Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Porto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii., fochova a. telefon 53077. Administration telefon 53075. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 14. Jahrgang Dienstag, 6. März 1934 Nr. 54 Verfassungsdiktat am 15. März Umbildung der Regierurs Dollfuß/ Anwachsen der illegalen Arbeit I Negierung Dollfuß wird die neue Verfassung Vaterländischen Front Proklamieren. Daß es Einwirken der Hrimtvehr znrückznführen, dir den Nationalrat noch einmal rinzuberusen, W i e n, 6. März.(Eigenbericht.) Die am 15. März anläßlich einer Kundgebung der die Regierung plötzlich so eilig hat, ist ans dno auch verhinderte, daß der ursprüngliche Plan, verwirklicht wurde. In einer Rede, die der Bundeskanzler Nationen aufzuzwingen, denn der Nationalsozialismus bekenne sich zum absoluten Respekt der Rechte anderer. Man darf nach dieser Aeußerung Goebbels Wohl glauben, daß die Konzentrationslager, die der sinnfälligste Ausdruck für das Abschaffen des Rechtes anderer sind, nur ein bedauerlicher Irrtum waren und das; die Gemarterten durch den friedfertigen Sinn der nationalsozialistischen Vcrständigungscngcl noch reichlich entschädigt tverden dürften.. Ob sich Wohl die Leser des„Matin" Wundern werden, dass ihr Berliner NcuigkcitSschnüff- ler bei den Worten des Märchenerzählers Goebbels ernst geblieben ist? am Sonntag in Billach gehalten hat, warb er wieder um die Gunst der Arbeiter. Er behauptete, daß der Gencralstreikparole mehr als 90 Prozent der in Privatbetrieben stehenden Arbeiter nicht gefolgt seien; wäre sie, so sagte Tollfnß, restlos befolgt worden, so wäre der Kampf nm die„Aufrechterhaltung der Ruhe nnd Ordnung" sehr schwer gewesen. Selbstverständlich übertreibt Dollfuß bei der Angabe der Streikwilligen gewaltig; der Ilmsang des Streiks war weitaus größer als er zngebrn will. Entscheidend tvar allerdings, daß lebenswichtige Unternehmungen, so die Setzereien nnd Eisenbahnen, nicht mitgc- streikt haben nnd dadurch den AnSgang des Kampfes zugunsten der Regierung entscheiden halfen, eine Tatsache, die zu verschweigen töricht Ware.— Freilich wird Herr Dollfuß bei seinem Liebeswerben nm die Arbeiter nicht viel Erfolg haben: sie sehen ihm mehr ans die Hände als auf den Mund und die Taten seiner Regiernng bringen ihnen, soweit sie den Kampf der Arbeiter nicht aktiv nnterstütztcn, diesen Fehler erst richtig znm Bewußtsein und wecken das Bestreben, ihn tvieder gutznmachra. Die illegaleArbeit macht weitere Fortschritte nnd erfaßt sogar Kreise, die der Partei früher nicht angrhörten. Tic angekiindigte Aendernng in der Regierung Dollfuß dürste übrigens bald in ein akutes Stadium treten. Außer Minister Dr. Kerner nnd Staatssekretär Dr. Glas wird anch Staatssekretär Dr. G l e i ß«er das Kabinett verlasse». Lügner Goebbels in Form In einer Unterredung mit deni Berliner Vertreter des„Matin", Dossin, hat der ReichslUgenministcr Goebbels wieder einmal sehr versöhnliche Töne gegenüber Frankreich angeschlagen. Nach der Bereinigung der Saarfrage werde es keine Gcbietsfrage mehr zwischen Deutschland nnd Frankreich geben. Die Mißverständnisse dürften nicht verctvigt werden, weil sie zu einer schlechten Gewohnheit getvorden seien. Ueber den Sinn der deutschen Aufrüstung befragt, äußerte Goebbels, cS handle sich nicht um eine Aufrüstung, sondern lediglich um eine Bern h i g u n g d e-r G e m ü t e r.(!) ES handle sich nicht darum, Deutschlands Willen anderen Die steirische Landesregierung hat im ganzen Bezirls« und 76 Gcmeindcvertr'etiiiigcn aufgelöst und überall RegiervngSkommistäre eingeseft.— Die Verbreitung des„Prager Mittag" wurde für die Tauer eines Jahres verboten, ebenso die Verbreitung dcS»SimplicuS". Der Wiener Gau der tfcheckoflowaki« s ch e n A r b e i t e r t ur nv e r e i ne in Oesterreich und seine einzelnen Wiener Bezirksorganisaiionen erhielten heute eine Verständigung, dcrzusolge ihre Tätigkeit eingestellt und der Antrag auf Auflösung erfolgt ist. Ein ähnlicher Bescheid ist auch einigen tschcchoslowalischen Arbeiter- B i l d u n g S v e r e i n c n und-Organisationen übermittelt worden.— Die Polizcidirrktion hat am SamStag den tschechischen national- sozialistischen politischen Volksver- e i n aufgelöst. Gegen die Auflösung wurde ein Rekurs cingcbracht. Nachrichten, die im Zusammenhang damit von einer Auslösung der Tichccho- slolvakischen nationalsozialistischen Partei in Wien sprechen, sind unzutreffend. Kunschak bleibt! Bezeichnend für die ilebcreinsiimmung innerhalb der Regierung ist die Tatsache, daß heute Die fasclstlidie Verfassung Daß cS Dollfuß nottvendi hat, die Arbeiter um gut Wetter zu bitten, zeigt der Inhalt der geplanten neuen Verfassung. Darüber sagte Dollfuß in Villach u. a.: „Wir werden im Laufe der nächsten Woche in Lestcrreich eine neue Verfassung haben. Lesterreich wird ein auf Berufsständen aufgedautcr, 1 also ein bcrufS ständischer Staat sein unter autoritärer Führung. Die neue Verfassung wird in ihrer Gesamtheit nicht sofort in volle Wirksamkeit treten können, tvcil wir für den Ausbau, den wirtlichen organischen Aufbau der Berufsstände, besonders aus dem Gebiete der Andustric, einige Zeit(!) brauchen. Bis sie vollständig aktiviert sein mied, wird eine llebergangsversassung notwendig sein, wodurch durch Umgruppierungen in den alten Landesregierungen bereits Vorsorge getroffen ist. in deren künftiger Zusammensetzung cS keine Politik mehr neben tvird. Auch die Landtage werden künftig nach Berufsständen gegliedert sein. Wir lvollcn, erklärte der Bundeskanzler weiter, keinen Gewissenszwang ausübcn, wir wollen, daß jeder Mensch sich lvirklich frei zu seinem Herrgott be-' kennen kann. Aber wir tverden dec Jugend Gelegenheit geben, von unserem Herrgott zu hören und zu! wissen, was das Weltgeschehen bedeutet. Wir werden die Jugend i m ch r i st l i ch c n Sinne er-! ziehen. Wir lvollcn, erklärte Bundcökmizler Dollfuß weiter, in diesem deutschen Gebiete, in den Alpen und an der Donau, eine deutsche Kultur haben, aber eine solche, die der nationalen Eigenart der einzelnen kleinen BcvölkerungSkrcise anderer Sprache gerecht wird. Deshalb ist es unser absoluter Wille, die Freiheit und Unabhängigkeit Oesterreichs aufrechi- zucrhalten. Es wird also eine H e i m lv c h r v e r f a s- s u n g sein, die derFrciheit im allgemeinen und der der Arbeiter im besonderen keinen LcbcnSraum gewähren wird. Noch mimt die Regierung Stärke und Festigleit; aber indem sie darangcht, ihr er- räubertes Hans zu bestellen, zittern ihr die Knie vor dem Kommenden. Die StörungSver- su ch c, die die Nationalsozialisten bei der Villacher Kundgebung unternahmen, tvaren viel umfangreicher, als die offizielle Berichterstattung zugibt und verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß die Aktivität der Nationalsozialisten zunimmt. Die Abreise des Rudolf Heß ans Wien, der der stellvertretende Führer der Braunhemden ist— er Ivar offenbar hier, um zu verhandeln— wird damit in Zusammenhang gebracht. Auflösungen, Verbote... DaS Bundes'tnzleramt hat am Samstag sieben sozialdemokratische Wiener Vereine und Or- ganisationen, unter ihnen auch den Verein für die Reform des Eherechtes und die Fachorgani- sation der Zoll- und Justizbeamten, aufgelöst.— eine Kundgebung des christlichsozialen Arbeiterführers Kunschak von den Hcimlvehren in das Gegenteil umgelogcn wurde. Knnsclmk sagte am Sonntag in einer Versammlung, daß der christlichsoziale Arbeiterverein in einen unpolitischen Bund christlickier Arbeiter umgewandclt werden wird. Der Verein lvcrde sicki in Zukunft nicht mehr politisch betätigen. Kunschak bezeichnete die Beschuldigung, daß er mit den Sozialdemokraten in einem über das politische und persönliche Ehrgefühl und über die P s l i ch l e n e i n e S O c st e r r e i ch c r S hinauSgchcnden Zusammenhang gestanden habe, alö abgrundtiefe Gemeinheit. Schließlich teilte Kunschak mit, er habe sich zlvar mit dem Gedanken getragen, zurückzutretcn, habe aber diesen Gedanken in Aubesracht der fetzigen Situation tvieder fallen gelaßen. Zum Schluß wurde der Antrag auf Statutenänderung einstimmig angenommen. Presse der Hcimwehr hatte bereits den KunschakS gemeldet. ii> IS Die Rücktritt Die„alte Garde der schwarzgclbrn Monarchisten Vor einigen Tagen hat sich in Wien eine neue legitimistische Gründung vollzogen.-Die Statuicu dicsxr Organisation, die sich die„alte Garde" ncn- nen tvird, enthalten die Bedingung, daß nur jene Männer und Frauen als ordentliche Mitglieder ausgenommen werden können, die in der Zeit vom 12. November 1018 bis 12. November 1021, somit während der ersten drei Jahre nach dem Umsturz, nachweisbar für den legitimislischen Gedanken gearbeitet haben. In der konstituierenden Versammlung tvurden die bekannten Legitimisten Hugo H o y n i g g zum Führer und Otto Günther zum Stellvertreter getvählt. Die neue Organisation bat beschlossen, sich der legitimistische» Zentrale soivie derVatcr- l ä n d i s ch e n F r o n t(!) anzuschließen. Genossenschafts- internationale prüft Der Sekretär de» Internationalen Genus senschastSverbandeö H. I. Mn» ist dieser Tage in Wien eingrtroffen, nm den Einfluß der letzten RcgierungSmaßnahmcn ans die Konsumvereine zn prüfen. Mah wurde n. a. auch vom Bnn- > deskanzler Dr. Dollfuß empfangen. Fürsorseminister Durch mehr als vier Jahre hat Genosse Dr. Czech in schwerster Idrisenzeit das Ministerium für soziale Fürsorge geleitet. Nun, da er aus diesoni Amte geschieden ist, um ein anderes, nickst minder wichtiges zu übernehmen, ist es sicherlich am Platze, einen Rückblick ans die Fülle der ! Leistungen zu werfen, die mit dieser Tätigkeit verbunden>var. Aber im Rahmen eines kurzen I Aufsatzes ist kaum eine Aufzählung, geschweige I denn eine Würdigung aller der großen gesetzgeberischen und administrativen Arbeiten mög. lich, die daS Fürsorgeministerium unter der tat- kräftigen Leitung des Genossen Dr. Czech voll- bracht hat. ES kann daher nur daS Allerwich, tigstc in Umrissen dargcstellt werden. Als die Sozialdemokratie nach der Wahlniederlage des Bürgcrblockö in die Regierung eintrat, war die große Wirtschaftskrise schon im Anmarscki. Wenn damals auch niemand den Um- sang und die Dauer der Krise vorausseven konnte, so wußten die Sozialisten doch besser als üas Bürgertum, dessen Wortführer Engliö damals noch beständig von einer bloßen„Tiskoii junktnr" redete, was eine Wirtschaftskrise im Monopolkapitalismus, im Zeitalter der Rationalisierung, bedeutet. Ihre erste Sorge war daher j der Ausbau der Arbeitslosensür- sorge. Tic ArbcitSlosenfürsorge der Tscheckw- ! slowakci in der Krise ist viel geschmäht worden. Und es ist sreilicki wahr, daß, wie übrigens in I allen Staaten der Welt, die Hilssmaßnahmcn ! des Staates angesichts des ungeheueren Elends I nicht zureichten. Und dennoch kann die Sozial demokratie gerade in der Tschechoslowakei stolz auf ihre Leistungen für die Arbeitslosen sein, denn hier ist im Gegensatz zur ganzen Welt die Arbeiislosensiirsorge in der Krise nickst abgebaut, sondern verbessert worden. Die Arbeite- losenunterstützung ist seit l 925 nach dem Genter System geregelt: Nur den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern stand ein rechtlicher Anspruch lauf Unterstützung in der Arbeitslosigkeit zu. Der Umbau dieses Systems in ein System der obliga torischen Versicherung war während der Krise nicht möglich, denn eine Versicherung erfordert die Ansammlung von Beiträgen, ehe sie Lei stungen gewähren kann. So konnte zunächst nur die Novellierung deö Genter Systems angestrcbt werden, die auch und zwar in einschneidender Weise durchgesührt wurde. Freilich hat die Zer- l rüttlnig der StaatSfinanzcu durch die Krise eine teilweise Reduzierung dieser Verbesserungen er zwungen. Aber dennoch steht die ordentliche A r b c i t s l o s e n u n t c r st ü tz n n g auf einem weit höheren Niveau, als beimEirttrittdcrSozialdcinokra- tic in die Regierung. Tie Unterslnt- znngsdauer ist verdoppelt, für die von der Krise besonders hart betroffenen Kategorie» verdreifacht, der staatliche Zuschuß vom Einfachen und Anderthalbfachen der GcwerkslbaftSnntcrstützuug auf das Zwei, und Dreifache gehoben worden. Diese Maßnahme hat e8 anch bewirkt, daß, wiederum anders als in den übrigen Ländern, die Gewerkschaften während der Krise leine Schwä- I chlmg erlitten, sondern einen Mitglicderzuwachs gewonnen haben. Für die Unorganisierten und Ausgesteuerten hatte die Gesetzgebung vor der Wirksamkeit des Genossen Czech überhaupt keinerlei Vor sorge getroffen. Hier griff die st a a t l i ch c Erilührungsaktion ein, die, durch eine Reihe von Hilssmaßnahmcn ergänzt, so sehr sie von haßerfüllten Gegnern nicht mit ernster Kritik, sondern mit Hohn und Beschimpfungen ge- würdigt wurde, dennoch für Tausende die Rettung bedeutet hat. Mer die Arbeftslosenfürsorge suchte auch nach neuen Wegen. In der Erkenntnis, das; Ar- beitsbcschafftmg wichtiger ist, als Unterstützung, setzte Genosse Czech die Einführung der pro- Roosevelt für weitere Arbeitszeitverkürzung Washington,». Marz. Präsident Roosevelt hielt heute an die Bevölkerung der Bereinigten Staaten von Nordamerika eine Rundfunkansprache, in der er an die Industrie appellierte, in noch höherem Maße dieArbeitözeitzn beschränken, denn nur so könnten die ArbeitSmöglichkeiteu vermehrt und dem Volk mehr Arbeit beschafft werden. . Roosevelt betonte anch, daß es notwen big sei, den Angestellten und Arbeitern solche Gehälter und Löhne zn zahlen, daß sie anständig leben können. Das alles, sagte Roosevelt, muß sofort geschehen. «rite L Dienstag ß. März 1034 Nr. 54 duktivcn?l rb c i t§ l o s e n f ü rsorge durch, die insbesondere in den ersten Krisenjah- rcn den Sclbstverivaltungslörpern die Schaffung zahlloser nützlicher Arbeiten erinöglichte und dabei Zehntausendcu durch Wochen und Monate Erwerb gab. Im Jahre 1933 wurde diese Fürsorge durch die Arbeitsbeschaffung aus den Mit- teln der ArbciiSanlcihc abgelöst, doch hatte die produktive ArbeitSlosenfürsorgc den Vorzug, das; bei ihr die Berücksichtigung der Notstandsgebiete leichter und besser möglich war. Neben der Arbcitsloscnfürsorge spielte, so- Wohl in sachlicher Bedeutung, als auch wegen der politiscken Kämpfe, die sich darum entspannen. die W o h n u n g S f ü r s o r g c die wichtigste Ralle. Hier galt eS nickt nur, den durch die Krise gequälten Menschen das Lbdach zu erhallen, sondern auch durch Förderung des Wohnungsbaues Arbeitsgelegenheiten zu schaffen. In immer wiederholten Kämpfen ist cs gelungen, den Mieterschutz für die des Schutzes am meisten Bedürftigen, also für die Inhaber kleiner Wohnungen. bis Ende des Jahres 1935 zu sichern. Tabei sind sniscnweise die Mieter mit größeren Einkommen und die größeren Wohnungen und Betriebsstätten aus dem Schutze ausgenommen worden, die Masse der m i n d c r b c m i t- telten Mieter bleibt nach wie vor nicht nur gegen Kündigung geschützt. sondern wurde auch vor jeder Zinserhöhung bewahrt. Die staatliche Bausörderung hatte der Bürgerblock auf eine bloße Kreditgarantie eingeschränkt, sozialdemokratischer Initiative ist cs zu danken, daß durch einen staatlichen Beitrag für Kleinstwohnungen eine wirkfaincre Unterstützung gc- schaffen wurde, die nicht nur die Errichtung von Zehntaltsenden proletarischer Wohnungen ermög- lickte, sondern auch zehntansenden Arbeitern Erwerb gab. Ganz besondere Fürsorge wandte Genosse Dr. Czech der Jugend zu. Was hier durch die Pslegeschutzverordnung. durch bessere Doticning der Fürsorgeorganisationen, durch die Errichtung von Fugcndheimstätten in den Wintermonaten geleistet wurde, läßt sich nur kurz andcnten. Bon besonderer Bedeutung ist die Errichtung de§ Bei- ratcS für die arbeitende Jugend mit feinem Netz von Sprcngelbeirätcn bei den Gewerbeinfpek- toraten. eine Einrichtung, die nicht bloß die wirksanierc Handhabung der Arbeiterschutzge- setzgebung, soweit sie die Jugendlichen betrifft, ermöglicht, sondern vor allein der Jugend selbst «Gelegenheit gibt, aktiv an der sozialpolitischen Entwicklung mitznwirken. Die Krise verhinderte durchgreifende Verbesserungen auf dem Gebiete der Sozialversicherung. Verglichen mit den so über- aus empfindlichen Abbatlmaßnahmon in den Nachbarländern ist es schon ein großer Erfolg, daß durch volle vier.Krisenjahrc jede V c r- schlcchtcrung auf diesem Gebiete v e r h i n- d e r t werden konnte. Aber darüber hinaus siitd wertvolle Fortschritte erzielt worden: Den Ange st c l l t e n wurde die Einrechnung der nicht- versicherten Dienstzeit, den Unfallver- sicherten die Anerkennung der Berufskrank- beiten als Unfall errungen. Durch Mschluß von I Gcgenseitigkeitsverträgen mit den Nackbarstaa- tcn ist vielen Versicherten eine Verbesserung ihrer Ansprüche gesichert worden. Was sonst auf dem Gebiete des Arbeiter- schutzcS, der Ladensperre, der Sonntagsruhe, kurz auf allen Gebieten der Fürsorge geleistet wurde, kann in dieser knappen Uebcrsicht nicht einmal registriert werden. Nicht übergangen werde«» darf aber der uncriniidliche Kampf, den Genosse Czech für die aktive K r i s c n b c- k ä m p s«t ii fl durch Arbeitsbeschaffung, Organisation des Arbeitsmarktes und in erster Linie durch die Verkürzung der Arbeitszeit geführt hat. Wenn auch hier gesetzgeberische Maßnahmen noch nicht realisiert wurden, so werden doch die Frücktc auck dieser Arbeit reisen und es kann als crswr Erfolg des Kampfes um die Arbeitszeitverkürzung gebucht werden, daß bei der Der- gebung von staatlichen Aufträgen, insbesondere bei den Arbeiten auS dem Erträgnis der Ar- beitsanlcihc die 40-Stundcnlvochc zur Bedingung gemacki wird. Nur eine unerhörte Anspannung der Ar- beitslrajt, unermüdliches Eindringen in alle ! Probleme der Sachpolitik, tiefste Sachkenntnis und höchste Energie in den schwierigen Auseinandersetzungen innerhalb der Koalition»konnte eine solche Leistung ermöglichen. Die Arbeiterklasse und wir dürfen mit Stolz sagen die Ar- beitcrklassc aller Nationen int Lande ist stolz auf diese Arbeit des Genossen Czech, die auch weit über die Grenzen des Staates hinaus uneingeschränkte Anerkennung gefunden hat. Mit Bedauern haben wir den Genossen Czech aus seinem Amte scheiden gesehen. Wir haben freilich die Beruhigung, daß dieses Amt wieder einem treuen Sachwalter der Arbeiter- klasse zugesallen ist, daß es unter der Führung des durch Tatkraft und Sackkenntnis aukgezeich- neten Genossen Dr. M e i ß n e r auch weiterhin ein Hort der Arbciterinteresscn sein wird. Das Vertrauen, das wir dem neuen Leiter des Für- | sorgeministcriumS entgcgenbringen, wird aber dadurch nicht geschmälert, wenn wir auSsprechen, daß die Arbeiterklasse die Amtsführnng des Genossen Czech dauernd in dankbarer Erinnerung bewahren wird. Sozialpolitische Regierungsarbeit Wir haben bereits in unserer Sonntag« Nummer berichtet, daß in der Konferenz der poli- tischen Minister eine Einigung über die Vorlage, die die Schaffung eines Recskompteinstitutes betrifft, erfolgt ist. In der Regierung wird weiter, wie wir dem ..Pravo Lidu" entnehmen, über eine Reihe sozialpolitischer Maßnahmen, die im Interesse der Arbeiterschaft erfolgen sollen, beraten. Eü ist dies vor allem die Vorlage über die E i n st c l l n n g d e r B e t r i e b e, wonach der llnternchnier ohne Zustimmung der Landesbehörde die Arbeit in den Betrieben weder cinschränken noch einstellen kann. Der Unternehmer muß eine solche Absicht dem Gewerbelnspcttorai und der Bezirksbchörde melden, woraus dann die Landeöbchördc die Ent- scheidung fällt. Eine zweite wichtige Maßnahme über die gerade verhandelr wird, ist ein GesetzenUvurf, durck welchen Schiedskommissionen errichict werden sollen, ohne deren Zustimmung der Unternehmer Kollektivverträge nicht abändern oder Löhne nicht herabsetzen kann. Er muß eine derartige Maßnahme zuerst der Schiedskommission melden. Das Ministerium für soziale Fürsorge bereitet außerdem eine Vorlage über die produktive Arbeitslosenfürsorge, über die Arbeitsvermittlung vor und schließlich will das Ministerium auch an die Verwirklichung der bereits früher ausgearbeiteten i Vorlage über die V i e r z i g st u n d e n w o ch e wenigstens in einigen Industriezweigen sckreitcn. Weiters denkt man an eine Rationalisierung S st e u e r und an den Beitrag d e r U n t e r n c h m e r z n r A r b e i t S l o senil n t e r st ü h u n g. Es handelt sich hier um lomplizierte Gesetzentwürfe, aber die Vorbereitungen sind so weit gediehen, daß man im Ministerrat darüber wird bald unterhandeln können. I Grün-schwarze Hetze ' gegen die Emigranten Ein Teil der tschechischen wie der deutschen Presse in Prag zieht seit einigen Tagen kräftig gegen die Emigranten loS; am ärgste» treibt's der„V c c c r"; und„Deutsche Landpo st" und„Deutsche P r c s s e" fangen natürlich den Ball, der ihnen da zugeschupft wird, mit Vergnügen aus. Diesen Blättern zu sagen, daß ein Minimum von Vornehmheit ihnen verbieten müßte, arme Gäste des Landes nicht auch noch solchen llngümpf fühlen zu lassen, wäre wohl vergebliche Liebesmüh'; denn eher findet man unter hundert Emigranten einen, der sich vielleicht nicht ganz korrekt bestimmt, als unter diesen schwarzen und grünen Wortführern einen, dem es je ans Vornehmheit ankäme. Aber vielleicht lassen sich diese Anti-Emigranten-Zeitnngcn doch sagen, daß sie der D e m o l r a t i e einen sehr schlechten Dienst erweisen, Ivenn sie über eine Prager Tageszeitung, an der Emigranten wirklich im Sinne der Demokratie und des Fortschritts Mitarbeiten, und , an einem satirischen Wochenblatt, das deutlich ! gegen alle Rückwärtserci gerichtet ist, ungerechte und aufreizende Kritik üben, die sich sogar so weit versteigt, nach einem K onzcntrationS- lager für die Herausgeber dieser Blätter zu rufcnl Aber da liegt ja der Haie im Psesserl Daß diese Blätter links orientiert sind, das lönnen die'Herren voni„Bcäcr", von der frommen „Deutschen Landpost" nickt ruhig ertragen. Es läßt sie nicht scklafcn, daß in Prag ein paar geistige Menschen wirken, die, ivärcn sie noch in Deutschland oder in der Totlsnßei. eben wirklich im Konzentrationslager säßen. Wir werden gewiß die letzten sein, die irgendwelche llebergrissc oder Taktlosigkeiten von Emigranten oder„Emi- granten-Zcitungcn" nicht glcicksallS abzustellen bemüht lvärcn; aber gegen solche Heye müssen wir schon alle Anständigen ans den Plan rusenl lind nicht nur zum Schutze der Betroffenen. Tenn die Emigranten schlägt man nnd die Temolratie, die Sozialisten, die Arbeiter und«vahrscheinlich anck die Juden meint man. Wir kennen unsere I Hilgenreiner! Kommunistenblätter widerrufen Andrille«ul den „Sozialdemokrat“ Die deutschen kommunistischen Blätter veröffentlichen am Sonntag folgende Erklärung: Wir haben in unserer Ausgabe vom 3. Jänner 193-1 unter deni Titel„Genosse Reimmm gegen die sozialfascistischen Verleumdungen" einen Artikel veröffentlicht, in Ivelchem eine Nachricht des Prager„Sozialdemokrat" als fasci- stiscke Verleumdung nnd glatt erfunden bezeichnet war, in welchem mit Bezugnahme auf den „Sozialdemokrat" von einer„frechen Lügenprovokation der käuflichen Regierungspresse", ferner von„abscheulicher Methode",„Verleumdung",„Politik, die einzig nnd allein den Interessen der faseistischcn Bourgeoisie und dem Imperialismus dient" und ähnlichem die Rede war. Die gefertigte Redaktion erklärt, daß sie sämtliche in diesem Artikel enthaltenen, gegen den„Sozialdemokrat" und seine Redaktion enthaltenen grundlosen Beleidigungen mit dem Anödrucke des Bedauerns widerruft und den Beleidigten hicmit volle Genugtuung leistet. Die Redaktion der„Internationale", „Vorwärts",„Kämpfer",„Arbeiterzeitung". Streik auf Kohinoor beendet Brüx, ö. März. Die Obertagarbeiter ans dem„Kohinoor"-Schachte sind heute bis aus 17 alle zur Arbeit erschienen. Zur Arbeit in der Grube kam etwa die Hälfte der Belegschaft. Dir Kommunisten agitieren zwar stark für die Fortführung nnd Ausdehnung des Streikes, dock lehnt es die besonnene Arbeiterschaft ab, den Kommunisten Gefolgschaft zu leisten. Rücktritt deck Vorsitzenden des Verbandes der deutsche» Selbstvcrwaltnngökörver. Wie die„Zeitschrift für Kommunal Verwaltung", das amtliche Organ des Verbandes mitteilt, hat Herr Alibür- germejstcr Dr. Walther, Teplitz-Schönau, feine Stelle als Vorsitzender des Verbandes niedcrgclcgt. Dieser Verzicht ist eine Folge der in Durchführung des Partciengcsctzes erfolgten Llbcrlennung seines Mandates in der Siadtvcrtrclung Tcplitz-Schö- nau. Der Verzicht wurde vom Vorstande des Verbandes nm 27. Feber mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Den Vorsitz im Verbände übernimmt nunmehr vis zur Neuwahl des Vorstandes der erste Vorsihendcstellbertrctcr, Bürgcr- j meister P ü l z l, Aussig und in seiner Vertretung i Herr BczirköauSschußbcisihcr Petcrle, Böhm. Leipa. Der Abgeordnete Hudec verläßt die l Nationaldemokratie. Der der nationaldemokra- tischen Partei angehörende Abgeordnete Joses Hudec hat der Nationalversammlung mitgeteilt, i daß er aus der nationaldemokratischen Partei austrete. In einem umfangreichen Bries an den Generalsekretär der Partei Dr. H oral begründet er seinen Schritt damit, daß er mit der oppo- nlionellen Stellung der Partei nickt übereinstimme. Außerdem ist er nickt damit einverstanden, daß die nationaldemokratischen Arbeiterorganisationen, deren Führer Hudec ist, um ihre Selbstvcrlvaltung gebracht und unter die unmit- I lekbare Kontrolle der Partei gestellt lverden. 40 Ii. m. de jung: UerecMunquw Hacke (m Koma# io vier tpteoUeo Autorisierte Uebersetzung aus dem Holländischen von E. R Fuchs. Aber Peter hastete weiter, kerzengerade aufgerichtet, schlug die Portieren zur Seite, öffnete die Tür und schritt den Gang entlang. Ein Lakai sprang erschrocken von einem Stuhl und blickte ihn schläfrig und entgeistert an. „Zeig mir den Weg!" sagte Peter kurz. Ein tvenig später stand er draußen in der Nacht und sog tief die kühle Luft ein. Ein Wirrwarr wilder Gedanken schlvirrte durch seinen brummenden.Kopf. Dann stülpte er den Kragen seines Rockes auf, steckte die Hände in die Taschen und lief mit großen, eiligen Schritten der Stadt zu... Aus dem Schatten der Sträucher neben dem großen Gitter blickten ihm zwei dunkle Ge- i«alten mißtrauisch und verwundert nach... Dritte Episode , k. Langsam, aber hartnäckig und stetig übcr- schwennnte der Strom verbotener Gedanken das Land. Niemand wußte recht, wo seine Quelle lag, noch welche Kräfte, welche Hände das Flußbett gelegt, in dem er sich fort schlängelte, immer mehr und mehr Abzweigungen bildend, überall die Geister wachrüttelnd, Herzen durchdringend, Augen beseelend mit fanatischem Leuchten. Jahrzehntelang hatte sich die Geheimpolizei bemüht, die revolutionäre Progaganda in engen Grenzen zu halten. Hart und erbarmungslos I wurden die aufrührerischen Elemente verfolgt, mit unermeßlich vielen Jahren Zuchthaus bestraft, mit aufreibender ZlvangSarbcit in mörderischen Bergwerken unter einem unbarmherzigen Klinia. Ein Heer ehrgeiziger Beamter war unablässig daran, daS Zentrum der geheimen Revolutions- Organisationen aufzuspüren nnd mehr als einmal wurde eine Schar nach aufsehenerregendem Prozeß unschädlich gemacht. DaS Volk, nm dessen Befreiung die Unruhestifter sich mühten und allen Gesahren trotzten, das Volk in den breiten, untersten Schichten blieb dagegen kühl und gleichgülftg. viel zu sehr abgestumpft und zu tiefst verliert, um zu begreifen, waS diese merkwürdigen Schwärmer wollten, denen cs mißtraute. Demütig lag cs zu Füßen des Königs und aller seiner Stellvertreter in dem großen Reich, in ehrfurchtsvollem Schauer vor dem Glanz seiner Würde nnd dem Heiligenschein um sein gesalbtes Haupt; hatte es nicht von klcin- auf gelernt, daß derjenige, der die Majestät des Fürsten antastet, die Majestät von Gottes eigenem Angesicht schändet?... Und war der König nicht der Wohltäter, der Vater des Volkes, war er es nicht allezeit getvesen, Jahrhunderte lang? Hatte er nicht die leibeigenen Bauern der Großgrundbesitzer aus der Sklaverei befreit, mit einem Federstrich in edler Aufwallung seines großmütigen Herzens?..'. Oh, freilich, trotz der gewonnenen Freiheit war daü Leben noch immer schlver und mühsam für das Volk, aber war cs nicht allezeit so gewesen und war eS nicht Gottes Wille, daß das Dasein für den Armen eine Bürde tvar, auf daß er in das Himmelreich eingche?... Seit dem Sündenfall lvußte der Mensch, daß er im Schweiße seines Angesichtes sein Brot verdienen mußte;. Von Zeit zu Zeit verelendeten Un- glücksfälle das ohnehin schon schwere Leben noch mehr; Mißernte, Ueberschwemmungen, Hagesstürme, fürchterliche Seuchen unter Tieren und Menschen, Krieg, Hungersnot... Doch wer fühlte sich frei von aller Schuld, durck die solches Unheil über die Welt gebracbt lonrdc?... Der" Teufel geht nm nnd verführt den schwachen Men» sckcn zum Bösen, und dieses Böse wird durck Unglück am Menschen gerächt... so war es immer gewesen, so wird es immer sein... Und dock gab eS in dem düsteren Leben auch Helle Tage! I... Wurde nicht getanzt im Karneval und auf Jahrmärkten, strömte nicht der Branntwein wie Fener durch die Kehle und entflammte er nicht die Seele lichterloh, so daß die ganze Welt rosenrot wurde und frcudctaumelnd, wurde nicht bei Dorffestlichkeiten nnd in der Kirche gesungen, bedeutete eS keine Freude, wenn man bei einer Frau lag. wenn Kinder im Zimmer sich balgten?... Alle hatten sie gelernt, daß Armut etwas Heiliges war... daß die Armen zunächst an Gottes Herzen lebten, seine liebsten Kinder waren... Ost schien cs schwer, arm zu sein nnd bei dem kleinsten Streich des Schicksals hilflos darniedcrzulic- gen, aber die Ergebenheit steckte dem Armen im Blut durch die Gewohnheit so vieler sklavischer, sich rackernder, geduldiger Generationen vor ihm ... Man arbeitete schwer, entbehrte vieles, kannte wenig Freude und unsäglich viel Leid, Kummer und Not... aber so Ivar nun einmal das Leben!.,. Die Herren hatten eö anders, hatten eü besser, lebten auf ihren Schlössern und in ihren Stadtpalästen sorgenlos und frei... ihnen schien die Welt ein riesiger Festsagl, das Leben ein großes Bankett... für sic gab es alle Bcguemlichkcit, allen llcbcrfluß, alles Schöne und alle Wärme, alles Ansehen und alle Ehre... Doch Mißgunst war eine große Sünde und verbitterte zwecklos das ohnedies schon bedrückte Herz ... und wenn Gott cs so eingerichtet hatte, wie durste man dann wagen, dagegen zu murren, sich aufzulehnen oder einen Versuch zu unternehmen, eg anders zu machen?... Durfte ein Mensch so überheblich sein zu glauben, daß er eü besser verstand als Gott?... In der Trunkenheit fand manchmal ein ungezügeltes Wort den Weg aus einem gepreßten Herzen zur Zunge... Aber die Gendarmen ließen nicht mit sich scherzen und prügelten das ungehörige Wort zurück in den allzu kecken Mund und wer sollte sic tadeln, waren sie doch bestellt, um über Ordnung nnd Sicherheit zu wachen— und über dcö Königs Ehre! Bildete nicht die Hand des Gendarmen die äußerste Verlängerung des königlichen ArmcS selbst? Und da schlichen nun die geheimnisvollen Sendboten, durch das■ Land und flüsterten über Menschenrechte, über schändliche Unterdrückung, die abgcschüttclt werden, über Ausbeutung, über Ketten, die zerbrochen lverden müßten?... Sic verkündeten öffentlich, daß die Edcllcnte nnd die Großgrundbesitzer das Land gestohlen hatten und cs wieder znrückgeben müßten, wenn das Volt in seiner Gesamtheit daö verlangte... Die reichen Kaufleute nannten sie Wucherer nnd es flimmerte den Bauern vor den Augen. Ivenn sie ihnen vorrechneten, um tvieviel mehr die faulen Händler an den Erzeugnissen der Landlente verdienten als sie selbst, die mit ihrem Schweiß und ihrem Blute sich dafür gerackert hatten... Die Fabrikanten nannten sie Blutsang-w, die wie Parasiten von der Arbeitskraft ihrer Arbeiter lebten, Diebe, die Hun- gcrlöhne für Arbeit zahlten, von der sic rcichen Gewinn ernteten... Die Priester hielten es mit den Herren, die Kirche machte mit Gewalt die Armen dumm nnd untcrivürsig, forderte sie heuchlerisch nnd salbadernd auf, unsinnig großen Fa- inilicnsiand zu gründen und faselte von imaginären Belohnungen in einem imaginären Jenseits; Priester und Kirche lvaren gut bezahlte Diener der Großen dieser Erde, lvcnn sic sich auch niedrig und fromm die armen Knechte Gottes nannten ... Und an der Spitze aller Wucherer, Diebe, Parasiten und Blutegel saß die große, abscheuliche Spinne, die alles an sich zog und alle Drähte beherrschte. s fFortsetzniig folgt.) «r. M «ttttMas S. MLr» 1934 CeifeS kämpfen die arbeitenden Frauen der ganzen Welt fUr Brot, Friede, Freiheit! MSLSLSLSSLSLSLS2S2S25LSLS2S2SLS2SL5LSM5 Vor der Abstimmung im Saargebset Die RcgierungSkommission des SaargebietcS sandte an das Völlerbundksclretariat über die politische und wirtschaftliche Situation sowie über die Verwaltung des Saarlandes einen Bericht. Die Kommission zählt die besonderen Maßnahmen auf. die sie iin Interesse der Aufrecksterhaltung der politischen Ruhe vor dem Plebiszit getroffen habe. Diese besonderen Massnahmen galten auch d c in Terror, der iu den letzten Monaten von der nationalsozialistischen Partei und einer Gruppe derselben, der sogenannte» Deutschen Front» auögriibt wurde. Sehr scharf! wird gegen die stzstcinatische terroristische Kam- pngne und gegen die Drohungen mit Rrprcffa- licn nach dem Plebiszit vorgegangen. Ausserdem. wird in sehr energischer Weise die Amtösnbotage, der Verrat von Amtsgeheimnissen und die Denunziation unterdrückt. In Genf konstatiert man mit einer gewissen Genugtuung, dass die Beschivcrden bezüglich des nationalsozialistischen Terrors Nachlassen und daß verhältnismäßige Ruhe eingetreten ist. die zu den VorbercitungSarbeitcn des Plebiszits für das Jahr 1935 so notwendig ist. Elefanten als Hitler-Reklame Berlin, I. März. Die Hitlerjugend ganz Berlins sowie auch die SA hatten am heutigen Sonntag. dem Tag des Eintopfgerichtes, Bereitschaft, um den„nationalsozialistischen Verein für Voltswohlfahrt" zu propagieren. An den Straßenkreuzungen befanden sich Gruppen von Hitlcrjungen, die bei den Klängen der Marschmusik, Fanfaren und unter Trommelioirbcl die Passanten ausfor- derten, sich als Mitglieder anznineldcn und ihren Beitrag zu erlegen. Außerdem wurden heute mittags sowie an jedem ersten Sonntag im Monat von HauS zu HanS BeiträgefürdieWinterhilfr gesammelt. Zur Erhöhung der Aufmerksamkeit der Bevölkerung, die der immer neuerlich vor- genommenen Sammlungen müde ist, wurde» in manchen Berliner Stadtvierteln auch Elefanten benutzt, die, Sammelbüchsen mit dem I Rüffel haltend, durch die Straffen geführt wurden. Auch Pony- und Eselgespanne wurden dem gleichen Amecke dienstbar gemacht. An dieser Propaganda beteiligten sich auch zahlreiche Berliner Einwohner, die mit um den Hals gehängten Propaganda-Plakaten durch| die Straffen gingen. Konrentratlonslager In Spanien! Madrid, 5. März. Da die Gewerkschaften der verschiedensten Berufszweige erneut mit dem Streik drohen und die Lage unhaltbar zu werden droht, hat die.Regierung beschlossen, dem Parlament einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach deni das Streikrecht beschränkt werden soll. Ferner beschloß die Negierung die sofortige Errichtung von Konzentrationslagern auf den Balearen und den Kanarischen Inseln„für Vagabunden und Bettler". Vie tschechischen Lehrer fahren nicht nach Wien Unter den Fremden, die Oesterreich besuchten, so schreibt der„Duch Easu"(Mähr.-Ostrau) nahmiln bisher die Tschechoslowaken eine hervorragende Stelle ein. Die Acnderung der politischen Verhältnisse jedoch, Ivird zu einem Nachlassen des tschechoslowakischen Fremdenvcrlchrö führen. DaS ersieht man schon auS einem Beschluß der tschechischen Lehrer. Die tschechischen Lehrer Haien jedes Jahr Reisen nach Wien unternommen, um daS Wiener j Schulwesen, welches unter GläckelS Leitung vor-' bildlich war, zu studieren. Auch für die heurigen j Pfingsten war ein Massenbesuch vorgesehen. Dieser Bestich wurde trun abgesagt. Die tschechischen Lehrer begründen ihr Borgehen da-1 mit, daß jene Männer, die bisher an der Spitze deS modernen Wiener Schulwesens gestanden haben, zum Teil abgesetzt, zum Teil eingekerkrrt! sind. Ei» Besuch des Wiener Schulwesens hätte| damit keinen kulturellen Sinn. Die Organisation der tschechischen Schullehrer ist zu diesem Vorgehen zu beglückwünschen — man vergleiche damit die zweideutige Haltung, Ivclche der Vertreter des Deutschen Lehrerbundcö in der Tschechoslowakischen Republik, Herr Rohn, beim Internationalen Lehrerkongreß üi Santander 1933 den Hakenkreuzlern gegenüber eingenommen hat. Vie Stimmung In Men Die„Lid. Noviny" befassen sich in einem Leitartikel„Die Führer vor daS Gericht" mit dem bevorstehenden Hochverratsprozeh gegen die Führer der österreichischen Sozialdemokratie und erinnern daran, daß diese für ihre Weltanschauung, die sie durch Jahrzehnte vertreten, schon zu einer Zeit im Kerker gesessen sind, wo die heutigen Sieger entweder überhaupt noch nicht auf der Welt lvaren oder als fromme Klosterschüler nur die einzige Sehnsucht hatten, zum Ministrieren zugelassen zu lverden. Der Prozeß wird an den Leipziger Prozeß erinnern, aber diesmal wird die Hauptrolle nicht ein halbblöder Junge wie Lubbe spielen. Das Blatt verweist weiter daraus, daß ähnlich Ivie in Deutschland, jetzt die Arbeiterführer diskreditiert werden sollen, daß sie Partei-, und Gewerkschaftsgelder mit Hilfe Tiefpunkt der Krise Aber noch Immer 850.000 Arbeitslose UDVrSCnrillCIl Das Ministerium für soziale Fürsorge teilt mit: Die Zahl der Arbeitslosen in der ESR, d. i. die Zahl der Bewerber bei den ArbeitSver- ittittlungSstrllen betrug Ende deS MonatrS Feber 1934 nach den vorläufigen Ergebnissen »47.941 lFeber 1933 920.182), Ende de« Monates Jänner 1934 laut den definitiv« Ergebnissen 838.982(Jänner 1933 872.755). DaS Ergebnis der Arbeitslosenstatistik ist r c l a t i v, d. h. im Vergleich zu der gleichen Zeit de.S Vorjahres nicht ungünstig. Im vorigen Jahr stieg die Zahl der Arbeitslosen im Feber von 872.775 auf 920.182, d. i. um 47.407 Personen, Heuer im Feber von 838.982 auf 847.944, d. i. nur um 8.902 Personen. Der Feber 1933 bedeutet mit 920.182 Arbeitslosen den Tiefpunkt der Krise, während im Feber 1931 die Zahl der Arbeitslosen 847.944, d. i. um 72.238, immerhin eine beträchtliche Zahl, geringer ist. ES ist so mit der Tiefpunkt deS Winter 1923-33 nicht unterschritten worden, die Krise ist nicht schwerer geworden, sondern eS ist— wenn man sich nicht zu optimistisch auSsprcchen will— eine Stabilisierung auf einem ziemlich tiefem Niveau der Wirtschaft eingctrcten. Und das ist die zweite Seite des Problems. 847.944 Arbeitslose bedeuten für einen Staat mü 15 Millionen Bewohnern eine außerordentlich hohe Anzahl. Wir müssen gerade jetzt unsere Kräfte verdoppeln, um einem Teil der Arbeitslosen Beschäftigung zu geben. Teils durch Dlaß- nahmcn, die zur Belebung der Konjunktur beitragen, teils aber dadurch, daß wir auch die Menschen unterbringcn, die dauernd aus dem Wirtschaftsprozeß durch die Rationalisierung verdrängt worden sind. DaS wirk s am st e Diittel dazuist die Verkürzung der Arbeitszeit und die Zahl von nahezu 8 5 0.000 Arbeitslosen mahnt zur Eile. II. Spenden-Ausweis für dir Opfer der Osseter Grubenkotaftroph«. Aussig.... 800.— Brünn 1.442.50 Freiwaldau.... 168.— Freudenthal.... 521.50 Kratzan-Grottau,.. 40,50 Jglau 168.50 JoachimSthal.... 1.088.75 Kaplitz 15.— Komotau 504.50 Mährisch Schönberg... 817.50 Rendel 70.— Prag 1.686.— Sternberg.... 942.50 Trautenau.... 984.— Weipert 100.— Wigstadtl 766.— Winterberg.... 166.50 10.126.75 bereits ausgewiesen von Parteiorganisationen.... 51.005.85 von Gewerkschaften.. 21.500.— Gesamtsumme 82.632.10 Hakenkreuzpropaganda Arbeiter-Sturm gegen rassistische Verleumder Eine VersammlungsscNacht in Aich Noch in keinem einzigen Falle hat eS Herr Henlein geivagt, sich einer Auseinandersetzung mit den Sozialdemokraten zu stellen. Hierin gleicht er seinem großen Vorbild, dem „Führer", dessen Weisheiten bekanntlich ebenfalls immer widerspruchslos von den durch ihn beglückten Versammlungen entgcgcngcnommen werden mußte». Nichtsdestoweniger bemüht sich Henlein um die sudctcndentschen Arbeiter, die, zu kritisch, um salbungsvollen Worten zu glauben, Herrn Henlein immer wieder nach seinem Programm fragen— sofern er eö überhaupt zu so iinangcnehmcn Fragen kommen läßt. In A i ch bei Karlsbad wollte Henlein am vergangenen Samstag eine Vorstellung geben Die sozialdemokratischen Arbeiter ließen eS sich nicht nehmen, die Versammlung zu besuchen, die in den„Wildpark"-bei Pirkenhammer einberufen Ivar. DaS Lokal war knapp nach seiner Eröfs- nung dicht besetzt; die Arbeiter waren in der Mehrheit. Sie wurden schon stutzig, als dipatzigen Ordner des Herrn Henlein aufinar- schierten: lange Reihen junger Leute, die man früher auch in nationalsozialistischen Versammlungen als Saal-„Schützer" beobachten konnte. Diese Ordner postierten sich in den Gängen und vor der Bühne— offenbar um den Herrn Henlein vor den Arbeitern zu schiitzen, die er in I der letzten Nummer seiner„Rundschau" selbst ge-| rufen hatte.. Diese Nazi-Ordner hatten die Kühnheit, vor Beginn der Versammlung das Organ der Henlein-Front auszuteilen, in dem sich i dieses Zitat ans einer Schrift Johann ScherrS befindet: „Die Führer der Marxisten verhalte» sich zu den Arbeitern wie verworfene Dirnen zu ihre» törichten Opfern. Während sie ihnen Liebe lispeln, stehlen sie ihnen die Börsen anS den Taschen." Die Arbeiter waren zunächst mit dem Lesen deS Blattes beschäftigt. Plötzlich ging eine lebhafte Unruhe durch den Saal; ein Arbeiter sprang auf einen Stuhl und las das Zitat laut vor. Er rief in den Saal, daß sich die Arbeiter diese unerhörte Beleidigung ihrer Führer nicht gefalle» lassen tverden. Ihm wurde stürmisch zugestimmt. Ein Vertrauensmann stellte fest, daß das Zitat nicht auf die sozialdemokratischen Führer, sondern auf die a n t i m a r x i st i s ch e n paßt. Ala einige Herren auü dem Präsidium höhnisch lachten und durch ironische Bemerkungen provozierten, Ivar eS mit der Geduld der Arbeiter zu Ende. Sie sprangen auf und warfen die Zeitungen nach dem Präsidium. Das war das Signal fiir die Ordner des Henlein, sich sofort auf die Arbeiter zu stürzen; sie schlugen einen Genossen namens Ambrosch nieder. Nun setzten sich die Arbeiter zur Wehr. Der Kampf war kurz, für die Naziordner aber sehr lehrreich. Sie wurden auS deni Saale hinauögeworfen und verdroschen. Die Gendarmerie schritt ein und stellte die Ruhe wieder her. Die Arbeiter hatten nicht die Absicht, die Versammlung zu sprengen, sondern wollten diskutieren. Die Verwirklichung dieser Absicht wurde durch die unerhörte Schreibweise des Hcnlcinblat- tes und durch das Verhalten der Versammlungs- leiter unmöglich gemacht. Henlein selbst hielt sich in einem Gastzimmer verborgen und fuhr erst lange nach der Versammlung unter Gcndarmeriebedcckuug in seinen» eleganten Privatanto nach Karlsbad zurück. Die für den nächsten Tag i n W e h c d i tz geplant gewesene Versammlung des Henlein lvurdc verboten. ES darf nickst unerwähnt bleiben, daß die Arbeiter schon durcki die unglaublich schmutzige Schreibweise der„Joachimsihaler Zeitung" über Glöckel maßlos erlsttiert waren, Tie haben eS satt, ihre Bewegung und deren Führer von verantwortungslosen Burschen durcki den Kot ziehen zu lassen. Vor allem aber haben sic das Bedürsiiis, Herrn Henlein zu sagen, daß er daS ist, was der Aufmarsch seiner„Ordner" bewiesen bat: der unwürdige Nachfahre der unwürdigen Fascistcnfüh- rer Jung und Krebs. Auch In Raudnitz haben die Fasclsten keinen Erfolg Fiir den gestrigen Sonntag hatten die beiden tschechischen sozialistischen Parteien gemeinsam mit der Legionärgemeindc nach Randnitz a. E. eine antifascistischc Versammlung cinbcrufen, welche die Antwort sein sollte auf die erhöhte Tätigkeit, die die Gajda-Fascisten in der letzten Zeit in Raudnitz und Umgebung entfalten. Die Fascistcn beriefen nun mittels Plakaten für denselben Tag, dieselbe Stunde und in dasselbe Lokal gleichfalls eine Versammlung ei», zu der„Führer" Gajda selbst als Redner angelündigt war. Aus der ganzen llmgebiing und auck' aus Prag lamcn Fascistcn nach Raudnitz. um die antifascistische Kundgebung unmöglich zu machen. Die Versammlung war übervoll, als sic um zwei llhr nachmittags vom Vorsitzenden der tschechoslowakischen Legionärge- mcinde in Raudnitz eröffnet wurde. Zunächst sprach Gen. Dr. C h a r v a t, der über FasciSmuL und Demokratie referierte, nach ihm schilderte ein Redner GajdaS Tätigkeit in den Legionen. Darauf antwortete Gajda, dec aber nicht imstande war die gegen ihn erhobenen Anwürfe zu entkrästcn. AlS er geendet hatte, sahen die Fascistcn, daß ihr Spiel verloren sei und verschwanden samt ihrem Führer auS dem Saale. Die Versammlung war eine empfindliche Niederlage GajdaS und seiner Leute. der Arbeiterbank seit einiger Zeit ins Ausland abdisponiert haben; die Arbeiterbank habe aber ebenso wie die anderen Banken einem staatlichen Kommissär unterstanden, der die Finanzgebarung sicher streng kontrolliert habe. Die Hauptgläu- biger der Bank waren die sozialdenwlratischen Gewerkschaften. Konsume und andere Unternehmungen, die ihr Kapital dort anlegten. In Oesterreich sei die geistige Vorbereitung der Massen auf die Kampagne gegen die„korrupte" Demokratie aber noch lange nicht so weit, wie seinerzeit in Deutschland. Ironisch meint daö Blatt, eS müsse den jetzigen Ministern Dollfuß, Buresch, Schuschnigg etc. peinlich sein, erst jetzt nachträglich zu der Ueberzeugung zu kommen, daß die Leute, mit denen sie lange Jahre auf gutem Fuße standen und Verkehr pflegten, jetzt auf einmal„Verbrecher" und„Diebe" seien. unter dem Deckmantel der Nächstenliebe Jeder wußte es, al« man die staatsfeindlich» Tätigkcit der nationalsozialistischen und Nationalpartei, cinstelltc, daß damit die Fascistcn nicht beseitigt sind und daß sic unter irgend einer Maske ihre Arbeit sorisctzcn lverden. Aus allen Gebieten wird zur Zeit eine erhöhte Tätigkeit in nationalen Vereinen und Organisationen gemeldet Darunter ist die des Bundes der Deutschen i n B ö h m e n. Diese, von jeher eine der größten deutschnationalen politischen Organisationen, kann umso leichter werben, als ihre Funktionäre vorgeben, Schutz- und Fürsorgcarbcit unter der deutschen Bevölkerung zu leisten. Die letzte Aktion, mit der sic die Masse zu ködern versuchen, ist die Aktion'„B rüder i n N o t". Durch sic«vollen sie der zentralen ArbeitS- loscnfürsorgx in den Gemeinden, die ihnen zu neutral, d. h. politisch ivertloS erscheint, ein Ende bereiten. Bisher tvurden in fast allen größeren Jndustricgcmcindcn Jahr für Jahr Hilfsaktionen sür die hungernden Arbeitslosen und deren Kinder cingeleitet und meist mit Erfolg durchgesührt. Diese zentrale Organisation der ArbcitSlosensür- sorgc hat sich außerordentlich bclvährt, sic mackue eine Verzettelung der Mittel unmöglich und schützte die Arbeitslosen vor politischem Mißbrauch. Das Bürgertum aber vermag offenbar die Schlappe, die ihm durch daS Parteiengesetz lvurdc, nickst verschmerzen, es lvill, angesporni durch den Sieg des FasciSmuS in Oesterreich, seine Stellungen lveiter aushauen und verlorene Positionen zurückcrobern Dazu ist ihm kein Mittel zu schlecht, auch nicht der Mißbrauch der Arbeitslosenfürsorge. Also bricht es mit dem Shstem der gemeinsamen Arbeitslosen sürsorge, die nur dem Hunger, nickst aber dem Marxismus entgegentritt und legt sich eine ihm passende Methode der p o l i t i sch wertvollen Fürsorge zurecht, unbekümmert der Konscgucnzcn, die logischer Weise aus diesem Schritt des Bürger- tums entstehen müssen. Dort, wo man sich der Aktion„Brüder in Not" verschworen hat, laufen nunmehr die Mittel des Bürgertums dem Bunde der Deutschen zu. dort muß der Arbeitslose, tvcnn er von den diese, Aktion cntsiaininendcn Mitteln ctivas sür sich in Anspruch nehme» will, ganz gleich, Ivelcher Weltanschauung er nachsirebt, die Unterstützung, die er vorher von neutraler Seite bezog, nunmehr aus den Händen politisch meist exponierter Menschen cnlgcgcnnchmcn. Waö das bedeutet, ist klar. Die Anteilnahme au der Aktion des Bundes der Deutschen ist mit politischem S c e l e n l a u s verbunden. Denn sic erstreckt sich nickst auf die dem Bunde angchörcnden Mitglieder, sondern aus die Masse der Arbeitslosen, die mcisi den politischen Bestrebungen dieser nationalen Organisation vollständig fremd, wenn nicht gar feindlich gegenüber steht und die man nun durch Almosen zur Dankbarkeit verpflichtet, abhängig macht von der Gnade von Leuten, die ihr Ziel in der Gewinnung der breiten Massen für den nationalen, fascistische» I Gedanken sehen. Deshalb erblicken wir in dieser vom Bunde propagierten Fürsorgcaktion nicht nur einen eni- scheidcndcn Schlag gegen die bisher geübte neutrale Fürsorgcorganisation durch die Gemeinden, sondern gleichzeitig auch eine neue, niedere Form des politisch-fascistischen Kampfes, der mit aller Entschiedenheit entgegegetreien werden muß. Nach wie vor bleiben die dazu bestimmte» Für- sorgcorganisationen, die sich parteimäßig deklarieren, dazu bestimmt, sür die Arbeitslosen und deren Kinder HilsSaktioiie» durchzusührcn, oder lvcnn dir Aktion neutral sein soll, die Gemeinden. Im Interesse der Fürsorgearbeit mutz gegen den Mißbrauch der Fürsorge zu politischen Zwecken Stellung genommen lverden. Dazu genügt die Ablehnung des Gesuches zu Sammlungen sür die Aktion„Brüder ist Not" durch die Behörden noch nicht. Die Aktion muß eingestellt und zur Weiter- führung den G e m e i n den übertragen werden. Nur so kann man die ArbcUSloscn vor poli- I tischcr Erpressung schützen. Ticnfinj 0. März 1934. Nr. 5« Cholera auf-en 5oo rote Philippinnen Tokio, 4. März. Racki hiesigen Fnfornia» tiourn nimmt die Ehvlern auf den Philippinen einen immer grösterrn Umfang an. Dir Zahl der Toten soll bereits 500 betragen. 2 0 0 0 1t r a n k- h e i t ö m c l d u n g e n sind bisher zu verzeichnen. Zur Bekämpfung der Epidemie sind alle erdenklichen Maünnhmcn getroffen. An ei»?,einen Punkten sind O.uarantänrstationen errichtet morden. Ter Ein künstlerisches Gedenkblatt rngnnste« der Öfterer Nothilfe Minuten nach I zwar beute Frau Die Der dem Streikunruhen in Belgien Brüssel, 5. März. Im Zusammenhang niit dem Tcxtilarbritrrstreit in Bcrvicrs kam es zu einigen ernste» Zwischenfällen. Zwei Arbeiter, die am Bahnhof mit dem Abladen von Wollbal- ien beschäftigt waren, wurden von Streikenden überfallen und durch Strinwürfe erheblich verlebt, ferner wurden mehrere mit Wolle geladene Last- tvagrn angrhalten und die Ladung auf den Erdboden zerstreut. Ter Führer eines Wolltranspor- trs wurde, als er mit seinem Fahrzeug die Flucht ergreifen wollte, von Streikenden verfolgt, aus dem Wage» gerisfen und niedergeschlagen. 10 Militärflugzeuge durch Explosion ze stört Fez, 4. März. Zwei Flieger, die einen Ung französische von Lille nach den französischen Kolonien- in Afrika unternehmen tvonten, wurden in Französisch-Marokko unter den Trümmern ihres Flugzeuges t o t aufgefunden. j niker. aufnahmen von der Ankunft Dimitrows und sc ner Genossen in Moskau, seiner Kundgebung? den Journalisten, sowie einige Episoden dcS ziger Prozesses. Wir werde» Eidechsen züchten. In stillgelegten T e x t i l>v a r e n- Fabri Zwei Kinder in Stücke zerrissen Bon einer Bombe aus dem Weltkrieg. Wollt, ö. März. In dem Orte Ampezzo bei Ildiue wurden zwei Kinder eines Finanzbeamten, die mit einer gefundenen Kriegsbombe spielten, infolge Erplosion der Bombe in S tückc gerissen. Vier Bergarbeiter verschüttet Kattowitz, 5. März. Ans der Kohlengrube„Litandra" in Rcubeuthen wurden heute durch ein: he.,.stürzende ohlenwand vier Bergarbeiter verschüttet. Ein Bergarbeiter fand den Tod, drei wurden schwer verlebt. nehmenden Herzen spendenden Hilfsbereiten wird damit für seine Gabe ein hochwertiges DankeSblatt geboten. Obiges Bild zeigt den Holzschnitt In verkleinertem Mahr, kann aber alsVervielfältigung natürlich dem Original nicht gleichkommen. Der Zweck ist in erster Linie, die Not- der nach den verunglückten Bergletiten Hinterbliebenen Witwen und Waisen lindern zu helfen, doch soll auch ein junger heimischer, ehrlich ringender Künstler wohlverdiente Förderung erfahren. Trapp ist ein mitzerordentlich vielseitiger und fleitzig schaffender Künstler, der gerade in der letzten Zeit durch eine ganze Reihe hochwertiger Arbeiten daö Interesse sachkundiger Beurteiler gesunden hat. Loste» In DSoemork Kopenhagen, 5. März. Der französische Flieger Eostes ist heute nachmittags 18 Uhr 18 attf deut Flughafen Kastrup eingetroffen. Der Teplitzer Künstler Georg HanS Trapp hat im Auftrage der„Sektion für bildende Kunst der MuseumS-Gesellschaft Teplitz einen Holzschnitt geschaffen, der zum Zwecke eines allgemeinen Hilfs Werkes und als Erinne- r n n g s l> l a t t zu Ehren der im Schacht verunglückten Helden der Arbeit herausgegeben wird. Um allen BevölkerungSkrcisen die Teilnahme an dem Hilfswerk zu ermöglichen und gleichzeitig wertvolle Kunst ins Volk zu tragen, hat die genannte Vereinigung beschlossen, den vom Künstler signierten Original-Holzschnitt zu dem billigen Preise von KL 18.— abzugeben. Ein weiterer Holzschnitt vom gleichen Künstler„In banger Erwartung" wird alS Postkarte zu Xe 1.— geliefert. Jüem aus teil« Dimitrow im Film. Alle Moskauer Kino Die Sicherung der Beweismittel auf dem Nelson»Schacht. TaS Kreisgericht in Brür hat in Angelegenheit der„Nelson"-Untersuchung den Gerichtssachverständigen zur Feststellung, inwieweit durch die behördlich genehmigten Gclbältigungsarbeiten die Svnrcn der Erplosion vielleicht verwischt werden könnten, die Möglichkeit gewährt, auch angerhalb des Rahmens der ttlerichtskoinntissiott Lo- lalaugcnscheine in der Grube vorzunehmcn. lieber die Ergebnisse solcher Besichtigungen müssen schriftliche Protokolle angefertigt und auch von einem Beamten der Schachtvcrwaltung unterfertigt tverdcn. Sie sind dem Gerichte vorznlcgcn. Das Gericht hat ferner Beschlüsse gesagt, die sich auf die Durchführung der Bergnngsarbei- ten und die Sicherung allfälliger Corpora delicti beziehen. So ordtrct das Gericht an, das; von Orten, toelche für die Kommission nicht ohne MaSke oder nur unter Lebensgefahr zugänglich waren. Gegenstände oder Beweismittel nicht nach Lbertags abtranSporticrt werden dürfen, ohne dast vorher für eine genügende Zeugen- schaft im Falle auftauchender Z w c i f c l d u r ch d i e i m Schacht beschäftigten Arbeiter getroffen tvurdc. An den für die Gerichtskonnnission zugänglichen ! Orten müssen alle Funde, auSgenontinen die Leichen der Katastrophcnopser» an ihrer Stelle verbleiben. Aufgefundenc Leichen werden in Abschnitten, wo ohne Maske und Lebensgefahr eingesahren tverdcit kann, zuerst von der aus dem Schachte an- Ivesendcn Gendarmctieassisienz besichtigt. Die Gendarmerie wird den Fundort und die Lage der Leichen fcsthalten, womöglich photographische Aufnahmen niachen und trachten, die Identität der Toten sicherzustcllen. Die Ein- und Ausfuhr aller Pcrsouen ist von der Gendarmcricassijtenz und der Schockst- Verwaltung zu kontrollieren und der Schachtverwaltung lvird aufgctragen. alle bei den Gewälti- gnngSarüciten beschäftigten Bergleute und technische Beamten zu belehren, das; niemand Spuren einer Strafhandlung verwischen darf. Nach Anhörung der Sachverständigen tvird das Gericht erlauben, das; in den von der Gc- richtSlommisston schon absolvierte» Teilen des Schachtes die Grubenarbeiten ausgenommen Wer-. I den dürfen. Die Malteser erwachen! Wien. ö. März. In einigen Tagen werden unter Führung des Grafen Alexander Van der St rasten 50 prominente Aristokraten aus Wien und Oesterreich eine Reise nach Nom antrcten, um an der dortigen Zusammenkunft aller Ordensritter des Malthcser-Ritterordcns teilzunehnien. An dem zwischen den 14. und 30. März stattsindendcn Kongrcst werden, wie verlautet, 2800 Adelige aus Oesterreich, Deutschland, Frankreich, England, der Tschechoslowakei, Polen, Belgien und Holland, tcilnehmcn. ES werden drei Empfänge, und zwar beim Papst e, beim Könige von Italien und beim Ministerpräsidenten Mussolini stattsindcn. einer k im Adlergebirge wird vcrsuchstvcise eine Farm zur Aufzucht von Eidechsen und?l l l i g n l o- r e n errichtet tverden. Der Leiter der Farm ist ein Tschechoslowake, der lange Zeit in Amerika gelebt und dort groste Zuckstplautagen besessen hat. Er will nur die edelsten Exemplare zur Züch- tung verwende». Die notwendige Wärme, dir unsere neuen Besucher brauchen, tvird man in den Turbinen der Fabrik auf elektrischem Wege erzeugen und in die einzelnen Käfige leiten. Blutige Straserpedition.„Daily Hcrald" meldet aus Brisbane, dast nach einem amtlichen Bericht bei einem Kampfe zwischen einer polizeilichen Strafexpcdition und Eingeborenen in Neuguinea Ist Papuas verwundet worden seien. Die Straserpedition sei in einem unter australischen Bölterbundmandat stehenden Teile Ncnguincas durchgcsührt tvorden. nm einen des Mordes verdächtigen Mann zu verhaften. 400.000 Druckschriften beschlagnahmt. Seit Inkrafttreten des„Gesetzes zum Schutze des Deutschen Volkes" sind in Leipzig beschlagnahmt worden: rund 60.000 Bücher. 85.000 Zeitschriften, 250.000 Broschüren, 1600 Bilder, 800 photographische Platten und zwei Filme. In der„Deutschen Bücherei" ist ein besonderer Rannt eingerichtet worden, in dem je ein Exemplar der beschlagnahmten Literaturerzcugnissc, auch der Geheimschriften, uniergebracht tvird. Dieser Raum steht unter Verschlust, i't für das Publikum nicht zugänglich und wird nur für sogenannte wissenschaftliche Arbeiteit freigegebcn. t Vom Rundfunk* Empfehlenswerte» aus den Programmen» Mittwoch. Prag, Sender L. 10.08: Dcntsche Nachrichten, 14.08: Deutscher ArbeitS Marktbericht, 16.03: Rundfunk für Kinder, 18.18: Tschech. Arbeitersendung, 18.88: Deutscher Arbeiterfunk: Maria Deutsch: WaS fordern wir am Internationalen Frauentag?, 18.88: Sozialinformationen, lv.00: Deutsche Nachrichten, 18.80: Smetana: Ztvei Witwen. Sender S. 14.80: Konzert der arbeitslosen Musiker, 18.10: Deuts cheAen- düng, Sachsel: Vorlesung— Lichtenstein, Stunde für Kinder, 18.48: Deutsche Nachrichten.— Brünn: 15.45: Jugend-Rundfunk, 16.00: Nachmittagskonzert, 18.25: Deutsche S en d ung: Liebeslieder von Straus; und Hugo Wolf, 18.45: Arbeitersendung: Jurda: Die Bedeutung der Sozialversicherung.— Prehburg: 19.20: Dvorak: Rusalka.— Berlin: 20.25: Ehopin.— Breslau: 23.00: Nachtkonzert.— KönigSwusterhausen: 18.00: Bruckner- Sinfonie IX.— Leipzig: 21.00: Wagner-Konzert. — Wien: 18.80: Konzert der Wiener Philharmo- zugcteilt. Agenda betreffend die Wiedcrgetvälligung Nelson-St" Brüx bis auf weiteres„„ Barvil, der zugleich Vorsitzender der vom Ar» bcitöministcrinm eingesetzten I Nntersuchungskoininisjion ist. Bcrnardiner in der Hohe» Tatra. Ter Klub tschechowalischcr Touristen teilt mit, das; heute| vormittag auf der Station in Poprad ein Transport der ersten für den Rettungsdienst in| der Hohen Tatra veslimmtci; Bcrnardiner nuS- gcladcn wurde. Im ganzen tvnrdcn vier prächtige Exemplare aus Prag expediert. In Poprad wurde, sofort ihre Dislozierung nackt den Hauptstattonen des Nettungödlenst.'S des Klubs tschechoslowakischer Touristen vorgcnommen. Mit der Ausbildung der Hunde werden sofort nach ihrer Akklimatisierung erprobte Instruktoren betraut werden, worauf sic mit EtniS, die daö notwendigste Sanitätümate- rial enthalten werden, anSgcstattet tverden sollen. 1 Masaryk-Strahc auch in Marienbild. In der letzicn Sitzung der Stadtvcrtrctung von Maricn- bad wurde aus Antrag der deutschen Sozialdcmo- lratcn einstiiumig beschlossen, die iintcr Kreuzbrunnstraste als Masaryk-Straste zu bezeichnen. Boinbrnanschlag in Shanghai. Bei einer> Gedächtnisfeier für die gefallenen japanischen Soldaten und Matrosen in Shanghai, an der' zahlreiche Militärs mit dem Gesandten Ariooshi■ an der Spitze tcilnahincn, lvarf ein unbekannter' Koreaner eine Bomb e. die aber nickst explo-1 Vierte. Die sofort von der japanischen Militär» s Polizei ausgenomnienc Verfolgung führte Festnahme, dl Schachtes führt der dem Nevierbergamt eine Gebühr zu entrichten sein, auf weiteres zngetcilte Bergrat Dr.> 1-° Dimitrow tm Film. Alle 'bet»behördlichen l'rnigeu neben dem lausenden Programm Film zu Lcip- Fliegerkatastrophen Paris, 4. März. Ein mit zwei Personen be- setzies französisches Privatflugzeug ist Sonntag Nachmittag bei Bony et Moisy abgestürzt, beiden Insassen Ivaren sofort tot. Unfall ereignete sich wenige Start. et Lravrnwortb lKansas), 8. März. Auf igen Flugplatz ereignete sich heute eine ge- .'ollc Explosion, die einen großen Brand ge batte. ES wurden 10 Militär- c u g e sowie eine Flugzeughalle r t und umfangreiches wissenschaftliches l schwer beschädigt. Ter Schaden wird auf ve Million Dollar geschätzt. Diese aus- egcnden Vorgänge tverdcn vqn den Blät- ' die lürzlich von: Präsidenten Roosevelt ' Anordnung zu rückgeführt, dast eine U n- ch u n g der Fälle von Sabotage der lugzenge vorgenommen werde. Den Gatten erstochen A n l a f?: ein 2 tück chr n Wur st Mährisch- O st r a tt, 4. März. Ter 35- jährigc Eiscnpahnbcdirnstrlc Anton 2 v a ä i 1 fütterte gestern während des Avrndrssrns seinen v tt n d mit rinigen Stückchen Wurst. Dies brachte seine lstattin derart in Wut, daü ste ihm mit einem Meiler einen Stich in die Brnst versrtstr. Schwervrrlrtzte wurde in brwtttnlosem Zu stande in das Krankenhaus gebracht, kam ans lttrzr Zeit tvirdcr>u sich, starb aber früh an der erlittenen schweren Verletzung. Svaöitovn wurde verhaftet. Die Frauen und Kinder der Tscheljuskin-Expedition gerettet Durey ein ruffifdjce Großflugzeug Moskau, 5. März. Dem Flieger Li avidewski und seinem Begleiter Petrow, die mit dem Großflugzeug„Ant IV" vom Kap Wellen zur Rettung-er Tscheljuskin-Exveditivn aus- gestiegen waren, ist es gelungen, ans einem vor bereiteten Plan vor dem Tschcljnslin-Lngcr zu landen und sämtliche im Lager drnndltchen zehn Frauen und zwei Kinder wohlbehalten nach Kav 'Wollen zu dringen. Tic Landung und der Aufstieg des Flugzeuges beim Tschelsuskin-Lager wickelte stch bei einem Anlatrs von nur 200 Metern erstaunlich glatt ad. Ter Erfolg der Rettungservedition ist nm so brmcrkrnswrnrr. als stch infolge der Kälte von fast 40 Grad zwischen dem Lande- vlay des Flugzeuges und dem Lager rin breiter Eisrist gebildet batte, so da» man znr llcber- fabrt eine Tchalttvve ans dem Lager drei Kilometer über das Eis schleppen mtisttc. Tie Fischer auf der Eisscholle. Die auf einer Eisscholle im Kaspische,t M c c r abgelriebe« neu Fischer konnten nach zehnt Tagen nunmehr saft vollzählig geborgen werden. Auf der Eisscholle befinden sich nur noch-18 Mann. Der Flieger Bargin brachte drei Fischer ans llser, die ctlva einen M o n a t auf der treibenden Eisscholle verbrackst haben. Voraussichtlich wird die Bergung der Fischer dank den gemeinsamen Operationen der Tantpser und Flugzeuge in den nächsten Tagen abgeschlossen tverden. Andorra nicht zu verkaufen. Der reiche Anterikancr latalanischcn Ursprung:- di Parilla Rocca hat deut Rat von Andorra seine Kandidatur für den Thron von Andorra angeboten und 400.000 Pesetas in barem als AbtrittSgeld dem Bischof in der spanischen Grenzstadt llrgcl fosort angeboten und erklärt, das;, wenn er zum Präsidenten von Angorra gewählt lvürdc, er alle Bür- i gcr von de» Steuern bcsreien und nette Einnah» . mequellen hcranziehcn werde. Die Versammlung , des Rates von Andorra lehnte jedoch ab. Arme werden nicht mehr eingcäichcrt. Wie j die Wiener Blätter melden, wurde das Wiener Krematorium geschlossen, das je zur Hälfte im Eigentum der Gemeinde Wien und des aufgc- löftcu sozialdemokratischen Vereines„Flanune" steht. Die Gemeinde Wien will das Krematorium weiterhin in Betrieb ballen, dockt tvird für die — bisher unentgeU.ichcn— Lr'..Ücnvcrbrennun- Dcntsche Ernciterung unter Rühm. Die Frage, wie sich in den nächsten Jahrzehnten der zadlenmästige Stand der deutschen Bevölkerung entwickeln wird, war daö Thema, mit welchem sich dieser Tage der Direktor des Statistischen Amtes in Berlin, Dr. Burgdorfer, bcfastte. Er führte aus. das; im deutschen Volke eine?lb- nähme des Lebenswillens zutage trete, was durch einen starken Geburtenrückgang zum Ausdruck komme. Ain meisten zeige sich dies in den Städten. so z. B. in Berlin, wo der Gcburtenverlust 60 Prozent betrage, in anderen Städten 40 Prozent. Nur am flachen Lande ergebe sich noch ein Geburtenüberjchus;. Aus Grund der derzeitigen Austeilung des deutschen Volkes nach Alters- stufcn könne angenommen werden, dast Deutschland die grösttc Einwohnerzahl etwa im Jahre 1945 aufwcisen werde u. zw. zirka 68 Millionen. Wenn die derzeitigen Verhältnisse bis zu dieser Zeit wirksam bleiben, dann müsse in den daraus folgenden Jahren ein Bevölkerungsrückgang eintretcn. der allmählich zunchmen würde, so dast gegen Ende des 20. Jahrhunderts Deutschland nurmehr etwa 50 Millionen. Einwohner zählen würde. Gleichzeitig mit diesem Bevölkerungsrückgang werde auch das Durchschnittsalter des deutschen VolkSlörpers steigen. Einem derartigen Verfall könne Dr. Burgdorfer zufolge nur durch Ieine vollkommene seelische Wiedergc- ! b u r t deS deutschen Volkes abgeholfen werden. j Gelinge dies nicht, dann sei jedwede Propa- gandatätigkcit umsonst.— Es verlautet, das; sich Herr!>i ö h m an dieser„seelischen Wiedergeburt" beteiligen wird. Die Kinder Hitler- tverden bereits ganz im Geiste dieser Wiedcrgc- burt erzogen. Ter neue Vorstand drs Brüxer Rrvierbrrg- nmtcs, Oberbergrat Ingenieur Jaroslav San- tock«. hat am Montag sein Amt angetreten. Ter bisherige Leiter des RevicrbergamteS, Bergrat Dr. Bolejntk, tvnrde dem Ministerium für öffentliche Arbeiten zugeteilt. Die bcrgbehördtiche des Str.»4 DienStag 6. März 1034 Seile 5 Antisemitische Exzesse in Polen Warschau, 5. März. In der Ortschaft JHe> (md öci Ezenstockmii kam:5 su antijüdischcn Ans« schreitnngcn. Dio Polizei vcrhasietc die Urheber der Ausschreitungen. Ocnle versuchte eine grosse Menschcmncngc die vcrhafteicu Exzedenten an-Z dein Pvlizeigcsängnis zu befreien. Tic Men,2 twmbardicrtc das Polizcigefängnis mit Steinen, so das; die Polizei schlicstlich gezwungen war, e i r «alvc in die-Luft abzngebcn, worauf sieh die Te- monstrantcn zerstreuten. Tic Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Boi den antijndisch» Ausschreitungen lvnrden zwei Kaufleute verletzt. Goebbels treibt Greuelpropaganda „Selbsthilfe" gegen Juden. Berlin, S. März. Amtlich lvird verlautbart: Der Reich-minisler für VollSansllnrung und Pro- paganda hat au die Landesregierungen folgendes Ersuchen gerichtet: In zunehmendem Maste wird beobachtet, da st N i ch t a r i c r, die bereits verschwunden und grötztcnteils offenbar ins Ausland geflüchtet waren, in Theater, Varietes, Kabaretts usw. wieder auftrelen. Ich iveisc daraus hi», dast das Auftreten auf deutschen Bühnen von der Angehörigkeit zu einem der Fachverbände der ReichS- Ihcalcrkammer abhängig ist(8> der ersten Durchführungsverordnung zum Rcicbskullnrkcnmncr- gesetz, R. st!. Bl. 1«eite 707), und dast Nicht- aricrn die Aufnahme in diese Verbände gemäst 8 10 der bezeichneten Verordnung regclmästig verweigert wird. Ich bitte deshalb, die Polizeibehörden auzniveiscn, in allen in Frage kommenden Fällen den Nachlvciü der VerbandSzugehürigkeit zu verlangen und, wenn er nicht erbracht tvcrdeu kann, das Auftreten zu verhindern. Ich stelle wci- tcrS anheim, Fälle, in denen eine VerbandSzugc- hörigkcit»achgclviesen wird, zur Kcnniniö des Präsidenten der RcichStheaterkammer zu bringen, damit der Fall einer Nachprüfung unterzogen wird. Ich bitte um nachdrückliche Durchführung meines Ersuchens. ES darf nicht dahin kommen, das« sich daS Publikuin gegen daS Anftretc» von Elrmrntrn, von denen rS bereits befreit zu fein glaubte, mit Selbsthilfe zur Wehr fetzt. Prozeß um den Rasputin-Mord London, ü. März.(Reuter.) Die Prinzefjin Jussupow, eine Nichte deS ermordeten Zaren Nikolaus II., hat ihren Prozcst gegen die Filmgesellschaft, welche den Film»Rasputin" hcrjlcllte, gewonnen. Das Gericht-hab ihr.eine Entschädigung im Betrage von 20.000 Pfund Sterling als Ersah dafür zugesprochen, dast sic durch diesen Film in ihrer Ehre beeinträchtigt tvurdc. Die Prinzessin klagte bekanntlich deshalb, weil sie in dem Film als Prinzessin Natascha dargcstcsit wurde, und zwar in einer Weise, dast die Gestalt der Natascha so aufgcfastt wurde, als ob sie mit Rasputin sehr intime Beziehungen unterhalten habe. Tausende gegen eine« London, ä. März. Zu der aufsehenerregenden Flucht des berüchtigten Bankräubers Dillinger aus dem StaatSgefängniS von Indiana meldet Reuter aus Crolvnpoints, dast t a n- sende von P o l i z i st c n und Milizsoldaten in Indiana,-Ohio und Illinois aufgebote» worden sind, um den Verbrecher tvieder zu fassen. Mit Hilfe der von ihm selbst angefertigten Pisto- lemvasse hat Dillinger die zahlreichen Wärter cin- znsckmchtern verstanden, die zu seiner Bewachung, oufgeboten waren. Zur Flucht beuühte er den siraftlvagen der GefängniSdirck- > o r i n. Der AnSbruch des Schwerverbrechers aus der Strafanstalt gelang, obtvohl diese von einer 5 0 Mann st a r k c n P o st e n k e t t e umgeben war. Ren« Berhaflnugen um StavisN, Paris, 4. März. Der gestrige Tag brachte einige Fonschritic in der Untersuchung der Affäre Stavisty.-Es wurde der Advokat Gibaud- Ribaud wegen Teilnahme an den Betrügereien und wegen Verheimlichung von Betrügereien verhaftet. In Bayonne tvurdc der ehemalige Poli- z c i l o m m i s s a r D i g o i n verhaftet, dem die Aufsicht über das dortige Pfandleihamt ander» irant war. In Paris hat die Polizei einige Hausdurchsuchungen vorgenommen, darunter bei dem Ad v o t a t e n d e r F r a n S t a v! s k y, wo sie weitere 50 Scheckabschnitte mit den Namen von Personen auffand, denen Stavisky Geld auszahlen lieh. Frau Stavisky tvählie zu ihrem Verteidiger den berühmten Advokaten Moro-Giafferi. Dieser ersuchte, Frau Stavisky einstweilen freizulassen, da eine Frau nach französischen Gesetzen nicht vcr- vslichtct sei, gegen ihren Mann auSznsagcn. Der Untersuchungsrichter in Bayonne hat diesem Er- >nchcn nicht stattgcgeben und Frau Stavisky zu einem Verhöre nach Bayonne vorgeladen. »Feierlich" unterworfen... Paris, 5. März. Französische Militärabtei- lnngen unternahmen im Süd-Marokko eine weitere Expedition, welche diesmal unblutig verlausen ist. lieber 0000 Familien der aufrühre- uschen Stämme haben sich unterworfen. Gcrlchlssaal I i von der nahezu„absoluten der Angestellten in existenzieller hat. Zu dieseni Punkte dürste prächtige Illustration geliefert baden, lind weiter wird bei dieser Gelegenheit vermerk», dast der„u a t i o n a l" e i n g e st e l l t e „Bund deutscher Bauk- und Sparkassenbeamteu im D. ,tz. V.", dem die Majorität des Aussiger BetricbS- rateS der M. d. D. angehörte, n i ch t d e. n F i n g e r gern l> r l lmt, um dem mm gerichtlich sestgestell- teu Rechi des ichikanierten und eristeuziell bedrohten TienstnelmterS zur Geltung zu verhelfen. Dies hat erst die RechtSschutzabteiluug des freigewerkschaftlichen Verbandes dnrchgesetzt. Bg. Man sollte annehmen, dast ein Geldinstitut, dadurch seinen Firmatitel sich als Geldanstalt des Volkes im weitesten«inne des Wortes präsentiert, für die Interessen seiner Angestelltenschaft besonderes Verständnis haben und den Gewerkschaftsvertretern die ihnen durch die Versasinng gelvälirleisteie und durch weitere Gesetze geschützte. MeinnngS- und Aktionsfreiheit ohne weiteres znerkcnnen sollte. Die„K r e d i t a n st a l t der Deutsche n" hat im Vorjahr ganz im Gegensatz zu diesem ielbiwcrjlündlicheu Grundsatz, an einem Ver- irancnSmann deö„Verbandes der Bank- und Spar- kasseubeamten" ein„Exempel zu statuieren" verflicht, das in den letzten Tagen durch Urteil des Prager Preisgerichtes die verdiente Inrückweisung erfahren hat. Oberbuchhalter Friestlich, seit 1028 in den Diensten derK. d. D., erhielt im Jahre 1024 das De f i n i t i v u m und>028 einen s n st e m i s i e r- t e n Posten bei der Filiale A u s s i g. Er war führender Vertrauensmann des„Verbandes der Bank und Sparkassenbeamtcn". Diese Tätigkeit war es nach allgemeiner Meinung, die ihm trotz einwandfreier Dienstleistung int Jänner v. I. die plötzliche und nnliegriindete Suspendierung und gleich darauf.Kündigung zmn Schluss des ersten Quartals eintrug. Tie Folge war die Einbringung einer.»läge gegen die A. d. D., in welcher geltend gemacht! wurde, dast die Kündigung des.Ulägers ihren Grund lediglich in seiner gewerkschastlichen Betätigung habe und daher gegen daS»erfaisunqsgeniäü garantierte Koali- tionSrecht, gegen das Terrorgesetz und überhaupt gegen die guten Sitten im Sinne des Allg. Bürgerlichen Gesetzbuches verftohe. Ferner wurde in der.»läge angesührt, dast ein definitiver und siistemisierter Beamter mir aus wichtigen Gründen entlassen werden dürfe, die im vorliegenden Fall überhaupt nicht in Frage stehen. Ein weiterer Pnnkt der Klage forderte, die nachträgliche Honorierung von ll e b e r st u n d e n a r b e i l, die bei diesem Institut in so reichlichem Ausmaste diktiert worden war, dast der Filialleiter W ü n s ch e bereits wegen Ileberlretnng der geltenden Vorschriften zu einer beträchtlichen Geldstrafe vcriirleilt wurde. Charakteristisch war die Einwendung der geklagten K. d. D., dast nämlich Tefinitivum und Syftemisierung rechtlich völlig bedeutungslos seien. ff Prager Arbeitsgericht verhindert Persekution der Angestelltenvertreter Die gewerkschastsfeindliche Kreditanstatt der Deutschen" Eine zweitausendjährige.Handschrist. Ans der Stadt des Vatikans wird berichtet: Wie das Institut „Ta Propaganda side" mitteilt, hat in Istanbul ein arabischer Antiquitätenhändler dem dortigen StaatSmuseum ein Bibelexemplar zum Kauf angeboten, daS 64 groste Pergamenlblätter mit handschriftlichen Anfzeichnungen enthält. Nach dem Urteil von Experten soll diese Bibel etwa 2000 Jahre alt sein. Eine eigene.Kommission ivurde mit dem Studium dieser ungewöhnlich seltenen Handschrift betraut. Der Preis. Ein Ausländer und ein Mitteleuro- päer sitzen in einem Berliner Eakä über einer illustrierten Zeitung. Der Mitteleuropäer ilüsiert den» andern einige Erläuterungen zu den Bildern einiger Staatsmänner.„Sehn Sie, der hier— der hier, der ist völlig abhängig von einigen Lnstknaven.— lind der hier ist ein Fememörder.— lind dem Dicken haben die Junker kürzlich ein Gut geschenkt!— Und hier, der Oberste von allen dem hat die Schwerindustrie im Lauf der Jahre Millionen gestiftet!"„Ja zum Donnerwetter," flüstert der Ansländer erregt zurück, gibts denn in dieser Partei keine anständigen Politiker?!"„Oja," antwortet der Mittelenropäer, „aber sehr teuer..."(„SimplieuS".) Prager Henker auf der Anklagebank Wegen Unzucht wider die Natur. Prag, 5. März. DaS Henkerami, seinerzeit«in „unehrliches" Gewerbe, dessen AuSüber von jedeni unbescholtenen Bürger genneden wurde wie Pest und Tod, ist heute zu einem nicht zu verachtenden Nebenerwerb geworden, der neben einem nicht ganz unansehnlichen Monalügehalt noch Extra- g r a t i f i k a t i o n e n für jeden gebrochenen Halswirbel einbringt und dem ansterdem in den reaktionären Blättern„nationaler" und vor allem„ch r i st l i ch e r" Observanz feurigste Reklame gemacht wird. Ter letzte Inhaber dieser gottgefälligen gewerblichen Konzession war ein Herr B r o u m a r s k ü, der aber nicht lange seines segensreichen Amtes waltete, sondern ziemlich bald wegen allerhand fragwürdiger Dinge abgesetzi Ivurde. Erst als man das Strafverfahren gegen den Ex-Henker einleitete—- es handelte sieb nm eine Anzeige wegen widernatürlicher ll n z u ch l — erfuhr man, dast der Name B r o u m a r s k ü sozusagen nur ein Pseudonym, ein.Minstlernamen" Ivar und dast der gewesene Scharfrichter eigentlich Franz R e ü y b a hiest und Gendarmeriewachtmeister im Ruhestande war. Rach seiner Verabschiedung wurde dieses frühere Ange und nachmaliger Arm des Gesetzes Handelsvertreter. Als Kollegen hatte er in dieser Anstellung einen gewesenen Reporter der Stiibrnh» presse namens V o b o r i I und einen gewissen Albrecht K u b i t c k, mit denen er öslers gemeinsam auf Reisen fuhr. Mit diesen Leuten soll nun der Henker im Ruhestande lvideruatürliche Beziehungen unterhalten haben, und zwar unter Ausnützung ihrer finanziellen Notlage, da sie bei weitem nicht das verdienten, wie der ehemalige Prager Scharfrichter, dem anscheinend sein früherer Beruf eine gewisse Reklame machte. Wegen dieser Sache war Bron- marskli-Aehyba seinerzeit vor dem B r ü n n e r Kreisgericht zu fünf Monaten schweren Kerker- verurteilt worden. Ta aber nach der Verurteilung neue Straftaten der gleichen Art zutage gekommen waren, wurde heute vor dem hiesigen Gericht in gleicher Angelegenheit verhandel! — natürlich unter A u ö s ch I u st derOef- f e n t l i ch k e i t. Nach der öffentlichen Urteilsbegründung zu schliesten, haben die drei„Freunde" einander gegenseitig wacker belastet. Tic beiden Mitangeklagten bekamen je zwei M o n at e Ketter, Broumarskyh-Nehyba aber nur eine Z u s a tz st r a f e von gleichfalls zwei Monate n, da er bereits wegen des gleichen Deliktes eine rechtskräftige fünfmonatige Kerkerstrafe erhal- ten hat. Alle Strafen sind bedingt. rb. e o p o l d S ch lv a r z s ch i l d s im Tagebuch", der den Titel, den ihm die und Montagszcitung" gab, tatsächlich! und zu den i n j a m st e n L c i ch t fertig k e i t c n gehört, die ein Mann, der zur Linken gezählt sein lviil, aber nicht mehr gezählt werden kann, je von sich gab. Kein Wort des Protestes, kein Wort des Abscheus gegen die christlicb- dcutschcn Volksgenossen-Mörder, nur ein ganz leises Bedauern der„sinnlosen" Opfer, das den Sprung von links nach rechts nicht zu jäh erscheinen lassen soll— im nvrigcu eine..realpolitisch" gehaltene Mahnung an die Linke der Welt, insbesondere der„Westlvelt"— sür diese Wortschöpfung verdienie der Schlvarzschild von Goebbels dekoriert zu werden— Dollfuß zu unterstützen. Stürzt Toltsust, falle mit ihm die Selbständigkeit Oesterreichs. Tann sei der Anschlust de facto vollzogen, die fascistischc llmllammerung der Tschechoslowakei Tatsache, die politischen und strategischen Positionen des revisionistischen Blockes lvärcn dadurch um so vieles günstiger, dast sein Risiko für den Kriegsfall sehr gesunken und damit die Kriegsgefahr noch akuter geworden wäre. »Wer hätte anno 1014", erstaunt sich Herr Schlvarzschild,„der Frage Aufmerksamkeit geschenkt, ob Belgien dieses oder jenes Regicrungö- system hat?" und verrät mit dieser Frage eine Lücke des Gedächtnisses und der Bildung, die allein ein genügender Befähigungsnachweis zum Rechts Publizisten darstellt. Das an sich gar nicht problematische innerpolitischc Regime Belgiens fand die grösste Aufmerksamkeit, die demokratische Welt liest eS sich allerhand kosten, dieses Regime gegen die Horden des Kaisers zu verteidigen. Wir sind nicht so naiv, anzunchmcn, die Entente hatte kein anderes KriegSzicl gehabt als die Freiheit Belgiens. In die Freiheit eines kleinen Volkes Kapital zu investieren, wenn cö leine Zinsen trägt, sand sich noch nie eine imperialistische Macht bereit. Aber die Befreiung und die Rache für Belgien spielte im Bewusstsein der Völker der Ententcstaatcn eine wahrhaftig nicht kleine Rolle, die Parole„Rache für Belgien" erhöhte die Kriegsbereitschaft der Völker der„Westlvelt", befähigte sic zu jenem Turchhalten. zu dem Deutschland, nicht nur wegen Materialnot, im Laufe des Krieges immer unfähiger wurde. Die von Herrn Schlvarzschild nicht registrierte Aufmerksamkeit für daS RegicrungSsystcin in Belgien 1014 bis anno 1018 trug sogar einiges zum Sieg der »Westwelt" über daS kaiserliche Deutschland bei. llnd die europäische Linke sollte dem Regime in Oesterreich anno 1931 keine Aufmerksamkeit widmen? Hauptsache, es sei„unabhängig". Selbst wenn die sozialistische Linke so bar jeden Ehrgefühles wird, dast sie sich zu einer„Realpolitik" versteigen könnte, die den Mörder Dollsust gegen den Meuchler Hitler stützt, selbst wenn sie sich von Herrn Schwarzschild beraten licstc, hieste das nur, dast sie schlecht beraten Ivurde. Denn die Selbst ä n d i g k e i t O c st e r r e i ch S ist heute nicht mehr zu verteidigen, sie i st w i c d c r h c r z n- st e l l e n l Mit der Feberschlacht 1034 wurde nicht nur die politische Organisation der österreichischen Arbeiterklasse in die Illegalität verbannt, wurden in Oesterreich auf einige Zeit nicht nur alle Freiheiten zertrümmert, die erst daö Leben auch in einem unabhängigen Staat lebenswert mache» und die auch Herr Schlvarzschild schätzen dürfte, da er doch um ihretloillen seinen Wohnsitz von Berlin zuerst nach München und dann nach Paris verlegte— mit dem Sieg des bodenständigen FasciSmuS würde Oesterreich zu einer Satrapie Italiens. Die Einkreisung der der demokratischen Tschechoslowakei durch fascistischc Mäcble ist keine drohende, sondern eine vollzogene Tatsache. Eine sonderbare Realpolitik, die das nicht wahrhaben Willi Die strategische und die politijckic Position deS Revisionismus, der Henle mit dem FasciSmuS identisch ist, hat sich bereits latajtro- phal verbessert. DaS wäre zu vermeiden gclvcscn, wenn die demokralischc und antirevisionislischc Politik und Diplomatie nur einen Bruchteil der AI- tivität und Entschlossenheit aufgebracht hüllen, die die Mussolini und Suvich, die Hitler und Rosenberg gezeigt haben. Dock' ist cS nicht zu spät! Der Kampf»in die Dcmokrniie, der nicht nur eine Angelegenheit der Sozialisten allein ist— daS tschechische Volk möge fickt vor Augen halten, dast ganz gleich ob die grostdeutsch-hitlerische oder die italic- nisch-schlvarzgelbc Spielart die fascistischc Hegemonie erringt, seine nationale Existenz gründlicher vernichtet werden lvird als nach der Schlackst am Meisten Berge— der Kampf der Demokratie ist noch nickst verloren. Aber er must geführt werden! lind an die Galgen, an die Herr Schlvarzschild nicht denken mag, must gedacht werden! Wenn je ein von Psasfen„ohne Milde" vollzogener legaler Mord, die abschreckende Wirkung haben kann, die die Theoretiker einer barbarischen Sirasrechtspslegc behaupten, so die Justifizierung der neun Schuhbundhclden. Das wird Schicksal der noch freien Völker, lvenn eS ihnen nickst gelingt, ihre Freiheit zu verteidigen! Die Freiheit lässt sich aber nur verteidigen in der Offensive gegen die Knechtschaft, dort, lvo sic schon herrscht. Kein Sozialist, kein Demokrat kann Dollsust unterstützen, denn die blutige lkntcrdrückung der österreichischen Sozialisten ist nicht nur eine ungeheuere Beleidigung unseres GcfühlcS, sic ist auch eine sehr ernste Bedrohung unserer Sicherheit und Freiheit. Sie uns zu sichern, den österreichischen Genossen zurückzubringen, darf uns kein Einsatz zu hoch sein! Noch ist eS nicht zu spät! Noch können wir siegen unter dem Schlachtruf: Rache für O c st c r r e i ch! Ein Sofortprogramm des Französischen Gewerkschaftsbundes (IGB) Die am 21. und 22. Feber in Paris abgchaltcne Sitzung des Nationalratcö deS Französischen Gewerkschastsbundcs(EGT) be- sastte sich eingehend niit der durch den kürzlichen sascistischcn Putsch geschaffenen Lage und der damit verbundenen Kampagne gegen Parlament und Verfassung, der u. a. durch sachliche und konkrete Forderungen der Gewerkschaften begegnet werden soll. Ionhaiix führte in seiner einleitenden Rede in diesem Zusammenhang u. a. aus: „Wir dürfen unS in unserer Aktion nicht mit flammenden Worten zufrieden geben. Nichts lväre schlimmer als die Verwirrung. Wir müssen vor allem Klarheit schassen. Da die C. G. T. allen ein durchführbares Programm nnterbrcitcn soll, darf dieses Programm nicht in der Lust schweben, sondern eS must ein Sofortprogramm sein; cö must die Sicherheit in der Gegenwart bringen, nm den Marsch in die Zukunft zu sichern. Wir können deshalb nicht nur die Forderungen der Arbeiter darin niedcrlegen. Tic C. G. T„ die an sich eine Zusammenfassung der verschiedensten Elemente ist, mutz in ihrem Programm alle jene berücksichtigen, die lverktätig sind: Bauern, kleine Kaufleute, Handwerker und Intellektuelle. Wenden wir uns an jene, die unseren-Organisationen noch nicht angehören. Wenden wir uns an die Jugendlichen, die heute ohne Zukunft sind. Wir dürfen unS nicht auf unsere eigenen Kreise beschränken. Wir müssen uns in den Rahmen der Nation stellen, um sie zu beleben und sic zu führen!" ES handle sich bei diesen Begriffen um„rein intern«Verhält nisse" und die K. d. D. sei ii b e r h a n p t keine Bank. Im übrigen wurde dem Kläger Vorgelvorfen, er habe „Sabotage" getrieben. Selbstverständlich wurde auch die Neberstundenarbeit bestritten. Nach langloierigem Prozest wurde endlich das llrteil des Arbeitsgerichts zugestellt, durch das die Kündigung als ungültig erklärt, die K. d. D. zur Auszahlung deö gebührenden Gehalte» verurteilt und eine Ueberstnndenentfchädigung von 1502 Ke zuerkannt wird. In der ilrteilshegründung wird u. a. betont, dast die Recht-begrisse Tefinitivum und Syslemi» siernng heute zu den gangbarsten Begrifsen des täglichen Lebens gehören. Daher müsse ihnen der im redlichen Verkehr übliche Sinn beigelegt werden, dast ein solches Verhältnis eben durch existenzielle Sicherung des Angestellten gekennzeichnet sei, dast also latsäckstich mir>v i ch t i g e Gründe für gerechtfertigte einseitige Lösung des DienstverhütinisscS in Frage kommen können. Die von der beklagten K. d. D. angesührten Entlassungsgründe wurden vom Gericht als unbegründet verworfen, wobei zur Infonnation zit bemerken ist, dast der Entlafsene stets vorzüglich qualifiziert Ivar. Soweit das sicher erfreuliche und gerechte llrteil des Arbeitsgerichts, das vielleicht auch über das Ge- I biet des in Frage flehenden Institiitö heilsame Wir- tmig iiben wird. In Bankangestelltenkrcisen wird mit Reckst die kuriose Tatsache glossiert, dast eben diese 11'. d. D., die jetzt Tefinitivum und Systcmisieruna als rechtlich belanglose Fornialitäten hinzui'icllen sucht, seinerzeit mit diesen Schlagtvorten groste Reklame gemacht und Sicherung" Hinsicht gesprochen dieser Prozes; eine . Linkspublizistik für Dollfuß? linier dem Titel„Linkspublizistil sür Doll- snst!" zitiert ein Blatt der Krukenkreuzjuden. die »Wiener Sonn- und Montagszcitung" eine» Artikel L WM „Reuen »Sonnverdient Seite S „Sozialdemokrat" Dienstag«. März 1834 Nr. 54 PRÄGE« ZBITlJWa Kreiskonfcrenz der Lugend Sonntag, i»n bald 10 Uhr vormittag-, fand im Parteiheini dir Kreiskonferenz der Prager Jugend- organifation statt. Die Konferenz wurde von Genossen Wil 1 imek eingeleitet, indem er die an- wescndcn Vertreter der Partei, der Freien Ver- einignng soi. Akademiter, der tschechischen Genossen und des Al US im Namen aller Amvesenden begrüsste. lieber das vergangene ArbeitSjahr referierte Gen. H ü b n e r. Vis zil den Ferien Ivar cs möglich, alle drei Gruppen der Jugendorganisation fest gusackmenzuhalten. Nachher ivaren aber die immer grösser werdenden beruslichen Unterschiede unter den Gruppen nur sebc schwer überwindbare Hindernisse. Daun erstattete Gen. F a n t I Bericht über daS AgitationSlager der 2. I. III. in Albern. Diese Aktion batte vollen Erfolg. ES gelang dort den Jugendlichen eine<5. I.-Gruppe und eine Kinder- sreundcbetvcglmg ins Leben zn rufen. Es sei notwendig, noch so eine Aktion durchzusnhrcn, um die wichtigen Positionen, die erobert wurden, zu festigen. Gen. W i l l i m e t berichtete wieder über die interessante Spanien- und Afrikafahrt der Studentengenossen. Aufmerksam wurde das Referat des Gen. Ferrh S ch i in ntel über das neue Perbandsprogrannn angehört. DaS Bürgertum verlasst die Demokratie, wo es ihm nur möglich ist und führt den Klassenkamps mit nndemokratischen Mitteln. Es ist deshalb nolwendig, das; unsere Jugend auch diesen neuen Kampfmethoden gewachsen ist. Darnach gestaltet sich unsere BildungS- und Schulungsarbeit. Auch unsere Stellung zum Krieg und Militarismus muss im neuen Progranmr klar bervortreten. In der auschlie- ssendcn Diskussion wird besonders die kritische Etel», lungnahme zur Demokratie und die Ablehnung der Irrlehre vom Präventivkrieg hervorgehoben. Von den Gen. Ernst llllmann, Mizzi Schwa b und Otto Iltis wird die Notwendigleit de» Einflusses der Jugend auf die Parteipresse gezeigt. Es wird beschlossen, die Redaktion zn ersuchen, periodisch eine Jugendbeilnge erscheinen zu lassen. Gen. Hübner schlägt eine Neueinteilung der Organisation nach Stadtteilen vor. Er, betrachtet diesen Vorschlag als die einzige Möglichkeit zur Beseitigung der schon früher erwähnten Unterschiede der Gruppen. Ta dieser Vorschlag schon, vorher gründlich besvrocheit wurde, wird er ohne Diskussion > inskimmig angenommen. In die Kreisleitung wurden gewählt: K r o b o t, E b rli ch, K o h n, I e n s e u, N e u-- m a nn, Slonitz, Kieke k, Druck. In die K o n t r o l l e: S t e i n e r, P e s ch e k, lt l l m a n n, F a n t l. Tie Konferenz schloss mit der„Internationale". Kommunistische Geheimdruckerei ausgehoben. Gestern nachmittags haben Beamte der Prager politischen Polizei eine konununistische Geheimhrulterei in Neu-Vhsotän auSgehoben. In der Wohnung einxS gewissen Josef C e ch fand man zahlreiches Material und Dokumente, sowie mehrere Exemplare der illegalen Zeitschrift„Rozsevakra". Gleichzeitig verhaftete man bei Cccü einen Mann, der sich als Frau- iisek K a p l a u legitimierte und eine Angestellte des .Konsumvereins V k e l a, Frau Pawla Kola r. Die. Polizeibehörden stellten jedoch bald darauf fest, das; Kaplan ihnen einen falschen Namen angegeben batte. Er beisst in Wirklichkeit Karl S k o k e k, ist LI Jahre alt und stammt aus Mähren. Vor einigen Jahren war er bereits einnial verhaftet und hatte inehrere Monate int Gefängnis gesessen. Famllien-Tragödie. Zn einer Familien-Tragödie mit tödlichem Atlsgang, kam es gestern in P r o- s e. k. Vor etwa einem halben Jahr war der arbeitslose Kessuer Josef C h l a p e c mit seiner Frau und seinen drei Kindern von Prag nach P r o s e k übersiedelt. Ta die Frau kurz darauf hier in Prag als Köchin in einem Kaffeehaus Stellung fand, trug sie. dem Mann auf, während ihrer Abwesenheit,die .Kinder zu überwachen. Chlapec tat dies jedoch nicht. Er ging lieber ins Wirtshaus und trank, während die Kinder zu Hause vor Hunger weinten. Als Frau Cblapee am Sonntag nach Prosek kam fand sie denselben Instand wie schon so oft vor. Der Mann nicht zu Hause— die Kinder in Tränen. Verzweifelt Nagte die Frau ihrem Bruder, dem Soldaten des Artillerie Regiments 101 ans Ruch«, I. Gampe, der zu Besucli gekommen war, ihr Leid. AIS Chlapec am siüitcn Arend angeirnuke» heiinkam, gab es zwischen dem Man» und seinen Angehörigen erbitterten Streit. G o m p e wart dem Schwager schliesslich einen Sessel an den Kopf. Chlapec fiel zu Boden, man glaubte zuerst, er sei bewusstlos. Der herbeige« rnsene Arzt konnte jedoch nur noch den Tod feststellen. Gompe fuhr noch am gleichen Abend zu seinem Regiment zurück, erstattete dem diensthabenden Offizier Bericht und wurde daraufhin dem Militärgefängnis übergeben. Diebstähle. Unbekannte Täter raubten am Montag dem Kürschner G r u b n e t in der Myslik-Gasse drei Silberfüchse, einen Blaufuchs und einen Bisam- Mantel. Der Schaden beträgt 0000 KC.— Aus dem Geschäft M. K a b, Prag l, Provaznicka 11, stahlen Diebe Luruswäsche im Werte von 11.000 Kt, ES war nich! die geringste Spur eines Einbruchs zu finden. Nicht einmal die Ladentür hatten diese „Meister ihres Handwerks" beschädigt. Feuerwehrmann schwer verleht. Am Sonntag früh kehrte der Feuerwehrmann Wenzel S l a v i k von einer freiwilligen Dienstübung in seine Wohnung nach Vrvdvice zurück. Unterwegs rutschte er aus, siel hin und so nnglUcklich, dass er sich Fuss und Bein brach. Slabik wurde inS Allgemeine Krankenhaus gebracht. NngliickSfall beim Fussballspiel. Sonntag nach- niittagS wurde dem Tormann der„Ccchie", Georg B o r es aus Zis k o v, beim Fussballspiel in Ii- » o n i e e ein Ball so unglücklich zugeworfen, dass Aoteä schwere Kopsverlebungen davontrug. Er inusste in» Allgemeine Krankenhaus gebracht werden. Schwere DerkehrSunsäüe. Am Wenzelsplatz hat sich am Sonntag nachmittags ein schwerer Ber- kehrSnnfall ereignet. Das Ehepaar Miroslav und Anna M u n z a r, beide 60 Jahre alt, wollten Ecke Wenzclsvlatz und Wassergasse überschreiten. Dabei wurden sie von einer in voller Fahrt herannahenden Strassenbahn erfasst. Die alten Leute gerieten unter die Schutzvorrichtung, und es bedurfte grosser Anstrengungen, um sic hcrvorzuholcn. Beide haben schwere Verletzungen erlitten. Der Zustand von Frau Munzar wird von den Aerztcn als h o f f n u n g s« l o s geschildert.— Gegen 7 Uhr abends ging am Sonntag der 47jährige beschäftigungslose Kellner Josef Lux aus Vbso 5 an in L i b e ft über die Königin Hofer Strasse. Plötzlich erlitt der Man» einen Schwindelanfall. fiel hin und geriet unter die Strassenbahn 19, die von dem Lenker nicht mehr rechtzeitig gebremst werden konnte,. Lux erlitt schwere Kopfverletzungen und starb einige Stunden darauf im Allgemeinen Krankenhaus, ohne das Bewusstsein wieder erlangt zu haben. Der Fall wird noch eine nachträgliche gerichtliche Untersuchung zur Folge haben. Selbstmorde am Sonntag. In der Nacht vom Sonntag zum Montag worf sich der 22jährige Student der Rechte, Mcjmir Nk ec, Sohn eines Be- zirkSrichters, am B a r r a n d o v vor die Räder eines herannahenden Zuges. Er konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Nemec stand kurz vor seinem Examen, das er wegen seiner besonderen Schwere fürchtete. Man vermutet das Nkotiv des Selbstmordes in dieser Examenangst.— Am Sonntag abends fand nian die Lstjährssie Albine H e j d a in ihrer Wohnung in Prag II erhängt auf. Frau Hajda litt seit längerer Zeit an einer schweren Nervenkrankheit. Kunst und Wissen Wenn ich wollte.... ein amüsantes, sauberes, in der Gesinnung anständiges, allerdings im dritten Akt an zn geringer Handlungs-Ergiebigkeit erlahmendes Lustspiel von Paul Gerald!) brachte Sonntag das Publikum des Deutschen Theaters in angenehmste und heiterste Stimmung. Die gastierenden Wiener Künstler vom Theater in der Josef st adt tummelten sich in vorbildlicher Unbeschwertheit auf dem freundlichen Terrain, auf dem, in besonderem Fall und doch nicht ohne Allgemeingültigkeit, die Frage auSgefochten wird, ob eine anständige, liebende und geliebte Ehegattin nicht doch einnml der Versuchung der Gefallsucht und des Sich- selbstimponierenS als anziehende Fra» gedanklich und gsogar mit leise spielerischer Tat unterliegen, dennoch aber nichts Unsauberes begehen und mit gesteigertem Wert auch für die Ehe in diese beglückend und beglückt zurückkehren könne, eben Iveil sie nicht aufgehört hat, im buchstäblichen und im tieferen Sinne treu zu bleiben. Lili DarvaS spielt diese Frau mit entzückender Leichtigkeit, interessant in den psy- chologischen Uebergängen und mit einer Drolerie, die zwar manchmal inS Schwankartige abbicgt, aber immer ausgezeichnetes Theater bleibt. Ihr Partner, Attila Hörbiger, ist durch Figur, Diskretion, Charakterisierungskunst und natürlichen Humor ein Prachtkerl, entzückend Friedl Czepa als zirpendes Damendirnchen, auch alles übrige gutes Theater.— ES gibt also doch auch noch ini leichten Genre Amüsantes ohne Zoten und Niederungen. Dieses,„Wenn ich wollte..." ist ein Beispiel dafür. Wenn er wollte, nämlich der Herr Direktor, müsste er also nicht auf Gastspiele warten und daS Theater hätte dann den Vorteil, statt des einen, eine ganze Reihe gutbesnchter Abende zu buchen. Aber das nur nebenbei— denn was verstehen denn wir vom Theater! l. g. Operngastspiele. In der santStägigcn Aufführung des Verdischen„R i g o l e t t o" sah und hörte man in der Titelrolle den Berliner Sänger Willst D o ui g r af- F a tz b ä n d e r, der erst kürzlich in „Figaros Hochzeit" gastiert hat. Nur ein Sänger von so eminentem Können wie Fassbänder bringt erfolgreich das Kunststück fertig: Trotz begrenzter Tiefe eine Basspartie übernehmen zu können und bei beengter Höhe eine Baritonrolle zu singen. Der Bari- tonist Fassbänder ist sogar etwas ganz besonderes, ein Stimmrätsel; weil seine Stimme in den höheren Lagen eine auffallend helle Klangfarbe besitzt und mitunter heldentenoral llingt. Dass Fassbänder ein Sänger von ausserordentlicher Stimmknltur ist, zeigte er auch diesmal; in der immer gleichmässig I noblen und selbst im heftigsten Affekt schöne» Tongebung, in der kantablen Führung der Stimme, in seiner Kunst des Piano- und Schwelltones und in der mustergültigen sprachlichen Behandlung des Gesanges. Dass der Sänger trotz allen diesen ungewöhnlichen Sängertugenden nicht immer die gewollten ganz grossen Wirkungen erzielte, liegt daran, dass sich seine Stimme in der Höhe nicht reich genug entfalten kann und hier eher spröd als blendend klingt. Sehr fesselnd und packend Ivar die schauspielerische Leistung Fassbänders, die von der geistigen Durchdringung der Rolle Zeugnis ablegte und manchen neuen und interessanten Zug der Darstellung offenbarte, mitunter allerdings auch übertriebene Affekte der Gestaltung zeigte. Die Notwendigkeit dieses Gastspieles vermochten wir übrigens nicht ein- znsehen, da unser Theater gerade für die Rolle des Rigoletto einen ausgezeichneten Vertreter besitzt. Ebenso unverständlich war das Gastspiel des Bassisten L u d v i k als Sparafucile, eines tonlich allzu derben Bravo. Frau Walters stimmlich stark gehemmte Gilda und I. R i a w e tz' burschikoser Herzog ergänzten das Ensemble der von Kapellmeister H. G. Schick geistesgegenwärtig geleiteten Aufführung, die an musikalischer Sauberkeit und dstnami- scher Ausgeglichenheit aber manches zu wünschen übrig liess. Auch für derartige Reprisenopern sollten— gar wenn sie mit Gästen und einem neuen Dirigenten im Spielplan erscheinen— die notwendigen Proben nicht für überflüssig befunden werden. E. I. „Tos Konzert", Lustspiel, als Arbeitervor-! stellnng mit Leopold Kramer als Gast, am Sonntag, den 11. März, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8 bis 2 Uhr und 4 bis 6 Uhr bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna. Hauptpreise 8 und 14 KC. Freitag die GesangSpoffe„Die göttliche Jette" Von Walter Götze mit Maria Elsner a. G.(Dl). Sonntag MussorgskstS grobe Oper„Boris Godunow". Wochcnspiclplan dcö Reuen deutschen Theaters. Dienstag abends halb 8 Uhr: Der junge Baron Neu ha ns, AI.— Mittwoch 7j4: Die verkaufte Braut, Festvorstellung anlässlich des Geburtsfestes des Herrn Präsidenten der Republik, B 2.— Donnerstag 7%: Das Konzert, Festvorstellung anlässlich des vierzigjährigen Bühnenjubiläums Leopold Kramers, neuinszeniert, C 2.— Freitag 7J4: Sic göttliche Jette, D 1.— SamSlag 7%: Der junge Baron Neuhaus.— Sonntag 2%: Arbeitervorstellung, Gastspiel Leopold Kramer: Das Konzert. 7%; Boris Gudonow, D 2. Wochcnspiclplan der Kleinen Bühne. Dienstag 7%: Gastspiel Leopold Kramer: Papa.— Mittwoch 8: Weisser Flieder, Volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Das Konzert, Gastspiel Leopold Kramer.— Samstag 8: DaS Konzert, Gastspiel Leopold Kramer.— Sonntag 8: Die Trafik Ihrer Exzellenz, 7Zh: Die grosse Chance, Erstaufführung. Vorträge Wallensteinvorträge dcö Vereines für Geschichte der Deutschen in Böhmen. Heute uni 8 Uhr abends (Saal des Handwerkervereines) spricht Professor Dr. Wilhelm Wostry Uber Wallensteins Ende: Darlegung der Ursachen und des Verlaufes der Egerer Katastrophe. Sport»Spiel»Körperpflege Atus-Siege beim Prager DT2-Schwi»nmen An dem am Sonntag im Hallenbad der Prager Bczirkskrankenkasse stattgefundenen Meeting nahmen zirka 80 Sportlerinnen und Sportler, darunter 14 Schwimmer vom A t u s Aussig und S ch r e ck e n st e i n teil. Angewohnt wirkte die Nichtausschmückung des Bades, so dass der Uneingeweihte nicht den Eindruck erhielt, das; sozialistische Arbcitcrsportler eine Veranstaltung dnrchführtcn. Dass aber die tschechischen Genossen nicht mehr Zuschauer bei ihrem in sportlicher Beziehung sehr aufschlntz- rcichen Meeting aufweisen konnten, ist, sehr betrüblich. Aber trotzdem machten diese Wenigen so einen AnfeucrungSlärin, der ungewohnt wirkte. Die Organisation llappte, die Kampfe wurden in rascher Folge abgewickelt und gestalteten sich sehr interessant. Die AtuS-Schwimmer konnten in jenen Disziplinen, in denen sie an den Start gingen, sehr schöne Erfolge erringen. Sie feierten Siege im 100-Meter kall die Zuschauer durch ein Ueberschrettcn der vo» herkömmlicher Routine gesetzten Grenzen erschrecken, ist ein Vorteil in den Augen des Publikums, das solche Film-Unterhaltungen liebt. Verlanget überall Volkszünder Bezugsbedingungen: Bet Zustellung inS HmiS oder bei Bezug durch dte Post monatlich llä 16.—, vierteljährig Kö 48.—, halbjährig Kö 06.*-. ganziährig Kö 102.—.— Inserate we.'deu Iain Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeinmgSfrankalur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlass Nr. 18.800/vn/1080 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag.