Donnerstag, 22. März 1934 Nr. 68 Einzelpreis 70 Hefe lelnichHeBllch 5 Heller Fede) 14. Jahrgang IENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER reCHECHOSIOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii., fockova a. teiefom saun. Administration teiefon sx>7t>. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWOmUCRER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 2£iJsaaL Oesterreich muß unabhängig bleiben Alle anderen Lösunsen auf die Dauer aussichtslos Prag, 21. März. TnS mit Spannung erwartete Exposee deS Außemninistrrö Doktor Beneö in de» AußrnauSschüffen der beiden Häuser befaßte sich ausschließlich mit den« Ustrr- reichischen und niittrleuropöischcn Problem. WaS nicht in diesen Rahmen paßte, wurde von Toi tor Beneö zursilkgestelkt. Er trug in direkt wissenschaftlicher Form eine systematische Urbersicht über alle möglichen Arte» der Lösung dieses Problems zusamnicu und kam durch systematische Elftnlnierimg aller nndeven Lösungövrrsuche schließlich zu dem Endresultat, daß rS lriurm Staat und keiner Staatengruppe gelingen köime, in Oesterreich allein bestimmenden Einfluß zu gc- wnnicn. Möglich sei also nur die europäische Lösung, d. h. dir Garantie der Unab hängigkeit Oesterreichs auf Grund des Genfer Protokolls vom Jahre 1922, ergänzt durch einen entsprechenden w i r t s ch a f t l i ch« n Anhang. Tann würde» sich auch die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Oesterreichs beheben lassen und Oesterreich könnte einmal die Stellung einer Schweiz erreichen. Andernfalls sieht Dr. Benes ziemlich pesiimistisch ein Anseinandrrprallen der verschieden sten Interessen der Mächte am Donauramn vor, dav schließlich, wie schon einmal im Jahre 1914, zu einer europäischen Katastrophe führen könnte. Eine Bewertung der r ö m i s ch e n Konferenz erfolgte ebenfalls nur in diesem Rahmen: Ma» solle abwarten, wie sich die Dinge weiter konkret entwickeln werden. Gewisic Anregungen könnten vielleicht in die gesamteuropäische Lösung mit übernommen werden, aber letzten Endes hat doch alles andere, wat! nicht der slirzirrten europäischen Lösung entspricht, keine Aussicht auf Erfolg... Auf MnstoliniS Rede reagierte Beneö überhaupt nur in einer Randbemerkung. Be achtenswert war auch die Interpretativ» der Ablehnung deö Anschlusses an Deutschland und die Bemerkung, daß selbst im Falle eineS„vorübergehenden" RazisirgeS in Oesterreich der Anschluß n i ch t in Frage komme. In der Debatte, die sich im Senat noch heute abwickrlte, sprach für unsere Fraktion Ge nosse Nießner, dessen Rede wir morgen int Auszug Nachträge» werden. Morgen tvird auch die Debatte im Außenausschuß deS Abgeordnetenhauses abgrführt werde». Hier wird voraussichtlich Genosse Tanb zn dem Exposee namens unserer Partei Stellung nehmen. Dr. Benes stellte sofort einleitend fest, daß er sich heute lediglich mit dem mitteleuropäischen Problem vom Standpunkt der österreichischen Frage befassen wolle, und zwar im Geiste freundschaftlicher Sympathie zn Oesterreich, wie dies seit ISIS der Fall sei, hebt die Wichtigkeit des österreichischen Problems hervor, das fraglos in Zukunft die Beziehungen der Kleinen Entente zu Italien dauernd mitbestimmen lverde. Durch die Lösung der österreichischen Frage würde zweifellos der Friede Europas für lange Zeit gr- sichert werden. Der Minister gibt nun eine historisch sehr interessante lkebersicht über die Versuche einer Lösung der österreichischen Frage, die er folgendermaßen zu- sammenfaßt: 1. die deutsche Lösimg— d. h. der Anschluß! 2. die italienische Lösung, die von Italien seit 1922 sorgfältig verfolgt werde, von der mau aber noch nicht wisse, ob ihr Ziel irgmd- cinc rechtlich-politische oder nur eine wittschaftliche Bindung sein soll; S, die mitteleuropäische Lösung in der Fon» einer Donauföderation, einer engeren Bindung zwischen Oesterreich und Ungarn oder endlich die Lösung, für die sichBrneö mit allem Eifer einsetzt, nämlich die völlige Nnab- hängigkeit Oesterreichs von alle» seinen Nachbarn mit gewisse» intemationalr» Garmitirn in Anlehnimg an daS Genfer Protokoll vom Jahre 1922, das Beneö als eines der wichtigsten diplomatischen RachkriegSdokummte bezeichnet. Wohl nicht ohne Absicht hebt BeneZ die politische und finanzielle Hilfe der Tschechoslowakei für Oesterreich im Jahre 1022, die Unterstützung im Burgenlandkonslikt und bei den Versuchen nach Restaurierung der Habsburger im Jahre 1921 hervor. Er betonte, weiters, dass die Tschcchoswwakei es stets abgelehnt habe, Oesterreich als Objekt der Politik zu behandeln. Immer wieder hebt er die Bedeutung des Genfer Protokolls von 1922 hervor, das der Ausdruck einerseits eines gewisse» Kräfteverhältnisses in Mitteleuropa, andererseits eines gefunden politischen Verstandes und wahrer politischer mittel- curopöischcr Siealität sei, und erinnert die Signatare dieses Paktes(also vor allem wohl Italien) daran, daß sie sich vrrpstichtet haben, keine spezielle Einflußnahme«nd Begünstigun gen auf österreichischem Gebiet zu suchen, während Oesterreich wiederum sich verpflichtete, solche nicht zu gewähren. Daraus ergebe sich als der einzig gangbare Weg drrdrrvollenSelbftändig- k e i t Oesterreichs. Beneö streift dann die Weitete Entwicklung, die verunglückte deutsch-österreichische Zollunion von 1931, den gescheiterten Tardieuplan und die Erneuerung der politischen Bedingungen deS Genfer Protokolls durch die Großmächte im Jahre 1932 anläßlich der Gelvährung der neuen Anleihe an Oesterreich. Seit Juli 1932 habe sich die Situation wesentlich geändert, einerseits durch das Anwachsen des Nationalsozialismus in Deutschland, andererseits unter dem Einfluß der a u s I t a l i e.» kommenden Tendenzen. Heute seien die. Positionen der einzelnen österreichischen Faktoren ganz klar: Die heutige österreichische Regierung habe sich oftizicll entschieden hinter das Progrannn der Unabhängigkeit Oesterreichs gestellt; dies könnte praktisch bedeuten, auch hinter das Genfer Protokoll,„wenn getvisse Einflüsse(Italiens!) nicht allzusehr dahin wirken werden, daß auch die Rcgie- rung Von dieser Linie hinüber zu einer anderen Lösung abbieg t." Die Nationalsozialisten stellen sich hinter daS Anschlußprogramm, IvaS zum Konflikt zwischen Berlin und Wien über die berüchtigte Habicht-Aktion geführt habe; die Heimwebren seien für die italienisch-östcr- reichiskti-ungarische Lösung, während der Rest der Arbeiterbewegung neuerlich rind mit Entschiedenheit die Lösung der politischen Selbständigkeit und wirtschaftlichen Zusmnmenarbeit mit den kleineren mitteleuropäischen Staaten aufnehme. ES müsse atgewartet werden, welche definitive Lösung die österreichische Negierung selbst einschlagen, bzw. ob sie die BasiS deS Genfer Protokolls ändern und Tendenzen einer N e u- «rientierung nach dieser»der jener Großmacht zeige» werde. I» diesem Zusammenhänge erinnert Beneö auch an die Kundgebung der drei Großmächte England, Frankreich und Italien vom 17. Feber d. I. über die Notwendigkeit der »ollen Unabhängigkeit Oesterreichs. Beneö, geht dann in sehr ausführlicher Form auf die einzelnen von ihm abgelehnten LösungS- möglichkeiten ein. 1. Die deutsche Lösung: Der AnschluB Hier bringt"'cneö einleitend in Erinnerung, daß Masaryk und Beneö während deS Krieges, als über die Aufteilung Oesterreichs verhandelt tvurdc, den Alliierten den Anschluß zunächst empfohlen hätten, allerdings infolge des absoluten Widerstandes der alliierten Großmächte sehr bald davon abgekommen seien. Die Tschechoslowakei habe diesen Tiandpnnkt der Alliierten übernommen nnd verlange nun dessen Einhaltung. ES sei auch beute für den Friede» sicherer und richtiger, wenn rS nicht zum Anschluß komme, aber falls ihn die wefteuropüischen Mächte nicht hintanbalten wollen, so fürchte sich die Tsche- choslowakei vor dieser Eventualität nicht. Zur Ab- lehnung deS Anschlusses führe uns di« Loyalität unsere» Freunden gegenüber, die internationalen Brrpslichtunge» und unser eigenes Interesse. Den jetzigen Glei ch schalt ungSver- | s u ch e n, die den neuesten Anschlußversnch darstellen, stellt BeneS. de» letzten wirt- schaftlichen Anschlußversnch, die Jollunions- pläne von 1921, gegenüber: Nicht einmal in jene» ruhigen Zeiten habe Europa den Anschluß hinnehmen wollen: ums» leichter könne man eS sich erklären, daß Europa zur Zeit der heutigen Unruhe und politischen Spannung gegen GleichschaltungSversnche so scharf reagiere. Di« jetzigen Gleichschaltungsvcrsuche(der Minister vermeidet natürlich dieses Wort!) zielen dahin ab, daß in Oestcrreiäi die Möglichkeit zur Bildung einer völkischen, alle» mit sich reißenden nationalsozialistischen Bewegung zugelassen lverde, die früher oder später notwendigerweise die politische deutsch-österreichische Bereinigung nach sich ziehen müßte. Dagegen richte sich das zitierte Konnnnnignce der drei Großniächt« vonr 17. Feber über die Notwendigkeit der Unabhängigkeit Letlerreichö; dagegen wehre sich auch die heutige österreichische Regierung. Tollten sich trotzdem die Dinge einmal so entwickeln, wie dies die Rationalsozialiste» sich vor. stellen, so würden daraus schwere und langandauernde Streitigkeiten in Europa rtttslelien, denn eS werde sich in keinem Falle der Standpunkt der drei Großmächte, sowie der andere» interessierten Staaten ändern, anch dann nicht, wenn Oesterreich vorübergehend nationalsozialistisch werden sollte. Er habe daS schon bei seinem Besuch in Berlin im Jahre 1928 erklär:, daß der politische nnd wirtschaftliche Druck, den ei» Groß-Deutschland ans ganz Mitteleuropa nnd Südostenropa anSüben wurde, in Europa eine so ungeheuere Spannung hervorriesc, daß dies zu einem Konflikt führen könnte. Ter Schlüssel zu dieser Einstellung sei heute in Deutschland zn suchen. Die Haltung der Tsche- choflowakei entspringe nicht gefühlsmäßigen Gründen; es handle sich ihr nur um den atlgcnieinen Frieden in Europa. Die Lösung der österreichische!: Frage im Wege des Anschlusses sei also unrealisierbar. 2. Die italienische Lösung sei niemals so klar formuliert gewesen wie der Anschlußplan. Italien habe eS sich dabei daruin gehandelt, sich in Oesterreich nnd im Donauraum einen g e w i ss e ir p o l i t i s ch e n Einfluß zu sichern, für sich besondere wirtschaftliche Borteile zu erlangen und schließlich mit all dem den Anschluß hintanzuhalten. Diese Versuche gehen schon aus eine Begegnung Nitti-Renncr im Jahre 1919 zurück; 1922 wurden italienische Versuche in dieser Richtung zurückgewiesen. Seither habe sich I t a l i en bemüht, in allen Organen des Völkerbundes, die sich mit österreichischen Dingen besck-äs- tigten, eine führende Rolle zn spielen. Das italienische Memorandum vom September 1938 zeige die Tendenz, sich im Donauraum einen gewissen Einfluß zu sichern, doch sei eS möglich, mit gewisse» Reserven dieses Memorandum als Grundlage der Verhandlungen über die tvirtschaftliche Zusammenarbeit in Mitteleuropa zu nehme». (Fortsetzung ans Seit« 2.). Driinncnvcrgiltimg „EinB«ntetnng". So betitelte das „Prager Tagblatt" eine politisch.wirtschastlichc Betrachtung, in der gegen den Entwurs des StillrgungsgcsetzeS polemisiert wird. Tast, diese Polemil nicht gerade fair ist, zeigt schon die Schlagzeile. Mau versucht in dieser Betrachtung eine— für die ganze Volkswirtschaft der C.2;)i — wertvolle und in der gegenwärtigen Zeit unerläßliche Maßnahme in das gerade Gcgentejl zu verkehren; trotzdem man beim Lesen dieser Zeilen den Eindruck gewinnen muß, daß dem Verfasser die volkswirtschastlich wertvollen Wirkungen bekannt sind. Der Verfasser schreibt u. a.: „Der z w c i t e B c r o r d n n n g s c n t- w u r s jedoch st e I l t sich keineswegs a l S Schutz m a st, n a h m e z n Ei n n st c n der Arbeitnehmer dar. sondern v i e l m c h r a l S M a ß n a h in e; u r B erst i n d c r n n g einer E n t l a st n n g des Arbeit-Marktes.... Was mit diesem Entwurf jetzt in der Zeit aitmästlichcr Besserung der Arbeitslojigtcit bezweckt werden soll, ist nn klar,.stein Fabrikant läßt seine Maschinen ans Privatvergnügen rosten. In Zeiten start Marrens hat freilich eine Manufaktur die Möglich leit gehabt, durch mutwillige Entlassungen die Arbeitsbedingungen der Belegschaften zu verschlechtern. Heute aber, wo Gestände, Maickss- neu und andere BclriebSeinrichlungen abzu- schreiben und zu verzinsen sind, auch wenn das llnternehmen stillstrht. ist der Ilnicrncstmer sogar gezwungen, auch mit Verlust weiierzuar- bciten, da die stossen der Stiflcgung ihn noch empfindlicher tresscn würden... Bevor nickn alle Möglichkeiten der Beschaffung von Ansträ gen erschöpft sind, wird lein Fabrilani zur stnrzarbeit oder Entlassung greifen. W o st l wird er s i cki aber h ii t c n, b e i größeren E i n l a n s v o n B c st c l l n n g e n Arbeiter neu aus; n n chin eii, da die Bestimmung der Notverordnungen ihm eventuell später die Abstoßung v o n A r b c i t s l r ä st e n u n m L g l i ch m a ch c n könnten... Jn- solgedessen wird er mit den ungünstigsten Even- tuaiitätcn rechnen und trachten, Aeueinssellun gen möglichst zu vermeiden". Dem„Prager Tagblatt" ist es„unklar", was„in der ftcit der allmählichen Besserung der Arbeitslosigkeit" mit diesem Gesell bezweckt werden soll. Zinn, wenn eS ihm„unklar" Hl. warum schreibt es dann in dieser Form darüber? Wer die Unterscheidung zwischen privat und volkswirtschaftlichen Nutzen nicht kennt— oder nicht kennen will—; wer nur immer aui erste ren sieht und diesen gleich volfswirtschafttichcn Nutze» setzt, dem tvird eine derartige Maßnahme immer„unklar" sein. Wir sind nicht veruflicki tet, das Tagblatt zu belehren, aber eine Frage dürste in diesem'Zusammenhang nicht uninteressant sein. Dem Tagblatt wird dadurch der Zweck deö Entwurfes„klar" werden. Warum, und mit welchen Begründungen wehrt sich das Unternehmertum„in Zeiten der Verschlechterung der Arbeitslosigkeit" gegen sozialpolitische For dcrungen der arbeitenden Menschen? Weiß das Tagblatt nichts von der Verlegung des Eisenwerkes Rothau-Neudek nach starlShüttc? Weiß man nicht, welches'große Volksvermögen durch diese Verlegung mutwillig vernichtet wurde? Trotzdem daS Tagblatt am Tage vor der Doröffentlichuiig seines Artikels den wesentlichsten Inhalt deS Entwurfes des Etillcgungsge- setzcS publizierte, dem Verfasser deS„Bumerang" dieser bekannt sein mußte, stellt dieser eine Behauptung auf, die den Tatsachen geradezu ins Gesicht schlägt. Ter wesentlichste Inhalt des Stillegungsgesetzes besagt, daß ein Arbeitgeber, der seinen Betrieb einsiellcn oder einschränken will, dies dem Bezirksamt und dem Gewerbe- inspcktorat innerhalb 1-1 Tagen bekanntgeben muß. Die genannten Aeinter teilen diese Absicht sofort der Landcsbchörde mit, die nun ihrerseits mit den an der Fortführung interessierten Kreisen(Arbeitgeber und Arbeitnehmer) in Verbindung tritt, um Mittel und Wege zu finden, da- Cefte 2 Mr. Oft DonnerStag, 22. Mürz 1934 GEDENKET bei affen Anffisen Wer sind die Lumpenhunde?! Eine Rekord-Büberei der kommunistischen Presse Im Kamps nm die Frage, ab Oesterreich deutsch, italienisch, franzlistsch, zur Kleinen Entente gehörig»der ungarisch sein soll, mlisse die Wahrheit siegen, daß Oesterreich österraichisch bleiben soll. der Arbeiterfürsorge! mit der Betrieb weitcrgeführt werden kann. Sollte die Maßnahme infolge finanzieller Schwierigkeiten erfolgen sollen, so in der Staat berechtigt, sich mit den in Frage kommenden Gcldanstalten in Verbindung zu setzen, um zu erreichen, daß der Betrieb ausrecht erhalten werden kann. Zusammenfossend kann man zu die- ser Maßnahme sagen, daß durch dieses Gesetz ivcrtvolle Teile des BolkSvennögenS den» Volke erhalten und nicht der Vernichtung ausgesetzt werden sollen. Der Entwurf des StillegungögesetzeS läßt aber auch der Initiative des Unternehmers»roch einen so großen Spielraum, daß cS mehr als bedenklich erscheint, wenn er in der bestehenden Fassung angenommen, also Gesetz werden sollte. Tie Verpflichtung zur Anzeige der Stillegung oder Einschränkung des Betriebes ist nach dem Entwurf nicht gegeben, wenn die Stillegung vezw. Einschränkung nur eine Woche dauert und >ven» die Einschränkung der wöchentlichen Arbeitszeit nicht mehr als 16 Stunden beträgt. Tie wöchentliche Arbeitszeit muß also unter 32 Stunden liegen. Ferner ist die Anzeige nicht er- forderlich, wenn beispielsweise nur neun Prozent des Belegschaftsstandes im Jahresdurch- schnitt zur Entlassung kommen sollen. Durch diese Einschränkung der Anzeigepflicht deö Arbeitgebers verfügt dieser vollständig frei über rund 40 Prozent der in seinem Betrieb zu leistenden Arbeitsstunden und es ist— gelinde ausgedrückt — eine Illusion, wenn behauptet wird, daß der Arbeitgeber auö Angst, er könne später die neu- eingestellten Arbeitskräfte nicht abstoßen, keine Einstellungen vornehmen wird; daß der Unter- nehmer lieber ihin angebotene Aufträge ausschlagen wird. alS durch Neueinstcllungen diese zu erledigen. Abgesehen davon, daß bei begründeten Anzeigeit der Arbeitgeber ja nicht zur Wei- tcrfiihrung de§ Betriebes gezwungen wird. Wenn z. B. ein Unternehmer seinen Betrieb wegen Auftragsmangel schließen muß, so müßte er doch schließlich dem Staate dankbar sein, wenn ihm ein Gremiuin zur Seite gestellt wird, wcl- ches ihm schließlich einen Fingerzeig geben kann, wie cs niöglich wäre, evtl, wieder Aufträge zu bekomnien, um den Betrieb vor dem Stillstand zu bewahren. Wenn in diesem Zusanimenhang die volkswirtschaftlichen Interessen(die Be- darfssrage) in den Vordergrund gestellt und erst in zweiter Linie die Profitintercsscn erörtert werden, so ist daS kein Grund zu einer solchen Schreibweise. Allerdings— und daS scheint der springende Punkt zu sein,— durch das Still- lcgungsgesctz ist die willkürliche Stillegung nicht mehr ganz so leicht möglich. Die Stillegung muß objektiv-wirtschaftlich begründet sein und darf nicht als wirtschaftliches und politisches Druckmittel benutzt werden. ES wird also dem Unternehmertum nicht mehr so leicht möglich sein, die Stillegung in den Arbeitskampf einzube- ziehen, um Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Oder will der Verfasser des„Bumerang", wen» er sich nicht vom Vorstehenden leiten ließ, die Auswirkungen der unsinnigen kapitalistischen Rationalisierung verschleiern? Will er daS Still- legungSgesctz, noch ehe cs Gesetzeskraft erlangt, für die herrschende anarchistische Profitwirtschaft, die gegenwärtig schon besteht, verantwortlich machen? Durch die Devalvation hat die Exportindustrie einen Vorsprung erreicht, der sich auf die anderen Industrie», auf Landwirtschaft und Gewerbe günstig auswirke» kann. Allerdings nur dann, wenn das Unternehmertum Neuein- stcllungen entsprechend der erhöhten Ausnutzung der Kapazität vornimnit, und zuni anderen die durch erhöhte Ausnutzung der Betriebe erreichte Verbilligung der Produkte den Konsumenten zu Gute kommen läßt und nicht in die eigene Tasche steckt. Eine Zeitung vom Range des„Prager Tagblatt" sollte sich nicht auf der Ejelswiese tummeln wie jene„Wissenschaftler", die die Ur- fache der Rationalisierung in den„hohen Löhnen" gefunden haben; denn sonst kann man sie wirklich nicht mehr ernst nehmen. Die Art. wie !m besprochenen Artikel argnmentiert wird, ist polittsche und wirtschaftliche Brunncnvcrgiftung. Dir Schlagzeile allerdings, die das Tagblatt für diese Betrachtung gesunden hat, ist 100pro< zentig richtig. Ein Bumerang ist dieser Schrieb. Nur mit dein kleinen Unterschied, daß nicht jene die Werfer sind, die das„Tagblott" meint, son- der» das„Tagblatt" selbst. Joe. „Die Welt von heute", die wir unseren Lesern vor einigen Tagen vorstellten, begnügt sich nicht mit der Fortführung des ungeistigen Erbes, das die eingestellten deutschen Kommunistenblät» tcr(„BortvärtS",..Internationale",„Kämpfer") hinterlassen haben. Sic ist bemüht, ihre Vorgän- ger an Lumpengesinnung und Gemeinheit zu übertreffen. Dafür zeugt eine ungeheuerliche Büberei, die sie gegen den Genossen Abg. Katz verübt hat. In ihrer Ausgabe vom 21. März gibt„Die Welt von heute"„Gerüchte" Ivieder, die ihr angeblich aus der Karlsbader Gegend zugctragcn wurden— Gerüchte über große llntcrschlcife. die Genosse Katz verübt haben soll. Dicke Gerüchte besagten, daß Katz mit Millionenbeträgen in die Schweiz geflüchtet sei. weil die sozialdcmolratischc Partei vor der Auslösung stehe. Auch in seiner Eigenschaft als Funktionär de» Falkenauer Re« v i c r r a t c ö habe sich Katz schwerer Verfehlungen schuldig gemacht und er sei am vergangenen SamStag bereits vom Falkenauer Gendarmerie-' kommandanten einvernommen worden...Tie Welt von heute" stellt den Genossen Katz dem Betrüger Zajiöek gleich, ausdrücklich betonend, daß den „Gerüchten" ernsthafte Tatsachen zugrnndelägen. Zu diesen Gerüchten, die in der Karlsbader Gegend tatsächlich die Runde machten, hat Genosse Katz in der D i e n S t a g-AuSgabe des „Volkstville", also am 20. März, folgendes erklärt: An alle Verleumder und Ehrobsibneiderl In den letzten Tagen werden von unseren Gegnern die unsinnigsten Gerüchte über mich verbreitet. So wird behauptet, ich sei„mit einigen Millionen Kronen Parteigcldcrn nach der Schweiz geflüchtet", und ztvar batte ick daS deshalb gemacht,„tveil die sozialdemokratische Partei bei unS schon vor der Auflösung" stehe und ich mich rechtzeitig mit dem Geld in Sicherheit bringen" tvollte. Wieder andere Gerüchte lauten, ich sei „verhaktet worden, da man bei einer Haussuchung eine Menge Waffen gestinden" habe. (Fortsetzung von Seite 1.) Dir letzten Besuche Dollfuß' und ungarischer Politiker in Italien im Vorjahre, der Besuch Su- vichs in Budapest mid Wien»nd die römische» Konferenzen der Vorwoche scheinen konkrete Versuche der sogenannten italienischen Lösung deS österreichischen und gewisser mitteleuropäischer Probleme M bedeuten. Die Tschechoslowakei und die ganze Kleine Entente betrachte diese Versuche nach politischer Vertiefung der Beziehungen zwi» scheu den drei Staaten, ohne daß angeblich neue politische Blocks gebildet tvürdrn, hauptsächlich aber die Bemühungen nach Schaffung stärkerer wirtschaftlicher Bezirhmigril auf Grund der Konferenz von Stresa und ded ertuälmtru italienische» Memorandums a p r i o r i n> ch t n n- g ü n st i g. Sie müßten mit ihrem definitive» Urteil allerdings erst z u w a r t e n, bis man ihre konkreten Formen»nd dir rechtlichen, politische» und wirtschaftliche» Folgen völlig klar übersehen werde. Falls diese Versuche nicht gegen die Kleine Entente gerichtet sind, ja sogar den Boden für eine Zusammenarbeit und für ein Uebereinkommen der Staaten der Kleinen Entente mit den übrige» interessierte» Staaten anf Grund der geltenden Verträge vorbereiten sollen, würde die Kleine Entente sie sogar begrüßen und ohne Voreingenommenheit prüfe». Allerdings fügt« Bene» sofort hinzu: Leider ist nicht daran zu zweifeln, daß manche Stellen der letzten Kundgebung des H. Mussolini, mit deren Einzelheiten ich mich in diesem Augenblicke nicht zu beschäftigen beabsichtige, die Möglichteite» dieser Einigung allerdings verringern können. Demgegenüber würden wir naturgemäß dazu geführt werden, daß wir uns entschieden dagegen stellen würden, wenn dies in seinen Konsequenzen ein Berlasscn, Verletze», Ueberschrciten oder Aendern der Politik deö ProtokolleS vom Jahre 1922»nd 1932 bedeute» sollte, welches für unS alle die Magna Charta der mitteleuropäischen Politik ist und bleiben muß. Jin übrigen würde jeder derartige Versuch auch auf anderen Seitecc Widerstand werken. Ich glaube nicht, daß unter diese» llmständen ein in diesem Sinne anfgefaßtcr sogenannter italienischer Plan verwirklicht werden könnte. Der Widerstand Frankreichs, Deutschlands und der Staaten der Kleinen Entente ließe sich hier nicht für lange Zeit überwinden. Außerdem würde dies in naher Zukunft zu einer neuen politischen Spannung zwischen beiden Lagern in Mitteleuropa, Deutschland mit eingeschlosscn, führen, wnS das mitteleuropäische Problem noch weiter komplizieren würde. ES scheint, daß die Protokolle von Rom selbst allem dem auSzuweichen versucht haben. z. Die mitteleuropäische Lösung Hier bespricht Tr. Benes zunächst den Plan einer D o n a n f ö d e. r a I i o». Diese Lösung sei anscheinend im ganzen naturgegeben und vernünftig, doch herrsche gegen sie der grüßte Widerstand. Prag babe sich für diese Lösung nicht eingesetzt, aber eS habe in genauer Kenntnis aller Schwierigteiteu derselben auch keine Jnitta- Diese Gerüchte soNen nicht nur meine Person diskreditieren, sondern vor alkeni unsere Partei schädigen. Die Urheber der Verleumdungen wissen eben ganz genau, daß kein Gerücht dumm genug sein kann, uni nicht geglaubt zu werden. Ich habe, nun einige der Individuen, die diese Gerüchte verbreitet haben, festgestellt und werde ihnen Gelegenheit geben, sich vor Gericht zu verantworten. Unsere Parteigenossen ersuche ich. die Verbreiter solcher Verleumdungen festznstellen und mir ibre Namen zu übermitteln. Ich werde diesen Burschen ihr unsauberes Handwerk mit aller Gründlichkeit legen. Franz Katz, Falkenau. Man vergegenwärtige sich, daß diese Erklärung deö Genossen Katz einen Tag v o r der Wiedergabe der„Gerüchte" in der„Welt von heute" erschien und daß einige der ivcstböhmischen Ver» lcuinder Katzens bereits dingfest gemacht worden waren! Keine einzige der gegen Katz erhobenen Beschuldigungen ist tvahr. Katz ist weder Mitglied deS Falkenauer ReviirrrateS, noch hak er andere ArbeitorgSIder zu verwalten. Er geht in Ruhe den Fnuktwiren nach, die ibm daS Vertrauen de« Arbeiter aufgctragen Hal. Diese Tatsachen allein richten„Die Welt von heult:" und ihre erbärmlichen Hintermänner. Tic Verantwortlichen werden ja Gelegenheit be« konnncn, für die Schmutzerei, die sie da beginnen, vor den Schranken des Gerichtes einzustehn. Die Fascistcn haben die Methoden des Ver- leunidens sozialdemokratischer Vertrauensleute zu neuer Gcltimg gebracht. Die Kommunisten haben diese Methode wcitercntwickelt und in dem Wett- lampf nm das Leisten der größten Lumperei vorläufig einen Rekord aufgestellt.„Die Welt von heute" kann durch solche Methoden ehrenwerten Männern nichts anhaben; man muß dankbar sein, daß sie erkennen läßt, wo die größten Lumpenhunde sitzen. t i v e zum Kampfe gegen sie aus Loyalität gegen die französischen und englischen Freunde ergriffen. Vor allem habe sich Italien am entschiedensten dagegen gestellt, weil eS darin die Erneuenmg der ehcinaligcn Monarchie, seines ErbseindeS, in neuerer und besserer Form erblicke. Deutschland stelle sich auch dagegen, tveil eS darin den Versuch der Schafstcng eines antideutschen Mitteleuropas sehe. Am wichtigsten sei, daß mich keiner der fünf interessierten Donanstaaten diese Lösung aufrichtig luünsche. Diese Lösuna scheide also mehr auS gefühlsmäßigen, psychologischen und moralischen Gründen aus. Oesterreich. Ungern, des«. Habsburs Diese Lösung sei ebenso unrealisierbar lvie die vorhergehende. Vor alleni lvegen deS Widerstandes der Kleinen Entente, da sich diese Gemeinschaft auf Jtaliecr stützen und eine politische Teilung der Donaustaaten in zwei sich dauernd bekämpfende Blocks, ein Ansachen deS Revisionismus und systematische Kämpfe um den Einfluß Deutschlands oder Italiens in Mitteleuropa bedeuten würde. Wirtschaftlich würde dies für alle einen Verlust und keinerlei Gew in n bedeuten. Oesterreich würde ivirtschafrlich die Tschechoslowakei und Jugo- scäwien verlieren und dafür nur daS ungarische Gebiet eintanschen. Auch Deutschland würde sich da- gegenstellen, da dies die endgültige Verhinderung des Anschlusses und ein llebergelvicht Italiens bedeuten lvürde. Für Frankreich sei diese Lösung nicht I annehmbar, weil eine Anlehnung dieses Blocks je nach der politischen Konstellation an Italien oder Deutschland eine Stönmg des mitteleuropäischen! Gleichgewichts bedeuten müßte. Auch in Oesterreich und Ungarn selbst bestehen starke politische und wirtschaftliche Gründe gegen diese Lösung. Die Kleine Entente lehnt diese Lösung auch ab, weil sie nur die Vorbereitung der Mckkrhr der Habsburger bedeuten würde. Gegen eine solch» Lösung lverde die Kleine Entente jederzeit und unter allen Umständen kompromißlos sein. Habsburg tu Budapest»der Wie»— das bedeutet, niemals Ruhr, niemals Frieden zu haben. Dazu sei der Weltkrieg nicht geflihtt worden, llebcrdics seien heute die Aussichten einer Restaurierung trotz allem Geschrei gleich Null. Damit kommt BeneS zum letzten Punkt, der europäischen Lösung: Garantierte Selbständigheil und Integrität Oeiterreidii Die Grundlage hiezu bietet das Genfer Protokoll vom Jahre 1022. Allerdings sei dies ungenügend und unvollständig. In politischer Beziehung müsse man sich noch mit einigen Staaten einigen, in wirtschaftlicher niüsse mau dem politischen Protokoll einen wirtschaftliche» Anhang anschließen. Diese Lösung könne die italienische sehr gut ergänzen. Me mitteleuropäischen Staaten sind so weit fortgeschritten, daß keine Großmacht ihr Protektor sein, beztv. einen Staat gegen die übrigen als Werk- zeug gebrauchen kann. Jeder der interessierten mitteleuropäischen Faktoren ist allein nicht imstande, den anderen gegenüber seine österreichische Lösung zu erziviugeu, aber dennoch genügend stark, um jederzeit eine gegnerische Lösung hintanzuhalten. Im äußersten Falle könnte eine Lösung durch eine gemeinsame Franc aller gegen einen erzwungen werden. Ein friedliches Einvernehmen sei vorzuziehrn, andernfalls werde das bisherige Ehaos andauern und letzten Endes unaushaltsam in einem Konflikt gipfeln, der zu einer schweren Katastrophe führen würde, zu einem europäischen Krieg. Die Lösung auf der Basis des Genfer Protokolls stellt sich Dr. Benes so vor: 1. Alle interessierten Staaten nchmecc im Einvernehinrn mit Oesterreich die politischen Grundsätze des Prototolles und die Berpflichtnn- gen im selben Sinne an, wie die bisherigen Sig- nntarmächte des Genfer ProtokolleS. Don diesem Augenblick an, da die österreichische Selbständigkeit anerkannt und respektiert ist, würde die wirtschaftliche Seite des österreichische» Problems leicht lösbar werden. Die normale wirtschaftliche Zusammenarbeit eines jeden Nachbars mit Oesterreich würde dann nicht mehr politisch verdächtigt werden. Jeder Nachbar hätte das gleiche Verhältnis zu Oesterreich und damit auch keinerlei Nebergewicht. Oesterreich selbst lvürde dann über seine Unabhängigkeit nach alle» Seiten eifersüchtig wachen und könnte mit der Zeit eine ähnliche Stellung wie die S ch w e i z erlangen. 2. Dieser politische Zustand der Sicherheit, Ruhe und Unantastbarkeit würde Oesterreich ganz neue Bedingungen einer wirtschaftlichen Existenz bieten. ES lväre leicht, ein System der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Oesterreich auvzu« bauen, das seine Existenz wirtschaftlich sicherstellen lvürde. Im gegenseitigen Einvernehmen könn- I ten Oesterreich gewisseBegünstignngen eingeräumt werden, soweit dirS überhaupt— und vielleicht nur vorübergehend— notwendig wäre. In dieser Beziehung könnten die Beschlüsse von Stresa mid dir Gnindthese» deS italienischen Memorandums von 1993 eine gewisse Grundlage und Berhandlnngöbasiü bilden. So könnte tatsächlich ein daurnideS Kompromiß einerseits für die Zusammenarbeit der Do- nanstaaten untereinander, andererseits für die Zu- salnmenarbeit mit den beide» benachbarten Großmächten gefunden werden. Unter diesen Umständen wäre die Tschechoslowakei zn jeder DiSkns- sion über diese Frage bereit. Neue fiandehnertrags- nerhandlungen mit Budapest Außenminister Dr. Beneö kündigte in sei»em gestrigen Exposee an, daß sich die tschechoslowakische Regierung vor einigen Tage» in offizieller Form an die ungarische Regierung wegen Be- lebnng des Handelsverkehrs und Abschlusses eines provisorischen und später ständigen Abkommens gewandt hat. Die ungarische Regierung hat Budapester Berichten zufolge die Anregung nicht ungünstig aufgcnonnncn. Die Anregung betrifft zunächst die Einleitung von Verhandlungen über den Abschluß eines neuen Kohlen- u n d K o m p e n satt o n S a b l o in m e n S, wobei auch die Bedingungen für einen ständigenHandels- Vertrag beraten werden sollen. Die ungarische Regierung betonte in ihrer Antwort ihre Bercitlvilligkeit zu den Verhandlungen, könne aber der Einladung nach Prag wegen anderweitiger Beschäftigung nicht nachkommen, doch stehe einer unverzüglichen Aufnahme von solchen Verhandlungen nichts km Wege, falls die Prager Regierung ihren Delegierten n a ch B u d a p e st entsendet. »er Prachatitzcr Besitz der deutschen Landeshommlssion Prag, 21. März. Heute haben die Vertreter der deutschen Parteien in der Landesvertrctung, und zwar die Genossen P ü l z l, Landeöauöschuß» beisitzcr Kaiser, Abt Helmer und Landesvertreter Grim in beim Landespräsidenten Dr. S o b o t l a vorgesprochen, um die Forderung dec Deutschen LandeSlommission für Kinderschuh und Jugendfürsorge in Böhmen, nach Rückgabe der nach dem Umsturz beschlagnahmten Gebäude in Prachatitz und Prag zu verdolmetschen. An der Aussprache nahm auch der LandeSfinanzrefercnt Dr. K u b i st a teil. Genosse P ö l z l verwies besonders darauf, daß der Wunsch der Deutschen LandeSlommission nach endlicher Erledigung dieser schon im November 1031 durch ihn in der Landesvertretung besprochenen Aufhebung der Beschlagnahme voll gerechtfertigt sei und daß das Land auch einen Anlauf des Hauseö und Grundstückes' in Prachatitz ernstlich in Erwägung ziehen könne. Nach eingehender Aussprache gab der Landespräsident der Abordnung die Versicherung, daß er sich persönlich für eine rasche und günstige Erledigung der Angelegenheit einsehen werde. Die Frage dcö Ankaufes des Prachatitzcr Besitzes der Deutsche» LandeSlommission soll durch den Landesausschuß in nächster Zeit behandelt werden. Das Benes-Exposee Krach im österreichischen Resierungtlaser Doltfufl verhindert einen Helmwehrputsch Rebellion der Tiroler Heimwehr ös bereit» int flc Spät abends«ibt das Polizeipräsidium nur eine turzc Darstellung der Tat ans, ohne jidi in Kombinationen eiuzulasscn. Für Mitteilungen, die zur Aufklärung des Falles führen, ivird eine Belohnung von 5000 Mark ausgesetzt. des Anti- Im„Kapitol" was davon wußte?! Gibt es ein besseres Beispiel für die Chamäleonstaktik der niarxisti- schen Voltsverführer?" Auch darin sind die Henleinsascisten die Fortführer nationalsozialistischer Tradition, daß sie Marx schmähen, ohne ihn zu kennen. Der fundamentale Sah dcS Kommunistische» ManifejtS, der von der Ueberwindung der Klassengegensätze durch die Beseitigung der Klassenunterschiede handelt, braucht das Köpfchen eines richtigen Hcnlcinman« nes nicht zu bcschtveren. Für die Fähigkeit und den Ernst des Herrn Rudolf Sandner, des„Führer"-Stellvertreters, ist die Tatsache ein Betveis, datz einige Jahre Mitgliedschaft in der sozialistischen Jugendbewegung spurlos an ihm vorübergingen. Er hat in seinen„roten Tagen" immer alles besser gewußt, hochmütig auf die dummen Proleten hinabsehend. Jeht stellt sich heraus, daß er gar nichts weist. Und eben das befähigt ihn, einer der geistigen Führer der Sudetendeutschcn Heimatfront zu sein. zugleich eine Vorbereitung für die Ucbernahme der betreffenden Personen frntlichen Dienst darftellr». Man erwartet, dass diese Frage Lause drv April in zweckentsprechender Form löst werden wird. für das stellenlose Intellisenzproletariat Regierung erwägt Neuaufnahmen in den Staatsdienst, P r a g, 21. März. Wie wir erfahren, werden in der Negierung zwischen den beteiligte» Ministerien eifrig die Möglichkeiten und dir Grundsätze einer a n st e r o r d r n t l i ch r n Arbeit», beschaffnng für ingelt bliche Erwerbslose erwogen. Es handelt sich namentlich um die Frage der A» s n a h m e geeigneter Absolventen von Schulen in die Praxis im öffentlichen Dienst, und zlvar gegen ein angemessene» Adjutum. Diese Praxi» würde definitive in den Auch Kamele In der Heimatfronti Die„Rundschau", das Organ der Hcnlcin- front. hat durch einige Wochen hindurch versucht, die sozialdemokratische Arbeiterbewegung totzuschweigen; sic ging über deren Vorhandensein als über ctlvaS Unanständiges, über das man nicht spricht, vornehm hinweg— bis die feinen Herren von sozialdemolratischen Arbeiterfäusten eingebleut bekamen, dast fascistischen Vcrleuindern jederzeit das Fell gegerbt lverdcn kann. Und dann hat die„Rundschau" unter der dicken Ucbcrschrift „Roter Terror" das Wort der Sozialdemokratie in ihre Spalten ausgenommen. In der nächsten Ausgabe hat sie's dann sozusagen mit g c i st i- gen Waffen versucht. Daö sieht so aus: „Wir fragen: warum spricht(sprechen freilich ist auch alles) heute die Sozialdemokratie von BokkSgenreinschaft und Aufhebung der Klassengegensätze, wo doch der M a r x i st e n- Papst Karl Marx nicht einmal et« Gegen diese Version wird auch die ur- i sprüngliche Behauptung aufrecht erhalte«, dast i e« sich nm einen A k t d e r Unzufrieden- heil mit den gegenwärtige» Verhältnissen han> delle. Es sei nur rin Zufall gewesen, dast durch die Granate jemand verletzt wurde. Merkwürdig ist der Umstand, dast bi» in die i Abendstunden von mastgebenden Stellen nicht die geringste Mitteilung über de« ganze« Fall zu erlangen war. Landeshauptmann Stumpf wahrt seine Autorität auch gegenüber der neimwchr! Zn dem neuen Konflikt in Tirol hat nach einer Meldung an» Innsbruck Landeshanptmanu Stumpf folgende Stellung genommen: Die Tiroler Vollsparlri«die Ehristlichsozialcn) hat zugunsten des a u t o r i t n r r n Regimes in Tirol auf ihre früheren Positionen im Landtag und in der Landesregierung verzichtet und alle Rechte auf de» Landeshauptmann übertragen. Diese Umstel lung auf autoritäre Grundlage erfolgte eben auf Verlangen der H e i m w e h r e n. Seit dieser Umstellung besitzt im Lande alle B o l l< Sandner, der Idealist Rudolf S a n d u c r ist sozusagen der Siell- vertreter des Herrn Henlein. Ter stcllvcrirelcnde Führer einer Partei also, die einmal ausgezogen ist, das Parteilvcscn zu übertvindcn und sich jeht ganz einfach damit bescheidct. das Partei- Erbe der verewigten Nazi fortzuführen. Es versteht sich, dast sich Herr Sandner bei solchem Tun durch die Tatsache belastet fühlt, einmal Mitglied des Sozialistischen JugendverbandcS gewesen zu sei». In einer Antlvort an den Karlsbader„Aolks- wille" kommt Sandner darauf zu sprechen und schreibt: „Ich war seit meiner Schulzeit nie und unter keinen Umständen dafür zu haben, meine Gesinnung und Ucbcrzeugnng für eine gute Anstcllinig zu verkaufen. Selbst zu einer Zeit, da ich als junger Idealist Mitglied des Sozialistischen Jugendverbandes war, habe ich dort einen Kampf geführt, der gegen die Partei und die von ihr bevorzugte» Abhängigkeitsverhältnisse gerichtet»var. Oder erinnert man sich im„BolkSwillc" nicht mehr an jene Zeit, da man Hunderte junger Menschen aus dem Jugendverband ausschlotz, tvcil sie so dachten wie ich, und weil man von ihnen eine Sprengung des Jugendverbandes befürchtete?" Herr Sandner war, Ivie man im„BolkStville" lesen kann, immerhin einige Zeit hindurch Vcr- tualtcr des RodiSforter Kinderheims. Seine lieber« zcugung hat er dabei nicht verkaufen müssen. War sie sozialdemokratisch, so fiel von vornherein jeder Grund hiezu weg, war sic nicht sozialdemokratisch, so hat er geheuchelt. Er hätte ja sonst den Posten nicht bekomme». Uebcr das sozialistische Wirken dcö Herrn Sandner, das gegen die Partei und„die von ihr bevorzugten AbhängigkcitSverhältnissc" gerichtet gewesen sein soll, wird bei Gelegenheit noch geredet werden. Aber die Behauptung, man habe Hunderte junger Menschen aus dem Sozialistischen Jugcndvcrband ausgeschlossen, weil sie so dachten wie Sandner, soll nicht unwidersprochen bleiben. Herr Sandner käme nämlich in Verlegenheit, ivcnn er sagen sollte, tv c r eigentlich ausgeschlossen wurde, weil er mit ihn:, dem jungen Idealisten, übereinstimmte. Es wurden einmal sechs Leute aus dem Jugendvcrband entfernt, weil sie gegen dessen Grundsätze verstoßen hatten. MassenauSschlüsse sind nie vorgekommen, geschweige denn, daß irgend- cinmal eine Sprengung des Jugendverbandes durch die SandnerS hätte befürchtet werden müssen. Die Arbeiterjugend hat Leute seines Schlages immer selbst rechtzeitig und eindeutig abgelehnt. So unterstützte sie unabsichtlich, aber, wie man sieht, mit gutem Erfolg, Henleins Bemühungen um gesinnungStüchtige, idealistische Mitarbeiter. Einmal„kämpften" Männer wie Sandner gegen die Partei der Arbeiter; in der der Bürger sind sie zufrieden. Was doch ein schönes Gehalt nicht alles vermag! Oder hat Sandner für seine Dienste bei Henlein keine andere Motivierung als den Idealismus, den er der Sozialdemokratie— zu ihrem Wohle!— verweigern zu müssen glaubte? X. X. vombenexpiosion im veriiner kegierungsviertel Fieberhafte Suche der Polizei nach den Tätern Verschiedene Versionen Berlin, 21. März. In nninittrlbnrcr Nähe de» Berliner Negirrungovierlelü am Eck Wilhelmstrassc— Unter den Linden wurde Henle nachmittags eine Bombe auf die Fahrbahn geworfen. Durch die Explosion, die von einer großen Rauchentwicklnng begleitet war, wurde ein Eliausfenr verletzt nnd sei» Auto beschädigt. An dem Tatorte wurde sogleich eine starte Polizciablrilung entsandt, welche die Untersnchnng aufnahm. Bis jetzt ist die Tat in völlige» Dunkel gehüllt. Zuerst verlautete, dast dir Bombe zu einem Attentat auf den Ministerpräsidenten General Goering bestimmt war, doch kann man diese Behauptung vorläufig nur schwer ernst nehmen, da General Goering nnsterhalb Berlin» weilt nnd sich in Niederfinow bei der dortigen feierlichen Eröffnung der Offensive gegen dir Arbeits» losigleit aushält. Man neigt daher eher der Ansicht zn, dast die Bombe ohne ein bestimmte» Ziel auf die Straste geworfen wurde nnd dast dadurch dir Unznfrirdenhrit der Arbriterschnst mit de» gegenwärtigen Verhältnisse» dokumentiert werden sollte. Dir Bombe ist sehr primitiv. Der Sprengstoff befand sich in einer Konservenbüchse. Die Btzinbe wurde aus einem Hause geworfen, wo Rrparaturarbriten vorgrnommrn werden. Nach einer neuen Version lvar das Attentat s gegen den nichlarischen österreichischen Staatsan gehörigen David Oliver gerichtet, der der In haber des großen Berliner Kinos„Kapitol" ist. Das Attentat wurde entgegen der ursprünglichen Behauptung mit einer Handgranate verübt. Oliver Ivurdc leicht, sei» Chausseur schwer verletzt und daö Auto zertrümmert. Die Ursache Attentats soll nach dieser Version in semitiSmuS zu suchen sein.' wurde nämlich vor einigen Tagen die Premiere des Filmes„Katharina die Große" mit der jüdi schen Schauspielerin Bergner in der.Hauptrolle gegeben. Nach der Vorstellung wurde eine Manifestation der SA-Leute gegen den Film organisiert und tags darauf der Film verboten. Ein Utopist der Vermittlung Die ausirofascisrische Diktatur gibt, wie das „Kleine Blatt", auch den„Arbeitersonntag", die Sonntagsbeilage der Wiener Arbeiterzeitung, in dem geraubten Vorwärts.Verlag heraus. Auch hier ivird die äußere Ausmachung ünd Gliederung des Blattes getreulich nachgeahmt. Während die Männer, deren Werk der Arbeitersonntag lvar, in den Gefängnissen der Dollfuß und Fen sitzen, wird ihr geistiges Eigentum von den Austrosascisten gestohlen. ES ist eine schmerzliche Erfahrung, an diesem Diebstahl an geistigem Eigentum auch einen Mann mitlvirken zn sehen, der mit Recht die Achtung der österreichischen Sozialdemolratie genossen hat. Herr Dr. Erist Karl Winter ist ein lon- servativcr, katholischer Gelehrter. Er hat im letzten Jahre aus einer in der Erkenntnis der Knltnrbc- dcutung des Rechtsstaates wurzelnden Ucberzcu- gnng einen tapferen Kampf gegen den Anstro- und den NazisasciSmus zugleich geführt. Er nimmt jetzt an erster Stelle i» dein geraubten„Arbcitersonn- tag" daö Wort. Er tut cS, ohne die lleberzengun- gen. die er vor dem Feberansstand vertreten halte, zu verleugnen. Aber was vor dem Feberansstand ein ehrenwerter Versuch war, zwischen den Machthabern und der Sozialdemokratie zu vermitteln, »m eine blutige Katastrophe zu verhüten, das wird jetzt zu einem irreführenden und darum schädlichen Versuch, die abgrundtiefe, unüberbrückbare Kluft, die die Arbeiterklasse vom FasciSmuö trennt, zu verhüllen und zu verdecken. „Wer an die Waffen appelliert und mit heu Waffen geschlagen wird, ist, was immer auch ihn dazu getrieben hat, dem Rechte dcS Siegers verfallen." So beginnt Herr Dr. Minter. Dem Rechte des Siegers? Ist es das Kriegsrecht des Siegers, wehrlose Gefangene zu mißhandeln, ihren Frauen und Kindern die Hilfe ihrer Freunde, den Angeklagten die gesetzliche Verteidigung zu sperren, den besiegten Gegner mit einem Feldzug der schmutzigsten Lüge zu verfolgen? Es ist, so fährt Dr. Winter fori, die historische Schuld dec österreichischen Sozialdemokratie,„daß sie nicht mit beiden Händen den Staat, den sie. j dock mitgesckasfcn hatte, auch sestznhalten wußte, tvcil dies ohne Opfer in der Doftrin nickt ging". Herr Dr. Winter kann und will ossenbar den republikanischen Patriotismus nicht leugnen, aus dem die österreichischen Sozialdemokraten die Republik in Kärnten und im Burgenland verteidigt, ihr im Alltag 14 Jahre laug unsägliche Opfer gebracht, nock im letzten Jahre den Kamps gegen ein Regime täglick provozierenden Recktöbrucks immer iveitcr aufgeschoben haben. Beschränlt fick die Anklage also darauf, daß die österreichischen Sozialdemolraten Regicrungsloalitionen mit Bür- gcrparteicn abgelchut haben, wenn sie innerhalb dieser Koalitionen nicht ihrer G e s i» n n n g gemäß hätte» handeln können? Oder macht Herr Dr. Winter den Sozialdemokraten die Stellung zum Anschluß zum Vorwurf, die sic mit allen österreichischen Parteien, Dollfuß eingcschlossen, geteilt haben? Aber jetzt, gerade jetzt, mahnt Herr Dr. Winter die österreichischen Arbeiter,„sich mit beiden Füßen auf den Boden der gegebenen Staatsordnung zu stellen", die„nur von Innen heraus" verbessert werden könne, und bietet sich als Vermittler zwischen dieser„gegebenen Staatsordnung" und der Arbeiterschaft an. Diese„gegebene Staatsordnung",— das sind die Kanonen, gerichtet gegen von Frauen nnd Kinder» bevölkerte Gcmcindebauten, das sind die Galge» des Anstro» christentumö, die Schreie mißhandelter Gesangc- ner, da» ist die Diktatur bewaffneter Hrimwchr- banditen. Die„gegebene Staatsordnung",— das ist ein RegiernngSabsolutismuS, der der Arbeiterschaft alles geraubt hat, was sie sich in Jahrzehnten errungen, erkämpft, aufgebaut hatte. Die „gegebene Staatsordnung",— das ist die Erbitterung, der Haß, die Rachsucht, der revolutionäre Befreiungswillc einer geschlagenen, gcdcmütigten, beraubten Arbeiterschaft. Nein, da gibt cs keine Vermittlung. Und wer vermitteln will, der liefert nur den Eharakterschwachen, den llcbcrläufern, den Verrätern, die jede Niederlage erzeugt, die ideologische Eutschuldigung für ihre Gcsiunungs« schwäche. Der Name des Herrn Dr. Ernst Karl Winter ist uns zu gut, als daß wir glaubten, er könnte nach reiflicher Erwägung seine Aufgabe in dieser Stunde darin sehen, marodierenden Deserteuren einer nach heldenhaftem Kampfe geschlagenen Armee die Ausrede» zu kiefern. > m a ch t e n d e r L a n d r s h a u p t m a n n, dar> unter auch daö Recht, ans autoritäre Weise Mit- glicder der Landesregierung zu ernennen. Wenn von Hciniwkhrseite jetzt gegen die erfolgte Ernennung Dr. Gainpero Stellung genommen wird, so steht da» nach dem Enipfindr» der erwähnten Kreise im Widerspruch zn dem Sinn der autoritären Stellung deS Landeohauptmannrö. Zur Beilegung dr» Konfliktes seien Schritte cingelcitet worden. unangenehm erscheinen, sich entwiikrln lassen. Da die Heimatwehr nun einmal ihr autoritäre» Ziel erreicht hat und da da» autoritäre Regime ini Lande etabliert ist, wollen wir, dah die von den Heimatwrhren verlangte und erreichte autoritöre Ordnung mit Konsequenz geübt wird. Wir verlangen da», selbst auf die Gefahr hin, dast wir den autoritären Gedanken der Hrimatwrhr! gegen die— Heimatwehr verteidigen müssten. Denn nicht» erscheint dem Bürger eine» Staate» langwelliger, al» wenn dal Stzftem dr» Regieren» und Verwalten» täglich geändert wird. K n d i c« schadet«ar nicht», wenn dir Kreise, dir die autoritäre Ordnung verlangt haben, sie! auch einmal ordentlich ans-, kosten... DaS ist für die Stimmung in Tirol sehr ausschlnßreick nnd ist ebenso ein Beweis dafür, daß starke Widerstandskräfte gegen die Heimwehr vorhanden sein müssen. ES wäre sonst kaum möglich, daß die„Volkszeitung" eine solche Sprache spricht. der Vertreter de» ArbeitSbundrö, Professor I G a m p e r, und der Drrtreter des Bauernbundes, der Bauernführrr Ober moser. Die zwei Personen stellen in der Landesregierung da» — sagen wir im Sinne der neuen Ordnung, die eben kommen soll— brrnsSständische Element dar: der eine gilt al» Repräsentant einer Arbeiter- gruppe, während der andere die Banrrnschast vertritt. Was ist dagegen sachlich elnzmvrndrn'? Wir wollen doch einen Ständestaat aufbanen und alle», was in Oesterreich vor sich geht, soll im Zeichen der ständischen Ordnung geschehen, da» ist der Wunsch und der Wille de» Bundeskanzler», wenn wir ihn recht verstanden haben! Was will als» die Heimalwrhr? Oder passt ihr die personelle Seite nicht? Ta wäre allerdings zu sagen, dass da» nicht Sache der Heimatwehr sein kann, zu bestimmen, wer al» Vertreter eine» Berufsstandes berusSftändische Interessen zn wahren hat.... Wir haben bei Gott nicht die Auflösung dr» Landtage» verlangt nnd— als sie geschehen war— auch nicht begriisst. Aber logisch wollen wir bleiben und logisch alle Dinge, auch wenn sie Erst jeht wird bekannt, das? an dem Tage, au dem Dollfuss nach Rom reiste, nämlich am 12. März, Oesterreich an einem Heimwehr. putsch vorbrigerutscht ist. Der Vizekanzler Fetz, der die Abwesenheit de» Kanzler» gern zu Extratouren benüht, hatte alle» vorbereitet, um dem Totalitätoansprnch der Heiuiwchrcn Geltung zu verschaffen. Da» kam Dollfuss zn Ohren, der" rasch noch für die Berufung Schönburg-Hartensteins in daS HeereSlninistcriunl sorgte. Diese Ernennung hat das Losschlngcn der Heimwehre» verhindert. Montag abends war in den Kasernen des Bundcsherrrs höchste Alarmstufe angeordnet worden; die Offiziere hielte» an die Mannschaften Reden, in denen sie den bevorstehenden Heimwrhrputsch behandelte» und sagten, dah in diesem Falle„bis zur letzten Patrone" geschossen werden müsse. Aller Welt sichtbar lvurde der schwere Gegensatz zlvischen den Heinnvehren und den Ehristkichsoziakcn durch die letzten Vorgänge in Tirol. Dort Iveigern sich die Heinnvehren, mit dem ckristlicksozialen LandcSrat Dr. G a m p c r in der Landesregierung zusammenzuarbciten. Die der Heimwehr angehörenden Mitglieder der Landesregierung haben ihre Mandate znrückgekrgt und fordern den Rücktritt Dr. GamperS. Gamper lvurde von den Heimlvchrkern sogar tätlich angegriffen und zu Boden geschlagen. Die Landesregierung ist durch das Zurücklegen der Mandate durch die Heimwehr arbeitsunfähig geworden. Die Ostmärkischen Sturmscharen haben daS Verbleiben Dr. GamperS in der Landesregierung verlangt. Zu diesen Vorgängen macht die— gleich- geschaltete— Innsbrucker„Volkszeitung" u. a. folgende bissige Bemerkniigen: „So bleiben al» Stein de» Anstosse» die beiden anderen autoritär ernanutrn LandeSräte: Seite 4 Nr. 08 DouuerStag, 22. März 1924 BUmlsclic landcsvcrtrelong Vor der gestrigen Sitzung der Böhmischen LandeSvcrtrctuug bcschäfiigic sich die Rechtskom- mission mit einer Forderung deö Innenministeriums, ivonach die Bezüge der Landesangestellten jenen der Staatsangesiellten angeglichen werden sollen. Tai- Land Böhmen würde dadurch jäürlich zwei Millionen»reuen ersparen.'Die Recbtskom- Mission stellte sich auf den Standpunkt, das; zwischen den Angestellten des Landes und des Staates keine Parallele gezogen werden könne.>veil das Schema beim Land non dem staatlichen ab- lvcicht und es zwei Kategorie«» non Lande Sange« stellten gibt, die schlechter daran sind als die schlechten bezahlten StaatSangcstellten. ES wurde beschlossen, der LattdeSberirelung, dzw. dem Lan- deSauSschutz vorzuschlagen, gegen die Weisung des FnneNminisierininS die B e s Z'>o c r d e an das Lberste BertvaltungSgerichi ein zubringen. Das Plenum der LandcSvertretung erledigte den größten Teil der Tagesordnungspunkte, wobei naa> einer Rede der Genossin Deuts ch ihr Antrag angenommen wurde, der eine Erhöhung der BerpflegSgebÜhren für jene in LandcSfindel- pslege siebenden unehelichen Kinder bedeutet, die bei ihrer Mutier oder deren Angehörigen leben. Ein Jahr politische Emigration Rechenschaftsbericht der„Sozialdemokratischen Fliichtlingskürsorge" Die..Sozialdemokratische FlüchtlingShilse" in der Tschechoslowakei hat soeben unter dem Titel ..Ein Fahr..Sozialdemokratische Fl üchi ling§hilfe" in der C. S. R." einen Rechenschaftsbericht herausgcgeben, der in übersichtlicher, detaillierter Font» ihre vielseitige Arbeit iür die aus dem Lande der braunen Barbarei emigrierten Sozialisten darlegt. Diese nüchterne. leidenschaftslose Statistik, die Zahlen und Taisachei» ancinanderreibt und darauf verzichtet, sich im Polemischen zu verlieren, ist die leiden» schaftlichstc Anklage gegen das Regime der Mörder und Folterkammer-Experten, die sich denken lägt. Wenn Zahlet« lebendig werden können, wenn unkommentierte Statistiken eine dramatisch bewegte Sprache zu führen vermögen, dann ist es hier geschehen. Ter AufgabcnkreiS der Flüchtlingsfürsorgc ist überaus mannigfaltig. Neben finanziellen Zuschüssen für mittellose Emigranten, neben der Erledigung brennender Patz- und AufenthaltSbelvil« ligungsfragcn, war vor allem das Gebiet produktiver Fürsorge ein Problem, dem man besondere Aufmerksamkeit widmete. Die Schaffung von Wohngcmeinschasteil und Flüchtlingsheimen, in denen die Emigranten nach ihren beruflichen Kenntnissen und Fähigkeiten beschäftigt werden, wurde mit umsichtiger Energie in Angriff genommen. Diese Kollektivs, in denen die der fascisti- schcn völie entkommenen politischen Kämpfer in ivabrer Kameradschaft Zusammenleben und zusam- mcii'chaffcn, haben sich bestens bewährt. Der Re» chensätafiSbericht der Sozialdemokratischen Flücht- lingsfürsorge betont die dringende Notwendigkeit, zu k o n st r u k t i v e n Lösungen des Emigra- tionsvroblemS zu kommen und weist schlictzlich auf das vorbildliche solidarische Zusammenstehen aller Arbeiterorganisationen hin, die das materielle Fundament der Emigration durch ihre be- immdcrnSwerte Opferbereitschaft sichergestellt haben. Das Bekenntnis des Außenministers Doktor Benes zur Unverletzbarkeit des politischen Asyl- rechis gibt dem Autor des Rechenschaftsberichts Veranlassung, auf die wahrhaft demokratische Haltung der überloältigcnden Mehrheit des tschechoslowakischen Volles hinzulveisen, die für die politischen Emigranten nicht nur volle? Verständnis gezeigt habe, sondert» ihnen auch menschlich nahe gekommen sei. Möhrisch-schlestsche Landesvertretung. Die Voroster-Tagung der mährisch-schlesischen Landesvertretung nahm gestern mit der Abstnmnung über die Vorlagen deö Landcsauöschusseö und die Berichte deö LandcSpräsidenten ihren Abschlutz. Vor der Abstimmung gab der Landespräsident E e r n 1) bekannt, datz der LandcSauSschutzbeisitzer Genosse Hnatek(tschcch. Sozialdemokrat) sotvohl sein Mandat in« LandesauSschutz als auch in der Lan- dcsvcrtrctung niedergelegt habe, und dankte ihm »nter den« Beifall der LandeSvertretung für seine Arbeit i>«» Dienste der Landes-Selbstvcrlvaltung. An Stelle des Genossen Hnatek wurde Genosse Iaroslauö R o u ä e k von den tschechischen Genossen in den LandcLausschutz entsendet. Als ein« ziger Redner des gestrigen Tages beschäftigte sich Landcöausschntzbeijitzer Genosse Sida mit einigen Fragen, die gelegentlich der Debatte über den wasscrlvirtschaftlichen Fonds am Dienstag aufgerollt worden waren, und versprach neuerlich strenge und objektive Untersuchung der Angelegenheit der Fralner Talsperre. Nach der Abstimmung schlotz der LandcSpräjidcnt mit Ostergrützen die Tag»«ng. «Itlerpropasanda In USA wird parlamentarisch untersucht. Paris, 21. März. Die Agence Havas meldet aus Washington: Das Repräsentantenhaus be- schlotz mit 168 gegen 21 Stimmen eine parlamentarische Untersuch»»ng bezüglich der Hitler-Propaganda und-Tätigkeit in den Vereinigten Staaten von An»erika vorzunehmen. Mmbranö tu Japan iooo SNenftyenovfer Tokio, 22. März. 0.30 Uhr. Ji» der etwa 200 Kilometer von Tokio entfernte«» Stadt Hakodate, die 200.000 Einwohner zählt, entstand heute rin Rtesenvrand, dem, wie«nai» befürchtet, 1000 Menschenleben zum Opfer gefallen st«»d. Die Stadt steht noch immer ii» Flam- mrn. Der Braud dürfte durch Funken fing nnö einige«« Schornsteinen entstanden sein, die dnrch einm heftigen Sturm umgerissen wurden. Zerstörte Arbeiterwohnungen im Goethe-Haf Tagesneuigkeiten Sechs Todesopfer der Arbeit Mailand, 21. März. Bei Livorno brach plötzlich in einem Schacht der Gesellschaft Montecattini ein Teil der Decke ein. Vier Arbeiter wurden getötet, einer ist schwer verletzt. In VerrcS im Aostata explodierte in einer Fabrik eine Saucrstofflasche. Zwei Arbeiter wurden getötet und vier schwer verletzt. Tas Dach der Fabrik wurde durch den Luftdruck 20 Meter Iveit fortgetragen. Um die Welt zum Tscheljuskin-Lager „Krassin">md zwei Flieger unterwegs. Mostni«, 21. März.(Tatz.) Die Flieger Wodopjanow, Galischelo und Doronju, die von Chabarowsk zu einem Fluge zum Lager der „Tscheljuskin"- Schiffbrüchigen anfgcstiegen sind, ind jetzt in Ochotsk eingetroffen. Der Fsiig fand bisher unter äutzerst ungünstigen Weiterverhältnis- 'eti und in gebirgigem Gelände mit HLchstcrhe- bungcn von 2000 Metern über eine Strecke von 2000 Kilometern statt. ES verbleibt iioch eine Flugstrecke von 2000 Kilometern, damit sie in die Bucht von Providcnce gelangen. Dieser Abschnitt wird der schwierigste sein. Der Eisbrecher„Krassin" wird in zwei Tage«» den Leningrader Hasen verlassen und durch den Atlantische«» Ozean, den Panama-Kanal, den Stillen Ozean, nm die Äleutei« herum und die Behringstratze längs der amerikanischen Küste fahren. Aus diesem 12.850 Meilen langen Wege«vird er die Schmidt-Bucht in 47 Tage«, erreichen, das bedeutet dcinnach un, 12 biö 15 Tage früher als auf dem Ostwegc über den Suezkanal. Der Chef der Expedition des „Krassin", Smirnov, sprach die Hoffnung anö, datz eS ihm gelingen ivcrde, alle Schiffbrüchigen zu retten, insoweit sie nicht von den Fliegern gerettet tverden sollten. Ruffische Gtsenbahnkatastrophe vor Gericht Moskau, 21. März.(Tatz.) Ein Vorortepassagierzug überfuhr an, 12. d. M. in der Station Tawatuj im Ural ein geschlossenes Einfahrtssignal und fuhr hiebei auf einen Lastzug auf, der gerade verschoben tvurde. Einige Waggons tvurde«» zertrümmert, die Lokoinotive beschädigt. 83 Passagier wurden getötet, 22 weitere schwer, 46 leicht verletzt. Ain 10. März nahm die Gerichtsverhandlung gegen die Schuldigen an der Katastrophe ihren Anfang. Das entführte Medium Seltsames Schicksal eineö Budapesters. Budapest, 21. März. Ein höchst eigenartiger Fall beschäftigt augenblicklich die Budapester Polizei. Vor acht Wochen hatte eine Frau angezeigt, datz ihr Mann, der Tischlermeister Ludwig Pap, spurlos verschwunden sei. Nun aber Ivar Pap in Budapester Spiritistcnkreisen ein sehr bekanntes Medium, dessen«nan sich häufig bei spiritistischen Sitzungen bediente. Bei einer solchen Sitzung Ivar auch eine Frau namens Erie Helsbcrg anwesend gewesen, die sich als schwedische Schriftstellerin ausgab. Die Schwedin hatte de«, Tischlermeister zu überreden versucht, nach Schweden z»» kommen, da er dort auf Grund seiner medialen Vcrmilagung zu grotzem Wohlstand gelangen kö«»ne. Ludwig Pap, der verheiratet und Vater von zwei Kindern ist, hatte jedoch dieses Anerbieten abgclehnt. Eines Tages Ivar er aber aus seiner Wohnung ver- lchwnnden. Nun, nach acht Wochen, erhielt seine Fran eine«, Brief von ihm, in den, er ihr niitteilte, datz die Schtvcdin ihn hhpnotisicrt und auf diese i Weise gezwungen habe,«nit ihr nach Schiveden zu ' kommen. Er lebe jetzt in Gotenburg, wo Frau Heisberg ihn in einer Billa gefangen halte. Er stünde immer wieder unter dem hypnotischen Ein- flntz der Frau, die il>>, an der Rückkehr nach Budapest hindere. Zum Schlutz bittet er seine Frau, bei der Polizei etwas zu unternehmen, dainit er anö sei«,en» merltvürdigci» Gefängnis befreit Ivürde. Die Budapester Polizei hat dann auch sofort Schritte eingcleitet, zumal da sich im vorigen Fahre zwei ähnliche Entführungen in hypnotischen« Zustand ereignet haben. Aug«Unglück in Mannheim Mannheim, 21. März. An» Mittwoch Vor» mittag»nn halb acht Uhr ereignete sich in« Mann- heiiner Rangierbahnhof ein Zugunsall. Der Pcr- sonenzng Frankfurt-Mannheim slietz mit einem Güterzng zusammen. Beide Maschinen entgleisten, etwa vier Güterwagen Ivurden ineinandergeschoben. Bis setzt wurden etiva 16 Leichtverletzte in das städtische Krankenhaus von Mannhciin geschafft. lieber die Ursache des Zusammenstotzes, der in dichten» Nebel erfolgte, ist bisher noch nichts bekannt geivorden. Die fragliche Strecke wird zur Zeit Ivegen Un»bauarbeiten nur eingleisig betrieben. Der Verkehr an der Unfallstelle wird durch Utnsteigen aufrcchtcrhalten. Die Untersuchung ist eingcleitet. Daö LotterielvS des Armen. Aus Budapest wird von einer erschütternden Tragödie der Ar- mut berichtet, die anö einem Zufall erwachse»» ist, einem Zufall allerdings, der gleichfalls ein Kind menschlicher Not war. Ein Budapester Stratzcnhändlcr, der in tiefster Not lebte,«vor Besitzer eines Lotterieloses, das in diesen Tagen mit grotzcn» Gewinn gezogen wurde. Das Loö hatte»hm eine mildtätige Seele geschenkt, aber der Händler, der mit seiner zahlreichen Familie buchstäblich hungern«nutzte, schenkte dem Lose keine Beachtung und zog vor einigen Wochen, von einem Anfall m»«tloser Verzweiflung ge- packt, ans Wanderschaft. Seine völlig«»»ittellose Familie blieb in Andapest zurück. Der Händler, der inzwischei» ein vermögender Mann geworden ist, hat keine Ahnung vo>, feilten, Glück. Ziellos und hungernd vagabundiert er in der Welt umher, niemand Weitz, ob er jo von seinen» Lotterietreffer erfahren wird. Die Familie aber kann den Gewini» nicht beheben, da der Händler mit dem LoS in der Tasche fortgezogcn ist. Eine Familie, die die La»»ne des Zufalls der Not cntritz, mutz weiter htrngern, weil— hier demonstriert der tückische Zufall eS sinnfällig— die Armut in dieser Gesellschaft selbst!«n Glück die Ketten der Not nicht au verlieren vermag. Bis eben aus dein Zufall die Selbswerständlichkeit sozialer Gerechtigkeit geworden ist! Konstituierende Generalversaimillinin der tsckwchoslowatifchrn Tinbetiterfürsorge. An« Dienstag, den 20. März, abends sand in« Aerzichause in Prag die konstiiuierendc Generalversanunlnng der Tschechoslowakischen Diabetikerfürsorge statt. Minister Dr. Spina bcgrützlc in einer Ansprache die Konstituierung der Diabetikersürsorge. Professor Dr. Prusik befatztc sich niit den« Programm deö Vereins. Er führte aus, datz es sich un« eine«« interessanten Versuch der Zusainmenarbeit von Laien mit ärztliche«« Fachleuten handle und er- | wähnte die soziale Traglveitc der Fürsorge für die s Zuckerkranken. Der Verein wolle zunächst eine Bc- Es« ntän An einem strahlende«» Tage im Miirz »verden sich unsrr Kolonne«« formieren. Die flackernde«» Fahnei^himmclwärtö, «verden Armeen marschieren. Liirn« der Fabriken nnd Lärmet« der Gnssct«, verlöscht vor den stampfendri« Schritten der Reihen, verwischt vor dem flaminrnden Willen der Massenr Tie Freiheit anö ihren Kette«« befreien. Wachse, du blittkender harter Wille, den Traum ii» den leuchtende«» Tag zu tragen. Auv Winter nnd Abivehr und lähmender Stills i»» einem März die Schlacht zu schlage». Sie iverdei» an diesem Tage in» März, dei» Kopf und auch die Haubitzen verlieren. Mit flackernden Fahnen himmeltvärts, so werden Proleten marschieren. Kurt Doberer. ratuugöstellc für Diabetiker i» Prag einrichieu, weiter Ivolle er Kücheu für Diabetiker errichte««/ sich um die diabetischen Kinder sorgen und das Jnicrcsse auf die Bäder konzentrieren, die gut für Diabetiker sind(Karlsbad). Bei den Wahlen wurde wurde der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses Dr. F. S t a n 11 zum Vorsitzenden gewählt. Weltrekord in der Kirche. Nun bcsihi Amerika einen neuen Weltrekord, nnd zwar den Weltrekord im Gcschwindigkeitö- und Dancrlcsen, ausgestellt iu der Stadt Baltimore iin Staate Maryland, in der neuen Pfingstkirche, von dem Pastor William Pitcher. Pfarrer Pitcher versannnelte letzten Sonntag Ivie üblich seine Gemeinde nm sich und lud sie ein, mit ihn» zusaimncn einmal die ganze„Heilige Schrift" durchzugehen. Gesagt, getan. Er selbst begann aus der Bibel vorzulesen ,.nd trug«nn» stundenlaug Kapitel uin Kapitel vor, bis er so heiser gcwordei» war, datz er einfach nicht mehr weiter konnte. Wer nun aber gedacht hätte, datz diese »ncrklvürdige gottesdienstliche Uebung dainit beendet sei, der sollte sich getäuscht haben, denn auf einen Wink deö Pfarrers hin erschien alsbald sein Stellvertreter auf der Kanzel und setzte mit frische» Kräften und noch klarerer Stimme die Vorlesung fort. Auch er wurde da««» nach mehreren Stunden abgelöst, von einem jungen Thcologie- studcnteu, der sich besonders ins Zeug gelegt haben soll und dann auch durchgehalten hat, bis das letzte Wort aus der„Heiligen Schrift" in dem«veiie«» Chor der Kirche verhallt war. Ob die Gemeinde auch so lauge ausgehaltei» hat, lvird in der Meldung nicht«nit angegeben. Dagege«» lvird mit Stolz berichtet, datz autzer dem Daucrrekord gleichzeitig ein Geschwindigkeitsrekord in» Lesen ausgestellt tvurde, ist eS diesen GotteSstreitern doch gelungen, die ganze Bibel, von A bis Z, ohne dabei ein Wort auszulassen, in der Zeit voi» 62 Stunden und 26 Minute«» herui»terz»llesci». Die spanische»» Wirre». In einem Dorfe bei Almeria Ivnrde am Dienstag die Pfarrkirche in Brand gesteckt. Die Täter konnte«» unerkannt ent- komnien. Am gleichen Tage überfielen in Granada Anarchosyndikalistei» ein Pulvermagazin und ent- wcndcten grotzc Menge«» Sprengstoff. Eine Scheune stürzt znsammen. Bei der Nn- terguerung einer Scheune auf dem AiUvesen des Landtvirt Schäfer in Neuhemsbach(Baden) stürzte diese plötzlich in sich zusammen und begrub fünf Personen unter sich. Schäfer selbst Ivurde von einem herabsalleudcu Bakken auf der Stelle getötet. Die übrigen vier Ivurdc«» erheblich verletzt. Wahrscheinliches Wetter heute: Halbhcitcr, nur vereinzelt, und zivnr besonders im Westen, stärkere Aeivölkung, untertags mätzig warm, schloacher Wind. Spionage für Sowjetriisiland? Ain Sonntag tvurde in Pardubitz ein Friseur tvegeu Verdachtes der Spionage zugunstc«« SowietrutzlaudS verhaftet. Die Untersuchung ist noch nicht beendet. Boi« der Namenstagöfeier in den Tod. Bei Rybak Pole unlveit Rosenberg in der Slowakei Ivurde aus dem Waag-Fluh die Leiche des Verwalters des städtischen Krankenhauses in Rosenberg, deS 41 jährigen Im» Melichar, hcranS- gczogeu. ES Ivurde fcstgcstellt, datz Melichar vorher bei einem feiner Freunde den JosefS-Tag gefeiert hatte und datz er, als er des Nachts nach Hause ging, wahrscheinlich in den Flutz gestürzt und ertrunken sei. Dei» Vorfall untersucht die Gendarmerie. Vom Rundfunk E»>pfehlen»»erte» au» den Programmen: Freitag: Prag, Sender L.: 6.00: Gymnastik, 10,03: Deutsche Nachrichten, 11.06: Schulfunk, 16,60: Tschechisch für Deutsche, 17.06: Ondricek-Ouartett, 18.25; D e u t s ch e S e n d n n g: Fug. Karpe: Die Technik für? 18.30; Arbeitcrseiidung: S. Gregor: Aktuelle zehn Minuten, 10.00: Deutsche Nachrichten, 20.30; Wallensteins Funkporirät des Eroberers. Sender L.: 14.45: Gesaugökonzert, 13.10: Deuts cheSen düng: Frauenfunk. 15.46: Deutsche Nachrichten.— Brünn: 16.00; Nachmit- tagökonzert, 18.15: Arveitersendung: Kramak: Märzrevolution und die Arbeiterschaft.— Berlin: 17.80: Lebensabend, Schubert.— Leipzig: 22.80: Blechmusik des GewaudhauSorchesters.— Langenberg: 20.10: Unterhaltungskonzert.— Wien: 17.10: Konzert: Schumann, 21.45: Ginskey liest aus eigenen Werken, 22.45: Tanzmusik. Mr. 68. Donnerstng, 22. März 1934 „Soii«fbcntohat u fitüt» Wir bitten Sie, Ihre Schuhe baldmöglichst zur Reparatur zu bringen, da später gelieferte Schuhe erst nach den Feiertagen repariert werden können W KemWWn SiMemMeil rufen M zu: Die beste und würdigste Unterstützung unserer schweren Arbeit ist Ein Abonnement der„Arbeiterzeitung" Erscheint allwöchentlich. Bezugspreis I0 für ein halbes Jahr. Bcstel- lungen sind zu richten an die Bcrwal- tung der„Arbeiterzeitung", Brünn, Zeile 83/12. Romantik in unserer Zeit Ein richtiger Prinz, ein wirklicher und leibhaftiger— Ivie co int Märchen heitzt— hat, wenn auch nicht eine arme Gänscmagd, dennoch ein schlichtes Bürgermädchen geheiratet. Wir haben die Braut nach Photographien kennengelernt: sie ist jung, schön. leicht angc,,vampt", so ungefähr hätte Grete Garbo ausgesehcn, wenn sie statt in nordischem Lande an der Spree geboren worden wäre. Man sagt, die Romantik in unserer Zeit sei auSgcstorbcn. Und trotzdem— Hand aufs Herz— beneiden nicht viele heimlich von uns das berlinische Mädchen nm ihre Heirat mit einem Prinzen? Dieser Prinz hat,, wie man Weitz, auf seine königliche Herkunft gepfiffen. Nicht erst, als er Garbo von der Spree begegnete. Schon vorher. Oder war eS etwa früher Sitte, dah Prinzen Filmregisseure wurden und in GlaSatelierö ihre kurzen Tage mit— Arbeit verbrachten? Leute königlichen Geblüts haben ntituntcr Spleens. Der Beispiele gibt cö so viele, datz.man keine aufzuzählcn braucht. Doch der Spleen der Romantik ist heutzutage selten geworben. Jeder Mensch, auch ein König, ist von wirtschaftlichen Verhältnissen— in diesem Fall von denen seines Landes— bedrängt. Die wirtschaftlichen Verhältnisse der heutigen Zeit verlangen es. datz eiite königliche Ehe ein gutes Geschäft für den betreffenden Staat bedeutet. Nur bei den Schweden scheint dies anders zn sein. Ein Vetter— oder war es eilt Bruder?— jenes populär gewordenen SiegwartS ist ebenfalls, an aristokratischen Dkatz- stäben gemessen, eine Mesalliance eingcgangcn. Da man nichts Gegenteiliges bis heute gehört hat, scheint er sich dabei autzcrordentlich wohl zn fühlen. Schweden ist demnach das einzige Land, in dem die Romantik durchaus noch nicht auSgcstorbcn ist. Vielleicht liegt es daran, datz dieses stille, herrliche Stück Erde mit seinen Schären und seinem Meer noch immer so etwas lvic eine Oase im Meer der Wirtschaftskrise bedeutet? Denn schlietzlich— seien wir offen— Romantik kann sich nur noch leisten, wer keine anderen Sorgen hat. Wer sich also alles andere leisten kann... Katja. BINNEN 3 TAGEN ERLEDIGEN WIR REPARATUREN, DIE UNS BIS ZUM 24. MÄRZ GELIEFERT WERDEN. Goerins bestätigt die Greuel Von PETER PAUL HOFER, Berlin In der Presse wird mitgeteilt, datz der General Goering, der auch Ches der Geheimen Staatspolizei ist, eine Verfügung herausgegeben hat, die eigentlich sensationell wirken mutzte. Goering hat angeordnet, datz von nun ab nicht mehr jeder Landrat oder j e d e„D i e n st- stelle der Partei" beliebige Menschen auf beliebig lange Zeit einsperren können> Nicht nur in Deutschland, lvo es angesichts der gckne- belten Presse begreiflich wäre, sondcrit auch int Auslande, berichtet nahezu die gesamte bürgerliche Presse darüber, als handele es sich um eine ganz nebensächliche Angelegenheit. Und doch ist diese Verfügung Goerings die wertvollste Greuel- b e st ä t i g u n g, die sich überhaupt denken lätzt. Man bedenke, datz in Deutschland Zehntausende Mämtcr und Frauen, Juden und Christen, Mar xisten, Freimaurer und Jesuiten, sowie Geistliche i aller Bekenntnisse seit nunmehr vierzehn Mona ten hinter Stachcldrähten und in schauerlichen Gefängnissen schmachten, zu Krüppeln geschlagen. zu Tode geprügelt, gemordet,„gcsclvstmordet", oder auf.der Flucht erschossen ivorden sind, lvcil irgendein schuftiger Nazi daS verlangt oder ange- ordnet hatte. Niemals hat man gehört, datz ein solcher Strolch vor Gericht gestellt worden wäre. täglich aber hat man die freche Behauptung lesen tünncn, datz alle Greuel, die aus der Nazihölle berichtet worden sind, datz alle die Folterungen, die Tschuppick, Heilmann, Ebert, Seger und zehn tausend andere bezeugten oder selbst erlitten haben,„erlöge n" wären. Aber man hat lvei- ter gehört, dah der berüchtigte Herr Röhm seinen SA-Strolchen ausdrücklich versichert hat. er ge statte ihnen straflos bis zu zwölf Tötungen von Gegnern, falls zuvor irgendlvo e i it SA-Mann getütet lvorden sei. Goering gibt mit seiner Verfügung zu, datz der bisherige Zustand, eine unerhörte Kulturschande, nicht länger ertrageit werden kann. Von jetzt ab sollen„nur noch" die Landespolizeibehördeit Schutzhaft, also Konzentrationslager, verhängen können, die Schande als solche bleibt also b e st e h e n, sie soll nur nicht mehr von jedem Lausbuben der SA verhängt werden können. Eü bleibt auch jetzt noch die abscheulichste Willkür bestehen, denn:„Nur die Geheime Staatspolizei kann eine länger dau ernde Schutzhaft verhängen." Wenn andere Behörden, die an sich dazu berechtigt sind, die Schuhhast verhängen, so sollen sie spätestens am achten Tage dem Minister Mitteilungen machen; die Entlassung hat zu erfolgen, lvcnn der Minister die Verlängerung nicht verfügt. Zunächst können also die Oberpräsidenten(man denke an den Men Zeitgenossen mit dein Nilpferd rachen Kubel) und Regierungspräsidenten daS Konzentrationslager noch verfügen, freilich „nur für acht Tage", dann mutz der Morphinist Goering informiert tvcrden. Je nach dem die letzte Spritze gewirkt hat, wird der seiner Freiheit Be raubte dann aus der Nazihölle entlafsen oder weiter sestgehalten werden. Man bedenke, alle diese Inhaftierungen und Festhaltungen erfolgten bis her ohne j c d e P r U f u n g der Beschuldi- I gung, der Denunzianten, des Beklagten und der Zeugen! Es mag jein, datz bei eiitigen der oberen Bonzen im Dritten Reich das Gewissen allmählich sich ein wenig bemerklich macht, nachdem alle ihre Unternehmungen fehlgehen, alle ihre Boraus- sagrn sich als Humbug erweisen, eingeschlosten die grösste„soziale Tat", das Eintopfgericht! Wine unverzeihliche Dummheit der Kulturmenschheit wäre cü. wenn sie sich durch eine Verfügung, wie die Gocring'sche, einlullen Netze. Der Erfolg der Hitlerbelvegung ivttrde nach dem Zeugnis des obersten Häuptlings dadurch gesichert, datz matt immer und innncr wieder dasselbe behauptete und in die Kopse der Massen ein- hämmerte. Das ist ein Rezept, von dent man gu- gestchen muh, dah es sich propagandistisch be- Ivährt hat. Die gemeinsten Greuel sind vorgekommen, toerden weiter praktiziert, werden überhattpt nicht aufhören, weint die antisascistische Welt aufhören sollte, die Greuel zu brandmarken. Hitler hat bekanntlich in seinem Buch gesagt: „Das deutsche Volk hat gar keine Ahnung, wie sehr man cS beschwindeln muh, weitn man Massenanhängcr gewinnen will." Dieser Hitler- these von der Wirksamkeit des Schwindels müssen alle Gegner der deutschen Kulturschande die Wahrheit entgegenstellen und immer lvieder verössentlichen! In Deutschland werden Greuel der schlimmsten Art verübt, seitdent die Nazi am Ruder sind, dort wurden viele Tausende existenzlos gemacht, Aerzte und?lntvälte. Künstler und Gelehrte wurden verjagt und geächtet, tveil sie Juden waren oder jüdische Voreltern gehabt haben; man hat jüdische und marxistische Kaufleute ruiniert, indem man sie boykottierte oder gewaltsam ans ihren llnterttchmungcn ent serntr. Zehntausende Arbeiter Ivurden ohne jeden Grund lediglich auS boshafter Rachsucht viele Monate lang eingesperrt und furchtbar gegnäkt. An diesen tausendfach bezeugten Tatsachen ändert eine Verfügung wie die Goering'schc nichts. Die Sicherheit und Freiheit der Person, die in Deutschland durch die demokratische Verfassung gesichert war, gibt es nicht mehr. Bis diese Zustände sich geändert haben, bis ' wieder gleiche Rechte für alle gesichert sind, darf niemand vergessen, dah an a l l e n W a r e n ans dem Hitlerreiche Blut klebt. Arbeiter- i blut; dah alle deutschen Produkte an zerstörte Existenzen, au zerstörtes Familienglück erinnern. an Geiseln und zum Selbstmord gezwungene Unglückliche, an Gefangene, Gefolterte. Gemordete. DaS Berliner Tageblatt gesteht offen zu. dah der Boykott deutscher Waren, den die sozialdemokratischen Parteien und Gewerkschaften in Dänemark und Schweden verhängt haben, furchtbar wirkt. Recht so, weiter so. Pardon darf den Hunnen nicht gegeben werden. l Die Chaussee In dicken Schwaden lag der Liebel des Wintermorgens Wer der Landschaft. Die Chaussee glich cinent schmutzig-grauen Band, das ent verwundeter Riese verloren hatte. Entblätterte Bäume mit trostlos vorgestreckten Acsten erschienen wie feine Striche einer melancholischen Bleistiftzeichnung. Ta. Ivo die Landstratze in weitem Bogen trübe Felder zerschnitt, durchhalltc die Luft das eintönige Knirsck)«n einer Dampswalze. Schotter und Kies wurden zermahlen, der schlecht geivor« dene Teil der Chaussee aufgerissen und planiert. Bon Zeit zu Zeit versuchten die Arbeiter ihre klammgetvordencn Hände durch Anhauchen zu er« tvärinen, um dann von neuem aus den harten Erdboden einzuschlagen. In der Frühstückspause bot sich der kleinen Kolonne zufällige Unterhaltung. Ein Musikant, der die umliegenden Ortschaften durchzog, hatte sich zu den Mämtern ans Feuer gesetzt und spielte für sie ans einer Ziehharmonika. Mit gesenkte«! Kopf folgte der Vorarbeiter den Weisen des primitiven Instruments. Sie schienen ihm die Jntonierung des eigenen Lebensschicksals. Er vernahm die Melodien seiner freudlosen Kindheit. Dann hörte er wieder die verlogenen Klänge, mit denen man ihn in deti Krieg gelockt hatte, ihn und die.Kanteraden. In trotzigem Hatz pressten sich seine Lippen. Jetzt ertönte ein Rokokostück, das an Reisrockzeit. Spihendcckcn und zierliches Porzellan erinnerte. Es endete in seinem sehnsuchtsvollen Akkord, der aus weiter ! Ferne zu kommen schien wie die zuiunftSfrohe Ver« heitzung unsagbaren Glücks. Der Vorarbeiter atmet schwer. Vor seinen Augen entstanden Bilder einer grohcn Vergangenheit. Er sah buntgc- schmückte Paare im Spiegclsaal eines prächtigen Lustschlosses Quadrille tanzen, bis der galante Reigen einer wilden Vision wich. Dumpje Blassen zerbrachen int Rhythmus der etvigen Freiheitshymne schwarze Vastillenmauern. Rot wehten Siegesfahnen von den Türmen des finstereir Gebäudes. In das Klirren geborstener.Ketten mischte sich der Jubclschrci Millionen Enterbter. Schlieh- lich verebbten die Töne in der stolzen Symphonie werktätig schöpferischen Schaffens. Freches Autohupcn durchbrach die friedliche j Stille. Die Männer sahen auf.- In eleganter Kurve bog ein Luxusanto in die nengemachte Chaussee und Ivar bald in dem Nebel des Wintermorgens entschwunden. Wortlos reckte der Vorarbeiter seine Glieder, i datz die Gelenke knackten. Mit einem Händedruck bedankte er sich bei dem Musikanten. Entschlossen griff er zur Spitzhacke und schlug voll neuer Kraft in den gefrorcuen Boden..Krachcttd brach Stück auf Stück ans der schadhaften Landstratze. Hart erscholl das hohe Lied der wertczcugcndcn Arbeit. Das gleichniätzige Klopfen klang wie ein froher Reim: Für unö und unsere Kinder! Ilnd wenn die Erde in grotzen Rissen wcii- klafsend aussprang, dann lachte der Vorarbeiter und spie, sicki anfcuernd. in die schwieligen Hände. Immer mehr strafften sich seine Muskeln, immer mächtiger lvurdc die Gewalt seiner Schläge. I Er hatte die Zukunft gesehen! W. Jaenecke. 60.000 schwarze Portiers erpressen England! Weltpolitische Groteske in Aegypten. Die englisch-ägyptische Regierung hat sich bereit erklären müssen, den Bewohnern des oberen NiltaleS, soweit dieses durch den neuen Assuan« staudamm betroffen wird, eine ungeheure Entschädigung zu zahlen. Die„Geschädigten" sind Berberineu, die in ganz Aegypten als Diener, Köche, und vor allem als Portiers arbeiten und nur ihren Lebensabend in der Heiinai verbringen. Die Entschädigung wurde durch eine wahrhaft groteske Erpressung„hermiSgeholt". „Goldhaltiges" Nilwaffer... Wieder ist ein Wall an dem riesigen 2tau- dammsystem von Assuan fcrtiggestellt. Schon wieder kann sich daö Rilwasser drei Meter höher stauen, um eines Tages, mit sechs weiteren Metern, die Höhe erreicht zu haben, die für das ganze Jahr die Bewässerung und Fruchtbarkeit der unteren Nilstrecken sichert. Wenn das Wasser steigt, dann geht es über die Ufer. Es wird noch immer höher über die Ufer klettern. Dörfer werden überschtvcmmt, Siedlungen müssen geräumt werden. Alte Anlagen und mich Ruinen der ägyptischen Borzeit werden überschwemmt. Gut 90.000 Anwohner haben mit der Regierung verhandelt über ihren Umzug. Die englisch-ägyptische Negierung schlug freundlich und tiett eine kleine Untsicdlung vor. Keiner der 00.000 Antvohner rührte sich. DaS Wasser stieg Zur Umsiedlung wollte die Regierung auch noch eine Entschädigung geben. In barem Geld— lockte man. Da horchten die 90.000 auf, und 60.000 verhandelten mit der Regierung. So kam das Gold in das Niltal... Die Berberinen schmnnzel». Mit den Aegyptern, mit den Arabern selbst lväre die Regierung leichter fertig geworden. Aber hier leben die Berberinen. Man weis; von ihnen nur, datz sie allen Städten des Nils die Dienstboten liefern, besonders die Köche und die Portiers. Dec Ethnograph tvürde Sorge haben, diese Berberinen genau einzuregistrieren. Die Nu- bicrfundc bei Abu Simbel vor einigen Tagen boten interessante Rückschlüsse. Jedenfalls sind die Berberinen dunkler als die Aegypter. Sie tvoh- ncit im Niltal von Assuan bis ztim 4. Katarakt und sprechen eine Sprache, die zu einer afrikanischen Gruppe gehört, sie also gänzlich von den Arabern trennt. Christett waren sic, bis die Mamelucken bei der Napoleoit-Jnvasion zum oberen Nil vor- vordrangen und mit Prügel und.Schwert Mohammeds Programm des Glaubens verkündesen. Aber heimlich werden immer noch die Kinder getauft. DaS sind die Berberinen, die auf einmal zu einer sehr wohlhabenden Volksgruppe in Aegypten geworden sind. Nie hat man so viele Grammophone, Radioapparate, Parfüms und Whisky-Kisten zum oberen Nil geschafft, wie in den letzten Wochen, besonders zu Ramadan, zum hohen Fest. Da freuen sich die Berberinen, weil sie ihr Geld auf einmal so leicht verdienen. Wenn es ihnen auch keineSivegs schlecht gegangen ist, damals, da sie noch als Hotelköche und Hauswarte eine nette Stange Geld sparen und manche Tasse aus dem Mcnha-Haus in Kairo oder dem Ram- leh-Casino, manches Tablett aus den schönen Hotels als„Amulette" und Andenken in Koffern nach Hause schleppten. WaS Aegypten zahlen nmtz... Als die erste Offerte der ägyptischen Regierung bekannt wurde, waren die 99 Dicnerklubs berberinischcr Gründung in Kairo in toller Aufregung. Man holte Gutachten ein, schickte eine Abordnung hinaus, nm die angcbotenen Bodcnstückc zu studieren. Denn in den Dörfern droben sind ja nur Frauen und Kinder oder alte Männer, die friedlich und fett eine Pfeife nach der anderen in beschaulicher Ruhe zu LebenSabschlutz rauchen. Diesen Tabak und diese Sorglosigkeit zu haben, lvar ja bisher immer das Ziel all der Portiers und Diener in Kairo. Die Klubs nahmen aber auch die besten Rechtsanwälte, deren Hirn vermutlich di.' zwar staatsschädliche, aber prozentual einträgliche Idee entsprang. Die Aufregung sprang auch aus.llexandria über. Am ganzen Nil sprach matt über die Land- und Ilmzugsofferte der Regierung. Eines Tages war die Taktik zurccktgelegt: Umsiedeln lasse man sich nicht so ohne weiteres. Es gebe ja schlietzlich auch noch einen Völkerbund, der die Minderheiten schütze. An den iverde man sich tvendcn, weitn man Weiter mit solchen Pau- schalofferten lomme. Wozu vier Worte: die Regierung mutzte für ein Feddan Land 10 bis 12 ägyptische Pfunde bezahlen. Daö neue Land aber mutzte den Berberinen für 2 bis 9 Pfunde überlasten toerden. Einschlietzlich künstlicher Bewässerung und sonstiger Beihilfen. 1,200.000 ägyptische Pfunde haben die Berberinen der Regierung schon nbgepretzt. Weiteres Geld tvird folgen. „Wir haben's nicht niehr nötig..." Die 60.000 Berbcrinen-Portiers haben keine sonderliche Lust mehr, tvcitcr zu arbeiten als Diener in Kairo oder Alexandria. So werden denn in diesen Tagen mehr Stellen aufgekündigt als je zuvor. Was lvill inan mehr: man hat Geld, inatt kann sich ein neues Haus bauen in einer schönen Lage, gegen die man sich nur so lange sträubte, als der Preis noch nicht festlag... Man hat auch Tabak und klingende Münzen genug für eine kleine Haschisch-Ausschweifung. Kann man mehr von diesem Leben verlangen? Soll man sich lvcitcrhin mit griechischen Hausierern und klcinasiatischcn Spitzbuben und Taschendieben herumplagen, tvcnn Allah den Meisten und der ägyptischen Regierung den tollen Gedanken eingab, bei Assuan ein Stauwerk zu bauen? DaS Rilivasser mögen sie für den unteren Nil stauen. Für die Leute tvcitcr oben aber, für die Berberinen vor allem, war und ist der Stau- dämm von Assuan eine Talsperre des Goldes. Jede Palme ist ein Geschäft, sofern sie im Ueber- schwemmungSgcbiet steht. lind>ver von den 60.000 Köchen, Dienern und Portiers nicht schon jetzt unt seinem Geld auf der Bank oder im Bauchgürtel umzieht oder sein neues naus jenseits der ileberschwennnungS- zone bauen lätzt, der kauft sich ht Kairo ein Geschäft. Mauchen bat der Grötzenwabu gepackt. Nie ist eS den dunkelhäutigen Berberinen so gut gegangen wie jetzt. Allah segne den Staudamm von Assuan— und den Völkerbund, den man so schön als Erpresterwaffe benutzen konnte... I. B. ®tftt 6 „Sozialdemokrat- TmtiicrSfnn, 22. März 1931 Nr. 08 PRAGER ZEITUNG I Kunst und Wissen I Tie Besucher der Arbcitervorstellungen werden auf die ain Sonntag, den 25. März um 3 Uhr nachmittags im Renen Denischcn Theater staitsin- deitde ,,Nigoleit o"-Aufführnng aufmerksam gemacht. Für diese von der Theater-Direktion veranstaltete Vorstellung sind auch Marien zu ll und 12 KL bei Optiker Deutsch Palais„Koruna" zu haben. Dorothea Ruzitschka, die jnnge sudelendeuischc Pianistin, lieferte Dienstag abends in cincin Konzert damit Du an der III. Tschechoslownkbichen Arbeiter-Olympiade in Prag— ü. bis 8. Juli— tcilnehinen kannst! abgcht. er seinen Bruder. Ihn so fragte er einst einen jemals wieder zu solcher damals, ehe die Spanier durch den Nachweis vorbildliche» Ernstes, fast männ-' licher Kraft, fühlbar starken Willens und sicherer Intelligenz als geglückt bezeichnet lverdcn darf. Am überzeugendsten gelangen ihr Beethovens 32 Bariationcn E-Moll; aber auch die Wiedergabe von M o u s s o r g,s k n s„Bilder aus einer Ausstellung" liehen deutlich reifendes technisches und vortragSniä- stiges Vermögen wirluugsvoller Nachgestaltung erkennen. Dagegen kann von einer lzweimal inneren) Vertrautheit mit Bach(Partita B-Dur) nicht gesprochen tverden. Insgesamt wäre wahrhaft inneres Erglühen, gröbere seelische Berarbeitnng als Voraussetzung für lebten künstlerischen Ausdruck nn- erlählich.— Ten übrigen Teil des Programmes bestritt die von ihrer Wirksamkeit am Prager Deutschen Theater bekannte Altistin Tilde M e r z mit Liedern von BrahmS, Wolf, Finke und Prochäzka; man könnte der jungen Dame gründlicheres GesangS- studium anraten. l. g. Friedrich Hiilzlin und Tilde Oudra verlassen mit Schlug dieser Spielzeit Prag. Hölzlin wird einem Ruf als Spielleiter und Schauspieler an das Rationaltheaier in M a n n h e i m Folge leisten. Wochenspirlplan de» Reiic» Deutschen Theaters. Donnerstag, halb 8 Uhr:„Turandot", C 2.— Freitag, halb 8 llhr:„Julius Cäsar", Gastsviel E r n st Deuts ch, Jubiläuniövorstellnng Max L iebl, D 1.— Samstag, 7 llhr:„Tanuhäu- ser", Zyklus II, C 2. Wochenspirlplan der Kleinen Biihne. Donnerstag, hab ö Uhr:„Gastein", Erstaufführung.— Freitag, 8 Uhr:„G astei n", KulturverbandS- sreunde und freier Berkans.— EamStag, 8 Uhr: „G a st e i n". Joses Bunzl liest am Montag, den 26. Mirz, abends 8 Uhr, in der Städtischen Bücherei an» Trauen und W a s s e r m a n n. Arbeiter und Angestellte erhalten e r m ü b i g t c Karten bei Genossen Deutsch. DollfuB-Köpfe im Sande... Tao Echo der Prager christfascistischen Skandalrrde Unsere Einhüllungen über den Ivüsteii P r o- v o k a t i v n o v o r i r a g der Gräfin Elisabeth H o e r f- S ch in i s i n g- li c r st e n b r o cf. jener Dollfich-Agentin. die es gewagt hatte, im »Dcuischen Haus" in Prag eine ii b l e S ch m ä h- r c d e gegen all das zu halten, ivas in der Tsebe- choslotvalei geachtet wird und guten Klang hat, und scvlictzlicv, der Gipfel der Dreistigkeit, die Anwesenden in die fascisiische„Paterländische Front" zu pressen, haben, wie zu erwarten war, ein lebhaftes Echo ausgelöst. In dankenswert energischer Weise bat das„P ra v o L i d u" die Slandal- assäre der.Krnkenlreuz-Gräfin anfgegriffen und mehrfach dringend r c st l o s e A ufkl ä r u n g Ser Hintergründe des gräflichen Exzesses, sowie M a s; n a b in e n gegen die christfascistischen Wühler und R e I r u t c n a u s h e b c r auf dem Gebiete der Tschechoslowakischen Republik verlangt. Wenn„Närodni Poliiila" sich bei einer detaillierten Zitierung unsere- Berichtes eine Polemik gegen die frühere Politit der Sozialdcmokralie nicht verkneifen kann, so liegt das in der publizistischen Scheuklappen-Perspektive dieses Blattes begründet. Sehr bezeichnend ist, dcch gewisse h>> p c r n a t i o n a I i si i s ch- t s ch e ch i s ch e Blätter, die sich sonst zu überschlagen pflegen, wenn irgendivo ein Bagaielie ungebührlich breit zu treten ist, sich in tiefes Schweigen hüllen und den beispiellosen Angriff der österreichischen Dollsuft- Agentin betont ignorieren. Wen» die Quelle der Aufklärung ein„Marristcnblatt" ist, geht der dick aufgelegte Patriotismus gänzlich vor die Hunde. Daß die getarnte Fasristenpresse sudetendeutscherCouleur die Wiener Gräfin durch Schweigen deckt, versteht sich am Rande. Auch die g l c i ch g c s ch a l i e t e öfter- r c i ch i s ch c P r c s s e, die sonst so gern mit uns zu polemisieren pflegt, steckt den Kopf in den Sand\ und ft t ll t s i ch tot. Diese Methode verfängt bei uns allerdings nicht. Vorträge B. Trauen In dieser unruhigen Zeit wird mancher fragen: „Wozu Bücher? Das Leben ist aufregend und hart, bunt und spannend genug I" Traben schreibt keine Romane mit konstruierter Handlung. Trauen schreibt dokttincntcrrische Berichte. Er schreibt das Leben ab. lind zwar da» Leben der Pcons und Ladinos von Meriko. Es sind die gleichen Konflikte und Probleme, die auch Europa vergebens zu lösen versucht. Traben schreibt in einem schmucklosen Stil, ohne Seniimen- calität, aber eine tiefe Menschlichkeit und überlegene Ironie geben seinen Büchern einen Glanz, der nur dokumentarischen Berichten Den Indianer nennt liebt er.»Glauben Sie", Alten,»das; dieses Land Macht gelangen wird wie kamen?" Der Indianer antwortet:„D>iS Gehen unseres Volkes ist langsam. Wir haben Zeit. Tie weiften Männer haben keine.seit. Aber können Sie nicht hören, Sensor, wie alle nichtweiftcn Völker die Erde ihre Glieder regen und strecken, daft nian das Knacken der Gelenke über die ganze Well vernehmen kann?" Etwas unsicher meinte Traven:»Dagegen lvcr- den wir uns zu wehren wissen." »Womit?" fragte ruhig und ohne iede Ironie der Indianer.»Womit? Mit Ihrer Zivilisation? Die ist nicht stark genug, Senior. Sie hat ja keine tragende Idee. Ihre Zivilisation wird nur von einem einzigen Gedanken geleitet und der heiftt: Geld. Mil Geld kann man Geschäfte niachen, aber keine Seelen erwärmen." Ans der Partei Jahresversammlung der Deutschen sozialdemokratischen Bezirksorganisation Prag. Die Jahresversammlung der BezirkSorganisation findet Freitag, den 18. April statt und es werden die Organisationen gebeten, sich diesen Tag freizuhalten. Dienstag, den 16. April, findet eine Sitzung der BezirkSver- lretung statt. Sport»Spiel• Körperpflege Die Situation im westeuropäischen Arbeiterfußball Die Griw'" West tagte Anfang März d. I. in B r ü s s e l. Auf Grund der neuerliche» Ereignisse in Oesterreich, wodurch die 2ASJ. ihren zivcitcu wichtigen Verband verliert, sind für die westlichen Länder neue ArbeitSaufgaben enistanden. In dieser Sitzung waren anwesend die Genossen: B r i d o n x Ehrenpräsident der SA SI., D e v l i e g e r, Sekretär der Latcinläi.der, L al cm and< Belgien), Lalle m e n t'Frankreich), M i n n i g lSchweiz).Elvin(England), Nobels lBctgicn). Norwegen erklärte sich in einem Briese einverstanden, und nnicr- siützt die„Arbeitsfront" von Westeuropa. Holland hatte sich entschuldigt und will an der„Arbeitsfront" teilnehmcn. Das Saargebiet hat einen langen Bericht geschickt, in dem es seine fchlvicrige Lage erklärt. Genosse Devlieger erklärte, daft cs nötig sei, die Arbeit der TASJ. nach den Ereignissen in Deutschland und Wien zu festigen und zn dezentralisieren sowie die Komitees durch Verirciung der anf- gelöstcn Verbände zu ergänzen. Nach Diskussion wurde entschieden, den Fnftballfachausschuft zn ergänzen, indem die Nordgruppen(Finnland, Lettland, Estland, Norwegen, Schweden und Täncmarki und «»,u>nin uv»»» ii. u.hvih«uiirtv«.«,j c iZentralgrupven(Tschechoslowakei. Polen, Ungarn, im InstitutfrancaiS-ine neuerliche Talentprobe, dieg^ttchgimj g^eien werden, je einen Delegierten zu bcstinunen, die das„internationale Komitee mit dem Genossen Lalemand von der Gruppe West bilden iverden. Für die Gruppe West ist entschieden lvordcn, die Enropamcisterschast bis spätestens Pfingsten zu beenden. Folgende Spiele finden statt: Schweiz gegen Belgien in Zürich am 2. April 1621, S ch w e i■■ cegcn Frankreich in Genf am 21. Mai 102-1. Für das Endspiel der Europameisterschaft macht die Gruppe West ihre Vorbehalte, denn tvenn der Ersatzfonds nickit bleiben könne, würde es nicht möglich sein, das Spiel zu organisieren. Die Gruppe West hat cnlsckicdcn, wieder eine z w e i t e E u r o p a m e i st e r s ch a f t zu be» ginnen. England wird daran teilnehmcn. Diese Mitteilnahine wird am 20. August in Dorchester bc- giuncn, wo die scauzäsische und belgische Mannschaft, vielleicht auch die der Schweiz gegen die englische Mannschasi spielen werden. Die Gruppe West Hal die Lage der englischen Spieler nach den Erklärungen de» Genonen Elvin geprüft. Es ist felbstver- •HHHMHHWMMMHHMMHM» Schon am 1V. April kann Dir ein Haupttreffer zufallen, wenn Du rechtzeitig Lose der Arbeiterfürsorge kaufst Nur 8 KU MMMMMMtMSMMSMSWHSMW stündlich, daft diese englischen Spieler berechtigt sind, mit Mannschaften der SASJ. zu spielen. Die internationalen Beziehungen mit den anderen Ländern sind auch ins Auge gefaftt lvordcn. Die Gruppe West macht cö sich zur Aufgabe, alle Sportarten der SASJ. in der Arbeitsfront zu Pflegen. Es war also eine ausgezeichnete Sitzung. Für einige Länder lvnrdcn verschiedene Punkte geregelt und eine gute Aktivität für die Zukunft gesichert. Anm. d. Rd.: Dazu ist zu bemerken, daft sich die Besprechung in Prag bereits mit der Rcorgani- fation der technischen Ausschüsse beschäftigte. Den Verbänden ist bereits ein Vorschlag zugegangen. Tie Naziolympiado 1986 in Berlin. Dieser imperialistische Kampf aus der Aschenbahn lvirst auch in Deutschland seine Schatten voraus. Man hat groftc Sorgen, nm die notwendigen„Kanonen" heranzubilden. Die Suche nach den„unbcka n n- t e n" Sportlern beginnt. In den Schulen, bei der SA. und SS., in den Sportorganisationen wird trainiert und gesucht, damit die„Ehre" der Nation bei der Olnmviade keinen Schaden erleidet. Besondere Trainingskurse für die einzelnen Sportarten werden abgehalten, die tauglichen tverden dann kaserniert und ivic Rennpferde gezüchtet. Nach einer Mitteilung des Neichssportführers erkalten die Olumpiadckandidaten Olympia-Paton, die dafür zu sorgen haben, daft die Ernährung für den Wettkämpfer a u s r e i ch t. Die Patenschaft wird damit begründet, daft ein in iliigünstigen Verhältnissen lebendes Talent nicht zur vollen Lcistungsfähigkeit kommen kann. Wäre cs da nicht besser, statt den Arbeitern tvenigcr Lohn und den Erwerbslosen weniger Brot zu geben, hier helfend einzugreiscn. DaS Schicksal der deutschen Arbeiter ist diesen Herrschaften gleichgültig, für sie gibt cö nur schöne Reden. Von Festen und Olympia-Paten lvird die dents-' Arbeiterschaft nicht satt. filme in Prager Liihtsnielhäusern bis cunchlicsilich Donnerstag, den 22. März. Adria:„König der Paläste".— Alfa:„Casanova".— Avion:„Tartzan, der Beherrscher des Ur- lvaldes".— Berwick:„Die sechs Frauen Heinrichs VIII.".— Feniz:„Dieser alte Schuft".— Gaumont:„Die goldene Katharina".— Hollywood:„Die goldene Katharina".— Jnlii:„Die Schlacht".— Kinema: Journale, Groteske, Reportage(%2—’sS) — Ko tim:„Die Ehebrecherin".— Sucerna:„Die Schlacht."— Metro:„Die goldene Katharina".— Ollimpie: Der Florentiner-Hut".— Praha:„Ter geheimnisvolle Jäger".— Radio: „Die seckis Frauen Heinrichs VIII."— Skullt:„Das letzte Paradies".— Alma: Die sechs Frauen Heinrichs VIII."— Befeda:„TciS HauS in der Vorstadt".— Illusion:„Liebelei".— Lido:„Ihr Arzt". - Aiaccöka:„Liebelei".— Rozy:„Liebelei".— Avion und Metro: SamStag%2 llhr: Reminiszenzen. Literatur Tic Frühlingsnummer des Simvlieus erscheint I heule mit Sondcrbcilage„Wenn Kaiser Otto in Wien I cinziehl". Ferner Beiträge von Bidlo, Godal, Arnold i Habn, Hossmcister, Pele, Erich Weinert. Ski-Urlaub in den slowakischen Bergen Neun Schnellzugstundeu brachten uns in die Slowakei und gerade bei Morgengrauen stiegen wir in Kralovä Lehota aus dem Zuge. Noch eine Stunde Fahrt mit dcni Autobus und Ivir waren am Ziele, in Vyjna Boca, cincm armen, kleinen Dörfchen. Besonders fiel mir die einfache und hübsche Tracht der Bauern auf: enganliegende Zivilchhoscn, hohe Schuftstiefel und mächtige schwarze Pelzmützen. Wir wnr- den nun von zlvci handfesten Burschen in Empfang genommen, die uns der Wirt enigcgcngcschickt hatte, um uns die Rucksacke abzunchmen und de» Weg zu zeigen.— Schnell noch einen hciften Tee getrunken, die Sturmmützen ausgesetzt, die Seehunde an die Skier geschnallt(damit man beim Aufstieg nicht so stark rutscht und folglich auch nicht so schnell ermüdet) und los ging es! Wir hatten einen drei- einhalbstündigcn Aufstieg vor uns, um auf die Ste- sanikhüiie auf dem Dnmbicr, 1780 Meter hoch, zu gelangen. Wie lvurde mir froh zu Mute, als ich den reinen herrlichen Pulverschnee sah! Der Weg führte uns, sanft, aber beharrlich ansteigend, immer höher. Wir mufticn über einen vereisten Steilhang und da hicft cs die Zähne znsammcnbciften und sich 'Schritt für Schritt mühsam in die Höhe arbeiten; dafür gabs nachher zur Belohnung ein Stück Abfahrt, dann kletterten lvir noch über einen Sattel und schon grüftte von weitem die langersehnte Hütte mit dem davor gebauten charakteristischen Glockcniurm. Mittlerweile hatte sich ein böser Sinrni erhoben und reichlich müde und abgeschunden kamen wir gegen Mittag in unser llrlaubshcim. Dort wurden lvir vom Wirte, Herrn Peterla, sehr herzlich cnipfangen. Schon stand die danipfende Suppe auf dcni Tisch. Wir licftcn sie uns herrlich schmecken.— Mittlerweile war der Nebel drauftcn so dick geworden, daft man sich nicht mehr hinauSwagcn konnte; unsrei- willig hatten wir nun sehr viel Zeit zum Ausruhen. Ich fühlte mich bald in der Hüiie recht heimisch und schloft auch Freundschaft mit den WirtSleutcn, die brave, freundliche und herzliche Mensche» sind. Das war eine Hütte nach nicincm Geschmack, weit weg von dem Trubel der mondänen Winiersportplätze in der Hohen Tatra, nicht ganz leicht erreichbar, jcdc»- falls für begncme und vcrlvöhnte Menschen nicht, und wirklich von einem tvnndcrvollcn Skiterrain umgeben, breiten langgestreckten Bergrücken, die völlig baumlos sind— was ja jeder Skiläufer ersehnt und bc- griiftt, denn nur in tvaldlosen Gebieten kann man schöne Touren niachen und geeignete UebungSwiesen finden.— Die Hüiie ist nicht gerade komfortabel, lvaS man in dieser Höhe und Abgeschiedenheit auch nicht gut verlangen kann. Jmmerhii: ist anständig vorgesorgt, man kann sich sehr gut ein paar Tage nut Petrolenmlicht begnügen, gegen Abend werden die Zimmer ordentlich geheizt und man bekonnnt sogar heiftcS Wasser zum Waschen, lvaS auf diesen Hütten sonst ein groftcr Luxus ist. Für den Magen lvird fast zu viel des Guten getan, man muftie sich nach jeder Mahlzeit erst wieder erholen, so viel gut zubereitete Dinge gab cs zu essen. Die' Zimmer, meist zu vier Bette», und ein grünerer Schlafsaal sind sauber gehalten und wenn man Gluck hat, sticbitzt man ans unbclcgien Betten noch ein paar Decken— ich hatte aus besonderer Protektion ein Leintuch, auf das ich sehr stolz war— und hatte cS so in der Nacht schön tvarni. Am nächste» Tage lachte endlich die Sonne und ganz lvild nach Luft und Bclvcgung stürzte sich alles gegen 8 llhr früh in den frisch gefallenen Pulverschnee hinaus. Ich lieft mich vom Instruktor, einem jun- gcn, sloloalischen Bauernburschen, der dort den Ski-1 lchrcr macht, in die Arbeit nehmen. Mit Todesverachtung wälzte ich mich im Schnee den ziemlich steilen Hang in den Kessel hinunter, wo wir üben sollten, da es dort windgcschützt war.— Nun muftie ich mich tüchtig ins Zeug legen und„Kristiana" üben, da ich ja schon über die AnfangSgriinde hinaus war und schon allmählich in die„höhere Kunst" einge- wcihi werden sollte. Wenn glücklich einmal die Skier die vorgcschriebene Stellung einnahmen, verlegte ich; sicherlich das Gleichgewicht des Körpers in die falsche öiichiung und tvcun Schultern und Hüften sich richtig gedreht hatten, Ivar bestimmt daS Knie, das ansge- strcckt sein sollte, cingcknickt. Aber das sind einmal die Freuden und Leiden eines SkihäSleinS und ich bewunderte nur die Geduld und Ausdauer meines SkilehrerS, der mit unglaublicher Zähigkeit und Geduld an meinen Körperverrcnlnngen hcrnmscilie.— Nach dem Mittagbrot legten sich die meisten für ein Stündchen hin, um dann mit frischen Kräften an die Arbeit zu gehen.— Gegen sechs Ilhr abends waren dann wieder alle in der Hütte versammelt und nun gabS ein eifriges Erzählen und Fachsimpeln, wie man bei dem heutigen Schnee hätte richtig Wachsein sollen, über die Technik der verschiedenen Sprünge usw. Man hatte Ivirklich den Eindruck, daft all der Jammer und das Elend der Gegenwart versunken sei und cs nichts anderes mehr gäbe auf der Welt als Schnee, Skier, Wachs. Am dritten Tage war die Witterung so günstig, daft wir den Aufstieg auf die Dumbierspitze wagten und von der Hütte in bcgucmcn Serpentinen in einer Stunde bis auf den Gipfel stiegen. Je höher mair kam, nm so grandioser lvurde das Panorama. Von alle» Seiten stiegen zerklüftete mächtige Bergmassive auf, die geteilt waren durch tief eingcschnit- tcne Täler und steil abfallende Schluchten— und all das war in eine ticsc, rcinwcifte Schneedecke gehüllt, die im Tonncnglast so intensiv lenchteie, daft nian geblendet war. Leider war die Hohe Tatra von Nebeln verhüllt, die nur sekundenweise aufrisseu, so das; man die Schönheit dieser gigantischen Bergwelt nur ahnen konnte. Der Dnmbicr, auf dem wir uns befanden, gehört nämlich zur Kleinen Tatra, cincm Gebirgszuge, der sich südlich der Hauptstrecke mit den wichtigsten Orten Nujembcrok, Ctrba. Poprad, Kosice hinstrcckt, während die bekanntere Hohe Tatra sich nördlich dieser Ebene aufreckt.— Ta cs dort oben bei der Gipfelpyramide, also 2100 Meter hoch, fast immer eisigen Stunn gibt, konnte» wir »ns nicht lange aufhalten und machten nnS an die Abfahrt. Das ist wohl der gröftte Genus;, den man sich denken kann, so in langgestreckten Wendungen nnd Serpentinen über den firnbcdcckten Rücken des Berges yinunicrzusauseu. Allerdings sauste ich dabei auch ei» paarmal, weil ich nicht mehr bremsen konnte, mit verblüffender Geschwindigkeit mit dem Kopf in den Schnee und es dauert dann immer ein Weilchen, bevor man sich mit seinen Gliedmaften und Skiern wieder anskenntl DaS letzte Stückchen durfte man sich dann den Luxus einer Schuftsahrt erlauben nnd da ist cs unglaublich, wie viel mau durch Autosuggestion erreichen kann. Meine Bretteln rasten wie toll geworden, ich sah und hörte nichts mehr um mich, bis; die Zähne zttsammcn und dachte nur krampfhaft: Du darfst nicht stürzen und du lvirst nicht stürzen.-. Tie Knie schepperten nur so— cö rift mich von einer Seite auf die andere...„Du darfst um keinen Preis fallen"— und da war schon der Auslauf auf der breiten IlebungSwiese vor der Hütte, noch ein letztes heftiges Schwanken und ich stehe, o Wunder, heil auf meinen Beinen l (Schlich folgt.) Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—, vierteljährig KL<18.—, halbjährig KL 00.—, ganzjährig KL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PreiSnachlaft.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retonrmarken.— Die ZcitungSfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlaft Ar. 10.800/VH/1030 bewilligt.— Druckerei:„QrbiS", Druck-, Verlags- und ZeltungZ-A.-G., Prag.