Hwzffpnft 70 mnr (•IntcMIattlck MkMM IISCHBNT MIT AUSNAHME OES MONTAG TÄGLICH FRÜH, wo AKTION UNO vrawALTUHG frag XH., KCHOTA a. iukn w. Administration TELEFON smt. HERAUSGEBER t SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR> WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR i DR. EMIL STRAUSS, FRAG. IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 14. Jahrgang Mittwoch, 21. März 1934 Nr. 67 Paris wartet ab Interesse für das heutige BeneS-Exposee Roosevelt interveniert bei Lohnkampf Washington, 20. März. Im lebten Moment werden Versuche unternommen, den Streit von 100.000 Arbeitern der Automobilindustrie zu verhindern. Präsident Roosevelt deutete an, daß er auf Grund der ihm übertragenen Vollmachten cin- schreiten werde, wenn die Verhandlungen zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern scheitern. Die Intervention deS Präsidenten Roosevelt kn den Konflikten in der Automobilindustrie und in den Eisenbahngescllschasten übte eine sofortige Wirkung aus. Der Vorsitzende der amerikanischen Arbeitsförderation Green telegraphierte Collins und trug ihm auf, alle Streikmaßnahmcn ini Sinne des Wunsches Roosevelts bis zum 22. März zu verschieben. Präsident Roosevelt berief nach Washington eine Konferenz ein,,in der er eine Beilegung der Konflikte versuchen wird. Im Repräsentantenhause wurde eine Resolution eingebracht, in der die Ausnahme einer Untersuchung über die Löhne der Arbeiterschaft in der Automobilindustrie verlangt wird. Die Direktoren der Eisenbahngesellschafien gingen auf den Vorschlag Roosevelts ein, das bisherige Lohnabkommen mit Wirksamkeit bis zum 1. Jänner 1935 zu verlängern. OraBbelriebe miinen Heimweh rleule beMigen Dien, 20. März. Nach einer heute in der «Wiener Zeitung" veröffentlichten und acht Tage nach der Kundmachung in Kraft tretenden Verordnung der Regierung werden alle auf Gewinn oder Erwerb berechneten Betriebe verpflichtet, arbeitslose abgerüsteie Schutzkorpsangchörige während der Dauer der SchutzkorpSvcrordnung vom Juli 1933 rinzustellen und zu beschäftigen. Voraussetzung ist, daß der Betrieb wenigstens 25 Arbeitnehmer beschäftigt. Bei je 25 Arbeitnehmern ist ein Schutz- bnchSangehöriger cinzustelleu. Ms abgerüstete EchuhkorpSangehörige sind Personen anzusehen, die mindestens einen Monat«Ker vom 12. bis 18. Feber d. I. beim Schutzkorps Dienst machten. Die näheren Bestimmungen erläßt der Sozialminister. Die Nichteinhaltung dieser Verordnung wird mit Geldstrafen bis 1000 Schilling bestraft werden. Tschechischer Verband in Oesterreich aufgelöst Wien, 20. Mak. Das Vundeskmizleramt hat acht weitere sozialdemokratische Vereine aufgelöst, darunter auch den Verband der tschechischen sozialdemokratischen Gewerbetreibenden und Kaufleute Oesterreichs. Hungertyphus Im Konzentrationslager Wien(Jnprrß): In dem österreichischen Konzentrationslager Kaisersteinbruch bei Bruck an der Leitha ist Hungertyphus ausgebrochen. 600 Jahre Kerker Wien tJnpreß): Eine vorläusige Bilanz der Arbeit österreichischer Standgerichte ergibt folgen- des Bild: Auf Grund von Urteilen der Standgerichte wurde über sechs Personen lebenslängliche Kerkerstrafe verhängt, sechs Personen erhielten je 20 Jahre, zehn je 15 Jahre, sechs je 12 Jahre, vier je 10 Jahre und sieben je 5 bis 8 Jahre Kerker. Insgesamt sind Urteile über 600 Jahre Kerker gefällt worden. Fascistisches Urteil Rom, 20. März. Dienstag nachts gegen 10 Uhr wurde vor dem Sondergericht zum Schutze des Staates in Ronr das Urteil gegen die Bombenattentäter von der Peterskirche'gefällt. Die Angeklagten Vucciglioni, Renato und Claudio Cianca.surden wegen terroristischer Tätigkeit gegen den Staat verurteilt, und zwar die beiden ersteren zu je 80 Jahren, der 18jäbrige Claudio Cianea unter Zuerkennung mildernder Umstände -i» 17 Jahren. Paris, 20. März. Unter dem Eindruck der Rede Mussolinis weichen dir Kommentare der französischen Presse zu den röniischen Protokollen wesentlich von der früheren Stellungnahme zur römischen Konferenz ab. ES wurde, wie HnveS offiziell berichtet, noch nicht der Eindruck der Rede Mussolinis und die Unsicherheit zerstreut, was eigmtlich Mussolini im Wesen beabsichtige. So wartet die Pariser Presse vorläufig ab, welchen Standpunkt die Kleine Entente zu den römischen Protokollen und insbesondere zu der Kundgebung Mussolinis einnrhmen wird.„L'Onvre" macht aus die am Mittwoch erfolgende wichtige Kundgebung deS Ministers Dr. Bcneö aufmerksam. Taö Blatt besaht sich auch mit der Bedeutung des römischen WirtschaftSprogrammeS und schreibt hiezu: Heute hat es den Anschein, da ft Mussolini für die Durchführung des Programmes eine brträcht» Fünf Wochen hat es gedauert, bis die Regierung Dollfuß einer Gruppe von Anglo-ame- rikauischen Journalisten Zutritt zu einem Bruchteil der gefangenen Sozialdemokraten gewährte. Freilich n u c i n W i c n, wo die Kontrolle der Weltöffentlichkeit schon bisher ein gewisses Gegengewicht gegen die Brutalitäten der Sieger war. Kei- ncöwcgs läßt man ausländische Journalisten zu den Gefangenen inBruck, Steyr oder Linz zu, wo sich in provinzieller Abgeschiedenheit der HeimwehrsadismuS gegen Wehrlose am heinmungSlosesten auStobt. Aber selbst der Wiener Besuch, der vorwiegend bekannten Führern galt, Männern von internationalem Rang lvie Seitz, Renner, Breitner. Tandler, die man bei bestem Willen nicht ohne Gerichtsurteil verschwinden lassen konnte, wie so manchen Schutzbündler, diese erste leichte Berührung der Gefangenen mit der Außentvelt hat eine erschütternde Tatsache zu Tage gefördert, die ein grelles Schlaglicht auf die.Humanität" des Doll- fußregimes wirft. Im Wiener LandrSgerichte sitzen politisch« NntrrsuchmigShäftliugr, die in vier Wochen nur zweimal an dir Luft kamen, während der tägliche Spaziergang in allen modernen Strafanstalten nicht rilnmal Raubmördern verweigert wird. Dabei sind die Zellen furchtbar überfüllt. In dem Wiener Polizeigefängnis Rossauer- lände stecken bis zu 24 Schutzbündler in Zellen, die für drei bis vier Insassen berechnet sind. In der Rossaumlände müssen 24 Zitzkmer- insassen in einem einzigen Kübel ihre Rot- dmft verrichten. Und diesen Leuten verweigert man bis zu vierzehn Tagen einen Schritt in den Gefängniöhof, auch toenn sie bereits in der ordentlichen Untersuchungshaft des Wiener Landgerichtes sich befinden. Kann hinter einer solchen Schurkerei eine andere Absicht stecken als diese, die angcklagten Schutzbündler und Parteifunktionäre bis zu dem Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung körperlich und seelisch zu zerbrechen? 2143 politische Häftlinge, darunter 29 Frauen ertragen allein in Wim dieses Los, 1200 sind es in Linz. Will Dollfuß die Methoden eines G 0 e- ring übertreffen? Er möge nicht vergessen, haß Goering trotzdem seinen Dimitrow gefunden und sich an ihm die Zähne auSgcbissen hat. Für die Schurkerei der christlichen Kerkermei» liche Geldsumme aufwenden müsse, um eine „W u n d e r"- K a s s e für die Erhöhung der Produktionspreise und der Preise der landwirt- schafttichen Erzeugnisse Oesterrrichü und Ungarns auf daS Weltniveau zu bilden. Diese K 0 m v r n- sationSkasse soll nunmehr eine erstrangige Ausgabe in der wirtschaftlichen Wiederausrichtung Mitteleuropas spirkm. Es ist sehr wahrscheinlich, das? vor der Rede Mussolinis überall der gute Wille vorhanden war, und das? jede europäische Ration sich bereit fand, sich Im Verhältnis zu ihren Möglichkeiten an dieser Konipen- sationskaffe zu beteiligen. Prag würde sicherlich an erstrr Stelle für sie brigetragen haben. Heute scheint dirS jedoch mehrals z weiselbas t zu seiu und die italienischen Versuche nach Festigung deS Bandes mit diesen zwei Staaten, werden in Prag und auch anderswo blos? vom abwartenden Standpunkte aus ausgenom- mrn werden. stcr bringen wir zum Abschluß noch einige konkrete Beispiele. Der alte deutschböhmischc Arbeiterführer Rieger und Karl L e u t h n e r, beide ehemalige Nationalräte, beide hochbctagt(Rieger ist 71 Jahre alt), beide an den Kampshandlungen unbeteiligt und nur wegen ihrer Gesinnung eingekcrkert, sitzen noch immer im Polizcigcfäng« ins in der Wiener Hahngassc. Beiden wird bis heute jede Erleichterung oder Begünstigung, die kriminellen ltntcrsuchungSgefangcnen Ansicht, verweigert. Christliche Nächstenliebe! Der bekmmte Arbeitersekrctär T ü s ch-tkapfm» berg, ein Führer der Freidenker und darum be- sondcro verhaf?t, ist nach seiner Gefangennahme gefesselt, d. h. wie rin Bündel zusammenge- schniirt worden und so lag er in einem Winkel zwei Tage und zwei Rächte ohne Mhrung. Christliche Milde oder Inquisition? Iran Wallisch wurde nach il?rer Verhaftung gleich ihrem unglücklichen Manne so grausam gefesselt, daß die blutunterlaufenen Striemen noch drei Tage später sichtbar tvaren. Eine fünfundsechzigjährige Frau aus P c r n e g g bei Bruck hatte einige Schutzbündler versteckt. Sic wurde von HeinUvchr« Horden bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen, auf den Misthaufen getvorfen und dort liegen gelassen. Nur daß sie in frostkalter Nacht durch einen Zufall gesunden wurde, hat diesen christlichen Lynchmord an einer Greisin verhindert. Charitas in Reinkulturi Und letztens: eine Genossin, deren Name uns bekannt ist, tvurde beschuldigt den Brücker Schntz- bündlern Munition nachgctragen zu haben. Mit ihrem kleinen Söhnchen schleifte man sie zur Mauer des Schloßbergcs, ließ sie 4 Stunden lang mit erhobenen Händen im Schnee stehen und drohte mit standrechtlicher Erschießung. Das Bublein fragte: «Mutti, wann werden wie erschossen? Jetzt oder später?" Wir unterbreiten diese Tatsachen der internationalen Untersuchungskommission über die österreichischen Vorfälle. Und wir fragen zum Schluß: Herr Kardinal-Erzbischof Innitzer, wie lange kann Ihr christliches Gewissen noch zn solchen Schandtaten einer Regieriing schweigen, der Sie im Namen der österreichischrii Bischöfe das Vertrauen ausgesprochen haben? Politische und militärische Strategie Von EMIL FRANZEL In seiner Erwiderung auf meine Broschüre „Der Bürgerkrieg in Oesterreich"(17. März) wendet sich Genosse Otto Bauer gegen die von mir vorgctragcnc Auffassung, daß die D c- fensividcologie die Ursache der Niederlage der Schutzbündler sei, und er kommt zu dem Schluß, daß bei mir eine „Verwechslung der politischen Strategie mit der militärischen Taktik" vorlicge. Sind diese beiden Kategorien wirklich so wcscnsvcrschicdeu, daß man sie verwechseln könnte und sic vcrnüusiigeriveise auSeinanderhaltcu müsste? Zunächst eine Begrisss- Ilänmg: StrategieundTaktik sind verschiedene Begrissc und sie müssen scharf voneinander geschieden werden. Die Taktik wird i>urck> die technischen— und in der Politik durch die sozialölonomischen— Bedingungen dcö Kampfes dauernd verändert, dieSlratcgic unterliegt zu allen Zeiten den gleichen Gesetzen. Taktisch besteht ein ganz anderes Problem, toenn Menschen primitiver Zivilisation miteinander kämpfen oder wenn Ri>- tcrhcere oder wenn Soldaten mit Fcuerwassen gegeneinander geführt werden. Die Taktik de» politischen KanrpseS ist anders, wem« cü sich um eine Gesellschaft von Griindherren und Bauern, von Bürgern und Feudaladel, von Industriellen und Arbeitern handelt. Sic wird selbst in jeder dieser Gesellschaftsformen je nach der augenblicklichen Verteilung der Kräfte und dec Kampfmittel eine wesentlich andere sein. Die Strategie ändert sich nicht. Zwei Horden, die einander mit vrimi- tivsten Waffen bekämpfen, stehen vor dem gleichen strategischen Problem wie zwei moderne Mas- fenhccrc. Die Strategie der Sklaven im Kampic gegen die antike Gesellschaft oder die Strategie dec industriellen Arbeiter im Klasscnkanips mit den Kapitalisten stehen vor den gleichen Ausgabe». Denn Strategie, das ist ganz einfach die Kunst zu siegen und ihr« Ausgaben waren zu allen Zeiten einfach, aber ebendarum auch weit schwieriger als je ein taktisches Problem. Den Punkt zu finden, an dem die Lnlsäiei- dung fällt, den Augenblick zu wählen, in dem der Sieg greisbar nahe liegt, im entscheidenden Augenblick an dec entscheidenden Stelle so stark als möglich zu sein, dem Gegner das Gesetz des Handelns zu diktieren und ihm— am wirtsam- sten selbstverständlich in der„Vernichtuugssckilachl" im Stoß gegen seine rückwärtigen Verbindungen, in der Umfassung der beiden Flügeln— den eigenen Willen aufzuzwingcn, ihn zur Kapitulation zu nötigen, das ist Strategie. Gelten diese Regeln der militärischen Strategie nicht gleichermaßen sm die Politik? Ich glaube, daß es zu den Verhängnissen des internationalen Sozialismus gehört, von der bei Engels noch als selbstverständlich erkannten Einheit der politischen und militärischen Strategie nichts mehr gewußt zu haben. Der So- ziaismus hat seit 19.8, besser gesagt, seit den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts nicht mehr strategisch, sondern nur noch taktisch gedacht. Taktisch ist er wiederholt auch offensiv gewesen. Taktische Osscnsivc finden wir in den Parlamenten, auf der Straße und noch im Wiener Bürgcrlricg. Aber die Strategie deö Sozialismus war rein defensiv, weil sie eben gar keine Straiegic wein war. Die Taktik hätte— wie so ost auch in der engeren Kriegsgeschichte— die Strategie erschlagen. e Ich gehe in meiner Broschüre, was Otto Bauer in seiner Polemik übersieht, von der lln- vercinbarlcit der dcniokralisch-parlamentarischcii Republik in Oesterreich mit den sozialökonomischen Bedingungen der DcpressionSpcriode aus. Die demokratisch-parlamentarische Republik des allgemeinen und gleichen Wahlrechts, der Koalilions- srcihcit, des StrcikrcchtS dec Arbeiter, setzt als Basis des politischen Kompromisses zwischen Arbeitern und Kapitalisten einen gewissen Wohlstand der Gesellschaft voraus, der cs den Besitzenden ermöglicht, sozialpolitische Zugeständnisse zu machen, ohne ihre Rente ernstlich zu gefährden. In der Periode der Depression gibt eS nur eins von beiden: entweder die Profite der Besitzklasse oderdie sozialpolitischen Er« r u n g e n s ch a f t e n dec Arbeiter. Damit wird die demokratische Republik in der Form von 1020 unhaltbar. Sie gibt beiden Klassen-um Leben zu Herr Innitzer, Sie haben das Wort! Das Martyrium der politischen Gefangenen So sieht das„christliche“ Dollfußregime aus Und Kardinal Innitzer predigt Liebe und Barmherzigkeit... ®erft 2 Mittwoch, 21. März 1934 1fr. W toenifl, zum Sterben noch zuviel. Eine Klaffe muff weichen. Entweder die Arbeiter und Bauern errichten die demotraiische Diktatur und beschreiten den Weg der Enteignung der Kapitalisten oder aber die Kapitalisten entrechten die arbeitenden Klaffen. In psychologisch durchaus verständlicher Weise verwechseln die Massen in dieser Situation die wirtschaftlichen liebel der Zeit mit der politischen Form der demokratischen Republik. Die Bourgoisie zeigt den Massen jenseits der demokratischen Republik ein nebulöses Gebilde: das Dritte Reich, den Ständestaat, die faseistische Diktatur. Die Massen der verschuldeten Bauern, der deklassierten Kleinbürger, ein groffer Teil der Arbeitslosen lassen sich für diese Parole in den Kampf führen. Das Proletariat bleibt defensiv. Es verte i d i fl t die demokratisch: Republik, oblvohl ihr das Fundament fehlt, es verteidigt die demokratische Republik, obwohl sie nicht mehr da ist. Im Sommer des vorigen Jahres hat sich Genosse Bauer im„Kampf" gegen die Kritiker gewandt, die in der bloffen Wiedereroberung der Demokratie kein würdiges Kampfziel sahen. Man habe eine Stellung verloren, man muffe sie wiedererobern. Das Ivar taktisch eine offensive Aufgabe, es war strategisch trotzdem defensiv, lind es war eine Illusion. Die Stellung, die man da zurückerobern wollte, die„Bergkette", wie Otto Bauer es damals vergleichsweise nannte, war inzwischen in die Luft geflogen. Die österreichische Bourgeoisie lonnte untergehen oder siegen. Sie konnte kein Kompromiff mit den Arbeitern schließen. Sie begriff es und zwang ihrer Regierung diese Auffassung mit mehr minder sanftem Druck auf. Die Arbeiter konnten untergehen oder siegen und die demokratische Diktatur aufrichten. ES gab keine dritte Möglichkeit. Tie Arbeiterschaft aber kämpfte für die demokratische Republik, die nicht mehr existierte. Sie verteidigte die Demokratie, als die Bandensührer des FaseiSmuS Polizei und Heer in der Hand hatten. Sie geriet, als sie mit den Waffen in der Hand die Republik verteidigte, in die schiefe Stellung einer putschistischen Truppe, sie wurde im Namen und mit den Machtmitteln des demokratischen Staates, der eben nur noch in der Illusion der Arbeiter existierte, niedergeworfen. Diese Desensivideologie. die den Verzicht aus den Sieg in sich trug, die bei allen taktischen Vorstützen strategisch defensiv lmit„negativem Ziel") blieb und die Gesetze der politischen Strategie mitzachteie, fand auch ihren militärischen Niederschlag. Der Schutzbund sei offensiv geworden, wendet Genoffe Otto Bauer ein, aber seine Angriffe seien zusammengebrochen. Aber bestehen bleibt, datz die rein defensive Rolle, die man der Gewalt eingeräumt hatte, dem Gegner die Initiative gab. die eigenen Siegeschancen dauernd verminderte, den Schutzbund isolierte und in eine Situation brächte, in der die taktische Offensive allein den Sieg nicht mehr bringen konnte. Ich habe ausdrücklich festgestellt, daff die Behauptung, es habe den Schutzbündlern an Offensivgeist gefehlt, nicht im geringsten ihren Heroismus in Zweifel zieht. Ich habe mit aller Deutlichkeit die ideologische Kategorie des DefensivgeisteS von der moralischen eines TodeSmuteS ohnegleichen gesondert. Ich toürde eS für eine unauslöschliche Schande halten, wollte irgendein nicht kombattanter Sozialist auch nur die Frage aufwerfen, ob die kombattanten Genossen tapfer oder nicht tapfer gewesen wären. Nicht darum geht es. Der sich in seiner Stellung bis zum letzten Hauch und zum letzten Blutstropfen verteidigte, ist wahrscheinlich nicht nur in diesem Falle, sondern fast immer der gröffere Held lwenn man den so dehnbaren Begriff„Held" in diese Debatte ziehen will). Es geht darum, ob das Opfer militärisch einen Sinn hat. An meiner These, datz in der Nacht ein Offensivstoff aussichtsreich gewesen wäre, muff ich festhalten. Daff er bet Tage sinnlos gewesen wäre(den Handstreich ausgenommen) habe ich nie bezweifelt Daff er nachts nicht erfolgte, lag doch wesentlich an dem Mangel an motorisierten Jahrzeugen, an dem Ausbleiben gröberer Sabotage-Akte. Und zeugen die nicht wieder für die Defenfiv-Jdeolo« gie? Schönburg- Hartenstein hat erklärt, die Regierung hätte den Kampf verloren, wenn der Schutzbund zur Offensive übergegangen wäre. Die Regierung hat heute ein Interesse daran, die Gefahr zu übertreiben. Abex die These, ter Sckmtzbund habe von allem Anfang ohne AuSsickit auf Sieg gekämpft, würde doch bedeuten, datz wir uns des Verbrechens anklagen, ihn in solch hoffnungslose Situation hineinmanövriert zu haben. Sie würde erst recht den 18. Juli 19 2 7, den ich erwähnt habe und den Otto Bmier schweigend übergeht, in die Diskussion ziehen. Damals hatte» wir den Aufstand der Massen»nd damals war es doch ganz eindeutig beweisbar die Defensivideologie der Bewegung, die— ob mit taktisch richtigen oder falsche» Argumenten, ist eine andere Frage— den Kampf vertagte. DaS tut man nicht ungestraft. Die Kriegsgeschichte bietet hundert Beispiele für die auS Mangel an Strategie, aus taktischer lleberklugheit entstandenen Katastrophen. Und ich behaupte, daff die Gesetze deS Krieges auch die Gesetze der Politik, daff Politik und Krieg, wie Clausewitz schon definierte, eine Einheit sind und daff die Gefahr nicht darin liegt, militärische und politische Gesichtspunkte, sondern taktische Erwägungen und strategische Entschlüsse zu verwechseln. Ein Beispiel nur, da? so sehr an die Situation der österreichischen Sozialdemokratie erinnert: Am 28. Juni 1866 steht der öfter. Ober«, kommandierende, Fzm. Benedek, bei Skalib mit überlegener Heeresmacht dem preußischen Korps Die Sanierung der Selbstverwaltungsfinanzen Im„Seife Slovo" teilt der Landesfinanz- referent von Böhmen, Dr. K u b i st a, einiges über die Absichten der Regierung, die Selbstver- waltungSfinanzen zu sanieren, mit. Die Höchstgrenze der Umlagen wird ohne jede Einschränlung bei Gemeinden 300, bei Bezirken 150 Prozent betragen. Diese Grenze kann auf 350 Prozent erweitert werden, wenn eS sich um die Bezahlung von Schulden handelt. Man denkt auch an die Bestimniung, daß die Gemeinde oder die Aufsichtsbehörde besondere Zuschläge erheben kann, wenn eü sich hiebei um die Erhöhung deü Gemeindevermögens handelt. Bei Genieinden und Bezirken, welche ihre Voranschläge nicht selbst in Ordnung bringen, werden die Voranschläge durch den LandeSauöschutz ins Gleichgewicht gebracht. Den Bezirken soll durch eine Entschul- dungöaktion geholfen werden. Die neunzig Millionen XL, welche durch das Gesetz über den StraßenfondS für die nichtstaatlichen Straffen bestimmt sind, sollen für die Bezirke Verwendung finden, und zwar nicht nur fiir die Rekonstruktion der Straffen, sondern auch für deren Erhaltung. Außerdem sollen die Bezirke Beträge aus den Gesundheftszuschlägen sowie aus der Steuer auf Kunstfett erhalten. Zur Entschuldung der Bezirke wäre ein Betrag von hundert Millionen XL erforderlich. Steinmetz gegenüber. Er könnte eS über den Haufen und in die Paffe gurückwerfen, die Armee des preußischen Kronprinzen in der Flanke aufrollen. Aber Benedek hat eine andere Vorstellung vor. der Entscheidung. Er klebt an der Vorstellung einer Schlacht an der Jser. Er will sich sein Programm nicht stören lassen(wenn er nicht, wie einzelne Historiker behauptet haben, überhaupt ohne Programm, ohne strategischen Plan, ohne Offensivwillen gewesen ist). Er befiehlt den Abmarsch hinter die Elbe. Fünf Tage später bleibt ihm nur der Ausweg zwischen dem Rückzug auf Olmütz oder der Defensivschlacht bei Königgräh. Er Ivagt und verliert die Schlacht. Am 15. Juli 1927 steht das Volk von Wien auf. Eine militante Aventgarde hielte— mit größter Wahrscheinlichkeit— den Sieg in der Hand. Aber die strategische Vorstellung des Austromarxismus ist rein defensiv. Er glaubt an die Entscheidungsschlacht mit dem Stimmzettel oder an den Abwehrkampf zur Verteidigung der Republik nach einem bewaffneten Putsch des Faseis- muS. Er vertagt den Kampf. An: 12. Feber 1984 zwingt ihm die Regierung den Kampf auf, wenn er nickt kapitulieren will. Das Ende ist bekannt. Genoffe Bauer fürchtet, daff eine zu frühe Besprechung der österreichischen Ereignisse zu falschen Schlüffen führen könnte. Ich bin nicht der einzige Sozialist, der versucht hat, die Lehren der österreichischen Kämpfe zu formulieren. Ich bin mit Genossen Bauer einer Meinung, datz die taktischen Lehren wenig ergiebig sind, daff die Ursachen der Niederlage des internationalen Proletariats tiefer liegen müssen. Die Defensivideologie erscheint mir als e i n e dieser Ursachen, und darüber hinaus das Mißverständnis, daff die Politik anderen Gesehen unterliege als der Krieg. Unter diese meine Ueberzeu- gung hat Wien nur das Siegel gesetzt. Sie bestand seit langem. Sie scheint mir begründet in 30 Jahren Geschichte des Sozialismus. MShrisch*schlesi8che Landesvertretung Die Mandate den Deutschnationalm aberkannt. Die mährisch-schlesische Landesvertretung trat gestern zu ihrer FrühjahrStagung zusammen, um eine Reihe ansender Angelegenheiten, darunter eine Anleihe von drei Millionen XL bei der Zen- tralsozialverficheningsanstalt in Prag, den Arbeitsplan des wafferlvirtschaftlichen Fonds und ander Fonds zu genehmigen und die Berichte des Landespräsidenten zur Kenntnis zu nehmen. Den Vorsitz führte wiederum Landespräsident Cerny, der bei Sitzungsbeginn von Beifall begrüßt wurde. In seiner Eröffnungsrede teilte der Präsident». a. mit, daff den beiden deutschnationälen Mitgliedern der Landesvertretung, Prof. Reinfutz und Meyer, die Mandate aberkannt wurden und datz die Mandatsnachfolger in der nächsten Zeit ernannt werden sollen. In der Debatte über die einzelnen Vorlagen kam Genoffe Morgen» st e r n zu Worte, dessen Rede wir nachtragen werden. Nachdem eine Anzahl von Landesvertretern zu den einzelnen Vorlagen Stellung genommen hatte. Imirde die Sitzung geschloffen und auf morgen 10 Uhr vormittags vertagt. Die Abstimmung erfolgt morgen, so daff die Tagung im Laufe des morgigen Tages beendet sein wird. ss n. m. de Jong: VersMmgene Jfade tin Xomon in nur tpiaodca Autorisierte Uebereetiunr aue dem Holländischen von E. R. Fuchs. Und die Gefressenen müssen sich eifrig fortpflanzen, denn die Fresser find unersättlich... Dock) die Gefressenen, o König, Vater deiner Untertanen, die Gefressenen... die sind das, was man das Volk zu nennen Pflegt... Ich sagte, daff du gegen das Volk wütetest... Du. leugnest das. Aber was hast du gegen die Wölfe unternommen, die sich am Fleisch deS Volkes sattfressen? Was hast du getan, um das Volk zu stärken zur Verteidigung gegen die Wölfe? ... Weißt du, datz Kinder, Knaben und Mädchen von sieben und acht Jahren in deinen blühenden Industrien zwölf und mehr Stunden arbeiten und datz sie hinsterben wie die Fliegen?... Weißt du, wie die Tuberkulose bei den Webern zu Hause ist, wie Hände, Gesicht und Körper der Arbeiter in den Bleiweihfabriken zerfressen werden. wie in den chemischen Industrien Menschen erblinden, Blut harnen und mit eitrigen Gescywü» ren bedeckt bei ihrer Arbeit umfallen? Wie Zahllose mit verstümmelten Händen, Armen und Beinen herumlaufeu, weil fiir die einfachsten Sicherheitsmaßregeln kein Geld vergeudet wird? Wie- viele Menschenleben um eurer teuren Industrie willen jährlich vernichtet werden? Wieviel Tote unnötiger Weise die Bergwerle fordern?... Haben deine weisen Räte dir wohl schon solche Listen vorgelegt?... Kennst du die bittere Not in den Arbeiterfamilien, den Hunger, den verbissenen Schmerz, die Verwahrlosung in den stinkigen Hütten der Gäßchen und Höfe, in denen die Sklaven eurer blühenden Industrie zusammen- gepfercht sind? Hast du eine blasse Ahnung von der Angst, die Mütter vor dem rauhen Winter beschleicht, wenn kein Geld zum Heizen da ist und keine Decken für die Lumpenbetten, für wärmere Kleidung und Schuhwerk? Weitzt du nur etwas davon?... Und dieser große Teil deines Volkes darf nicht einmal streiken, sich nicht einmal organisieren, um die Niethoden zu beraten, durch die sie ihr bestialisch elendes Los verbessern könnten! Sie müssen arbeiten, bis ihre Gelenke knacken, denn die Industrie muß gefördert werden und aufblühen... sie dürfen nicht niurren, müssen schweigsam leiden und viele Kinder grotzziehen, damit eS genügend tvohlfeile Arbeitskräfte gibt... und wenn sie schreien vor Schmerz und einmal fluchen vor Wut über ihr menschenunwürdiges Dasein, dann werden sie des Aufruhrs schuldig und das Gefängnis öffnet sich für sie. Sie haben kein Recht zum Streik. Doch welche Rechte haben sie denn eigentlich? Welches Recht hat dein Volk? Daö Recht» geboren zu werden, sich zu rackern um ein Stück schwarzen Brotes, viele Kinder in die Welt zu setzen und viel zu früh zu sterben, ohne überhaupt gelebt zu haben, stumpfsinnig, blöde und dumpf wie auSgeschundene Arbeitstiere. Doch du hast recht; die Industrie blüht! Sie konkurriert herrlich auf dem Weltmarkt!... Und doch: das Blühen geht auf Kosten der großen Maste des Volkes. Du wütest gegen das Volk wie gegen eine Plage, eine Seuche, eine teuftische Heimsuchung, du, deine Regienmg, dein Kabinett und die ganze korrupte Bande von Tellerleckern, die mit deinen schauderhaften kapitalistischen Parasiten unter einer Decke stecken... Und wenn das Volk sich einmal ermannt und sich das einfachste Recht der Selbstverteidigung nimmt, dann läßt du es erschießen und niedersäbeln und unter den Hufen der Husarenpferde zertrampeln... damit aber erniedrigst du dich gänzlich zum Büttel der bösen Gewalten, die daS Volk fressen, machst dich zuni Erzfeind deS Volkes, dem du ein Vater sein solltest. Und darum, weil du obenan stehst in der verfluchten Schar der VolkS- verderber. darum haben wir beschlossen, gegen dich einen Anschlag auSzuführen. Und ich bedauere, daff er mißglückt ist!" „Und wenn er geglückt wäre", unterbrach der König höhnisch,„dann wäre mein dreijähriges Söhnchen nachgefolgt und mein Bruder wäre Regent geworden... mein Bruder, der mich Tag und Nacht tadelt, datz ich zu milde bin, zu schlapp auftrete und daS revolutionäre Gesindel nicht hart genug anpacke!... DaS wäre dann für euch viel besser gewesen!" „Vielleicht wäre eS so gekommen", antwortete Peter nachdenklich.„Aber wahrscheinlicher ist, daß eine gelvaktige Verwirrung entstanden wäre, die dem Volk Mut eingeflötzt hätte, seine eigene Sache in die Hände seiner Führer zu legen. Vielleicht wäre' eS uns geglückt, die revolutionäre Welle, die nur träge durch dein Volk fließt, zu einer Sturmflut aufzupeitschen... eure ganze Mächt und euer ganzes mörderisches System hinwegzufegen und eine proletarische Republik zu gründen." Der König hatte seine einförmige Wanderung, ein paar Schritte auf und ab, wieder ausgenommen. Sein verdüstertes Gesicht hellte sich beim Nachdenken auf und schließlich blieb er vor Peter stehen, blickte ihm freundlich lächelnd ins Antlitz, legte vertraulich die Hand auf seine Schulter und sagte: „Du bist doch noch immer dec ungestüme Träumer von früher, Peter! Und hältst noch immer Träume für Wirklichkeit. Damals woMest du in ferne Lande, wo in ungetrübter Schönheit ein glückliches Leben deiner wartete. Nun träumst du von einer Zukunft, in der hie Erde zum Paradiese werden soll, wo der Löwe neben dem Lamm schlafen wird und der Tiger sich von Gras und Wurzeln und Früchten nährt. Aber du vergißt, daff sich der Mensch dieses Paradies für immer um seiner Deutsche Christlichsoziale gegen die Straßenwfirter Die blhmische Land,.Äretung begann gestern ihre XXII. Session. Gleich beim ersten Punkt der Tagesordnung, welcher einen Bericht des Landesausschusses über die LandeSstraßen- aktton betrifft, kam eS zu einer Kampfabfttmnnmg zwischen den sozialisttschen und bürgerlichen Parteien, alö über einen Antrag auf Gleichstellung der Bezirköstraßenwärter entschieden werden sollte. Die Landesvertretung sprach fick) mit 42 gegen 39 Stimmen für die Gleichstellung auS. Dabei ist eS bezeichnend» dass mit den sozialistischen Parteien zwar einige Tschechisch» klerUale stimmten» die deutschen Christlichsozia- len jedoch geschlossen mit den anderen bürgerlichen Parteien gegen die Strahenwärier vorgingen! In der Debatte protestierte Genosse Mach a L e k dagegen» daß im Innenministerium eine Vorlage über die Sanierung der Bezirksfinanzen vorbereitet, an die Sanierung der Gemeindefinanzen jedoch nicht gedacht werde. Der Antrag für eine Resolution des Sinnes, daß die Sanierung der Gemeindefinanzen gleichzeitig mit jenen Finanzen der Bezirke vorgenomme» werden soll, wurde angenommen. Karlsbad fordert modernen Bahnhof Die Weltkurstadt Karlsbad besitzt bekanntlich einen Bahnhof, der weder schön noch bequem ist und von jedermann als vorsintflutlich bezeichnet wird. Ein moderner Bahnhof würde daher nicht nur dem Ansehemder Kurstadt, sondern auch dem Verkehr dienen und sicher auch in propagandistischer Beziehung von wesentlicher Bedeutung sein. Deshalb fordern seit Jahren die maßgebenden Faktoren einen der Zeit entsprechenden Bahnhofs» bau. Unsere Vertreter in Karlsbad-Fischern haben sich jetzt neuerdingö an die zuständigen Staatsbehörden gewandt, um die Verwirflichung des Projektes der Verlegung des sogenannten unteren „Hauptbahnhofs", durch den Ausbau einer 6 Kilonieter langen Verbindungssirecke mit dem oberen Bahnhof und die Konzentration des gesamten Verkehrs auf diesen Bahnhof zu erreichen. ES würde also der untere Bahnhof samt dem Heizhaus verschwinden und an Stelle deS Bahnhofes in Fischern ein moderner zentraler Bahnhof entstehen. Die Kosten dieser Anlage werden auf 80 bis 100 Millionen XL geschätzt, doch würde man allein durch die Auflassung deS unteren Bahnhofes mindestens 30 Millionen fiir die dort gewonnenen Grund- ftticke erzielen. Außerdem große Ersparnisse der Regie, so daß der tatsächliche Aufwand der Staatsbahn gering tväre. Im Interesse der Arbeitslosen des Karlsbader Bezirkes— gegenwärtig mehr als 12.000—, von denen man beim Bahn» hofSumbau mehrere Hundert durch zwei bis drei Jahre beschäftigen könnte, wäre zu wünschen, daß dem neuerlichen Verlangen nach Erbauung einer zeitgemäßen BahnhofSanlage in Karlsbad endlich, entsprochen werden möge. Sünden wiflen verwirk! hat. lind Ivenn du dich bemüht hast, den Menschen Führer zu sein, Peter, dann sollst du auch wissen, daff dein Traum, an den du so hartnäckig glaubst, nicht mehr als ein Hirngespinst ist. Die Welt ist ein flein wenig eü» Schweinestall... gut... aber wer anders als die Menschen haben sie dazu gemacht? Eine geringe Anzahl Bevorrechteter lebt obenan und unter ihnen plagt und rackert sich eine namenlose Menge von Arbeitern... eS ist so... und ich selbst bin vielleicht bereit, zuzugeben, datz diese Masse eS ohne Beschwer ein wenig besser haben könnte. Doch hernach? Würde sie denn zuftiedener sein? Ach geh, Peter, du weißt wohl selbst, daß sie daS nicht sein würde! Du und deine Kameraden, ihr wollt das Volk heranbilden... ich muß über dich lachen! Viel Wissen macht Kopfweh, hat der Prediger gesagt. Laß sie doch! Sie waren zufrieden und glücklich, ehe ihr mit eurer törichten Aktion begännet. Ihre'Dummheit war die einzige Möglichkeit, daS Leben erträglich zu finden." „Die einzige Möglichkeit für euch, im ungestörten Besitz der Macht zu bleiben!" „WaS tut das zur Sache? Sie wußten es nicht besser, als daff sich alles so gehörte, wie es war. Und so gehörte es sich auch! Alles andere ist Torheit, Spiel mit großen Worten, Taschenspielerei mit Trugbildern. Die Welt ist nicht g«ß genug, um allen ein bequemes, sorgenfteieS Leben zu gewährleisten. Die Geschichte hat sich langsam entwickelt. ES hat jederzeit Große und Kleine gegeben und solange jeder auf seinem Platze ausharrte, war alles gut." „Du mufft sagen: Gott hat eS so gewollt!"' „Und wer anders soll eS so gewollt haben, wenn nicht Gott?" Peter blickte ihn an. Sein Gesicht färbte sich purpurrot und die Adern an seinem Halse schwollen zu Sellen. Doch er bezwang sich, zuölle die Achseln und antwortete gelassen: (Fortsetzung folgt.)j M. W Mftwsch, 31. Mii« 1V34 Existenzforderunsen der Kleinbauern und Häusler Die Entschließung von Kosolup Der Verbandstag und die Landvolkskund- göünng der deutschen-Kleinbauern und Häusler erinnern die maßgebende» Faktoren der tschccho- flotvakischen Agrarpolitik, das Landwirtschafts« Ministerium, die Landeskulturräte und die politischen Agrarparteien an ihre Pflicht, die von der Krise am schwersten betroffenen Schichten des Landvolkes, Kleinlandwirtc, Häusler und Gc- birgSbaucrn, in ihrem verzweifelten Existenzringen zu unterstützen. Dazu gehört in erster Reihe eine grundsätzliche Wendung derganzen Wirtschaftspolitik in der Richtung der K o n s u m b e l e b u n g, der Arbeitsbeschaffung unter weitmöglich- stcr Wiedereingliederung unserer Volkswirtschaft in die Weltwirtschaft. Dazu gehört ferner die planwirtschaftlichc Durchorganisierung der wichtigsten Wirtschaftszweige im Jnlandc, Planung, Führung und Kontrolle durch eine starke Wirtschaftsdemokratie der Arbeiter und Bauer n. So lange sich die Massen des Landvolkes nicht entscheiden, diesen Weg der freien Zusanimeiiarbcit aller arbeitenden Schichten zu gehen, besteht keine Hoffnung auf Linderung der Agrarkrise. Der Verbandstag und die Landvolkskund- gcbung rufen nach agrar politisch er Initiative und erheben daz» folgende Forderungen: 1. Schaffung einer auf Pflichtmitgliedschaft aller landwirtschaftlichen Berufstätigen aufgebauten demokratische» öffentlich-rechtlichen Interessenvertretung der Landwirtschaft alv Instrument ihrer Selbswenvaltung und Selbsthilfe und alb DurchführungSorgan einer planwirtschastlichrn Agrarpolitik. 2. Beschleunigte Inangriffnahme beS land» wirtschaftliche«» SchnldenproblemS, StaatSH ilfc für«nverschuldet in Rot geratene Lanblvirte, Verweigerung öffentlicher Hilfe, auch einer«veiteren Verlängerung dcö ExekutioiiSschntzeS für fahrlässige Schuldner, Oeffen tlichkeit deS Entschuldungsverfahrens unter Mitwirkung der landwirtschaftlichen Berufsorganisationen und Schutz der Sparer wie der Sparkassen bei dieser Aktion. 3. Massnahmen gegen Bodenspekula ti o n bei unerlässlichen Feilbietungen, Sicherung eines Vorkaufsrechtes der Gemeinden, KreditbegLnstigung für SelbstverwaltungSkörper, welche landwirtsch"ktlichen Boden als Pacht- und Bauland oder für MedlungSzwecke erwerben wollen. 4. Hand in Hand mit der landwirtschaftlichen Schuldcnrcgelung ist eine Siedlung-- a k t i o n dnrchznfnhrcn. Ihre Aufgabe wäre e-, lebensunfähige Rcstgüter und Bauernhöfe, ferner Boden, der durch Kultivierung oder Rekultivierung gewonnen werden könnte, unter öffentlicher Kredithilfc zur Ergänzung der kleinbäuerlichen Wirtschaften sicherznstcllcn. Wo genügend Boden vorhanden ist, sind neue Heimstätten mit HauS-, bzw. Feldgärten zu errichten. 5. Gesetzliche Begünstigung derNealtei- l u n g bei bäuerlichen Berlasienschafte» zur Eindämmung der Landflucht und zur besseren Exi- stenzsichcruug dcS Nachwuchses auf dem Dorfe. 0. Borüeugende Massnahmen gegen«ine weitere Verschuldung der Landwirt s ch a f t, h a u p 1 s ä ch l i ch d u r ch Einbeziehung der landwirtschaftlich Selbständigen in die staatliche Altersversorgung, Kranken» und Unfallversicherung, Einreihung auch der D i e n st b o t e n, L a nd- und For starbeiter ohne Unterschied in dir Unfallversicherung. 7. Die für landwirtschaftliche FörderungS» zwecke bestimmten öffentlichen Subventionen sollen in erster Linie den Einrichtungen der kleinbäuerlichen Selbsthilfe zugute komme». Deshalb fordern wir eine besondere Förderung der klein- bäuerliche» Maschinciigenossrnschafteii, ausreichende Subventionierung der KultivierungS- gemciuschafte», namentlich in den von der Natur stiefniütterlich bedachten Gebirgsgegenden. 8. Ausgestaltung der Pachtschutzordnung in der Richtung eines langfristigen Kündigungsschutzes, Aenderung der Gemeindeordnung in den» Sinne, dass bei der lizitativrn Vergabe von Ge- meinde-Pachtgriiirde» nur Kleinlandwirte ViS zu 8 Hektar Eigenvesitz zugelaffen werden. S. Ausbau der Gesundheitspflege auf dem flachen Lande durch Errichtung einer SanitätSstatio» in jeder Gemeinde, distriktöweise Bestellung von geschulten Säuglings- und Krankenpflegerinnen mit Hilfe der Länder und Bezirke. 10. Bekämpfung der Arbeitslosigkeit auf dem Torfe durch Wiederbelebung der pro- duktivenArbeitSlosenfürsorge, radikaleBerkürzungderArbeitS» zeit in Industrie, Handel, Gewerbe«nd Brr- kehrSwesen, sowie durch öffentlich« Kontrolle der technischen Rationalisierung. Als Drittel zur Verwirklichung dieser gerechten Forderungen empfiehlt der Bcrbandstag der kleinbäuerlichen Bevölkerung den Zusammenschluß und daS trenc Festhalten an ihrer freien Berufsorganisation und die volle Anwendung ihrer Politischen Rechte. Wir führen den Kan»Pf gegen daS Volks bedrücke ndcU»- recht, und reichen jedem die Bruderhand, der den arbeitenden Menschen in Stadt und Land daS gleiche Recht auf.Arbeit, auskömmlichen Lohn, persönliche Freiheit und Familienglück erkämpfen Willi Ehrung der Dorhdmpfer der Kleinbauernberoeyung Auf der Jubiläumstagung der Kleinbauern in Kosolup wurde den Borkämpfern der Bewegung eine verdiente Anerkennung zuteil. Im Mittelpunkt dieser Ehrung stand der Begründer der Organisation, Genosse Abgeordneter Dominik Leibi, dem für seine unermüdliche und verdienstvolle Aufbauarbeit ein Diplom überreicht wurde. Die gleiche Ehrung erfuhren die Genossen Z e n- k c r-ZebuS, T i e z e-KönigSwald, Zörkler» Petfchau, H a ü l a-Planes, S ü ß-H r a d z e n, G i n d r a, 2 o h m e r, L a n z c n d ö r f e r, K r i ni l i n g. S c i f e r t, N a t h und Jung aus Kosolup und Rubis ch-Lihm. In bescheidener Art dankte Genosse Lcibl fiir diese Aufmerk- Das angebliche Attentat Belgrad, 20. März. Der Gerichtshof setzte heute im Prozeß wegen des beabsichtigten Attentats gegen König Alexander das Verhör des Hauptangeklagten Oreb fort. Oreb erklärte, daß in V i s ch e t t a in einem gut organisierten Lager jugoslavischc Emigranten in einer Anzahl von etwa 150 Personen untergebracht waren, die dort» selbst in der Umgebung regelmäßige militärische Uebungcn abhielten, wobei sic insbesondere gründlich im Handgranatenschleudern geübt wurden. Oreb fügte hinzu, die jugoslawischen Emigranten gingen in Bischetta in den Unifornien der terroristischen Organisationen spazieren und besuchten häufig Kaffeehäuser und Gasthäuser, wo mich zahlreiche italienische Soldaten und Gendarmen weilten. Der Angeklagte betonte, daß die Führer der jugoskatvischen Emigranten Pavcltä und Perlee des öfteren das Lager in Bischetta besucht und hiebei erklärt hätten, daß ähnliche Lager sich auch in anderen italienischen Orten hefänden, vor allem Daß dec Eisenbahner, der den Helden Wal- lisch verraten hat. erschossen aufgefunden wurde, hatten wir seinerzeit als erste gemeldet; die Meldung ist inzwischen offiziell bestätigt worden. Jetzt tvird bekannt, daß auch andere Verräter das verdiente Schicksal traf: Bei Eggenburg, einem Arbeitvrort in der Nähe von Graz, um den in den Frbertagrn heftige Kämpfe geführt worden woirm, fand man die Leichen zweier Heimwehrlieuw. Bei chncn lag ein Zettel mit der Aufschrift„Rache für Stanek!" Stanek, der frühere Sekretär der Grazer Ar» beitcrkammcr. war von den Dollfuß-Schergen gefangen und hingerichtet ivorden. In Wien hatte ein Unterführer des Schutzbundes namens Körbel Verrat geübt. Er hatte sich nicht damit begnügt, der Polizei einige Waffenverstecke bckanntzugcben, sondern hatte die Schutzbündler auch durch den Rundfunk aufgefordert, die Waffen niederzulegen. In der Klaffe, in der Körbel als Lehrer tätig ist. hatten ihn die Kin« der als Schuft gebrandmarkt. Nun hat er auch Pariser bedrohen Stavisky- Hfiftlinge Paris, 20. März. Der Deputierte Garat, der Zeitungömagnat Dubarry und weitere Personen, die in Bayonne Ivegen Beteiligung an den Betrügereien Staviskys verhaftet und ins Gefängnis gebracht wurden, find heute früh unter der Aufsicht von 20 Gendarmen in Paris eingetroffen. Die Menge, lvelche die Ankunft der Häftlinge vor dem Gefängnishaus abwartete, wollte das Poli» zeiauto stürmen und die Häftlinge lynchen. Die Polizei konnte nur schwer He Ordnung Herstellen. 'amkeit des Verbandstageö und auch die Genossen Zörkler und Tiezc schloffen sich ihm in der Erklärung an, daß ihre Leistungen für den Verband ihrem proletarischen Pflichtbcwußtsein entsprangen. Sie gelobten, auch weiterhin zu tun, waö in ihren Kräften steht. Samstag fand ein Begrüßungsabend statt, der von den Kosolup-Tuschkauer Arbeiter-Dilettanten mit einer ausgezeichneten Theater-Aufführung bestritten wurde. Ihnen und der Seele der ganzen Veranstaltung, Genossen LandcSver- trcter Hala, gebührt besonderes Lob. Vie neue Verbandslelwng BerbandSvorstand: Obmann Genosse Leibi, Stellvertreter: Josef Zenkc r-ZcbuS, Georg R u p p r e ch t-Lindenhau, Josef Schweich- hart- Bodenbach. Mitglieder: Franz P c r t h c n-Bicla-Tetschen, Josef Strcnzl- Zwingau, Franz M r a s e k-Tuchorjchitz, Joses M i ch I-Barzdorf, Emil Wan k-Sedlnitz, Johann Mayer» Maierbach, Franz H u b a n a- Landei, jkarl P i I z-Bernau. Ersatz: Franz P l a ß-Saag, Joses Habla- PlancS, Josef Marko f-Gscl, T r ö s ch c l« Birkigt. AussichtSrat: Wenzel T i e z c-KönigStvald, Luis Pros ch-Weseritz, Wenzel Jank a-Hrad- zen, Georg S in u tz c r- Uschau, Leopold L a- z a r-BratclSbrunn, Josef Jäckel- Teschnih. Johann Hala- Dorf-Tuschkau. Ersatz: Ernst Ruß- Tiefcnbach, Oskar S i u tz i g-Eibenbcrg, Wenzel U n g c r-Pechbaä>. Schiedsgericht: P a tz a k- Kloster. Johan» g e b i t s ch, Heinrich P i l w a ch- Höfling, Eduard Frits ch-Pitschkowitz, Eduard L a n- g e r-OIberSdorf. Ersah: Franz Brann. Adolf Fritsch e r-Mähr.«Trübau, Peter Kaspar- Kon- stantinsbad. gegen König Alexander in den Ortschaften Bovegna, Bardi und Borgotare. Ani 8. Dezember wurde Oreb mit der Aufgabe betraut, ein Attentat gegen König Alexander zu unternehmen. Er erklärte, es seien ihm für die Durchführung deS Attentats 500.000 Lire versprochen worden. In Begleitung des Terroristen Hcrenöiü begab sich der Angeklagte aus Bifckatta nach Piacenza, worauf er die italienisch-österreichische Grenze passierte, sich nach Klagenfurt wandte und von dort aus nach Zagreb m i i einem n n ga r i s ch c n P a ß und einer falschen jugoslawischen Legitimation fuhr. Bei sich hatte er drei Handgranaten, zwei Revolver und 70 Geschosse. In Erwartung der Ankunft deS Königs Alexander in Zagreb niachte Oreb zusammen mit dem Angeklagten Begoviöe einige Spaziergänge durch die Stadt. Bcgoviä diente ihm als Begleiter und gab ihm die geeignete Stelle33 aufgedeckte internationale Spio- »ngeaiHire lebte gestern wiederum auf. Die ame» ritanischen Staatsbürger, das Ehepaar Switz, wurden einem neunstündigen Verhör unterzogen und delnunten sich dazu, eine ausgedehnte Spio- ungetätiglrit auSgrübt zu haben. Außerdem teilten sie die Namen zahlreicher Mittäter mit, welche sie in Frankreich batten. Dieselben wurden noch im Lause der heutigen ßlacht verhaftet. Die näheren Einzelheiten werden der Oef- fentlichlrit bisher nicht brkanntgegeben, da noch >v eitere Verhaftungen erwartet lvrrdm. Zwei russische Todesurteile Moskau, 20. März. Jin Prozeß gegen die Schuldigen dcö Eisenbahnunglücks, voin 4. März bei MoSkan, das den Verlust von mehreren Menschenleben zur Folge hatte, ist nunmehr das Urteil gefällt Ivorden. Der Maschinist Fedjunin und sein Gehilfe Tschikow Ivuvden zum Tode durch Erschießen, drei Angeklagte zu verschiedenen Freiheitsstrafen verurteilt. Grund deS Paragraph 83 des Strafgesetzes ferner wegen deS Verbrechens deS Raubes Grund dec Paragraphen 100, 102, 10-1 105 des Strafgesetzes, beziehungsweise einige ihnen, insbesondere Gajda, llpira, Tesak, deS Wieder zwei Bergarbeiter tödlich verunglückt Brüx, 20. März. Auf dem Minerva-Schacht Brüx hat der 30jährige verheiratete Bergarbeiter Karl Kubik aus Rosenthal durch hcrab- lürzende Kohle einen Schädclbruch und eine Verletzung der Wirbelsäule erlitten.— Auf dem Saxonia-Schacht in Triebschih brach hcrabstür« zende Kohle dem 27jährigen verheirateten Bergmann Karl RoSlifka aus Brüx die Wirbelsäule. Beide Bergleute sind im Drüxcr Krankenhaus gestorben. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» ans den Programmen» Donnerstag r Prag, Sender L.: 0.60: Deutsche Nachrichten, 11.00: Salonorchester, 12.10: Schallplatten, 17.36: Französisch für Anfänger, 18.00: Deutsche Sendung: Hörszene für jung und alt, 18.35: Landwirtschaftliche Sendung, 10.00: Deutsche Nachrichten, 20.06: Stzinphonickoiizert des Radio-Journals, 22.40: Smetana-Konzert. Sender S.: 14.30: Schallplatte», 15.10: Deutsche Sendung: Tichi: Ziele und Ausgaben unserer Gctverbe- politik. 16.46: Deutsche Nachrichten.— Brünn: 12.35: Mittagökonzcrt, 14.05: Deutscher Arbeit s m a r k t b e r i ch t, 16.60; Kinderfunk, 18.25: Deutsche Sendung: Arbritersendung: Perlsee, Modrme proletarische Lyrik, Lederer: Aus Werken"on Oökar Wilde.— Berlin: 13.00: Man- dolinenkon'.crt.—Frankfurt: 10.00: Unvollendete Thcatcrmusik von Franz Schubert.— Hamburg: 10.00: Russisches Orchestcrlonzert.—> Hrilüberg: 20.20: Lieder für Bariton.— Leipzig: 21.45; Schlagerlieder.— Leipzig: 10.00; Ilnterhaltungs- I konzert Aussehander, Zn Ji müsse trage rnng i Bon der dr n» Ein Eifersüchtiger— Havanna in Aufruhr New Uork, 20. März. Nach einer Meldung „Associated Preß" ans Havanna, verursacheinige Schüsse, die ein eifersüchtiger Ber lind Brünn leitete am Dienstag früh Dr. Ccrnh mit der Verlesung der Berufungs beschwerde des öffentlichen Anklägers ein. umfaßt 50, auf der Maschine eng geschriebene Seiten. Der Staatsanwalt erhebt gegen das Urteil die Einwendungen, daß die Angeklagten nicht wegen deS Verbrechens nach 8 1 des SchutzgeseheS d. i. wegen des Verbrechens von Anschlägen gegen die Republik, verurtestt wurden, daß sie nicht wegen deS Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit auf und auf und von Jakub u. a. nicht wegen des Verbrechens Paragraph 12 des Gesetzes zum Schutze der Republik schuldig erkannt wurden, da sic die verbrecherische Absicht KobsinekS, der eine gewaltsame Aenderung der Verfassung der Republik anstrebte, den Behörden nicht bckanntgabcn und biednrch die Täter unterstützten. Schließlich beantragt der össcntlichc Ankläger, der Oberste Gerichtshof niöge der DerufungSbeschwcrde stattgeben und daS Urteil des StaatSgcrichtShoscS, in dem die Freisprechungen betreffenden Teile solvie im Straferkennlniste aufhcben und die Angeklagten gemäß dem in der BerufungSbeschwcrde angeführten Anträgen schuldig erkennen. Falls der Gerichtshof dem Anträge des StaatSamvaltS nicht ftattgeben würde, ersucht dieser, daß die ' Strafsache einer neuen Verhandlung überwiesen 1 werde. Politik auf kurze Sicht? Ferdinand Peroutka, d- tschcchischc Publizist, b>ii am Vorgang- in den„Lidovö Verhältnis der Oesterreich vero i erregt alie MN! r e i ch Schlvi sten neu F Tagen. Klerikof Büudni kungeil Stellen durchau cs aber ei Minister in die österreichische Regierung einträten, dann häire der öftcrrcichischc Nationalsozialismus eine so starke Auftriebskraft. daß die trockene Gleichschaltung, also der Anschluß«ko facto, wenn, auch nicht«Io jure, nur noch eine Frage der Zeit, wäre. Daun würde sich Mussolini mit Hitler einigen m Uffe it— mit dem Ziele einer„ge- rechten" Aufteilung der Interessensphären, also■ der Bedrohung der Tschechoslowakei. Es ist ja auch nickt ausgeschlossen, daß der deutsche FasciSmuS, der schon andere überraschende außenpolitische Entscheidungen traf— siche die Preisgabe des Korridors!— auf jeden Fall einen Ausgleich mit Mussolini sucht und die Außenpolitik eines sascistischcn Landes ist, wie man weiß, überhaupt höchst labil. Sie kann cs sein, weil sie vom Volt nicht kontrolliert wird. So hat Mussolini, der Deutschland unterstützte, Hitler verraten und er lvird nicht zögern, auch andere Freunde zu be- tcügen. Alljunehmen. daß die jetzige europäische Mächtegruppierung etwas dauerndes sei und seine Politik daraus auszubauen— dies mag zwar für die Spalten der„Lidove Noviny" erträglich sein, nicht aber den.Interessen unseres Landes zuträglich. Dies hat ja schon die sonntägige Rede Mussolinis bewiesen, dessen Revisionsfansare in Ungarn begeisterten Widerhall gesunden I»at. In einer solchen italienischen Front mit einem solchen Partner wie Ungarn könnte sich die Tschechoslowa- lei nur wohlfühlcn, wenn sie zum S c l b st m o r d entschlossen wäre. So naiv ist doch Pcrouika nicht, daß er anninunt, man werde die Tschechoslolvakei weniger bemerken, wenn sie zu dem Revisionsgc- hcul der sascistischcn Wölse ein freundliches Gesicht macht. Und Revision bedeutet, auch von einer antideutschen italienischen Front ange- slrcbt, die moralische und direkte Unterstützung der deutschen Rcvisionopropaganda, die für die Tschechoslowakei und für ganz Europa doch noch größere Fragen aufwirst als die Nevisionöbestrebung Ungarns. Wer sich aus eine» sascistischcn Stuhl sch», hat immer das Damollcöschwcrt der Revision und des Betrugs über sich; wer sich mit dem FasciSmuS cinläßt, geht an ihm zugrunde. Die Theorie, daß man den deutschen Fascis- mus zuerst schlagen müsse, hat also Löcher— besonders dann, wenn man sich Mussolini als Partner wählt. Auch der deutsche FasciSmuS sitzt nicht sür ewig im Sattel und eS ist seltsam, daß sich in der Tschechoslowakei gerade jetzt, da sich die Zeichen des Widerstandes in Deutschland mehren, da die detltsche Wirtschaft in der hoffnungSloicsten Situation ist— kurz und gut: da die innerpvliti- schen Schwierigkeiten Hitlers beginnen, Stimmen finden, die von einer unmittelbaren Gefahr sprechen und es darum für notlvendig halten, sich mit dem Beelzebub gegen den Teufel zu verbünden. An I u g o s l a w i e n, dem die Tschecho- stolvakci nicht nur durch den Pakt der Kleinen Entente verbunden ist, wird die Ansicht Peroutkas keine reine Freude wecken, denn die Verwirklichung dieser Ansichten bedeutete die Preisgabe des südlichen Bundesgenossen. Politik auf lange Sicht kann man nicht mit dem FasciSmuS machen. Politik auf kurze Sicht aber, also die von Peroutka verlangte, wird nicht nur auf den Widerstand der Gefühle stoßen, sondern vor allem auf die Gegnerschaft der Vernunft. Wahnsinniger im Leuchtturm Riga, 20._Vtärz. Bon dem Leuchtturm D o- m e S n a e r an der Nordspihe Kurlands liefen in den letzten Tagen geheiinnisvolle Fnnlsprüche über das Auftauchen feindlicherKriegS- schiffe und großer Vögel ein, durch die die Besatzung des Leuchtturmeü angeblich bedroht wurde. Diese rätselhaften Vorgänge haben bisher noch keine restlose Aufklärung gefunden. ES scheint jedoch festzustehcn, daß bei einem der auf dem Leuchtturm tätigen Funker Verfolgungswahn ausgetreten ist Nach vielen Bemühungen hat man erreiche»» können, daß der auf dem Leuchtturm lebende Mechaniker sich am Telephouapparat meldete und erklärte, daß sich die beiden Funker ini Senderaum ein geschlossen hätten. Wie die Blätter melden, solle»» zlvischcn der füilfköpfigen Besatzung deS Leuchtturmes— sie besteht aus zwei Funkern, zwei Wächter»» und einem Mechaniker — die denkbar schlechtesten Bcziehungei» bestehen. Die Funker sprechen nicht mit dei» Wächtern und der Mechaniker hält sich ganz zurück. Nunmehr ist von der zuständigen Behörde der Befehl gc- I geben ivorden, die astscheinend g e i st e s- Die preußischen Scharfrichter Berlin, 20. März. Ter an»tlilche prc»»ßisck»e Prcsscdiens» teilt mit: Heute morgens sn»d in Königsberg die Mörder deS SA-Mannes Hülger, Fritz Lange und Walter S i e- de l m a n n ans Schnditten, die durch das llrteil des Schwurgerichts in Königsberg am 7. September 1033»vcgen gemcinschastlicheir Mordes zum Tode verurteilt Ivorden tvarcn, h i n gerichtet worden. Die Hingerichteten hatten in der Nacht vom 0. zmn 10. Juli 1033 auf zwei SA-Männer einen planmäßig vorbereiteten Angriff unternommen und dabei Hülger durch einen heimtückischen Schuß auü nächster Nähe getötet. Ministerpräsident G o e ri n g hat mit Rücksick't auf die Schivere der Mordtat von seinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht. Tagcsncnlgkcltcn 50 Steinbrucharbeiter verschüttet Belgrad, 20. März. Im Steinbruch bei dem Dorfe Banjica auf der in Bau bcsindliche»» Eisenbahnstrecke Pristina-Pac in Südserbicn ereignete sich Montag nachmittags ein schweres Unglück Mährend sich 50 Erdarbeiter in dem Steinbruch befanden, stürzten aus noch unbekannter Ursache die den Steinbruch inngcbcndcn Felsen ein und begruben sämtliche Arbeiter unter sich. Sechs außerhalb des Steinbrnckies befindliche Arbeiter wurden durch die herabstürzenden Gesteinsblöckc schwer verletzt. Tas Schicksal der 50 verschütteten Arbeiter ist noch nicht bekannt, doch befürchtet man, das; sie alle getütet wurden. Belgrad, 20. März. Den letzten Nachrichten zufolge ist die Katastrophe in den Steinbrüche»» beim Torfe Banjica durch eine Explosion hcrbcigesübrt worden und hat vier Menschenlebe»» gefordert. Außerdem»vurdcu vier Arbeiter schwer und 14 leichter verletzt. Maß zuriickgeführt werden. Der neue Motorzug ist gewiß sehr schön in Ba»» und Linie zu bezeichnen, die Geschivindigkeit, die er zu entwickeln imstande ist, muß anerkannt und für unsere Zeit gewünscht werden, obzivar wir absolute Beweise Ar die Sicherheit der Reisenden ii» neue»» Motor- chnellzügcn noch nicht haben; aber wir rechnen >a mit der Verläßlichkeit der Techniker und Kon- truktcure. Eines aber wissen wir trotz alle»» Lobgesängen in den Zeitungen: daß vorläufig ein normaler Schnellzug von Brüt»»» nach Prag um vieles angenehmer und bequemer ist, als der rasende Motorzug. Der bei schneller Fahrt entwickelte Lärm ist beängstigend. Dazu kommt die „Unsicherheit" dcö Gepäckes. Im Motorzug Brünn-Prag, der Sonntag abends um 23.38 Uhr in Prag eintraf, fiel plötzlich eil» etwa 20 Kg. schweres Paket neben eine Fra»» mit cinein Kind aus der Gcpäckslagc nieder, obzwar das Gepäck normal gelagert»vorden war. Der ungewohnt große Raum der Wage»» wirkt bei langer Fahrt störend und vermindert das AnSruhcn außerordentlich. Dazu kommt noch der Lattenbelag der Sitze, der bei längerer Fahrt sehr ermüdet und die niederen Lehnen der Sitzbänke, die den Reisenden zlvingcn, den Kopf immer aufrecht zu halten, da das Anlehnen unangenehme Berührung mit dein Haupte des Hintermannes bringt. Also vorläufig darf die Einführung der Motorzüge auf SchnellzugSstreckcn wohl nur als Vers»» ch gewertet werden, der sicher die maßgebenden Stellen bestimmen wird, nicht nur für große Zeitersparnis beim Reisen, sondern auch für die notwendige Bequemlichkeit und das möglichste Ausmaß au Sichcrheitögcfühl und Ruhe sorgen. Der Postverkrhr a» den Osterseiertage». Samstag, den 31. März 1034, enden die Amtöstunden für den Parteienvcrkehr in» Postdienste sowie auch die Briespostzustellung um 15 Uhr. Montag, den 2. April 1034, wird der Dienst in» Post-, Telegraphen- und Telephonverkehr wie an Feiertagen versehen. Die Tschechoslowakei als Tabnkprodlizcntiu. Die tschechoslowakische LandwirtschaftSakadcmie veranstaltete am Sonntag in Preßburg eine Enquete über die Hebung der heimischen Tabal- produktion. In den Referaten wurde die Bedeutung der Tabakkuktur in der Tschechoslowakei hcr- vorgehobcn und die Hoffnung ausgesprochen, daß die zuständigen Kreise den Tabak als Ersahfrucht im slowakischen Anbauplan betrachten und seine Kultur tatkräftig unterstütze»» werden. Die Slowakei und Karpathorußland versorge»» dieTabakrcgie mitOOProzentder nötige»» Roh st off e. Der Zirknü Kludsk»; ist nun ebenfalls ein Opfer der Krise geworden. Ei»» Teil des Tierparkes, der sich gegenwärtig in Görlau befindet, ist an einen Tierhä»»dlcr in Hannoper verkauft Worden. Die Tiere werden am 27. d. M. nach Deutschland gesandt. Dir Königin-Mutter der Niederlande, Em»na, ist gestern im Haag im Alter von 75 Jahren gestorben. Sie war 1858 geboren, heiratete 1870 den König Wilhelm III., besten zweite Gemahlin sie war. 1800 übernahm sie die Ölegentschaft und führte sie bis 1808. RegiekurplStze in FranzenSbad. Im internatio- nalcn Badehospital in FranzenSbad tverdei» an minderbemittelte Kurbcdürftige Regicplätze abgegeben. Gesuche bis 16. April 1034 an das Stadtamt Franzensbad. Beilagen ärztliches und Mittellosigkeitszeugnis, sowie amtlicher Nachweis über GesamtiahreSciukommen. Alles stempelfrei. Erledigung erfolgt gegen Ende April. Nicht mehr Parallelzug Prag— Bodenbach, i Prag— Tetschen. Im neuen Fahrplan»verden die , Schnellzüge Nr. 61(ab Prag um 13.50) und Nr. 62 lab Tetschen um 14.17) auSfallen, da diese als , gleichlaufende Züge überflüssig getvorden sind. Die i auS Deutschland kommende SchnellzugSgarnitnr wird i nicht»vie bisher in Niedergrund geteilt»verden, . sondern»vird über Bodenbach nach Prag fahren, I wo sie erst teils über den Masarykbahnhof nach Preßburg und teils über den Wilsonbahnhof nach Wien geteilt wird. Um die Verbindung mit den Städten am rechten Elbeufer zu erlangen,»verden beide Züge der Strecke Prag— Bodenbach Nr. 11 (ab Prag 14.12) und Nr. 12 lab Bodenbach 14.12) in Lobositz halten und der VerbiudungSzug Leitme- ritz— Lobositz wird auf 37 Verbindungen täglich erweitert. Außerdem»verden acht neue Motorzugs- verbindungei» Tetschen— Aussig über Schreckenstein eingesetzt. Große Spionageaffäre in Paris Gin amerikanisches Ehepaar und zahlreiche Mittäter verhaftet Dl- SchlffbrLchlaen de»»Tschelsuskin" Moskau, 20. März.(Taß.) Der Chef der Tscheljuskin-Expedition, Schmidt, teilt mit, daß der letzte Monat des Aufenthaltes auf dem Eise gut verlaufen sei. In den Zelten und in der Hälfte der Baracken, die unbeschädigt blieben, ist es warm. Die Schiffbrüchigen errichteten sich dort eine Küche und einen Backofen für Brot. Niemand sei krank. Jetzt seien die Teilnehmer der Expedition damit beschäftigt, einen Flugplatz herzurichten, der für die Landung von Flugzeugen genug groß sein wird. Nach der Rettung der Frauen und Kinder hat sich die Zahl der Schiffbrüchigen auf 80 vermindert, so daß die Lebensmittel, die übrigens noch durch die herum- schwiinmcnden Vorräte des vernichteten Schiffes , ergänzt wurden, mindestens noch auf zwei Monate reichen. Die Lagerinsaffcn schonen ihre Sendestation, weshalb sie von sich nur sehr Ivenig hören lasten. bekannte n Monlag einen Ariikel über das nvakei zu Italien und u'v allerorts Sas größte igl dock' Peroutka uickus ii unserer Außenpolitik »d Dollfuß gegenüber tunen, denn die Lebens- sei es. die klmklamme- ) Hitler zu verhindern, eicküschen Konstellation t Gefahr und selbst das »llfuß-Ocsterreich, verbunden mit n Italien, müsse unS, wenn es igkeit bewahrt, lieber sein als der BeneS seine Bereitwilligkeit er- in die diplomatisch. Front cinzu- ien gegen Deutschland aufstcllt, sei rngc staatsmännische Tal. >d nick'! nur, wie Peroutka meint, starke e. die es bei einer solchen Wendung un- nvoliiik zu überwinden gälte, sondern nüchterne Erwägungen des Verstandes, diplomatische Front Mussolinis gegen ist eine Fiktiv n. ganz abgesehen die Schönheitsfehler. die sie ausweisl, Tschechoslowakei bestimmen miißten, mit freundlichen Acußerungcn— ge- »»»» mit einer Liebeserklärung— mehr voesiauig zu sein. Die iialicnischc Fron» weiß einen schwachen ik! aui. der den Einbruch des HitleriasciSmuS i möglich macht: dieser Punkt ist Oester- b. Dolliuß wird, um die innerpolitischcn ierigleiten meistern zu können, in der näch- *.'!» mehr als jemals zuvor geneigt sein, sci- erieden nut Hitler zu machen. Gerade in den i in Rom zwischen dem österreichischen ismuS und den» Mörder Matleottis ein escklosten wurde, bat man von Perhand» t Dollfuß-Beauftragten mit Berliner »hört, lind diese Verhandlungen sollen ..befriedigend" vonstatten gehen. Wäre st einmal so weit, daß etwa drei Nazi- Es ii G e f ü b l mehr nock' Denn die Deutschland davon, daß gerade die auch uur i seoireigc de als I Mittwoch, 21. Mürs 1S34 Skandal-Affäre iu Buenos Aires Sin Beamter der tschechoslowakischen Gesandtschaft misshandelt sein Dienstmädchen. Die Polizei in Buenos Aires Ivurdc darauf aufmerlsain gemacht, daß das Dienstmädcheit des Beamten der tfchechoslolvakischen Gesandtschaft i» Buenos Aires, Johann Orszäg, eine Tschechoslowakin namens Vlasta Vläskovä, vor den Mißhandlungen durch ihren Dienstherr» und seine Frau flüchten und bei Freunden Unterkunft suchen mußte. Daö Mädchen, welches Orszäg aus der Tschechoslowakei nach Argentinien mitgenommen hatte, erhielt seit ihrem Arbeitsantritt nicht einen Heller Lohn, dafür mußte sie sich aber die grau» samste Behandlung gefallen lassen. Auf dec Polizei stellte man fest, daß die Vläökovä unter» ernährt, und schlecht gekleidet ist und daß ihr Körper die Spuren von Mißhandlungen trägt. Der Vorfall hat begreiflicherweise große Empörung hervorgrrufen. Die„Wahrheit" in Oesterreich Verbote». Herr Dollfuß, der Chef der Kartätschen» christen, der die Wahrheit loie Gift fürchtet, hat die Prager Wochenzeitung„Die Wahrheit" vorerst auf einen Monat verboten. Setzerstreik in Posen. Am Dienstag ist in Posen ein Seherstreik in den Druckereien auS- gebrochen. welcher 24 Stunden dauern wird. Deshalb sind keine Zeitungen erschienen. Die Ursache des Streiks ist wirtschaftliche!« Charakters. Der Bombenanschlag in der PeterSkirchr. Am Dienstag vormittags wurde vor dem fascissischen Sondergericht in Rom der Prozeß gegen die Urheber des Anschlages in der PcterSkirche fortgesetzt. Der Staatsanwalt beantragte gegen Buc- ciglione und Renato Cianea die T o d e S st r a s c, beziehungsweise 20 Jahre Zuchthaus, falls das Gericht den Paragraphen auwendcn wolle, der das geringe Ausmaß des angerichtetcn Schadend berücksichtigt. Gegen Claudio Cianea beantragte er 20 Jahre Zuchthaus. Telephonbuch mit und ohne MaSte. Das neue Berliner Telephonbuch ist von allen Rasse-Unrein» lichkeiten gesäubert und selbst beim Wortc-Buch- stabieren hat man das hebräische Element auSgc» tilgt. So wird zum Beispiel nicht mehr„Nathan", sondern„Nordpol" gesagt. Aber tvaö weit typischer ist als diese Scherze der Raffebolde. ist ihr Ipfilon. Für das hat man heute— Militarisierung selbst im Telephonbuch—- das Stichwort Ipern gefunden. Indessen nur für die„militärisch ertüchtigten" Eingeborenen. Dem Ausland gegenüber tarnt man sich friedlich und bekennt sich zu— Jokohamal Alle Inden entmannen! Der„Stürmer", herauLgegeben von Hitlers intimen Freund Julius Streicher, schreibt:„Gegen Rasscschänder und Sittlichkeitsverbrecher ist ein neues Gesetz geschaffen. ES soll daS deutsche Volk, soll die arische Rasse schützen. Es ist daS Gesetz der Entmannung. Auf Grund unserer Kenntnis in der Judenfrage sind wir der Ansicht, daß eigentlich alle Juden entmannt werden müßten." Bei einem Krankenhausbrand in Chailin (China) sollen 41 Menschen ums Leben gekommen sein. Dimitrow, Popow und Tanew, die im Leipziger Reichstagsbrandstifterprozeß srcigesprochcn wurden, befinden sich in der Nähe von Moskau in einem Sanatorium zur Kur. Hamrffen lebt? AuS Warschau kommt eine Mel- i düng, die höchst unglaubhaft anmutet und die daher| auch nur mit allen Vorbehalten wiedergegeben wer- i den kann. Die Meldung besagt, daß der berüchtigte> Berliner Hellseher Erik Jan Hanussen alias Hermann Steinschneider soeben in Warschau anfgefun- den sei, wo er sich unter dem Namen Abdul-! Hamid(!) verborgen gehalten hat. Hanussen war,! wie bisher allgemein als sicher galt, im vergangenen Jahr von der SA in der Nähe von Berlin umgebracht worden, weil er den braunen, Machthabern, insbesondere dem Grafen Helldorf, zu lästig geworden war und zu viel Einblick in innere Parteiverhält» niste gewonnen hatte. Die Ermordung erfolgte in der Nähe der Machnower Schleuse bei Berlin. Die Kunde van der Beseitigung HanussenS ist seinerzeit durch die Presse der ganzen Welt verbreitet worden, ohne daß! in: Laufe eines Jahreö die Regenten des DrittenI Reiches es gewagt hätten, sie als„Greuelmärchen" zu entlarven, noch viel weniger sie zu dementiere». HanussenS„Wiederauferstehung" in Warschau kam angeblich infolge einer Paßverfehlung ano Tageslicht. Wegen Gebrauchs eines falschen Passes wurde der Mann, der sich für ihn ausgibt, mit 1000 Zloty Geldstrafe belegt und soll auS Polen auSgewiesen werden.„.Hanussen" soll noch über ein beträchtliches Vermögen verfügen. Wir verzeichnen die Warschauer Meldung mir der Kuriosität halber. Der N»schw««g Balder Olden erzählt von einer Jndienrcise auf einem ganz großen Luxusdampfer. Ein Siigstlichcr Berliner fuhr mit. Fragte tagtäglich den Kapitän, ob der Danipfcr auch sicher sei. „So sicher wie daheim im Himmelbett", antwortete der Kapitän lächelnd und geduldig. So gingS sechs Lage lang. Am siebenten wurde der Kapitän wütend:„Lieber Mann, wir stehen alle in GotteS Handl" antwortete er diesmal ganz un- programmäßig. Der Berliner wurde kreidebleich und murmelte erschrocken:,„Wat denn, wat denn? Gestern noch ganz sicher und heute schon in Gottes Hand?" var sogar bereit, ihm, dem Ausländer und absoluten Laien, eine lvohldo- iierte Direktorenstellung zu verleihen. Aber vorher wollten die polnischen Behörden etwas Näheres iiber das Vorleben des„Dr. Jng. Bahnik" erfahren — Grund genug für ihn, um so schnell und so spurlos als möglich zu verschwinden. Seiner Fran, die er absolut hilf« und mittellos in Polen sitzen ließ, schwindelte Rybäk vor, er müsse nur„auf einen Sprung" nach Zagreb, in Jugoslawien fahren, nm von seinem„D olla r k o n t o" 15.000 Dollar abzubeben, mit denen er einen günstigen Grundkaus abschließen wolle. ES vergingen indessen einige Monate, als seine völlig verzweifelte Frau von ihn» die briefliche Aufforderung erhielt, nach St. Florian in Lberösterreich m kommen, wo er angeblich soeben rin Gut zu einem Spottpreis gekauft habe. Sie fuhr zu ihn«, um zu erfahren, daß der Herr Gemahl soeben verhaftet worden sei. Den Iveileren Lebenslauf dieses Abenteurers zu schildern, übersteigt den Rahmen«ine» Gerichts- saalberichte». Zahllose neue Hochstapeleien, eine reumütige Rückkehr in die Tschechoslowakei, die ihm zwei Jahre schiveren Kerkers einirug, neue Gaunereien in Griechenland, Südslawien und Oesterreich nach verbüßter Strafe zeichnen den ferneren Lebensweg Ryväk». Die Anklageschrift füllt mehr als 50 Maschinensciien mir den Taten de» Angeklagten, der sich inr übrigen mit routinierter Gewandt- heir und Dreistigkeit verteidigte. Daß Urteil lautete auf eine Zusatzstraje von drei Jahren schweren und verschbrstrn Kerker».. et. Scho« am 10. April kam» Dir ein Haupttreffer zufallen, wenn Du rechtzeitig Lose der Arbeiterfürsorge taufst Rur 3 HC! Europa-Gangster 1934 Von ViiGOR MANDL 1. Dr. Zajitek Seht iyn Euch an! Er strotzt und strahlt von Bonhomie. Embvilpointbchaftei, die Hornbrille des Intelligenzlers auf dec knolligen Nase. Die Brille soll an ruhige, bedeutsame Sachlichkeit, an blindes Vertrauen, Ernst gemahnen. Ein Doppelkinn, daS Wahrzeichen des Individuums, das es gut mit sich meint, das unverkennbare Zeichen von Sattheit, behäbiger, bürgerlicher Solidität, ein neckisches Spitzbärtchen, das Käppi der Logenbrüder auf dem Kopfe, das alles waren goldene Attribute, die lvie ein stachelbewehrtes Strauchwerk, die verschlungensten Irrwege seines Liebesgartens decken sollten, Und es gelang ihm diese ganz große Komödie lange Zeit hundertprozenttg. Wer suchte hinter dieser Larve Verkommenheit und Verworfenheit? Wer suchte hinter dieser Larve eines genialen Planers und Nichtstuers. Gangstertum, fraudulöses Gebaren? Wo waren da Anhaltspunkte für diese Sing-Sing-Gaunereien? llnd doch. Ein Verbrecher von Chicago-Format, ein Verschwender von gigantischem Ausmaß, ein Mcnschendarsteller ohnegleichen, der nur mit Hilfe und unter dieser Maöte, sich dem Normalniveau seiner llmgebung, dein bürgerlichen Milieu deS provinziellen Mährisch-Ostrau, sich selbst einem anspruchslosen Alltag anpassen konnte, ohne auch nur einen Grad von dem wüsten Leben eines Extravaganten, ins Bürgerlich-Romantische abzugeben. Er blieb sich treu. Skrupellosigkeit, ohne Wimperzucken über Leichen hinwcggehen, wahllos in den Mitteln, Bergender auS dem Vollen, großzügiger Mädchenbcglücker, das war Zajitek.— Seine entarteten, dunklen Neigungen, über die erfahrene Mädchen und Frauen im Flüsterton sprachen und die damit Stunden eines fine o'clvck tea'S ausfüllen konnten, dies umgab den Dicken, Schmcrbäuchigen mit der interessanten Glorie, die einem Maurice Dekobran so gut zu Gesicht steht. — Dieser Dr. Zajitel war eine nicht unbedeutende Säule des Wirtschaftslebens und wenn wir seine ^Wichtigkeit nicht anders bemessen wollen, so ge-j nügc die Tatsache, daß von seinen souveränen Entscheidungen tausende Menschen in ihrem Exi- ' stenzkainpfc abhängig waren.— Krise hin, Krise her. das Wirtschaftsleben krankt an solch moralisch schwachen Führern. Jene Geschästümoral und ethische Auslassung, die vor 1914 Hamburger Kaufleute in der Wett verbreiteten— wo isi sic noch zu finden?... 2. Stavisky Das war der lypische Hochstapler, der kein Ivahrhaftes Gefühl— außer für seine Familie—, aufbringcn konnte. Lug, Trug auf allen seinen Kreuz- und Onerlvegen. genial in seinen Konzeptionen, verstand er meisterhaft, seine groß- angelegten Betrügereien auch zu realisieren, verstand er es, selbst erstklassige Menschen in den Bann und Zauberkreis seiner Beredsamkeit zu ziehen, und verstand es, gewissenlos selbst die Aermsten der Armen zu bestehlen und um alles zu bringen. Wäre er nicht Stavisky gewesen, er Hütte der genialste Finanzminister werden müssen, der jedem Staate die Säckel gefüllt hätte. An dein Menschen hastete Zeit seines Lebens daö Odium des großen Abenteurers, man wußte nur nichts Genaues und die exzellenten Konnexionen beruhigten, beschwichtigten auf allen Fronten, denn er lvar„unser". Alt« Ammenmärchen von Räu- berhauplmännern wissen zu erzählen, daß diese Räuber mitunter nur den Reichen abnahmen, um den Armen zu geben. So ungefähr wird auch Stavistys Freigebigkeit zu beurteilen sein. Er gab und verteilte nach allen Seiten und es nahmen die Großen wie die Kleinen, die Niedrigen wie die Hohen im Staate. Tas ist wieder das Faule unserer Zeit, daö ist das Faule an den Staaten, vielleicht gerade Dänemark ausgenommen, auf welches daö bekannte Zitat paßt. Tas Leben und die Täten des großzügigen, schönen Alexander waren allen Menschen, die mit ihm zu tun hatten, rätselhaft, die Rolle eines Mitnutz- nießers hinderte sie immer wieder, Stavisky an den Leib zu rücken. Aber dieser Stavisky lvar ein Erzverbrechcr, spielte Länder gegeneinander anö, schlug Kapital ans den verabschenungSlviirdig- sten Gelegenheiten, war eine typische Spielernatur, gewann ungeheuere Summen ans rouge, um ein Vielfaches hiervon auf noir zu verlieren, war früh sortier, um abends Magnat und Mären zu sein, schwamn« in Geld und hatte nur die eine Lebenömaxim: Apröö moi le delugel Diese Sorte Menschen erobern heute die Welt und eS soll niemand wundernehmen, lvenn so ein Exemplar eines Tages zum Kaiser eines Reiches Proklamiert wird. «eite 5 Gleichschaltung mit Vorbehalt! In der„Neuen Zürcher Zeitung" hat C. G. Jung, der bekannte Schweizer Psychiater, der die Lehre Freuds nach eigenen Ideen und Forschungen nmgestaltet hat, eine lange Erklärung abgegeben, in der er die Gründ« für seine Mitarbeit an der gleichgeschalteten deutschen Medizin auSeinandersetzt. Er leugnet nicht, daß er alö Herausgeber einer reichsdeutschen Fachzeitschrift zeichnet, die jüngst als Einleitung eine Schimpfrede GoeringS gegen den Juden Freud und die„undeutsche" Seelenforschung bracht«, er leugnet nicht, daß er sich als Helfer in der Not zur Verfügung stellte, als seine Wissenschaft in Deutschland durch den Hitler-Terror all« bedeutsamen Vertreter verlor, aber er leugnet, sich mit diesem Verhalten zu Hitler und zum Hakenkreuz bekannt zu haben. Er habe, so sagt er, aus Freundschaft zu seinen rcichedcutschcn Kollegen gehandelt, die er in ihrer durch den politischen Umsturz verursachten Rot nicht im Stich lassen wollte, er habe das Opfer der Mitarbeit an einem unter brauner Zensur stehenden Blatte aebrackit, um den Bestand einer Wissenschaft im Dritten Reich zu retten, die vielen Menschen Heilung und Hilse bringen könne und er erinnert an den großen Galilei, der auf der Folter der Inquisition die Behatiptung widerrief, daß die Erde sich nm die Sonne drebe. Wahrscknün» lich glaubt Jung, mit dieser Erklärung seine Ehre und fein Genüssen gerettet zu haben. Wahrscheinlich hofft er noch auf Anerkennung dafür, daß er feinen Freunden im Dritten Reich und deren Parteien Opfer gebrasst hat. Aber Iva» würde er sagen, wenn jemand seinen Vergleich mit Galilei ernst nähme llnd ihn erwiderte:„Niemand hat Sie gefoltert, Herr Jung, und Sie haben trotzdem die Wahrheit verleugnet. Niemand verargt eö Ihnen, wenn Sie mit Ihren Freunden in Dentssstand Mitleid haben,— aber Jbre au» Deutschland vertriebenen Freunde haben Sie verraten. Niemand bezweifelt Ihr gutes Herz, das für die Seelenpattentcn im Dritten Reich schlägt, aber die in den Konzentrationslagern, den Kerkern und ini Exil spüren voir Ihrem guten Herzen nur, daß eö gegen sie schlägt. Denn Sie paktieren mit dein Regime, da? sie peinigt." Es ist notwendig, das allen zu sagen, die so wie der Dr. Jung handeln, die ihre freiwillige Glcich- schaltnng, ihre gedankenlose oder gelvinnsüchtige lln- tertoerfimg unter sascistisckien Terror als einen Akt der wohlmeinenden Weisheit und der menschlichen Zuneigung zu den Untertanen dcö Tritten Reichet! ausgeben, di« in Wahrheit nichts sehnlicher erwartet baben, al» da» VerdammungSnrteil, der Geistigen und Gerechten in aller Welt gegen die braune Barbarei. Tie Gleichschaltung mit Vorbehalt, wie sie Herr Tr. sfung vorgtnonnuen und verleidigt hat, scheint in Mode gekommen zu sein. Es begann mit Thomas Mann» Erklärung, er habe sich von der Emigran- tenliteratrir nur deshalb losgesagt, tveil er feinen neuen Ronian„Joses und seine Brüder" seiner deutschen Lesergemeinde als tröstliche geistige Anregung in dem vom Geist gesäuberten Vaterland zugänglich machen wollt«, lind e» fanden sich viele»nit weniger großen Namen, die deni Beispiel des Nobelpreisträger» folgten. Kürzlich mm auch der Fall Ha Ns F a l l a d a ö, über den wir berichteten. Die Herren, die sich angeblich au» Opfermut, au» Hilfsbcreitschast und auö dichterischer AhmmgS- losigkcit gleichschalte», verbeugen sich vor der Diktatur, die ibre Untertvcrfnng fordert, und möchten die Demokratie, die gnädig und tolerant ist, mit einer Entschuldigung versöhnen. Man sollte ihnen klar machen, daß ihre Spekulation fatsch ist, daß es in der Stellungnahme zu>n FaseiSmus nur eine Entscheidung für oder Ividcr gibt, aber keine vorsichtigen Kompromisse. Man sollte es alle» klar machen, die nach der Methode der Jung und FaUada handeln wollen, ob cS Dichter oder Schauspieler, ob eS Gelehrte oder Journalisten sind, die ans den reichs deutschen Markt nicht verzichten tootlen-- und sich den europäischen Absatz zu erhallen hoffen, daß sie die edle Absicht betonen, daS Licht ihres Geistes in die betrübliche Finsternis des braunen Zuchthaus finales zu senden, alS tvürde diese» Licht dort jemanden wärmen können und nicht nur dazu dienen, der braunen Ilnkultnr einen fatschen Glanz zu verleihe», der die gkseffelten Gegner dieser Nnlultur einmütigen und verwirren muß. Zeitungsfriedhof Deutschland DaS Ende der„Bossischen Zeitung" Da» Massensterben!m reichs« deutschen Blättcrlvald fordert immer neue Opfer. Jetzt ist den Redatteuren der«B o s fisch e n Z c i t u n g" zum I. April gekündigt worden. Die Abgcvauten spielen zioar mit dem verzweifelten Plan, daS Blatt auf eigene Kosten wei» tcrznsühren, indessen besteht tvohl kaum die finanzielle Möglichkeit, dieses Projekt zu realisieren. Dao Blatt,.einst eines der angesehensten Organe der liberal-inlellcltuellen Bourgeoisie, vcrlüimncrle unter der Fuchtel der Hillerdiktatur immer mehr. Krampfhafte ll m st e l l u n g S-- in a n ö v e r konnten den Zerfall nicht mehr aufhalten, die Abonnenten tiefen in Massen davon und das tlliteciiehiileii wurde zu eincni immer größeren Defizit für den hitlerisicrtc» Ullstein- Konzern. Bor einige» Monaten wurde das Abendblatt eingestellt und die„Voß" als„erweitertes Morgenblatt der Schassenden" wcitcrgcsührt. Nun ist sic, wie so viel ihrer bürgerlichen Kolleginnen, rühmlos im Sumpf der braunen Barbarlsicrung verreckt. Tas klägliche Ende der„Bossischen Zeitung", die, mit dein G r ü n d u n g L i a b r e 1 7 0 4, Jbao älteste Bla tt Deutschlands I war, ist ein Symptom für den grausigen kulturellen Zusammenbruch Hitlerdeutschlands. Ueber dem Gräberfeld der deutschen Geistigkeit wütet nur noch, ungehemmt und von der Kulturwelt vorach- I tct, die eingeschriebene Hitlcrprcsse. ewj»« w®ojl«n»etttoFraf* NNttwoch, 21. Mürz 1034 5fc. W Die verunslOckte Winterhilfe Ei» Biertelkilogramm Mehl pro Kopf für den ganzen Winter PRAGER ZEITUNG Freitag neueinftudiert„Julius Cäsar" mit Ernst Deutsch a. W.— ZOjährigeS Bühnenjubiläum Max L i e b l s. Besetzung der Hauptrollen: Cäsar.— Ball; Octavius— Frei;; Marc Anton— Deutsch; BrutnS— Ströhlin; Cassius — Demel; CaSca— Renner; DecinS Brutus— Padlesak; Calpuria— Warnholtz; Portia— Behrens. Nach der Borstellung Feier auf der Bühne.(D 1.) Wochenspielplan deS Neuen Deutschen ThraterS. Heute Mittlvoch, abends halb 8 Uhr: DieOrckideen vonSchloßSilver» G a t e, Ensemblcgastspiel des Theaters in der Jo- sefstadt, B 2.— Donnerstag, 7.80: Turandot, C 2.— Freitag, 7.30: Julius Cäsar, Gastspiel Ernst Deutsch, JubiläumSvorstcllung Mar Liebl, D 1.— ScnnStag, 7.00: Tannhäuser, Zyklus II, C 2. Wochenspiclplan der Kleinen Bühne. Heute Mittlvoch, abends acht Uhr: Die groß« Chance.— Donnerstag 7.30: Gastein, Erstaufführung.— Freitag, 8.00: Gastein, Kni« turvcrbandsfreunde und freier Berkaus.— Samstag 8 Uhr: Gastein. Vorträge Das Fernsehen In einer Veranstaltung des 5t l u b S der tschechisch en nationalsozialisti- s ch e n P a r t e i sprach am Montag Abend im gro« sie» Saal des Restaurants„Goldene Gans" der Dresdner Dozent Ingenieur Färber über das in letzter Zeit aus dein Stadium des rein Expernnen- tellen in das Gebiet ernsthaft-praktischer Diskussion bineinioachsende Problem des Fernsehens. Fernsehbilder soivie technische Demonstrationen ergänzten den Vortrag, der in deutscher Sprache gehalten und satzweise ins Tschechische übersetzt wurde, ein nicht gerade sehr glückliches Verfahren, das den Vortrag völlig auScinanderriß. Auch sonst tvar daS Referat leider denkbar ungeeignet, dem Laien ein einigermaßen klares Bild der komplizierten technischen Vorgänge zu bieten, da sich der Redner allzusehr ini Fachdetail verlor und mit der einschlägige«« Terminologie beängstigend um sich Ivarf, ein Verfahren, daS aus den populär- rcportiercnden Vortrag, der geplant Ivar, ein Fachreferat für vorgebildete Erpertcn machte. So war cs nur zu verständlich, das; sich der zuerst überfüllte Saal bald peinlich leerte, so daß nach der Pause Herr Färber vor halbleerem Saal weitersprach. Nachdem der Redner in breitester Ausführlichkeit die technischen Voraussetzungen des Fernsehens dargelegt und rn exakt dozierendem Verfahren die Konstruktion der Sendeapparatur skizziert hatte, gab er interessante Einzelheiten über den Stand der Television in den einzelnen Ländern. London sendet bereits mit ziemlicher Regelmäßigkeit Köpfe lebender Personen. Der Ton dazu lvird aus einer besonderen Rundfunkwelle gesendet. In London hat Färber übrigens den ersten Fernsehtonfilm für die Tschecho- slolvakei ausgenommen. In der ganzen Welt wird die Fernscharbeit intensiviert. England und Frankreich experimen- liercn regelmäßig, iir Deutschland arbeitet daS Rcichspostzentralamt auf fcrnsehtechnischem Gebiet, Ungarn hat eine inoffizielle Fernsehsendung, Italien ist dabei, ein Fernsehnctz anfzuziehcn. Die Zukunft des FernsehivescnS beurteilte Färber sehr optimistisch. Er ist der Ansicht, daß die wichtigsten Probleme deS Fernsehens gelöst sind und die Television auf dem besten Wege ist, sich von den dilettantischen Hemmungen der ersten Tastversuche freizumachcn. Die ziveclinäßigste und rationellste Art televi- ' sionärer Technik scheint dein Redner die Kurzwellensendung zu sein, die sich überall einbürgert. (DG) Was haben die 14 Millionen Men« scheit aus der Winterhilfe bekommen? Alach den Mitteilungen im»Völkischen Beobachter" überhaupt kein Bargeld, sondern nur Waren. Angeführt werden u. a. 70.000 Zentner Mehl, 60.000 Zentner Brot,>10.000 Zentner Gemüse, 3200 Zentner Butter und 12.000 Zentner Flcischlvaren. Pro Kopf der..Unterstützten" macht das(als Gesamtleistung für den ganzen Minter) ein Viertel« ljlo Mehl, 200 Gramm Brot, 170 Gramm Gemüse, 10(stramm Fleisch, 15 Gramm Butter. Mengen also, die der Unterstützungsbedürftige an einem Tag ausessen lann und die als»Winterhilfe" für den ganzen Winter reichen sollte. Die ganze Winterhilfe Hitlers hat sich also nach den eigenen amtlichen Feststellungen als eine große Pleite herauögestcllt. Sic tvar, tvie die ganze Politik Hitlers, nichts tveitcr als eine Pro« pagandaaltion, von der die hungernden Massen nicht satt werden. Kinderarbeit in den Vereinigten Staaten In seinen Studien über die sozialen Erschei« mingen der Recoverh Action in den Vereinigten Staaten widmet das Internationale Arbeitsaint der Regelung der Kinderarbeit in U.S.A. eine besondere Aufmerksamkeit und betont die auf diesem Gebiete erzielten Fortschritte. Im Jahre 1013 überstieg die Zahl der in den Vereinigten Staaten gegen Entloh» uung arbeitenden Kinder im Alter von 10 bis 17 Jahren weit zweiMillionen. Tas Internationale Arbeitsamt hat 122„Codes der loyalen Konkurrenz", die gleichzeitig mit dem Gesetz über die wirtschaftliche Gesundung in Kraft traten, hinsichtlich deS Kinderschutzes geprüft und konstatiert, daß infolge dieses Gesetzes die Altersgrenze der in Industrie und Gewerbe beschäftigten Kinder auf 10 Jahre gestiegen ist, so daß eine große Zahl von Kindern im Alter von 1-1 bis 10 Jahren den Schulen zurückgegeben wurde. In zahlreichen Industriezweigen und in gefährlichen Berufen, wurde die Altersgrenze bis cnif 18 Jahre hinaufgesetzt. Durch die Einführung von Minimallöhnen und dieFesrsetzungdeS genauenZahlenverhältnisseS der Eleven zu den qualifizierte»Arbeitern, wurde die Ausbeutung junger Arbeiter, Lehrlinge und Eleven bis zu einem getviffen Grade hintangehalten. Man hofft, daß man durch die Ausschaltung der Arbeiter im Alter von tveniger als 10 Jahren und später einmal auch von 18 Jahren, wieder für eine größere Zahl von Erivachscnen tvird Arbeit schaffen können. In verschiedenen Industriezweigen wurden die bisherigen Mängel bei der Anstellung von Kindern abgestellt, so daß zu hoffen ist, daß bei strenger Einhaltung der neuen Gesetze, in den Vereinigten Staaten, also in einen« Bundesstaat, in welche«» etwa 30 verschiedene Gesetzgebungen nebeneinander bestehen, bald mehr zum Schutz jugendlicher Arbeiter erreicht werden wird, als in irgend einem anderen Land. Verlanget überall Volkszünder Kunst und wissen Bon der Deutschen Mnsikakadcmie. DaS montägige Konzert der Prager Deutschen Musikhochschule Ivar ein C h o r a b e n d. Sein Programm tvar ebeirso stilvoll wie künstlerisch bedeutend; es enthielt die etlvas langatmige Kantate„Also hat Gott die Welt gedichtet" von Joh. Seb. Bach, zwei Arien, darunter eine mit Chor, ans G. F. H ä n d e l s Ora- tvrimn„Judas MaccabäuS", die aus Prag gebürtige Konzertarie mit Rezitativ„Bella mia fiamma, addio" von W. A. Mozart und als Hauptwerk Ludwig van Beethovens Festspiel-Chorwerk „Tie!Il«iinen von Athen" in der textlichen Neufassung von I. U r z i d i l. Bei diescin Konzert hatte neben den« Z ö g l i n g S-Orchester der Akademie auch ihre recht stattliche Chorabteilung wieder einmal Gelegenheit, Proben ihres chorgesaug« lichcn Könnens vor der Oesfentlichkeit abzulegen. In der Schule Prof. Leo Fran z', des erprobten Aussiger Chordirigentcn und Leiters der Chorktasse der Deutschen Musikakademie, hat sich dieser Chorkörper zu schöner klanglicher Ausgeglichenheit und' chortechnischer Fertigkeit entwickelt. Die Intonations-Sicherheit und Reinheit der Sänger ist ebenso bemerkenswert wie ihre rhythmische und dynamische Disziplin, ihre Technik nicht mit«der flüssig und klar wie ihre sprachliche Schulung musterhaft, Unter Leo F r a n z' umsichtiger, klar disponierender und straffer Stabführung kam neben dem Chor auch das Akademie-Orchester ausgezeichnet zur Geltung; alle Ausführenden vereinigten sich unter seiner Hand zu einer eiicheitlichei« und eiitdrucksvollen Gesamtleistung. Für die Solopartien des Abends hatten die Damen K a d i r n, Rausche r und Stur m, soivie die Herren B ü r g m a n n, F r i e d, C e r n y, Birk und S ch r e i b e r ihr mehr oder Ivenigcr beachtliches Können eingesetzt. Den Cembalopart hatte Prof. Josef Langer liebevoll betreut, E. I. „Eisenwerk Widkowitz 1034." Diese 10 zu einer Mappe vereinigten Steinzeichnungen des bekannten Graphikers Helmut Kron«mer erfassen das Werk mit seinen Schornsteinen und Riesenmaschincn von der malerischen Seite. Sie sind aber auch mit Veit Augen des Ingenieurs gesehen, denn Kroin- merS langjährige Vertrautheit mit Großbetrieben und Maschinen aller Art vereinigt sie hier mit der künstlerischen Auffassung in der glücklichsten Weise. Die erste«« Blätter führen uns in das Reich de« Hochöfen; lange Reihe«« von Winderhitzern be- gteitci« die Hochöfen mit ihren bizarren Aufbauten, wuchtige Kohlentürme erheben sicti über einen« Gewirr voi« Geleisen und Rohrleitungen. Die folgenden Blätter sind drin Stahl- und Walzwerk gewidmet. Feierlich wie in einer Kirche steht der nionumentale Ausbau der 0000- Tonnen- Schmiede"resse da,«>ur in deir blanken Metallteilen blii.lt da und dort dämmeriges Licht, aber glühendweiße Helligkeit zuckt anS dem eben erst zur Bearbeitung gebrachten Werkstück. Andere Maschinen wieder liegen breit und langgestreckt, wie Fabelwesen der Urzeit, am Boden. In ihre«« Rachen drehen sich langsm«« silbrig schiinmernde Zylinder, von denen daS scharfe Messer sich ringelnde Metallspäne abfräst. Die letzten Blätter geben Anßcn- ansichlen des Stahlwerkes mit seiner langen Schorn- sleinreihe und einen wuchtige«« Ausschnitt aus der Benzolsabrik. Mappen sowie Einzelblätter(40 Ke) in der Buchhandlung Jul. Kittels Nachfolger in Mährisch-Ostrau. Dir Besucher der Arbeitervorftellungrn werden mif die an» Sonntag, den 28. März nm 3 Uhr nachmittags im Reuen Deutschen Theater slattsin- dende„R i g o l e t t»"-Aufführung anfmerksain gemacht. Für diese von der Theater-Direktioi« veranstaltete Vorstellung sind auch Karten zi« 0 und 12 KL l bei Optiker Deutsch Palais„Koruna" zu haben. Abschließend versuchte der Redner den Anwesem- den die Fernseh-Bildci«twicklung auf demonstrativem Wege klar zu«nachen. Ais. Sport• Spiel• Körperpflege Vom amerikanischen Arbeitersport. Der Bundes- vorstand faßte wichtige Beschlüsse bezüglich Veranstaltung von Spielen und Städtelvettkämpfen. Der Arbeiter-Turnverein Chicago wurde wiederum ausge- noinmen. Um die technische Ausbildung zu steigern, wird eine Ainerikatour des Leiters des Technischen Hauplausschusses Genossen Bühren veranstaltet. Das Programm sicht Kurse, Schulen usw. vor. Die Aktion wird sich auf einige Wochen erstrecke«». Ta» Knnstturnerwesen im Schweizer Arbeiter- sportvcrband hat seit einiger Zeit einen gcwaUigcn Aufschwung gcnomnten. Aus neuer Grundlage aufgebaut, ist diese Sparte wieder zur führenden iu« Satus getvordcn- Uebcrall werde«« Kunstturnertreffcn durchgesührt, was von einer rege«« Aktivität dieser Sportart zeugt. Am 7. April ist in La Chaux de Fonds ein Kunstturnermatch Ncucnburg-Waadt angesetzt. Dieser Anlaß bctveist, daß auch die Wcst- schtvciz über sehr gute Kunstturner verfügt. Der österreichische bürgerliche F>ibball„divlo mat" Meist von Helmwehren bestohlen. Das „Allgemeine Sportblatt" lB.-Leipa) schreibt über die Beschießung des»Karl M a r x- HofeS" in Wien folgende«:„In diesen, Bäu wohnte auch der österreichische BerbandSkapitän Hugo Metsl, dessen Familie flüchten mußte und dessen Heim demoliert und was«licht niet- und nagelfest«var, von den Heimwehren gestohlen wurde."— ES geht doch nichts über die ch r i st l i ch e Erziehung. filme In krsger Lfdifsptelltäusern bis einschließlich Donnerstag, den 22. März. Adria:»König der Paläste".— Alsa:„Casanova".— Avion:»Tartzan, der Beherrscher des Urwaldes".— Beranek:„Die sechs Frauen Heinrichs VIII.".— Fenig:„Dieser alle Schuft".— Gaumont:„Die goldene Katharina".— Hollywood:„Die goldene Katharina".— Julis:„Die Schlacht".— Kincma: Journale, Groteske, Reportage(J42—%8) — Kotva:„Die Ehebrecherin".— Lucrrna:„Die Schlacht."— Metro:„Die goldene Katharina".— Olympic: Der Florentiner-Hut".— Praha:„Der geheimnisvolle Jäger".— Radio: „Die sechs Frauen Heinrichs VIII."— Skaut:„Das setzte Paradies".— Alma: Di« sechs Frauen Heinrichs VIII."— Beseda:„DaS Hans in der Vorstadt".— Illusion:„Liebelei".— Lido:„Ihr Arzt". — MaeeSka:„Liebelei".— Roxy:„Liebelei".—. Avion und Metro; CamStag J42 Uhr: Reminiszenzen. Literatur „Ter Werkstudent." Monatsschrift für schaffendes Siudentcntum. Die Zeitschrift der„Deutschen Hochschulwerkschaft". der deutschen Studentengruppe deS EinbeitSverbandeS der Privatangestellten, deren erste Folge eben erschienen ist, stellt«inen unterstüt- znngStvcrtcn Versuch dar, die Gewerkschaftsidee Nieter der Studentenschaft zu propagieren. Sie bemüht sich, allen Fragen des WerkstudententumS gerecht zu werden. Wir tvollen hosfen, daß ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt werden. Der Inhalt des ersten Heftes enthält Artikel über„Die Werkidee im Stn« dententmn",„Wo steckt die bürgerliche Mittelschicht", „Mißstände an den Hochschulen",„Mittelschulfra- gen" und Nachrichten. DaS Blatt kostet KL—.80, im Jahresabonnement KL ä.— und ist durch die Verwaltung des„Werkstudent", Prag II, Junguiannova 20, zu beziehen. Die Morgenstadt im Morgenland Von Erich Gottgetreu. In einem Schanfenster ist eine Pyramide von Waren aufgebaut: Schreibmaschinen, Rundfunkgeräte, Photoapparate, Ferngläser, Füll- scderhalter; an den Waren sind Schilder angeheftet, die ihre Herkunft bezeichnen: England 1034, USA 1034, Deutschland 1031, Fransreich 1034...; an der Spitze der Pyramide liest man ans einem großen Plakat:„Palästina 1940". Dann ist dies alles»Tozeret l>aarez", dann wird dies alles im Lande ljergestellt: die Schreibmaschinen, die Rundfunkgeräte, die Photoapparate, die Ferngläser, die Füllfederhalter. So sind sie. Alles trauen sie sich zu. Alles ist Hoffnung, alles ist Erwartung.„Morgen werden wir groß sein. Morgen werden Ivir Weltstadt sein. Morgen..Wären sie anders, würde die im Jahre 190» gegründete Siedlung ein Dorf geblieben sein. Ilm diese Zeit nämlich machten sich sechzig jüdische Fa>n«lie>« aus d:m arabischen Jaffa auf den Weg, um den Tel-Aviv, den Früh» lingShügel vor der Hafenstadt, zu bebauen. An der Spitze des Zuges marschierte Meir Dizcn- goff auö Odessa. Stolz umschritten sie den Besitz- zwölf Hektar Land, ewig besonnten Sand. Ins Wappen schriebe» sie das Prophetenwort: »Ich werde dich lauen, und du wirst erbaut sein." Die erste Straße wurde Herzl-Straße genannt, wie konnte eL anders sein. DaS erste öffentliche Gebäude Ivar das Gymnasium. Meir Dizengoff ist noch heute Bürgermeister von Tel-Aviv, der ersten rein jüdischen Stadt seit Hunderten von Jahren, der einzigen, i>« der Hebräisch Amtssprache, der einzigen, in der die Polizei rein jüdisch ist; die Inden der ganzen Welt schauen auf die Stadt. Die Frommen beten zum Pesach-Fest„Nächstes Jahr it« Jcru- scholajiin", aber die Söhne denke«« an Tel-Aviv. In der Glasscheibe des patriotischen Schaufensters spiegelt sich der Trubel des Verkehrs. Morgenland trifft sich mit Abendland; Rad in Rad, in der tlirrenden Rüstung der Technik, fordert die neue Jugeud ihre orientalische Ilmivclt in die Schranken. Kainele, Esel, Karren, Wage», Autos, Autobusse. Tausende eilen vorbei, Arbeiter in Rubaschka und kurzer Hose, Schwärme von vergnügten jungen Mädchen, Bürger, wandelnde Mappen, geschäftig eilc«»d, dazwischen Kinder mit Schippen und Eiinerchen, sie tvollen zum Strand, die Stadt reicht ans Meer. Bon der Küste aus sicht man die vor der Jasfaer Reede ankernden Einwandercrschisfe. Jedes bringt junge Menschen, die meisten bleiben in Tel- Aviv. Tausende, Tausende— wieviel sind eS wirklich? Tausende, Tausende— kaum Alte unter ihnen. Der Bürgermeister hat zwar seinen siebzigsten Geburtstag gefeiert, aber in Tel-Aviv sind selbst die Greise jung. Er enipfängt den Interviewer in seinem HauS ain Boulevard Rothschild, der die Stadt von West««ach Ost durchschncidet und immer neue Häuser und immer neue Bäuinc ansetzt— soll die Straße bis Jerusalem stihrei«? Aber sein HauS steht unten, lvo die Stadt schon ehrwürdig alt ist, fünfundzwanzig Jahre alt! In« Erdgeschoß ein Bankgeschäft. Die Fenster sind geöffnet, Schreibmaschinengeklapper fällt auf die Straße, Briefe werden diktiert, in alle Welt, in allen Sprachen, die meisten Palästinenser beherrschen deren vier bis fünf. Im ersten Stock webt die Stille der Kunst. An dei« Wänden des Mu- seumS hängen Josef Israels, Claude Monet, Max Licbcrinann, vai« Gogh, Lesser Ury, Barlach, I Utrillo, Chagall...— daS hat man, bei aller Geschäftigkeit, nicht vergessen, sich zugulcgen. Jin zweiten Stock wohnt der Chef. »Wieviel Einwohner hat Tel-Aviv?" „Gestern tvaren eS 85.000. Heute kommen neue Schiffe an—." Schnell verfließt das Bild der Gegenwart in dieser Stadt, in der fieberhaft gebaut wird, die aber nie genug Wohnungen hat; in jedem Zimincr haust man durchschnittlich zu dritt. Ständig wächst die Stadt, wer vor einigen Jahren an ihren Rand zog, um Ruhe zu haben, muß jetzt schon wieder vorm Lärm flüchten. Immer währt der Morgen der Stadt, noch ist nicht abzusehen, wann der satte Mittag deS Stillstands anbricht. Keil« Wunder, wann der greise, junge Stadtvatcr begeistert von der Zukunft spricht: »Tel-Aviv hat Hinterland mit vielen wirtschaftlichen Möglichkeiten: schon heute werden mancherlei Jndustricproduktc nach Syrien, Aegypten, Arabien und Süd-Afrika exportiert; gün» stigc lliinatische Bedingungei« schaffe«« alle Voraussetzungen für die Entwicklung Tel-Avivs als Kurort; auch der seelische Magnet dieser Stadt tvird immer wieder jüdische Touristen anziehen; und bald wird das Zentrum der Industrie und des Verkehrs auch eins der Kultur und Kunst sein" Zukunftsmusik? Musik einer nahen Zukunft I Stimmt nicht die ganze Stadt schon ihre Instrumente? DaS hämmert und klopft: wie rasch wachsen die Häuser, in harten Linien zu zweckmäßig schönen Formen sich fügend, allmählich so die Stil- losigleit der ersten Jahre verdrängend— DaS schlügt und kracht und rasselt und stößt: in Fabriken und Werkstätten wird getischlert, geschlossert, gedrechselt, gebohrt, gewebt und gewirkt. Das fliinmert und blitzt in den abendlichen Straßen: grell lacht die Rcklaine, die Auslagen der Läden prahlen iin Prunken der Flan««nen, mit riesiger Leuchte locken die KiuoS das Volk—- DaS brummt und klingelt: Satz um Sah, Schub uin Schub, rutscht aus den Rotationsmaschinen. gefüttert mit Nachrichten, Betrachtungen, Geschichten, die hebräische Presse der Stadt— DaS lernt und liest, ohne Schulzwang des Staates sind die Schulen überfüllt; die Bibliotheken, mit vielsprachigen« Wissensschatz vollgestopft, belagert— Das sportet und turnt: die Stadt hält den Rekord der Jugendlichkeit, der Telaviver ist durchschnittlich etwa dreißig Jahre alt— Das sorgt für die Kranken, die Schwangeren. Die Mütter: Geburtenüberschuß 20 Prozent pro Tausend, mehr als in West« und Mitteleuropa, mehr als in Polen selbst; Kindersterblichkeit 75 pro Tausend, während sie bei den Arabern des Landes 200 bis 250 pro Tausend beträgt— Das singt und lacht» Freude füllt die Straßen und CafLS, heitres Getümmel den Strand; viel geselliger ist man als iin alten, feudalen Jerusalem etwa— Das liebt und lobt die Stadt in tausenden llebertreibungen; wer nicht Paris und New Jork zum Vergleich heranzieht, kränkt die Eitelkeit— Das ruft in bunten Plakaten, die wie Blumen dem Asphalt entwachsen: Koinint zum Pu- rim-Karncvall Kommt zur Levante-Messel— DaS feiert und festet, wie die Feste eben fallen, doch eigen-tclavivisch ist der gcl«>öhnlick«c Schabbath, wenn plötzlich aller Verkehr ein schläft, keine Maschine mehr läuft, keine Zeitung gedruckt wird, kein Filin flimmert, niemand mehr arbeitet, brennt, und Tel-Aviv, das geschäftige, hastende, aller Lärin verstummt, das Licht der Braut I laute Tel-Aviv, nur eines ist: die jüdische Stadt. st?® 1* ac? e n:®. e i SufWluiio tns HauS oder bet Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL 48.—, halbjährig KL 96.—, ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bet öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten ersogt mir bei Einsendung der Retourinarken.— Die Zeimngösrankatur wurde von der Post« und Telegraphendirektion mit Erlaß Nr. 13.800/VU/1980 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag.