Sätze stehn in einem Leitartikel, den die„Deutsche Presse" Blutiger Aufstand in China Peking, 3. März. Nach hier vorliegenden Meldungen ist es in der Stadt Jaschgar zu außerordentlich heftigen und blutigen Strahenlämpfei: zwischen Aufständischen und Regierungstruppcn gekommen. Die Stadt bietet ein Bild der Zerstörung. 130 Personen sollen bei den Kämpfen getötet worden sein; etwa die gleiche Anzahl erlitten mehr oder minder schwere Verletzungen. Nach einer weiteren Meldung ist auch das britische Konsulat von den Aufständischen angegriffen worden. Vier englische Staatsangehörige, die sich im Konsulatsgebäude aufhielten, tvurden ziemlich erheblich verletzt, ein Angestellter des -»Konsulats, ein Chinese, wurde getötet. ngt in ihrer Titel„Herr einen von: neu Artikel, wird, einen zu erstatten. Die de wollen wißen, beißt mit dem von ihnen gc- gdcrs. ob 'Irbcitsan- über die Zer- den cksten Aufgaben unserer Reaktion zu ge- 12. Feber, dem Tage, an i Linz den Ausstand provo» waren alle Schulen gc- Führern des österreichischen Trauer- Teil kennt noch zu, aber surckl- cinigcs berichten jener Schulwesens, die zu Tagcsncmghtifön Eismarsch von 400 Robbenjägern und 400 Fischern Moskau, 3. März.(Tast.) Nach einer Meldung aus Astrachan ist es der wissenschaft- lichen Jagdforschungsexpedition, die vor zehn Tagen auf einer Eisscholle in das offene Meer abgetrieben wurde, gelungen, unter den größten Schwierigkeiten durch einen Fußmarsch über daü Eis die Insel Dolgoje zu erreichen. Nach den letzten Meldungen schlossen sich dieser Gruppe von 4 0 0 R o b b e n j ä g e r n, die in der Richtung zur Stadt Gurjew(ait der Mündung des Ural in das Kaspische Meer) marschieren, ungefähr 4 0 0 F i s ch e r an, nachdem sic einen sicheren Weg auf der zusammenhängenden Eisfläche gefunden hatten. Allgemein tvird angenommen, daß sich alle in Sicherheit etwa 150 Kilometer von Guriciv befinden. Sturm über Rordttutfen Rom, 3. März. Anlona ist von großen Stürmen und windigem Wetter heimgesucht. In der Umgebung des Lago Maggiore liegt der Schnee einen Meter hoch. In Manina wurden durch den Wind die Dächer einer ganzen Reihe von Häusern abgetragen. In Verona verwüstete der Sturm den Marktplatz. In Brescia wurde durch den tvütenden Sturm ein Kamin zum Einsturz gebracht und unter seinen Trümmern eine Anzahl von M e n s ch c n begraben. Ein Student tvurde hiebei getötet und einige Personen verletzt. In Anlona Ivütcte der Sturm mit solcher Gewalt, daß den Fischerbooten die Landung im Hafen unmöglich tvurde. In Cescnatico sind zwei Fischerboote im Sturm untergegangrn. Die Reichenberger Freitag Abendausgabe Arlnitsminister greisen Pressedienst der DAA mit tvelchem Gen. D über die Verwendung gönaucn detaillierten Zeichner der Arbci cs in dem Artikel, zeichneten den stand leibe Sic ein Eze.b an der Arbeitsanlcihc Bericht■ anleide wo oas Geldc geschehen ist und lies cinerzeirigcn Versprechen gemäß. Gebiete bei der Aufteilung der' besonders berücksichtigt worden sind. Wir verstehen den Wunsch nach Bekannt- eines Verzeichnisses über die Verwendung lrbcilsanleihc. aber wir vermögen nickt zu reifen, wieso die DAWG oder die Rcickcn- ^-'i'ung, mir dieser Forderung solange Hai. bis der Wechsel im Arveiismini- ltcriunr vollzogen wurde. lveil zweifellos der frühere Minister für i iienilicke Arbeiten über die Verwendung der ArbcitSanleihe besser informiert war als Gen. Dr. Ezeck. der erst einige Tage im Amt ist und bis jetzt kaum die laufende, denn die vergangene Tätigkeit seines neuen Ministeriums übersehen konnte. Aber abgesehen davon. Härte sick die DAWG und die Rcickenverger Zeitung icdr lcickt die Gewißheit bei den Herren Backicr und Dr. PctcrS verschaffen können, daß sic mir ihrer Anfrage an die falsche Adresse gekommen sind, weil nicht das Arbeitsministerium, sondern der Ministerrat über die Verwendung der Arbeitsanlcihc entschieden hat und weil an dem Ertrage der Anleihe neben dem Arbeitsmi- nistcrium eine Reibe anderer Rcsiorts in der gleichen Weile interessiert gewesen sind. To weiß man an den oben genannten Stellen gewiß sehr gut. daß beispielsweise die Zuweisung an die Selbstverwaltung nichts mit dem Arbeitsmini« srcrium zu tun harte, also das gewünschte Verzeichnis unmöglich vom ArbcitSministcrium fcr- tiggcstellt werden kann. TieS könnte nur durch die Regierung oder wenn schon durch ein Mini- jrerium. nur durch das für die Finanzen gemacht lverden. ES ist also trotz des auch von der Reichenberger Zeitung gerühmten Fleißes deS Gen. Dr. Ezeck und seiner Neigung, gegen alle Schichten des Volkes gerecht zu sein, ein Ding der Un« möglichlcii. daß er der Forderung der DAWG Rechnung trägt. Er kann das ebensowenig, wie es der Minister für Landwirtschaft oder der Post tun könnte. Von ibm kann man nur verlangen, daß er das ihm übertragene Ressort mit dem ihm zu eignem Fleiß und der Liebe für die Ivirtschaftlich Schwachen verwalten möge. Er tvird, davon sind wir überzeugt, zu geeigneter Ze8 der Verantwortung für seine Tätigkeit nicht auSweicken. Arbeit die Lehrkörper Wiens mit den; pädagogische Gesinnungsgemeinschaften' l. gab cS zu Schulbeginn in zahlreichen Szenen der Entrüstung bei Kindern,\ über diesen HinauSwurf sier Menschen. Nickt nur die sozialdcmo» Mehrheit der Elicrn erhob Protest, uhänger wagten Bittgänge und die Wiedereinsetzung der vcr- Jn vielen Schulen erklär te Kinder in naiver Wiedergabe der Volks-! Lehrer müssen gehen Der erste Teil de spiclS ist zn Ende. Den zweiten mnd, darin geht es lautloser genug. Ich will störung deS 2 dring! hören scheint. Vom dem die Heimtvehr in zierte, bis zum 17. sperrt. Am 18. wurden hundert Führern der Wiener Lehrerschaft die TicnstenthcbnngSdckrete bis Mitternacht in die Wohnungen zugestcllt. Sie sollten Montag, dem Tag der Wiederaufnahme des Unterrichtes, schon auSgcschaltet sein. Die Amtsenthebung dieser 100 Wiener Schulleiter, d. h. fast eines Drittels, tvurde durch die Presse und durch den Rundfunk am 18. mitgcteilt. Dabei wurden die Gemaßregelten als Personen bezeichnet, die„nickt die Getvähr bieten, die Wiener Schulen im Sinne der Gesetze zu leiten." Da durch die Elternvereine und durch die pädagogische Eltern darstelle Schulen Eltern und Lehrern verd kratische auch RcgicrnugS Bittschriften für triebcnen Schulleiter. ten dij auffassnng:„Die guten und die schlechten bleiben da." Auch iir anderer Hinsicht tvurden die Schulen„gesäubert". Tic erste SäubcrungSaktion bestand darin, daß Patrouillen der Heimwehr, daL ist militarisiertes Lumpenproletariat, in die Schulhäuser cindrangen und dort die Bilder deS Bürgermeisters Seitz und des Organisators des Wiener Schulwesens, Otto Glöckels, von den ! Kinder-Tragödien 11 jähriges Kind erhängt sich.— Ein Vater tötet sein Rengcborenes, rin anderer sein 0 Monate altrö Kind. In P r i v o z hat sich eine schreckliche Tragödie ereignet. Dort erhängte sich ein Kind von elf Jahren auö— Lebensüberdruß. Das kleine Mädchen, dessen Eltern in unglücklicher! Ehe gelebt und sich zuletzt getrennt hatten, Ivar bei seiner Großmutter untergebracht Ivörden. Der Vater fand jedoch, das; daö Kind dort nicht richtig erzogen werde. Er nahm cS in seinen neuen Haushalt, den er inztvischen mit einer anderen Frau gegründet hatte, aus. DaS Kind fühlte sich jedoch dort sehr unglücklich, da cs sich mit der zweiten Mutter nicht verstehen konnte. Gestern nun beging cS die entsetzliche Tat. Es erhängte sich. Man fand einen Zettel, auf den die jugendliche Selbstmördern geschrieben hatte:„Ich tue cS aus Lebensüberdruß". Der 23jährigc Schlosser S. Schwarz machte vor ztvei Tagen auf der Polizei in P o- l u b n k ni die Meldung, daß sein drei Tage altes Kind plötzlich gestorben sei. Eine ärztliche Untersuchung ergab aber, daß das Neugeborene mit Enkalhptus-Ocl vergiftet tvordcn war. Schtvarz versuchte zuerst, Ausflüchte zu machen, jetzt hat er die Tat jedoch bereits eingestanden. Er ist wegen Mordes verhaftet tvordcn. In einem Dorf bei Pardubitz hat der 21jährige Maurer Wilhelm Wirth sein 6 Monate altes Kind mit bloßen Händen erdrosselt. Danach verübte er einen Selbstmordversuch, indem er sich die Pulsadern aufzuschneiden suchte. Man brachte den Mann schwer verletzt ins Krankenhaus. Das Motiv: wirtschaftlichcNotl gegen die„Abfallhetzc" der sozialdemokratischen Zeitungen gebracht hat. Sic sollen den Vorwurf entkräften, daß die Kirche das Blutbad unter den österreichischen Arbeitern gutgeheißen hat. Aber sie verschlimmern nur die Situation, in der sich die betenden Henker befinden. Denn die Gebote der Kirche verpflichten auch, einen beschworenen Eid nicht 31t brechen. Dollfuß und Miklaü haben es getan, der Kardinal Jn- niher hat sic dazu angecifcrt. Sofern cs den Ge- boten GotteS entspricht, Schwcrverwundetc zu henken, haben Miklas und Dollfuß eine edle Tat begangen. Dafiir haben die Herren, die die Gläubigen im Geiste Christi zur Achtung der weltlichen Autorität bcwcgcil wollen, nie gezö- gcrt, diese Autorität zu schmähen, tvenn ihre Träger Sozialdemokraten waren. Die moralisch, gesellschaftliche Ebene auf der sich alles abspiclt, ist beträchtlich schief: die Grundsätze des Christentunis rutschen auf ihr tlnaufhaltsam ins Bodenlose. Justizminister Dr. Ivan Derer empfängt — vorbehaltlich anderer Bekanntmachung— an jedem M i t t Iv 0 ch, jedoch lediglich im voraus gemeldete- Besuche. „MasarykStrasse" in Aussig. Der Aussigec Stadtrat faßte den Beschluß, die größte S t raße'dec Stadt Aussig, die DrcSdnerstraße, in„Masaryl-Straße" nmzuvenennen. Zum Fall Kadlec. Wie wir bereits meldeten, beging am Freitag im Prager Polizeipräsidium der 3öjährige Tischler aus Libcn, Franz Kadlec, Selbstmord, indem er sich im Treppenhaus über das Geländer schwang und ans der Höhe des zweiten Stockes in den Sticgenschackt stürzte. Auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft ist jetzt die Leiche des Kadkce, der noch am gleichen Nachmittag an den Folgen der schtvercn Ver- lctznngen starb, von der Polizei znr Sektion frcigcgcbcn tvordcn. Im Zusammenhang mit der ganzen Affäre— Kadlec war, wie gemeldet. Kommunist und stand im Verdacht der Militärspionage zu Gunsten Rußlands— sind gestern verschiedene Haussuchungen in Prag-Liben vorgenommen tvordcn. Kind an Tollwut gestorben. Im Kindcr- Krankcnhaus B y t ä i c in der Slowakei starb der 0jährige Knabe Franz O l b e r t an dem Biß eines tollwütigen Hundes. Das Kind tvnrdc zn spät ins Krankenhaus cingelicfcrt, man tonnte es nickt mehr retten. Im ganzen haben sich nachträglich 5 3 Leute gemeldet, die mit dem Knaben in Berührung gekommen sind. Sic alle versuchten, ihn zn retten, als er von dem ! tolltvütigcn Hund auf offener Straße angcfallcn wurde. Man hat die 53 Leute in das Pasten r- I n st i t u t nach K 0 sice überwiesen,- wo sic geimpft werden. SprackiheilkurS. In den Tr. Hugo Hcllcr-Er- ziehungSheimen in Hohcnclbe der Deutschen Landeskommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Böhmen findet in der Zeit vom>' bis 28. Juli 1034 der zehnte Heilkurs für sprachgcbrcchliche(stotternde) schulpflichtige Knaben und Mädchen statt, der vom Heilpädagogen Direktor V. Hampel, Fach- nmnn der Heilbehandlung sprachgebrechlicher Kinder, nach modernen Grundsätzen dnrchgeführt wird. Tie Gesamtkostcn für die Heilbehandlung sowie für Unterkunft und gute Verpflegung betrage» 500 KC. Mittellose Eltern können üu Wege der zuständigen Deutschen Bezirksjugendsürsorge eine Ermäßigung erhalten. Anmeldungen sind baldigst bei der Direktion der Dr. Hugo Heller-Erziehungsheime in Hohcnclbe einzubringcn. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» aus den Programmen: Montag: Prag, Sender L. 10.05: Deutsche. Nach- richten, 11.05: Konzert des Salonorchester?, 17.15: Ukrainische Lieder, 17.50: Musik aus Wallensteins Zeit, 18.25: Deutsche S e n d u n g: Dr. Aster: Psychologie der Geschlechter, 10: Deutsche Nachrichten, 22.15: Deutsche Nachrichten. Sender S: 14.80: Schallplatte», 15.15: Deutsche Sendung: Frauenfunk, 15.45: Deutsche Nachrichten, 10.20: Tschcch. Arbeitersendung.— Brünn 15.45: Frauenfunk, 17.15: Neue Biicker für die Jugend, 18.15: Arbeitersendung: Kramär: Die Märzrevolution und die Arbeiterschaft, 18.25: Deutsche Sendung: Dr. Bretholz: Europäische Staaten in Vergangenheit und Gegenwart, 20.80: Philharmoni- schcS Konzert. Mähr. Ostrau 10: Nackmittagökonzert. — Prrßburg 12.85: Mittagökouzert.— Berlin 20.10: DrahmskoiMrt, 21.15: Beethoven: Prometheus.— Breslau 20.80: Heitere Musik.— Ham-' bürg 20.10: SyniphonischcS Konzert.— Wien 18.10: Orchesterkonzrrt, 17.20: Solistenkonzert.— DirnStag: Prag, Sender L.: 0.15 Gymnastik, 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.15 DeutscherSckul» rund funk. 18.25 Arbeitsmarkt. 16.00 Nachmit- tagSkonzert. 16.55 Jugendfunk. 17.85 Deutscher Konversationskurs. 17.50 GesangSkonzert. 18.25 Deutsche Sendung: Festprogramm anläßlich deS Geburtstages des Präsidenten der Republik. 10.00 Deutsche Nachrichten. 21.00 Bulgarische Musik.— Sender S.: 14.80 Schallplatte». 14.45 Bioloncellokonzert. 15.10 Deutsche Sendung: Vor- lesuiyr aus„Haben Sie keine Angst". 15.45 Deutsche Nachrichten. 10.20 Arbeitersendung: Josef Bö- lina: Arbeiteraktualitäten.— Brünn: 0.15 Lieder. 18.15 Arbeitersendung: Dr. Rujsiika: Die Führer In der Demokratie. 18.25 DeutscheSendung: Dr. Müller: BUcherschau. 20.05 Flötensolo.— Berlin:-18.00 Populäre Musik. 17.80 Kompositionen von Reger, Schubert, Brahms.— BreSlau: 17.55 Unterhaltungskonzert.— Wien: 22.15 Ph^- harmonisches Orchester. ».» Smintag, 4. März 1f)3< Seite 5 I I Mit zwei Wagen ruckten bie Beamten PRAGER ZEITUNG Ltrasandrahnngen, ticrldilssaal I Boykottiert preiSsteipmde Händler! Die sehr begrüßenswerte Aktion der Regierung gegen die Versuche konjunkturtüchtiger Händler, die Senkung der Krone zu unbilligen Preissteigerungen auszunützen, kann nur dann Erfolg haben, wenn die Verbraucher die Bestrebungen der Regierung auch im Kleinen wirksam unterstützen. ES ist in mehreren Fällen vorgekommen, daß Händler versuchten, ihre Preise hinaufzusehen, aber dann vor der Boykottbewegung des unwilligen Publikums zurückschreckten und die alten Preise beibehielten. ES wird keine wilden Teuerungsspekulationen geben, wenn der.Muser nicht resignierend den höheren Preis zahlt, und sei die Steigerung auch noch so minimal, sondern sich schon aus prinzipiellen Gründen entschließt, sogleich zur billigeren Konkurrenz zu gehen. Auf diese Weise wird eS der Fertigstellung einer Kühlanlage im Keller ge arbeitet, llm 4 llhr morgens waren sie mit ihrer Tätigkeit zu Ende. Blazek wollte zu guter Lebt nock» die Jnuentür des Eisschranks anstreichen. Als er diese Tür jedoch ösfnete, schlug ihm dichter Rauch entgegen. Der Versuch, daS Feuer zu löschen, mißlang. Da der Lade»» abgesperrt war, flüchteten die beiden Arbeiter in ihrer Berztueislung aus die Toilette und schrien dort laute. Hilferuse zum Fenster hinaus. Die HauSnieisterin, die das Rufen hörte, alarmierte jetzt die Polizei und diese wiedcnun die Feuerwehr. an, und es gelang ihnen, sowohl BlaZek und Eav zu besreicn, al- auch da- Feuer zu löschen. Immerhin ist der Schaden, der durch da- Feuer angerichtet wurde, sehr groß. Die. gesamte Einrichtung und alle. Waren verbrannten. Der Flcischermeistor schabi den Verlust, der nicht dnrch Versicherung gedeckt ist, aus Gl.OOO Xö. ES ist bisher nicht gelungen, die Ursache des Brandes feftzustellen. Diebstähle. In der Nacht zum SantStag drangen Diebe in daS Geschäft der Jiuveliers Ritt er in Prag I I eilt und erbeuteteit dort Bold- und Sil- berlvaren von beträchtlichen» Wert.— Eine„Böela"- Filiale wurde, am S m i ch o v, Zborovskä, auSge raubt. In beiden Fälle»» ist der Schade»» beträchtlich Ii» beiden Fälle»» gelang e? bisher nicht, die Täter zu ermitteln. Professor -B r u h l, H. G. Wells, Lion Feucht« Schrift« Magen- und Tarmstörungen, Anfälle von Leibweh, Stockungci» in» Psortadersustcn», Aufgeregt- heit, Nervosität, Schlvindelgesübl, allgemeines lkn luohlbcsinden werden dnrch täglich ein Glas natürliches„Franz-Joses"-Billerluasser gelindert. 210(1 möglich sein, diejenigen Händler, die asozial genug sind, von der Wirtschaftskrise profitiere»» zn wollen, zn isolieren Preissteigerung unmöglich zn machen, greisen des Konsumenten im Alltag ist bestimmt ivcit wirksamer als volizeiliä' wenn die breiten Massen der Verbraucher nur tvirllia» wollen l Zwei Tätnerinnen verunglückt. Die Polizci- Korrcipondeuz teilt niii: Samstag, den!i. März, um 20 llhr gerieten die 20 Fahre alte Tänzerin»Audrun Pech ans Kopenhagen und die l Ojährige Tänzerin Tatjana Weller aus Berlin, die heule nachmittag» au- Brüssel einlrasci» und in der-Boccaccio-Bar engagiert wurden, in der Revotukiii trida vor einen Motortvagcn der elektrischen Bahn. Die Weller wurde van dein Motorwagen ersaßt und kam zu Fall, die Pech wurde ans das Pilaster gerissen. Man brachte beide auf die Klinik de- Professors Dr..Schlosser. Die Pech erlitt eine schlverc Gehirnerschütterung, einen Bruch der Schädelbasis und?lbschürfungen am ganzen Körper. Ihre Verletzung ist scht»>cr, we-balb iic iin Krankenhaus belassen lvurde. Die Weller hat am rechten Bellt eine Ouctschilltg erlitten und lvurde nach ärztlicher Behaitdluug in häusliche Pflege ent- lassen. Gajda nud Hitlerniaun verbrüdern sich. In einem Lokal der Innenstadt fielen dieser Tage einige „aufgelöste." deutsche Nationalsozialisten, die sichtlich alkoholisiert luaren, uuaugcncluu auf. Sie machten aus ihrer Shmpaihle. für die reichsdcutsckte braune Barbarei keil» Hehl, wenn sie auch nicht tap- >er genug lvaren, sich hundertprozentig zn den Henkerniethoden des HitleriSmuS zu bekennen. Mit besonderem Ingrimm schimpften sie als des Widerstandes schwächster Teil auf die Emigranten, waS-— höchst bezeichnenderweise— die große Begeisterung eine- tschechischen Nationalisten erweckte, der sich- so etwa gibt eS auch in Prag, wenn mich erfreulicherweise nur in seltenen Exemplaren— als Gajda- Mann vorstellte und„patriotisch" genug war, dem Hitleristen seine, wärmste Shmpathie. auszusprechen und sich für die brmine.„Kultur" jenseits der Grenzen zu begeistern. DaS Publikum geriet über daentartete„Drüde.rpaar" derart in Untvillen, daß den beiden eine Tracht Prügel in Aussicht stand, einem jlebclstand, dem sie mit der Tapferkeit besseren Teil auSwichen. Sie verschwanden schnell und geräuschlos. Immerhin war diese charakteristische Szene sehr bezeichnend für die üble Jnteniatiouali- tät der Bestialischen, die sich über all ihren Phrasendampf hinweg und über alle Landesgrenzen die blutigen Hände reichen. Razzia auf Kinder, die betteln. Sie sind— so erschreckend eS klingt— ein alltägliches Bild in der Großstadt Prag: Kinder, die betteln. Mit traurigen Äugen, abgehärmten, oft sehr uujimgcu Gesichtern. Oder sie werden von Frauen auf dem Ann getragen, ganz kleine Geschöpfe, noch in» Säuglingsalter. Mitleid soll dieser Anblick erwecken, lind erweckt er auch oft. Die Polizei hat jetzt eine Razzia auf Kinder und Frauen mit Kindern iin Arn», die bettelnd dnrch die Straßen ziehen, veranstaltet. Dabei hat sich herausge.stellt, daß es oft nicht die eigenen Kinder sind, die für da- traurige Gewerbe benutzt tverden. Biele Kinder sind einfach ausgeborgt worden, zur Staffierimg für den Appell an das Mitleid. Man hat diese Kinder.ihren Peinigern fartgenom- men und in Asylen untergebracht. Gegen die Eltern aber, die so etlvaS zugelassen haben, wird man Strafverfahren einleiten. Ein KiSschrank brennt! Gestern früh wurden Polizei und Feuerwehr alarmiert. Auf der L e t n a, in der Ovcneckä, Ivar auf sonderbare Weise«in Brand auSgebrochen. In der Selcherei des Fleischermeisters S m r e. k hatten die Zinimerleute. Wenzel Blazek und Emanuel E a p die ganze Nacht an Kampf gcpan«Ile Grippe! Togal-Tabletten sind ein hervorragende« hindert Togal den Ausbruch der Grippe. Erstaun- Mittel gegen Grippe und Erkältungskrankheiten, liebe Erfolgei Mehr als 6000 ärztliche Gut- Togal scheidet die Harnsäure aus, ist in hohem achten! Ein Versuch überzeugt! In allen Apothe- Maßc baktcrientötcnd und geht daher zur Wurzel““ des Nebels. Im Anfangsstadium genommen, ver« Iweißen Löwen", Prag II., Pktkoph 14. Menschen Im$otel In den» Prager Hotel„C e n t r a l" spielt« sich gestern morgens eine ansregende Szene ab. Gegen 6 llhr früh trat ein Mann zu einem Schutzmann auf der,Straße und sagte in großer Erregung, daß in» Eafe des Hotels Hazard— ein verbotenes Glücksspiel— gespielt werde. Man habe ihm zu Unrecht große Summen abgenommen, und er halte eS für nottvendig, daß die Polizei einschreite. Der Beamt« rief jetzt noch zwei Kollegen herbei, gemeinsam gingen sie zum Hotel und verlangte»» Einlaß. Als der Portier die Bolizeiwachtmeifier bemerkte, knipste er das Licht zweimal an und aus-- was von den Schutzleuten für ein verabredetes Signa! mit den Spielern gehalten wird— dann erst kam er und fragte, was man Wolle. Die Beamten forderten Einlaß, der Hüter des Hotel», Vladimir ,'!a- hrada, meinte jedoch, hier hätten sie nichts zn suchen. Ala die Wachmänner jetzt gewaltsam eindringen wollten, wurden sie von Zahrada zurückgestoßen. Auf jeden Fall verstand der Portier, di« Szene so lange hinauszuziehen, bis«S den Spielern gelungen war, durch einen Nebeneingang zu entweichen. Die Beamten fanden nur noch da» leere Nest vor. Man hat jedoch jetzt Zahrada feftgenommen und nach Pankratz gebracht. Sein Verhalten wird ihm ein Gerichtsverfahren wegen öffentlicher Gewalttätigkeit und Beamtenbeleidigung eintragen. Innerhalb drö B o l l 8 t ü in l i d» e n Kurse» über kulturelle Fragen spricht Donnerstag, den 8. März, um halb acht llhr abends im Partriheim (Prag II., Rärodnk tr. 4, 2. Stock.) lOenoffe Dr. Emil Franzel über Unser« Stellung zur Religion Diese Bortragö- und DiSkussionSabende sind auch Richt Mitgliedern zugänglich, Regirbritrag für den Einzrlabcnd 3 KO. Felssturz aus der Giseubahustretke Die Staat-babndirektion in Prag teilt mit, daß der Abhang oberhalb der Streck« CerOany-- Vranö int Kilometer 80,7 zwischen der-Haltestelle Libric« und der Station Davie abrutschte, wobei durch die Felstrüinmer und die Steinblöcke ein etwa 80 Meter langerAbschnitt verbarrikadiert tvnrde. Die Felstrümmer erreichen eine Höbe von 15 Metern. Mil der Aegräumnng des Materiale» wurde sofort nach dem FelSrntsch begonnen Die AufräumungSarbeilen wurden in einer Rekordzeit, nämlich in sechs Tagen, beendet. lieber die Entslehnng des FeISrntsck>e« gibt die Ttaatsbandireliion in Prag bekannt. daß e» sich»nn ctzicn Fall des sogenannten S ch u t t a b g l e i I e. n S bandelt. Der Abbangschntt entstand durch den-',«»-- fall von Felsen unterhalb de» AbbanggipielS in einer Höhe von etwa 86 Meter oberhalb des Schienenstrange). wo fick» ein sogenanntes AbscheidnngSgeviet bildete. Durch Einwirkung wechselnder Fröste, und de» feuchten Welters in der letzten Woche lockerte sich der sogenannt« durchnäßte Belag(Schutt und Tonschotter, bewachsen mit blättrigen Bäumen». ES trat ein Rutsch eiu, wobei die stark verfaulten Ausläufer der Schieferschichteu den Druck de» Schutt» nicht auShiekten, einvrachen und in Gesteinc-blöcken im Ausmaße bis zu 8 Kubikmetern abrutfchteu. Diele Blöcke behinderten äußerst die. AufraumungSarbeiten. denn sie mußten dnrch Dynamonsprengnngen zerrissen werden. len. Generaldepot: Brauner'S Apotheke„Zum 2328 und damit eine systematische Das Ein- EinrS der größten WeltverkehrSflugzeuge, dak mit vier Motoren auSgestattct ist, hat soeben feine Probcflüge beendet und wird in den Ber- kehrsdicnst der Reichsfluglinie von S i n g a- Pore nach P o r t D a r w i n eingcrciht werden. ES ist ein Doppeldecker, der mehr als l 7 0 M e i- le n in der Stunde erreicht hat und von der Gesellschaft Dehavilland hergestcllt wurde. Die Dto- wren. jeder von 200 HP., sind zu je zwei zu beiden Seiten dcS Rumpfes des Flugzeuges eingebaut. In dem Körper des Flugzeuges besindcn sich Kabinen für zehn Reisende. Die Kabine des Telegraphisten am vorderen Teil des Rumpfes ist mit einer Empfangs- und Sendeeinrichtung auSgestattet. Ein großer technischer Vorzug des neuen FlngzeugtypS ist die Möglichkeit des raschen Aufstiegs auf kürzester Strecke. Faulhaber zum Legaten des Papstes ernannt. Die Lage des Münchener Kardinals Faulhaber,! auf dessen Wohnung vor kurzem bekanntlich ein Attentat verübt wurde, ist vom Vatikan als so kritisch betrachtet worden, daß Faulhaber zum Legaten des Papstes ernannt worden ist. Er besitzt nnnmchr die llnverletzlichkeii ausländischer Diplomaten und das Recht der Exterritorialität. Mord nach vier Jahren aufgeklärt. Durch die Bemühungen der Gendarmerie lvurde jetzt ein Todesfall aufgeklärt, der sich vor vier' Jahren in Bensen ereignete. Damals wurde im Polzcn-Fluß die Leiche eines Mannes gefunden, der nach ärztlicher Feststellung bereits mehrere Tage in» Wasser gelegen sein mußte. ES handelte sich um den 37jährigen Maurer Krombholz auö Nieder-Ebers, darf. Die Gendarmerie verhaftete einen gewissen Emil Fischer, Maurer aus Rosendorf, der aber mangel» an Beweise»» freigelasscn werden»mißte. Fischer wurde nun dieser Tage in» Zusammenhang mit einer DiebstahlSangclcgenhcit neuerdings verhaftet. Bei dem Verhör stellte sich heraus, daß Fischer vor dem Unfall mit Krombholz auf dem Heimwege in Streit geraten, in dessen Verlaus Fischer den betrunkenen Kromholz in den Fluß warf und ihn trotz verzweifelter Hilferufe ertrinken ließ.— Fischer wurde verhaftet. Sabotage gegen amerikanische Armeeslng zeuge. Nach einer Reutermeldung aus Washington hat Präsident Roosevelt eine neue Untersuchung über die Beschuldigung angcordnet, daß gegen die Armeeflugzeuge, die neuerdings den amerikanischen Luftpostdienst durchsührten. Sabotage getrieben worden sei. Es iverde behauptet, daß u. a. die Benzintanks von Armeeflugzeugen a n g e b o h r t, die Kontroll- Instrumente g estö r t und Wasser in daö Benzin gegofse»» wordei» sei. Expeditione« in die kaukasischen Berge. Eine Anzahl touristischer Vereinigungen und. Alpcnklub» Europa» beabsichtigt,«ine Expedition in die kaukasischen Berge zu veranstalten. Da» offizielle Sowjet- Reiseburea»»„Intourist" errichtet aus diesem Grunde einige weitere Hotel» und Schutzhülten in den höheren Lage»» der kaukasischen Berg«. Außerdem wird auf dem Elbrus in einer Höhe von 3200 Metern eine Unterkunftshütte für Touristen geschaffen, die ungefähr 70 Personen mifzunehmei» vermag. Diese touristischen AuSgangSstelle»» iverde»» zum größten Teile in einer Höhe von 4200 bis 8830 Meter errichtet. In» Hochzeitskleid erhängt. Freitag nachmittags hat sich ii» G o e d i n g eine schreckliche Tragödie ereignet. Man fand dort in» Schlafzimmer ihrer Wohnung die junge, erst 21jährige Frau Kviteslova Boha Lek und ihr 1s/z jährige» Kind erhängt auf. Frau BohaLek, die früher mit ihrem Mann in sehr guten wirtschaftlichen Verhältnisse»» lebte, hatte die entsetzliche Tat aus Gram über den Verlust ihres Vermögens und die gleichzeitig daraus entstandenen Ehekonslikte begangen. Bevor sie den Mord an ihrem Kinde und den Selbstmord verübte, zog sie sich ihr Brautkleid an. Weißer Marmor in Karpathorußland. In den karpathorussischei» Dörfern N e r e S n i c, Novoselü und Trebuöan ist vor einigen Tagen eine aufsehenerregende Entdeckung gemacht worden. Man hat dort in den Steinbrüchen reinen weißen Marmor gefunden, der eS an Schönheit der Farbe, m» Festigkeit de» Materials mit dem edelsten italienischen Marmor, dem caraischen, aufnehmcn kann. Die Steinbrüche, die bis jetzt auf sehr primitive und veraltete Methoden auSgcbeutet wurden, werden jetzt in ihrer Produktionsweise einer gründlichen Reorganisierung unterzogen werden. Die Macht der Gewohnheit. Am gestrigen San»Stagnachmittag verlas der Sprecher des Leipziger Rundfunks»mter den Nachrichten auch eine über die e»»glische Luftrüstung. Da hörte man ihn plötzlich sagen:„... d e r F ii h- r e r..." Aber, da stockte er fchon, hielt verlegen inne und wiederholte dann richtig:„... der für den englischen Haushalt..." DaS kommt davon. wenn man immer wieder vom Führer reden muß. Explosion auf einem Dampfer. Freitag vormittags kurz nach 7 Uhr ereignete sich auf dem an der Bonner Handelswerft liegenden Schleppdampfer„Rhenania" eine folgenschwere Kesselexplosion. Dabei wurden der Maschinist Schmitz und der Heizer Holthei schwer verbrüht. Im Krankenhaus, wo die beide»» Verunglückten überführt wurden, ist der Heizer seinen Verletzungen erlegen. Gründung einer„Deutschen Freiheitsbibliothek** in Paris reit»(»«nannten Initiatoren zahlreiche europäische j Schriftsteller u»»d Wissenschaftle: angeschlossen, unter ihnci» Professor Hadamard, Professor Wallon, Ed« Mond Fleg. Monsieur Gallimard. Franz M a s e- reel, Maiir« Camvinchi, Bertrand Russell, Professor Halda»»«, Mr. Wickham Steed, Professor Laskv, Lad»» Orford. Heinrich M a»I n, Josef Roth, Emst Toller, Georg Bernhard, Theodor IP l i v i e r, Anna S e g h e r», Rudolf Olden nsw. Da» Initiaiiv-Komiiee Hai durch eine umfangreiche Werdekampagne bi» z»m» 10. Mai die Mittel a»»sz»>- I bri»»gen, die zur Errichtnng und Ansrcchterbaltnng I der Denischen Freiheiw-Biblioihck notwendig sind. Am Jahrestage der Autodaföii» Denischland, an» 10. Mai. wird die Bibliothek ein» geweiht werde». E» war eiu symbolischer Akt der Barbarei, der zeig«»» sollte, daß unter den» Regime de» NaiionalsozialiSm»»« die Werke der Aufklärung, der Soziologie, de» me»»schlichei» Fortschritte» über- Haupt keinen Rann» mehr haben. E» ist«in symbolischer Akt, daß da» Jnitiativ-Komitee gerade, diese»» Tag gewählt hat, um z>» demonstrieren, daß all dies« I Werke der Kultur nicht verloren si»»d, daß gerade ibr« . äußere Vernichtung»ud Unterdrückung sie zum innersten und unverlierbaren Besitz aller Kämpfer für Freiheit und Fortschritt und eine neue bester« Ord- ' nun»» gemacht bat. Unbezahlte Ueberstunden Dir Notwendigkeit rechtzeitiger Beweissicherung. Prag, 8. März. Zn den ständigen Typen dec Arbcitsgcrichtsvrozcjse gehören die Stritte, die nm nachträgliche Bezahlung gclcisteter Ueberstunden geführt werden. In ncuuiidneunzig Prozent der Fälle, sind die Kläger entlassen. Dienstnehmer, die es früher eniwedcr nicht gewagt habe», gegen die Willkür de» Herrn Arbeitgeber» mifzumuckscn und nm de» kärglichen Brotes Wille»» unentgeltlich eine Arbeitsleistung vollbrachten, die weit über da» gesetzlich statuierte Arbcitspcnsiim hinansgeht, oder solche ahnungslose Seelen, die von ihrem gesetzlich gewährleistetem Recht auf den Achtstundentag überhaupt keine Kenntnis hatte»» und erst nachträglich im Wege gewerkschaftlicher Beratung erfuhren, daß sie um einen guten Teil des gebührenden Arbeitslohnes geprellt wurden. Jedenfalls zeigen solche Fälle— und ihre Zahl ist erschreckend groß— in wie ausgedehntem Umfang das Gesetz über de>» Achtstundentag von verschiedenen Dienstgebern umgangen wird. Die kleine Modistin, die heute vor dem Arbeitsgericht eiste nachträgliche U c b« r st»i n d c i: e n t- lohnung von 6600 K6 begehrte, ist eine der iypischcstcn Leidtragenden dieser Art. Sie war, auch nach dem Eingeständnis der beklagten Dienstgeberin, die s ä h i g st c K r a f t de» in Frage stehenden Modistensalons. Die von ihr angefertiglcn | Hüte fanden reißenden Absatz und die Frau.Chefin einen schönen Verdienst. Als Gegenleistung für ihre ' Arbeit, auf der die Prosperität de» Geschäftes ge- > gründet war, bezog das Mädel ganze 100 KC ^Wochcnlohn und bekam außerdem da» Mittagessen. Diese Verpflegung dnrch die Fran Chefin haitc den„Vorteil", daß die sogenannte Mit- I iagSpause in» Geschäftslokal verbracht werden mußte Anilinfarben znr„Verschönerung" von Wurstwaren Ltrosnnzeigen gegen Prager Sclchcrsirmrn. Prag,• 0. Mörz.-Wie wir erfahre»», find in tctz,- Ictzteu Togen der Staatsanwaltschaft durch die Ge- werbepolizel verschiedene Slrasaiizcigcn ivcgen lieber- lrctiing de» Lcbeiismittclgesetzes übcrmiltelt worden, die für den Konsumeiitcn von Inleresje sind. Durch Stichproben tvnrde fcstgestcNi, daß eine Reihe von Selchcrsirmcn»Kren Erzengnisicn durch Zusätze von roter Anilinfarbe ein besonders at'vc- titaureizeudes Aussehen gebe»» wollte. Eü handelt sich dabei, wie verlautet, keineswegs nur nm die billigsten Wurjt- und Salaniijoricu. Der aus„Reklame falami" zu 8 KC per Kilo angewiesen ist, bestehl meist die Ware iiikht lang, weil er sich ohnedies über die Onaliiät de» Gekauften keine Illusionen»nach!. Tic Auiliusclchcr wühlten also zn vieler Lebenslust | ielversölichiitig, die durch eine Miiiisterialverordtinng aiiS dem Jahre ll>06 als g c f n n d l> e i t S- jschädlich aufs strengste verboten ist, nieist die mittleren Sorten, wie„Praaer Salami" u. dgl. E» ist natürlich auch im Interesse der reellen Erzeuger von MiirsNvaren, daß die Namen der getvistcnlosci» LebeiiSiniltelversälscher der Oeffenilichkeii bekannt werden. Mai» darf also ans die zu erwartenden Gerichtsverhandlungen gcspaniil sein. rb. In Paris hat sich vor einiger Zeit unter der Führung von Romain Rolland, Levy-"» 7. 7," 7 2. wanger und anderen Wiffenschaftlern, siellern, Künstlern und Intellektuellen ein Jnitiativ- I Komitee zur Scliafsung einer„Deutschen FreiheitS- Bibliothek" gebildet. Diese Bibliotbek soll alle in»„Tritten Reich" verbrannten, verbotenen, zei»s>»ricrtei», totgeschwiegene»» Werke und daneben zahlreiche Bibliotheken deutscher Emigranten enthalten, die ans einen erste»» Ap« vell hii» bi» heute schoi»>n e h r a l S 20.000 Bände I zur Verfügung gestellt baben. Endlich werden in dieser Bibliothek alle, jene Werke zur allgemeine»» Bc- nntzung bereitgeftellt sein, die zun» Studium de» internationalen FasciSmii», insbesondere de» Hitler- FasciSmua micntbehrlich sind: Ihre praktische Ergän- zm»g wird die Bibliothek im Internationalen Anti- fascistischen Archiv finden, da» bis beute schoi»»nebr al» 200.000 Zeitnngrausschnitte. in zirka 700 Abteilungen und tausende von Flngschriften, Broschüren, Pamphleten gesammelt bat, die nisgesamt eine komplette. und handliche Materialsammlung über alle : Ereignisse de» Jahres 1083 in Deutschland darstellen. Dem Jniiiativ-Koinitee haben sich außer den be- Sonntag, 4. März 1934 Ur. W Deutsche sozialdemokratische Bezirksorganisation Prag D i e it ö t n n, den 0. März 1034, halb acht Nhr abendö, GewerkschaftShanS grosirr Saal Partei-Versammlung Referent: Genosse Dr. Emil Franzel: „Wehrhafter Sozialismus" (DieLrhrenvonWie n.) Zutritt nur Parteimitglieder und S. I. n n r mit Mitgliedsausweis. und die Angestellte sofort wieder in die Arbeit gehetzt wurde, sobald die Mahlzeit verzehrt war. Außerdem muhte sic oft bis in die späten Abend» stunden arbeiten. Die Urlaubsfrage hatte die Frau Chefin in trefflicher Art gelöst: Wenn die Urlaubszeit heranlam, wurde die Angestellte einfach entlassen und nach vierzehn Tagen wieder neu aufgenommeu. So ging dak(tabrc hindurch, bis endlich auch dieser langmütigen Arbeiterin die Geduld ausging und sie ihre Uebcrstundcnarbeit be- zahlt haben ivoNic, wie es da» Gesetz vorschrcibt. Daraus erhielt sie stvlcich die Kündigung. Die Klägerin gewann ihren Prozess mir zu einem geringen Teil. Kaum 150 KL wurden ihr AU- gesprochen. Sie Hai leider - versäumt, üb e r ih r e u nb c z ab l i e M< 'bearbeit Auf- Zeichnungen zu führen und sich Zeugen 1 Für diese Mehrarbeit zu sichern. So t raten als Zeugen nur die Frau Chefin und deren Her e Gemabl auf, die natur- lich nicht eben im-inne der Klägerin auSiagtcn. To konnte da» Gericht keine beweiskräftige Unterlage zu einem statt,vbcnden Urteil gewinnen und wie» die Klage zu einem überwiegenden Teil ab- rb. Kunst und Wissen! Opernsängerin Ehrendoktor in USA^ die tvcliberi'ihmtc Altistin, ist in Philadelphia nach cincin von Tausenden umjubelten Konzert zn»i Ehrendoktor der dortigen Universität ernannt tvordcn. „Tic Schöpfung", Josef H a p d n S unvergänglich schönes und wirksames sowie bedeutendstes Oratorium, gelangte vorgestern im groben Radiosaal durch den Prager Deutschen BolkSge- sangverei tlund das Orchester der Prager Deutschen M u s i k a k a d e m i e zur Aufführung. Di« Wiedergabe deS Werkes unter der sorgfältig gestaltenden und schwungvollen Stabführung Dr. Karl NowakS Ivar sogar ganz ausgezeichnet, da auch der Aufführungsapparat allen Anforderungen entsprach. Bor allem der Chor des Volksgesangver- eincs tvartcte mit einer chorgesangstechnisch ausgeglichenen, rhythmisch und dynamisch wohldisziplinier- ten Leistung aus. Auch das O rch ester der Musikakademie löste seine umfangreiche und mitunter heikle Aufgabe aufs beste und zeigte in allen Instrumentengruppen die ersorderliche Klangschönheit und technische Sauberkeit, llutec den mitwirkcnden Solisten fiel der schöne und gut gepflegte Tenor.Herrn Adolf Michalins auf, eines Sänger?, der bei zunehmender musikalischer Sicherheit berufen erscheint, ein Konzert- und Oratoriensänger grasten Formates zu werden. Die Bastpartien smig Prof. Dr. Hermann E b m. der erprobte Prager deutsche Oratoriensänger, der nur in den besten Lagen der Stimme etwas gehemmt schien. Als dritte Solistin hörte man die Sopranistin Marianne Maye r, eine technisch gewandte und korrekte Sängerin, der nur mehr Temperament im Vortrag zu wünschen wäre. Der glänzende Besuch des Konzertes lässt hoffen, dast es auch sein VeranstaltungSziel erreichte, der materiell bedrängten Prager Deutsche» Musikakademie neue finanzielle Mittel zu verschaffen. E. I. Mochenspielplan deS Neue» deutschen Theaters. Sonntag nachm. halb 8 Uhr: DerBarbiervon Sevilla; 7’4: Ensemblegastspiel des Theaters in der Joscföstadt: Wenn ich wollte, El.— Montag l/i" Goldenes Prag, Volkstümliche Vorstellung, AA.— Dienstag 7%: Der junge Baron Neuhaus, Al.— Mittwoch 7y?. Die verkaufte Braut, Festvorstcllung anläst- lich des GeburtSfesteS des Herrn Präsidenten der Republik, B 2.— Donnerstag 7j4: Das Konzert, Festvorstcllung anlästlich des vierzigjährigen Bühnenjubiläums Leopold Kramers, ncuinszeniert, C 2.— Freitag 7%: Die göttliche Jette, Dl.— Samstag 7 sh: Der junge Baron N c u h a u S.— Sonntag 2 Ja: Arbeitervorstellung, Gastspiel Leopold Kramer: Das Konzert. 7%: Boris Gudonow, D 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag nachmittags 8 Uhr: T o v a r i s ch. Gastspiel Leopold Kramer. 8: Papa.— Montag 8: Tovarisch, Volkstümliche Vorstellung.— Dienstag 714: Gastspiel Leopold Kramer: Papa.— Mittwoch 8: Weister Flieder, Volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Das Konzert, Gastspiel Leopold Kramer.— Samstag 8: Das Konzert, Gastspiel Leopold Kramer.— Sonntag 8: Di e Trafik Ihrer Erzellenz, 7'.4: Die g r o st e Chance, Erstaufführung. Sigrid Onegin, Lus der Partei S. I. Prag. Der für Dienstag, den 8. März, augesetzte Gruppenabend findet nicht statt. Wir be- suchen an.genanntem Tage ave die Parteiversannn- lung im Gewerkschaftshaus. Die Zusammenkunft aller drei S. J.-Gruppen ist am Mittwoch, den 7. Veutsche Gesandtschaft kommandiert das Deutsche Theater Wie lange noch? In der letzten Nummer der Prager Zeitschrift ..Wabrdeit" veröffentlicht Justus Steinfeld einen Artikel, aus dem wir folgendes zitieren: „Es muh einwandfrei festgestellt werden, dast die Dramaturgie der Deutschen Theater in Prag nicht nur von der berufenen Theaterleitung und ihren Dramaturgen besorgt wird, sondern dah sich eine Nebendramaturgie gebildet hat, und zwar bei der Deutschen Gesandtschaft in Prag. Die Deuts cheGesandtschaft nimmt in steigendem Maste Einflust auf den Spielplan der Prager deutschen Bühnen. Sie scheut nicht davor zurück, durch Drohung undDruck dem Prager Theater Richtlinien G o e b b el s cher Art aufzwingen zu wollen. Was zu beweisen ist. Vorerst mit drei Fällen: 1. Einem reichsdeutschen Künstler am Neuen Deutschen Theater tvird die Spielleitung eines Stückes übertragen, das von einen! Autor stammt, der sich bei den deutschen Bücherverbrennern keiner Beliebtheit erfreut. Die Deutsche Gesandtschaft hat unter Berufung auf die Ehre deS Künstler? als ehemaligen deutschen Offizier, und unter Androhung, dast man ihm im Reich das Offizierspatent entziehen würde, ihn veranlastt, das Amt des Regisseurs zurückzugeben. 2. Ein reichsdenischer Schattspieler, der in der Restroy-Reprise ein Chanson mit einigen neuen Versen zu singen hatte, weigerte sich, auf der Probe, einen dieser nenen Verse zu bringen, mit der Erklänmg, dast eS ihm in Deutschland schaden könne. Der Regisseur bestand auf dem Vers. Er wurde gebracht. Die Deutsche Gesandtschaft stellte dem Schauspieler ein Attest aus, dast er zu dem Vers gezwungen Ivorden sei. 3. Die Direktion hat die Aufführung von Bruckners Drmna„Rassen" für diese Saison angenommen. Die Deutsche Gesandtschaft hat allen reichsdeutschen Künstlern die Mitwirkung verboten. Nach etlichen Proben ist die Einstudierung bis aus weiteres eingestellt worden. Ob das Drama unter diesen llmständen überhaupt aufgeführt werden wird, ob mit eigens dazu geholten Gästen, ob als einmalige und geschlossene Vorstellung oder gar nicht, das sind Fragen, die sich durch die Einmischung einer fremden Gesandtschaft in die Direktionsführung ergeben.. Es besteht leider kein Grund, diese Angaben eines ernsten Kritikers zu bezlveifeln, zumal er sie als„e i n w a n d f r e i" hinstellt. Wir begrüben die weitere Feststellung, dast„die Prager deutsche»Bühnen nicht dazu da sind, um offene getarnte oder geheimeZel- l e n direkter oder indirekter Nazipropagand a zu sein oder zu tverdcn" und Ivir unterstreichen den Imperativ:„Beeinfluss u n g deSSpielplanS aus braun en Häusern verbieten wir unSl" Uns aber scheint das Ungeheuerlichste an dem Ungeheuerlichen nicht das zu sein, dast die braunen Häuser solch unverschämte» Einflust hier bei unö ausüben, sondern wenn die Führung der Prager Deutschen Theater diesem Einflust unterliegt! Von diesen und anderen Dingen spricht bereits die ganze Stadt. Wie lange noch wird sie Ursache habend Wir warnen im Interesse des Prager deutschen Theaters. Es ist wahrhaftig fünf Minuten vor zwölf! Teplltzer Arbeitsgemeinschaft gibt Prag ein Beispiel 1 „T o w a r i s ch" t r o tz h o h e n S t r a f- grldSabgrsetzt. Aus Teplitz wird unS berichtet, dast die Arbeitsgemeinschaft, in deren Händen seit Monaten daS Tepfitzrr Stadttheater liegt, sowohl Mussolinis„l tt 0 T a g e" als auch den „T o w a r i s ch" nicht in de» Spielpla» ans nimmt, obzwar für dir Absetzung dieser beiden Stücke ein Strafgeld von 4 00 0 K£ durch die Arbeitsgemeinschaft bezahlt werden must! Man bedenke: die notleidenden Teplltzer I Künstler entschlossen sich zu solchem Schritt, wäh rcnd daö Prager Deutsche Theater trotz aller Proteste den„Towarisch" noch bis zunr heutigen Tage spielt. Freilich: die deutsche Gesandtschaft . in Prag wird gegen dieses Stück nicht? einzu- I wenden haben... Und zu alldem kommt noch, dast die T e p- glitzer Arbeitsgemeinschaft Bruck- : nerv„R assen" vorbereitet, während sie in Prag abgesrtzt wurden, au? Gründen, die hier schon sehr sorgfältig auSeinandcrgesetzt und kriti» I fiert wurden nnd hinter denen ebenfalls nicht zn- i letzt eben die Deutsche Gesandtschaft in Prag steht. Und so erhellt sich anS dem allen, dast daö Prager Deutsche Theater, daö alS repräsentative deutsche Bühne dcö Staate? die hohe Pflicht hätte, al? Dienerin der Demokratie vorbildlich für alle deutschen Theater in der Provinz zu sein, dem Gegenteile dient nnd dast man also nach Teplitz, wo kein Diktator, sondern eine freie Arbeitsgemeinschaft von Künstlern arbeitet, gehen must, wenn man eine Borstellung 1 freier Bühne genießen will! März, nm 8 Uhr abends, im Parteiheim.(Närodni tk. 4.) Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht! Zur Parieiversannnlung haben nur jene Genosien Zutritt, die die S. J.-Legitimation vorweisen. Vcrclnsnadirkhtcn Singgemrinde. Die nächste Probe findet mn Dienstag, den ü. März, um 8 Uhr abends statt. Di« Abwesenheit sämtlicher SangeZgenossen bei dec am selben Abend tagenden Bersamnilung der BezirkSor- ganisation ist entschuldigt.— Bor der Probe(um halb 8 Uhr) AuSschustsitzung. Allgemeiner Angestellten-Berband, Prag. M i t- gliederversammlung am Mittwoch, den 7. März, 8 Uhr abends im Restaurant des Gelverk- schastshauseS Perstyn.— Vortrag über: DaS deutsche Arbeitsrecht.— Vortragender: Wagner-Reichenberg.— AmtSstunden jeden Mittwoch von 8 bis 8 Uhr abends in der Närodni 4.— Pfingst- fahrt nach Hirschberg. Anmeldung schon heute.— Ferien hei m-A ktion: Informationen in den Amtsstunden. Kinderfreunde, Prag. Donnerstag, den 8. Mäsz, abends 8 Uhr, in: Hotel„Monopol" Elternber- sannnlung. Eingeführte Gäste willkommen. Mitteilungen aus dem Publikum. Am 10. März findet schon der allseits beliebte XIV. Maskenball der Union der Geschäftsreisenden und Vertreter in Prag im grasten Lucernasaale statt. Reklamationen, Logereservierungen im Sekretariate, Prag II., Jungmannova 20. Telefon 242—16. 100 Sport• Spiel• Körperpflege Die Schwimmwettkämpfe der Prager DTI Heute im Hallenbad der Bezirkskrankenkasse, Klimentskä. Um 4 Uhr nachmittags beginnen die SchwüniMveitkämpfe der Prager DTJ.-Schwimmer, die die erste Vorschau zu den wasierfportlichcn Ereignissen der III. Tschechoslowakischen Arbciter- olympiade sein iverden. lieber 50 Wettkämpfer haben gemeldet, unter denen sich auch Atuü» Schwimmer aus Aussig und dem 1. Bezirk befinden. Es werden daher die einzelnen Kämpfe schönen Sport bringen. DaS Bro»ramm: 1. 28 Meter Brust für Schüler; 2. 100 Meter Brust für Männer; 8. 28 Meier Brust für Schülerinnen; 4. 80 Meter Frei stil für Zöglinge; 8. 25 Meter Freistil für Schuler; 6. 4 mal 28 Mieter Tauchen; 7. 100 Dieter Brust für Frauen; 8. 28 Meter Freistil für Schülerinnen; 9. 50 Meter Rücken für Männer; 10. 4 mal 80 Meter für weibliche und männliche Zöglinge; 11. 50 Meter Rückenschwimmen für Frauen; 12. 100 Meter Freistil für Männer; 18. Springen.— Pause— 14. 50 Meter Brust für weibliche Zöglinge; 15. 50 Meter Freistil für Frauen; 16. 8 mal 50 Meter Lagenstaffel für Männer; 17. 50 Meier für Zöglinge; 18. 50 Meter Freistil für weibliche Zöglinge; 19. 3 mal 50 Meter Lagenstafette für Frauen; 20. 4 mal 50 Meter Freistil für Männer; 21. Wasserballspiele. Es tvird die Erwartung ausgesprochen, dast ein zahlreicher Besuch unserer Genossinnen und Genossen diese Veranstaltung der Arbeiiersportler lohnt. Die Eintrittspreise sind sehr niedrig gehalten und betragen 2 und 3 Ke. Itliileilungen der„Urania“ Wochenprogramm vom 4. März bis einschließlich 10. Mär» 1984. Sonntag halb 11 Uhr:„Mit der Kamera über der Erde und unter dem Waffer. Großer Expedi- tionSfilm. Sonntag 11 Uhr: Wallenstein-Gedenkfeier. Unter Mitwirkung der Deutschen Akademie für Musik uud darstellende Kunst. Montag 8 Uhr:„Probleme der Gegenwartsphilosophie" Univ.-Prof. Dr. E. v. A st e r. Dienstag 8 Uhr: Urania Radiobund. Mittwoch 8 Uhr:„Fugendkino". Mittwoch halb 8 Uhr:„Die verkaufte Braut" Festvorstellung im Deutschen Theater anlästlich deS Geburtstages des Präsidenten der Republik. Mittwoch 8 Uhr:„Fanstnö redivivuS". Vorlesung anS H. StahnS Werk. Mitttvoch 8 Uhr:„Vom Aufstieg des Abendlandes". Werner Zimmermann. Donnerstag 8 Uhr:„Gedächtnisausbildung" Für Bankbeamte. Dr. B. Für st. Freitag 8 Uhr:„Expressionismus": Rodin und Barlach. Dr. Max D e r i. Freitag 8 Uhr:„Interessantes aus einer graphologischen Beratungsstunde". H. Seichter. Samstag 8 Uhr: Führung durch das D!u- seum des archäologischen Institutes der Deutschen Universität. Erna M. H o r d t. SamStag 8 Uhr:„Znm Kap der guten Hoffnung". Kulturfilm. SamStag 8 Uhr:„Studio 1934" Sprechorchester. Masaryk-Bolkshochschule Sonntag 10 Uhr:„HandelSknrS". F. Schenk. »er Film Marijka, die Ehebrecherin Hier hat sich der leider seltene Fall ereignet, dast jemand aus einem Misterfolg gelernt hat: der Regisseur Vladislav B a n C u r o, dessen Film„Auf der Sonnenseite" ein Unfall war, während dieses neue Werk ein Fortschritt ist— und mehr als daS: eine Tat für den Aufstieg des tschechischen FilmS. An die Stelle eines Amoren-KollektivS, das aus einem sozialen Thema eine falsch-naturalistische Familientragödie machte, ist hier die Idee eines Dichters getreten. I v a n Olb rächt, der Verfasser des„Nikolai-Suhaj", hat diesem Film den Weg gewiesen: den Weg in das karpathorussische Land, dessen grostariige Natur, dessen primitive Bewohner die einfachsten nnd besten Voranssehnngen für ein Lein- tvandtverk geben, das nicht theatralisch, sondern schlicht-berichtend, daS nicht romanhaft, sondenc wirklichkeitSgcstattend, das nicht prächtig und berauschend, sondern feststellend und lebensecht wirken Ivill. AnS der Realität des DargesteUten kommt in diesem Filn: die natürlichste Belvegung: aus dem Gemisch der Völker und Sprachen dieses russisch- slowakisch-jiddischen Erdenwinkels, aus dem Arbeitü- takt der Holzfäller und der Bauern, aus dem einfachen RhythnniS unverbildeter Menschen und unbe- zähinter Natur. Und nirgends lassen sich die Gegensätze zwischen Ausbeutern und Betrogenen, nirgends lassen sich die Leidenschaften der Menschen und ihr Mistbrauch durch falsche Führer klarer zeigen, als in dieser Umwelt, die den doppelten Reiz hat, uns fremd und nah zugleich zu sein. Mit guteur Grund hat man diesem Film,eine sehr einfache Handlung zugrunde gelegt: von einem Holzfäller, der den Liebhaber feiner Frau umbringt, und der nur durch diesen einen Zwischenfall aus der Reihe seiner Schicksalsgenossen herauStritt, die für fremden Profit schwerste und gefährlichste Arbeit leisten, die zum Pogrom gehetzt werden, wenn sie murren, und zum Schnaps oder zur Kirche geführt werden, wenn sie unzufrieden sind. AuS einem solchen Thema hätten die Russen einen Meisterfilm gemacht. VanLuraS Film ist eS nicht geworden, aber er wandelt immerhin in ihren Spuren. Noch fehlt ihm vollendete Klarheit und Sicherheit, noch ist er nicht sparsam genug mit Steigerungen und Akzenten und gerät in Gefahr, den Aufbau durch allzuviele und allzu bedeutungslose Episoden zu zerstören. Auch die Technik dieser Tonausnahmen mit ihrem sehr unnatürlichen Halken-Echo ist mangelhaft. Aber die Sinnfäftigkeit des Ganzen, dse Einfachheit und die gute Tendenz des Geschehens und vor allem der Mut, ohne Schauspieler und falsche Romantik auSzukonnnen, haben eine Arbest entstehen lassen, die trotz ihrer llnvollkomnienheit für die Weiterenttvicklung des Tschechenfilms beispielgebend wirken kann.—eis— Literatur Die neue WähningSnovelle mit den parlamentarischen Diatcrialien nnd Bemcrklingcn von Professor Dr. Oskar Engländer ist soeben in Heft 3 des „Prager Archiv für Gesetzgebung und Rechtsprechung" erschienen. DaS gleiche Heft enthält zwei Abhandlungen über„Ehrenschutz und kaufmännische Auskunst" von Dir. Dr. Ernst Junk rind Oberge- ' richtSrat Dr. Robert Steiner, ferner die Reg.-Bdg- betreffend Abänderungen der DurchfiihrungSvcrord- nung zum Gesetze über die direkten Steuern und die Reg.-Vdg. betreffend Bilanzerleichterungen, Erlässe des Finanzministeriums, neue Devisenvorschriften und WettbeiverbSnormen des Gcldverkchrs. Zahlreiche wichtige Entscheidungen der obersten Gerichte sind in dem Heft aufgenomnien. Preis des Heftes 18 KL. Einzel- solvie AbonnenientSbestellungcn durch den Buchhandel oder direkt vom Verlag des„Pragec Archiv für Gesetzgebung und Rechtsprechung", Prag II., Panskä 12. i mit besonderer Triebkraft und höchster Halt- 1 ! barkelt, garantiert reines Malzmehl und feinsten’ I rekt. als auch denat. Spiritus liefert l Itejtlner Zucker-, Spiritus- und Preßhefe-Fabrik[ I vormals Brüder A.& H. May A.-V. i i Olmütz-Hojein. 1865 i Verlangen Sie In jeder Verkaufsstelle des Kojisumverelnes SELCHWAREN der Firma HEGNER A Cie., PILSEN Selchwaren der Fa.HE