IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DE5 MONTAG TÄGLICH FRÜH, Redaktion uno Verwaltung magxil.fochova«. theton sm. Administration teieton 5X74.’ HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHEIM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. EmBMtTBlMhr (•ImcIilteMIdi AIMtoxlM») 14. Jahrgang Freitag, 23. März 1934 Nr. 39 Unser Standpunkt mm Benei-Expow« i Antifascisten, sammelt euch! Auch die Demokratie muß ihren Lebenswillen kundtun Prag, 32. März. Am AnßenanSfchnß des Abgeordnetenhauses nahm heute Wtnojir d e Witte partciosfizicll zum Exposee des AußenmiiiistrrS Stellung. Was der verantwort- lichc Minister aus begreiflichen Gründen nur gelegentlich zwischen den Zeilen etwas durchschimmern lieft, kannte Genosse de Witte ohne viel Umschweife offen heranssagcn: das» die italienischen Phrasen bau einer freundschaftlichen Zusammenarbeit nur ein Ablenkungsmanöver sind und daß Italic» in Wirklichkeit seht hart daran ist, Oesterreich vollkommen zn seinem Vasallenstaat zn machen. Die Folge kann nur eine schwere Gefahr für den ruro- päischcn Frieden sei«, die sich nur noch nbwendcn laßt, wenn die restlichen europäischen Demokratien fest zusammenstehen in der Bekämpfung der faseistischen Ideenwelt. Aber auch im Innern vor allem u n s e r e S Staates müssen die demokratischen(flr mente alle ihre Kräfte fest zusammen lassen, nm den Fasciamus schon in seine» Ansängen zn überwinden. Daß die deutsche Arbeiterschaft zur aktiven Teilnahme an diesem Kampfe bereit und entschlossen ist, hat Genosse de Witte nochmals feierlich bekräftigt. Achnlichc Gcdankengängc liegen anch der gestrigen Rede des Genossen Nießner im Anßenausschnß deö Senates zugrunde. Er geißelte vor allem die Passivität der demokratischen Wcststaatrn gegenüber den planmäßigen Vorstößen des FascismnS und warnte insbesondere davor, ans die dauernde Entfremdung zwischen dem italienischen«nd dem deutschen Fasrismns übertriebene Hoffnungen zn sehen. Genosse de Witte: Das italienische Doppelspiel Die Ausführungen des Herrn Aussenministers haben nur bestätigt, dass die weltpolitische Situation noch n jemals so verworren und voller Gefahrenherde gewesen ist, wie seht. Wir begreifen vollkommen, wenn der Herr Aussenminister in einer solchen Lage sich die äusserste Zurückhaltung auferlegt. Auch wir müssen selbstverständlich ans diese Situation Rücksicht nehmen nnd»ns eine abschliessende Etel- Inngnahnie Vorbehalte», nin so mehr als der Ministei selbst nur einen Teil der internationalen Probleme behandelt hat nnd die Besprechung der übrigen Fragen einem späteren Zeitpunkt vorbchiclt. (SS ist durchaus korrekt, dass der Minister zum römischen Protokoll nicht im vorhinein irgendwie eine feindliche, sondern eine zu warten de Stellung cinninnnt. Es ist richtig, dass diese Protokolle der Form nach nichts anderes zum Inhalte haben als die w i r t s ch a f t l i ch e Zusammenarbeit der beteiligten Staaten, wobei allen anderen Staaten der Beitritt offen stehen soll, nnd dass sie die völlige po- lilische Unabhängigkeit insbesondere Oesterreichs ebenso start betonen Ivie die. Berciiwitligkcit der Zn- sammenarbcit mit der Kleinen Ementc. ES ist selbstverständlich, dass der Herr Anbenminisler diese Prinzipien nicht a b l e h n e ii konnte. Für unS ebenso selbstverständlich ist aber die; Notwendigkeit, darauf bin-,»weisen, dass zwischen dem\ Wortlaut der römischen Protokolle nnd den! t« t s ä ch l i ch e n politischen Aspirationen Italiens ein schon heute erkennbarer Unterschied besteht, den eine vernntwortungsbewnßte Stellungnahme nicht übersehen darf. ES kann für uns kein Zweifel darüber bestehen, i das; es stch Italien keineswegs nm eine freund- fchaftliche Zusammenarbeit handelt, die allen Staaten in gleicher Weise offen stehen soll, sondern vielmehr nm den Versuch, Ungarn nnd vor a l l e in auch O e st er r e i ch endgültig in seine a u ß e n p o l i t i' rf) c Macht- sphäre r i n»beziehe n, woraus sich, wie übrigens auch der Herr Minister angedeutet hat, die schwerste» internationalen Brr- Wicklungen ergeben können. Wenn darüber noch irgendein Zweifel möglich gewesen Ware, so wnrde er durch die grosse politische Kundgebung Mussolinis am Sonntag vollkommen zerstört, durch eine.Kundgebung, die nicht nur die machtpolitische» Aspirationen Italiens mit aller Deutlichkeit zum AuLdruike gebracht, sondern durch die geradezu leidenschaftliche Verfechtung der ungari- schen NevistonSwünsche nnd durch die warme Unter- stütznng der deutschen'.'lufrüstungSbestrebungen ganz deutlich gezeigt Hot, dass Italien bemüht ist, eine i starke fascistische Mächtegruppe zn bilden, die eine I schwere Bedrohung des Friedens bedeutet. Wir können auch nicht achtlos daran Vorbeigehen, dass insbesondere Mussolini gerade in seiner lcssien Rede wiederum den Parlamentarismus totgesagt nnd damit deutlich zn erkennen gegeben hat, dass der FasciSmuS darauf ausgeht, nicht nur aussenpolitisch eine dominierende Rolle in Europa einzunehmen, sondern auch der n i ch t f a s r i st i s ch e u Welt seine i n n e r p o l i t i s ch e n Prinzipien a u f z u z w i n g e n. Wir glauben, dass dem gegenüber die demokratischen Staaten verpflichtet sind, dir Kraft und de» Lebenswillen ihrer politischen Institutionen aufS entschiedenste zn betonen. I Auswnminister mit Recht betonten Prinzip der vollständigen Selbständigkeit Oesterreichs nnd der Richt-, Vorherrschaft irgendeines fremden Einslnsseö in< Oesterreich in Einklang zu bringen sind. Die Abhängigkeit Oesterreichs von Italien ist\ ! ja keineswegs etwas Neues. Der Herr Minister Hai| selbst sehr richtig darauf hingewiesen, dass die inne-! ren Verhältnisse Oesterreichs sich einerseits unter dem Einsinss der nationalsozialistischen Bewegung, anderseits unter dem Einfluss der aus Italien kommenden Tendenz ungünstig entwickelt haben, Wenn— wie der Herr Minister wörtlich sagt—„die 5 i ft i e- rung der B e r f a s s>i n g, der Ilevergang zum autoritativen Regime nnd schliesslich der tragische Konflikt in Wien sozusagen n n a b w c n d v a r geworden sind", so war dies nur die lebte Konsequenz der vom Herrn Minister selbst so richtig geschilderten Enlwitklnng. NebrigrnS geht anS dieser durchaus objrk- j tivr» historischen Darstellung mit aller v'indcu- tiglcit hervor, dass eS sich bei den heroischen Kämpfen der österreichischen Arbeiter lcines- w e g S»>» eineu Ausstand gegen dir Verfassung, gehandelt hat, sondern gerade im Gegenteil, nm die B e r t r i d i g u n g der Verfassung. Wir proiesticren daher neuerlich gegen die Verlcnm- düngen, dir gegen die österreichische Arbeiterbewegung und ihren heldenmütigen Vcrtridi- gu»golampf vorgcbracht werden, nnd gegen die empörende Behandlung, die den Besiegten angetan wird. Wir müssen aber auch feststellen» dass die Zerstörung der Trmokratic in Oesterreich a n ss c n- politisch die verhängnisvoll- it e n W i r k ii n g c ii hatte. Aut dem Wese zum Arbeitsdienst nille für die arbeitslose Jugend Schon seit längerer Zeit finden zwischen dem Fürsorgcministcriuin und einigen Jugcndverbän- den Verhandlungen über die Schafsung einer staatlichen Arbeitshilfe für Jugendliche statt. Diesen Verhandlungen liegt die Tatsache zugrunde, dass es in der Tschechoslowakei etwa 200.000 arbeitslose Jugendliche im Alter von 14 bis 2S Jahren gibt, für die enstvcder gar nicht oder nur ungenügend vorgesorgt ist. Der grösste Teil dieser Jugendlichen kann nicht einmal in den Genuss dec Arbeitslosenunterstützung nach dem Genier System kommen, weil zum Bezug der Staatsuntersti'chung der Nachweis eines entsprechend langen Arbeits- vcrlpiltnisses notwendig ist. In den meisten Fällen waren aber die Jugendlichen noch gar nicht in Arbeit; sic kamen direkt anS der Schule in das grosse Heer der Arbeitslosen. Dies trifft auch auf das Hoch- und Mittclschulprolctariat zu. Die Not dieser Jugend ist gross; alle Bemühungen, ausreichenden Schuh, ausreichende Fürsorge für sie zn schaffen, scheiterten bisher an dem Mangel finanzieller Mittel. Der körperlichen Gefährdung der arbeitslosen Jugend durch den Hunger gesellte sich die g c i st i g c und moralische. Die Heim- stättcuaklion des Ministeriums für soziale Fürsorge, die dieser Gefährdung in erster Linie steuern sollte, konnte sich nur in einem ganz engen Rahmen bewegen. Sic erfasste einen Bruchteil der arbeitslosen Jugend und bedeutete auch für die von ihr erfassten Jugendlichen leine st ä» d i g c Hilfe. Gewöhnlich dauerte sic nur einige Monate. Mit den Jugendlichen aber geht wertvolle Volkskraft zugrunde, deren Sckuss nicht minder eine Lebensfrage für den Staat und seine Nationen wie für die Arbeiterklasse ist- Manche der Jugend- ! licheu habe» einen Beruf erlernt und vergessen in der Arbeitslosigkeit die erworbenen Kenntnisse. Viele werden durch die zermürbende Wirkung der j Arbeitslosigkeit überhaupt untauglich, jemals ! etwas ordentliches in einem Berufe zu leisten. Von !der Daner-Arbelt-losigkeit ist cs auch nicht Iveit lauf die Bahn des Verbrechens und eine Gesellschaft, die nichts zum Schuhe der Jugend vor Verelendung unternähme, hatte auch kein Recht, die durch ihre Schuld gestrauchelten jungen Menschen zu verdammen. Wenn sich die betroffenen Jugendlichen f s e l b st mit der Frage besaßt haben, wie ihnen i durch die Organisierung einer staatlichen Arbeits- ! Hilfe Unterstützung und teilweiser Schuss werden ! könnte, so haben sic sich nickt ettva der Täuschung ! hingegeben, dass es möglich sein tverdc, durch diese ! Arbeitshilfe alle Wünsche der Jugendlichen zu bc- ! friedigen, ja, daS Problem der Arbeitslosigkeit i Jugendlicher etwa auch nur teilweise nach der g r u n d s ä ss I i ch e n Seite hin zu lösen. CS kann sich bei der augenblicklichen politischen Schichtung nur darum handeln, für das Notwendigste vorzusorgen: also für ein Stück Brot, für etwas Kleidung und ein Dach über den Kops. Die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen ist, wie die Arbeitslosigkeit überhaupt, eine Erscheinung der kapitalistischen Wirtschaft. Nur deren llcberwinduug könne wirkliche und ausreichende Hilfe bringen. Soll aber die Jugend jcsst vollkommen verelenden und dadurch auch den Willen verlieren, sich gegen ihr elendes Los zu wehren? Ist es nicht unser aller Pflicht, sie vor dem Aergstcn zu bc- I wahren: vor dem guälenden Hunger, vor dem Versinken ins Lumpenproletariat, das der Kapitalismus für seine Zwecke missbraucht? Die I u g c n d v e r b ä n d e. vor allem die s o z i a l i st i s ch c n, haben gemeinsam klare Vorschläge für die Organisierung der staatlichen ArbeitShilfc ausgestellt. Eo ist begrüssenswert, dass daS Fürsorgeminislerium diese» Vorschlägen nähcrgctrctcu ist und dass sich auch der Ministerrat mit dem Problcnr der Hilfe für die Jugendlichen befasst hat. Die sozialistischen Jugendverbände sind bei ihren Vorschlägen davon ausgcgaugen, dass nicht das AuSgeben von A l m o s e n an die Jugendlichen das Wichtigste ist, sondern die Vcschaf- > s n n g von Arbeit, die ihnen allein das Be« Denn sie bat gerade jene Kräfte geschwächt, die in Oesterreich' vor allem dem internationalen Fric- | den gedient haben nnd die gewillt waren, jene leuropäische Lösung des österreichischen Problems zu stüssen, zu der mit dem Herrn Minister * anch wir nnS bekennen. Augenblicklich haben die Gc- I genkräfke, di« teils zur deutschen, teils zur italienischen Lösung nnd damit l e. ss t e n Endes z n r Wir müssen unter diesen Umständen die schwer- h a b s b u r g i s ch e» R e st a u r a t i o n kreisten Befürchtungen hegen, dass die Verhandlungen in! l,en, das Heft in der Hand. Die. europäische Rom keineswegs mit jenem vom Herrn I Lösung ist dadurch auf daS schwerste gefährdet. Umso notwendiger ist es daher, dass gegenüber dem deutlich in Erscheinung tretenden saseistischcn Block, dessen Forcierung durch die Meinungsverschiedenheit zwischen Deutschland und Italien in der österreichischen Frage zwar gehemmt, aber keineswegs verhindert wird, alle Kräfte d r r D e m o k r a 1 i e z u s a m m e n g e s a ß t werden, nm gegenüber jenen machtpolitischen Aspirationen doch die friedliche Zusammenarbeit der Staaten zn ermöglichen. Tas gilt nicht nur für die Außenpolitik. Wer eS aufrichtig mit der Demvlratie meint, musi aus den österreichische» Ereignissen die Lehre ziehen, daß mit der Zerstörung der innerpo litischcn Demokratie anch die Freiheit nnd die außenpolilische Selbstbestimmung des Volkes verloren geht. Oesterreich ist heute kein selbständiger Faktor der Außenpolitik, sonder» Spielball fasristischer Mächte. Die Demokraten in unserem Staate dürfen nicht übersehen, daß dieses Schicksal a n ch u n s droht, und müffen stch daher zur entschloffenen Verteidigung der Demokratie znsamnieufindrn. Wer nicht will, daß die Tschechoslowakische Republik in Gefahr gerät und ihre Nnabhän- gigteit nach außen verliert, der muß für die Aufrechterhaltung der Demokratie im Innern eintreten! Ich muß nicht erst sagen, daß die deutsche Arbeiterklasse dieses Landes bereit ist, sich in diese Front der Verteidigung der Demokratie einznrcihcn, die zugleich rin Kamps für die Erhaltung des Staates ist. Ich muß eö deshalb nicht sagen, weil dieArbeitcrllasse in diesem Lande für die Demokratie bereits die größten Opfer gebracht hat, indem sic mit einer bewunderungswürdigen Selbstbeherrschung alle Auswirkungen der Krise ertragen hat, in dem Bewußtsein, daß die politische Freiheit der größten Opfer wert ist. Es müssen daher auch alle politischen Faktoren in diesem Staate begreifen, daß rin R e- g i in c gegen d i c A r b c i t c r hier ganz unerträglich nnd mit den Lebens!»- tercssr» des Staates selbst absolut unvereinbar wäre. Wir sind, allen Grabgesängen ans die Demokratie zum Trotz, überzeugt, daß der Kampf um die Aufrechterhaltung der Demokratie t r i- ncsw egs hoffnungslos ist. Mögen die österreichische» Arbeiter, die der ganze» Welt rin unvergleichliches Beispiel von Tapferkeit in der Verteidigung der Demokratie gegeben haben, auch augenblicklich besiegt sein, der Geist, der sie beseelt hat und der trotz Verfolgungen auch in ihnen lebt, wird weit über die Grenze» ihres kleinen Landes hinaus ein begeisterndes nnd an'eiirrndcs Beispiel für die großen Ideale sein, für welche die österreichischen Arbeiter in den Tod gegangen sind, zn leben und zu kämpfen. Der Geist, der die österreichischen Arbeiter beseelt hat, ist nicht lot, er lebt in der Arbeiterbewegung der ganze» Welt und wird schließlich siegen! Freitag, 23. März 1934 «r.«9 6sno88e. Nießner käme, entschieden. auS einem Plane der der anderen Leite herrscht, vor fertigen Tat- fachen stehen. Mit faseistischen Staaten sich rinzulajsen, ist unter alten Umständen eine riskante Sache, ein gewagtes Spiel. Besser wäre es, wenn die westlichen Großmächte endlich unter einander einig wären und eine größere Altivität entfalten wiirdcu. Geschieht da» nicht, so sieht die Zukunft trübe a»S. Erwacht die Diplomatie der Grossmächte nicht bald aus ihrem Dornröschenschlaf, so N'erden iuir eines Tages vor einer neuen und furchtbaren Katastrophe stehen! Versäumte Gelegenheiten ■MMMMMHMMHMWMMMm» Schon am 10* April kann Dir ei» Haupttreffer zufallen, wenn Du rechtzeitig Lose der Arbeiterfürsorge kaufst! Rur 8 lttl wuhtseiu ihres eigenen Wertes vermitteln kann. 'Zusätzliche Arbeit, also solche, die normaler« weise von ordentlichen Arbcitslräsicn in ordentlichem ArbcitsvcrhältniS nicht geleistet lverden könnte oder würde, ist genug vorhanden: in den Bergbaugebicten ist da» vcrlvüstctc Land zu rekultivieren, was sich vor allem durch A» s f o r st c n mit den geringsten Mitteln am besten erreichen liehe. Es sind Straßen, Spielplätze, Badea»lagen, Ton« r i st e n>v c g c, li n t c r l u n s t ü h ii t t c n zu bauen und Meliorationsarbeiten zu Herrichten— lauter Arbeiten, die das Heran« ziehen einer größeren Anzahl von Arbeitskräften notwendig machten. Wenn man weih, dah vor allem die R a n d g e b i e t e deö Landes von der grössten Arbeitslosigkeit betroffen sind, so ergibt sich ans der Art der Vorschläge von selbst, dah eine gesamtstaatliche Slktion der am meisten gc- kährdetcn deutschen Jugend ebenso zugute käme wie der t s ch c ch i s ch e n und slowakische n. Die staatliche ArbeitShilfc machte die Zusammenfassung der jungen Menschen in gröhcrcn Kolonien notwendig. ES muh sich nur bewegliche Arbeitsirnpps handeln, die ohne Schivierig- keilcn da oder dort eingesetzt lverden können, t, Mitglieder mühten ausreichend verpflegt und bc- lleidel und auch so entlohnt werden, dah ihnen die Möglichkeit zur Befriedigung persönlicher Wünsche und Bcdiirjnisse bliebe, lind es versteht sich, dah die staatliche ArbeiiShilfe auf dem Grundsätze der Freiwilligkeit ausgebaut werden soll. Diese Notwendigleit tvird sich schon daraus ergeben, dah kaum genügend Mittel vorhanden sein lverden. die gesamte arbeitslose Jugend zn erfassen. Es handelt sich also bei den Vorschlägen der Jugcndverbändc um die O r g a n i s i e r u n g des freiwilligen Arbeitsdienstes mit staatlicher Hisse. Erstreckt er sich, wie cS der Wille der Jugend vor allem ist, hauptsächlich auf die Mehrung criragssähigcn Bodens, also ans die Rekultivierung, so wird, er-sich in.einiger Zeit hundertfach bezahlt machen. Für den Bau nottchmdiger' Strasse», deren csT noch einer grohen Anzahl bedarf, würde die ganze Bcvöl- lerung dantvar sein, lind für dir Jugend selbst erlvüchsc aus dem Beisammensein mit Andersgesinnten oder etlva mit Angehörigen der anderen A a t i o n dauernder geistiger Gewinn, der allen Völkern des Landes zugntc Noch hat die Negierung nickt Alle Berichte, die schon Einzelheiten angeblich bereits vorhandenen festen Negierung bringen, sind verfrüht. Wir haben aber das feste Vertrauen, dah es den zuständigen Ministerien, also vor allem dem Fürsorgc- nnd dem A r b c i t c n m i n i st e r i u m gelingen lvcrde, den Wünschen der Jugend selbst Geltung zu verschaffen. Die Fugend ist zur Mitarbeit bereit. krön Seger im Konzentrationslager Auch das Töchterchen„verhaftet** (Sopot»'.) Am 19. Feber 1931 wurde in Dessau die 30 Fahre alte Frau Elisabeth dcS Sekretärs der Deutschen FriedeirSgesellschaft und früheren sozialdemotratibchen RcichStagSavgeord- nete» Gerhart Seger und sein 19 Monate altes Töchterchen Renate verhaftet und in das Konzentrationslager Rohlau bei Dessau gebracht. Gerhart Seger ist der Verfasser der bei der VerlagSansialt Graphia erschienenen Schrift „Oranienburg",(erster aulhentisckcr Bericht eines auü dein Konzentrationslager Gcslüchteten.) Es war ihm nach neun Monaten Gefangenschajt gelungen, ans dem Konzentrationslager Oranien burg zu entfliehen. Seine Schrift lvar die erste umfassende Darstellung der Verhältnisse in einem deutschen Konzentrationslager. Sie ist in viele Sprachen übersetzt worden und hat in der ganzen Welt gewaltiges Aufsehen erregt. Die deutsche Negierung hat gegen diese authentischen Enthül lungen ihren ganzen Propagandaapparat aus geboten. Sie hat rin ganzes Buch dagegen ver fassen lassen, das jedoch diese Enthüllungen nicht cntlrästigen konnte. Gerhart Seger befindet sich zur Zeit in England. Die Verhastnng der Frau und seines noch nicht zwei Jahre alten Kindes ist ein Racheakt gegen Unschuldige. Irr einem Reuter-Telegramm, das am Mon- züchtung des Haffes und aller niedrigen Instinkte hat nicht daran gehindert, dah im Handumdrehen zwischen i Hitler und Pilsudski auf der Grundlage des deutschen Verzichtes auf den Korridor ein Freundschaftsbündnis geschloffen wurde und dah die Dinge in Polen heute ii so weit sind, dah nicht bei der deutschen, wohl aber bei der t s ch e ch o s l o w a k i s ch e n Gesandtschaft die Fenster eingeworfen werden. Znm FasciSmu» kann keine Brücke, welcher Art immer, führen! Man soll sich auch nicht einbilden, dah die Verhältnisse in Oesterreich endgültig geklärt und konsolidiert seien. Die Schichten, auf die sich Dollftih stützt, sind trotz aller Strahenaufmärsche, zu denen die Teilnehmer gcpreht werden, verschwindend klein. Er hat jene, die ihn zum Hüter der Ilnab- hängigkeit Oesterreichs bestellt haben, hinter« Lichr geführt, dafür ist es ihm gelungen, die einzige Kraft, welche diese Unabhängigkeit zu schützen imstande war, in blutiger Strahenschlacht zu vernichten. Wie die Bevölkerung Oesterreichs wirklich denkt, wie sie sich gegenüber einen» Wiedererwachen der nationalsozialistischen Agitation, die kommen tvird, verhaften wird, ist eine offene Frage. Dav Dritte Reich hat auf den Anschluh keineswegs verzichtet, die Situation ist nach dem Staatsstreich der Herren Dollsuh, Fey und Starhenckerg fiir die Anschluhgcgncr keine bessere geworden und eine? Tages können wir bei der Ilnentschloffenheit, die auf "'* tag bei der englischen Presse eintraf, wurde die Tatsache dieser Verhaftung von Frau und Kind und ihre Unterbringung in einem.Konzentration? lager von den deutschen Behörden zugegeben. Es wurde behauptet, dah Frau Seger sich mit dem Kind freiwillig in das Konzentrationslager begeben habe, um gegen, die Gefahr von Kindesraub geschützt zu sein. Diese unsinnige Ausrede spottet schon deshalb jeder Beschreibung, weil die Frau I Segers seit seiner gelungenen Flucht aus dem Konzentrationslager Oranienburg in ihrer Wohnung in Dessau von zlvci Polizeibeamten überwacht und von ihnen auch bei ihren Spaziergängen und Einkäufen auf Schritt und Tritt begleitet wurde. Die Familie der Ehefrau Seger hat sich in einem Brief an den Reichsstatthalter für Anhalt und Braunschlvcig, Loepcr, gewendet und um die Entlassung von Frau und Kind gebeten, die ja doch wirklich völlig unschuldig seien. Die Antwort deö RcichsstatthaltcrS lautet: „Frau und Kind von Seger könnten nicht eher rntlaffen werden, als bis der„Landes-«nd BolkSverräter" Seger sich den deutschen Behörden wieder stelle." Damit ist das klare Eingeständnis gegeben, daß es sich um einen unglaublichen Fall von Gciselverhaftung handelt. Ich will gerne anerkennen, dah da» Exposö de» I Herrn AuhenministerS ruhig, zurückhaltend— vielleicht allzu zurückhaltend— und besonnen gehalten ist. Er hat gesprochen wie ein feiner Verantwortung voll bewusster Staatsmann— zum Unterschied von dem Chef der italienischen Regierung, von dem wir eine Rede gelesen haben, die geeignet erscheint, Europa in die grösste Unruhe zu stürzen. Unverantwortlich wie diese Rede war, hat sie doch das Gut« gehabt, dass durch ihren unverblümten Ton und Inhalt die Nebel, die sich überall, auch bei unv, auSzu« breiten begmmen, zerrissen, die Illusionen, die bei manchen StaatSnhinnern und Politikern entstanden lvaren, verscheucht wurden. Man wird an gewissen verantwortlichen Stellen nach dieser Rede Dlnffilini» vielleicht doch ein» sehen, daß die Gleichmütigkeit gegenüber dem Geschehen der lebten Zelt verhängnisvoll und fehlhast war! Ein Guies haben die Ausführungen des italienischen Premier? wohl auch dadurch gehabt, dass Wir heute, wie ich vermute, hier eine w c n j g st e n s zum Teil andere Rede gehört haben, als sie ohne die römischen Posaunenstösse gehalten worden wäre. Darum, glaube ich, war cs gut, dass von Rom aus Klarheit verbreitet wurde. Es war insoferne dazu hoch an der Zeit, als man in letzter Zeit verschiedene Versuchsballons hat aufstcigcn, gewisse Kräfte an der Arbeit sehen können, um Anschauungen Raum zu s Versmassen, man möge sich doch mit dem, lvas in Wien und Rom geschehen Ist, abfindcn und in Doll- Jhrc| süss wie in Mussolini die geringere Gefahr, in Hitler die grössere erblicken. So sehr HitlerS Machtpliine eine Gefahr für den europäischen Frieden bedeuten, jede Außenpolitik sollte sich doch vor Augen halten, daß dir Gefahr, die vom italienischen FasriSmu» auvgeht, kein» geringere ist! Der Herr Aussenminister hat ernste Worte gesprochen. Die Lage ist aber noch w e i t bedrohlicher, als sie dargestellt wurde. Dass ivir in diese Lage hineingcraten sind, die die gefahrenvollste seit deni Bestände der Tschcchoslotvakischcn Republik ist, ist die Schuld der 3 e r f a h r e n h e i t u» dUn< e n t s ch l o s s e n h e i t der Diplomatie der deino- kratischcn Grossmächte, deren Politiker sich durch ein ungewöhnliches Mass von Mangel an Initiative und durch Unentschlossenheit auS« zeichnet. Ilm so mehr zeigt man Neigung, trügerischen Illusionen zu uersallen. Ein F e h l e r ist cS, sich auf gewisse Dokumente allzu sehr zu verlassen. Wenn uns Dokumente, so da? GenferProiokoll vom Jahre 1922, mit dem sich die Grossmächte verpflichtet haben, fiir die Unabhängigkeit Oesterreichs einzutreten, als eine Magna charta hingestellt werden, so möchte ich davor warnen, solche Dokumente anziibctcn, denn die Erfahning beweist, das; es Augenblicke gibt, in denen kein Bedenken getragen wird, sie wie einen Fetzen Papier zu zerreissen und an ihre Stelle Tatsachen zu setzen. Nur mit der Bcnifimg auf diese Schriftstücke würden wir unsere Interessen schlecht wahren. Wenn wir sehen, wie andere zieltewußt und wenig rücksichtsvoll handel», dann muß der Wunsch sich regen, daß auch die westeuropäische Diplomatie I etwas tatkräftiger, energischer und zielklarer vor I gehen möge, als es in letzter Zeit geschehen ist. ch ES ist kein Zweifel, dah die Diplomatie der Weftmächte im letzten Jahr« zwei schwere Niederlagen erlitten hat, da» ist dir Fasei» Nernug Deutschland» und Oesterreich». In Oester-> reich ist nicht nur die Sozialdemokratie, wenigsten« ihre nutzere Fon», vernichtet worden; e« wurde auch die Demokratie überhaupt zerstört«nd damit hat dir gesamte europäische Demokratie«inen schweren Schlag erhalten. Bon Wien und Rom lvurdr auch versichert, dass da? in Rom abgeschlossene Abkomme» gegen niemanden gerichtet Ist, und man hat sogar gesagt, dass auch noch andere darin Raum finden können. Die Tinte der Unterschriften auf dem Papier aber war noch nicht trocken und schon kam die Rede Mussolini», die eine ganz andere Sprache spricht. Der Pakt dient der Sicherung der Unabhängigkeit Oejtcr- rcichts? Diese Unabhängigkeit besteht doch nickt mehr! Oesterreich ist ein B a s a l l e n st a a t Italiens geworden. Und wie ist e» mit der An schl ntzfrage? Ist die Möglichkeit des österreichischen Anschlusses an Hitler-Deutschland nunmehr etwa kleiner geworden? Das zu glauben, wäre Selb st betrug. Im Augenblick besteht wohl rin Gegensatz zwischen Jialien und Deutschland, aber eS wäre die verfehlteste Spekulation, mit der dauernden Uneinigkeit der Dikiato- rcn zn rechnen. Diktatoren haben e» leicht, sie können i ohne jede Rücksicht auf die Bolksmeinung das Ruder im Augenblick hernmwerfe» und sicher wird die Feind- schäft, die man jetzt zur Schau trägt, nicht allzu lange dauern. Gegen Polen hat der HakcnkreuzfasciSmus fiinf- zchn Jahre lang die tollwütigste Hetze betrieben, hat nicht nur den Hass, sondern auch die Verachtung gegen alles Polnische im Bolte geschürt, aber diese Hoch« i 54 0. M. i!r Jong:- Heule Cin Roman, in vier tpiaoUen Autorisierte Ueberselxunff aus dem Holländischen von E, Ii, Fuchs. „Ich bin töricht, mit dir in der letzten Nacht meines Lebens zu streiten. Weshalb bist du ge- lonline»? Lass mich in Ruhe. Kannst du mich nicht cininal in Frieden sterben lassen? Ich will allein sein."»Ich bin nicht gekommen, um dich zu quäle», Peter", sprach leise der König.»Ich bin ge- konnnen. um klar deine Beweggründe kennen zu lernen, lind ich sehe nichts als Irrtum und Torheit, entstanden aus mangelnder Kenntnis der menschliche» Natur." „find lvas hat deine Kenntnis der menschliche» Natur dich gelehrt?" »Dass sie egoistisch ist in der Gier nach Ge» walt, lind tuen» wir Negierenden sic nickt mit fester Hand Niederhalten, würde die Welt schnell im tiefsten Elend zngrundcgchcnl Verschwendung und Zerstörung, Mord und Totschlag, Faulheit und Liederlichkeit. Man könnte vielleicht das Problem erörtern, dass der gegenwärtige Zustand mit einer herrschenden Klasse, strengen Gesetzen und strenger Moral keineSivegS ideal ist... aber eines steht fest fiir jeden, der Menschen und Gesellschaft realistisch betrachtet: tvcnn dieser Zlvang von oben ivegfielc, dann tvürdc alles zusammenstürze» und die Welt zu einem Chaos werden. Wenn am Zlvang ctlvaö unsittlich ist, dann ist eure Anarchie die linsiltlichkeit selbst... Botveiö hie- jür, dass eure eigene Vorgangöwcisc zurOrganisa- liou einer Tcrroristcnpartei geführt hat, die sich ihr Recht und Gesetz selbst vorschrcibt." Peter lachte ungezlvungc» und schlug sich icüilig aus die Knies „Wenn du kein so ernstes Gesicht machtest, lvürdc ich glauben, dass du mich in trockener Komik zum Narren haben willst", sagte er lachend.»All dieses Gerede kennen>vir schon zu lang. Ihr nehmt bloss an, dass der Mensch, den euer tyrannisches System und eure Sklaverei zu einem leidenden Tier mit gefährlich schtvclenden Leidenschaften erniedrigt hat, ewig so tvar und ewig so bleiben tvird. Es scheint euch nafiirlich, dass die meisten Verbrecher aus den untersten Schichten der Gesellschaft kommen und dass es unter den besseren Ständen nur sporadisch Verbrecher gibt, meist durch Degeneration und vererbte, immer stärker hervor- tretende Untugenden. DaS Volk ist diebisch, der Reiche stiehlt nicht, äusser wenn er Kleptomane ist. Also ist das Volk diebischer und daher sittenver- derbter als die Reichen, he?... Das Boll ist roh in Sprache und Manieren, es ist dumm und denkt mangelhaft, es säuft Fusel anstatt Champagner, die Frauen auS dem Volk verkaufen sich für Geld, das Volk ist schmutzig, schlecht gekleidet und gewaschen, cS liest Hintertreppenromane und vergafft sich an Schaucrsfiicken... All dies, weil eS von Natur aus minderwertig ist. Im Gegensatz zu den Reichen, die studieren, sich bilden und ihren Geschmack verfeinern. Diach einmal die Probe an einem Dutzend willkürlich auSgetvählter Kinder aus dem Voll: vertausche sie mit einem Dutzend Aristokratenkindern, tvcnn sie noch in der Wiege liegen, und schau einmal, was aus diesen ztvei Dutzend, jedes in seiner neuen Umgebung herauskommt I Uns nennt man nur deshalb Mörder, tveil Ivir uns gegen die Gesetze aufgclehnt haben, nicht wahr? Und auf einmal brechen wir los und werden Tiger. Weisst du, toieviele Jahre wir gearbeitet haben und wieviele Jahre vor uns andere, ohne an Gewalt zu denkeu?... Was die Revolutionäre vergebens erduldet haben während ihrer friedlichen Versuche, in den abgestumpften Massen eures Volkes den Geist zu erwecken?... Wie du und deine Diener alles in uns zertrümmert und uns volllommc» davon überzeugt habt, dass wir mit Ueberredung nichts erreichen können, bis wir zu anderen Methoden übergingen? Wir wurden als grausame Wüteriche geschildert, nicht wahr, als blutdürstige Ungeheuer, Unmenschen, die vor Genuss anfbrüllen, tvenn sie Blut fiiessen sehen... deine Presse arbeitet ausgezeichnet. Aber nebenbei: eines musst selbst du zngeben: wir haben leinen Menschen gemartert. Wir haben nicht einen» eurer Spione und Provokateure, die in unsere Hände fielen, Nase und Ohren abgeschnitten, nicht einem Salzwassec zu trinken gegeben, bis er vcr- schniacktcte vor Durst, nicht einen an den Daumen mit dünnen Schnüren aufgezogen und ihn; mit der Karbatsche den ganzen Körper wundgcschlagen, um von ihni das eine oder andere zu erfahren. Wir haben nie jemanden mit Wasser vollgegossen, bis sein Magen fast barst, wir haben keine Fusssohlen geröstet oder mit Ruten die Haut zcrbleut. Wir haben niemanden bis zum Irrsinn in engen Fellen gcpisackt. Wir haben getötet, ja, aber Greuel vollbracht wie ihr habe» wir nicht!" „Ich weiss nicht, ob alles wahr ist, was du von den Folterungen erzählst." „Ob eö wahr ist?... Bei Gott, Mann, nickt die Hälfte, nicht ein Zehntel, nicht ein Hundertstel all der grauenvollen Berichte, die ich kenne, könnte ich dir erzählen, ehe ich sterbe!... Nicht einmal ein einziges Teilchcu davon, was ich mit eigenen Augen gesehen habe... die mittelalterlichen Folterkammern in Reinkultur, doch noch dazu hinter verschlossenen Türen und ohne öffentliche Verurteilung... Die Bestien!" Es dauerte nur einen Augenblick, bis der König mit matter Stimme antwortet«: „Du vergisst, dass schliesslich und endlich, wie schrecklich auch die Mittel scheinen möge», das Heil des Staates, Ruhe und Ordnung im Getnein- schaftsleben der Zweck sind." „Wenn der Zweck die Mittel heiligt... und ihr habt uns gezwungen, diesen Standpunkt anzuerkennen... dann sind wir für unsere Taten mehr als gerechtfertigt... Was bedeutet die Sicherheit eures TyrannenstaateS, Ruhe und Ordnung in eurem blutsaugcrischcn Zusammenleben, verglichen mit dem Kampf für eine edle, freie Welt, in der alle menschlichen Wesen wirklich Menschen sein werden? Ich will dir unsere Visionen einer besseren Welt nicht beschreiben. Du würdest doch darüber lacke», denn du kannst nicht weiter sehen, als eS die Beschränktheit deines HerrschcrstandpunkteS erlaubt." Der König, der sich halb abgewandt hatte, drehte sich mit einem Ruck wieder ihm zu. „Peter!" sagte er schroff.„Kannst du dir wirklich nicht vorstcllcn, dass ich bei allen meinen Handlungen immer das wahrhaftige Wohl unseres Landes und unseres Volkes vor Augen habe und mich allein von ihm leiten lasse, ohne an mich selbst oder meine Königswürde zu denken?" Lange blickte Peter ihm fest in die Augen. Die Frage hatte ihn verwirrt. Er sann nach. Er dachte a» den Zustand, in dem sich das Voll befand, an all das Unrecht, unter dem eS litt, an Ausbeutung und Unterdrückung, der eö zur Beute fiel. Er dachte an so viele ruhige und klar belegte Bitte», die eö an die Machthaber gerichtet hatte und die mit verächtlichem Spott abgewiescn worden Ware». Er dachte an den übermässigen Luxus, in dem die höheren Stände schwelgten, an ihre Feste, ihre Juwelen, ihre Stadtpaläste, ihren Sommeraufenthalt auf dem Lande und an der See. Er dachte an die geisttötende, erschöpfende Arbeit in den Fabriken, an die Sklavenarbeit der Bauern und wie der ganze Gewinn aus der mcnschenzcr- störcnden Arbeit in die Säcke der Besitzenden floss, die nicht wusste», was sie mit ihrem Geld beginnen sollte», und eö in nutzlosem und unbefriedigende» Aufwand verzettelte», in einander überbietendem Wettstreit im Verschleudern, dcS Reichtums. Und an der Spitze sah er den Mann, der hier bei ihm war»nd seine ganze Macht in die Waagschale warf, nm alles beim?lltcn zn belassen, damit alles Unrecht, das das Volk erduldete, Weiterbestand.(Fortsetzung folgt-» rir.ss Freitag, 28. März 1S8-1 Teiles De Valera macht reinen Tisch I Washington, 22. März. Präsident Roosevelt wird inorgen mit den Vertretern der amerikanischen Automobilindustrie in einer gemeinsame» Beratung mit de» Delegierten von 18 Tyndikatr» der Arbeiterschaft der Automobilindustrie konferieren, worauf er persönlich versuchen wird, die Gegensätze der beiden Parteien auSzuglrichen, die durch dir Ablehnung selten- der Arbeitgeber, der amerikanischen Arbeitüsöderatton da- Recht auf Organisierung der Arbeiterschaft der Antomobilfabrike» in nationalen Syndikaten anznerkennen, entstanden sind. Da- nationale Rekonstruktion-Programm gibt allen Arbeitern dnö Recht, sich zu organisieren, wo und wir sie wollen. Sollte dieser 0er Kampf um das hlatlonalmuseum Dublin, 22. März. Da der Senat des Freistaates Irland die Regierungsvorlage, welche das Tragen von Uniformen beschränkt und die bereits vom Abgeordnetenhanfe angenonnncn worden war, vcrioorfen hat, hat Ministerpräsident de Valera heute dem Abgeordnetenhaus einen Gesetzentwurf borgelcgt, durch den der Senat als mit gesetzgebender Macht betraute Kammer aufgehoben wird. Die Opposition widersetzte sich dieser Vorlage, doch sprach sich die Kammer mit VS gegen , 41 Stimmen für die Behgndjupg der Vorlage auZ. Lum fascistischen Diebstahl an den Arbeiterorganisationen Eine Erklärung Friedrich Adler-. kJ. I.) Der Heinnvehrniinister Renstädter- Ttünner, dem jetzt die Sozialgesetzgebung und die Geivcrkschaften Oesterreichs au-geliefert sind, hat am N. März eine Radio-Rede zur Werbung fiir die sasciftische„EinheitSgetverk- schast" gehalten. In dieser Rede soll er nach dem Bericht der Wiener„RcichSpost" von„den roten Gros;verschiebern von GewcrkschaftSgel- dein" gesprochen und unter anderen auch Fritz Adler genannt haben, in dem er sagte:„Dr. Friedrich Adler behob in Zürich 48.000.— Schilling". Dazu erklärt Genosse Adler folgendes: 1) Nach den Erfahrungen in Italien und Deutschland, wo alle in Jahrzehnten unter unsäglichen Opfern aufgebauten Institutionen der Arbeiterschaft(Arbeiterhcinie, Druckereien, uslv.) den fascistischen Dieben zum Opfer gefallen sind, Ivar cS ganz klar, daß Gleiches in Oesterreich zu erwarten war, sobald die Fascisten an dic Macht gekommen. ES war daher die G c wisse n S p f l i ch t eines jcdcnVertranenümanneö der Arbeiterbewegung, Sorge zu tragen, um möglichst viel vom Eigentum der Arbeiterorganisationen vor den D i e b ö p r a k t i k e n der Fase ist en. zu schützen und für den Kampf um dic Freiheit der Arbeiterorganisationen zu retten. Leider besteht der weitaus größte Teil des Vermögens der Arbeiterorganisationen in Häusern und Maschinen, ist also dem Zugriff der fascistischen Diebe nicht zu eulzieheu. 2) Ich würde cS mir zur Ehre anrechnen, wenn ich den freien Gcwcrksä)aftcn Oesterreichs hätte helfen können, ihr Eigentum vor dem fascistischen Zugriff der Dollfuß-Regierung zu sichern. Da mein Ausgabentreis nicht auf gewerkschaftlichen! Gebiet liegt, konnte ich in dieser Richtung leider nahezu nichts leisten. 3) Ich habe niemals stn Auftrage von österreichischen Gewerkschaften oder für dieselben, 48.000 Schilling, wie der Heimwehrminister Neustädter-Stürmer behauptet, und ebenso wenig einen anderen Geldbetrag in Schilling oder in einer anderen Währung hehoben. Der einzige Dienst, den ich Gewerkschaften zu erweisen Gelegenheit hatte, Ivar, daß ich in zwei Fällen einige Wertpapiere(englische und französische), die durch eine Schweizer Bank vollständig ordnungsgemäß und legal an meine Adresse übermittelt lonrdcn, an jene gelverkschaftlichen Organisationen, dic darüber verfügungsberechtigt sind, wcitersandte. Die Ucberweisung an mich wurde in aller Offenheit von der Wiener Arbciterbank unter Einhaltung aller gesetzlichen Vorschriften vollzogen und ich verwahre mich gegen die Andeutung, irgend einer Inkorrektheit durch den Heimwehrminister, den ich vor Gericht zur Verantlvortung ziehen würde, wenn Gesetz und Recht in Oesterreich durch die Dollfuß-Regierung nicht beseitigt wären. Zürich, 12 März 1084. Dr. Friedrich Adler. London, 22. März. Der diplomatische Korrespondent des„Daily Telegraph" schreibt: Nm die Prüfung der AbrüstungSfragr zu erleichtern, hat die britische Regierung dr» Quai d'Orsay um gewisic Aufklärungen über seine Ansichten ersucht. Diese Ausklärungen beziehe» sich hauptsächlich auf die frauzösische Forderung nach writerenSichrrheitsgarantien, auf dir Mrthodrn, die für die international« Uebrrwnchung der Rüstungen vorgrschlngen werden, und auf dir Sanktionen, die bei einer Verletzung drv geplanten Abkommen- Anwendung finden solle». Es besteht guter Grund zu der Anuahmr, dast Frankreich bereit sei,«Inen genauen Plan abgestufter Sanktionen vorzulrgen, dir nach fruchtlosen diplomatischen Verhandlungen von einer einfachen Verweigerung sinanzirllen und wirtschaftlichen Verkehr- bi- zum Abbruch der diplomatischen Vrziehnngen, der Erklärung eines Boykott- und vielleicht einer Blockade zur See und al- allerletzte- Mittel bi- zu einem gemeinsamen Polizeivergehen gegen dir widerspenstige Macht, mit anderen Worten zum Kriege, ! führen würde. Unerhörtes Vorgehen de- Schulministeriiims gegen da- Land Böhmen In der Dezember-Session der böhmischen Landcsvertrctung wurde ein Vertrag zwischen dem Lande Böhmen und der MuseumSgcscllschast angenommen, wonach die Sammlungen des Museums in den Besitz des Landes übergehen, wofür das Land, dem schon das Gebäude des Museums auf dem Wenzelsplatz gehört, für die Erhaltung und Ausgestaltung des Museums-Materials zu sorgen hat. Gegen diese Vcrländerung des Rationalmuseums hat das Schulministcrium Einspruch erhoben und an das Land Böhmen einen Brief gerichtet, der einen Inhalt aufweist, wie dies sonst im Verkehr von Behörden miteinander nicht üblich ist. Das Schulministcrium, bzw. der Verfasser dieses Briefes, der Beamte des Ministeriums, Dr. P l a ch t, behaupten in diesem Briefe nämlich, daß die Uebernahme des Museums durch das Land für das Museum, das gesamtstaatlichen Charakter habe, eine Degradation bedeutet. Gegen diesen Angriff des Schulministeriums nahmen in der gestrigen Sitzung der böhmischen Landesvertretung eine Reihe von Rednern schärsstens Stellung. Die tschechischen Redner, der Referent des Landcsausschus- seS Hlavath, der Nationaldemokrat Dr. Mandl, ein Agrarier und der Nationalsozialist Dozent Dr. Klima verwiesen darauf, waö das Land Böhmen für das Museum Jahrzehnte geleistet habe u. daß eS eine unerhörte Mißachtung dieser Leistungen sei, wenn das Schulministcrium in dieser Weise vom Land Böhmen schreibe. Der deutsche Redner Genosse Dr. Strauß, schloß sich den Ausführungen seiner tschechischen Kollegen an und verwies insbesondere darauf, daß die Deutschen Böhmens gleichfalls ein Interesse an der Förderung und Ausgestaltung des Museums haben und dies auch durch die Tat zu beweisen bereit seien. Das Interesse eines Kulturdcutschen an dem Musemn sei dasselbe, Ivie das eines Kulturtschechcn. Und das Nationalmuscnm solle der deutschen Kultur und deutschen Volksbildung ebenso dienen Ivie der tschechischen. Bei der Abstimmung wurde der Protest des LandesausschusscS gegen das Vorgehen des Schulministeriums mit den Stimmen aller tschc- chischen und deutschen Parteien gutgeheißcn. von feiten dcr Kontrollorg deö Landes den Gemeinden gegenüber Weisungen auf Kürzung Löhne, Ausgleich zwischen Löhnen der qualifizierten beiter und den Angestellten des E.-W. in Trautenau, zugunsten der Angestellten und zu ungunsten der Arbeiter, Abbau der Arbeiter und Streichung der Zulagen, gegeben wurden. So wird von dem Kontrollorgan des Landes u. a. verlangt, daß die Löhne für Hilfsarbeiter von 4 bis 1.10 KC auf 2.50 bis 2.80 KC herabzusetzen find, daß man durch Reduzierung des Montagepersonals 80.000 XL ersparen könne, daß durch Automatisierung des Werkes sehr viel Arbeitskräfte abgebaut werden könnte» und er bezeichnet in dem Revisionsbericht die Ausgaben fiir Löhne als„unmöglich hoch". Die Genossen Dr. Strauß und Krejäi machten den Landespräsidenten darauf aufmerksam, datz dic Kontrollorgane des Landes wohl herausgefun- dcn hätten, daß die Gemeinde Trautenau zu „gute" Löhne bezahle, nicht aber, daß in einigen Acnitern der Stadt Trautenau große Veruntreuungen vorgelommen seien, durch die dic Aerm- stcn der Armen, die Arbeitslosen und Fürsorgepfleglinge ungemein geschädigt wurden. Sie legten gegen die offenbare Ucberschreitung der Kompetenz der Landcskontrolle Verwahrung ein und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß der Landespräsident alles tun Iverde, um diesen, für die Arbeiterschaft so nachteiligen Urbergriffen zn steuern. Der Landespräsident erklärte unseren Genossen, daß er nach Vorlage des in Frage kommenden Revisionsberichtes die nottvendigen Maßnahmen zur Beseitigung der Ucbergriffe treffen werde, wenn sich die Richtigkeit der Angaben der Beschwerdeführer ergebe. In weiterer Aussprache wurde noch einmal die Stellungnahnie der Landesbehörde zur Erweiterung des Trautenauer -Krankenhauses erörtert, tvobei die vom Landespräsidenten auf Grund der Interpellation Krejüi- Strauß erteilte Anttoort von ihm mit der Feststellung ergänzt wurde, daß der Ausbau des Krankenhauses durch die Forderung nach gleichzeitigem Ausbau des Verwaltungsgebäudes durch das Lan- deSamt verzögert worden sei. Nunmehr aber bestehe kein Hindernis mehr für den Bezirk Trautenau, die Erweiterung des Krankenhauses, vor allem aber des JnfeltwuSpcwillons, v^zunehmem. Ein System von Sanktionen für die internationale Rüstungskontrolle Einschreiten Roosevelts für das Koalitionsrecht der Arbeiter 1 Gegen Korruptionserscheinungen In der Selbstverwaltung Die Session der böhmischen Landesvertre- iung wurde gestern geschlossen. In» Verlauf der Debatte brachte Genosse Deistler die bedenklichen Erscheinungen zur Sprache, welche infolge der Affäre Pittel u. Brau sc Wetter der Oeffentlichkeit zur Kenntnis gekommen sind. Gen. D e i st l e r verwies darauf, daß Personen, die dazu berufen waren, die Aufsicht bei öffentlichen Bauten zu führen, Bcstechungsgelder angenommen haben und er machte daraus austnerksam, daß auch inr Falle eines Straßenbaues, welcher von der Landesvertretung unterstützt wurde, die Durchführung der Arbeit durch einen Beamten verhindert tvurde, dem heute nachgewiescn wurde, daß er 80.000 KL von Pittel u. Brauscwetter erhalten hat. Genosse Deistler verlangt eine strenge Untersuchung aller Fälle und Bekanntgabe aller Beamten, ob sie nun der staatlichen oder der Lan- dcSdisziplinargcwalt unterstehen, sowie aller Funktionäre von Bezirken und Gemeinden, denen solche Korruptionen nachgewiescn wurden. Im Bezirke Braunau wurde ein Strahcnmeistcr ü b erführt, doch tvurde er bis heute nicht vom Dienst enthoben, weil sich die Mehrheit der dortigen Bc- zirkSauSschußmitglieder nicht dafür ausgesprochen haben. Im Anschluß daran ersuchte Genosse D e i st» l e r um Vorlage eines Berichtes, Ivclches Ergebnis die von der Landesbehörde angestellten Erhebungen über die Darlehensaufnahme der Gemeinden und Bezirke in den letzten Jahren hatten. Diese Erhebungen wurden eingcleitet, um festzustellen, ob die anläßlich teS Falles Tricbc-Komo« tau aufgedeckten verbotenen Provisionsgeschäfte nicht auch anderswo zum Schaden der Selbswer- EaltungMrper gemacht wurde«. Graf Keyserling darf Deutschland nicht verlassen. Am 11. März wollte Graf Keyserling in Barcelona rintreffen, um eine Vortragstournee durch Catalonien und die übrigen Teile Spaniens zu beginn. Im Anschluß an diese Tournee war eine große„Woche der Weisheit" auf den Baelarischcn Inseln geplant. Graf Keyserling hat jetzt seine Reise über die Pyrenäen auf höchsten Nazibefehl.absagen müssen, v* Gegen die reaktionäre Tendenz der landeskontrolle wandten sich Mittwoch, den 22. ds. in einer V o r- spräche beim Ü a n d c s p r ä si d e n t c» S o b o t k a die Genossen Dr. Strauß und K r e j L i, indem sie auf Grund eines Revisionsberichtes über die Kontrolle der Verwaltung deö Elektrizitätswerkes in Trautenau nachwicscn, daß ant An- der den Ar- Dollfuß einem Eisenbahnunfall entronnen? Budapest, 22. März. Der Torbagycr Eiscn- vahnskrcckenmeister Miklos wurde von seiner Obrigkeit belobt, weil er am 8. Feber auf der Strecke vor Torbagy einen S ch i e n e n b r u ch rechtzeitig entdeckt und damit eine Entgleisung des Schnellzuges Nr. 2, mit dem der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß nach Wien zurückreiste, verhindert hat. Dadurch, daß Millvü den Schienenvrnch seiner Obrigkeit meldete, konnte die Ableitung deö Zuges, in dem sich der österreichische Bnndcölanzler befand, aus ein Neben- gelcisc rechtzeitig verfügt werden.— Dollfuß hatte damals seine Reise Per Auto fortgesetzt. I Rücktritfrsesuch Schacht! von Hiller abgelehnt Wie daS heutige„Prager Tagblatt" aus Berlin berichtet, hat Rrichsbantprästdent Dr. Schacht am DienStag Hitler feinen Rücktritt angebotcn. Schacht verwies in einem mündliche» Vortrag darauf, daß sich dic von bestimmten Kreise» ausgehende» Drvalvationsgcrüchte der Mark verhängnisvoll anSwirken. Die Sperr- in a r k fei bereits stark entwertet; ihr fetzige- Disagio betrage 40 Prozent, während sie»och vor kurzer Zeit im Ausland mit nur 18 biS II) Prozent Disagio gehandelt worden sei. Bei der sogenannten R e g i st e r m n r k betrage das Disagio ebenfalls schon 80 Prozent. Schacht- RülktrittSgcsuch tvurde von H i t- l e r nicht angenommen. Als Folge diefkr Unterredung sei dic Stelle in der vorgestrigen Hitler- rrde anzusrhe», die sich gegen dir Inflation wendet. Rußland in den Völkerbund? Nicht vor dem Herbst Paris, 22. März. Die heutige Ausgabe des „Petit Parisien" stellt fest, daß in diplomatischen Kreisen sehr viel über den Eintritt .Sowjetrußlands indenVölker- j b ii ii d gesprochen wird. Hiezu bemerkt das ! Blatt, dieses Ereignis sei nicht so nahe bevor- stehend, wie man in einigen Kreisen gerne wieder- hole; wahrscheinlich werde der Eintritt Rußlands in den Völkerbund das Hanptereignis der Scp- tcmbcrtagung des Völlcrbundrates sein. An vielen Stellen werde», so meint daü Blatt, in diesem I Zusammenhang nützliche Ertvägungen angcstcllt I werden und man könne nicht wissen, ob nicht auch Deutschland diese Gelegenheit für passend finden tvird, wiederum in den Völkerbund zurück^ zulehren. Vielleicht werden aber auch die V c v e i n i g t e n S t a a t e n das Bedürfnis empfinden, mit der Genfer Organisation— auch wenn sie außerhalb des Völkerbundes bleiben sollten— in engere Verbindung zu treten. persönliche Schritt des Präsidenten scheitern und sollten seine Bemühungen, einen Streik zn verhüten, mißlingen, kann er znni letzten Mittel, daS ihm die RJRA. gibt, greifen und sämtliche Auto- mobilfavriken zwingen, eine Lizenz zur Erzeugung von Automobilen von der Regierung anzufordern. Diese Lizenz würde dann nur jenen Unternehmungen erteilt Iverde», die die von Roosevelt diktierten Bedingungen annehmen. WaS die Lage der Eisenbahner anlangt, haben diese das schiedsgerichtliche Verfahren angenommen, nachdem sie den LermittlungSvor- | schlag Roosevelt- betreffend die Verlängerung deü i LohnvertrageS di- 1. Jänner abgrlehnt | hotten. Keine„Republik** Oesterreich mehr Nach der neuen Vertassung Wien, 22. März. Dic amtl.„Wiener Zeitung" macht in ihrer Donnerötag-RuSgabe dic aufsehenerregende Mittcilung, daß die Bezeichnung „R e p u b l i k" in der nriirn Verfassung Oesterreichs nicht mehr vorkommr. Rach der neuen Bcr- fassnng werde Oesterreich schlechthin alö„Bun> d r s st a a t" bezeichnet, der anö der bundes- unmittelbaren Stadt Wien und aus den Bundesländern bestehe. Dir Bezeichnung„Republik" entfalle, so daß künftig der Staat wahrscheinlich im internationalen Verkehr al« „Oesterreich" oder alS„VundcSstaat Oesterreich" bezeichnet werden dürfte. ' keimwestrnwim erschaffen Graz, 21. März. Die österreichische Amtliche ■ Nachrichtenstelle meldet:„Gestern vormittags wurde am Lcndlai gegenüber dem Hause 110 dic j Leiche des 30jährigen Johann F u ch s aus der Mur gezogen. Sic wie« eine Schußwunde am Hin- Icrhauptc auf. Fuchs war Mitglied des bekannten christlichsozialen militanten„FreiheitSbundeS" und als Schutzkorpsmann zur Hilfödienftletstung zuge- wicsen. Er dürfte in der Nähe seiner Wohnung von mehreren Tätern überfallen worden sein, wobei aus nächster Nähe der tödliche Schuh abgefeucri tvurde. Dic Täter haben dann den Körper in dic Mur geworfen. Die Polizeidirektion Graz hat ihren gesamten Apparat zur Aufklärung dct Mordtat und Eruierung der Täter ausgeboten. Sie I verfolgt bereits eine bestimmte Spur." Die Stavlsky-Affäre i wird immer verwickelter Paris, 22. März. Der Deputierte Henriot gab gestern abends vor der Uiitcrsuchungskommis- sion der Kammer eine sensationelle Erklärung über die Beziehungen Staviskys z» dem getvesenen Deputierten für Französisch-Guyana, Calmot, ab. der im Jahre 1028 unter geheimnisvollen Um» | ständen das Opfer einer Vergiftung wurde. Dieser Aussage zusolgc waren Stavisty und Calmot früher Freunde und Gesellschafter, gingen aber später auseinander. In den Jahren 1020 und 1027 erpreßte Stavisly von Calmot Gelder, später richtete er an ihn Drohbriefe. Kurz darauf starb Calmot an einer rätselhafte» Vergiftung. Zu dic-| ser Zeit soll einer der Sekretäre Stavisky nach Guyana abgercist sein. Henriot beschuldigt dic jetzige Witwe Stavi- skyö, einen Advokaten und den bekannten Pariser Arzt Vachet der Mitschuld an diesen Erpressungen. Das Gericht hat ferner beschlossen, dic Leiche | StaviskyS in Paris einer Obduktion zn untcr- i ziehen, da die an Ort und Stelle gemachten photographischen und Filmaufnahmen die amtliche These vom Selbstmord StaviskyS zn erschüttern scheinen. Die von einem Blatt zur Aufttärung deS Falles engagierten englischen Privatdetektive neigen der Auffassung zu, daß Stavisky Mitglied einer Bande Pariser Gang st er Ivar, die einander nach amerikanischem Muster heimlich unterstützten, brzw. bekämpften, und suchen nach Spuren in diesem Milieu. «Me« ffrtiiaft. 23. März 1034 Nr. SS Verordnung Uber Erzeugung und Verbrauch von Kunstspeisefett Seine Preiserhöhung Im neuesten Amtsblaii ist die Rcgicrungsvcr- ordnung über Maßnahmen betreffend die Erzeugung und Verbrauch von Kunstspeisefetten verlautbart. Danach darf die Errichtung»euer Betriebsstätten für die Erzeugung von Kunstspeisefetten nur mit Bewilligung erfolgen, die das Handelsministerium erteilt. Die gesamte zulässige Jahreserzeugung von Kunstspeisefetten für den inländischen Bedarf wird mit-180.000 Meterzentner festgesetzt. Diese Menge kann um höchstens zehn Prozent erhöht oder herabgesetzt werden. Die Einfuhr von Kunstspeisefetten wird verboten. Die Erzeuger von Kunstspeisefetten. sowie ihre Verkäufer dürfen vom Tage der Wirksamkeit dieser Verordnung bis auf weiteres keine höheren Preise verlangen, als die am l. März 198-1 gezahlt worden sind. Tie Regierung wird Mahnahmen treffen, damit unbemittelten Verbrauchern die Abnahme von Kunstspeisefett sichergestellt wird. Die Erzeuger von Kunstspeisefetten sind verpflichtet bei der Erzeugung so viel Schweinefett zu verarbeiten, dah sein Gewicht fünf Prozent des Erzeugungskontingentes beträgt. Im Fleischer- und Selchergewerbe dürfen Kunstspeisefetten sind verpflichtet, bei der Erzeugung verwendet werden. Im Konditoreigewerbe ist die Verwendung von Kunstspeisefett verboten. Kunsrspcisesett mutz nach den bisherigen Vorschriften bezeichnet und aus der Packung müssen die Rohstoffe angeführt iverden. aus denen das Feit erzeugt tvird. Gewerbliche ProdukiionSstätten und Gewerbelokale, in denen auSscklietzlich Naturfette vertvendet werden, müssen entsprechend bezeichnet werden, Staatsangestelltenfragen. Ant Donnerstag, den 22. März, fand im Abgeordnetenhause eine Beratung der StaatSangestellten-Ztvölferkommis- sion statt. ES wurde beschlossen, dah schleunigst mit dem Minister für nationale Verteidigung, dem Finanzminister und dem Minister des Innern über die Einrechnung des Militärpräsenzdienstes verhandelt werde. Aetzerdem wird mit der Regierung auch über die Aufnahme neuer Bediensteter in den Staatsdienst verhandelt werden. Der Vorsitzende der Personalkommission der Regierung loird über die unerledigten Forderungen, besonders über die Regierungsverordnung hinsichtlich der Diäten. Dienstwohnungen und Dienstuniformei;, sowie über die fünfunddreitzigjährige Dienstzeit informiert werden. Die Kommission entschied anch, datz im Falle der Lösung von Fragen der bediensteten Frauenim öffentlichen Dienst Vertreterinnen derselben als Experten zu den Beratungen der Kommissionen beizuziehen sind. Die Kommission nahm schliesslich auch die Zuschrift der Exekutive der öffentlichen Angestellten zur Kenntnis, welche das Angebot zur Mitarbeit enthielt. Heber diese Zuschrift wird in der nächsten Siung der Kommission entschieden werden. Tie Kommission beschloss noch die beschleunigte Erledigung der Forderungen der im Auslande domizilierenden Bediensteten zu erledigen, welche durch die Entwertung der Krone im Auslande schwer getroffen wurden. Die Erledigung dieser Forderungen soll in Form einer Regulierung ihrer Bezüge durchgeführt tverden. Die Kartätschenverfaffung Sensatiinrll« Mitteilungen über die christfasciftische BrrfassnngSrefarm Die amtliche„W ienerZeitung" teilt mit, datz in der„neuen Verfassung" Oesterreichs daSWortRepublik nicht mehr vorkommt. Rach den Informationen unseres Verfassungsexper- ten sieht die neue Verfassung Oesterreichs s o aus: Artikel 1:„Oe st erreich ist keineRe- publik. Die Staatsgewalt geht vom Maschinengewehr aus." Artikel 2:„AlleStaatSbürgersind vor d e m G e s e tz g l e i ch. ES ist deshalb strengstens verboten, von ihm Gebrauch zu machen." Artikel 8:„D i e Grundrechte der Staatsbürger bleiben unangeta» st e t und tverden, der besseren Aufbewahrung halber, von Staatswegen konfisziert." ’ Artikel 4:„DiePres,sefreiheitwird garantiert. Sich ihrer zu bedienen, zieht zwangsläufig ihr Verbot nach sich." Artikel 5:„Die geistige und künstlerische Freiheit unterliegt dem Schutze des Staates und der zuständigen Organe der klerikalen Geistlichkeit." Artikel 6:„DemArbeiter werden alle Rechte zugebilligt, die ihm getvährt werden können, nämlich keinS. Auch darüber hinaus ist ihm gestattet, ungestört alles zu tun. was mit seinen Interessen in striktestem Widerspruch steht." Artikel 7:„D i e Schule untersteht, ungeachtet des Fehlens jeglichen GelvissenSzwangS, kirchlicher Zwangsverwaltung. Artikel 8:„D ieFreiheit dgrWifsen- s ch a f t ist die vornehmste Pflicht des Regimes. Von ihr keinen Gebrauch zu machen, ist die weitaus vornehmere". Artikel S;»Die Rechtsprechung ist unabhängig— von allen in Kulturländern üblichen Rechtsnormen". Aistikel 10:„Der Eid auf die Verfassung ist heilig. Ihn zu brechen steht nur den Mitgliedern der Bundesregierung zu". TagcsncuiglOcn Mit Luftschiffen zur Eisscholle M ö S k a n, 22. März.(Tass.) Meldungen aus Chabarowsk zufolge stiegen gestern fünf Flug-. zeuge der Marke„R ft" in Richtung auf Anadir auf, nm den Schiffbrüchigen der„Tscheljuskin" Hilfe zu bringen. Die Apparate wurden an Bord§ deS Schiffes„Smolensk" in den Golf von Olu- torskaja gebracht. Tie Maschinen fliegen längs der Küste von Kamtschatka und längs der Tschn- chiotokrr Halbinsel. Bio zum Kap Wallan müssen! ! die Apparate eine Strecke von IftOO Kilometer zurücklegen. In jedem Flugzeug befinde» sich! drei Personen. Zwei lenkbare Luftschiffe mit ihrer Besatzung an Bord sind mittels Sonder-! zuges ans Moskau in Wladiwostok eingetroffen. Einer Erklärung des Sachverständigen ans dem Gebiete der Luftfahrt mit lenkbaren Luftschiffen, Professor Worobiew, zufolge könnten diese kenk- bareir Luftschiffe den Schiffbrüchigen rechtzeitig! Hilfe bringen. Tas Landen der Luftschiffe auf dem Eise wird nicht schwer vor ssch gehen; die! einzige Schwierigkeit bildet der Umstand, bei: I richtigen Platz zu finden, der vor dem Wind geschützt wäre und auf dem man die Montiernng der Luftschiffe vornehmen könnte. Rußland bestraft Homosexualität Durch Beschluss des Zcntralexckniivkomitcr der Sowjetunion wird Geschlechtsverkehr zivischen Männern mit Gefängnis von 3 bis 5, Jahren be straft. In Fällen,>vo Gewalt oder ein Abhängigkeitsverhältnis auogeuützt wurde, nm einen Mann dazu veranlassen, kann Freiheitsstrafe bis zu 8 Jahren verhängt tverden. Bisher bestanden leine Strafbestiminungen dieser Art. Streikunruhen in Amerika New Aork, 22. März. Das Netv Yorker Theaterviertel war in der Zeit zwischen dem Schluss der Vorstellungen und dem frühen Morgen der Schauplatz heftiger Zusammenstösse zwischen der Polizei und streikenden Taxichausfeuren, die Zuzug erhalten hatten. Sie suchten jeden Taxiverkehr zu unterbinden, indem sie die Wagentüren abrissen, die Insassen, darunter viele Frauen in Abendkleidern, zum Aussteigen zwangen und die Taxis demolierten, so dass der mitt' Broadway schliesslich den Anblick eines grossen Trümmerfeldes bot. Tie Streikenden fuhren in grossen Omnibussen zu Hunderten nach dem Theaterviertel, tvo sie auöstiegen und ihr Zer- störungSwerl begannen. Der Polizei gelang es schließlich, die Demonstranten in die Seitenstraßen abzudrängen, jedoch lamen noch bis gegen Morgen Ueberfälle von Streikenden auf Nichtstreikende vor. Ein Dorf verschüttet New Aork, 22. März. Wie die„Associated Press" aus Lima(Peru) meldet, wurden kürzlich durch Wolkenbrüche riesige Bergstürze an den Steilhängen nördlich von Lima verursacht. Ein solcher Bergsturz, der eine Ausdehnung von fünf Meilen Länge und dreiviertel Meilen Breite hatte, begrub das ganze Dorf Chaccho. Verluste an Menschenleben tverden nicht gemeldet. Exploston eines Petroleumschiffes Rouen, 22. März. Im Hafen der Gemeinde Lillebonne ereignete sich bei de? Ankerlegung am Molo eine furchtbare Explosion an Bord des Petroleumschiffes„Giraffe", das aus dem Hafen von Rouen Naphtha transportierte. Das Schiff steht in Flammen. Man befürchtet, datz die ILgliedrige Besatzung»ms Leben gekommen ist, denn auch nicht ein einziger Mann der Besatzung gab irgend ein Lebenszeichen. guisentolekfuns Brünn, 22. März. Heute um 10 Uhr vormittags fuhr auf:r Strecke zwisch.., den Stationen Novk Mc'sio na Moravk-Zdär beim Personenzug-1701 im Kilometer 30.7 die Lokomotive den Eisenbahndainm hinunter und brachte die ersten drei ihr folgenden Waggons zur Entgleisung. Der Postangestellte Fr. Pochobradsth aus Brünn lvurde leicln verletzt. Der Berlehr wurde bis 16 Uhr durch Umsteigen aufrecht erhalten. Zwecks Untersuchung der Ursachen ist on der Staatotzahndireltion in Brünn eine Kommission an die Unfall-Stelle abgereist. Ayllon über Frankre'ch Paris, 22. März. Ans den Küstengebiete; Frankreichs, namentlich der Bretagne, tverden grosse Schäden gemeldet, die durch die Stürme verursacht wurden, die dort während der Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche wüteten. In der Umgebung von La Rochelle tvurden 12 an der Küste gelegene Gemeinden von dem Zyklon und durch Springfluten betroffen. Im Hasen St. Nazaire und Umgebung sind einige Barken untergegangen. Der grosse Ozeandampfer„Mexiqne" traf schwer beschädigt und mit einigen verletzter Passagieren an Bord ein. In Tours stürzten au' dem dortigen Flugplätze zwei Zivilflugzeuge ab. Adressbuch und Ständestaat.„Wien Hai das modernste Adrcssbrich der Welt" frohlockt das„N. W. I." und hat recht. Denn„statt nüchternen Angaben"— die wahrscheinlich zu sehr an den„materialistischen Geist des Marxismus" erinnern—„sind im Bezirkssachregister bei den Häusern der einzelnen Gewerbetreibenden Branchezeichen nnsgesteckt... Gerade für die heutige Zeit bedeutet die Einführung der alten ständischen AnkündiguugSmethoden eine ausserordentlich plastische Auflockerung des Adressenniaterials unserer Millionenstadt.' Nach der„braven Exekutive", die in den Febertagen durch ihre„ausserordentlich plastische Auflockerung des Adressenniaterials" der Millionenstadt, sich endgültig in die.Herzen der Inserenten des „N. W. I'." einschoss, kommt der„Lehmann in Jubiläumsausgabe" mit„Einband in österreichischen Farben und mit dein goldenen Bundeswappen verziert" und bringt ständische Ordnung in den Pallatvatsch. Oesterreich bleibt hinter Deutschland nicht mehr zurück. ES ist mit Recht stolz auf seinen Bundeskanzler und die anderen Kleinigkeiten der„neuen Ordnung"«— Heil Oberhollabrunn l" Rückgabe des beschlagnahmten Hanfes der deutschen Landeskommission in Prachatitz. In der gestrigen Sitzung der böhnnschen LandcSver- tretung hat Landeüvertreter Genosse Leopold Pölzl einen Antrag auf Rückgabe deö 1018 beschlagnahmten Hauses der deutschen LandeS- kommission für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Prachatitz gestellt. Es wurde beschlossen, diesen Antrag dem LandeSauöschuß ziiznwcisen und diesen zu beauftragen, die rechtliche Seite der ganzen Frage zunächst tlarzulcgen und sodann der Landesvertretung zu berichten. ES ist zu hoffen, dass diese Angelegenheit in den nächsten Monaten zur beiderseitigen Zufriedenheit erledigt werden tvird. Aerger als die Fascisten. ES war vorauözu- sehcn, dass die kommunistische Lügenmeldung über den Genossen Katz den Fascisten ein willkommener Anlass zu Angriffen sein werde. Und tatGroßstadt in Mammen 150.000 Einwohner in Hakodate obdachlos Tokio, 22. März. F» Hakodate sind etwa 80 Prozent der Häuser durch die bereits gemeldete furchtbare FcuerSbrnnst zerstört worden. Die Zahl ! der Obdachlosen wird aus 150.000 geschätzt. Zahlreiche Flüchtlinge baden Unterkunft auf den Fahrzeugen im Hafen gesucht. Hakodate ist die zrhnl- , grösste Stadt Japans und die grösste Stadt nördlich ! von Tokio. Nachrichieu über Einzelheiten der furchtbaren Brandkataitrophe laufen bisher nur sehr spärlich I ein, da fast sämtliche Verbindungen unterbrochen sind. Aus diesem Grunde ist auch eine genaue Fest' stellung über die Zahl der Opfer noch nicht möglich, man spricht jedoch von 1000 Toten und 15:000 Verletzten. Ein furchtbarer Sturm trägt zur Erhöhung der in der Stadt herrschenden Panik bei und verhindert die Löscharbeiten. Am Donnerstag morgens Ivar noch kein Nachlassen des s Feuers zu beobachten. Das Geschäfts» und das ! Vergnügungsviertcl ist fast vollkommen zerstört, das Gefängnis brannte bis auf die Grundmauern nieder, so dass die Gefangenen von Militärabtci- lungcn au? der Stadt hcrausgeführt werden mussten. Militär ist im übrigen in weitgehendem Masse zu den Hilfsarbeiien eingesetzt. Der Sturm, von dem das ganze Land betroffen ist, hat auch in To- I kio leichte, aber sehr ausgedehnte Schäden verur- ! sacht. Bei den Versicherungsgesellschaften liefen bereits Schadensmeldungen aus Hakodate im Betrage von 50 Millionen Den ein. I Furchtbares Brandni glück in New Nork New?)ork, 21. März. In einem mehrstöckigen Mietshause der dichtbevölkerten 2. Avenue brach Mittwoch aus bisher nock nicht geklärter Ursache Feuer aus, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Sieben Personen, darunter drei Kinder, fanden den Tod in den Flammen. Mehrere Personen werden noch vermisst. Dank der aufopfernden Tätigkeit der Fcncrweh.Mannschaften gelang es, trotz der Panil, die imter den cingeschlos- sencn Bewohnern des Hanfes auSgcbrochen war, 16 Familien über Feucrwehrleiiern und durch Sprungtücher ans den Flammen im Treppenhause zu retten. Es ist dies der sechste Wohnhausbrand in den letzten eineinhalb Monaten; insgesamt 26 Tote und-10 Verletzte sind bei diesen Bränden zu beklagen. Man fordert jetzt mit Nachdruck, die feucr- gcfährlichcu überalterten Häuser abzutragen. SSO Tote Tokio, 22. März. Der Gouverneur der Insel Hokkaido teilt mit, dos» bei dem Brand in der Stadt Hakodate 660 Personen«ms Lebe» kamen und 460 verletzt tvurden. Alle öffentlichen j Grbändr und 23.000 Häuser wurden vernichtet. sächlich hat der gestrige„Polcdni List" StiibrnhS die Lüge wicdcrgcgcbcn, allerdings unter Berufung auf die„Welt von heute". DaS tschechische Fascistcnblait ist jedoch so weit anständig— oder vorsichtig— um seiner Meldung die Bemerkung anzuschlichcn, dass angesichts der Lebensführung deS Genossen Katz die ihm zugcschricbene Tat überraschen müsste. Das kommunistische Blatt jedoch kennt in seinem Hass gegen die Sozialdemokraten keine Grenzen. Ungarische Schmuggler gefasst. In der Nähe der tschechoslowakischen Grenze hat die ungarische Finanzbchvrdc eine fünfgliedrige Schmugglerbande auf frischer Tat ertappt. Die Mitglieder der Schmugglerbande, durchwegs Budapester Bewohner, haben grosse Mengen tschechoslowakischer Textilwaren auf dem Jpoly-Flnss auf ungarisches Gebict geschmuggelt nnd wollten sie in einem Lastkraftwagen nach Budapest bringen. Sämtliche Mitglieder der Bande sind verhaftet worden. Entdecktes Ränbrrlager? Aus kl Z h o r o d Wird unS»geschrieben: In der Gemeinde NiZni Remety wurde von einem Einwohner durch Zufall ein in einen Abhang führender unterirdischer Gang entdeckt, der 8 Meter lang und etwa lyi Meter hoch ist. Da Anzeichen dafür sprechen, dass dieser Gang von Menschen benützt wurde, vermutet man, dass sich vor langer Zeit in diesem Versteck Wegelagerer aufhieltcn, die von hier aus Ausfälle auf vorübcrfnhrcnde Fahrzeuge und auf Reisende unternahmen. Bon dec Entdeckung wurde daö Lchotzsly-Muscum in Munkaäevo verständigt. Die Tätigkeit der Brüder Sass. In Verfolg der Untersuchung gegen die Brüder Sass ist der dänischen Polizei am Mittwoch ein bedeutungsvoller Fund geglückt. So wurden in dem von den Brüdern in einem Pensionat in der Nähe des Kopenhagener RathausplaheS bewohnten Zimmern, hinter einem Paneel, etwa 3000 dänische Kronen und 2000 französische Franke»; entdeckt, die in Batterien von Taschenlampen verborgen waren. Ferner wurden verschiedene Einbrcchcr- lverkzcnge, ein Wachöabdruck eines Geldschranl- schlüsselS nnd eine Reihe von Papieren mit Skizzen verschiedener Geschäftsanlagen Wer Patrouillenzeichen der Polizei usw. gefunden. Nach diesem Fund dürfte kaum noch ein Zweifel daran bestehen, dass die Brüder Sass sich in Kopenhagen als berufsmässige Einbrecher betätigt haben. Jnsnll entführt? Nach den neuesten Gerüchten soll der amerikanische Finanzmann Insult von einem Hydroavion ins Miiiclmccr entführt worden sein. Nach einer anderen Version soll der Dampfer„MaiotiL" gleich nach Verlassen des Hafens von Athen Richtung nach Monte Carlo genonnnen haben. Russisches Schiff gestrandet. DaS sowjct- russischc Motorschiff„Kuncclcso", das nut schwerer Schiffsladung von Leningrad nach Wladiwostok unterlvcgö war, scheiterte an den Fclsriffcn gegenüber Prata. DaS Schiff wird erst dann im- standc sein, seine Fahrt fortzusehcn, bis die Ladung gelöscht sein wird. Der Kapitän deS Schiffes hat cö jedoch anS unverständlichen Gründen abgelehnt, die Ladung zu löschen und hat cö den Mitgliedern der Hongkonger Rettungsmannschaft verboten, an das Schiff heranznlom- men. Dieses mysteriöse Vorgehen wird jedoch damit erklärt, dass sich an Bord Kanonen, Motorboote und sine grosse Anzahl von Maschinen be- finden. Ein anderes suwjetrussischcL Schiff hat sich der„Knnecleso" bereits genähert und ein driites sowjei russisches Schiff ist von Wladiwostok ab- gcdampft. Zwölfjähriger treibt aufö Meer. Im Hafen von Constanza riss sich ein Ruderboot, in dem sich ein 12jähr;ger Knabe spielte, vom Ufer loS und lvurde auf das Meer hinausgctrieben. Der Unfall wurde erst einen Tag später bemerkt, worauf ein Wasserflugzeug auf die Suche geschickt wurde, dem cs gelang, den total erschöpften Knaben in letzter Minute zu finden nnd an Bord zu;;ehn;en. Bankraub in Spaniel». In S a n 1 a>» d e r (Spanien) überfielen zwei aus je vier Mann bestehende Banden z»i gleicher Zeit zwei Banken, deren Angestellte sie mit der Waffe bedrohten und einsperrten. ES fielen ihnen insgesamt 150.000 Peseten in die Hände,»nit denen sie unerkannt eiitkominen konnte»». AuS dein Provinzmuseum in BurgoS lvurde von ei»;em unbekannte»; Täter ein arabisches Schmuckstück gestohlen, dessen Wert eine halbe Million Peseten beträgt. Wahrscheinliches Wetter heute: Wechselnd bewölkt, nur vereinzelt etwas Regen, milde; in; Oste»; deS Staates jedoch noch immer lvärnicr als im Westen, schwacher Wind. Vom Rundfunk Sulpfehlrnomerte» cm» den Programmenr Samstag. Prag, Sender L.: 6.15: Gymnastik. 10.05: Deutsche Nachrichten. 13.15: Schallplatten. 18.10 Deutsche Sendung: Stunde für die Jugend. 18.25: Heiterer Böhmerwaldabcnd. 19: Deutsche Nachrichten. 21: Konzert des Radiojournalö. 22.15: Schallplatte».— Sender S.: 14.80: Populäre Lieder. 14.55: Kulturrelief, 15.10: Deutsche S e u- dung: Lieder stunde— Pokorny. 15.50: Deutsche Nachrichten.— Brünn 11.05: Vormittagskonzert. 17.20: Russische Lieder. 17.50: Deutsche Sendung. 18.85: Theaterberichte. 10.85: Von Ohr zu Ohr, grosse Funkrevue.— Prestbnrg 12.85: Mittagskonzert, 21: Salonorchcster.— Hamburg 20.10: Der Obersteiger, Operette von Zeller.— Leipzig 18: Chorkonzert.— München 21.30: Unterhaltungsmusik.— Wie»« 16.15: Zwei chinesische Erzählungen. 17.40 Orchcstcrkonzert. 21.25: Konzert der Wiener Symphoniker. -lr.«9 Frriwg, 2». März 1934 Sette S Der Rockdseb Po» Ludwig Ang». Der jRodbicli fliitfl an adiuhtig Julie» Wiu- tertagen ohne lieberrock auf die Straße.(Man braucht ihn noch nicht zu bedauern, denn er trug unter dem Hemd ein sehr warmes Trikot). Er betrat ein Cafe, ganz ungeniert, als iväre er ein Kaufmann aus der Nachbarschaft, der nur ans einen Sprung, um rasch einen Kaffee zu sich zu nehmen, ins Lokal gekommen ist. Er fehle sich an einem einsame» Tisch, in der Nähe der Siir.?(» einem einsamen Tisch deshalb, weil Rockdicbe während ihrer Arbeit sehr ernste und reservierte Menschen sind; und in die Nahe der Tür, weil das nur natürlich ist, ging doch die Arbeit in der Regel folgendermaßen von statten: der Rockdiev trank seinen Kaffee, zahlte, gab ein gutes Trinkgeld— er hatte also nicht unbeträchtliche Geschäftsunkosten— dann trat er an den Kleiderrechen neben der Tür, nahm von diesem den besten Winterrock— das stellte er auf den ersten Mick! untrüglich fest— zog ihn an und spazierte! seelenruhig ans dem Cafe.(Er gesiatlete sich höchstens so viel Aufregung, das; er den Winterrock erst auf der Straße zntnöpste.> Diese Arbeit verrichtete der Nockdicb Tag für Tag und verdiente dabei sehr schön.(Das! Attribut„schön" bezieht sich nicht auf die Quali- tät des Verdienstes.) An diesem Tage jedoch, von dem jetzt die Rede ist, kam er übel an. llrsache seines Verderbens Ivar aber nicht seine Ungeschicklichkeit, sondern ein unglaublich törichter Zufall, besser gesagt, eine kleine Serie von Zufällen. Das Unglück begann bereits damit, das; es Unger ist, eine ordentlich protokollierte Firma zu sein, als ein Nockdicb, und es nur als Fortsetzung betrachtet werden kailn, das; der Nockdicb nicht die für seine Beruf ideale Gestalt besag: er war demnach nicht mittelgroß, sondern beträchtlich unter Mittelgröße. Er ging also an dem tlnglückStag, der ihm zum Verhängnis werde» sollte, in ein Ring- straßencafe und fand zufällig(das erste Kettenglied der unglückseligen Pechserie l) in der Nähe der Tür leinen leeren Tisch. Er hätte umkchren und in ei» anderes Safi gehen können, gibt eö doch auf der Budapester Ringstraße durchschnittlich in jedem sechsten Haus ein Cafe. Aber»ein, er bekam plötzlich einen kleinen Wutansall. eine Art moralischer Empörung bemächtigte sich seiner, er dachte: unerhört, daß cS so viele Nichtstuer gibt, die ihre ganze Zeit im Cafe verbringen und nicht arbeiten, man bekommt ja nirgends einen leeren Tisch I— und nun forcierte er bereits die Sache, schritt durch das ganze Case und ließ sich in der hintersten Ecke an dem einzigen leeren Tisch nieder. Weit von der Tür'sitzen, ist ein schweres Vergehen gegen das allererste Grund- vrinzip, daö fühlte er, ließ aber von seinem Eigensinn nicht ab; er trank Kaffee, träumte dann ausnahmsweise ein wenig vor sich hin, zahlte, trat nachher an den nächsten Kleiderrechen, nahm den besten Winterrock, zog ihn an und schritt mit der allergrößten Ruhe auf die entfernte Tür zu. Jawohl. aber gerade damals— ich sagte ja, daß wir einem Walten des dummen Zufalles gegenüberstehen, und dies ist das zweite Kettenglied der Serie— hat auch ein ausgesprochener Goliath in diesem Cafe gesessen. Und der Rockdieb hatte den Winterrock dieses Goliaths vom Rechen genommen und angezogen.(Jetzt ist er bereits zu bedauern.) Er hatte schon fünf oder sechs Schritte getan, als er bemerkte, daß der Teufel los ist. lind jetzt gab es lein Weiter mehr, der arme Kerl war erledigt. ES muß zugegeben werden, daß ec sensationell gewirkt hat, ganz so wie ein Kind im Win- terrock des VatcrS. Etwa dreißig Zentimeter dcö Rockes fegten den Boden. Auch andere hatten den famosen Fall bereits bemerkt, mau lachte bereits über ihn. Er konnte nicht mehr stehen bleiben, konnte nicht mehr zurückgehen, ganz fremde Men- hält sich DIE PUTZFRAU IN DER DOSE Ob Regen, ob Sonnenschein, Sommer und Winter — früh oder spät« immer blitzen und funkeln die Scheiben ohne Kratzer und Schrammen. Diese Hausfrau sicher eine besonders tüchtige Putzfrau I Warum nehmen Sie nicht auch die flinke und zuverlässige Hilfe, der alle Hausfrauen das beste Zeugnis ausstellen? VIM, die Putzfrau in der Dosel Glas, Holz, Fliesen. Metall— alles putzt sie schonend und schnell. Hinter solchen Fenstern istdie Sauberkeit zu Haus! ZtUOHHi Putzfrau WA- ob früti- spät—• putz' gründlich jedes Hausgerdt. Die dankbaren Hausfrauen. scheu machten einander aus ihn aufmerksam, eine Frau schlug die Hände zusammen und lachte auf, jemand hatte es auch schon dem einen Kellner gesagt, kurz und gut, der Rockdieb wurde in der Tür erwischt. Das ganz Cafe umringte ihn und das ganze Cafe vegan» über ihn zu lachen, ein Billard- spieter kam mit dem Oucue herbeigeeilt und schüttelte sich, auf das Queue gestützt, vor Lachen. Die Gaudi war so groß, daß man Stimmen vernahm — freilich vor Lachen kollernde Stimmen— man solle den llnglücksmenjchen lausen lassen. Trotzdem wurde er aus diesem und jenem Grunde nicht lausen gelassen, zum Teil deshalb nicht, weil er morgen sein Treiben anderstoo fortsctzen könnte, und ein Polizist wurde geholt. In der Zwisck;enzeil lachten die Leute über ihn. alle lachten, und sogar er selbst lachte. Dem Polizisten wurde er mit folgenden Worten vorgcstellt: „Mit tiefem Bedauern übergeben>vir Ihnen diesen vom Pech verfolgten Rockdiev." Nachdem sich der Polizist umgesehen und einen kurze» Lokalangenschcin ausgenommen hatte, begann er ebenfalls zu lacbeu. Er lachte nicht weniger herzhaft als die anderen. Bevor er mit. seiner Beute loszog, erklärte er: „Mil tiefem Bedauern bin ich gezwungen, Sie zu verhafte», los, marsch I" I I | I I Sie verließen das Cafe. Zuerst ging der Polizist hinaus, dann der Rockdiev nnd schließlich der Goliath, llm es nicht zu vergessen: den Winterrock trug nunmehr der Goliath, der Rockdieb hatte wieder keinen Ilcberrock an, er schrill zwischen dem Polizisten und dem Goliath einher, wohl etwas düster, aber immer nock> stramm. I Ich weilte gerade im Cafe— welch ein Glück, daß mein Winterrock niemals die dem „besten" Zttlommcndc Rote erringen tonnte— und hatte von der Begebenheit so viel mit eigenen Augen gesehen. Doch nehme ich mit Besiimmtheil an, daß bei der Polizei, wo der Polizist seine Meldung erstattete, er schon uni der puren Unterhaltung willen den Rockdieb den Winterrock deö Goliaths anprobieren und ihn vor dem Inspektor in der Wachstube einigcmale auf und ab gehen ließ. Und zum Beweis dafür, daß der Inspektor ebenfalls zu lachen begann und so herzlich lachte, daß ihm sogar die Träne» zu fließen begannen und er mit vor Lachen fast weinender Stimme erklärte: „Mit tiefem Bedauern bin ich gezwungen, Sie zu verhaftent" Und wenn es auf Erden eine Gerechtigkeit gibt, so wird bei der Gerichtsverhandlung auch der alte und griesgrämige Richter— obschon der Fall vor ihm vielleicht nicht mehr demonstriert, sondern nur mit Worten bildhaft geschildert werden dürfte — so wird auch der alte und griesgrämige Richter zu lachen beginnen und den Dcliquenten wohl ebenso verurteilen wie einen beliebigen Rockdieb von normaler Mittelgröße, aber das Urteil mit folgenden Worten verkünden: „Im Namen der Heiligen Krone sieht sich das hohe Gericht gezwungen, den Pechvogel Soundso mit tiefem Bedauern zn einer Arreststrafe von so und so viel Monaten zu verurteilen." (Einzig berechtigte llebertragung aus dem Ungarischen von Stefan I. Klein.) Das Bier-Tage°Bankett Daji diese Well buchstäblich an: Hunger stirbt, daß Millionen Henle nicht wissen, wovon sie morgen ihr tiinunerliches Vegetieren bestreiten sollen, ist, von dieser müden, verantwortungslosen Welt als„Kismet" hingcnommen, nur zu bekannt. Daß wir hinwieder auch im Ueberftuß ersticken, daß ungeheure Mengen LebenSniittet vernichtet werden, um die Preist künstlich aus der„geschäftlich notwendigen" juihe zu hallen, ist eine der verbrecherischem Unbe- greiflichtzücn dieser an schreienden Widersprüchen so reichen GesellschaftS-„Ordnuug". In Tokio hat man jetzt die G e b u r t eines Thronfolgers gefeiert, eine höchst private Angelegenheit, so meinen wir, aber die hohen Erzeuger waren nicht dieser Ansicht. Das Babh mit dem Marschallstav in der Tasche wurde wochenlang geehrt, ein Trubel, der setzt mit einem orggiSstischen V i e r- T a g e- B a n k e. t t abgeschlossen wurde, zu dem lÜ.VOl) Personen geladen waren. Das majestätische Festbankett soll geradezu phantastische Sunnnen verschlungen haben. ES gibt in Japan, dem tnpischen Laude des asozialen, menscheuvcraclNeuden MilitariSmnS, Arbeitslose, denen man auch die mindeste llmcrstützung verweigert und die man seelenruhig Ivie Hunde im Straßengraben verrecken laßt. Es gibt Arbeiterinnen, die in den Fabriken stehen und so schlecht bezahlt werden, daß cs noch nicht einmal zum täglichen trok- kenen Brot reicht.— Aber was gelten Menschen in einem Lande, das an Menschen-,.lleberfluß" leidet und seine Bevölkerung planmäßig auf den großen Aderlaß eines Krieges dressiert? Das Bier-Tage-Bankett im Angesicht dcS Hungers—, sagt cs nicht mehr, als tausend leidenschaftliche Kritiker jemals Vorbringen könnten?! Franz Schreker gestorben Knapp vor seinem 60. Geburtstag ist Mitt» woch in Wien Franz Schreker gestorben, einer der bedeutendsten Musiker unserer Zeit. Franz Schreker war 1878 alö Sohn österreichischer Eltern in Monaco geboren, wo sein Vater Hof-Photograph Ivar. Zehnjährig lvurdc Franz Schreker Waise und kam mit der verwit- lveten Mutter und drei kranken Geschwistern nach Wien. Hier schlug sich die Familie durch Not und Hunger mühsam durch. Vierzehnjährig beginnt Schreker sich seinen Lebensunterhalt selber zu verdienen, durch Stundengebeu. Er lernte und lernt, Violine, Orgel, Harmonielehre, schreibt fünfzehnjährig ein Streichquartett für vier Geigen, Napoleon gewidmet. Er findet Förderer, lernt bei Nosö, studiert als Stipendiat am Wiener Konservatorium. Sechzehnjährig erlebt er seine erste Auf- fiihrung: die Miturientenarbeit»118. Psalm" findet sogar einen Verleger. Ec versucht sich weiter als Kammermusiker, Chorkomponist und findet sodann auch zum Theater hin, wo seine Hauptbedeutung sich entwickeln sollte. 1908 gründet er in Wien den»Philharmonischen Cho r" als eine Art Trutz-Vereinigung zur Pflege neuer Musik, die in den Wiener Singber- einen keine Stätte hatte. Das Jahr 1008 bringt zwei Opern„Infantin" und daö„Spiel- wprkunddiePrinzessi n", 1900 endlich den ganz großen Wurf, Schrekers bedeutendstes Werk, die Oper«Der ferne Klang". Niemand will das schwer aufführbare Werk annehmen. In Frankfurt a. M. erlebt cs endlich 1012 seine Uraufführung. Im selben Jahre wird Schreker als Lehrer für Komposition an die Wiener Akademie für Musik berufen. 1920 wird er Direktor der Musikhochschule in Berlin, in welcher Stellung er bis zum Jahre 1932 verblieb. Schrekers Opern setzten sich als»schwer verständlich" nur langsam durch. Auch eine dritte Oper«Die Gezeichneten" bleibt zunächst ohne nennenswerte Wirkung, Im Jahre 1818 ist Schrekers zwcitbedcutendstcü Opernwerk«D i e Schatzgräber" fertig. Schreker war Di cht e r k o mp o n i st; so wie Richard Wagner schrieb er selber die Libretti seiner Opern; Handlung und Musik zeigen eine eigenartige Mischung von Realistik und Symbolik, sind vielfach der Märchenwelt zugcwandt. Er liebt die Romantik des altdeutschen Märchens, den Stoffkreis der Renaissance. Märchenhaft-phantastisch auch die dritte unter den bekanntesten Werken Schrekers„I r r c l o h e". Seine Musikdickitungen sind von einer doppelten Tragik beherrscht:»der unerfüllten Sehnsucht dcS Zkünsilers und der Not der Sexualität". Paul Bctker schreibt in seiner bekannten Studie über Schreker, dem er als ersten nach Wagner»die musikalisch-dramatische Vision alö primäres Erlebnis" zubilligt:„Die Musik durchdringt und baut die Dichtung wie das Blut eines Lebendigen, ohne sichtbar zu sein, die Erscheinung bis in die äußerste Haut ernährt und bildet. Die Dichtung wiederum umschreibt die Musik und gibt ihr die anschauliche Gestalt, die die innerlich quellende Kraft umgrenzt." Schreker ist auch als Komponist von Liedern bekannt, die aber stark unter dem Einfluß Brahms' stehen; unter seinen Chören is. wohl der„S ch w a n e n g c s a n g" der bedeutendste. Vom Stzmphoniker Schreker stammt unter anderem eine»Romantische Suite", ein Opus„Ekkehard" nach dem Scheffclschen Roman, eine Kammersymphonic und vieles andere. Immer ist Schrekers Musik farbenfreudig, von starkem sinnlichen, oft übercrvtischcn Reiz, dabei oft grüblerisch, verträumt, versonnen, romantisch, rätselhaft, symbolhaft. Seine Musik ist großenteils noch bis heute unverstanden; die.Kritik warf ihm„babylonische Verwirrung" vor, die er mit' einer Aufcinandertürmung von Wagner, Rick)ard Strauß und Debussy angcrichtet habe; alles sei formlos und uudramatisch. Jnunerhin, sein technisches Können wurde nie in Zweifel gesetzt. Man darf annehmcn, daß sein Tod eine neue Welle dcS Interesses für Schreker wachrufen und so die Möglichkeit bieten wird, sich mit seinem Schaffen von neuem auöeinandcrzusetzen. Auch in der Tschechoslowakei. Die tschechischen Musiker, unter denen ein Alois Haba Schreker-Schüler ist, haben immer die Sympathien anerkannt, die Schreker den jungen tschechischen Musikern ent- gcgenbrachtc. Dennoch scheint eö, alö ob Schrekers Kompositionen bei uns»och nicht allzu viel Würdigung, besonders in der breiteren Oeffentlichkeit, fanden. Es wird gut sein, wenn man jetzt Gelegenheit erhält, daö Urteil zu überprüfen. Das Lächeln Felicians Von JnliuS Paul.•< Zelician Kanter legte sich aus die Eisenbahnschienen einer viclbefahrcnen Strecke, um seinem Leben ein Ende zu machen. Felician Kanter war Gcmeindebcamter.in Gehallsilassc vier, bis dahin bestrebt, sein Leben so zu führen, daß kein Mensch auf den Gedanken kommen Ivnnlc, cs könnle bei ihm irgendetwas nick» in Ordnung sein. Welche Quälen mußten vor dcni Entschlüsse liegen, sich durch einen Zug vom lästig gcwordeuen Leben zu befreien. Er wurde voni Streckenlvär.er Martin Hopfmeisicr zwei Minuten vor Durchfahrt des D-Zuges»ach Paris aufgefuudcn und gewaltsam gerettet. Bon diesem Augenblick an war Felician ein anderer Mensch. Es trat die. groß: Wendung im Leben ein; sie führte nach einer Richtung, die annehmcn ließ, daß Felician das zuriickgcgebenc Leben als etwas anderes betrachtete, als das aufgegebene. Felicians Entschluß, aus dem Leben zu scheiden. war entsprungen aus der Erkcnutnis, daß er sich von einem unermüdlichen Verkäufer billiger Abzahlr.aeen zur llntrcuc im Amt hatte verleiten lad'.'». Er stahl fiinfundfünfzig Mark aus der Gcmeindekasse. Bei der nächsten Revision wurde ihr Fehlen entdeckt; eS war unschwer zu erraten, daß nur Felicia» der Schuldige sein konnte. Jetzt, nach seiner Rcltung. beglich Felician die Schuld und schied aus dem SlaatSdienjl, um ein Leben zu beginnen, das ganz im Gegensatz zu den engen, pedantische» Grundsätzen seines Beamleulebcns stand, das sogar luxuriös- gc-* nanut werden konnte. Aus dem Haß gegen seinen Retter Hopf- meistcr, als den Vertreter des Soliden, der seinen Entschluß, zu sterbe», zerstört hatte(wer bringt den Mut zu dieser Tat zum zweiten Male auf?), gemischt mit der Begierde, dieses Leben, das schon abgeschlossen schien, gain lcnucn zu lernen, wuchsen FelicianS Hochstapeleien. ES gab Augenblicke, in denen ihm einficl, daß er zufällig schon mehrere Jahre-tot-sein könnte. Dieser Gedanke bohrte s-1> in ibn und zerfraß sei» Innenleben. Nm erlöst zu sein von diesem Gedanken, stürzte er sich in neue Abenteuer, deren schönstes und aufregendstes ihn das Leben kostete. Felician Kanter lernte, in einer Gesellschaft vom Glück begünstigter Menschen Lady Mart) X. keimen. Ihr sportgcskähltce Körper begeisterte den braven Felician ebenso sehr, wie ein fabelhaftes Halsband, von de... man sich- erzählt, daß eS ein kleines Vermöge» ir.rt sei.,,... Felician kernte Lady Mart).V.-näher kennen und wurde immer mehr gefangen genoinmen von dem Geist und Charme einer Fran, die allein durch ihre Erscheinung eine herrschende Stellung errungen halte. Eö Ivar einfach selbstverständlich, daß man sic als Herrscherin anerkannte. Wie mußte cs ei...;N Manne wie Felician schmeicheln, daß gerade diese Fra.: ilm bevorzugte! Fast hätte er vergessen, daß eS weniger die Person der Lady, als vielmehr ihr Schmuck war, der ihn zuerst interessieren mußte. Der Augenblick kam, wo sich ihm die Tat- fn*c aufzwaug, daß seine Mittel erschöpft seien. Felician schritt zur Tat. Leider warf er eine Nachttischlampe um, wie ein plumper Anfänger. Schließlich Ivar seine Aufregung zu verstehen: Die Nähe dc.- gelicblen Frau verwirrte ihn. Eine Taschenlampe blitzte aus und beleuchte.. den erschrocken n Felician. „Tie sind cS, Felician?" fragte erstaunt Lady Mary X. Dem Angesprochciien war, als erlebe er eine Rückivandlung zu dein ersten Felician Kanter, Beamten, GehaltSklassc vier. Sciiic ganze Erfahrung, gesammelt in tausend Hochstapeleien, verließ ihn und er begann stockend sein Leben zu erzählen; er geriet in immer größere Begeisterung, je weiter er"" vom Augenblick des TödeS entfernte. Seine Wangen glühten, seine Augen glänzten, er war besessen von der DaseinSfrcudc. Ausgerichtet im Bett sitzend, sprach zögernd Lady X. von ihrem Leben. Daß ihre Eltern arm waren, daß sic durch eigene Kraft sich emporgerungen; bis sic am Anfang ihrer blendenden Karriere einen Mann kennen gelernt hätte, der *• mit seinem Manien für ihre Entwicklung einsetzte.„Von diesem Mann stammt auch der Schmuck, der Ihre Bewunderung erregt hat, daß Sie verleitet wurden, mich jetzt nufzusucheu. Wem möchte ich ihn mehr gönnen, als dem Manne, der mir zunächst dem Menschen steht, der ihn mir gab? Nimm ihn dirl" .Felician küßte die Hände der Lady, dann wandte er sich hastig und eilte zum Spiegelschrank, wo er den Schmuck liegen sah. Begeistert-hob er ilm auf, freudig bewegt wollte er sich umwenden; ein Schuß machte seinem Leben ein Ende. Lady Mart) X. hatte ihn getötet. Felician liegt Wei-'- mit einem Lächeln, daö mit ihm gestorben ist. Lady X. kauert im Bett und licht auf den Toten, den sic,geliebt hat.. Plötzlich S,...ttc, Klopfen, die Tür wird, ausge'.-oche». Polizei dringt ein, einer spricht: „Fch verhafte im Namen des Gesetzes die Raub-. Mörderin Mary X. wegen de. Verbrechens an Mistcr Fryman in New-Orleans I" Schwerfällig steht sk: auf, nimmt ettvas um und netzt mit ihnen. Den Geliebten weis; sie sicher.- Er liegt da und lü'>elt ein Lächeln, das nichts ihm mehr rauben kann. Heik 8 „Sozialdemokrat" Freitag, 23. MKrz 1934. Nr.«9 PBAGKR ZEITUNG I I Ein Angestellten-Konflikt in der Bebca IInenWWe^etotungsftunöen \ der Arbeiterfursorge finden jeden Samö tag von i>—7 Uhr im Verein deutscher Arbci ! ter, Smekkagaffe Nr. 27, statt. In Banlangestellieulreisen herrscht über die Absicht der Tiretiion der Bebca(Böhmische Escvinpiebank und Credit-Anstali), eine größere Gruppe von Bennuen in Pension zu schicken, große Erregung. Der führende Direktor, dem die Per» sonalsragen unicrstehcn, Herr Dr. Zicgl nicht nur im Besitze eine. nur sondern hat cs auch verstanden, die fragen in seinem Institut hervorragend I h m erwartet in Bälde schon überschritten Hai) eine Ungefähr jährlich, Steuern müssen. S e i n e A n g e st e 11 t obwohl die meisten noch im Vollbesitz beitstrast sind, mit einem Bettel in Pension geschickt iverden. Tag sich die subalternen Beamten der Bebca gegen eine derartige Pcrsonalpolitik auflehncn. ist selbstverständlich. Und da c? die Bebcadirektion auch ablehnt, die berechtigten Forderungen der Angestellten nach Abschlns; eines Kollektivvcrtrageö zu crsiillen, wie er bisher immer bestanden Hai, kann man in der Bebca mit einer scharfen Auseinandersetzung rechnen, die tviederum einmal die brutalen Mctoden ans dein die Anklage spricht, Art. Einer gewissen Jo- er er sich gleichfalls im Kaf- rivrach er unter der Vor« die Ehe. Als sie später er- sci, war sie schon soweit kirre, Anstoß an dieser Entdeckung nahm und idin 7000 dir-borgte, die sie natürlich nie zurückbekam. Beinerleiiswerr ist. das-, die Aussagen der schwer geschädigten Zeuginnen vielfach äußerst günstig und entlastend für den Angeklagten lauteten, der, nebenbei bemerkt, nach seiner Verhaftung zunächst Irrsinn voriäuschle und dann nicht ungeschickt, aber doch auch nicht geschickt genug, einen Selbstmordversuch mimte. Herr Marmor in ein geschickter und vielseitiger Mann, dies bewies er auch in seiner Verteidigung. Er wurde tatsächlich in einigen Punkten der Anklage ireigcsprochen, weil ihm nach den Aussagen der Zeuginnen nicht direkt betrügerische Absicht nachzuwei- sen war. Immerhin blieb noch genug übrig, so das; der Angeklagte zu sechs Monaten s ch w e r e n Kerkers verurteilt wurde. rb. Kunst und Wissen Max Liebt, dem Prager deutschen Theater seit vielen Jahren durch Leistung und Leitung verbunden, feiert heute gelegentlich des von ihm inszenierten„Julius Cäsar" das Jubiläum dreißigjähriger Äiihnenzngehörigkeit. Dreihig Jahre Berufsleben ist an sich sehr viel; aber dreißig Jahre Thcatermann, da» ist ein Menschenalter voll Kampf und Ncrvenarbeit, wie sie dem Laien kaum vorstellbar sein dürfte, llnd da Max Liebl hievon ein gut Teil dem Prager Deutschen Theater gewidmet hat, gebührt ihm zu diesem Anlast öffentlicher Dank. Er verknüpft sich mit der Anerkennung für den Schauspieler Liebl, der ein ganz vorzüglicher, immer interessanter und wirkungsvoller Menschendarsteller ist, und für den Spielleiter Liebl, dem das Prager deutsche Theater eine Unzahl durch Gewissenhaftigkeit vorbildlicher Einstudierungen verdankt. Max Liebl, der als Oberregisseur des Schauspiels sehr viel Arbeit und Verantwortung zu tragen hat, ist seit der Aera Dr. Eger von diesem offiziell zum Direktor-Stellvertreter bestimmt worden, hat also jetzt mehr denn je Einflust auf die Gesamtführung der Prager deutschen Bühne. Wir ivünschen ihr und dem Jubilar bestes Gelingen de» weiteren Werks in dieser auch für das Theater harten Zeit, die noch engere Zusammenarbeit aller Gutgesinnten sordert. Hassen wir. dast Max Liebl nunmehr noch zwei Jahrzehnte erfolgreich an diesem Theater bei dessen Fortbestand in vollem Uinsang und durch wertvolle» Inhalt zu wirken vergönnt sei. „Dir Orchidee» von Schlaft Silver-Gate" sind uns erst vor ein paar Monaten durch die English Planer» bei deren erstem Gastspiel überreicht worden. Ohne Erfolg. Inzwischen ist da» Stück in der deutschen Fassung im Theater in der Josesstadt durchgefallen. Tie Josesstädter haben erst vor wenigen Wochen hier gastiert. Trotz alledem liest man sie nun wiederum kommen, nüt eben diesen muffigen Orchideen einer im iicberslnst erstickenden, durch Nichtstun pervertierten Gesellschaft. Da» Theater war sehr gut besucht. Dcnnockt glauben wir nicht, dast da auch nur finanziell ei» Gewinn vorliege, denn das getauschte Vertrauen vieler Hunderter kann dem Besuch zu anderer Gelegenheit unmöglich förderlich sein, klebrigen? machte sich die alkgenieine Entrüstung l über diesen Schmarren während des letzten Bildes — vor dem ein Teil des Publikums mit Recht die Angelegenheit fiir bereits erledigt betrachtet hatte— in deutlichen Geräuschen Luft. Einigennasten versöhnend tvirkte das hohe Niveau der Darstellung, insbesondere Herr E d t h o f e r.— Darf man hoffen, dast daS Prager deutsche Theater nunmehr von der englischen Krankheit geheilt ist? l. g. Dir Besucher der Arbritrrvorstrllungrn werden ans die am Sonntag, den 22. März um 3 Uhr nachmittag» im Neuen Deutschen Theater stattfindende.„!lt i g o l e t t o"-Auffiihrung aufmerksam gemacht. Für diese von der Theater-Direktion veranstaltete Vorstellung sind auch Karten zu ü und 12 KC bei Optiker Deutsch Palais„Koruna" zu haben.' Heute, 7.30 Uhr, neuinszruiert„Julius Cäsar" mit Ernst Deuisch a. G.— SVjährigeS Bühnenjubiläum Max Liebl. Wochenspielpkan de» Neuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr:„Julius Cäsar", Gastspiel Ernst Deutsch, JnbiläumSvorstellung Max Liebl, D 1.— Samstag, 7 llhr:„Tannhäu- s er", Zyklus II, C 2. Wochenspielplan der Kleinen Bühn«. Freilag, abends 8 llhr:„G a st e i n". KultnrverbandS- sreunde und freier Verkauf.— SamStag, 8 Uhr: „Gastei n". Direktor Herr Dr. Ziegler, ist Ritiergnies und nicht Bezieher eines fürstlichen Diensteinkommens, PensionS- zn regeln, da er die Altersgrenze herrliche Pension, eine P i c r t c l m i lIi o n KC selbstverständlich ncuo, da die von der Bank getragen werden n aber sollen, ihrer Ar- Paar Ohrringe mit 25 Brillanten im Werte von 90.000 KC anvertrante, für die er einen Käufer suchen sollte. Aber cS fand sich kein Prager Juwelier, der in den schlechten Zelten ein so kostbare» und schwer verkäufliche» Stück auf Lager genommen hätte. So war Herr Marmor notgedrungen ehrlich und brachte die unverkäufliche Kostbarkeft der Eigentümerin zurück, forderte sie aber aus, ihm einige billigere Juwelen anzuvertrauen. Frau Lau- riuS hatte eine andere Absicht. Tie beaustragfe ihn, die 28 Steine zu Ringen zu verarbeiten und diese dann einzeln abzuseyen. Marmor tat. wie ihm geheißen und trug Brillanten im schätzungsweisen Werte von 18.000 KC auf Nimmerwiedersehen davon. Der driitc ist ziemlich banna 8/ verctnsnadirlditcn Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 25. März, 7 Uhr 30 Min. Treffpunkt Masarykbahnhof. Fahrt nach JeneC. Fiirer: Zechner. ! Berkehrstragödie am Weihnachtstag j Ein Srchzigjährigrr vom Aut« getötet Prag, 22. März. Unter den stereotypen Füllen, die täglich vor dem sog.„A u t o s e n a t" zur Verhandlung kommen, ist dieser heute verhandelte, durch einige besondere Umstände erwähnenswert. Am W e i h n a ch t s t a g de» Vorjahres fuhr der Kohlenhändler Josef V a n k a aus Sm i ch o v durch die Pilsner Straße. A» der bekannt gefährlichen und un- übersichtlichen Kreuzung mit der K a r t o u sj s k n, I wo äußerste Behutsamkeit am Platze ist, wie auch dem Angeklagten bekannt war, mäßigte dieser gleichwohl die hohe Geschwindigkeit seine» Wagens n i ch t, sondern raste über die gefährliche Straßenkreuzung. Die Fahrbahn überschritt zum Unglück gerade der 60jährige Alexander Kobe r. der voni Wagen de» Angeklagten ersaßt und getötet tvurde. Kober war schlecht zu Inste und belvegte. sich nur mit großer Mühe, denn er war kurz vorher schon einmal daSOpfer ei nesAuto Unfalles geworden, der ztvar ziemlich schtver, aber doch nicht tödlich verlief und an dessen Folgen.Kober noch laborierte. Nun hat ihn der Motor, dem er vorher mit knapper Not entronnen tvar, doch in» Grab befördert — just 31111t Weihnacht»tag! Der leichtsinnige Wagcnlenker wurde der fahrlässigen Tötung sch n l d i g erkannt und zu vier Monaten st r e ng e n Arrests unbedingt verurteilt. rb. Gerichtssual Teuer bezahlte„Liebe" Ein Juwelier erleichtert die Schiunckkassetten seiner reichen Freundinnen Prag, 22. Marz. Der 30jährige Juwelier Johann Marmor, der erst im Jahre 1031 ans P o l k o v c e in der Slowakei nach Prag gezogen ist, hat sich auf eine üiißerst einträgliche, tvenn auch nicht ungefährliche Art de» Gescbäftemachcns svezialisiert. Er war Stammgast in getvissen Kaffeehäusern, wo zwar nicht mehr ganz junge, dafür aber reiche Dame» von fenrigem Temperament Freunde zu suchen pflegen. Herr Marmor verstand sich auf dieses Metier und seine Erfolge waren beträchtlich. Freilich handelte e» iich ihm tvenigcr um LiebcScrfolge, al» um einen sehr materiellen Zweck, nämlich die Plünderung der Schmuckkassetien seiner„Freundinnen", die durchtvcgs den vermögenden Kreisen angehörten. Bekannt geworden sind folgende Fälle, wegeit derer beute Herr Marmor vor dem Strafsenat M a r e- C e f Platz nehmen mußte, angcklagt des Verbrechens des Betruges, sowie der Vernntrcuung. Ta ist zunächst Frau Bertha Z ä v i 5 e k, die ihm innige Liebe widmete und ihn häusfg in seiner Wobnnng besuchte, wozu die Fran Marmor ohne weitere» ihre wohlwollende Genehmigung erteilte. Frau Zävisck übergab ihm als Fachmann zunächst einen B r i l l a n t r i u g im Werte von 8000 KC zum Reinigen der Fassung. Tie Arbeit sollte in acht Tagen beendet sein, doch lvartel die Dame noch heute, nach ztvei Jahren, vergeblich auf ihren lliing. Offenbar hatte aber Marmor triftige und überzeugende Argumente zu ihrer Beschwichtigung; jedenfalls vertraute sie ihm noch andere Kostbarkeiten an. Ter Endeffekt war der gleiche. Anders war cs bei Frau Ernestine L a u r i n», die in Geldverlegenheit tvar und ihrem Freund ein Aus der Partei f Jahresversammlung der Deutschen sozialdemo- kratischr» BezirkSorganIsatloit Prag. Die JahreS- versannnlnng der Bezirksorganisation findet Freitag, den 13. April statt und es werden die Organisationen gebeten, sich diesen Tag freizuhalten. Dienstag, den 10. April, findet eine Sitzung der BezirkSver- tretnng statt. Oer Fhm Der Flüchtling ans Ch.eago Der Textschreiber dieses Films hcistt Curt I. Braun, aber um der historischen Wahrheit willen muß festgestellt werden, daß dieser Herr Brann schon zu jener Zeit Schundfllmtcxte schrieb, als sein Name noch nicht so symbolisch Ivar wie heute. Die braun« „llievolution" hat diesen Mann unverändert übernommen. Er ist ein plumper Mixer abgcschricbenec Kapitel aus Kriminal-, Liebes- und Sportkolpor- tagen geblieben. Die einzige neue Erfindung, zu der er sich dem Protektor Goebbels gegenüber verpflichtet fühlte, war die Lichtgestalt eines WirtschaflSfüh- rerS, der seinen Arbeitern auf die Schulter klopft, mit seinem kaufmännisch- technischen Genie die Ab« satzkrise in: Handumdrehen überwindet und eigen-- sinnig auf den Profit verzichtet, wobei es Herrn Braun allerdings passiert ist, daß er feinen Helden den Profit nicht in die Hände der Arbeiter, sonder», weil er mm einmal an gewerbsmäßigen kriminalistischen Phantasien krankt, in die Taschen eines Wüstlings und eines Erpressers leiten läßt. So daß Herr Braun die Smnbolik feines Namens also doch noch gerechtfertigt hat. Der Regisseur I o h a u n e L M e y e r hat eine stattliche Reihe bewährter Schauspieler zur Verfügung gehabt, aber er hat mit ihnen nichts als seine. Hilflosigkeit beweisen können. Ans der reißerischen Handlung des braunen Brann hat der begabte Herr- Meyer eine einschläfernde Idylle geniacht. Die komischen Talente der Sandrock und des Paul Kemp hat er erdrosselt, die kraftvolle Natürlichkeit der Luise lllrich hat er in eine, unsagbar kitschige Salonrolle gezwängt, und nur Gustav Fröhlich und die noch immer nicht abgetane Lil Tagover finden Gelegenheit für ein paar Augenblicke anständiger Schauspielerei.—eis— VERLANGET UEBERALL I I Urania«Kino, Klimenlsha 4. Ab ffreltag: Nur du bist schuld daran Mandn Cllmclhcr, Georg Alexander. Ski-Urlaub in-en slowakischen Bergen (Schluß.) Am nächsten Tag hatten wir alle Hausarrest, Sturm und Nebel waren so arg gelvorden, dast die Hütte zugespcrrt und niemand hinausgclassc» wurde. Nun entwickelte sich in der Wirifftibe der reinste Hiit- tcnzauber. Die Schlafräume waren eisig kalt, so daß man dicht gedrängt den ganzen Tag in dem kleinen Gastraiim verbringen mußte. An meinem Tische saßen ein paar junge Burschen, die sich zur Feier des Tages rasierten, zwei andere rannten Ivie wilde Löwen kreuz und quer durch das Zimnier, um wenigsten» so„Bewegung zu machen", wieder andere machten sich aus Stühlen ein Sofa zurecht und schliefen „ans Vorrat", die spärlichen Zeitschriften und Zeitungen, die nur eine Woche alt wäre», waren natürlich dauernd vergriffen, ein älterer Mann nähte nut todernstem Gesicht einen Knopf an seiner Hose an, ivozu er beiläufig eine Stunde brauchte-.. und so fand schließlich jeder eine sinnreiche Beschäftigung. — Dabei war man noch froh, daß man geborgen unter Dach und Fach saß, denn schauerlich hörte sich das Toben de» Sturincs an, der selbst da» feste HauS umzureißen drohte.— Gegen sechs llhr hieß es plötzlich: Man kann ein bißchen hinaus, der Sturni hat sich gclcgil Wer in einer Viertelstunde waren wir alle wieder in der warmen Stube vcrsannnclt und ich hatte noch dazu einen gehörigen Schreck bekommenI Lufthungrig war ich als erste hinauSgestiirzt und fuhr mit den Bretteln einen kleinen Abhang knapp neben dem Hanse hinnntcr. Und schon hatte ich die Orientierung verloren, stand hilflos in dein faustdicken Siedel da und konnte im wahrsten Sinn des Wortes nicht meine eigene Hand vor den Augen sehen. Ich zog meine Signalpfeife, da läutete auch schon die Sturmglocke ein paar Schritte neben mir und alle Ausreißer tappten sich dem Klang der Glocke nach schleunigst in die rettende Hütte zurück. Wir hatten genug von dem Ausflug und der Wirt brauchte gar nicht mehr die Türe zu versperren.— Abends ging es meist lustig und gemütlich zu, der Hüiienwirt setzte sich mit seiner Ziehharmonika zu uns und nun wurde drauf loSgesungen, bis die Stimmung iunncr gehobener wurde, eine Lachsalve der andern folgte, bis schließlich das spärliche Licht gelöscht wurde und alles unter die Decken kriechen mußie. Viel zu schnell kam der Tag, an, dem ich Abschied nehmen mußte von dem guten Berge Tumbier, dem ich so viel Stunden in strahlender Tonne, unge- bundcncr Freiheit und tiefsten Genuß der wundervollen Bergwelt verdankte. Die Abfahrt wählten wir in das Dörfchen Svaih Jan, um noch ein anderes Stückchen der slowakischen Landschaft kenneir zu lernen.— Mit großer Freude merkte ich, uni wieviel sicherer ich jetzt bei der Abfahrt nach zehntägigem fleißigem lieben meine Schwünge und Stemmbögen auf deni Steilhang machte, aber die Herrlichkeit war bald vorbei, noch eine Stunde sanft bergab ans einem gnt gespurten Waldwege und dann hieß cS gute zwei Stunden„ölapati", wie der Tscheche sagt, d. h. sich auf Skiern in der Ebene möglichst rasch fortbcwegen. Das Tal, durch das wir nun kamen, blieb an wild- romantischer Schönheit keineswegs hinter den so be- rühnitcn Alpeniälern zurück. Auf einmal öffnete sich die enge Schlucht und ich blieb wie verzaubert stehen: vor uns in der Ebene lag da» malerische Dörfchen Svaih Jan, dessen bunte, verhutzelte Häuschen sich um eine uralte, hochgelegene Kirche gruppierten und einige hundert Meter dahinter ragten in den tiefblau leuchtenden Hinnncl die schneebedeckten Gipfel der Hohen Tatra. Inzwischen uieldeten sich aber auch, trotz aller Begeisterung und Freude, die profaneren Bedürfnisse und mein Magen knurrie laut und bedrohlich. Ich trat in das erste beste Gasthaus rin und da bot sich mir ein seltsames Bild: inmitten einer riesigen kahlen Gaststube säst ein altes Mütterlein und schlief, sonst meldete sich keine Menschenscele. Ich rüttelte sie sanft wach und erkundigte mich, ob sie etwas für uns zu essen hätte. Nach langen Beratungen brachte sie mir frische Eier, stellte Butter auf den eisernen Ofen und forderte mich auf, die Eierspeise selbst zu kochen, denn, meine sie, es sei doch unmöglich, daß sie, die einfache Bauersfrau, mein Mittagmahl zubcreiie. Nachdem sie Vertrauen zu uns gefaßt hatte, zeigte sie uns alle ihre Schätze, die rein gefegten Stuben, da» schöne Leinen in den Betten, Photographien ihrer Kinder und Enkel nsw. Als ich ihr dann einen Wunsch noch ins Ohr flüsterte, geriet sie in große Aufregung und kramte endlich aus einem Kasten einen Riescnschlüffcl an einer noch riesigeren Holzspnle hervor, befahl dem jungen Burschen, den sie zur Aushilfe bei der Hand hatte, mich dorthin zu geleiten. Das tat er auch feierlich, öffnete weit die Tür und sagte„Ak se Pakt", das heißt nämlich «bitte sehr" oder«wie es beliebt" und wird ununterbrochen von den Slowaken jedem Nichieinhei« mischen und besonders dem Gast gegenüber gebraucht. Ich meinte, daß ich den Schlüssel sicher zurückbringen werde, als sich der Bursche ehrfürchtig vor der bewußten Türe aufpflanztr, aber er war nicht zum Weggehen zu bewegen, da„es doch nicht möglich sei, daß ich eigenhändig wieder znspcrre", felbstverständ- lich müsse er das dem Gast abnchmcn. Als dann der alte Wirt vom Markt ziirückkehrte und uns begrüßte, verneigte er sich mit gekreuzten Händen so tief vor mir, daß ich ganz verlegen wurde.— Später jedoch kani ich darauf, dast das nichts anderes als die landesüblichen Sitten und Gebräuche waren, die wohl teils noch aus dem Ungarischen übernommen worden sind. Schliestlich mußten wir uns auch von diesen biederen, braven Leuten verabschieden und nun trabten wir zur Bahn, fuhren noch nach Strbskö Pleso, um auch in die Hohe Tatra einen Abstecher zu machen und dann gesättigt und erfüllt von all den: Schönen nach Prag zurückzukchren. Die Slowakei, ihre Menschen und ihre Landschaft haben meine Erwartungen weit überft-offen. Obwohl ich seit Jahren für ein paar Tage im Winter und Sonnner die Alpen besuchte und immer wieder von ihnen bezaubert war, fand ich doch in der Slowakei vieles, was einem in den österreichischen Alpen nicht mehr geboten wird. Dort leben die Menschen seit Jahrzehnten von der Fremdeniudustrie und cS wäre bei deren Umfang gar nicht möglich, sich so herzlich mit jedem einzelnen abzugcben, wie wir eS bei den stowakischcn Bauern erlebten. ES wird aber auch vielen heute nicht mehr angenehm sein, in das fafcistisch gewordene Oesterreich zn fahren, wenn auch sicher unzählige Menschen, die sich bisher zur Sozialdemokratie bekannten, weiter ihrer Gesimning teru geblieben sind und nun zu all dem Jammer, der über sie gekommen ist, auch«och ihr Brot verlieren, wenn die Fremden seltener in ihr Land kommen. Dann wäre noch zu betonen, daß die Slowakei(nicht die Hohe Tafta) vcrhältnis- mäßig billig ist und man mit sehr bescheidenen Mitteln dort sein Auslangen finden kann, wobei man sich natürlich genau orientieren muß, was man auf der Bahn,-in den Hütten nsw. fiir ErinKßigungcn genießen kann. Und schließlich war der Eindruck, den die Bewohner dieses noch immer nicht ganz erschlossenen Landes ans mich machten, ein ganz besonders günstiger und ist cS mir ausgefallen, wie klug und orientiert, feinfiihlig und enlgegcnkonmicnd diese einfache» Menschen sind. Die Slowakei würde sicher verdienen, daß man ihr mehr Beachtung schenkt, tiefer in die Eigenheiten und Schönheiten des Landes eindringt. G. Landsmann. BezuaSbedittgungen: Bet Zustellung ins HauS oder bet Bezug durch die Post monatlich Kd IS.—, vierteljährig Kd 48.—, halbjährig KC- 00.—, ganzjährig KC 102.—.— Jnftraic werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manuskripten erfogt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZetftmaSfrankatnr wurde'von dec Voll- und Telearavhen- direktion mit Erlaß Nr. 13.S00/VH/1030 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- und ZeilungS-A.-G., Prag.