9sAülöMÄrrrt IENTRALORGAN|| MD hEIITCmFbl«HTIlinEUArOATierUEbl aadeiteddaotei!■ PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHE N REPUBLIK ERSCHEINT NUT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag Xll., fochova«. Telefon fltn. Administration telfpon sjwo. HERAUSGEBER■ SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR■ WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 14. Jahrgang Donnerstag, 15. Marz 1934 Nr. 62 WWWMWMIMM Die umworbenen Unerhörte Provokation durch eine DollfuB-GrMn in «R bl» M** IH Hitlers und Mussolinis nicht int geringsten noch> "^stehen. Und doch bilden sich die Machthaber ein, I Geschäftsstelle Der Vaterländischen Avni > i Italien, drei das an I Deutschen HauS" zu! R e a k t i o n müsse schalten und die Menge mit tollen Provokation durch die Dollfnß-Fasci- Liebe und Energie zur Gläubigkeit und zu Oesterreichisch-fascistische Propaganda im„Deutschen Haus“ Rekruten-Werbung in der CSR für die„Vaterländische Front“ I Dollfuß rühmt sich seiner Stärke Nom, 14. März. Bundeskanzler Dr. Toll- fuß erklärte einem Bertretcr einer römischen Agentur gegenüber: Die wirtsckaftfickcn und die politischen Ver- bältnisse, lvelchc das Europa von heute charakicri- sieren, bringen uns alltäglich neue und immer wieder neue Ausgaben. Es ist sür mich angenehm, eben deshalb Henle cincnt Freunde die Hand zu reichen, der volles Verständnis für die Lage Oesterreichs besitzt und der sich auch in jeder Weise bemüht, uns in unserem Bestreben nach Wiederausbau unseres Landes zu unterstützen. Italien handelt in der Frage der wirtschaftlichen Konsolidierung im Donauraunic natürlich auch im eigenen Interesse. Es freut mich ungemein zu konstatieren, daß eine völlige Ucbcreinstiinmung der Tschechoslowakei lebende Ocsterreicher ergan-; gen ivarcn, sprach Por vielfach gesiebtem Publikum( die Propaganda reisende des öfter», reichischen Bundeskanzleramtes,' die Gräfin Elisabeth Sorff-Schmising< Kerhcn-' brock über„DicEntwicklunginOester-f reich von SeipelbiS zur vaterländisch c n F r o n t". Die„vaterländische" Aristokratin, die ihren Vortrag sorgfäktig vom Manuskript abbuchstabierte, ein Manuskript, daö ihr ofsensichilich von der Propagandaabteilung der, österreichischen Regierung geliefert worden tvar, erschien in pontpöscr Abendtoilette. Die Dollfuß-Gräfin begann ihre Manu«, skript-Vorlesung, indem sic, lächcürdcn Gesichts, berichtete, daß sie die Wiener Kampfplätze„selbst besichtigt" habe, lvorauf ein staunendes„Ah" durch die Reihen ging. Nachdem die gefühlvolle Dame versichert hatte, das; Dollfuß das Verdienst zukomme, Oesterreich vor dem Bolschewismus gerettet zu haben, tvodurch neben Rußland und — Spanien eine dritte Brutstätte des Unglaubens verhindert worden sei, war sie blasphemisch genug, den Segen drS Himmels auf die Opfer der Exekutive herabzufichen. Von den Anwesenden stand bei dieser GotteSläste- nmg nur ein Mann auf, der sich in militärischer„Habt acht"-StcUung vergeblich bemühte, die übrigen Hörer zur gleichen Ehrenbezeugung zu bewegen. Nachdem die Gräfin in ihrem sprunghaften Referat Seipel als ein Genie gefeiert und sich den Witz erlaubt hatte, daß seit Seipel Oesterreich das Geschick Mittelen r o p a s b e st i m in t h a b c, nannte sie Dollfuß einen Mann, der Oesterreich aufbaue,„wie e s d i c Apostel des Herr»getan hätten",.,.ohne zuviel Sorge um daö Gegenwärtige". Dann fuhr die Gräfin wörtlich fort: »Mit welch' rührrnder, fast hintmlischer Geduld Ist die Negierung de» Putschisten ent- grgengetreten! Wieviel Milde hat sie diesien gegenüber walten lasten! Wer den väterlichen, eiitdringlichrn Mahnruf deö Kanzlers an di« Aufrührer im Rundfunk gehört hat, dem wird er unvergeßlich bleiben!" Die Dollfuß-Regierung, die so behuisam und so nachsichtig mit ihren Feinden umgegangen sei, habe die Methoden ihres Kampfes dcr2000jähri- genDiploniatie der Kirche abgelauscht. Auch die Kirche habe der„Stobern der Unterwelt oft umwallt". . Unvergleichlich war. wie sich diese Propagandistin deS Dollfuß-Regimes mit der„s o- z i ä l e n Frage" befaßte. Den Klassen-' kampf, so erklärte sie, gebe eS nicht, er sei eine Erfindung der Sozialdemokraten. Die breiten Massen sind nach Ansicht der eleganten Gräfin,„niederen Einflüsten leicht zugänglich", sie siiid„ihrem Gefühl nach oft stumpf und lahm, verlieren die Nase und lassen, wie der Jäger sagt, mit sich machen". Wirtschaftliche Nachteile, philosophierte die Gräfin kühn, rufen gewisse seelische Bcränderungci. und ungesunde Komplexe in den Massen hervor/ Das wird, so stellte sie fest, im Reiche der Kleriko- Tcil des jetzt zur Schau getragenen Wohlwollens, mit dem man die Arbeiter zu ködern sucht, hätte genügt, um die entsetzliche Katastrophe zu verhüten. Jetzt heucheln sie auch Mitleid mit den Opfern unter der Arbeiterschaft und während der amtliche Nachrichtendienst in den Sturmtagcn die kämpfenden Arbeiter nur als 1 Horden" und„marxistische Verbrecher" ! beschimpfte, ist man jetzt freundlichst bereit, die nicht sparte, und darauf hinlviek, das; diejenigen, die sich weigerten, eö sich selbst znznschreiben hätten, Ivcnn sic jegliche Verbindung mit der Heimat verlören. Dann ging ein Mann durch den Vcrsammlungöramn und verteilte die Stammrollenformularc der österreichischen„Vaterländischen Front" mitten im Herzen der Hauptstadt unserer Republik, wobei er die mit den Formularen Bedachten miffordcrte, sich nnmentlüti einznzrich- nrn. Nm jeden Zweifel zu beseitigen und eventuelle AblcugnungSversuckc bereits im Keim zu ersticken, veröfscnllichcn wir hier die in der Versammlung der Gräfin Korfs-Schmising-Kerßcn brock verteilten Stammrollen- 08 lare der„ ihrem Gott zurückführcn. Mit dreierlei Volks fremden Elementen werde Dollfuß fertig werden müssen: mit den entwurzelten Fabrikarbeitern, den Juden und den unerwünschten E i n iv a n d c r c r n. Die Fabrikarbeiter werde man seßhaft macken und zum G l a u b e n z u r ü ck f ü h r e n, die I u d c n auf ihre eigentlichen Berufe beschränken und die Einwanderer hinauS- werfen. Dann kant es zu einem unglaublichen Exzeß der streitbaren Dame. Bei Behandlung deö Umsturzes von 1018 und des Zusammenbruchs der K. u. K.-Monarchie sagte Fran Gräfin Korsf- Sckmising-Kcrßcnbrock wortwörtlich— die Acnße- rung ist, nm Dementis vorzubcugen, niitgeschrie- ben: „Geschickte Volk sd r magogr n heimsten damals die Früchte einer jahrzehntelangen nationalen Irredenta ein. In den armen Hirnen wurde die nationale Flamme entfacht!“ Bei diesen unerhörten, geradezu beispiellosen Beschimpfungen jenes Landes und seiner Führer, dessen Gastrccht die Gräfin int Augenblick genoß, schritt der diensthabende Polizeikonnnissär, der die Versammlung überwachte, unbegreislicher Weise nicht ein. Er ließ die schwerste Beleidigungen anö- stoßendcn Dame, ruhig weitcrredcn. Anscheinend war er sich über die Bedeutung und den Sinn dieser Worte nicht im Klaren. Tie beiden Sätze wurden in einer Veranstaltung gesagt, zu der, wie cs auf der von uns abgedrncktcn Einladung heißt,„Vertreter der Ocsterreicki- schen Gesandt sch ast, des Oe st erreich i s ch e n K o n s n l a t s und der Prager O e st c r r e i ch i s ch e n Kolonie geladen und wohl auch erschienen waren. Es scheint ausgeschlossen, daß cS zum Aufgabe»kreis des Prager österreichischen Hiksöver- e i n S gehört, einer derart unverschämten Hetze gegen die Tschechoslowakische Republik seinen Namen zur Verfü- gung zu stellen. Im Zusammenhang damit sei nur noch der Kuriosität halber erwähnt, das; die Dollsiiß-Gräfin die Behauptung aufstellte, K ö n i g A l b e r t von Belgien sei„nicht a b g e st ü r z t"; er habe— sie formulierte daS, was sie sagen wollte, allerdings sehr vcrtvorren— eben die Waffen gestreckt... Aber daö Unglaublichste kant zum Schluß. Die Gräfin forderte alle Anwesenden auf, der „B a t c r l ä n d i s ch c n F r o n t" b c i z u t r e- t e n, wobei sie mit versteckten Drohungen Am Dienstag Abend ist cS bei einer„inier-1 fascisten alles ander? werden. Eine gesunde ncn" Veranstaltung im„Deutschen Haus" w‘‘-••—■ s:-«wat,, tJcnrf(74rnR^Qfeün)i— S-»(*•>> Dcbmmgfebttlk- M-—- Tclm M QHltliitl■■__ Internationale ShandalPede in Praß!"üJü. I Cll««1« SrtRViV-v 11 Xil 11(■ zwischen Italien und Oesterreich besteht. Der gute Wille beiderseits ebnet den Weg zur Konsolidie rung der wirtschaftlichen Jnteresien. Oesterreich und Ungarn haben alle gleich große Interesse, mitznarbciten Urteft SJSÄI«** Bemühungen und Lügenksmsie.. arbeit anSschlieht, liegt auch im Interesse aller, gelmgen, die bw NUN in der«ozialdemoirakie ES sei mir gestattet, hervorznhebcn, daß Oester- organisierte» Arbeitermassen zur.1 ncrken- rcich einen positiven Faktor in diesem Cutwick» nung und Liebe für ihre blutbe- lungsprozcß darstellt. Um dieser seiner Pflicht s s l e ck t c n ll n t e r d r ü ck e r zu bewegen, Ein Itachznkommen, müssen tvir unsere Freiheit, un sere Autonomie und unsere Unabhängigkeit wahren. Wir müssen dies auch, nm unserer hi storischen Aufgabe gereckt zu Iverden. In den l e tz t e n T a g e n h a b e n w i r j a v 0 n neuem d e u B e Iv c i S c r b r a ch t, d a s; wir genug st a r k sind. ES ist unsere Pflicht, mit allen Staaten in besten Beziehungen zu stehen. Unsere Innen- und Außenpolitik rkch-!«rote ' tct sich auch nach diesem Gesichtspnntte. I Wiener Kams'stagc erschienen beim Bundespräsidenten Miklas bürgerliche Po- litiker und besckstvoren ihn tun seine Berni ist. lung. Er lehnte ab. Herr Miklas, Ritter des ChristuSordcnS. frommer Katholik, der täglich in der Kirche Gott um Beistand anfleht: ein Wort hätte genügt, um die Waffen zu senken, um Herrn Dollfuß zur Besinnung zu rufen. Die- !scs Wort wurde nicht gesprochen, Herr MiklaS hat lieber den geleisteten Eid auf die Verfassung gebrochen, hat lieber indirekt daS Leben taufen ber Söhne seines Landes auf sein Gewissen geladen. Wichtiger als die Verhütung des von den Dollfuß Fey-Starhemberg verübten Verbrechens erschien ihm die blutige Niederringung der Ar- beiterbewegilng. Als die Streiter für den christlichen Staat die von ihren Haubitzen zerschossenen Gemeinde- I bauten erstürmten, hausten sic in ihnen wie in n S t a m m r 011 e n- F 0 r m n A^slaiid.^der und Wäsche wurden zer- ,.V a t e r I ä n d i s ch c n F r 0 n 1". schnitten, Model kurz und klein geschlagen,«Geschirr wurde zertrümmert, Seitz-Bilder, ja selbst Kinderspielzeug sinnlos vernicht^. Dabei baden diese OrdmmgSstutzen g e st 0 h l c n wie die Raben. Was einigermaßen von Wert und leicht zu verbergen war, wurde van den Organen der„braven Erektitive" eingesteckt. Nickt einmal im Weltkriege kam es vor, daß Frauen ttndKi 11 der in von der Arkillcric beschossenen Gebäuden gewaltsam mit vorgehal» t c n e m G e w e h r z u r ü ck g c h a l t e n wurden, wie eS in Wien bis zu dem Augenblick geschah, da die Gesandten der Großmächte beim christkatholischcn Bundeskanzler gegen die verübten Grausamkeiten protestierten. Auch die b c st i a l i s ch e Misthand- l u n g wehrloser Gefangener wurde int Weltkrieg nicht geübt, nicht einmal die Kosaken machten sich solcher Untaten schuldig. Ebr Üichc Kämpfer fanden den Soldatcntod durch Pulver und Blei, in Oesterreich überantwortete man sie dem schimpflichen Galgen und die Ouadragesimo anno-Siegcr hätten ohne den Widerspruch der empörten Weltmeimmg nach ^zahllose Gefangene gehenkt. Mit ihrem christ- ticken Glauben haben es die Sieger In vollendete Uebereinsiimmung zu bringen vermocht, den unterlegenen Kämpfern ihr in den Gewerkschaften, Genossenschaften, Arbeitcrheimcn, ZeitmigSim- tcrnehnmngen und Arboiter-Bank-Jnstitulen an- gelegtes Geld zu stehlen, gleichzeitig den Untern ch»1 e r n r c i ch 0 M i l l i a r d e u- präsente in der Form des Verzichtes aus ihre Beiträge zu den Lasten der Sozialversicherung zu machen. Sogar die chinesischen Kulis können sich in Verzweislungsstreils gegen die Ausbeutungsgelüste ihrer Unternehmer wehren: die österreichische Arbeiterschaft wird im„christlich-autoritären Ständestaat" k c i n e r l e i S t r e i l r e ch t haben, jede Auflehnung gegen AuLboutungspral- tiken wird dem Verbrechen des Landesverrates gleichgestellt werden. An vollständigem Sklaventum wird der gemäß der letzten päpstlichen Enzyklika zurechtgcformte österreichische Staat den Reichen Donnerstag, 15. Mürz 1934. Mr.« 48 n.m. de Jong: DtcsdUungene 5fack tin Mamou in vier kpisoäeo Autorisierte Ucbersetaunjc aus dem Holländischen von E. R. Fuchs. „Nicht den geringsten Fortschritt gesteht Ihr dem Volke zu. Selbst nicht die unbedeutenden und ungenügenden Rechte, die cS in unseren Nachbarländern schon besitzt. Das Volk muh eine dumpfe, ungeschlachte, folgsame Herde von Arbeitstieren bleiben... Aber das Wort, daß alle Menschen Brüder sind, hat nach und nach einige, oh natürlich: alberne Idealisten immer mehr und mehr begeistert. Weil sic Idealisten waren, liegen sie sich zu Uebertrcibungen verführen in der Annahme, daß diese Worte ernsthaft und buchstäblich gedeutet werden müßten. Und eben darum,>veil sic Idealisten waren, pochten sic an Eure Türen und machten Euch darauf aufmerksam, daß Eure Brüder in Kummer und Elend, in Ungewißheit, Schmutz und Entartung zngrnndcgingcn... Sie lviesen von Euch grämlich gegebene Almosen zurück und forderten Recht für diese vergessene» Brüder, Menschenrechte für diese mißhandelten Brüder... Aber sie fanden taube Ohren... Dann gingen sie zum Volk und versuchten, eü aus seinem apathischen Dornröschenschlaf zu wecken, cs zu unterrichten, ihm bcizubringen, daß eö sich als ebenbürtiges Glied der menschlichen Gesellschaft fühle» und ein menschliches Leben fordern müßte, Menschenrechte, Anteil an der Regierung deS Landes, in dem es den Reichtum und die fruchttrcibende Blüte bildete ... Friedlich gingen sie umher, doch Eure Selbst- hcrrlick'kcit. Eure Machtgier tvar tvachsam und durchschaute die Gefahr dieses friedfertigen Wirkens unter dem Volk. Ihr habt ihre Tätigkeit als staatsgefährlich erklärt, tvenn sie auch nur eine Gefahr bildete für egoistische, hartherzige, gewissenlose Ausbeuter, fiir die Blutsauger, die sich vollsogen am Lebenssaft der Brüder, die das Volk bildeten... Die friedlichen Erwecker neuer Gedanken, menschlichen Bewußtseins in verhungerten Herdentieren habt Ihr als gefährliche Revolutionäre erklärt und wie Bluthunde habt Ihr Eure Spione auf ihre Spuren gehetzt, sie zu Tode gejagt und ihr Werk unmöglich gemacht. Ihr, die Ihr so ehrerbietig gegen die Verkünder neuer Gedanken in der alten Zeit seid, Ihr habt Euch wie Henker auf die edlen Seelen gctvorfen, die sich ein schweres, gefährliches und kummervolles Sein auferlegt haben, frohen Mutes und in heiliger Hingabe, einzig und allein, um den geknechteten Brüdern den Weg ins Land der Freiheit zu weifen. Ihr habt diese Friedfertigen und Sanftmütigen, mit dem milden Feuer des Pro- phetentums im Herzen, mißhandelt, verstümmelt, verhaftet, ermordet. Immer mit Euren niederträchtigen GesetzcSbüchern in Händen, mit Eurer Schlvindelmoral auf der Zunge... Und so lange habt Ihr die sanften Schäferhunde gesagt und zerriffen, bis eö ihnen bewußt lvurde, daß sie Zähne besaßen, um sich gegen die Wölfe zu verteidigen... «Ihr habt uns gcztvungen, extreme Mittel zu ergreifen. Ihr verlachtet und verlacht Ueber- zeugung, tiefere Moral, Recht und Rechtlichkeit. Menschlichkeit und Vernunft. Ihr kennt nur ein einziges Recht: das deö Stärkeren, sich offen- barend in brutaler Gewalt. Ihr bildet nicht Gerichtshöfe, sondern Schlachthöse. Schrecken einflößen ist Euer einziges Argument. Und>vir haben in Gegemvehr uns dieses Argument zu Eigen gemacht, voll Ekel zwar und Abscheu, aber Ihr ließet uns keinen anderen Weg. Fürchterlich ist dieser Weg der Gewalt, aber>vir haben uns entschlossen, auch diesen Weg für unsere Ideale Ostchinesische Bahn verkauft? Eharbin, 14. März.(Reuter.) Hier kursieren hartnäckige Gerüchte» das; die Sowjetregierung auf Grund geheimer Verhandlungen zwischen Vertreten! der Sowjetregirrung und der japanischen Regierung in Tokio die Ostchineflsche Bahn dem Staate Mandschuko für 135 Millionen Arn verkauft hal>e. Diese Gerüchte fanden zwar Roher noch keine amtliche Bestätigung, doch ist zu beobachten, das« die seit einiger Zeit zwischen den javanischen nnd den Sowjetfunktionärcn in Angelegenheit der Verwaltung der Ostchinesische» Bahn bestandene Spannung nunmehr wesentlich nachgclaffrn hat. Arbeiter, in denen man nur„Verführte" sehen will, in die„christliche Volksgemeinschaft" auf- zunchmcn. Anfangs setzten die Usurpatoren große Hoffnungen auf die von den erbärmlichen Rene, gaten Dr. Z c i n i tz c r und Jng. Pichler gegründete neue Partei,„Freier Arbeiterbund Oesterreichs" genannt, doch diese beiden Leute sind nur in Kärnten bekannt, Dr. Zeinitzer war schon vordem unter der Kärntner Arbeiterschaft lvenig beliebt, gerade noch geduldet und so dürste diese Organisation außer den Gründern über- Haupt keine Mitglieder haben. Sic hat auch noch kein Programm, man weiß von ihr nur, daß sie sich der Vaterländischen Front untersiellt hat. Mehr Glück hat man bei den öffentlichen Angestellten gehabt, die— auch die Nazi unter ihnen — sich unter das Joch gebeugt haben. Einen gewissen Zustrom haben die vaterländischen Mör- der aus den Reihen der Arbeitslosen erhalten, die sich von der Mitgliedschaft dort Arbeit und Brot versprechen. ES gibt auch ehemalige jüdische Sozialdemokraten, die früher und auch erst im letzten Augenblick aus der Partei austratcn, mn zur Vaterländischen Front hinüberzuschwenken, weil sie ebenso wie das jüdische Bürgertum in ihr einen Schutzdannn vor den Wogen deö Nationalsozialismus erblicken, eine Illusion, deren faulen Zauber sic noch gewahr werden dürsten. Von diesen Absplitterungen abgesehen, welche den Siegern mit der Zeit eher Verlegenheiten als Freude bereiten werden, hat das Lie- bcswerbung nm die Seele deö Arbeiters trotz aller Lockungen, Drohungen und Gcwaltmaßregeln bisher keinen Erfolg aufzuweisen. Man hat eS init der.H e r a u s g a b e v o n g e t a r n- ten Zeitungen versucht, denen man als „Arbeitcrblätter" Eingang in die Kreise der so- zialdeniokratischen Arbeiter zu verschaffen gesucht hat. Ucbcr zwei solcher Organe ist man bisher nicht hinausgckommen, die Erfolge dieser Betrugsversuche ließen weitere Bestrebungen auf diesem Wege nicht verlockend genug erscheinen. Auch für die bisherigen 200.000 Leser der so- zialdcmokratischen Zeitungen besteht wenig Ver- lockung, sich an Stelle der ihnen vertrauten und aus der Seele sprechenden sozialdemokratischen Blätter init einem der Blätter der österreichischen Presse zu befreunden, denn eines von ihnen zeigt wie jedes andere die gleiche Schablone. Es gibt da keinerlei Gesinnungsdiffercnzen und Qualitätsunterschiede. Ehe viele zehntauscnde Sozial-i dcmokraten die geistige Kost aus diesen schnmhi- gen Quellen schöpfen, verzichten sic lieber auf das regelmäßige Lesen einer Zeitung überhaupt. ES herrscht ein heftiges Gedränge um die hundcrttausende bisher der Sozialdemokratie und ihren Genossenschaften Angehörigen. Nach dem furchtbaren Geschehen und der erlittenen Niederlage mag es unter der Arbeiterschaft Zeichen seelischer Depression und KamPfeSmüdigkeit geben, jedenfalls ist eines unversehrt geblieben: LandeskongreB zum 20. Ms 25. Am Sonntag tagte bei Paris der Parteivorstand der Sozialistischen Partei Frankreichs— zum ersten Male seit den blusigen Ereignissen vom 6. Feber— und beschloß die Herausgabe folgender Richtlinie n: Angesichts der Regierung des Nationalen Blocks, dec durch einen Aufruf zur Macht gelangt ist, verharrt die Partei in der Opposition; im Falle einer politischen Zerrüttung, die die" gclvähltcn Körperschaften gefährden würde, fordert die Partei deren Auflösung. Die Partei tvird auf allen Gebiete!» und in allen Formen den bereits in Angriff genommenen Kampf z u r M a ch t e r o b e r u ng fortsetzen. Die Ereignisse vom 6. Feber rechtfertigen neuerdings diesen Machtanspruch und geben ihm einen noch dringlicheren Charakter. Frankreich hat nur die Wahl zwischen dem fasci- stischen Kapitalismus und dem Sozialismus; die Zersetzung aller politischen Formationen deö Bür- gcrtums gestattet aber nurmehr die Richtung zum SozialiSnmS. Der Kampf gegen den FaseiSmnS kann nur als sozialistische Aktion und im Sinne der sozialistische» Lehre geführt werden. Die Krise läßt in dem Maße, als sie sich verlängert und auöbreitet, die tödlichen Widersprüche eines Regimes, das nur durch ein soziali- ssischeS Regime abgelöst werden kann, immer ge- waltsamcr erscheinen. Dem nächsten Landesrat(Parteitag) lvird eine zu ernennende Kommission einen Plan vorlegen, der durch zlvei Punkte gekennzeichnet ist: durch einen Plan der Propaganda und der Müssens am m l u n g einerseits und durch ein Programm für die u n m i t t e l b a r e Macht-Aktion der Partei anderseits. Die Defensivaktion gegen die Bedrohung durch den FascismuS und der Offensivkampf zur Eroberung der Macht fordern: der Haß gegen die blutbcsudelten Unterdrücker! Will man genau ivissen, wie die österreichischen Arbeiter denken und fühlen, so kann man eS aus jenen in den Wiener Gtra- ßrn klebenden Plakaten ersehen, die da» Bild deS Herrn Bundeskanzler» zeigen. Diese Plakate weisen geschickt gemachte rote Blutspuren auf, die anklagend herabrinnen und da» Blatt Pa- Pier, daS Dollfuß hält, enthält in großer Schrift das Wort:„Arbcitcrmörder l" Mal nach Toulouse einberufen Kundgebungen fein mutz, ferner daß diese Attis« niemals zur Bildung ständiger Organismen führen darf, die denen der Partei übergeordnet wären und daß fie sich nie zu Parolen hergeben darf, die der Lehre oder den ordentlichen Entscheidungen der Partei entgegengesetzt find. Schließlich sollen alle Anstalten gemacht lverdcn. um rings um die Partei alle Menschen ohne Rücksicht auf ihre bisherige politische Zugehörigkeit zu sammeln, die entschlossen sind, die republikanischen Freiheiten gegen die sascistischen Drohungen zu verteidigen. Diese Bemühungen sollen eine klare Unterscheidung schäften einerseits zwischen der Schablone eine» parlamentarischen Sy- stem», welche» seiner Funktion nicht mehr entspricht nnd tiefe Veränderungen erfahren müßte, andererseits den individuellen und Ge- samtrechten, die sich die Arbeiter» und Baurrn- bevölkernng um den Preis anderthalbjahr- hundersiähriger Kämpfe und Opfer erworben hat. Dieser Kampf wird sich stützen auf die geschichtliche Gemeinsamkeit der republikanischen und sozialistischen Visionen in Frankreich und aus der Nnmögli...it, die republikanischen Freiheiten wirksam zu verteidigen, ohne ans ihnen ein Instrument der sozialen Gerechtigkeit zu machen, o Der Parieivorstand beschloß sodann die Einberufung deS Landesrates auf ven 20. bis 23. Mai nach Toulouse, nachdem seinerzeit der nach Lille einberusene mißerordent- licke Parteitag infolge der durch die faseistisckcn Kundgebungen vom 0. Feber hervorgerufenen Ereignisic vertagt werden mußte. Hilfe fUr die Flüchtlinge aus Oesterreich Vorbereitung zu neuen Handelsverträgen Kronendevalvation und Wirtschaftspolitik. Wie daS„Prävo Lidu" berichtet, hat sich die Regierung am Dienstag damit befaßt, ivelche Wirkung die Abwertung der Krone im Auslande erzielt hat. Im allgemeinen kann inan sagen, daß dies für die Wirtschaftsbeziehungen der Tschecho- flowakei zu den anderen Ländern nicht schädlich gewesen ist. Eine einzige Ausnahme macht Frankreich, welches die Anfrage an die tjchc- choflolvakische Regierung stellte, sie möge zulassen, daß diese Maßnahme ihr das Recht zur Einführung einer LOprazentigen Surtaxe auf unsere Waren und auf eine Herabsetzung unserer Kontingente gäbe. Als unsere Regierung dies ablehnte, wurden Verhandlungen cingcleitct, deren Ergebnis die Verlängerung des bisherigen Zustandes bis zum 1. April ist. ES ist aber sicher, daß weder eine Surtaxe noch eine Verringerung des Kontingents zur Einführung gelangen lvird. Die tschechoslowakische Regierung hat ferner der s o w j et- russischen Vertretung in Prag den Entwurf zu einem Handelsvertrag überreicht. Im Gefolge der Verhandlungen lvird cs vermutlich innerhalb von sechs Wochen zur rechtlichen Anerkennung SowjetrußlandS durch die Staaten der Kleinen Entente gelangen. Auch mit Oesterreich werde» Handcls- vertragsverhandlungen eingelestet. Wegen des Handelsvertrages mit Ungarn ist eine Einigung zwischen den Vertretern der tschechoslowakische» Landwirtschaft und Industrie bereits erzielt worden, die die Borauöschung der Verhandlungen mit Ungarn bildet. Die Regiening beschloß ferner, beim Präsidium deö Ministerrats ein Referat zu errichten, welchem die Beobachtung der Preisentwicklung und die Bekämpfung des Wuchers obliegt. Ferner sollen die Devisenvorschriften ettvaS gelockert werden, und zwar dadurch, daß man gewisse Waren, deren Einstihr bisher an eine Bewilligung gebunden war, nunmehr freigibt. Natlonaldemokraten entdecken ihr demokratisches Herz Im Verfolg der Auseinandersetzungen zwischen Nationaldemokraten und Klerikalen, über die tvir unsere Leser bereits unterrichtet haben, veröffentlichen die„Närodni Listy" einen Leitartikel, in dem sie sich darzulcgen bemühen, daß die Tsche- choflotvakei von der Gefahr einer agra- risch-sozialistischen Diktatur bedroht sei. Die Zusammenarbeit der Agrarier und Sozialisten ist in letzter Zeit eine so enge geworden, daß dieö der Errichtung der Diktatur auf trockenem Wege gleichkomme.„Während," so schreibt das Blatt,„in allen anderen Staaten der Marxismus verfällt oder seinem Ende entgegengeht, erscheint bei uns die größte bürgerliche Partei als seine Weitem nnd Erlöserin, und zwar nicht nur, in dem sie ihm daö Leben bewahren, sondern indem sie schließlich die Geneigtheit bezeugt. sich mit ihm nach dem Parteischlüssel um alle Macht in diesem Staate zu teilen." WaS da die Närodni Listy" zusammenschreiben, ist leere Phantasie. Die Sozialdemokratie ist ein Teil der Koalitionsmehrheit und die Nationaldemokraten können die sozialistischen Parteien doch nicht dafür Veranttvortlich machen, daß die Kra- t mäk-Partci aus der Koalition ausgeschieden ist. Eine möglichst innige Bereinigung aller organisierten Kräfte der Arbeiterklasse; eine Aktion zur Sammlung aller proletarischen Elemente, welche Aktion aber sich durch kommunistische Manöver weder aufhalten, noch beirren lassen darf. Der Parteivorstand schärft den Föderationen und Sektionen ein, dass diese Aktion nicht anS lokalen Pläne» hervorgeyen kann, sondern dass für sie wesentlich und notwendig die allgemeine Vorbereitung bestimmter In der gleichen Sitzung behandelte der Vorstand die politische Lage in Oesterreich und beschloß nach einer von S. Grumbach eingeleiteten Debatte, an der sich Mnm, LebaS und Longuet beteiligten, die größten Anstrengungen zu unternehmen, um den politischen Flüchtlingen, insbesondere den österreichischen Kameraden, zu Hilfe I zu kommen. Ein Aktionsplan der Sozialistischen Partei Frankreichs zu gehen. Und wir glauben, daß sie es wert sind... „Diese Gesellschaftsordnung muß fallen!... Dieses abscheuliche Gemeinwesen, krank und schmutzig, verfault bis ins innerste Mark, muß umgessiirzt lverdcn... Durch Gewalt wird eS verteidigt, durch Getvalt soll cS urltergehen... Ihr mordete die edelsten Menschen, die je auf Erden gelebt haben, tvir töten Bluthunde und Vampyre, die für ein lvenig mehr gesellschaftliches Ansehen imstande sind, Hunderte Unschuldiger in die Quecksilberbergwerke zu schicken oder wie die Lämmer abzuschlachten. Bei unseren Anschlägen wurde auch manch unschuldiges Blut vergossen. Wir nehmen das auf nnS. Nicht wir sind schuld an dem vergoffenen Blut, auch das kommt über Eure Häupter, die unS zum Terrorismus gezwungen haben, den wir nicht zur Selbstverteidigung auüüben— wir achten unser Leben eben nicht gar so kostbar— aber zur Verteidigung unserer Ideale, der Zukunft unserer Kinder, des neuen Lebens, das kommen muß trotz Eurer verruchtesten Unterdrückung. DaS von unS unschuldig vergossene Aut soll nicht vergebens geflossen sein... „Ihr habt den Krieg getvollt, ihn erzwungen... Wir haben ihn angenommen, und geführt. so gut wir konnten... Wir sind in die Hände der Gewalt gefallen, die wir mit Getvalt bekämpfen... Wir kennen unser LoS... Wir nehmen die Folgen auf uns... Wir bitten nicht um Gnade und wir wollen auch keine Gnade gc- währen... Behandelt uns nach dem Gesetz der Rache, aber versucht nicht, unS lveiszumachen, daß Ihr Recht übt... Ihr übt Unrecht, jetzt Ivie allezeit... Und Ihr lverdet daran zugrundegehen, denn aus unserem Blut wird kräftiger die Saat der Revolution sprießen und die Zeit naht, da Ihr mit Eurem ganzen System, mit Eurem ganzen Staat und Eurer ganzen Gesellschaft, all Eurem Unrecht und Euren Verbrechen Ivcggefegt werdet von dem Sturm des Umsturzes, den tvir vorbereiten und der vollendet lverdcn lvird von denen, die nach uns kommen... Ermordet uns und seid stolz auf Euren Mut und Euren Erfolg, aber heuchelt nicht, sprecht nicht von Recht und Ordnung! Seid zumindest Manns genug, nm zuzugeben, daß Ihr bloß Henker seid und in Selbstsucht und Furcht vor den: Verlust Eurer angemaßten Macht handelt... Und wisset, daß in der trägen, noch gärenden Masse des verachteten Volkes von jkncchten Kräfte heranreifen, die Eure Herrschaft zerspellen werden... Der Tag des Gerichts ist nicht mehr fern!" Er schwieg und trat zurück. Die Kameraden umdrängten ihn und drückte» ihm die Hand. Lisa weinte, das Haupt an seine Schulter gelehnt. Der Präsident lachte laut auf, das blecherne Lachen eines alten Mannes, ein paar Ratsherre» lächelten ehrfurchtsvoll mit. Der öffentliche Ankläger lvarf zornig feine Papiere zusammen. Plötzlich ertönte auf der öffeiitlichen Galerie eine gellende Stimme, sich überschlageild in hervorbrc- .chender Begeisterung: „Bravo!... Bravo!... So ist cs! Henker! Henker!... Der Tag des Gerichts ist nahe!" Es lvar ein junger Mann mit bleichem Gesicht und wirr über die Stirne fallendem schwarzen Haar. Seine Augen funkelten. Er fuchtelte mit den Händcii und schluchzte, vor Aufregung dem Ersticken nahe. „Verhaftet den Mann!" schrie der Präsident. Peter und die andere» blickten erregt und mitleidsvoll auf den jungen Fanatiker, der, von zwei Gendarnren weggescklleppt, sich unter ununterbrochenem Schreien heftig wehrte: „Henker! Oh/verfluchte Henker!" Bis seine Stimme in den Gängen hinter den verschlossenen Türen erstarb. Niemand von ihnen kannte ihn... (Fortsetzung folgt.), Wr«S Donnerstag. 16. März 1934 Tritt 3 der Völker beizulragcn. Ultlergruk YUN deutschen Botschafter von mit ihm längere Zeit kon- dä- die- De- Tein Barthou In Warschau Auf dem Wege nach Prag. Paris, 14. März. Die Reisen des Außen- Ministers Barthou nach Warschau und Prag sind offiziell für Ende April festgesetzt. Barthou wird den bisherigen DiSposilionen zufolge zunächst Warschau besuchen und sich von dort nach Prag begeben. Konjunktur In Polizeipräfekten Paris, 11. März. Blättermeldungen zufolge wird nach den gestrigen Aenderungen der Vorstände der Sicherheitspolizei und der Gerichtspolizei in der nächsten Jett auch der Pariser Polizeipräselt Vonnefoh-Sibour, der Nachfolger Chiappes, verseht werden. Beendeter Lohnkonflikt Rokpeany, 14. März. Im Bezirksamte in Rokhcany fand heute Vormittag unter dem Vorsitz des BczirkshauPtmanneS Dr. Krumpf und unter Beteiligung des Gewerbeinspektors Oberrates Jng, Linhart eine Sitzung statt, die den Lohn« und Arbeitskonflikt zwischen der Gemeinde Rochcant) als Inhaberin der dortigen Walztvcrkc und deren Angestellten, der einen mehrwöchigen Streik in den Rokhcaner Walzwerken zur Folge hatte, definitiv regelte. Das Protokoll enthält u. a. auch eine Klausel, auf Grund welcher gegen keinen der Streikenden Repressalie» ergriffen werden wird. Die Arbeit wird am 10. d. M. wieder ausgenommen werden. Privalangcsteilte beim Minister Idr soziale Fürsorge Eine Deputation des gemeinsamen Komitees der Privatangestelltenorganisationen, die in der gemeinsamen Gewerkschaft-zentrale vertreten sind, bestehend auS den Abg. Klein, Schäfer und dem Generalsekretär Bergmann, besprach gestern mit dem Minister für soziale Fürsorge Dr. A. M e i ß n c r die zeitgemäßen Probleme, die Privatangestellten betreffend. Gegenstand der Besprechung war das neue Gesetz über das Arbeitsrecht der Privatange- stellten, die Novelle deSPenfionSgefetzeS, das UebertrittSgesetz. die Folgeerscheinungen der abgeschloffenen und noch nicht abgeschlossenen zwischenstaatlichen Verträge über die Sozialversicherung, die Sonntagsruhe, die Sperrstunden und Verkürzung der Arbeitszeit, wobei, besonders über die Frage der Errichtung der Arbeitsinspektion diskutiert wurde. Die Deputation legte das Gutachten zum vorbereiteten Gesetz über die Krankenversicherung der Privatange- stellten, welches auf Grund verschiedener Ziffern nachweist, daß der Entwurf der Fachkommission ungenügend ist und eigentlich ein Glück für die Angestellten ist, daß er nicht vertvirklicht wurde, denn heute wäre dann gewiß eine derartige Verffcherung passiv. WeiterS wurde auf die Forderungen der angestellten Apotheker aufmerksam gemacht und auf die begründete Forderung einer Zahlungskassa. Der Minister für soziale Fürsorge nahm zu den einzelnen Wünschen seinen Standpunkt ein. versprach, die vorgclegten Memoranda zu untersuchen in der Erkenntnis, Latz die Privatangestellten gewitz verdienen, daß man ihnen weitmöglichst entgegenkommt. von Bourdon gestorben 14. März. Prinz Sixtus von Bonr- der Bruder der Exkaiserin Zita, ist Sixtus Paris, bon-Parma, heute nachmittags in seinem Pariser Palais im Alter von 47 Jähren an einem Herzleiden gestorben. Sixtus von Bourbon ist, wie erinnerlich, während des Krieges in die belgische Armee eingetreten. Im Frühfahr 1017 vermittelte er beim damaligen Präsidenten der französischen Republik Poincars die Ueberreichnng des Angebotes eines Separatfriedens seitens des Kaisers Karl. Dieses Angebot lehnten die Ententestaatcn am 10. April 1917 ab. Neue Bürserreglerung in Lettland Riga, 14. März.(Leta.) Der Präsident der Lettländischcn Republik betränke den Führer deö Bauernbundes Ulmanis mit der Bildung der neuen Regierung. Die vorläufigen Verhandlungcnu Ulmanis' mit den Vertretern der Parteien waren von Erfolg begleitet; sic zeitigten ein Uebercin- kommen über das Programm der Koalition, die . sich auö allen lettländischcn bürgerlichen Parteien | zusammensetzen wird. Frankreich billigt den Standpunkt der tschechischen Presse Paris, 14. März.„Journal des Debatü" billigt in einem Artikel über das Verhältnis Italiens zu den mitteleuropäischen Staaten vollends den Standpunkt der tschechoslolvakischen Presse, daß die Kleine Entente bereit sei, mit Italien zu verhandeln, jedoch unter der Bedingung, das; die italienische Diplomatie das Wort„Revision" aus ihrem Wörterbuch streiche. Das Blatt fügt hinzu, unstrittig hat Italien in den letzten Jahren die allgemeine Verlvirrung dadurch eichöht, das; es die deutsche und die ungarische These über die Revision der FricdenSverträge sich zu eigen gemacht hat. Blost eine Aenderung der italienischen Politik in dieser Beziehung kann positiv zu der erwähnten Lösung der Lage beitragen. Dollfuß-Gegner müssen verhungern Das Gesetz über den Verlust des Arbeitsplatzes Gcrtditssaciivcrstaiidlger abilesctzt Brüx, 14. März. Im Strafverfahren betreffend die Nelson-Katastrvnhe haben die Verteidiger vor einigen Tagen beim Brüxer KreiS- gericht einen Antrag auf Ablehnung des Gerichtssachverständigen RcgierungSrat Jng. Heveroch eingebracht. Das Gericht hat diesem Anträge stattgegeben und den genannten Gerichtssachverständigen seiner Funktion in dieser Strafsache enthoben. Gegen den Gerichtsbeschluß brachte Jng. Heveroch die Beschwerde an die RatSkammcr des Brü'-cr KreisgcrichtcS ein, bei der auch die Staatsanwaltschaft den Gerichtsbeschluß angefochten hat. Die Ratskammer hat in der heute Nachmittag stattgefundenen Sitzung den Gerichtsbeschluß bestätigt, der somit rechtskräftig geworden ist. Kopenhagen, verein in Nordschlestvig übersandte an den dänischen Minister für llnterrichtswesen ein Gesuch, daß in den Schulen der deutschen Minderheit der Gruß„Heil Hitler!" erlaubt werde. DaS Nische Ministerium für llnterrichlöwesen hat seS Ansuchen abschlägig beschieden mit der gründung, daß in den dänischen Schulen Gruß zulässia sei, der nicht allgemein im ganzen Laude angewandt tvcrde. Reichsdeutscher Journalist in Oesterreich verhaftet Hambur g, 14. März. Der Münchener Vertreter deS„Hamburger FremdenblatteS" wurde, Ivie die Zeitung am Mittwoch meldet, in Braunau am Inn von österreichischer Gendarmerie unter Spionageverdacht verhaftet. Spanischer Streik seht weiter Madrid, 14. März. Die Streillage in Madrid hat sich im Laufe des Dienstag nicht verändert. Die am Dienötag alS einzige Abendzeitung erschienene konservative„Epoea" fordert dnö sofortige Verbot der sozialistischen Partei und ihrer in der NGT zusanimengefahlcn Gewerkschaften. In Varrrlana ist der Grnerakstrrik nicht auSgebrochen, dagegen wurde Lüdkatnkonien von einer ausgedehnten Streikwelle erfaßt. In vier katalanischen Proviuzstädten ist der Generalstreik erklärt worden und in weiteren sechs Städten sind DrilstreikS ansgebrochen. Unruhen wurden nicht gemeldet. Hitler sucht Partner Berlin, 14. März. Gleichzeitig mit der Abkühlung des deutsch-italienischen Verhältnisses offenbart sich in der deutschen Preffe der Wunsch nach einer weitestgehenden Annäherung zwischen Deutschland und Jugoslawien. Jin„Berliner Tageblatt" erscheint heule ein in dieser Hinsicht recht bcmerkenSwerler Artikel über daS Verhältnis zwischen den beiden Staaten. In dem Artikel heißt cs u. a.: „Droht die von Italien geförderte Neugestaltung Mitteleuropas nicht die jugoslawische Entwicklung zu hemmen und neue Konflikte auszureißen? ES ist zu verstehen, daß man im Augenblick in Belgrad eine Stinnnnng vorsindet, die jugosla« lvisch-dcntschcn AnnähernngSlvünschen durchaus günstig ist. Dennoch darf man kaum die Erwartung hegen, daß Belgrad die Initiative zu einer Neugestaltung der Beziehungen mit Deutschland ergreifen wird. Dazu liegt die jugoftalvische Außenpolitik vorläufig»och zu stark im Kielwasser Frankreichs. Man möchte vielmehr erst abwar- tcn, wie sich die Beziehungen zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei gestalten werden, über deren Ausbau in Belgrad viel gesprochen und vermutet wird." Dollfuß beim deutschen Botschafter Rom, 14. März. Große Beachtung hat in politischen Kreise» hrrvorgernsen. daß Ministerpräsident Göinbös nach einer längeren Konferenz mit Dr. Dollfuß sich Haffell begab und scricrie. Diese Vollmachten für den RcichSwirtschasts- minister sollen den Anhängern Hitlers den Willen der Rcicksregicrung vortäusche», auf dem Gebiete der Wirtschaft sozialistische Maßnahmen zu setzen. ES sind jedoch in Wirklichkeit Boll malten an den Kapitali st en Vertreter Schmitt, der nun die dentschc Wirtschaft nach Belieben dirigieren kann. Die Vollmachten bekam Schmitt von der RcichSrcgierung, die den Auftrag sic zu erteilen, von ihren kapitalistischen Hintermännern hat. Es wird niemandem etwas geschehen— mit Ausnahme derer, die etlva jetzt iwch immer nach dem nationalen Sozialismus rusen und der Meinung sind, die Sozialisierung sei hei Sck;mitt nicht in guten Händen. Eingreifen des Völkerbundes gegen Waffenschmuggel gefordert Belgrad, 14. März. Anläßlich der Zn- sammcnkunst der führenden Staatsmänner Oesterreichs, llngarns und Italiens in Rom verweist heute„Politika" aus den Umstand, daß trotz den wiederholten Versicherungen, daß in Rom nach einer Grundlage für eine erweiterte friedliche Zusammenarbeit im Donauraum gesucht werde, aus Italien schon zum drittcnmale Waffen im jr' Oesterreich und Ungarn geschmuggelt tvcrden. oblvohl diese beiden Länder nach den bestehenden internationalen Vertrügen kein Recht zur Erweiterung ihrer Rüstnngen besitzen. Das Blatt verurteilt diese Wakienseudungeu ans daS sckiärfste und appelliert an den Vollerbund, er möge von seinem Kontrollrecht Gebrauch machen, um zur Berul'gung In Dänemark verboten 14. März. Der Deutsche Schul- Sdimilt bekommt Dollmadilen Zur Sicherung des Kapitalismus. Berlin, 14. März.(DNB.) Das Reichsgesetzblatt vom 13. März 1084 veröffentlicht das Gesetz zur Vorbereitung des organischen Ausbaues der deutschen Wirtschaft vom 24. Feber 1934. Das Gesetz hat folgenden Wortlaut: Der RrichSwirtschastvministcr wird zur Vorbereitung deS organischen Ausbaues der deutschen Wirtschaft ermächtigt, Wirtschaftsverbände als alleinige Vertretung ihres Wirtschaftszweiges an zuerkcnnen, Wirtfchastsverbkndc zu errichten, auf- zulifen oder miteinander zu vereinigen und schließlich Satzungen und GrsellschaftSverträgc bei WirtschaftSgrnppen zu ändern, insbesondere den Fiihrergrnndsatz einznfübren und die Führer von WirtschnstSverbanden zn bestellen und abzuberufen sowie Unteniehmer und Unternehmungen an WirtschaftSverbände anznschlicfirn. WirtschaftS- verbnnde sind solche Verbände nnd Vereinigungen von Verbänden, denen die Wahrnehmung wirtschaftlicher Belange von Unternehmern nnd Unternehmungen obliegt. Der ReichSwirtschastSminifter kann im Einvernehmen mit dem ReichSinnenminifter zur Durchführung dieses Gesetzes Rechtsverordnungen erlassen, auch kann er im Einvemehuirn mit dem ReichSinnenminifter Vorschriften ergänzenden Inhaltes erlassen. Der dritte Paragraph befagtr Wer vorsätzlich oder fahrlässig einer Anordnung widerhandelt, die der ReichSivirtschaftSminifter aus Grund dieses Gesetzes getroffen hat, wird mit Geldstrafe oder Gefängnis bis zn einem halben Jahr bestraft. Die Strafverfolgung tritt nr auf Antrag des ReichSwirtschaftSminifterS ein. Der Antrag kann zurückgenommen werden. Wegen eines Schadens, der durch eine Mab- nahme auf Gründ dieses tziesetzc« entsteht, findet eine Entsiltzidigung nicht statt. Kanzler ein guter Christ und Frau Alwine Dollfuß um das Stillen des Hungers der Wiener Opfer in hervorragendem Matze bemüht sei. Die Welt sicht nun noch deutlicher, was sie von den betenden Henkern zu halten hat: es sind die schmutzigsten, die verächtlichsten, die g e m e i n st c n Faseistcn. Neben ihnen nimnit sich Hitler fast als Kulturmensch aus. Das neue Gesetz wird allerdings nur dazu beitragen, die Erbitterung der Arbeiter zu steigern. 5le„reinigen" weiter I Wien, 14. März. Wie die„Rcichspost" erfährt, sind an den Wiener Volks- und Hauptschulen annähernd 100 Leiter, Direktoren, Oberlehrer und provisorische Leiter von ihren Posten enthoben worden. Das Schicksal der Enthobenen ist noch nickt endgültig entschieden. Jedenfalls werden die sreigcwordencn Stellen im Herbste definitw besetzt. Es sind auch einige Bczirksschulinspektoren vom Amte enthoben worden.— Die heutige„Wiener Zeitung" publiziert die angckündigie Verordnung bezüglich der Ncbcrpriifung der G e s ch w o r e n c n- und Schöffen- JahrcSlisten, sowie die Verordnung über die Enilaffung von Angestellten bei staats- oder regierungsfeindlicher Betätigung. «* ♦ Aufruhrprozeß besinnt Wien, 14. März. Freitag und Samstag der kommenden Woche tverden vor den Wiener Geschworenen die Prozesse gegen die Angehörigen des Republikanischen Schutzbundes lvcgcn Aufruhrs beginnen. Im ersten Prozeß werden sich vor den Geschworenen die Genossen Theodor Erdinger und Heinrich Tuscher, Teilnehmer an den Kämpfen im 11. bczichungSlvcise 21. Bezirk, zu vcrantlvorlen haben, im zlveiten Prozeß sind angeklagt Josef Chmellöck, Franz Pcttin und fünf Genossen lvcgcn Teilnahme an den Kämpfen nm den Reumannhos im 6. Bezirk. «Happe„enthüllt‘ weiter „Finanzier deS Linksputscheü." Paris, 14. März. Die Polemiken zwischen den Personen, welche, in der parlamentarischen Untersuchungskommission verhört lverden. die die Verantlvortung für die blutigen Ereignisse deS 6. Feber fcststellt, mehren und verschärfen sich. Der ehemalige Pariser Polizeipräselt C h i a p P c gab in der vergangenen Woche bekannt, daß der gewesene llnterstaatssekrctär für Volkswirtschaft. Ralimond Patenotre, der ein vielfacher Millionär ist, von den Linksgruppen aufgesordert wurde, ihre Rüstungen zu finanzieren. Deputierter Patenotrc hat gestern in der parlamentarischen Untersuchungskommission diese Behauptung in Abrede gestellt. Chiappc hat aber gestern einen offenen Brief veröffentlicht, in welchem er Patenotre direkt einen„Lügner" nennt nnd seine Erklärung aufrecht erhält. Er behauptet, daß Patenotre ihm selbst außer anderen diese Mitteilung machte. Chiappc hält auch an seinen Aussagen trotz der von dem ehemaligen Ministerpräsidenten Daladier nnd dem gclvescncn Innenminister Frot abgegebenen Erklärungen fest. Reeskontgesetz Im Senat angenommen Prag, 14. März. Der Senat erledigte heute die Vorlage über die Errichtung eines Reeslont- JnstituteS. Während im Parlmncnt in der Debatte fast ausschließlich die Opposition gesprochen hatte, griffen in die heutige Debatte von Koali- tionSseitc auch zwei tschechische Agrarier ein. Der erste agrarische Redner S t o d o l a erklärte, es sei notwendig, die Befürchtungen hinsichtlich der Liquidität und hinsichtlich von staatlichen Eingriffen zu beseitigen, dmnit nicht eine Thesaurierung Platz greifen lönnte. Er trat für einen wirtschaftlichen AktiviSmus ein: Wir haben genug Pioniere, die arbeiten, aber daS Volk muß ständig geistige Impulse erhalten, da cs zur Kritik neigt. Diese Kritik soll aber produktiv und nicht destruktiv sein. Alles hängt in der Krise von der geistigen Widerstandskraft und von dem Heroismus der Bevölkerung, bezw. von ihrer Resignation ab. Ein Beispiel dieser lediglich negativen Kritik bot gleich der folgende Redner, der Nationaldemokrat S i m e k, der lauter Befürchtungen zusammen trug, waS alles geschehen könnte, wenn.... usw. Die Erklärung, daß die Nationaldcmokrotcn, auch, wenn sie in Opposition stehen, ergebene Diener der Demokratie und des Staates bleiben, wirkte nicht sehr glaubhaft. K r o j h c r,(tschechischer Agrariers wandte sich mit deutlicher Spitze gegen die Nationaldemokratie, gegen die unglücklichen Propheten und gegen die leichtfertigen Gerüchtemacher, die vcrlircitcn, daß die Anstalt zur Deckung irgend welcher Schlechtigkeiten geschaffen werden soll. Schon die Tatsache, daß das Institut der Landesbank angeschlossen wird, sollte in jedem vernünftigen Bürger Vertrauen erwecken. Leider hätten wir aber namentlich in Prag zu viele Brunnenvergifter. Der deutsche Christlichsoziale Stolberg spricht sich für die Vorlage in der Hoffnung aus, daß cS gelingen wird, mit ihrer Hilfe wirtschaftliche Erleichterungen zu schaffen. Die Vorlage wurde dann unverändert in beiden Lesungen angenommen. Die nächste Sitzung wird auf schriftlichem Wege cinberufcn werden. Wien, 14. März. DaS Bundesgesetzblatt vom 14. März veröffentlicht die bereits gemeldete Verordnung über die Entlassung von privaten Arbeitnehmern wegen staats- oder regierungsfeindlicher Betätigung. Rach drin Text dieser Verordnung hat eine solche Entlassung die rechtskräftige Verurteilung eines Arbeitnehmers wegen staatS- oder regic- rnngSscindlicher Betätigung zur„Borausset- znng". Es handft sich dabei nicht nur um eine gerichtliche Verurteilung, sondern es kann auch eine Bernrteilnng im V e r w a l t n n g S-Strafverfahren sein. Der Arbeitgeber wird von dem erfolgten Urteil ungesäumt verständigt. In seinem Ermessen liegt es, innerhalb einer Frist von vier Wochen nach Zustellung der Mitteilung über die erfolgte Vcrnrtrilnng des Angestellten die Entlassung auszusprcchen. Da die Entlassung als vom Arbeitnehmer verschuldet gilt, verliert dieser jeden Anspruch aus Kündi- gnngSsristoderaufAbfindnng. ch DaS ist das infamste Gesetz, das jemals eine Regierung gegen politisch Andersgesinnte erlassen hat. Denn cS macht jeden, der etwa irgendwo der Meinung Ausdruck gab, die Regierung Dollfuß sei nicht die herrlichste und beste, brotlos; es bestraft die Gesinnung mit dem Hungertod. In dieser Form ging nickt einmal die Regierung Hitler gegen ihre politischen Widersacher vor. Man weiß, daß die von den Dollfuß-Schergen Verhafteten auch nock dadurch bestraft werden, daß ihren Angehörigen die Arbeitslosenunterstützung entzogen wird. Wer den Herrschenden mißliebig ift, kann sich den Strick nehmen. Es ist ihm weder das Answandcrn gestattet, noch etwa das Entgegennehmen einer Hilfe, die Gesinnungsgenossen innerhalb und außerhalb des Landes leisten wollen. Dieses Vorgehen der Dollsuß-Regicning ist allerdings begleitet von der Versicherung, daß der ®ttte 4 Donnerstag. 16. März 1034 Nr. SS In den Klauen der Hunnenjustiz Nach dreitägiger Vcrüandlung vor dein Son» dcrgericht in Dresden wurde vorn Ü. bis S. März ein Prozeß gegen 40 Sozialdemokraten zu Ende geführt, der den neuerlichen BcivciS liefert, dast Deutschland aufgchört hat, ein Rechtsstaat zu sein. Las Hunnenrcgime, getragen von Deklassierten, von Psyckopathen, Morphinisten, Prädcrastcn und Kriminellen, kann nicht dulde», dah cö im wüsten Haufen der braunen Gesellen noch Menschen gibt, die eine Ueberzcngung haben und sich nicht zu Gesinnungslumpen zwinge» lassen. Und die Schandjustiz stellt fidi dahinter und straft jene, die ihrer lieber Zeugung Opfer bringen. Strafe lau» man das eigentlich freilich nicht nennen. Es ist die kalte Racke der Feigheit, entsprungen dem Unvermögen, die sozialistische Ideologie mit geistigen Waffen zu bekämpfen und die den Mangel an Geist durch die Brutalität des Knüppels und des Kriminals ersetzt. Vierzig Arbeiter waren angeklagt, darunter ein junger Genosse namens Eichler aus Biela bei Bodenbach. Die Gesamtstrafe, die über die Genossen verhängt tvurdc, beträgt 50 Jahre UN d 7 M o n a t c Z u ck t h a u S und Gc- f ä» g n i s. Der Genosse Eichler aus Biela wurde, offenbar, weil er Tschechoslowale ist, mit 1 Jahren Zuchthaus(!)„bestraft". Welcher„Verbrechen" tvarcn diese Genossen beschuldigt?.Habe» sie einen Anschlag auf Adolf geplant, haben sic Göring die Morphiumspritze gc- stoluen, haben sic Göbbels die Rippen cingctreten? Nickis von alledem. Dafür, daß sie einige hundert Exemplare des„Neuen Vorwärts" »ach Dresden schafften, wurden sie mit barbarischen Strafen belegt. Der würdige Landcsge- richtsdircktor Friesicke, dessen Namen nut diesem Schandurteil untrennbar verknüpft ist und den man sich merken must, für den Tag, da wieder ein anderer Wind wehen wird, hatte die erhebende Ausgabe, dieses Hunnenurtcil zu begründen. Dieser würdige„Jurist" wustte nichts besseres zu sagen, als daß die Angeklagten zwar keine Räuber und Mörder seien lein Gegensatz zu den Würdenträgern dcö Dritten Reiches, d.R.), dah sie aber dabei tvaren,„das Werk unseres Führers zu unterhöhlen." ES bleibt noch die Feststellung, dah die vierzig Genossen das Opfer eines Lunrpcn tvurden, der, um sich schon Kind zu machen, den schändlichsten Schurkenstreich, den man sich denken kann, beging und die Genossen denunzierte. Der verdiente Lohn wird ihm wohl auch einmal zuteil tvcrden. Parteitag der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. Der stark besuchte Parteitag her Sozialdemolratischen Partei der Schweiz, der ani 2-1. und 25. Feber im Berner BolkShauS stattfand, war in der Hauptsache der Erörterung der allgemeinen politischen Lage, sowie der Fragen der schweizerischen Landwirtschaft gewidmet. Den Vorsitz führten der Parteivorsitzende Reinhard, der Regierungspräsident von Genf, Nicole, und der Gemeindeammann von Arbon, August Roth. Nach Entgegennahme der Berichte wurden die Neuwahlen der Parteiinstanzen durchgeführt, lvobci die bisherigen Mitglieder der Gc- schäftSleitung wicdergewählt und Giovanoli und Genossin V ö g l i neugewählt tvurden. Nach cinein Referat von Ernst Walter, Zürich, tvurdc die Schaffung eines ParteiauSschusscS beschlossen, der an Stelle anszerordcntlicher Parteitage zusammentreten soll. Austcrdein tvurdc die Einführung einer allgemeinen Partcisteuer beschlossen, die von den höheren Einkommen der Parteimitglieder erhoben werden soll. Zum Ausbau und zur Förderung der sozialistischen Jugcndbctvcgung wurde nach einem Referat von Bütilofer, Bern, die Schaffung eines sozialistischen JugcndwcrkcS beschlossen, daS alle Jugendorganisationen zusammenfassen und mit der Partei in dauernde Verbindung bringen soll, lieber daü sogenannte StaatSschutzgcsetz referierte Ernst R e i n h a r d, der die Ablehnung empfahl. Diesem Antrag wurde einstimmig und in feierlicher Weise durch Erhebung von den Sitzen zugestimmt. Heber die Fragen der Landwirtschaft referierte N o b S, Zürich, über die nächsten Aufgaben der Partei Robert Grim m. An beide Referate schloß sich eine eingehende Debatte. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» an» den Programmen: Freitag. Prag, Sender L. 6.15: Gymnastik, 10.65: Deutsche Nachrichten, 11: Schallplatte», 16.50: Tschechisch für Deutsche, 18.25: Deutsche Sendung: Dr. Langer: Kinderkrankheiten im Frühling, 18.50: Arbeitersendung: L. Goldschmidt: Aktuelle zehn Minuten, 10: Deutsche Nachrichten, 20: Konzert des tschech.'Nonetts. 20.85: Welt im Umbau: Best rebungcu der modernen Medizin, 21: Konzert des Radio-Journals. Sender S.: 14.30: Schallplatte«, 14.45: Auf dem Dorf: Stimmungsbild, 15.10: Deutsche Sendung: Stunde der Frau, 15.45: Deutsche Nachrichten.— Brünn 11.80; Schulfunk, 16: Nachmittagskonzert, 18.15: Arbeitersenduugl Hubalek: Wirtschaftliche und soziale Aktualitäten, 19.20: Volksmusik.— Berlin 18: Violinkonzert, 20.80: Italienische Komponisten. — BreSlau 28: Norwegisches Konzert.— Frankfurt. 20.10: Heitere Musik.— Hamburg 18.25: Konzert auf zwei Klavieren.— HeilSberg 28: IIiu icrhaltnngSkonzert.— Leipzig 20,10: Symphoni- jches Orchester.— Wien 17.80: Klavierkonzert. Tagcsncalgkcltcn KomnuMWer Smeilldmrt llntersWgl 15.000 Kc MensmittellMen Karlsbad, 14. März. In Taschwitz bei Aich wurde am Montag in den NachmittagSstnn- dcn der bisherige kommnnistischc Gcmcinderat W. Duda von der Gendarmerie verhaftet und inS Karlsbader Bezirksgericht abgeführt. Duda hatte dir Verrechnnng der Lebensmittelkarten für die Arbeitslose» über und hat in dieser Eigenschaft 15.000 XL unterschlagen, um die die Geschäftsleute und der Konsumverein geschädigt wurden. I Als die Bcruntreunng auskam, beeilte sich dir kommunistische Ortszckle, Duda auS der Partei auSzuschlirßen, dm sie für vertrauenswürdig genug gehalten hatte, um große Geldbeträge zu vcnvaltrn. Die Tragödie des„Tourotsuru" Do« 112— 2 gerettet T o k i o, 14. März.(Reuter.) Aus dem Inneren deS gescheiterten japanischen Torpedoboots 1„Tomotsnru" wurden noch zwei weitere Matrosm lebend befreit. ES sind somit im ganzen bisher fünf Mitglieder der Besatzung gerettet. AuS dem Wrack wurden bisher 4V tote Matrosen geborgen. Alle Hoffnung auf Rettung deS noch am Leben befindlichen Restes der Mannschaft wurde bereits aufgrgeben. Die Gesamtzahl der lebend geborgenen Matrosm beträgt 13 Mann. Es besteht die Besorgnis, daß der Rest der Besatzung, welche 113 Mann zählte, nms Leim gekommen ist. Gin Liebespaar hingerichtet! Natürlich in Preuftm Neuruppin(Brandenburg), 14. März. Im Hof des StrafgefängniffeS in Neuruppin wurden Mittwoch früh der Landarbeiter O t t o K u r t und dir Landwirtehefrau Frieda Schenk auS Oderberg hingerichtet. Kurt war wegen Mordes an den» Landwirt Schenk vom Schwurgericht Neuruppin zum Tode verurteilt wordm. Frau Schenk hatte mit dem Knecht ein Liebesverhältnis«nterhaltm und ihn zu der Mordtat ange- stiftet. Ani Abend deS 21. Dezember 1032 hatte Kurt seinen Dienstherr» auS der Wohnung gelockt ! und ihn mit einem Jagdgewehr auS dem Hinterhalt erschossen, als er in die Hoftür trat. Zn 18.000 Meter Höhe! Russischer Versuch ans einem auwmatischrn Stratosphären- Ballon. Moskau, 14. März. Wie die Telegraphenagentur der Solvjetunion berichtet, haben in der Nähe von Leningrad Versuche mit einem »enen automatischen Stratosphärenballon stattgefunden. Ein in der Gondel angebrachter drahtloser Sender gibt die Mcst-Ergcbnisse von Temperatur, Luftdruck und Luftfeuchtigkeit an. Der Ballon erreichte 18.600 Meter Höhe. Ivo eine Temperatur von mindestms 55 Grad Celsius herrschte. Bei Erreichung der Maximalhöhe barst, tvie erlvartct, die Ballonhülle und die an einem Fallschirm befestigten Apparate begannen niederzngehcn. Vermutlich sind sie in der Nähe deS Ladogasees gelandet. Bergwerksunglück Kattowitz, 14. März. Auf der Kohlengrube „Jovis" in Wojkowice wurden durch eine einstürzende Koblenwand eine Arbeitergruppc in einem tiefgelegcncn Schacht begraben. Trotz sofortiger RcttungSarbeiten konnten zwei Bergarbeiter nur mehr als Leichen und zwei weitere mit schlvercn Verletzungen geborgen werden. Hochzeitsfreuden im Dritten Reich Berlin, 14. März. Vor dem Mainzer Rathaus versammelte sich beute eine grostc Menschenmenge, um die Ziviltraunna eines Mainzer Juden mit einer„arischen Arbeiterin" zn vereiteln, Wie ein Mainzer Lokalblatt berichtet, war das Verhalten der Menge so drohend, dast die Polizei „in: eigenen Interesse" die beiden Hochzeitsleute verhaften muhte. DI- Schiffbrüchige« Moskau» 14. März.(Daß,) Meldungen aus Chabarowsk zufolge beendigen die Flieger W o- dopjanotv, Golyschew und Doronin ; bic Montage ihrer Flugmaschinen, uni in allerkürzester Zeit auf die Tschuchod-Halbinsel zu fliegen, von Ivo aus die Rettung der Schiffbrüchigen des„Tscheljuskin" in Angriff genommen werden soll. Von Chabarowsk fliegen sic über Niwlajewsk, Ochotsk, Nogajewa, Anadyr und Providencc. Wodopajnow beabsichtigt, an: 15. oder am 16. d. M. an den Start zu gehen. Die Flugreise aus Chabarowsk auf Kap Wellen wird er in fünf oder sechs Tagen absolvieren. In Wladiwostok werden zur Zett die Repa- raturarbciten an dem Dampfer„Sowjc t" zu Ende geführt. Das Schiff nimmt die Maschine des Piloten Bolotow sowie einen Schlitten mit einem Flugzeupropcller, Vorräten an Kleidern und Brennmaterial mit an Bord. Der bekannte sowjetrussische Polarforscher Uschakow ist bereits am 10. d. M. von New Dort nach Atlaska abgereist. Der letzte aus den» Schmidt-Lager eingc- troffene Funkspruch besagt, dah die Zelte der Schiffbrüchigen durch einen kleine» Ofen, der gute Wärme liefert, geheizt und demnach gegen die Kälte geschützt sind. DaS Flugfeld, das sich etwa drei Kilometer vom Lager entfernt befindet, lvurde bereits gründlich fiir die Landung von Flugzeugen hergcrichtct. Prag-Litauen I« 12 Et««de« Aus Kaunas wird berichtet: Der litauische Flieger Julius K u m p i k e v i c i n S, welcher am 5. d. M. aus Prag nach Litauen geflogen war, landete am 8. d. M. nachmittags auf dem Flugfclde in Kaunas. Er schilderte den Pressevertretern den Verlauf des Fluges, insbesondere die infolge der schlechten Witterung eingetretenen Schwierigkeiten. Bekanntlich war KumpikeviciuS genötigt, in Deutschland zwei Notlandungen vorzunehmen. Er wurde aber nicht, wie irrigerweise gemeldet wurde, verhaftet, sondern konnte nach Erledigung der Formalitäten den Flug ungestört fortsetzcn. Den ganzen Flug vollführte der Flieger in etwa zwölf Flugstunden. Di- Geschichte« mit dem Lumpe» Snsull Athen, 14. März. Testern händigte der amerikanische Generalkonsul dem Jndustriemag- naten Samuel Jnsull, welcher bekanntlich infolge seiner gerichtlichen Verfolgung wegen Nichtbezahlung von Steuern nach Griechenland geflüchtet war, einen von der Washingtoner Regierung unterfertigten besonderen Reisepaß ein. Es werden verschiedene Mutmaßungen darüber gcäuhcrt, wohin sich Jnsull nunmehr begeben lvird, wenn er— wahrscheinlich am Donnerstag, Griechenland verlassen lvird. Frau Jnsull, lvelche bisher ihren Gatten in seinem Kampfe gegen die Bemühungen der Regicnmg der Bereinigten Staaten, ihn wiederum nach Anicrika zu bekommen, unterstützt hat, damit er sich dort Ivcgen der Anschuldigung betrügerischer Verheimlichung seiner Einkünfte verantworte, dringe nunmehr in nachdrücklichster Weise auf ihren Mann, sich freiwillig den Aiwrdnungen der Vereinigten Staaten zu fügen und zwecks gerichtlicher Regelung seiner Angelegenheit nach Amerika zurückzukehren. Es scheint, dast Jnsull diesem Drängen seiner Gattin nackgebew-wird. Inzwischen bewackt,. die. Umgebung JnsullS ihn Tag und Nacht, da sie Befürchtung hegt, dah er«inen S e l b st m o r d begehen könnte. Seine Gattin hat verfügt, dah alle tödlichen Instrumente und Gifte beseitigt Iverdcn und dah das Haus sowie die Fenster ständig geschlossen bleiben. LV Sah»««erkor«ach für d«« Vierten Chicago, 11. März. DaS vierte Mitglied der Gangsterbande Basil Bang har, lvelche den amerikanischen Finanzier JohnFactor, vulgo Jake The Barker verschleppt hat, wurde gestern zu einer Kerkerstrafe von 00 Jahren verurteilt. Die Gangsterbande hatte bekanntlich für die Freilassung Factors, loelchen sie 12 Tage hindurch gefangen gehalten hatte, 7 0.0 000 Dollars erhalten. Drei Mitglieder der Gangsterbande wurden, wie bereits seinerzeit gemeldet wurde, ebenfalls zn je 00 Jahren Kerker verurteilt. Märzbrief ans Wie«. Ein Wiener Genosse — einer von jenen unzähligen Tapferen, die sich iir ihrer Gesinnung und auch in der Bekundung dieser Gesinnung durch nichts beirren lassen— hat über den Besuch am Grabe der Wiener Märzgefallenen der Redaktion des„Sozialdemokrat" tlnter dein 11. März 1934 einen Brief geschrieben, aus dem wir ztticren:„Der Besuch an den Gräbern unserer Märzgefallenen verlief Heuer anders als sonst: die Genossen kanicn und gingen, ohne länger zu verweilen. Jedem sah man tiefste Ergriffenhctt an— man sprach nur wenige Worte miteinander. Ein Genosse entzündete einige Kerzen. Auf dem Grabe der Märzgefallenen und auf dem Grabe Victor AdlerL lagen rote Nelken— daneben aber ein Zettel, handgeschrieben, mit folgenden Worten: Noch sind nicht alle Märzen vorbei— Sie töten den G e i st nicht, ihr B r ii- d c r I Die„Autoritären" haben diesen Zettel rasch entfcritt— ein Heldenstück! Aber die Ge- nassen ließen sich nicht beirren, immer mehr ka- nie«, alle mit roten Nelken. Genossinnen öfsiwten ihre Handtäschchen, entnahmen ihnen rote Nelken. DaS war zuviel! Sofort tauchte ein Poli- zeiinspcktor aus, beglettet von einem Friedhofs- wächter, der eine Scheibtruhe trug. Und eS ge- schah, was wir nicht einmal von diesen Bluthunden erwartet hätten; sie nahmen die Nelken von den Gräbern und war- fen sie in die Truhe! Uns standen die Tranen in den Augen— aber Tränen des Trotzes und der Verachtung gegen dieses Sy- stcm, dos nicht einmal vor Gräbern Halt macht Spare auch Du damit Du an der III, Tschechoslowakischen Ar- bcitcr-OIymplado in Prag— ff. bis 8. Juli— tellnehmcn kannst! .... Dennoch: wir beugen uns niemals, wir kämpfen nncrmüdlich weiter. Und„nicht alle sind tot, die begraben sind..." Kleiner branncr Mann.... Hans F a l l a d a, der Autor des Romans„K l eine r M a n n, was n u n?", einer wirklichkeitsnahen, nicht gerade kämpferischen, aber doch sozial beschwingten Reportage anö der grausamen Wirklichkeit des prolctarisierten Kleinbürgers, hat ein neues Buch geschrieben, das den Titel trägt: „W er einmal aus dem Blech- napf frist t". ES ist der Roman eines entlassenen Strafgefangenen. Ilm sich, den suspekten Literaten mit dem penetranten Linkögeruch, in: „Dritten Reich" Ellbogen« und Tan- t i e m e n f r e i h e i t zu verschaffen, hat Hans Fallada schmählich kapituliert und sich mit einem ,,V o r w o r t" zn seinen: Roman selber ins Gesicht geschlagen. In diesem„Vorwort" spricht er davon,„dast die Kritik, die er in seinem Buch übe, „offene Türen e i n r e n n e," da der „sogenannte humane S t r a f v o l l- z u g",„dessen lächerliche, wie groteske, wie beklagenswerte Fol- g c n" er in seinem Roman dargcstcllt habe,„nicht mehr sei".„Während der Antor noch schrieb, verwandelte sich auS dies Stück der deutschen Wirklichkeit". Dies„Vorwort" ist ein Dokument m e n s ch l i ch e n Z u s a m m e n b r u ch s, wie eS beschämender nicht gedacht werden kann. Wenn Hans Fallada auf dem Ideal der H u m a n i- tat h e r u m t r a in p e l t, um den Sklavenhaltern seine Tolerierung abzuwin- seln, so registrieren tvir den Kotau vor der Unkultur als einen Abschied. Als Abschied von cinein Menschen, dessen Talent stärker als sein Charakter ist. Kobsinck und Genossen vor dem Oberste» Gericht. Montag, den 10. d. M., beginnt vor dem Obersten Gerichtshof in Brünn die Verhandlung gegen den fascistischcn Kaserncnstürmer Ladislaus Kobsinck und seine Genossen. Der Zutritt zn der Verhandlung ist nur gegen VortvciS von Eintrittskarten gestattet, die in beschränkter Anzahl in der Präsidialkanzlei des Obersten Gerichtshofes erhältlich sind. Die Fran erschossen. Dienstag crsckost dcc 27-jährigc Landwirt Franz Wirlncr in tldritsch bei Buckau seine 26jährige Ehegattin Hedwig Wirlner. Er wurde von der Gendarmerie verhaftet und- dem Luditzer Bezirksgericht cingeliefcrt. Die Ursachen der Tat dürften in zerrütteten Eheverhältnissen zu suchen sein. Wirlner ist Vater von drei unmündigen Kindern. GömböS hat ihm„200.000 Prngö versprochen". Vor dem Palaste deS Ministerpräsidiums in Budapest erschien gestern früh ein junger M a n n und forderte in erregter Weise, zum Ministerpräsidenten GömböS geführt zu Iverdcn. Als ihm der Portier mittcilte, daß GömböS derzeit in Rom weile, bekam er einen Tobsuchtsanfall und begann zu schreien, er tvollc 200.000 Pcngö, die ihn: GömböS im R n n d- funk versprochen habe. Mit grostct Mühe konnte der Rasende übertvältigt und in eine Heilanstalt für Geisteskranke gebracht werden. Dort tvurdc festgcstellt, daß cs sich nm einen gefährlichen Wahnsinnigen handelt. Das auch noch! Die Kruken— machen dcn Hakenkrcuzlern alles nach. Sogar Röhmkopicn, die man den bodenständigen Christkatholiken doch nicht zugemutet hätte, scheint eS in der Vaterländischen Front zu geben. In einem Bericht des„Neuen Wiener Journals" über einen Festabend der Bezirksgruppe Margareten der Vaterländischen Front heißt es:„Unter den Ehrengästen bemerkte man: Bundeskanzler Dr. Dollfuß mit Gemahlin, Handelsminister Stockinger mit Gemahlin, General v. Stromer mit G a t t i n, Bundesleiter der Vaterländischen Front Stcpan m i t Ingenieur Keil..." Brand eines Kaffeehauses 15 Tote geborgen Beirut, 14. März. Heute nachmittags ist hier ein Hotel abgebrannt. In dem Gebäude befand sich auch ein Kaffeehaus. Aus den Trümmern des abgebrannten Hauses wurden bisher 15 verkohlte Leichen geborgen, und man befürchtet, daß noch etwa 20 Menschen unter den Trümmern liegen. «*.« Dtmnerstas» 18. Mir- 1934 Seit« 8 Schon an der Tür der erste Eindruck: Sauberkeit! H <• > DIE PUTZFRAU IN DER DOSE ZEUGNIS: Putzfrau VIM— ob früh— ob spät— putzt gründlich jodos Hauigorfit. Di« dankbaren Hausfrauen, Die blitzende Klinke, das blanke Wohnungsschild lassen die Nachbarn mit Recht vermuten r wie sauber muß es erst in der ganzen Wohnung aussehen. Für diese Hausfrau arbeitet sicherlich eine besonders geübte Putzfrau I Warum nehmen Sie nicht auch die flinke und zuverlässige Hilfe für alles im Haus, der jede Hausfrau das beste Zeugnis ausstellt? VIM, die Putzfrau in der Dose! Vor keiner Arbeit scheut sie sich. Für alles ist sie zu gebrauchen. Die MaGe ver zehn ONaSken Xraßdbie nm eine Junge CehSnye« 30 Millionen Fahrgäste weniger bei der Berlin« Berkchrsgcsellschast. In einer Schu« Inngöstunde der Angestellten der Berliner Ver- kehrsgesellschast erklärte der Lehrende, das; im Jahre 1933 sich die Zahl der Fahrgäste auf den Berliner Verkehrsmitteln n in 3 0 M i l i o n e n verringert habe.— DaS wäre so ungefähr das Gegenteil von den Behauptungen in der Presse. Aber eS wäre durchaus die Folge der wahnwitzigen Berkchröpolitik, der Verteuerung der Tarife, der Verschlechterung des MchttarifcS. lliod nicht zuletzt eine Folge der Lohnpolitik, die. eine steigende Verarmung der Menschen mit sich bringt. Ratstausnhr gleichgcschaltet. Anläßlich der Nazi-Jahresfeier in München ist die alte Ratdausuhr„gleichgeschaltet" worden. Sic spielte bisher bäuerische Volksweisen; nun spielt sie „Deutschland über alles" und das„Horst-Wessel- Licd". Zugleich wird angcki'indigt, daß die alten Ritter, die die Uhr zieren, demnächst durch Statuen von SÄ-Männern erseht werden sollen. Berlin bekommt ein Stierdenkmal. Die ganz bitlertreuc„Deutsche Zeitung" brachte folgenden Bericht:„Ein in Rochlitz(Sachsen) hngefertigter riesiger„FrnchtbarkcitSdrunncn" wird in Berlin ausgestellt werden. Es handelt sich um ein Stierdcnknlal von erheblichen Ans m a s; c n, das auf dem ArnStvaldcr Platz, nördlich vom Friedrichshain, aufgebaut tvird. Der Stier ist, tvie man weiß, von altersher das Sinnbild der Fruchtbarkeit. Die ganze Anlage geht auf eine Anregung des Führers zurück. Vielleicht will er damit andeuten, das; der Reichshauptstadt eine etwas vermehrte Fruchtbarkeit sehr zu Ivunschen wäre." Hiller will mit gutem Beispiel vorange- hcn. ES geht die Sage, datz er nicht kann. Die österreichische Beamtenfrau hatö in der Erfüllung ihrer ehelichen Pflichten, die in einem „vom Präsidenten der Finanzlandesdirektion in Innsbruck Doktor Eduard Weiser heransgegcbenen Erlag an alle ihm unterstellten Behörden und Aemtcr" einer neuen Regelung unterzogen tourden, nicht leicht. Denn zu dem, was auch in anderen Ländern unter dem Begriff„Erfüllung der ehelichen Pflichten" fällt, kommt in Oesterreich noch der Diensteid ihres(je nach Rang) Mannes, Galten, Gemahls. Der erlvähnte Erlab des Weiser verpflichtet nämlich auch die Frau, bztv. Gattin oder Gemahlin eines niederen, mittleren oder höheren Beamten zur Einhaltung des von i h m neulich freiwillig geleisteten Diensteides." Bricht s i e ihn, etwa durch Betätigung für eine verbotene Partei oder auch nur durch„Aufgabe der gebotenen Zurückhaltung", so wird nicht sic diszipliniert .(iiberwachungsamtliche Lösung der Ehe wegen nowrischer llnwürdigkcit der betr. Frauensperson, eine österr. BcamtcnSsrau zu sein), was zwar obskur, aber immerhin logisch wäre sondern„mutz e r für seine Schwäche Lützen."— Die diesbezüglichen Schwächen seiner Beamten wird der autoritäre Staat noch abzuschaffcn haben. Das Ivalte Gott! Jugoslawischer Emigrant ht Ungarn verurteilt. Der Kapoüvarer Gerichtshof verurteilte heute den kroatischen Emigranten Preinec, der im Vorjahre eine Höllenmaschine nach Belgrad gesandt hatte, die jedoch schon in der jugoslawischen Grenzstation Koprivnica explodierte und einen Polizcibeamten tötete, zwei weitere schwer verletzte, zu 18 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust. Deutscher Faltbootsabrer im Irak ermordet. Der deutsche Gesandte in Bagdad hat nach Bekannt« werde» der Ermordung des deutschen Reich-angehörigen Rudolf Dia y, der sich auf einer Faltbootfahrt durch den Irak befand, bei der Jrak-Regle- rung Schritte unternommen und schärfste Matz« nahnien geggn die Schuldigen gefordert. Die Jrak- Regieruug hat eine sofortige Untersuchung de» Falles eingcleitet und strengste Bestrafung der Täter »ugesagt. Anna Ecrande ist eine blutjunge und ungewöhnlich hübsche Verkäuferin, die aus der portugiesischen Stadt Santarem stammt und vor einigen Monaten nach Valencia übersiedelt war. Sie halte hier bei einem spanischen Kaufmann eine Stellung gefunden und zog cs vor, sich allein durchs Leben zu schlagen, als einer» der reiche»» Bewerber zu heiraten, die sich in Santarem um sie bemühten. In Valencia betrat eines Tages ein englischer Kapitän naincns Storficld bei» Laden, in dem Anna Cerandc tätig war. Die schö»»e Verkäuferin sehen und sich in sic verlieben, war für ihn eins. Er ruhte nicht eher, als bis er ih» Jawort bekommen hatte. Storfield reiste nach Portugal, stellte sich dort den Eltern seiner Braut vor und erklärte, datz er sie sofort heiraten würde, wenn der Scheidungöprozetz ztvischcn ihm und seiner Frau beendet sei. Inzwischen stellte er dem Mädchen m»d den künftigen Schwiegereltern entsprechende Geldmittel zur Verfügung, die ihnci» ein sorgenfreies AuSkoinmen ermöglichen sollten. Anna kehrte nun nach Santarem zurück. Aber Neid und Mitzgunst lieben sie nicht zur Ruhe kommend Die äbgewiestlren Freier sprengten über sic die hätzlichsten Gerüchte aus» neidische Freu»»« dinnen verspottete»» sie oder zogen sich von ih» zurück. Nur wenige ihrer früheren Bekannten blieben ihr weiter freundlich gesinnt, und von diesen lietz sich Anna auch überreden, an einem Fa- schingSball teilzunehn»en. Zehn Masken auf dem Fest. Kapitän Storfield weilte zu dieser Zeit nicht in Santarem. Um so grötzer Ivar die Betroffenheit des Mädchens, als es unter dei» Tanzenden plötzlich einen Mann in englischer SeemannS- uniform und in der karikierten Maske des Kapitäns Storfield erblickte. Daö Mädchen begriff sofort, datz ihre enttäuschte»» Freier sie aus diese Weise verhöhnen wollten. Wenige Mii»utri» später erblickte sie eine zweite, ähnliche Maske, dann eine dritte... Rach einer halben Stunde waren zehn„Kapitän StorfieldS" im Saal anwesend. Schlag 12 Uhr umringten sie die empörte Braut und führte»» unter allgeineincin Gelächter der Teil»»ehmer, um sie einen Tanz auf, bei den» sie durch Radebrechen und Körperverrenkungen den englischen Kapitän verspotteten. Der echte Storficld. Gegen 1 Uhr nachts erschiei» ein elfter„Kapitän Storfield" auf dem Fest. Seine Gesichtsmaske war allerdings keine Karikatur mehr, sonder»» zeigte das vollkommen gleiche Aussehen»vie das Antlitz des ed)ten Kapitäns. Mit hastigen, encrgisthcn Belvcgungen bahnte er sich de»» Weg zwischen den Tanzpaaren hindurch»n»d bat die schöne Anna um einen Tanz. Erst jetzt bemerkte das Mädchen, datz ihr Bräutigam unerwartet auf dein Fest erschienen war. Sie erzählte ihm sofort von dein rohen Scherz, dei» fick die„Kavaliere" von Santarem mit ihr erlaubt hatten. Storficld, der von seiner Fahrt etwas früher zurückgekchrt Ivar, als er vorgeschci» hatte, war von den Elten» davon unterrichtet tvorden, datz Anna auf den Ball gegangen sei. Als er nun seine„Ebenbilder" be- nierlte, wurde er bleich vor Zorn. Er trat auf den ersten der falschen StorfieldS zu, ritz ihm die Maske vom Gesicht und versetzte ihm eine schallende Ohrfeige. Sofort verstummte die Musik, und die andere»».„StorfieldS" eilte»» ihrem Kollegen zu Hilfe. Der Engländer zog seine»» Revolver und drohte,, jede» von. ihgen niederzuschießen, der sich nicht schleunigst aus dem Felde machen würde. Er begann zu zählen— und bei drei wäre»» alle zehn StorfieldS aus dem Saal vcrschivunden. Der Tod deö Kapitäns... Die Stimmung unter den Tanzende» Ivar| nach diesem Vqrfall sehr gereizt. Sie schlug erst um, als der Kapitän laut erklärte, das; er die Anwesenden bitte, bis zum Ende des Festes feite Gäste zu sein und auf die Gesundheit seiner Brant zu trinken. Er lies; die besten Speisen und Weine austragcn; das Fest nahm einen höchst anregenden Verlauf, und seine Teilnehmer fanden, datz der englische Kapitän eigentlich ein ganz„patenter" Junge sei. Kurz von Morgengrauen wurde der Kapitän für einen Augenblick von seinen» Tisch»vcgge- rufen. Er verlietz den Saal und— kam nicht mehr zurück. Einige Stmrdcn später fand man ihn in einer Scitcnstratzc erschösse»» auf. Bon den Tätern fehlt jede Spur. Buntes non der IDudermeHe Die Sehlente Jin Gegensatz zu den tatsächlich lausenden Kunde»» sind die Schleute in keinem Warmhaus sehr beliebt. Sie wälzen sich in dicken Knäuel» durch die Gänge, sie sehen und stehen, sic staunen und schauen, aber sie kaufen nicht. Die Hausdetektive kugeln sich die Augen aus vor Aufmcrk- sainkeik die Verkäuferinnen erklären solchen gänzlich hoffnungslosen Fälle»» ausführlich Qualität und Preislage der Waren, aber am Abend ist die Kasse so leer Ivie an» Morgen. Das sind also die Schleute. Man lann nicht sagen, datz di« Schleute auf der Prager Mustermesse sehr viel beliebter sind alö in den Warenhäusern. Wenn sich die dicken Knäuel der Familien durch die Etagen schieben, da fällt da und dort das Wort von den Schleute» und man hört es auf den Boden klatschen. Es ist wahr, es besteht keine Hoffnung, datz irgendeine Familienmutter plötzlich bei einem Exporteur 10.000 GlaSpcrlenketten bestellen könnte, aber die Werbe« »nöglichkeite», die bei diesem Strom der Menschenmassen bestehen, scheinen doch nicht hoch genug be- wertet zu werden. Während n»an untätig auf den Großabnehmer wartet, könnte man mit tausend kleinen reizenden Mustern seine Produkte beim Publitim» populär machen. Erst wenn die Ware bekannt ist und verlangt tvird, dann finden sich auch die Bestellungen ein. DaS bezieht sich nicht nur mif den Jnlandverkauf, sondern auch auf den Export. Waren, die im Inland gcln gekauft und viel verlangt werden, finden ohne Zweifel leichter eine Absatzbasis iin Ausland. Also: Musterrcklame beim Verbraucher fördert den Absatz. Schäbig auf- genrachte Zettelwerbung ist kein Ersatz dafür. Ebensowenig ist es eine fortschrittliche Reklame, sondern eine schlechte Jahnnarksgewohnheit, den Schleute» Mnsterpaletchen in die Hand zu drücken und dann zu sagen: Bitte eine Krone. Die Neuheiten Nachdem wir unS nun einnral zu den Sehleuten geschlagen haben, wollen wir auch das zuerst betrachtm, was die Blesse an interessanten kleinen, und grotzen Neuheiten bringt. Datz wir dabei etwas kunterbunt durcheinandcrgcctfen, stört die Struktur der Mustermesse nicht. ES ist vielleicht dieSnial ein kleiner Fortschritt zu betrachten, aber die Buntheit macht cs immer noch. Ofenexport und Osentmport neben dem Stand mit Küchengeräten. die Küchengeräte neben den Siahlwarcn, die Stahlwarei» neben Elcktrobedarf und so weiter bis zum AuSgang. Aber bitte, wenn er die Exporteure nicht stört, wie könnten sich die Schleute eipinischenl Obschon eine hübsch in Fächern geordnete Mustermesse ebenso gut auösähe, wie ein aufgeräumter Kramladen. Aber nun frisch hinein in die Neuheiten. ES ist eii» groher Kummer der Rasierklingenfabriken, datz dte Selbstrasierer diese noch ga»»z gut ausschanenden Stahlblättchci» einfach wegwcrfen solle». Tausend Möglichkeitel» wurde»» schon auSgedacht, um diese alten Klingen zu ver- Iverten und damit die Selbstrasicrerci noch wirtschaftlicher zu gestalten. Diesmal ist es wieder der soundsovielte PräzifionSbleistiftsPitzer, aber— mit nur einer halben Rasierklinge. Wc»»n Sic also etlvaö besseres wüßten, melden Sie es sofort zum Patent an, hier werden»»och Erfinder gesucht. Uni den anspruchsvollen Damen etwas zu bieten, hat jen»and Lippen st ifte erfunden, die haargenau auösehen wie die Westentaschen ünd- hölzer der Herren. Dao Rezept ist auch dasselbe: Abreitzen und Anstreichen. Wirklich praktisch ist ein neuer D i w a n t y p, vo>» dem die gmize Polsterung sehr einfach abzunehmen ist. ES bleibt nur das Gestell mit den Stahlfedern zurück. In» Gegensatz zu den alten Modellen ist hier die Polsterung grüirdlich zu reuigen. Auch in der Glasindustrie gibt cs eine große Neuheit. Unter den Glasfiguren, die von dei» Glaskünstlcrn von Gablonz so vortrefflich geblasen Iverden, macht sich nun daS Ungetüm vom schottische»» See Noch Letz in allen Variationen breit. Aber cS ist auch hier, wie öfter ii» unserer brodelnden Gegenloart möglich, das; die Wirklichkeit phantastischer als aUe Phantasie ist. Die bnnke Farbe In einer langweilige»» Vergangenheit wäre»» alle Grannnophonplattcn schwarz, aUe ThermoS- flaschen braun und alles Kaffeegeschirr»vcitz mit Mustern. Die Zeitei» sind nun glücklich vorbei, ii» denen man»nit einem bestimmten Gegenstand in sturer Eintönigkeit immer nur einen Farbton verband. Heute kann man G r a n» n» o p h o n p l a t- t e n, Nähmaschinen, Schreib»n aschi- n e»r in der Lieblingsfarbe kaufen. Allerdings ist Oesterreichische Portraits Starhemberg. Mensch, zittre, beuge dich. Ich bin Ernst Rüdiger, Ernst Rüdiger von Tlarhrmberg, Ein Fürst, rin echter Fürst. Mein Blut ist blau, To blau wie dieser Himmel, Ans de« ich gotigesandt Zur Erde niederstieg. Mensch, zittre, beuge dich. Mein Later Starhemberg Hat Wien befreit. Ich auch. Ein echter Fürst, Der lebt, um zu befreien. Ich stabe Wien befreit» Die Frauen von den Männern, Die Kinder von den Vätern. Und die da blieben, Vefrritr ich anS ihrem Heim. Mein Wien, mein schönes Wien, Jetzt bist du wieder frei. Denn du mußt Fürsten haben, Um frost und frei zu fein. Mensch, zittre, beuge dich! Ich bi« Ernst Rüdiger, Der Fürst von Ttarstrmberg, Ich stabe Wien, Ich habe Oesterreich befreit. Mensch, stest mich an, Bin ich nicht schön wie Gott? Und willst du nicht, Kanaille, Diese Freiheit, So stirb k Ich bin Ernst Rüdiger, Der Fürst von Starsteinberg. Kling. Die Familie ausgerottet! Tragödien in» Znchtstnnsrcich. Der jüdische Arzt Dr. Wagner auS Triberg in Hessen hat sich, seine Frau und sein Kin mit Morphium zu v ergift e»r versucht. Das Ki n d» st g c st o rb cn. die Eltern liege»», hoffnungslos erkrankt, im Spital. DaS schlechte Gewissen trieb den Nazi-OrtSgruppcnleitcr dazu, fcstzustellcn,„datz von einer Bedrohung oder Verfolgung Wagners durch dte SA. in keiner Weise die Rede sein könne". Der ehrenwerte OrlSgrnppenleiter wurde indes durch eine Notiz dcS offizielle»» Naziblattes „Der Führer" dementiert, in dem fcstgcstellt wurde, das;„Wagner»vegen ungesetzlicher verbotener Handlungen nach Offenbach gebracht werden sollte". Was ein solcher Transport in die Offenbacher Kaserne der Kannibalen zu bedeuten hat, ist jedem klar; der Gehetzte hat die Ausrottung seiner Familie einer Tortur durch Hitlers Bestien vorgezogen. Auch diese drei Opfer komme»» aus Hitlers Haupt... Die Hundertprozenttgen... Der Bürgermeister U d e l e r auS Busen» ^bach im Bezirke Ellingen lWürlteinbcrg) galt als stranimer Nazi und die Gemeinde als hundertprozentig nationalsozialistisch. In einem ehrlichen Augenblick hat Herr Udeler jedoch folgendes geäutzcrt: „In B»»senbach gibtS überhaupt keinen überzeugten Nationalsozialisten. Ich bin auch keiner!" Daraufhin ist Herr kldeler beurlaubt und „konzentriert" worden. Aber so»vie in Bn» senbach wird eS häufig in deutschen Landen sein: hundertprozentig zwangSnational- sozialistisch, aber keineinzigerNatio» nalsozialist! bei diese» drei Artikeln die Prager Mustermesse nicht besonders radikal. Dafür aber gibt es schon die Thermosflaschen ii» vielen hellen, bunten Farbtönen. Eine reizende Neuheit sind die Bügeleisen in weiß, gelb, rot, blau und grün. Nachdem sich auch die vcrchrointen Stahlmöbel iminer besser cinzntühren scheinen, beginnt auch in den Wohnungseinrichtungen der bunte Schleiflack über die Edclholznachahmungen zu siegen. Leider ist das in allen Farben herstellbare Kaffeegeschirr aus Preßtnasse iminer noch zu teuer. Obwohl seine Festigkeit vieünal größer als die dcS Porzellans ist und eö daher für das Wochenend u»»d den Ausflug das ideale Geschirr darstcllt, sind seiner allgemeinen Bcrlveudung durch den hohen Verkaufspreis Grenzen gesetzt. Etwas für starke Raucher Die staatliche Tabakregic hat im Mcssepalaft eine kleine Zigarettenfabrik anfgcbaut. Mit Sehnsucht sieht der Raucher cnorntc Ouantitätei» seiner Lieblingömarkc auS der Maschine kollern, ohne datz er sich davon eine gratis zu Gcintite führen könnte. Mancher der internationalen Mcsscbcsuchcr wird sich dabei an die Zigarcttenmaschine der Sowjelrussei» erinnern, die vor einigen Jahre»» auf der Leipziger Messe stand. Dort regneten die Zigaretten gratis in das P. T. Publikum und der Absatz soll sehr gut gewesen sein. Diesmal können wir uns nur statistisch belustigen und ausrechnen, daß die Maschine, die fiinfzigtausend bis sechzig- tausend Zigaretten in der Stunde macht, tausend starke Männer als Dauerraucher beschäftigen I könnte. ®tht 9 „Soziakdtmvkral" Donnerstag, 18. März 18S4 Jtr. S2 _ 1..011111 IllllU lll»’llllt II Schüler überfalle» ei» Kind. Zwei, Schüler der Was allerdings erst abzuwartcn bleibt. niit einer packt und Männern namens Miroslav K k i p a» Studnika, beide in Zijkov, crtvorben Tie Bcanitcn stellten fest, das; Pelze und Einbrüchen stannnten, die iin Feber die« Praxis zu dem in krassestem Gegensatz stehen, was dem freien Menschen als unveräußerliches Dicnschen- rccht gilt. Der Redner formulierte in Ablvchr des AntidemokratiSmus die Diese von der Gleichwertigkeit von Bcrnunstseiiihcitcn, die der verzerrenden Phrase von der Unfruchtbarkeit der parlamentarisch., nur-rhetorischen Gleichheit entgcgenzusctzen sei. Basch ist eben, in aller achtbaren Konsequenz, der tnpischc, nur allzu selten gewordene, ehrliche Dcniokrat. Der Redner schlos; unter stärkstem Beifall mit einer dramatisch akzentuierten Anklage gegen die Diktatnr. der niemals die Zukunft gehören würde und deren Vernichtung nichts anderes als eine Frage der Zeit sei. Schnlkinderspeisnng. Im Fahre 1033 wurden vom Verein zur AuSspeisung hungernder deutscher Schulkinder, 16.183 Mittagessen, seit.Herbst über 100 täglich, an bedürftige deutsche Schulkinder aus« gegeben(ohne Unterschied der Konfession). Seit 1032 wird die Küche in eigener Regie geführt, wodurch es gelungen ist, die Kosten für ein Mittagessen, dreimal wöchentlich Suppe, Fleisch und Beilage und dreimal Suppe, Mehl- oder Milchspeise, auf 2.80 KL herabzusetzen. Die Betriebskosten werden durch Beiträge der staatlichen und städtischen Behörden, sotvie durch Spenden privater Wohltäter aufgebracht. TaS Geheimnis der Linie 13. Die Wege der PragerElektrisch en Strasten bah n- Verwaltung sind sonderbar. Dafür gibt eS mancherlei Shmptome. Die unzweckmäßige Einrich- nmg der Haltestellen und'ihr lebensgefährlicher Zustand sind bereits häufig kritisiert tvorden. Vielleicht lassen sicki hier zur Not noch sachliche Gründe der Rechtfertigung finden. Was, aber soll es zum Beispiel bedeuten, das; die Linie 16 und auch andere Bahnen uni drei Uhr nachmittags, bei sehr schwachem Verkehr, mit fast leeren Wagen in dreifacher,Garnitur fahren, während die gleiche Linie 16 zwei Stunden später, bei stärkstem Verkehr der aus den Büros und Fabriken Strömenden, nur mit zwei Wagen fährt?! Es herrscht dann stets eine so fürchterliche Enge, das; das Fahren zur wahren Qual wird. Den Schaffnern ist cs fast unmöglich, in diesem Tohuwabohu ihre Pflichten zu erfüllen. Warum, so fragen wir, fährt man in der Zeit der Verkehrsebbe mit drei Wagen, ivcnn man in der Zeit der VerkebrS- hochftui nur mit zlvei Wagen fährt? ES must doch sckiliestlich alles, selbst bei der elektrischen Strasten- babn einen Sinn haben! Selbltinordchrouik. Gestern vcrsnchicn wiederum Zwei Hausgehilfinnen sich das Leben zu nehme». Die 30jährige Franziska Mräsek und die 17- jährige Thcrcsie B e ü o v a. Die 80jährige stiest sich ein Küchenincsscr in die Brust, die 17jährigc sprang ans dem Fenster des zlveitcn Stocks der Wohnung ihrer Arbeitgeber. Beide Mädchen kmnen jedoch mit dem Leben davon. 3. Klasse Bürgerschule sahen gestern auf der Ctrastc ein kleines Mädchen, das cinkanfcn geben tvollte und in der Hand einen 50-Kroncnschein hielt. Sie nah- uicn ihm schlicstlich niit Gewalt die 60 Klonen fori. Daö Kind begann laut nm Hilfe z» rufen. Passanten gelang eS, die beiden Schüler festzunehmen. Die Zwei werden sich vor dem Jugendgericht zu verantworte» haben. Boni Auto überfahren, Gegen 6 Ilhr fuhr am gestrigen Nachmittag der Chauffeur Joses H l ä s a k mit cincni Lastauto durch die Stcojinska-Gasse, Prag VI I. Am Ende der Straste wollte gerade der 16jährige Bäckergehilfc O. E. aus Bubenci! den Damm überqiieccu. Er wurde dabei von dem Lastauto erfasst und zu Bode», geschleudert. Er trug schwere Verletzungen iin Gesicht davon. UnglückSsall eine? Dreizehnjährigen. Gestern uachmiitag ging der 13jährige Gtzinnasiast Miroslav Schneeberger über den Spielplatz Sparta auf der Veleredistraste in Bnbenek. Jin gleichen Augenblick kam vom Letcnskn-Platz ein Personenauto, gelenkt vom Chauffeur Alois Brojck. Der Knabe ivurde vom Auto ergriffen und überfahren. Auf der Schloifcr-Klinik stellte man fest, das; der 13jährige eine schwere Gek'irnerschüiternng sowie Verletzungen am linken Auge erlitten hat. Dem Chauffeur ist sofort der Führerschein ab-enoninicn worden. Schlecht gelohnte Ritterlichkeit. Der Privat- bcalnic Josef Hrabäk beobachtete gestern in der Roktzcan-Gasse zwei junge Burschen, die ein Mädchen belästigten. Hrabäk trat auf sic zu und ermahnte sic, sich besser zu bcnchnicn. Jetzt versetzte einer der Burschen dem Beamten einen so heftigen Schlag ins Gesicht, dass ihm die Unterlippe mitten, durchgerikscn wurde und er den Verlust von drei PRAGBtt ZHIUMG Gerichtssaal Die„Mit-Chefin" Wir Angestellte geprellt werden. Prag, 14. März. Angesichts des in dieser Notzeit zu einer wahren Landplage gewordenen Kauti o n S s ch w i n d e l S wäre dringend zu wünschen, das; der eingcbrachte Gesetzentwurf über die Ange- stelltenkantionen, der solche nur in der Form gesperrter Sparbücher zulästt, so bald als möglich zum Gesetz erhoben wird und das; gleichzeitig drakonische strasgesetzliche Maßnahmen für die listige Umgehung dieser Beslimniungen festgesetzt werden. Tie absolute Unzulänglichkeit unseres 131 Jahre alten Strafgesetzes haben wir an dieser Stelle vielfach aufgezeigt. Wie eS mit der rein zivilrechtlichen Seit« derartiger Fälle bestellt ist, darüber geben verschiedene Stritte vor dein Arbeitsgericht Aufschluß. Da klagt z. B. die Frau eines arbeitslosen Beamten einen Dicnstgeber, der geruhte, sie gegen 7000 KL Kaution in seiner LebenSmittelhandlung als Dienstkraft anzustcllen— gegen eine Entlohnung von 600 KL monatlich. Sie tat vier Monate lang Dienst, ohne nur einen Heller L o h n z n e r h al t e n. Als sie endlich energisch ihre Lohnforderung betrieb, Ivurde sie wegen„ungebührlichen Benehmens gegen den Arbeitgeber" auf der Stelle entlassen. Sie klagte den Lohnrückstand ein. Die erlegte Kaution ist glücklicherweise durch energisches Einschreiten eines human denkenden Lieferanten, der zugleich der Hauptfinanzier des geklagten Dienstgebers ist, rechtzeitig sichergestellt worden. Trotzdem spielt diese Kaution eine Rolle in dieseni Stritt. Denn der Herr Dienstgebet erklärte vor Gericht im Brustton sittlicher Entrüstung, daß „die Person" überhaupt nichts zu fordern habe, denn sie sei keine Angestellte, sondern— man höre — Kompagnons», Teilhaberin des Geschäftes, also Mitchefin II Beweis dafür eben jene 7000 KL, die nach Vorbringen des geklagten Herrn Chefs keine Kaution, sondern eine Geschäftseinlage tvar, durch die die Erlegerin zur Würde eines KompagiionS aufgeftiegen sei. Zum Beweis dessen wurde dem Arbeitsgericht ein schniieriger Papierfetzen vorgelegt, der einen„GesellschaftSvertrag" darstellen sollte und von dem die Klägerin ohne weiteres erklärte, das; der Herr Chef ihr dieses Papier zur Unterschrift voraelegt habe niit dem Bedeuten, sie solle nur unterschreiben, ohne lange zu besehen; eS bandle sich nm eine„reine Formalität". Nach Schilderung der Dienstobliegenheiten dec armen„M i t cki e f i n" war allen Anwesenden der Sachverhalt restlos klar. Nachdem der Herr Dicnstgeber noch wegen B e- leidigung des Gerichtes zu einer 24- stündigen Arreststrafe verurteilt tvorden war(die ihm darauf auf sein Bitten und Betteln nachgesehen wurde), verstand er sich zu einem Vergleich, durch den er sich unter Exekution verpflichtet, bis zum 1. Juni seine Schuldigkeit in Rate» abzutragen. rb. Deutsche Musikakadrmie. Chor- und Orchesterabend Montag, den 10. Bkärz, 20 Uhr,„Radio"- Saal. Bachkantatc Nr. 08, Beethoven:„Rnincn von Athen", Mozart- und Häiidcl-Aricn. Vorverkauf E. Wctzler KL 4—10. Wochenspielplan drS Reuen Deutschen Theaters. Donnerstag.halb 8 Uhr: DiegöttlicheJettc, El.— Freitag, halb 8 Uhr: D a s K o n z e r t, Abschiedsvorstellung Leopold Kramer, AA.— Samstag, halb 8 Uhr: T u r a n d o t. A 2. Wochenspielpla» der Kleinen Bühne. Donnerstag halb 8 Ubr: Anthonh and Ann, Gastspiel der English Pl-erS.— Freitag 8 Uhr: D i e T r a- fik ihrer Exzellenz, KulturverbandS- freünde und freier Verkauf.— SamStag 8 Uhr: DiegrosteChance.— Arme Katharina... Es in erst wenige Monate her. Ta kam die 20- jährige Kaiharina S i t t'n c r aus einem kleinen Dorf der E g e. r e r Gegend»ach Prag. Sie wollte sich hier als Hausgehilfin das Geld zur Aussteuer verdienen. Denn sie. gedachte, nicht lange hier zu bleiben. Es foUte bald iviedcr in das heimatliche Dorf gehen. Und dann geheiratet werden. Den Schmied Josef. So dachte cs sich wenigstens Katharina. Doch es kam alles ganz anders. Naäi einigen Wochen schrieben ihr die Eltern, der Joses habe eine Liebelei mir einer anderen, und diese würde ein Kind von ihm bekommen. Katharina schrieb trotzig zurück: das sei ihr gleich. Daraus mache sie sich gar nichts. Sie liebe ihn. werde ihm treu bleiben und ihn heiraten.. Und wieder verging eine Zeit. Da kam gestern ein nveitcr Brief von den Eltern. So schonend wie möglich teilten sie ihrer Tockitcr mit, der Josef würde das andere Mädchen heiraten und habe bereit- das Aufgebot bestellt. Sie müsse sich den jungen Schmied anö dem Kopf schlagen. Katharina sas; eine Weile ganz still. Tann ging sie zu ihrer Arbeitgeberin und bat um kurzen Urlaub, sie wollte nach Hanse fahren. Er wurde ihr gewährt. TaS Mädchen begann ein paar Sachen ein- znpacken. Doch vlötzlich lies; sie alles stehen und liegen. Berickuvand einfach. Einige Stunden später Ivurde die Frau des Hauses von der Klinik angeru« fen. Ob es stimme, das; eine gewisse Katharina S i t t n e r bei ihr angestelli sei. Das wurde, bejaht. Run, dieses Mädchen habe man vor kurzer Zeit aus der Moldau gezogen und in bewußtlosem Zustand eingeliefert. Jetzt, wieder zu sich gekommen, fei von der Sittner Nanie und Adresse der Arbeitgeberin in Erfahrung gebracht worden. Weiteres könne sie allerdings noch nicht sagen. Das Mädchen sei austerordcntlich schwach. Sie wäre ertrunken, wenn sie nicht ein Mann, der am Ufer stand, als sie von der KarlSbrücke in den Fliist sprang, gerettet hätte. Man müsse ablvarten, wie alles werden würde. Das ist die Geschichte von der unglücklichen Lieb« einer Zwanzigjährigen. Anne Katharina I Kj. »er Film Seine beste Klientin Das; einer für sein VerjüngungSinslitut wirbt, indem er seine hübsche Frau für die vom Alter kurierte Mutter auSgibt, ist kein schlechter Einfall für ein Lustspiel,— aber er reicht allein nicht aus, und die Autoren dieses heiteren französischen Films haben ans dem elvigen Vorrat der Zloinödiendichter noch den verliebten Backfisch, den vertrottelten Aristokraten, den verwunderten Hausfreund und den fingierten Seitensprung geholt, um anS dem er- tvähnten Einfall eine Handlung zu machen. Sie pendelt zwischen frischer Komik und alter Theatermache hin und her,— und mit ihr pendelt auch die Regie Colombiers, die glänzend wäre, wenn ihr alle Szenen so gelungen wären, wie die TollhauS-Dar- ktetlung des SchönheitSinstituiS und die torkelnde, kreischende und lallende Betrunkenheit des irrtümlichen Liebespaares. Man hat für diesen Film keine grasten Stars bemüht, aber Elvira P o p e S c u und Renä L e f e r e haben Temperament genug für die Rollen, die sie hier zu spielen haben.—eis— 10-kilomrter-Qsterrennrn der Arbritrrrad- sabrrr ans der Paschkrpole. Der 1. Kreis, Teplitz- Saaz, schreibt für O st e r s o n n t a g, den l. April, ein 1 0-Kilomete r-Bergrennen auf der Betonstraste Teplitz—Prag im Teilabschnitt„Pasch- kepole" auö. Der Start erfolgt um 0 Uhr früh. Jene Rennfahrer, die sich daran beteiligen- wollen, müssen ihre Meldung bis 81. März unter Beischluß dcö Meldegeldes von 3 KL in Ariefmar- ken an Genossen W. Karl Hanf e. Turn, Mariascheiner Straste 10, schriftlich erstatten. Starten können nur Fahrer, die im Besitze des Rennfahrer« Ausweises sind. Kunst und Wissen Gastspiel Tilla Durieux Ehe der Vorhang aufgeht, knallt ein Revolver; auf einer Plantage in der Nabe von Singapore hat eine Frau ihren Geliebten niedergeschossen, weil er sie verlassen tvollte. Vor der Polizei wendet sie den alten Potiphar-Trick an: Sie behauptet, zum Revolver gegrisfen zu haben, nm ihre von einem betrunkenen Wüstling gefährdete Tugend zu verteidigen. Da der Detektiv und der Staatöamvalt ihr in rührender Ahnungslosigkeit auf'S Wort glauben, lväre alles in schönster Ordnung, existierte nicht ein Brief, den sie am Abend des Mordes an ihren Geliebten geschrieben und der unglücklicherweise in die Hände einer chinesskchen Erpresscrbande geraten ist. Er must um 10.000 Dollar zurnckgekauft werden, ehe die treulose Plantagendame ihrem seelisch gebrochenen, doch grostmütig verzeihenden Waschlappen von Gatten wieder beglückt nnd beglückend um den HalS fallen kann. Sommerset Maugham hat eine Reihe bühnenwirksamer und gescheiter Gesellschaftökomödien, einen Band prächtiger exotischer Novellen(„Menschen der Südsee") geschrieben; die Komödie„Der Brief" aber, mit der Tilla D u r i e n x ii» Neuen Deutschen Theater gastierte, ist nur ein niit abgegriffenen Mitteln gezimmerter Kitsch, der die Vorzüge eines spannenden Kriminalreißers mit denen eines pikanten EhebruchSdraniaS vereinigen möchte. DaS Stück hat ünmerhin eine graste Rolle, die einer reisenden Virtuosin der Bühne zwei dankbare Soloszenen bietet: die mit kühler Ueberle« gcnhcit frei erfundene falsche Schilderung des Hergangs der Tat im ersten Akt und die zum dramatischen LeidenschaftSauSbruch gesteigerte Beichte im dritten. Dieser zlvei Monologe halber holt Tilla Du- rieux das nicht mehr ganz neue Stück von Maughan; immer wieder hervor, in diesen beiden Monologen entfallet sie ihre menschengestalterische Kunst. Sie spielt eine Iran, die nervös und zerfahren ist und dennoch im Augenblick der Gefahr genug Selbstbeherrschung aufbringt, um eine Lügenkomödie wahrscheinlich zu svielen; die aber, als alles gewonnen ist,, die Nerven verliert und in die Wahrheit flüchtet. Mit sicherem Bühneninstinkt hebt Tilla Durieux diese beiden Szenen anS dem lockren Gefüge der Komödie heraus und formt sie als Solodramoletts theatralischen Kraft, die den Zuschauer Mltreißt. Frau Durieux, brachte daS übliche Gastspielensemble mit, daS die Nebenrollen konventionell und unpersönlich versieht, um alles Licht auf den Star zu lenken. TaS Publikum konnte sich zwar für das Stück nicht erwärmen, dankte aber Tilla Durieux mit herzlichem Beifall für ihre trotz alledeni fesselnde schanspielerische Leistung. F. R. Aus Gram über das verweigerte Definitivum Schnldirner vertrinkt anvertrauten Professoren- gehalt. Prag, 14. März. An einer privaten Mittelschule Prags lvar ein Schuldiener angestelli, der nicht zu seinem Definitivum gelangen konnte. Er machte lvieder einmal eine Eingabe und erhielt den abschlägigen Bescheid gerade am Ersten eines Monats, zu gleicher Zeit, als er den Professoren nach Gewohnheit ihre Dienstbezüge in ihre. Wohnungen zuzustcllen hatte. Ein iveiterer böser Zufall fügte eS, das; einer der Professoren an diesem Tage verreist war. so dast dem durch die Verweigerung des sehnsüchtig ertvarteten DefinitivumS ganz verstörten Schiildie- ner 1088 KL alö unbestellbar in der Brieftasche blieben. Er beschloß, seinen Kummer zu ertränken. Er tat daS so'gründlich, dast fast die Hälfte deS ihm anvertrautcn Geldes in Alkohol mifging; der Rest lourde ihm gestohlen, als er in bleiernen! Schlaf hinter einem WirtShanStisch lag— in einem übelberüchtigten Nachtlokal. Von dem Täter war natürlich keine Spnr. Heute sas; ein armseliges Häufchen Unglück vor dem Senat Kvapil— ein Mann, der seinen Schmerz um das verweigerte Definitivum mit einer Anklage lvegen des Verbrechens der Unterschlagung zn büsten hatte und darüber hinaus mit dem Verlust seiner Existenz. In Erkenntnis der Sachlage fällte der Gerichtshof ein niildcS ^Urteil: zwei Monate Kerker, bedingt lauf drei Jahr«.„Wenn Sie sich in dieser Zeit klaglos führen, wird die Strafe gelöscht und Sie sind unbescholten wie vorher" belehrt der Vorsitzende. Der Angeklagte dankt fiir das milde Urteil, rb. Vorträge Demokratie oder Diktatur? Im Vortranssaal der Zentralbibliothek der Stadt Prag sprach am Dienstag abend Professor Viktor Basch, Profeffor an der Pariser Sorbonne und Vorsitzender der französischen„Liga für Menschenrechte" über„Demokratie undDik- t a t n r". Basch ist ein ausgezeichneter Sprecher, dessen durchgeistigtes Temperament die Klaviatur der Sprache so souverän lvie kaum ein Zlvciter beherrscht. Er sprach französisch und das zahlreiche Publikum folgte dem greisen, ahcr ungebrochenen Kämpfer in gespanntester Aufmerksamkeit. Basch setzte sich in einem analviisch durchdachten Vortrag, den er frei, ohne jedes Manuskript, gab, mit den Diktaturen auseinander, deren Theorie und Zähnen zu beklagen hatte. Als die Rohlinge sahen, was sic angerichtct hatten, ergriffen sie die Flucht. Hrabäk konnte sich nur mit Mühe und Not zum Po- lizeikonnnisiariai Ziskov schleppen, wo ihm die erste Hilfe zuteil lvurde. Billige Pelze, billige Juwelen. Bei einer Haussuchung fanden Detektive in der Wohnung des stellungslosen Privatbcamten Emil K u b e r e in ZiZ- kov mehrere kostbare Pelze und mehrere, nicht weniger kostbare Brillantringe. Man fragte Kuberc, lvohcr er diese Wertsachen habe, und er gab an, die sieben"lclzc füc 1400 KL und die Ringe für 400 KL von-wci"“' nnd Josef zu haben. Ringe au< scS Jahres bei dem Kürschner Wenzel Mika, Weinberge, und dem Juwelier Franz Ritter, Prag l., verübt worden waren. Man hat Studnika nnd Kki- van in Hast-enommen. Beide geben zu, die Einbrüche verübt zu haben. Lahsbu«s-V»opaga«do auf tschechoslowakischem Bühne« Ein Genosse schreibt unS: Dieser Tage war ich in Mähris ch«ls ch ö n b e r g, las eine Theater- Ankündigung nnd sah nur die Operette„Sisstz" an. Handlung: Der junge Fran; Joseph verliebt sich in ein Schneidermädl, daS sich als die Elisabeth entpuppt. Im letzten Akt erscheint Vater Radetzkn in GeneralSnniform, der Radetztvmarsch wird gespielt, daS Publikum— durchwegs Bürger und Kleinbürger— geriet in Ekstase, die Republik war vergesse»; zehn Minuten lang applaudierte dieses Publikum geradezu tanmelhaft, stürmisch, demonstrativ, erhob sich von den Sitzen und feierte Franz Joseph und Elisabeth... Ich konnte mich nicht genng darüber lmmdern, dast solches in der demokratischen Republik möglich sei, die doch immerhin im Rundfunk gerade jetzt so viel den Zensor arbeiten lästt und wic- dernin im Film so viel Nachsicht für alles Nichtdemokratische hatl Und weiter fiel mir ein, dast auch daS Prager deutsche Theater diesen Habsburger-Kitsch„Sisstz" demnächst zu spielen beabsichtigt. Wird in der Hauptstadt der Republik loirk- lich auch daS noch möglich sein? Am letzten Abend des BolkS- tümlichenK urseS über kulturelle Fragen spricht h c u t e, D o n n e r ö t a g, 15. März, nm halb 8 Uhr abends im P a r t e i h e i m(Prag H, Närodni tk. 4, 2. Stock) Genosse Loses Hofbauer über Sozialistische Lebensführung Dieser Vortrags- und DiskiissionSavend ist auch Nicht Mitgliedern zugänglich, Negiebeitrag 3 XL. Sport• Spiel• Körperpflege Schimpfende Einheitsfrontier Die in.Kopenhagen erscheinende kommunistische .Sportrundschau" sicht ihre Hauptaufgabe in der Bc- schimvfung der sozialistischen Sportler der SASJ. Die letzte Bürositzung gab die Bewilligung, niit dem russischen Staatsvcrbande Spiele und Wettkämpse durchzuführen. Dafür beschimpft die„Sportrund- schau" in grostmäuliger Weise unsere Internationale und ihre Sportler, während bei Wettkämpfen der RSJ. bürgerliche, h a k e n k r e u z l e r i s ch e Sportler, wie zimi Beispiel bei den Wintersportkämpfen in Dessen darf, freundliche Aufnahme fanden. Besondere Beschimpfinigen lvidnicn diese Ähmierfinkcn dem Genossen Deutsch und drucke» dabei die Lügen bürgerlicher Blätier ab. Die„Spori- rnndsckau" und die bürgerlichen Blätter, sie gehören wahrlich znsaininen, aber diese koniinunistifchcn Feiglinge können keineswegs den Genossen Deutsch in seinem Ansehen schaden. Ter Einheit dient mau jedenfalls hiermit nicht, wie diese ganze kommunistische Arbeit dem Arbeitersport nur Schaden zusügt. Wo sie wirklich Arbeit leisten sollen, da versage» diese Revolutionäre. So ist im R e i ch e n b c r g e r Gebiet die einst so stolze kommunist. Arbcitersportbe- wcgung völlig v e r s ch w u n d e». Die meisten der Sportler sind bei bürgerlichen nationalen Verbänden gelandet, llcbcrall dort, lvo die Kommnnistcn mit ihrer Agitation Erfolg hatten, sind die bür- g erl ick en V c r b ä n d e d i e N u tz n i estcr. Es ist völlig klar, dast diese Art Kommunistcil auch auf sportlichem Gebiete die Wegbereiter des Fascis- muS sind. filme ln Prager Llditsplelhäusern bis einschließlich Donnerstag, de» 15. März. Alfa:„Casanova."— Avion:„Tarzan, der Beherrscher des Urwaldes."— Bcränrk:„Der kleine König."— Gaumont:„Tic loldcne Katharina."— Hollywood:„Die goldene Katharina."— Julib:, „Die Schlacht." Küirma B.-Th.: Joiirnalc, Groteske, Report.— Lurerna:„Die Schlacht."— Metro: „Die goldene Katharina."— Olympier„D c c Florentiner Hut."— Passage:„Seine beste Klientin."— Radio:„Der kleine König."— Skaut: „Der kleine König."— Bajkal:„Die Sintflut."— Belvedere:„Abenteuer am Lido."— Illusion: „Abenteuer am Lido."— Lido:„Der Ruf de? Herzens." Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 10.—. vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL 00.—, ganzjährig KL 102 ftiifemie m-.-n-,, i„„. billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PreiSnachlast.— Riickitclliing von Manuskripten erfogt mir bei Einsendung der Rctonrmarken.— Die ZeililnkSfrankatur lvn'rde'von derPost- und T-keärau, ,». direktion mit Erlast Nr, 18.800/VH/1030 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag^-irgtapyen-