14. Jahrgang Nr. 88 Samstag, 18. März 1934 IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. MO Aktion und Verwaltung mag xii., fochova tr. niffON am. Administration telefon sm. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Einzelpreis 70 HMter (einschließlich 5 Holter Fotta») Sozialistische Hehrheit in London Gewaltiger Wahlsieg der labour-Party bei den Oraisdiailswahlen London, 9. März. Die gestrigen Wahlen in den Londoner Grasschaftsrat, der die Fnnktion eines Gemeinderates der Millionenstadt hat, haben der Arbeiterpartei einen grossen Wahlsieg gebracht: Zum erstenmal in der Geschichte hat dir Partei in der Hauptstadt des englischen Weltreiche« eine starke ab so l ute M e h r h e i t erhalten. Der herrliche Wahlsieg wurde ans Kosten der Konservativen errungen; die Liberalen haben ihre wenigen Mandate zur Gänze ein gebüßt. Die Wahlen brachten folgende Mandatovertrilling: Gewinn Verlust 1934 1931 Arbeiterpartei... .... 69 35 35 1 Konservative... 83 1 29 Liberale .... 0 6 0 6 Die konservativen Blätter sind über diese Niederlage der Regierungspartei sehr überrascht.„Morning Post" sucht den großen Wahlsieg der Arbritrrpariri dadurch zu verklei- neru, daß sic erklärt, die Sozialisten hätten jeden Mann und jede Frau zur Wahlurne gebracht, während die Gegner der Sozialisten völlig teilnahmslos gewesen waren.’ Der„Da ily Herold", das Organ der Arbeiterpartei, jubelt über dru großen Sieg der Partei. Or« Benot erklärt! Arthur Henderson der FUhrer der siegreichen Labour-Parly Im Spiegel der Karikatur Kleine Entente mit allen Mitteln Regen Habsburger- Restauration Paris, 9. März. Der Sonderberichterstatter drS„Petit Parisirn" hatte eine Unterredung mit dem tschechoslowakischen Außenminister Dr. Benes über die aktuellen politische» Probleme Mitteleuropas und vor allem über die Wiedereinsetzung der Habsburger. Dr. Benes sagte einleitend, daß seit dem Jahre 1918 zum erstenmal« diese Frage in den jüngsten Tagen der internationalen Meinung vorgrlegt wurde. Sie sei aber durch kein Ereignis begründet und entspreche auch nicht der politischen Wirklichkeit noch Möglichkeit. Dr. Benes erklärte sich mit Dr. Dollfuß und Bizekanzler Feh einig in der Ansicht, daß erstens diese Frage international und zweitens nicht aktuell ist. Ich besage mich mit ihr weder alS einer unmittelbaren,, noch spätere» Aktualität. Da Sie mir ober diese Frage auf Grund verschiedener vhantastischer Gerüchte vorgelegt haben, antworte ich Ihnen in kategorischer und definitiver Form: Setzen wir den Fall daß z. B. mo rgrn früh durch einen monarchistischen oder irgendeinen anderen Putsch in Wien die Habsburger wieder eingesetzt werden. Jndie- semFallewürdebereitsmorgcnabendSdertschechoslowakische GesandteinWieuseiueuPostcn verlassen und nach Prag abberufe n w er d e n. Ich glaube, Ihar« sagen zu können, daß das gleiche auch für die rumänische nnd jugoslawische Gesandtschaft gelte. Die Kleine Entente wäre fe st entschlossen, sich mitallen Mitteln gegen die Rikikkehr der HabSbnrgeraufdenThronzn stellen. Sie würde eine jede andere Möglichkeit lieber al« diese annehmru. Die Habsburger in Wie» und Budapest... das würde denAufangeiner Periode unendlicher Intrige», verwickelter Berhandlnngen, heimlicherBerabrrdungen bedeuten, würde allcIrredenta und allen RcvisionismuSeutfacheu. Durch die Auferstehung der gefallene« Aristokratien würde diese Sache noch weiter kompliziert/ werden. In Kroatien z. B. würde dadurch die jugoslawische Einheit bedroht werden, anchdaSitalienischeTirolwürdebe- troffensein. Der katholische Gedanke würde in einzelnen Staaten sich leicht mit dem Habsburger-Gedanken vermengen nnd so in jenen Staaten, in denen er bisher nnr eine religiöse Frage ist, zu einer politischen wer dr«. Ich will alle diese Dinge verhindern. DleVerleumdungskninpagne bricht zusammen Verwendung der Gewerkschaftsgelder statutengemäss und einwandfrei Wie», 9. März. Gegen fünf geflüchtete sozialdemokratische Führer, u. zw. Otto Bauer, Julius Deutsch, Johann S ch o r s ch, König und Karl Heinz wurde» von der Staatsanwaltschaft Steckbriefe erlassen. Die Flüchtlinge können natürlich von den Ländern, wo sie Zuflucht gefunden haben,— es ist dies vor allem die.Tschecho- siowakei— alö politische Flüchtlinge nicht a«S- geliefert werde». Kriiniiielle Verfehlungen kann man ihnen auch nicht nachweisen, nachdem nun selbst der österreichische Kommissär für.Propaganda erklärt hat, daß in den Statute«, die v o n d e r politische» Behörde bewilligt wurden» der Passus enthalten war, daß, wen» einmal die Gewerkschaften oder die Organisation behördlich aufgelöst werden sollten, daö ganze Vermögen d e m V o rsitz e» d r» u»d s einemSt el l- Vertreter-»fallen solle. Sie haben also nur im Geiste der Statuten gehandelt» so weit sie daö anvertraute Geld verwendet haben. Ebenso wurden die Berniügenöwcrte, die im Laufe der Jahre inö Ausland geschafft wurden, m i t G c» e h m i- gung der Nutionalbank ausgeführt und zwar als Vermögenswerte, die der Zweiten Inter nationale gehörten und für die Unterstützung eventueller Streikbewegungen der Arbeiter verwendet werden sollten. Spanien in Gärung Madrid, 0. März. In Madrid explodierten erneut mehrere Vonibcn an verschiedenen Stellen der Stadt. Eine Bombe zerstörte einen Transformator. In Valencia, Castellon und Alicante streiken die Transportarbeiter. Sabotageakte tvcrden von dort gemeldet. Auch in- Santander griff die Streikbewegung weiter um sich. In Saragossa mußte die Universität wegen des erneuten Auf- flammenö der Studcntenunruhen geschlossen werden.' Ministerpräsident Lerro« x dementierte mit aller Entschiedenheit di« Nachrichten, daß die Regierung gegen die sozialistische Partei nnd gegen die Gewrrkschaftsorganisationen in l Spanien Schritte zu untrrnehnicn beabsichtig«. Dos rote London Die Wahlen in den Londoner Grasschastsrat, die Gemeindevertretung der größten Stadt der Welt haben mit einem überwältigenden Sieg der Arbeiterpartei geendet: während in der srü- Heren Gemeindevertretung Londons etwas mehr als ein Fünftel im Lager der Arbeiterpartei standen, hat sich jetzt mehr als die Hälfte der Bevölkerung in der Hauptstadt des britische» Weltreiches— nicht weniger als 55.6 Prozent — zum Sozialismus bekannt, v o n n n n a n verwaltet die Arbeiterpartei die A ch t m i l l i o n e n st a d t, van nun an ist London rot. Gewiß hat cS sich bei den vorgestrigen Wab- len nur um Gcmeindewahlcn gehandelt, aber die große politische Umschichtung innerhalb der englischen Wählerschaft seit den letzten Parlaments- Wahlen ist offenbar geworden. Im Oktober 1981 hat die englische Arbeiterpartei, infolge des Abfalles des Macdonaldsflügcl geschwächt, einen Rückschlag erlitten. Wohl war ihre Stimmenanzahl von 8.3 nur auf 6.6 Millionen znrückge gangen, aber die Tücke des englischen Wahlrechtes hatte die Mandatszahl der Labonr Part« von 265 auf 50 verringert, während die sieg reichen Konservativen die Anzahl ihrer Mandate von 263 aus-172 steigern konnten. Die herrschenden Klassen Großbritanniens— nnd mit ihnen das Bürgertum Europas nnd Amerikas— haben damals gejubelt, dir Gefahr der politischen Herrschaft der Arbeiterschaft über das Weltreich schien auf lange Zeit gebannt. Aber das Blatt der Geschichte wendet sich rascher als die Reaktion glaubt. Zweieinhalb Jahre nur sind vergangen seit dem Siege der „nationalen" Regierung und schon wenden sich Millionen englischer Wähler von der herrschenden Partei ab. Die ärmeren Volkschichten der Hauptstadt— und zweifellos auch des übrigen Landes— erkennen unter den Schlägen der kapitalistischen Krise und angesichts des Unvermögens des Bürgertums mit den großen sozialen Problemen unserer Zeit fertig zu werden, daß der starke Wille einer aktiven sozialistischen Partei allein die Gewähr bietet, den proletari- sierten Schichten aller Klassen ein besseres Dasein zu bereiten, daß die Arbeiterpartei viel besser als die Konservativen Englands Volk, Friede, Freiheit und Brot bringen kann. Der Londoner Wahlsieg hat aber B e d e n- t u n g weit über die Grenz e n Englands hinaus. Infolge des Sieges des Fascismus in zweien unserer Nachbarländer glauben die bürgerlichen Parteien dieses und anderer Länder, glaubt ein Teil der öffentlichen Meinung ebenso wie„wohlmeinende" Kreise, die stets bereit sind der Sozialdemokratie gute Ratschläge zu erteilen, daß die Zeit der sozialistischen Arbeiterbewegung vorüber, der Marrismns tot sei und daß Fascismus, Ständestaat, Gleichschal- tung an die brutale Gewalt und kulturloseste Barbarei die Parole von morgen fei. So Ivie es im Weltkrieg Ncunmalweise gegeben hat, die nur sahen, was im Lager der Mittelmächte vor- ging und denen die Berichte des Generalstabes letzte Erkenntnis gewesen sind, so glauben heute kleinbürgerliche Parlamentarier ebenso wie die wendigen Leitartikler jener Presse, die sich rascher nach den politischen Modeströmnngen drehen als Wetterfahnen nach dem Winde, daß die nächste Epoche der Weltgeschichte Mussolini, Hitler und (man lache nicht) Dollfuß gehöre. Sie beachten nicht, daß es außer Italien, Deutschland und Oesterreich noch andere Länder ans der Welt gibt. Sic sehen nicht, daß Dänemark nnd Schweden, und zwar erfolgreich von sozialistischen Regierungen geführt werden,-daß sich in Norwegen und Finnland die Sozialisten erst vor kurzem glänzend geschlagen haben, daß eü in der Schweiz einen sozialdemokratischen Gemeindewahlsieg nach dem andern gibt, daß. in Frankreich die Sozialdemokraten bei den Nachwahlen Stimmen gewinnen, daß sich in Jugoslawien die sozialdemokratische Partei wieder rührt, nachdem Sette 2 SamStag, 10. März 1934 Nr. 58 lum Frauentag Friede und Arbeit I sie jahrelang totgesagt war, das; in Belgien die sozialistische Bewegung von außerordentlicher Lebhaftigkeit erfüllt ist und das; min mich im englischen Weltreich der Sozialismus' den Vormarsch antritt. Wohl sind an einigen Stellen der sozialistischen Front schwere Rückschläge erfolgt, aber deswegen steht die Arbeiterbewegung an den anderen Stellen nicht still, sie marschiert vorwärts und immer wieder vorwärts. Der Londoner Wahlsieg zeigt, das; die so- zialistische Bewegung innerhalb der Demokratie, dort, wo eine freie Meinnngsäußc- rung, eine freie Wahl möglich ist, die nichtkapitalistischen Schichten immer ivieder und imrner mehr ergreifen mutz. Deswegen tvill ja die Bourgeoisie die Demokratie beseitigen, weil die demokratische StaatZforin zur Herrschaft der Massen l»;d damit zum Sozialismus führt. Mit einem unaufgeklärten und deshalb fascisicrtcn .Kleinbürgertum und mit gedungenen Lands- knechten gelingt cS der Bourgeoisie da und dort die Massen zu betrügen und die Gewaltherr, schäft beivaffneter Lumpetchroletarier aus allen Massen der Gesellschaft, deS ganzen 9ll'schaumS des zufammenbrechenden Kapitalismus, mifzu- richten. Damit kann man die Mehrheit der Be- völkerung auf längere oder kürzere Zeit verge- waltige». Auf die Dauer läßt sich aber mit Haubitzen und Taiiks nickt regieren. Der Sieg von London eröffnet uns den Ausblick auf eine Zeit, die durchaus nicht so entfernt sein nurs;, da das mächtige britische Weltreich wieder von der Arbeiterpartei regiert werden wird rmd da mit dem fascistischen Bürgertum jener Länder, in der die Gewalt die Freiheit und Kultur der Massen niederhält, abgerechnet wird— wobei die Abrechnung anders ausfallen wird als in den dcmo- kratischcn Ländern. Kommunistische Lüsen über den Schutzbund Die kommunistische Zeitung„Dölnickä Rov- nosl" in Brünn veröffentlicht in ihrer Ausgabe vom 8. März ein angebliches Gespräch mit dem in Brünn befindlichen Führer des Wiener Repu» vlikanischcn Schutzbundes. Zu diesem Artikel hat Heinz Roscher dem Blatt folgende Berichtigung geschickt: «Da ich mit der Aufgabe betraut bin die Schutzbündler, die in Brünn ein Asyl gesunden haben, zu führen, soll offenbar der Eindruck erweckt werden, das; die von Ihnen mitgcteilten Aeusterungen von mir gemacht wordeir seien. Ich stelle fest, das; weder ich, noch die von mir bestellten Unterführer mit einen; Vertreter Ihres Blattes gesprochen haben und das; weder ich, noch diese Unterführer die in Ihrem Artikel angegebenen oder auch nur ähnliche Aeusterungen jemals gemacht haben. Dieses angebliche Gespräch ist also glatt erfunden. Ich erkläre, das; ich und ebenso die anderen hier antvescnden Schutzbündler nackt lvic vor auf dem Boden der Sozialdemokratie stehen." ES ist zu erwarten, dast auch andere kommunistische Blätter die Lüge der»Dilnickä Rov- nost" übernehmen. Von JULIE HACKENBERG Unter dem tiefen Eindruck des heldenmütigen Kampfes des österreichischen Proletariates, in tiefer Trauer um die Gefallenen, versammeln sich die arbeitenden Frauen aller Nationen am heutigen Frauentage, um für obige Parolen zu demonstrieren. Angesichts der Niederlage und der politischen Lage wird sich manche Frau resigniert fragen:»Ist unser Kampf nicht ümsonst?" Nichts, Genosiinnen, wäre verfehlter, als vor dem fascistischen Feinde die Waffen zu strecken I ES unterliegt keinem Zlveifel, dast letzten Endes die Idee, für die wir kämpfen, siegen mnstl Unsere Losung must heute mehr denn je lauten:»AuS- harren in» Kampfe, den Angriff verstärken, die Agitation ausdchncn auf alle, die ihrer Klaffe,ilagc nach zu uns gehören!" Von den schtoer erkämpften politischen und sozialen Rechten werden wir unS nichts nehmen lasten! Unsere Aufgabe besteht darin, in aUcn Niedergedrückten die Hoffnung zu erwecken, dast, Ivie die Geschichte lehrt, auf jeden Ansturm der reaktionären Welle der Gegcnschlag folgt, dec die Menschenrechte wieder zum Siege bringt. Gerade die Schwere des Kampfes inust uns ein Ansporn zu intensivster Tätigkeit sein! Mit dem Aufstieg der Arbeiterbelvegung hat mich der Aufstieg und die politische Befreiung der Frau begonnen. Nach jahrhundertclailger linter- drückung wurde die Frau gleichberechtigte Bürgerin. Formal gibt eö kein Vorrecht des Geschlechtes, in der Praxis freilich komnren die Frauen infolge ihrer politischen Lauheit nicht zu ihren; Rechte. Für gleiche Leistung werden Frauen lvcit schlechter bezahlt, bei Besetzung und Vorrückung zurückgcsetzt. Besonders in letzter Zeit macht sich das Bestreben bemerkbar, die Frau von; Arbeitsplätze zu verdrängen. ES geschieht mit dem Hinweis, dast von der Frau die Arbeitslosigkeit leichter ertragen wird. Bei Erhebungen wird jedoch oft sestgestellt, dast die arbeitenden Frauen vielfach für Familienangehörige zu sorgen habeir. Die Entlastung der Frauen könnte nur eine ganz unerhebliche Entlastung deS Arbeitsmarkteü mit sich bringen. Auch in jenen Berufen, in welchen Frauenarbeit leine Rolle spielt, herrscht groste Arbeitslosigkeit. ES kann daher die Weltkrise nicht mit so kleinlichen Mitteln beseitigt tverdcn. Statistisch ist ertviesen, dast jene Familien, wo die Frau mitarbeitct, niemals jenem grosten Mast voi; Verelendung anheim fallen kann, wie dort, wo.die. Frack»tack berufstätig ist. Nur eine-radikale Ar» beitüzcitvcrkürzung, die Anpassung der Arbeitszeit an die Rationalisierungsmethoden könnte Hilfe bringen, ohne dast das Grundrecht der Frauen, das Recht auf Arbeit, angetastet wurde. Jede Reaktion belvcgt sich auf der Linie deS geringsten Widerstandes und so sind auch die ohnedies so niedrigen Frauenlöhnc wiederholt herabgesetzt worden. Durch künstliche Stillegungen werden die Arbeiterinnen mürbe gemacht und ihre Zustinimung zu Löhnen erzwungen, die mau nur noch Almosen ncimen kann. Wochcnlöhne von 80 bis 70 Kronen sind die Regel, eS tverdcn aber auch Wochenlohne von dreistig Krone» gezahlt. Selbst um diese Löhne werden erbitterte Lohnkämpfc ge- fiihrt. In dumpfer Resignation ertragen die Arbeiterinnen ihr Schicksal. Den sinkenden Lohne;; folgen nicht die LcbenSmittelpreise! Welche Qual für die Mütter, tuen» sic der Bitte ihrer Kinder um Brot nicht entsprechen kann, tvenn sie sehen must, dast Getreide und Zucker für Futterzivecke oder zum Düngen verwendet werden! Die Stube ist kalt, die Kinder frieren— die Kohlenhalden tverdcn immer gröster! Das letzte Kleidchen ist schleistig, die Textilfabriken stehen, die Baumtvolle wird verbrannt! Der Kapitalismus kann seine Sklaven auch auf die primitivste Weise nicht ernähren, nicht kleiden, nicht beherbergen! Wir erheben am Frauentag entschiedenen Einspruch gegen eincVerschlech» teruNgderSozialversicherungl Die geplante„Reform" würde eine schwere Benachteiligung der Frauen, insbesondere der Wöchnerinnen, bringen. Unmöglich können die.Krankenkaffen auf.Kosten der Schuhbedürftigsten ins finanzielle Gleichgewicht gebracht werden. Die Agrarier bedenken gar nicht, dast sic, tvenn sie für Kürzung des Krankengeldes und der Stillprämien eintreten, sich ins eigene Fleisch schneiden. Die Wöchnerin wird mit dem gekürzten Krankengeld weder Milch noch Butter, Eier oder Zucker kaufen können. Den„Reformern" möchten wir in Erinnerung bringen, dast die Unterernährung deS Kleinkindes zu Rachitis führt, unter deren Folgen das Kind zeitlebens zn leiden hat, auch tvenn cs sich später bester nähren könnte. Die Herabsetzung deS Anfallsalters der Arbestertvitwe aus sechzig Jahre zur DezugSbcrcchtigung der Wit- wenrente kann nicht«IS Aequivalent angesehen werden. Einen schweren Eingriff in die Rechte der Frauen bedeutet die R e g i c r u n g S v e r o r d- n u n g Nr. 252/33 vom 22. Dezember 1933. Die Paragraphc 8 u. 9 sind g e g e n d i e Frauenarbeit gerichtet. Besonders die Durchführungsbestimmungen, die raktionäre Auslegung, machen die Verordnung zu einer Geistel für die in den Staatsbetrieben arbeitenden Frauen. Wenn der Mann etwa einer Tabakarbeiterin wöchentlich 121 Kronen, brutto verdient, wird bei der Frau der Abzug von der Aktivitätsgebühr durchgeführt. Gerade diese Verordnung zeigt uns, Ivie notwendig die Mitarbeit der Fran im politischen Kampfe ist. Kantpf für den Frieden! Nur der Sozialismus kann wirklichen Völkerfriede» bringen! Dor Bankerott der Abrüstungskonferenzen, das englische Memorandum, das statt von Abrüstung von Aufrüstung spricht',' zeigen dies mit voller Deutlichkeit! Die Entente verlangt Rüstungen gegen Hitler, bewilligt aber andererseits Deutschlands Aufrüstung. Die Diplomaten übersliesten von Friedcndversicherunge;;, trotzdem werden nach wie vor Mordwerkzeuge mit Hochdruck fabriziert, nach wie vor Bomben erzeugt, die vom Volköinund„Fricdcnscngel" genannt, ganze Städe zerstöret; und alle Kultur vernichten können! Die RüstungSwerte steigen, Autofabriken werden in Waffensabriken wie zur Zeit deS Weltkrieges verwandelt, die chemischen Fabriken und alle Betriebe, die Kriegsmaterial erzeugen,, sind voll beschäftigt! An unS liegt eS, die Bande der proletarischen Solidarität fester zu knüpfen, den Geist der Böl- . lcrversöhnnng und Völkerverbrüderung zu pfle gen, die imperialistischen Ziele der Herrschend« aufzuzeigen. Wir sind für den Frieden, werd« unS aber gegen den Fasciömuö, der die Arbeiter und inSbesoi;derc die Frauen politisch und wirtschaftlich rechtlos gemacht hat, der die Aufgabe hat, die Alleinherrschaft der Desiheiwen, die schrankenlose Ausbeutungsmöglichkeit der Kapitalisten wiederherzustellen, zur Wehr sehen l Bei den Kämpfen zwischen der Klaffe der Be, sitzenden und der Klaffe der Besitzlosen wollen wir mit dein Einsatz aller Kräfte die s o z i a l e Demokratie, die Rechte unserer Klasse, die Freiheit verteidigen! Der heroische Kampf der österreichischen Gc- nostinncn, ihr grenzenloser Opfermut, wird unS beispielgebend sein! Die Fahne, die die Märtyrer der Feber-Kommune mit ihrem Herzblut getränkt — wir wollen sie hochheben und zum Siege führen! Die Gewalt der unsterblichen Idee des Sozialismus wird sich stärker erweisen als cs Kanonen sein können! Beim Gedenken an die Opfer der christlichen Kanonade, an die unschuldig gemordeten Kinder versprechen tvir, den Freiheitskampf fortzuführen, bis über der Nacht der schwarz- braun-grünen Reaktion, leuchtend die Sonne des Sozialismus aufsteigt! Die Dolf uß-Chrlsten gegen die Hilfsaktion Zwei Engländerinnen verhaltet In Floridsdorf wurden heute mittags zwei Engländerinuen verhaftet, die an die sozialdemokratischen Opfer der Wiouer Kämpfe(Geldspenden verteilte». Die beiden Engländerinnen- namens Waddington und L e a c o ck, sind Mitglieder der Labour-Party und sind wie die Sozialdemokrat«; aus Belgien, Holland und der Schweiz nack; Wie» gekomnirn, um die in; Rahmen der internationalen Hilfsaktion gesammelten Gelder zu verteilen. Die Negierung hcinmt die internationale Hilfsaktion in jeder Weise, die Heimwehr überwacht die Häuserblocks, wo gekämpft tvurde und Ivo besonders viele Angehörige von Schutzbündlern wohnen, auf das schärfste und sie hat auch schon mehrfach Gelder beschlagnahmt, ohne eine Quittung darüber auSzustellen. Wie wir hiezu ergänzend erfahren, ist die eine der verhafteten Engländerinnen, Frau Waddington. die zweite Cousine des EarlS of Harcwood, des Schwiegersohns deS englischen Königs. Die beiden Frauen tvurden von zwei Krimi- nalbeamten beim Schlingerhof verhaftet und auf die Polizeiwachstube gebracht, wo sie drei Stunden lang verhört wurden, bis man sie schljestlich wieder entlasten ntttstte. Nach ihrer Freilassung beschwerten sie sich sofort beim englischen Gesandten, der ihnen zusagte, dast er bei der österreichisch« Regierung wegen dieses Falles intervenier« werde. Nach den Informationen der beiden Engländerinnen sind von der offiziellen österreichischen Hilfsaktion höchstens fünf Prozmt der Opfer beteilt wurden. Auch der„Arbeiterwille'* beschlagnahmt Von der BundeSpolizcidircktion Graz wurde das Vermögen des Verlags„Arbeiterwille", Rcscl, Muchitsch& Co. und das Vermögen der BerlagS- anstalt„Typographia", Kofchar& Co. in Graz beschlagnahmt. 44 ft. M. de Jong: Deesestümgene Hacke Cin Roman, in vier Cpiswltn Autorisierte Uebersetzung aus dem Holländischen von B. R Fuchs. Steine durch die Luif, aus der Menge fielen Revolverschüffe. Dann ertönten neue Salven im Kampf... Die Greimdiere rückten von zwei Seiten vor, schoffen wie irrsinnig... Wilde Panik... Die Straßen verstopft von Flüchtenden und hinzukommenden Neugierigen.... Wie TodcShagel schlugen die Geschosse in die wahnwitzig aufgeilende Menge... Ein noch nie dagewesenes Blutbad... Der König zauderte nicht mehr. Der Aufruhr war unterdrückt, aber man hatte ihn überzeugt, dast seine wankelntütige Haltung fast zum Allerärgsten geführt hätte, zeigte ihm Proklamationen, in denen seine Absetzung verkündigt wurde, eine Namensliste: die neue, revolutionäre Regierung... Einige Manifeste waren mit Blut getränkt, von Kugeln durchbohrt: gefunden bei gefallenen Aufrührern... Nein, nun zauderte der jnnge König nicht mehr. DaS heihe Blut seiner Väter jagte wild durch sein Herz und er unterzeichnete Befehle und Anordnungen, aus denen zu entnehmen war, dast die Periode der laxen Nachgiebigkeit vorbei sei... Nun sollten sie erfahren, dast kein Schwächling auf dem Throne säst.■.. Er war der Herrscher und vielleicht bereit, etwas zu geben, aber abzwingen liest er sich nichts! ... Die Demokratie hatte vielleicht etwas für sich, aber cüic Angstdemokratie— niemals!..• Tic alte Maschinerie setzte sich sogleich wieder in Gang; Zensur, Verhaftungen, Verbannung. Ge- horsamkeit bis zu voller Uifterwerfung oder die schwere Faust deS Gesetzes schlug erbarmungslos zu... Mutlosigkeit strich wie ein grauer Vogel über das Land. Das rege Leben des letzten Jahres verstummte und flaute ab. Schrecken befiel die Menschen. Aber tief nistete sich in verschüchterte Herzen stiller Hast ein. Die Revolutionäre zogen sich, in Verwirrung gestürzt, zurück. Zorn würgte ihre Kehle. Weg war mit einem Schlag alle frohe Erwartung des bald anbrechcndcn Morgenrots der Freiheit. Das Blut der unschuldig Gefallenen rief nach Rache. Ihre Bereitschaft zu redlichem und loyalem Ein« vernehmen war in einem roten Blntstrom erstickt ... ES bestand also noch keine Möglichkeit einer gesetzmäßigen, friedlichen Aktion, keine Möglichkeit einer unblutigen Evolution!... Wieder wütete die Gewalt, wahnsinniger, schärfer denn je... DaS Regime irrwitziger Herrscherwollust... Unbarmherzige Unterdrük« kung alles besten, IvaS eine norntalmästige Freiheit des Volkes erstrebte... Wollte man nicht anders mit ihnen sprechcit als durch den Muttd der Gewehre?... Gut, sie uahtnen die Herausforderung m;... Hart gegei; hart... Gewalt gegen Gewalt... Blut gegen Blut!... Nur so lange, bis redliches Einverständnis»täglich Ivar oder cS glückte, die große Maste in Bewegung zu setzen, sie für den Endkampf zu begeistern, für die sturmgleiche Revolution, in der diese Herrschaft deS Blutes und der Gewalt in Blut und Getvalt untergehen sollte... In der Erwartung all dieses: der Terror. Einen Monat nach dem Gemetzel in der Hauptstadt wurde bei der Parade am Geburtstag deS Königs der Gouverneur erschossen. Der Schuß wurde aus einem Fenster ickgefeuert und der Mörder entkam unentdeckt. Die ausländische Presse sprach über diesen Anschlag, der allgemein als eine verdiente Vergeltung cntpfunden tvurde, fast unumwundene Genugtuung aus. Und der alte, grimme Streit entbrannte aufs neue. Heftiger denn je wütete die Regierung unter den gehetzten Revolutionären, deren Reihen sich lichteten und lichteten, aber immer wieder durch netten Zttstrom attfgcfüllt wurden, erweckt von deut Alarm des fürchterlichen, aber aufgezwungenen KantpfeS. Ein nahezu uitzähmbarer AufovferungS- lville verführte die heißblütigen jungen Revolutionäre zu Talen verzweiftungövollcr Kühnheit. Sic wurden erschlagen wie Fliegen, scharenweise lebendig begraben in den modrigen Kasematten der 'alten Festttngen, weggeschickt in ferne Verban- nungSorte... aber immer»nie Kämpfer standen bereit, die Fackel des Aufruhrs zu übernehmen. In fieberhafter Spannung lebten und kämpften sie, tinmer aus der Flucht vor den zugreifenden Händen der Polizei, wie Tiere gehetzt von einem Schlupfwinkel in den anderen, stets in neue Verschwörungen verwickelt» stets im Schatten des Todes lebend. Lauernder Verrat rings um sie. Sie räckten sich erbarmungslos, wenn sie konnten, gingen zugrunde, wenn es not tat, nicht abgeschreckt, nicht entmutigt. In tausenderlei Vermummmtgen trieben sie sich durch das Reich, waren Arbeiter und Reisende, Landstrei- cher und Hausierer. Lehrer und Bettelmönche, Soldaten und Matrosen, Kutscher und Hafenarbeiter. Sie reisten ins AuSlmw, sammelten Geld, schrieben für die ausländische Presse, ent- hüllten unter flammenden Protesten die Zustände ihres geknechteten und gemarterten Volkes. Krank und elend schleppten sie sich weiter, verzehrt von Hunger, Tuberkulose, Entbehrungen und Mühsal. Ein wildromantisches Leben, drückend wie ein Fiebertranm, den Strick des Henkers um den Ha'S. Aber im Herzen das unablässig glimmende Feuer des begeisterten Glaubens in ihre Ideale, an die Wirksamkeit und grausame Notwendigkeit ihrer Mittel. Im vierten Jahre seiner Regierung wurde auf den König ein Anschlag verübt und eS war nur einem wtinderbaren Zufall zu danken, daß er mit den; Leben davonkam. Zwei Minister, der Adjutant, drei Letite seines Gefolges, einige Husaren der Leibgarde, Kutscher, Kammerdiener und einige Dutzend aus seiner Umgebung Ivurden durch die Explosion einer Bombe von unglaublicher Sprengkraft buchstäblich in Stücke geriffelt. Blutüberströmt wurde der König auf den Gehsteig geschleudert, aber ein aufgescheucrter Arm Ivar die ganze Verletzung, die er abbelommen hatte. Die geübte Nase eines berüchtigten Provokateurs verfolgte wider Erwarten sogleich die richtige Spur uud die Verschwörer wurden überrumpelt, ehe sie entkonnnen konnten. Drei wurden über den Haufen geschaffen, die anderen verhaftet. Jubel erhob sich unter allen, die reaktionär dachten. Unter den Verhafteten befand sich der langgesuchke, immer unauffindbare Führer, der Schrecken der ganzen Regierung, der unermüdliche Organisator zahlloser Attentate, der kaltblütige Vollstrecker von wenigstens zehn Todesurteilen, die seine Organisation gefällt hatte, eine fast legendäre Gestalt, deren Namen man unwillkürlich nur flüsternd nannte. Es wurde Grando genannt, von den Revolutionären vergöttert, bewundert und ihm gehorchte man als dem unumstrittenen Anführer, den; Helden, dem mitreißenden Redner, dem messerscharfen Polemiker, dem unbestechliche!;, treuesten Kameraden, dem aufrichtigen, lachlustigen Erzähler, dem gewaltigen, fintenreichen, nicht zuriickweichenden Terroristen. Um seinen Namen woben sich hundert Fabeln und es gab keinen wichtigen Anschlag, bei dem er nicht seine Hand im Spiele gehabt hätte. Wer Immer von den Genosten Hilfe und Trost brauchte, suchte ihn auf und kam niemals ohne Beistand zurück. Zweimal hatte er Verurteilten, die er im tiefsten Herzen verachtete, den Tod voranSgcsagt, die Hin« richtnngcn prompten vollzogen und doch zn entfliehen verstanden. (Fortsetzung folgt.), M. 58 SamStag, 10. März 1034 Sekte 8 Vie wirtschaftliche Flacht der Frauen im Staate auSüben imb ihre politische Macht im I spräche der Arbeiterschaft aussiehen. Interesse der besitzenden Klasse benähen, dies dann wieder Leben und Geschäftigkeit Iv i r t s ch n f t l! ch e Macht zur Seite. Die Grossagrarier, daS Industrie«, Bank- und Fi- Die ausserordentliche Zeit, in der lvir leben, fordert von uns die höchste Anspannung aller Kräfte, damit lvir den großen Aufgaben gerecht werden, die vor uns stehen. Wir erkennen deutlicher denn je die enge Verbundenheit zlvischen Politik und Wirtschaft. Jede politische Maßnah in e hat einen wirt- schaftlichen Hintergrund. Das bedeutet für unS, das; lvir unsere Kräfte sowohl politisch, als auch wirtschaftlich sammeln und stärken müssen. Den Frauen füllt in diesem Ringen gegen die Reaktion eine besondere Rolle zu. Sie wissen genau, das; mit dem Vordringen der Reaktion alle erworbenen Rechte der Frauen fallen; das; sie zurückgewiesen werden in Küche und Kinderstube, und als blosse Objekte von Politik und Wirtschaft alles erdulden müssen, tuns über sic und ihre FamilicH verhängt lvird. Die rcaltionärcn Mächte verstanden es immer, eine Gruppe der Bevölkerung gegen die andere, eine Ration gegen die andere, ein Geschlecht gegen daS andere anSzu- jpiclcn. Den proletarischen Männern und Jungen redet eine nach rückwärts gerichtete Phraseologie ein, das; sic von Natur aus befähigter und tvürdi- gcr seien als die Frauen, weil man diese Männer in die Wehrforniationen der politischen Parteien der Reaktion bringen will. Das; sic dort in einem blinden Gehorsam, in einer hündischen Nntcrwer- fung unter dem Willen eines Menschen ohne die geringste Betätigung ihres Intellekts stehen müssen, zeugt nicht gerade dafür, daß man dem, wie behauptet tvird, von Natur aus grösseren Verstand der Männer allzuviel zutraut. Aber es geht nicht darum allein. Die bclvusst gezüchtete Zwietracht ermöglicht der Reaktion die Verfolgung ihrer Ziele und wir mässen mit aller Leidenschaft unsere Stimme erheben und immer aufzeigen, wo der w a h r e F e i n d st e h t. Wir müssen die Hintergründe der Reaktion, die sich im FasciSmuS am deutlichsten zeigt, blosslegen und gegen die politische und Ivirtschaftlichr Gleichgültigkeit und IlnlenntniS ankämpfen. Wir werden siegen, tvir werden erfolgreich sein, wenn wir in diesem Ringen nicht zurückweichen, sondern alle Kräfte sammeln und anspannen. Die Frauen müssen politisch denke», denn ihr Schicksal ist mit dem politischen Geschehen auf daS engste verknüpft. Es gibt kein Gesetz, daS nicht auch die breite Masse des Volkes berührt und das nicht zurückwirkt auf die Lebenshaltung und Entwicklung der arbeitenden Menschen. Es liegt in der Natur der gegenwärtigen Entwicklung, daß vor allen Dingen die Massnahmen ans wirtschaftlichem Gebiet die grösste' Aufmerksamkeit weiter Kreise des Volkes auf sich ziehen. Von tvelch ungeheurer Wichtigkeit für die gesamte Arbeiterschaft ist eS z.«B., Ivie die Handelspolitik des Staates geführt wird. Davon hängt ab, ob die vielen hunderttausendc Arbeitslosen wieder in ein ArbeitSverhältniS und damit in Verdienst gebracht werden. Wie wichtig ist für nnü die Steuergesetzgebung, denn sie verteilt die Lasten, die jeder einzelne zu trage» hat. ES muss nach wie vor gefordert werden, daß jene Kreise, die Nutzniesser des heute bestehenden WirtschastSshstemS sind, ihr Teil in auSrcichcnedem Masse mit dazu beitragen,| das; die Opfer der Krise, die ohne ihr Verschulden aus dem Arbeitsprozeß auSgeschiedcn worden sind, so versorgt werden, das; sie wie Menschen leben können. Wie wichtig ist die Zollgesetzgebung, die bei dem jetzigen vorherrschenden Einfluss der Grossagrarier in der Weise gehandhabt wird, das; wichtige Lcbenöniittel, zum Beispiel Fettstoffe, Weizen, Vieh usw., nur mit hohen Abgaben belastet und in ungenügender Menge cingcführt werden können und deshalb mehr kosten, als bei dem niedrigen Lebensniveau von der Bevölkerung bezahlt werden kann. Es ist notwendig, das; wir nie unterlassen, auf die Belastung der Preise durch die Kartelle hinzuwciscn, die zum Beispiel beim Zucker der Jnlandöbevölkerung eine Mchr- belastinig von rund 100 Millionen KL auferlegen. Der hohe Zuckerpreis hat zur Folge, das; der Zuckerverbrauch um die Hälfte gegenüber dem Jahre 1080 gesunken ist. Durch die mangelhafte Ernährung mit Fett und Zucker werden die Kinder und Jugendlichen in ihrem Wachstum behindert und allen Krankheiten lvird der Boden vorbereitet So könnten wir noch eine ganze Reihe von wichtigen politischen Maßnahmen anführcn, die alle von uns beachtet lvcrdcn müssen und deren Regelung im Interesse der breiten Masse des Volkes gefordert lvcrdcn muss. Wir müssen uns um diese Dinge kümmern und müssen sie»erstehen lernen, denn wir lvollcn in aktiver Weise eingreifen und ihre Lösung herbeiführen. Wir erkennen also, daß wir politische ! M a ch t desihcn niüsscn, das» wir nm sie kämpfen und die sozialistische Bewegung fördern müssen, wollen wir eine wahre Volksgemeinschaft ans» Hanen, in der jedem Menschen daS kliccht auf Leben und Entwicklung, auf Brot und Arbeit gewährleistet ist. Wie die Verhältnisse heute liegen, steht hinter jenen Parteien, lvelche den bestimmenden Einfluß! nanzkapital diktieren kraft des Besitzes, der hinter ihnen steht. In ihrem Schlepptau befinden sich die sogenannten Mittclparteien, die aus blindem Hast gegen die Arbeiterschaft nicht sehen und nicht sehen lvollcn, wo der eigentliche Feind steht. Der sogenannte Mittelstand hat zu einem Teil durch den bestimmenden Einslus; der Besitzenden sein ruhiges Leben und die Aussichten ans Aufstieg eingebüßt. Aber sie stehen auf Gedeih und Verderb verbunden mit den besitzenden Klassen im schürssten Kampf mit diesen gegen die Arbeiterschaft, weil sie sich von der Niederhaltung der breiten Masse des Volkes Profilmöglichkeit und LcbenSranm versprechen. Nur so ist cS zn verstehen, das; weite Kreise des Kleinbürgertums, der Gewerbetreibenden, der Landbevölkerung, die durch die mangelnde Kaufkraft der Arbeiterschaft in die Krise mit hineingezogen worden sind, gegen die berechtigten An- Das; nur cinkchrcn kann, wenn die Arbeiter verdienen, daß nur dann der Bauer seine Produkte lviedcr absetzen kann, wenn die Frauen für ihre Familien genug Lebcnsmiltel kaufen können, daß nur dann der Gelverbctreibcndc lviedcr Verdienst und Aufträge bekommt, ivcnn die Menschen lviedcr verdienen und anögcben können, lvird dabei vollständig über» sehen. Wir sehen, dast wir in diesem Ringen aus uns selbst gestellt sind und daß lvir uns in ei n erklären Scheid un gzu formiere n haben. Es liegen noch viele ungewecktc und schlummernde Kräfte brach, deren wir uns bisher noch nichts» vollem Ausmaste belvnstt gclvordcn sind. In den Händen der Franc» ist eine gewaltige WirtschastSmacht vereinigt, und würden alle arbeitenden Menschen diese wirtschaftliche Macht zu nutzen verstehen, dann könnten wir ein sehr entscheidender Faktor sowohl in wirtschaftlicher, als auch in politischer Beziehung lvcrdcn. Immer noch gehen viele Millionen KL jede Woche durch die Hände der Lohn-, Gehalts- und Unter- stützungSempsängcr. Immer noch niüsscn jeden Tag Lebensmittel, Kleidungsstücke, Schuhe, Hausrat und alle die verschiedenen Dinge beschafft werden, die uns das Leben erst ermöglichen. Der größte Teil der anSgcgcbcncn Gelder geht durch die Hände der Frauen. Wo sie einkau- fcn, dorthin lenkt sich der Strom des wirtschaftlichen Lebens. Wenn sie bei den Gegnern der Arbeiter ihre Bedürfnisse einkaufen, wenn sie Kartell- und Markenartikel beziehen, dann fördern sie, ob sie lvollcn oder nicht, daS bestehende Wirlschaftsshstcm mit allen seinen Erscheinungen und Folgen. Keine einzige Frau darf sagen, das; sie und die wenigen KL, die sic auSzugcben hat, nicht entscheiden. Jede Frau und jede Familie ist ein lvinzigcr Teil im Wirlschaftskörper. Die große Masse aller, die gesammelte Kraft ist die bewegende Macht und jede Familie ist ein Teil von ihr. Die Arbeiterschaft hat sich in richtiger Er- I lenntniS der wirtschaftlichen Zusammenhänge eine eigene Wirtschaftsorganisation geschaffen, um unabhängig von kapitalistischen Prositintcressen ihre eigenen Interessen zu verfolgen. Die Erfolge bestehen darin, daß als Frucht dieser Aufbauarbeit heute in unserem deutschen Gebiet mehr als 1 l>08 eigene Läden bestehen und daß in 25 eigenen Betrieben Produkte der verschiedensten Art erzeugt lverdcn. In den Kon- sumgenosscnscüasten nimmt jede Mitglicdcrfamilie mit gleichen Rechten und Pflichten an den E r- folgen der gemeinsamen Wirtschaft teil. Es wurden im letzten Jahr mehr als 15 Millionen Rückvergütung an die Mitglieder der Konsum genosscnschaften ausbezahlt. ES ist einwandfrei erwiesen, daß die konsnmgcnossenschaflliche» Läden, die Bäckereien, die Fleischbeiriebc, preisregulierend wirken. Die Eigcnbctricbe des Gee- Verbandes, der Zentralorganisation der Konsumgenossenschaften, erzeugen nacki den genossenstvasl lichen Grundsätzen gute O.nalität. gereckiten Preis und unter geregelten Arbeitsbedingungen. Die Größe der gcnossensäiastlichcn Organisation verbürgt ihre Leistungsfähigkeit und keine Familie bringt ein Opfer, wenn sic in selbstverständlicher Erkenntnis ihrer Ktasscnlage den Konsumgenossenschaften als treues Mitglied augchört. Gestützt auf eigene Kraft, erlvachscn ans Selbst Hilfe, stehen die wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiterschaft, die Kvnsumgenossen- schaftcn und ihre Einrichtungen, vor unS, ein herrliches Zeugnis für das, was gemeinsame Arbeit zu schaffen vermag. Die Frauen müssen die genvssenschastlichcn Einrichtungen fördern. Wirtschaftliche Macht ist ein Stück voliti scher Macht und beides wollen wir erobern RiedIE. Die Folgen der fascistischen Welle: Das Wettrüsten beginnt Aufrüstung Englands zur Luft London, 0. März, llntcrsiaaissekretär für Luftfahrtlvesen Tassoon legte gestern dem Unterhause die gegenüber den letzten Jahren erhöhten Voranschläge für daö Hcercsluftwcsen vor und erklärte u. a.: Die Welt hat einen kritischen Punkt in der Frage der Abrüstung erreicht. DaS llnglück und die Gefahren, die ein unkontrolliertes Wettrüsten in der Luft unvermeidlich zur Folge haben würden, brauche ich nicht näher darzntun. Der Gedanke daran erfüllt einen mit Schrecken. Die britische Regierung lvürde jedoch daran keine Schuld tragen, da sie stets den unverrückbaren Standpunkt einer allgemeinen Abrüstung zur Luft eingenommen hat. Die übrigen Staaten haben jedoch .dauernd eine Vermehrung ihrer Luftstreitkräftc betrieben, so das; sie jetzt der britischen Luftwaffe weit überlegen seien. Deshalb kann Großbritannien in Hinkunft nicht mehr auf den» Gebiete des Flug- wesens in einem Zustand der Unterlegenheit verharren. Es ist klar, daß unser Land e i>i c P a r i t ä t e r r e i ch e n muß, w i e hoch sie auch i>n m e r sei. Die britische Regierung steht jedoch auch weiterhin fest auf dem Standpunkt ihres Memorandums über die Luftabriistung und lvird ihren ganzen Einfluß geltend machen, die übrigen Nationen zur Annahme dieses Memorandums oder eines anderen Planes, der auf ähnlichen Grundsätzen basiert, zu belvcgen. In die lebhafte Dcbaile griff u. a. der frühere Minister Churchill ein, der erklärte, daß alle Bemühungen der britischen Regierung zur Herbeiführung einer teillveisen Abrüstung in' Europa scheitern würden; cs sei daher notwendig, daß England über seine Sicherheit wache. Deutschland rüste mit Volldampf. Niemand werde eS daran hindern und auch niemanden ivrrdc es cinsallcn, einen Präventivkrieg in Vorschlag zn bringen. Er hege Vesürchtungen vor dem Tage— er ist vielleicht nicht mehr fern — vielleicht in 12 oder 18 Monaten— an dem alle Mittel, mit denen man allein das Herz drS britischen Reiches wird bedrohen lönncn, sich in den Hände» der heutigen Herrscher Deutschlands befinden werden. Jedenfalls ist dieser Tag noch nicht gclom- men, fügte Churchill hinzu, und England sei in der glücklichen Lage, noch rechtzeitig alle n o t w c n d i g c n V o r k c h r n n g c n treffen zn können. Wirtschaftskrise sm Wendepunkt? Stvckhvl m, 0. März. Norman Davisist nm Freiing früh hier zn zweiwöchigem Aufenthalt der Krengcr-Berhandlunge» einge- troffc». Pressevertretern gegenüber gab er der Ansicht Ausdruck, dast die Weltkrise jetzt a» e i n e m Wendepunkt angclangt sei und dast man die I berechtigte Hoffnung hege» könne, daß die Besse- j rung, die man bereits verschiedentlich habe fest-! stellen können, a n h a l t e n werde. Auch in den I Bereinigte» Staaten sei eine nicetbare Besserling der Lage cingetrctcn. In diesem Zufammenlwng bestätigte Norman Davis, dast Präsident Roosevelt sich mit der Absicht trage, zu einer W c l t l o u f e r r n z ein;« laden. Im Anschluß werde er nach Gens zur Ab- rüstniigstonferenz fahren. Unruhe in der SA Berlin, 8. März. sJntzreß). In da-Konzentrationslager Oranienburg wurden gebracht; 8 SA-Lculc a»S dem Sturm 2-1; der Scharführer des Sturmes 22 wegen Meuterei und vom Sturm 38(Maikowski) fast die Hälfte der Mitglieder. Bom Sturm 5(Horst Wessels flüchteten mehrere Mitglieder ins Ausland. Bllllgeböhm. Bettfedern Wut reine a u t l ü l l e» o e Ware«. I»ui. aranc. ncfAilflcuc Kö 18.—, halb- welbe tg über die Vorfälle im städtischen Steinbruck als Burgerineister den Sinn und Geist der ge- sanitcn Gemeindegcsetzgebung ins Gesicht geschlagen hat. daß er kaltlächelnd gegen Recht und Gesetz den Stadtrat und die Stadtvcrtretung kaltstellt, wenn er Grund zu der Befürchtung zu haben glaube, diese Körperschaften könnten irgendlvie seine rücksichtslose Parteiische Pcrsonalpolitit stören und daß er sich gegen Recht und Gesetz schützend vor diejenigen Zustände gestellt habe, die zu dem grausigen Geschehen des 20. Feber 1032 ini städtischen Steinbruch geführt haben. Genosse Pölzl hat deshalb die Preßklage nickt nur gegen den Verfasser Wenzel-Wandal, sondern auch gegen die verantlvortlichen Redakteure jener Zeitungen eingebracht. Als die Klage bereits über- reicht war, gab Eduard Wenzel-Wandal in der Gemeindcvertretungssitznng vom 18. März 1032 für die Fraktion der deutschen Nationalsozialisten eine Erklärung ab, in der cö„begrüßt" wird, daß die Sache endlich vor ein unparteiisches Forum kommt" und„fcstgestellt" wird, daß sic alle Anschuldigungen gegen d e n Bürst e r m e i st c r a u f r e ch t c r l> a l t e n und borGericht derWahrhcitSbcweiS erbracht w c r d e n>v i r d. Dieser Prozeß endigte nun am 3. März 1983, beim Kreisgericht Brüx mit einem Vergleich, den wir lvörtlich abdrucken: Vergleich: Die Beschuldigten veröffentlichen auf ihre Kosten im„Aussiger Tagblatt" nnd in der„Deutschen Tageszeitung binnen 8 Tagen auf die im Paragraph 2/2, Ges. 124/24, Kundmachung l 4 5/88 angeführte Weise nachfolgende Nachricht ohne Aenderung und Zusatz, bezahlen innerhalb 14 Tagen zn ungeteilter Hand zu Händen des Vertreters des Privatklägers an VertretungSko» DeltaleS-M.rs«rtne.«° Si*«- eine Quellt äisw ar e wünschen. weü sie heben wollen, dab alles, was« '«r. 58 Tagcsnculghcltcn Neue Geheimnisse um Stavisky Selbstmordversuch eines NechtöanwaltS. Paris, 0. März. Der bekannte und erfolgreiche Pariser Strafverteidiger, Rechtsanwalt Raymond Hubert, der jetzt die Verteidigung des Privatsckrctärs StabiskyS, Roinagnino, sowie Dr. Gibaud-RibaudS übernommen hat, hat am Donnerstag vormittag, wie erst jetzt bekannt wird, einen geheimnisvollen Selbstmordversuch unternommen. Er stürzte sich unweit seiner Wohnung, nachdcnr er kurz vorher im Gefängnis eine cinstündige Unterredung mit Ra- magnino gehabt hatte, von der Solferino-Brücke in die Seine. Zivei Polizcibcamte Ivarfen ihm einen Rettungöring zu, den Hubert schon halb be- Ivußtloö ergriff. Es gelang, ihn auö bwi Wasser zu ziehen. Er Ivurde in ein bei Paris^clegeneS Sanatorium gebracht, dessen Anschrift jedoch nicht bekannt gegeben tvird. Hubert soll nach einer Lesart an Berfol- gungSlvahn leiden und schon mehrmals polizeilichen Schuh angcfordert haben. Am Mittwoch hatte er noch eine vierstündige Unterredung mit dem Untersuchungsrichter, der den Fall Stavisky bearbeitet. Wieder 403 Stavisky-Schecks Paris, 8. März. Auf Anweisung des Pariser Untersuchungsrichters ist gegen Henri) Boix, der Stavisky auf seiner Fluckt begleitet und darauf 45 Tage in Untersuchungshaft gesessen hatte, ein neuer Haftbefehl ergangen. Boix wird der Beihilfe zum Betrüge und zur Hehlerei angeklagt. Er wurde in Chamlniry, tvo er sich am Donnerstag vor Gericht zu vcranttvortcn hatte, verhaftet. In verschiedenen Pariser Banken wurden Donnerstag nachmittags Nachforschungen nach Stavisky-Schecks angestellt und tatsächlich 403 Schecks gefunden. Angeblich lvaren die Empfänger Personen, die keine große Rolle spielten oder spielen. Bier Bergleute lebend gerettet! Benthe», 0. März. Auf der Karsten Zentrum- Grubc ist cö der Rettungsmannschaft nach dreitägiger außerordentlich mühevoller Arbeit gelungen, von den sieben noch verschütteten Bergleuten vier lebend zu bergen. Sie sind allem Anschein nach nur leicht verletzt und wurden sofott in das Bcuthener KanppschaftskrankenhauS geschafft. Ein fünfter Ueberlebcnder ist noch eingeklemmt. Man hofft aber, ihn in kurzer Zeit ebenfalls zu retten. Zwei Bergleute fehlen noch. Es muß leider mit ihrem Tod gerechnet tverden. Die Bergungsarbeiten gehen lveiter. Blirgernieisterwahl in Eger. Die Egerer Stadtvertretung ivählte am Donnerstag den deutsche!: Ehristlichsozialen Andreas P r o k i s ch, einen Tapezicrcrmcister, zum Bürgermeister der Stadt Eger. Auf ihn entfielen in der Stichwahl gegen den sozialdemokratischen Stadtrat Admn H e i n r i ch von 42 abgegebenen Stimmen 21. Die Bürgcrmcisterstellvertrcter werden von der BczirkSbehörde ernannt. Heinrich hatte 17 Stimmen erhalten, vier Stimmzettel der Kommunisten und der völkischen Wahlgcmcinschaft waren leer. Im ersten Wahlgang hatte Prokisch 20, Heinrich 14 Stinnnen erhalten. Ergänzung des Marienbader Stadtrates. In der gestrigen Sitzung der Marienbader Stadlver- irelung wurde zum zlvcitcn Bürgenncister-Stell- vcrtrctcr an Stelle des verstorbenen Franz Hahn wiederum ein Mitglied der deutschen Gewcrbepar- tei, und zwar Anto>: W o h l r a b und zum Stadtrate für die Burhaum-Kommunalpartei Franz Schmidt geivühlt. Jin Stadtrate haben nunmehr die einzelnen Parteien folgende Vertretung: die deutschen Ehristlichsozialen den Bürgermeister und drei Mmidate, die Buxbaum-Partei den ersten Bürgermeister-Stellvertreter nnd ein Man- dat, die deutsche Gcwerbepartci den zweiten Bür« gcrnieister-Stellvertrctcr und ein Mandat, die deutschen Sozialdeinokraten zivei Mandate, dir Tschechen und die Jude» je ein Mandat. Ein Kind vom Auto getötet. Gestern nachmit- tags um halb 0 Uhr Ivurde in der Nepomuk- Straße in Pilsen die zehnjährige Milada Eermi von einem Lastautoinobil überfahren, das der Besitzer des Wagens Jansky lenkte. Das Mädchen, die Tochter eines Drehers aus dem Skoda-Werke, blieb bewußtlos liegen und wurde mit dem gleichen Auto ins Krankenhaus geschafft, wo sie starb. Jansky gab an, daß das Mädchen dirett in das Auto lief, als er das WarnungSzeichen gab. Auf drin Rückflug vm: Kopenhagen nach Königsberg mußte der französische Weltflieger Costes in der Nähe von Greifswald am Freitag nachmittags infolge Motorschadens notlanden. Bel der Notlandung blieben die Maschine und der Flieger unversehrt. Costes wird die Nacht in Greifswald bleiben und voraussichtlich DamStag nach der Reparatur seiner Maschine direkt nach Paris zurückkehrcn. Seinen Plan, nach Königsberg und weiter zu fliegen, hat CosteS nach seinem neuerlichen Mißgeschick aufgegeüen. Rt. 58 GamStag, 10. März 1934 Sette 5 Gin Unbekannter verurteilt HfäiStH Jindrisskä 20. neue Schnitte der Schullern und Aermel neue Stoffe aus Wolle und Seide 35%. 4»»., 6S.> Brünn, 9. März. Das Kreisstrafgericht verurteilte heute einen Mann» besten Identität fest- zustellcn bis heute nicht inöfllid) tvar und der sich in einem Dorf bei Göding durch lange Zeit als Landwirt Johann S a l a j t a, der während des Krieges gefallen war, auSgab. Dieser unbekannte Mann wurde wegen der Verleumdung, die Gendarmerie hätte ihn geschlagen, sowie tvcgen betrügerischer HcrauSlockung eines HcimatschciueS auf den Namen I. Salajka zu ztvei Jahren schweren Kerkers verurteilt. Stockende Rettungsarbeiten Tscheljuskin-Mannschaft wohlauf. MoSka«, 9. März. sTaß.) Infolge äußerst ungünsliger Wetterverhältniste konnten bisher noch keine lveitercn Flüge von Kap Wellen zum Schmidt-Lager auf dem Eise unternommen werden. Der Dmnpfer„Stalingrad", der aus Pctro- pawlolvsk mit Flugzeugen und Brennstoffen unterwegs ist, geriet in schweren Sturm, so daß er die Fahrtrichtung ändern mußte. Der Dampfer „Smolensk", der gleichfalls Material zur Hilfeleistung für die schiffbrüchige Tscheljuskin-Be« satzung an Bord führt, ist iit Petropawlowsl ein- getroffen und wird voraussichtlich noch heute nach Norden in See gehen. Ein dritter Dampfer ist nach Wladltvostok beordert tvorden, um dort vier Propeller-Schlitten zu holen. Wie aus Kap Wellen gemeldet wird, sind die aus dem Schmidt-Lager geborgenen Frauen und Kinder in guten Verhaltnisten untergebracht lvordcn. Auch im Schmidt- Lager ist nach den lebten Meldungen alles wohl- mif. Kassenbote überfallen Düren, 9. März. In Düren-Friedenau wurde am Freitag Vormittag ein dreister Raubüberfall mif den Kasscnboten einer Papierfabrik, der sich in Begleitung eines Angestellten der Dürencr Bank befand, verübt. Auf dem kurzen Weg zlvischen der Haltestelle der Straßenbahn Düren-Friedenau und der Papierfabrik kam den Beiden ein Auto entgegen, das plötzlich anhielt. Einer der drei Insassen sprang mit erhobenem Revolver auf den Kassenboten zu, gab einen Schreckschuß ab und entriß dem erschrockenen Boten die Aktentasche mit 3000 NM Lohngcldcrn. Der Räuber sprang sofort wieder ins Auto, das in schnellster Fahrt davonfnhr. „Sieben Provinzen" vor Gericht Haag, 0. März. Der Oberste Militärgerichtshof verurteilte am Freitag den früheren Kommandanten des holländischen Panzerkreuzers„Sieben Provinzen", Kapitän Etkenboom, zu vier Monaten Gefängnis und Entlastung auö dem Militärdienst. In der Begründung des Urteils heißt eö, daß sich der Angeklagte bei der bekannten Meuterei an Bord seines Schiffes im Feber 1988 große Fahrlästigleit und Unvorsichtigkeit habe zuschulden kommen lqffen. Der GcneralstaatSanwalt hatte ein Jghr Gefängnis beantragt. Gegen das Urteil ist keine Berufung möglich. Sempelmißbrauch Ung. Hradifch. Die Beamten des Bezirksgerichtes haben festgejtellt, daß sich auf den Eingaben der Landlvirtschastlichen Borschußkassa in Ung. Hradifch Stempel befinden, die bereits einmal gebraucht worden tvaren. Aus diesem Grunde schenkten sie den Eingaben dieses Geldinstitutes größere Aufmerksamkeit und stellten dabei fest, daß die Stempel, insbesondere aber die 60-Kä-Stempcl, bereits mehrere Male gebraucht tvorden sind. Diese Feststellung konnte aus dem Grunde so leicht gemacht werden, daß der Stempel nach seiner Verwendung seine gitterartige Zeichnung, die an ihm typisch ist, verliert. Die Gerichtrbeainten machten auf diesen Vorfall die Finanzorgane aufmerksam, die in der Borschußkassa eine Durchsuchung vornahmen und an Hand von Belegen fcststelltcn, daß her Staat tatsächlich durch die doppelte verwendung von Stempeln geschädigt worden lvar. Diese Machinationen hatte einer der Beamten durchgeführt, der seitens der Direktion des Institutes sofort aus dem Dienste entlasten tvurde. Die Land- wirtschastliche Borschußkassc ersuchte sodann die Finanzbehvrden von einem Verfahren Abstand zu nehmen und hat sich bereit erklärt, 80.000 KL an Strafe zu bezahlen, die ihr aufcrlegt tvurde. Eine ähnliche Angelegenheit tvurde auch bei einem Advokaten in Ung. Hradifch festgestellt, wo diese Machinationen ein Beamter des Büros des Juristen durchgesührt hat.‘Xn diesem Falle handelte es sich jedoch um geringfügigere Beträge. Neue Flugzeugtypen der russischen Luftflotte Aus Moskau wird geschrieben: Das wissenschaftliche Forschungsinstitut der Zivilluftflot- tenvertvaltung der UDSR hat nach Enttvürfen von Jng. Schatvrow ein neues großes Amphibien- Flugzcug„Sch-8" erbaut. Das Flugzeug vermag leicht und rasch vom Erdboden aufzusteigen und zu Wasser, ans Schnee oder Eis Landungen vorzunchmcn. Das Amphibien-Flugzcug„Sch-ü" ist mit zwei großen Sowjetmotorcn„M-22" von je 480 PS Lcistungskrast ausgerüstet, die in die Flügel eingebaut sind. ES besikt einen bedeutenden Flug- radiuö und kann eine Geschwindigkeit von 180 Stundenkilometern entwickeln. Außer dem Piloten und dem Bordmechaniker vermag es 12 Fluggäste und Post aufzunehmen. In der Luft kann eS sein Fahrgestell zusammcnklappcn und Schwimmer an- und ablegen. ES ist auch mit einem Secboot versehen, das an dem Boden des Rumpfes befestigt ist. • Gegenwärtig konstruiert das Institut ein! Flugzeug„ARK- 3" für ArktiSflügc, das vornehmlich aus neuartigen plastischen Stoffen hergestellt werden soll.„ARK- 3" wird mit Kabinen für Piloten und Fluggäste ausgerüstet werden, tvobei insbesondere für erhöhten Wärmcschutz Sorge getragen lvird. Das Flugzeug ist mit zwei Motoren und einem abnehmbaren Chassis versehen. ES zeichnet sich durch große Fluggeschwindig-- keit aus und ist für Fernflüge besonders geeignet. Im laufenden Jahr bringt das Institut auch ein neues einmotoriges Amphibien-Flugzeug mit sieben Sitzplätzen heraus. Die Entwürfe stammen gleichfalls von Jng. Schawrotv. Das Flugzeug besitzt ein abnehmbares Chassis. Seine Höchstge- fchwindigkcit ist auf 200 Kilometer berechnet. Die neuen Amphibienflugzeuge besitzen für die Arktisforschung besondere Bedeutung. I^liC wurde ein Stück echter Schicht-Seife gefunden, in welchem auch nur die geringste Verfälschung nachgewiesen weiden konnte. Nie wurde ein einziges Stflck Wäsche durch Schicht-Seife beschädigt. Immer Ist Schicht-Seife rein, gut und unschädlich, denn unser Spruch steht fest: SCHICHT-SEIFE ist unübertroffen! Nur echt mit Marke Hirsch. Explosion ans einem amerilanischrn U-Boot New Aork, 9. März. Wie aus San Diego (Kalifornien) gemeldet wird, ereignete sich an Bord des amerikanischen U-BootcS„Nautilius" eine Explosion, durch die vier Mitglieder der Besatzung verletzt lvurden. Die Explosion erfolgte im Kurbeltvellengehäuse, als sich das U-Boot aus hoher See, 100 Meilen von der Küste entfernt befand und eine Fahrt mit voller Kraft unternahm. Die Verletzten tonrden von dem zu Hilfe eilenden Zerstörer„Barry" ausgenommen. Man crtvartct, daß das U-Boot in der Lage sein wird, im Laufe des Freitag nachmittags mit eigener Kraft den Hafen von San Diego zu erreichen. Rettung von der Eisscholle. Auf der Eisscholle, die von der Nordküste des Kaspischen Meeres auf die hohe See hinausgetrieben tvurde, befinden sich nur noch 84 Fischer. Alle übrigen konnten sich bereits ans Ufer retten, indem sie entweder nach den Weisungen der Rettungsflugzeuge das Land zu Fuß erreichten oder von BcrgungS- dampfcrn und Flugzeugen au Bord gcnoinmcu wurden. Sechs große Wasserflugzeuge und fünf Dampfer sind tveüerhin mit der Rettung der restlichen 8 Schiffter beschäftigt. Die Krukenkreu.ziuden. Sie gibt cs! Neulich hielten sie in Wien eine Versammlung ab, in der ihr Führer Stricker, nach dem Bericht des„N. W. I." sich gegen die„Grcuclpropaganda" ivandte und unter„stürmischer Zustimmung" erklärte, daß ... im Gegenteil, Oesterreich in diesen schweren Tagen eine K u l t u r gezeigt habe, tvie mail sie selten anderswo sigdei." Da hat er glücklicher- Ivcise reckst. Denn anderswo findet man eine Kultur„Ivie sie Oesterreich gezeigt hat" tatsächlich nicht. Bnrian.Film bleibt in Deutschland verboten. Der Film„Der Adjutant seiner Majestät", den die deutsche Filinzcnsur vor einigen Tagen für die Vorführung verboten hatte, da er angeblich die ehemalige k. u. k. österreichisch-ungarische Armee lächerlich mache, tvurde auf Grund des eingebrachten Rekurses dieser Tage einer neuen Zcu- surprüfung unterzogen. Die oberste Filmprüfstclle, die diesen Durianfilm diesmal zu prüfen hatte, entschied nun definitiv, daß der Bildstreifen in Deutschland nicht vorgeführt werden dürfe. Hitlersturm gegen ausländische Filmkunst Wie lange dulden die andern noch den braunen Filmschund?! Berlin» 9. März. Bei der deutschen Nrauf» führuug deö Elisabeth Bergncr-Films„Kätha- rina die Große", der in England hergcstellt tvorden ist, kmu es am Donnerstag abends zu großen nationalsozialistischen Kratvallszcncn, die nach vorheriger sorgfältiger Präparierung des Publikums durch die Nazi-Presse vorauszusehen waren. Während im auSverkausten Kino demonstrative Beifallskundgebungen stattfanden, die gewiß dem hervorragenden Spiel der emigrierten großen Schauspielerin, aber auch der Ablehnung der radau- arüisemitischen Propaganda gegen den Film galten, hatten sich draußen Hunderte und aber Hunderte von Nazis versammelt, die durch anhaltendes Brüllen und Toben für die reinrassige Filmkunst„Propaganda" zu machen versuchten. Man hörte Sprcchchörc, Ivie:„Raus mit der Jüdin", „Schluß mit dem Judenfilml". Als die Kinobesucher nach Schluß der Vorstellung ins Freie strömten, kam eS zu neuen Sturmszenen. Die Demonstranten benahmen sich in Gegenwart des englischen Botschafters, der der Vorführung beigewohnt hatte, so tvidertvärtig, daß die Razipoli- zei gezwungen Ivar, gegen den Nazimob mit Ge- waltanwendung vorzngehcn und die Straße zu räumen. In Verfolg der Hetze wurde, im Laufe des Freitag vormittags mitgeteilt, daß der Film vom Spielplan a b g e f e tz t worden sei. Das offizielle Nachrichtenbüro der Hitlerregierung spricht in seiner Meldung über die braunen Kinoflandalc Von der„auSgewandcrten jüdischen Tckiauspicleriii Bergner" und„dem jüdischen Regisseur Paul Czinner", gegen deren Film daS Publikum„eine außerordentlich ablehnende Haltung eingenommen habe". Der Protest gegen die Auffiihrung deö Berg- ner-FilmS kam von den mobilisierten Lausejungen der SA, die den Film überhaupt nicht gesehen hatten, daS Publikum selbst dankte der Künstlerin mit stürmische» Ovationen. Während das Ausland lammsgeduldig den gleichgeschalteten Ftlmunrat des„Dritten Reiches" schluckt, terrorisieren die Nazis, sicherlich auf direkte Anregung der offiziellen Stellen, die ausländische Filmproduktion. Hoffentlich ziehen die anderen Staaten aus diesen Provokationen der Braunhemden endlich die Konsequenzen, indem sie den H a k e n k r e u z b o y k o t t der K u n st mit einem Boykott des Hitlerschund- Exports beantworten. Auch in der Tschecho- flotvakci, ivo in der letzten Woche wieder vier Nazisilincn die Einfuhrbewilligung erteilt worden istl Mordanschlag gegen japanischen Industriellen. Auf den japanischen Industriellen Sanji Muto tvurde am Freitag vorniittag in Kamakara ein Mordanschlag unternommen. Er wurde niederge- schösscn und schwer verletzt. Der Angreifer beging nach der Tat Selbstmord. Ec lvar Vertreter der japanischen Arbeitgeber auf der ersten iutcrnatio- nalen Arbcitölonfcreuz in Genf. Muto hat auch eine politische Partei, die Korporation der Wirt schaftöleute, gegründet. Das Attentat wurde auf interessante Art und Weise durch die Ausfindung von Papieren bei dem Angreifer geklärt. Aus den Papieren geht hervor, daß gegen Sanjo Muto deshalb das Attentat unternommen worden tvar. weil er cs abgelehnt hatte, etwas für den Bau eines Krematoriums veiznsteuern. Auch der schwerverwundete Sanjo Muto soll der Polizei mitgeteilt haben, daß die Beweggründe sür das Attentat in der Frage des KrematornunSbaus zu suchen seien. Bergner-Film abgesetzt Berlin, 9, März. Der englische Film „Katharina die Grosse", dessen gestrige Berliner ltraufführung, von organisierte» Radaumachern gestört tvurde, ist vom Spielplan abgeseht worden. KW ♦(ZITRONE. MANDELN xieAen in die tnedeme Jlumssui! AUSGIEBIG! BEQUEM! Seit« ü „Sozialdemokrat" GamStag, 10. März 1934 Nr. 88 .JIIWII ■taiaiik..x* r«Siaii .AW»'"'»■ft^ir H -iS'SJF Issi. mL ♦ 1 ZjSi-L «tgBtr JBiwawgUK -rLAkS!'< /IBjisa ?'5’S!?’MK j® MÄ BSSS *W' JI9 a F«i|gj iiSifi'S’='iK’iSik F' jihi isslSlr*wh|frwir.MVI iHuttk jirwt/iiSifiiiiiii "».ifiaxif ifiiiiSiSiiiiir B ■■taiaigiSiiiu k ijafltH« 'SfiiififL«Jiäiiii** •»iir M PRAGER ZEITUNG Der Weg zur Katastrophe Dr. Nenrath über„Weltwirtschaftskrise und Welstvirtschaftsplan". Fn» Vortragssaal des Ministeriums für soziale Fürsorge sprach am Donnerstag abends der bekannte Statistiker und Direktor des Gesellschafts- und Wirt- Die Stadt der Königin von Saba entdeckt? Paris, 9. Marz. Der französische Schrift» steiler Andre' Malraux. der im Dezember vorigen Jahres mit dem Goncourt-Preis ausgezeichnet tvurde, unternahm Ende Feber mit dem Flieger» kapitän Coniglionc eine g e h c i>u e Flug- c x p c d i t i o n. Heute telegraphierte er dem Blatt„L'Jniransigcant", das; sie gestern in der arabischen Wüste nördlich von Rnbat cl Khali die sagenhafte Stadt derKönigin von Saba entdeckt haben, von der noch 20 Türme und Tenipel stehen sollen. Malraux fügt hinzu, daß sie die Stadt überflogen und photographische Ausnahmen ihrer Entdeckung gemacht haben, die sic ehestens nach Paris bringen werden. „Nimm dir eine neue Lola, eine Lola frisch und drall... Lola sei ein deutsches Mädchen, nicht bemalt, und rasscnrein. Auch die Großmama von unserer Lola müsste wirklich arisch sein. Und dann schenkt dir die Lola stets ein Kind im Monat Mai, das; die deutsche Hitlerjugend blühe, wachse und gedeih'."— Ticö ist dem„Nationalsozialistischen Liederschah", einem Liederbuch der Hitlerjugend, entnommen. MW M WM Vor dem Kampf in der Lederindustrie im Erzgebirge Seit mehr als zwei Jahren herrscht in der Handschuh- und Lederindustrie des oberen Erzgebirges eine schwere Wirtschaftskrise. In einzelnen Orten sind die Arbeiter bereits zwei- und auch dreimal ausgesteuert. Bittere Not und grostcö Elend ist in die einzelnen Familien des Erzgebirgsproletariats eingczogen. Die Krise und die dmnit verbundene ArbeitS- losiglcit nützten nun die Unternehmer aus, um die Arbeitslöhne herabzusehen. Seit dem Jahre 1930 wurden den Handschuhmachern die Löhne Jahr für Jahr abgebaut. Im Jahre 1932 sperrten die Lederfabrikanten ihre Arbeiter aus, tveil sich diese nicht bedingungslos ihrem Lohndiktate unterordnen wollten. Für d i e Handschuhmacher wurd en besonders im vorigen Jahre dieLöhneganzge- wattig heabgeseht. Nicht genug daran haben nun die Lederfabrikanten in Abertham und Aärringen. Ter Lohntcil des bestehenden Vertrages wurde aufgekündigt und ein lüpro- zentigerLo hu abbau gefordert. Am 1. März tvurde dann auch der Lohnteil fiir die Handschuhmacher aufgekündigt. Die Arbeiter lehnten aus Gründen des Selbsterhaltungstriebes jeden weiteren Lohnabbau ab, und schlugen die Verlängerung des bestehenden Tarifvertrages um ein Jahr vor. Die Ledcrfabrikante» aber tviesen bei den lebten Verhandlungen am 7. März da» Anbot der Unterhändler der Arbeiter ab und erklärten, das; die Tariflöhne unter allen Um- ständen herabgesetzt werden müssen. Nachdem die Unternehmer trotz der sachlichen Einwände der Arbeiter, auf ihrem Standpunkte verharrten, mußten die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen werden. Wenn es nicht im letzten Momente gelingen sollte, eine Einigung herbeizuführen, dann ist damit zu rechnen, daß eS schon in kür- zester Zeit zu einem schweren Lohnkonflikte in der Leder- und Ledcrhandschuhindustrie kommen muß. Mehr als 2000 Menschen würde» von derselben betroffen. Sollte dieser bevorstehende Lohnkonflikt sich nicht vermeiden lassen, dann müsste rS zu den schwersten Erschütterungen des ganzen WirtschastslebenS im ganzen Gebiete führen. Das Gebiet ist ohnehin durch die lange Krise und den Lohnabbau in den früheren Jahren bereits bart getroffen worden. Wenn es nun zu einem neuen Lohnkonflikte, der sich bei einigem guten Willen der Unternehmer vermeiden ließe, kommen sollte, dann tragen die Letzteren die volle Berant- tvortnng. schaftsinuscuma in Wien, Dr. Otto Neurath, über»Weltwirtschaftskrise mid Weltwirtschaftsplan". Reuraths mit geiswollster Dialektik und mitreißender Prägnanz vorgetragene Thesen münden in einem tiefen Pessimismus; er steht im Chaos dieser Gc- sellschaftS- und WirtschastSneuordnnng nur noch einen Ausweg, den— Krie g. Die Krise verschärft sich und alle künstlichen SichcrnngSmastnahmen der einzelnen Länder komplizieren nur die Situation. Wenn man in Brasilien.100.000 Tonnen Kaffee vernichtet, indem man ihn in Verbindung mit einer Tcerlösugg zu Briketts Verarbeiter, so ist das kein böser Wille, sondern der Zlvang ökonomischer Hilflosigkeit. Ueberaus instruktives statistisches Bildmaterial unterstützte die nationalökonomifchcn Aphorismen Dr. Reurath» in einprägsamer Weise. Da» Streben nach Autarkie, der Versuch, sich, unter Mißachtung der organischen Verbundenheit der Gesamtwirtschast, eigenmächiig von der Krise zu distanzieren, verschlimmert die Weltsituation. Es gibt keine Möglichkeit der Lösung unter diesem Systcni. Wir leben in der Situation des Mannes auf dem Pulverfaß, der Zigaretten raucht. Eine Menschheit, die cs bis jetzt maximal zu einer Gesamtorganisation von 28 Pro» zcnt gebracht hat, die von einer Krise in die andere taumelt und die— U. S. A.— von 300 Hochöfen nur 50 brennen läßt, ist, im augenblicklichen gesellschaftlichen Stadium zu einer erträglichen Lösung nicht mehr fähig. Die internationalen Beziehungen knüpfen sich nicht sester, sondern werden immer mehr zerschnitten, Symptome, die das Herannahen der krie» gxrischen Verwicklungen mit aller Deutlichkeit anzeigen. Eü ist vielleicht die stärkste Anklage gegen unsere WirtschaftSgestaltnng, daß stets mit dem Beginn de» Krixges die Krise endet. Masscnzerstöruiig erzeugt Massenbedarf, die Tötung von Menschen wird zur Produktionsanregung. Die Kriegswirtschaft ist der Friedenswirtschaft überlegen, sie arbeitet mit besseren AuSnützungSIocffizienten als. jene. GibtS es etwas Grausigeres als diese nüchterne ökonomische Feststellung, daß eine Wirtschaft erst dann ihre volle Kraft entfaltet, wenn e» ans gegenseitige Unibrin- gen geht—? Dr. Neurath skizzierte schließlich daS Schema eines WeltwirtschaftSpkanS, ohne zu ihm Stellung zu nehmen. Dieser Plan, der von der Voraussetzung ausgeht, daß es Wahnsin» sei, sich gegenseitig zu Tode zu konkurrieren, hat zum Ziel, gewisse ProduktionS- zcutren zu schaffen, die die Belieferung der gesamten Erde zu übernehme» haben. Indien und die Vereinigten Staaten übernehmen zmn Beispiel die Pro- duktioir der notwendigen Baumwolle, den Weltkäie produzieren Kanada, Holland und die Schweiz, die Butter liefert u. a. Dänemark... Bon dieser Plänarbeit, dieser internationalen Arbeilsteilung, so schloß der Redner unter stärkstem Beifall seiner aufmerksamen Hörer, entfernen wir uns jedoch iigmer mehr. Wir werden unter allen Umständen mit der Entwickkmg zur Katastrophe zu rech- I neu haben. Nach diesem grausigen Zwischenspiel wird jedoch ein» mit Gewißheit kommen: eine neue, sinn- nnd zweckvollere Ordnung der Dinge. Ais. I» der Strassenbahn gestorben. Gestern nachmittag tvurde die 70jährige Frau Hermine de Tschandel-Choissiers in der Straßenbahn plötzlich von einen» Unwohlsein befallen. Die Greisin verlor da» Bctmißtsein. An der nächsten Haltestelle— am Platz der Republik— alarmierte man die Rettungsstation. Doch konnte bei der alten Dame nur»»och der bereits eingetretene Tod festgestellt werden. (icndrtssaal Internationale Taschendiebe Prag» 0. März. Der Beruf der„ i n t e rn a» tionalen Taschendiebe" wie sie tu den Polizeirelationen bezeichnet toerden, hat de»» Vorteil, daß seine AnSübcr durch keine Krise in ihrer Tätigkeit gehenlmt werden. Es gibt auch in der Zeit des furchtbarsten Massenelends wohlgespickte Brieftaschen, die diese Fachleute zu finden wissen. Ob die Geldscheine, welche diese Brieftaschen füllen, immer in der saubersten Weise ertvorbcn wurden, ist eine andere Frage. ES gibt ja Fon»»«»» des Diebstahls, für die noch kein Strafgesetz einen Paragraphen gefunden hat. Vorläufig kann also der Berichtssaalreferent nur von Vertretern des primitiven DiebSgewerbeS berichten, auf die der Arm deS Gesetzes fiel. Heute waren eS zwei Vertreter der Taschendieb S- z u n f t, die einer straffen internationalen Organisation angehören, einer Interessengemeinschaft, wie sie z. B. die internationalen Tnist und Kartelle auf anderem— aber natürlich hochachtbarem— Gebiet eifrig pflegen. Auf der Anklagebank saßen heute vor dem Se« nat Tisek, der R»»mä»»e Stephan Georgesku und ein gewisser Marek Bax«.beide 42 Jahre alt und Taschendiebe von Beruf. Verhaftet wurden sie im Kassenrmnn der Landesbank, Ivo das geschulte Auge eines dort diensttuenden Detektivs sie qls verdächtig rrkam»te. Nach ihrer Vorführung stellte sich heraus, daß beide im Besitz falscher Bässe waren, lautend auf die Namen Ladissav L e t s ch e r und Mathias Laszakosz. Die daktyloskopische Abteilung der Polizeidirektion lüftet aber alsbald durch Vergleichung der Fingerabdrücke das aus guten Gründen gewahrte Inkognito der beiden und stellte fest, daß eS sich um zwei„Internationale" schweren Kalibers handle. Obwohl, ihnen vorläufig keine Straftat nachgewiesen werden konnte, forschte die Polizei: doch weiter, wobei sich hermiSstellte, daß kurz vorher(am 28. Dezember v. I.) im Schalter- raun» der Eskomptebank ein Taschendiebstahl an einem Herrn Ernst Brock verübt worden war, wobei der. Genannte eine Brieftasche mit 2025 l<£ einbüßte. Bei der Konsrontation erkannte der Bestohlene in dein Angeklagten Georgesku»nit Sicherheit den Mann, der sich in der kritischen Zeit in ausfallender Art an ihn gedrängt hatte. Auch midere Indizien bc- lasteteten den Georgesku und den zweiten Angeklagte»». Ei»» angebotener Alibibeweis brach kläglich zusamnien. Das Resultat der Verhandlung bestand in der Zudiktierung einer schweren Kerkerstrase in der Dauer von fünf M o n a t e n für Georgesku, tvährend sein Helfershelfer»nit drei Monate»» davo»»kam. Neber Georgesku, der schon früher einmal aus dem Gebiete der Republik ausgetvicsen tvurde, wurde neuerlich die Ausweisung für stnmer auSge- sprochen. Kunst und Wissen Leopold Kramers Bühnenjubiläum Mit einer Neueinstudierung deS LustspieM „Das Konzert" von Herniann Bahr feierte daS Ne. u«Deutsch«Theater das vierzigjährige Bühnenjubiläum Leopold KrmnerS. Die Wahl fiel auf dieses Stück wohl hauptsächlich, weil Kramer in der Rolle des alternden, dennoch oder eben deshalb von den Frauen uinworbencn Klaviervirtuoseu einmal erklären kann:„Ich danke noch lange nicht ab": daS Publikun» verstand auch die Anspielung und brach prompt ii» Beifall a»»s. Zwischen Leopold Kramer und Hermann Bahr gibt cs aber noch tiefere Beziehungen: sie gehören beide, der eine als Schauspieler und Direktor, der andere als Dramatiker und Kritiker dein ein bißchen witzigen und ein bißchen melancholischen, ein bißchen boshaften und ein bißchen sentimentalen gutbürgcr- lichcn llnterhalrungstheater der Vorkriegszeit an, dessen Darbietungen, an heutigen Erzeugnissen wie „Towarisch" geniessen, wahre Mcistertverke der dramatischen Kunst, ehrsurchterregende Gipfel deS guten Geschmacks gewesen sind.!>n den Stücken Her- »nann ÄahrS, in den Komödien Arthur Schnitzlers, besonders in„Anatol", in den ersten Gesell- schaftedrainen Franz Molna rS, im Teufel", im „Gardeosfizier", in„Herreninode", hat der Schauspieler Leopold Krainer in Prag und im Deutschen VolkStheatrr in Wien seine größten Erfolge errungen, und Theater dieses Stils zu machen, Theater, daS der Unterhaltung dient, aber noch nickit vollkom- men entgeistigt ist Ivar mich die leitende Absicht seiner Direktorentätigkeit. Die kultivierten Koniödien eines behaglichen, sorglosen BorkriegStheaterS sind vc.-funken, aber der Tcha»»spiel«r krainer ist geblieben, ein eleganter Darsteller unwider'whlichec Herzensbrecher, ein Bühnenkünstler von einer selten gewordenen Noblesse und technischen Ueberlegenheit des Spiels. Das„Konzert" Hermann Bahr, als Theaterstück ivohl verstaubt, aber wegen mancher gescheiten Malogstelle noch immer nicht reizlos geworden, gibt.Kramer Gelegenheit, einen verwöhnten Star z»» spielen, der trotz der wachsenden Zahl der Jahre weder vom Ruhm, noch von der Jugend und schon gar nicht von den Frauei» Abschied nebmen will: der persönliche Scharm Äraniers macht diese abgebrauchte Figur auf dem Theater wieder möglich, seine Charakterisierunaskunst leiht ihr Lebe»» und innere Glaubhastigkeit. Gerda M e l l e r spielte die Gaiti»» des Virtuosen, die alle Abenteuer ihres seitensprungbereiten ManneS verzeihen n»»»ß, mit fraulicher HerzenStlug- heit, Hans Götz einen gutmütigen Narren, der gar nicht so dmn»n ist, wie er erscheint, einen ii» die Ge- sellschaftskmnödie verpflanzten VolkSstück- Wurzel, mit einer bezwingenden komischen Gestaltungskraft, die nicht allein in» technischen Können, die in» Gemüt wurzelt. Maria Ezamska bemühte sich um die Darstellung eines albernen verliebte»» junge»» Frauchens; die Rolle lag ihr gar»richt, i»»»n»erhiu bewies sie an einigen Stellen Ansätze von Talent. Rudolf Stadler holte aus einer derbkomischcn Chargenfigur mit bewährten Mitteln starke Heiterkcitstvirkungen; Grete Berndt zeigte, daß man-auch eine winzige l Rolle leicht verderben kann. Leopold Kramer erhielt eine Fülle von Blumen- spenden und dankte nach den» zweite»» Akt den, Publikum in einer gereimten Festrede für die Anhänglichkeit, die e§ ihm in den vier Jahrzehnten seiner Schmlspielerlaufbahn bewiesen und erhalten har. F. R. Kunftvrrein für Böhmm(II., Pötrossova 12). Die Ausstellung des Radierers I. K o»»»»p e k, die meistens Grafik religiösen Inhalts enthält, erfreut sich lebhaften Interesses. Geöffnet täglich von 9 bis 17 Uhr. Kataloge 5 KC-, illustriert 30 KC. Wochensplelplan des Neuen Deutschen Theaters. SaniStag halb 8 Uhr: Der junge Baron NeuhauS, BI.— Sonntag halb 3 Uhr: Das Konzert, Arbeitervorstellnng, halb 8 Uhr: Boris Godunow, D 2.— Montag halb 8 Uhr: Der Brief, Ensc»nblegastspiel Turieur, A 2.— DienStag halb 8 Uhr: Towarisch, volkstümliche Vorstellung, AA.— Mittwoch halb 8 Uhr: Turan- dot, Erstaufführung, BI.—. Donnerstag halb 8 Uhr: Die göttliche Jette, C 1.— Freitag halb 8 Uhr: Das Konzert, Abschiedsvorstellung Leopold Krmner, AA.— Samstag halb 8 Uhr: Turandot,A2.— Wochenspirlplai» der Kleinen Bühne. Samstag: Leopold Krmner: Das Konzert.■— Sonntag 8 Uhr: D i e g r o ß e C h a i» c c, Erstaufführung.— 8 Uhr: Die große Cha»»c«, Era»»sführung.— Montag 8 Uhr: Weißer Flieder.— Dienstag halb 8 Uhr: Gastspiel Leopold Kramer: Papa.— Mittwoch halb 8 Uhr: Vo,» never can tell, Ensemblegastsviel der English VlayerS.— Donnerstag halb 8 Uhr: Anthony and Ann, Gastspiel der English PlayerS.— Freitag 8 Uhr: DieTra- fik ihrer Exzellenz, KulturverbandS- freunde und freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: DiegroßeChance.— Vorträge Religion und Sozialismus. In dieser Zeit der Haubiyenchristen und des fascistischeir Gottesgnaden- tu»Ns liegt cs für einen sozialistischen Redner, der sich mit der Üteligion befaßt, sehr nahe,-nie scharfe Polemik gegen den moralischen Anspruch des Ueber- sinnlichen und seine politische Auswertung durch die Kirche und Diltatnr zu führen. Aber Genosse Dr. Franzel, der im Rahme»» des volkstüinluhen Kurses unserer Prager BczirkSorganisation über kul- turclle Fragen«Unsere Stellung zur Religion" behandelte, vermied das allzu Naheliegende: sein Vortrag beleuchtete die philosophische Problematik de» Gottesbcgriffcs, die historische Rollender Kirche und die psychologische Wirkung kuliischer Handlungen, un» so von der Tiefe her die Stellung des Sozialismus zur Religion zu begründen, die oft nur mit obcrsläch- lichen Schlagworten befestigt wird. Der Vortragende zergliederte das Gefüge der Religion in jene Bestandteile, in denen die Vernunft sie erfaßt: in die Metaphysik deS Göttlichen, in die Ethik der religiösen Gebote und in die Gesühlswclt des gläubigen Menschen. Der Redner warnte davor, sich bei der AuS- einandersetzung mir dem Gottbcgrisf platter und tviffenschasrlich überholter Argumente zu bedienen— denn so wenig die Existenz Gottes zn beweisen sei, so wenig sei auch seine Nichtcxijtcnz zu betveiscn. Was die Kirchen, aut diese»» Unbeweisbaren»n»d Unwiderlegbaren fußend, der Menschheit an Sittenlchren geboren haben, müsse der Sozialist historisch verstehe» und mit dein Hinweis auf die geschichtlichen Wandlungen kritisieren, die das..ewige" Sittengesrtz mit den Eniwicklungsphasen der Herrschenden Gesellschaftsklasse dnrchgemacht hat. Und dem gläubige»» Gefühl müsse der Sozialismus seine eigene Begeisterungskraft in Formen cntgcgenstellei», die nicht äußerliche Nachahinungcn, sondern schöpferische Neugestaltungen sind. Die Versuche der religiösen Sozialisten, eine Beziehung des Marxismus zum Christentmn herzustellen^ kranken nach Meinung des Redners an der historisch unzulänglich begründeten Vorstellung von» Urchristentum und an der Neigung, niit der Bewahrung des religiöse»» Gefühls zugleich die dem Sozialismus strikt widerstrebende Autorität der Kirche anerkennen zu wollen, während die Freidenker allzu oft in die fehlerhafte Taktik verfallen, mit den wissenschaftlich veralteten Arguinentcn des Mechanismus und mit den»»»brauchbaren Waffen der Spötterei Gottglauben und Frömmigkeit zu bekäinpfen. Dec Vortrag, der mit der These schloß, daß sich das religiöse Problem erst in der sozialistischen Gesellschaft mit der Befreiung der Ethik und der Gefühlswelt von kirchlicher Macht und mit der Beschränkung des GoiteSproblemS auf die Erkenntnistheorie endgültig löse»» werde, erweckte eine lebhafte Diskussion, in der aus die positiven Leistungen der Frcidenkerbewcgung, auf die Gegenwartsgefahr des Irrationalismus und auf die Notwendigkeit hingcwicfen wurde, mit den Erkemünissen der modernen Wissenschaft die Aufklä- rungSarbeit wirkfainer zu rühren als mit den libcra- listisch-mechanistischen Theorien des vorigen Jahrhunderts.—eis— Aus der Partei Sozialistische Wend, Kreis Prag Sonntag im Parteiheim Nationalstraße Nr. 4, 2. Stock, Z»»s a n» m e n k n n f t aller Prager S. I.- G r u p p e n. Jwangsloser Heimbetrieb(Brettspiele, Musik, Lieder usw.) ab 0 Uhr abends. Montag 8 Uhr in» Parteiheim Sitzung dec Kreisleitung. VerelnsnadirMitcn Ortsgruppe Prag: Sonntag, 1l. März, Endstation der Fünfer in HloubMn. Führer K a p u s ch i n s k i. Treffzeit um 0 Uhr. jA, Alles in dir Vorturnrrstn»»dc, die Genosse Grasse..der tech- nische Leiter unseres Bunde», ÄPCTThl Samstag und Sonntag bel uns leiten wird! Am Progra»nn» sind: Für die Kinder Freiübungen und Bcrcinstvetturnen, für die Frauen Tänze und Vereinswetturncn, für die Männer Fahnenübungen und MannschastSwetikämpsc, weiters die gemcinsainen Freiübungen der Frauen und Mäüner für die Olympiade, GamStag, 10. März 11)34 Cdte7 BEILAGE Frau von 1934 £ B ohne die zwei keine waiche! Tränen— Sie hat VERLANGET UEBERALL II Carl Müllers Nacht, M. Schönberg 100 2835 MAROA RIF1 EWER* Kauft nur bei unseren Inserenten! christliche» die Zenter» Sparen mH Anzeigen heilt der Inseriernden . nkurrsni heiter wirtschaftet, den Boden geschrubbert, die Teppiche gebürstet, den Ofen geheilt u. GaS- oder gar noch Petroleumlampen angezündet hat, Weitz die Er» -rungenschaften der Neuzeit, ihre Bedeutung für das eigene Ich zn schätzen. Der Staubsauger, das elektrische Licht, alles Geschenke der Technik und leider noch innner nicht im verdienten Matze an» gewandt(was wiederum in daS Kapitel„Woh- nnngsmisere" gehört), tragen unerhört zur Nationalisierung deS Haushaltes, zur Ersparnis an Zeit und physischem Austvand bei. Besonders Frauen, die arbeiten, die früh morgens aus dem Haus gehen und spät abends wiederkommeu, loisscn daS Behagen der Technil zu schätzen, lind. cS sind nicht nur die grotzen, soeben hier auf» gezahlten Dinge deö Haushaltes, die zur Be» gucinlichkeit des Wirtschaftens beitragen. Da gibt es auch eine Menge unendlich praktischer Kleinigkeiten. Angefangen vom nichtrostenden Messer bis zum elektrischen Kocher und Brotröster. Bon der selbstschälenden Kartoffel» bis zn feuer handlichen Maschine, die alles, Wurst, Brot, Fleisch schneidet, zermahlt und die— weil ebenfalls rostfrei— sehr leicht zu säubern ist. Neben der Technik deS Haushaltes ist— wenn man so sagen darf— die Technik der Kör- perpflegc unentbehrlich. Gynmastil. Kosmetik, Massage. Drei Dinge, die sich sehr kostspielig an- hörcn und cS doch nicht sind. Die Frau von 1934 Für die Gesundheit des Kindes ist ein.uveck entsprechendes Schutuverk sehr tvichtig. Biete Kinder vertrete» leicht die Absätze. DaS Gehen auf schiefgetretenen Absäben gefährdet aber die zarten Knöcheln des.stiuderfusgiö. Den besten Schuh ge. lvährcn Berson Coneatz-Absätze. Sic schonen Nerven und Muskeln und verhüten zu schnelle Ermüdung. Auch sind Berson Concav-Absähe besonders dauerhaft und billig. 100 Sie braucht das für ihren Beruf, für ihr Heim und— last not least■— für sich selbst. Vernünftige.Kleidung, hygienisch, sportlich, zweckmässig, vom Trottcurschuh bis zur Kappe — darauf kommt cS' an. Die moderne Frau kauft keine teuren Sachen. Erstens lveil sie eS sowieso nicht kann und zweitens, weil cS sinnlos ist. Die Mode wechselt, umarbeiten kostet viel Geld. Lieber citvaS Billigeres, von dcnt man sich ein Stück mehr leiste, und das nachher leichteren Herzens abgelegt wird. Es ist gesünder, nichrerc Paar billigerer Strümpfe zn besitzen alü zwei Paar sehr teure. Oft tvechseln, oft lvaschen — das ist hygienisch. Die Frau von 1984 hat eins doppelt schwere Ausgabe zu lösen: sie mutz ihr knappes Budget init unentbehrlichen Bedürfnissen in Einklang bringen. Sic soll es verstehen, bei sparsan>stcm Verbrauch dennoch fortschrittlich und rationell zu lvirtschaften. Man verlangt, datz sie eine moderne tadellose Leiterin deö Haushaltes, sorg» same Erzieherin ihrer Kinder, vollwertige Be- rnfSkraft und zu alledem noch eine hübsäse an» mutige Frau sei. Keine leichte Sache! Tatz tS dennoch einem grotzen Teil gelingt, mag tvie ein Wunder anmuten. Aber eö ist vielleicht gar lein Wunder. ES ist vielleicht nur— Technik! Katja. Auch in der Schweiz geht rS vorwärts? Trotz der Wirtschaftskrise, die sich auch in der.Schwciz bemerkbar macht, hat der SatuS auch im Jahre 1983 wieder 87 B e re i n e gewönne n. Auffällig ist hierbei, datz darunter 17 Sporwereine sind. Die sportliche Betätigung ist in der Schweiz in den letzten Jahren sehr in die Breite gegangen, darunter vor allen Dingen der Wintersport und die Leichtathletik.— Für die Masscnübungen zum Der- bandsfest in Luzern gibt der Verband Schallplatte» heraus. Am 11. März findet in Zürich der erste Grob-Country(Geländelauf) statt. Die VOLKS ZUNDER SOLCH' der erste Grob-Country(Geländelauf) Strecke beträgt 8900 und 6000 Meter. ASkö-Eigentum gerettet. Datz die Kinder- und Franemnörder u. a. auch tralorganisation der Arbei sportler, den Askö, e i n st e l l t e, ist ja be» kann!. Weniger bekannt wird aber sein, datz die Horden Dollfutz', Feys und Starhembergs nichts weiter machen konnten, als die G e s ch ä f t s r ä n m e der einzelnen Organisationen zn versiegeln. Gefunden tvurde in den leeren N ä u m e n nämlich nichts, denn die österreichischen Genossen hatten i h r Eigentum schon rechtzeitig in Sicherheit gebracht und nnn schimpfen diese Herrschaften über diesen Neinfall... Frau von 1934— das bedeutet, mitten in einer Epoche technischen Aufstiegs und kulturellen Niedergangs zu leben. In einem Jahr der Not, des inneren Zerfalls, des Widerstands aller reaktionären Kräfte, der Entfesselung bösartigster Eleinente. Im Rahmen Ivcltgeschichtlichen Geschehens war die Frau ineist Objekt, nicht Subjekt. Ausnahmen bestätigen nur die Regel. Wir kennen ein paar Frauen, die durch ihren Geist, ihre Machtgelüstc, ihre Eroberungssucht, ihre tüntz- lerischcn Fähigkeiten, ihre LiebcSvegabtheit in die Ewigleit der Historie eingegangcn sind. DaS Jahr 1984 kennt keine lauten Heldin« ncn. Um so mehr wcitz eö von stillen. Die Frauen in Wien, die niit auf die Barrikaden gingen und die heute das Sterben ihrer Männer heroisch-lautlos tragen. Bis zu dem Tag, dec kommt... Frau von 1934 heitzt„Kämpferin des Alltags" fein. Kein gering zu lvertender Kampf. Kein zu unterschätzender. Denken Ivir nicht an die Kategorie von Weiblichkeit, die eö— leider— immer noch gibt. Eng der Horizont, durch Besitz erbarmungslos und bis ins Herz ohne Gefühl für das, was rings umher vor sich geht. An Geschöpfe, deren Stunden allein in Nichtigkeiten dahinfliehen. Sie sind uns fern, lvir haben mit ihnen nichts zu tun. Es ist auch ein sterbender Typ, nickt charakeristisch für unsere Zeit, für unsere Epoche, für— 1084. VonKofd VOR ERMODUNG OER NERVEN UND MUSKELN SCHÜTZT SIE DIR NIUI WECK das ist die Qualit&tsmarke für Ein- kocligläscr u. Einkochtöpfe. Die Preise wurden erneut gesenkt und WECK war nacls nie so null«. Hauptversand: 2323 asTj*» Sport• Spiel• Körperpflege Aibellersportkchule— Landcssportschule „Uebernahmr" durch Land Sachsen Die Arbeiter-Turn- und Sportschule in Leipzig ist nun vom sächsischen Staat„übernommen" worden. In einer weiteren ZeitungSmittellung wird darauf aufmerksam gemacht, das; die Arbeiter-Turn» und Sportschule in Zukunft„Sächsische Landessport» schule" heißen soll. Leiter der Schule soll Professor Altrock von der Leipziger Universttät werden. Di« Schule soll der gesamten sächsischen Sportlerschaft zur Verfügung stehen und eine ForschungSanstalt werden. Der von den Nazis so oft beschimpfte„Prunkpalast". der von der S.A. so lange geschändet wurde, wird nun eüie Exerzierschule deS, bürgerlichen Sportes und der deutschen K r i e g ü r ü st u n g werden. Die Tätigkeit der Arbeiter-Turn» und Sportschule wird mich gelegentlich von den Nazis anerkannt. In Nr. 34 der gleichgeschalteten.Hokzarbei» terzeitung" wird in einem Artikel über„Der Ertrinkungstod und seine Bekämpfung" auf die wertvoll« Arbeit der Arbeiter-RetlungSschwimnter aufmerksam gemacht u. darauf hingewiesen, datz die A r b e i t e rspar t l e r im Jahre 1932 über 1000 Menschen vomErtrinkungütod gerettet habe». Vielleicht erforscht die neue Landeosportsd>ule, datz die Geretteten nur Kommunisten ivaren und datz mm die anderen hat ersaufen lassen. B e z u g S b e d i n g u n g e n: Bei Zustellung tnS Haus oder bei Bezug durch die Bost monartich KS 10.—, vierteljähng KC 48.—. halbsährrg KC 06.—. ganz,ädrig KC 192.—.— Inserate werden tau, Tarts billigst berechnet. Bei öftere» Einschalmngen PretSnochlatz.— Rückstellung von Manustripten erfogt nur bet Einsendung der Newurmarken.— Die Zeitnngtzirankatur wurde von der Post- und-elegrapyen» direktion mit Erlatz Str. 13.800/VH/1030 bewilligt.— Druckerei: ,^0rbiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag. rilmi» in Prager IMKnlsUlSur-ni «8-inschliehlich Donnerstag, den 15.. M2« Alfa: Beherrscher der Urwalde« — Gaumont: Mitteilungen aus dem Publikum. Zur Desinfizierung der MundhShle und «tmungowege venvvt man Aipa-Franzbranntwein als Gurgelwatzer. Er schützt vor Ansteckung. Einige Tropfen in ein GlaS Wasser genügen. ,00 Trauerkleidung für Damen und Mädchen in der separaten Trauerableilung der Finna Busch, Prag l., Pkikopy 27. Eingang nur innen ün Haus, l. Stock! Einzigartige Auswahl I 2880 DaS Geschäftshaus F. n. O. Heller, dem Von Karlsbad ein guter Ruf vorauögeht, das durch feine vi« ljährliche Tätigkeit es zu. ansehnlicher Höl,e brachte, eröffnet in Prag l., Malt näm. 486, ihre neuen Lokalitäten. Möbel, Teppiche und Vorhänge i in reichhaltiger Auswahl. 2885 Die Frau, die in den Frühling 1984 geht.| wcitz. datz eö für fie wichtig ist, gut auSzuschen. ist eil. gerader, tapferer Mensch. Ein wenig ohne Illusionen, nicht gerade heiter, aber dennoch— wenn auch nur manchmal unter lächelnd. Diese Frau ivcitz, datz leben viel 3te- alität und wenig Romantik bedeutet. innner gearbeitet, meist auch svährend ihrer Ehe, sie arbeitet heute noch, falls es nicht ein weitaus schlimmeres Los für sic gibt: nämlich■— arbeits los allein oder in der Gemeinschaft ihres Mannes zu sein. Man keiint viele solche Frauen, man be gegnet ihnen alle Tage und zu jeder Stunde, mit unter wundert man sich, datz sic trotzdem noch hübsch, nett und gepflegt aussehen. Man fragt sich ost, ivio machen sie eö nur, datz Sorgen sie nicht rasch verblühen liehen, datz all der Kummer sic nicht schnell verblühte. ES liegt an so inanchein, datz eS nicht ge schieht. ES hängt zusammen mit Dingen von an scheinend verblüffender Extremität. Z. D. mit Technik. WaS haben Technik und die Anmut einer Frau miteinander zu tun— könnte einer fragen. Man muh ihm die Anttvort geben: viel. Technik besitzt den grotzen Vorzug, datz sie daS Leben leichter macht. Sie kann ihm keine innerliche Beseeltheit geben, aber sie schafft ge wisse BorauSsetzungcn zur Entspannung und znm Behagen. Da ist u. a. die Technik des Haushaltes. Wer jeinals an einem Kohlenherd ge- „Cafanova."— n«ur« Gesicht— ein neues Gerät Bolt 35». Der Bali 88 ist ein Empfänaer mii Kurzwcllenteil, Der Bali 85 ist ein Empfänger mit Kuzwellenteil' welcher nach den neuesten technischen Erruugen- schnften konstruiert wurde. Er ist ein Mehrkreisempfänger mit unglaublicher Leistung und sein niedriger Preis wurde nur durch die riefiggrotze, serirumatzige Auslage ermöglich:. Bali 35 ist«in Gerät für SSeltempfang. Die Telegrafia A.-G. in Pardubitz baut diesen Apparat nach System Schaub bollkonnnrn aus heimischem Material, so datz Bali 35- effettiü heimisches Produkt ist. Den Gcne- ralvertricb dieses neuen Apparates für die Tschecho- sloivake! hat ivie bisher die Firma!>!. Steiner, Brünn, Krön,i 54, ivelche diesen Apparat auf der Prager Mustermesse auf dem Slmtd 13064 Radio- Messe ausstellt. 288 l ...8. März. - Avion:„Tarzan, der — Beränek:.Der kleine Hollywood-'Sirzk"-««wne Katharina."— orffteBe Katharina."—» a pl: Der nein» fr,•! kleine König."— Staut: vllvedere.«Ä~*">'«>--Die Sintflut."- «tarier"Ä‘:K ,e 5 1’ Illusion: H-^NS"" Sib°-“ üibB:^er Rus de« BM.ch Sie sehen KW* * ti«»1ehUK» n 8U b xo*a Samstag, 10. März 1934 Nr. 58 MWfiEM Kleidung mit schriftlicher Saranti« \ Ott, Htutf Geriete JA38 Drabit a e f le ch.t e Höchste Leistung- niedrigster Preis (kleiner Altstädter Ring) l (Buschi BENZIN *► Der neue große Speisesaal zur Mustermesse bereits geöffnet! Hefe. Malipräparate Olomalt? Maismehle I I I I ■ HUbcrnshd al. 44 nach Pariser u. Wiener Original- Modellen in Mänteln, Complets, Paletots, Kostilmen, Kleidern, Blusen fllr Damen und Mädchen sowie in Kinder-Kleidchen und Mänteln Unverbindliche Besichtigung erwünscht Wir veranstalten ein großes Preisausschreiben. 1. Preis K{ 2.000*— In barem. 150 weitere Preise In Qualitäts-Kleidung. Näheres In den bezeichneten Schaufenstern ab Donnerstag 15. März. Billige Preise— aber nur gute Qualitäten Verkaufsstellen: VAclavske nämCati 7; Ccletnä 2; Weinberge, Mirovd nämfisti, Palais Waldek; Revoluönl, Palais Kotva; Strafinice; 212kov, Podöbradovä 41; LibeA, Primatorskä 147. 1 s ■ Z L r l Bei jedem Radiohändler auch auf bequeme Teilzahlungen Prager Mustermesse 11.-18.3.1934 Radiomesse Stand 13064 GeschSftseröffnrtng am 12. März 1984 Frühjahrsneuheiten GENERAL-REPR. FÜR DIE CSR.: R. STEINER, BRUNN KRONA 54 Das Mehrkreiswunder für kurze, mittlere und lange Wellen bringt zum Eröffnungsverkauf staunend billige 2836 Möbel> Teppiche> Vorhänge Freie Besichtigung Keine Preiserhöhung sondern Preis-Ermäß’gung bei verbesserter Qualität und schriftlicher Garantie I Überzeugen Sie si.hi Die richtige Brille Optiker Deutsch Prag II., Prikopy, Palais Koruna TELEGRAFI A SYSTEM CHÄUIB KRALUPOL Für Wechselstrom Kc 1650*- Für Gleichstrom Zuschlag Kc 40*- Prag, Prikopy 27 6(Mitte des Grabens) Eingang Im Hause nur Im'. Stock BÖHMISCHE UNION-BANK (VEREINIGT MIT DEM ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK-VEREIN) Zentrale In Prag AkHriopltal« r00.000.000- tamM U 201.550.000— FILIALEN; Asch, AhmIs, Bodonbaoh, Bölimlsch-Budwel», Bratislava, Braunau I. B., Brünn. Brüx, Frelwaldau, Fry- **, das neueste vom neuen. \,£wd" der moderne lose E lan leI, elegant nd praktisch. (jdbacci. 145-— 195— La-L Äo# 175'- 250- 250 350- *uc tei Bad Liebwerda targbelrge Herz-, Rheuma-, Frauenleiden. Nervllee, Erholungs- bedürftige. Heilung und Ferienaufenthalt. Niedrige Preise. Auskünfte Kurverwaltung und durch E. Sojka, Prag XI., Tomkova 15, Telefon 321-72 Chitz und Meiler Firnis- n. Farbenfabrik PRAG II JEMLERjRJHIRSgH PILSEN Zwischen den Weltkriegen 32 Seiten mit einer Karte des Fernen Ostens. Die Kriegsgefahr in Asien und das Schicksal . Europas.(Letzter SOS-Ruf fUr Europa). Jeder lese diese Broschllrel KC 2.— Auslieferung: Zentralstelle liir das Bildungswesen, Frag XII., Slezskä 13