Einzelpreis TDlMfcr (•InichlltBllch 5 Heltor Forte) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 0 ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xn., fochova ir. telefon s»77. Administration telefon sxr t. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 14, Jahrgang Mittwoch, 7. März 1934 Nr. SS I. st. fflasanjh 84 Jahre Grotte fnduttrie- kredlte In USA zur Durchführung der Arbeitszeitverkürzung Washington, 6. Marz. Ein wichtig«' Achritt znr veabsidstigten Kooperation der nmeri- kanischrn Banken bei der Kampagne deS Präsidrn- tcn Roosevelt mit dein Ziele, die Industrie dazu zu bewegen, die Zalst der Arbeitsstunden zu kürzen und die Zahl der Beschäftigten zu erhöhen, wurde nnninehr durch die Gouverneure von zwölf Biindcsreservrbankc» getan. Tic Gonvcrnciire sind nämlich auf den Borschlag eingegangen eine» Ning von Industrie- Ircditbanken zwciks Gewährung billiger Anleihen an jene Industriezweige zu schaffen, denen r<* derzeit ans Bilanzgriinden nicht möglich ist, die Zahl der Arbeitsstunden zu lürzen oder dir Zahl der Beschäftigten zu erhöhen, ous>rr wenn ihnen hinreichende Kredite gewährt würden. ein Vorschlag an die Industriellen Der Vorsitzende des Ausschusses für nationale Erneuerung hat den Industriellen, welche Mitglieder der NntionalS Recoverh Administration Konvention sind, vorgeschlagr», zur Probe eine Herabsetzung der Arbeitszeit um 10 Prozent und gleichzeitig eine Lohnerhöhung nm 10 Prozent vorzunchmen. Den Borschlag haben die Behörden vorbereitet, welche über die Jndustrir- tsodcS Beratungen pflegen. Sondergesandter Roosevelts in Europa Washington, 0. März. Der intime freund deS italienischen Ministerpräsidenten Mussolini, Richard WaShburn Child, wurde Montag vom Präsidenten Roosevelt.zum Tondergesandtcn der Vereinigten Staaten ernannt, der in den einzelnen europäischen Staaten die Stimmnng für eine neuerliche Einbcrnfilng der Weltlvirtschaftskon- serenz sondieren soll. Child, der als persönlicher Emissär des Präsidenten Roosevelt nach Europa reist, erklärte Pressevertretern gegenüber, er sei leincöivegK berechtigt, irgendwelche Bcrpflichtungen im Namen der Bereinigten Staaten zu übernehmen:„Ich sahre nach Europa, um zu lernen, tei- ncswegö aber nm zu belehren". Er werde''ch am 11. März cinschiffen und Paris, Berlin, Nom und| Genf besuchen. Die See-Aufrüstuns Englands Londo u, 0. März, i Reuter.) Der Voranschlag der britischen.strirgömnrine für daS Jahr 1034 beziffert sich ans 56,550.000 Pfund Sterling, waS gegenüber dem Jahre 1933 eine Erhöhung von 3,980.000 Pfund Sterling bedeutet. Das Programm der neuen Schiffsbanten für das Jahr 1934 umfasst den Bau von vier Kreuzen«, acht Torpedozerstören«, einem Flugzeug-Mutterschiff und drei Unterseebooten, nämlich einem Unterseeboot für Minrnlegung und zwei Patrouille- Unterseeboote». Der Erste Lord der Admiralität erklärte, das; auf Grund des Londoner Marinevertrages England biö zu»« 34. Dezember 1936 zum Baue neuer Kreuzer, Torpedozerstörrr und Unterseeboote berechtigt ist und daß es sich bei der Festsetzung dieses Programms den in diesem Vertrage enthaltenen Beschränkungen gefügt hat. Eden berichtet London, 6. März.(Reuter.) Geheimsiegek- bcwahrer Eden erstattete mit- Dienstag dein Abrüstungsausschuß des englischen Kabinetts Bericht über seine Besprechungen in Paris, Berlin und Rom. Ehe die britische Regierung endgültig zu der Lage auf dem Gebiete der Abrüstung Stellung nimmt, tvill sie die Antwort Frankreichs auf das britische Memorandum abwarten. In unterrichteten Kreisen glaubt mm« nicht, daß das Büro der Abrüstung vor dem 10. April einbe- rufcn Wird, Am heutigen Tage vollendet der Präsident der Tschechoslowakischen Republik, Thomas Garrigue Masaryk, sein 84. Lebensjahr. Die deutschen Sozialdemokraten sind nicht unter den Letzten, die dem Präsidenten .1 wehte, vielmehr auseinandergesetzt, daß die demokratische Verfassung des Landes die Freiheit der Organisationen der deutschen Arbeiter, ihre Versammlungsfreiheit, die Freiheit ihrer Presse bedeutet, daß wir daher entschlossen und bereit sind, diesen Staat und die demokratische Verfassung gegen jeden Angriff von außen oder innen gemeinsam mit der tschechischen Arbeiterschaft zu schützen. DaßaberderStaateinedemokra- tischeRepublikgeword-enundge- blieben ist, daran hat der jetzt 84jährige Präsident e i n H a u p t- verdienst. Er hat schon während des Weltkrieges die Legionäre zur Demokratie erzogen und ihm vor allem ist es zuzuschreiben, daß die Träger der nationalen Revolution verläßliche Kämpfer für die Demokratie geworden sind und auf der linken Seite des Parteimosaiks sich befinden. So sehr wir in früheren Jahren mit Masaryk in manchen theoretischen und politischen Fragen auseinandergegangen sind, das eine müssen wir zugeben: Masaryk ist Zeit seines Lebens ein Demokrat gewesen, ein mutiger Mann, ein Vorkämpfer der Wahrheit, ein unbeugsamer und sittlicher Charakter. Sein Charakterbild schwankt nicht in der Geschichte: von seinem Auftreten gegen die Echtheit der Königinhofer Handschrift, seiner ganzen politischen Tätigkeit, sein Kampf um das gleiche Wahlrecht an der Seite der Arbeiterschaft, seine Haltung bis zum Welt* In den Stürmen und Wirren der letzten Jahre, da Barbarei die Freiheit des Geistes und der Kultur zu zertreten sucht, ist der Präsident seinem Ideal treu geblieben. Seit seiner Jugend hat Masaryk die Humanität als das höchste menschliche Ziel angesehen und in einem seiner schönsten Sprüche bezeichnet er die Demokratie als„die politische Form der Menschlichkai t”. Verglichen mit den leitenden Staatsmännern der fascistischen Länder, ragt er geistig und sittlich weit Uber sie hinaus. Aber seine Ethik ist keine über den Wolken schwebende, er hat stets gelehrt, daß man die politischen Kräfte genau erkennen muß, wenn man ideale politische Ziele durchsetzen will. Er hat auch— das betrachten wir als eine seiner wertvollsten Lehren und Erkenntnisse — stets dargetan, daß man mit aller Kraft sich einsetzen müsse, wenn man etwas Großes erreichen will. Deswegen hat er auch alle aufbauwilligen Kräfte zur Arbeit auf gefordert. „Demokratie ist Diskussion— und Arbeit, vorallem Arbei t“,so sagt er und in diesem Zinne wollen wir,gemeinsam mitMasaryk — und wir wünschen dies noch für viele Jahre, denn der Staat braucht ihn gerade jetzt— arbeiten für die Demokratie, die arbeitende Klasse und eine neue Gesellschaft, Achtung, Ehrerbietung und Liebe entgegenbringen. Wir haben es in den letzten Jahren niemals als unsere Aufgabe angesehen, die deutschen Arbeiter der Republik zu Stiefelwichspatriotcn im Sinne Altösterreichs zu erziehen. Wir haben ihnen am 28. Oktober des letzten Jahres, da die rote Fahne der Sozialdemokratie neben der Staatsflagge 1 krieg, da er als 64jähriger Heim und* Familie verließ, einem ungewissen Schicksal entgegengehend— eine ungebrochene Linie ist dieser Lebenslauf. Masaryk ist ein Mann, nehmt alles nur in allem, der durch seinen Drang nach Erkenntnis und durch seine Charaktereigenschaften als Vorbild hingestellt werden kann. Gesindel! Die Erfinder eines „roten Panama“ Der Tatbestand: ein obskures und natürlich „vaterländisches" Winkesblättchen, das„•£> Jtcr- reichische Abend b l a t t". will sich der Zuwendungen, die ihm aus den« Reptilienfonds der Dostsus; Regierung zufliesten, wert erweisen und erfindet eine besonders saftige Verlennidnng. Eine Pressefreiheit gibt eS in Oesterreich feit dein Sieg der Kartätschen Christen nicht mehr» nur eine Freiheit erisiiert noch: die der Ehrabschnei- dung an den in den Kerkern des katholischen FaseiSinns sitzenden sozialdemokratischen Ver- trauenömännern. Diese sind wehrlos, für sie gibt eS kein Gericht, das sie vor der Beschmutzung ihrer Ehre durch die journalistischen Strichbuben des Dollsus; schützen würde und so ist es nicht nur ganz ungefährlich, an den Eingesperrten die Künste jonrnalistischer Bcutclschnciderci zu üben» eS trägt auch das Wohlwollen der Sieger ein. In geschäftiger Ausnützung dieser Vogel frciheit der Ehre der„Marxisten" hat sich das „Ocsterreichische Abendblatt" die„Meldung" ans dcn schmutzigen Lügensingern gesaugt, die Uu tersuchungen der Wirtschafts-Polizei in der Ar bciterbank und in einer Reihe anderer sozial demokratischer Wirtschaftsbetriebe hätten er geben, die Führer der aufgelösten Sozialdemokratischen Partei hätten sich des„Gewohnheit s bctrnges" und der„Verbindung von politischen Gewalttaten init geschäftlichem Betrug" schuldig gemacht. Insbesondere wird die Jambe christlich vaterländischer Gesinnung gegen den ehemaligen Präsidenten des Nationalrates Dr. K a r i R e n n e r und den Wiener Bürgermeister Karl Seitz gerichtet, welch ersterer schon ans früherer Zeit Korrnptionsfäste auf dem Gewissen habe, die aber stets ans politischen Rücksichten unterdrückt worden seien. Auch nur ein einziges Faktum anzusühren. unterläszt das Blast des erwartiten Ehriftentnius, um so Pathetischer wird die Schstistsolgcrung gezogen, die österreichischen Arbeiter würden erschrecken...bis die Endbilanz gezogen und ergeben wird, wie wenig von ihren durch harte Arbeit ersparten Millionen noch vor Händen ist, weil so viel verwirtschaftet und betrügerisch entwendet wurde". Afrikanische oder australische Buschncger Pflegen den besiegten Feinden den Kops abzu trennen, ihnen and> die Ehre abzuschneiden, blieb den Erneuerern deS Deutschen Reiches vor behalten und Dollsus; ist ihr gelehriger Schüler. Das Motiv ist klar: die österreichischen Arbeiter, über das unter ihnen, ihren Frauen und Kindern veranstaltete Gemetzel leidenschaftlich empört, sollen— geistig und seelisch gewonnen tvcrden. Gewonnen sür die vaterländische und katholische Idee, WaS an« besten dadurch erreicht wird, das; inan den Arbeitern vorlügt, in welchem Psuhl von Schlechtigkeit sic bisher durch den Marxismus gesteckt haben und wie sehr es an der Zeit war, das; lilieurcinc Lichtgestasten a la Dollsus;, Feh und Starhembcrg sich nm ihre Errettung selbstlos bemühten. Die Methode scheinen die Balimeister deS neuen österreichischen Kerkers auch für ein Mittel zur Ablenkung von dem WaS sie selber treiben zu halten. Denkt doch picht mehr daran, was geschehen, denkt nicht mehr an euere zu Ruinen zusammengeschossenen Heimstätten» denkt nicht mehr an die von. den vaterländischen Granaten zerfetzten Leiber euerer Freunde, Frauen und Kinder, erinnert euch nicht mehr an die von unS, den wahrhaften Christen, mit Seelenruhe gcbro- chenen Eide auf Verfassung und sonstigen Tand, redet auch nicht mehr von dem Raub eures Partei- und Gewerkschafts-Eigentums. das«vir zur Sättigung der drängelnden und hungrige» vaterländischen Beutejäger dringend brauchen, schimpft lieber mit uns auf die sozialdemokratischen Führer, die sich erdreisteten, Geld für den Dau von Ärbestcr-Wohnstätten aus den« Betrieb der große« Wiener Luxus- und Nacht- «Mte2 Mittwoch, 7. Märt 1034 «r. SB lokale zu holen und die dadurch euere veiinögen-1 deren Volksgenossen an der Hebung des Freni- dcnverlehrs behinderten! Denkt an die armen Industrie- und Bankinagnaten, die sich infolge der Breitncrsteuern kaum mehr als drei bis vier Maitrcssen noch leisten konnten und vergeht nicht der armen Hausherren, die wegen deS mar- ristischen Mieterschutzes die„notige Bagaschc" ihrer Mieter nicht mehr so ungehindert aufö Pflaster setzen konnten, wie in den Zeiten, da die Besitzenden anerkannte Autorität tvarcn! DaS alles soll im christlichen und autoritären Staat, den mir errichten, wieder hcrgestellt werden und so braucht ihr den betrügerischen marxistischen Führen! nicht nachziftrauern! Ohne Ironie: die Sieger haben die technische» Mittel der Staatsmacht an sich gerissen, aber sie fühlen sich auf dem auf einem Meer von Blut und Tränen errichteten diktatorischen Thron isoliert. Sie haben fiir ihre fluchbeladenen Schandtaten nicht nur de» unauslöschlichen Has; der Arbeiter und aller, die sich noch ein incnschlich fühlendes Herz in der Brust bclvahrt haben, geerntet, auch weite Teile des österrci- chischcn Bürgertums sind betroffen und keines-\ Helf« öcn Frauentag vorbereiten! Wegs von jener Begeisterung für die katholischen Kindcrmörder erfüllt, wie Dollfuß vorzutäuschen sucht. Die zufälligen Befehlshaber der slaatlicl)cn Exekutive haben die im Waffendienst stehenden Söhne des Volkes und die von den.Kapitalisten aller Konfessionen ausgerüstete Bürgerkriegsarmee gegen die um ihr Recht, um Verfassung und Tesch streitenden Arbeiter uorgcschickt und sic haben sich durch diesen vorbereiteten Massenmord für ewige Zeiten von; Kops bis zu den Fügen mit Blut und Schmutz besudelt. Der schurkischen Gewalttäter, die zur Erdrosselung der Freiheit alle Begriffe von Vaterland und Religion schamlos mißbrauchen, ist das journa, listischc Gesindel würdig, das nun nach beendeter Schlacht den wehrlos gemachten Gegner im Auftrage feiner Geldgeber mit dem Gift der nichtöwürdigstcn Verleumdung bespritzt. Die fascistischeu Diebe, die gotteslästerlich gcinrg sind, »m im Namen des Christentums Millionen an Arbeitergeldern zu stehlen, glauben, die Oeffeni- lichkcit werde bei Männern tadellosesten Charakters wie.Renner und Seitz dieselben niorali- scheu Defekte voraussetzen, wie er sic selber ans- zeichnet. Wenn zur Vollendung des Bildes, welcher Schurkereien die angeblichen Hüter der höchsten Ideale, toie Patriotismus, Nationalität und Religion im Kampfe gegen die um ihren Aufstieg ringende Arbeiterklasse fähig ist, noch ein Strich fehlt, so ist cs dieser: u n s c r e d e u t s ch- b ü r g e r l i ch e P r e s s e, darunter der deutsch- demokratische Brünner„Tagcsbote", der schon seit Jahresfrist eifriger Interpret aller sascistischcn Bestrebungen in der Welt ist, hat sich beeilt, die infame Verleumdung des Wiener fascistischen WinkelblättchcnS nachzudrucken. Ohne Vorbehalt, ohne Bedenken und kritiklos, in einer Form, der man die Genugtuung über die an den„Marxisten" verübte Niedertracht deutlich genug anmerkt. Hier betätigt sich derselbe Eifer, der alles verschweigt, was das blut- befleckte neue Regime in trübem Licht erschei- P r a g, 8. März. Heute wurde im Parlament die angckündigtc Borlage Hvrr die Errichtung eines ReeSkont- und LoinbardinstituteS aufgelegt und dem Budgctonsschuh zngewiesen, der sie nach längerer Debatte unverändert lediglich mit dem Zusatz annabm, dass die Funktionen im Berwal» tungSauSschnh und im AufsichtSrat unentgeltliche Ehrenämter sind. Die Vorlage befindet sich bereits auf der Tagesordnung der nächsten Plenarsitzung, die mit Rücksicht anf de» morgigen Geburtstag drö Präsidenten erst auf Donnerstag 10 Uhr früh anberaumt wurde. Mai« rechnet mit einer zweitägigen Debatte; der Senat soll die Vorlage erst nächsten DienStag zugewiefei« erhalten. Der Zweck der Anstalt, die in Prag zu errichten der Finanzminister ermächtigt wird, ist folgender: a) den Geldinstituten Wechsel- und Lombardkredite zu gewähre» oder zu vermitteln: b) bei der Regelung des Marktes der Staats- vapiere mitzuwirkril und sich an stnatlicheii Kredit- »pörationen zu beteiligen; e) mit Wertpapieren zu handeln, jedoch nur insoweit, als dies mit der KrrdittStiglcit der Anstalt oder mit der Regelung dev Marktes der f StaatSpapiere zusammenhängt. Mit besonderer Zustimmung der Regierung kann die Anstalt, wenn dies daS öffentliche Anter- esic erheischt, die Liguidierung uon Grldanstalten und anderer Nnlerneftmungen durchführen oder hiebe! Mitwirken: hiebei kann sie mit Zustimmung deS FinanzministerS vorübergehend auch andere als die im Abs. 1, lit. a) angeführten Kredite gewähren. Die Gewnhrnlig von Nnterstühnngen an Geld, anstalteil und andere Untenielmmngen zur Beseitigung ihrer Verluste ist an? der Tätigkeit der Anstalt ausgeschlossen. DaS Institut Ivird von einem zwölsaliedcrigen VcrwalwngSanSschuß geleitet, den die Regierung auf drei Iabrc ernennt. 1 Parlamentarier find von diesen Funkiionen ausgeschlossen. Die Mittel der Anstalt werden geschöpft:■- auS einer IVO-Millionen-Elnlage deS Staates, die der Finanzminister im Kreditwrge vr- fchnffcn kann; auö Pflichteinlagen gewisser Geld- und Brr- sichrningSinftitute; auS Rediskont- und Lombardgefchäftrn; auS anderen Darlehen, namentlich auch durch Emission von Kasienanweisungrn. Teilschuldver- schrribungen oder Pfandbriefen. Zu Pflichteinlagen bei dem neuen Institut werden angehalten: Alle Geldinstitute, die Einlagen gegen Büchel» oder Kaffenschein« entgcgennehmen: dies« müssen 10 Prozent deS jährlichen Zuwachses an solchen Einlagen bei dem Institut anlegen, und zwar so lange, bis ein Stand von 3 Prozent aller dieser Einlagen erreicht ist; die Zentralsozialvcrsicherung und I die AllgemeinePcnsionSanstalt; diese neu lassen könnte. Die sozialistische Arbeiterschaft ist nichts anderes gewöhnt, als voll den geistigen Organen der„besseren Klassen" mit Schtnutz be- warfen zu werden. Sic wird auch dieser neuesten Welle bürgerlich-kapitalistischen Unflats, in der mau den Sozialismus zu ersäufen glaubt, ein- gedenk bleiben. »üisien ebenfalls ll) Prozent des Zuwachses ihres dauernd anlegbaren Vermögens bis zu einer Höhe von insgesamt 6 Prozent dieses Vermögens anlegen; endlich alle L e b e n s ve r s i ch e r u n g s an- st alten, die 16 Prozent des jährlichen ZulvachseS der Prämicnrescrvcn aus dem inländischen Geschäft anlegen müssen, bis lü Prozent des ÄesmutstandeS dieser Reserven erreicht sind. Vorschußweise sind die entsprechenden Quoten vierteljährig zum erstenmal am 81. Dkärz 1934 ab- zufnhren. Die Verzinsung dieser Einlagen richtet sich nach dem Zinsfuß der LandcSkrcditanstalten für Böhmen und Mähren, und zwar für Einlagen von Verbänden mit der längst zulässigen Gebundenheit; bei den So- zialversichcrungSinstituten ist der Zinsfuß ein Viertelprozent über demjenigen Zinsfuß der als Bercch- nungSgrnndlagc dient. Fiir die Einlagen und die Zinsen hastet snbsidär der Staat; für Teilschuldver- schreibungen eie. bis zur Hohe von 690 Millionen. Die Aussicht führt ein eigener RegiernngSkommWr. der mit lveitgehenden Vollmachten auSgestattet ist. Zeitlich ist die Funktion des Institutes nicht beschränkt. ES heistt lediglich, das; die Liguidierung nur durch Bcschlns; der Regierung eingelcitet werden kann. Sämtliche Arbeiten besorgt die Landesbank in Prag, mit der ein eigener Vertrag abznschlicstcn ist. Die Statuten nach diesem Gesetz werden von der Regierung knndgemacht. Sanierungen nicht notwendig Im BndgekauSscknß, wo die Nationaldemo- kraicn vergeblich eine Vertagung der Verhandlungen zu erreichen trachteten, reagierte der Finanzminister Dr. Trapl nach durchgcführter Generaldebatte anf einige vorgcbrachte Befürchtungen. Er stellte u. a. nachdrücklichst fest, das; Sanierungen von Geldinstituten auö dem Wirkungskreis des neuen Instituts ausdrücklich ausgeschlossen seien. Wir haben cs, erklärte Trapl, nickt einmal notwendig, Sanierungen dnrckzufiihrcn. Mit Dank guittiertc es der Minister, das; das Parlament im Bankgesctz den Geldinstituten eine solche Basis gegeben hat. das; man eine erhebliche Gesundung des ganzen Geldwesens erzielt hat. Bei vielen Instituten wurde die Regie bis Um fünfzig Prozent her- abgesetzt und in Zeiten einer so schweren Krise, wie es die derzeitige Weltkrise ist. hat man die Ordnung unseres Geldwesens mit derart bescheidenen Mitteln durchgeführt, Ivie fast nirgends sonst auf der Welt. Zu einer Sanicrungsmöglickkeit hat das neue nicht einmal die Möglichkeiten, da die Kredite, die es gewähren soll, ihrem Wesen nach kurzfristig sind. deS Arbeiters K a d l e c in; Gebäude der Prager Polizcidircktion zur Verlesung zu bringen. Nach dreimaliger Ermahnung durch den Vorsitzenden, zur Sache zu sprechen, wurde dein Redner das Wort entzogen. Während seiner Rede kam c§ zu kommunistischen Lärmszenen, Ivobei die Kommunistin Hodinova einen Ordnungsruf erhielt. Ein kommunistischer Antrag auf Zitierung deS Innenministers vor daS Parlament wurde abgelehnt. Der gestern dem Abgcordnetenhausc vorgc- lcgte Gesehenttvurf über die Errichtung eines „Tschechoslowakischen Reeökonte- und Lombard- JnstituteS" gehört in jene Gruppe von Rcgie- rungSmaßnahmcn, die der Bekämpfung der Wirtschaftskrise dienen. Welches ist der Ztvcck deS zu errichtenden Institutes? Es ist bekannt, das; infolge der langen Dauer der Krise von Industrie und Landivirtschasi auch die K r c d i t i n st i t u t e in die Krise hineingerissen worden sind. Die Unternehmungen, welche in der Konjunktur Zinsen an die Banke» zu leisten imstande tvaren, können es nickt mehr in der Krise, sie bleiben Kapital und Zinsen an die Banken schuldig, die Forderungen der Banken an die Industrie frieren, wie man sagt, ein, die Banken sind nicht imstande die geborgten Gelder einzutreiben. Gleichzeitig aber verlangen die Gläubiger der Banken, d. h. die Einleger anS verschiedenen Gründen— teils weil sie infolge der Krise geringere Einnahmen haben, teils tveil das Vertrauen zu den Kreditinstituten geringer geworden ist— ihre Gelder zurück, so das; die Banken gezwungen sind mit Anwendung der schärfsten Mittel die Kredite von ihren Schuldnern eiuzuzichen. Zahlen können aber in der Regel nur diejenigen Schuldner der Bauten, deren Betriebe noch gesund sind, so das; also tlnternehmungen, die noch arbeiten könnten. die zum Einkauf von Rohstoffen und Auszahlung von Arbeitslöhnen benötigten Kredite nicht erhalten. Sie können daher nicht arbeiten, die Betriebe werden eingeschränkt, unter Umständen sogar geschlossen, das Heer der Arbeitslosen ivird dadurch vergröbert. Diesem Krcditmangcl soll nun durch die Schaffung eines Reeötonieiustiiutes dadurch abgc- holfcn werden, das; gclvissc an und für sich gute, aber im Augenblick nicht in Geld vertvandclbare Forderungen mobilisiert werden. Aehnlich ist man bereits und zwar mit einigem Erfolg in Deutschland, der Schiveiz und Polen vorgegangen. DaS neue Institut ivird Warenwechsel eskomptieren, d. h. bevorschussen, es ivird Staatspapiere anlausen und dadurch dem Besitzer der StaatSpapiere Geld vcrsckafscu, cs wird auch Wertpapiere anlausen und so ihren bisherigen Besitzern Bargeld vermit- teln. DaS Geld, das das Institut hiefür benötigt, verschafft cS sich dadurch, das; der Staat ein Grundkapital von hundert Millionen Kc zur Verfügung stellt und das; die Geld- und Versicherungsanstalten Einlagen bei diesem Institut machen. Die Banken sind nach dem Gesetz ver- pflicktei, zehn Prozent ihres Einlagenzuwachses, die ZentralsozialvcrsicherungSanstalt und die Pensionsanstalt zehn Prozent de§ ZulvachseS ihres Vermögens und die Versicherungsanstalten 16 Prozent des ZulvachseS ihrer Prämien-Reservcu dem Institut zu übergeben. Die ReeSkontstelle selbst kann auf Grund dieser Einlagen sowohl kurzfristige Bons als auch langfristige Schuldverschreibungen und Pfandbriefe auSgeben. Außerdem kann die neue Anstalt die Wechsel, die sic selbst eskomptiert, an die Nationalbank weitergeben und so von der Nationalbank Noten crhak- dic Nationalbank unter Im Plenum des Abgeordnetenhauses wurden zwei Zusatzprotokolle zum Wirtschaftsabkommen mit Deutschland» ein deutsches Einfuhrkontingent fiir Perlmuttcrknöpfc zu ermäßigten; Zollsatz be- trcffeiid, ohne Debatte angenommen. Ei>; Kommunist benützte diese Gelegenheit, um eine Er- klärung seines Klubs zu dem kürzlichei; Selbstmord| ten. Allerdings Ivird dice Kre; Reitpeitschen, eilten lveiter und verfolgten den Flüchtling, der ein gefährlicher Revolutionär Ivar, ein Verbrecher... Und die Masse war beunruhigt und in Zweifel... Dieser sanfte, einfache Mann, der ihnen so oft geholfen hatte... ein Verbrecher?... Ein Revolutionär?... WaS lvar denn eigentlich ein Revolutionär und worin bestand sein Verbrechen?... Und manchmal schien eine Lehrerin, eine Krankenpflegerin eine Revolutionäriir zu sein. Stille, hingebungsvolle Mädchen, jederzeit zu Hilfe bereit, verständig über alles redend... junge, zurückgezogen lebende Frauen, für die jedermann durck's Feuer gegangen wäre... Und sie wurden plötzlich verhaftet und von Gendarmen hinlvcggefiihrt... ins Gefängnis... in die Verbannung-.. Oft hatte cv den Anschein, daß sie angesehenen Fainilien zugehörten, adelig lvarcn, fern im Ausland studiert hatten... Reich waren sic. Sie hätten als Prinzessinnen leben können, am Hof, in großen Schlössern... Warum kamen sie zu den Bauern, niedrig wie diese, belehrten sic, reinigten u»;d verbanden ihre widerlichen Geschwüre und Wunden, tvaren menschlich und freundlich und sanft?... Warum opferten sie alle Vorteile der Geburt und deS Ansehens, des Reichtums und ihteS Standes?... War das revolutionär?... WaS suchten sie für sich selbst? ... Wo lvar ihr Verbrechen?... Gutmütige Narren lvarcn sie vielleicht... aber Verbrecher? ... Lebensfremde Toren!... Befangen in dem phantastischen Wahn, daß die Welt anders werden könnte als sie war... daß die Erde und ihre Schätze allen Menschen gleicherweise gehörten... DaS klang toohl manchmal verlockend... DaS Leben nmßte schon sonniger werden, wenn man nur au solche Dinge glauben konnte... Aber wer lvar so ruchlos, um auS der Einfalt seiner unbclvußten Annut sich gegen die Obrigkeit aufzulehnen, gegen die großen Herren, den König, gegen Gott selbst?... Ja, die Revolutionäre! ... Die kamen selbst aus den besten Gesellschaftskreisen, hatten darin gelebt und viel Unrecht gesehen... Es geschah viel Unrecht, daS wußte jeder, aber lvas konnte man daran ändern?... .(Fortsetzung folgt.)! Nr. 55 Mittwoch, 7. März 1934 Seite S Italien befestigt den Brenner... Klagenfurt, 0. März. Wie dir„Freie Stimmen"»leiden, liat Italien in den letzten Monaten den Brenner, namentlich den Brennerpass, befestigt. An einigen nnzugänglichen Stellen wurden F l n g z c u g a l> w r h r g e s ch ii li e und schwere weittragende Geschütze Postiert. Ausserdem wurden einige strategische Etrnficit znm Brennerpass gebaut. Einhaltung der bisherigen geltenden Borschristen tun, so daß neue Banknoten nur auf Grund lvirk- lichcr Wareniverte auSgegeben werden und von einer Inflation keine Rede- sein kann. Wenn jenen Unternehmungen, die Aufträge hoben und arbeiten lünnen, aus diese Weise Kredite zur Verfügung gestellt werden, so kann mit einer kleinen Belebung der Konjunktur durchaus gerechnet werden. Allerdings darf man die Tätigkeit der neuen Anstalt nicht überschätzen. Es ist nur eine der Massnahmen, die der Bekämpfung der Krise und Arbeitslosigkeit dienen, und voll denen jede nur gewisse geringe Wirkungen haben kann. Nur lvenn die Regierung pIanmä st i g eine Reihe lv c i t e r e r M a st n a h m c n durchführen lvird— Verkürzung der Arbeitszeit, Regelung der Arbcitöverinittlung, aktive Handelspolitik— dann können alle diese Mastregeln zusammen eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und eiilen fühlbaren Abbau der Armee der mehrere Jahre Arbeitslosen herbciführen. Das Massage-Gesetz eingebracht Unverblümte Sprache des Flotlvenberlchtes Prag, 6. März. Der Senat eröffnete die Frühjahrssession mit einer Sitzung von nur 17 Minuten Dauer, in der allster Zuweisungen nur zwei AuslieferungSbegebr:n ohne Debatte abgewiesen lvurdcn. Die nächste Sitzung wird schriftlich einberufen iverden, voraussichtlich für nächsten Dienstag. Im Einlauf befand sich der bereits ange- kiindigtc RegierungSantrag auf K o n z c f s i o- n i e r u n g des M a s s e u r g e lv e r v e s, wodurch denl Iknwescn der Massage-Talons gesteuert werden soll, die in vielen Fällen nur eine andere Form der aufgehobenen Bordelle darstellen. Darüber macht« der Motivenbcricht, der sich auf Untersuchungen deS Prager Magistrats stützt, bezeichnende Angaben. In den ersten Nachkriegszeiten (als noch Bordelle geduldet wurden) gab es in ganz Prag nur ettva 8—10 Masseure, die meist von Haus zu Haus gingen und so Ivcnig Kunden hatten, dass sie sich an den Magistrat lvendcten, um in den öffentliche Bädern unterzukoiluncil. Die ersten MasseursalonS nach Berliner Borbild tauchten Ende 1027 auf. Heute gibt es in Prag etwa 300 solcher Salons, die 1000 bis 1300 „Masseusen" beschäftigen. Der eigentliche Zweck dieser Salons gehe schon daraus hervor, dast rund k>0 Prozent der dort beschäftigten Mädchen im Alte», von 16 bis 23 Jahren stehen und in der Akassage überhaupt nicht ausgebildet sind, andererseits auch aus der ganzen intimen Einrichttmg der Salons. Die Zimnicr wiesen so begueme Sofas ans dast cs auch einem geschulten Masseur nicht möglich wäre, dort eine Massage durchzuführen; auch würden die Zinnncr regelmässig von innen versperrt, damit der Gast und die Masseuse nicht gestört würden. In der Mehrzahl der Fälle Iverde eine Massage auch nicht dnrchgcführt. Die in den Salons beschäftigten Mädchen erhalten nur etwa ISO bis 200 I<ö monatlich an festem Gehalt; sie sind in der Hauptsache auf die Trinkgelder der Gäste angewiesen. Ihr„Gehalt" genügt nicht einmal für die Wohnung allein. Heute seien die Eigentümer des(bisher freien) MassagegelvcrbcS meist begütert und in der Regel Frauen. WaS für Gewinne dieses Gewerbe ab. werfen must, gehe daraus hervor, dast für die Räumlichkeiten JahrcSmieten von 12.000 bis 28.000 Ke gezahlt werden. Die^'.'samtregie betrage bei einem gröberen"alon sicher 50.000 KL. Der Motivenbcricht kommt zn dem Schlug, dast die Gefahr, die für die Moral und die Gesundheit namentlich der Jugend aus dieseir Salons erwachse, mit gröhtcr Beschleunigung beseitigt werden müsse, solmigc nicht Dutzende von Jugendlichen geschlechtlich angesteckt lverden. Dos soll durch die Konzessionic- rung diese- GctverbcS erreicht werden, Durch die Bestimmung, dast Massage am gesunden Körper nur von Personen de 2 gleichen Geschlechtes vorgenommen lverden darf, dürften die Salons ihren Hauptanziehungspunkt verlieren. Auster der Körpermassagc wird auch noch das Maniküren, Pediküren, Beseitigen von Hühneraugen, die Schönheits- und Gesichtspflege na die Konzessionierung gebunden. Es ist der Nachweis einer mindestens zlveijährigen Beschäftigung in' einsckläoigen Instituten zu erbringen, bei Körpermassagc austerdcm der Nachweis der Absolvierung eines Fachkurses. Der Landcsausschuss beschlost in seiner am 14. Feber abgehaltenen Sitzung, dast seine Mit- glieder nur am Dienstag einer jeden Woche Besuche und höchstens dreigliedrige Deputationen und zwar in nur tatsächlich dringenden Angelegenheiten empfangen werden. Dollfuß laßt foltern! Rur langsam dringen die Nachrichten über daö gröbliche Schicksal der von den Dollfust- Scherge» Verhafteten über die Grenze. Hier sind wiederum einige verbürgte Berichte. Florldsdorfer Feuerwehrleute viehisch mißhandelt Die verhafteten JloridSdorfer Feuerwehrmänner mutzten Spichrliten laufen und waren auch aildercn Grausamkeiten durch Hcimwehrleute ausgesetzt. Verwundete haben seit drei Wochen keinen Verband und keine ärztliche Hilfe. Die Besuche dürfen nur drei Minuten dauern, die Frauen dürfen ihren Männern nicht einmal die Hände reichen. Dies geschieht im Auftrage des Untersuchungsrichters Dr. W i l d e k, Hcrnalügürtcl 6—12, den man sich wird merken müssen. Die Nerven der Verhafteten versagen schon jeden Dienst, die Angehörigen sind der Berztveijlung nahe. Ein Gefangener hat drei eiternde Kopfwunden. Er hat auch das blutige Henid noch an und darf cö nicht wechseln. ein tapferer Schutzbundführer Der LandeSlciter des Schutzbundes in Linz, Genosse Richard B c r n a s e!, wurde, als die Kämpfe begonnen hatten, als erster verhaftet. Bcrnasek befindet sich gegenwärtig im Allgemeinen Krankenhaus in Linz. Er wurde nämlich derart geschlagen, datz die Ueberführung ins Spital nottvcndig wurde. Bei dem Verhör durch die Kriminalpolizei sagte er diesen gerade heraus ins Gesicht:„Ich lasse niir eher die Zunge her- ausreitzen, bevor ich irgend etlvas aussage!" An- lästlich von Zusammenkunft mit anderen Schutzbündlern rief er diesen in Gegenlvart von Polizei zu:„Männer, Kopf hoch» rö kommt Revanche!" Ein Schutzbündler wurde ebenfalls mit Gewehrkolben und Gltmnliknüttel derart zugerichtet, datz er ins Spital des LaudeSgerichtes eingelic- fert werden muhte. Ein geheimes Grab In Ebelsberg wurde anlätzlich einer Streifung ein Grab entdeckt, tvo man vier bisher unbekannte Schutzbündler vergraben fand. Es ist dies nicht der einzige Fall, dast die Heimtvchc| Schutzbündler einfach umgcbracht und verscharrt haben. Ein Irrsinniger bei der Heimwehr Ein Heimwchrmann forderte in Linz den Fleischhauer W ö g e r e r, der gerade den Rollbal- ken herablassen wollte, auf, sofort in daö Geschäft hineinzugehcn, die Straste müsse frei sein. Der Fleischhauer entgegnete ihm, vor seinem Geschäfte! könne er stehen bleiben, solange eü ihm beliebt. Hierauf schoss der Hcimwchrlcr den Fleischhauer kurzerhand nieder. In dieser Straste schost dieser Unmensch noch eine schwangere Frau und vier Männer ohne Grund zusammen. Ein Gendarm verhaftete ihn dann. Hinter einem Schutzbündler, der in die Tsche- choslotvakei flüchtete, Ivar man sehr eisrig her. Die Kriminalpolizei drang schon in aUer Frühe bei der Frau ein, setzte dieser den Revolver an die Brust und forderte sic auf, den Aufenthalt des ManneS bekanntzugeben, widrigenfalls sie erschossen würde. Die Frau gab keine Auskunft. Die Frau wurde dafür geohrfeigt. Ein andcresmal forschte die Polizei wieder nach dem Verbleib des Genossen und sagte bei dieser Gelegenheit der Frau, sie solle sich gleich die Toten truhc anschafsen lassen für den Mann. Ein Oberwachmann der Kriminalpolizei, der sich auch bemühte, den Schutzbündler ausfindig zu machen, sagte zu den Kindern des Ge- I nassen:„Schade, dah der Vater dieser lieben Kin- j der ein solcher Mörder ist!" „Einheitsgewerkschaft" in Österreich Ab 1. Juli 1934 Wie», 6. März. Die Rrgirrnngsverord« nuug über dir Gründung der Einheitsgewerkschaft wird jetzt von der amtlichen Wiener Zeitung im Wortlaut veröffentlicht. Danach wird zur Vorbereitung des brrnfsständischrn Aufbaues als Jn- trrefsrnvrrtretung der Arbeiter und Angestellten der„G ew crkscha ftSb und der österreichischen Arbeiterund Angestellte n" geschaffen. Der Oiewerkschaftsbund, dem die Vertretung der arbeitörechtlichrn, wirtschaftlichen und sozialen Belange der Arbeiter und Angestellten obliegt, hat nach der Verordnung seine Aufgaben im christlichen, vaterländischen und sozialen Geist mit Ausschluß jeder parteipolitische» Tätigkeit zu erfüllen. Der Gewerkschaftsbund wird alS eine Einrichtnng des öffentlichen Rechtes erklärt und ist u. a. berufen, Kollektivverträge abzu- schlirürn. berufliche und soziale Einrichtungen sür die Mitglieder des Bundes zu schaffen. Der Beitritt zum Gewerkschaftsbund ist frei. Die Aufnahme kann abgelehnt werden, wenn der anmeldcndc Arbeiter u. a. wegen staatS- sei üblich er Betätigung verurteilt wurde. In einer Pressekonferenz hat der neue Sozialminister Ncnstädlcr-Stürmer Erläuterungen zu dem Gesetz über die Einheitsgewerkschaften gegeben, die an Deutlichkeit nichts zu wünsche» übrig lassen. Der Gcwerkschaftsbnnd wird i» fünf Berufs» gruppen aufgrteilt. Die Rechte und Pflichten der bisherigen Gewerkschaften erlöschen bis zum Inkrafttreten der Verordnung. Der Vorsitzende und die Vorstandsmitglieder des Geiverkschastöbundeö werden vom Bundeö- ministcr für soziale Verwaltung berufen. Daö gesamte Bermögeil der aufgelöste» sozialdemokratischen Gewerkschaften geht in daS Eigentum dcö Gewerkschaftsbundes über, die Verpflichtungen allerdings nur insoweit, als Gelder der aufgelösten Gewerkschaften vorhanden sind. Die Mitglieder der christlichen Heimwehr- gewerkschaftrn werden der neue» Einheitsgewerkschaft kollektiv beitreten, eheinalige Sozialdemokraten werden jedoch nur individuell aiifgrnoittinen werden. Die Tendenz gehe jedoch, wie Neustadter- Stürmer anführt» darauf hinaus, diejenigen, die eine Gefahr für den Ständegedanken bilden, n i ch t in die Gewerkschaft aufzunehmen. Solche, die wegen politischer Vergehen verfolgt werden oder die in die nenen Gewerkschaften Klassenkampf oder politische Aglta- i tion hiiieintrngen könnten, werden nicht aukge nommen werden... Ans eine Frage, oh jene, die nicht Mitglied I der der neuen Gewerkschaft sind, auf Arbeitsvermittlung rechnen können, erklärte der Minister, das« dir Arbeitsvermittlung:stellen in erster Liniedie bürgerlich gesinnten Ar» beiter bevorzugen werden. Auf eine ähnliche Anfragen bezüglich der Inden wurde gcaut- wortet datz das StaatSgrundgesetz über dir Gleichheit aller Staatsbürger nicht nusgehobe» sei; die Einheitsgewerkschaft fei aber nicht vrr» I pflichtet, jeden nnfznnrhnien... Die Verordnung wird überdies folgend rin» geleitet: „Um im Gei st e deS Christen tums, der sozialen Gerechtigkeit und Liebe! zum Vaterlande den'Arbeitern und Angestellten j eine wirksame Interessenvertretung zu sichern..." Diese Regierungsverordnung ist das Ergebnis langer Kämpfe, die hinter den Kulissen zwischen den christlichsozialcn Gewerkschaften und den „llnabhängigcn", nämlich den Heimlvchrgcwcrl- schaften, stattaesunden haben. Tic Heimwehe befürchtete nicht mit llnrccht die Konkurrenz der Christlichsozialcn, die init grossem Eifer um die Erfassung der sozialdemokratischen Arbeiter bemüht waren. Die Christlichsozialcn verteidigten bis znm letzten Augenblick die Selbständigkeit ihrer Gcwerkschaft.vewegnng. Dollfuss ist aber auch in dieser Frage, wie in allen anderen, dem stärkeren Fey unterlegen. Die Ernennung der Gewerkschaftsfunktionäre durch den BnndeSmiuister für soziale Vcr- lvaltung, einen H e i m W e h r m a n n, schasst die Gewähr für die Durchdringung dieser Einheitsgewerkschaft mit Hcimwehruugeist. Ein normales gewerkschaftliches Arbeiten und gewerkschaftliche Kritik der Mitglieder sollen durch die Einsetzung dec Heimtvehr-Kommandanten von vornherein unmöglich geniacht lverden. Die Bcstiminung, dass die Ausnahme in die Einheitsgewerkschaft vcrlvcigert werden kann, wenn der um Aufnahme ansuchendc Arbeiter wegen„staatsfeindlicher Betätigung" verurteilt wurde, gibt den Heiinwehrfascisten die Möglichkeit, gerade die aktiven Arbeiter, die»ur Führung einer Opposition in Betracht kämen, auSzuschaltcn. ES ist allerdings die Frage, ob die Regierung Dollfuss daS^»krasttrcs n deS Gesetzes überhaupt erleben wird. Obcrbanral des Prager Landesamtes verhaftet Von Plttel a Brausewetter mit50.000 Kt bestochen Brünn, Ü. März. Im Zug» der Untersuchung der BestechuugSassäre der Firma Pittel und Bransetvettcr wurde nach der AuSsage des Leiters der Trautenauer Filiale, deS Baumeisters Kunz, der sich in Untersuchungshaft beim KreiS- gcrichtc in Brünn befindet, auch dar ObcrVaurat der technischen Abteilung des LandeöamteS in Prag Jng. Baumann verhaftet. ES wurde festgestellt, dass letzterer von der Firma BestechungSgrlder in der Höhe von 50.000 Kronen angenommen hatte. DI« Polizei hat weiter sichergestellt, daß die Firma an weiteren BestcchungSgrldern noch 50.000 XL an verschiedene Personen ausbezahlt hat. 1 t eine Massnahme, die der RegicrungSkoinmissär für Wien Dr. Schmitz auf besonderen Wunsch dcö Kardinals Jnnitzer eingeleitet hat, um einen grossen Schritt weiter gebracht werden. ES sollen! in den GemeindehäusernSeelcnfürsorge-- stellen geschaffen werden. 1 Tie Einwohner dieser Gemeindehäuser, di» früher Ehe- und SozialbcratungSsiellcn gcwohW waren; lverden von dieser Massnahme, die nichW anderes bezlveckt als eine scharfe fleverwachilNl aller politisch Verdächtigen, alles eher denn crl baut sein! Maximilian Brandeis verhaftet] Im Fuge der Gleichschaltung der ehcmaW sozialistischen Organisationen lvurdc am Montg auch der Präsident des Landesverbandes dW Kriegsopfer und deren Hinterbliebenen Maxg m i l i a n B r a n d e i s verhaftet. ES lverden iM angebliche Malversationen zur Last gelegt. TuW Anschuldigungen solcher Art sollen die alten FLW rer nach deutschem Muster in den Augen ihrM Anhänger in Misskredit gebracht lverden. Oer Tod des Judas bestätigt! Wallisch-Verrhter tot im Wulste/ aufsteiunden... f InnSbruck, ü. März.(Tsch. P.»B.) Im! Walde bei Liezen in Osttirol wurde die Leiche deS Eisenbahnangestellten gefunden, der kürzlich die2g Behörden auf die Spur des ehemaligen Abgcord- 1 netcn Koloman Wallisch geführt und dessen! 1 Aburteilung durch das Standgericht und Hi»- richtung ermöglicht hatte. fascistisitie Journalisten inlerniemen Gefangene Wien, 6. März. Heute lud der BundcSpvesssll dienst die Vertreter der ausländischen Korrcspm», deuten u. zw. den Pressechef der italienischcu(1)1 Gesandtschaft Dr. Eugen Moreale, den Vertreter! einiger rechtsstehender französischer Blätter Prost Marcel D n n a n sowie den Vertreter der RotherV meerschen„D a i l n M a i l" Banister z» einer Besichtigung des PolizeigcsangcnenhauseS W wie der Gcsangcncnhänscr dcö LandcSgcrichtcsW und H und ihrer Einrichtungen ein. Einzelne Häftlinge erklärten nach dem o^I zielten Bericht, dass, abgesehen von dem Wui^ nach Beschleunigung dcö Verfahrens, sie keine& sondere Klage zu führen hätten. Der frühere Präsident dcö RationakrateS Tr.! Renner sagte, das; er über Kost und Unter-' bringung und auch über die Behandlung nicht klagen könne. Sehr unangcncbm sei jedoch die lange Schlafenszeit, da nm hall« 8 Uhr abends das Licht auSgelöscht iverde und erst nm halb 7 Uhr früh Taglvache sei. Seine Gesundheit habe bisher i nicht gelitten. Zum Schlüsse teilte ObcrlandcSgerichtSrat t Dr. Standhartingcr den Pressevertretern I mit, dass die Gerichtsbehörden bestrebt sind, das I Verfahren s o rasch als möglich durchzu- I führen. „Seelenfürsorgestellen“ Die Seclensanierung in Oesterreich soll dur. Mittwoch, 7. März 1934 Seile ö Die Opfer reden I Tatsachenbericht aus dem Mordlager Papenburg b. b. Ein der LrganisationSleitmig genauestens besonnter, zuverlässiger Genosse, der seit einiger Zeit im Ausland wohnt, hat in diesen Tagen einen Bericht über die. scheußlichen Vorgänge im Mordlager Papenburg, in dem er längere Zeit als Gefangener weilte, zu Protokoll gege« den. Wenn wir vorläufig seine Personalien uerschlveigcn, so tun wir es aus guten Gründen. Las abgegebene Protokoll enthält u. a. folgende Schilderungen: „Ter Abtransport der 195 Gefangenen geschah in Viehwagen. Die Vichtvagcn wurden verschlossen. Die Ventilation wurde van kleinen Löchern, die mit starkem Trahtgcwebe versehe» waren, besorgt. Auch Otta E g g c r st e d l wurde mit uns verladen. Er Ivar schon arg z»gerichtet und hinkte stark, weil ihm ein Fußknöchel zerschmettert tvar. Gegen drei lihr nachts fuhren wir ab. Bedürfnisse mussten im Wagen verrichtet iverden. Tic in Papier gewickelten Exkremente wurden durch die Luftlöcher entfernt. TaS meiste blieb in den Drahtgeflechten hängen. Gegen 10 llhr morgens kamen wir in Dörben bei Papenburg an. Wir wurden wie Vieh aus de» sechs mit >e 32 Mann beladenen Waggons getrieben. Die i Schwcrkranken wurden auf einen Wagen geladen. Wir anderen mutzten, von einem Kordon schütz-1 bereiter Gewehre umgeben. 28 Kilonieter durch I tiefen Sand marschieren und dazu singen. Vor mir ging ein alter Mann, der schwer fußleidend tvar und deshalb nicht mitkommen konnte. Er wurde mit Fußtritten und Schimpscreicn bedacht. Ei» preussischer Landtagöabgeord»cter(der Nanic steht im Protokoll), muhte auf dem ganzen Wege einen schweren Koffer tragen. Als ihm Mitgefangene dabei helfen wollten, tvurde ihnen das verboten. In unserem Beisein wurde der Abgeordnete unerhört beschimpft. Das wirkte auf uns um so abstossender, als wir tvutzten, datz der Mann als Kriegsfreiwilliger an der Front gestanden hatte und Schwerkriegsbeschädigter tvar. Der Dienst für das Vaterland hatte ihm kl Beinschüsse eingetragen. 0le Ankunft im Lager Nachmittags gegen 3 llhr kamen wir int I Lager an. Die SS stand zu unserem Empfange mit Knüppeln bereit. Wildes Geheul bildete mrse-I ren Willlommensgrutz im Lager. Geschlagen wurdet» wir jedoch nicht. Der Lagerkommandant! verhinderte es. Einzelne SA-Leute versuchten, uns die Uhren zu klauen. Auch das tvurde verhindert. Dann nlutztcn wir mit hundert Mann in eine Baracke. Da die Barackentür nur klein war, entstaird ein großes Gedränge. Dabei wur-\ den wir von den Wachinannschaften furchtbar geschlagen. Wir teilten Schränke lind Betten ein. Die Betten waren rohe Gestelle von alten Brettern, ohne Decken und Strohsäckc. Tic erstell drei Wochen mutzten wir auf diesen nackten Brettern schlafen, ohne einmal die Kleidung oblegen zu können. Später bekamen erst die Aeltcrcn und dann die Jüngeren ic einen SIrohsack und eine Wolldecke. Als die letzten im Besitz dieser begehrten Gegenstände kamen, waren fünf Wochen verstrichen. Am Tage nackt unserer Einlieferung muhten wir antrctcn. Der Lagerkommandant Kätzmann und sein Adjutant Faust schrieen uns an:„Schufte, Antifa und Rot-Front, raus- Ircten!" Tie HerauSgetrctencn wurden s ch>v c r in i h h a n d c l t. An demselben Tage tvurde ein kommunistischer Gefangener gcztvungcn, Otto Eggerstedt 18 Schläge mit dem Gnnnnikniippcl I I zu geben. Als er nicht ordentlich zuhieb, tvurde ihm das gleiche Schicksal angedroht. Die Rippen eingeschlagen Am Montag wurden ivir zur Arbeit beordert. Wir sollten das Lager, das erst neu errichtet und noch nicht fertig war, in Ordnung bringen. So haben wir Erde geebnet, Gräben für die Wasserleitung gezogen usiv. Die Arbeitszeit ging von morgens 7 llhr bis abends 6 llhr. Dazivi- schen lagen zwei kleine Pausen von je einer Viertelstunde und eine große von 2 Stunden. Besonders schlecht waren die Juden und Bonzen dran. Bonzen waren alle, die irgendeine Funktion in der Arbeiterbewegung auSgciibt hatten und die I Intellektuellen. Nach Feierabend muhten Ivir Steine abladcn, Stiefel für die SS putzen usw. In den ersten vierzehn Tagen haben nur iibcr- ! Haupt keine Ruhe bekommen. Viele Gefangene I wurden grundlos mißhandelt. Der Lagcrleitung wurde in solchen Fällen gemeldet, daß die Gc- | schlagencn nicht gearbeitet hätten. Nach den Mißhandlungen mußten die Betroffenen weiter schuften. Waren sie nicht dazu imstande, so wurden sie erneut geschlagen. Ein Jude, der Röhren trage» sollte und diese Arbeit angeblich nicht zur Zufriedenheit ausführte, wurde mit dem Gewchrlauf bearbeitet. Dabei wurde ihm eine Nippe zertrümmert. Trotzdem mußte er Weiterarbeiten. Bei der Arbeit wurden wir auch nutzlos schikaniert.> Wenn wir in dem leichten Sandboden Gräben! aus hoben, so durften die Grabenwände nicht ab- s gestreift werden. Dadurch sackten oft ganze Grube»strecken weg und begruben die Gefangenen unter sich. Daun mußten sic mit großem Hallo I Fünf Morde Nachdem die Arbeiten im Lager beendet waren, wurden wir zur Maorarbeit loiiiinandiert. Dabei muhten wir singen. Wer nicht saug, wurde geschlagen. Die ersten 10—15 Tage tvar die Arbeit leidlich. Später aber wurde ein Pflichtpensum eingcführt, wonach jeder Gefangene pro Tag 18 Meter Graben, 80 Zentimeter breit und 00 Zentimeter tief, ziehen muhte. Bor allem Otto Eggerstedt hatte bei diesen Arbeiten viel zu leiden. Man mißhandelte ihn seelisch auf das gemeinste. Oft mutzte er allein mit SS-Leuten Zurückbleiben und wurde dann höhnisch gefragt: Ottochcn, Du glaubtest wohl, wir wollten Dich erschießen?'' Wenn er dann antwortete:„Nein, von Ihnen glaube ich das nicht!" so fragte man ihn weiter:„Glaubst Du cs denn von unseren Kameraden?" Fand er darauf keine befriedigende Antwort, so wurde er geschlagen.. Einmal mußte er niedcrknicn und wurde mit einer Latte furchtbar zugcrichtet. «ans Alexander Wenn im Lager gesoffen wurde, trieb man die Prominenten zusammen— einmal waren cS j 00 Mann— und mißhandelte sic viehisch. Am 2. September 1930 wurde Haus Alexander draußen im Moor nicdcrgeknallt. Er durfte am Feierabend beim Abmarsch sein Zeug nicht mit- nehmeu und wurde später allein abkonunandiert, uni die zurückgebliebenen Sachen zu holen. Dabei ist dann der Mord geschehen. Schon am Morgen des Mordtages herrschte unter uns eine gedrückte Stimmung. Wir ivnhtcu, daß etwas passieren würde. Während wir an den andern Tagen Wanderlieder sangen, mußten tvir an diesem Tage „Batcrlandslicdcr" singen. Als Alexander niedergeschossen Ivar, mußten ihn acht Mann auf die' Bahre legen und tragen. In das Lager wurde er 1 auSgegrabcn werden. Die Genossen HansAle- x a n d c r und L ii d e m a n n lagen in Baracke 5, di« zu ungefähr 00 Prozent mit Schlesiern belegt war. Sozialdemokraten werden am schlechtesten behandelt Außer den schon genannten Genossen waren noch einige Bürgermeister, ein ArbeitSamtüdirck- tor und ähnliche Genossen im Lager. Sie wurden viel schlechter behandelt alü die übrigen Lagerinsassen. Die Wahrheit verlangt festzustellen, daß in unserem Lager die Sozialdemokraten viel schlechter behandelt wurden als die Kommunisten. Eines Tages tvurde beispielStveisc der ArbeitS- amtSdirektor lute ein Tier stundenlang über den Lagerhof gehetzt und niit Knüppeln geschlagen. Dann trug man ihn ins Lazarett. Dort schrieb er zwei Briefe— einen an den Lagerkommandanten, einen an seine Frau. Dann schlug er eine Flasche entzwei und schnitt sich mit den Scherben die Pulsadern auf. Ein hinzukommcnder Arzt verhinderte sein Verbluten. AIS Acrztc fungierten im Lager zwei Gefangene, ein Sozialdemokrat und ein Kommunist. Ihr Vorgesetzter ist ein SA- Student, der noch keine Arztprüsung abgelegt hat. Ein besonderes Kapitel ist der Arrest. Diese Strafe wird bei den kleinsten Verstößen gegen dir Lagerordnung(verbotenes Rauchenl verhängt. In den Arrestzellen befinden sich keine Beiten oder andere Einrichtungsgegenstände. Wenn die SS-Leute besoffen waren, so kühlten sie ihr sadistisches Mütchen an den Arresticrtcii, die sie mit Ochsenziemern mißhandelten. später gefahren, lins sagte man in die Baracken. Otto Eggerstedt wurde gezwungen, die Leiche ab- znwaschen, die Juden mutzten sie anzichen. Keiner durste in die Arrestzelle, in der der Ermordete nusgcbahrt tvorden war. Ani nächsten Sonntag erfolgte der Abtransport. Wir mutzten in den Baracken bleiben. Bergmann Später wurde int Lager 3 ein früherer Ber- liner Polizcibeamtcr B e r g m a n n erschossen. Er soll seinerzeit dienstlich gegen die Nazis vorge- gangen-sein rind war in einen Prozeß verwickelt, in dem er sreigcsprochen tvurde. Nach meiner Er- iuneriiiig geschah der Mord an Bergmann am 10. September 1938. Dann tvurde im gleichen Lager ein Friseur erschossen, der nichts mit Po- litil m tun gehabt hatte. Tic Nazis behaupteten, er sei ein Hochstapler gewesen und hätte anderer Lcilic Geld genommen. Er Hai, ohne daß er eL wußte, sein eigenes Grab schaufeln müssen und wurde dabei von einem SS-Mann in kniender Stellung erschossen. An dieser Mordtat waren die TS-Lcutc Vogel und Schmidt von der Standarte 19 beteiligt. Dänisch Damit batte das Lager 3 zwei Morde und unser Lager 2 erst einen(Alexander). DaS ging unseren Peinigern aiischeiuend gegen die Ehre. Darum ermordeten sic Ende September einen Gc- saugcneu Dani s ch auü Obcrschlcsien. Als Grund wurde angegeben, er habe seinerzeit gegen die Deutschen gekämpft. Dänisch tvar schon früher unmenschlich gcguält tvorden und batte bei den Mißhandlungen ein Auge verloren. Die Nazis behaupteten den Gefangenen gegenüber, er hätte sich das Auge selber auSgestochen. Die Fra«, die nicht enttäuscht Das klingt nach Kolportage, ist aber der Titel eines(in vieler Hinsicht wertvollen) Romans von M a r A r o d(erschienen im Verlag Allert de Lange in Amsterdam). Die Geltung, die Max Brod als der tveitaus bekannteste unter de» dcutschschreibcndcn Autoren Prags genießt, und die Tatsache, daß er, der Zionist, seinen Weg als deutscher Schriftsteller gemacht hat, lassen eS über den Kreis derer, denen durchschnittlich gute Belletristik ein sehr Ivichiiges Ding ist, als interessant erscheinen, Iv a S denn Mar Brod in dieser bedeutendsten Zeit und am Vorabend noch nicht vorstcllvaren Weltgeschehens zu sagen hat wen ii er etwas zu sagen hat und was er nunmehr ettva über Deutschland, Deutschtum, Judentum und deren Beziehungen zu einander zu sagen hat. Nun denn, Max Brod schildert in diesem Roman, in dessen männlicher Hauptfigur der Autor selber erkannt werden will(sogar Postbeamter ist dieser Schriftsteller JustuS gewesen, ehe er seine ersten großen Büchererfolge erzielte), die Verstörung, die ihn unter dein Ncu-Einb^uch des deutschen Antiseini- tisinuS und durch den Zusammenbruch der Bindung mit einer geliebten Fran in ein Sanatorium treibt, wo er, der unter der Last des Judentums und der nuvcrwelklichen Liebe zum guten Deutschtum Leidende, durch eine andere Frau, die so wie die erste wiederum eine Arierin ist, Kraft zu neuer großer Liebe, zu neuem Schaffen und zu geistiger Auseinandersetzung über die ihn umklammernden jüdischdeutschen Fragen findet. Auch diese zweite Frau bringt dem Schriftsteller nach höchstem Glück bittere ' Enttäuschung mid Einsamkeit, aber eine Art geläuterter Trauer, die tvir tvohl(der Schluß des Buches scheint mir symbolhaft unklar zu sein) in einer noch erweiterten„Distanz" des jüdisch-deutschen, nun noch mehr nach Palästina hinneigenden Schriftstellers zum nienials ganz zu erreichenden deutschen Wesen erkennen und würdigen sollen. Nicht aber diese Handlung ist daS Wesentliche an diesem Buche, sonder» eben die philosophischen, politischen, pspchologischcn Gedankengänge, die der Autor wandelt. Brod sagt über die Judenfrage und über ihre Verguickung mit dem deutschen Geist sehr viel klug Durchdachtes, viel Nachdenkliches; und über das Wesen deS Weibes und der Liebe viel allgemein Gültiges, in solcher Offenheit nicht oft Geäußertes; er sagt es auch in einer manchmal zwingenden Sprache, in künstlerisch überzeugender, knappster Form (zu der nur das miserable Deutsch ettva der ersten dreißig Seiten in eincin unverständlichen Gegensatz stcht^ übrigens aber auch gewisfe Plattheiten, die sich durch das ganze Buch ziehen, lvie ettva die „Mädchendame", eine Begriffs- und Worterfindung, in der sich der Autor mit einer auch sonst immer wieder zutagctreienden Eitelkeit sonnt). Doch auch dies sei nur nebenbei vermerkt. Entscheidend ist nieineS Erachtens, daß Max Brod ztvar eben sehr viel Beachtliches über Rasse, Weib, Webe, Menschentum zn sagen hat, dennoch aber tvohl niemanden der Lösung jenes Problems, das von ihm selbst Besitz ergriffen hat, näherzubringen imstande ist. lind das scheint daher zu kommen, daß Max Brod zwar zweifellos ein Ringender ist, aber kein Kämpfer; daß er zwar sehr ernst bemüht ist, das Geschehen um die Juden ans dem Wesen deS Gegners heraus zu verstehen, sich nut möglichster Objektivität in den Geist deS Antisemiten zu versehen, daß ihm aber die Kraft mangelt, daü Leben und Wesen Mißachteter und Verfolgter, daS doch eben auch als durchaus tvertvoll erkannt tvird, unt allen Mitteln zn verteidigen. Max Brod gehört ztvar nicht zu denen, die unbewaffnet durch den Wald Seite an Seite mit dem rcvolverbctoehrten Feind gehen; er sucht entferntere Teitenpfade, von denen aus er aber den Mördern zürnst: Werfet doch die Mordwaffen weg, Ihr seid ja gar nicht so schlecht, und verzeiht uns Juden, die wir gar nicht so gut find! lind mittlerweile tvcrdcn. sowohl die lieben Mitjuden deS Herrn Brod, die keine Gelegenheit zur„Disianzliebe" haben, und die Mitaricr weiter erschlagen, geknebelt, in Konzentrationslager gesteckt. All das will Mar Brod nicht sehen oder nicht sagen. Deutscher Antisemitismus— das ist für ihn das einzige Problem. Daß nicht nur Juden, sondern vor allem und in schrecklicher Form und Zahl auch Arier, daß alle Sozialisten, alle Pazisisren, alle Revolutionäre, alle Freisinnigen in dem Deutschland, daö Brod nie beim Namen nennt, niedergetreten lverden, davon ist in diesem Buche mit keinem Worte die Rede. Und natürlich kommt auch, obwohl im Anfang viel von Arbeitslosigkeit, Krise und Arbeitervcrztveiflung in Böhmen die Rede ist, nie das leidige Wörtlein ..Kapitalismus" vor, das eben gewisse Buchleser ab- schrecken möchte, weil sie sich von ihrem warnien Bürgerpfühl aus nur für die Frau interessieren, die nicht enttäuscht. In die deutsche Politik sollen die Inden sich nicht mischen? Ja, ist den» solch ein Buch tvie das von Max Brod nicht durchaus Politik, eben als Politik wirksamer vielleicht denn hundert oder tausend Leitartikel im„Prager Tagblatt" oder anderswo? Aber Mar Brod ist nicht nur ein Distanzdeutscher, sondern auch ein Distanzpolitiker,«in Distanzkläger. Eine Halbheit, durch besondere persönliche Umstände bedingt, weht einem ans all dem entgegen, so sehr auch eben daS Ringen des Menschen um ein Ganz- Iverden anerkannt tverden muß. In dieser Zeit halbe j Otto Eggerstedt Am 12. Oktober geschah dann der Mord an Otto Eggerstedt. Wir kamen nachmittags gegen 3 Uhr von den Moorarbcitcn zurück. Um 1 Uhr wurden wir wieder herauSgeholt. Wir sollten Baumstämme, die in einer nahen Hölzung gefällt worden waren, hcreinholen. Beim zweiten Transport hieß cS, cS brauchten nicht mehr alle mit, da nicht mehr genügend Stämme vorhanden seien. Darum wurden nur die Bonzen und neun gefangene SA-Leute nochmals ablommandicrt. Otto Eggerstedt tvar der Letzte. Er lief hinter den andern her. Da wurden plötzlich die SA-Ge- fangcnen zurückgcrufen, so daß Eggerstedt ganz alleine lief. Wie die Untat geschah, haben tvir nie richtig herauSbckommcn können. Der offizielle Bericht, den die Schreibstube erhielt, lautete: Der Olcsangcuc lief in die Hölzung und holte Holz. Die Bewachung merkte, datz er zirka 00 Meter in tiefes Gebüsch hineinging. Daraufhin habe sie ihn angerufen. Als er dem Anruf keine Folge leistete, habe ihn die Wache erschossen. Dieser Bericht ist nicht glaubwürdig. Denn uns tvurde alle Tage gesagt:„Wer die geringste Bewegung macht, wird erschossen. Angcruscn wird nicht!" Sonst tvurde» die Erschossenen von den Gefangenen hereingeholt. Otto Eggerstedt aber wurde von SS-Leuten hereingebracht. Seine Mörder sind der stellvertretende Truppführcr Grothenn(Rheinland) und SS- Mann Eiscnau, Standarte 19. Eifcnau war bei allen Mordtaten im Lager 2 beteiligt. Vie pollrel greift ein Der Leichnam wurde am 17. Oktober in der Gegend bei Papenburg beigcsctzt. Anschließend kam Polizei mit schußbereitem Karabiner und transportierte 30 bis 10 Gefangene in ein anderes Lager. Die S« tvurde tvährcnd des Abtransportes von der Polizei in eine Baracke gejagt. Einem Reichsbanncrgaufübrer, dem man schon offen gedroht hatte:„Du koininst auch noch dran", ist vielleicht durch den Abtransport das Leben gerettet tvorden. In einer Baracke entstand eines Tageö tvcgen einiger Kommunisten eine Unruhe, die allerdings von der Lagcrlvache bewußt herbeigeführt worden tvar. Daraufhin tvurde» nachts alle Barackcninsasseii im Hemd mit Peitschen aus den Hof gesagt. Dieser Vorgang wiederholte sich mehrere Male. Acht Tage hatte die Belegschaft dec Baracke fürchterlich zu leiden. Die oben ertvähn- ten SA-Gefangeneu tvarcn böse zurechtgcmacht, alö sie in das Lager eingeliefert wurden. Sie trugen Armbinden mit dem Aufdruck SA. Die 2«-Lentc schrieen sie an:„Was heißt das da auf der Binde?" Die SA-Leute, denen dieser Vorgang scheinbar geläufig tvar, anttvorteten: „Stiehlt alles!" Mit dieser Antwort waren ihre Brüder in der schtvarzcn Uniform zufrieden. In der(siegend von Papenburg befinden sich fünf Lager mit je tausend Gefangenen. Die Gesänge« neu bekommen in der Woche 8 Pfund Brot, ungefähr 50 Gramm Margarine, ein kleines Stückchen Wurst und Käse und etwas Marmelade, Wenn wir uns ein einziges Mal hätten richtig faltessen sollen, so hätten wir die Wochenration an Zubrot bequem zu einer Mahlzeit ansessen können. Während der ganzen Zeit, in der ich im Lager tociltc. haben wir kein Fleisch zu sehen bekommen. Selbswcrpslcgnng tvar möglich. Wir konnten in der Kantine kaufen und auch Pakete erhalten. Briese schreiben durften wir in den letzte» '.0 Tagen. Briefe erhalten in den ersten 10 Tagen deü Monats. Außerdem durften wir pro Woche drei Marl zugesandt erhalten. Besuchserlaubnis bestand nicht. Wir waren in Baracken zu je hnn- dcrt Mann nntergebracht. TaS ist der wahrheitsgetreue Bericht eines Genossen, dessen Zuverlässigkeit außer Zweifel steht. Er rundet das Bild, das wir aus der Schrift des Genossen Gerhard Seger über daö Kouzcn- trationslagcrtrciben der heutigen Machthaber gc- Ivounen haben. Politik zu machen, und zu behaupten, man mache gar keine, ist schädigend— eben weil io erst recht Politik gemacht wird, passive Politik, die dem Gegner jeden Sieg über Forisckwitt, Menschlichkeit, Demokratie, ausrcchte Gesinnung noch leichter macht. Und gerade von ciueni führenden Kopf könnte und müßte man anderes verlangen, so begreiflich cs auch ist, daß ein Angcekelter lieber sich in alleinseligmachende und doch so schtver enttäuschende Liebe, zum Weib kund in, natürlich„unpoljtifche". Palästina- Gedanken) zurnckzieht. Und deswegen bat dieser Roman, so sehr er auch geistig und seelisch Werivolles enthält, nur einer gewissen Schicht selbst uiikämpferischer(wahrscheinlich größtenteils jüdischer) Intellektueller etwas zu sagen, nichts aber dein Arbeiter, nichts dem Kämpfenden, nichts dem Revolutionär, der weiß, daß daS Heute verändert werden muß, wenn das Morgen so anssallen soll, daß auch grüblerische, spintisierende, schreibfrcudige, wissenverarbeitende Romantiker sich darin wohl fühlen sollen. ES ist gut, Ivichtig und richtig, vor keiner Tiefe im eigenen Wesen zurückzuschrecken, all die Geheimnisse der eigene» Seele, ergründen zu wollen; aber das hat für da» Heute, nur sehr bescheidenen Wert, wenn also gescheiteste Menschen nicht auch nach außen kompromißlos, mutig und mit dem Einsatz ihrer ganzen Person dem Ungeist kämpferisch an den Leib rücken, iveiin ihnen das Leid der Juden nicht Herz und Hirn für das Leiden aller Entrechteten und Verfolgten ans die Dauer erschließt, lvcnn sie nicht rücksichtslos Kapitalismus und F a s c i S in u s beim Namen nennen und sich nicht bedingungslos auf die Seite derer stellen, die nicht eine kleine neue Welt für die Juden, sondern eine große neue freie Welt für alle durch K a m p f schaffen wollen k S. Goldschmidt. «Ute 6 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 7. März 1934 Ar. SS T port• Spiel• Körperpflege Erstes Arbeiter-Wintersportfest in Lettland Bei recht zweifelhaftem Wintenveiier wurde das international besuchte Wintersportfest Uoin 1(1. bis 18. Feber in Riga durchgesührt. ES fehlte au stahlhar- tem Eis und pulverigem, stiebenden Schnee. Die ausländische Beteiligung erfuhr durch die plötzliche Absage der Russen und Polen eine starke Schwächung., Ilm so eindnicksvoller gestaltete sich daS Erscheinen der Oe st erreiche r, die unter erschwerte» Reisebedingungen ihr Kaminen möglich gemacht hatten. Die Finnen trafen eine Woche vor dem Fest ein, um sich au Fakklimatisieren". Der Finne, als gewissenhafter SportSmann bekannt, prüft vor den Wettkämpfen sein Werkzeug und dazu gehören auch die Schnee- und die— Eisbahn. Die Oesterreich» erreichten nach beschwerlicher Fahrt Freitag morgens Riga, von einer tan- sendköpfjgen Menge stürmisch begrüßt. Die Wettkämpfe wurden programmästig Freitag mittags begonnen. Die Schach- und Tischtennisturniere konnten präzis durchgesührt tverden. Die Skiläufe fanden auf nassein und schwerem Schnee statt. Ganz hervorragend ist die Leistung deS Finnen, der in einer wunderbaren Langlauftcchnich mit einer guten Zeit als erster durchs Ziel lief. Die Schanzensprünge„fielen ins Wasser". Die Eisschnell-Läuse konnten erst Sonntag auf holprigem, weichem Eis und nur zum Teil ausgetragen tverden. Ganz hervorragend lief der Finne die ßOO und 5000 Meter. PRÄGER ZEITBWGi I 1O0 Fleischeraehilfen gekündigt I Au» dein Prager Zeniralschlachihof find! 100 Flcisckiergehilfci» gekündigt worden. Darunter solche, die mehr als 30 Jahre tätig sind. Die Kündigung erfolgte, weil die Gcnossenichaft der I Selcher nicht die Beiträge für die Angestellten! zum Pensionsfonds zahlen will. Tie Fleischergehilfen haben eine Protestbersammlung einberufen. Ihre ui» gekündigten Kollegen erklären sich mit' ihnen solidarisch. Sie dro-! hen mit Streik für den Fall, daß die Kündigungen ihrer Kollegen nicht zurückgenommen werden.! Er wollte seine Fra« töte»— und das Kind starb In Ltern bci Höniginnenhos. in munntel- barer Um AebnnA hat lieb anr PJiüittnß eine• furchtbare : Familientragödie ereignet. Tori lebte 1 der 44 I obre alte Kleinbauer Karl Seliskej mit seine r Frau, die schon vier Jahre lang leidend>r mr, ii» unglücklicher Ehe. In der letzten Zeit hatte Seliste mit seiner Schwägerin eine! Liebc-bcz icbung angefangen und beide über- leplen, w ie sie sich von der untzcoucmen kranken I Frau rcr reien tonnten. Schliestlich hinten sic aufj einen fdi uecklickie»» Gedanlen: sic liesten einen, .Kuchen l'c »den und dort hinein taten sic?l r s c n.! Ein flliid sicher Zniall wollte es jedoch, dast der! achtjährig ie Sohn von den» vergiileien Gebäck 1 ah. Das Kind starb kurze Zeit darauf. Seliske i und seine SchN'ägerin sind bereits wenige Stim- den spare r verhaftet worden. Eine Schülerin tödlich verunglückt. Gestern! mittags ereignete sich in der K ronen ft ratze! in den Weinbergen ein schwerer Unglücksfall. Dort stürzte die 13jährige Schülerin Pera S t a st n a nutz dem zweiten Slockiverk der Wohnung ihrer Eltern. Tas Kind war sofort lot. ltmi'chnltuiig von Tclcvlwntrilnehmrr-Statioiicn' in dem Prager Stadteile u Dltavv in Prag ll. Da ans technischen Gründen eine Umschaltung der! Telepboukabel in Smichov vorgenommen werden! must, werden dü. Delepbonteilnelimer in Vrag II., in dem duriti die Svobodova-GaHe, die Bysehradskä tk., i die Gaiie Na Meräni und Vliavo»» begrenzten Umkreis sukzessive für die Zeil vom 8. d. M. 13 Uhr bis zum 10. d. M. unterbrochen werden. Listtaisei».Plünderer. Vor kurzem„svcziali- sie.rte" üch eine Tiebsbande auf Liflkasfen, jene llei-j nen Geldbüchsen, die nun Einwerfen von Geld- siüiten zur Benützung des Fahrstuhls neben dem Lift angebracht sind. Nachdem diese Bande eine Zeitlang die Weinberge unsicher gemacht batte, sind sie jetzt zur Plage der Jnnerstadt geworden. Die Polizeidirekiivit lästt alle Hausvertvalrer warnen, sie uwchien auf diese ungebetenen Besucher achtgeben. Tiebstähle. Und— ein nobler Maler. Dem Prager Maler A. Kob out ist ein Gemälde, das er l!>33 geschaffen bat und daS„Venedig" beisti, gritoblen tvorden. Der Maler binet, wie er sich ausdriickt, den„Betreffenden", uin Nachricht über das Verbleiben seines Werkes. Kohvut will das Bild nicht zurückhaben. Er möchte, mir wissen, in wessen Besitz es geraten ist.— In der letzten Nacht wurden in der Neruda-Gasse drei Diebstähle verübt. Im Hanse Nr. 13 raubten Einbrecher das Geschäft des Friseurs Kvrnelik ans. In Nr. 30 gelang es den Dieben aus der Wohnung einer Fran Rosenberg 7 Anzüge Im Werte von 8000 Ke zu erbeuten. Hier! entwichen die Täter durchs Fenster. In Nr. 23 brachen die. Unermüdlichen eine. Trafik ans und enttven- dcten dort sänuliche vorhandenen Tabakivaren. Im Park erhängt. In den frühen Morgenstunden sah gestern ein Polizeibeainter aus feiner Tiensi- streise, dast ein nicht sogleich zu definierendes Etwas I an einem Baum des!>l o h ü ö l a- Gartens in! N n S l e hing. Der Beamte ging näher und sah, dast diese, sonderbare. Erscheinung ein Mensch lvar, der sich dort am Banin erhängt batte. Man schnitt den Körper des Mannes ab, doch alle Wiederbelebungsversuche. Illieben erfolglos. Aus hinterlassenen Briefen, die man in der Rocktasche des Toten fand, geht hervor, das', dieser die Tat anö LebenSüberdrust begangen bat. Weiter bittet der Selbstmörder, man möge seinen Nauum nicht veröfsentlichen. ES handelt sich unt einen Beamten. Tie Leiche. ist dem Institut für Gerichtsmedizin übergeben lvorden. Tote Gons fliegt auf und davon. Frm» Amalie N. in K a r o l i n e n t h a l hatte sich für daS gestrige Mittagsmahl eine schöne fette GanS vorbereitet. Wohlgeruvst, ausgenommen und eingesalzen lag sie aus den Küchentijch, nur darauf wartend, in den Ofen geschoben zu tverden. Fra» N. stellte jedoch fest, dast ihr Vorrat an.Kohlen zu diesem Zweck nicht auS- reichte. Sie nahm einen Eimer und ging damit in den Keller, um Heinnaterial zu holen. Dabei vergast sie, die Tür ihrer Wohnung zu schliesten. Als sie zu» rückkam, tvar die. GanS verschwunden. Die Hausmeisterin erzählte der Betrübten später, dast sie eine Bettlerin mit eiligen Schritten, ein Paket in der Hand, das Hans habe verlassen sehen. ÄaS zur Aufklärung des inhsteriösen Falls allerdings erheblich beitragen dürfte. Selbstmordversuch zweier jugendlicher Hausgehilfinnen. Ain Nachmittag des gestrigen TageS ver- suchten sich zwei Hansgehilsinnen in Prag durch GaS zu vergifte». Die 23jährige A. B., die in D e j v i c e, Svecova 13, in Stellung war und die 10jährige B. H. aus Bube n e c, Aendlova 5, wurden ins Allgemeine.Krankenhaus gebracht. Wiederbelebungsversuche hatten Erfolg. Ein weiteres Opfer der Krejii gestorben. Der Fall der llüjährigen GastwirtSsrau Krejii aus Prag ll, die lvegen der geheimnisvollen amerikanischen Erbschaftsaffäre, in der sie viele Leute um graste Summen brachte, noch immer in Pankratz in Haft sitzt, hat wieder ein Opfer gefordert. Gestern starb in Prag der 57jäbrige Werkführer P e t r ä S, der vor zwei Fahren feine gesamten Ersparnisse. im ganzen 60.000 Ke, der Krejöi gegeben batte. Er bekam das Geld, wie alle anderen, nicht zurück. Seit Monmen führte Peträs mit der Greisin! erbitterte Prozesse. Tie dauernden Aufregungen, die! daraus entstanden, schwächten seinen Gesundheitszustand so, dast er jetzt sckliestlich einem Schlaganfall erlegen ist. Dies ist bereits das zweite Todesopfer der Krejöi. Wie von uns seinerzeit berichtet, hatte sich ein Bauer in der Umgebung Prags aus Gram über den Perlust seines Vermögens, das er ebenfalls der GastwirtSirau anvertraute, erhängt. Rach fünf Jahren verhaftet. Tie Polizei in Novosedle verhaftete den Bauern WeIfIik, dessen Sohn Josef fowie den Bauern B ö hm Die drei baden vor fünf Jahren den Bürgermeister Wa r t u s ck e von Novosedle ermordet. Erst jetzt konnten sie der Tat überführt werden. Gefälschte Teebutter. Die Polizei Hai den 10 Jahre alten Handlungsgehilfen Jaros>ind seine Frau wegen Vergehens gegen das Nahrungsmittelgesetz sestgenommen. Das Ehepaar Jaros verkaufte in der Altstädter Markthalle Tee butt er, die in Wirklichkeit keine Ivar, sondern gewöhnliche Butler, vermischt mit Margarine. In der Wohnung des Jaros am Altstädten Ring fand man eine vollständige Einrichtung zur Herstellung und Verpackung der verfälschten Teebutter. Zeugen berichten, das; sie oft slowakische Landleute mit grosten Paketen zu Jaros hineingehen sahen, die dann stets mit leeren Händen wieder sorigehen. ES wird vermutet, dast sie die Butterlieferanien des Festgenom- menen waren. Man Hai miSgcrechnct, dast Jaros am Meterzentner seiner Tecbutter 100 Kä verdient hat. Tas Ehevaar, das selbst keinen Gewerbeschein besäst, verkaufte die verfälschten Erzeugnisse über den Namen der Tckvvester des Jaros, die einen Gewerbeichem batte. Wieweit diese von dem Vergehen ihres Angehörigen geivustt hat, steht noch nicht fest. Der ktfi elende Magzdwui ist zur der(UonnemHsÜLAeL ükr zu verwenden! Wer im Rückstände öteiöt, scilddigt die Sortei und deren Tresse Die Verwaltung (jcrichtssaal Frau Eisenkohl Eine, die stets in„momentaner Geldverlegenheit" ist Prag, 0. März. Es gibt einen Betrünerlhpus. der bei den Gerichtsverhandlungen immer wieder das Erstaunen darüber tvachruft, dast es Menschen gibt, die einer unbekannte» Person nach flüchtigem Zusammentressen auf einen fadenscheinigen Vor- tvand hin Tausende zur Verfügung stelle», notabene Menschen, die sich ganz sicher überlegen tvürden, ettva einen Freund oder Bekannten in momentaner Verlegenheit auch mir 100 Ke vorzustreckeu. Man gebt kanin fehl, tvenn man das Entgegenkommen dieser sonderbaren.Kreditgeber auf das psuchotogisch seit» berechnete, arrogante und aitspruchsvolle Auftreten der gcivicgten Berussbetrüger zurücksührt, dem der Kleinbürger so gern erliegt. DaS männliche Geschlecht hat in dieser Be- lrugSbranche naiurgemäst das zahlenmässige Ileber- geivicht. Wenn mau alle diese„Generaldirektoren", „Grostgrnndbesitzer",„Fabrikanten" usw. summieren wollte, die ohne Heller Geld Tausende und Zehn» tausende ergattern konnten, so wäre das Resultat eine zwerchfellerschütternde Chronik kleinbürgerlicher Dummheit. . Aber mich das weibliche. Geschlecht ist in dieser Kategorie, der Beruföbetrüger tvürdig repräsentiert. Zu seine» prominentesten Repräfentantin- nen gehört die 5>l jährige Marie Eisen kohl, die nicht Iveniger alS s e ck> S m a l wegen schtverer Betrügereien verurteilt ist. Heute stand sie, anS der S t r a f h a f t vorgeführt, neuerlich vor dem Senat S i t t a. Sie hat es fertiggebracht— der Fall ist für sie charakteristisch— einer Frau Havliöek, die sie im Kaffeehaus kennen gelernt hatte, unter der Vorspiegelung, sie sei Inhaberin eines Pkibra- mer Geschäftes und in„m o m e n t a» e r Geldverlegenheit", auf den ersten Anhieb 40.000 Ke in bar und austerdem noch für 0000 Ke Wäsche herausznlocken. Die gerichtsbekannte Betrügerin verteidigte sich unter betäubendem Wortschwall damit, dast eS sich um ein„rein zivilrechtliches Verhältnis" handle, also ein ganz korrektes Darlehen. Aber die Sache ist allzu klar und die Taktik der Angeklagte» allznbekannt. AlS siebente Strafe erhielt sie daher heute neue acht Monate schweren und verschärften Kerker. rb. Kunst and Wissen Montag einmaliges Ensemblegastspiel Tilla Durieux in Maugham« Schauspiel„Der Brief". Die Aufführung findet im Abonnement(A 2) statt, und zwar wird die Abonnement-Vorstellung A-2 von Dienstag, den 13., auf Montag, den 32. d. M., vorverlegt, um den A-2-Abonnenten l" legenheit zu geben, Tilla Durieux zu sehen, die nur an diesem einen Abend in Prag gastieren kann. Der allgemeine Vorverkauf hat begonnen. Gewöhnliche Preise. Keine Gutscheine. Wochmspielplan des Neuen deutschen Theaters. Mittwoch abends halb acht Uhr: Die ver- aufte Braut. Fe st Vorstellung anläst- lich des Geburtsfestes des Herrn Präsidenten der Republik, B 2.— Donnerstag 7'/: Das Konzert, Festvorstellung anlählich de? vierzigjährigen Bühnenjubiläums Leopold Kramers, neuinszeniert, C 2.— Freitag 7J4: Die göttliche Jette, DI.— Samstag 7V>: Der junge Baron Neuhaus.— Sonntag 2>#: Arbeitervorsteklung, Gastspiel Leopold Kramer: Das Konzert. 7%: Boris Gudonotv, D 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch 8 Uhr: Weister Flieder, Volkstümliche Vorstellung.— Freitag 8: Dar Konzert, Gaft- spiel Leopold Kramer.— Samstag 8: Das Konzert, Gastspiel Leopold Kramer.— Sonntag 3: Sie Trafik Ihrer Exzellenz, 7»4: Die grotze Chance, Erstausführung. Ser Film Der gestohlene Rembrandt Conan Dohle hat seine Bucherfolge mit einem tiiel größeren Einsatz von erfinderischem Scharfsinn und witziger Pointierung errungen, als fein reklametüchtiger Nachahmer Edgar Wallace. Aber Witz und Erfindung dieser bei den Liebhabern gedruckten Zeitvertreibs noch heute unvergessenen Sherlock Holmes- Geschichten lassen sich nicht auf die Leinwand bringen, ohne, gegen das Grundgesetz des Films zu ver- stosten, dast man dort mehr sehen als hören will. Tie gewundenen Jndizienbeweife des Meisterdetektivs, die bei Bindfaden, Handschzihen und Regenschirmen beginnen, um bei der Entlarvung rätfelbaiter Verbrechen zu enden, die ironischen Bemerkungen und behaglichen Lebensweisheiten, mit denen er sie begleitet, und das verblüffte Tazwifchenreden seiner Opfer, Helfer und Auftraggeber(die mit tödlicher Sicherheit unrecht behalten),— daS alles wirkt iin Film so umständlich wie es im Buch unterhaltsam wirkt. Diese englifche Verfilmung der Erzählung vom Rembrandtbild, daö aus den» Louvre gestohlen wurde, uni auf dem Unüveg über eine Opiumböhle und eine Adelsvilla in die Nachbarschaft gefährlicher Liebes- Briefe, in ein Maleratelier und dort in die Hände der von Mister Holmes rechtzeitig herbeigeholren rechtmässigen Empfänger zu kommen, bat gar nickit den Verfuch gemacht, sich um deS Films will«: von der Vuchvorlage zu befreien. Eine Schar durchschnittlicher Chargenspieler redet und bewegt iich streng nach den Vorschriften deS erfolgreichen Autors und ist eifrig bemüht, jede der von ihm gelieserlen Pointen auffällig zu servieren.—eis— Tarzan, der Herrscher d?s Ur« lds Hitlers Klassiker, der verstorbene Karl Mal), würde diesen Film, wenn er ibn noch erlebt hätte, als unlautere Konkurrenz empfinden müssen. Was noch möglich war, um die Wildwestvhantasie des Jn- dianerschmökers zu überbieten, ist hier geschehen. Man hat einen ganzen zoologischen Garten in Bewegung gesetzt und eine Menagerie, von Athleten aufgeboten, um Abenteuer auf Abenteuer zu häufen. Ein nackter Urwaldmann, der im Privatberuf Meister- schwimmer ist und Buster Crabbe heisst, springt glattrasiert, aber ansonsten affenartig von Ast zu Ast, rauft sich mit zahnlosen Löwen, schwimmt mit Krokodilen um die Wette und hält mit gutdressierlen Assen angeregte Zwiesprache. Aber, was noch gefährlicher ist, er gerät in die Schlingen einer frischge- fchminkten und mit Dauerwellen versehenen Urwaldpilgerin— und das Schlnstbild lästt die Besiirchtung aufkommen, dast er ihr nicht mehr entrinnen wird. Im übrigen wird der Ernst des Lebens durch Entführungen, Zlveitämpse, Ueberfäüe und Geheul der Wilden dargestellt, wohingegen der Humor sich in Gestalt tanzender Affen und eines Grammophons darbietet, das der Herrscher des Urwaldes als Geheimnis bestaunt. Ter Erfolg eines solchen Films les ist selbstverständlich ein amerikanischer) siebt auster Frage. Er könnte nur noch dadurch iiberbolen werden, dast man das nächste Mal die ondulierte Dame von Ast zn Ast springen und statt des Affen den Löwen tanzen lästt.—eis— Innerhalb des Volkstümlichen Kursrö Über kulturelle Fragen spricht morgen, DonnerStag, um halb acht Uhr abends im Parteihrim (Prag H., Rärodnk tk. 4, 2. Stock.), Genösse Dr. Emil Franzel über Unsere Stellung zur Religion Diese BortragS- und TiSknsiivnSabende sind auch Nicht Mitgliedern zugänglich, Negirbeitrag für den Einzelabend 3 XL. Tie Letten machten gute Figur, kamen aber doch nicht an diese Leistungen heran. Die Eiskunstläufer batten nur einmal Gelegenheit in Erscheinung zu treten. Beim Eisbockehstädtekampf zeigten im Kürlaufen ein Oeiterreicher und ein Lette ihr Können. Trotz dem weichen Eise zeigten die beiden ihr Bestes. Am härtesten wurden die EiShockehspieler betroffen. Der am SamStag angesetzie Städtekamvs Riga g. Wien schivamm fort und wurde auf Sonntag vormittag verlegt. Tie Wettkämpfe Freitag, den 16. Feber. Sckach: Beim internationalen Turnier spielten: Muisnieks(L.)—Kra- stin(L.) unentschieden. Petroo(E.)—Grudin(fi.) tonnten die Partie nicht beenden, wobei Grubin im Vorteil lvar. Gersenkron(Oe.)—Mo.sgailis(2.) mustten ebenfalls den Kampf unterbrechen, Gcrsen- kron batte die Fübnmg.— Tischtennis: Tas voll Letteil und Lesterreichern besetzte Turnier begann mit den Einzelspielen. Es wurden ausnahmslos prächtige Spiele gezeigt. Finale: Vieglin— Scherman lL.) gegen Sturm—Mattl(Le.) 21:6, 12:21, 17:21, 21:18, 21:10. Reihenfolge: 1. Lettland, 2. Oesterreich, 3. Leit land.— Skil au f en: 1 Kilometer für Frauen: 1, Grinhof 8:67.7 Min., 2. Valelevski 6:47.3, 5 Kilometer für Männer: 1. illustanen(F.) 10:28.0, 2. Savics(L.) 28:24.2, »mal 1 Kilometer-Ttaieite: 1. Riga-Zentrum I 27:10.8, 2. Riga-Zeutrum ll 29:13.— Ter Be- grüstungsabcnd sand Samstag im dichtbesetzien Arbeilertheater statt. Tas Programm lvar mustergültig. Bruno K a l n i n hielt eine zündende Ansprache, die zugleich ein.Kampfruf für die Arbeiter- schair lvar und fand dabei sehr herzliche Begrüstungs- worte für die ausländischen Gäste. Für, die Partei und Gewerkschafren sprach Genosie Rischewitz die Begrüstungsworte. Als der österreichische Genosse die Grüste seiner Genosien überbrachte, wurde er von der Menge stürmisch b e g r ü st r. Sonntag, den 18. Feber: Eishacke»- städ t ekamv f W i e n— Riga 8:0(0:0, 0:0, 3:0). Recht eindrucksvoll gestaltete sich das rnter- nationale EiShockevtreffen zwischen den beiden Städtemannschaften Riga und Wim. Auch der Sai- maprasident Dr. Paul K a l n i n war zugegen. Bei der Begrüstung der Mannschaften wurde die„Internationale" übertragen. Ten österreichischen Spielen» machte die Eisbeschaffenheit daS ganze Spiel hindurch sehr zn schaffen.— Skiläufen: Bei nicht besieren Schneeverliältnissen trafen sich die Schnee- ichuhläufer, um den 16.000-Meter-Lauf auözutra- gen. Wie am Vortage, siegten auch hier die Finnen. An erster Stelle lief der F i n n e P o st i in der sehr guten Zeit von 82:08.9 Minuten durchs Ziel, gefolgt von seinem Landsmann R u s k a n e n, der 68:08 Minnicn benötigte. Der erste Lette besetzte die dritte Stelle und ist die Leistung des erst 17jährigen 2 a- viäs mit 1:22:15.7 hoch zu werten.—• Schach: Am Sonntag, dem 3. Festtag, wurde das internationale Schachturnier beendet. Als Turniersieger gingen Gersenkron(Oesterreich) und Grubin(Lettland), beide 8(4 Punkte, hervor, nachdem beide ein Remis und eine Niederlage aui wiesen. Tie zweite Stelle nimm» K r a st i n(Lettland) init 3 Punkten ein. vcrdnsnadirlditcn MW Praa Am Samstag den 17.. und Sonntag, den 18. März, leitet unser Bundes- Turnwart Gen. Grasse gemeinsam mit unseren» Be- zirkS-Turntvart Gen. ,lk o h- l e r t bei uns eine Voriuc- uerstundc. Niemand laffe sich diese Gelegenheit entgehen! Haltet Euch die genannten Tage frei! Literatur Werner Türk:„Kleiner Mann in Uniform." (Michael Kacha Verlag, Prag XIX., Jiraskova 43.) Das neue Buch des AutorS von.Fkonfektion" behandelt diesmal einen anderen Kreis des Kleinbürgertums. In seinen» Mittelpunkt steht diesmal ein kleiner Beamter, den sei» eigenes Milien bedrückt. In Liebe, Beruf, Gesinnung— nirgends weis» sich ihn» der richtige Weg. Er ist kein handelndes Subjekt, sondern Objekt, daS am Rande des Geschehens von sich durchkreuzenden Einflüssen lnn und her gezerrt wird. Die unbefriedigte Sehnsucht nach der Fra»» be- stimint sein karges, kümmerliches Lebe»». Zieht ihn ein»»»klares soziales ZngehörigkeitSgefiihl z»nn Landmädchen„Pummel", und kann ihn auch Ilse, das kanlpffreudige Proletariermädchen für kurze Zeit in ihre Einflustsphäre bannen, so landet er fchliest- lich doch bei Emmi, dein„liesiercn Mädchen", die gleich ihm mehr scheinen will als sie ist. Und nicht anders ergeht eS ihn» in» politischen Leben. Schwankend zwischen Herrschenden und Unterdrückten, treibt es ihn schliestlich zur S.A., zu den stärkeren des Tages. Denn zu eigener Ueberzeugung, zu e i g e- n e»»» Handeln ist er z>» l-liwach. Immer lockt ihn der Schein, die Illusion. Daö ist seine Tragik und zugleich die T»»gik seiner ganzen Schicht. Wie er gehen tmisende, hunderttausende irre. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung tnü Haus oder bet Bezug durch die Post uwnatlich Xö 13.—, vierteljährig KC 48.—, halbjährig Kt 06.—. ganziährtg Kö 102.—— Jnseraie werden lau» Tarif billigst berechnet. Bei öftere»» Ei»»schaltungen PreiSnachlah.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Reto»»rmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Bost- und Telegraphen- direktion mit Erlast Nr. 18.800/VH/1080 bewilligt.— Druckerei:.siOrbiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag.