IENTRALORGAN____ DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECNOSIOWAKISCHEN REPUBLIK Eiizilpnit 70 Mief (•ImcMteBIMi StMtMiBwto) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TXGUCH FRÜH. Redaktion UNO Verwaltung hm» Xll., FOCHOVA tt. boom SW. Administration mffON sw«. HERAUSGEBER i SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWOETUCMR REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 14. Jahrgang Freitag, 16. März 1934 Nr. 63 Werbung für die „Vaterländische Front“ Im deutsch böhmlscltcn Gebiet Wir haben gestern über dir skandalöse Vrr- sammlung in« Prager„Deutschen Hans" berich- »t. in welcher RninrldnngSfvrmulare für die„Bnast xuzuführen, sofern cS nicht zur Stillung des Hungers der chrislkatholischen Postenjäger Vertoen- dnng findet, daS findet die Pfasfenpresse in Ordnung, denn nach ihr heiligt der Zweck die Mittel und die gestoblencn Gelder sollen ja zur„Katho- lischmachung" der bislang sozialdcmokrat. Arbeiter Verwendung finde». Weil sie aber weiß, daß die bestohlenen Arbeiter anderer Meivung sind und dieser Hundert-Millionenraub ihren Haß gegen das fascistischc Mord- und Raubgesindel nur steigern wird, darum sucht sic nach Ablenkung und zetert über die angebliche Verschleppung„d e r" Spargroschen der Arbeiter, weil eS gelang, einen sehr bescheidenen Teil des sozialdemokratischen Partei- cigcntums bei dem christlatholischcn Raubzug zu retten. Die sozialdemokratische Partei und ihre Gewerkschaften hatten seit dex Errichtung der Herrschaft Mussolinis Gelegenheit genug, Erfahrungen darüber zu sammeln, daß der FasciSmuü i.cch der Niederringung und Versklavung der Arbeiterschaft nichts eiligeres zu tun befindet, als alles Partei« und GcwerkschaftSeigenium zu stehlen und da« der FasciSnmS der Kanonenchristen acht anders vorgehi, das haben ja die jüngsten Ereignisse genügsam bewiesen. ES war daher nur w e i s c V o r a u s s i ch t, wenn tvc- rigstenS ein Teil der Parteivcrmögcnswerte den Dieben entrissen wurde. ES'.st selbstverständlich, daß die geretteten Werte nicht irgendwelchen persönlichen Zlvcckcn dienen, sondern ihrer eigentlichen Bestimmung erhalten bleiben werden. Sie werden bis auf den Ickten Heller vom internationalen Gewerkschaftsbund unter der Kontrolle der zuständigen Internationalen GcwerkschaftSbüroS und der Sozialistischen Arbcitcrinternationale verwaltet werden, dies insolange, bis ein Umschwung der Verhältnisse in Oesterreich wieder die Errichtung der Partei und der Freien Gewerkschaften ermöglichen wird. Bei der Wesensart des Prager christlichsozialen Hauptorgans, der„Deutschen Press e", war nichts anderes zu erwarten, als daß es sich über die Rundfunkrede Neustädter- StärmerS stürzen werde, um wieder einmal seine innige Verbundenheit mit den Dollfuß-Fascisten zu dokumentieren. Der Neustädter-Stürmer kann, da jedes Recht in Oesterreich zu gelten aufgehört bat, wegen seiner an die Mitteilung von den in Sicherheit gebrachten Gelder geknüpften Verdächtigungen der sozialdemokratischen Führer augenblicklich nicht zur Verantwortung gezogen werden, etivaS anders ist es hierzulande. Wenn daher die „Deuts-^e"'resse" behauptet, die roten Führer hätten„nicht nur ihren Leib, sondem auch die Kassen für si^H inSichcrheit gebracht", so hoffen wir ihr Gelegenheit zu schaffen, für diese Behauptung vor Gericht einzustehen. Außenhandelsumsatz kräftig belebt Prag, lü. März. Die Ziffern für den Außenhandel der Tschechoslowakei im Monat Feber, die heute veröffentlicht wurde», zeigen ein bemerkenswertes Anwachsen der Exportzissern von UVV.6 Millionen KO im Männer d. I. auf 440.2 Millionen iin Feber. In der gleichen Zeit ist der Import von 373.8 auf 500 Millionen Ke gestiegen. Das Vassivmn im reinen Warenverkehr in also mit 50.8 Millionen wohl höher als im Vormonat iin.8). dem steht jedoch die Tatsache gegenüber, daß sich sowohl die Export- wie die Jmportziffern von ihrem Tiefstand im Vormonat beträchtlich erholt haben und der Gesamtumsatz also ivesentlickt gestiegen ist. Die erhöhte Im- portziffer dürste zum großen Teil auf Rohstoffeinkäufe vor der Devalvation der Krone zurück zusühren sein. Ob fick' auch in der Erportbesse- rnng bereits die Kronendevalvation in der beabsichtigten Richtung anöwirkt, darüber vermag man noch kein endgültiges Urteil zu fällen. sie Stürmische Flottenmanöver Der„Daily Herald“ über Dollfuß böi kau- an- Helmwehrpolizist schießt Arbeiter nieder L i ir z, 15. März. Fn der Gemeinde Mat- tigbofrn in Leberösterrrich geriet gestern der Arbeiter 1l a i n h o f e r mit einem wachthabenden Hilfspolizisten in Streit. Ter Arbeiter beendete den Streit damit, das? er sich entfernen wollte, doch rief ihn der Hilfspolizist, ein Angehöriger der Hrimwrlir, rin ,,H a l t"«ach. Der Arbeiter leistete dieser Anssorderung nicht Folge, woraus der Hilfspolizist eine» Schuß gegen ihn abgab nnd ihn aufder Stelletötete. Blumen auf Wallischs Grab Die steirischen Arbeiter halten in unverbrüchlicher Treue zu Ihrem toten Führer Der Führer der steierischen Arbeiter, Ko lo m a n W a l l i s ch, wurde nach seiner Ermor dung geheim begraben, damit kein Arbeiter davon erfahre. Am zlveiten Tage fand man aber trotz aller Vorsichtsmaßnahmen auf seinem Grabe Blumen, denn die Arbeiter hatten init Fernrohren die Bestattung beobachtet. Die Regierung lies; nun daS Grab durch Polizei und Heinitvchrpostcn bewachen. Trotzdem aber gelang es einigen Arbeitern, einen kleinen Grabstein mit der Anfsckirisl „Unserem geliebten Führer" aus den Friedhof zu bringen. Diesen Stein entferne» zu lassen, wagten die Behörden doch nicht. London, 15. März.„Times" zufolge lvurdcn die tvestlich von Portugal im Atlantischen Ozcan abgchaltcncn Flottenmanöver am Mittlvocki früh beendet. Der Zerstörer„P imb" und„Versa t i l c" trafen vormittags in Gibraltar ciuund gingen sofort ins Trockendock, da sie bei dem stürmischen Wetter schwer beschädigt worden toarcn und erhebliche Lecks auswiesen. Nachmittags kamen der Kreuzer„D c v o n s h i r e" und das Unter« sceboot„P o v c r" in Gibraltar an und werden aus dem gleichen Grunde, wie die beiden anderen Fahrzeuge, ins Trockendock gehen. Während der Manöver gab es einen nickt näher bezeichneten Unfall aus dem Kreuzer ,.D e- vonshire", bei dem ein Manu getötet tvurde und ein anderer beide Beine brack. Rumänischer Fasdstenhäuptllng in Bukarest verhaftet Bntnrrst, 15. März. Die Sicherheitspolizei verhaftete heute vormittags den Führer der auf- gclvstcn„Eisernen Garde", Kornelius Codrranu, der seit der Ermordung des Ministerpräsidenten Duca unauffindbar war. Codreanu ist einer der Mitangeklagten im Prozeß gegen die„Eiserne Garde", der am Montag seinen Ansang nimmt. Codreanu fuhr im Kraftwagen vor dem Gebäude des Kriegsgerichtes iu Begleitung eines Offiziers vor. Beim Verlassen des Wagens wurde er verhaftet und zur politischen Polizei gebracht. Belgien sucht Schutz bei England vor einer neuen deutschen Invasion Brüssel, 15. März. Der Senat hat die Außenpolitik der Regierung mit 85 gegen eine Stimme genehmigt. 53 sozialistische Senatoren enthielten stch der Stimme. Die genehmigte ikiesolntion konstatiert die durch die dentscheir Rüstungen für Belgien entstandene Gefahr, spricht sich gegen das Wettrüsten aus nnd fordert die Regierung auf, sich keiner Politik anzuschlichen, die eine Aufrüstung Deutschland- ermöglicht. Die Resolution besteht daraus, daß Belgien bereits jetzt erhöhteGarantien gewährt werden sollen, die eine aus de» Rüstungen Deutschlands sich ergebende weitere Verschärfung der Gefahr für Belgien hintanhaltcn sollen. Diesem PassuS wird in belgischen parlamentarischen Kreisen außerordentlich große Bedeutung beigemrffen. Der Ministerpräsident wird ermächtigt»»erde», England zu ersuchen, daß eS mit Belgien einen Pakt über den Schutz belgische» Gebietes unterzeichne, ähnlich jenem Palte, der zwischen Belgien und Frankreich abgeschlossen wurde. Die Vereinbarung cineS solchen anglo-helgischrn Paktes tvürdc eine große Bedeutung auch für Frankreich habe», da jede künftige eventuelle Verletzung der Rcutrnlitiit Belgiens eine militärifcheHilfe seitens Englands zur Folge habe» tvürdc. gemäßigter Christ zu handeln.— wenn man ihni daS preiswert macht. ver preis ttlr die Gnade „DaS Maß der Milde", sagt der Korrespondent der„Times", soll„in getvisscin Maße von der Haltung nnd der Taktik des Sozialismus im Weilen abhängen." Es soll sehr genau abgemessen werden. Eü soll Gegenstand eines Tauschhandels sein. i. Dollfuß ist twck immer aufs heftigste nnd ängstlich besorgt um die Unterstützung der Demokratien des Westens. Er ist berechtigter Weise sehr emvfindliÄ für die allgemeine Verurteilung seines Terrors und seiner Tyrannei in den freien Ländern. Er möchte gerne die Kritik abkauscn: er mochte gerne linterstützung fcn. Ten Preis, den er dnrck die„Times" bietet, ist„Milde und charitativc Hilfe." Niemals noch ist ein zynischerer und artigerer Vorschlag gemacht worden als dieser, I der von einem Manne stammt, der mit seinem christlichen Glauben paradiert nnd ihn zum Wcrl- objclt im politischen Kampf macht. vle Stimmung in Großbritannien Aber der Kanzler versteht den Charakter des Volkes Großbritanniens nicht. Er verficht nicht, daß er nicht bloß„die Sozialisten des Westens", sondern jeden demokratischen Mann und jede demokratische Frau in einem demokratischen Land, jede Person mit anständiger Gcsinnnng herausgefordert hat. Er versteht nicht, daß ein Vorschlag. Ivie der, den er nun rnacht, unser Volk nicht überzeugt, sondern zum Abscheu bringt. Wir kaufen keine Milde und leine Wohltätigkeit von christlichen Kanzlern. Wir crlvarten sie von ihnen. Nicht die sozialistischen Führer, nicht die Schutzbündler, nicht die verelendeten Frauen rind Kinder stehen in diesen Tagen vor Gericht, sondern Dr. Dollfuß und seine Kollegen. Er wird nach seinen Taten abgeurteilt iverde». lind viel mag für ihn von diesem Urteil abhängen. Aber dieses Urteil kann nicht abhängen von irgendeinem Handel mit jenen christlichen Tugenden, die, besonders für Dr. Dollfnß, heilig sein sollten. Verfolgung der estnischen Fascisten Reval, 15. März. Nack einer amtlichen Mitteilung sind bisher 500 Anhänger der Frciheits- lämpscr in Hast genommen tvorden. Bon diesen tvurdcn ettva 75 nach eingehendem Verhör wieder aus freiem Fuß gesetzt. Mit weiteren Hasteutlas- suugen lvird gerechnet. Vereinzelte Verhaftungen finden jedoch immer noch statt. In einigen ländlichen Bezirken war die Zahl der Verhafteten so groß, daß die Häftlinge in Vereinshäusern nnd Sckulcn untergebracht tverdcn mußten. Ter Ver- kehrsministcr hat den ihm unterstellten Beamten, die der Frciheitökäinpfcrbewcgung angehört haben, nahegelegt, ihr Abschiedsgesuch einzubringen, da sic sonst entlassen tvürdcn. Mit ähnlichen Maßnahmen wird auch bei den übrigen Behörden gerechnet. —-r f—im I,—uv*—_ M/r. v• wtj■■'»twi'MMWM eines Schutzbündlers wurde mißhandelt, tvcil nicht sagen wollte, lvohin ihr Sohn geflüchtet lvar. In Graz wurde unmittelbar vor einem Spital gekämpft. Acrzte, die in ibrcn weißen Kitteln den Verwundeten Velsen wollten, wnr- de» durch christliche Beschießung zurückgctriebrn. Ans Arbritersamaritrrinnen wurde geschossen, eine von ihnen erhielt einen Schuß durch die Wange. Die erste Urbcrfüllnng der Spitäler tam noch nicht von den Verwundeten, sonder» von den Opfern gräßlicher Mißhand- lnngen, darunter eine 22jiihrigr Genossin, eine Jüdin, die viehisch gefoltert wordr» war. Die Polizei Volte dir von ihr Verwundeten so rasch nlS niöglich in ihre Klauen zurück. Jin Beisein ihrer Familie tvurdcn dir Männer mit dem Gnmmifttüpprl behandelt, ihnen die Zähne auS- gcschlagrn nsw. DaS sind einige Probeil aus der Tätigkeit der Exekutive. Daneben geht die Arbeit der kriegö- tvirischastlichcn Legislative: Eristcnzraub und Gc- sinnungskncchtung. Der Berichterstatter des „Daily Hcrald" meint, bei den Doilfußtruppen sei j e d e M e n s ch l i ch k e i t entflohen. (I. I.) Am Vorabend des gewaltigen Wahlsiegs der Labour-Party in London schrieb das Blatt der britischen Arbeiterbewegung über Dollfuß in einem eine ganze Spalte langen Leitartikel wörtlich: Dr. Dollfuß beabsichtigt mit ausgesucht verfeinerter Brutalität, Gefangene. Verwundete, Frauen und Kinder als Geiseln zu, verivcndeu. DaS ist der klare Sinn der Meldung in der gestrigen„Times"(7. März), die vom Wiener Korrespondent dcö Blattes stammt, der in enger Beziehung zum österreichischen Kanzler steht. Wir hören da, daß es für die„Heilung der Wunden" Oesterreichs zwei Heilmittel gibt— Milde und charitativc Hilfe. Und recht deutlich wird durchblicken gelassen, daß die Milde und die Charitas dieses froinincn Christen abhängen tvird von der Haltung des„Sozialismus im Westen" gegenüber seinem Regime. Eö wird erklärt, daß 50 oder 00 österreichische Führer ihren Prozeß unter der Anklage des Hochverrats oder der Mitschuld am Hochverrat erwarten; daß viele hunderte Sozialisten im Gefängnis sind; daß es Hunderte von Verlvundeten gibt, die nach ihrer Wiederherstellung verhaftet werden können. Hllllose Gefangene DaS Schicksal aller dieser Leute, heißt eö weiter, ist in den Händen von Dr. Dollfuß. Er hat versprochen, daß cs keine Todesurteile geben wird. Aber er hat nicht versprochen, daß es keine wilden Verurteilungen zu Kerkcrstrafcn geben wird, denen der Tod fast vorzuziehcn wäre. Tausende von Sozialisten sind aus ihren Arbeitsstellen entlassen worden. Da sind ferner die Familien der Gefallenen, der Gefangenen, der arbeitslos Gewordenen, im Elend, die für das nackte Leben der Hilfe des Staates oder von Privatpersonen bedürfen. All diese Tausende, heißt eS weiter, sind in Dr. Dollfuß' Macht. Er ist bereit, seinen Gefan- genen gegenüber gnädig zu sein— um einen Preis. Er ist bereit, Hilfe zu bringen oder zu erlauben, daß andere Hilfe bringen— um einen Preis. Dieser christliche Gentleman ist bereit, als Vom Rundfunk Empfehlenswerte« an» den Programme».- Samütag. Prag, Sender L. 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.10: Schallplatten,-10: Iazzorchester, 18.10: Deutsche Sendung: Jugendstunde, Schenk: Bücher, die wir lesen wollen, 10: Deutsche Nachrichten, 10.20: Schraunnelkonzert. 22.15: Schallplatte». Sender St.: 14.00: Liederkonzert, 15.10: Deut« s ch e S e n d u n n: Lieder nach Gedichten von Watzlik, 15.50: Deutsche Nachrichten, 10. Schall« platten.— Brünn 11: Vormittagskonzert, 17.15: iKosakeucvor, 17.50: Deutsche Sendnn g: Heitere Stunde, 18.85: Theatcrnachrichten, 20: !Puppentheater Prof. Skupa.— Mähr. Ostrau 12.85: Mitlagökonzert.— Berlin 18.05: Schall- vlaiteumusik aus neuen Operetten.— BreSlou 20.10 Unterhaltungskonzert.— Frankfurt 20:15: Heitere Musik.— Hamburg 18: Kammermusik.— HeilSbcrg 18.25: Bach-Kompositionen.— Leipzig 116: Symphonisch. Orchesterkonzert, 17: Zitherkon- ! cert.— Wien 10.85: Mandotineukonzert, 17: Kon- ! zert der Wiener Philharmoniker, 10: Beethovens Klaviersonaten. Im„Daily Herald" schildert B r r n a r d Moore die Schrecken des Heimwchrterrors in Oesterreich. Eine 65jährige Frau, welche 12 verwundeten und erschöpften Schutzbündlern, die zur Kolonne Wallisch gehörten, linterknuft gewährt hatte, wurde so mißhandelt, daß sie bewußtlos ins Krankenhaus gebracht tverdcn mußte. Andere Frauen aus Bruck a. M. wurden nur deshalb cingcler kcrt, weil sie Schutzbündlern Tee gebracht hatten. Die Schreckensherrschaft der Heimwehren in Bruck a. M. macht nicht einmal vor Kindern Halt, l In Bruck an der Mur, wo insgesamt 7001 Genossen eingckerkcrt sind, mußte eine Arbeiterfrau mit ihren beiden Kindern von ackt und vierzehn Jahren viele Stunden mit e r h o b c n c n H ä n d e n vor ihrem Hanse stehen, weil man darin ein verstecktes Maschinengewehr gesunden hatte. In den Wiener Gemeindehäusern haben die Heimwchrkcntc zahlreiche Wohnungen vollkommen demoliert. Kinder wurden mit Bajonetten und blinden Schüssen bedroht, weil die Heimtvehrlcr von ihnen erfahren wollten, wo die Waffen des Schutzbundes versteckt wurden. Die alte Mutter Seite 4 Freitag, 16. März 19.14 Är. M Tagcsncii!g!rfl€n 1 Nur eine Partei Eine Partei n»r gibt to, Gen assen: Nur eine Fahne, r» 110 Blut, das verrann. Itirä führen die Toten, die kuiuvtend erschossen, es schreitet uns Koloman Wallisch voran. Tie fragen uns nicht nach den Miiglikdsbiickieni, sie wollen den Mut und nicht nuser Geld. Sir»wl'en die säusle, die silnuiclenzersiirchtcn,• der einigen Arbeiterklasse der Wcit. Wer nicht auch sein Blut wag«, der wird nicht gewinnen, die ewig Grduitten verlieren den Krieg. Männer sind besser als tnuklichc Stimmru. Prolet, deine Fäuicr entscheiden den Lieg! Tas ist der Weg, den die Toten uns weifen: Einig und mutig und tamvsesbereir! Und nur wer läinvil, Ins die Ketten zerreißen, der sindrl den Weg in dir tommrndc Sei11 Muri Doderer. Rätselhafter Schuß gegen einen Personcuzng Aus C g e e wird gemeldet: Am Dienstag lvurde gegen den Personenzug Nr. iUv l zwischen den Stationen Sandau und Lindenhan ein Sck'iiß avgcseucrt. Tas Projektil durch s ch lug dasFc n st er desTicn st- wagen s. in ivelchem sich der Z u g S f ü h r c r befand. Glücklicherweise lvurde n i c ma n d v e r- l c tz i. Tie Gendarmerie und die Egerer Polizei Haven die Nachsorschuiigcn nach dem rätselhaften schützen eingeleiiet. Ein Mord-Geständnis Eger, t.">. März. Ter 80jährige Pächter Z o h a n ii H a in m c r aus H o h e n st o l l c n legte vei der Einhändigung der auf Mord lauten» Sen Aiillageschrift der Staalsanivaltschaft E,scr ein Geständnis über die Ermordung der 60jährigen Wirts cha s t S bcsitzcrin Thcresie Götz i» Hohenstollen lBezirk Rendel) ab. Die Gütz tvar am 18. August 1!>3- ermordet worden und am'Ul. August lvurde Hammer unter dem Verdachte verhaftet, gemeinsam mit anderen Tätern den Mord verübt zu haben.$it seinem Geständnis bezeichnete Hammer den Arbeiter Daniel Reudert und den Ressen der Ermordeten A d o l f G ö tz als seine Mitt.ätc r. Adolf Gon ivollte sich durch den Tod seiner Tante in den Besitz der Erbschaft setzen und benützte daher die Unstimmigkeiten zwischen der Wirtschaftsbc- sitzcrin und dem Pächter, um zu seinem Ziele zu gelangen. Tie beiden Männer beschlossen, die"Greisin zu töten, und sicherten sich hiebei noch die Mithilfe dcö Gelegenheitsarbeiters Daniel Rendert. Sie feuerten zunächst gegen den Kopf der alten Fran mehrere« ch ü s s c ab und schleppten sie dann vor das HauS, Ivo sic ihr an der Schwelle die S ch ä d e l d e ck c vollständig zertrümmerten, um auf diese Weise die Schnß- spurcn zu verwischen.<^>öv und Rendert wurden in die Haft des Preisgerichtes Eger überführt, tvo über ihre Mittäterschaft an der Ermordung die gerichtliche Voruntersuchung cingelcitct lvurde. Die Gerichtskommission neuerdings im Nelsonschacht Brüx, 18. März. Heute vormittags fuhr die gerichtliche lllitersnchuiigskommission neuerlich in den Nelson-Sckiackit ein. Hinter der m der Nähe der einen Pumpenkammcr befindlichen Abspcr- rungsmauer III, die geöffnet worden ist, begannen die Feststellungen der Kommission. In den Einzclgewölben neben der Strecke sind in den gegen die Mauer ITT zu gelegenen WinkelnKoh- lengcröll und Holzstützen durch die Gewalt der Explosion zusammcngetragen. In der zum Fall- ort-Rcvier führenden Seilbahnstreckc häufen sich die Zeichen der Verwüstung. Wenige Schritte hinter der Seilvahnstation III lvurde die Stelle besichtigt, an der die Leiche des Bergmannes Pilz gesunden lvurde; diese Stelle ist jetzt mit Chlorkalk bedeckt. Pilz muß zuerst an die Wand geschlendert lvordcn und dann infolge Einatmens von KohlenoxhdgaS gestorben fein. Bei der Seilbahnstation 111 wurden Verwüstung«: ii s cb lv e r st c r A r t festgestellt. Aus der Decke sind große Stücke hcranSgcrissen. Drähte liegen herum,.üohlenhunte sind auf einen Haufen zusam- mengeschlcndert, die Hhdranten zerstört; ein schlveres eisernes Rad ist durch den Explosionsdruck zertrümmert worden. Auch sonst sind überall Spuren der Vcrlvi'istuug zu beobachten. Spuren eines GrubenbrandcS wurden jedoch weder hier noch in der später besichtigten lvcnig beschrittenen Mannschaftsstrecke gefunden. Rach der Besichtigung lehrte die Kommission nach obertagS zurück. Nachmittags tvurden die Erhebungen der Befahrung protokolliert. Dampfer mit 88 Mann im Sturm gesunken Schanghai, 18. März. Ein chinesischer Dampfer. der am Dienstag aus Futschau nacki Schanghai absuhr, ist im Sturm gesunlen. 88 Personen fanden dabei den Tod. 250 Kisten Dynamit— 150 Tote Entsetzliche Explosion in La Libertad— Ueber 180 Verletzte Arbeiterviertel und Hafenanlage vernichtet San Salvador, 18. März. In La Libertad, im Staate El Salvador, sind 230 Kistcn Tiinninit, dir im Hafenamt lagerten, in die Lust geflogen. Der grösste Teil der Hafen- gebändc lvurde durch die Explosion und den sich daraus entwickelnden Brand zerstört. Telc- vlwn und Telegraph nach La Libertad sind unterbrochen. Tie ExplosionSkatastrophe hat 130 Tote und ebensoviel Derlelste gefordert. Einige hundert Fcucrivrhrlcutc bemühen sich, der Flammen Herr zu werden, die ganze Häuserblocks rr- grissrn haben. Die Polizei und Mitglieder der Nationalgarde arbeiten mit Aufbietung aller Kräfte nm das Wrgräumen der Trümmer und dir Bergung der Benvundeten und Toten. 20 Personen werden noch vermiß. Wettere furrhtvare Explosionen New N o r k, 13. März. Wie aus La Libertad lSan Salvador) gemeldet wird, hatte die Feuerwehr die ganze Nacht zum Donnerstag mit der Bekämpfung des durch dir Dhnnmitexplo- sion entstandenen Brande» zu tun. Die Lage war zeitweilig außerordentlich bedrohlich, weil die Flammen auf rin L a g e r von 4000 Faß Benzin und Trrosin übergrgriffen hatten. ES entstanden weitere furchtbare Explosionen, durch die das am Hasen gelegene und zum grössten Teil aus Holzhäusern bestchcudr Arbeiterviertel vollständig vernichtet wurde. Ueber die Ursache de» furchtbaren Unglücks wird bekannt, daß die 250 Kisten— insgesamt sieben Tausend Kilogramm— Dhnamit gerade mit dem Dampfer„Catalina", der deshalb trinePassagierc an Bord hatte, au» San Francisco eingrtroffen waren. Die Kisten waren auf einem Güterzug verladen worden und nm» nimmt au, daß sich die Explosion ereignete, als sich der Z u g in Beweg u n g srlste und dir Kisten dadurch hart aneinanderstießen. Der Grfamtschadr» wurde nm DonnerStag früh aiis zwei Millionen D o l l a r geschäht., Die überlebende Bevölkerung ist zum größten Teil aus der Stadt geflohen. LaLibcrtad, 15. März. Das Explosionsunglück hat etwa 150 Opfer gefordert. Ta» durch die Explosion zum Ausbruch gekommene Großscurr, da» immer noch wütet, hat bereit» vier Häuserblocks, darunter das Stadthaus, in Asche gelegt. Natürlich in Preuß:n... Berlin, 15. März. Der Amtliche preußische Pressedienst teilt mit: Heute morgens ist inj Stade der Mörder der 6 ljährigen Witwe Völle in Harburg-Wilhelmsburg, WaltcrSchulze, der durch das Schwurgericht in Stade am 15. August 1033 zum Tode verurteilt worden war, h i n g e r i ch t c t worden. Ter preußische Ministerpräsident hat von dem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht, weil der Verurteilte, den seine zwölf zum Teil erheblichen Borstrasen als Gewohnheitsverbrecher tcunzcichnen, bedenkenlos ein Menschenleben vernichtete, um Geld zu erlangen. Po-Ebene überschwemmt Latvinc und Bliitrrgen Mailand, 15. März. Die anhaltenden Re- gcnsällc der letzten Tage haben eS mit sich gebracht, daß sämtliche Flüsse Hochwasier führen und an vielen Stellen über ihre Ufer getreten sind. Weite Strecken der Po-Ebene sind überschwemmt. Die Schäden an den Saaten sind sehr groß. In Stof- feli umspülen die Wassermasscn bedrohlich eine Ansiedlung. Die vierzigBcwohncr mußten niit Vieh und Habe von der Miliz mit Kähnen aus ihren Häusern geholt werden. In der Nähe von Ferrara ist das Wasser aus 500 H e l t a r A r c i t e in das neue urbar gemachte Gebiet cingcdrungcn und hat dort v e r h c e r e n d e V e r w ü st u n g e n angcrich- tct. Im Alpcngeüict ObcritalicnS ist allenthalben N e u s ch n c e gefallen. In den Bergen hat der anhaltende Sturm an vielen Orten Lawinen gelöst. Stellenweise bcmcrltc man mich tvicdcr die seltsame Erscheinung des sogenannten„B lut- regen s", der Törser, Bäume und Sträucher rot färbt. Er iji vermutlich auf eine Vermengung der Regentropfen mit rotem Sand, der im afrikanischen Wüstcngebict durch den Sturin aufgcwirbclt worden ist, zurückzustihren. Cyklon fordert 75 Todesopfer Brisbane, 15. März. An der Rordtüstc von Queensland hat mn Donnerstag ein Cytlon ge- tvütet. Nach den bisher eingcgangencn Berichten, sind 75 Personen, meist Farbige, ertrunken oder werden vermißt. Zahlreiche Boote sind gekentert. Mehrere kleine Siedlungen sind einfach hinweggefegt lvordcn. Der Schaden ist beträchtlich. Norwegischer Dampfer von chlnesi.chen Piraten getapert Hongtong, 15. März.(Reuter.) 22 chinesische Piraten, die sich für Passagiere auSgaben, überwältigten die Offiziere und die Acmannung des norwegischen Dampfers„Rorviken", der eine Tragfähigkeit von 2024 Tonnen besitzt, montierten die drahtlose Telegraphie-Einrichtung ab und tvarfen die Tclegraphcnapparate über Bord. Sodann plünderten sie das ganze Schiff aus. Der Ucberfall ereignete sich bereits am 13. März, docki ist er erst jetzt bekannt geworden. Die Piraten verließen am 14. März das Schiff und verschleppten zehn ch i n c s i s ch c P a s sagt c r c als Geiseln. Der Kapitän und die Offiziere des Schiffes sind, wie man annimmt, am Leben und gesund. -apoelastar-- 27 Lote Paris, 15. März. Rach einem Hauseinsturz .in Beirut wurden bisher 27 Tote geborgen, j Zwölf Schwerverletzte wurden dem Krankenhaus zngcführt. Die Bergungsarbeiten, die den ganzen Mittivoch über mir Hilfe der Truppen fortgesetzt tvurden, sind fast beendet. Man rechnet nicht mehr damit, weitere Opfer unter den Trümmern zu finden. Nur«och Tote«erde« geborgen Sasebo, 15. März. 66 Leichen tvurden bis 12 llhc aus dem gekenterten Torpedoboot„Tomot- suru" geborgen, während die Liste der lebend Geretteten sich nicht vergrößert hat. 32 Matrosen werden noch vermißt. Man glaubt, daß sie durch die Wellen von dem Torpedoboot wcggcschwemmt lvordcn sind. Gehenkt oder kastriert? Anfang März tagte in Berlin die„Heidnisch-religiöse Glatibciisbewc- gung" der Reventlow-Hauer-Wirth-Gruppc, die ihre Anerkennung als„dritte Konfession" fordert. Nach dem dieser Bewegung zugehörenden Kieler Professor der evangelischen Theologie Hcrniann Mandel sprach der Rasseforscher Hans F. 5k. Günther über„Rassenpflege der Germa- neu". Er berichtete u. a., daß cs bei allen Judo- gcrmanen bereits Maßnahmen für die Reiner- Haltung der Sippe und die Ausmerzung der Erbkranken gab, bei den Germanen auch für die Ausmerzung der„Neidlingc": der lleberlänfcr und Verräter. Diese wurden, wie die sich homo, sexuell betätigenden Männer, ersäuft oder gehenkt, jene andern auch kastriert! Was werden die religiösen Heiden, deren Anhang unter den Nationalsozialisten nicht gering ist, nun mit den homosexuellen Prominenten in der Führung der Partei anfangen, mit dem SA-Minister Röhm, den« Ordensschwindler 5tausfmann, dem die Hamburger Großkaufmannschaft als Statthalter huldigen muß, dem Führer der Hitlerjugend von S ch i r a ch und dem Berliner S A- G e n e r a l Ern st, um nur ein paar Namen herauszugrei- fen. Schirach und Ernst haben sich allerdings durch Heirat ein Alibi zu schaffen versucht. Was wird nun mit diesen„Germanen" und ihren vielen willfährigen Freunden? Werden sic gc- henkt, ersäuft oder kastriert? Gehaltserhöhung für de» belgischen König. Die belgische Kammer nahm mit 04 gegen 60 Stimmen bei einer StinimenthalNing eine Erhöhung der Zivilliste für den König auf 12 Millionen Franken an. Ferner stimmte sie einer jährlichen Rente für die Königin Mutter Elisabeth in Höhe von 2 Millionen Franken i.." 04 gegen 70 Stimmen zu. Ueberfahren und getötet Teplih-Schönau, 14. März.(Eigenbericht.) Heute gegen halb 5 Uhr nachmittags fuhr ein Straßenbahnwagen der elektrischen.Kleinbahn von Turn gegen Weißkirchlitz. In der Weißlirchlitzcr Straße überschic knapp vor dem Wagen die cttva zwei Jahre alte EllaRczaädie Straße. Sie wurde von dem Straßenbahnwagen erfaßt und auf der Stelle getötet. Ungefähr zur gleichen Zeit überfuhr in der Äulnier-Strahe in Turn ein Personenwagen, der auö Tcplitz-Schöiian in der Richtung Aussig kam, die achtjährige M a r g a r c t e S ch r ö d e l und schleppte sie einige Meter mit. Außer einigen Arbeitslos— Selbstmord. Zwischen den sfr- wakischen Gemeinden Lckcr und Gcmersla Hora ließ sich ein junger Mann vom Zug überfahren und lvar sofort tot. ES handelt sich nm den ar. beitsloscn Schlosser Fr. Drexler aus Böhmen. Mllitördicnst und Augrstelltcnrcckit. Zu den bevorstehenden Entlassungen ans dem militärischen Präsenzdienste., ersucht uns der Allgemeine Auge- stellten-Berband, Reichenberg, darauf zu verweisen, daß gemäß Paragraph 18 des Pensionsversicherungsgesetzes der gesetzliche Präsenzdienst als Bei- tragszeit auf Staatskosten in die PensionSversickie- rung einznrechnen ist, wenn der Angestellte vor Antritt des Präsenzdienstes bereits einnial pensionsversichert war oder binnen 12 Monaten nach Rückkehr vom Präscuzdienlie in die PensionSversicherung eintritt. Ter Anspruch muß bei sonstigem Erlöschen im ersteren Falle binnen 15 Monaten nach Rückkehr vom Präsenzdienst, im letzteren Falle binnen 6 Monaten nach dein erstmaligen Eintritt in die Pensions- Versicherung beim zuständigen Peilsionsversichcrungs- träger(AintSstclle der Allgemeinen Pensiousaiistalt oder Ersatzinstituti angemeldet werden. Gleichzeitig werden die lvaffeuübuiigdpflichtigeu Angestellte» darauf aufmerksam gemacht, daß nach dem Gesetze vorn 31. März 1925 die Dienstverhältnisse wäbrend einer bestimmten Zeit vor und nach Beendigung der Was- sennbnng nicht gekündigt werden können, bzw. eine trotzdem wäbrend dieser Schutzfrist erteilte Kündi- gimg keine Rechtskraft erlangt. Während der Was- feniibung behält der Angestellte laut Paragraph 8 HGG. den Anspruch auf seine GehaltSbczüge. bis zur Tauer von 4 Wochen, wenn das Dienstverhältnis bereits ein Jahr gedauert hat. Durch die Waffenübung tvird der gesetzliche IlrlaubSansprnch nicht beeinträchtigt. In berücksichtigniigswürdigen Fällen kann nm Aufschub der Wasfenübnng auf das nächste Jahr angesncht werden. Nähere Auskünfte über vorstehende Angelegenheiten und sonstige Fragen des Angesiellten-stiechteS sind erhältlich heim Allgemci- nen Angestellten-Verband, Zentrale in Reichender?. Turnerstraße 27, oder in dellen Geschäftsstellen in Karlsbad, Kirchplatz,„Stadt Berlin"; Teplitz-Schö- nau, Eichwalder Straße. 31»; Bodenbach, Dresdnerstraße. 886; Reichenberg, Schloßgafse 1; Trautenau, Eck Neumarkt; Mihrifch-Ostrau, Str. d. 28. Olt. 54; Mähr.-Schönberg, Weißniarktgasse 3; Brünn, Spinne.rgasse l 1. Ermäßigte Eisriibahn-Halbjahrrökarteii. Ter Bund der Vertreter und Reisenden, Fachgruppe in, Allgeiiieiucii Angestellten-Verpand, Reichenberg, Turnerstraße 27, macht darauf aufmerksam, daß die ermäßigten Eisenbahu-Halbjahrskarten für organisierte Geschäftsreisende und Vertreter auch mit Geltung ab I. April audgegeben Iverdeu. Bei Besorgung durch die Organisation wird ein Nachlaß von ö Prozent vom Preise dieser Karten bewilligt. Nähere Auskünfte über die Preise und Bedingungen find bei der genannten Organisation erhältlich. Trchnilche Exkursion nach Sowfetrnßland. Die Studienanstalt für die Erzeugung und Abteilung elektrischer Energie an der Prager Tschechischen Technik veranstaltete eine tschechoslowakische Tcchnikcrex- sursiou nach der Sowjenunion. Die Exkursionsteilnehmer werden alle wichtigen Industriezentren besuchen und die neuesten Errungenschaften der USTR. besichtigen. Die unter Führung des Pros. Dr. Ing. I. Rcziiiöek stehende Exkursion tvird 60 Mitglieder zählen. Es ist die erste derartige Exkursion aus der Tschechoslowakei. Sie wird am 18. März abccisen. Mörder nur brau». Der Rcichsverband des Schneidergelverbes in Deutschland hat kürzlich den Vorschlag gemacht, die Fracks und Smokings dem Geiste des neuen Deutschland entsprechend mis braunem Stoff herzustcllen. Gegen diesen Vorschlag wurde anfangs von verschiedenen Seiten cingewendet, daß die Vcrivciiduiig brauner Stoffe für Salonanzüge als eine Schmähung des Dritten Reiches auSgclegt werden könnte. Das bahrischc VollswirtschafiSniniisternnn hat jetzt jedoch entschieden, daß dieser Einwand nicht begründet ist und hat seine Znstinimimg dazu gegeben, daß künftighin Fracks und SmvckingS auch ans braunem Stoff hergcstcllt werden dürfen. Admiral B»rd hat Pech. Nach einer Meldung aus Littlc American(Antarktis) ist ein mit vier Personen besetztes Flugzeug des Admirals Btzrd in der Nähe des Lagers der Expedition abgcftürzt. Die Insassen lmncn mit leichteren Verletzungeu davon. Der Motor und Iiistrnmenie lonnten geborgen tvcrden. 17 Verletzte auf einem Pr..ger Vororte>hnhof. Auf dem Prager Personenbahnhof Vrsovicc- Rusle kani cs Donnerstag um 18.22 Uhr bei dec Auswechslung einer elektrischen Lokomotive gegen eine Dampflokomotive zu einem stärkeren Zusammenstoß. 17 Personen lvnrdcn durch hcrab- fallendeö Gepäck leicht verletzt. Fünf hievon wurden vom Eiscnbahnarzt an Ort und Steile behandelt. Ztoölf Personen setzten die Fahrt fort und suchten am Wilsonbahnhof ärztliche Hilfe auf. Hautabschürfungen und leichteren Verletzungen scheint diesem Kinde jedoch nichts Schlimmes passiert zu sein. In einer Schachtpinge ertrunken Aussig, 14. März.(Eigenbericht.) Das dreijährige Arbeiterkind Marianne Rille aus Prcd- litz, dessen Eltern in einem Loch des Deliusschach- teS ein armseliges Obdach gefunden haben, ist Mittivoch abends, ertrunkei? in einer Pinge des Schachtes, von seinem Vater geborgen worden. Sofort angcstclllc Wiederbelebungsversuche tvaren erfolglos; die lleinc Leiche wurde schließlich in die Predlitze.r Totenkammer gebracht. KMdertragSvien er Anitas, IS. März 1934 Seite 5 Der Es und denn mancher als seine Wirt» sich diese IUILU um ov.wmvf nv utuujiici,.'.'in V1V|VIH Betrag können 16 bis 20 Kleinlandwirte wirklich I rund eine 6 Hektar 1 Hektar. Neues vom Lametta-Herrmann Mit dein Datum vom 1. März 108t ljat der Ministerpräsident Goeriug seine Hemden zu Ober» Hemden ernannt. Präsident des neuen sozialibischen Londoner Stndtratö Kn der vorigen Woche wurde ein SA»Mann ins Konzentrationslager gebracht, lveil er Greuelnach- richtcn verbreitete. Unter anderem bat er mit größter Frechheit behauptet, Hermann Goering einmal in Zivil gesehen zn haben. Herinann Goering besichtigte daS Konzentrationslager in Oranienburg. Befriedigt von den Anordnungen, die dort getroffen wurden, begibt er sich zuletzt in den Kiichenraum und kostet einen Löffel Suppe. Fluchend wirft er den Löffel lveg: „Sofort die Eßkessel leeren. Tas Zeug kann man ja essen. Solange i ch Ministerpräsident bin, dulde ich nicht, daß hier Bankette veranstaltet werden." DaS Berliner Zeughaus, in dem sich bekanntlich die alten Uniformen, Orden und Rüstungen des preußischen und deutschen Heeres befinden, wird am 1. April sür den allgeineinen Besuch gesperrt und lediglich zum Uinkleiden für Hermann Goering reserviert.(SimplicuS.) Lord S n e t l, der frühere tinierstaatssckrelär für Indien, lvurdc zum Präsidenten dcS neuen Londoner Sladtraies gciväblt, der zum erstenmal in der Geschichte dieser volkreichsten Stadt der Welt eine sozialistiscl>c Mehrheit auflveist Die Entschuldung der Landwirtschast durch. eine allgemeine Zinsfußhcrabsetznng liegt derzeit nicht im Interesse der Landlvirtschaft; diese lvürdc bei den Bauern aus Widerstand stoßen. Die Bauern und Kleinlandwirte haben ihre Darlehen nicht gegen hohen Zinsfuß von den Banken, sondern von den Raisfcisenlassen oder Gcmcindespar» lassen, lvo dek Zinsfuß ohnehin nicht so hoch ist. Eine Senkung des Zinsfußes kann nur derart niinimal sei», daß sie für die Landlvirtschaft kaum zur Auswirkung kommen könnte. An eine Herab- setzung des EinlegcrzinSfußeS bei den landwirtschaftlichen Kassen lvird man durchaus nicht gehen könne», denn durch solche Maßnahmen lvürde nur der privaten Winkclgeldvermililung Tür und Tor geöffnet werden. Der Bestand der landwirlschaft- lichen Kassen darf nicht gefährdet lvcrden. L. UTA«och ohne Luftpostoerkehr Washington, 14. März. Obwohl die Hccres- und Postbebörden gehofft hatten, bereits am Dienstag den Luftpostvcrkehr wenigstens auf den neun Hauptstrecken lviedcr aufnehmen zu können, bat die Regierung es vorgezogen, den Verkehr noch nicht wieder zu eröffnen. Vermutlich will die Negierung zunächst die Ergebnisse des llnter- suchungSauSschusseS ablvartcn, dein außer Lind- bergh auch der KricgSministcr Dern sowie die be- lonntcn Flieger Clarence Chmnberlein und O» Ville Wright angehörcn. Der Untersuchungsauö- schuß soll gemeinsam mit den Mitgliedern dcS Drum-Ausschusses, der im Juli vergangenen Jahres zur lleberwachung des HcercSfliegcrkurseö gegründet lvorden Ivar, prüfen, inwieweit in der Ausrüstung und Ausbildung der Flieger Mängel bestehen. Der Vorsitzende des Drum-Ausschusses, Genercckmajor Drum, lvird den Vorsitz dcS Gesamtausschusses übernehmen. „Wir schämen uns** Gin Brief an den österreichischen Gesandten im Haag Die große holländische Arbeiterzeitung„Het Volk" vcröfsentlicht einen Bries an den österreichischen Gesandten im Haag, der von dem Organisator eines holländischen Hilfskomitees für österreichische Kinder geschrieben lvorden ist. Wir entnehmen dem Schreiben folgendes: „Exzellenz, als in den Jahren 1021 und 1022 in Wien die Hungersnot lvütete, waren meine Mutter und ich die treibenden Kräfte, die eine große Hilfsaktion für österreichische Kinder in Gang setzten. Durch daS damals gegründete Komitee ist cö unö möglich gewesen, ein paar tausend Kindern über die entsetzlich schwierigen Zeiten hin- lvegzuhelfen. Dabei hatten>vir gar keine andere Absicht, als unsere Mcnscbenpslicht zu erfüllen und»nscre große, warme Shmpathie mit dem österreichischen Volke zu bezeugen. Der Dank sür alles ivas wir taten, und das ist sehr viel gewesen, Exzellenz, lag in de» schöne,« Resultaten unseres Werkes. Zu allem Neberfluß wurde uns beiden, meiner Mutter und mir, im Jahre 1920 durch die österreichische Regierung die silberne Bcr- dicustincdaille deü Roten Kreuzes angcboten. Jetzt, lvo wir sehen und hören, lvie die jetzige Regierung auftritt gegen Menschen, die für Österreich mehr getan haben als die gcgenlvärtig in der Regierung befindlichen Personen, jetzt schämen lvir UNS. lind dasselbe lempcrameittvolle Mitlebe» mit dem österreichischen Volk, daS uns 1021 dazu trieb mit allen Kräften und auf jede mögliche Weise zu helfen, treibt unö jetzt dazu, ans unserem tiefsten Innern nnd mit einem Fluch auf den Lippen zu protestiere». Wir sind stolz auf die Kinder, denen lvir geholfen haben und von denen tvir hoffen, daß sie in erster Reihe stehen unter jenen, die auf den Trümmerhaufen dcS neuen Wiens die Ehre dcS Landes und die freie Menschheit verteidigen. Albert Hahn jr." leistungsfähig gemacht werden, lveil sic bereits Wohnhaus, Scheuer und Slalf und Geräte haben nnd also jeder Auslvand hiesiir erspart werden kann. Ter nnlcrstütztc Kleinlandwirt lvird da? Darlehen mit Zinsen zurückzahlen. tvährcnd man dem Neusiedler diele Leistung nicht zumute» könnte. Tie nächste Frage lvärc wohl dann: Entschuldung des Siedlers. Ma» lvird gegen diesen Vorschlag vielleicht einwenden, daß durch diese Maßnahmen einer Zerreißung des landwirtschaftlichen Besitzes das Wort geredet lvird. Das Gegenteil ist richtig: cs werden dadurch zehntauscndc landwirtschaftliche Betriebe lcbenösähig gemacht und die Landwirtschaft wird nicht einen Quadratmeter Boden verlieren. Im Jahre 1809, am 20. Dezember, wurde in Böhmen ein Gesetz über die Frciteilbarkcil de» Besitzes beschlossen nnd die Vorschriften dcS Bc- stistnngSzlvangeS aufgehoben. Gerade seit dieser Zeit begann die Landwirtschaft sich ausivärtSzu- cntwickeln. Das Gesetz über den ExckntionSschutz Ivar eines der verhängnisvollsten Gesetze, das sich die Agrarier erzwungen haben. Dem verschuldeten Bauern hat das Gesetz keine Erleichterung gebracht. Er ist im Gegenteil zum" Schuldenmachen i verleitet worden. DaS Opfer lvar die gesunde Bauernwirtschaft, die durch erhöhte Umlagen belastet lvcrden mußte, weil die. säumigen eben keine Steuern und Umlagen zahlten. TeSlvegen wurde auch das ganze Kreditwesen in der Landlvirtschaft unterbunden. In Baucrntreiscn selbst lvird dieses Gesetz streng verurteilt. Bei der jetzigen Finanzlage des Staates kann von einer Schuldentilgung und von planloser Steucrabschreibung nichts erwartet lvcrden. Bei einer solchen Methode inüßtc alle acht Jahre eine Schulden- und Steuerab- schrcibling vorgcnonnncn lvorden und>nit Sicherheit könnte man ausrcchncn, In lvelchem Jahr der Staat zu gründe gehen muß.(.llcbrigens hatten lvir nach dem Umsturz eine Entschuldung, lvie sie nie mehr vvrgenommcn werden kann.) Man kann aber auch die Landwirlschcnt. ob Bauer oder Kleinbauer nnd Häusler, nicht ihrem Schicksal überlassen. Es muß verhindert werde», aß der Verschuldete den Unverschuldeten mit inö Verderben reißt. Auch muß die Verschuldung cingcdämmt werden. Ueberschuldcte größere Wirtschaften, die nicht mehr zu retten sind, sollen nicht wiUkürlich verlaust lvcrden. Die Parzellierung muß eine planmäßige, wenn möglich freiwillige sei». Denn erstens tvürde der Zweck der Schuldentilgung nicht erfüllt, lveil bei willkürlichen Zwangsverkäufen die Licgcnfchaften unter dem Preise erstanden lvcrden und der Besitzer jedenfalls an den Bettelstab gebracht ist. Es würden auch die land- wirtschaftlichen Kassenr-lvo der Landwirt.das Geld geborgt hak, z» Schaden kommen. Es wäre auch Spielraum zu Speknlationskänsen gegeben. Was aber sehr inö Gewicht fällt, ist, daß der solide Bauer und Kleinlandtvirt nicht gerne sich bei Zwangsversteigerungen beteiligt und ans den Kans. verzichtet. Besonders aber nmß in Betracht gezogen werden, daß die KansSmöglichleiten für die Landwirte, vorwiegend aber sür die Kleinlandwirte äußerst gesunken sind. Der Verkauf der Grundstücke müßte parzellcntveise erfolgen. Erwerber dürfen nur Landlvirte sein oder jene, die eine Kleinlandwirtschast einrichien wollen. Besonders tvären zu berücksichtigen jene Kleinlandwirte, welche ein zu geringes Ausmaß an Boden haben. Hier müßte der Staat nun cingrcifcn. Der Staat müßte zn dieser Entschuldungsaktion Pfandbriefe ausgeben, die mit 4% bis 6% zu verzinsen tvären. Der geliehene Betrag lvird zu Lasten des Käufers bücherlich sichcrgcstcllt. Zur Durchführung können die landwirtschaftlichen Kassen, Vorschußkasten ustv, hcrangezogen werden, IvaS mit Hilfe der Rceskompt- und Lombard-Anstalt geschehen könnte. Dieser Aktion sollen sich auch halbversckmldcte Landwirte, deren Existenz gefährdet ist, anschlicßcn können, wenn sic einen Teil ihres Besitzes veräußern wollen. Minimal verschuldete Betriebe lvcrden in diese Aktion nicht einbczogen, so daß sich diese einfacher gestaltet. Verschuldete.Kleinlandwirte mit geringeren! Grundbesitze erhalten nach Maßgabe ihres BcsitzeS ein Pfandüriefdar- lehen, lvobci die Gebäude mit als Pfand zn gelten hätten. Die Güterübertragungen erfolgen laxen- und gebührenfrei; statt eines Kontraktes soll ein amtliches Formular verwendet werden. Es ist bestimmt zu erwarten, daß bei dieser Aktion viel eigenes Geld(wahrscheinlich der größte Teil) zum Anlauf der Liegenschaften verwendet wird, so daß eine Belebung der ganzen Wirtschaft zu erlvarten ist. Vor allem werden die llmlagen in den ländlichen Gemeinden beglichen werden, tvas einer Entschuldung dieser Körperschaften glcicbkommt. ES werden aber auch mehrere hundert Millionen an Steuern für die Bezirke, das Land und den Staat einlaufen. Die Nachfrage nacki den Grundstücken wird eine sehr rege sein, der Verkäufer wird sich je nach seiner Verschuldung, einen Betrag erübrigen. Für viele Kleinlandwirte würde Aktion segensreich auSIvirken. Wir haben in der Tschechoslowakei Million Kleinlandwirte. welche unter Boden besitzen, davon 400.000 unter Man spricht aber merkwürdigerweise allen Ernstes von Neusiedlungen. In erster Linie wären aber doch diese Kleinlandwirte lebensfähig zu machen, damit sie nicht toeiter Konkurrenten der Industriearbeiter bleiben. Die Neuschaffung einer lebensfähigen Wirtschaft lvird mit 80.000 KC berechnet. Mic diesem aus seiner Besitzung eine Stiftung mache. Das Heim soll allen Kindern beiderlei Geschlecht- bis zu 14 Jahren offen stehen. Einzige Bedingung ist, daß sie arm sind. Rasse, Familie oder gar Hautfarbe darf in keinem Falle bei der Zulassung eines Kindes in das Heim entscheidend sein. Das ist ein ungeheuer mutiger Schritt des Oberst Lind- bergh, wenn man weiß, wie die Amerikaner zu den „Coloured pcople" stehen. Elf Opfer eines Balkon-Einsturzes. In der polnischen Gemeinde Bcudzin, unweit von Cosnowice, sah eine Gruppe von Personen von» Balkon eines Hauses den Produktionen herumziehender Akrobaten zu. Dabei stürzte der Balkon ein. Elf Personen wurden verletzt, vier von ihnen schwer. lind zwar wurden sowohl einige Zuschauer, als auch einige von den Akrobaten verletzt. De- sitzer von 10 bis 80 Hektar landwirtschastlichen Bodens. Besitzer von 30 bis 100 Hektar sind Großbauern, Besitzer von über 100 Hektar Großgrundbesitzer. Ein Teil des Bauernstandes ist überschuldet; ein Teil hat bis heute durchgehaltcn und ist'nur minimal verschuldet. Die Mehrzahl der Bauern haben heute noch ersparte Beträge in den Raiffeisen- und landlvirtschaftlichen Vorschußkassen und große Beträge sind auch in den landlvirtschaftlichen Lagerhäusern investiert. Ausdrücklich sei betont, daß zur Erhaltung deö Bauernstandes Ersparungen unbedingt notlvendig sind, wenn der Bauer die Scholle seinem Sohne schuldenfrei übergeben und seine anderen Kinder versorgen will. Aber gerade.in diesem Punkte beginnt zumeist das Verhängnis, Bauer zahlt seinem Sohn oder seiner Tochter viel mehr an Heiratsgxjt aus,' schäft vertragen kann. So konnnt es, daß der Hoferbe meist eine große Schuldenlast übernehmen und ein bedeutendes Ausgedinge leisten muß. Die Folge davon ist, daß nutzbringende Investitionen unterbleiben müssen und die Wirtschaft immer mehr gurückgeht. Zu den übernommenen Schulden gesellen sich, meist infolge der drückenden Zinsenlast, auch noch neue und so geht eö bergab. Das sind die wesentlichen Ursachen der Verschuldung der Landwirtschaft. Daß der Preisrückgang der landwirtschaftlichen Produkte den Verfall solcher Wirtschaften beschleunigt, ist selbstverständlich. Wie und wem soll geholfen werde«? Es muß vor allem der Grundsatz gelten: Die gesunde Bauernwirtschaft darf der kranken nicht geopfert werden. rußland jedoch erst später in Kraft treten. Es bezieht sich jedoch nicht auf Externistcn, denen bereits vorher die Ablegung, bezw. Wiederholung der Reifeprüfung bewilligt wurde. LinddrrghS Hans wird Kindcrhans. New Dork, 12. März. Daö Ehepaar Lindbergh hat jetzt seinen oft angctündigten Entschluß wahr gemacht, sein Landhaus Hopewell, aus dem vor zwei Jahren sein kleiner Sohn geraubt wurde— ein Vorgang, der die ganze Welt in Atem hielt— zu verlassen. Seit den« tragischen Tode ihres ersten Kindes konnten der Oberst Lindbergh und seine Fra» den Aufenthalt in Hopewell nicht mehr ertragen. Aber ihr Wille ist cs, daß dieses Haus, das die ersten Schritte ihres unglücklichen Knaben sah, fortan ein Kinderheim werden soll. Lindbergh hat dem .Staatssekretär in Wastiington mitgcteilt, daß er I Warschauer Universitätsprofessoren von Studenten verprügelt. In der Nacht auf Donnerstag wurde auf dem Bahnhofe der Warschauer Universität der Dekan der humanistischen Fakultät, Pro- scssor Dr. Handelsmann, von einer Studentengruppe überfallen und mißhandelt. Die Angreifer konnten nach dem Ueberfall flüchten. In Verbindung mit diesem Vorfall ordnete der Senat der Universität die E i n st e l l u n g der Vorlcsunen auf allen Fakultäten der Warschauer Universität aufunbestimmteZeit an. Eine strenge Untersuchung wurde cingeleitet. — Die Nachrichten-Agentur„Tiskra" behauptet, daß den Ueberfall nationalistische Studenten auS- gesührt hätten. Keine Extrnristenprüfungen an Lehrrrbil- duugsanstaltc». Durch einen gestern eingebrachten Regierungöentwurf sollen die bestehenden Vorschriften über die Extarnisten-Reifeprüfungen an Lehrerbildungsanstalten zeitweise ausgehoben wcr- dcn. Wenn Abiturienten anderer Mittelschulen liinftig das Reifezeugnis einer Lehrerbildungsanstalt erwerben lvollcn, dann müssen sie vorher mindestens'den vierten Jahrgang der Anstalt tatsächlich besuchen. Im Motivenbericht lvird darauf hingcwiescn, daß von 1928 bis 1938 die Zahl der Externisten, die sich zur Ablegung der Prü- su»g an Lehrerbildungsanstalten meldeten, von 411 auf 274Zgestiegen ist. Im Jahre 1933 wurden davon 1734 approbiert, während 36.8 Prozent dieser Externisten bei der Prüfung durchsielen. Bon ordentlichen Absolventen der Lehrerbildungsanstalten maturierten im Vorjahr mit Erfolg 2162 Kandidaten, während nur 8.1 Prozent durchfielen. Da der JahrcSbedarf an Lehrer» nachwuchs nur etwa 2000 beträgt, erscheint dieser Bedarf durch die ordentlichen Absolventen der Lehrerbildungsanstalten vollkommen gedeckt. Das Besetz soll mit 1. September 1934, in Karpatho« Ich kenne keine Akademiker mehr, ich kenne nur noch Fleischhauer! Im„Wegweiser", dem offiziellen O r g a n der d e u t s ch e n B u r s ch c n s ch a f t, findet sich ein Artikel ,,S A. a u f M e n s u r", in -cm fcstgestcllt lvird, daß Ehrenhändel in jedem Fall mit der blanken Waffe ausgetragen werden müßten. Mit jenen Elementen, die Nichtakademikern die„S a t i S f a k- t i o n mit der Waffe" verweigern, müste Schluß gemacht werden. Es sei der ausdrückliche Wille deö Führers, daß jeder Deutsche mit der j Waffe umzugrhen verstehe. Das Duell sei eine P f l i ch t s a ch e sür den wehrhaften neuen Deutschen! Womit die soziale Gesinnung des neuen Shstcmö hinreichend dokumentiert istl Früher zerschlugen einander n p r d i c ,.A k a« d c m i l e r" ihre Biervisagen, heute ist eS auch dem kleinen Mann gestattet, sich, Ehrenhandels halber, zum Krüppel schlagen zu lassen. Wichtiger noch als P r c i s a u f- bau. Lohnsenkung und Vertagung des braunen„Sozialismus" ist die Duellpflicht! Der braune„Wcglveiser" zeigt uns Hitlers Weg! P—re. In allen Agrarstaaten ist die Frage der Hilfe für die Landwirtschaft in ein akutes Stadium getreten; fast überall lvurden bereits Vorkehrungen getroffen, um der Landwirtschaft bci- zuslchen. Auch in der Tschcchoslovakei wurde eine Reihe solcher Maßnahmen getroffen, obne daß allerdings die notwendige Wirkung erzielt worden lvärc. Die Einfuhrscheine brachten nur Wenigen Vorteile nnd hatten auf die Preisgestaltung der landwirtschaftlichen Produkte keinen Einslnß. Von den Syndikaten hat der kleine Kreis jener Nutzen gezogen, die dazu enge Verbindungen haben, den Bauern im allgemeinen wurde nicht geholfen. Wie hoch ist dir Verschuldung? I» der Tschcchoslovakei gibt es 1,611.000 landwirtschaftliche Betriebe, davon 320.000 reine Bauernwirtschaften, die von keinem Nebeneinkommen abhängig sind. Außerdem kommen noch hinzu 31.000 landwirtschaftliche Großbetriebe, die nach Prof. Brdlik mit 8—4 Milliarden verschuldet sind. Die Statistiker Dr. Smutny und Prof. Brdlik haben die Verschuldung der gesamten Landlvirtschaft mit etwa 17 Milliarden angegeben, wonach auf den Klein- und Mittelbetrieben in der Landwirtschaft eine Schuldenlast von 13—14 Milliarden Kronen lasten würde. Dazu muß bemerkt werden, daß in diesem Betrag ein Teil nichtlandwirtschaftlicher Schulden inbegriffen sein dürfte. Ferner dürften bei dieser Untersuchung auch jene Schulden nicht gezählt worden sein, die bereits vor zehn und mehr Jahren bezahlt, jedoch absichtlich aus dem Grundbuch nicht gelöscht wurden. Die Ursache der Verschuldung der 1,260.000 Kleinlandwirte ist weniger.auf.die Agrarkrise, als auf die Jndusirirkrise zurückzuführen. Der kleine Besitz reicht nicht aus. die Familie zu ernähren und so sind die Kleinbauern gezwungen, einer Nebenbeschäftigung nachzngehcn. Und gerade die Kleinbauern und Häusler sind heute zumeist aus den Betrieben entlassen. Diese Menschen sind äußerst strebsam und trachteten daher danach, sich während der Konjunktur ein Grundstück aus Raten zu kaufen, eine Scheuer oder einen Stall zu bauen und Geräte anzuschaffen. Dadurch gerieten sie naturgemäß in Verschuldung, auö der sie sich heute nicht herausarbeiten können.~ muh jedoch festgestellt werden, daß diese Schulden nicht in leichtfertiger Weise gemacht wurden, lvaS daraus hervorgeht, daß Kleinlandwirte, deren Boden eine bessere Bonität auflveist, sich ihrer Schulden schon entledigen konnten und sich derzeit über Wasser zn halten vermögen. Katastrophal dagegen ist die Situation jener Kleinbauern, deren Bodenbesitz von keiner besonderen Güte deren Bodcnausmaß zu klein ist. Die Ursachen der Verschuldung. Als lvirkliche Bauern bezeichnet man Seite 6 „Sozialdemokrat Frriiag, 16. Marz 1934 Nr. 63 PRAGER ZEITUNG Aus der Partei I fierlchlssaal H neue| ganz eines an dem der Verfasser noch I 18. der der UranlaTIwo, Kllmentskä 4. Sütnatittm des große« Ariminolftiitfts diesem Zusainineuhang der vicriiud- zwcier die?lbsctzung des Polizeiprüsidciiien Chiappc. grosse Kratvalle in der Kam- Dazu gehört die Ab- O-berstaaisamvaliS Prcffard, der sich „Einberufen" zum Training bei den Nazis wurde nach einer Mitteiluna des amtlichen Cv» ganS des bürgerlichen-SchwimmvcrbandeS(Cs?lP2.l der Teplitzer Leikeri vom Schwimmwarr dcs Nazi-Verbandes, damit er in würdiger Gc- scllschaft sich geloissenhaft ans die Olympiade vorbe- reiten kann.— Beniht die Meldung des Verbands« organcö auf Wahrheit— und berichtigt wurde sie bis heute noch nicht— geht man in der Annahnie nicht fehl, dass der sudetendeutsche bürgerliche Sport unter Nazi-Kontrolle steht l wcitervertrich, DariuS ein Erpresser, der von dem Bayonuer Betrug Ivuhte, Hayotte, der Direktor des Empire-Theaters in Paris, den Skäbisky finanziert hatte. Die anderen sieben waren Mitwisser und haben Geld von Stavisky bekommen. Autzcc diesen zwölf Personen sind noch in Hast und. bereits zu 40 Tagen Gefängnis verurteilt die Herren Boix und Pigagliv, in deren Begleitung Stavisly nach Chanwnix gereist ivar, und die die einzigen Zeugen seines Selbstmordes gewesen sind. Angeblich soll sich die Zahl dieser in den Skandal verwickelten und verhafteten Personen in den nächsten Tagen nicht unbeträchtlich vermehren. Noch neu und unvergessen ist, datz man die lange gesuchten Scheckbücher StaviskyS aufgefundcn hat und datz man erivartet, durch die Bekanntgabe der Scheckempfänger viele ehemalige Minister und andere Politiker so belastet zu sehen, datz ihre Jn- haftnchmung unvermeidlich Ivird. Von der„endgültigen Anftlärnng" des Falles Stavisky und seiner Nebenfälle ist man im Augenblick aber trotz aller gegenteiligen Versicherungen noch sehr weit entfernt. Sonntag abends„Lohengriu"( siebe oben Titelpartie: Kammersänger Fr i tz W o l f f von der Berliner StaatSoper. Wochenspielpkan des Neuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr: Das Konzert, Abschiedsvorstellung Leopold Kramer, AA.— SamStag, halb 8 Uhr: Turandot,?f 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8 Uhr: Die Trafik ihrer Exzellenz. Kulturvcrbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag um 8 Uhr: D i e g r o tz e Chance.— daS wissen selbst die uiiicriuchilngsührenden Gerichtsbehörden in Pari? und Bayonne und die parlamentarische UniersilchungSkommission nicht, daS weitz nicht einmal der GcncralstaatSantvali. Von Lebenden tönnte cS der Kriminalinspckior Bony wissen, der aber vorläufig noch schweigt, und die Toten können nicht niehr reden. Wenn cs aber gelingt, dann mutz man die Namen der Hauptpersonen und der Hauptdaten, die im Verlauf der zehn Wochen in dem Wust der Ereignisse und Gerüchte cttvas in Vergessenheit geraten sind, gegenwärtig haben. Wer Alexander Stavisky war, weitz man noch einigermatzen: Ein sehr dunkler Ehrenmann, der überall, bis zu Parlamentariern und Ministern,„Beziehungen" hatte, ein vielfach vorbe- strafter, steckbrieflich verfolgter Betrüger, der Anlang Männer in einer Villa bei Cbanlvnix, von der Polizei verfolgt, durch eine Kugel seinen Tod fand. — Selbstmord? Der andere Tote ist der Pariser Richter Albert Princc. der tvichtigeS Material des Stavisky-FalleS bearbeitete und am 21. Feber 1934 in der Nähe von Dijon ermordet aufgefunden wurde. Nutzer diesen beiden Männern, die mit dem Stavisky-Skandal mimitielbar zu tuu hatten, entstanden um den Komplex Stavisky Stratzcnkäinpfe, bei denen, es 16 Tote und 1290 Verwundete gegeben Hai. Aum Die Ginggemeinde hält Sonntag, den 18. März, um halb 41 Uhr vormittags im P a r t e i h e i m, Nnrobni trida Nr: 4, eine Mitgliederversammlung ab, die sich mit der Arbeit des weiteren Ausbaues unseres Prager deutschen Arbeitergesangvereines beschäftigen wird. Unter anderein soll in dieser Ver- smnmlung die Schaffung eines Frauenchores besprochen werden. Neben den Mitgliedern der Volkssinggemeinde und der Partei werden hiemit auch alle. Mitglieder der K u l t u r o r g a u i s a t i o n e n zu dieser Versammlung eingeladcu. Insbesondere mögen alle sangessähigen und-freudigen Genossinnen erscheinen! gehören in zwanzigstündige Generalstreik, der Sturz Kabinette von Pari irier- und politische Duelle. sehung de seit fahren im Fall Stavisky schwere Verfehlungen Haire zu schulden kommen lassen, dazu gehört auch die Absetzung und der groteske Selbstmordversuch deö StaatSamvalts Hurlanx, der dem Betrüger Stavisky Vorteile zugeschanzt hatte, um selbst voran zu kommen. Die Rolle des Aussenseiters spielt der Richter d'Unhalt in Bayonne, der leine Zeitung liest, den ganzen Fall auS den Akten aufklären loill. Der iunge Richter behauptet, datz bei ihm in Bayonne die Unabhängigkeit des Urteils besser gesichert sei als in Paris, aber man hält ihn anscheinend nicht fähig, den Knote» zu entwirren. Hierzu gehört auch, datz man Stavisly als Spion im Dienste Deutschlands hinstelli. und datz man die Wiener Opcrettenschauspielerin Rita Georg in daö Verfahren cinbczog und jetzt ihre Koffer in Paris beschlagnahmt hat, hierzu gehören die Erklärungen eines zu Zuchthaus verurteilten Londoner Verbrechers, der im Auftrag StaviskyS Brandstiftungen ausgeführt haben loill, und es gehört auch dazu das angebliche Anerbieten eines„Deutschen", der den Nachweis erbringen tvill, datz der französische Niefcndampfer L'Atlantique im Auftrag StaviskyS in Brand gesteckt worden sei. Die Verhaftete« Jil der Affäre Stavisly sind bisher 14 Verhaftungen erfolgt. Da ist zuerst Madame Sta- visky, die erst in diesen Tagen ins Gefängnis ge- Jugendbewrgung. S. I. Prag. Sonntag, den 18. März, Wände r t r e. f f c n in Zbraslav. Für Freien^Gedenkfeier derWienerKäni pfe, Spiele nslv. Treffpunk t e: S. I. I en t ruun halt' 9 Uhr Endstation der 21er in Branik; S. F.«mich o v: 9 Ul>r Endstation der 5er in Hluboöcp; S.?. Weinberge: halb 9 Uhr Endstation der 5er in HInbodep; 2. I. H o l l e s ch o w i tz: 9 Uhr Endstation der 2ler in Branik. Gruppe junge r Parteigenossen» n d-g e n o s s i n n e n (Führer Mar NNmanni, bakb 10 Uhr Endstation der 21er in Branik. Konunt alle im Blauhemd! bracht ivordcn ist, oblvohl sie von Anfang an als die Mitivisscrin ihres Mannes galt. Dann sind da die Herren Dcpardin und Romagnino, beides Vertraute und Sekretäre des Betrügers. Wie Frau Stavisky und Romagnino ist der Rechtsanwalt Guibaud-Ribaud, ein ehemaliger Attache und Mitwisser StaviskyS, erst in den letzten Tagen in Haft genonuncn lvordcn. Diese vier befinden sich im Pariser Gefängnis/ Acht andere Beschuldigte in der Tlavisky- Affäre sitzen vorläufig in Bayonne. Es sind Garat, "„‘ von Bayonne, Bonnaurc, Abgeordneter und RcchtSan- von allergrösstem Ein Richter unter Betrugsanklage Unzurechnungsfähig? Prag, 15. März. Die ältesten GerichlSsaakrefe- rcnten erinnern sich an keinen Fall von der Art dieses heute verhandelten, wo der Gerichtshof zufain- nientrat, um über einen Richterkollegen das Urteil zu fällen, der von der Staatsaiuvaltschaft des Verbrechens deS Betruges angeklagt ist Vor dem Senat S i t t a erschien unter solcher Anklage heute der 32jährige. Bezirksrichter Joses T o b i n i c t, seinerzeit tätig beim Bezirksgericht Melnik. Schon früher war Tobiäöek in Diszipli- narunlersnchung wegen seines leichisinnigen und anstössigen Lebenswandels gewesen und von der Ausübung des RichteraniteS suspendiert ivordcn. In dem Halbjahr vom Juni bis Dezember 1933 besuchte der Angeklagte eine Reihe, diesiger Advokaten und borgte von ihnen stattliche Beträge unter verschiedenen falschen Vorspiegelnugen. Nickt nur, dass er seine Suspendierung llorsckivieg und sich als aktiven Richter anSgab— seine Vorspiegelungen verstiegen sich oft geradezu ins Phaittasrische. Der Rechtsanwalt Dr. Emil Hart m a n n streckte ihm 200 Xd vor, weil ihm der Angeklagte vorspicgelte, er sei auf Besuch bei seiner Ninttcr in Prag, habe sic aber nicht I angclrossen nnd daher, momentan in Geldverlegenheit. Der Advokat Dr. M a r e k gab ihm 1000 Xd auf gleiche Vorspiegelung hin, kombiniert mit der er- snndencn Angabe, dass er, Tobiäöek, auf einer Studienreise begriffen sei. Dr. Dole, za l erniöglichte ihm durch persönliche Bürgschaft ein Darlehen von 1000 Xd, als der Angeklagte in gekränktem Bieder- mannslon erklärte, es wäre doch traurig tvenn ei» „s ch u l d e n f r e i e r" Richter nicht eine solche Bagatelle anftreibeu könnte. Bei einem Bunnnel in der Bar„Chapeau Rouge" hinterliess er eine unbezahlte Zeche von 800 Xd und borgte sich noch vom Ober 200 Xd dazu aus, mit der schwindel- hasten Anlveisimg, sich am nächsten Tage den schuldigen Betrag in der?sbteilnng 22 des llntersu- chungsgerichtes in Pankraz abznholen, wo Tobiäöek nie in seinem Leben cttvas zu tun hatte. Dem König s a a l e. r Advokaten schwindelte er 1000 Xd ab, unter dem Bortvand, er sei auf der Mustermesse um seine Geldtasche bestohlen lvorden. Rechtsanlvalt Dr. Ettel fiel mit 2000 Xd herein. Dr. Pokorny mit dem verhältnismässig bescheidenen Betrag von 100 Xd. Dieses eines bernsswässigen Hochstaplers lvür- dige Sündenregister erfuhr bei der heutigen Verhandlung noch eine Bereicherung durch einige inzwischen aufgedeckte tveiiere BetrugSfälle, die Tobiäöek bereits nach Einleitung des StrasverfahrcnS gegen ihn begangen hat und die ihn im Lichte eines unver- bcfferlichcn Kriminellen erscheinen lassen. Unter den Straftaten befindet sich auch ein Fall von D i e b- st a hl, dessen sich der Angeklagte in einer Advokatenkanzlei schuldig gemacht hat. Die geschädigten Zeugen belasteten den Angeklagten nicht und erklärten, sie hätten ihm das Geld auch ohne die Vorspiegelungen geborgt. Er selbst be- kamüe sich ztvar zu den verschiedenen Fällen, behauptete aber, nicht in betrügerischer Absicht gehandelt zu haben und gewillt gewesen zu sein, das Geld zurückzuzahlen. Verschiedene Umstände liessen das Gericht - vermuten, dass Tobiäöek möglicherweise geistig nicht Turnen und Sport Kommunistische Sportler gehen zu-enlei« Die roten Sportler bilden sich in Reichenberg sehr viel auf ihren revolutionären Radikalismus ein. Aber lvie weit bereits der„ultraliicke-fozialfastiftische Reformismus" bei diesen erzroten Sportlern sich entwickelt hat, betoeist eine Notiz im„Allgemeinen Sportblakt", Nr. 10, mif Seite 200, wo stolz folgend: Bemerkung prangt: „Der DSV. Reichenberg hat weitere Verstärkungen zu verzeichnen. Äusser den bereits für den Verein tätigen zwei Brüdern N. hat nun auch ein dritter und vierter Spieler des AtuSvercineS in Reichenberg für den DSV. gemeldet." Boni Kontmuniömuö zum FastiSmuS scheint also ein kleiner Sprung zu sein. In politischen und bewegten Zeiten hat eS von jeher Ucberlänfer gegeben. Aber vier Mann mit einem Schlage, das ist starker Toback. Man wird sich ausreden und erklären: Die Leute sollen im fascistiscken Sport eine Zelle bilden. Und der DTB. Ivird vielleicht zum Rot-Sport übertreten. DaS sind trübe Hoffnungen. In der nächsten Henlein-Versammlung werde» die Ueberläufcr gegen die Klassengenossen stehen, die gemeinsten Verleumdungen ihrer Klasse stillschweigend sich anhören und auf Kommando niit Heil brüllen. 9loi-Sport hat eL herrlich weit gebracht niit seiner proletarischen Erziehung. Die„Führer" können stolz auf ihre 81c- folgschaft sein, die so ivcnig Klassenbewusstsein besitzt und die zu Henlein und damit zu den gewissenlosesten Feinden der Arbeiterschaft hinüberlvechscli. Heil! Rot-Front! Fall Stavisly Tag.. politische nnd wirtschaft- schäft", di, te Komplex Stavisly ist I klassischen Kriminal- Wer spießt mit? 3toif^enOilnn) Oer Gtatolftq-Qlffäre—‘Ttequifiten und Szenerie einen Keirniualreigeen Am Tag vor Weihnachten 1983 gab es in Frankreich eine Sensation: Ein Schlvindler, Alexander Stavisky, früher rnssischcr, später fcan- zösischcr Staatsangehöriger, hatte französische Sparer, denen mehr als den Sparern anderer Länder an hohen Zinsen liegt, durch die Ausgabe falscker, augeblick hockvcrziuölicher Anteile aus das Leihhaus der Stadt Bayouuc um eine Summe von 60 bis 70 Millionen Mark geschädigt. Skandal, Skandal, schrien die französischen Zeitungen und schrien die geschädigten scheu Bürger. Wie eine Feuersbrunst Affäre Stavisly um fick, zog sie schon ersten Tagen Dutzende von Eristeuzeit Wirbel. Heute ist der ganze ungeklärt wie am ersten Rubrum„Staviskn" liche Affären. Der zum Schulbeispiel romaus geivorden, arbeitet, tvähreud ihm schon die Verleger die eben gcschricbeueti Seiten aus der Hand reissen, um ihr Publiluin nickst tvarteu zu lassen. Es ist, als ob der Autor immer neue Personen eiufügi, um sein Werk ja recht umfangreich zu machen, und als ob ec den Knoten, anstatt ihn zu lösen, immer fester schlingt, und die Hauptperson des Berbrecherkon« sortiums so geschickt ins Tunket bist», datz Her Lesern ach OOtägigcu Fortsetzungen iininer noch nickt weih, ob cs den„Hauptschnrkcn" tvirliich gibt, und wer er sein könnte. Ihre agitatorische Ausnutzung führte ztvar zum Rücklriu der Regierung, ein fast unducchdriuglickes Netz von Begünstiguiig, Korruvtiou und Mord ist noch zu entwirren. Die Hauptdarsteller Cb das gelingen wird, tvcitz inan iticht, normal sei. So erklärte er z. D. er habe, als er von Melnik nach Brandeis versetzt wurde, den Posten dortsclbst nicht angetreten, tveil er leidenschaftlicher Musiklicbhabcr sei nnd beabsichtigt habe, Opernchef des NationallheaterS zu werden. Dem Antrag der | Verteidigung auf Pfychiatrierung des Augeklagteu tvurde daher statigegeben und die Verhandlung vertagt. rb. ■» Vraltegt inr einmal ein WM fliite Stttatt, Roberts, Trude Berliner. französi griff die Kammerabgeordneter nnd Bürgermeister on ihren in ihren tvalt, Dubarry, ein„Journalist Einfluss in hohen politischen nnd parlamentarischen genau so I Kreisen, Tissiere, der Direktor deS Leihhauses von fallen unter das jBayonne, Gucbin, Direktor der„Treuhandgescll- laviskyS falsche Anteile übernahm und Vcrelnsnadirlditcn Ortsgruppe Prag. Sonntag, den ds., Treffpunkt 9 llhr Endstation Einser oder Einundzlvanziger bei Fabrik Feig! in Vröovice. Kunst und wissen Turandot Giacomo Pnccini, der erfolgreichste nnd po- pnlärsle Operukoinpouist Italiens und Europas in ! der Nack-Verdi-Zeit, hat das l u r i s ch e Drama ,Tu r a n d o-t", sein elftes Overnlverk, nicht voll- ! ciidcn können. AIS ihn am 80. November des Jahres ! 1924 in Brüssel der Tod bei einer Operation ereilte, | blieb„Turandot" als unvollendetes Vermächtnis zu- ruck. Franco Alfano, ein intimer Freund Pucci- l»iS und sein langjähriger Mitarbeiter, hat den dritten Akt— eS fehlte nicht nur das grosse Duett sonder» auch die ganze grosse Schlussszene— im Sinne deö Verstorbenen nach den vorhandenen Skizzen des MeisterS fertiggestellt. ES ist daS grösste Verdienst dieser Ergänzungsarbeit AlfanoS, dass.sie nicht alS fremde Zutat empfunden wird, also durchaus der persönlichen Note uns dein Stile Puccinis entspricht. Puccini zeigt sich auch in„Turandot" als der routinierte und bühnensichere Opernkomponist, der seine Musik für die Sänger schreibt, sie realistisch und da- ' durch höchst effektvoll zu gestalten weiss und in der Detailcharakteristik immer den passenden Ausdruck findet. Das exotische Kolorit in der chinesischen.Turandot" ist noch prägnanter und bewusster angewandt als in der japanischen„Butterfly", lvaS allerdings oft allzugrosse Einsärbigkeit des musikalischen Gesamtausdruckes erzeugt; die dramatische Haltung der „Turandot"-Musik wird dabei noch mehr als jene der„Butterfly"-Tragödie, von düsterer Schwere bestimmt. Ihre besondere Note erbält die„Turandot"» Musik auch durch das zn tvirksainen Gegensätzen verwendete komisch-groteske Element und durch die um- fangreichcn chorischcn Aufgaben. Die Handlung der Pucciuischeu Oper„Triron- dot" folgt im allgemeinen jener des durch die Bearbeitung Schillers bekannt gewordenen chinesischen Märchenspielcd gleichen NamenS von G o z z i. Turandot, die ebenso schöne wie grausame Prinzessin, die ihre Freier durch geheimnisvolle und unlösbar« I Rätselaufgaben in den Tod schickt, wird schliesslich durch Kalaf, den« Sohne des Tartarenkönigs Timur, der einst aus dein Lande fliehen niusste, bezwungen und erlöst. Neu im Timur, der einst aus dem Lande filehen musste, bezivniigen und erlöst. Neu im Opernlibretto der„Turandot", das von den Italienern Adami und S i m o n i stammt, ist die Figur der jungen Sklavin Liu, die als tugendhafte Gegenspielerin zur grausamen Prinzessin Turandot anzusehen ist und ihr Leben in treuer Liebe dem Prinzen Kalaf opfert, inn seine Herkunft und seinen Namen nicht verraten zu müssen. Durch die vorgestrige E r st a u f f ü' h r u n g der Oper„Turandot" hat das Prager Deutsche Theater nun alle gangbaren Opernwerke Puccinis in Besitz genommen. Opernchef Prof. Georg S z ell hatte daü Werk selbst einstudiert; mit aller notwendigen Sorgfalt im musiktechnischen und aller erforderlichen persönlichen Hingabe im gefühlsmässigen Siu», mit überlegener Kunst deZ Aufbaues und der Steigeniug in dynamischer und rhythmischer Hinsicht. Ausgezeichnet spielte das O r ch e st e r, ganz hervorragend sangen die tvohldisziplinierten Chöre. Sehenswert waren die phantastisch-märchenhaften Bühnenbilder Prof. Pirchauö, ungemein lebendig und daS dramatische Geschehen unterstreichend die Regie M o r d o s, die eS auch an wirksamen grotesken Momenten nicht fehlen liess, Ivie z. B. daö Henker-Ballett im ersten Akt zeigte. AlS vortrefflich besetzt tvaren auch die Haupt- und Nebenpartien der Oper auzusehen. Fr. Rose Pauly war eine darstellerisch überzeugende und stimmlich"imponierende Turandot, Frl. Rohne eine rührende Liu, F i- scher ein überlegener, nur stininilich etwas gehemmter Kalaf. Sehr gut tvaren die Herren Libal, Hettemer und Hagen als Minister-Terzett, Andersen als Timur, Bender als Kaiser und Hotter als Mandarin. Das gut besuchte HauS spendete der glanzvollen Aufführung begeisterten Beifall, für den sich neben den Hauptdarstellern auch Dirigent, Regisseur und Bühnenbildner wiederholt ; bedanken mussten. E. I. Greisin überfabrrti. Gestern uackmillag fuhr der Chauffeur Rudolf Adam mit einem Lastauiomobil durch die Röffelgasse in Prag I I. An der Kreuzung des Karls-Platzes überguerte gerade die 69jährige Arbeiterin Marie Rukavicka den Damm. Sie tvurde voin Auto erfasst und auf den Bürgersteig geschleudert. Durch die Heftigkeit deS Aufpralls erlitt die Greisin schlvere Verletzungen. Man brachte sie ins Allgeineiue Krankenhaus. Unfall eines Fünfjährigen. Am Nachmittag des gestrigen Tages tvurde ein kleiner Jnnge, der fünfjährige Viktor’S m u i n» aus Bre. vno v von einem Lastauto überfahren und schtver verletzt. Man brachte ihn in das Kiuderfpital. Zeugen bekunden, dass den Chauffeur Jaroslav P I k aus Bcevnov keine Schuld treffe. Sie ivollen beobachtet haben, dass der! Knabe direkt in das Auto gelaufen sei. Selbstmordversuch einer IKjöhrigen. Gesten» stürzte sich die 18jährige Hausgehilfin Julie C e r n rt von der Karlsvrücke in die. Moldau. Ein Mann, der seinen Namen nicht genannt haben will, sprang der! Lebensmüden nach und rettete sie. Beziigsbedinaunaen: Bet Znstellung tnS HmiS oder bei Bezug durch die Postnwuatlich Xd 10.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig Kd 90.—, ganzjährig Kd 192.—.— Inserate werden laut Tarn billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeimngsfrankatur wurde von der Post-- und Telem:avhen- direktion mit Erlass Nr, 18.800/VII/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und ZcitungS-A.-G., Prag.