14. Jahrgang Freitag, S. März 1S34 ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Einzelpreis 70 Heller (einschließlich 5 Heller Forle) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion und vrwaiwno nm>ii.,kchova a. tbjtoh sm. ADMINISTRATION teieton sxu. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHWREDAKTEUR: WHHRM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. niiliardcngcsdiciik der„autoritären“ Regierung an die Unternehmer Die Unternehmer bei träge für die Sozialversicherung sollen gestrichen und auf die Masse überw&lst werden Wien, 8. März. Der BnndeSminister für soziale$rr)unltunn Renstädter Stürmer wird am 15. März im Kabinette einen neuen Entwurf der Sozialversicherung vorlegeu. Der Entwurf sieht im wesentlichen folgendes vor: Die Aufbringung der Beitrage des Bundes, der Länder und der(Gemeinden für die Sozialversicherung erfolgt auch weiterhin in derselben Weise, wir diev bisher der Fall war, also teilweise durch den Krisenzuschlag zur Warrniimsatzsteucr, teilweise durch Heranziehung anderer EinnahmSquellen aus dem Budget. DieBeiträgederArbeitgeberinderHöhevonnngefährl60 bis 200Millioneu Schilling jäh rlich sollen in der bisherigen Form aufgehoben und durch ein e entsprechende Erhöhung der Warenumsatz st enerhereingebrachtwerden. Die Beiträge der Arbeitnehmer werden prinzipiell wie bisher durch Abzug vom Lohne eiugehobru werden. Der Herr Heimwehrmluister geht also recht bald und recht offen daran, die moralische und finanzielle Dankesschuld der Heimwehren an die llntrrnehmervervände abzutragrn, die die ganze Bewegung seit Jahren mit-rotzen Beiträgen finanziert Haden. 160 bis 200 Millionen Schilling oder stift 800 bi- 1000 Millionen Tschechokronen jährlich sind allerdings direkt ein fürstliche- Geschenk de- neuen Regime- an die Unternehmer, selbst wenn man in Betracht zieht, datz diese im Laufe Oesterreich-Debatte im französischen fflnlstcrrat Paris, 8. März. Der heutige Miniflerrat nahm ei»-Über zwei Stunden dauerndes Referat des AutzenministerS B a r t h o n entgegen, der sich mit allen aktuellen internationalen Fragen, einerseits den AbrlistnngSfragen und den damit zusammenhängenden Verhandlungen, andererseits mit der Lage in Oe st erreich und in ganz Mitteleuropa beschäftigte. Nach den Darlegungen deS AutzenministerS, die einmütig genehmigt wurden, entspann sich «ine lebhafte Debatte, die in der am nächsten Montag stattfindenden Sitzung fortgesetzt werden wird. Heute nachmittags trat miter dem Vorsitz de- Ministerpräsidenten Donmergne der auS dem Aussenminister, Kriegsminister, dem Luftfahrtminister, dem Marineminister und dem General» stabSchef der Armee, der Kriegsflotte und der Luftfahrt zusammengesetzte SonderanSschntz zusammen, der sich mit dem Hauptpassus der französischen AbriisningSnote an die britisch* Regierung befatzte. Ministerpräsident Donmergne hat aber bereits heute abend den englischen Botschafter Lord Tyrrell von den Hauptpunkten der Rote verständigt. Dollfuß und Gömbös treffen schon Reisevorbereitungen Wien, 8. März. Wie die„Neue Freie Press e" meldet, wird Bundeskanzler Doktor Dollfutz voraussichtlich am Dienstag, den 13. d. M. die Reise von Wien nach Rom antreten. Der Bundeskanzler tvird vom Gesandten Hornbostel begleitet sein. Der Termin der Mreise des Ministerpräsi- dcntcn G ö m b ö S ist auf Montag, den 12. d. M., 20 Uhr festgesetzt worden. Den Budapester Abendblättern zufolge ist eS nicht ausgeschlossen, datz Gömbös schon in Venedig mit dem Bundeskanzler Dr. Dollfutz Zusammentreffen und dann gemeinsam mit ihm die Fahrt nach Rom fortsetzen wird. Die Konferenzen werden am Mittwoch vor- nlittag im Arbeitszimmer Mussolinis im Palazzo Venezia beginnen und am Donnerstag und Freitag fortgesetzt werden. der Jahre schon ein erlleckliche» Sümmchen für Sold und Bewaffnung ihrer Söldnerbanden ausgegeben haben dürften. Die Leidtragenden sind natürlich diejenigen, auf deren Schultern die neue Erhöhung der Warenumsatzsteuer restlos überwälzt werden wird, also diebreitenMassenderBewälke-f r u n g, die damit wieder eine neue eindringliche i Lektion über die Segnungen dev Fasrisinns erhalten! tänmnkuag Oeulschiandi 7; In einem Kommentar zu der Reise des> deutschen Vizekanzlers von Pape n nach Rom, j der sich dort zur Zeit der Dreierkonferenz„zu-! fällig" aufhalte» tvird, schreibt daS der Regierung nahestehende Wiener„Neuigkcitsloclt- b l a 11" u. a.: ES ist keineswegs ausgeschlossen, datz Deutschland seine Stellung gegenüber Lester- reich eben jetzt einer gründliche» Revision unterzieht und datz Berlin diesen Moment benutzt, nm durch Mässigung und Klugheit, wie sie beson- j der- gegenüber Polen in Erscheinung traten, das Verhältnis zu Oesterreich zu ändern und damit sich in die Mitteleuropa- Politik Italiens einzuschalten. Es kann für Deutschland nicht gleichgültig sein, ob sein Tor nach Süd- und Osteuropa offen»der geschlossen ist. Sozialdemokrat Berlin, 8. März. Die oppositionellen Pastoren gehen nunmehr in ihrem Abwehrkampf gegen die„Deutschen Christen" auch an die O r- g.anisierungvon prote st antischen- Laienkreisen heran, die einer Einführung der Rassenlehre in die Religion n.i ch t zustimmen. Gestern kamen in der Berliner Borstadt Dahlem einige hundert Anhänger dieser Opposition zusammen, darunter mehr als 200 Pastoren auS dem Berlin-Brandenburger Kreise, Sie gründeten eine sogenannte„Freie Laut der Resolution will diese freie Synode innerhalb der offiziellen evangelischen Kirche und in ihrem Rahmen den Kampf gegen die Bewegung der Deutschen Christen organisieren und Die Nazi rühren sich wieder Die österreichischen Provinzblälter melden eine ganze Reihe neuer nationalsozialistischer Pro- i vokationen. So explodierten gestern und vorgestern in der ilmgcvung von K n f st e i n auf dein Winterkopf und aus dem Pendelverg einige Petarden. Ferner tvurden auf den Gipfeln dieser Berge große Hakenkreuzfeuer angezündet, die weithin sichtbar waren. Einige Nationalsozialisten wurden verhaftet. Dir Klagenfurter Polizei verhaftete einige Nationalsozialisten, die am Sonntag kurz vor dem Eintreffen des Bundeskanzlers Dr. Dollfutz in Villach Tausende von Flugblättern mit gefälschten Unterschriften der Vaterländischen Front verbreitet haben, in denen sie der Bevölkerung mitkeilten, datz die angekiindigte Voltsversanimlung in Villach verschoben wurde. Was geht in der Steiermark vor? Die Führer der steirischen Heimlvrhrcn und Ostmärkischcn Slurmscharcn haben an den Buu- destanzler Dr. Dollfutz ein Telegramm gerichtet, in dem sie die Aufmerksamkeit des Ehess der Regierung auf die„Intrigen" einzelner stciennärki- schen Chcistlichsozialcn und Landbundfnhrcr gegen die derzeitige antoritäre Regierung lenken und den Bundeskanzler aufsordern, er möge cin- schreiten und mit Hilfe der Heimwehren und Ostmärkischen Siurmscharen in Steierinart Ordnung machen. England modernisiert seine Küstenverteidigung London, 8. März. Die beschlossene Erhöhung des Hecresbudgets im tünftigcn britischen Slaals- voranschlag wird zur M o d e r n i s i c r u n g d e r K ii st e n v e r t e i d i g u it g und anderer Verteidigungsarbeiten verwendet werden. Ferner tvird auf Grund des Mechanist /nngsprogrammes eine Erhöhung des Vorrates von Militärmaterial, eine Verbesserung der Kasernen und der Möglichkeit der militärischen Ausbildung vorgenommcn werden. Durch die Mechanisierung wurde die Zahl der Pferde im Heere seit dem Jahre 1934 um mehr als 6000 herabgesetzt. auch führen. Die Organisation soll in der Art durchgeführt werden, dass in feder Pfarrei eine religiöse Bereinigung der Evangeliketr begründet wird, die entschlossen sind, die evangelische Lehre derart zu verteidige«, wie diese in der AugSbur- ger Konfession definiert wird, Eine ähnliche»Freie Synode" ioitstituierte sich auch im Rheinisch-Westfälischen Gebiete. Welche Aussichten die Opposition in ihrem kommender» offenen Kampfe mit den offiziellen Kirchenkreisen besitzt, kann bisher nicht übersehen werden. ES müssen die Vergeltungsmassnahmen von feiten der deutschen Christen abgrwartet werden. Ueber die oppositionelle Bewegung der Evan- geliken darf die reichsdeutsche Presse nicht referieren. Die TsdieriiosloiDaliei in Oefahr! Ein Alarmrul aus— Brüssel Ein Teil der tschechischen Viirgerpresse hat nach der tragischen Niederlage der österreichischen Arbeiter mit verstärktem Druck die Hebe gegen die politischen Emigranten aufgenontmcn. Tie klerikale Presse versucht aus begreiflichen Mriiu- dcn gegen die österreichischen Arbeiter Stimiming zu machen, denn die christlichen Kanonaden der Fev und Dollfutz haben auch im tschechischen Volk ihr Echo in Kirchenaiistritten gesunden. Die agrarische Presse handelt auS reiner parteipolitischer Gehässigkeit und engstirniger Beschränktheit, wenn sie tagtäglich daS Klagelied von der Bedrohtmg der heiiiiischen Bevölkerung durch die Eniigranten anstiltimt. Die blöde Hetze gegen die Emigranten, die einen Schlupfwinkel und ihr bescheidenes Brot in einem Lande iuchcn. dessen leitende Staatsmänner vor 16 Jahren ! selbst noch Emigranten waren, soll natürlich nur die politische K a m p a g n e gegen den Morris m u s verstärken und decken, eine Kampagne, die dadurch nicht vernünftiger wird, datz man sie mit den gemeinsten tmd tut menschlichsten Argumenten bestreitet. Wie verblendet jene Tschechen sind, die heute ihre Sache a u j Dollsu tz tt n d M tt s j o l i it i stellen, um sic morgen vielleicht schon Hitler selbst und seinem Statthalter Gajda anzuvertrauen, das zeigt mit wünschens werter Deutlichkeit ein Artikel, der am 6. März in dein Hauptblatt der belgischen Sozialdemo kratie„L c P c n p l c" in Brüssel erschienen ist. Der Artikel, gezeichnet von I c x a s, einem der bedctitcndsten und beslinsormicrten Publizisten des europäischen Westens, führt den Titel:„Ein sascistischeS Oesterreich ist unvereinbar mit dem europäischen Frieden". Er wendet sich mit Recht an die beiden Adressen, die heute noch verant wörtlich für Europa zeichnen, an Paris und Prag. Paris und Prag, schreibt I'eras, haben bei der österreichischen Katastrophe wahrnchmcn müssen, daS sie„eine E nt s ch e i d u n g s- schlacht verloren haben". Verblieben sei der französischen und tschechoslowakischen Diplo matie die Hoffnung attf ein deutsch-italienisches Jerlvürfnis, aber Paris und Prag haben„die Initiative verloren". Jexas erhebt gegen die französische und tschechische Politik den schweren Vorwurf, nicht entschieden genug das Interesse ihrer Länder gewahrt ztt haben: „DaS offizielle Frankreich und die offizielle Tschechoslowakei haben Wohl geahnt, das; die Aufrechterhaltung der politischen Mach! der österreichischen Sozialdemokratie unerlätzlich für das europäische Gleichgewicht und die Wahrung der Lebensinteressen ihrer Länder ist. Aber lveder die französische, noch die tschechoslotva- kische Negierung haben die Einsicht oder die moralische Kraft besessen, kräftig vorzugehen in der Richtung, die ihnen daS Interesse ihres Landes wie das des allgemeinen Friedensempfahl." Ausführlich beschäftigt sich Jexas mit den Fehlern der Pariser und der Prager Politik. Er erhebt dabei unseres Erachtens gegen die Prager Antzenpolitik manchen Vorwurf, der sic ztl Unrecht trifft, der aber gegenüber gewissctt politischen Strömungen in der Tschechoslowakei zu Recht besteht. Die tschechostowakische A u tz e tt- Politik hat ohne Zweifel imnicr die Inter- essen ihres Landes und Europas mst Entschiedenheit vertreten, aber sie wurde leider sehr oft gehemmt durch die Parteien, deren ganzer Daseinszweck der Kanrpf gegen die „B u r g" ist und die aus persönlichein Hatz gegen Dr. Benes ohne Bedenken die Inter- essen ihres Landes opfern. Und was die mächtigste Partei im Staate, die Agrarier, betrifft, so hat mindestens ihre Presse in Verkennung der Staatsuotwendigkeiten dem fascistischeu Klingel der burgfeindlichen Parteien Zutreiber- Neue Opposition gegen die Deutschen Christen Organisierung der Gläubigen gegen die Rassenthese Seite 2 Ärritn«,«. Wj 1934 Nr. 87 ar da» I nr T <« 111. 43 eine au» Vor- «Ijrer ohne i a l S,T T1C1 .T iwlitifdie Offensive der Demokratie, durch einen Massenstoss der demokratischen Klassen, der Arbeiter und Dauern lahmge- legt werden könnte. E» wäre an den Männern non 1917, da» Volk zu diesem Kampf aufzurufen und zu einigen! Da» vorliegende Beseh lässt mich eine Reihe von ZinSstcigerungen zu, und zwar hinsichtlich der kleinen Betriebsstätten, beainnend am 1. Juli 1084. Diese beträgt, wenn dem Mieter nach der letzten Vorschreibnng gemäss deS Gesetze» über die direkten Steuern eine allgemeine Erwerb- steuer von einem steuerpflichtigen Reinertrag von mehr al» K $1 eter warteten ab... Der junge.König zauderte. Der Hof, die ärgsten Reaktionäre, die verbissenen alten Diplomaten ersannen schlvindelhafte Ränke, berieten, überredeten, logen und kämpften für ihre ungeschmälerte Herrschaft. Weinten, predigten, belviesen, schmeichelten, drohten und prophezeiten namenlose» Unheil. Der sunge König, düster und in sich gekehrt, grübelte, dachte an die Periode deS Schrecken», die hinter ihm lag, und rang mit seinem Fürstenstolz, seinem Unglauben an die Menschen und mit seiner Ueberzeugüng, dass sie, nur in feste Bande geschlagen, zu regieren wären. Vorbilder au» anderen Ländern?... Sein Volk war ander»... Er war müde, der junge König, und e» verlangte ihn nach Ruhe, nach Ordnung... Aber würde die kommen, wenn er nachgaü, wenn er Konzessionen einräumte?... Würde er die grosse, heilige Tradition seine» Hauses der Bunst de» dumpfen Volke» opfern dürfen und einer Bande ehrgeiziger, aufrührerischer Elemente?... Sollte er damit beginnen, den Eindruck eine» Schwächling» zu erwecken, der sich von jenen zwingen liess, die am lautesten schrien? ... Würden sie nicht immer mehr fordern, nicht nach der ganzen Hand greifen, wenn er einmal einen Finger gegeben hatte? Würde man nicht denken, dass er ein Feigling sei, ängstlich zurückweichend vor den Drohungen de» Terror»?... Die alte Schul'! lag ihm in den Ohren, verlangte scharfe Massregeln, forderte strenge Zensur... Da» Land verwilderte... Unverschämt krochen die Bolksverderber au» ihren Schlupfwinkeln, kramten ihren gefährlichen Unsinn vor der Oeffent- lichkeit au» und wurden von Tag zu Tag frecher ... Da, slban. was sie zu schreiben wagten... gotteslästerliche Reden, regelrechte Revolution... Wohin sollte da» führen?... Der König zauderte. Dann brachen plötzlich in der fiebrigen Spannung de» Warten» Streiks in den Häfen au», in einigen grossen Betrieben, in den Bergwerken. Laut wurden die Forderungen der Arbeiter über Plätze und Strassen ausposaunt. In Haufen zogen die Streikenden durch die Stadt. Der dröhnende Rhythmus ihre» Marschschrittes machte den Boden erzittern und lvurde bis in die innersten Gemächer de» königlichen Palastes gehört. Un- ruhig schritt der König auf und ab. Man gab ihm übertriebene Berichte. Der Pöbel würde immer übermütiger... E» würde Aufruhr und Plünderung geben... Wer regierte, müsse eine starke Hand haben... ES war höchste Zeit zum Einschreiten. Provokateure trieben sich unter den demonstrierenden Arbeiten« herum. Rote Fahnen wehten über der dichtgedrängten Menge... Eine Bittschrift tvurde verfasst, vorgelesen und unter tosender Begeisterung gutgeheissen... Man wollte zum König gehen, ihm die Bittschrift einhändigen, ihn um Vermittlung ersuchen... Der Tode»« marsch zum Palast begann. Der Gouverneur hatte seine Vorbereitungen getroffen. AIS die Schar der hoffnungsvollen Streikenden über den grossen Platz marschierte, krachte die erste Salve. Tote, viele Verwundete, Schreie de» Entsetzen» und der Wut, Gekreische der zu Tod geängstigten Frauen, Gebrüll, Schluchzen, schneidende Schmer- zenSrufe, Stöhnen und Röcheln de" Sterbende««. Bon rückwärts wurde nachgedrängt. Die vordersten wichen schreiend zurück vor den drohenden Geivehrläufen... Eine neue Salve, neue Tote, neue Verwundete, höllischer Lärm. (Fortsetzung folgt.) oil K E» wird jedoch nicht allein auf da» Einkommen de» Mieter» Rücksicht genommen, sondern den Meterschuh verlieren auch diejenigen Mieter, bei denen der Vermieter nachweist, dass im Jahre 1088 oder später da» gesamte steuerpflichtige Einkomrnen de» Meter» und seiner Familienangehörigen, welche zu Ende de» entscheidenden Jahres in der Wohnung de« Meter» wohnten, ohne eine eigene Wohnung zu haben, wenigsten» 86.000 KL beträgt. Al» Gesamteinkommen ist die ganze Summe der steuer« pflichtigen Bezüge, von welchen die Einkommensteuer für da» entscheidende Jahr im ordentliche«« Verfahren vorgeschrieben wurde, anzusehen. Bei Einkommen auSLohnbezü gen wird jedoch nur die. Hälfte der Bruttodienst« bezöge, welche der Lohnabzug» st euer unterworfen sind, zur Grundlage genommen. Die Mieter, bei denen die vorgenannten autsehungen zutrefsen, geben hinsichtlich Wohnungen des Mieterschutzgesetzes verlustig Rücksicht auf die Grösse der Wohnung. Auch im Falle de» Todes de» Mieters kann es leicht vorkommen, dass die Wohnung äusser Mieterschutz gerat, da für den Eintritt der Fmniliemmge- hörigen in den unter Mieterschutz stehenden Miet« vertrag bestimmt wird, dass diese wenigsten» schon 8 Monate vor dem Tode des Mieters in der Wohnung wohnte««. gemessene Wohnung, so kann der Vermieter diese«« Kündigungsgrund nicht in Anspruch nehmen. Unter den gleichen Voraussetzungen kann der Vermieter die Kündigung begehren, wenn er die Wohnung für seine verheiratete«« Kinder oder für die Kinder benötigt, welche durch die Verehelichung einen eigenen Haushalt zu gründen beabsichtigen und sie keine eigene Wohnung haben. Auch hier ist Beistellung etnerErsatzwohnung dann notwendig, wenn e» sich um eine Wohnung bestehend auS Zimmer und Küche samt Zubehör oder um eine Ilei nereWohnung handelt. Befindet sich im Hause de» Vermieter» seines oder der Personen, Ivelchc der Vermieter in diese Wohnung einziehen lasse«« will, oder deren Eltern eine angemessene Wohnung, welche nicht dem Mieterschutze unterliegt und nicht von dem Vermieter oder dessen Angehörigen bewohnt wird, so kani« dieser KündigungSgrund nicht t nAn sp ruch ge n o m m e n werden. Wurde nach dieser gesetzlichen Bestimmung i>« dem betreffenden Hause die Kündigung bei einer anderen Wohnung ertetbt, so kann dieser KündigungSgrund vor Ablauf eine» Jahre» nicht geltend gemacht Iverden. Diese beiden Kündigungsgründe nach 8 1., Abs. 2, Zl. 12 uyd 18 tverden die Mieterschaft besonder» hart treffen, da bei dem KündigungSgrunde nach 8 1, Abs. 2, Zl. 12, ein dringender Eigenbedarf feiten» de» Vermieters nicht mehr erforderlich ist und bei beiden Kündigung»gründen eine Ersatz- Ivohnung nicht mehr zur Verfügung gestellt werden muh, äusser bei Einziminertvohnungen und kleineren Wohnungen. ES ist jedoch nicht immer gesagt, dass gerade jene Mieter, die eine Einzimmerwohnung oder eine noch kleinere Wohnung haben, sozial schtvächer sind, als Mieter einer grösseren Wohnung. ES wird heute eine grosse Anzahl von Mietern von Zweizimmerwohnungen geben, die finanziell bedeutend schlechter gestellt sind, al» Mieter von Einzim- merwohnungen oder noch kleineren Woh««nngen. N.M. de Jong: Vw&cMuftgw. Hcuie\ CU Vornan ia vier Cpisadea Autorielerto Uobcrsotzuns aus dem HollMndlachen von B. R. Fuch e. Sie ausländischen revolutionären Arbeitergruppen nannten ehrerbietigst und mit Beweunde- rung die Namen der Terroristen und gedachten der Hingerichteten und Gefallenen als Helden, Heiliger und Märttzrer. AuSgewiesene Benirteilte kehrten heimlich zurück, nahmen ihre alte Tätigkeit wieder auf und hälfe«« das fürchterliche ter- roristische Werk zu organisieren. ES Ivar eine tvilde Zeit der Begeisterung und des Verzagens. Jeder fühlte, dass es auf Leben und Tod ging und das Vertrauen, dass das Neue und Gerechte siegen musste, schien nur allzu ost Lügen gestraft von der traurigen Wirklichkeit, die bewies, dass daS Unrecht entsetzlich mächtig tvar und uner- schülterlich bestand. Aber die Revolutionäre «vollien sich nicht ergeben. Sie hatten den Kampf mit den Unterdrückern ausgenommen und wollten ihn zum Siege führen oder zum bitteren Ende. Sie achteten nicht ihres Lebens, arbeiteten nnverdroffen in der mit Tod und Bcrnich- tung geladenen Atmosphäre ihrer primitiven Bombensabriken, schliefe«« ruhig in Kellern, dynamitgefüllte Kisten unter dem Bett, berieten in kalter Todesverachtung>nit unvertvüstlichem Idealismus die Gelegenheit zn einen« Attentat im heiligen Glauben an ihr Recht und gingen mit der Unerschrockenheit eines Märtyrers für ihre Ueberzengung in den Tod. Und selbst ihre eingefleischtesten Feinde und diejenigen, die ihr blutiges Werl in tiefster Seele verabscheuten, konnten ih««en Beivunderung für ihren Helden« d e r 31 Verhält tragt c Land v nicht«i Die neue Nictcrsdintz Gesetznovelle von JNDr. Kurt Hirsch(Aussig.) u 1. März 1984 ist di« Novelle Über chuvgesetz in Kraft getreten. Diese» Gesetz al» Provisorium dar. indem e» den bis zum 81. Dezember 1938 in belässt. Das Gesetz enthält eine den isien Mussolini und Hitler in den n. inan dürfe sich in dir Annen- barlandes nicht einmischen. Mus- FasciSmus i und gefördert...Die Heim-1 lichkeitcn verlieren also den Mieterschutz ohne n Derk und Dollfuss. Fey und nd seine Kreaturen". Was heute Budapest geschehe, und morgen lgrad, Bukarest und Sofia ge- sei zum grossen Teil eine un- :rg s n B ?rde. Auswirkung der offene» rind gehe!- Eichungen von Rom und Berlin her. ebe nur ein einziges Mittel, die Kata- verhindern: erreich das unheilvolle Werk Mussolinis ller» zu zerstören, die Fasristei« jeder ,1 aus Wien zu verjagen und die Kraft zialdcmolrane wiederherzustellen, die einzige wirkliche Garantie der Unabhängigkeit des Landes und de» Frieden»". 2eraS'o«ift>siel).lt,.ivaS auch wir immer für as einzige Mittel der Rettung der mitteleuro- äifchen Demokratie gehalten haben, die Politik er demokratischen Offensive: ,... um sich siegreich zu behaupten, müssten die französische und die tschechoslowakische Regie- rilug endlich die Linie deS geringsten Widerstande» verlassen und die faseistischen Usurpatoren in ihre Grenzen zurückweisen. Auf dem Gebier der Aussenpolitik wie stn Bereich der Innenpolitik spielt die Politik deS kleineren UebelS iehr oft dem unverfrorensten und gewalttätigsten Angreifer die Karlen in die Hand. Wird man diese Wahrheit in Prag und Paris e n d l i ch v e r st e h e n?" Wir glauben, dass man sie in den leiten- erklärt sich mancher Feh- i von Brüssel fälschlicher- der Diplomatie gebucht mut nicht versagen. Dann starb plötzlich der König. Hcrzläh- mnng. Man sagte: gebrochen durch die gewaltige Anspannung, in der er die letzten Jahre gelebt und gekämpft hatte. Der Kronprinz folgte ihm auf den Thron. Das Land hielt den Atem an. Die Revolutionäre ivarteten ab. Proklamationen flatterten durch da» Land: die Revolutionäre forderten vom jungen.König Demokratisierung deS alten und veralteten Regierungssystems. For- dcrten von ihm Einsicht in die Bedürfnisse der Zeit. Erwarteten Atassregeln, die es ihnen ermöglichen sollten, z«« den legitimen Methoden zurückzukehren und kündigten auö freien Stücken Waf- fensntlstand an. Der junge König schien zu zögern. Ungewohnt milde Urteile wurden über verhaftete, be- rüchtigie Terroristen gefällt. Einige ältere, die seit Jahren in Gefängnissen oder ZwangSarbeitS- anstaltcn dahinsiechten, wurden begnadigt. Wohl aus dem Lande verbannt, aber frei.... Gerüchte schwirrten auf über Vorarbeiten zu einem modernen Staatsgrundgesetz, eine den Verhältnissen entsprechende LolkSvertretung und verantwortungsvollerer Rechtssprechung...In« Lande summte e» von hoffnungsvollen Nachrichten. Die Terroristen verhielten sich ruhig in ihren Schlupf- winkeln. Ihr Herz schwoll in Erwartung: sollte endlich ihre traurige und schwere Arbeit, unter soviel blutigen Opfern niühsam dnrchgeführt, Früchte tragen?... Sollte da» Volk endlich aufleben können und einer menschlicheren Zukunft entgegen gehen?... Nun erst sah man, wie die Propaganda der Revolutionäre doch das ganze Land durchsetzt hatte. Die Angst vor dem Grimm de» alten, verstorbenen König» und seiner rbhen Satelliten war nun ein wenig geschwunden. Ueber- all erhoben sich zögernde Stimmen, die um eine Veränderung baten, un« mehr Freiheit, um eine «nodernere Staatseinrichtung. Die Zeitschriften der jüngeren bürgerlichen Intellektuellen traten dünste geleist ker. der aus weise auf d, wird. Für die T s di c choslowakei komme die jüngste Wendung der europäischen Politik einer „n ationalen Katastroph e" gleich. Die Situation der letzten mitteleuropäischen Demo- kratte sei überaus schwierig geworden. Die Tschechoslowakei habe zu wenig beachtet, dass die Existenz eines faseistischen Ungarn seit langen« ihre Flanke bedrohte und die tscheck'ofton'akischen Staatsmänner sähen nicht ein. dass der Faseik- niuö in Ungarn und nun auch noch in Oesterreich unvereinbar sei mit der Unabhängigkeit und der territorialen Unversehrtheit ihres Landes. wendet sich der belgische Publi- s unheilvolle Dogma von i n in i s ch u n g in die inneren M stellt sich Mieterschutz Wirksamkeit grosse Anzahl von Bestimmungen, welche von bisherigen Bestimmungen abweichrn. I. Durch das vorliegend« Gesetz wird zunächst Anzahl von Bcstandverträgen über Wohnungen dem Mieterschutz erimiert. De» Mieterschutz«» gehen verlustig Bestandverträge hinsichtlich Wohnungen, iwldK äusser Küche und Dienst-botrn- zimmer au» 8 Wohnräumen bestehen, und zwar beginnend mit dem 1. Jänner 1986. Wurden diele Wohnungen ganz oder zum Teil zur Ausübung irgendeine» Berufe» verwendet, so gilt statt deS 1. Jänner der 1. April 1088. Hinsichtlich der Miewerträge von Räumlichkeiten, welche zur ErlverbStätigkeit verwendet wurden, die nicht Bestandteil einer Wohnung sind und eine mittlere Detrieb»stätte darstellen, besttrnmt da» , Gesetz, dass diese mit 1. April 1085 äusser Mieter- schütz kommen. in Ungarn und Die Mieter hinsichtlich der vorgenannten Räum- .Gibt es. der glaubt, dass sein 'der Habicht in Wien habe, als vor einen« überschätzt gewisse tschechische> ES gibt ibrer genug, die noch neu haben, dass der Sieg der ilbwere Bedrohung der Tsche- i schliesst, die nocki heute nichts die Konjunktur des Antimar- sie profitiere«« möchten, ohne ig, das sie als Staat und Na- über den Marxismus nicht lange 'Liehen wi mittelbare men Estin Es g straube zu -in O ess und Hii Richtung der Sc I den Kreisen der tschechoslowakischen Politik vor steht. Ob. auch in Pari»— das bleibe dahingestellt. Aber dir tsckwchoslowakische Aussenpolitik wird dauernd durchkreuzt durch gewisse innen- politisch« Tendenzen, deren Wirksamkeit an Landesverrat grenzt und nur durch eine inner- If. Die bereit» vorhandenen Kündigungsgründe erfahren nachstehende Aendernngen: Vollständig geändert erscheint der KiüidigungS- grund nach z 1, Abs. 2 gl. 10, nach welchem eine tstindlgnng nach dem bisherigen Rechte dann zulässig war, wenn der Verniieter bei dringendem Eigenbedarf durch die Aufrechterhaltung de» Be- standbertragek einest grösseren Nachteil erlitt, al» der Mieter bei dessen Aufhebung. An Stell« dieses KündignngSgrundrS ist jetzt die Bestimmung getreten, dass der Hauseigentümer, welcher in seinem Hanse, daS nur eine oder zwei Wohnungen enthält und dessen Eigentum er vor dem 81. Dezember 1081 erworben hat, einftehen will, die Kün« | digung bei Gericht verlangen kann. Bon weittragender Bedeutung sind auch die Aendernngen, welche in den Kündigung-gründen nach 8 1, Abs. 2, Zl. 12 und 18 vorgenommen wurden. Vermieter, die da» Hau» mindesten» zlvei Jahre vor tteberreichung de- KündigungSantrageS erworben haben müssen, können die Kündigung einer Wohnung in diesem Hause begehren, Ivenn sie in die Wohnung in ihrem Hause einziehen wollen. ES ist hier weder ein dringender Eigenbedarf auf Seiten de» Vermieter» notwendig, noch die Beistellung I einer Ersahwohnung. Eine Beistellung einer Ersatzwohnung ist jedoch dann notwendig, wenn e» sich um eine Wohnung au» einem Zimmer und KüchesamtZubehör. oder um ein« kleinere Wohnungbandekt. Hat der Bermieter in seinen« Hause ober in dem Hause seine» Gatten eine angemessene Wohnung oder befindet sich dort eine nich« demMieterschutz unterliegende an» 9t. 57 Freitag, S. Mar, 1934 DeUr 3 d« und schließlich mittlerer DctrlebSstätten wenig« mif zwei Jahre eingcgangen wurden. $ IV. Non weittragender Bedeutung ist die Rege« lstng der Kostcnfrage. Die Novelle bestimmt jetzt, daß solvohl für das KündtgungSberfahren als auch für das Mietzin-festfetzungSverfahren die Grundsätze deö strittigen BcrfahrenS zur Anwendung zu kommen haben. Nach diesen hat der unterliegende Teil dem Obsiegenden die Kosten, insbesondere die Kosten der RechtSvertretnng zu ersehen. In welcher Weise gerade diese Bestiinmungen hinsichtlich der Kosten sich auSIvirkei; tverden, wird man erst beurteilen können, bis zu ersehen sein wirb, in welcher Weise die Gerichte diese Bestimmungen über die Kostenfrage handhaben werden. Dem Parlament genehmigt Keine prinzipiellen UiisttLtiüe der Opposition Prag, 8. März. Die Dorlagr über die Errichtung«IneS ReeSkont- und Lombnrdinstltutrö fand heute im Plenum deö Parlamentes eine überraschend günstige Anfnahme. Trotzdem unter nenn Nednerit acht Oppositionelle waren, hörte man doch mit Ausnahme der kommunistischen Redner, die ja von itiemandem ernst genommen werden, keine prinzipielle» Einwendungen gegen diese Vorlage, ja es wurde fast allgemein anerkannt, dass die Vorlage tatsächlich geeignet sei, die Wiederbelebung der Wirtschaft zu fördern und den Kredit zu verbilligen. So muhte sich die Opposition darauf beschränken, gegen die„Durch- peitschnng" der Vorlage und gegen die Ablehnung von Abändernngbanträgen zu protestieren, um doch irgendwie begründen zu können, warum sie dann nicht anch dafür stimmen. Der Auöschußbcricht umfasste ganze vier Zeile». Dafür war der mündliche Bericht, den der Referent Dr. N o s e l erstattete, sehr ausführlich und instrrlktiv. Dr. Nosek erklärte, das Institut sei keinesfalls dazu da, um aus schlechten Krediten aus einmal gute zu inachen. ES soll nur dort eingreisen, wo man bisher auch für gute Kredite nicht die nölige» Barmittel aufbringen konnte. AIS Kreditnehmer kommen Geldinstittite in Betracht. Nachdrücklich hob der Referent— um univah- ren Gerüchten vorzubeugen— hervor, das; durch die Bestimmung über die Pflichteinlagen, die mit 4% Prozent verzinst tverden, nur die betreffenden Geldinstitute, nicht aber deren Einleger betroffen werden. Letztere können vielmehr auch über ihre neuen Einlagen jederzeit zu tnü Prozent verfügen. Die Gesamteinlagen auf Büchel» und Kassenscheine betrugen Ende 1929 rund 49.5, im Jahre ! 980 54.4 und im Jahre 1931 59.5 Milliarden Ke. Wenn seither die Einlagen mich nicht in diesem Tempo weiter gestiegen sind, so geht daraus doch hervor, das; sich bei den» neuen ReeSkont-Jnstitut mit der Zeit etwa zweieinhalb bis drei Milliarden a n s a m m e l n werden. Das ivird genügen, mn die Aufgaben des Institutes auch wirklich durchzuführen. Die Rede des Slowakisch-Klerikalen Prust n s k h lvar—- wohl anch mit Rücksicht auf die letzten Verhandlungen zwischen Hlinka und Mal««- vetr sehr gcmässtgt. Auch der Nationaldcmolrat Jng. Ao Vak versicherte, dah seine Partei nicht grundsätzlich gegen daS Institut sei. Sie habe lediglich eine Reihe von Sonderwünschen gehabt, darunter auch die Beseitigung der Bestimmungen über die Pflichteinlagen der Geldinstitute; da man ihr nicht entgegengekommen sei, tverde sie dagegen stimmen. Dr. Bacher(AWG.) erklärte, nur«; hätte ein solches Institut schon vor einem Jahre schaffen sollen. DaS Gesetz sei gut gemeint und genügen" elastisch und es werde eine Verbilligung der Zins- tusteS mit sich bringen. Nur zur Vorbereitung sind ihm die Wirtschaftskreise, zu wenig herangezogen lvorden. Redners Partei werde für die Vorlage stimmen. Auch der tschechische Gewerbeparteiler O st r y brachte keine grundsätzlichen Einwendungen vor. Um so mehr hat eS ihm jedoch die kürzliche Regierungsverordnung zur Verhütung der Preistreiberei mtgetan: Er verstehe nicht, wozu diese Verordnung überhaupt erlassen wurde. Heute sei doch ein Wucher überhaupt nicht denkbar. Trotzdem hätten die Wucherorgane mit ihren Revisionen bei den kleinen Händlern und Gewerbetreibenden begonnen. Damit bringe man die Bevölkerung nur unnütz in Ilnruhe. Von KoalitionSseite sprach lediglich G l ä s e l «BdL.), der sich mit dem Problem der landwirtschaftlichen Verschuldung befaßte, die angeblich 12,8 Milliarden beträgt. Die Kommunisten schickten drei Redner in die Debatte, von denen einer, namenS B i l e k, seine Jungfernrede hielt. Auch diese trug bereits sichtlich den Stempel deS Politbüros, bzw. des Klnbsekrc- tariateS. Sie haben von neuen sozialpolitischen Maß- nahnren der Regierung etwas läuten hören und schon wettern sie darauf los, das; die Berbindlich- keitSerklü nng der Kollcktivverträge nur dazu da sei, um eS der Arbeiterschaft unmöglich, zu machen, Lohnerhöhungen durchzusetzen; auch die Einrichtung von Lohnschiedsgerichten könne nur dieselbe Wirkung haben... Die Vorlage wurde schließlich in beiden Lesungen angenommen. DaS HauS vertagt« sich dann auf Donnerstag, den 16. März, um 11 Uhr früh. Bilder aus Oesterreich Der Kommandant des heißumkämpftm Goethe-Hofes in Wien-Floridsdorf, der Schutzbündler K r b e c. war vom Standgericht« zum Tode verurteilt. Seine durch den Kugelregen des Bürgerkrieges herbcigecilte Frau nahm in der Armcn-Sünderzclle von ihm Abschied. Was tvar des Schutzbündlers Krbec letzter Wunsch an di« Gefährtin? Sie möge Gelder und Belege, die er als sozialdemokratischer Fürsorgerat zu verwalten hatte, in Ordnung übergeben... In einer Proletarierwohnung, unlveit vom Goethe-Hof, sitzt an diesem Abend Frau Krbee mit Nachbarn und Freunden beisammen. Die dritte Gnadenstunde ihres Mannes verrinnt. Noch zehn Minuten. Die Männer stöhnen auf. Frau Krbec schweigt. Noch fünf Minuten. Frau Krbec sitzt unbeweglich. Noch zwei Minuten. Tut sich kein Höllenschlund auf? Steigt kein Engel hernieder? Noch eine Minute. Das Zimmer dreht sich mit den Menschen im Kreise. Eine Ansage im Radio. Herzen stehen still. Krbec ist begnadigt. Nun erst beginnt die Fran zu weinen.„Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder." Fünf Tag« später durst« ich dieser Arbeiterfrau die schtvietigen Hände drücken. Sie hat in den um daS Vaterland gegen den äußeren Feind zu schützen. Sine Arbeiterfrau, die hinzu kcun, meinte mit beißendem Hohn:„Ja wenn Ihr Euch gegen die Arbeiter zu kämpfen traut, dann müßt Ihr auch im Stande sein, gegen fremdes Militär vor« zugchcn." Worauf die Sturmschärler treuherzig beteuerten, sie hätten nicht auS Kampflust, sondern durch Hunger getrieben, zum Wafsenhandtvcrk gegriffen. Diese österreichischen Frcmdcnlegiouärc Mussolinis sind wahrlich keinen Schuß Pulver wert. Die Heimwehrleute stehlen wie die Raben. In Wien und in der Provinz haben sie den Sieg durch Ausplünderung von Konsumvereinen, Arbcitcrhcimcn und Privatwoh- nungcn tvürdig gefeiert. Uhren und Brieftaschen gehen bei Hausdurchsuchungen zuerst mit. In Ottakring mußte der begleitende Polizist, durch einen BolkSauslauf gezwungen, nach einer Woh- nungSdurchsuchung an den beteiligten Heimwehr- christcn eine Leibesvisitation vornehmen. Sie förderte alle fehlenden Wertsachen zu Tage. In St. Pölten wurde einer Arbeitslosen» Familie die letzte Barschaft geklaut. Die Frau eines Genosten aus dem FloridSdorfcr Schlingerhof. der in Gefangenschaft erschlagen wurde, weiß positiv, daß der Todgeweihte 90 Schilling in der Jede krau demonstriert fi am Internationalen Frauentag kür V »rot gleiches Recht und frieden! SchrcckenStagen fünf Kilo abgcnommen. wie die meisten Frauen dieses Häuserblocks, deren Männer und Söhne tot, verwundet, eingckerkert oder von den Häschern gehetzt sind. Ich fand Frau Krbec tapfer und ungebrochen. Sie ist eine zähig» Schlesierin aus der Gegend von Wagstadt. Der Mann ist zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. ..Alkes tvird wieder gut werden", sage ich zum Abschied.„Wir verzagen nicht," heißt ihre Antwort. Diese Schutzbündlcrfrauen, diese roten Mütter aus Wie» und Oesterreich haben endlos gelitten. Die Mutter eines Ottakrüiger Schutzbündlers wurde vor die Leiche ihres Sohnes geführt. Er war wie ein Held gefallen: mit der Waffe in der verkrampften Harst>, drei miSgefchostene Ma- schinengewehrgnrtcn inn die Brust geschnallt. Nachher, bei einer Protokollaufnahme bot ihr der Polizeiüeamte einen Stuhl an. Sie lehnte ab. „Glauben Sie ja nicht, daß ich schwach geworden bin. Ich bin stolz ans diesen Sohn! Auch Sie tonnten st o l z sein, e in e n solchen Sohn zu staben!" Der Polizeibeamte wendet sich schweigend ab. Daß sich die Heiinwchrler und Sturmsckärler nun al» Sieger ansblähcn, wurmt nicht nur di« Schutzbündler, sondern auch die Polizisten und Soldaren, die vielfach gegen inneres Widerstreben ihre Haut zu Markt« trugen und mit überlegenen Waffen die Käinvfe entschieden.„Hatscherte Komi- taischiS" ist die volkstümliche Bezeichnung für di« Hahnenschwänzler, die nun als„Sieger" durch die Straße» patroullieren. Bei größter Vorliebe für die Urwüchsigkeit des österreichischen Landvolkes kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, daß im Durchschnitt der österreichstchc FasciSmuS durch ausgesuchte Dorftrottel repräsentiert wird. Noch jäinmcrltcher schauen womöglich die Banden aus, die den hochtrabenden Namen„ostmärkische Sttirmscharen" führen. Blutarme Geselleiwerein- lcr, körperlich und seelisch verkrüppelte Betschwestern männlichen Geschlechts schleppen Gewehre mit aufgepflanzten Bajonetten herum, sichtlich geängstigt, daß die Dinger mal von selbst loSgehen könnten. Krautwachker, die populäre österreichische Bezeichnung für miserable Soldaten, klingt, aus diese Sorte von Heimkriegern angewandt, wie eine Schmeichelei. „Mit nassen Fetzen hätten wir die Sturmschärler und Heimwchrler davongejagt, wenn wir die Exekutive nicht gegen uns gehabt hätten." So sagen die Schutzbündler. In der Tat sind in St. Pölten in der gespannten Nacht von Montag auf Dienstag die Bauernburschen und Knechte haufenlveise aus der Heimtoehr desertiert. Heim« wchrabteilungcn haben dort in blinder Angst ganze Salven gegen den nächtlichen Himmel gefeuert, ehe sie den ersten SchutzbüMer sahen. Erst am 3. und 4. Bürgerkriegstag, als der Sieg der Staatsgewalt schon gesichert erschien, strömten die verhinderten Helden in Masten den Heimwehr- kaderS zu. In Wiener« Neustadt kauften sich vorige Woche drei Sturinschärler beim Bäcker frische Semmeln und weinten herzbrechend dabei. Ob des Grundes befragt, klagten sie unisono, daß sie nun an die deutsche Grenze abgehen müßten, Brieftasche hatte. Sie bekam die Brieftasche leer zurück. Einem Arsenalbetriebsrat ans Wien-Favo« rile» stahlen die Heinnvehrler bei der Hausdurchsuchung die goldene Ilhr. Gestohlen wird auch im Großen. Jin Wiener.Karl-Marx-Hos befand sich die Zentrale der Roten Falken. Tort hat sich nun die „Frohe Kindheit" einqnariiert, eine klerikale Ge- genorganisation der Kinderfreundc. A n ö g c ji o h l.e n ist auch die Arbeiterzei- iung und daS herrliche Wiener Pärieihäuü. In den Büroräumen ist kein ganzer Bleistift mehr zn finden. Anch den abgeschabtesten ArbeiiSrock deS RedaktionödienerS ließen di« Heinnvehrler beim hellichten Tage mitgehcn. Die Hcimwchrfiihrung hat den Fehler begangen, Wiener Heinnvehrbande.n in ihren Wohnbezirken zu verwenden. Dadurch sind der Arbeiterschaft jene Leute wohlbekannt, die gestohlen, gefoltert und gemordet haben. Einzelne dieser Gesellen fühle» die Rache schon an ihre» Fuß geheftet. Sie machen sich an sozialdemokratische Arbeiter heran und geben ihnen genaue Nachrichten über die Schandtaten der Kumpane, um für sich selbst Sicherheit einzukanfcn. Der Schuft Körbel, ein stellvertretender Schutzbundkonunandant dreier Wiener AoroctSbe- zirke, der die Waffen der Polizei auSliescrte und im Radio als loyaler Sozialdemokrat gepriesen wurde, ist von Beruf Lehrer. Während einer Un- terrichiSpause schrieb ihm ein Schüler an die Tafel:„UnserLehrer ist ein Verräter," Die ganze Klasse hat sich sodann geweigert, den Täter zu nennen. Vom Wiener Reumannhof wurde die Büste Jakob Reumanns, des ersten roten Bürgermeisters der Donaumetropole entfernt. Reumann war die prachwolle Verkörperung des selbstbewußten, tatfrmdigen und schöpferischen Wiener Arbeiters. Sein Andenken Ist in den Proletarierbezirken heilig. Als die Heimwchrbuben die Büste Reumanns aus dem Sockel herausineißelten, führten sie mit dem Schlägel zwischendurch immer Wieder Hiebe gegen da- gütig-leuchtende Bronzegesicht. Hunderte von Beivohnern de- Neumann« Hofes sahen diesem Schauspiel zu. Die Polizei mußte sie in Schach halten. Die Schläge gegen daS reine Antlitz Jakob Reumanns werden aber noch auf die Hcimwehrleutc zurückfallen. Karl Gruber. Ein ganzes Ressort strafweise versetzt Unzukömmlichkeiten bei Arbritöbewilligunaen. Pari-, 9. März. Der französische Arbeitsminister M a r q u e t hat mit augenblicklicher Wirksamkeit alle Beamten der Abteilung für ausländische Arbeiter dienstlich versetzt, da bei der Untersuchung über die Art und Weise der Beschaffung der ArbeitSbewilligung für die Schauspie« vo die Korruptioi; die Grenze«; der christlichsozialen Partei überschritt, blieb sie doch im freundschaftliche«; Gebiet deS Hcinnochrjudeutums, wo der Imre D e l e s s y und der Sandor Weiß den Ton angaben. ES erübrigt sich, die„Deutsche Presse" der Verachtung der anständige«; Mensche«; erst zu übergeben. Der ist sie längst auSgeliefert. Wte 4 Freitag, 9. März 1934 «r. 57 laficsncinßkclfcn Weiteres Vordringen auf dem Retfon-Schacht Osfck, 8. Mürz. Heute fuhr abermals eine BcrginaiiiiSabtcilung in den Nelsonschacht ein, um einen weiteren Grubenteil zu rekognoszieren. Die Abteilung drang mit Sauerstoffapparaten etwa 160 Meter znni Fallort-Rcvier vor, wobei sic feststellte. das; dort dec Wasserspiegel wider Erwarten noch so lief liegt, das; die geplante Aufstellung einer Pumpe in dieser Strecke zur Entivässcrung des Reviers nicht dringlich ist. Die Strecke ist verhältnismäßig gut erhalten. Sodann drang die Abteilung etiva 80 Meter in der Richtung zum Fricdhosrcvicr vor. Bei der Seilbaynstrecke wurden die dort befindlichen sieben alten Feuermauern untersucht, die schon vor längerer äcit ans Sicherheitsgründen errichtet worden sind. Die Mauern sind alle unbeschädigt geblieben, so das; der ganze Scilbahnfliigcl in einem Zuge wird gcwältigt werden können. Die Jnan- grifsnahme dieser Etappe ist für den kommenden Montag in Aussicht genommen. Leicheiuunde sind keine gemacht worden. Man traf nur au, den schon unlängst gesichteten Toten bei der Seilbahnstarion 3, der gelegentlich der Gewältigung dieses GrubentcilcS geborgen werden Ivird. Aach der Rückkehr der Mannschaft wurden die Absperrmauern wieder geschlossen, die zum Zwecke der Rekognoszierung durchbrochen worden waren. Tragödie einer Ehe Selbstmord des Ehemanns Die Ehe zwischen der 21jährigen Helena und dem 20jährigen Franz Suda Ivurde aus Liebe geschlossen. Dies liegt jedoch bereits zwei Jahre zurück. Das Glück dieses Zusammenseins dauerte nicht lange, Nach der Geburt des»indes gab es bald darauf Streitigkeiten, die meist in wirtschaft- lichen Dingen ihre Ursache hatten. Por wenigen Monaten verliest Helena Suda ihren Mann. Das Kind nahm sic mit sich. Gab' es zu ihren Eltern in Pflege. Sie selbst nahm eine Stellung in einem Gasthaus an. Suda versuchte mehrmals. seine Frau zur Rückkehr zu bewegen Sie lehnte dies jedoch stets ab. Wies darauf hin, dast er sie geschlagen, dast er ihr kein Wirtschaftsgeld gegeben, und daß er ihr das Leben zur Hölle gemacht habe. Gestern nun traf Suda zufällig seine Frau. Es Ivar am Nachmsttag auf dem Tyl-Plah. Wiederum benutzte er die Gelegenheit, Helena zu bitten, sie möge mit dem Kind zu ihm zurückkom- nrcn. Er wolle sich bessern, gut zu ihr sein und ihr Geld geben. Die junge Frau blieb unerbittlich. Sie war auf dem Weg zu einer Freundin und duldete eS nur widerwillig, daß der einstige Gatte sie begleitete. Bor der Haustür verabschiedete sie ihn. Sie war jedoch noch nicht lange in der Wohnung, der Freundin, als es an der Tür klingelte. He-' Icna ahnte, wer dort war. Man öffnete nicht. Doch schließlich, als das Klingeln und Klopfen nicht aufhörte, ging die Freundin zur Tür. Draußen stand Suda. Er drängte die Frau zurück, stürzte inS Zimmer, zog einen Revolver und zielte auf Helena. Im letzten Augenblick gelang cs der Freundin aber, dem Rasenden die Waffe aus der Hand zu schlagen. Die Frauen schrien jetzt um Hilfe. Dock nun ergriff Suda die Flucht. Alarmierte Polizei erließ hinter dem Geflohenen telegraphischen Steckbrief. Es war nicht nötig gewesen. Als Kriminalbeamte-am späten Abend in die Wohnung SudaS in Nuslc eindrangcn— fanden sic nur noch seine Leiche vor. Der Mann hatte sich erhängt. Großer Einbruch in eine Teplltzer Apotheke In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag drangen unbekannte Täter in die Adle r-A p o- l h e k c in Teplitz-Schönau ein. Sic kletterten über eine Mauer und raubten in der Oblatenbäckerei Münster eine Handkasse, worauf sie dann von rückwärts in die Apotheke gelangten. Dort wurde die Handkasse, eine große Kassa und der Büroschreibtisch aufgebrochcn. Den Dieben fielen etwa 6 0 0 0 Kronen in Barem, ein Photoapparat Marke Agfabilly und eine braunledcrne Aktentasche in die Hände. Außerdem stahlen sie aus der Apotheke R a u s ch g i f t e, wie Kokain, Kodein und Papaverin im Werte von 16.000 Kronen. Bon den Tätern fehlt bis jetzt jede Spur. Wettfressea gegen Wetthnngern! Humor ist eine schöne Sache. Heiterkeit ist eine HimmclS- gabc. Aber jener verkrampfte„Humor" gefühlloser GefiihlLspekulanten, die ohne Takt und Scham ans der Not unserer Tage ihre schmierigen Pointen ziehen, verdiente mit der Prügelstrafe geahndet zu werden. Vor einiger Zeit ist im Lande der Filmumnöglichkeiten, in U. S. A., ein Wochenschaubild gedreht worden, das eine Schar schreiender und gestikulierender Babys bei einem— Wettessen zeigt! Die Babys, von oben bis unten mit Schlagsahne bekleckert, fres- sen sich förmlich durch einen Berg von Schlag- sahne hindurch—„Sieger" blecht bei diesem unaussprechlich unappetitlichen„Wettbewerb" wohl jenes bedauernswerte Baby, daS, mit den größten Quantitäten Schlagsahne im Lei.b sich zuerst krank meldet. Man faßt sich an den Kopf. Das erste Vrager HoGyaus Do9 neue«sevüuve der VeustonüverfiMerungdauftatt Bor einigen Tagen ist die Allgemeine P e n s i o n S a n st a l t in ihr neues Heim cingezogen, in das elsstöckigc Hochhaus auf dem Terrain der früheren ZiZkovcr Gasanstalt, das eines der bemerkenswertesten Bauten moderner Architektur in Prag ist. Gestern waren die Pressevertreter zur Besichtigung dieses Gebäudes geladen. das als Muster eines mit allen Errungcn- schaftcn moderner Technik auSgestattcten Büro- hauscS, seinesgleichen in unserem Staat nicht hat. einem ein scharfer Wind um die Ohren pfeift (man befindet sich fast aus gleicher Höhe mit dem ZiZlaberg und dem Petrin) und sich nie gesehene Ausblicke auf Prag und auf den Hradschin eröffnen; auf der anderen Seite auf das ruhige Pro- lctaricrvicrtel ZiZkov. Man sah Kanzlciräume, die ihrrsglriche» in Prag nicht habe», lustig und licht. In dieser sachlich-modernen lind doch ist, wie Minister a. D. Dr. H o t o- v e c als Rcgicrungskommissär deS Institutes, in seiner Begrüßungsansprache betonte, nirgends auch nur eine Spur von überflüssigem Luxus zu finden. Das Riesengebäudc steht mit seiner originellen Architektur— Hochhaus mit vier kreuzweise zueinander gestellten Flügeln— ganz im Zeichen einer vorbildlichen Betriebshygiene. Luft und Licht für die Arbeitenden ist die Losung gewesen. Nach Würdigung der Tätigkeit der Mitarbeiter betonte Dr. Hotovcc, in deutscher Sprache fortfahrend, daß es in der Pensionsanstalt nationale Schwierigkeiten nicht gebe, daß die Anstalt ihre Aufgabe als Trägerin eines wichtigen Zweiges der Sozialversicherung voll erfasse und strikt befolge, ohne Rücksicht auf Nation oder Konfession» Die Notwendigkeit eines Neubaues, der den Erfordernissen der k"runghaft gclvachscnen Agenda auf lange Sicht Rechnung trägt, ergibt sich aus der einfachen Tatsache, daß die Zahl der Versicherten sich vom Umsturz vis zum Jahre 1031 Verachtfacht hat. Bei den fünf AmtSstcllen lvaren 1981 nicht weniger als 333.684 Personen versichert.(Im Jahre 1019 waren cö 40.888.) Auf die deutsche Landes st elle B in Prag entfallen davon 74.650. Die Zahl der anmeldungSpflichtigcn Firmen ist von 14.570 in diesem Zeitraum auf 68.156 gestiegen. An BersicherungL- bciträgen wurden 1938 insgesamt über 458.5 Millionen KL vorgeschrieben gegenüber 15.5 Millionen im Jahre 1919. Die ausgezahlten Pensionsrentcn stiegen von 867.462 KL, im Jahre 1919 auf 269.5 Millionen KL per 1933. Bei diesem ungeheueren Anwachsen der Agenda mußte sich daS alte Amtsgebäude am Rasin-Kai bald als völlig unzureichend erweisen und so kam eS zur Durchführung des großzügigen Bauprojektes auf den Gründen der aufgelassenen Zijkover Gasanstalt. Die Besichtigung des neuen Hochhauses leiteten Dr. Hotovcc und der Baurefcrcnt Direktor Dr. Friedrich O n d k i ch. Ma.r sah das Riesengebäudc vom zweiten Erdgeschoß bis hinauf zu den Plattformen der flachen Dächer, wo Kombination aus Eisenbeton und Glas gibt es I keine prunkvollen Vorstandskanzleien neben unhygienischen düsteren Höhlen für die Subalternen. Selbst die Direktionskanzleien unterscheiden sich nicht wesentlich von den Arbeitöräumcn des Personals. Der Vorgesetzte ist von den Untergebenen nur durch ein breites Fenster getrennt. Man sieht sich im vollsten Sinne des Wortes gegenseitig„in die Fenster". Der sozialcrzieherische Wert einer solchen gegenseitigen Kontrolle zwischen Heber« und Untergeordneten soll nicht übersehen sein. Im untersten Erdgeschoß arbeüen Maschinen und Motore. Neben- der selbstverständlichen Zentralheizung sorgt eine Lnftfilteranlagc für die regelmäßige Erneuerung der Atemluft in den Kanzleiräumen, die in der Stunde sechsmal erneuert wird. Durch feinst verteilten Wasserdampf wird die trockene Luft leicht atembar gemacht. Im Sommer dient die gleiche Anlage zur Zuführung von Kaltluft in die Büros, um eine gesunde Temperatur hcrzustellen. Acht A u f z ü g e vcrniittcln den raschen Verkehr zwischen unten und oben. Man sieht die Math c m a t i s ch c A b t e i l u n g. Ivo über jeden der Versicherten(cö sind ihrer, wie erwähnt, eine Drittelmillion) in einer ungeheueren Kartothek geführt wird. Und dann— ein technisches Wunder, vor dem der Laie in ehrfürchtigem Staunen steht— die automatische Tclcphonanlage, die 24 Staatslinien und 500 HauSstationrn umfaßt. In diesem Raum herrscht ohrenbetäubendes Knacken und Rasseln. Die automatischen Selbst- Ivählapparate werden wieder durch Äontrollmaschinen überwacht. Grüne und rote Lämpchen leuchten auf— als Kontrolle klaglosen Funktionierens der Apparatur. Von dieser Zentrale auö Ivird auch die Regulierung der 45 elektrischen Uhren im Gebäude besorgt. Auch hier arbeitet maschinelle Kontrolle... Technische Vollkommenheit, wohl organisiert zu sozialem Zweck — eine Formel, auf die der Sozialist die Welt baldigst zu bringen trachtet. Bg. Das sind die Novitäten einer Wochenschau! In einer Zeit, in der Hundcrttausende und Millionen arbeitslos sind, in einer Zeit, in der zahllose Mütter nicht wissen, wie sie ihre bleichen, hungernden Kinder satt machen sollen, konmit ein ideensprudelnder Cretin auf diesen Schlagsahne- Wettbewerb! EinunfreiwilligcSWett- Hungern liegt als fürchterliche Geißel über der Erde, Menschen sterben buchstäblich, weil ihnen das Stückchen Brot fehlt, das sie zum Vegetieren nötig haben— und in den Ateliers ignorieren sie die brennenden Probleme des Alltags mit Schlagsahne- Provokationen! Schlagsahne als Waffe gegen die Skrupel des schlechten Gewissens, bösartige„Witze", die nur eine Maske sind, unter der das Gesicht des bour- geoisen Unterhaltungsbetricbcs grinst: Zynisch roh und volksfeindlich! Wettfressen gegen Wetthungern— wie lange noch? Prag wird pünktlich. Der Mangel au richtiggehenden Uhren— eS ist ein altes Prager . Elend. Und es ist bereits darüber hinreichend gesagt und geklagt worden. Dies soll jedoch jetzt anders werden. Das P o st m i n i st e r i u m verbandelt mit der Stadt Prag über den Anschluß i aller öffentlichen Uhren an neue Spezialkabel, die unter der Erde gelegt worden sind. I Ihre PräzisionSfähigkcit beträgt eine halbe Sekunde plus oder minus, jede zweite Sekunde wird synchromatisch-automatisch von der Sternwarte geregelt. Alich jeder Privatmann kann von dieser neuesten Errungenschaft der Prager Postdirektion Gebrauch machen. Kommunistischer Grwrrkschaftssekrrtär in Aussig verhaftet. Am Mittwoch wurde in den Räumen der Ortsgruppe deö Verbandes der Bauarbeiterschaft für die Tschechoslowakische Republik der Gewerkschaftssekretär Ernst Vogel ver-' haftet, der gerade in den» Augenblick ertappt wurde, als er auf einem BelvielfältigungSapparat kommunistische Flugblätter gesetzwidrigen Inhaltes herstellte. Die Flugblätter und der Apparat wurden beschlagnahmt. Bogel ist ein bekannter kommunistischer Agitator und vertritt seine Partei als Mitglied deS Ge- mrinderateS in Kotschke» bei Aussig. j Enthauptet... Lübeck, 8. März. Der Mörder deß Handlungsgehilfen Meinen, F i ck, geboren 1908, wurde am Donnerstag morgens durch Enthauptung hingerichtet. Er war zum Tode verurteilt worden, weil er gemeinsam mit Käding am 31. Juli 1932 den Handlungsgehilfen Meinen überfallen und getötet hatte. Käding hatte Meinen durch schwere Messerstiche verletzt. Fick hatte den am Boden liegenden mit lnchrcren Schlägen mit einem Knüppel getötet. Fick und Käding seien Angehörige des Reichsbanner gewesen, während Meinen Nationalsozialist war. Die StaatSbahnrn stellen auS. Während der Prager Frühjahrsmesse, demnach ab Sonntag, den 11. bis Sonntag, den 18. März l. I. werden auf dem Prager Wilsonbahnhofe die allerneuesten und schnellsten Verkehrsmittel unserer Staatsbahnen, eine Schnellzugslokomotive von der Leistungsfähigkeit von 3000 Pferdekräften, die nicht bloß durch ihre grotze Kraft und Schnelligkeit, sondern auch durch ihren neuartigen Anstrich bemerkenswert ist, weiters der Motorschnellzug„Bl au er Pfeil" zur Ausstellung gelangen. Eintritt durch den Sei- teueingang zwischen den» Stationsgebäude des Wil« son-BahnhofcS lind dem Deutschen Theater. Die Ausstellung kann täglich von 7 bis 18 Uhr gegen eine Gebühr von KL 1.— besichtigt werden. Massenbesuche der Schulen zahlen kein Eintrittsgeld. Ein Kind vom Auto überfahren. In Ober- Gerspitz bei Brünn lief Donnerstag nachmittags das sechsjährige Söhnchen eines Eisenbahnaugestelllcn Otakar O n t l vor ein heranuahendeö Personenautomobil, von dem eS erfaßt und überfahren ivurde. Während der llcberführiuig ins Krankenhaus ist der Knabe feinen Verletzungen erlegen. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» ans den Programmen: Samstag: Prag, Sender L. 10.05: Deutsche Nachrichten, 18.35: Arbeit-markt, 16.50: Jugendfunk, 18.10: Deutsche Sendung: Jugendstunde, Dr. GleiSberg: Filme, die uns freuten, 18.25: Robert Schuhmann: Kuriose Geschichten, 19: Deutsche Nachrichten, 20.05: Ncbertragung aus dem Sme- tanasaal, 22.80: Jazzkapelle. Sender S.: 14.80: Trio siir drei Flöten, 14.45: Zither-Trio, 15.10: Deutsche S e n d u n g: I. Richter, Gesang, 15.40: Otto Vick: Kulturrelief, 15.50: Deutsche Nachrichten.— Brünn: 11.05: Vormittagskonzert, 18.25: Deutsche Sendung: Konzertstunde.— Mähr. Ostrau 18: Arbeiterfunk: Beiter: Anfänge der Ostrauer Arbeiterpresse, 10.85: Konzert.— Preßburg 12.85: Mittagskonzert.— Berlin 17.50: Kla- vierkomposttionen von Grieg.— BreSla» 16: Unterhaltungskonzert.— Frankfurt 28: Nachtkonzert. — Leipzig 17.50: Gitarrenmusik.— München 20.10: Solistenkonzert.—■ Wien 17: Nachmittagskonzert, 22.80: Jazzmusik. 12 Rationen zur IH. Arbeiter-Olympiade in Prag. Zu den Haupttagen der III. Arbeiter-Olyin- piade in Prag vom 5. bis 8. Juli sind bereits 12 Nationen angemeldet. Aus Amerika kommen zwei große Expeditionen, die erste Mitte Mai, die zweite Mitte Juni. Außerdem bereiten sich zur Teilnahme vor: Belgien, England, Finnland, Frankreich, Jugoslawien, Lett land, P ol en, N u m ä n i e n, die S ch w ei z und U n- g a r n. In den letzten Tagen traf auch die Anmeldung von Holland ein. Die Holländer wollen sogar mit ihrer eigenen Musikkapelle kommen, welche in Prag konzertieren würde. Für 50.000 Personen wird das Massenquartier vorbereitet. Die GemeindePrag stellte zu diesem Zwecke 87 Schulgebäude zur Verfügung, in welchen an den Haupttagen der Olympiade vom 5. bis 8. Juli, Nachtlager für 21.000 Männer und 13.900 Frauen sein werden. Außer in den Schulen Iverden über 1000 SkautS im Skautlager am Strahower Stadion untergebracht sein. Für den 1. Juli rechnet man außerdein mit der Unterbringung von mindestens 16.000 Kindern. Vom A t u s werden gegen 1000 Kinder kommen. Mit ihneii werden auch die Kinderfreunde und die Roten Falken teilnehmen. Wettbewerb für daS Abzeichen der Hl. Arbeiter-Olympiade. In diesem Wettbewerb sind Preise von 1000, 700 und 400 I st a n d; Ziegelindustrie: Fabrikation erhöht(Lieferungen an Behörden für Siedlungen, Privat restlos darnieder), Kaffee, Ter: wir im Vorjahr; im Gelrrldegefchäft ist dir Schrumpfung nicht zu m Still st and gekommen: Bntterversnndist erheblich zurückgrgangen, dann teilweiser Ausgleich; Viehhandel nicht zufrieden st ekle n d nsw. usw. Dieser Bericht, der in jeder Zeile von Stillstand oder Rückgang spricht, der ein lvirllicher Elendsbericht ist, mußte trotzdem mit diesen unglaublichen Worten eingeleitet werden: »Das Jahr 1933 hat infolge der siegreichen natioualsoziali- stischenRevolution den seit langem ersehnten wirischafilichen Umschwung gebrach t." Um in tvenigen Fällen die früheren Wirtschaftsverhältnisse zu halten, im übrigen aber den: Chaossichimmermehrzn nähern, mußte die Nazi-Revolution ersehnt werden? Aber Wir lvollen nicht ungerecht sein, wir haben einen PassuS übersehen: Die H o l z s ch u h i n d u st r i e Hal sich gebessert! Die Zehntausende, die in Konzentrationslagern, Gefängnissen und Zuchthäusern gesperrt worden sind, sowie die Tausende, die gemordet und geselbstinordet wurde», habe» Freift e i t u n d L e b e n n i ch t u m s o» st zu opfern brauchen, denn eS werden m e h r H o lz s ch u h e gemacht, weil dem deutschen Volke, dessen Schicksal Adolf Hitler bestimmt, dasGeldfürLeder« schuhe fehlt! Der heißersehnte„wirtschaftliche llmschwung" ist da, wie der Flensburger Industrie- und Han- delskammerbericht zeigt I HeilHitlerl Sozialdemokrat* Freitag, K. Marz 1934 Ar. 31 PMB» lEITBUft Die Lodesfahrt Am Miuwech nactnuitiag lauste sich der junge' Lüjährige Arwitcir Jaroslav 3 i ii g e r au» Pardubitz> in P r n a ein Sfutb. Die?inna bot thnt an, den j Aasen von einem Lliaufseiir nach Pardubitz bringen zu lassen. Zingcr, der erst vor kurzem seine Fahr-] Prüfung gemacht batte, lehnte dies jedoch mit demi ganzen Stolz dec- Neulings aus diesem Gebiet ab. Er 1 fuhr mit seinem Wagen aus und davon. Doch bereit» an der Berivderic gab es ein Unglück. Der Architekt! drirckic, als er Pasinntcn auf sich zukommen sah, statt de-5 BremshcbclS den Gashebel, Jetzt verlor er die Gewalt über das Fahrzeug, das in rasendem Temvo direkt gegen eine Tclcgravhenstange fuhr und sich! mehnnalS überschlug- Unter den Trümmern des i Wagens konnte der junge Architekt nur noch als Leiche hervorgczogen lvcrden. Hunger... Svätnackimitiag. Jin Lärm| und Hauen plötzlich ein Stoeken. Aa: ist geschehen? Eine Fran ist umgefallen. Eine junge Frau. Mitten unter den eiligen Menschen in einer Passage, direkt vorm Automatcnbüseit. Man bemüht sich um iie. Die Ohnmächtige kommt wieder j zu Bewußtsein. Jemand fragt sie, lvaS ihr fehle/ Sie antlvortet nur: ,,H u n g c r..." Schnell bringt man die Arme ins Auromaicnbüfett, gibt ihr zu eisen. Sie erzählt ihr Schicksal. Schon lange ohne- Arbeit, kam sic gestern von Kladno nach! Prag und lies hier den ganzen Tag umher, auf der Suche nach einer Beschäftigung. Es. gelang ihr nicht, irgendetlraS zu linden. Geld hatte sie auch nickt bei iich, nm etwas zu essen kaufen zu! können. Beim Anblick dcS AmomatenbüfcktS mit keinen ausgestellten Leckerbissen überlvältigte sie der Hunger. Sie siel vor Schwäche um. Die Passanten, die sich der Fran angenommen hatten, veranstalteten schnell eine Sammlung. Jagd aus FischwUderer. Gestern nacht versuchten Aufseher des Prager Fischklubs in Holesovic zwei Wilderer fcstzunchmen, die miiren im Wasser standen und„schwarz" angelten- Als sie von den Beamten angernsen wurden, erariss der eine die Flucht, während der widere plötzlich aus dem Wasser heraus auf die Auftcher s ch o ß. Zum Glück traf keiner dieser Schiefe. Die Aufseher mutzten jedoch diesem Angriff lveichcn. Der seltsame Fall wird von der Polizei untersucht. Fräulein Einbrecherin. Am 8. März lvurde in der Wohnung des Kaufmanns Z a l u d in Bubenei rin Einbruch verübt. Matt stahl ihm mehrere Anzüge. Fetzt gelang es Detektiven, de? Täters, der in Wirklichkeit eine Täterin ist, habhaft zu werden. Es handelt sich um die 80jährige Bohumila Bnk» v i i k o v ä. Kurz nach ihrer Verhaftung gestand sie, mit regelrechtem Einbruchs Werkzeug, vollkommen selbständig und ohne jede Hilfe, die WobnungStür Zaluds erbrochen und die Anzüge gestohlen zu haben. Fräulein Einbrecherin berichtete dies nicht ohne Stolz. Fliegende« Pneumatik-Lager. Vor einigen Tagen wurde in den Stratzen Prags ein Mann fest- geiwmmen, der Vorübergehenden einen Pneumatik zum Kauf anbot. Geftagt, wo dieser hcrstannne, antwortete er, datz er ihn von seinem Bekannten, dem Vulkaniseur Josef Srpa ans Kobvlis erworben habe- Detektive suchten jetzt den Vulkaniseur auf. In SrpaS Wohnung fand sich nichts Verdächtiges, jedoch entdeckte man in einer in der Nähe gelegenen Garage ein ganzes Gummireifen-Lager. Diese Garage aber war an Srpa vermietet. Der Mann gestand jetzt, bei seinem Arbeitgeber, der Gummifabrik„Dia- iadoc"„ das gesamte Material gestohlen zu haben. Er pflegte an jedem Wochenende bei der Finna Holz zu kaufen. Dies lud er auf ein Fuhrwerk und dar- nnier verbarg er die gestohlenen Pneumatiks. Srpa ist in Hast genommen Wördes Razzia in Prager Kaffeehäusern. Gestern unternahmen Polizeibeamte eine Razzia aus Spieler von verbotenen- Glücksspielen. In einem Kaffeehaus in der Revolnini wurden 88 Perso nen aus frischer Tat ertappt: R>rch ihrer Dnrchsucheng bedielt man sechs in Haft, linier anderem Arnost Bavsinek aus Snchbor, M. Liebscher I und Josef llutermüller, die aemeinsam die Bank gehalten hatten- In der Kaste sande» sich 700 KO. Auch in verschiedenen anderen Prager Kasfeebäusern wurden„Professionals in Glücksspielen" sestgeiwiinnen. Lastauto schlendert Straßenbahn aus dem Geleise. Gestern nachmittags ftihr ein Lastauto, gelenkt von dem 80jährigen Chauffeur F. R. H o S« m a n ii durch die Maninska-Gasse, Prag 8. Bezirk. Plötzlich verlor Hosmann die Gelvalt über sein Auto; dies saust« mit aller Wucht in den Anhänger der voranfahrenden Stratzenbahn Nr. l2. Ter Stotz lvar so stark, datz der Anbängcr aus dem Geleise geschleudert und schwer beschädigt wurde. Von den darin sitzenden Personen trugen der Mechaniker A. P o n d r>i l c f aus Smichov schwere und ein ge- wib'er Josef S e m e r ä d aus Bysokan leichtere Verletzungen davon. Ebenso wurde der Begleiter des Aniochaufseurs, der Fleischer Fr. P a l i v a verletzt. Bondräick und Semeräd lieferte die Rettungsstation in da? Bulovka-KrankcnbanS ein. Kunst und Wissen Aritz Gritnbaum nls Propagandist der«artärschen-Ehristen Das unrühmlich bekannte„Wiener Journal", das jetzt feine grotze Zeit gekommen sieht und seine Spalten, soweit sic nicht von Inserenten gekauft sind, den Reklametexien der christlich-sascistischen Nkörder- regierung zur Verfügung stellt, hat in seiner gestrigen Nummer einen erhebend Bericht über eine bc- I sonders gelungene Propagandaveranstaliung der siegreichen Haubitzenhcrrschcr gebracht: unter persönlichem Vorsitz des Ehepaars Fey ergötzten bekannte Wiener Küystlcr die verwundeten Helden der Aufstandsiage. Natürlich nicht die Helden, die man auf der Bahre zum Galgen oder in den.Kerker schleppte(soweit man sie nicht einfach nsederniachtel — sondern die blessierten Söldner, die sich unter dem Konmmiidö der Fey und Sjarhemberg am grotzen Marristengemetzel beteiligt haben. Wir wollen die Namen der Wiener Prominenten, die sich für diese Heldenfcier zur Verfügung stellten, nicht verschweigen. Es waren die Sängerin Vera Schwarz, die Burgschauspieler Tretzler und Hartmann, der Opereticndircktor M a r i s ch k a und der Eon- fereiicicr Fritz Grünbaum. Für die Leute von Staatsoper und Burgtheater niag die Sorge um ihre künstlerische Beamtenstrllung ein Grund für dieses Auftreten gewesen sein— und sie werden wohl selbst nicht damit rechnen, nach dieser Prostistition noch Anerkennung autzerhalb des Diachtbereichs ihrer heutigen Auftraggeber zu finden. Wenn aber Herr G r ft n- bäum, der für sein Verhalten nicht einmal die schäbige Entschuldigung jener Gehaltsempfänger ins Treffen führen kann, den witzigen Einfall baden sollte, seine nicht immer geglückten Besuche in Prag fortzusctzen, dann kann er fr' fürs nächstemal aus einen freundlichen Empfang gcfatzt machen. „Die verkaufte Braut", Friedrich Smetanas I volkstümlichste£ p e r, lvar als Feststück zur Feier I d c 8 84. Geburtstages des Präsidenten Di a- saryk am Prager Deutschen Theater auS- crschen worden. Die Festmähigkeit dieses Werkes ist nicht anzuziveifeln. Wohl aber hätte man für seine festuiähigerc Aufführung sorgen können. Datz die Oper»ach ihrer Neueinstudierung durch den Kapellmeister Kienzl über die ihre Reprisen bedienenden Kapellmeister Rudolf und S ch i ck nun wieder in die Hände Kienzls als Festdirigeuien gelaunt ist, hat ihr nicht gut getan, luc.it die verschiedene Interpretation verschiedener Dirigenten der Sicherheit des AuffiihrungSapparaleS nicht zuträglich ist. Autzerdcm lvurde die Festporstellmtg für ein Engagementsgastspiel auSgeniitzt, das der Batzbuffo des Hamburger StaatSthcatcrs Julius Gutmann als Hockizcitövermiitler Kecal absolvierte. Ohne Zweifel ist dieser Sänger ein Künstler von Format: mit einer Bombenstimme begabt und höchst darstellungsgewandt; manche Töne und Manieren seines in der Tiefe ergiebigen und in der Höhe ausbrciiungssähi- gcn Basse» erinnern sogar an den Mustersängcr seines Faches Mayr. Aber seiner Stinime fehlt Noblesse und feinere Kultur, und mitunter klingt sie auch stark ! verbraucht. Ob dies,— ebenso wie die häufig for- zicrte Darstellung,— aus nervöse Hemmungen zn- rückzusühren ist, mühte ein weiteres Gastspiel des Künstlers in einer Mozart-Partie oder in einer älteren Spieloper ertveisen. Das Publikum nahm den Sänger sehr sreundlich auf, was für eine eventuelle Verpflichtung nicht uiimatzgebend ist. E. I. Mittwoch, Erstaufführung von PucciniS„Tu randot". Dirigent: Szclt, Regie: Mords, Ausstattung: Pirchan.(B 1) Montag, einzige» Gastspiel Tilla Durieux in DtaughamS Schauspiel„Der Brief". In den übrigen Hauptrollen Kurt Ehrle, Sylvia von Rodenberg, Adolf Edgar Licho, Maria Wagner, Walter O. Stahl, Maximilian Grotz eie. Diese Vorstellung wurde von Dienstag aus Montag vorvcrlegt und findet im A 2-Abonncmcni statt. Gewöhnliche Preise! Keine Gutscheine! Ein deutscher Theaterverein in Anstig. Am Dienstag fand in der städtischen Bücherei in Aussig unter dem Vorsitze des Bürgermeisters P ö l z l die konstituierende Sitzung des deutschen Thcaterver- eine» in Aussig statt, der im Verein mit der künstlerischen Leitung d«S Theaters für die Sicherung der künstlerischen und wirtschaftlichen Prosperität deS Theaters Sorge tragen wird. An die Spitze des Vereines wurden der Grotzinduftrielle Georg Schicht und der Dürgernieister von Aussig P ö l z l, gestellt. Wochenspielplan des Reum deutschen Theater«. Freitag halb 8 Uhr:„Die göttliche Jette", DI.— Samstag halb 8 Uhr:„Der junge Baron Neuhaus".—Sonntag halb 3 Uhr: Arbeitervorstellung, Gastspiel Leopold Kramer: tDa« Konzert. 7j4: Boris Gudonow, D L. Wochenlpielplan der Kleinen Bühne. SamS- | tag 8 Uhr: Das Konzert, Gastspiel Leopold .Kramer.— Sonntag 3: Die Trafik Ihrer Exzellenz, 7)4: Die grotze Chance, Erstaufführung. vcrclnsnadirlditcn Ortsgruppe Prag: Sonntag, 11. März, Endstation der Fünfer in Jloubitin. Führer Kapuschinski. Treffzeit um 9 Uhr. Lus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag Sonntag im Parteiheim Naftonalfträtze Nr. 4, 2. Stock, Zusammenkunft aller Prager S. I.- G r u p p e n. ZwangSloser Heimbetrieb(Brettspiele, Musik, Lieder usw.) ab 6 Uhr abends. Montag 8 Uhr im Parteiheinl Sitzung der Kreisleitung. Sport• Spiel» Körperpflege Prozeß um den Olvmpia-Reingewinn. Vor dem Gericht in Los Angeles wurde ein Prozetz um den Reingewinn der Olympischen Spiele von 1982 ausgetragen. Auf die verbliebenen 80 Millionen erhoben der Organisationsansschutz von Los Angeles, der Staat Kalifornien und das amerikanische Olympische Komitee Anspruch. Der Betrag wurde dem Organisationsausschuß zugesprochen.— Das ist wohl noch nicht dagetvesen, datz ein bürgerlicher Verband seiner obersten Sportbehörde daS Geld streitig macht! In Amerika ist Boxen kein„Geschäft" mehr. Mit einem groben Defizit endete der Weltmeister- schaftskomvf zwischen Carnera und Loughran. 802-1 Zuschauer entrichteten an Eintrittsgeldern 4-t.887.7n Dollar. Nach Abzug der Steuern blieben 80.801.60 Dollar übrig, von denen Carnera 16.000 und Loughran 4000 Dollar erhielten. Der Rest genügte nicht, um die grotzen Ausgaben der Veranstalter zu decken. Ein Berliner Hallenbad wurde umgrtaust und trägt nun den Namen„Hocst-Wessel-Bad". Ob der schmutzige Name eines verkappten„Märtyrers" dadurch reiner werden wird, wird wohl zu bezweifeln sein. Flaggenftritt im bürgerlichen Sport. Ter CAPS., daS ist der tschechoslowakische StaatSver- band der Schwimmer, hat nämlich dem Sekretariate der Fina bekanntgegeben, datz er infolge des jüngsten Flaggenerlasses der deutschen ReichSrcgierung, demzufolge die tschechoslowakische Fahne nicht gehißt werden darf, an den Europmneisterschaften in Magdeburg nicht teilnehmcn könnte. Der bürgerliche internationale Fuhballwelt- verband(Fifa) bekommt eine Fahne! Die Fahne wird ersMmlS bei der Weltmeisterschaft gezeigt werden, ist rechteckig und zeigt ans hellblauem Grund die beiden Halbkugeln der Erde. Verschiedenfarbige Fransen, voraussichtlich in der Reihenfolge deS Spektrums, sollen die Farben der Mitgliedftaaten versinnbildlichen.— Andere Sorgen hat man in der Fifa nicht!? Zwischen den Weltkriegen 32 Selten mit einer Karte des Fernen Ostens. Die Kriegsgefahr in Asien und das Schicksal Europas.(Letzter SOS-Ruf für Europa). Jeder lese diese Broschüre! Kö 2.— Auslieferung: Zentralstelle für das Bildungswesen. Prag XII., Siezski 13 Urania-Kino, Kllmenlshä 4. Der Schlagerktloi ab greltaa. M Wh m WM" Der Internationale Frauentag in Prag findet gemeinsam mit den tschechischen Genossinnen Mittwoch, den 14. Mürz um 19 Uhr in der Produktenbörse statt. Deutsche Referentin: Genossin Maria Deutsch. Tschechische Referentin: Genossin Milena Illovü. Genofffnnen, forst für einen 9Raffen0efut$! England nimmt heiße Bader gegen Gaskrieg England scheint mit der Zeit das Vorrecht iür sich in Anspruch zu nehmen, das Land zu sein, in dem vor einem breitesten Publikum die naivsten und sonderbarsten Meiiningen über Krieg und Frieden geäußert werden dürfen. Nur so ist der Vortrag zu verstehen, den der Leiter der Unter- suchungslaboratoricii der Imperial Chemical Industries Ltd. vor einer Londoner Ortsgruppe der Völkcrbundliga halten konnte. Dieser Herr Doktor F. A. F r e e t h suchte vor allem der Versammlung einzureden, welch ein tlnsinn allgemein über die Gefahr eines chemischen Krieges verbreitet würde, und das alles nur, weil sich die Menschen nicht die Mühe machen nachzudenken. Für die„Nachdenklichen" hatte er dann auch zur Belohnung ein verblüffendes Rezept gegen jede Giftgefahr. ES ist so einfach, datz die Gasmaskenfabrikanten, die daö Problem doch sicherlich sehr unkompliziert betrachten, vor Neid erblasicn müssen. Herr Doktor Freeth gibt allen folgenden Rat: Wenn sie in einen Gasangriff geraten, dann verlieren sic nicht den Kopf, sondern schlietzen die Fenster. Dann machen sie den Ofen auö und warten. bis die besonders ausgerüsteten Fachleute das Gas zerstreut haben. So werden sie ziemlich sicher sein. Wenn man bedenkt, datz bei diesem Rezept deö Herrn Freeth im Winter daS Fensterschlietzen und, im Sommer das Ofenausmachen aucki noch wegfällt, so Mutz man sagen, cs ist erstaunlich cinfacli. Herr Freeth hatte aber nur„ziemlich sicher" gesagt, wußte jedoch, datz unter scinxn Zuhörern auch einige sehr ängstliche alte Damen saßen. Offenbar nm auch diese vollkomnien zu beruhigen, gab er auch noch ein ganz bombensicheres Rezept: Wenn sie ein heitzeS Bad nehmen, dazu eine Pfeife rauchen und lachen, dann werden sie praktisch vollkommen sicher sein. Nachdem der Vortragende seine Zuhörer nach jeder Richtung hin beruhigt hatte, konnte er an auf den Weltkrieg zu sprechen konunen. DaS erste Gas, daö im Kriege verwendet wurde, war Chlor. Aber die Erfolge wurden übertrieben, weil seine tatsächliche Verwendung die Weltmeinung überraschte. Dagegen war daS einzige brauchbare Kmnpfgas das Senfgas. Freeth betonte, datz daS Verhältnis der vom Senfgas Getöteten im Kriege unter vier Prozent aller GaSverwundetcn war. Was Freeth damit beweisen will, ist allerdings unerfindlich, nachdem er selbst sagt, datz die zuerst verwendeten Gase unbrauchbar tvarcn und er wcitz, wie spät das Senfgas im Weltkrieg eingesetzt wurde/ Freeth bringt als Beispiel die Vergasung eines Eisenbahnknotenpunktes'mit Senfgas. Er hält eö für wahrscheinlich, datz dieser für drei oder vier Tage nutzer Funktion bleiben würde, bis die Strecke von der Gasschutztruppe gereinigt wäre. Unser Lpndqner.Parteiblatt, der„Daily Herald" bemerkt zu diesem Beispiel, daß Professor Charles Pacsons erklärt hätte, ein mit Senfgas verseuchter Landstrich würde es nicnianden während mehrerer Wochen erlauben, ihn zu überschreiten. Und wie nun, wenn nicht offenes Land, sondern eint überfüllte Stadt vergast wird? Der„Daily Herald" hält eö schon für sehr problematisch, vier Tage rauchend im heißen Badewasser zu sitzen, geschweige denn viele Wochen. Aber Freeth kann in seinem Vortrag nur immer wieder den Kops schütteln über die Summe von Unsinn, die über die Chemicindustrie und über die Giftgase erzählt wird. Zum Abschlutz beteuerte er daher nochmals: Jede chemische Industrie benötigt für ihre industriellen Zwecke alle Sorten von Giften. Anzunehmen, datz die chemische Industrie in England Versuche mache, tätliche Gase für den Krieg zu erzeugen, das ist der größte Unsinn. Wie wenig ernst man selbst in England se> doch diese Beteuerung nimmt, zeigt die Besprechung deS Vortrags durch den„Daily Herald", der diese Behauptung ignoriert und einfach seststellt, daß es weit tätlichere Gase als das Senfgas gäbe, die ebenso schwer zu entfernen wären. Wir selber haben ja genügend crnstznneh- mende Berichte über diese Gase kennen gelernt. Dazu erklärte im Noveniber deö vergangenen Jahres der englisdje Brigadcgeneral C r o z i e r bei einer Rede in London, die englische Regierung besitze ein gefährlicheres Giftgas als je zuvor. Nur ein zweites großes Land sei autzerdcm im Besitze desselben Gaseö. Man hätte vergebens gesucht, eine Gasmaske gegen dieses Gas zu finden. Wir wären harmlose Narren, solche Nachrichten als Unsinn zu betrachten, nur weil ein Lautsprecher der Chemieindustrie dieses uns einredet. Wenn Herr Doktor Freeth aucki noch erklärt, er spräche als Privatgelchrter, nicht als Beamter der Imperial Chemical Industries Ltd., so dürfte ec damit nur einigen uralten Damen imponiert haben. Da das Senfgas eines der Giftgase ist, dessen Existenz sogar Herr Freeth nicht abstrcitet und gegen daö er so nebenbei auch die beriichtigte einfache DolkSgaömaskc zur vollständigen Sicher.- hcit empfiehlt, so ist es notwendig, zum Schlin einige Angaben ohne jeden Kommentar über dieses „brauchbare" Giftgas zu machen. Daö Senfgas— Gelbkreuzgas— zerstäubt, als feiner Rauch, ist bei trockenem Wetter praktisch unsichtbar und geruchlos. Niemand kann seine Anwesenheit also feststellen. Seine feinsten Tröpfchen kleben überall wie Oel. Es dringt durch alle Gewebe überallhin, auf die Haut, in den Mund, in die Augen. An den Kleidern trägt es einer zum andern. Es haftet an den Gegenständen und man verreibt es in die Haut. Es macht sich nirgends bemerkbar und ehe es nach Stunden z» wirken beginnt, ist jeder und alles damit verseucht. Wenn eö angefangen hat, sich in die Haut zu fressen, rötet sich diese langsam. Es gibt Blasen, die Haut löst sich auf. Das rohe hervortrctcndc Fleisch fängt an zu eitern, überall bilden sich Geschwüre. Auch die Hornhaut des Auges zersetzt sich, der Mensch wird blind. In den Lungen bilden sich Eiterherde. Ein langsamer, qualvoller Tod ist die einzige Erlösung, die es dann noch gibt. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung rnS Hans oder bei Bezug durch die Pott monatlich Kö 16.—, vierteljährig Kö 48.—. halbjährig Kö 96.—, ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retonrmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphen» direkfion mit Erlaß Nr. 18.800/VH/1980 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.»G., Prag,