HAlniofca afcademie 14. Jahrgang Sonntag, 11. MLrz 1934 Nr. 59 ElvnfprBit 70 Mftr (•InKhll.Mkh S HWI« Port») IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii., fochova«. tilefon sjopp. Administration Telefon 530/4. HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR> WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR< DR. EMIL STRAUSS. PRAG. \ p r aha 11* -» narnaka ul-*?• „Christliche“ Nächstenliebe Die Hungerpeitsche gegen alle Dollf uss*Gegner Winkelried- fcfiutxbund Laßt hören ans alter Zeit, Von kühner Ahnen Heldenstreit, Von Spcerwucht nnd wildemTchivertkanyif, Wie«, 10. März. Die Regierung Dollfuß geht in getreuer Nachafsnng der Hitler-Methoden »««mehr auch an die brutale Verfolgung von Sozialdemokraten in Privatdiensten. Der kürzlichen Verordnung, wornach Rechtsanwälten, Notaren und Aerzten, die sich„gegen den Staat" vergangen habe«, die Ausübung ihres Berufes verboten werde« kann, ist gestern eine weitere gefolgt, durch welche eine Entlassung von Pridatangestellte» und Arbeiter« ans der Arbeit ermöglicht werden soll,„w««a sie in irgendeiner Weise gegen den Staat«nd gegen die Regie- rnng(!) anfgetrete«" sind. Die Regierung wird, wie offiziell angekua- digt wird, gegen diese Privat angestellten in ähnlicher Weise vorgehen, wie gegen die StaatSange- stellte«, insbesondere in Fällen, wo es sich um eine Teilnahme an Demonstrationen oder»m eine Tätigkeit für verbotene p0litt s ch e P a r t e i en handelt. I« konkrete« Fälle« werden die Behörde« angeblich de» Unternehmern„entsprechende Weistmgen" erteile«, an die sich die Arbeitnehmer werden halten müsse«. Fer«er ist auch eine Verschärfung der Bestimmungen der Gewerbeordnung geplant, die es de« Unternehmern ermöglichen soll,-Arbeiter »nd Angestellte, die i« den Betriebe« und Fabrik«„Unruhe" Hervorrufe«, zu entlass«. „Säuberung“ der Geschworenerbttnke Endlich hat der Ministerrat Vorschriften zur„Ueberprüfnng" der Geschworenenbänke und der Schöffengerichte für daö heurige Jahr erlassen. Sie sollen von jenen„Elementen""ge- sänbrrt" werden, die wegen eines„nicht einwandfreie« staatsbürgerlichen Verhaltens" oder be- scholl«« Lebenswandels die Eignung znm Richteramt nicht besitzen. Anf diese Weise will ma« sich offenbar in dem bevorstehende« Prozeß gcgeu die sozialdemokratischen Führer vor Ueberraschnngeu sichern. Nazl-Entlassursen ans den Konzentrationslagern Dagegen macht die Annäherung an dir Nazi weitere Fortschritte. Wir die„Politische Korrespondenz" erfährt, konnte nach den Feber- Unruhen die Wahrnehniung gemacht werden, daß vielfach auch in den Kreisen der Rationalsozialisteit ein G es i nn nn g S um sch w nn g(?) eingetreten sei. ES wurde daher insbesondere in jenen Gebieten, in denen in der letzten Zeit keine nationalsozialistische» Terrorakte vorgekommen warm» eine Anzahl von nationalsozialistischen Parteigänger», welche die Erklärung abgegeben haben, das; sie sich in Hinkunft jeder verbotenen Parteitätigkrit enthalte» werden, vorläufig a u S den An Haltelagern entlassen. »* Dieser unerhörte amtliche Terror gegen Pri- vatangrstrllt« und Arbeiter, dir keines anderen „Verbrechens" schuldig sind als jenes, nicht zur alleinseligmachenden Front drö Herrn Dollfuß zu gehören, ist der Kartätschenchristen wahrhaftig würdig: Nach dem blntigm Massenmord der Feber, tage gehen diese Patentchristen nunmehr siistema- tisch daran, jedm Arbeiter, der sozialdemokratischer Gesinnung anch nur verdächtig erscheint, um seinen Arbeitsplatz zu verdrängen nnd damit erbarmungslos dem Hungcrtode preiszugeben, nur um die vielen Postenjäger auS den« Regiennigölager unterbringrn zn können, dir sich nun um die verheißene Belohnung für„treue" Dienste melden. Was die armen Teufel nachher anfangen sollen, daü schert natürlich die frommen Katholiken mit samt dem Hrrm Kardinal Jnnitzcr nicht im geringsten! Dnrch dies« unmenschliche Maßnahme wird selbst die Aera der ärgsten ToziaUstrnveesolgun- gen in den siebziger und achtziger Fahren des vorigen Jahrhunderts weit in den Schatten gestellt. Aber ebenso wir damals wird sich auch jetzt wieder daS Blatt einmal wenden. Und dann wird auch für die heutigm Machthaber daS harte Wort gelten: Wehe den Besiegten! Frankreichs Antwort am Dienstag Paris, 10. März. Einer Meldung drS „Zournak" zufolge, wird der französische Ministerrat am DimStag einm Beschluß bezüglich deS Textes der definitiven Beantwortung drS englischen AbrüstnngSmemorandumS fasten. Die Antwort wird sofort nach-^London gesandt«er» dm. Was macht Zita in Paris? Paris, 10. März. Exkaiserin Zita ist, wie der„Fntranstgrant" am Samstag ermittelt hat» schon vor einiger Zeit in Paris etngetroffm und bat in einem kleinen Hotel drö Boulevard Raspail Wohnung genommen. Erzherzog Otto» der sie begleitet hatte, ist vor vier Tagen wieder! nach Brüssel zurückgekehrt. Die Exkaiserin empfing zahlreiche Besuche. Einem Berichterstatter deö„Jntransigeant", der am Boulevard Raspail vorsprach, wurde erklärt» daß ihr Pariser Aufenthalt mit den Gerüchten von einer Wiedereinsetzung der Habsburger nichts zn tun habe. Ungewohnte Töne aus Rom Rom, 10. März. Sowohl die gestrigen, als auch die heutigen Blätter heben in ihren Zitaten auö Prager Blättern besonders den Umstand hervor, daß die italienisch-tschechoslowakischen Beziehungen in eine neuePhase einireten sollen, von welcher beide Nationen nach den demnächst stattfindenden diplomatischen Beziehungen g ü n- stigeResultatezu erwarten hätten. Die römischen maßgebenden Kreise kommentieren ja weiter"mit desto größerer Genugtuung die Erklärung des Ministers Dr. Benes, daß er im Einklang mit Belgrad und Bukarest zur Mitarbeit in der mitteleuropäischen Politik parallel -mit den Linien Mussolinis bereit sei. Der Reflex der fortschreitendm Verständigung zwischm Rom und Paris werde eine dem europäisch« Interesse rutsprechmde L ö» sung der österreichischen Unabhängigkeit sein. DaS italienisch-französische Uebereinkommen werde einerseits zur Annäherung Roms an die Klein« Entente füh- rm, andererseits zu dem Umstand, daß daö wirtschaftliche Donauproplrm im Grifte des Memorandums Mussolinis gelöst werden wird. Im Lichtkreis dieser auf Tatsachen gestützten Erwägung« hätten die bevorsteh«den Besuche GömböS' nnd Dollfuß' die Bedeutung eines bloßen Borspiele» zur eigrntliche» großzügigen mitteleuropäischen Aktion des Duce. Selbststeilung des Genossen Machold Der ehemalige Stellvertreter des Landeshauptmannes von Steiermark, der Sozialdemokrat Machold, der sich längere Zeit verborgen gehalten und sich so der Verhaftung entzogen halte, stellte sich SamStag bei der Polizeidircltion und wurde in Haft gciionimcn. Die Unruhe in Spanien hfilt an Madrid, 10. März. In Madrid sind wieder von Arbeitslosen einige Läden geplündert worden. Extremisten verbrannten anf der Straße einen großen Haufen bürgerlicher Zeitungen. Beim Eingreifen der Polizei wurde ein Tchnvmann verwundet. Drei Arbeiter der Zeitung„ABC" wurden von Streikenden schwer verletzt. In Barcelona treten beute nachts die Arbeiter des größten Elektrizitätswerkes in den Streik. H«te vormittags wurden der Vorsitzende der Sozialistischen Jugendvereinigung Spaniens verhaftet. »liier, Mussolini oder Habsburg— das Ist die Frage Von Schlachtstaub und heißem Blutdampf. Wir fingen heul ein heilig Lied; ES gilt dem Helden Winkelricd. Sempacherlied. Bei Sempach standen 1386 1500 Eidgenossen gegen daS Heer des.Herzog Leopold von Oesterreich, der 4000 Manu Reiterei und viel wohlgcrüstetes Fußvolk anftihrte. um die Freiheit der Waldstättc zu vernichten. DaS österreichische.Heer trat in der Ebene in geschlossener Schlachtordnung an. Von den Scmpachcr.Höhen stürmten die Eidgenossen herab. Die.Herzoglichen standen Mann an Mann gepreßt. An dein Lanzenwald des österreichischen Fußvolks drohte sich der.Hcldcnmllt der Eidgenossen zu verbluten. In höchster Not riefArnoldWinkclricd von Unterwalden:„I ch w i l l d c r F r c i h c i t eincGasse mach en, licbcEidge nassen, sorget für mein Weil» und meine Kinder!" Dann mnsing er einen Arm voll feindlicher Speere. Sic durchbohren seim: Brust. Im Fallen reißt Wiitkelricd die Speere nieder. Dio Bresche ist geschlagen. Die Eidgenossen stürmen vor und bezwingen die Ucbermacht. Winkclrieds.Hcldenruhm strahlt bis in unsere Tage. Immer wieder ruft die Freiheit einen Winkelricd zur Tat. DaS europäische Proletariat känrpft in der Defensive. Fünf Jahre Weltkrise haben seine gewohnten Waffen außer Kurs gesetzt. Der Streik schreckt die Bourgeoisie nickt mehr. Der sittliche Appell, der Rus nach sozialer Gerechtigkeit verhallt in dem Tollhaus des ver sinkenden Kapitalismus. Die Bourgeoisie isl wirtschaftlich und moralisch bankrott, doch sic verfügt über da§ ganze Arsenal der Lüge und der Brachialgewalt. An der Seite der klassenbewußten Arbeiterschaft steht das Recht und die Vernunft. Den Ausschlag aber gibt die bewaffnete Gewalt. Soll nun die bessere Sache unter liegen, weil Geld und Giftgas, Kanonen und Tanks in den Händen der kapitalistischen Miu dcrheit und ihrer Söldner sind? DaS ist die Schicksalsfrage, die jedes Sozialisten Hirn zerquält. In Deutschland wich die Arbeiterklasse der iiberlcgenen Gewalt, hassend, daß sie die große geistig-menschliche Tradition eines Kulturvolkes vor dem Versinken in völlige Rechtlosigkeit betvahre» werde. Das sausende Richtbeil, Konzentrationslager, physische, msra- lische, wirtschaftliche Vernichtung der Besten waren ihr Lohn und dazu der blutige Hohn der Sieger, selbstquälerische Zweifel und der unverdiente Vorwurf der Feigheit aus den eigenen Reihen. Die österreichischen Sozialisten hatten diese Tragödie vor ihren Augen abrollen sehen. Die ganze Bestialität des Fascismus, die Schrek- t'cn der Folterkammern und der Konzentrationslager erlebten sie als erschütterte Zeugen. Hitler, Goering und Goebbels haben den Vorhang der fascistischcn Verheißungen weggczogcn«nd die ganze grauenvolle Realität einer Hcnkcrdik- tatur vor der Welt zur Schau gestellt. So reifte in der Elite der österreichischen Arbeiterklasse der Entschluß: lieber mit der Wasfe in der Hand unterliegen, statt wiedcrstandSloö bezwungen zn tverden. Alle Merkmale stempeln den Ausstand der Schutzbündler zum Vcrzweiflungskamps. Hinter den Heimwehren und ihrer Regierung stand eine fascistische Großmacht, stündlich bereit, inö Land einzufallcn und das KriegSglück zu wenden. Im Rücken der Arbeiter warteten die Nazis auf ihre Stunde, gleichfalls gestützt auf das angriffslustige Hitlorreich. Von der zerfahrenen Front der europäischen Demokratien war keine Praktische Hilfe zu hoffen; die Solidarität der In- Seite 2 Sonnla«. 11. März 1034 «r. 50 rctntrfionöle konnte in den cittscheidenden Tagen dcS Kampfe? nicht wirksam sein. Nur auf ihr feierliäi verbrieftes Bürgerrecht und aus ihre reine Opfergtzfinnnng gestützt, nahmen die Schutzbündler den! ungleichen Kamps auf. Nur die Winkelrieü-Naturen griffen zu den Waffen des Frciheitskmnpfes, denn der Talgen drohte aus nächster Nähe, die Verheißung deS Siege? war fern. In den Reihen der Aufständi- schcn fehlte Has non der Konjunktur mitgerissenc Element, ivelcheö stets mit den stärkeren Bataillonen streitet und schon ost durch das Geivicht seiner Zahl BürgerkriegSschlachtcn entscheiden half. Cs fehlten alle, die wohl der Organisation zugehörtcn, sich aber der Sache nicht auf Leben und Tod verbunden fühlten. Dielen war der Weg in die FreihoitSfront durch äußere Hemmnisse versperrt, durch den überlegenen Nachrich- tcnapparat der Regierung, durch den Mangel an Waffen, durch vorzeitige Verhaftung der Kampssnhrer. Aufgcstanden ist die Blüte der o st c r r e i ch i s ch c n Arbeiterschaft, der herrliche GesinnungSsozialiömuS in der Partei. Und cs ivaren Zchntmisende, die Leben und Existenz in die Wagschale warfen und von dem Bewußtsein erfüllt waren, daß ihr Tod der Sache mehr nützen könne, als ein Wciterlcbcn in der Knechtschaft. In dieser Uebcrzeugung sind die Schutzbündler in den Tod gegangen, vor das Standgericht, unter den Galgen. Die als Helden gestorben sind, totwund aus der blutigen Wahlstatt blieben und die Kerker des christlichen Oesterreich füllen, haben die AbschiedSwortc Äinkclrieds tausendfach der proletarische» Well zugerufen: Ich will der Freiheit eine Gasse machen! Schmerz und Trauer ob einer verlorenen Schlacht darf dieses leuchtende Vermächtnis nicht verdunkeln! Es darf kein leeres Wort bleiben, daß die Schutzbündler nicht umsonst geblutet haben! Mag cs verfrüht erscheinen, die historische Bedeutung ihrer Winkelried-LeisNing zu würdi- gen, so kann doch heute schon gesagt werden: D i e s e v i c r K a m p f t a g e i n W i e n u n d Oe st erreich haben dieWelterschüt- t e r t. Wer die Dinge nur nach den innerpolitischen Konsequenzen in Oesterreich beurteilt, geht fehl. Der österreichische Bürgerkrieg wird in europäischen Ausmaßen nachwirken. Das Mono- pol des fascistischcn Bürgertums auf den Gebrauch bewaffneter Gewalt ist seit der großen russischen Revolution zum erstenmale gebrochen worden. Die Arbeiterklasse ist als militärischer Faktor auf die Bühne der Geschichte getreten. Der idealistische Anstrich der fascistischcn Bewe- gungen ist weggcspült. Wer kann nunmehr den tiefen idealistischen Gehalt der marxistischen Be- ivegung anzweiseln, nachdem um den Karl Marx-Hos in Wien vier Tage und Nächte ge- l'ämpst ivurde. da unter dem symbolischen Glanz dieses verfemten'Namens edles Proletarierblui i» Strömen geflossen ist? Zertrümmert ist die Hcldenlcgeude des JascismuS! Was ist der Hit- Icrjungc Quark neben den: Wiener Jüngsoziali- sten, der den Standrichtern hohnlachcnd zurief: „M ehralseincn Kopf habe ich nicht zu verlieren'l"? Was ist der nationale Heros S ch l a g e t e r, der die Kameraden den Franzosen verriet, gegen Ing. Weisel, der alle Schuld seiner Mitkämpfer mit ins Grab nahm? Wclch ein Abstand zwischen Hitler, der beim Putsch in München nach denr ersten Flintenschuß auf dein Bauch davonrutschte, oder M u s s o l i n i, der den Marsch nach Rom fluchtbereit in Mailand durchlebte und einem K o l o- man W a l l i s ch I Wie lächerlich stehen heute in Oesterreich die nationalsozialistischen Papierböller Werfer neben den Schutzbündlern da, die tagelang den Kartätschen und Gasgranaten trotzten. Neue menschliche Wertinaßstäbe sind in blu- tig tragischen Fcbertagen 1834 aufgerichtet wor- den von den kämpfenden Sozialisten Oester- reichs. An ihnen müssen sich fortan vor den Augen der Völker die unisormierten Söldner des FasciSmus messen. Wie klein sind sie auf einmal geworden! Die Schutzbund-Helden haben eine breite Bresche geschlagen in die Lügenfront deS FasciL- mus. Ja, noch mehr. Die„heilige Allianz" der europäischen FaseiSmen ist im KanonendonnerdeSö st erreich ischen Bürgerkrieges schwer er- s ch ü t t e r t worden. Der latente Gegensatz zwischen Mussolinis und HUlerö Machtintercssen ist offenbar und wirkt als neue Realität in der europäischen Politik. In dem Ringen des deut- scheu und deS italienischen FascismuS um die Vorherrschaft im Donauraum kann eS wohl fanlc Kompromisse geben, aber keine dauernde Ver- ständigung. In den Kampftagen schon hat daS Werben des braunen und deS schwarzgelben FascisnnlS begönne»» um die Seele der geschlagenen sozialdemokratischen Massen. Mag die Mechanik der siegreichen Gewalt die Scheinst«!, ger ein Stück weitertragen auf ihrem Beutezug, die Gegensätzlichkeit der fascistischcn wie der nionarchistischcn Interessen hindert die Reaktion a»i der volle»» Ausnützung des Sieges, a»r der moralischen Nicdcrschlaguilg der Arbeiter. Selbst ein r»ationalsozialistisch.»»»onarchistischeS Ko»npro- inißregimc in Oesterreich böte dem FasciSmus! keine langfristige»» Chancen. Tenn in seinem Schoße»vürdcn deutsche und italienische Groß- machtintercssen miteinander streiten. Der ille- galen Sozialdemokratie fiele danrit das Mono- pol der Opposition gegen eine»» innerlich uneinigen, landfremden und daher»»»populären Dik- tatorcnklüngel zu. Soviel ist gewiß, daß der durch keine Lockung, durch keinen Terror z»r brechende GesinnungLsozialiümus der österrcichi- schen Arbeiter durch die klaffende»» Lücken deS austrofaseistische»» JntcressciltenhauseiiS den kiir- Seiten Ausweg zur Vergeltung und Besreiung finden wird. Das Echo des Kanonendonners in Wien und Oesterreich hat weit über Europa hinaus eine Woge der proletarischen Solidarität aukge- löst. Millionen im Kriscnsturm schwankend gc- wordcner Arbeiter haben den Glaube»» an den Sozialismus zurückgewonnen. Dio getretenen Proleten des Dritten Reiches horchten selbst unter den glcichgeschaltcten Radiobcrichtcn ihrer Regierung auf und haben nach selbstquälerischer Pein neue Maßstäbe fiir die Beurteilung ihrer revolutionäre»» Möglichkeiten gewonnen. Ein historischer Uebergang von der sozialresormatori- schcn zur neuen revolutionären Epoche des euro päischen Sozialismus ist vollzogen. Die Wach- scnnkcit der Arbeiterklasse in den demokratischen Länder»» wurde geschärft, neue Quelle» des pro- letarischen FreihoitSwillenS beginnen zu ströinen. DaS Aufziehe»» der roten Fahne über der Acht- Millionenstadt London ist die erste Antwort auf den Fall deS roten Wien. Eine neue Linküivelle greift in die Schaufelräder der Politik. Nicht leichtsinnigen OptiniiSmuS, aber stahlharte Zu- Rack den österreichischen Aufstandstagen ist in S t c»i r der junge Arbeiter Josef A h r c r voin Standgericht zum Tode verurteilt und gehenkt Ivorden.»veil er den Heimwehrmann Zehettiner ermordet habe, lieber diesen Fall sind nunmehr im Auslandsbüro österreichischer Sozialdemokraten von Steyrer Schutzbündlern, denen es gelungen ist, über die tschechoslowakische Grenze zu entkommen, nachdem sie vorher von Bauern in ihren Höfen verborgen gehalten»vurden, folgende unbedingt verläßliche Mitteilungen zugcgangen, die sich auf eigene Wahrnehmung stützt: Der Arbeiter Josef Ayrer»vohnte in derselben Baracke, in der auch die Sichrer Heiinwchr« samilic Löschenkohl wohnte. Am 12. Feber, nach iAuöbruch des Generalstreiks, kam es in der Baracke zu einem heftigen Konflikt zlvischcn Ahrer und Löschcntohl,»vobci Löschcnlvhl mit einigen anderen Heimlvehrlcuten Ahrer bedrohte. Ahrer setzte sich zur Wehr und zog eine Pistole. Die Pistole versagte aber, Ahrer tonnte »licht schießen. In diesem Augenblick kam ein a n d e r e r Schutzbündler, der mit einem Jn- 4t 4t In der Nähe des parteihistorischen Städtchens H a t n f e l d im St. Pöltner Industriegebiet liegt der GcbirgSort R o h r b a ch. Dort haben sich in den österreichischen BiirgerkriegStagei» entsetzensvolle Vorgänge abgespielt. Ein Hctzpfaffc hatte den Gegensatz zlvischcn den in» Orte lebenden Schutzbündlern und Heim» wehrlenz bis zur Siedehitze gesteigert. Die beiden feindlichen Ort-parteien standen sich mit der Waffe in der Hand gegenüber. Im Fcucrgefrckit siel am 13. Feber der örtliche Hciinwehrführer bei einem Angriff ans die Schutzbündler, die in gerechter Notwehr handelten. Als dann die Hcimtvchrler die Oberhand bekamen, trafen sic alle Anstalten zu einem B l n t g e r i ch t mit den gefangene»» Schutzbündlern. Bier Schutzbündler wollten sie sofort auf- ! knüpfen und errichteten am OrtSplatz einen provi- ! sorischon Galgen. Gendarmerie muhte mit Maschinengewehre» eingreifrn, um die Mordgesellen in Schlich halten und diese Lynchjustiz z>» verhindern. Der Ortsarzi samt Familie und seiner alten ! Mutter erhielten hierauf von der Heinuvehr ein ' llltimatuin, die Wohnungen binnen wenigen Stunde»» zu verlassen, da diese ihnen sonst in die Luft gesprengt lvürdcn. DaS gleiche lvurdc beim OrtSkino und dein» Haus des Konsumvereins au- vcrsicht dürfen auch die Arbeite« dieses Lande? auS dein Heldenbeispiol der österreichische» Brü- der schöpfe»».. Erweise« sich die Proletarlate der demokratischen Länder in den bevorstehenden schweren Kämpfe»» des Heroismus der Wiener, der Brncker nnd der Steyrer Barrikadenkämpfer fähig, dann werden dir nächsten Blätter der Geschichte melden, daß Winkelricd-Sch»»tzbund der europäischen Freiheit eine Gaffe bahnte. fanieriegclvehr bewaffnet war, Ahrer zu Hilfe und streckte»nit einem Schuß aus seinem Gelvehr den Heimlvchrntann Zehcntcr nieder. Die Familie Löschnerkohl, die mit Ahrer seit langem in Feindschaft lebte, erstattete die Anzeige gegen Ahrer, daß er es gelvesci» sei, der Zchcntncr getötet hgbc. Diese A n z e ig e war falsch. In' der Tat»vurde aber Ahrer auf Grund dieser Anzeige zu»» Tode verurteilt und gehängt. Der wirkliche Täter ist schon vorher bei den Kämpfen in Steyr gefallen. Ahrer war ein pflichtgetreuer und begeisterter Sozialdemokrat nnd Schutzbündler. Die Behauptung der lokalen Presse, daß er Konimunift gelvesci» sei ist falsch. Obwohl er unschltldig verurteilt lvurdc, hiclt er sich vor Gericht standhaft uitd selbstbclvußt. Sein letztes Wort war: Hoch die Internationale! Ahrer hinterließ eine Lebensgefährtin, die im achten Monat schlvan- ger ist. Die Familie Löschenkohl, die Ahrer an den Galgen brachte, lvurdc»vcgcn falscher Zeugenaussage verhaftet. * gedroht. Wieder mußten Gendarmerie und inzwischen eingelangteü Militär cinschrcitcn, sonst Ivären die Drohungen ausgeführt lvorden. Die verhafteten Schutzbündler»vurdeit vor den Augen ihrer Frauen und Mütter furchtbar geprügelt. Ganze Familien sind bei der Waffensuche»nit gefällten Bajonetten aus den Wohiiun- gcn vertrieben worden. 32 gefangene. Schutzbündler transportierte man int Auto nach St. Pölten. Zwei davon, die Gcnoffen Rauchender- g e r und H o i ü, sind da»»» standrechtlich gehenkt »vordett. Hoiö»vor Batcrvo»» vierkleine»» Kinder» und ließ seilte Lebensgefährtin in hochschlvängerrm Zustande zurück. Auch er fand bei dem christlichsozialeit Bundespräsidenten Miklas leine Gnade! Niemand wagte der Frau vor der Entbindung die schreckliche Gewißheit mit-,»teilen und sie hoffte nach 14 Tagen noch, das: der Mann grsmtd zurückkehren»vrrden. Rauchenborgrr, ein 2Üjährigrr kreuzbraver Bursche, lies« einet» ollen Vater grbrochett zurück. Zwei Schutzbündler wurden zu je fünf Jahrcit Kerker verurteilt, darunter ein Mann von 60 Jahren. „Blutige T r ä u e>t sind hier g c- w eint morde»»," schließt der uns auf Umwegen ziigcgangcnc Bericht eines Augenzeugen. Ein Justizmord in Österreich Die Heimwehr wollte eigenmächtig hängen Gendarmerie mußte dagegen einschreiten 45 n. m. de Jong: 'Uwscftlungm Hacke Citi Mwncui in vier tpUodui Autorisierte Uoberaetiung aus dem Holländischen von E. R Fuchs, Kleine Heere von Spürhunde»» wäre»» aus ihi» losgelassen, osi war er gänzlich umzingel» und doch l»ailc er imnter»nit Ge- walt oder Lift zu entkommen vermocht. Einmal »var er einen ganze» Tag ntii einen» Provokateur in der Verkleidung eines deutschen HandlungS» reisenden gewandert und am Abend hatte er den Manu in einen Fluß gclvorfen, aus dem er am nächsten Tag gefischt wurde; in seiner Rocktasche »vurde ein Brief gefunden, der die Todesursache unverfroren darstcllie. Tollkühn durchstürmte er sein uiigcivisseS Dasein, unbekümmert um Folgen, beseelt Don der feurigen lleberzeugnng, stetig erfüllt von dem leidenschaftlichen Annsch, alle Mügliclilciien auSznschöpfen, um seinen Idealen zum Siege zu verhelfen, eine eisenharte, mitleidlose Kämpfernatnr, der aber dennoch niemals das Gefühl für eine Art grimmigen Humors verloren gegangen war. Jahre und Jahre hatte man ihn gesucht, aber der Käfig Ivar stets leer, ivcnn man glaubte, den Bogel greisen zu löuuen. Die hingebungsvolle Anhänglichkeit der Kanicraden an den Führer, den sie den„Lölvcn der Revolution" nannten, uiugab ihn stets wie eine Wache und immer wurde er zur rechten Zeit gewarnt. Nun war er aber gesangcn, der berühmte, ungreisbare Grando, die Legendengestalt, der Löwe der Revolution... Mit ihm»var seine kaum weniger berüchtigte Schlvcster Lisa ergriffen worden. Und sorgfältige Nachforschungen brachten seinen wahren Namen ans Licht. Er hieß Peter Zanzi.— II. Der mißlungene Anschlag hatte gclvaltige llnruhc im In- und Auslände hervorgerufen. Schrecken durchschaucrte die Herzen der Reaktionäre. Daß so etwas möglich»var!... Daß ein so verruchtes und»vahnlvitziges Attentat vorbereitet und aiiögeführt werden konnte, ohne daß die Organe der öffentlichen Sicherheit etlvas davon gemerkt oder daö grauenhafte Geschehnis hätte» verhindern können!... Die Macht der Ge- heimorganisationcn Ivar also nicht gebrochen! Diese Ivahiisinnige Schar von Mördern und Aufrührern»var nicht zu schlagen, nicht zu entmuti- genl... Wer konnte sich iu einem Staate noch sicher fühlen, in dem so ungeheure und schauerliche Verbrechen möglich lvarcn?... Kurze Zeit schien cö, als ob daö granitene Gebäude der un- beugsamen Reaktion in seinen Grundmauern erzittere... Zögernd erhoben sich verängstigt« Stimmen für einen Frieden, auf Kosten von nicht zu weitgehenden Zugeständniffen... Stimmen, in denen das Entsetzen über den lähmenden Schrecken noch nachzitterte-,.. Doch schnell wurde»» sie iiberschrien von dem Triumphgehcnl der Rachgierigen, die nichts von Schwäche oder Nachgeben hören lvollten, die überzeugt waren, daß die Revolutionäre mit diesem jüngsten Verbrechen ihre letzte»» Kräfte verraucht hätten, daß sie in der ganze»» Welt die Sympathien verloren, daß ihre Organisation zertrümmert wäre, da nun der legendäre Führer gefangen saß und mit ihm noch einige der bedeutendsten Agitatoren und erprobte Tcrroristei»... Was übriggcblieben, mußte nun rasch aufgejagt und rücksichtslos auscinandcr- gesprcngt werden, vertilgt, zerstreut durch unablässige Verfolgung, desorganisiert durch energischen Angriff auf Angriff... Noch eine kurze Spanne eisenharten Kampfes und die Gefahr Iväre abgelvcndet... Ruhe und Sicherheit sollte»» wicdcrkehren, mau würde wieder frei Atem I holen können und nicht länger mehr in dieser Atmosphäre leben»»»üffcn, in der die harten Schläge der explodierenden Bomben manchmal daö Gewissen wachrüttelten und über die Welt donnerten, daß es Unrecht uud Korruption. Schande und Grausanileii in diesen» beunruhigten Lande gab... Die Revolutionäre aber saßen geschlagen beisammen in ihren Schlupflvinkcln, mit schrcckcrfüllten Augei», pochenden Herzen, tiefes Entsetzen in der Seele... Grando gefangen I ... Seine Schwester... noch eii» paar der größten, der klügsten, der gescheitesten und hartnäckigsten erfahrenen Führer... Aber Grando! ... Sie alle hatten seit langem in fast mystischem Vertrauen zu diesem stürmischen Wegbereiter aufgcblickt, dem unverzagten, übermenschlich kühnen, und geglaubt, daß er in der Tat unfaßbar sei... Und nun»var er gefangen... doch gefangen... Er, dessen feuriges Wort immer die schleichende Mutlosigkeit vertrieben und stets das ungestüme Selbstvertrauen der Kameraden zu leidenschaftlichem Leben aufgcpcitscht hatte ... Gefangen... Verloren!... Nötigenfalls loürde man mit einer ganzen Hcercömacht das Gefängnis bewachen, in dem er eingcschlos- sen war... An Befreiung wagte niemand zu denke»... Der ZtA wartete feinet..,. das Schafott... Damit mußte man rechnen, das Ivar unvermeidlich... In der Verzweiflung beriet man einen Plan, die Mauern des alten, grauenhaften Gefängnisses zu untergraben und mit Dynamit in die Luft zu sprengen, aber her Anschlag Ivar schlecht vorbereitet und die Verschwörer lvurden schon zu Beginn ihrer Arbeit überrascht und verhaftet. Entmutigt gingen die anderen auseinander, vernichteten Dokumente, Aufzeichnungen, Korrespondenzen, zerstreuten sich nach allen Richtungen und hielten sich ängstlich schweigend verborgen, den Prozeß deS vergötterten Führers, des grüßten und besten, abivartend, der nun an die Reihe gekom- mcn»var, um für ein Leben aufrührerischen Idealismus die Zeche zu bezahlen. Müde, fiebernd und krank an ihrem Elend berieten sie un- »nögliche, phantastische Pläne. Ihre Herzen verzehrten sich in ohninäcktigein Haß, in versengen- dem Groll, die Augen blind von brennenden Tränen... Sie schämnten über von leidenschaft- lichem Tatendrang und waren zu Tatenlosigkeiten verdammt... Noch nie Ivar die Polizei so wach« sam gewesen, so rührig. Der Prozeß gegen Grando und seine Helfershelfer lvurdc die größte Sensation des Jahres. Aus allen Winkeln des Landes kamen Ansuchen um Platzantveisuiigeii fiir die Gerichtsverhandlung. Die reservierte Tribüne»var schon seit Tagen bis auf den lohten Platz an die Elite der Haupistadl vergeben; die Damen deö Hofes und hohen Adels stritten sich um die vorderste»» Reihe». Schon Tage vorher stand eine lange Reihe Menschen vor den Eingängen zum öffciitlicheu Zu- härerraun»; meistens Arbeitslose, die ans mitge- brachten Stühlen in der warmen Sommernacht sckilicfen und hofften, ihren mühsam eroberten Platz für schweres Geld an sensationslüsterne Reiche verkaufen zu können, die st'ir die reservierten Plätze leine Eintrittskarten mehr erhalte»» hatten. Und am Tage der Verhandlung Ivar der Saal zuin Bersten voll Ivie bei einer Theatervorstellung, in der ein ausländischer Star zum erstenmal auftreten sollte. Noch nie war däö Interesse in Erwartung von Sensationen so bis zum Aeußersten gespannt gewesen. Auf den Tribünen saßen Damen in blendender Toilette, ringsum blitzte cs von betreßten Uniformen, Ritterorden, Goldborten. Es war lvie eine Modeschau bei den jährlichen großen Wettrennen. Ain Eingang deö Gebäudes lvar strenge Ucbcrprüfung angeordnet worden und tvcr nicht bekannt und vollkommen ver- traucncrlveckcnd war, wurde nach Waffen durchsucht. ^Fortsetzung folgt.),' Nr. 5S Sonntag, 11. März 1934 Getto» vrel nmiarilcn Franhs‘ässjs die Rechnungsjahre 1934*35 den Betrag von Teichstaii summe VS.071.80 40.SVS.S0 S2.S7S.8V die Rechnungsjahre 1934-35 825 Millionen AnlagevonBrennstofflagern, die Tic nächste Plenarsitzung des DennteS findet Dienstag, den 13. März, um 4 Uhr nachmittags statt. Auf der Tagesordnung stehen zwei wirtschaftliche Zusatzprotokollc. In dieser Sitzung wird K£ 2200— 70.60 8682.60 6667.60 4000.— 1200.— 2600.— 2600.— 916.— 3800.— 2490.— 3000.— 1062.60 1398.60 3229.— 1226.— 110.— Bezirksorganisation Austig Dux. Eger. Elbogen Graslitz Jglau. Karlsbad. Komotau Lundenburg Sternberg. Tachau Tcplitz Troppau Tuschkau Warnsdorf(K.-!l Warnsdorf. Einzelspcnder ,,Venkov“ verteidigt das Verhältniswahlrecht Gegen nationaldemokratische Angriffe Wir haben bereits darüber berichtet, das; zwischen der Presse der Nationaldemolraten und der tschechischen Agrarier lebhafte AiiScinandetsct- znngcn im Gange sind. Die„Närodni Lisch", daS .Hauptblatt der Nationaldemolraten, schreiben Tag für Tag gegen die Regierung und die Regierungsparteien, ivobei sie gewissen Stimmungen in der tschechischen Bevölkerung, wonach„daö Sl>stein" an allem Schuld sei, Konzessionen machen. In den letzten Tagen hat sich das Blatt insbesondere legen das„System der Herrschaft der politischen Parteien" gewandt. . Der„L enlov" richtet nun mit Recht an die Nationaldemolraten die Frage, was cS denn unter dem System der politischen Parteien verstehe und ob es eine WahlrechtSändernng wünsche: Welches neue Wahlrecht wollt ihr? Ein solches, wie eS die individuellen Wahlen in Frankreich sind, die dem Grundsatz der Verhältniswahl widersprechen? Ihr irrt Euch, wenn Ihr glaubt, das; sich bei nnS die Kapitalisten M a n d a t e taufen können, wie eS in Frankreich geschah. Wohin gelangte Frankreich mit seinem Wahlrecht, nach dem ihr Euch sehnt? Evehla gab unS da» Verhältniswahlrecht, ivobei die Stimmen der Minderheiten nicht verloren gehen!... Nur diesem \ Wahlrecht verdankt die Nationaldemokratic, daß sie überhaupt Mandate hat. In England, einem Staate alter Demokratie, hätte sie nicht einmal s eines. Die Worte„neues politisches Regime" sind leer, solange ihr nicht sagt, was ihr damit meint". Die energische Verteidigung des bestehenden Wahlrechtes durch das Blatt der grössten bürgerlichen Partei ist immerhin bemerkenswert. I Herausgeber des„Prager Tagblatt" Keller über *■’*—*„als ob er ein Mann Doll- ium Ausbau der französischen Landesverteidigung Pa r is, 10. März. Zum Ausbau der Landesverteidigung hat die Regierung einen Gesetzentwurf eingebracht, der die Bereitstellung besonderer Mittel vorsieht. Der KriegSmiuister wird durch dieses Gesetz ermächtigt, znrBolleudungdrr Grenzbefestigungen und zur Vervollständigung der Ab wehrmaß- nahmen gegen Luftangriffe für 1175 Millionen Franken zu erheben. Dem Marmemi'nisterium tverde» für Franks zur Verfügung gestellt, die für die Organisation der K ü st e n v e r t e i d i g u» n und die Verstärkung der Marinelnst- flotte bestimmt sind. Schließlich erhält der Lustsahrtministcr für das Rechnungsjahr 1934-35 einen Kredit vou 980 Millionen Franks znr Ansrustnng und Bemannung der Luftflotte, die ,,gna- litativ erstklassig" werden soll. In der Begründung wird betont, daß fiert werden soll, daß sicübrrallsofort Antirussische Sabotageakte japanischer Truppen MoSkan, 10. März. DaS Telegraphcubüro der Sowjetunion verbreitet.'ne Nachricht au» Charbin, wonach dort eine japanische Abteilung unter dem Vorwand des Kampfes mit dem Banditenunwesen Wohn» und Büro-Räume der Konzession der Ostchinabahn in Brand gesteckt haben. Trotz aller Maßnahmen gelang eS nicht, die Kon« ,, i Zession vor der Feuersbrunst zu retten. Eine Reih« Auch sonst hat Gajda Pech. Sein bisheriger von Gebäuden und größere Bestände bearbeiteter Mitarbeiter V. L. Vod>1 l hat ein Büchlein unter Hölzer seien verbrannt. Nach vorläufigen Schät- dem Titel„Die nationale Fascistengcmeinde und Zungen betrage der Schaden Hundcrttausende von ihr Führer Radola Gajda" geschrieben, in dem er.Goldrubcln. bereits ausgcwiesrn Gesamtsumme Während das„Prager Tagblatt" durch seine demokratischen kommunistischen Redensarten die Oeffentlichkeit lange zu täuschen vermochte, beginnt man nun allenthalben cinzusehcn, daß in dem Kampfe, den die Tcinotraite- gegen den FasciSmuS führt, auf das Blatt kein Verlaß mehr ist. die französische Luftflotte derart rcorgani* eingesetzt werden kann. davon gesprochen, daß man ihn auf die St raße s e t> c. Daladier gab auch seiner lleberzeugung Ausdruck, daß die linruhen vom S. Feber v o n> einer g a n z b c st i m m t c n A r u p p e für ihre politischen stiele geschürt worden seien. Heute nachmittag verhörte die parlamentarische lltttersuchungskonunissivn den ehemaligen! Innenminister Frot und konfrontierte ihn mit j Chiappe. Beide machten voneinander ablvxi-i chende Aussagen und beide hcharrtcn ans ihnen.! Diese Widerspruche, zu denen die Blätter| je nach ihrem Charakter in diametral entgegengesetzter Weise Stellung nehmen, tragen keines- I Wegs zur Beruhigung der französischen Oeffent- lichkcit bei. Der IVIord an Prince aufgeklärt? Die„Liberi ö" rrtlärt, daß bei der Pa> riscr StaalSanwaltschasl ein chiffriertes Trle-, gramm der Staatsanwaltschaft von Dijon ringe-' gangen sei, durch das der rätselhafte Mord a» dem. Gerichtsrat Prince seine Lösung findet. Auf (Yrund dieses TrlrgrainmeS seien sofort die wich-| tigsten Pariser Polizciinspektvrrn mit bestimmten I Nachforschungen in Paris betraut worden. Christlichsozialer Herzenswunsch Die ch r i stl i chs oz iale Presse, vor allem ihr Prager Hauptorgan, haben wahre Jubelhymnen angcstinnnt, als eS den fchlvarzen Ver- fassungSbrechcrn in Oesterreich gelang, mit Kanonen die mangelhaft bewaffneten sozialdemokratischen Arbeiter niedcrzutverfen, wobei die blutbesudelten Christen weder Weib noch Kind schonten. Es ist ganz klar, daß die heimischen Schwarzen und darüber hinaus manche andere kapitalistische Hyäne von Herzen gern der tschechoslowakischen Arbeiterschaft daS gleiche Schicksal bereiten möchten, wie cS in Oesterreich geschah. ES ist daher kein Wunder, wenn die„Deutsche Presie" unter dem Schlag-: wort„Die Marxisten der Tschechoslowakei von! Wien auS gesehen" einen Artikel der Wiener! schwarzen„ReichSpo st", des Organs des bin-1 tigen Dollfuß und seines FrenndcS Kardinal I n n i tz e r wirdergibt. Dort heißt es über die Tschechoskolvakei: ■„Auch hier(in der Tschechoslowakei) beginnt! die Auslroinarxistentonart die gleichen WirkungSN I hervorzurnfen Ivie überall sonst. Nicht nur, daß die katholische Presse die zugereisten Gäste energisch znr Ordnung ruft und ihnen mit! dem HauSrecht droht, auch in dem Prager Hauptorgan der tschechischen Agrarier, also der führenden Regierungspartei, machte sich der aufsteigende| Widerwille gegen das Treiben der roten E m i-> grauten bereits recht unverhohlen Luft... So stark sich der M a r x i S m u S in der Tfchccho- slotvakei zur Zeit fühlt und so vordringlich namentlich seine deutsche Gruppe auf die dem System eifrig gegen die deutschen Parteien geleisteten Spitzel- und Angeberdienste pochen mag, die Versuchung, den Mohr länger zu behalten, als er braucht, um seine Schuldigkeit zu tun, dürfte in der Tschechoslowakei schon darum gering sein, Iveil das Bedürfnis, sich gänzlich von den! Strömungen und Stimmungen der übrigen! Welt zu isolieren, über die marxistisch gesinnten Kreise nicht hinausgreifen dürfte. Nuö-I schließlich von Staaten umgeben, die sich vom Marxismus befreit haben, wird die Tschechoslowakei diesen schwerlich als Verlockung empfinden.! Wahrscheinlicher dünkt, daß»re Nichtmarxisten aller Sprachen der Republik auo dem eindeutigen Wandel der Tinge in der ganzen Umgebung Ermutigung und Kraft schöpfen werden. Marxismus ist wahrlich nicht mehr die große Mode. Marxismus, das war einmal. Und in keiner Stadt Europas ist die Neigung, sich an das Gestrige und Ueberholte zu hängen, so gering wie in der Metropole an der Moldau." Abgesehen von der perfiden Hetze gegen die j wehrlosen Emigranten, die mit dem vielzitierten! ChristuSlvort„Liebe deine Feinde" nicht das geringste zu tun hat, ist die Aufpntschung der Anti-\ Marxisten durch die schwarzen Blätter höchst charÄteristisch. Die k welche die Dienste des Ex-AdelS und Großgrundbesitzes, in letzter Linie auch die der Habsburger besorgen, glauben wohl allen Ernstes, daß sie daS Beispiel Deutschlands und Oesterreichs hierzulande nachahmen können. Daß sie sich gründlich irre n, daß der MarriS- MtlS in der Tschechoslowakei trotz alledem„große Mode" bleibt, dafür wird mit allein Nachdruck gesorgt iverden! Der christlichsoziale HerzenS- lvunsch wird nicht in Erfüllung gehen I ES wird auch dafür gesorgt, daß die breiten Masten die verhängnisvolle Rolle der katholisch e n K i r ch e im EmänzipationSkampfe des Proletariats klar erkennen und darnach handeln. Die antimarxistischc Hede der Kanonenchristcn bezahlt die katholische Kirche hierzulande mit sehr großen Verlusten an Gläubigen. Die Austrittsbewegung wird durch derartige Auslastungen der„ReichSpost" nur noch mehr gefördert. Die katholische Kirche hat noch viel zu verlieren! Zusammenstöße in Rokycan Der kommunistische Abgeordnete Dvokak verhaftet Prag, 10. März. DaS amtliche Prctzüüro veröffentlicht eine längere Darstellung iiber Zu sammenstöße in Rokycan, wo im städtischen Walzwerk die Arbeiter seit einigen Wochen im! Streik stehen. Freitag wollten Streikposten an-! scheinend einige Streikbrecher am Betreten deö Werkes hindern, luorauf die Betriebsleitung Gen» darmericastistenz anforderte. Es kam zn Zusam menstößen zivischen der Volksmenge und einer Gendarmericpatrouille, die vom Gummiknüppel I Gebrauch machte. Dabei wurden zwei Demon stranten und zwei Gendarmen leicht verletzt. Die ser Vorfall tvuvde anscheinend sofort von den Kom munisten ausgenützt. Der Abgeordnete Dvokak I wurde zu einer improvisierten Volksversammlung I auf den« Marktplatz beordert. Seine Anhaltung! wurde zunächst durch das Dazwischentretm von! H$en««xen’Ö Demonstranten verhindert. Er zog mit den De->«eße.„Mit Leuten, denen Hitler näher ist als monstranteu vor das Bezirksamt, wo er nach dem Deinokratie, kann man nicht über die demokra- amtlichen Bericht„gegen die Gendarmerie offent- tische Zusaimnenarüeit reden." Daß dies aber tätliche Gewalttätigkeit verübte und verhaftet wer- sächlich der Fall ist, lehrt das Verhalten des„P>-a- den mußte". Die Demonstranten wurden von der ger Tagblatt" in den Wiener Ereignisten, da der Gendarmerie auSeinandergetriebcn. I""“"""— Inzwischen sind neue Verhandlungen über die die Dinge so schrieb, ,,t»v™ Liquidierung des Streiks eingeleitet worden. I fußes wäre." Soweit der tschechische Kritiker... Phantasiesebilde des Polizeipräfekten Erregte Auseinandersetzungen vor dem llntersuchungsa»Sschns>. PariS, 10. März.. In der Oessentlichkeit erregt die Auseinandersetzung zwischen dem ehemaligen Pariser Polizeipräfelten Chiappe und dem früheren Ministerpräsidenten Daladier, bzw. dcffcn Innenminister F o t, großes Aufsehen. Chiappe hat vor dem Untersuchungsausschuß von„illegalen Umtrieben" des damaligen JnneuministcrS Frot gesprochen, auf die er Daladier als Ministerpräsidenten rechtzeitig aufmerksam gemacht hat. Frot habe angeblich an einen Putsch bewaffneter extremistischer LinkSclemcnte gedacht. Daladier dagegen lehnte bei der Konfrontation mit Chiappe diese Deutung einer seinerzeitigen Unterredung als Phantasiegcvilde entschieden. ab.' Umgekehrt erklärte Daladier, Chiappe habe ihm auf die telephonische Benachrichtigung von seiner Absetzung erklärt, er weigere sich zu gehen und man werde ihn auf der Straße finden. Chiappe wieder erklärt, er habe bloß Erbauliches von Gajda Gerichtlich alö Abenteurer gebrandmartt.- Die Finanzwirtschaft der Fasristeugemrinde. Wie die„LidovS Noviny" berichten, fand in! Kuttenberg eine Gerichtsverhandlung statt, die der! Führer der Fascistengemeindc, Gajda, gegen den! verantwortlichen Redakteur der Zeitung„Havliü-\ küv Iras", Rudolf Havlil, angestrengt hatte. In diesem Blatte war nämlich unter dem Titel„Der. Abenteurer Gajda" ein Artikel veröffentlicht wor den, der wegen dieses Titels von Gajda geklagt tvar. Der Geklagte führte nun den Wahrheitsbe- tveiS, daß Gajda ein Abenteurer sei und dieser, Wahrheitsbeweis ist ihm nach der Entscheidung’.._... dcS Gerichtes gelungen. In der GerichtSentschei« 1 auch der Beschluß des Abgeordnetenhauses über düng darüber heißt cS. daß Gajda vom Prager! die Errichtung eines R e e ü k o n t i n st i t u t e S KreiSgericht zu einer.Kerkerstrafe verurteilt wurde,' aufgelegt und den Ansschüstcn zugewicsen werden, weil er in der Zeit der Verfolgung der Täter, welche im Jahre 1927 den Ministerialrat Borel in dessen Wohnung in Säzava überfallen hatten, zwei Teilnehmern an dicsein Ueberfall Geld für die Reise nach Proßnitz gab, von wo sic nach Polen fliehen sollten. Das Oberste Gericht, an daS Gajda berief, hat das Urteil solvie den Verlust des Wahl rechtes bestätigt.„DaS sind Tatsachen", so heißt eS nun in dem Urteil wörtlich,„welche nicht nur dem Gericht, sondern auch dem Geklagten bekannt sind. Ein Mensch, der so hohe Acmtcr erreichte und dem. gegenüber sich zu einem Verbrechen er niedrigte, ist ein Abenteurer". Eine jltlsrse tschechische Kritih des„Praaer Ta^blatt“ In der neuesten Nummer der in Prag erscheinenden Zeitschrift„Nova Svoboda" befindet sich ! ein Artikel von A. G u t w i r t h, der eine treffende Charakteristik der„Bohemia" und des i„Prager Tagblatt" enthält. Welche politische Rich« tung die„Bohemia" vertritt, brauchen>vir hier katholischen^Herrschaften, nicht besond-rS zu unterstreichen, seit dem Macht- ------—- antritt Hitlers hat cs nch gezeigt, daß sie das Organ einer antidemokratischen Reaktion ist. Wertvoll an dem Artikel ist aber, daß sich auch in tschechisch-demokratischen Kreisen die Auffassung durchzusehen beginnt, daß das„Prager Tagblatt" derselben Richtung zugehört wie die„Bohemia". Der Verfastcr kennzeichnet die Richtung des Blattes im Weltkriege und weist auf wie unmittelbar nach dem Umsturz im Jahre 1018 das„Prager Tagblatt" alles auf die Karte der Demokratie gesetzt hat. Seit dem Siege des FasciSmuS in Deutschland aber ist dies anders geworden. DaS Blatt ist„einer klaren Antwort auf die Frage, wie cs sich zu Hitler stellt", auögelvichen. Die Juden, die in diesem Blatte sitzen, „haben nicht nur still die Ohrfeigen hingcnoimnen, welche ihnen Hitler versetzt, aber ne haben noch Hitler gelobt. Sie klauben die Sympathien für Hitler zusammen, selbst tvenn sic es nur durch die tendenziöse Aufmachung der Nachrichten tun, durch welche Hitler in den Himmel gehoben wird, und durch die Unterdrückung alles dessen, was gegen Hitler spricht... Warum melden sich diese Blätter zu dem Regime, das sie ohrfeigt. Tic Aufklärung ist einfach: Hitler ist die Hoffnung der Reaktton, hinter Hitler stand die deutsche Industrie, und wer steht hinter dem„Prager Tagblatt" und der„Bohemia"? Unsere deutsche Industrie und unsere deutschen Banken. Aber diese Blätter hatten nicht nur ein positives Verhältnis zu Hitler. Das magyarische Horthy-Rcgime kand | in ihnen gewogene Kritiker und auch gegen den italienischen FaciSmus haben sie sich nie offen ge stellt. Um so eher setzen sie sich auf die Richterbank, um über den internationalen Sozialismus ! zu urteilen, über die Tätigkeit des Ministers Czcch und über alles, was ein positives Verhältnis zum Arbciterlebcn.hat." Zum Schluß wird dargetan, daß beide Blätter ihr reaktionäres Wesen demokratisch verhüllen wollten. Es wäre gut, Iven» die tschechische dcmo- \ kratische Intelligenz ihnen diese Maske abreißen : würde, damit sich niemand mehr von den dcmokra- sür Gajda nicht gerade angenehme Dinge ausdeckt. s Vodät hat mit Gajda sieben Jahre in der faset» stischcn Bewegung gearbeitet und war sogar der von Gajda ernannte Vorsitzende der C utive der Faseistcugemeinde und lange Jahre au«, Vorsitzender ihres Prager Gaues. Er ist vor ungefähr zehn Monaten aus der Fascistengemeindc ausgetreten. In der Broschüre erzählt er nun, daß in der Finanzwirtschaft der Fascistengemeinde ein diktatorisches, völlig unkontrolliertes Regime herrschte. Mit den Ergebnissen von Sammlungen, bei denen manchnial auch 300.000 KL erzielt wurden, wurde so gewirtschaftet, daß die Tinge vor das Gericht gehören. Kein Mensch kann heute sagen, wozu daS Geld verwendet wurde. Alles Geld behielt der „Führer" und disponierte damit. Als zwei Mitglieder der Fascistengemeindc eine Revision der Finanztvirtschaft verlangten, sielen sie in Ungnade. Vodäk selbst tvurde am 21. April 1982 zum Vorsitzende» des ExekutivausschusscS ernannt und setzte für die erste Sihniig auf die Tagesordnung einen Finanzbericht. Diese Sitzung wurde von Gajda dreimal vertagt. Man sieht also, daß der Führer der Fascisten in der Tschechoslowakei nicht gerade der Ausbund aller Tugenden ist. OedesKerte Waggonbeistellungl im Feber Die Ziffern über die Waggonbciftcllung auf, sämtlichen Bahnen der Tschechoslotvakci weiseni für den Monat Feber 1934 einen merklichen Auf- 1 stieg gegenüber dem Feber 1933 auf. ES ivurden, insgesamt 302.809 Wagen verladen gegenüber! 284.403 im Fever 1933. Tie Zunahme beträgti also 18.316 Wagen oder 0.45 Prozent. Bon den\ bcigcsicllte» Wagen entfallen auf das Inland 276.238(vor einem Jahre 260.791), aus das. Ausland 26.571(23.672). Mit Kohlen beladen wurden 86.410(82.072) Waggons. Außerdem wurden im Fcbcr 1934 2951 Wage» mit Postsendungen und 4182 Privattvagcn abgefcrtigt. Auch diese Ziffern bestätigen also eine tvenn auch nicht zu überschätzende Hebung dcS Waren-< Verkehrs, ivaS Rückschlüsse auf eine geivissc Belebung der Wirtschaft überhaupt ziehen läßt. Sonntag, 11. März 1934 Nr. 59 in Kreisen cingcreicht werde». I I Glu der Gegenden, KriegSzug Nach neun Jahrnr in den Anden tot anfge» sunden. Laut in Rom eingetroffenen Berichten hat die italienische Andenexpedition den 7049 Meter hohen Berg Aconcagua glücklich bestiegen und dortselbst den Leichnam dcS vor neun Jahren dort zugrundegegangenen Forschers Parier crufge- jmiden. Im Saazer Museum liegen seit einigen Monaten interessante historische Funde, die Gegen« stand eines grasten wissenschaftlichen Streites geivordcn sind, der an den Streit um die Königin«, Hofer Handschrift, die Fälschung Hanlaü, erinnert. In einem vorhistorischen Grabe, das bei Podersain gefunden wurde, stiest man auf ein tönernes Gefäß, in welchem drei runde Tafeln mit einem Durchmesser von ungefähr 12 Zenti- ineter lagen. Ausserdem fand man dort eine ovale Platte von ungefähr 18 Zentimeter Länge, welche I mit unbekannten Zeichen versehen Ivar. Der dritte Neues Land am Südpol en'deckt Buenos Aires, 10. März. Der soeben von seiner AntarktiS-Expcdition zurvckzekehrte norwegische Forscher LarS» Christensen teilte bei seiner Ankunft mit, das? er in der Position von 72 Grad Süd neues Land mit einer Küstenlinie von 240 Kilometer Länge entdeckt habe. Er hat daS neue Gebiet„Prinzeß Astrid-Land" genannt. Die Expedition habe fernerhin an Stellen, die auf den Karten alS Land markiert waren, Waflrr- tirsen bis zu rund 3000 Metern festgestellt. Eisenbahner-Prozeß in Rußland Die Schuldigen an einer Eisenbahnkatastrophe vor Gericht. Moskau, 10. März.(Tast,) In Malejewla im Donezbecken begann heute der Prozess gegen 16 Personen, die beschuldigt sind, die Katastrophe des Arbeiterzugcs am 3. Feber in der Station No- waja verursacht zu haben. Durch den Zusammenstoß des Arbciterzuges mit einem auf der Strecke stehenden Lastzug tvurden drei Personenwagen und zwei Lastwagen zertrümmert und ein Personenwagen und sechs Lastwagen beschädigt. Bei dem schlvcrcn Zusammenstoss wurden 18 Personen getötet, 18 schwer und 10 leicht verletzt. Die 16 angeklagten Personen werden lvegcn groben Verletzung des Betricbsrcglements zur gerichtlichen Verantwortung gezogen. Reichsdeutsche Archäologen, besonders Prof. Dr. Wirth aus Berlin, haben sich des Fundes angenommen und erklärt, dass bei Podersain die älteste Schrift in Europa entdeckt worden sei, die ungefähr aus dem Jahre 2000 v. Ehr. stamme und ein Beweis dafür sei, dass die damaligen Bewohner Böhmens auf einer sehr hohen Kulturstufe standen. Diese Archäologen bemühen sich, die rätselhafte Schrift zu entziffern. Die Mehrzahl der tschechischen Wissenschaft- i ler vertreten im Gegensatz zu ihren reichsdrutschen Sender S.: 14.50: Liederkonzert, 15.15: 16.45: 17.50: 10.20: *• IUI LVLil, wV k|S Ulli||Vll/l|| V*^JllMl I T“ w, rm» Ramousse, ehemaliger Verpflegungs-Unteroffizier sulafligen Fachem am St.-G. m Mie der Versailler Reitschule, der mit den Gepflogen« selben mit An rittterklamng können bi. 14. April heiten der Zahlnieiskereien genau vertraut war. P;® cl*’ cn—>rcktioncn mr betreffenden Anhalten Alle Fischer gerettet Moskau, 10. März. Wie aus Astrachan gemeldet wird, ist eß nunmehr gelungen, auch die letzten vor einiger Zeit auf einer Eisscholle inS Kaspische Meer abtriebenen Fischer in Sicherheit zu bringen. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» aus den Programmen; Plotttag. Prag, Sender L: 11.05: Konzert des Salonorchesters, 10.45: Schallplatten, 17.15: Klavierkonzert, 18.25: Deutsche Sendung; 18.45: Oskar Baum: Vorschau auf das Musikprogramm der tschechoslowakischen Sender, 20.20: Miliiärkonzcri, 22.15: Deutsche Nachrichten, 22.30: Schallplatten. 22.35: Politisches Relief. 14.80: Schallplatten, Deutsche Sendung: Frauenfunk. T«eutsche Nachrichten.— Brünn. Deutsche Sendung: Kindcrstunde, Jazzrcvuc, 21.20: Opernarien, 22.85: Klavierkonzert. — Mähr.-Ostrau: 18.80: Arbelterscndung, 21.20: Konzert des Nadiojournals.— Prchburg. 12.80: Mittagskonzert.— Berlin. 20.50: Unterhaltungsmusik.— Breslau: 10: BrahmS-Kmnpositioncu.— Brüssel. 21: Orchcsterkonzert.—.HeilSbcrg. 21.10: Kammerkonzert.— Wien: 12.80: Unterhaltungskonzert der Wiener Philharmoniker, 16.55: Klavierkonzert, 18.25: Wagner:»Meistersinger von Nürnberg" aus der Staatsoper. DienStag. Prag, Sender L: 12.35: MittagSkonzcrt. 16: NachmittagSkonzert, 17.25: Schallplatten, 17.50: Klavierkonzert, 18.25: Deutsche Sendung: Frühling im Lied. 10.45: Frauenductte, 22.30: Konzert zeitgenössischer Musik.— Sender S: 14.80: Schallplatten, 14.85: Junge Menschen sehen die Welt, 14.45: Konzert für.Harfe, 15.10: Deutsche Sendung: Dr. Feld: Abenteurer- oder Ervedi- tionSsilm, 15.80: Schallplatten, 15.45: Deutsche Nachrichten.— Brünn. 18.25: Deutsche Sendung: Soziale Informationen, Dr. jkudniek: Rechtsstellung der Parteien, 19.20: Salonorchester der arbeitslosen Musiker, 21.05: 1. und 3. Akt au? JanaLeks Oper:..Das Schicksal".— Berlin: 14.85: Caruso auf Schallplatte».— Frankfurt. 21: Russische Musik.— Heilöberg. 18.25: Beethoven. Klaviersonate.— KitnIgSwusterhausen. 20.10: Orchesterkonzert.— Leipzig. 0.30: Unterhaltungsmusik.-— München. 20.10: Solistcnkonzert.— Wien. 21.80: Lieder und Arien, 22.15: Orchesterkonzert. Die Seeschlangen vermehre« sich Neues„Ungeheuer" gesichtet. New Aork» 10. März. lRcuter.) AlS der große TranSozcandampfer der Cnnard-Linie „Mauretania" von einer Vergnügungsfahrt auf die Antillen zurückkehrte und sich gerade auf hoher See unweit der Bahama-Jnseln befand, tauchte plötzlich aus den Wellen unweit des Schiffes ein riesiges Secungeheuer auf. Der Kapitän der „Mauretania", der nach seiner Ankunft in New Vork sofort intervietvt tourde, erklärte, das Seeungeheuer tväre bestimmt mehr als 20 Meter lang gewesen und hatte vier Höcker gehabt. Längs des.Körpers konnte man Glicdniaßen beobachten, die Flossen ähnlich Ivaren. Der Kapitän erklärte: „Ich sah das Meeresungeheuer ganz deutlich volle drei Minuten hindurch und hatte den Eindruck, dass cs sich nm genau dieselbe Seeschlange handelt, die wir bereits einmal an der gleichen Stelle am 11. Feber gesichtet haben." Erscheint alllvöchentlich. Bezugspreis KL 12.50 für ein halbes Jahr. Bestellungen sind Zn richten an die Verwaltung der„Arbeiterzeitung", Brünn, Zeile 88/12.. M llMMA» SoMMMteil tulen M rii: Die beste und würdigste llnlcrstiitznng unserer schweren Arbeit ist Abonnement „Arbe.terzettung" Figuren in das prähistorische Grab zu schmuggeln, denn die Finder siche» ausserhalb jeden Verdachtes. Nur der siidböhmische Archäologe Prof. Kra- mär kommt zu der Ansicht, dass die Funde ein bedeutsames Dokument zur Geschichte der alten Slawen und besonders der ersten slawischen Einwanderer in Böhmen darstellcn. Er hält die Schriftzeichen für einen uralten Kalender. Nach Prof. Kramäb stammen die slatoischen Völkerschaften anü dem Gebiet westlich des asiatischen Altai- Gebirges und standen als handeltreibendes Volk in Verbindung mit den alten Babyloniern, von' Ivelchen sie die Kultur übernahmen. Böhmen soll zweimal von slawischen Bölkcrstämmen besetzt worden sein. Die zweite und dauernde Besetzung war im 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. Zum erstenmal seien Slaven nach Böhnien ungefähr 1000 Jahre v. Chr. im Gefolge des ägyptischen Pharao Thutmeö HI.— ScsostryS gekommen, der einen Feldzug nach SLdrußland und Mitteleuropa unternahm. Seine Ansicht stützt Prof. Kramäk u. a. auch darauf, daß der Flussnamen Elbe auch noch im nordwestlichen Kaukasus zu finden ist,.also in beiden Fällen in welcher jener Pharao auf seinem passierte. Dies« Ansicht Prof. Kramärs ist der tschechischen Wissenschaftler stark umstritten. Jedenfalls steht eine grosse wissenschaftliche Diskussion bevor, die fruchtbar auf die böhmische Altertumsforschung cintvirken kann. unbekannten Sender stark ge- st ü r t, so dass besonders in den westlichen Bundesländern die Radiohörcr nur die störende Station hären konnten. Wie das„Weltblatt" behauptet, wurde durch die Untersuchung festgestellt, daß die Störung von einem„slawische n" Sender auSgegangcn sei. Die Rawag werde diesbezüglich beim Rundfunkwcltvcrband Beschwerde führen. Durchgreifen! Amtlich wird aus München mitgctcilt, daß im Jahre 1033 die Zahl der Todesfälle in Bayern 03.605 betrug und damit die Vorjahrszahl übertroffen wurde. Die Geburtenziffer war im Jahre 1033 8700 geringer als im Vorjahre. Der«Völkische Beobachter" schreibt im Zusammenhang mit dem Geburtenrückgang und den Zuschüssen, die die Stadtverwaltung Berlin für dgs dritte und vierte Kind in Aussicht gestellt hat:„Sollten sich aber die in Aussicht gestellten Zuschüsse nicht als genügender Anreiz zur Hebung der Geburtenfreudiglcit er- tveiscn, so ließe sich ihre Ucbcrtragung auf die Provinz immer noch rechtfertigen, Ivährend man in Berlin noch durchgreifender(I) Vorgehen müsste." Versailler„Hauptmaim von Köpenick" festgestellt. Der falsche Gcncralzahlmeister, der kürzlich in der Uniform eines obersten Beamten der Militärintendantur die Kasernen der Versailler Rrginienter zu brandschatzen versuchte, allerdings 2000 vor Christus oder-1934? Wissenschaftlicher Streit um prähistorische Funde bei Podersam Tagcsncuigheitcn Sieben Tote in Beuthen B e u t d c n. 10. Mürz. Wie dir Berwak- tnng der Karsten'Zentrum-Grube Henle mit- iteikt, ist der biöhcr alS lebend gemeldete zwischen den Grstrmsmaffen eingeklemmte Lehrhäuer »Eduard Kapol auS Mischowitz im Lanfr dcS Samstag vormittag- verstorben. Tie Bergung konnte leider erit nach seinem Ableben erfolgen. Da mit Bestimmtheit damit zu rechnen ist, dass die letzten beiden Eingeschlossrnrn, ein Häuer anö Bentbrn und rin Fördermann, nicht mrhr am Ledrn sind, hat dir Katastrophe bisher insgesamt sieben Todesopfer gefordert. Die«iin Freitag abends nach 72stündiger waren vier kleine tönern« Statuen. Gefangenschaft lebend geborgenen vier Bergleute, befinden sich den Umständen nach wohlauf. Drei- voa ihnen haben außer gcriugfügigen äußeren Verletzungen keinen ernstlichen Schaden erlitten, nur rin Fördermann, der untrrtagö zwischen einer Rohrleitnng und einer Holzverschalung ein geklemmt war, hat einen schweren Beinbruch und Fingergnetschungen davon getragcn. Verordnung werden über 20 standgerichtliche Verhandlungen, welche gegenivärtig in verschiedenen Gebieten Polens im Gange sind, den ordentlichen Gerichten überwiesen. • Ein Kaiser verspricht viel. Der Kaiser von Anna m, U-Bao-Dei, hat eine ProUamation an sein Volk erlassen, worin er mittcilt, dass er am 21. März heiraten und Fräulein N'Gnyen Hu Hao als Kaiserin von Annam auf seinen Thron erheben werde. Weilers sagte der Kaiser in seiner Proklamation: Die künftige Kaiserin wurde Ivie ich in Frankreich erzogen und vereint in ihrer Person die Grazia de» Westens mit dem Charme des Ostens. Ich spreche die Uelierzcugung ans, dass die künftige Kaiserin von Annam voll den schönen Titel der ersten Frau unseres Kaiserreiches verdienen werde. Sprengschuß verletzt drei Häuer. Jni llntcr- iagebctricb einer Schachtanlagc in B»er bei Gelsenkirchen sind am Samstag durch einen stek- kcngcbliebencn Sprciigschuss, der bei der Arbeit angebohrt Ivnrde und sicy-viötzlich entlud, drei Häuer schwer verletzt worden. Einer von ihnen ist ani Nachmittag seinen Verletzungen erlegen. Licbeätragödie in Mälirisch-Ostrau. Heute früh hat in Mähr.-Ostrau Emil Vojicch aus einem Revolver seine Geliebte, die 25jährige Bartän- zcrin Mimi Langrovä angeschossen. Hierauf schoß er sich selbst in den Kopf. Beide wurden in das Krankenhaus gebracht, Ivo die Langrovä inzwischen das Bewußtsein erlangte. Der Zustand der beiden ist sehr ernst. Die Ursache der Tragödie, die sich in der Wohnung der Tänzerin abspiclte, konnte noch nicht festgestellt werden. Freie Lrhrerstcllcn an deutschen MUtelschulcn und LehrerbildungSaiistaltr» in Böhmen. Im„Amtsblatt" vom 2. d. M. sind folgende Stellen ausgeschrieben: Eine Direktoren stelle am St.« R.-G. in Saaz; bei der Anstalt ist Natiirallvohnung- Gesuche können im Amisweg bis 21. April 1031 beim Landesschulrat in Prag eingebracht werden. Zum 1. September 1084 gelangen folgende systemi- sierte Professorenstellen zur Besetzung: 1. Tsch D an der staatlichen Koed. Lehrerbildungsanstalt in Prag HI; 2. Tsch mit zulässigen Fächern am St.-3l.-G/ ^hm ErfM^ist^r^Ä-E Wohl 3 C Dan der St-R. Ellbogen; aber festgestellt worden. ES ist ein gewisser Paul, ö' 1'- 1:' r° Christlicher AnschannngSnntrrricht. Man' j wird sich noch der BeruhigungSrcden crinnern, | mit denen die Repräsentanten des österreichischen ■ BlutregimeS nach der Nicderringung dcS proleta- j rischen Widerstandes die Hinterbliebenen ihrer | Opfer und deren Leidens- und Gesinnungsgenossen zu trösten versuchten. Man wird sich dessen 1 noch entsinnen, wie Herr Dollfuß, kaum daß ihm der verstummte Kanonendonner Gele- gcnhcit bot, sein Stinnnchen zu erheben, der Arbeiterschaft versicherte, eS würden ihre Rechte durch den neuen Ständestaat nicht angetastet werden, wie Herr Fey ihnen versprach, sic auS dem Irrgarten des Marxismus herrlichen Zei- ten cntgegenzuführen, wie der ganze Propagandaapparat des fascistischen Staates das Volk mit der Seligkeitsverheißung der Enzyklika Quadragesimo Anno überflutete. Seither sind erst wenige Tage verflossen. Die neuen Herren haben sich in ihren Machtpositionen eingerichtet, die oppositionellen Organisationen sind zcrschla- gen, die Arbeiterführer verhaftet, das Eigentum ihrer Partei gestohlen. Nichts mehr steht den Kanonieren Christi im Wege, um ihre Verspre- chungen zu erfiillcn, nichts mehr hindert sie, den Arbeitern nun endlich jene Zufriedenheit, sozia- len Wohlstand, Brot und Arbeit zu geben, mit der sic sie in den Tagen des Kampfes zu ködern versuchten. Kein Marxist mehr hat die Möglich- keit, ihnen entgegcnzutrctcn, wenn sie nun daran gehen, ihren Staat nach den so oft zitierten i Grundsätzen der Quadragesimo Anno alö christliche Gemeinschaft aller schaffenden Stände auf- zubaucn. Man hat mit Interesse auf die ersten Versuche gewartet, welche das soziale Bekennt- nis der höchsten kirchlichen Autorität in die Wirklichkeit umsetzcn sollten. Nun endlich hat die Negierung Dollfuß die erste einschneidende sozialpolitische Maßnahme getroffen: Sie hat die soziale» Abgaben der Arbeitgeber abgcschafft und deren Ucberwälzung auf die breiten Massen der Arbeitnehmer dekretiert. Ihre erste Maßnahme war also die Erfüllung eines Wunsches, der seit eh und je von der Einheitsfront oller kapitalistischer Scharfmacher verfochten wird. Unter Berufung auf die höchste Instanz der katholischen Kirche— die so gerne sich"als eine Kirche der Nächstenliebe bezeichnet— wird nun den Ar- men in ihrer Arnuit noch etwas geraubt, den Neichen zu ihrem Ueberfluss noch ctivaö gc- schenkt. Ein prächtiger Anschauungsunterricht für alle jene, die in dicseni allgemeinen Zusam- mcnbruch noch Hoffnungen auf die Verheißung des praktischen Christentums gesetzt haben und nun nichts anderes erleben, als daß dessen Bc- kenner den Mühseligen und Beladenen Kartät- scheu und Granaten, den Satten dieser Erde aber fette Bürgerkriegsgetvinnc bringen und die angemessene Verzinsung der Unkosten, die jene mit der Finanzierung der Henkersknechte auf sich genommen hatten. Quadragesimo anno— im 40. Jahre seit der kirchlichen Anerkennung dcS kapitalistischen Unrechts? ES hat sich eben so manches geändert im Laufe der 2000 Jahre, da auch ein Freiheitskämpfer sein Leben einem besseren Schicksal der Menschheit opfert. Gestörte»Kaiserjäger"»Premier«. Am Freitag fand in dem ehemaligen Lustspieltheater in Wien, welches in ein Kino umgewandelt wurde, die Premiere des neuen vaterländischen Films „D reiKaiscrjäger" statt. Die Wiener „Rawag" übertrug diese Premiere. Die zweite z Hälfte der Uebertragung wurde durch einen Die Tscheljuflin-Scholle will gegen die Küste Moskau, 10. Dlärz.(Dass.) Heule wurde' Kollegen die Ansicht, daß die Funde mit großer ein Radiogramm ans dem Lager der Tscheljuskin-! Zurückhaltung zu bewerten seien und eS nicht ans« Expedition aufgefangen, worin gesagt wird, daß geschlossen sei, daß cs sich nm Fälschungen handelt, der Wind seine Richtung geändert habe und nun. Sie sind cs, die an die Fälschungen HankaS crin- von Norden wehe. Dadurch wird das Eis wie-'»ein. Ungeklärt ist allerdings die Frage, wer ein derum gegen die Küste getrieben und die'Interesse daran haben lonnte, die Tontafeln und Risse im Eise schließen sich. Stellenweise beginnen* sich die Eisschollen zu Bergen aufzutünncn. Glücklicherweise wurde bei dieser Bewegung der impro visierte Flugplatz auf der großen Eisscholle nicht beschädigt. Der bekannte Flieger D o l o t o w ist gestern von Leningrad gegen Wladiwostok gestartet, um an den Rettungsarbeiten teilzunchmcn. Dem Flugzeug Bolotows folgt ein Ivciieres Riesenflug zeug mit einer Ladung von 700 Kilogrmnm Nah rungsmittel und Arzneien. Dieses Flugzeug ist für große Flüge in Polargcgendcn speziell konstruiert. Ramousse ist noch immer spurlos verschwunden. Der Exkönig gewinnt einen Prozeß. Wie daS„Journal" aus London meldet, hat der ehemalige spanische König Alfons Xlll. in London einen Prozess gewonnen. Eine spanische Bank wollte über Auftrag der spanischen Regierung einer Londoner Bank daS Geld für die von Alphonö in einer Londoner Bank deponierten spanischen Wertpapiere nicht anözahlen. Der englische Gerichtshof erlannte, dass eS sich nm das Persönliche Vermögen AlphonS handle, und verurteilte die spanische Bank zur vollen Auszahlung der Papiere im Gesamtwerte von 11.000 Pfund Sterling(ungefähr 1.75 Millionen KL) sowie zum Ersatz der Gerichtskosten. Roosevelt ist der DchnavS zu teuer. Präsident Roosevelt hat die angekiindigtc Aufhebung der Alkoholcinfuhrquoten bckanntgcgcbcn. Die Aufhebung soll ein bis zwei Monate dauern, um während dieser Zeit die unbeschränkte Einfuhr von alkoholischen Getränken zu gestatten. Der Präsident verfolgt damit daS Ziel, eine Sciilung der einheimischen Getränkepreise zu erreichen, die seiner Meinung nach zu hoch sind. Die Aufhebung der Quoten tritt sofort in Kraft. Gleichzeitig wurde bckanntgegcben, dass eine Anzahl kleineren Brennereien in den Vereinigten Staaten, die ihre Gesuche um Einbeziehung in die einheimischen Crzeugergnotcn nicht rechtzeitig abgegeben hatten, noch nachträglich die Brennereierlaubnis erhalten. Hiedurch wird die einheimische Erzeugung um 44 Millionen Gallonen jährlich erhöht. Dollfuß— der Henker. Die„Lvdzer VollS- zcitung" vom 17. Feber Ivar von der Lodzer Starostci für den Titel„Dollsnß— der Henker" beschlagnahmt worden. Nun hat die Lodzer Staatsanwaltschaft die Strafanllagc niedergeschlagen und die Beschlagnahme aufgehoben. Polnische Standgerichte aufgehoben. Im polnischen GeschcSblatt ist Sanislag die Verordnung dcö MinistcrrateS über die Anfhebnng der Standgerichte in Polen erschienen. Auf Grund dieser »W Sttit 5 Sonntet. 11 Mirz 1934 Grippe und Erkältungskrankheiten! Hrüers Geschäft mit dem Zudenstaat Wo Geschäfte zu machen sind, da müssen „rassische" Bedeiilcn zurücktretcn. Dies ist ein Grundsatz der nationalsozialistischen Regierung des Dritten Reiches. Seine konsequente Befolgung be» stAigt der Handel Deutschlands mit Palästina. Die deutsch« Einfuhr nach Palästina ist im Jahre 1V3S gegenüber 1032 um rund 7 Millionen Mark— also etwa 70 Millionen KL— gestiegen! „Mag auch der Hitler keinen Juden leiden— sein Geld, das nimmt er gern!"— Warum freilich die palästinensischen Juden von dem Hitler- deutschland so viel mehr Waren kaufen mutzten, das ist eine andere Frage. Die Steigerung erklärt sich nicht allein aus dem Abkommen, da» Wer die Auswanderung jüdischer Emigranten mit der Hitler-Regierung abgeschlossen worden ist. Bei der internationalen Solidarität, die die dem Internationalen Gewerkschafts-Bund angcschlossene jüdische Arbeiterschaft oben erst wieder mit ihrer beträchtlichen Spende für die österreichischen Arbeiter bewiesen hat. darf man annehmen, datz nicht sie Hitler unterstützt, sondern datz bestimmte Kreise der jüdischen Bourgeoisie keinerlei Bedenken tragen. ihre Geschäfte mit den Nazis aufrecht zu erhalte» und auszubauen. Dolphine Poppee ist am Donnerstag nach kur- zciu Krankenlager in Prag verschieden. Bis zum letzten Augenblick unermüdlich tätig— wusste sie immer für jeden irgendeinen guten Rat. Sie hatte lange zu kämpfen, bevor sie sich als wissenschaftliche Graphologin durchsetzte und Anerkennung sand. Seit Jahren arbeitete sic mit Polizei- und Gerichtsbehörden erfolgreich zusammen und in letzter Leit wurde sie auch zur Klärung des Vrän- stä-ProzesieZ herangezogen. Noch vor 40 Jahren wurden ihre Borträge in Wien verboten und es mutzten sich hohe Herrschaften für die Graphologie einsetzen. Später gab sie auch dann ein Buch heraus, welches■ in Fachkreisen volle Ancrkcnnuitg sand. Sie>var in Privat» und Gcscllschastskreisen des In- und Auslandes hochgeschätzt und viele verdanken ihr cnttoedcr in gesundheitlicher oder materieller Hinsicht ihre Existenz. Vergiftung Gisela WerbezirkS. In einer Auffiihrung der„Schönen GalathLe" in den Wiener Kammerspielen mutzte Frau Gisela Werbezirk durch eine andere Schauspielerin vertreten werden, da sie erkrankt>oar. Eö handelt sich um eine äuhcrst schwere M e d i k a m e n t v e r g i f- tung. Frau Werbeziel hatte in den letzten Tagen unter Erkältungserscheinungen zu leiden und nahin ein ihr von Bekannten empfohlenes Mittel Arcanol, was geradezu erschreckende Folgen nach sich zog. Innerhalb einer Viertelstunde ichwollen daS Gesicht, die Arme und Beine heftig an, iin Genick traten LähmungSerschcinüngcn auf, die Augenlider schivollen an und ein plötzlicher Schwindclanfall endete iit längerer Ohnmacht. ES gelang, Frau Werbezirk tvieder zum Bewusstsein zu bringen, doch wiederholten sich die OhnmachtS- ansälle im Laufe deö Tages mehrmals. Das Präparat tvurde untersucht und man stellte fest, datz eü Aiophan enthielt, gegen das der LrganiS- tttuS der Frau Werbezirk auf so heftige Art reagierte. Der Künstlerin wurden sofort Gegenmittel verabreicht, die die Wirkung hatten, datz die Anschwellungen znriickgingen und daS Allgemeinbefinden sich allmählich besserte. Frau Werbe- zirl inutz nach wie vor das Bett hüten und dürfte erst in einigen Tagen lvieder völlig hergesteilt sein. DaS Neberbleibsrl. Während deö Semesters war am schlvarzen Breit der Hamburger llniver- jität ein auf braunem Papier gedruckter Anschlag zu lesen:„Der letzte Rest deö jüdischen Liberalismus ist der Geist. Dieses letzte Ueberbleibsel iüdischen Liberalismus mutz vernichtet tverdcn." Gegen Grippe und alle Erkältungskrankheiten sind Togal-Tabletten ein hervorragendes Mittel. Togal scheidet die Harnsäure m>S, ist in hohem Matze bakterientötend und geht daher zur Wurzel des Nebels. Im Anfangsstadium genom- Jn der Tschechoslowakei erscheint soeben aus der Feder von Josef Mach ein Büchlein mit Kurzgeschichten über den Präsidenten Masarvk, auS dem wir nach, stehend einige Proben veröffentlichen. Masarhk spricht öffentlich sehr ungern und noch Iveniger gern bereitet er sich auf solche Knud» gebungcn vor. Er verschiebt solche Arbeit von einem Tag auf den anderen, getvöhnlich bis zur letzten Minute. „Ich warte lieber, bis mir die Behörden Vorschlägen, was ich sagen soll," erllärtc'cr einmal zu seiner Entschuldigung. „Und dann richten Sic sich nach diesen Vorschlägen?" „Nie, nicht einen einzigen Satz verwerte ich daraus. Aber ich konzipiere besser, wenn das vor mir liegt, tvas ich nicht sagen Ivill." DaS unmögliche Staatsoberhaupt. H. W. Steed erzählt folgende Geschichte: „Ich werde nicht so bald die Mischung von Formalität und ZwangSlosigkeit bei Masarykö Ankunft in London vergessen. Ans dem Eustoner Bahnhof stand die Ehrenlompagnic und anwesend war der kommandierende General von London und der Vertreter des Auhenministerium«. aber keiner von ihnen kannte Masarhk vom Sehen. Seton-Watson, ich und andere Freunde standen auf dem Pcrronöende, da tarn bet' kommandierende General zu mir, fixierte mich von ohen bis unten und fragte, so gut er konnte: „Sind Sie etwa» Besonderes?" „Nein," antwortete ich. ,. ich bin der Redakteur der autzenpolitischen Rubrik der Times." „Oh," rief er und ging weg. Gleich darauf lehrte er lvieder zurück und fragte mich, ob ich den neuen Präsidenten kenne. Als ich dies bejahte, ersuchte er mich, ich möge ihn den Behörden zeigen. Eö wqr nicht notwendig, datz ich auf ihn aüfmerlsanl machte. Sobald der Zug zum Steheit' kam, sprang auü ihm derselbe alte liebe Masarhk in seinem langen Ulster und loeichcn Filzhut, wie ich ihn gekannt habe. Er eilte als älter Freund ans mich zu. Dann beniächtigten sich seiner die Behörden und brachten ihn dazu, datz er die Besichtigung der Ehrcnkompagnie vornahm, deren Musik die tschechische StaatShhmne nicht kannte und das Lied„Der siegreiche Held lommt!" intonierte. Daraufhin setzten sic ihn ins offizielle Automobil, das aber nur zwei Sitze hatte. Sic erwarteten, Masarn! werde streng formell weg- fahren. Doch er zog mich zu sich in den Wagen,« nahm mich auf den Schatz und der Gesandte Dr. Offusky nahm Seton-Watson aus den Schütz. So betrat Masarhk zum unaussprechlichen Erstarren der Behörden zum ersten Male ossi- ziell London. Auf dem Perron liehen wir den konlinandiercnden General zurück, der immer noch darüber nachgedacht hat, ob ich doch nicht„etwas Besonderes" lvar und der wahrscheinlich eine sehr men, verhindert Togal den Ausbruch der Grippe. Erstaunliche Erfolget Mehr als 0000 ärztliche 'Gutachten! Ein Versuch überzeugt. In allen Apotheken. Generaldepot: Brmmer'ü Apotheke „Zum weihen Löwen", Prag H„ Pkikopy 14. 2325 merkwürdige Meinung bekam Wer die Sitten der Wilden Mitteleuropas. Oesterreichs Leiche. Der Wiener Arzt und berühmte Operateur Professor Lorenz hat nach dem Umsturz einen Artikel Wer den Präsidenten Masarhk in die „Neue Freie Presse" geschrieben. Er schilderte darin, wie vor Jahren, als er noch selbst Assistent der Klinik war, zwei Stndenten zu ihm kamen und ihn baten, einige private Lektionen ans Anatomie zu geben. Einer dieser Studenten war Thomas Masarhk. Bei einer Lektion wurde seziert. Aber Masarhk schnitt zu tief. „Wenn Sie auf eine solche Weise einen lebenden Menschen schnitten, stünde er nieinals lvieder auf," bemerkte Lorenz und fügte l«ei dieser Erinnerung in der„Neuen Freien Presse" politisch hinzu: „Während des Krieges verbrach Masarhk dasselbe an Oesterreich. ES war eine schlechte Operation. Er hat cs zerschnitten, damit eS nie wieder ausstehe." Präsident Masaryl las die Erinnerung und schickte postwendend Professor Lorenz eine freundschaftliche Berichtigung:„Sie irre», cs war bereits eine Leiche." Schulden und Treue. Als Masarhk im Dezember 10!8 als Präsident der Republik nach Prag zurückgclehrt Ivar, wurde ec mit Angeboten verschiedener Prager ^Schneider überschüttet. Alle wollten„Hoflieferanten" werden. „Ach nein." schlug der Präsident alle Angebote ab,„ich werde dort nähen lassen, wo ich vor dem Kriege Schulden gemacht habe." Von der Freigebigkeit. Das Töchterchen des Schriftstellers Karl Polacek hatte von ihrem Vater das Versprechen erhalten, ihr an ihrem Geburtstage den Präsidenten zu zeigen. To geschah eö— der Geburtstag siel eben aus einen Freilag und. so führte der Schriftsteller Polacek sein Töchterchen in den Garten Capekö, wo sie nickt nur den Präsidenten sah, soiidcrn auch mit ihm sprechen durfte. Sie rühinte sich, datz ihr Vater diese Zusammenkunft als besonderes Geschenk versprochen habe. Der Präsident lachte und lvendete sich zu Polacek mit den Worten: „Sic sind aber freigebig! DaS erinnert mich an meine Landsleute von unserem Dorf, die ihren Kindern als Gesthenk zur Kommunion die Haare schneiden lassen." Masarhk und dir neue Sachlichkeit. Auf einer Ausstellung beschaute der Präsident verschiedene Wohnungseinrichtungen und setzte sich in einen der ausgestellten Sessel, um auszuprobicren. ob es sich auch bequem sitzen lasse. Er stand auf und sagte nachdenklich:„Ich habe öfters beachtet, datz die Menschen jetzt nicht anss Sitzen aufpasscn. Den Sessel miitzte ich noch anS- Er setzte sich neuerdings und streckte sich bequem ans. „Die Künstler machen jetzt alles fürs Auge, aber Sessel sind für einen ganz anderen Körperteil bestimmt." Dir Steckrnpfcrdchcn. Den verstorbenen Antonin Svehla hat man in Lany wegen seines Steckenpferdes lustig aufgezogen. Er ging nämlich gern durch die Zimmer und richtete alle Bilder, damit sie ganz genau gerade hängen. „Ich habe wieder leidenschaftlich gerir Bleistifte gespitzt," verriet der Präsident. „Und jetzt spitzen Sie keine mehr?" „Wie gerne, aber die Leute legen mir immer schon gespitzte auf den Tisch." Er ergibt sich nicht. Man sprach Freitag bei den Capekö von verschiedenen Krankheiten und ihren Shmptomcn und der und jener rühmte sich, welchen Blutdruck er habe und mit ähnlichen Dingen. Der Präsident hörte zu und sagte endlich: „Also, mir sagt der Arzt, datz ich den Blutdruck vollkommen normal habe und überhaupt fiihle ich mich jetzt gesund." Und nach einer sleinen Weile: „Wenn eö so weiter geht, wird das Parlament abstimmen müssen, ob ich schon sterben mutz." Kein Geschäft auf der Leipziger Messe Berlin, 10. März.(Jnprcss.) Die vor einigen Tagen eröffnete Leipziger Messe wird von den führenden Aazizcitungen—„Völkischer Beobachter",„Angriff"»sw.— als ungeheurer Erfolg gepriesen. Welchen Misserfolg diese„Messe des Aufstieges" tatsächlicki darstcllt, ist einigen Berieten von glcichgejchaltetcn Blättern zu entnehmen, die offenbar nicht ausreichend„redigiert" worden sind. So schreibt das„Hamburger Frcmdcnblatt": „Das auSländisck'e Einkäuferelemcnt ist zwar ziemlich gut vertreten, vor allen« aus den kontinentalen Ländern, aber die Einsäufc aus ausländische Rechnung beschräntcir sich in vielen Fällen aus Musterorders. DaS Geschäft«nit deir Vereinigten Staaten fällt auf der Messe, wie es scheint, ans. Das lechnischc Spielzeug, soweit cs sich um die Inlandsnachfrage handelt, ist gegenüber den Artikeln zum Toldatenspiclcn(!) zurückgetreten, so datz die FabrikationSiunstellung auf gewisse Schwierigkeiten stützt." Die„Vossische Zeitung" gesteht:'„Die verkauften Mengen sind zum Teil nicht gross, weil die Liquidität deS Handels noch* verbessert werden mutz. Bisher ist daS Exportgeschäft, von Ausnahmen abgesehen, gering." Die„Saarbrücker Zeitung" ist noch deutlicher:„Die Erfahrungen der saarländischen Aussteller stimmen ziemlich bündig mü den Erwartungen überein, denen wir in unseren vorauS- gegangcnen Berichte«« Ausdruck gegeben haben: lebhafte Erkundigungen, starke Beachtung der Leistungsfähigkeit, aber kein Geschäft." Ein gutes Werk ist der Kauf von Losen der Arbelterfürsorge I Preis Kfi 3 Anekdoten um-en Präsidenten K«r-geschichten um Masaryk Brief an einen alten Freund Mei»« lieber Johannes R. Becher! Ich weiss zwar, datz Du meinen letzten Bries noch nicht vergessen hast, und wollte Dich sobald nicht wieder stören; allein meine Vorliebe für die aus Deinen Gegenden heranblühende Poesie ver- anlatzt mich, Dir abermals einen BelvciS meiner Auftncrksamteit zu senden. Ich habe nämlich eine entzückende Ueberraschung erlebt, die ich Dir nicht vorenthalten kann: ES hat sich gezeigt, Johannes, dass Du in der erhabenen Einsamkeit Deines künstlerischen Schaffens Gesellschaft erhältst. Der unmittelbare Anlass dafür lvar der Verrat der Wiener Sozialfascisten, denen es gelungen ist, die Arbeiterschaft den« FasciömuS auszuliefcrn. Der blutige Widerstand, den die grosse österreichische Kommunistische Partei dem konzentrischen Angriff der Dollfutz und Seitz, der Starhembcrg u>«d Wal« lisch leistete, hat nun einen mir bisher unbekannten proletarischen Dichter inspiriert. Der Mann heisst Josef Amberger und widmet den österreichischen Arbeiter«« in der Moskauer„Deutschen Zentral-Zeitung", ebendort, wo sonst Du Deine herrlichen Dichtungen zu veröffentlichen vslegst, 32 Strophen.(Ofsenbar als Ersatz für das e i n c Bombenflugzeug, mit dem den Wiener Arbeitern geholfen gewesen lväre und das am Abflug von Moskau leider verhindert war.) Ich habe aber den Eindruck, dass Josef Amberger ein Pseu- donhm ist. hinter dem sich der wahre Namen deö Dichters in rätselhafter Bescheidenheit verbirgt, lind noch stärker ist«nein Eindruck, dass Du, Johannes, w e i ss t, wer dieser Arm« Ibergerin Wirk! ich keit ist. ES muss einer deiner besten Schüler sein, denn die charakteristischen MerkmaleDei- n e r P r o d u kt i o n, die ich mit soviel Sorgfalt studiert habe, hat er Dir täuschend abgeguckt. Ich finde bei ihm dieselbe kraftvolle Auflockerung der Versmasse, dieselbe schwielige Arbeiterfaust, die«nit den Hebungen und Senkungen des deutschen Verses kurzen Prozess macht, dieselbe ungezügelte Brandung des Rhythmus, die bei der Lektüre den Zusta««d der Seekrankheit so plastisch fühlen lässt, lvie in Deinen Schöpfungen. Er bedient sich desselben vom Bildungsprivileg der herrschenden Klaffe nicht angekränkelten, robusten Analphabetismus im Ausdruck wie Du, Johannes. Er zeigt sogar dieselbe Qualität der Gesinnung wie Du. und das will schon ettvas heissen. Du muht ihn kennen, Johannes, er ist von Deiner Muse gezeichnet! Ich möchte nur wissen,«varum er nicht mit seinem wahren Rainen hervortritt. Fürchtet er vielleicht die Kritik? Oder hat der Aerinste am Ende Angst vor Polemiken. Ich zum Beispiel habe gar nicht die Absicht, mit ihm zu polemisieren, sondern lvill Dir bloss die Schönheiten seiner Dichtung vor Augen führen. Etwa diese Strophe: Es standen die Arbeiter auf in Dien Mit Greisen, Frauen und Kindern. Bon Floridsdorf rief es bis Ottakring: Tod den Schergen und Schindern! So hat es ganz bestimmt von Floridsdorf bis Ottakring gerufen. Amberger ist überhaupt eü« Meister der Metrik, gerade so wie Du. Da der Schwerpunkt seiner VerSzeile an ihrem Ende liegt, schreibt er: Sie unterminierten die Häuser und Schöffen hinein mit Geschützen, Sie warfen Bomben vom Flugzeug, um Die Häuser eniziveizuschlitzen. Kommt Dir der Versbau nicht bekannt vor, Johannes? Ich kenne noch einen Dichter, der es ebenso versteht, den künstlerischen Gehalt seiner Dichtungen mir der Grösse ihres Anlasses in Einklang zu bringen und die Greuel der Wirklichkeit aus Eigenem noch zu vermehre««. Amberger allerdings stellt grosse Anforderungen an seine Leser. Du weiht ja schm«, dass ich kein Laie bin, aber ich bin trotzdem noch nicht dahinter gekommen, wie man die dritte Zeile folgender Strophe zu lese«« hat: Der Herr der Lage, Herr Dollfutz, zuerst Wiegte sich in der Taille, Er zog die Kaiserjäger, uniform an Und trug dazu eine Medaille. Kennst Du diesen Kaffeemühlenrhythmus, Johannes? Weisst Du wirklich nicht, wer der Amberger ist? Hör' doch einmal, wie ec stottert: Wer von uns beiden ist eigentlich nun Der Herr, der Herr der Lage? JohajoHannes, die Stimme kennen wirdoch! Mir wird es inimer klarer, wer von uns beiden eigentlich" der Herr, der Herr der Lage ist. Wende mir bitte nicht ein, dass Stottern noch kein Indiz sei. tveil cs doch auch jeder Dorftrottel tut. Nicht jeder Dorftrottel darf in der D. Z. Z. schreiben. Dazu legitimiert ihn erst eine Gejinnnng. die so. ,'uSsieht: Auch andere Führer hatten bereits Bor Beginn des Kampfes sich ergeben, Sir wollten noch O r st er reich 8 große Zeit Unter StarhcmbergS Herrschaft erleben. Dabei«««eint er die Führer der österreichischen Sozialdemokratie! Zlveifclst Du noch, Johannes? Ich nicht! T:uu so einen Kerl kann es doch nicht ü« allzu vielen Exemplaren geben. Das ist niemand anderer als— Josef Amberger, Johannes R. Becher! Dass er die Beschimpfung proletarischer Märtyrer jetzt nicht osfci« zu zeichnen tvagt, steht durchaus nicht im Widerspruch zu dem Bild, da« ich mir immer von ihm gemacht habe. Er hat eben erfahren, lvie leicht mai« heutzutage ein paar übers Maul bekommen kann und duckt sich. Ge»«ci>«heit und Feigheit gehöre«« zu ei««ander. Jedenfalls aber glaube ich, Johannes, dass wir beide und unsere Leser für diesmal genug wissen und das; der Amberger das nächstcmal unter seinem lvahrcn Name«« schreiben kann. Er hat ohnehin nicht mehr viel zu riskieren. Und mir entgeht er doch nicht, auch wenn er sich in den Dreck verkriecht, aus dem er geschaffen ist, hinter eil« Pseudonym in der„Deutschen Zentral- Zeitung", wo er diesen Gedanken lvahrscheinlich so ausdrücken ivürdc: Denn in seiner Verse Gchink, Gckall und— Und Gestotter täusch ich mich nicht. Und die Gesinnung verrät ihn, auch wenn Ter Rubclpoet sich verkriecht. Dem H. T.; Crffet „Sozialdemokrat" Sonntag 11. März 1V34 Nr. l» Sport• Spiel• Körperpflege PRAGER ZEITUNG Konst und Wissen der Sitzung der Vortröge I r Akademiker. entfällt am Freie Bereinigung sozialistischer Sozialpsychologische Arbeitsgemeinschaft Montag. Wocheuspielplan der-leinen Bühne. Sonntag 8 Uhr: Diegroße Chance, Eraufführung.— Montag 8 Uhr: Weiher Glieder.— Dienstag halb 8 Uhr: Gastspiel Leopold Kramer: Papa.— Mittwoch halb 8 Uhr: Non neuer can teil, Ensemblegastfpiel der English DlayerS.— Donnerstag halb 8 Uhr: Anthony and Ann, Gastspiel der English PlanerS.— Freitag 8 Uhr:DieTra« fiK ihrer Exzellenz, KnlturverbandS- freunde nnd freier Verkauf.— EamStag 8 Uhr: Die große Chance.— Eine belgische Fußballmannschaft nach Rußland. Besprechungen haben dazu geführt, daß eine Mannschaft belgischer BolkSschullehrer mehrere Spiele in den Städten der Sowjet-Union anStragen soll. DaS National-Komitee hat seine prinzipielle Einwilligung dazu gegeben. Bei Fettsucht, Gicht und Zuckerharnruhr verbessert daS natürliche„Franz-Josef"-Bitterwasser die Magen- nnd Darmtätigkeit nnd fördert nachhaltig die Verdmnmg. 2106 Mitteilungen aus dem Publikum. Dozent Dr. Paul Mahler ordiniert ab 10. Mär- Prag II., Mezibranskä 19, Hochparterre. Telephon unverändert 27171. 2332 Selchwaren der Fa.HEQNER« Cie., PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I Verlangen Sie In jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN wir ans. Geschüttelt von Schmerzen, zum soundsovielten Riale operiert und zusammengeflickt— eS gäbe ja eine Radikalkur,' die unS erlösen könnte — nicht der Selbstmord, nein nein— aber so weit sind die Aerzte noch nicht.;..,'■ Inzwischen liegt der Dimm im Krankenhaus und wartet auf das wohltätige Messer. EliaS Kemp. der film Ls gibt nur eine Liebe Diese Goebbels-Filme gleichen sich wie ei» Ei dem anderen. Aber nicht einmal der Wechsel iin Handelsministerium und die Unverschämtheiten der Berliner Filmgesellschaft gegenüber hiesigen Mitarbeitern und Förderern deS braunen Films scheinen an der fortgesetzten Einfuhr dieses Kunstdüngers etwas ändern zu können. Wer es vorzieht, sich de« neu erschienenen Berliner Film mit dem oben zitierten Titel nicht anzusehen, der versäumt einen Sänger namens LouiS Graveure, der sich noch dümmer stellt als ein Tenor nach dem Sprichwort zu sein hat und der noch peinlicher wirkt als seine bisher aus die Leinwand geratenen Kollegen, da er weder sprechen noch spielen kann und statt Gesang ein ausdrucksloses Geschmetter von sich gibt. Die Handlung, die grotesk sein möchte, aber nur albern ist. beginnt damit, daß der Kammersänger nicht, wie üblich, mit einem Kammerdiener, sondern mit einem Räuber verwechselt wird. Am übrigen wertet sie die Haftpsychosc iin Dritten Reich humoristisch aus: ein Mann, der sich über die polizeiliche Beschlagnahme seines Autos beschwert, wird zur Strafe immerfort einaesperrt, ein Mädchen. daS offenbar unzurechnungsfähig ist, der die Verrückte auf diese Art loswerden könnte, befreit sie und gerät nun in die Feffeln der Ehe. Jenny A o g o und Heinz R ü b m a n n haben schon oft minderwertige Roll?» gespielt— aber in diesem Film werden Anforderungen an sie gestellt, denen sie widerstandslos erliegen müllen.—eis— «Ilfavely berliner als„Katharina die Große" wurde in Deutschland verboten Wichttge SASI-Besprechung in Prag Anfang März fand eine Besprechung der Büromitglieder Silaba, Müller, Bühren unter dem Vorsitz des Genossen Deutsch statt. Von allen wurde der Freude Ausdruck gegeben, daß Genosse Deutsch den Henkern entkommen ist. Genosse Deutsch wird wie bisher als Präsident mit seiner ganzen Kraft weiterarbeiten. Die durch die politische Entwicklung der letzten Zeit gegebene Situation wurde eingehend besprochen und eine Uebersicht über die Aktivität der SASJ.«Verbände gegeben. Der technische HauptauSschnß soll einer Rekonstruktion unterzogen werden, um ein rascheres und mit weniger Kosten verbundenes Arbeiten zu ermöglichen. Die n ä ch st e B ü r o s i h u n g, die im September d. Jk in Karlsbad stattfindet, soll die endgültige Genehmigung erteilen. lieber Wunsch der amerikanischen Genossen wird Genosse Bühren eine längere Kursus- reise nach Amerika unternehmen. Dem Wunsche der amerikanischen Genoffen in finanzieller Beziehung wird Rechnung getragen. Um die Arbeit der Untersekretäre zu unterstützen, wird dem Genoffen Devlieger für die romanischen Länder und dem Genollen Kalnin für die nordischen Länder ein Geldbetrag für Propaganda zur Verfügung gestellt. Wegen der Forderung der SASJ. beimASkö werden dienStigenSicherstel- lungen vorgenommen. Für all diese Beschlüsse wird noch daS schriftliche Einverständnis des Präsidenten Guillevic und der anderen Büromitglieder eingeholt. Deutsche Mnstkakademie: Oesfentlicher Abend, Montag, den 12. März, um 20 Uhr im Saale der „Urania". Am Programm Werke für Violine, Cello, Kontrabaß, Flöte, Harfe und Gesang. Heute halb 3 Uhr: Gastspiel Kramer„DaS Konzert" als Arbeitervorstellung. Karten an der Thcaterkaffa. Wochenspielplan deS Neuen Deutschen Theaters. Sonntag nachmittags halb 3 Uhr: DaS Konzert, Arbeitervorstellung, abends halb 8 Uhr: Boris Godunow, D 2.— Montag halb 8 Uhr: D e r Brief, Ensemblegastspiel Durieux, A 2.— Dienstag halb 8 Uhr: Towarisch, volkstümliche Vorstellung, AA.— Mittwoch halb 8 Uhr: Turan- d ot, Erstaufführung. B 1.— Donnerstag halb 8 Uhr: D i e g öttli ch e Iette, C 1.— Freitag halb 8 Uhr: Das Konzert, Abschiedsvorstellung Leopold Kramer, AA.— EamStag halb 8 Uhr: Turandot, A2.— Schmerz geheuchelt haben, möglich— heute glaubt er daran! Heute hat er wirklich unausstehliche Schmerze» I Man muß ihm Injektionen geben, dann fühlt er sich ein wenig besser. Man spritzt ihm Kochsalzlösung ein, das bewirkt überhaupt nichts, aber er glaubt, für eine Weile nicht zu leiden. Die Autosuggestion des Schmerzes ist es, die ihn herumwirft in den Kiffen, daß er nicht weiß, wohin mit sich. Erlöst kann er erst werden durch eine sinn- und zwecklose Operation. Eine amüsante Zeit, in der wir leben. Sie bringt ganz neue, überraschende Arten von Verrücktheit hervor. Die Tollwut ist von du: Hunden korporativ ans die Menschheit übergesprungen. Er ist bekannt in allen Krankenhäusern der, Republik. Niemand will ihn mehr operieren. Man bat ihn fortgeschickt, von hier nach da, den Leidenssüchtigen. Gibt eS keinen Ausweg für ihn? Gibt ed keinen Ausweg aus der Krise..-.'?'• Man spielt mit. dem genialen Gedanken, ihn ins Ausland abzuschieben. Vielleicht, ist da noch ein Professor so harmlos, in den narbenübersäten Kör-, per zum dreizehnten Male■ hineinzuhacken, tief, tief in die Eingeweide, wo doch nichts wühlt als der Hunger. Eigentlich' ist dieser Mann ein Symbol, sein zerschnittener Leib liegt auf dem" Operationstisch für unS alle. So sehen wir auS. So sehen Dir Bisten. Irgendwo in dieser großen Stadt läuft in einem Kino ein Film aus der Wirklichkeit. Aus jener Wirklichkeit allerdings, die man in den Ateliers zu erfinden pflegt, und die aus idyllischer Rührseligkeit nnd der raniiemengesegnctcn Schlagsahne ideenloser Manuskripthandiverker und Schund- fabrikantcn besteht. Es ist ein rcichsdeutsckcr Film, und da» sagt schließlich über die Riveaulosigkeit sowohl der heimischen Behandlung des Thema?, als auch über das Thema selbst, alles. Die„Handlung", die eben keine Handlung, sondern eine infantile Läpperei ist, spielt in Wien. Sie treibt mit dem Leben der Arbeitslosen Spott, läßt die Hungernden lachenden Gesichtes ihre Not ignorieren und löst die ganze Problematik unserer Zeit in einem Wust von Sentimentalitäten und„bumor"vollen, glücklichen Zufälligkeiten aus. Aber ans der Lede des llnsinnS, der sich auf der Leinwand auftut, rrivächst plötzlich, von den Machern unbeabsichtigt und nicht erwartet, eine Vision. Eine Vision von so unerhörter Lebendigkeit, daß man ans gähnender Sangciveilc aufschrickt und plötzlich im Innersten gepackt ist. Während daS Leben dieses Films tot ist, erwächst plötzlich aus der Kulisse das Leben, so stark und so unheimlich, daß einem fast der Atem stille steht. Herrliche Wobn- bauten sieben vor unserem Auge, Wohnbauten, die Sonne, Luft, Freude und Menschlichkeit atmen. Und in der Symphonie dieser Menschcnschöpfung flammt wie eine flammende Anklage eine Inschrift, groß, erbabcn und unvergeßlich:„Goethchok Gemeinde Wien, erbaut aus den Mitteln des Wohnbausteuer..."— Aus der sticken Enge des billigen ZweckkitscheS steigt der Geist der Geschichte... Der Geist der unsterblichen Kämpfer von Wien... Ein tiefes, andächtiges Schweigen liegt über dem Raum. Und als das Lickt aufglüht, brennt in den Herzen «in Erlebnis. Das Erlebnis einer schlichten Inschrift, die die Schande ihrer Zerstörer überdauern wird——P—re. AuSflugSzug in die Tatra. Die Staatsbahndirektion in Prag veranstaltet Ausflüge in die Hohe Tatra, und zwar vom 17. bis 26. März und vom 24. März bis 8. April. Beide Ausflüge sind sichergestellt. Abfahrt um 20.66 Ilhr. Informationen und Anmeldungen für die restlichen Plätze an der Kassa 18 des Masarykbahnhofes oder telephonisch unter Rümmer 270.51. Außerhalb Prag wohnhafte Teilnehmer mögen die Anzahlungen durch die Post an die Kassa Nr. 13 des Masarykbahnhofes einzahlen. Gestatt dieser gelt Ein Mann schleppt sich ins Krankenhaus. Er leide unter lvabnsinnigen Schmerzen, sagt er. Wo? In der Lendengegend. MS der Arzt den Körper untersucht, stellt er fest: Ein alter Bekannter, dieser Mann. Ein Original deS Leidens, sozusagen. Der Mann, der sich operieren läßt. Jawohl. Gewöhnliche Menschen haben den Trieb, den einfachen, primitiven Trieb der Selbsterhaltung. DaS hat sich verloren bei diesem Mann Sein Körper ist von furchtbaren Narben zerhackt, zwölf,— zwölf!— Operationen hat er hinter sich, hat geklagt und gestöhnt und gewinselt und gejammert, bis die Aerzte nicht anders konnten und ihn operierten, jedes Mal ergebnislos. Keine leichten Operationen, schwere, sehr schwere Eingriffe hat er an sich vollführen lassen. Warum? Die Lösung ist ziemlich einfach: Arbeitslosigkeit. Nicht, daß er sich bei den Operationen amüsieren wollte— aber Operation bedeutet lange, gute Bettruhe, bedeutet Wärme und Essen und Gepflegtsein. Wer kennt nicht die Landstreicher, die im November hingehen und«ine Schaufensterscheibe zerschlagen? Man stellt sie vor Gericht, sie kommen ein Vierteljahr nach Pankratz und übertvintern. DaS war früher einmal, in befferen Zeiten. Wer heute vor Kälte und Hunger flüchten will, muß mehr einsehen: Den Körper, Schmerz, Blut und Schnitte — für Brot und Licht und Wärme und Gepflegtsein. Zwölf Stationen des Leidens bis zum Paradies der Sättigung. Bei den Operationen ist aber in dem Mann etwas kaputt gegangen. Mag er bei den ersten Malen Die Demokrattr und die Diftatnr, ist daö Thema des Vortrages des Professor an der Pariser Sorbonne Viktor Basch, Vorsitzenden der Internationalen Federation der Ligen für Menschenrechte und Vorsitzenden der französischen Liga. Der Vortrag findet am Dienstag, den 13. März um%20 Uhr inderZcntralbiblio- the k der Stadt Prag(Prag I. Marianske näm.) statt und wird übersetzt.— Veranstaltet und ladet ein„Die Liga für Menschenrechte" in der Tsche- choflowakischen Republik. Der Internationale Frauentag in Prag findet gemeinsam mit den tschechischen Genosfinnen Mittwoch, den 14. März um 19 Uhr in der Produktenbärse statt. Deutsche Referenttn: Genossin Maria Deutsch. Tschechische Referenttn: Genossin Milena Jllovä. «Senosfinnen, fforal für einen anatfenbefutfi! Bezugsbedingungen: Bet Zustellung tnS HauS öder bet Bezug durch die Post inonmlich KC 16.—, vierteljährig Kö 48.—. halbjährig Kä 00.—. ganziährrg Kä 192.—.— Inserate werden lau» Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manustripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeintngsfrankatur wurde von der Post« und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VH/1030 bewilligt.— Druckerei:.^OrbiS", Druck-, Verlags- und ZeiMngS-A.-G., Prag. vcrclnsnadiridilcn VolkSfinggrmeinde Prag. Dienstag, den 13. März abends 8 Uhr Gesangprobe im Probelokal Smeökagaffe.Vorher AuSschußsitzung. Tagesordnung: Stellungnahme zur Mitgliederversammlung. Easanova Daß sich die Mucker beiin Anblick dieses Mannes vernmtlich aufregen werden, der in jedes halbwegs verheißungsvolle Dekolletö späht und sich alle Augenblicke entkleidet, lveil immer neue Betten m»f ihn lvarten, ist für uns andere noch kein Grund zur Begeisterung. ES ist im Gegenteil sehr langweilig, die Vorbereitungen zu diesen Liebesnächten mit ansehen zu ntüssen, die sich so gleichförmig vollziehen und durch die kindischen Intrigen,»nit denen sie in Szene gesetzt werden, noch unbedeutender werden als sie an sich schon sind. Wenn eS wirklich nötig war, aus dem alten Casanova einen Jiln» zu machen, dann hätte man wenigstens versuche»» sollen, ihn in ein anderes Lichl zu sehen als das der Revuen ur»d Singspiele, die den sexuellen Rekordjäger bewundern, der in seinen mit offenen Augen und wachem Geist geschriebenen Erzählungen verraten hat, wie leicht eS ihn» die mrwissenden u. gelangweilten Aristokratinnen deS Rokoko machten, dei» Verführer zu spielen, und wie viel Zeit er verschwendet hat, um keine von allen gebotenen Gelegenheiten zi» versäumen. Dieser französische Filin des Regisseurs Renä BarberiS hält sich ans alte langweilige Schema. Casanova ist hie» wieder ein strahleird erfolgreicher Reisender in Galanterie, eil» in Samt und Seide kostümierter Re« vuegoit, umgeben von hübschen Gesichtern, gepuderten Perücken, eroberte»» Betten und ergrimmten, weil in ihren» Besihrccht verletzten Ehemännern. Daß mn Schluß dani» so etwas wie die große Liebe kommt, ist keine gcistteiche. Pointe, sondern einfach ein kitschiges happy end— belanglos wie diese ganze, mit Bilder»» ans Venedig und Versailles prunkvoll anSgcschmückte Lcinwandschau, in der von M o S j u- k i n bis zur letzten seiner lächelnden Part»»erinnen nicht einmal schmispielerisch etwas geleistet wird. —eis— . e. wnd/orm ^toitfau ß.q». Leitender Arzt Dr. A. Saude Phys, dlötet. Heilanstalt für alle innere« u. Stoffwechselkrankheiten, rheumatische Erkrankungen, Ischias, Nervenkrankheiten Prospelle s u. Auskünfte durch die Verwaltung. Telefon L! Los 6er Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag Sonntag in» Parteiheim Nationalstraße Nr. 4, 2. Stock, Zusammenkunft aller Prager S.I.«Gruppen. Zwangsloser Heimbetrieb(Brettspiele, Musik, Lieder usw.) ab 6 Uhr abends. Montag 8 Uhr im Parteiheim Kreisleitung. FEUER-, EINBRUCH-, STURZ-, SPRENG- UND SCHMELZSICHERE „AJAX“- PANZERKASSEN Erstklassige und bewährte Konstruktion- Prima Zeugnlsso Ober erfolglose Elnbruchsversucbo Feuer- un i diebessichere Bücherschränke, geheime Mauerschränkchen, Geldkassetten usw. PANZERKASSEN- UND KASSETTEN-FABRIK Joh. Otto Großer, Bodenbach a. E. GEGRÜNDET 1S07- PRIMA REFERENZEN- MEHRFACH PRÄMIIERT fflilfeilunoen der„Urania“ Wochrnprogramm vom 11. bis einschließlich 17. März 1334 Sonntag, halb 11 Uhr: Kulturfilln. Zum Kab Guten Hoffnung. Montag, 8 Uhr: Oefferitlichcr Abend der Mu- sikakadeinie. Montag, V.0 Uhr:„Zum Kap der Guten Hoffnung". K»ilturfilm. Dienstag, 3 Uhr: Führung durch die Radio- Messe. Treffpunkt vor dem Radio-Palast. Dienstag, 8 Uhr:„Entzaubertes Ostasien". Dr. Josef Wcchsberg. Mittwoch, 3 Uhr:„Jugendkino". Filme und Kasperlspiele. Mitttvoch, 8 Uhr: Geister, Hellsehen, Ahnungen. Dr. Arnold Hahn. Donnerstag, 8 Uhr: Wanderbund.^loSmoS". Donnerstag, 8 Uhr: Kammerkonzert Aron Goldberg. Freitag, 8 Uhr: DaS tschechische Volkslied. Univ.-Prof. Dr. Schneeweis. Masarqk-Bolkshochfchule Heute, 8 Uhr:„Opernstudio". Heute, 5 Uhr:„Moderne Chemie und ihre AuS- wirfting im täglichen Leben". Sprengfwffe. Prof. Dr. Luksch. Sonntag, 10 Uhr:„Handelskurs". F Schenk. Montag, halb 0 Uhr:„Gcdächt»»iLauSbildm»g" Dr. B. Fürst. Aranla»Mr»o „Gruß und Kuß— Veronika." Paul Hörbiger, Franziska Gaal und Otto Wallburg, Hilde Hilde- braud. Täglich HO,',«0 Uhr. Klimentslä 4. Fernsprecher 01028. yfcMung! Dringend zu verkaufen: Zlmmerclnriditung Zu besichtigen: Prag VH., Kamenlckä 1 (Heim). Preis 1000 Kfi.