14. Jahrgang Mittwoch, 14. März 1934 Nr. 61 Ekinl*rili70MMr (•hnchlteMkh 5- Heb»*tat») MSCHMNT MIT AUSNAHMI QM MONTAG TXOUCH HtUH. Redaktion und vhwaikjng nag xii„ fochova m. teufon saw7. Administration tc«’ r os swc. HERAUSGEBER■ SIEGFRIED TAU». CHOMDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STR..^.S, PRAG. IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Die Lage In Spanien andauernd ernst Madrid, 13. März. In einem Madrider Serort versuchten starke Gruppen von Syndlkali- sten die Arbeiterschaft der noch nicht streikenden Betriebe zur Arbeitsniederlegung zu zwingen. Gleichzeitig verteilten sie Flugblätter, in denen zur sozialen Revolution aufgefordert wird. Die UeierfallkouimandoS der Polizei wurden mit Pistolenschüssen empfangen. Die Polizei erwiderte doS Feuer, wobei ein Syndikalist schwer und mehrere leicht verletzt wurden. Im Zentrum der Stadt wurde ein Lastkraftwagen, der ZeitungSballen der katholischen„El Debate" beförderte, von streikenden Arbeitern mit Steinen beworfen und seiner Fracht beraubt. Die ZeitungSballen wurden auf vffener Straße verbrannt. Brandstiftungsversuche in mehreren Druckereien wurden von der Polizei verhindert. Außer Madrid wurde eine gräßere Erregung auch nus Barcelona gemeldet. Dort hat die katalanische Regierung die extremistischen Zeitungen verboten. Untersudiungikonnnissioii Ur Oeilerreidi Paris, 13. März. Unter der Patron«^ zahlreicher UniversttätSprofessoren, Schriftsteller, darunter Abdri Gidea, Romain Rolland, Eassou, I. Painleve und zahlreicher anderer Perstnlichkei- ten konstituierte sich heute in Paris eine internationale NntersuchungSkommiffion, welche sich mit der Ueberprüfung der jüngsten Ereignisse in Oesterreich beschäftigen wird. In der konstituierenden Sitzung wurde beschlossen, die Untcrsuchungökommission möge nach Oesterreich eine Sonderdelegatio« entsenden» der eine englische Schriftstellerin, ei« deutscher und ein schweizerischer Journalist, ein französischer Vertreter und einige Delegierte großer Arbeiterorganisationen angehören. Zweck dieser Sonderdelegation wird sein, nicht nur die Ursachen und Folgen der letzten Ereignisse festzustellen, sondern auch jene Mttel sicherzustellen, die geeignet sind, der Rot in dm Arieiterzmtrm Oesterreichs abznhelfm. Schweizer Kinderaktion in vollem Gang Linz, 13. März. Aus Steyr sind vor zwei Wochen 388 Kinder gefallener oder eingelerkerter Schutzbündler von der Hilsfaktion der Schweizer Arbeiter zum mehrmonatigen Aufenthalt in die Schweiz gebracht worden. Zu Wochenende wurden neuerdings 180 Kinder aus Steyr und 50 Kinder aus der Umgebung zu ihren Pflegeeltern in die Schweiz befördert, wo sie mindestens drei Monate zur Erholung bleiben. Noch im Laufe dieser Woche geht ein dritter Kindertransport in die Ostschweiz. Damit sind etwa 800 Kinder aus Steyr und Umgebung in der Schweiz untergebracht. Eine Anzahl dieser Kinder düyfte nicht mehr zurücklehren, da sie von ihren Pflegeeltern adoptiert werden; vom ersten Transport wurden bereits 12 Kinder adoptiert. kacke an Kindern Wien. Die„Reichspost", das offiziöse Organ der Bundesregierung, protestiert gegen das Projekt der nach der Tschechosiowakei emigrierten Sozialdemokraten, die Kinder der Getöteten bei sich zu beherbergen, soweit die' Familien ohne Existenzmittel zurückgeblieben sind. Tas Blatt fordert die Behörden auf, den Kindern der frühe- »en Sozialdemokraten keine Pässe auszustellen.. Französischer Bauch In Prag und Warschau angekündigt Paris, 13.2i»-rz. Aussenminister B arthou wird einer Information l.qs„Matin" zufolge, am 25. April nach Warschau und von dort nach Prag reisen,> um die Vom tschechoslowakischen Augenmimster und vom polnischen Außenminister im letzten Jahre gemachten offiziellen Besuche zu erwidern.■* Die erste Unterredung in Rom„In größter Herzlichkeit** verlaufen Rom, 13. März. Wie amtlich gemeldet wird, hat Mussolini Henle mittags den ungarischen Ministerpräsidenten GömböS empfangen, mit dem er länger als anderthalb Stunden„in grüß ter.Herzlichkeit" konferierte. Neber den Inhalt der Uuterrrduug ist bisher nichts bekannt geworden. Sie dürfte in erster Linie die Besprechung zu dritt mit Dollfnsi vorbereitet haben, die vielleicht schon am Mittwoch Nachmittag stattfindet. Am Dienstag Nachmittag erwidert Mussolini in der ungarischen Gesandtschaft den Besuch Gömbös. Letzterer machte auch bei dem Großmeister des Malthesrr-Lrdens und etwas spater bei Kardinal Sincero Besuche. Um 19 Uhr 30 wurde er vom Papst in Privataudienz empfangen. Der römische Korrespondent des„Petit Parisien" teilt mit, an den kompetenten italienischen Stellen werde behauptet, dass die Unter- r.dungen Mussolinis mit Gümbös und Dollfuss dahin gerichtet sein werden, die prattische- sten Mittel zur Verteidigung der Unabhängigkeit Oesterreichs und Ungarns zu suchen. Es werde sich nicht um die Vereinbarung eines der Kleinen Entente oder dem Balkanpakte ähnlichen Reginalabkom- menS handeln. Im■ Gegenteil, das Abkommen, welches aus den römischen Konferenzen sich ergeben wird, soll im Geiste des von Mussolini formulierten Donauplaneü abgefasst werden. Auch DolifuB bereits eingetroffen Der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß ist heute am Flugplätze von Venedig gelandet und hat sofort seine Weiterreise mit der Bahn nach Rom fortgesetzt, wo er um 22 Uhr eintnis. Zum Empfang hatte» sich der Duce, die Staatssekretäre Rossini und Suvich, der Sekretär der faseistischen Partei, sowie zahlreiche hohe Beamte elngefunde». Bei der Abfahrt dankten Dollfuß und Mussolini der grüßenden Menge mit dem Faseistengruß. Englands„Sympathien" stark eingeschränkt Loudon, 13. März. Ter Reuterbe richterstatter meldet, dass die britischen Regie- rnugskreise, trotzdem ihnen die TageSordnu ng der römischen Beratungen nicht mitgeteilt wurde, dieser Konferenz sympathisch gegenüberstehen und alle Bemühungen znr wirtschaftlichen Erholung des Tonanbeckens begrüssen, falls diese Bemühungen nicht-» politischen Differenzen fuhren und falls der Plan einer wirt- schaftlichen Wiedergeburt nicht de« Keim politischerErregung in sick> birgt. Neuer Waffenschmuggel aus Mallen nach Ungarn Belgrad, 13 März. DaS Blatt„Politika" berichtet auS Graz, daß vor vier Tagen ein mit Krieg-material beladener Eisendahnzug aus Mallen durch österreichisches Gebiet nach Ungarn geschmuggelt worden sei. Der Zug bestand anö zwei mit GaSmaSken beladenen Waggons, vier KriegStanks großen Modells, 26 Feldgeschützen und einer größeren Zahl von Minenwerfem. ES habe sich hier, meldet daS Blatt, um den ersten Trnns- port einer ganzen Serie von Eisenbahnzügen gehandelt, welche Waffen und Kriegsmaterial nach Oesterreich und Ungarn führen sollen. Italienischer Emigrant ermordet Paris, 13. März. Der italienische Advokat FranceSeo C l e r i c i. der der sozialistischen Par- lei angehört und als Flüchtling in Paris lebt, wurde auf der Strasse von einem unbekannten Manne erschossen. Bekannte des Ermordeten erklären, dass es sich um eine politische Rache handle. Vas neue Londoner StadtprMsIdlum London, 13. März. Zum Präsidenten deS neuen sozialistischen Londoner Stadlrates wurde am Montag der Arbeiterparteiler LordSnell, früher Unterstaatssekretor für Andien, gewählt. . Ferner ernannte. die Arbeiterpartei a ch t ®;t a dirä t e, während die Konservativen nur zwei erhielten. , Die Lord-Würde Snells ist noch sehr jungen Datums. Er kam erst im Jahre 1931— noch unter der letzten Arbeiterregierung— ins Oberhaus. Seine Karriere hat er als landwirtschaftlicher Arbeiter begonnen. Er wurde vor mehr als 20 Jahren fiir die Labour Party im Wahlbezirk East-Woolwich ins Unterhaus gewählt und gehört zu den hervorragendsten Führern der Bewegung. estnische Regierung gegen Fasclsten Reval, 13. März. Zu der Aktion der estnischen Negierung gegen die Freihcitolämpser wird noch bekannt, dass sich unter den Montag abends verhafteten Freiheitskämpfern auch der Führer der Freiheitskämpfer, Rechtsanwalt Sirk, befindet. Man rechnet mit umfassenden Entlassungen innerhalb des Offizierskorps, da die Propagandatätigkeit innerhalb deö Heeres in letzter Zeit sehr stark war. Man rechnet ferner damit, dass die PräsidentschastSwahl und die Parka- mentSIvahlcn, die im April stattfinden sollten, verschoben werde». Die Sladtverordnctenlvahlen, bei denen in den Städten Reval, Dorpat und Marva die Freiheitskämpfer die absolute Mehrheit erzielt hatten, sollen annulliert werden. Die gesamte Presse der Freiheitskämpfer ist verboten worden. Wie das Deutsche Nachrichtenbüro erfährt. wurde der Kriegszustand, nicht, Ivie zuerst gemeldet, der AuSnahmsznsrand auf sechs Monate verhängt. Anmerkung der Redaktion; Die„Freiheitskämpfer" sind als Fascistcn anzusehen. Sie haben sich trotz den im Dezember 1933 von der Regierung keine Regierung der Mitte) gegen die rechtsradikale ,,Frontkämpfergruppe", deren Nachfolger sie sind, stark entwickelt. Die letzten Wahlen waren am 22. Mai 1932. DaS Parlament setzt sich zusammen auS 42 Agrariern. 22 Abgeordneten der Nationalen Mitte, 22 Sozialdemokraten, 5 Kommunisten, 5 Russen, 2 Deutschen, 1 Schweden. Schwedenanleihe an Rußland Stockholm, 13. März. Vom schwedischen Aussenministerium wird bestätigt, dass die schwedisch-russischen Verhandlungen erfolgreich zum Abschluss gebracht und ein Ablvmmcn Uber eine Anleihe an Sowjclrussland getroffen wurde, damit Russland schwedische Waren einkaufen könne. Staatsschatz als Vorwand Eine Niederlage der schweizerischen Reaktion Dem weniger aufmerksamen Beobachter dürfte es entgangen sein, dass die internationale Reaktion dem letzten Sonntag gewisse frohe Erwartungen entgcgcnbrachte. An diesem Tage sollte ein weiteres Land den ersten entscheidenden Schritt auf dem Wege zur Erdrosselung der deinokratischc» Freiheiten machen, d i c Schweiz. Unter der Falschmeldung, dass dies die bedrohte Freiheit bedinge, war über ein „O r d n u n g S g e s c tz" eine B o l k s a b- st i m in u n g anberaumt, für die von den „Fronten"— auch diese faseistischen Vorläufer gibt cS bereits in der Schweiz— seit Wochen damit agitiert wurde, dass von vornherein alle, die eS etwa wagen wollten, bei der Abstimmung mit„Nein" zu stimmen, nach einer uns längst bekannten Art, als Antipatriotcn, das ist als Vaterlandsverrätcr stigmatisiert wurden. AlS brave Patrioten ivurde nur der gelten gelassen, der sich f ü r das sogenannte Schutzgesetz erklärte. Man kennt die Weise und man kennt auch die Verfasser... Die am Sonntag durchgcführtc cidgcuös. fische Volksabstimmung fiel, wie schon gestern berichtet, nicht nach dem Sinn der kapitalisti- schon Ordnungsmacher aus und ein Teil unserer bürgerlichen Presse, das inuncrhin den Neinsagern ein Plus von rund 60.000 Stimmen brachte, trauert über das Ergebnis mit den leid- tragenden Arrangeuren dieser Dolksbesragnng mit. Man sucht glauben machen, die schweizerische Sozialdemokratie wäre, da sic die Parole ausgcgcben Hatto, gegen daö Ordnungsgcsct: zu stimmen, von der Absicht ausgcgangcn, der vom Süden und Norden durch den FascismuS bedrohten Schweiz den notivendigcn Schutz seiner demokratischen Verfassung zu verweigern. Es braucht nickst erst versichert zu werden, dass die Behauptung der Gcsetzesanhänger, dir Sozialdemokraten wollten Rechtsbrecher und Gewalttäter schützen, eine alberne Verleumdung ist. Tatsächlich waren und bleiben sie bereit, einem Gesetze zuzustimmen, das sich auf die unumgänglichen Abwchrmassnahmon zum Schutze der Demokratie beschränken würde. Welche Rolle aber diesem OrdnungSgcsctz zu- gedacht war, daS plaudert unter anderem auch unsere christlichsoziale Presse auS, indem sic im frohem Glauben, daS Gesetz werde die Mehrheit finden, fcststellt, cS werde ermöglichen, ,,s o- motzt gegen d i c S o z i a l i st e n wie auch gegen die Nationalsozialisten vorzngehcn". Eine frisch-fröhliche Hetzjagd gegen die Sozialisten unter brauner oder schwarzer Couleur sollte nicht gerade die Wirkung deö OrdnungSgcsctzcS sein, aber eine S o z i a l i st c n h a tz unter Führung der h o i ni i s ch c n' Bourgeoisie wäre dieser gerade recht gewesen. Der Trick, unter dem Vorwande des Schutzes der Demokratie Zustände und eine Lage zu schassen, welche die Abwürgung der demokratischen Freiheiten.. erst recht möglich' machen, ist nicht mehr neu. Tatsächlich sah der. Entivnrf dieses.OrdnungSgesctzeS so tief cin- schncidende Einschränkungen, der politischen Rechte und Freiheiten vor, dass sie der missbräuchliche» und parteiischen Anwendung Tür und Tor gcöfsnct und so den Boden abgegeben hätten, auf dein ein politisches System der Gewalt und Brutalität, wie cS jetzt überall von der fascisier- test Bourgeoisie ängestrcbt wird, sich erst recht hätte entfalten- können. Nicht nur, dass die Strafen für alle gegen die„Ordnung". des Staates gerichteten Handlungen eine sehr wesentliche Verschärfung erfahren sollten, war OHfeS Mittwoch, 14. März 1984, Der sozialdemokratische Frauentag Wenn an einem bestimmten Tage sich allerorts die sozialdemokratischen Frauen versammeln. um ihre Sargen und Nöte zu besprechen, ihre besonderen Frauensorderungen zu diskutieren. in einer Entschließung Stellung nehmen zu den Ereignissen der Zeit— ist da« etwa» so Besondere»? Ein paar Versammlungen mehr in der Reihe der vielen vielen Versammlungen— so erscheinen der weiteren„Oefsentlichleit" die sozialdeinolratischen FrauentagLkundgebungen, jener„Oefsentlichleit", die nur au» bürgerlichen Zeitungen erfährt, wa» in der Nähe und Fern« geschieht, jener„Oeffentlichkeit", die nur fragt, ob ci>t Ereignis„sensationell" ist oder nicht. Nun, sensationell war und ist der sozialdemolra- tische Frauentag nicht. Aber sein« Bedeutung ist uni so größer. Sensationell waren auch dir Frauentagsversammlungen der Vorkriegszeit nicht. Aber diese Frauenversanimlungen, die damals von der bürgerlichen Oeffentlichkeit überhaupt nicht zur Kenntnis genommen tvnrden, haben den Boden für das Frauenlvahlrecht vorbereitet. Sie haben zchntaufendc Frauen zu Kämpferinnen für die politische Gleichberechtigung gemacht, sie haben diese Forderung lebendig gemacht in allen sozialistischen.Arbeitern, und wenn nach dein Kriege in Dentschland, in der Tschechoslowakei, in Oesterreich, in manchem anderen Lande das Frauenwahlrecht Wirklichkeit wurde, so war daö nickt zuletzt Wirkung fener Propaganda, die von den sozialdemokratischen Frauentagen ausging. Auch setzt vermag der sozialdemokratische Frauentag nicht von heute auf morgen zu wirken. Doch führt er Jahr für Jahr unseren Reihen neue Kämpferinnen und Bekennerinnen zu, wird er Jahr für Jahr Erwecker bisher politisch gleichgültiger Arbeiterinnen, schart er di« proletarischen Frauen enger um unsere Fahnen, und so lvirkt er in die Zukunft. Eine starke Woge der Erregung geht durch da» Proletariat der Tschechoslowakei. Die Nieder- meheluiig von Frauen und Kindern durch die vcr- fassungöbrüchigen Kanonenchriften in Oesterreich hat Tausende, die sonst weniger politisch interessiert Ivaren, aufgewühlt, auch tausende Frauen. So ist cS denn selbstverständlich, da diesmal dei Andrang zu den FranentagSversammkungen besonders stark war, daß die Reden in diesen Versammlungen besonders leidenschaftlichen Widerhall weckten. Im Vordergrund der Erörterungen standen ja die Wiener Kämpfe. Stärkste» Mitgefühl bringen unsere Genossinnen den österreichischen Brüdern und Schwestern entgegen, ein Mitgefühl, daö sich nicht beschränkt auf Sympathiebewcise in Worten, da» sich offenbart in opferwilliger Hilfsbereitschaft. Aber auch stärksten Kampfwillen hat die Kunde von der Brutalität des HeimwehrfasciSmuS in unseren proletarischen Frauen geweckt. Die proletarl» schen Frauen, die in unserer Partei organisiert sind, werden, daö wissen wir. da» haben uns neuerlich die Versammlungen am Frauentag gezeigt, in jeder Situation vollwertige Kämpferinnen sein... Air können nicht über jede der vielen Versammlungen berichten. Der Besuch war, trotz oft sehr schlechtem Wetter, ungemein st et r I. in manchen Städten veranstalteten die Genossinnen demonstrative Umzüge. Die Bersammlungenhatten festlichenKampf- charakter. Gesang und Musik eröffneten und beschlossen sie, revolutionäre Dichtungen und Sprechchöre und turnerisch«. Vorführungen schufen den Reden wirkungsvolle Umrahmung. Die p r o l e t a r t s ch e n Kulturorga- n i s a t t o n e n, die allüberall mttwirkten, verdienen den wärmsten Dank der Partei. Dank auch allen Frauen, die em dcsi Versammlungen teilnahmen und die oft stundenweite Wege zu- rücklcgen mußten, nm in die Versammlungen gelangen zu können! In den Berseunmlungen wurde folgende Entschließung angenommen: Die arteitendrn Fronen und Mädchen, zu machtvollen Kundgebungen versammelt am Internationalen Frauentag in der' Tschechoslowakei,■ beugen sich in tiefer Trauer vor de« Toten, dir Opfer de» österreichischen Heimwehrfaseivm«» wurden.'Sie danken den öfterrrichikehen Arbeitern und Arbeiterinnen für ihre heroische Berteidsgung der Freiheit. Sie senden den»fterreichischen Brüder« nnd Die„neue IDeltbühne"— miinzenbergil’di-nalihinilihl Willi Schlamm, der bisherige Redakteur der„Neuen Weltbühne" und vordem Redakteur der„Wiener Weltbühnc" teilt den Redaktionen der Tageüpressc mit, daß er aus der Redaktion der Zeitschrift auügeschieden ist. In seiner Mitteilung heißt eS u. a.: „Zwischen dem Verlag und der Redaktion entstand ein Konflikt; wollte ich meine publizistische und politische Unabhängigkeit wahren, so konnte ich diesen Konflikt nicht ander» Gsen als durch den Abbruch aller Beziehungen zur„Neuen Weltbvhne". ES ist mir wichtig, vor einer Oeffentlichkeit, der ich mich mit meiner bisherigen Arbeit verpflichtet fühle, festzustellen, daß ich ab 8. März 1984 weder die Tendenz noch die Haltung»och den Inhalt der„Reuen Weltbühne" verantworte." Die„Neue Weltbühne" ist unter der Führung Willi Schlamm» eine ausgezeichnet redigierte, in ihrer Gesinnung durchaus saubere und in ihrer Tendenz einzig durch die lleberzeugung der Mitarbeiter bestimmte Zeitschrift gewesen. Es ist im Interesse der Trümmer deutscher Geistigkeit, die auS dem Zusammenbruch vom März 1933 gerettet wurden, sehr zu bedauern, daß die„Neue Weltbühne" nunmehr aufhört, eine unabhängige Zeitschrift und eine geistige Instanz zu sein. ES ist der Oeffentlichkeit nicht unbekannt geblieben, daß. sich hinter dem Konflikt Schlamms mit dem Verlag der„Weltbühnc" ein Manöver des stalinistis ch c n Münzenberg-Konzern S verbirgt, über dessen Verlauf hoffentlich früher oder später einmal mehr bekannt ivcrden wird und jedenfalls genug, uin die Münzcnberg« Eliquc moralisch zu richten. Was die Stalinisten auS der„Weltbühne" zu machen beabsichtigen, wird ivohl schon in den nächsten Tagen sichtbar werden. Man darf sich auf ein Wiedersehen mit den Latrinenliteraten freuen, die ja bereit» in anderen hier erscheinenden Organen den reinen Geist deS Stalinismus repräsentieren. Der F a s c i S- m n s hat also einen Mitkämpfer mehr. Die Ablehnung deS Organ» durch alle Leser, die cs bisher—■ ob kritisierend oder sympathisierend — jedenfalls schätzten, wird leider nicht hindern, damit auch eine bedeute ndcEinschrän- k n n g der D e m o nst r a t i o n S- u nd Koalitionsfreiheit beabsichtigt und schließlich gab cS in dein Gesetze auch Strafbe- stimmungen gegen— was hätte alles damit verfolgt werden können!—„Amtshandlungen ausländischer Beamter und den politischen Nach- richtendienst für das Ausland". Kurz gesagt: unter dem Vorwand, die demokratischen Rechte und Freiheiten zu schützen, sollten sie ihre Be- nützung oder Ausübung überhaupt unmöglich gemacht werden. Wie auch unseren Reaktionären bcrcstS der Mund den erhofften Brate» wässerte, zeigen wir an einer anderen Stelle diese» Blattes. Damit ist eS nun nichts geworden. Die schtvcizerischc Sozialdemokratie hat sich weder durch die vorgehaltene MaSke demokratischen Kämpfertums der kapstalistischen Urheber deS Gesetzes, noch durch die von deren Publizistischen Söldnern auf- gewendeten Verleumdungen beeinflussen lassen und hat das scheindcinokratischc Gesetz zu Falle bringen helfen. Daß auch die Nationalsozialisten, die Kommunisten und einige andere kleinere Gruppen au» anderen Motiven gegen das Gesetz stimmten, konnte unsere Schweizer Genossen in ihrer Haltung nicht irre machen. Sie erkannten in dem vorliegenden Gesetz nichts anderes als eine Neuauflage der beriichtigten„Lex Haber- lin", ein Gesetz, mit dem die schweizerische Bour- gcaisie schon vor Jahren an die Sozialistenvertilgung gehen wollte. ES war für sie unannehni- bar, weil diese selbe Bourgeoisie seither nichts getan hat, um die Ursachen der herrschenden sozialen Unruhe zu bannen und jetzt statt dessen nur vermehrtes Unrecht zu setzen sich anschickte. Der Wachsamkeit und Rührigkeit der schweizerischen Sozialdemokratie ist cs gelungen, einen schweren, von der Reaktion geführten Schlag gegen die Demokratie abzuwehrcn. Man darf sich dessen eben so sehr freuen, als die Reaktionäre in allen Ländern über diesen Mißerfolg verärgert sind. Nach wie vor bleibt eS Selbstverständlichkeit, daß die Demokratie nicht schutzlos sein darf, daß sie sich gegen jene, die unter Mißbrauch der unter ihr bestehenden Rechte und Freiheiten ihr die Kehle abschnüren wollen, zur Wehre zu setzen nicht nur da§ Recht, sondern auch die Pflicht hat, aber nirgends in der Schweiz wurde die Ordnung bisher so gestört, daß ein solches Polizei- und Zuchthauögefetz, wie das ge- plant gewesene, auch nur erklärlich hätte er- scheinen können und am allerwenigsten waren unsere Genossen in der Schweiz angesichts der fanattsch antisozialistischen Einstellung der Bour- geoisie geneigt, durch fast restlose Beseitigung der Demokratte einer legalen Diktatur die Wege zu ebnen, die bei den die Besitzklassen erfüllen- den Tendenzen spielend leicht zur Herrschaft eine» FaseiSmuS heimischer Prägung hätten führen können. So und nicht anders ist die Haftung der schweizerischen Sozialdemokratie und das Ab- stimmungSergebniS zu bewerten. Um. de Jom: VkrsfMungtM Hacke Cin Xoman in vier tpisoäeo Autorisiert« Oebtrniimv an« dem Holltaidischeo von B, R. Fuchs. „Das Wort schuldig ist hier nicht ani Platz", sagte er mit grimmigem Spott.„Die Schuldigen sitzen an der anderen Seite des grünen Tische» und dort"— und mit unbestimmter Gebärde seiner gefesselten Hände wies er auf das Elitepublikum auf der reservierten Tribüne—,„in den Kanzleien und den Palästen... Ich bekenne keine Schuld... bekenne aber, alle die aufgc« zählten Taten vollbracht zu haben. Nur gegen die letzte Formulierung protestiere ich... den Anschlag auf den König habe ich ganz allein vorbereitet... die anderen Angeklagten haben damit nichts zu tun." Da rief die schrille Stimme eine» jungen ManneS: „Laß gut sein, Peter... Laß uns nicht abseits stehen! Wir wollen nicht! Ich will nicht! Ich habe mitgctan. Ich will keine Bevorzugung!" ES war einer der schwindsüchtigen AngcNag« ien, dec mit feuriger Röte auf den eingefallenen Wangen emporgesprungen war. Peter Zanzi wandte sich ihm zu, sah ihn mit plötzlich sanften, liebevollen Augen an und schüttelte traurig den Kopf. Doch ein anderer Angeklagter stand auf und sagte kurz: „So denken wir alle darüber." Peter nickte betrübt und zuckte die Achseln. „Das bleibt sich gleich, Michel", sagte er nachdenklich. Zwei Tage beanspruchte das Verhör der Angeklagten und das Verlesen der im Kanzleistil ab gefaßten Anklageschrift. Die Teilnahme des Publikums wurde geringer. Nur die Damen kamen hartnäckig immer wieder, erschauerten angenehm beim Aufzählcn all der blutigen Einzelheiten und konnten sich nicht am Anblick deS unbegreiflich kaltblütigen Führers ersättigen, der scheinbar schläfrig und gelangweilt dem Verlaufe deS Prozesses folgte. Am dritten Tag ergriff der öffentliche Ankläger das Wort. Er war ein Mann mit einem gutmütigen/Aüheiiden Gesicht, au» dem ein paar bösartig Keiner Augen hinter blinkender Brille scharf und tückisch in die Well funkelten. ES war fein großer Tag. Ec hielt ein blendendes, geistreiches Plädoyer, triefend von heiliger Liebe zu König, Thron und Vaterland, er erbebte in loderndem Zorn gegen die nichtswürdigen, bestialisch verbrecherischen Elemente, den tiefsten Tiefen der Hölle entsttegen, um Ordnung und Wohlfahrt deS Landes und daö Leben fehler besten Söhne fortwährend mit Untergang zu bedrohen. Falls nicht nut fester.Hand und mitleidloser Strenge eingcgriffcn werde, müßten infolge der Wühlarbeit ruchloser Gesinnungen, der Gottlosigkeit und des Aufruhrs Staat und Gesellschaft zugrunde gehen und toenn ihm auch das Herz blute wegen des Jammer» dieser verdorbenen, verlorenen Menschenleben, müsse er doch gegen alle An» geschuvsigten die Todesstrafe beantragen. BeifallSgemurmcl belohnte ihn für seine wahrhaft meisterliche Beweisführung, in der buchstäblich kein einziger Gemeinplatz der geltenden Moral vergessen war und die er mit mehr al» amtlich vorgefchriebenem Feuer vorgetragen. Die Angeklagten hatten gleichgültig, meist mit einem verächtlichen Lächeln auf den Lippen, zugehört. Sie waren nicht überrafcht oder entsetzt, da sie von allem Anfang an gewußt hatten, wie daS Ende sein würde. Der Präsident klopfte auf den Tisch und sagte ruhig: „Die Angeflagten haben auf den ihnen zustehenden Rechtsbeistand verzichtet. Sie haben das Recht, sich selbst zu verteidigen. Wünschen Sie davon Gebrauch zu machen?" Peter Zanzi trat einen Schritt vor. „Ja, Herr Präsident, ich habe das eine oder andere zu sagen." „Der Gerichtshof ist bereit. Sie anzuhören", antwortete der Präsident und setzte sich bequemer in seinen breiten Stuhl, mit gelangweiltem Gesicht und schlecht gelmmt, weil er eine zwecklose Komödie erwartete. Und Peter sprach: „Es ist nicht minc Absicht, mich gegen die Beschuldigungen des öffentlichen Auflagers zu verteidigen, noch gegen seine abgedroschene Rhetorik. Ich erkenne Euch nicht al» moralisch befugte Richter über uns an. Ich will versuchen, diese» Mißverständnis ein wenig aufzuhellen, das den Schein erwecken muß, al» ob hier Recht gesprochen würde. Hier wird nur Rache vorbereitet und ich bin objelliv genug zu verstehen, daß wir diese Rache durch unsere Taten über unsere Häupter herabbeschworen haben. Aber Rache ist nicht Recht und die Vernichtung gefiirchteter Widersacher ift nicht das Verhängen einer sittlich verantwortbaren Strafe... Natürlich könnt Ihr uns entgegenhalten, daß wir dasselbe tun, ohne dazu von der einen oder anderen Obrigkeit berufen zu sein. Auch das ist ein Mißverständnis. Wir sind berufen vom Gewissen, der mächttgsten Obrigkeit, die ich anerkenne, der einzigen... Wa» Ihr verbrecherischen Terror nennt, ist nicht» andere» als die notwendige Folge Eurer eigenen Taten. Wir sind Menschen, die da» Gute wollen, nicht in erster Linie für uns, sondem für da» Volk diese» großen, von Herrscherfützen und Lakaiensttefeln getretenen Lande», für da» Voll aller Länder, im wetteren Sinn genommen. Unser Volk lebt in verkappter Sklaverei, in Sklaverei auf dem Boden der Großgrundbesitzer, der Fabriken und des Handelskapitals. DaS Elend, da» Verderben, die Er» Schioestern Grüße innigster Sympathie xnb geloben, alle ihre Kräfte nufzubirten, damit da» letze Bellwerk der Demokratie i« Mitteleuropa, die Demokratie in der T s ch e- choslowakischen Republik,«ad dl» Freiheit der Arbeit in diesem Staate erhalten bleibe. Die Bersammelte» erklären, jeden An« schlagaegen diesoziale» Rechte der Arbeiter«»»«wehren nnd de« Kampf für die volle Gl eichberechtig«ng der Frauen fortzuführen. Um daS Krisenelend, unter dem besonders die Arbeiterfrauen«nsan- bar leiden, zu mildern, ist vor allem die Ber- kürzu«g der Arbeitszeit notwendig. Wie fordern deshalb nachdrücklichst, tn Ueier- rinstimmnn« mir den sozialdemokratischen Par- trien and den freien Gewerkschaften, die Bierzig- stundetzwoche. Wir billigen rückhaltlos die auf Erhaltung nnd Ansgestaltnng der sozialpolitischen Errnngen- schaftrn und Sicherung der demokratischen Recht» gerichtete Politik der sozialdemokratischen Partei, wir geloben der Partei Treue, in ihren Reihen führen wir, Seite an Seite mit den Männern unserer Klasse, den Kampf für Frieden, Brot und Freiheit l daß eS erscheint. Zugleich wird eü ein weiterer Beweis dafür sein, daß die K o m m u n i st e n die Demokratie, gegen die sie gemeinsam mit dem FaseiSmuS lämpsen, als Asyl und Tummelplatz zu schätzen wissen. M Irgebnlsse der Eisenbahnen Im Jahre 1933 Prag, 13. März. Nach dein vom Eisenbahn- ministeriuin veröffentlichten Ausweis betrugen die gesamten Betriebseinnahmen der Staats» eisenbahneu im Jahr'e 1983 3.135.5 Millionen K£, d. i. um 354.8 Millionen KC oder 10.17 Prozent weniger als im Jahre 1032. Die Einnahmen aus der Personen- und GepäckSbesörde- rung verringerten sich um 82.5 Millionen llö (9.86 Prozent), die Einnahmen auS der Frachtbeförderung um 281.4 Millionen Kü(13.11 Prozent); die übrigen Einnahmen Ivaren um 9.1 Millionen KC, d. i. um 1.81 Prozent höhe r. Im Jahre 1982 hatte der Einnahmcnrllck- gang gegenüber dein Vorjahre nicht weniger als 872.6 Millionen oder 20 Prozent betragen. Im ersten Jahrcüdrittel 1933 Ivar der Ein- nahinenrückgang weiter augcwachscn; im April 1933 wurde mit 20.85 Prozent der tiefste Punkt erreicht. In den vier Monaten sanken die Einnahmen um 177.8 Millionen oder um 10.74 Prozent, während die Ausgaben nur um 120.2 Millionen herabgesetzt werden konnten. In den Monaten Mai bis August war der Rückgang der Einnahmen schon geringer(145.3 Millionen oder 12.28 Prozent) und wurde durch den Rückgang der Ausgaben(136.7 Millionen oder 11.16 Prozent) fast schon aufgehoben. Im letzten Jahresdrittel ist der Einnahmenrückgang fast zum Stillstand gekommen: er beträgt nur noch 31.7 Millionen oder 2.56 Prozent. Im Dezember ist sogar schon ein kleiner Aufschwung der Einnahmen zu verzeichnen. Ueber- dieS wurde der Rückgang durch weitere Ersparungen in den Ausgaben schon mehr als wettgemacht; ttir September bis November betragen diese Ersparungen 88.5 Millionen. nicdrigung und der Schmutz dieses Volkes, von dem Ihr behäbig wie Parasiten lebt, ist unbeschreiblich. Natürlich wißt Ihr das nicht. Ihr wißt nichts von alledem, was Ihr wissen niüßttt. Ihr kennt die sorgfältig in Euren: Klasscninteresse abgefahten GcsetzeSbücher, um die Macht ungebrochen, unversehrt ausüben zu können. Ihr habt eine lange Liste von Uebertretungen und Verbrechen zusammengcstellt, die alle auS moralischen Gründen strafbar sind, aber Ihr habt vergessen, die Quelle ausfindig zu macken, aus dem all die Verbrechen hervorfließcn. So wie Ihr vergessen habt, daß das Volk aus Menschen besteht... genau solchen Menschen, Ivie Ihr selbst seid, die von einer Mutter geboren werden, leben, lieben und hassen, Freude, Sonne, Wärme ersehnen... Für Euch ist das Volk eine dumpfe, stumpfsinnige, ungebildete Masse, ein enorn: plumpes und starkes Tier, daö arbeiten muß, um Euch kett zu mästen ... AuS dem Schweiße dieses Volkes macht Ihr Gold, aus feinem Blut gewinnt Ihr Diamanten, um damit die Hälfe Eurer Frauen zu zieren, aus feinem Elend und Unglück baut Ihr Paläste für Eure Mätressen. Und Ihr wollt, daß dies in alle Ewigkeit so bleibe. Ihr habt einen Gott und eine Religion erfunden, der dies alles gutheißt und mit schlechtem Branntwein und schwüler Mystik benebelt Ihr daS erniedrigte Volk, auf daß e» sich seiner Würde und Macht nicht bewußt werde. Und mit Berufung auf die Gebote Gottes haftet Ihr das Volk, daS aus Menschen besteht, niedrig und flein. So ruhig vertraut Ihr auf die Stumpfheit des gefundenen Arbeitstieres, daß Ihr nicht'einmal die Möglichkeit bedenkt, daß cS sich einst fragen könnte, woher eS kommt, daß die Gebote Gottes einzig zum Vorteil der Reichen und Mächtigen da sind und stets zur Folge haben, daß das Volk sich beugen muß, gehorchen, Mangel leiden, sich plagen und rackern, auf daß die Großen über ihn innner größer werden... (Fortsetzung folgt.), Wr. 9t Mittwoch, 14. März 1034 Seile» Senat Prag, iS. März. Zum Zwecke der Zuweisung der ReeSkontvorlage au die Ausschüsse smrd heute ein« kurze SenatSsitzung statt, in der ein Zusatz- abkommcn mit Deutschland angenommen wurde: Darin gctvährt uns Deutschland ein monatliches Kontingent von 21 Zentnern Perlmutterkiütp- fen zu den» ermäßigten Zollsatz von 700 Mark pro 100 Kilogramm. DaS Abkomuien kann erstmalig zum 1. Juli d. I. gekündigt werden. In einen» ebenfalls angenommenen Zusatzabkommen»nit Italien erklärt sich die tschechoflowakische Regierung nach langen Verhandlungen bereit, auf die Bindung des italienischen Bertragszolls für Holz zu verzichten, da unsere Holzausfuhr nach Italien ohnedies nicht sehr ins Gewicht fällt und uns Italien dafür eine Verkür- gung der Frist für die zollfreie Einfuhr von Früh- kartoffeln um weitere neun Tage bietet und außer» dem auf den BertragSzoll für Zwiebel verzichtet. In der Debatte suchte der Nationaldemokrat H a v I i n die in den„När. Lisch" am Sonntag zum Teil konfiszierten Ausführungen des Dr. K r a m ä r zur Kronendevalvation zu immunisie- ren, doch hat das SenatSpräsidium eine ganze Reihe von Stellen aus dieser Rede neuerdings konfisziert. IlcberdieS erhielt Havlin wegen eines zu kräftigen Ausdruckes einen Ordnungsruf. Nach der Plenarsitzung tagte u. a. der B u d- getauSschuß, her die ReeSkontvorlage nach ausführlicher Debatte unverändert annahm. Die Vorlage tvird morgen, Mittwoch, um 8 Uhr, ün Plenum zur Verhandlung konimen. An der Vorlage über das Massagege- werbe wurde im Ausschuß eine kleine Acndc- rung des Paragraph 5 vorgenommen. Eine journalistische Riesenblamage „D aSBolk", das Jägerndorfer Blatt der Christlichsozialen, meldet im Leitartikel seiner Dienstagnummer, daß das Schweizer Ordnungsgesetz am 11. März seine „Sanktion durch die VolkSabstim- niung erhaltcnhat", und zwar durch eine „st a r k e M e h r h c i t". Das„Volk" ist ganz glücklich über diesen AuSgang, denn jetzt,„nachdem daö Gesetz über den Schutz der öffentlichen Ordnung in Kraft getreten ist, wird es der sozialdemokratischen Partei wahrscheinlich noch schlechter ergehe»» wie bisher." Der ganze Artikel atmet Freude und Erleichterung darüber, daß es nunmehr der schlveizerischen Sozialdemokratie an den .Kragen gehen wird, weil sich eben„die friedliebende bürgerliche und bäuerliche Bevölkerung der Schweiz" durch dieses Gesetz und durch die Volks- abstin»mung darüber ei»» sicheres„Wehr gegen die sozialistischen Umst»»rzversuche" errichtet hat. Unsere Leser— und sämtliche Leser Mitteleuropas, sofern sie nicht auf die Lektüre des Jägerndorfer„Volk" angewiesen sind— wissen bereits, daß die BolkSabstiminung in der Schweiz ilicht eine Mehrheit für, sondern gegen das Gesetz ergeben hat. Genau daS Gegenteil von dem ist richtig, was die klerikalen Schriftleiter ii» Schlesien ihrer Leserschaft vorsetzen. Was wird ihnen nun peinlicher sein, die Nolwendig- lcit, ihre Falschineldung zu berichtigen, oder der Umstand, daß sie sich geirrt haben? Vermutlich dieses. Denn da die Herren so fest damit gerechnet haben, daß das OrdnnngSgesetz den Schweizer Sozialdemokraten den Garaus machen wird, muß ihnen selbst ihre Logik jetzt sagen, daß von der Erfüllung dieses Wunsches auch weiterhin keine Rede sein kann. Unangenehme Situation für das „christlich-deutsche"„Voll"! Es entginge einer ähnlichen Lage in Zukunft am besten, wenn eS entweder bei der Wahrheit bliebe oder aber — selbst wenn jemand dem Blatte guten Glauben zubilligcn will,— seine Leitartikel doch erst schreibe»» läßt, wenn die schwarzen Wünsche schon erfüllt sind! Der Ausschuss der parlamentarischen Er- svarungs- und Kontrollkonnnisston tagte Dienstag unter den» Vorsitz des aintierenden Vizepräsidenten Anton Klouda und befaßt sich mit der Behandlung einerseits der von der RegierungS- ersparungSkonimifsion unterbreiteten Reformvorschläge, airdererseitü der von der Oeffentlich- lcit vorgelegten Anträge. Sorgt die KPE. für dei» Senator Lokota? Den Kommunisten verursacht der Fall des Senators Lokota zieinliche Unannehmlichkeiten. Die Parteileitung hat ihn in der Slowakei solange als Sturmbock bei Versammlungen und Demonstrationei» benützt, tvo Zusammenstöße mit den Behörden zu arrangieren waren, daß Lokota nun schon längere Zeit hstldurch nicht aus dem Gefängnis hcrauSkonunt. Nun kümmert sich die Partei, Ivie kürzlich aus einer Verteidigungsrede des Sohnes LokotaS vor Gericht hcrvorging, überhaupt nicht um die Familie des Senators, die arge Not leidet. Gestern schickte»» die Kommunisten deshalb im Senatsplenum eine Rednerin in die Debatte, die diese Nachrichten als unwahr hinzustellen suchte; der junge Lokota habe vor Gericht angeblich nur mildernde Umstände für sich reklamieren wollen. Bestätigtes Todesurteil. Das Schwurgericht in Pilsen hatte im November v. I. den Häusler Lech zur Todesstrafe durch den Strang wegen Erniordung seines Stiefsohnes verurteilt. Cech verübte die Tat deshalb, well sein Stiefsohn ihm mst seiner Frau aus dem Haus, das sie bewohnten, ausquartieren wollte. Das Oberste Gericht in Bcüi»l», das gestern über die Nichtigkeitsbeschwerde Cechs verhandelte, hat den Gerichtsbefund in vollem Umfang bestätigt. VI« Grenzzwischenfälle gehen wieder an Ein Helmwehrmann nach Bayern verschleppt Wien, 13. März. Bei Over-Schwarzenberg in Tirol ist gestern eine Patrouille, bestehend anS einem Zollbeamten und zwei Hilfspolizisten, von sechs rcichsdrntschen Nationalsozialisten an der österreichischen Grenze überfallen worden. Ei»»er der Heimwehrmännrr namrnS.Heinrich So»>kn, wurde überwältigt und nach Bay er»verschleppt. In Roitham lTirol), an der Grenze univrit der Gendarmericstation, ist gelten» abends ein starker Papicrböller geplatzt. 20 Fensterscheiben rineS HausrS wurde», zertrümmert. Ein der Tat verdächtiger Nationalsozialist wurde verhaftet. Ein Elieser interniert In der Nähe von Gilgenbcrg bei Braunau ist vorgestern ein reichSdcntschcr Eindecker de» Münchner Fliegerschule gelandet. Der Flieger, welcher angab, er habe die Orientierung verloren, wurde interniert und sei»» Flugzeug beschlagnahmt. Gestern wurden»»euerdingS zwei reichsdeutsche Aeroplane gesichtet, von wel« chen der eine wiederum bei Gilgenbcrg landete. Der Flieger erkundigte sich nach dem Schicksale des vorgestern gelm»deten Fliegers und ist dann wieder zum Weiterfluge gestartet. Erhöhte Tätigkeit der Nazi An der Tiroler Nordkette s nördlich von Innsbruck) sind gestern und vorgestern»viedcr einige Hakenkreuzfeucr angezündet worden. Eines der Feuer verursachte eine»» Waldbrand. durch den ziemlicher Schaden angerichtet wurde. Hungerstreik der politischen Häftlinge In Bruck a. d. Mur In Bruck an der Mur sind au» Dienötag 500 politische- Häftlinge in den Hungerstreit getreten, um eine Beschleunigung der Untersuchung zu erziele». Die Verhältnis in de» Gefängnistei» sind wegen der Ueberfüllung geradezu unerträglich. Da alle Borstrllungen der Gefangenen nichts helfen, suchen diese nun durch den Hungerstreik ihr fnrcht- barrS LoS zu ändern. Angst vor dem Seitz-Prozeß Wien. Die RrglerungSprefse kündigt an, daß der Prozeß gegen die verhafteten sozialistischen Führer nicht vor Mitte deS DommrrS oder Herbst 1934 stattfinden»verdr. Wenn diese Nachricht sich bestätigt, würde» der Bürgermeister von Wien, Seitz, und die anderen Führer der SPOe ein halbe- Jahr in Hast grhaltm werden, bevor sie vor Gericht erscheinen. Frans Josefs Kopf zerschlagen In Mürzzuschlag wurde unlängst daS seinerzeit beseitigte Denkmal des Kaisers Franz Joses wieder ausgestellt. In der Nacht auf DienStng haben nun unbekannte Täter daö Denkmal schwer beschädigt und na»nentlich den Kopf der Figur voll- kommen zerschlagen. Die fieberhaften Bemühungen der Polizei und Gendarmerie, der Täter habhaft zu werden, si»»d biöher ergebnislos geblieben. Eine Verleumdung Julius veutschs Die Wiener Parlamcntükorrcspondenz des bekannten Deutschnationalcn Reichel, der nach der Machtergreifung Hitlers mit den Nationalsozialisten liebäugelte und jetzt„vaterländisch" eingestellt ist, verbreitet die Nachricht, daß Julius Deutsch gleich nach seiner Ankunft in Briinn sich eine herrliche Villa gekauft habe. Die Nachricht ist selbstverständlich völlig er- f n n d c»» und man sollte Reichel, der öfter nach Znain» and EiSgrub kommt, einladen, diese I„Villa" zu besichtigen I Sind Löhe und Severins Verräter? Vor einigen Wochen Hat das Brüsseler Blatt „Libre Belgique" ein Interview mit Paul Löbs veröffentlicht, das Sätze der Anerkennung und sogar einer gewissen Bewunderung für das Werk der Hitlerregicrung enthielt. Da cs der reichsdeutsch- sozialdemokratischen Emigration nicht möglich ist, sich mit Löbe direkt in Verbindung zu sehen, und mm» ihn, der in Deutschland lebt, in die schwerste Gefahr bringen würde, wem» man ihn zu einer Aeußcrung in der Emigrantenpresse veranlaßte, wandte»nan sich an die Brüsseler Genossen mit einer Anfrage über den Interviewer. Die AuSlunst lautete dahin, daß dieser Journalist keineswegs vertrauenswürdig sei. Nun hat Löbe in einer Zuschrift an die Baseler„National-Zeitung" sich gegen die Wiedergabe jenes Jnterviel»»ü in dem glcicbgcschalteten „Berliner Tageblatt" gewendet und sie als unrichtig bezeichnet. Löbe erklärt»vörtlich:„Ich »mißte ein Elender sein,»vcnn ich alö Anhänger jener Ideale, für die ich mein ganzes Leben ge- stritten habe,»»»ich alü begeisterten Nationalsozialisten bezeichnete." Er schreibt»veitcr. daß der richtige Wortlaut seiner Acußerungci» in der ..Bosiischei» Zeitung", ii» der„Frankfurter Zeitung" und in der„Libre Belgique" erschienen sei. Zum Schluß bittet er die übrige Schweizer Presse, von dieser Erklärung Notiz zu nchlncn. Löbe»»imint also die lobenden Worte für das Hitlerregiinc nicht zurück, erklärt aber sein Festhalten an seinen sozialistischen und demokratischen Idealen und lehnt ein Bekenntnis zum Hit« leriSmuS ab. Gewiß ist damit Klarheit über sein Verhalten nicht geschaffen, aber»nan muß ge- rechterweise bedenken, daß Löbe in der Gewalt des NaziterrorS ist, der ihn bereits monatelang in Konzentrationslagern gequält und der ihi» nm jede materielle Existenzmöglichleit gebrockt hat; er kann eine Existenz überhaupt nur erlangen, wenn die Machthaber des Dritten Reiches es gestatten. Jmmerhii» sollte LöbcS neue Erklärung davor bewahren, ihn alü fahnenflüchtig ansehen. Man darf nicht vergessen, daß er nur um den Preis seiner„Freiheit", wie sie im Dritte»» Reich besteht, ja seines Lebens gegen daS Regime Stellung nehmen könnte. Er ist Reichsdeutscher und keine ausländische Regierung kann ihi» befreien. Ain Dienstag voriger Woche hat der französische Rundfunk voi» Paris und Straßburg aus das Erscheine»» eines Buches von Karl Severing im Verlag Ullsteii» angekiindigt, das den Marxismus verurteile und sich zum HitleriSmus bekenne. Solange dieses Buch nicht vorliegt, muß man auch hier mit demUrteilzurückhalten. Es ist durchaus unklar, wie Severing in» Dritten Reich behandelt worden ist. Die nicht nachprüfbaren rstigaben darüber schwanken zwischen Belästigungen durch Drohbriefe und einem Ncrvcnznsam- »nenl^ruck, Ivie er ihn schon vor einige»» Jahre»» einmal erlitte»» hatte, und sckwerer Mißhandlung. Hiebe auf den Kopf mit darauffolgender llnter- bringung in einer"Irrenanstalt. Sollte das letztere zutrcffen, so würde man an das konuncndc Sc- veringbuch schon gar nicht den kritischen Maßstab anlcgen dürfen. klaitheser-Ordensfest in Rom Rom, 13. März. Im Lause des heutigen Tages sind aus aller Herren Länder die Ritter des M a l t h c s e r- O r d c n S zu dein Kongreß hier eingelrossei», der morgen in der St. Paul- Aasilika»nit einer großen Feierlichkeit seinen Anfang nimmt. Die Ordensmitglieder werden in einem llnizug das JubiläumSkreuz mit führen, eine Zeremonie, die zum letzten Male vor ISO Jahre»» stattgefundci» hat. Ein populärer Beschluß gegen den Roosevelt fein Beto einlegt Washington, 13. März. J»n Repräsentantenhaus wurde der Antrag auf Auszahlung einer Suinmc von inSgcsaint 2200 Millionen Dollar an die ehemaligen Kriegsteilnehmer trotz der Mißbilligung durch die Negierung angenonnnen, und zwar»nit einem solche»» Beifall, wie er in den Annalen des amerikanischen Parlamentes angeblich noch niemals zu verzeichnen Ivar. Tie meisten Parlanientarier stellte»» sich auf die Pulte ihrer Bänke und lärinten und gestikulierten heftig mit denHänden. Präsident Roosevelt hat gegen den Beschluß sein Veto eingelegt. Es ist zweifelhaft, ob auch im Senat für den Antrag die für den Fall eines Vetos vorgcschriebene Zweidrittelmehrheit vorhanden sein wird, zumal der Senat erst kürzlich Begünstigungen für Frontkämpfer abgclchnt hat. Bor einem neuen Konflikt mit dem Vatikan? Ii» Bayern zeichne»» sich die llmrissc eines neuen Konflikts zwischen dein Vatikai» und den Nazis ab. Es geht um die Eristenz der katholische»» Schulen in Bayern, deren Existenz durch das Konkordat garantiert worden ist. In Nürnberg ist es bereits zu einein Schillerstreik gekommen, über den keine Zeitung autorisiert war, irgendeine Zeile zu veröffentlichen. Der Grund für den Streik, den die Eltern der katholischen Kinder erklärten, lag darin, daß die Nazibchörden den Versuch gemacht hatten, die Kinder in Staatsschuld» zu überführen. In diesen Streit hat nun der bayrische Ministerpräsident Siebert cingegriffen. Anläßlich der Feierlichkeiten, die zum Jahrestag der Machtergreifung durch Hitler gestern in München stattfanden, erklärte Siebert, daß die katholisch» Schulen Peinnächst verschwinden würden.„Diese Maßnahme", fuhr er in Gegentvart von Hitler fort,„wird aus den Widerstand gewisser Kreise stoßen. Wir wissen das. Aber dieser Widerstand kani» uns nicht hin- dern, unsere Diaßnahmcn zu treffen." Vie Juden, die sidi driidum... 37 jüdis cheSchntzbündker auf demZrntralfriedhofbcerdigt Es ist eine Spezialpointe der christlichsozialen Presse des KanonenkanzlerS Dollfuß» von den„jüdische» Führern" zu sprechen, die„sich feige gedrückt" hätten, als Blut floh. Als diese schmutzige Bcrleinndung hundertprozentig widerlegt war, begann die Journaille von den„feigen Inden" im allgemeinen zn sprechen, die sich, obwohl sie Schutzbündler gewesen seien, an» Kampfe nicht beteiligt hätten. Es ist dröhalb sehr dankenswert, daß jüdischsozialistische Kreise WienS die Zahl der gefallenen jüdischen Schutzbündler festznstellen versucht haben. Es konnte ermittelt werden, das» allein in der jüdischen Abteilung deS Zentralfriedhoses in Wir»» 37 g c f a l l e n e S ch u tz b ii n d l e r be- c r d i g t w o r d e n find. Fast sicher ist jedoch, das» sehr viel nrehr an den Kämpfen beteiligte jüdische Schuhviindser gefallen sind, da dir weitaus grösste Zahl der gefallenen Freiheitskämpfer heimlich beerdigt worden ist. Gibt es etwas Schmierigeres als diese christfascistischen Spießbürger» die, von» sicheren Port ihrer Rrdaktionöstnbei» auö, gefallene Helden mit Schmutz zu bewerfen wagen?! KnmmunKlen verleumden wiener Kampier Die„R u n d s ch a u"— europäische Ab« lagerungsjtätte der loinmunistischci» Internationale— beschäftigt fick in ihrer Nummer vom 8. März 1931 ii» einer Sonderbeilage»nit dem Feber-Aufstand der österreichischen Arbeiterschaft. Daß man bei Zeilenhonorar 16 Kolonnen Petitschrift mit den Ereignissen des FebcrS füllen kann, daß geschäftige in Sicherheit kritisierender turlcsta- nische Koinlnissärc ihre tveltbcwcgende kommunistische Tätigkeit in Wien womöglichst verdienstvoll aufbanschcn tvollcn, daß der phantasiereichc Be« richterfindcr in den verschiedensten Bariationci» erdichtet, daß die Kommunisten überall„in den ersten Reihen kän»pftcn" wird man neidlos,»nit einen» verständnisvollem Lächeln zur Kenntnis nehmen. Auch die kleine Aufschneiderei. daß der „große Dichter" der Rundschau über Flugschriften. Aufrusc. die kein Mcilsch sah, Märchen erzählt, tvird man nicht verübeln. Ebenso kani» Uber den Beginn deS Kampfes, beziehungsweise über den Sireikbeschlnß der heldenhafte Anonymus nach Herzenslust lügen, da er weiß, daß Menschen mit BcrantwortungSsinn, mit der Wahrheit— also mit dein Gegenteil seines Berichtes— io lange nicht herausrücken können, so lange Taysonde braver Genossen in den Kerkern durch dse Veröffentlichung gefährdet würden. Aber daß Ignorantentum, blinder Haß. pa- Ihologischc Wut gegen die Sozialisten bis zur Schurkenhastigkcit gesteigert werden kann, daß Patentrevoluzertum in dieser katastrophale»» Lage dec österreichische»» und internationalen Arbeiterklasse, die tendenziösen Lügenberichte der Hcim- wchrbtättcr, die dinnmdrcisten Verleumdungen der Fey, Dollfuß, Starhembcrg kritiklos übcrniinint, ist auch für Kenner der koniniunistischen Kampfweise bisher fast unvorstellbar gewesen. ES grenzt an Leichcnschänderci, daß der Lügner der Rundschau, gefallene brave Sozialdemokraten, die wir persönlich kannten, deren sozialdemokratische Ge- sinnung unzweifelhast war— nach dem Tode zu Kommunisten zu taufen. Und grenzenlos gcinein bleibt es, daß er das letzte Wort des Märtyrers Solvjetrußland, es lebe die III. Internationale". Es wäre nicht weniger revolutionär wenn Weisse! dies den Henkern zugexuse:. hätte. Tatsache ist aber, daß sei»» letzter Ruf war:„ES lebe die Sozialdemokratie, eS lebe die Internationale". Nicht überraschend ist cö dagegen, daß man die schon sehr dürftig wirksame»» agitatorischen Schimpfkanonaden über„Verrat der Führer" wieder auffahrcn läßt.„Sabotage dcö Kampfes, Zusammenarbeit der Sozialisten mit Kapitalisten, Stützung des kapitalistischen SysteinS. Ilcberlansen der Führer zun» Klassenfeind, die Führer haben sich verkrochen über den Dolchstoß, i» den Rücken der kämpfcnden Arbeiter, dies: bekannte»» Mätzchci» werden aus allen Seiten wiederholt, und fügen hiezu: —„es ändert sich nichts an der Richtigkeit dieser Feststellung, wenn der eine oder andere sozialdemokratische Führer, wie etwa Julius Deutsch, einen Streifschuß abbekam. Entscheidend ist, daß auch diese Vereinzelt.nl an der politischen und strategischen DeSorganisieruug deS KainpfeS ii» vollem Maße mitschuldig waren." Hübsche Dichtung, nur zu dumm. 9ö Prozent der Führer an ihrem zugelviesenen Kampfplatz verhaftet. Der Oüjährigc Karl Seitz kämpfte mit nackter Faust gegen die ih>» abführenden Polizisten, und die meisten Führer folgen seinen» Beispiel. Wallisch, Mitglied der Partcivcrtrclung gehenkt, Dcntsch verwundet, der Theoretiker Bauer im Mittelpunkt der betvafsnctcn Kümpfe— und der kommunistische Bürohcld in der Pose als Je!» lcnhonornrist lügt gelassen über Verrat, vcrlcuin- del die Kämpfer der Waffen, die Revolutionäre im Kerker. Ist das nicht niederträchtig? Anständige kommunistische revolutionäre Arbeiter müßten si^> nack solchen Verl umdungs- exzesscn endgültig loSlöscn von solcn antifasci- stisch genannte»» fascistischei» Helfershelfern. «ittw-ch, 14. Mn 1934 9t. n Beiii 4 Der Mann,-er über-e» Himalaja flog! Oberst Ethcrton, der Führer des„göttlichen Riesenvogels" in Prag 24jährigc £ korb bereits nach obertagS wird heranfgeschafft werden können. Heute, Mittwoch, um halb 8 Nhr abends hält Oberst Etherton im Saale der Bibliothek der Stadt Prag einen Lichtbildcrvortrag über seine Hima- lajaübcrflicgnng. ganz besonders gilt seine Liebe dem Plan einer prompten und gut funktionierenden Lustverbin- dnng zwischen Europa und Ostasien. Chinna, so sagt er, hat Gold- und Äohlenminen und Europa hat Leute, die nichts so gut verstehen, als aus solchen Dingen Geld zu machen. lind die Zukunftslinie nacb China, die Ethcrton inl Kopf hat, soll über Bagdad und Mesopotamien und dann über den Himalaja gehen. Direktenwegö, denn das ist die einfachste und sicherste Route. Diesem Plan galt der waghalsige Rüg, mit dem Karten deü bisher unerforschten Gebietes mifgenommen, und die meteorologischen Verhältnisse erforscht wurden. Der Oberst hat übrigens vor drei Jahren in Lon-! konzert.— Berlin: 17.16 Kammermusik.— Breö» lau: 16.00 Unterhaltungskonzert.— Hamburg: 23.00 Abendkonzert.— Leipzig: 12.00 Solistenkon bon eine eigene FUegerunidersität.^lniversity of the air" gegründet, die der Durchführung dieses Planes dienen, und die nötigen Leute dazu aus- bilden soll. Wenn Sie also— oder wenigstens Ihre Kinder— eines Tages, mir nichts dir nichts in ein Flugzeug einsteigcn können, um via Bagdad— Himalaja nach China zu> fliegen, dann denken Sic daran, daß den Grundstein zu dieser abenteuerlichen Linie jener kühle und merkwürdige Filmoberst von Fleisch und Blut, wenn auch ohne Stummelpfeife, gelegt hat, der gestern im Flug- zcug direkt von London nach Prag gekommen ist, um all diese Dinge zu erzählen. hf. Eine seltsame LiebcStragödie. Nach einer Meldung ans Ujkäcske(Ungarn) haben dort drei Mädchen, die a l l e d r e i in einem jungen Landwirt verliebt tvaren, zu gleicher Zeit Selbstmord versucht. Zwei der Mädchen waren sofort tot, das dritte Mädchen konnte gerettet werden. Diese ging den nächsten Tag auf eine» Weinberg und erhängte sich. Zur Klärung der Umstände hat die Gendarmerie die Untersuchung cingclcitcl. Im Zug bestohlen. Dienstag wurde der Lederhändler Heinrich Fuchs aus Prag im Eisenbahnzug unweit von Pardnbip bestohlen. Er führte in einem Lcderkoffer fünf rohe Silber- fuchöfelle und einen präparierten Silberfuchs in» Gesamtwerte von 6200 Kc mit sich. Einer seiner Mitreisenden verwickelte ihn ans dein Gang in rin längeres Gespräch, Ivährenddcsscn ein Komplize den Koffer gegen einen anderen, dem Aussehen nach vollkommen gleichen, vertanschtc. Fuchs stieg in Pardubitz ans, ohne die' Vertauschung des Koffers zu bemerken, und fuhr nach Königgrätz weiter, wo er bei einer Firma die Pelzwaren abgeben sollte. Erst beim Ocsfncn des Koffers stellte Ivar, wie ebenfalls namens Die Luft in der Stratosphäre unterscheidet flch wenig von der Erdenlnst Leningrad, 13. März.(Taß.) In Leningrad wurden nunmehr die definitiven Ergebnisse der wissenschaftlichen Beobachtungen beim Aufstieg des ersten Sowjet-Stratosphärenballons„URSS." bckanntgegcben. Die interessanteste wiffenschaft- lichc Erforschung war die Analyse der Zusammensetzung der Luft in einer Höhe von 18 Kilometern. ES zeigte sich, daß die Luft in dieser Höhe aus 20,06 Prozent Sauerstoff besteht und daß sich auch bezüglich des Inhaltes von Stickstoff und der Gesamtmenge seltener Aase(Helium. Neon, Argon, Krypton und Xenon) die Luft dort in sehr geringem Maße von der Zusammensetzung dec Lust auf der Erdoberfläche unterscheidet. Durch dieses Ergebnis der Analyse wird die allgemein verbreitete Annahme, welche bisher von der Wis- scnschaft vertreten wurde, vollständig umgcsrürzt, daß sich die Zusammensetzung der Luft in der Stratosphäre wesentlich von jener, der Lust auf der Erdoberfläche unterscheidet. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen: Donnerstag: _ Prag, Sender L.: 11.05 Salonorchester. 13.45 Schallplatte». 16.45 Musikalische Erzählung für Kinder., 17.25 Französisch für Anfänger. 18.00 Deutsche Sendung: Jugendstunde: Fürst: Wie bilde ich mein Gedächtnis zum leichten Lernen aus? Landwirtschaftliche Sendung. 10.00 Deutsche Nachrichten. 22.15 Schallplatien. 22.40 Smctana- Konzert. Sender S.: 15.00 Schallplatte». 15.10 Deutsche Sendung: Hornig: Demokratie im Alltag. 15.80 Schallplatten. 15.45 Deutsche Mch- richten.— Brünn: 12.85 MittagSkonzert. 14.05 Deutscher Arbeitsmarkt. 18.25 Deutsche Sen« Kampf gegen die Elemente Die Versuche zur Rettung der Tschejuskin- Expedition Moskau, 18. März.(Taß.) Die Empfangsstationen fingen eine drahtlose Meldung des Dampfers„Smolensk" auf, welcher der Tscheljuskin-Expedition zur Hilfe eilt. Diese Meldung besagt, daß der„Smolensk" die Kommandeur- Insel bereits verlassen hat und sich dem Bering- Meere nähert. Der Dampfer hat unausgesetzt mit Gegenwinden und Stürmen zu kämpfen. An Bord des„Smolensk" befinden sich s i c b e n Flugzeuge„P 5" unter der Führung des Fliegers Kamonin. In Pctropaivlowsk, auf Kamtschatka, kam an Bord dcS„Smolensk" der bekannte Polarforscher und tzundcführer S ch u r i k i n, mit einigen Hundegcspanncn und Schlitten. Die Epe- dition wird sich bemühen, möglichst gegen Norden vorzndringen und, falls cö möglich sein wird, mit der Rettungsmannschaft deS„Tscheljuskin" in Fühlung treten. Eisbrecher„Sltaffta“ soll helfe« Leningrad, 12. März.(Taß.) Die Ausbesserung des Eisbrechers„Krassin" wird mit großer Beschleunigung durchgeführt und dürfte bereits am 15. März und nicht, wie früher gemeldet, am 25. März beendet fesn. Der Eisbrecher wird am 18. März im Leningrader.Hafen Kohle Japanischer Torpedoboot-Zerstörer gekentert Tokio, 13. März.(Reuter.) Man befürchtet allgemein, daß die gesamte auS 113 Mann bestehende Besatzung deü japanischen Torpedobootzerstörers„Toinotsuru", der bei dem gestrigen Sturme gekentert ist, umö Leben gekommen ist. Die japanischen Kriegsschiffe, die nach dem Zerstörer forschten, fanden ihn kieloben auf den Wellen treibend. Auf Klopfsignale antwortete die Besatzung biö 21 Uhr, worauf völlige Stille eintrat. Die Mannschaften der Rettungsschiffe punipten in dm Schiffskörper des gekenterten Zerstörers Lust für den Fall, daß sich ein Teil der Besatzung noch am Leben befinde. Hierauf wurde daS gekenterte Schiff inS Schlepptau genommen und in den Hafen von Sasebo abgcschleppt. Zu der Katastrophe des Torpedobootzerstörers„Tomotsurn" wird weiter gemeldet, daß die Besatzung zum grüßten Teil auS jungen Rekruten bestand. Rach den letzten Nachrichten, wurden von den Mannschaften der Kriegsschiffe drei Mann der Besatzung deS gekenterten Schiffes, die sich schwimmend gerettet hatten, geborgen. Rach dem Eintreffen deS Wracks im Hafen von Sasebo wurde sogleich mit den RettungS- arbeitm begonnen, und eS konntm noch drei M i t g lieber der Besatzung lebend auS dem SchiffSinnern g e r e t t r t werden. ES war naturgemäß nicht möglich, in das Innere deS Schiffsraumes einzudringen, so daß die RrttungSarbeiten erst fortgesetzt werden können, bis daS Wrack auf Dock gesetzt sein wird. Die geretteten Matrosen erklärten, daß sich im Inneren deS BooteS im Maschinenrau m noch acht lebendrMatrosen befinden. Die Retter begeben sich langsam in daS Boot, punipeu Luft ein und führen rlestrischrS Licht rin, da Hoffnung besteht, daß noch die Rettung einiger weiterer Matrosen gelingen wird. DaS Unglück hat die japanischen Marine sachverständigm sehr unangmehm überrascht, da daS Marineministerium den Bau weiterer 16 Boote desselben TYPS, des sogenannten zweitm japanischen Marinebauprogramms zu beginnm plante. bunkern und eine genügende Menge Nahrungsmittel an Bord nehmen, um sodann die Reise inS nördliche Eismeer anzutrcten, wo er den Rest der schiffbrüchigen Besatzung deS„Tscheljuskin" bergen wird. Zum Kapitän deü„Krassin" wurde der erfahrene Nordpol-Forscher P o n o m a r e w ernannt^ der sich auch an der HilfScxpcdition des „Krassin" für die Schiffbrüchigen der Noüilc- Expcdition beteiligte. Ponomarew wurde der Orden der„Roten Fahne" erteilt. Ziehung der Klaffenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag, 18. März. Bei der heutigen Ziehung der IV. Klaffe der 30. tschcchosiowakischen Klaffenlotterie wurden nachfolgende Gewinste gezogen: KC 80.000 da» LoS Nr. 81750. Ke 20.000 die Lose Nr. 1841, 24163. Kd 10.000 die Lose Nr. 74418, 78463. Kt 5.000 die Lose Nr. 85484. 31800, 0408 27005, 46037. Ke 2.000 die Lose Nr. 0853, 60780, 16534, 85253, 44735, 48502, 58581, 67662, 70515, 32080. 53046. 67262, 63671, 60825, 1070, 22051, 0041, 7175, 07135, 42622, 865, 07100, 38142. Uü 1.200 die Lose Nr. 6800, 86482, 7808. 85258. 44785, 48502,. 53581, 67662, 39085, 62850, 31845, 104017, 70064, 8517, 17150, 8115, 70828, 20057, 81047, 0862, 86786, 66226, 25868, 8515, 50830, 7716, 5011, 17270, 66252, 48277, ovuto, ivootu, ooouo, 28884, 43456, 40710, 50064, 68865, 2492, 1Q610, 45682. 51518, , 79515, 87646, 71008, 20850, 61736, 01926, 101927, 57365, 85308, 41223, 81709, 81869, 87912, 30650, 104705. 87011, 59200, 03960, 80948, 108649, 65805, 61590, Die Gwältigungsarb eiten im Nelson-Schacht Prag, 13. März.(Tsch. P.-B.) Die Ge- wältignngSarbeiten auf den freigelegten Teilen der Nelson-Grube in der Nachbarschaft deS Für der- und Wafferschachteü schreiten im regelmäßi gen Tempo und ohne Hindernisie fort. Da die Gewältigung deü zweiten Abschnittes verschoben Herden mußte, solange nicht die Fördergrube und ihre Ausrüstung instand gesetzt sein toerden, tvurde, um die GewältignngSarbeitcn nicht zu hemmen, von der Betriebsverwaltung dem Re vierbergamt der Vorschlag gemacht, die westlich vom Wafferschacht führende Seilbahn in- itand zu setzen. Die Instandsetzung der För- dcrgrubc und ihrer Ausrüstung ist bis in die Tiefe von 140 Metern fortgeschritten und cS be-I er den Betrug fest. Der falsche Koffer steht die Hoffnung, daß diese Grube auf der einen inzwischen festgestellt toerden konnte, Seite soweit gcwältigt sein wird, daß ein Fürder-1 seinem Eigentümer, einem Brünner Soffer, in Prag gestohlen worden. Mit dem Motorrad In den Tod. Der K. Jukik aus Zlechov bei Bnchlovice(Bez. Ung.- Hradisch) kaufte ein Motorrad und fuhr, ohne cs genügend zu beherrschen, nach Zlechov, um sich vor seinen Kameraden mit dem Motorrad zu brüsten. AIS er eine enge Dorfgasse passierte, fuhr ihm ein Automobil entgegen. Jukik verlor die Geistesgegenwart und rannte gegen ein Haus an, wobei er tot auf der Stelle liegen blieb. Das Motorrad wurde bei dem Anprall vollkommen zertrümmert. Tagfsnculgkcttcn Drei Hinrichtungen< an einem Morgen Natürlich in Berlin. Berlin, 13. März. Die Justizpreffestelle Berlin teilt mit: Anf dem Hofe des Dtrafgefäng- niffeS Plötzenfre wurden heut« nm 7 Uhr früh der 24 Jahre alte kommunistische Brandstifter Richard Bahr, ferner die beiden Mörder der Obsthändlorin Könicke, der 30 Jachre alte F r i e» drichManu und der ebenfalls 30 Jahre alte Alfred Schulz von dem Magdeburger Scharfrichter durch daS Beil hingerichtet. Bahr war wegen fortgesetzter, teils vollendeter, teils versuchter Brandstiftung am 24. April 1033 zum Tode und dauernd« Berlnst der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden. Er hatte erst nach Berkündigung des Urteils ein Geständnis abgelegt. ES handelte sich bei ihm angeblich um planmäßige kommunistische Terroraktionen, dir, wie in den Städten, so auch auf dem Lande durchgeführt wurden, um nnter der Bevölkerung Angst und Schrecken zu erregen und den allgemeinen bewaffneten Aufstand vorznbcrritcn. Die beiden anderen Hingerichteten, Mann und Schulz, wurden am 7. Juni v. I. von dem Schwurgerichte tvegen Raubmordes zum Tode verurteilt. Dir Mittäter Bahrs, der 30 Jahre alte Gerhard Kehler und der 35 Jahre alte Wilhelm Lötfch, waren zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Leider raucht er keine Stunnnelpfeife, sondern bloß eine ganz gewöhnliche Zigarre. Aber außer der bemängelten Stuminelpfekse fehlt Oberst Ethcrton wirklich nichts zum Aus- und Ansehen eines echten britisch-indischen Obersten, wie er im schönsten Abentenersilm nicht schöner Vorkommen kann. Aber andererseits: was dieser Mann, der gestern im Flugzeug in Prag angekommcn ist, um über seine llebcrfliegung des höchsten Berges der Welt zn berichten, erlebt uird gearbeitet hat, ist tausendmal abenteuerlicher als tausend Abcnteu- rersilmc zusammengenommen. Und doch erzählt! dieser merkivürdige Mann— merkwürdig, wenn! auch ohne Pfeife— von dem Erlebnis dieses Fluges über nie betretene, ja nie nock gesehene Berg-1 rießcn, mit einer Ruhe und Gelassenheit, als. spräche er von einem gemütlichen Weekendausflug. UebrigenS: das ganze phantastische Abcn- ieuer dauerte wesentlich kürzer als ein normaler Weekendausflug. In sechs Stunden war alles vorbei. Aber cs hat sechzehn Jahre unvorstellbarer Arbeit gekostet, biS es so tveit war. Sechzehn Jahre lang hat Oberst Etherton am Fuße des Himalaja gelebt, mitcr unsäglichen Mühen die Gegend durchforscht, Möglichkeiten zu dem großen, erstmaligen Wagnis erforscht. Er Ivar, weiß Goit, kein Neuling auf dem Gebiet der Erforschung un- j gekannter und unwegsamer Gegenden. Er hat Afrika, Amerika. Anstralien, kreuz und gucr durchzogen, ist zu Fuß, zu Pferde, allein und mit Karawanen zwölf Monate lang den 5400 Kilometer! längen Weg von Indien nach Sibirien gereist. (Heute lau» man den gleichen Weg in drei Tagen im Flugzeug zurücklegen!) Und dann, als er diesen„ersten Anfangsunterricht" hinter sich hatte, hat sich Oberst Etherton in den Kopf gesetzt, der erste Mann zu sein, der den höchsten Bergesgipfel der Welt, den Mount I Everest im Flugzeug überquert. Und er ist dieser Mann gewordeit. So ivas ist leicht gesagt, aber verdammt schwer getan. Erstens lostet es Geld, und zwar viel Geld. Es fand sich eine englische Lady, Mr§. Houston, die für den Plan deS Obersten Verständnis batte und sich die Sache 80.000 Franken kosten ließ. Ein schöncö Stück Geld. Aber der Himalaja ist eine jener merkwürdigen und seltenen Gegenden dieses Globus, wo man es sich mit Geld allein doch nicht vollends richten kann. Denn der Himalaja ist nicht so ein Ding, das herrenlos herumliegt u. über das jeder, dem's paßt, darüberflicgcn darf. Der Himalaja gehört jemand, und zwar niemand geringerem als dem großmächtigcn Maharadscha von Nepal persönlich. So mußte sich denn Oberst Ethcrton zu dem Maharadscha bemühen u. um ein richtiggehendes„Visum" zur Ueberflic- gung des Mount Everest ansuchen. Es war gar keine leichte Sache, das zu bekommen. Der Herr Maharadscha war nämlich sehr besorgt, daß sein Volk ein solches Beginnen für einen furchtbaren Frevel halten werde und fürchtete deshalb schreck- lickc Dinge. Vielleicht sogar eine Revolution. Und der Maharadscha von Nepal verliert seinen Thron nicht lieber als alle anderen Herrscher der Welt. Schon gar nicht wegen eines„spleenigen" Gentleman ans England. Aber in einem unterscheidet sich der Herr Maharadscha— so behauptet wenigstens Oberst Etherton— von den übrigen großen und kleinen Herrschern: er ist nämlich anfgeklär- tcr und forischrittlicher als sein Volk. Er bezieht sogar die Möbel für seinen Palast aus London. Mehr Aufgeklärtheit kann man wirklich von einem Maharadscha nicht verlangen. Und mit Hilfe dieser Auftleärung faßte denn der Herrscher den Beschluß: Oberst Etherton darf fliegen— aber das Volk darf nichts davon wiffenl Und so geschah cö. Ethcrton mußte nach dem Start sofort so hoch aufstcigcn. daß man ihn nicht mehr sehen konnte, dann erst durste er Kurs auf den Himalaja nehmen; und genau so mußte cr's bei seiner Rückkehr und Landung machen. So kommt cS, daß heute die ganze Welt Iveiß, daß lebende Menschen über den Himalaja geflogen sind, nur die Leute, die dicht daneben wohnen, wissen cS nicht. Denn Zeitungen pflegt man in dieser Gegend nicht zu lesen. UebrigenS hat Oberst Etherton beim Hima- lajaflug Menschen getroffen» denen diese glückliche Uninfoumicrthcit der Ncpalianer schon gar nicht imponiert hätte. Die Menschen, die dort, von un- üüerstetgbaren Bcrgriescn seit urdenklichcn Generationen von aller Welt abgeschlossen sind, haben beute uoch keine Ahnung davon, daß cS einen Wellkrieg gegeben hat. Oberst Etherton hat es ihnen auch nicht erzählt. ES sind übrigens, wie er berichtet, höchst freundliche und nette Leute. Wahrscheinlich kommt daS eben daher, daß sie so wenig Umgang mit ihren zivilisierten Artgenossen habe». Als er mit seinem Aeroplan ankam, kvaren sie zwar ein wenig ängstlich, aber gar nicht bösartig. Einige waren sogar so beherzt, den Riesenvogel und den Gott, der mit ihm herabgekommen ivar, zu streicheln. Tenn daran, daß der Aeroplan ein Riesenvogel und Mr. Ethcrton auS London ein Gott persönlich war, waren sie keinen Augenblick im Zweifel. Und ivozu hat Oberst Etherton das alles gemacht? Ist er wirflich bloß ein„spleeniger" Engländer? Nun, was er damit gewollt hat, ist in der Tat nichts weniger als spleenig. Etherton ift überzeugt, daß die Zukunft im allerwörllichsten Sinn in der Luft liegt, und hat eS sich zum Steckenpferd gemacht, die Welt mit einem geschlos- h»cii Netz von Luftsahrtlimeu zu überziehen.' Und Erhöhung der Salzpreise! Muß daö Salzmonopol gerade jetzt daS Salz verteuem? Eo mutet mehr als sonderbar mi, wenn die staatliche Salzmonopolverkvaltung unmsttelbar nach den Versprechungen der Regierung die Salz preise erhöht. Die Preiserhöhung für das Tafel salz beträgt Kc 150.— pro 10.000 Kg. für die Bezüge ab Smichower Lager. Die Erhöhung ist gewiß nicht katastrophal» aber cS ist bezeichnend für den Geist oder besser gesagt Ungeist, von dem daS Salzmonopol beherrscht ist. Es ist klar, daß eine dringende Notwendigkeit zu dieser Preiserhö hung nicht vorlicgt, denn die im Jnlande erzielten hohen Salzpreise sind nur zu erzielen, weil das Monopol besteht. Zumindest gleich gutes Salz kostet in den deutschen Salmen 20—80 Heller per Kg. Die Gewinne des Salzmonopols sind wahrhaftig groß genug. Das Salzmoiiopol unter steht dem Finanzministerium und es ist unver ständlich, daß dieses Amt die Versprechungen der Regierung und des Herrn Finanzministcrs in dieser Weise bloßstellt. Wir hoffen, daß der Herr Finanzminister. die Preiserhöhung widerruft und überhaupt düng: Sportbericht; Arbritrrsrndung: Blech: Pro- darauf sieht, daß die durchaus bürokratische Ein- bleme der Jugend.— Preßburg: 16.00 Nachmittags- stellung des Salzmonopoles ein wenig modrrm* VM siert wird. ES wäre sehr zweckmäßig und mög- lidj, die Salzpreise hcrabzusctzen. Ter Staat soll| zert.— Wien: 17.35 Lieder^imd Arien. 20.0b Un« mit gutem Beispiel vorangehen.- j terhaltungskonzert der Wiener.Philharmoniker.' 11455, 57078, 24838, 36746, 91860, 4540, 51141, 25190, 36807. 49867, 31662, 92492, . 102461. 60035. 97481. 96177 10988, 78864, 12466, 85863, 56401. 98692, 11861, 73205, 34881, 25120, 76037, 12746, 89066, 82265, 55827, 97791, 70117, 108270, 79554, 92445, 69441. 60288, 06284, 52766, 96995, 1859, 61018, 29489, 52688, 63889, 90198, 36506, «r« Mittwoch, 14. März 1934 Seite« Orkan und Hochwasier an der ligurischen Küste Mailand, 18. März. An der gesamten ligu» rischen Küste herrschte am Montag abend orkanartiger Sturm und Hochwasier. Die Schiffe in den Häse» muhten besondere Sicherheitsvorkehrungen treffen und die Ankerketten verstärken. In Savora rih sich ein Motorschiff los und zerschellte an der Mole. Verschiedenen auf hoher See befindlichen Schiffen muhte vom Hafen aus unter größten Schwierigkeiten Hilfe gebracht Iver- !>en. Die elektrische Zentrale bei Ben» t i m i g l i a, die die Eisenbahnlinie Ventimiglia — Genua mit Strom versorgt, fing aus unbe« lannten Gründen cutt. Die Eiscnbahnziige auf den elektrisch betriebenen Bahnen haben riesige Verspätungen, weil durch den Sturm die elektrischen Leitungen an vielen Stellen beschädigt worden sind. Man hat bis zur Behebung der Schäden aushilfsweise Dampflokomotiven eingestellt. Am Spätabend ist an der neuen Kustcnstratzc Savona— Alüissola eine grohe L a w i n e nie» dcrgegangen, die den Verkehr völlig sttll legte. In Finale wurde ein Mann, der am Ufer stand und He Wellen betrachtete, von der Gewalt de» Windes in das Meer geschleudert, wo er ertrank. Auch in G c n u a ist das Meer stellenweise wett über die Strahen bi» an die Eisenbahndämme hcrangcireten. Blutbad im Bauernhaus Riga, 13. März. Auf einem Bauernhof bei Platon in Kurland hat sich gestern eine grauenbatte Mordtat ereignet. Im Laufe eines heftigen Familienstrcites crschoh dort der Bauer seine Schwiegermutter, dann richtete er den Revolver auf seine flüchtende Frau, die Zeugin der ersten Mordtat war. und jagte ihr zwei tödliche Kugeln in den Kopf. Hierauf eröffnete er das Feuer auf seine beidcnSch Wäger, von denen er einen verletzte. Nachdem er den Viehstall und die S ch e u n e seiner Schtvicgcrmutter an gezündet hatte, machte er seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Dir Isolierten. Wie» Leipzig berichtet wird, ist die Leipziger Messe noch geringer vom Ausland' beschickt, al» cs im vorigen Jahr der Fall war. Die Zahl der ausländischen Aussteller ging von 615 im Jahre 1983 auf 547 zurück. Etwa ein Drittel der «isländischen Aussteller sind Japaner, die europäischen Staaten haben sich fast vollständig von der braunen Barbarcnmeffe zurückgezogen. Die Umsätze sind denkbar schlecht, das Geld ist knavper denn je und die Messe führt, nach allgemeinem Urteil, gegen früher nUr«in Schattendasein. Zur Auflassung, bzw. Verlegung von Bezirksgerichten. Auf eine Interpellation gab Ministerpräsident Malypetrnamens der Regierung eine Antwort, die folgendes besagt: ES handelt sich um die Durchführung einer Anregung, tvelche die parlamentarische Spar- und Kontrollkommission gemacht hat. Ueber diese Anregung finden !m Justizministerium Borerhebnngen statt. Mit der mcritorischen Beurteilung der Angelegenheit wird sich die Regierung nach der Vorlage eines Antrages des Justizministeriums beschäftigen. Die Frage der allfälligen Auflassung von Gerichten wird von allen maßgebenden Gesichispunktcn aus überprüft werden. Gefährliche Geisteskranke. In einem Buch I von Wilhelm Stapel„Der christliche Staats-1 mann" mit dem Untertitel„Eine Theologie deö Nationalsozialismus" lesen wir folgenden Kommentar zu dem deutsch-polnischen Pakt:„Wir sind Deutsche, gleichviel ob Minderheit oder Mehr-1 Prozeß Kaß in neuerlicher Verhandlung SA-Mann flüchtet ins tschechoslowakische Kriminal Vizepräsident des englischen Oberhauses als Zeuge beantragt— Vertagung werden. Das Gericht lehnte aber dicke Anträge umvescntlich ab und erkannte Kaß beider ihn« Last gelegten Bcrbrccheu schuldig. Ank die NichtiakeitSbeschwerde des Verteidigers das Oberste Gericht das Urteil tatsächlich teiI- Ge- auf Tube K£ und K« 6— Inländische* Erzeugnis hcii. und als Deutsche sind wir die Ersten. Wenn in ganz Polen nur zwei Deutsche wohnen würden, so wären sic mehr, als die Millionen Polen; denn sie sind eben Deutsche." Gros,-Belgrad. Durch ein eigenes Gesetz, das gestern von der Skupschtina beschlossen tvurde, wird die Vereinigung Belgrads mit S e m l i n und einer Reihe von Dörfern auö der Umgebung van Belgrad zu Groß-Belgrad verfügt. Der Zusammenschluß dieser Gemeinden mit der Belgrader Stadtgemcinde hat bis 1. April I. I. zu erfolgen. Eine Expedition der sowjrtrnssischen Akademie der Wissenschaften entdeckte in der Wüste Kzylkum in Kazakstan die versteinerten Knochen.von bereits längst mtSgcstorbcnen Wirbeltieren, wie z. B. von Din»sauren, und andere riesige Fossilien. Die Expedition entdeckte auch einige Lager mit der neolithischen Zeit. Alle Funde sind ausgezeichnet erhalten. Prag, 18. März. Im November v. I. wurde, Ivie noch in Erinnerung sein dürfte, in einem dreitägigen Prozeß vor dem hiesigen KreiSgerichte die AnUage gegen den 26jährigen Chauffeur Josef Kaß und vier weitere Angeklagte verhandelt, nach welcher sich diese des Verbrechens der Anschlägegegen die Republik und des Militärverrates (88 2 und 6, Schutzgesetz) schuldig gemacht hatten. Wir haben über den Prozeß damals ausführlich berichtet und wiederholen heute nur kurz, daß Kaß vor zwei Jahren über die Grenze ging. Mitglied der SA. wurde und gleichzeitig bei seinem„Führer", dem Bmuncister K ü h n e in A u e, Chausfcurdienste tat. Diese Beschäftigung und der SA.-Dienst waren, da Arbeitgeber und Vorgesetzter ein und die- selbe Person war, bis zur Unkenntlichkeit verquickt. Man gedachte sich dann an höherer TA.-Stclle des Kaß zu Spionagezwecken in der Tschechoslowakei zu bedienen und schickte ihn eines schönen Tages über die Erzgebirgsgreuze mit dcni Auftrage, verschiedene Informationen bei hiesigen Hakculreuzlern einzuholen und mit diesen überhaupt Verbindungen an- zuknüvscn. Ferner sollte er«ine Gasmaske unserer Armee besorgen. Kaß kehrte aber unverrichteter Dinge nach Deutschland zurück. Ec hatte keine Erfolge auszuweisen, als einige Begegnungen mit Ko- motancr Nationalsozialisten, brachte aber nicht solches Material, wie cs seine Auftraggeber brauchten. Jedenfalls jagte man ihn ein zweites mal über die® rcnzc. wobei ibm die SA.-Leutc dringend nabclegten, sich diesmal tüchtiger zu zeigen. Bei dieser zweiten Grenzüberschrcitung benahm er sich so verdächtig und auffallend, daß ihn der Gcndarmeriewachtmeister Kunz noch int Grenzgebiete verhaftete. Kaß legte ein umfassendes 1 ständnis ab, kam wegen der erwähnten Delikte die Anklagebank und lmirde schließlich zu vier Jahren schweren Kerkers vcnirtcikt. Mitangcklagt waren die Komokaner, mit ibm in Verbindung getreten sind. Diese wurden teils zu leichteren Strafen verurteilt, teils frei- gesprochen. Verteidigt hatte sich der Angeklagte damit, daß er nie die e r n sl e Absicht gehabt habe, den Auftrag auszuführen. Englands Frauen fordern Bezahlung gleich den Männern Frauen, die den verschiedensten Benifen angchärcn, fanden«ch in London zu einem Demonstrationszug in den Drahten ihres Standes zusammen, um dafür«inzuiretcn, daß weiblichen Arbeitern künftig dieselben Löhne gezahlt werden wie den Männern in gleicher Position. Er betonte, er habe seine Verhaftung selbst pro- voziert, weil er bei Misslingen seines Auftrages das Konzentrationslager fürchten muhte. Er habe sich nirgends sicher gefühlt und gewußt, daß selbst diesseits der Grenze Gefahren durch die Schergen der SA. gedroht hätten. Zu einer Sensation gestaltete sich der dritte Prozesstag, an dem Verteidiger Dr. L c b c n h a r t eine Reibe sensationeller BeweiSanträge stellte, in dem die Schrecken der Konzentrats o ns- ! l a g e r geschildert wurden, zu deren zeugeneidlicher Bekräftig»»» sich dem Gerichte einige glücklich entkommene Häftlinge dieser Marierhöllen zur Verfügung gestellt batten. Dadurch sollte die Glaub- «Würdigkeit der Verteidigung Kaß' belegt als zur hob weise aus und verwies die Sache zu neuerlicher i Verhandlung an die erste Instanz zurück. Iknbe- rübrt ließ das Oberste Gericht das Urteil im ersten Hanptstück, nämlich sotoeit die A u j kh l ä g c gegen den Staat in Frage stehen. Dagegen soll die Schuldfrage hinsichtlich des Militärvcrratetz uochniats in neuerlicher Verhandlung geprüft werden. Das erste Gericht habe die Verantwortung des Angeklagten, er habe selbst durch auffälliges Bench- mcn seine Verhaftung provoziert, nicht in Rechnung gezogen und nicht sicktergestellt, ob der Angeklagte sich nicht vielleicht doch freiwillig unseren Behörden aurgelicfcrt und gar keine schuldhafte Absicht gehabt habe. So wurde denn dieser Fall heute vor deut Senat kindlich abermals, wenigstens teilweise, ausgerollt. Bei dem großen llmfang des, wenn auch nur zu I einem Teil neu durchgenommenen Prozeßmaterials dauerte die Verhandlung bis in die späten Nackt Mittagsstunden, ohne zuguterletzt zum Urteil■ zu führen. Kaß blieb auch heute bei seiner Verteidigung. er habe unter dem Druck seiner gefährlichen I Auftraggeber gehandelt, habe aber nie an di« tat- sächliche Ausführung des strafgcsetzlich verfänglichen Auftrages gedacht und sei schließlich freiwillig vor der SA., ihren Konzentrationslagern und Gawalttäter ins tschechoslowakische Kriminal geftüchttt. Wiederum suchte die Verteidigung, die mif den aus der früheren Perhandlung bekannten Beweisanträgen beharrte, die Wa^rkcheinlichkeit dieser Verteidigung durch tvcitergehcnde Beweise in dieser Richtung zu stützen., Verteidiger Dr. Lebe«hart beantragte hentc die Ladung einer Reibe privater Persönlichkeiten deS Von von er Untersuchungsausschusses, der nnlähltch de» Leipziger Reichstagsbrandprozesses zu- kainmengrtrrtkn war, als Zeugen für anthcn-. tisch festgestrllte Bestialitäten, die sich in den Konzentrationslagern ereignet haben. kl. a. war beantragt die Ladung des Vizepräsidenten des Hauses der Lords(also des englischen Oberhauses) Lord Marley, de» Prosessors der Pariser Sorbonne Marcel B r e- n a n t, ferner eine Reihe bekannter Aerzte, Advokaten und Pertrctcr der Wissenschaft, die an den Sitzungen dieses Ausschusses teilgenonimen haben und über authentische Informationen verfügen. Der Gerichtshof verkündete nach Beratung den Beschluß, die angebotenen Beweis« nicht zuzii» lassen, da sie für die Beurteilung de; gegenständlichen Falles nicht unmittelbar von Bedeutung sind und die Beurteilung de» Vorbringen» Kaßcnv Sache der freien Beurteilung de» Gerichte» sei. Dagegen beschloß das Gericht, zwei frühere Mitangeklagte, die in dieser Eigenschaft n ich t als Zeugen gehört iverden konnten, jetzt, wo ihre Sache erledigt ist. als Zeugen vorzuladcn. Zu diesem Zwecke wurde die Verhandlung vertagt. rb. Vem Prager Rundiunh Die abgelaufene Woche war zum Teile noch er- siillt von den Nachklängen des ehrenvollen Gedenkens an Friedrich Smetana, dessen 66, Todestag für die musikalische Welt des In- und Auslandes selbstverständlicher Anlaß ist, Werke de» größten tschechischen Komponisten in das Rundfunlprogranmi zu übcrncbnien. Die vom Erinnerungsbilde festge- baltcne hilfsbereite Freundschaft zwischen Friedrich Smetana und Franz Liszt ttug ein leitendes Motiv in das Bekenntnis, mit dem alle Nationen unserer Republik am 7. März in der Person des mit gleicher aufrichtiger Verehrung geschätzten Präsidenten Prof. Thomas G. Masarpl die Verkörperung edelsten Menschentums feierten. Die deutsche Sendung widmete der Geburtstagsfeier einen voit Professor Rauchbcrg mit schönen Worten gesprochenen Vortrag, der den Präsidenten in seiner philosophischen Größe und in seiner Verbundenheit mit dem deutschen Geistesleben würdigte. Der Borttag brachte ein Festprogramm mit der„Egmont'-Ouvertüre, auf Masarvk bezogenen Aussprüchen von Karin Michaelis, Albert Einstein, Dr. Brentano und Cou- denhove und der beschließenden Staatshymne. Als sich am Mittwoch unter Leitung des Lehrers Alfred Scholz deutsche Kinder einstelltcn mit ihrem Festprogramm„Wir gratulieren", konnte ich wegen dienstlicher Verhinderung leider nicht zuhören.— Im Zuge der Festlichkeiten möchte ich aber nicht unerwähnt lassen, daß die verschiedenen tschechischen Sender am Mitüvoch Smetanas bedeutendste Opern und Dvoraks„Rusalka" Abertrugen. Sowohl künstlerisch als auch vom Standpunfte des nationalen Ausgleiches besonders bemerkenswert war die Donnerstag gegebene Ileberttagung einer tschechischen Ausführung von Schillers„Wallen st einSTod" aus Prag k. Ju der deutschen Arbcitersendung laS am Sonntag Dr. Ludwig Spitzer vier selbstverfaßte Reportagen: zwei Augenblicksbilder vom Alltag der Straße und zwei Szenen aus dem Gcrichtüsaale. Dr Spitzer setzt keine Worte schlicht, wie sie eben die Teilnahme mit dem Elend der Aennsten geben- Aber in ihnen atmet die innige, ergreifende Poesie eine» Wildgans, aus ihnen spricht die zärtliche Liebkosung eines Dichter».— Am Mittwoch gab Genosse Karl Kern einen Bericht über die Heimstättcnaktion für die arbeitslose Jugend. Diese vom Fiirsorgemiuistcrium durchgc- fiihrte staatliche HilsLinaßnahmc erfaßt in 37 Orten bezirksweise solche jugendliche Arbeiter beiderlei Geschlechtes, die nach ihrer Auslchre überhaupt keine Beschäftigung finden konnten oder tvährcnd ihrer Gc- hilsenzeit arbeitslos wurden. Sie werden in Heimstätten uutcrgcbracht, dort verpflegt und erhalten die Möglichkeit, in Fach- und Gewerbeschulen, beziehungsweise in Fachschulen für Frauenberufe ihre Fachkcnnt- nisse zu pflegen, wciicrzubildeir oder sich mtf verwandte Berufözlveige umzuschulcu. Diese Kurse sind den Bczirkökominissionen für Jugendfiirsorge augc- gliedert und stehen unter fachmännischer Leitung. Sie schützen wenigstens für acht Wochen einige Tausend junger Menschen vor dem sittliche» Verfall.— Kern» Bericht war bei aller sachlichen Klarheit doch diktiert von teilnehmender Liebe zur arbeitenden Jugend, deren geliebter Führer er ist. In der Freitag- Arbcitersendung widmete Genosse Karl Kern die Hälfte seiner„aktuellen 10 Minuten" einer schönen Würdigung deö Staatspräsidenten Prof. Thoma» M a s a r h k und verdolmetschte der deutschen Arbeiterschaft aufrichtige Gefühle der Verehrung für den Vorkämpfer für wahre Demokratie und edles Menschentum. Er berichtete anschließned von der zu erwartenden Belebung der amerikanischen Wirtschaft durch Einftihrung des 30-SIiinde>ttagcS, von der sozialen Krise in Spanien und dem weitcrgreifeudcn Streikkampfe der dortigen Arbeiter, kennzeichnete den entschiedenen Widerstand der tschechischen Diplontati« gegen die geplante Rückkehr der Habsburger und be- wnte die politischen Komplikationen, die einem solchen Schritte folge« müßte«. In der übrigen deutschen Sendung war vor allem die llebertragung de» dritten Akte» von Raimund» „Verschwender" bedeutsam durch den au»gc- zcichnctcn Valentin Dörner» vom Ncncn Deutschen Dhcalcr Prag». Ilnersindlich aber bleibt, wie der Spielleiter Borger einen so ganz unzureichenden Flottwell zulasscit konnte, wo er dockt darauf bedacht war, außerordentlich begabte Kiudcrspicler zu finden. — Durchaus nicht aufregend war der in die. sonntägige landwirtschaftliche Sendung eingeschobenc Vortrag„Die VauerntochIer und ihre Mut- t e r" von Frl. Jng. Gertraud A d a m e h: eine Auswahl harmloser psvchologischer Hauintittel für pädagogische Ansänger.— Durch eine Programmänderung hörte man int andachtsvollen Zusammenklnug von Alt, Bratsche und Klavier Originaltverke von Kurt Seidel. Von den angcsagtcn Miitvirkenden war nnr der Raute Fritz Rieger, Kapellmeister, verständlich.— Einen ungemein wertvollen, in die Tiefe menschlicher Seelenrälsel greifenden Vortrag brachte der Montag:„Zur Psychologie der Geschlechter." Univ.-Prof. Dr. Ernst v. Aster rechtfertigte darin nicht mir seinen Rus al» Gelehrter, sondern ertvicS sich auch als Meister des klaren, tvortschöncn Vortrag».— Eine willkommene Führung sür alle Musikfreunde war Dr. Ernst L a tz k o s „Uebcrsicht über das Musikprogranun der tschecho- slowakischcn Stationen".— In dem„Wirtschaftlichen Relief" eröffnete Ar. Franz Husty tröstliche Ausblicke auf wirtschaftliche Gesundung und stellte in ihre Perspektive die Aukündigung der ckO-Siundcnwochc als Kompromißlösung mit nicht allgemeiner Giiltinkcit. Immerhin eitva» gegenüber der Nachricht, daß Amerika zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise bereits mit der 30-Stundcnwochc operiert. Eine Vorlesung aus dem Buche„H a b e n S i e k e s n e A n g st" machte weitere Kreise auf den heiteren FranzcnSbadcr Medizinmann Med.-Dr. L ö b c l aufmerksam.— Des Herrn PostsckretärS Adolf Kotek ,10 Minuten für den Bastler" werden gewiß von allen Liebhaberingenicuren gcrit gehört und auf die technische Einrichtung des„WcllensiebeS" angewendet worden sein. Etwas sehr Liebe» waren die von Frau Prof. Etuchkik-Deutelmoser mit uctten Worten verbundenen und von ihr einsühlsam begleiteten Lieder der donnerstägigen Jugendstunde. Tilde Merz ist mit ihrem wohllmitcuden, an innigen GesühISWcr- tcn reichen Organe eine glückliche Interpretin für die reizenden Lieder des Kuhläudischcn Schulmeister- komponistcn Friedrich K u b i e n a. Mau muß sie sich merken:„Schlummerlied",„Bauer und Tauben", „Vom langsamen Schneck",„Klein Häschen wollt' spazieren gehn" und„Vom dummen Hänschen". Ebenso reizvoll int Inhalt und im Vorirgg waren Morgensterns„Entcnschnattcrkied" mit BamnannS Musik, Otto Blenkdorfs„Lied von den Uhren", Mozarts„Schnsncht nach dem Frühling" und Reinekes„Kind und Kuckuck". Stadtarchivar Dr. Herb. Sturm aus Eger gab am Donnerstag Ratschläge zur Anlage und Füh- rung der Dorfchronik. Dr. M o u ch a besprach neue Werke flämischer Dichter. Am Freitag kam von Straschnih eine künstlerisch lies entpsnndcne Vorlesung von Novellen von Maxim Gorki; Sprecher Ivar Panl Demel vont Deutschen Theater in Prag. Die Abendsendung brachte einen Borirag des Univ.-Pros. Dr. Oskar Kraus über das Thema„Ein Jahrhundert philosophischer Kultur in Prag". In klarer, kritischer Würdigung wurde darin ein Ueberblick über die philosophischen Schulen von Schelling und Hegel über Bolzano, Smetana, die Hcrbar- tiaucr, Leonhardi, Krause, Brentano und Masarhk bis zur lebenden Gegenwart gegeben. Für uns am wesentlichsten in diesem Vorttage Ivar die philosophische Begründung zit Diasaryks demokratischer Weltanschauung, die Kamenskys McnschlichkciiSidcc fart- scht- Thon er. „Sozialdemokrat" «He« Mittwoch, 14. März 1034 Mr.« W PBAftEB ZBITBMG Hz veuWe Mer unü Olt MergeWlsW Wir haben vor einiger Zeit berichtet, daß die „W a b r h e i t" die ganz dezidierte Behauptung auf- gestellt hat, das; seitens der Deutschen Gesandtschaft in Prag auf daS Prager deutsche Theater Einflug genommen wird. Insbesondere wurde in dem zitierten Artikel behamuet, das; die Absetzung der„Ras- s e n" von Bruckner von; Svielvlan auf einen Eingriff der Deutschen Gesandtschaft znriickzuführen sei, oaj; ein Lchaufpieler sich geweigert habe, bei der Restroy-Anfführung eine bestinnntc Couplet-Strophe zu singen und das;, uni ilu> dazu zu zwingen, erst ein Attest der Gesandtschaft nötig gewesen sei, das; er unter Zwang gebandelt habe, und endlich, daß einem Mitglied des N. D. Th., der früher deutscher Offizier Ivar, verboten tvorden sei, in einem be- stmnuten Siück Regie zu sichren. In der„W a h r h e i t" a n t w o r t e t nun Herr D r. Eger auf die Porlvürse, aber auch diese Antwort ist alles andere, denn eine befriedigende und die demokratischen Bedenke» gegcit das deutsche Tbcatec beschwichtigende Erklärung. ES sei, erklärt Herr Direktor Eger, richtig, das; ein reichsdeutscher Schauspieler uni Abnahme der Regie eines Stückes gebeten habe und das sei kein vereinzelter Fall. Ilnklar bleibt, ob Herr Dr. Eger meint,«S sei nicht vereinzelt, das; Regisseure um Abnahme der Regie eii;eS Stückes ersuchen, oder das; reichSdentsche Künstler dies in besonderen Fällen tun! Das; aber die Deutsche Gesandtschaft den Schritt dieses Herrn veranlagt habe, ist, schreibt Dr. Eger, „nicht nur mir, sondcri; auch incincm Stellvertreter und meinen; dramatischen Bureau vollkommen unbekannt und uns gegenüber ist eine derartige Aeirs;eru>;g nie gefallet;. Ob sie etwa in Thcaterkreisen kolportiert wick>, entziehtsichunsererKennt- n i S". ES ist durchaus möglich, das; sich inanche Dinge, die in Theater- und änderet; Kreisen kolportiert werden, der Kenntnis des Herrn Dr. Eger und seines dramatischen Bureaus entziehen, aber das; sie nicht existieren, das; gewisse Behauptungen unwahr seien— daS wagt, wie man sieht, Dr. Eger gar nicht zu erklären. Er beschränkt sich auf das Alibi: mir ist es unbekannt! und er schweigt darüber, ob der Sache wenigstens nachgcgangen sei. Der Fall mit dein Nestroy- Couplet sei viel harmloser gewesen. Der Betreffende habe die Strophe gesungen, als Dr. Eger ihm erklärt habe, er selbst finde sie unbedenklich. Ein Attest der Gesandtschaft sei nicht eingeholt worden. Was endlich die Absetzung der„Rassen" betrifft, so habe Dr. Eger sofort bei Austeilung der Rollen und ohne irgendeinen Druck von außen, jenen Künstlern, die reichsdeutsche Engagements anstreben, die Ablehnung der Rolle freigestellt, um die Engagementswerber nicht„in Konflikt mit ihren eventuellen dortigen Arbeitgebern" zu bringen.„Ich Ivürde—sagt Dr. Eger— diese Rücksicht gegen jedermann, welcher politischen Partei er immer oder auch wenn er keiner angehört, üben." Schade, das; Herr B a l k, als er eS übernahm in „Towarhsch" zu spielen, von dieser Rücksicht keinen Gebrauch gemacht bat! Denn wer sagt ihm, daß er nicht eimnal in einer sozialistischen Republik ein Engagement anstreben wird? Die Rücksicht deS Herrn Dr. Eger ist sicher sehr human. Leider sind seine reichsdeutschen Kollegen weniger objektiv und so haben wir eben doch die auf die Dauer unerträgliche Situation, das; nicht nur in Deutschland auf jeden Künstler, ob er Staatsbürger oder Ausländer ist, ein unerhörter Druck geübt, sondern das; dieser Druck auch noch auf das Auslaitd übertragen wird. Wenn es so ist, das; man den Spielplan einer Bühne in der Tschechoslowakei, ob direkt oder indirekt, unter die Diktatur von Goebbels und Goering stellen muh, weil die Künstler um ihre Engagements und— im Falle des Engagements Ivohl mich mit Recht um ihre Haut— bangen, wenn also das führende deutsche Theater in der Republik auch ohne Ein schreite 11 der Deutschen Gesandtschaft, von den« Herrn Dr. Eger immerhin nichts bekannt ist, nur spiclei; darf, waS die Engagements seiner von Sehnsucht nach dem Dritten Reich erfüllten Mitglieder nicht stört, dann entsteht doch die Frage, warum man hierzulande nicht Leute engagiert, die gern bereit find, auf Engagement- in Deutschland solange zu verzichten, als dort Hitler regiert. Wie das„Prager Montagsblatt" zu berichten weist, hat sich ein Schubverband deutscher Künstler mit tschechoslowakischer Staatsbürgerschaft gebildet, dessen Mitglieder anscheinend gern iit ihrer Heimat spielen möchten, aber warten inüssen, ob nicht einer jener Herren oder eine jener Damen, die sich lieber vor Hitler als vor dem Prager Pnbli- kmn produzieren, einen Platz räumt oder ihn noch behält. ES fiirden sich hier Rainen, die sich neben den von; Dritten Reich imch Prag beurlaubten Stars des Herrn Dr. Eger sehe;; lassen können. Wir sind die letzten, die der Freizügigkeit der Künstler das Prinzip einer starren Autarkie gegenüberstellen wollen, aber wir halten eS für unerträglich, dass die Kunstpolitik in einem demokratischen Staat davon abhängt, ob die Herren und Damen, die trotz ihrer Verehrung für Hitler im Tritten Reich kein Engagement finden, ein weitere- Jahr Rollen atlrhnen, die ihnen beim nächstjährigen Abschluß in Deutschland schaden könnten! Begreift Herr Dr. Eger nicht, dast seine Erllä- rnng, die eine Entschuldigung bringen soll, erst recht die UnHaltbarkeit des Systems zeigt? Hier dürften eben nur Künstler engagiert werden, die bereit sind, auf die fragwürdige Ehre, vor Hitler singen zu dürfen, von vornherein und ein für allemal gen; verzichten. Dann wird man keine Schwierigkeiten mit dem Repertoire haben und so Theater spielen können, wie eS in einem demokratischen Staat billig wäre. Wir glauben nicht, dast irgendein reichsdeutsches Theater, eine jener Bühnen, die Kortner, Ernst Deutsch, Carola Reher, Elisabeth Bergner und viele andere ziehen ließen, einem tschechoslowakischen Künstler zuliebe oder gar wegen eine- Künstlers, der in der Tschecho- floweckei oder der Schweiz ein Engagement suchen könnte, ein Stück absehen wird. Bei uns aber sollen die Wünsche, Beflirchtungen und Bedenken reichsdeutscher Schauspieler oder solcher, die eS werden wollen, den Theaterbetrieb entscheidend beeinflussen? Man erzähle unS nicht, dast das Humanität istl DaS wäre— seitens des demokratischen Staates— hoffnungslose DummheitI Und die Direktion deS Reuen Deutschen Theaters lvird in ihrer humanen Tendenz gegenüber braunen Vedetten, die ihre Drohung, uns zu verlassen, leider nicht Vertvirflichen, sondern weiter hierbleiben und weiter den Spielplan bestim men werden, wenn man eS ihnen überläßt, doch auch auf den Staat Rücksicht nehmen müssen, in dem sie toirkt! Die Liga für Menschenrechte hat sich sehr ausführlich mit der Kampagne beschäftigt, die seitens gewisser Kligquen jahrelang gegen den Bür- gerschuldircktor Johann Storch geführt tvurde. In einem formellen Beschluß gibt die Liga bekannt, daß sie zu der Ueberzeugung gelangt sei, daß Storch in mehr als einem Punkt schwerwiegendes Unrecht zugcfügt worden sei. Sie werde sich für die Reaktivierung Storchs cinschcn und der Oeffentlichleit Aufschluß über die Ungerechtigkeiten geben, die an Storch verübt wurden. Hoffent- lich ist mit diesem SchrÜt die erste Bresche in den Boykott gelegt, den klerikale und nationalistische Kreise über einen fortschrittlichen Lehrer verhängt hatten und den ein Teil der Bürokratie leider unterstützte. Wir waren mit manchen Ansichten Storchs— der seit einiger Zeit der Prager Bezirksorganisation der Partei angehört— oft nicht einverstanden, freuen uns aber, daß seine gehässigen Gegner genötigt werden sollen, endlich mit offenem Bisier zu fechten. Krank und obdachlos. Gestern abends um 8 Uhr wurde die Polizei verständigt, daß in der Nähe der „Prajacka" ein junges Mädchen bewußtlos aufgefunden tvorden sei. Man brachte das Mädchen aufs Revier. Der herbeigerufene Arzt stellte fest, daß eS fieberte und krank war. Nachdem die Kranke mis ihrer Ohnnmcht erwacht war, gab sie ihre Personalien an. Sie heißt Jarmila T k i S k o v a, ist 26 Jahre alt und von Beruf Schneiderin. In der letzten Zeit ging eS ihr so schlecht, daß sie sich weder ein Zimmer leisten, noch die notwendigste Nahrung kaufen konnte. Krank, fiebernd u;ü> hungernd irrte sie seit Tagen in Prag umher. Gestern brach sie auf ' offener Straße zusammen. Man hat die Bedauerns- >, werte jetzt in die Klinik des Professors Hlynka gelt bracht. k Einbrüche... In der Nacht zum Dienstag Drachen unbekannte Tättr in die Räume der Firma 'Brüder Schubert u. Kohout ein. Sie stahlen dort 200. Reichsmark,. 10 englische Schilling und zwei ^500-KL-Scheine.—Bei der Oelsirma Opatrny in 'Straschnitz stahlen Diebe Gutscheine auf 250 Liter Benzin uw> 280ü>Iiö-in bar....> Sprechbühne für Mittelschüler. Sonntag, den 18. März, veranstaltet Prof. Dr. Erwin Klein um ll Uhr vormittags eine Matinee seiner Sprechbühne für Mittelschüler im Rahn;en der Masaryk-Hochschule der Urania. Jur Vorführung gelangen acht lyrisch-epische Sprechchöre und ein Faswachtspiel von HanS Sachs, gesprochen von Schü- len; und Schülerinnen des StephanSghmnasiumS. Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker (Heim: GewerkschaftShauS.) Donnerstag, den 15. März, abends 8 Uhr, Rezitationöabend.— Genosse Erich Heller: verbrannte« Büchern" Gäste willkommen! Kunst und Wissen Gin unmöglicher Gast! Soll Herr Wallburg, der hitlertreue Nichtarier, wirklich in Prag gastiere»...? Die Gastspiel-PshchosedeS„N eil Ln De irischen Theater S", nimmt neuerdings unerträgliche Formen an. Aus der Sitte des sporadischen Gastierens ist längst eine Unsitte des permanenten Gastspiels geworden, die nicht m;c eine unverantwortliche finanzielle Belastung darstellt, sondern auch künstlerisch auf keinem Fall zu motivieren ist. Für die nächste Zeit ist an ein Abcbben nicht zu denken, eine Unzahl Gastspiele stehen unS noch bevor, die nur zum kleinsten Teil eine künstlerische Bereicherung deS SpielplaneS darstellen werden. Das wäre mit allem Nachdruck"allgemein zu sagen. Wie aber soll die Prager Oeffenüichkeit darauf reagieren, daß zur Zeit mst Otto Wall« bürg, recte Wasserzug, verhandelt wird, der mit einen; eigenen Ensemble w einem gleichgeüdetem Berliner Lustspielschniarren zu gastteren beabsichtigt?! DieS Gastspiel, das Geld kosten wird und künstlerisch völlig bedeutungslos. ist, ist nicht nur völlig überflüssig, sondern darüber hinaus eine Provokation. Wallbnrg ist eine der unerfreulichst e n Erscheinungen im Lager der hit- lerassnnillierlen„Ander-rassigen". Er hat die Geschmacklosigkeit besessen, den; Ministerpräsidenten Göring„eineA n er ken- n u n g" abzunötigen. Damit nicht genug, lies; sich der charaktervolle Herr von dem Morphinistenhäupt- ling bestätigen, daß gegen sein Auftreten„keine Bedenken'' bestünden, obwohl ihn niemand zum Einbolen einer solche» Erklärung aufgesordert hatte. Dieses Gastspiel eine- Mannes, der in der loürdelosesten Weise vor den Repräsentanten der braunen Unkultur Kotau gemacht hat, ist eine starke Zumutung, die bisher an daS Publikum des „Neuen Deutschen Theaters" gestellt. Bon rincin Wallburg, der sich bei Hitler anbiedcrt und in clcfanienhäutiger Wendigkeit daS verächtliche Hohngelachter der Razipreffe ignoriert, bis zu einem hundertprozentigen Barbarengast, ist kaum noch ein halber Schritt. Sind die Herren in;„Renen Deutschen Theater" wirllich von allen psychologischen Göttern verlassen? Wir empfehlen dringend, von diesen;;m;nöglichen Gastspiel Abstand zu"nehmen. I Herr Wallburg mag sich die notwendigen Diäten in; Lande seiner unverstandenen Liebe holen—. UnS bleib« er drei Schritt vom Leibe! Bon der Prager Deutschen Mufikakadrmic. Nach längerer Pause hat die Deutsche Musikakadeniie wieder eines ihrer mustergültigen musikpädagogischen Konzerte veranstaltet; diesmal im neuen Konzerisaal des VolksbildnngAjauscs„Urania". Bei den durchwegs intimen Vortragsstücken des Konzertes kmn die ausgezeichnete Akustik des Saales besonders znr Geltung. Zum Bortrage gelangten vorwiegend Kompositionen, die Ivenigcr Anspruch auf tondichterischen Wert haben Am letzten Abend deS Bolkü- tümlichenKnrseS über kulturelle Frag«; spricht morgen Donnerstag, 15. März, um halb 8 Uhr abends im Parteiheim(Prag II, Rärodni tk. 4, 2. Stock) Genosse Joses Hosbaner über Sozialistische Lebe«»kühr*«g Dieser Bortrags- und Didknssionöabrnd ist auch Richt Mitgliedern zugänglich, Regieieitrag 3 KC. als dazu bestimmt sind, die solistischen.Fähigkeiten des Spielers zur Geltung zu bringen; tvic das Capriccio-Trio für Violine, Cello und Harfe von HanS Trneöek. eigentlich ein SolovortragSstück für Harfe mit Begleiwng zweier Streichinstrumente, oder das Konzert für Flöte und Klavier von A. B. Fürstenau oder die G-Moll-Suite für Kontrabaß und Klavier von Fr. Cerny. An größeren Konzertwerken enthielt das Programm des Abends: Mendelsohns unvergänglich schönes Violinkonzert und daS Cellokonzert von C. Saint» Säens. Die vokale Tonkunst war durch je drei Lickicr von den; Nachromantikcr Robert Franz und dem Prager deutschen Tondichter Rudolf F. Proch ä z k a vertreten. Die künstlerische Durchführung dcS Konzcrtprogrammes gab neuerdings Zeugnis von der zielbcwuhten Lehrtätigkeit unserer sudctcndcut- schen Musikschule. Die mitwirkenden Damen P l o ee k und Laufke(Gesang) und Großmann(Klavierbegleitung) sowie die Herren Roman und Riedl(Violine), Schng(Flöte), Krcmsa (Kontrabaß und Klavierbegleitung), Merz(Cello) und Felber(Harfe) mögen sich mit einem Gesamtlob begnügen, da sie alle daS beste zu leisten bc- ftreht waren. Bleibt nur zu lvünschen, daß auch der Besuch dieser ebenso billigen wie künstlerisch nützlichen musikpädagogischen Konzerte ein besserer werden würde. E. I. Ein„Wagner-ZyfluS" am Deutschen Theater bringt im ersten Teil: Sonntag, den 18. März: ohengrin"(D 2— Nachgetragene Vorstellung von; 16. März), SamStag, den 24. März: „Tannhäuser"(C 2), Dienstag, den 27. März,„Der fliegende Holländer" (A 2), SamStag, den 7. April:„Die Meistersinger von Nürnberg"(B 2). Extra- Abonnement von KL 24.— bis 160.—. Ermäßigung gegenüber den Kaffenpreisen bis zu 45 Prozent. AuS» gäbe von Extra-MionnementS täglich. Jahreöabonncn- ten können die drei nicht auf ihre Serie entfallenden Vorstellungen zum ermäßigten ZyfluSpreiS beziehen. Wochrnsptrlplan deS Reuen Deutsche« Theaters. Heute Mittwoch, abends halb 8 Uhr: Turan» dot, Erstaufführung, Bl.— Donnerstag halb 8 Mitteilungen aus dem Publikum Chlorodont-Zahnpasta, jetzt auch schäumend. Rach einem bereits mehr als 25 Jahre währenden SiegcSzug der Chlorodont-Zahnpasta(nicht schäumend), hat sich deren Herstellerin, daS Chlorodont- Werk, Gesellschaft m. b. H., Bodenbach a. d. E., entschlossen, neben dieser nunmehr eine start schäumende Chlorodont-Zahnpasta unter Beibehalwng des so beliebten erfrischenden Pfefierminzgeschmackes herauszubringen.— Eine Nachricht, die getviß bei denjenigen Verbrauchern stärksten Widerhall finden wird, welche der Chlorodont-Zahnpasta deshalb kein« Beachtung schenkten, weil dieselbe nicht schäumte. Zum Unterschied von der nicht schäumenden Chlorodont-Zahnpasta ist die Verpackung der schäumenden Chlorodont-Zahnpasta mit rotem Ouerstreifen „schäumend" versehen.— Die schäumende Chlorodont-Zahnpasta ist in allen Fachgeschäften erhältlich. 100 Preis Itt. 2400.— (lnkl. Röhrensteuer, ohne Umsatzsteuer.) Neues Hochleistungs-Empfangsgerät mit eingebautem Permanent- dynamischem Lautsprecher, nach Metern geeichter Skalenscheibe, Tonblende zur Anpassung der Wiedergabe für jeden Geschmack und 12-Watt-Penthode in der Endstufe in besonders geschmackvollem Kasten aus poliertem kaukasischen Nußholz. Verlangen Sie unverbindliche Vorführung bei Ihrem Radiohändler! PHILIPS RADIO Uhr: Diegöttlich«Jette, C 1.— Freitag halb 8 Uhr: Das Konzert, Abschiedsvorstellung Leopold Kramer, Ml.— SamStag halb 8 Uhr: T u r a n d o t, A 2.— Wochenspirlplan der Kleinen Bühne. Mittwoch halb 8 Uhr: Aon neuer can teil, Ensemblegastspiel der English VlayerS.— Donnerstag halb S Uhr: Anthony and An». Gastspiel der English Pl'>erS.— Freitag 8 Uhr: D i e T r a- fik ihrer Exzellenz, KulturverbandS- freunde;;nd freier Verkauf.— Samstag 8 Uhr: Die große Chance.— Der Film Der Florentinerhut Ein Frühwerk Renö C l a; r S, noch aus der Zeit des stummen Films, aber sehr beredt in seiner satirischen Heiterkeit, die sich übermütig an bürgerlicher Kleinstadtmoral, an modischen Verschrobenheiten der Jahrhundertwende(die fast schon wieder modern sind), an; Ehrenkodex dcS Militärs und am Zeremoniell der Zivilisten entzündet. Gewiß hat Stent Clair seine Meisterschaft erst im Tonfilm ganz bewiesen, aber da der inzwischen so berühmt gewor- dene Albert P r t j e a n schon hier auf der Höhe ist, da der Stoff dieses Films gerade jetzt von Voskovec und Wcrich neu belebt ivorden ist— und da, vor allen;, der parodistische Stil in; Film neuerdings so iveuig oder so schlecht gepflegt wird, das; es gut tut, an alte Vorbilder erinnert zu werden, ist der Anblick des FlorcntiucrhuicS von anno dazumal iutcrcffani erheiternd und cmpfehlcnsivert.—eis— ES geht um alles. Es ist nicht alles abenteuerlich, was unmöglich ist, und eS ist nicht alles lustig, ivaS lächerlich ist. Diese Selbvcrständliebkeit wurde von den Verfertigern dieses alten reichsdcutschen Films nicht anerkannt— und so ist eine Reihe dummer Einfälle;nü> plumper Scherze zustande gekommen, deren Anblick weder sehr unterhaltsam, noch erfreulich ist. Man muß immer wieder die Frage stellen: warum zeigt nian unS, wenn man schon alte deutsche Filme zeigt, so minderwertige wie dieses Fabrikat(in dem noch Harry PielS Vorgänger Eddie Polo sich prodnzicrt)— und warum zeigt man nicht lieber jene Filme, an denen n;m; den Verfall der Filmkunst unter dem Hakenkreuz eindrucksvoll erkennen könnte?— eis— Filmreaktion in Oesterreich. Sonntag hat daS Schweden-Kino in Wien die Iveitere Aufführung des Filmes„M a r y L o u" abgebrochen. Bei der Wiener Erstaufführung dieses Filmes kam eS bekanntlich zu Demonstrationen jugendlicher Christlichso- z i a l e r und der H e i m w e h r e n, so daß die Polizei der Paramount-Gesellschaft, der der Film gehört, nahelegte, di« Aufführungen einzustellrn. SamStag fand eine polizeiliche Besichtigung des Filmes statt, doch hat die genannte Gesellschaft im Einverständnis mit den; Schweden-Kino den Film aus dem Programm gestrichen, noch bevor das polizeiliche Verbot erlassen wurde. VCTChisnadiriditcn Am kommenden SamStag und Sonntag: Die Vorturnerstunde mit den Aussiger Genossen G r a s s e und K o h l e rt. Für die Genossinnen u;ü> Ge- nassen, die längere Zeit ausge- setzt haben, die beste Gelegenheit, wieder zu beginnen, da die Vorturnerst;:;ü>e die beste Grundlage; für unsere. künftige Arbeit sein wird. Näheres über Beginn und Dauer in den Turn- stundenl. Lackierer flUDt Adresse in der Derwältuny.]a) BezugLb e d t n g u n g e n: Bei Zustellung inL'HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich flö 16.—. vierteljährig KC 48.—, halbjährig AS 06.—, ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden lmit Tarif billigst berechnet.Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Riickstell;mg von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungssrankatur wurde von der Bost-, und Telegraphen» direktio« mit Crlatz Rc. 13.Svv/vri/1030 bewilligt.— Druckerei:^OrbiS", Druck-, Verlags- und. ZeitrngS-A.-G., Prag.