14. Jahrgang Samstag, 31. März 1934 Nr. 76 EtMZBlpnHs 70 Haller (einschließlich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN oer Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME OES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung nag xii., fochova a. teeefon mrr. Administration teeepor sxz«. HERAUSGEIERt SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHE* REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. 10ö neue Verhaftungen Europäische Passion 1934 Statthalter, sondern die Gekreuzigten. tbapp l schon, sie sah erst am Absturz der Kultur in die Niederungen der Barbarei, mas der FasciS- muL bedeutet, was er zuwege bringt. Sie war aber auch geneigt, das deutsche Phänomen als Beispiel ohnegleichen gelte» zu lassen und cs eben darum isoliert zu betrachten. Diese falsche Einschätzung der deutschen Bar- barei als einer Art Naturerscheinung, die das Schicksal auS unerforschlichcn Gründen über die Menschheit verhängt hat, einer Pest und Land, plage, einer Gottcsgcißel, unter der wir uns beu. gen müssen, die einst gehen wird wie sie kam, könnte allzuleicht die revolutionären Kräfte, die cS zu erwecken gilt, bis zur Passivität lähmen. Sie könnte aber auch unsere Blicke ablenken von dem als kulturelle Verfallserscheinung sicher weit harmloseren, aber als Unmenschlichkeit um nichts besseren italienischen Fascismus. Gerade der Ka- tholizisnmS trägt selbstverständlich das seine da- zu bei, den deutschen FaseiSmus als Ausgeburt der Hölle und als den leibhaftigen Antichrist zn verschreien, um.desto inbrünstiger das Lob des italienischen FasciSmuS und seines österreichischen Ablegers, singen zu können. Von den Leiden der italienischen Arbeiter'hak die Welt, die'sich über verhaftet. frühere Grub schwerer Krankheit auS dem Spital Anerkennung für Dr.BeneS Paris, 30. März.„P nriS S o i r" veröffentlicht eine Unterredung seines Chefredakteurs Gabriel Perreux mit dem Ministerpräsidenten auch um die KleinesEntetne. Perreux sagte u.a.: auch nm die Kleinen Entente. Perreux sagte: In Krankreich sind wir der Ansicht, daß Minister Dr. Benes in seinem letzten Expose einen wahrhaften Beweis versöhnlichen Geistes, namentlich gegenüber den letzten Unterredungen in Nom, gegeben hat. Sind Sie nicht der gleichen Ansicht? Mussolini antwortete darauf: Ja, man muß anerkennen, daß Minister Dr. Benes ein Staatsmann mit langjähriger Erfahrung, sehr gemäßigt war und seine Erklärung in Italien den b c st e n Eindruck hervorge- r u{cn hat. Die mutmaßlichen Prince-Mörder leugnen Paris, 30. März. Die drei, Hestern wegen Beteiligung an der Ermordung des.Obergerichtsrates P r i n c e verhafteten Personen leugnen noch iinmer. Die Polizei prüft nichtsdestoweniger ihre Alibi-Angaben und will sie heute nach Dijon überführen... Auch in Italien wird unterirdisch gearbeitet I Mailand, 30. März. Am 17. März war bei der Grenzkontrolle in Ponte Tresa rin aus der Schweiz nach Italien fahrender, mit zwei Personen besetzter Personenkraftwagen von italienischen Grenzpolizeibeamten untersucht worden, tvobei antifascistisches Propagan da- material in großen Mengen aufgefundeu wurde. Das Material sollte vor den Kammerwah» len in Italien verteilt werden. Der eine der Insassen, namens S e g r a, der in Turin geboren ist, tvurde verhaftet, während es dem anderen, dem Sohne des Turiner Universität.prosessors, Levi, gelang, über die Grenze auf schweizerisches Gebiet zu entkommen. Auf Grund der Aussagen des Verhafteten haben die italienischen Behörden nun weiteres Material zutage gefördert, daß zur Verhaftung von 10 weiteren Personen führte, die eine antifascistische Gruppe in Italien bildeten und mit den Führern der in Paris bestehenden antifascistischen Organisationen in Verbindung standen. Wien» 30. März. lEigenbericht.) Die Mission deS Delegierten deö amerikanischen Hilfskomitees für Mitteleuropa, Gheel van G i l d e m c e st c r, zugunsten der politischen Häftlinge, hat nur einen geringen Erfolg gehabt. In den letzten Tagen wurden 250 Schutzbündler und Parteiangehörige entlassen, darunter der sozialdemokratische Rechtsanwalt Dr. Eisler und die Frau des Nationalratcs Glöckel. Dringrgeniiber sind aber wieder weitere Verhaftungen vorgenommen worden. So wurden Personen Wien der F o s e f erst; nach entlassen worden war. An eine Amnestie anläßlich der Ostcrfeicrtage wird in RegierungSkreiscn nicht gedacht. Blutige Zusammenstöße I in Spanien Paris, 30. März. Der„Matin" meldet aus Spanien, daß es gestern in einigen Städten zu blutigen Zusammen st äßen gekommen ist. In Saragossa und M a- l a g a, wo der Generalstreik proklamiert ist, kam eS zu kleineren Kämpfen zwischen Streitenden und Polizei. In Malaga wurde eine Reihe von Personen verwundet und ein Gardist getötet. In der Provinz Zamora explodierte in einer Kirche eine Bombe, die großen Schaden anrichtcte. In Logroüo wurde die Pfandleihanstalt geplündert. AuS Barcelona wird eine Wiederbelebung der katalanischen Separatistenbewegnng gemeldet. allein in Floridsdorf 108 Ferner wurde gestern in Bürgermeister von Linz, e r, verhaftet, der eben Die Kirche, in Italien dem Fascismus durch Recht und Vertrag verbunden, in Deutschland in Opposition gegen seine ncuheidnischcn Tendenzen, in Oesterreich die geistige Amme und nun die Handlangerin der Henker, begeht das Fest der Passion Jesu, sic wird den Gläubigen in den Osterpredigten leider nicht sagen, daß diese Passion seit 2000 Jahren immer wieder aufs neue erlitten wird, nicht von einem Mann, sondern von Millionen, und sie wird nicht die Henker zur Buße aujrusen, nicht die Hahepric- I Ostern 1933 schaudernd erlebt, daß der Fascis- mus in den Ländern der Zivilisierten nm nichts milder und harmloser ist als in denen der Analphabeten. Man hat in Dcntschland bewiesen, daß der Lack der Kultur in der Gluthitze des Bürgerkrieges, unter dem Atem des barbarischen Klassenhasses abschmilzt und daß unter ihm das gleiche Holz sichtbar wird, aus dem Horthyö Galgen und Mussolinis Marterpfähle gemacht sind. Die Welt war furchtbar erschüttert von dem deutschen Grauen als jemals von dem italieni- HitlerS Judenverfolgungen entrüstet, nur keine Notiz genommen. Sie waren und sind darum nicht kleiner. Morde ohne Zahl— als Malte- otti noch lebte, waren cs 8000 namentlich bekannt gewordene Fälle au-5 21 Provinzen, die er dem Parlament unterbreitete— Gewalt- taten, die berüchtigten Rizinusluren. Folterungen wie AuSreißcn der Nägel, Verbrennen der Augenlider, Prügel, Verbannung, willkürliche Einkerkerungen und Bluturteile, all das hatte Italien und hat es noch. Weil es dort nur gegen die Proleten ging und weil diese Proleten nicht so sehr in großen Städten wohnten, wo die Blutarbeit den Fremdenverkehr hemmt, sondern als Hintersassen der reichen Grundycrrcn auf den Dörfern(wie das ostelbische Proletariat, dessen Leiden heute wohl auch unermeßlich, uns aber' unbekannt sind) hat die Welt sich nicht lange und nicht heftig ausgeregt. In Deutschland ging es. aus besonderen geschichtlichen Gründen, auch gegen einen Teil der Bourgeoisie. Der deutsche FasciSmuS ist antisemitisch und konsequenterweise dann» auch antichristlich. Dao brachte das Weltfreimanrertum, brachte zugleich mit diesem seinen Erzfeind, die katholische Kirche gegen die deutsche Reaktion in Harnisch. Darum wurde um sie mehr Lärm geschlagen als nm die Passion der italienischen Arbeiter. Nun wurde ein neues Kreuz ans dem Golgatha der europäischen Nationen ausgerichtet. Tie österreichischen Arbeiter sind dem Fascismus im offenen Bürgerkrieg unterlegen. Er rächt siäi durch Standgerichte, Polizcischikanen aller Art. durch willkürliche Morde an Wehrlosen, durcti Folterungen in den Gesiingnissen und Totschlag auf der Flucht, die er den deutschen Brüdern abgesehen hat. Die Sympathie der Arbeiter für das österreichische Proletariat, dessen Elite so heldenmütig für die gemeinsame Idee gekämpft hat, läßt uns alle heute vor allein mit den Arbeitern Oesterreichs fühlen und leiden. Die grenzenlose Verachtung, die mau für die Lehrbuben der grö- ßeren Henker empfindet, der Abscheu vor einer Kultur, die zu primitiv ist, um zum Bluthandwerk eine passende Melodie zn finden, und es teils mit kirchlichen Tprücheln, teils mit Börsenkommentaren begleitet, dies alles läßt uns keinen Schmerz heißer empfinden als den um Oesterreich. Aber vergessen wir darum uiwt Deutschland und Italien! Vergessen wir nicht, wo die Hauptmacht des Fascismus sitzt und von wo das Verderben wie eine verheerende Seuche um sich greift! Und einen anderen Irrtum gibt es, seit Oesterreich dem Fascismus verfiel: der österreichische Fascismus, so solgern manche auch aus der Linken und im Schrifttum der Emigration, das sei gar kein richtiger Fascismus, das sei doch eine harmlose kleine Konterrevolution, mit der sich paktieren' ließe. Ohne Zweifel gibt es zwischen der österreichischen und der deutschen Barbareien hundert Nuancen. Manche sind so gcringsügig wie hie zwischen Hängen und.Köpfen, zwischen Nilpserdpeitsche und Gewehrkolben. Andere mögen deutlicher schattiert und nbgestust hervortrctcn. Der österreichische Fascismus Hal vorläufig nicht die Massenbasis des deutschen. Er hatte die Opposition in den eigenen Reihen noch nicht liquidiert, als er zur Macht kam. Er hatte eine Arbeiterklasse gegenüber, die einig war, er bat eine an Zahl viel größere Schichte der Bevölkerung gegen sich', er muß mit Geg- ncrn rechnen, die sich nicht nnterlvcrjen, die gekämpft haben. Das hemmt ihn,, das macht ihn schwächer als den deutschen. Er wird wie noch jede Tyrannei in Oesterreich gemildert— aber in manchem Punkt tvohl auch verschärft— sein durch Schlamperei. Jin Wesen ist er die gleiche Erscheinung. Tein ll r s p r u n g, sei n ster und denen sie nicht müde wird zu erzählen, daß nur Ungehorsam und Genußsucht ihr Leiden vcr- schulden. Sic selbst spielt die Rolle des PontiuL Pilatus, der seine Hände in Unschuld wäscht, i während mit seiner Duldung Märtyrer fallen, und sic merkt so wenig wie der Landpslcgcr von Judäa, daß es Blut ist, worin sic ihre Hände wäscht. Uns ziemt cs, umso lauter die Passion der europäischen Völker zu verkünden. Als daö italienische Proletariat ans Kreuz geschlagen wurde, als Zehntausende seiner Vertrauensleute unter den Schüssen der fascistischen Banden sielen, hun- dcrttauscnde Arbeiter nach Frankreich emigrieren mußten, die italienische Arbeiterbewegung mit Mord und Raub und Brand auSgctilgt wurde aus der Geschichte des neuen Italien, da hofften wir auf die Auferstehung und wußten nicht, daß wir den Passionsweg zu Ende gehen müßten. Ein Jahrzehnt lang tröstete-man sich im zivilisierten Europa damit, daß Deutschland nicht Italien, Oesterreich nicht Ungarn, daß der FasciSmus die Hcrrschaftsform der anälphabeti- Ischen Länder sei. Nun, wir haben es seit den Seite 2 Samstag, 31. Marz 1934 *r. 7« Sie Oesterrekh und wir Bon Friedrich Ztampser. bei dec Partei, bei de» Sozialdemokraten ES sür stir wir- er entschieden. Europa ist bedroht, Europa wird kämpfen, wird siege» oder untergehen.(Segen die europäische Passion, gegen das Leid von Golgatha, auf dem weithin sichtbar die drei Kreuze ragen, an denen die Arbeiterklassen Deutschlands Italiens und, Oesterreichs bluten, Hilst ober nicht die Litanei einer vielsprachigen europäischen Anklage. Dagegen hilft nur der Kampf, die Erhebung. Die Auferstehung nach der Passion Europas: das kann nur sein die europäische Revolution! Z i el, s e i n I n h a l t: Die A n g st der Bourgeoisievorder Revolution, diedauernde Slji ecktungderArbei- t-er, die Festigung deS KapitaliS- musindenFormen der rohesten, kulturlosen und a n t i m e n i ch l i ch e n Ausbeutung, sind die gleichen wie diedeSdeutschenuirddekitalieni- s ch e n FasriSmuS. Im Kampf gegen den FaseiSmuS treten heute die einzelne» Länder zurück. Nicht regional einig in der lleberzeugung von der HofsnungS- lojigleit der Situation und der Nutzlosigkeit blutiger Opfer. Sagenhafte Angebote, die die Kommunisten im letzten Augenblick der Sozialdemokratischen Partei gemacht habe» wollen, können daran nichts ändern. Wenn sie den Kampf tvoll« te», warum habe» sie nicht losgeschlagen? sollten jetzt wenigstens den Mut zur Wahrheit haben imd bekennen, daß sie mindesten- genau so versagt haben wie wir! Worin bestand aber dieses Versagen? bestand darin, daß nicht getan wurde, ivas Deutschland und die Gegenwart falsch, aber die sozialistische Internationale und die Zukunft richtig war. Ein Versuch des beivasfneten Widerstandes Ivar ganz aussichtslos. Dennoch hätte er für die Internationale und für die Zukunft der deutschen Arbeiterklasse den grüßten moralischen Wert gehabt. Er hätte unseren Feinden in der ganzen Welt gezeigt, daß man den Mut haben must, tief i»S Menschenblut hineinzusteigen, wenn man sich an den Rechten des Volkes vergreifen will. Und er hätte den kommenden Geschlechtern verkündet, das; die Freiheit das kostbarste Gut ist, kostbarer als das Leben. Wem» jetzt die Sozialisten aller Lander den österreichischen Kämpfern volle Ruhmeskränze winden, so verstehen wir das sehr gut. Der Zusammenbruch der deutsche» Arbeiierüeweguttg lokalen standen mit Plakaten:«Wählt Sozialdemokraten!",„Wählt Kommunisten l" tvaren Helden! Helden sind die Männer und Frauen, die jetzt in Deutschland für die Sache der Freiheit wirken und, toenn sie gefaßt werden, durch keine Torturen zum Verrat ihrer Genossen zu bewegen sind. Auch an Beweisen soldatischen Mutes haben es sozialdemokratische und kommunistische Arbeiter in Deutschland bei gegebenen Gelegenheiten nicht fehlen lasten. Die Verschiedenheit des Verhaltens auf — i Seiten ist also keinesfalls auf Verschieden heit der moralischen Eigenschaften zurückzusi'chren. So bequem darf man sich die Lösung nicht machen,^;nan wird schon tiefer graben müsse». Und da wird man dänn. glaube ich, äiif die furchtbare ideologische Verwirrung der deutschen Arbeiterklasse stoßen, auf ihre Zerrissenheit, auf ihren Zweifel an dem Wert sreiheitlicher SiaaiSbürgerrechte, der sie gegenüber der fanatischen Horde» des Nationalsozialismus wehrlos machte. Es gilt, die werktätigen Volksmasten der ganzen Welt zu einigen in dem Bewußtsein, dah Sozialismus und Freiheit nicht voneinander zu trennen sind, dah sie nur in ihrer engsten Verbindung eine bessere Zukunft des Menschengeschlechts verbürgen. Dann wird sich allüberall, und gewiß nicht zuletzt in Deutschland ein neues Kämpfergeschlecht erheben, das für die große Sache nicht nur zu stricken, sondern auch zu siegen versteht. allein gestellt, hatte es nicht mehr die Möglich- hatte für sie eine unerträgliche Lage geschaffen, ketten der Bewaffnung und Verpflegung, die man die ruhmvolle Niederlage des i"'." haben muß, um ernste Kampfhandlungen von J 11 Wir reiwsdeulscken Sozialdemokraten im I Exil haben die Tragödie Oesterreichs anders erlebt als die Sozialisten anderer Länder. Bei ihnen erzeugte die Tatsache, daß in Oesterreich gekämpft wurde, ein Gefühl der Erleichterung, ja der Befreiung, das den Schmerz über die Niederlage weit überwog. Dieses Gefühl konnte bei uns nickt auslommen. Wir hatten zuviel damit zu tun, die Erfahrungen der österreichischen Genossen mit den unseren in Vergleich zu stellen, uni aus beiden sür die Zukunft zu lernen. Früher konnten ivir unseren Kritikern aus den anderen Parteien der Internationale sagen: «Ihr wißt ja gar nicht, wie Ahr Euch verhalten würdet, wenn Ihr in die Lage kämt, in der wir uns befanden!" Aber dieses Argument, das noch immer sehr stark ist gegenüber den meisten, die noch leben, versagt vollständig vor dem Angesicht derer, die nicht mehr sprechen können, weil sie sich anders verhalten haben als tvir. Oesterreichs tote Helden haben an uns— freilich nicht nur an uns!— Kritik durch die Tat geübt. Solche Kritik ist nickt zu widerlegen. Wir reichsdeuischen Sozialdemolraien haben uns mit Recht gegen den Bortvurf gewehrt, daß wir nicht mit den Wasfen in der Hand n m den Sieg gekämpft haben. Es hat nach meiner felsenfesten lleberzeugnng in unserer ganzen Parteigeschichte keinen einzigen Tag gegeben, an dem wir mit Aussicht auf einen Sieg den be-1 wajsneten Kampf gegen unsere bürgerlichen Gegner hätten aufnehmen können. Am Jahre l 886 nahm die Arbeiterschaft Sachsens den Raub chrcs LandtagStvahlrechts widerstandslos hin. Für die Feinde des ReichsiagStvahlrechts war das geradezu eine Einladung, im Reich zu wiederholen, lvaS in Sachseir so vortrefflich geglückt war. Es waren nicht militärische, sondern politische Erwägnngen, die verhinderten, daß die Probe auf daö Exempel gemacht tourde. Der Kapp-Putsch? Die Bewegung, die sich gegen ihn richtete, war die Betvegung einer ungeheuren Mehrheit gegen eine winzige Minderheit. Bom Staatsoberhaupt und der Regierung angefangen über die Staatssekretäre bis zum letzten Proletarier stand so gut wie alles gegen ihn. Der Mastenstreik zernialmte ihn binnen lvenigen Tagen. Später ist ost in unseren Kreisen der Gedanke diskutiert tvorden. wie es tvohl gekommen wäre, wenn Kapp die Kraft gehabt hätte, auch nur acht Tage länger auszuhalten. Dann iväre der Generalstreik zusammengebrochen, und für die unbetvaffneten Bolkömasten wären die Lüttwih und Erhardt mit ihren disziplinierten rich- schlverbelvafsneien Truppen sehr gefährliche Gegner geworden. Auch das später gegründete Reichsbanner hatte nur solange militärische Bedeutung, als Aussicht bestand, eS gemeinsam mit der regulären Waffenmacht einsetzen zu können. An dem Augenblick, in dem klar tourde, daß diese Macht im Ernstfall nicht mit dem Reichsbanner, sondern gegen eß stehen würde, war auch die militärische Bedeutung deS Reichsbanners dahin. Auf sich haben muß, nm ernste Kampfhandlungen einiger Dauer durchführen zu können. Der Staatsstreich vom 20. Auli 1032 HP leie"st gegen eine Negierung, die bei den Wahlen schwer geschlagen Ivar und deren Entfernung aus dem Amt von einer großen Parlamentsmehrheit — den Kommunisten, Deutschnationalen und Na- u u UW g U»,.« tionalsozialisten— gefordert worden war. Die außerdem maßlos ungerecht, den deutschen Polizei war unter militärischen Oberbefehl ge- Arbeitern den Mut abzusprechen, den ein Teil der stellt; jeder Schutzpolizist, der die Hand für die österreichischen bewiesen hat. Die jungen Men- gestürzte preußische Regierung erhob, mußte er- schen, die am ö. März 1033 inmitten des heulenwarte», als Meuterer nach Kriegorccht behandelt! den braunen Terrors bor hunderttausend Wahl- j zu werden. Die preußische Regierung selbst war durchaus gewillt, die Konsequenz aus ihrer Wahlniederlage zu ziehen, ihr einziger Wunsch war, die Geschäfte einer verfassungsgemäß zu stande gekommenen neuen Regierung übergeben zu können. Mastenstreik und bewaffneter Auf stand, etwa um diese Regierung im Amt zu halten— ein unmöglicher Gedanke! Von da ab hat sich aber das Kräfteverhältnis noch weiter zu unseren Ungunsten verschoben. An einen Kampf nm den Sieg war in keinem Augenblick zu denken. Das einzige, was möglich war, das hxjden Ivar, militärisch ausgedrückt, der Unter gang in Ehren. Wer diesen Untergang in Ehren will, muß s e l b st bereit sein, in Ehre» unterzugehen. Wäre diese Bereitschaft vorhanden gewesen bei den Füh rern oder bei den Geführten, beim Reichsbanner oder. WH oder bei den Kommunisten, so hätte eS irgendwo und in irgendeinem Umfang zu Kampfhand lungen kommen müssen. Eine kleine kampf- entschlostene Minderheit hätte genügt, die Ehre zu retten— wie es ja auch in Oesterreich nur ' eine Minderheit war, die der Partei und der Arbeiterklasse durch ihr unerschrockenes Handeln , geschichtlichen Ruhm sür alle Zeiten erworben hat. Daß eine solche Minderheit bei uns nicht > vorhanden war, müssen wir bekennen. Sozial- ! demokratenund Kommuni st en, die noch nie einig gewesen waren— jetzt waren sie ! des österreichischen j Schutzbundes hat sie von diesem Albdruck befreit. Warum fand sich im kritischen Augenblick in Oesterreich eine kampfentschlostene Minderheit, warum fand sie sich in Deutschland nicht? Das scheint mir die Kernfrage zu sein, die der kritische» Untersuchung bedarf. Es wäre" nicht nur unmarxistisch, cs wäre geradezu kindisch und Englischer Kommunist in Japan verhauet Tokio, 80. März. Die japanische Polizei hal den britischen Staatsangehörigen DIckson unter der Anschuldigung der kommunistischen Propaganda in Haft genommen. Die britische Botschaft hat darauf beim Außenminister Hirota Vorstellungen erhoben und seine Freilaflung verlangt. Ein Oslergruß der Angestellten Die organisierten Angestellten rufen zur Tat: Ein Argemvartsprogramm für Arbeitsbeschaffung. Einen Ostergruß besonderer Art bringt der Allgemeine Angestellten Verband Reichenberg der gesamten Angestelltenschaft, aber auch der ganzen Oeffentlichkeit: ein Gegenwartsprogramm mit Vorschlägen für Arbeitsbeschaffung und planmäßige Organisierung der vorhandenen Arbeit. Die Schaffung eines Aktionsprogrammes kann als eine Tat gewürdigt werden. Nicht theoretische Darlegungen, Feststellungen und Anklagen bilden seinen Inhalt, sondern durchwegs praktische, unmittelbar zu verwirklichenb.c Maßnahmen, deren Durchführung mit Recht als Weg aus der Krise zu bezeichnen ist. Ausgehend von den Ursachen der Krise, die im wesentlichen in der Tatsache erblickt werden, daß die Entwicklung des Verbrauches nicht gleichen Schritt gehalten hat mit der sich in rascher Weise vollziehenden Entwicklung der Produktivkräfte und der Technik, wird an die Spitze der Forderungen die»ach der Wiedereinglieder nngder Erwerbslosen in die Wirtschaft vor allem durch Arbeitsbeschaffung und planmäßige Organisierung der vorhandenen Arbeit gestellt. wie durch Verkürzung der Arbeitszeit, Hinaussetzung des schulpflichtigen Alters, Umschulung der freigesetzten Arbeitskräfte, Einführung einer gesetzlich geregelten Pflicht-Arbeitsvermittlung, Herabsetzung des Rentenanfallalterö in der Pen- sionsversickeruiig. Weiters verlangt das Programm Arbeitsbeschaffung durch Aenderung der Wirtschafts- und Handelspolitik und zwar Förderung der Ausfuhr durch Verbeffernng der handelspolitischen Beziehungen zu allen Ländern durch Ncuab- schluß von Handelsverträgen, Anbahnung und Ausgestaltung normaler Wirtschaftsbeziehungen zn Sowjetrußland, Ausbau des WirtsckmftSvertehrs der Staaten der Kleinen Entente. Errichtung eines AutzenhandelSinstituteS, Ausgestaltung deS Konsular« und AnformationSdiensteS, Propagierung tschechoslowakischer Waren im Auölande, Ilmstel» lung der Exportorganisation der Industrie, ferner großzügige öffentliche Investitionen des Staates und der Selbstverwaltungskörper mit Beschaffung der Mittel zu niedrigem Zinsfuß, Erleichterungen in der Eskontepolitik der Nationalbank und Maßnahmen zur Auflockerung der Krediünärkte. Es wird aber auch Sicherung der Löhne und Gehälter zur Erhaltung des LebenSstandeö und der Kaufkraft der arbeitenden Menschen und soweit die Erwerbslosen nicht wieder in die Wirtschaft eingegliedert werden können, deren volle Lebensmög- lichkeit durch ein soziales Existenzminimum in der Form ernee ausreichenden ArbeiiSlosen-Untcr- stützung gefordert. Schließlich wird auch die Notwendigkeit der Schaffung eines den gegenwärtigen Verhältnissen angepaßten Angestelltengesehes Bor die gestrige Fortsetzung einzureihen 60 H. M. de Jing: Derscstkungene Hacke Ün Koman in vier Cpiscdwi Airtoriaterle UebarwitaunK aus dem HollSndltehen von R, R. F u c h s. Schnelle Fußtritte auf dem Gang... Stille... Taumelnd lehnte sich Peter Zanzi an den Tischrand, seufzte tief und schloß die Augen. Leben!... . Ins Leben wiederkchren!... War's ein Traum?... Nachdenklich setzte er sich auf die Bank. Sonderbar war es... So vertraut war er mit dem Gedanken gewesen, daß er sterben müffe... Nichts Schreckliches verband sich mit ihm.. Oh, die Ruhe der letzten Stunden, ehe der König gekommen Ivar!... Als ob er schon im Zeitlosen schwebte!... Alles war abgetan, vorbei, vollbracht... Nichts konnte ihm mehr etwas anhaben, ihn kränken oder aufregen... Ein letzter Rückblick auf das schwere, emiüdende, doch herrlich tatenreiche Leben.... und dann die Ruhe, daö ewige Vergessen... Der Tod!... die letzte Tat, das letzte Opfer für die heilige Sache, den großen Gedanken, der dieses stürmische Leben geleitet hatte... Merkwürdiges Glück hatte ihn erfüllt... Und dennoch... Was bedeutete dies alles neben der rasenden Freude, die wie ein Orkan durch seine Seele brauste und ihn zu überwältigen, zu tollen Torheiten zu verführen drohte... Er hob den schweren Tisch vom Boden hoch über sein Haupt und stellte ihn mit donnerndem Krachen wieder auf seine Füße... Er ließ sich vornüber auf den Boden fallen, küßte die schmutzigen Fließe», erhob sich und breitete die Arme aus, als ob er die ganze Welt umarmen wollte... Leben! Gott! Wie herrlich Ivar das Leben!... Niemand sonst, als wer von den Ufern des Todes wiederkehrt, weiß darum... Wie erfrischend die Luft schien in dieser dumpfen Zelle!... Wohlriechend war sie, als blühten Rosen in den düsteren Ecken... DaS Master im Krug... war eS kein bezaubernd süßer Wein aus exotischen Landen?... Da lag das Päckchen Zigaretten, das er nicht hatte annchmen wollen... Mit bebenden Fingern steckte er sich eine an... Die Seligkeit, zu rauchen... Tief sog er den bitteren Rauch in die Lungen, blieS ihn durch Nase und Mund aus und sah zu, wie er sich zu einer flachen, langgestreckten Wolke verbreitete, die im kargen Licht der Deckenlampe träge hin und her wogte... Er lachte laut auf, das Haupt nach rückwärts, den Mund iveit geöffnet, das glückliche Lachen eines sorglosen KindeS... Und war er etwa kein Kind. war er nicht soeben geboren worden... zum zweitenmal geboren... ganz erwachsen mitten auf die blühende FrühlingS- erde gestellt?.. Leben!... Die unbegreifliche Seligkeit: Wiederkehren ins Leben... Hatte er je zzewußt, daß daS Leben, so verführerisch war? Dann durchzuckte ihn wie ein schmerzhafter Stich der Gedanke: Leben... wozu... wofür? Was sollte er mit dem Leben beginnen! Welcher Sache sollte er von morgen ab das Leben weihen? Töten?... Würde er nach diesem taumelerregenden Ueberschwang der irrsinnigen Herrlichkeit deS nackten Lebens noch jemanden töten können, zu töten wagen?... Der Glanz wich von seinem Gesicht... Das Funkeln der schwarzen Augen erstarb. Runzeln durchfurchten die Stirn und ein Zug heftigen Schmerzes verzerrte den lachenden Mund... Wie grausam war dies alles!... Gab es etwas auf Erden, das einem das Recbt gab, ein Leben auszulöschen?... Der jauchzende ftnabe Ivar mü einem Schlag tvieder zum kämpfenden Mann geworden._.. Schwer lastete das neu eroberte Leben mif ihm, voll unlösbarer Rätsel, voll harten Ringens, voll von allem, wodurch es zu einem furchteinflößenden, greulich entstellten Zerrbild wurde... Er biß die Zähne zusammen, zerrieb die Zigarette zwischen den Fingern zu Pulver und murmelte: »Ja... ja... und doch muß es sein." Die eiserne Notwendigkeit hielt ihn wieder kalt in ihren Fängen... Der Kampf mußte gekämpft werden. Die Welt mußte gesäubert werden von allem, was sie wie ein Krebsgeschwür verseuchte... Und kein Opfer war hiefür zu groß oder zn schwer, weder das eigene Leben noch das anderer, die versuchten, das Neue am Wachstum zu hindern... Es mußte fest:... dein göttlichen Leben selbst zuliebe, auf daß cs einst allen Menschen als reines Glück erscheinen möge, als süße Melodie, als Lied reinen Entzückens... Wer wußte, was kommen mußte und kommen würde, durfte sich nicht scheuen, bis ans Aeußerste zu gehen... Doch Peter Zanzi wußte, daß ihm die seligen Erinnerungen, die wie ein Wasserfall in diesen begeisternden Minuten über ihn hinweggebraust waren, niemals mehr entschwinden und ihm daS Hinrichten der verurteilten Widersacher schwerer, undurchführbarer, bitterer machen würden als je zuvor... Doch er wird daS Werk vollbringen, getreu und ohne Beben, nach der inneren lleberzeugung, der er Gehorsam geschworen hatte... Sein Fuß stieß an die abgenommenen Ket ten und er schauderte bei dem klirrenden Geräusch ... Noch lange nicht genug Ketten waren abgeworfen... eS konnten nicht Ruhe und Ordnung einkehrc». solange nicht alle Ketten zerbrochen lagen... Fußtritte am Gang. Schlüssel« gerastes. Knirsche» von Riegeln und Schlössern. Himmlische Musiki... Die Tür öffnete sich. Der Gefangencnwärter und der Unterdirektor standen auf der Schtvelle. Der letztere sagte mit seinem schlveren, näselnden Ton: «Peter Zanzi... wollen Sie mir freundlichst folgen?" Ehrerbietung klang in seiner Stimme und Peter lächelte... Schützling des Königs.... eine geheimnisumwobene Gestalt... Einen Moment dachte er widerwillig: vielleicht halten sie mich für einen Gekauften, der seine Sache verriet und den Judaslohn dafür empfängt... Dann lächelte er tviederum, eben darüber, was diese Sklavenseelen sich denken mochten... sie Ivürden noch von ihm hören! Wie trunken, mit unsicherem Schritt schwankte er hinter dem Unterdirektor durch den Gang. Ber- tvundert blickte der Gefängniswärter, der hinter ihm ging, auf diesen großen, starken Körper, der sich mit den tapsenden Bewegungen eines Kindes fortschob... Grando... und begnadigt.. Weiß Gott: ein Großfürst oder so... ein auf Irrwege geratener Prinz von Geblüt... Oder ein listiger Provokateur?... Es war eine seltsame Zeit... für einen einfältigen Mann, der auf ein ruhiges Leben Wert legte, doch besser daran tat, sich mit solchen Dingen nicht zu vertiefen. Der Direktor empfing ihn höflich. Auch er wußte nicht, was er von all dem denken sollte, uüd Ivählte den sichersten Weg: zuvorkommend und freundlich zu sein... Wer konnte wissen, waS dahinter steckte.? (Fortsetzung folgt, l «r.7» DamSta,, 31. Mörz 1931 4 Stile 9 Die Kompensationsgeschäfte mit Frankreich Prag, 30. März. Zu der gestrigen Pariser Meldung über tschcchoslovakisch-französische wirt- schaftspolitische Verhandlungen in Paris, ist uns aus amtlicher Quelle folgende Erläuterung zuge- gangen: Es handelt sich nicht um die Einräumung irgendeiner Monopolstellung beim Import von Waren aus Frankreich in die Tschechoslowakei u.■jfo. schon deshalb nicht, da-ö nicht angcht, Waren anderer Herkunft zu diskriminieren. Wenn daS Abkommen mit Frankreich, über welches eben verhandelt wird, dieser Tage zur Unterzeichnung gelangt, dann wird es sich hiebei um die Besserung gewisser Kontingente für tschechoslovakische Waren gegen analoge K o in p e n s a t i o n e n handeln. Unvorhergesehene Schwierigkeiten... AuS den Kreisen der tschechoslowakischen Handelsdelegation in Paris wird Freitag spät narhtS mitgrteikt: Tie französisch-tschechoslowakischen WirtschaftSverhnndlungen wurde» unmittelbar vor der llnterzcichnung deS BertrageS «ege» unvorhergesehener Hindernisse unterbrochen. Die Brrhand- lungen werden gleich nach den Ostcrfciertagen, wahrscheinlich am Mittwoch, fortgesetzt werden. als Mittel zur Beseitigung der Eristenzunsichcrhcit der Angestellten betont. Das Programm klingt in die Feststellung aus, das; das oberste Gesetz aller wirtschaftlichen und sozialen Einrichtungen in der Tschechoslowakei sein muh, den arbeitenden Menschen Nahrung, Kleidung und Wohnung sowie den notwendigen Anteil an der Kultur zu gewährleisten und schlicht mit den Worten, daß die vollkonnnene Uebcrwindnng der Wirtschaftskrise und ihrer Folgen in der auf Gctvinn begründeten Privatwirtschaft, deren materielle Bewegungsgesetze die Krise zwangsläufig hervorüringcn müssen, nicht möglich ist, sondern dah eS dazu einer nach den Notwendigkeiten der Bedarfsdeckung in allen lebenswichtigen Gütern geordneten plan- mähig organisierten Wirtschaft bedarf. Die April-Ausgabe der Allgemeinen Ange- stelltcii-Zeitung, die dieses Aktionsprogramm in einer Sonderbcilage veröffentlicht, schlicht daran Geleittvorte des VerbandSobmanneS B e r g- m a n n, des Obmannstellvertreters Kirchho f, und des VcrbandssekrctärS G r ü n z n e r. Weiter nehmen das Wort Abg. M a c o u n(„Ein guter Helfer"), Dr, St rauh(»Die Krise im Gcld- nnd Kreditwesen") und Kügler(»Die technische Enttvicklung und die Verdrängung des Menschen"). Diese Geleitworte sind über den Rahmen bloßer Zustimmungen und Unterstreichungen hinaus Begründungen und Untermauerungen einzelner Teile des Programms und bilden mit diesem zusammen eine wirkungsvolle Zielsetzung, von der ctiK UcberzeugungLkrast von starkem Eindruck aus- strahlt. Dah der Astgemeine Angestellten-Verband Rcichenberg die wirtschaftlichen Augcnblicksforde- rungcn zu einem Gegenwartsprogramm zusam- mengefaht hat und mit diesem nicht nur vor seine Mitglieder, sondern vor alle Angestellten tritt und für seine Durchsetzung wirbt, muh wärmstens begrüßt werden. Ebenso wie die anderen freigewerk- schaftlichcn Organisationen ist der Angcstclltcn- Verband durch die andauernde gewaltige Arbeitslosigkeit sowohl finanziell als auch in seiner Arbeit ganz ungewöhnlich in Anspruch genommen und leistet in jeder Beziehung ganz außergewöhnliches. Dah in all' der aufreibenden, die Grenzen des Möglichen buchstäblich nahezu übersteigenden Tätigkeit, die auch auf sozialpolitischem, arbeitö- nnd sozialrechtlichcm Gebiete und im sonstigen Wirkungskreise der Organisation gerade im Zusammenhänge mit den Krisenwirlungen in allen Richtungen mehr alö außerordentlich zu nennen ist, über die Erfordernisse des Tages hinaus der Blick freigehaltcn wird in die grundsätzliche Seite der AugenblickSaufgaben der Hilfe für tägliche Leiden, kann nur mit Genugtuung anerkannt werden. Zweifellos bedeutet das Gcqenwartsprogramm des Angestellten-Verbandes einen eindrucksvoll e n V o r st o ß, dem weiteren Nachdruck bis zur Verwirklichung der anfgestellten Ziele zu verleihen eine bedeutungsvolle und wichtige Aufgabe des Verbandes und seiner Mitglieder ist. Das Programnr will aber auch alö ein Aufruf aufgefaßt werden: als ein Aufruf zur Mitarbeit, als ein Sammelruf zur Werbung der noch Fernstehenden, als ein Ruf zur einmütigen Willensbildung der Gesamtheit zur Uebcrwindung von Not und Mutlosigkeit. Auch nach dieser Richtung ist dem programmatischen Vorstoß voller Erfolg zu wünschen— nicht nur für die Angestellten selbst, sondern für alle arbeitenden Menschen, die den Weg aus dcr Krise in gleicher Weise suchen. Die sozialdemokratische Partei als stete Vertreterin der Arbeiter- und Angestellten-Jntereffen wird, daS kann wohl gesagt und braucht nicht erst begründet zu werden, ihr möglichstes dazu beitragen, um diesem Programme zum Erfolg zu verhelfen; deckt cs sich doch im wesentlichen auch mit den eigenen Zielsetzungen der Partei und den kürzlichen Beschlüssen unserer parlamentarischen Klubs. . Jede praktische Wegwcisung zur Krisenlösung kann nur begrüßt weichen. Im besonderen gilt das für die Osterbotschaft des Angcstellten-BerbandeS, die— dessen sind wir überzeugt— ihre Wirkung niM verfehlen wird. K. L. Zum 1. Mal 1934 Die Internationale an die Arbeiter aller Linder! In tiefster Trauer, aber in ihrer Ucberzeu« gung und ihrer Siegeszuversicht uncrschüttert, werden die Arbeiter der ganzen Welt diesen Ersten Mai feiern: in machtvollen Kundgebungen dort, wo die Freiheit herrscht— mit znsammcngcbisscuen Zähnen und geballte« Fänsten dort, wo der Fascismus seine Schreckensherrschaft errichtet hat. Voll Schmerz stehen die Arbeiter aller Länder an den Gräbern der proletarischen Freiheitskämpfer von Oesterreich, die für die Freiheit, den Frieden und für die Ehre dcö Weltsozialiüinus ihr Leben hingcgcbcn fyabcit. Sie wissen: die Regierung der christlichen Henker Dollfuß und Feh hat den Bürgerkrieg in Oesterreich gewollt und erzwungen. Die stärkeren Waffen, nicht Recht und Gerechtigkeit haben den Kampf entschieden. Die Sieger, um die Beute streitend, führen Oesterreich, das zur Kolonie des italienischen FasciSmus geworden ist, in dunkle Abenteuer, zu Habsburg oder zu Hitler, und damit Europa in neue Kriegsgefahr. Arbeiter Oesterreichs! Mit Bewunderung hat die Internationale euch in den Fahren seit Kriegsende am Werk gesehen, als ihr als friedliche Baumeister daS Rote Wien crrickuet und zum Vorbild der Wcltsozia- liSmuS gemacht habt. Mit klopfendem Herzen haben die Arbeiter in allen Ländern euren heroischen Frciheitskampf miterlcbt, der euch ein unvergängliches Denkmal in der Seele aller aufrechten Menschen gesetzt hat. In tiefster Ehrfurcht neigen sich am Ersten Mai die Arbeiter aller Länder vor euren Toten, euren Gefangenen, den Witwen und Waisen der Febcrichlacht, an denen nun der AustrofasciSmuS seine Rache übt, und geloben euch u n v c r b r ii ch l i ch e T r c u c u n d S o l! d a- 'fit ii t. Die oniernationale vertraut auch heute, heute erst reckst auf euch: die Helden von Oesterreich bleiben dem Banner des internationalen Sozialismus treu. Ihr ivcrdei gerade jetzt mit verdoppelter Kraft zn eurer Idee stehen, die ihr mit eurem Blut besiegelt habt, so Ivie die Jntcrnativ- nalc an eurer Seite stehe» wird. Wir geloben ench an diesem Gesten Mai: wir werden alles tun, was in unserer Kraft steht, m» enrem Frriheitokampf Hilfe zn bringrn. So wie ihr, so wird dir Internationale den schärfsten, bedingungslose» Kampf gegen die Herrschaft des AnstrofasciSmnS führen, bis zu dem Tage, da die roten Fahnen wieder siegreich vom Wiener Rathaus wehen werden. Arbeiter aller Linder! Tic Krise, in der sich die kapitalistische Wirtschaft seit fast fünf Jahren windet, ist ungebrochen. Der FasciSmus löst sie nicht, sondern verschärft sie nur. I Der deutsche Fascismus, der die sozialistischen Kämpfer in die Zuchthäuser und Konzentrationslager wirft, der in seincni neuen Arbcitögcsetz die Arbeiter vollends versklavt uird der Willkür der Unternehmer ausgeliefcrt hat, Verschlvcndet das Voltsvermogcn in fieberhaften Rüstungen. Der Italienische Fascismus Fascismus in die Arme geworfen haben, wird diesem"letzten Herrschaftssystem des Kapitalismus zum Verhängnis werden: Auf den Sieg des Fascismus kann nur der Lieg des Sozialismus folgen I Je auswegloser aber die lvirtschaftliche Lage siir den Kapitalismus wird, nm so stärker iverden die Kräfte, die zum Kriege treiben. AuS den Beratungen über die Abrüstung sind schon Erörterungen über die Aufrüstung geworden. Das Wettrüsten hat wieder begonnen. Erneut vertritt daher die Internationale ihre Forderung nach der allgemeinen Abrüstung: Keine Zugeständnisse an den kriegslüsternen Fascismus, Zusammenarbeit aller freien Völker gegen die Kriegsgefahr, die von allen fascistischrn Landern ansgeht. Die stärkste Sicherheit aber gegen den drohenden Krieg ist die F n r ch t d e r h e r r s ch e n- den Klassen vor der prolrtari- Revolntion. Die stärkste Friedensgarantie ist die Kraft der sozialistischen Arbeiterbewegung. Wenn auch Oesterreich dem Fascismus zum Opfer gefallen ist— unser Mut, unsere llcücr- zeugung ist ungebrochen. In allen Ländern Westeuropas, in Groß- b r i t a n n i c n, F r a n k r c i ch, In H o l l a n d, Belgien. Schweden, Dänemark ist die Demokratie»»erschüttert. In der Insel der Demokratie, in der T s ch c ch o s l o w a lisch e n R e p u b l i f, verteidigt die gesamte sozialistische Betvegung erfolgreich die demokratischen Einrichtungeit. Schon sehen wir auch die ersten Zeichen des Ncnausstiegeo der sozialistischen Bewegung. Wenige Wochen nach dem Fall des Roten Wien eroberte die b r i t i s ch e Arbeiterpartei zum ersten Mal in ihrer Geschichte die größte Stadt der Welt, die Hauptstadt des grüßten Weltreiches, L o n d o n, und kündigte damit ihren bcvorstehcn- dcn Ausstieg zur Regierungsmacht an. Die belgische Arbeiterbewegung hat die Offensive ergriffen und durch ihren Plan der Arbeit ein Signal für die Arbeiter in allen demokratischen Ländern aufgerichtet. In den Ländern S l a n d i n a v i c n S folgt ein sozialistischer Sieg dem andern. In der Schweiz hat die Arbeiterschaft alle reattionären Angriffe vereitelt nnd Schlag auf Schlag lvichtigc neue Positionen erobert. Die Sozialisten Argentiniens haben die Hauptstadt ihres Landes unter sozialistische ^Verwaltung gebracht. So kündigt sich die große Wende au, die die Demokratie in den freien Ländern ausbanen nnd sie in de« heute fascistischen Ländern wiedrrherstellen wird. Am Ersten Mai iverden wir ungebrochen» siegeSbewnßtdemoustrieren: für die Betretene der Sklaven des Fascismus I Für die sozialistische Demokratie! Für Frieden und Freiheit! Die Ader, für die dir Helden von Oesterreich kämpften nnd starben, ist»nbesieglich. Es lebe der Sozialismus! Es lebe die Internationale I Erpressermethoden 7 Abg. Böhm hetzt gegen Kousnmvcrcine Unter dem Tchlaglvorte„Sorgenvolle Ostern" veröffentlicht der landbündlerischc Abg. Rudolf Böhm in der„Nordbühmisckcn Landhcimat" einen Artikel, in dem er die Lage der Landwirte als äußerst schlimm schildert. Das Elend am Lande steigere sich von Monat zu Monat, die Stimmung in den Dörfern sei verzweifelt. Wörtlich heißt es in dem crtvähntcn Artikel: „Einen großen Anteil an der katastrophalen Verschlechterung der Verhältnisse haben die sinkenden Preise für Milch und Molkerciprodukle, weiters die ÜOprozenIige Verminderung der Schweinepreise im Jahre 1083 und die tief unter den Erzeugungskosten stehenden Viehpreise, Ivelche auch gebesserte Gctrcidepreise nicht günstiger gestalten konnten." Später spricht Herr Abg. Böhm davon, daß durch die gesteigerte Bichprodnltion und den sinkenden Konsum die Preise ungünstig beeinflußt werden. Tic steizuide Margarincerzcngung habe gleichfalls die Lage der Landlvirte verschlimmert. Der Herr Abgeordnete Wendet sich dann schärfstcns gegen die geplante Regelung der Milchwirtschaft und gegen die Margarinevcrordnung. Beides sei ungenügend. Wie gerade vom Abg. Böhm schon gcivöhut. sucht er abermals die Schuld an der Notlage der Landwirtschaft der„n i ch t l a n d wirtschaftlichen Seite" zuzuschieben, die angeblich wenig Verständnis für die verzweifelte Notlage des mittleren und kleinen BancrnstundcS aufbringe. Bei der Besprechung dce Margarinefrage sucht Herr Böhm der Große! nkaufs- g c s e 11 s ch a f t d e r K o n s n m v c r e i tt e, diesen selbst und den Sozialdemokraten eines auSzuwischcn, die als„Arbeitervertreter der Margarineindustrie sekundieren.damit die Gewinne der Margarineindustrie mit den angeschlossenen Konstintvereinen nicht geschmälert werden." Herr Abg. Böhm sicht die tvahrc Ursache der Notlage der Landwirtschaft nicht in der ungeregelten Produktion, die ja ganz nnd gar der kapitalistischen Weltanschauung der Agrarier entspricht und sucht noch weniger durch eine planvolle Regelung der Wirtschaft in dircllcr Verbindung mit dent organisierten Verbraucher Ordnung und Hilfe zu schaffen.Herr Rat L o th r I n g vom Lan- desknlturrat in Prag sagt ganz richtig:„Die Landlvirte sollen vor allein sich selbst in den G e« n o s s e n s ck a f t e n z n s a IN IN k n s ch l i c- tz e tt, nm den Unterbau für jegliche Art der Rege lung zn schaffen." Landwirtschaftliche Produltiv genossen schäften aus der einen Seite, Konsnmge- nosscnschasten auf der anderen Seite sind die notwendigen Grundlagen siir da» erfolgreiche u- s a m m c tt a r b e i t e n der L a n d w t r t e und Arbeiter auf lv i r t s ch a f t l i ch c ni Gest i c t c. Was aber tut Herr Abg. Böhm? E r hetzt gegen d i e K o n> n in v c r c i n c in folgender ganz osfenlundigcr Weise: „Wenn die mittlere und kleinere Landwirisitmst benkozialbeutokratilsienKonkum vereinen ferndleibt, dann nur drsbalb, damit durch ihre Bctrllia. a cht der Nelnaewinn der auf kapitalistischem Siiftem ausgehaulrn Groß» einkaufsgrseklschaft erhöht wird nnd mit diesem Reingewinn neue Marnarittefabriken zum Schade» des mittlere» nnd Kleinbanernslandev errichtet werden." lieber die Plumpheit dieser„Logik" ivollen wir mit Herrn Abg. Böhm an dieser Stelle nicht streiten. Wir wollen lediglich bemcrlcn, daß die G e c, die Großcinlanfsgcscllschaft der deutschen Konsntnvcrcine leine M a r g a r i n c f a b r i k besitzt. Das muß auch Herrn Abg. Böhm bekannt sein. Trotzdem läßt er sich nicht avhallen, gegen d e u t s ch e A r b c i t c r k o n s u m v e r e i» c eine ganz sinnlose Hetze loszulasscn. Bei der großen Autorität seiner Person, mit der er doch rechnet, wirken seine Zeilen gegen dje deutschen Arüci- tcrkonsulnvereine wie die Aufforderung zutn Bo y» k o t t derselben. Glaubt Herr Abg. Böhm lvirllich, durch derartige, geradeztt erpresserische Methoden die„nichtlandlvirtschastlichc Seite" sich gcsii- giger zu machen? Nun, er tonnte es doch schon wissen, daß der Kunde stärker ist, als der Lieferant! Wenn die Konstnnvcreine die Herrn Böhm nahestehenden laitdwirtschastlichcn Molkereien etc. boykottieren würden,,wäre der Erfolg von vornherein feststehend. Auf jeden Fall sind die Methoden des Genannten vom Standpunltc der lvirt- Ischaftlichen Vernunft ans schärfstcns zn verurteilen. überliefert Hundcrttausendc von Arbeitslosen ohne Unterstützung dem Hungertod. Die fascistische Gewalt kann die unausweichlichen Folgen der kapita-1 listtschen Entwicklung nicht beseitigen. Die nnans-! bleibliche Enttäuschung derjenigen, die sich dem| Paris, den 25. März 1934. Das Bureau der Sozialistischen Arbeiter-Internationale Stahltrust erhöht die Löhne von 140.000 Arbeitern New Nork, 30. März. Der amerikanische Stahltrust„Untier Steel Corporation" gab heute bekannt, dass die Löhne der Arbeiter In den zum Trust gehörenden Nnternehmungrn ab 1. April durchweg- annähernd um 10 Prozent werde» erhöht werden. Diese Maßnahme betrifft 140.000 Arbeiter. Aehnllche Lohnerhöhungen hat auch bereits eine große Anzahl anderer großer mrtallur- gifcher Konzerne angrkündlgt. Ermächtigung an Roosevelt zum Abschluß von Handelsverträgen Washington, 30. März. Das Repräsentantenhaus genehmigte den Gesetzentwurf über die reziproken Zölle, durch welchen dem Präsidenten das Recht verliehen ioird, mit ausländischen Staaten Handelsverträge abzuschlicßen. Mit Zustimmung der Regierung lvurdc die Geltungsdauer dieses Gesetzes auf drei Jahre beschränkt. Einmütig gelangte ein Abänderungsantrag BlnsonS zur Annahme, Ivonach die Regierung in keiner Weise berechtigt sein soll, die Kriegsschulden herabzusehen oder zu streichen. Oer Tod des Reichswehr soldaten JnSbrnck, 30. März. Int Prozeß Ivegen der Erschießung des RcichSwehrsoldatcn Schuh- nt a ch e r tvurde der Angeklagte S t r e h I e, der Koinmandant der Heimwchrpatrouillc, der den Befehl zum Schießen gegeben hatte, nutec Anwendung des außerordentlichen Milderungsrechtes zu zwei Monaten strengen Arrestes, bedingt mit ztveijähriger Bewährungsfrist, verur- teilt. In der Urteilsbegründung heißt cs n. a., daß eö in der Lage, in der sich Strehlc befand, nicht gerechtfertigt gewesen sei, die drei Schüsse abzugeben. Bei der Urteilsfindung habe jedoch die überspannte Aufregung StrchlcS zttr Zeit der Tat berücksichtigt iverden muffen. Daher sei daS Mil- derungSrecht zur Anwendung gekommen. Der Staatsanwalt meldete Verusting gegen das Strafausmaß und gcgeit die bedingte Verurteilung an. 'Ctite l DamStag, 31. Mörz 1934 Wr.'M Propaganda verursacht den Gegen 50 Verhaftungen in Prag und in der Provinz ALPA Wie sie'Walliscfi mordeten den ■MB aa Ham an bic v HanSdnrchsuchungen und ungefähr 20 Berhas- dicsrm Straffalle führe» die Miliiiirbehörden den Arniecangehörigen durch. Die Untersuchung längere Zeit in Anspnich nehmen. geicn wurd Massieren Sie ikh Ober Intüthi Weisung mH Franzbranntwein könnte ich sterben, wenn ich die Gewißheit mitnehmen könnte,daß durch mcinenTod eine Tat gesühnt ist und allen Leuten, die ich geführt habe, Straffreiheit gegeben wäre” Der letzte Wunsch Waliischs war, jedem verhafteten Genossen die Hand drücken su dürfen und dieser todgeweihte Mann hat die Nerven besessen, jedem Einielnen Trost'zu sagen und frischen Mut-zum Kampf für■ fernere Tage zu geben. Das Angebot einer Begnadigung lehnte er frei und stolz ab.„Lieber sterben für meine Idee, als vermodern hinter Kerkermauern!" Ünd stolz und frei wie das Leben dieses Helden war, so war sein letzter Weg zur Richtstättc. Wie er gelebt als Held, den bishc t da» j > n d ä Deutschlands Handel mit RuBland rückgängig! Bei den deutsch-russischen WirtschaftSver- Handlungen, deren ergebnisloser Verlauf gemeldet wurde, ging es für Deutschland um die Erhöhung seiner Ausfuhr nach Rußland, wählend Rußland eine Erhöhung langfristiger Kredite wünschte. Unter dem Rückgang der russischen Einfuhr lssidct die deutsche Ausfuhr von Industrie waren besonders. Die Einfuhr von deutschen Waren nach Rußland betrug im Jahre 1982 628 Millionen Reichsmark, 1983 noch 282 Millionen Reichsmark. Eie. wird nach dem Scheitern der jüngsten Verhandlungen im Jahre 1934 etwa 80 Millionen Reichsmark betragen. Achten Sie beim Einkäufe auf die Marke Alpal Student(E. Weist, St. Morstat, und der Advo- Durch Alpe-Massage groBe Erleichterung. lebhafter Blutkreislauf, Muskelstärkung und Nervenerfrischung. Der wetterwendische April demokraten auSgeben. Richt nur einmal kam rS vor, dast kommunistische Emigranten ein jüdische- Sprüchlein ringelernt bekamen, um bei der jüdischen Emigrantenfürsorge anzukommen. Schließlich gründete die Kommunistische Partei das sogenannte Salda-Komitcc, das unter dem Deckmantel der Neutralität Sammlungen veranstaltet, die.zu 00 Prozent den kommunistischen Emigranten zuflichen. Das direkte Eingreifen der Kommunistischen Partei in die Probleme der politischen Emigration beschränkt sich darauf, den anderen vorzuwerfcn, daß sie zu wenig tun. Während die sozialdemokratische Bewegung infolge der Opferbereitschaft ihrer Anhänger bereits hundcrttau« sende Kronen aufgebracht hat, wendete die Kommunistische Partei der Emigration bisher nicht nur keinen Heller zu, sondern gab und gibt in den meisten Fällen den geflüchteten Kommunisten, die sich bei ihr melden, den Rat, nachDeutsch- l a nd zurü ck z u k e h r e n, da die illegale Arbeit eben wichtiger sei als das Wirken in der Emigration.„2ic Welt von heute" wird es schtver haben, diese Tatsachen abzuleugnen, die in der Emigration bekannt sind und immer aufS neue Empörung wecken. Genosse Schrader, an den sich alle Emigranten vertrauensvoll wenden und dem sie alle dankbar sind, betreut seit dreizehn Monaten — selbstverständlich ohne jede Entschädigung— freiwillig die Emigration. Er berät die Emigranten bei der Erlangung von Aufenthalts-Scheinen und Personal-Ausweisen, interveniert für sie bei den amtlichen Stellen, verrichtet Dolmetscher- Dienste und überseht Gesuche. Schrader führt eine Evidenz der Emigranten und sovicle.schon Ünter- stühung fanden: kein einziger politischer Emigrant blieb ohne gewissenhaft« Betreuung. Di« Hyänen der Emigration aber, die es leider auch gibt und die unechten Emigranten, die teils Spitzel find, teils die Emigrantenfürsorge in Anspruch nehmen möchten,'ahnt dazu genötigt zu sein— sie bekommen ihr Handwerk gelegt. Und zwar im Von einem Augenzeugen Koloman Wal lisch bewahrte bis zur|j letzten Stunde seines heldenhaften Sterbens, für seine Idee eine eiserne Ruhe, die nicht, nur uns als Gesinnungsgenossen ewig in' Erinnerung sein wird, sondern die jedem 1 der schärfsten Gegner ihn als Held anerkennen ließ. Nach dem Verlauf der Verband-' lung sprach Genosse Wallisch 1*4 Stunden< zu seiner Verteidigung in klaren, ruhigen Worten und beschämte durch seine sach-, liehen Ausführungen nicht nur das„hohe, Standgericht", sondern auch das ganze System der Hängechristen. Wenn es nicht‘ möglich ist, die ganze Rede niederzuschrci- 1 ben, so soll alles in Umrissen gesagt wer den, um zu erkennen, welch Großer hier gemordet wurde! „Ich bin Stolz’*, so führte Wallisch aus, ,ihier als Sozialist zu stehen, stolz, sagen zu dürfen, daß mein Leben geweiht war, dem großen Kampfe für die Verwirklichung des Sozialismus! Ich habe meinen Teil dazu beigetragen der Arbeiterschaft soziale Errungenschaften zu erkämpfen, die auch Ihre Regierung, hohes Standgericht, nicht mehr zertrümmern können wird. Wir alle werden vergehen, ich werde in einigen Stunden nicht mehr sein. Sie, meine Herren, werden den Sieg über die aufschreitende Arbeiterschaft Österreichs auskosten können, doch es kommt die Zeit... unaufhaltsam rollt das Rad des Schicksals... und alle diese Knechtschaft des sterbenden Kapitalismus wird die kommende Epoche... das Zeitalter des Sozialismus nicht auf halt en können. Wenn ich auch heute sterben muß, so mit der Genugtuung, daß der gesäte Samen dereinst doch Früchte tragen wird und neue Kämpfer wer den erstehen, immer mehr, bis zur Verwirklichung dieser Idee! Die Regierung Dollfuß hat trotz dem heiligen Verprechen, der Arbeiterschaft kein Recht zu schmälern, durch über hundert kriegswirtschaftliche Verordnungen, Stück- für Stück der mit Arbeiterblut erkämpften Rechte genommen. Monatelang war es nur der zielbewußten Handlung der Führer zu danken, daß die Masse ruhig blieb. Doch der Schrei der tehquälten Menschen wurde von Tag zu Tag stärker, das Elend der Arbeitslosen stieg bis zum Übermaße und diese furchtbare Auslösung war unvermeidlich. Sie, meine Herren, haben mit starker Hand, mit brutaler Waffengewalt diesen Aufschrei unterdrückt. Aber wenn sie versuchen, jahrzehntelange Arbeit der Arbeiterschaft auszustreichen und selbst nicht vor ihrem eigenen Gewissen Halt machen, den arbeitenden Menschen nicht seine primitivsten Lebensrechtc garantieren, so wird die Stunde der Vergeltung furchtbar sein. Bewaffnete Verbrecher senden Sie aus, verzweifelte Menschen hinzumorden und schreien in die Welt hinaus, einen Staat schützen zu müssen, einen Staat, dessen Bevölkerung diese Regierung ablehnt. Ich weiß, daß ich sterben muß und ich sterbe gerne, denn ich sterbe in dem Glauben nk den Sozialismus und sterbe mit dem Bewußtsein, gekämpft zu haben bis zur letz- , tau Stunde. Mit größerer Befriedigung aber Kommunistenhetze um die Emigration Eine neue Büberei der„Welt von häute igen Ergebnissen der linier» pionagcnch mit größter verzweigt an» Naßregeln getroffen Entdeckung vorzu- Rheumaleidenden groBe Pein. den.„Diese Opfer kommen", so schreibt„Die Welt von heute",„auf das Konto des Herrn Schrader und seiner sozialdemokratischen Auftraggeber". Wir haben bisher zu den Fragen der kommunistischen Emigration geschwiegen; die„Wett von heute" ist selbst schuld daran, wenn nun die kommunistische Emigrantenfürsorge und das, was mit ihr zusmiuycnhängt, öffentlich diskutiert wird. Die Kommunistische Partei, deren Sprachrohr „Die Welt von heute" als Nachfolgerin des Nei- chcnbcrger„Vorwärts" ist, hat sich die Fürsorge für kommunistische Emigranten bisher sehr leicht gemacht. Sie gibt kein»» Heller für die Emigration auS; was kommunistische Arbeiter in man» chrn Gebieten für ihre geflüchteten Freunde ans dem Reiche unternahmen, ist auf ihr» eigene Initiative zurückzuführen. In den Anfängen der Emigration hat die Kommimi- stische Partei veranlaßt, daß sich dir kommunistischen Emigranten bei der sozialdemokra-• tischen Fürsorge melden und sich als Sozial- Vertraucnsmän« it falsch: Namen und orrcsvondcnz an di« Bckanntcn schicken, die >eihi waren. Im ic einen Chiffre» Sendungen, wo» Schreibens vcr- P r a g, 30. März. Tie Polizeikorrespondenz verlautbart: Die Dichcrheits- nun Mili tärorgan« beobachteten bereits seit längerer Zeit, daß aus dem gesamten Staatsgebiete eiste Umftnrztätigkeit entfaltet wird, dir sich hauptsächlich bemühte, die Wehrmacht zu n n t e r w L h l e n und Unruhe in deren Reihen zu tragen. Es wurde durch Beobachtun- gen frstgestellt, hast es sich um ein we i treich en d es 2v i on a grnetz und um a nt i« militaristische Propaganda handelt, deren Tätigkeitsgebiet sich auf die ganze Republik erstreckte, vornehmlich aber auf jene Städte, in denen eine Garnismi liegt. Als einer der Hauvtorganisatoren dieser Aktion wurde der Bäcker Fr. H a m p l sichergc- stellt, der in lauter Zeit Redakteur der„R o v n o st" nmr und der, unter verschiedene» Namen anftrctend, Berbindniigrn mit allen mdglichrn Zivil- nnd Militärpersonen hatte. Hampl verfügte über ziemlich große Geldbeträge und unternahm lange Reisen im ganzen Staatsgebiet. Er ist Soldat in der Reserve nnd Absolvent des Lrnin-Kurseö in Moskau. sestgestellt, daß als Sammelstellen dieser Korre spondenz die verschiedensten Unternehmungen,.wie Berlage. H a n d c l S u n t e r n c h m u n- gen, Advolatcnkanzlcicii, Klini» k c n usw.» dienten. Tic Briese dieser Smnmckstcl» len übernahm immer ein Angestellter des Unternehmens und vermittelte sie ivciter. Im Laufe der Uniersnchnng wurde in den Wohnungen der Vertrauensmänner Hampls eine Tie Untersuchung dieses SlraffallrS geht aus dem gesamt«» Territorium der Tschecho- slowalci vor sich. Im Bereiche der Prager Polizeidireitiou wurde» bisher 81 Hausdurchsuchungen vorgenommril und 23 Personen verhaftet. Unter diesen befinde» sich uebe» Hampl und seiner Frau Ru.sena, der Hominis B..ilarpeles, der Bauarbeiter G. Lohn, der Architekt R. Ja- senfkh, der BerlagSangrftrlltc A. Faltin, der saturökoilzipirnt Dr. L. Rirgelhanpt. Außerhalb Prags wurde» bisher 120 tuugrn durckigesühr». Im Zusammenhänge mit parallel eine weitrcichetidc Untersuchung unter wird mit Rücksicht auf ihrrn große» Umfang sgcheime Handdruckerei aufgefunden, i mit den, fertigen Sah der illegalen kommunifti- i fdven Zeitschrift„Soldat", sowie ein Bervielfäl« tigmigsapparat, der für die Vervielfältigung der I illegalen Korrespondenz bestimmt war, die an di» Redakteure der Zeitschriften, der Betriebszellen und Straßcnzcllen, sowie stir die Dörfer versendet werden sollte. ES wurde weiters sestgestellt, daß unter den Schriftstücken Hampls sich eine 4U>schrist rlneS wichtige» militärischen Aktes aus sderOlmützerGarnison befand. Jnfolgr- i dessen wurde durch die Lrgane der Prager Polizei» dirrktion dir Untersuchung an Ort und Stelle durchgcführt. Es zeigte sich, daß diese Abschrift im Wirtschaftvrat des Magistrats der Stadt Olmütz entwendet worden ist. In Konsequenz davon wurde der Vorstand dieser Abteilung, Rat O b o r n h, Obcrselretär Tahl und Sekretär S i m e k per» j haftet. Interesse der wirkliche» politischen Emigration, die durch Mistbräuche nur belastet und geschädigt wird. Es müßte eigentlich auch den Kommunisten daran liegen, die politische Emigration von Elementen freizuhalten, die ihren Ruf schädigen; aber den Bolschewiken ist die ganze Emigration schnuppe, wenn sie Gelegenheit zur Hohe gegen Sozialdemokraten zu haben glauben. „Die Welt von heute" stützt sich bei ihrer Behauptung, Schrader habe Emigranten den Fascisten auSgeliesert, offenbar auf drei besondere Fälle, die cs im März unter 93 Fällen gwb. Von den drei Männern, die da in Betracht kommen, ist keiner ein wirklicher politischer Emigrant. Alle drei haben ohne zwingenden Grund ihren bisherigen Aufenthaltsort verlassen. Einer Verbrachte die letzten Monate in Polen, der andere in Italien und Jugoslawien, der dritte in Afrika. ! Sie wurden darum von der Polizei auch nicht als ! politische Flüchtlinge anerkannt. Aber es ist un« I wahr, daß auch nur einer von ihnen„den sasci- s.stischcn Henkern ausgeliefert" wurde. Auch die weftere Behauptung der„Welt von heute", daß durch die Schuld Schraders politische Emigranten vor dir Polizei geladen und dann auSgewicsen wurden und daß auf diese Weise ist den letzten Monaten etwa dreißig revolutionäre Emigranten an die Faseisten mivgeüefert worden sind, ist eine freche Lüge. Wir fordern„Die Welt von heute" auf, auch nur eine» Beweis dafür zu erbringen, daß von Prag auS solche Ausweisungen durchgeführt wurden. Wir fordern sie insbesondere auf, dem Genossen Schrader auch nur in einem Fall nachzuwrisrn, daß er»nithalf, politischen Emigranten das Asyl zu nehmen! Die Darstellung der„Welt von heute" ist nicht nur dadurch von besonderer Niederträchtigkeit, daß sie einen Mann von der uneigennützigen Hilfsbereitschaft des Genossen Schrader durch de» Kot zieht, sondern vor allem dadurch, daß sie di« Emigration überhaupt diskreditiert und den Leuten die Stichwort« liefert, denen sie ein Dorn im Auge ist. Schrader hat allein viel mehr für die politischen Emigranten getan als die ganz« Kommunistische Partei. Sein Ansehen kann von den Unverantwortlichen, die fiir„Die Welt von heute" verantwortlich sind, nicht geschmälert, die Dankbarkeit, die ihm die Emigranten entgegenbringen,' nicht verringert werden.„Die Werktätigen der ganzen Republik werden sich darin einig sein, daß dem Sozialdemokraten Schrader endlich das schmutzige Handwerk gelegt wird." Das Echo guf diesen Ruf der„Welt von heute" kann nur sein, daß dem Bolschewikenblatt daö schmutzige Handwerk von den Arbeitern gelegt wird, die sich mit den politischen Emigranten schon immer stärker verbunden gefühlt haben als die kommunistischen Schreiberlinge, die vom sicheren Port auS die politische Emigration leichtsinnig gefährden. Korrespondenz ikufsehcn zu venneiden. Adressen gesendet. ES wurde I so wollte er sterben. Erschütternd und ergreifend hörte man weit über den Gefängnismauern seinen Ruf: „Es lebe der Sozialismus!" „Freiheit, Freiheit!" „F r c i h..■. und der Henker hatte Auftrag der Mörder erfüllt. Aber wir geloben uns in dieser Stunde hinauszutragen in die Welt, diese letzten Worte eines Märtyrers, eines Heiligen! Stumm mit ctiafsiem Herzweh.stehen wir gefesselt, aber ' dip. tausenden TränßPt.dic die Erde netzen, ! die Treue, die seinen Körper umgibt, werden [ uns stark machen. Einig müssen wir werden und aus den orkannten Fehlern der Vergangenheit durch erbitterten Kampf doch unsere Welt, die Welt des Sozialismus, zu erreichen! L o e b e n, am 20. Feber 1934. „Die Welt von heute", die soeben durch die unerhörte Büberei gegen den Genossen Katz von sich reden gemacht hat, leistete sich in ihrer Ausgabe vom 29. März eine» Angriff auf die sozialdemokratische Emigrantenfürsorge, der geeignet ist, die ganze politische Emigration auf das schwerste zu gefährden. Unter der Ueberschrift„Bekämpft man so den FasciSmuS?" erzählt„Die Welt von heute" Schauergeschichten über Berfolgnngcn, denen die Emigranten durch die Sozialdemokraten ausgesetzt seien. Insbesondere wird gegen den Gc- uosscn Schrader, der nicht nur in der sozialdemokratischen Emigrantenfürsorge wirkt, sondern auch bei anderen Prager Emrgranten-KomitceS in selbstloser Weise mitgeholfen hat, die Beschuldigung erhoben, die Ausweisung von politischen Emigranten, ja, ihre AuSlicf«rimg an Deutschland, l veranlaßt zu haben. ES seien i» den letzten Btona- teu etwa dreißig revolutionäre Emigranten auS- -gewicscn und an die Fascisten ausgeliefert wor- Spionage und antimiiitaristische Kommunistischer Redakteur organisiert ein weitverzweigtes Netz 9t. 7« SamStaz, 31. März 1934 Cttas Weisseis Vermächtnis Von Fred War OSTERN Tutt, ein Wirker. sonders zeitgemäßen Klang. In dein an den Grcn- Haus der VersaimnliingSort der Nnzusriedenen. zen ObersteiermarkS und Oberösterreichs liegenden j lieber Acldmarschall Radetzky habe er sich be- Jn einer Mainacht des Jahres 1833 wird Deubler und eine Anzahl seiner Gesinnungsgenossen verhaftet. Mehr als ein Jahr sitzt er in Untersuchungshaft in Graz. Erst dann gelangt der „H o ch v e r r a t S p r o z e ß" zur Verhandlung. Mas der StaatSanivalt damals— vor achtzig Jahren— in der Anklageschrift zur„Begründung" der Anklage anfiihrte, hat heute einen be- tvußtloser Massen durchgeführten Revolutionen ist vorbei. Wo eS sich um eine voilstiindige llmgestal- tung der gesellschaftlichen Organisation handelt, da müssen die Masten selbst mit dabei sein, selbst schon begriffen haben, worum eS sich bandelt, für>vaS sie mit Leib und Leben eintreten. DaS hat uns die Geschichte der letzten fünfzig Jahre gelehrt. Damit aber die Masset» wisten, tvas zu tun ist, dazu bedarf eS langer ausdauernder Arbeit..." Das haben nicht nur die letzten fünfzig Jahre im Leben Engels bewiesen, sondern auch die weiteren fast 40 Jahre nach seinem Tode. In der langen ausdauernden Arbeit, in der Erweckung eigener Initiative der Unterdrückten, in der allmählichen Sclbstaufhcbung der Avantgarde, im selbständige»» Handel»» von unten auf liegt allein die Garantie und die Möglichkeit deS sozialistischen Sieges. Wer sich für diese lange ausdauernde Arbeit, für die ständige Revolutioniernng der Köpfe durch eine entsprechende politische Praxis iiicht zeitig entscheidet, isoliert die Avantgarde und bereitet die Niederlage vor. Als den größten Fehler, den die deutsche Partei geinacht hat, sieht man gewöhn» „Icii weiß gar nicht— was für komische Eier ich ♦ Ohne Gedankenfreiheit, ohne reine Erkenntnisse der Wirklichkeit kein LebenSglück. Kirche Salzkammergut, so erzählt der Staatsanwalt, war schon vor 1818 bei den Werkarbeitcrn die Lust zum Lesen und zu Zusammenkünften bcincrlbar. „Auch tauchten— so heißt cs in der AnIIagcschrisr — Wünsche zi» Reformen hinsichtlich der Ersparung iin Staatshaushalt, zur Erzielung politischer Freiheit und zur Verbesserung der Lage der Arbeiter auf. Nach hergcstellter Ruhe 181V wurde durch Verbreitung irreligiöser und staatögcfährti- dieses Jahr lege!" lich ihre kampflose Kapitulation an, also nur hei» Fall. Doch übersieht man dabei, daß jeder stirbt, wie er gelebt hat. Nur eine solche Betrachtung führt unv ai» den Kern der Dinge. Wcistel hat an sich selbst die Tragik empfunden, die dar!»» besteht, daß ein Teil verblutet und der andere arbeitet, höchstens noch wie bciin Jlugblatt-Vcrbreitcu di« aktiven Genossen init „Freundschaft" begrüßt. Er wollte diesen tötenden Gegensatz durch die Kraft seines Willens überwinden. Er scheiterte. Was täte er heut? Sicher das-■ selbe wie Engels, denn er zog dieselben Lehren aus scincin Kampf, der sein Tod wurde. Zwei Testamente. Wer ihren Inhalt begreift und in keinein Augenblick anders als in diesem«inne zu handeln bereit ist, hat den Sinn des heroische»» Sterbens unserer Wiener Gcnosten begriffen. Wenn man einen Lebende»» mißversteht, so ist das nicht schlimm, der Nächste lvird vielleicht begriffen. Begreift inan aber daö letzte Wort des Toten i»icht, wird diese Mahnung überhört, so ist das sehr tragisch, weil dann zur Erhellung unseres Bewußt- seins neue Todesopfer gefordert werden. Feiern wir unsere großen Toten, die Helden von Oesterreich und Wien. Aber suche»» wir sic auch zu verstehen. Bemühen wir uns insbesondere, das Testament Meissels zu begreifen. Das kam» der Tote mit Reckit von unS fordern. Alle, die dumpf und stumpf vegetieren, Die sich in kleinlichen Dingen verlieren, Die immer leiden, ohne zu klagen, Die immer wägen, ohne zu wagen, Die Halben, die Hohlen, die Leeren, die Dummen, Die vor Demut ersterben, die vor Furcht verstummen, Die abseits stehen, Die jenseits leben, Die rückwärts gehen, Die seitwärts streben, Die den Forderungen des Tages entweichen— Das sind Leichen! Ihr Wachen, ihr Starken, ihr Lebensvollen, Ihr mit dem kampfzielbewußtcn Wollen, Ihr Jungen, ihr Alten, ihr Männer, ihr Frauen, Die ihr am Werke der Zukunft wollt bauen: Ihr! Werdet den Schwachen und Feigen Mut! Ihr! Werdet den Hohlen und Leeren Blut! Ihr! Werdet den Stillen und Stummen Mund! Ihr! Werdet den Haltlosen, Strauchelnden Grund! Ihr! Werdet zu Ruten, die Faulen zu schrecken! Ihr! Werdet ein Dröhnen, die Schläfer zu wecken! Ihr! Wirket und werbet! Ihr! Wehrt dem Vergehen! Ihr! Werdet gleich Gottern! Laßt die Leblosen der Masse, Laßt die„Toten“ der Klasse au f er st eh en! Ostereier ironisch gefärbt Drei Gratulanten, mit den besten Wünschen und entsprechendem Konnnentar: Ter FricdenSengel an seinen verehrten iWfcrfat'ik: „Tcm Völkerbund, dem lieben, braven. Sei dieses Eilcin offeriert, Ex möge ruhig Iveiterschlafen, Wenn Mars,»nein Braunhemd-Freund regier»! Grüß' mir die netten Konferenzen, Und trinke noch ein Täßchen Ter, Doch bester fast als d i e Essenzen Ist Goerings neuestes MG.! In diesem Sinne guten Schlummer, Du hast»»»ich glücklich»»mgebracht, Es»var schon stets mein größter Kunmicr, Daß Du zu viel an mich gedacht!" Ein Atitsühlender an den Neickidbankprölldenlen Tr. Hjalmar Schacht: „Herr Doktor werden etwas frieren- Die Decke ist auch schrecklich klein, Was hat nur Hitler für Manieren—— Sie werde»» bald erkältet sein! ES weht doch eine steife Brise Durch Ihr geschätztes„Drittes Reich", Abhärtung ist ja die— Devise, Doch warum Nacktrevucn gleich? Das Kuckucksei ist rechts gesprungen. Und auch die Inschrift platzte fort. Die Pleite ist euch gut gelungen, Das kommt vom— sinkenden Export!" Ein zufällig nicht Bestochener beglückwünsch» dm sellg-nnseligrn Staviski: „Monsieur Staviski, jetzt im H'nnniel— Was, iu der Hölle? Ganz egal, Ihr Fall setzt ja wohl niemals Echimnicl, Es ist ein„herrlicher" Skandal! Kein Wallace kann dergleichei» machen, Juleö Verne>vär' sicherlich k. o.. Wenn schon drei Kontinente lachen, Ist man a»»ch sicher oben froh! Wen haben Sie denn jetzt am Kragen? Das Ei stinkt etlvas, doch nicht sehr—, Sie werden sich ja kann» beklagen, Tenn im Vertrauen—: Ihr Fall stinkt mehr!' Emmerich Z>v i ck e l. uUl*j vu. vvv um* sie durch die Glasscheiben des Bücherkastens die Werke Shakespeares erblickte, sagte sic: „Hat derKerl sogar solcheDüchcr". Dann richtete sic a»r Frau Deubler die Frage: „Geht sie auch in die Kirche und betet sie für ihren K a i s e r?" Frau Deubler bejahte die Frage. Drohe»»d sagte ihr dann die Erzherzogin:„D a ü w i l l i ch I h r auch geraten haben." An den zuständigen kirchlichen und weltlichen Stellen verstand»nm» freilich bald den Sinn eines solchen hohen Besuches. Der Bauernphiiosoph von Goisern Von J. R. Ein halbes Jahrhundert ist seit den» Tag— 31. März 1884— verflossen, an dem Konrad Deubler, der seinerzeit weit und breit bekannte Bauer des Trauntales, in seinem berühmten Alpenhaus auf dem PrimcSberg bei G o i f e r n in Oberösterrrich, seine Augei» für Die Unterdrückten miisscn zum Belvußtsein ihrer Lage kommen. Nur dann werden sie aus eigenen» Antrieb, ohne Zwang— auögcnommen den ihres Lebens und ihrer lleberzeugung— ihr Leben einsctzcn. Anders geht es überhaupt nicht. Das hat UNS der tapfere Georg Weisse! als Vor- mächinis hinterlassen. Im Angesicht des Todes Hai er unS zngcrnfcn, wie»vir unsere Ziele nicht erreichen können. Rufen wir uns seine Worte vor dem Standgericht nochmals ii» Erinnerung: „Hohes Gericht! Ich bedauere die Ereignisse, die durch»neine Schuld entstanden sind deshalb, weil viele Männer : unverschuldeterlveise viel erleiden mußten. Ich»vill aber auch betonen, daß mein Vorgehen eigentlich .einVersuch mit»mlauglichen Mitteln»var, sowohl in bezug auf daö Material als auch in bezug auf die Menschen. Die Zeugen haben sich darauf berufen, daß ich angeblich hinter jedem mit der Pistole gestanden bin, un» jedem ineinen Willen mif- zuzwingen. Aber mit solchen Menschen kann man eine Aktion nicht durchführen und sie ist daher auch kläglich gescheitert. Mehr habe ich nicht zu sagen." ES ist uncndlick» viel, was unö da in drei Sätze»» gesagt wurde! ES ist darin nicht nur das Problem der österreichischen Kämpfe, sondern des sozialistischen Ringens überhaupt ausgedrückt. Wcistel hat versucht, all seine Feucrlvehrleute, die ihn» unterstellt waren, zum Kampf gegen den Heimwchrfasciömus zu bewaffnen.„Ei»» großer Teil wehrte sich dagegen und flüchtclc sich in die Keller", heißt eS in der Gerichtsverhandlung. Der Avantgardist stand allein»nit einen» Teil zuverlässiger Kämpfer! Eine»nächtige Kluft trennte den „Vorgesetzten" von seinen„Ilutcrgebcnen". Aber cs war nicht jene Kluft, die gewöhnlich zwischen Vorgesetzten und Ilnlergcbencn besteht, daß der Vorgesetzte für die Herren und die Untergebenci»— selbst Unterdrückte für die Unterdrückten kän»pfci», sondern umgekehrt, der„Vorgesetzte" kämpfte für die Unterdrückten, Ivährcnd diese durch Passivität und zaghaftes Ausweichen oder gar stürniischeS Flüchte»» in die Kcllerräuinc die Macht der Herren, sihrer Herren!) erhielten! Weisse! suchte sie zur Freiheit zu zwingen— und er erkannte, daß man die Menschen zwar zur Knechtschaft, nicht aber zur Freiheit zwingen kann. Und dies ist ja auch der tiefste Gr»»nd dafür, daß der SozialiSinus nicht das Werk einiger entschlossener Menschen sein, sondern einzig und allein aus dem eigenen Drängen, Wollen und Suchen der Unterdrückten werden kann. Die Freiheit kann nicht dekretiert weichen, die Freiheit muß gewollt, Bedürfnis sein! Die Massen müssen den Kampf als ihre ureigenste Angelegenheit empfinden, anders gibt eS keinen Sozialismus, kein Ende der Herrschaft von Menschen über Menschen. Wenn sich die Arbeiter Oesterreichs im Joch des Hcin»lvchrfasc»Sn»uS ihres Atems beraubt fühle»», wird ihnen bcwltßt tvcrden, daß cö nicht genügte, während der Fcberkämpfe den vorübcrkom- »nendcn Schutzbundgenossen das alte„Freundschaft" zuzurufcn, sondern da eine Gemeinschaft nötig war, eine Gemeinschaft des Handelns. Und da Handeln nickit nur im Schießen besteht, sondern auch der Einsatz der ökonomischen Macht der Arbeiterschaft in solcher Situation den denkbar revolutionärsten Charakter trägt, Iväre der Streit eine Waffe, die den Ausschlag gebracht hätte. Dieser Waffe waren sich die Arbeiter Oesterreichs nicht bewußt, zumindest tvaren sic nicht bereit, sie anzu- wendeu. Der heroische Kainpf der Schutzbündler konnte»licht ersetzen, lvaS der breiten Masse als Träger!»» der Geschichte fehlte. Darum wurde die Avantgarde geschlagen,»vie so oft in der Geschichte, nnd»vie in Wien schon einmal, im Oktober 1848. Friedrich Engels hat in» Jahre 1883 die Lehren aus fünfzig Jahren RcvolutionSgeschichtc gezogen und stellte in seinem Vorwort zu den„Klas- senkämpfen in Fra»»kreich" unter anderen» fest, daß die Straßenkämpfe eigentlich immer mehr eine moralische als materielle Bedeutung hatten, und zwar in dein Sinne, daß sie die Festigkeit des Militärs zu erschüttern suchten. Er weist nach, daß sich die Bediugungcn des betvaffncten.Kampfes in der Folgezeit noch»vesentlich zu ungunsten der Aufständischen verändert haben. Die Großstädte und die Armeen Ivuchscn, die Bcivcglichkcit der Truppe wurde gesteigert, die Be>vafsi»u»»g wesentlich verbessert. Die langen und breiten Großstadt- straßcu sind Ivie geinacht für das Wirken der Geschütze. Freilich zieht E»»gelS aus all diesen Feststellungen nicht den Schluß, daß künftig überhaupt keine bewaffneten Kämpfe mehr stattfinden können, er meint n»»r, daß der bewaffnete Kampf erst auf dein Höhepunkt einer Revolution zweckmäßig und erfolgreich sein kann, der Barrikadenkanipf für sich allem jedoch>»ur defensiver Natur ist. Der eigentliche Angriff muß aus dem Produktionsprozeß herauskommen, von wo aus die Unterdrückten überhaupt>»ur wirksam angreisen können. Und das gilt heute mehr denn je. Jminer wenn sich die Arbeiter auf den Kampfbodei» deS Gegners ziehe»» lassen, sind sie die Unterlegenen. Sic müssen da kämpfen, wo sie nicht zu schlagen sind. Aber das setzt die Bereitschaft aller Unterdrückten voraus. Das betont auch Engels, indem er in der bereits jitterten Schrift schreibt: „Die Zeit der Ueberrumpelungen, der von keinen bewußten Minoritäten an der Spitze be- blicb, mußte er sich auch den Titel eines Philosophen oder sogar eines F a u st i m L o d c n- r o ck gefalle»» lassen, obzwar er kein Philosoph— der Zunft war. Er war„nur" ein Freund der Philosophie, aber auch der Wissenschaften überhaupt und der Naturwissenschaften insbesondere. Auch cii» Genießer der Lichtkunst und ein Schwärmer der Natur war er und auch— obzlvar er sehr viel gelesen hat— ein tiefer Denker und sein ganzes Leben lang ein Mann der Arbeü. In seinen jungen Jahren trug er schwere Getreidesäcke hin» mif auf die Fclsenmühle über Hallstatt und dann die schweren Mehlsäcke wiederum hinunter zum See. In seinen späteren Jahren und noch als alter Mann» plagte er sich auf den Aeckern seiner Wirtschaft ab. Tief zu pflügen verstand er nicht nur mit seinem Geist, sondern auch mit seinen Händen. Er liebte die Berge, ihre Steine, ihre Tiere und ihre Pflanzen. Er genoß die Schönheiten der Alpenwelt nicht nur mit dem Gefühl, sondern auch mit dem Verstand. Und war er auch kein Zünftler der Philosophie, ein Philosoph war er doch: ein Lebensphilosoph, der bewußt den Lebensfreuden nachjagte, die Natur und Kunst, Freiheit und Wissen, Bücher und Reisen den Menschen zu schenken vermögen. und Kirchenglaube sind daher Feinde der Mensch heit. Leidenschaftlich bewegten diese Gedanken den denkenden Bauer, ohne zur politischen Tat zu reifen. In den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte Deubler in Goiscrn, Ivo er damals eine Gastwirtschaft und eine Bäckerei besaß, einen kleinen Krciü von Bauern, die gleich wie er dachten, um sich versammelt. Sogar über die weltentlegcnsten Täler lag damals eine kir-! chcr Bücher und Zeitungen dcnwkratischen Inhal- chcnfeindlichc Stimmung. tes, durch Anpreisuug der republikanischen Rcgie- An einem Sommertage des Jahres 1880 rung Nordamerikas, durch Herabwürdigung der immer geschlossen hat. Auch in der Zeit, in der er kehrte der Wiener Schriftsteller»md Herausgeber österreichische»» Verhältnisse und Regierung.-maß- —<*—-«n—K-.Der Humorist", Saphir, in regeln, durch Verhöhnung aller positiven Dogmen tung von Berühmtheiten einprägsame Worte zu| das Dcublerischc Gasthaus iu Goiscrn ein. lieber jeder christlichen Religion und ihres.Kultus das ~■' Voll in Treue und Glauben z»» erschüttern ange strebt". Der Staatsanwalt meinte, daß die Bestre bungen z»» einer Lauheit des Besuches des Gottesdienstes, zu Bekrittelung der Predigten, Verhöhnung dec ReligionSgcbräuche, zur Unzufriedenheit bei der Arbeit und zur Lust zur Auswanderung des Hofes viel gelesen wurde. So kam es, daß die ErzherzoginSophic, die Mutter des Kaisers Franz Josef eines Tages von Ischl»ach Goiscrn suhr, um de» sonderbaren Bauer kenne»» zu lernen. Er Ivar aber damals nicht zu Hause. Er I„ach Nordamerika führten. Und was brachte die hatte auch die Schlüssel des Bücherkastens»nit. AIS Untersuchung gegen Deubler und seine Gcsährieu sie durch die Glasscheiben des Bücherkastens die zutage?„Wenngleich ei>» förmliches.Komplott sich nicht Nachweisen läßt, so sagt der Staatsanwalt, so ist doch so viel außer Zweifel gestellt, daß unter den Angeklagten eine Genossenschaft der Gesinnung bestand, alle waren Nepnblikancr und ihre Mittel zur Ausbreitung ihrer Gesiunnugcu und zur Gewinnung neuer Genossen überall die gleichen waren." Als Rädelsführer der ,,B a n d c von Gesinnungsgenossen" wurden Deubler, dann Dyonis Heiß i>» Aussce nnd Franz Gassncr in Ischl bezeichnet. Ii» dem langen„Sündenregister" Deublerö heißt cs unter anderen»:„Konrad Deubler habe sich schon vor dem Jahre 1848 in religiöser Beziehung als Naturalist und in politischer Beziehung als Republikaner belannt. Sein Tagebuch ist ein getreuer Spiegel seiner atheistischen und revolutionären Gesinnungen, sowie sein Verkehr mit Gleichgesinnten. Nach dem Leumundszeugnis des Pfarramtes und deö Postamtes von Goiscrn ist Deubler frivol und ultraradikal gesinnt und sein lebte, pflegte man zur Kennzeichnung und Wer» der Zeitschrift„ r~■:: | gebrauchen. So kam cs, daß man ihn den Bau- seine Gespräche mit dem hochgebildeten und gcist- ernphilosophe»» von Goiscrn nannte reichcn Bauer und über dessen Bücher berichtete er und da er seiner oberöstcrreichischcn Tracht treu dann in seiner Zeitschrift, die auch in den Kreisen ewte« Samstag. 31. März 1934 «r. 78 Zwischen Ostern und Chicago Von Frank Highmnn. Daraus grinste Mein Bobby unverschämt. Hopfte mir Wohlwollens auf die linke Nierenge« gend. höher reichte er nämlich nicht, und kreischte bi „Datz Lacken über die Majestät ist daS gute Recht des Volkes!" soll einmal Ludwig der Vier- zehnte gesagt haben. Möglich, das; es vielleicht der Fünfzehnte oder Sechzehnte war. aber das ist s.r schließlich nicht so wichtig. Viel wichtiger war mir damals, als ich an dieses Wort denken mußte, der erbärmliche Zustand meiner Hose. Das Empörendste daran aber lvar, daß Bobb» die unerhörte Gemütöroheit aufbrachte, über diese Tragödie unbändig zu lachen. Wo ich mir doch eigentlich für ihn die Hose zerrissen hatte. Kinder und manchmal grausam und undankbar. Freund Bobby war näm> lich noch eilt Kind. Er zählte erst acht Lenze, von denen er vier auf den Schienensträngen Nordamerikas verbracht hatte. Brutaler ausgedrückt: Klein Bobby Ivar ein Vagabund, so einer, wie sie zu Tausenden den amerikanischen Kontinent di wandern, so einer, wie damals auch ich Ivar, gemacht. :rie zu sei gc- als er wind- bellten g hoch- Als ich in Ohio seine Bekanntschaft batte er gerade eine ausgesprochene Pi überstehen gehabt, zu deren Abschluß ihi wissenhaste Hunde eiireS Farmers stellt frühmorgens seinen Näckiigungsplatz. schiefe Scheune, verlassen ivollre. i wie wütend, und in Anbetracht ibri gezogenen Schritt zu sralt eines war ich! ES n Freund eii Don der altere.{-c?! iren Lorr« viel wenig. blechernen eine icheune. verlassen ivollre. Die Storer , und in Anbetracht ihrer grimmig Lefzen wagte Klein Bobby nicht, einen un. Da kam der reitende Engel in Ge- Vagabunden deS Weges. Dieser Engel rar sofort zu bemerken, daß mein neuer. in durchaus moderner Amerikaner war, nulrur gänzlich unbeleckt und über der- i lichkeitsphrasen längst hinweg. Seine er«! e waren nämlich weder ein Gruß noch er ein Dank, sondern er krähte mit einer i Lausbuben stimme: ..Verdammt bissige Gesellschaft da»! Die Biester haben wahrscheinlich Hunger und wollen mich fressen!" Diese Vermutung war so nngeheuerlick, daß ich mich unwillkürlich schütteln mußte, denn der Junge war alles andere eher, nur nicht appetitlich zu nennen. Sein dürftiges Körperchen steckte in einem Overall, der einstmals himmelblau oder kaffeebraun gewesen sein mochte, nun sah er aber aus, als wäre er durch sämtliche Maulwurfslöcher der llnion gezogen worden. Und darüber ein Gesicht, dessen Ausdruck sich lein Hollywooder Schur- kendarsieller zu schämen brauchte. Rothaarig, sommersprossig und bis auf zwei winzige Aeuglein, die wie neue Hosenknöpfe glänzten, nur Mund und Ohren. Das ganze Menschlein machte überhaupt den Eindruck, als möchte es einmal zu einem späteren, günstigeren Zeitpunkt nochmals zur Welt kommen, und stellte zurzeit mir den schüchternen Versuch eines Erdenbürgers dar. Aber ansonsten, ich sollte bald daraufkominen, war Klein Bobby, nehmt alles nur in allem, ein Bursche, mit dem man Pferde stehlen konnte! „Wo wohnst du denn?" fragte er mich in seinem unordentlichen Englisch, als er sich mir mit der ruhigen Selbstverständlichkeit eines Mannes angefchlossen hatte, dessen Rus und Stellung eine derartig freundliche Herablassung unbedingt als Auszeichnung erscheinen lassen. „Nirgends!" mußte ich aufrichtig gestehen. gnügt: ..Fein, da sind wir ja Nachbarn! Also zogen wir selbander in Nichts. Vier ! kurze, abwechslungsreiche Monate, bis ihn mir das I unberechenbare Schicksal auf merkwürdige Weise entriß. Was mir meinen neuen Begleiter besonders unterhaltsam machte, war sein nie versiegender Mutterwitz und seine ganz kolossale Frechheit. Er war beispielsweise imstande, den Besitzer eines I Apfelbaumes, der ihn beim Diebstahl seiner reifen Früchte ertappt hatte und ihm neben fürchterlich« I sten Verwünschungen mich die ärgsten Torturen I androbie. die ein Phantasiebegabtes Gehirn seit den seligen Folterkammern nur immer auszusinnen vermochte— um ein warmes Mittagessen zu bitten. Als wir nun eines Tages neben der Frachtenlinie des Amour-TrosteS dahinschlenderten, es war früh am Nachmittag und hatte doch bereits zu dämmern begonnen, außerdem blieS ein scharfer Aprilwind vom Norden herunter, kam uns lang« I samen Schrittes ein Mann entgegen. Klein Bobby sagte, indem er schaurige Furcht simulierte: „Du, Bär(er nannte mich immer nur „Bär"), da kommt einer und wir zwei sind ganz allein! Soll ich ihn um Tabak für dich anbohren?" Mit dem„Anbohren"— das heißt in der Sprache der Tramps„anbetteln"— hatte aber Bobby diesmal kein Glück, denn als der Mann bei uns stand, sahen wir, daß er ebenfalls ein Vagabund war. Mir wechselten die übliche Rede und Gegenrede der Wandernden, und da der Kerl einen durchaus stumpfsinnigen und wenig einnehmenden Eindruck auf»sich machte, trotteten wir gleich wieder weiter. Mit den Worten:„Du, Bär, ich glaube, der kann bestimmt nichts dafür, daß man ohne Draht telephonieren kann!" hatte ihn der rothaarige Flurschaden an meiner Seite soeben kurz und trefflich gezeichnet, als mir der Mann nachrief: „Mit dem Bengel", seine ausgestreckte Rechte wies auf Bobby,„kannst du doch nwrgen, am Ostersestabend, in der Stadt schweres Geld verdienen!". Wir blieben beide wie angetvurzelt stehen. Der Tramp war schon lange in der Dämmerung verschwunden, als wir noch immer am selben Platz standen. Ostern! Daß ich daran nicht gedacht hatte! Wie leicht man doch vergißt, wenn man außerhalb der Zeit, außerhalb der Welt lebt und nur einen Schienenstrang als Führer durchs Dasein hat. Bobby sah in meine Augen und merkte, daß bei mir etwas los sei, das mich traurig stimmte. Ta er einer derartigen Situation aber noch nie gegenübergesiande», verließen ihn Frechheit und Schalkhaftigkeit und er wurde zu dem, was er war: zum unbeholfenen, zärtlichen Kinde, das mich in einer rührend naiven Art zu trösten suchte. „Ostern ist nicht schön, gelt, Bär?" begann | er zaghaft.„Da wird nur viel gegessen und getrunken und die Kinder bekommen Schokoladen häschen— aber lange nicht alle Kinder... Ich I kann mich erinnern, daß mir meine Mutter, als sie I noch lebte— das ist aber schon lange her, mußt du wissen—, einmal von Ostern erzählte, und da halte sie auch die Augen voll Tränen. Sie kam zu I meinem Bett... llebrigen«, hast du schon einmal in einem wirklichen Bett geschlafen, Bär?" „Freilich, Bobby!" „Das ist fein, nicht wahr? Also da kam sie i zu meinem Bett und gab mir, lvie alle Abend, ein Huschibussi... Weißt du, was ein Huschibussi ist, lieber Bär?" „Nein. Bobby! Aber weine nicht, du armer Kerl, und laß uns von etwas anderem reden!" „Aber ich heul doch nickt wegen des Huschi- buffi, sondern darum, weil du nicht weißt, was es ist!" „Ach so! Nu», du wirst es mir schon erklären!" „Ja, paß gut auf! Das machen die Mütter iunner so: Sie greifen mit den Händen ihren Kindern unter den Armen durch, huscheln sich zu ihnen und küssen sie auf den Mund und... und... und ich weih eS nicht... mehr so... so genau.._ Und während ihm glitzernde Tränen über die Wangen hüpften, stotterte er weiter:„Du... du hast recht, Bär, reden wir von etwas anderem... Wie weit, glaubst du wohl, daß es noch zur Stadt ist? „Wir sind in längstens einer Stunde in der City." Und dort in der City von Chicago geschah eö, das; ich Freund Bobby für immer verlor. Wir lva- ren schon ein gutes Stück durch die breiteste Verkehrsader der Mammutstadt gewandert, als Bobby plötzlich mit schier magischer Gewalt zu dem riesigen Schaufenster eines Schokoladenladens gezogen wurde. Umgeben von großen und kleinen Osterhäschen lag ein riesiges Schokoladenosterei. Klein Bobby war ansonsten bestimmt nicht schön zu nennen, aber wie er nun mit seinen strahlenden Kinderaugen so verklärt dastand, die Hände fest um die metallene Schuhstange des Schaufensters geklammert, als fürchte er, weggeriffen zu werden und die prächtigen Osterhäscken nie, nie Wiedersehen zu können, bot er unbedingt ein entzückendes Bild. Neben uns stand eine artnselig gekleidete Frau niit einem kleinen Mädchen am Arm, dem es anscheinend ein Bilderbuch mit einer Rotkäpp« chenszene auf dem Titelblatt ganz schrecklich angetan hatte. Die Kleine plapperte gerade allerliebst: „Und warum hast du so große Ohren, Großmütterchen?— Damit ich dich besser hören kmml — Und warum hast du so große Augen, Großmütterchen?— Damit ich dich besser sehen kann! — Und warum hast du so lange Haare, Großmüt« terchen?" Nun merkte das Mädchen, daß diese Frage eigentlich nicht dazu gehöre, dock war es um die Antwort nicht lange verlegen:„Damit ich mich besser frisieren kann!" Diese Ansicht löste nicht nur bei den anderen Umstehenden ein helles Lachen ans. sogar auch Bobby riß seine Augen auf kurze Zeit vom großen Osterei, und ein breites Grinsen huschte über sein Schelmenantlih. Diesen lickten Moment benützte ich, um ihm mitzuteilen, daß wir doch auch wieder weitergehen und unS um ein Nachtlager umsehen müßten. Aber davon wollte er absolut nichts wissen. Also versprach ich, ihn später abzu- 1 holen und bummelte allein weiter. schimpfend ausgesprochen und erklärt, eS sei nicht notwendig, in einem Staate so viele Soldaten und Beamte zu halten, wie in Oesterreick. Der Gendarm, Korporal Kohl, bestätigt, im Winter 1852 bis 1853 das Fenster im oberen Stockwerk des Konrad Teubler oft spät in der Nacht beleuchtet gesehen zu haben. Die bei Deubler gefundenen Bü- cker sind stark abgenützt, was auf deren häufigen Gebrauch durch Ausleihen schließen läßt. Deubler habe durch Bildung von Lesekreisen dahin gewirkt, die Bevölkerung in Treue und Glaube zu erschüttern und für irreguläre, sowie für sozialdemokratisch eDoltrin en empfänglich zu machen. Deubler habe auch wiederholt behauptet, daß es keinen Gott gebe und vor mehreren Gästen aus einem Buche die Behauptung vorgelesen: Christus sei nur ein gewöhnlicher Mensch gewesen und sei nicht vom Tode auferstanden——" Ter Kassationshof in Wien verurteilte Deubler— der von dem Grazer Gericht freigesprochen wurde— zn zwei Jahren schweren Kerker. Er büßte sie auf dem Spielberg ab. Dann war er für mehrere Monate in Olmütz interniert. Erst im März 1857 sah er seine geliebte» Berge wieder. Nun folgen glückliche Jahre bis zum Ende. Er wird Bürgermeister in Goisern, verträgt aber nicht lange die Bürde der Würde. Als Obmann des Ortsschulrates kann er etwas für seine Ideen tun. Man vereinigte die katholischen und lutherischen Schulen zu einer konfessionslosen Schule der Gemeinde. Weit vor ivagte er sich aber nicht. Der Kerker auf dem Spielberg hat gewirkt. Er war, wie er einmal schrieb, allzu in seine heimatlichen Berge verliebt und fürchtete die Trennung von ihnen. Er wagte nickt einmal das, was sein Freund, der Bäckermeister Franz Aschinger in Wels, gewagt hat: den Anstritt aus der Kirche. Er ist ein Theoretiker seiner Ideale geworden. Er will sich nie mehr in seinen Lebensfreuden durch unangenehme Zwischenfälle stören lassen. Sein niaterieller Wohlstand ist größer geworden. Besitz fördert selten die Rebellion. Aus dem Freunde der Philosophie und der 1 Wissenschaften wird in wahrem Sinne des I Wortes ein Freund berühmter Philosophen und Wissenschaftler seiner Zeit. Schwärmerisch verehrt er Ludwig Feuerbach, den geistvollen Apostel einer Geistesrichtung, die der Staatsanwalt in seiner Anklageschrift als N a- ! t u r a l i§ m u s bezeichnet und die den Wundern des Glaubens die nüchternen Wirklichkeiten des! Geschehens in der Natur entgegensetzt. Mehr als j zehnjährige innigste Freundschaft verband die bei«! den Männer. Das größte Erlebnis DeublerS auf wissenschaftlichem Gebiete war das sieghafte Vordringen der Gedankenwelt Darwins. So mußte er auch mit Ernst H a e ck e l in Verbindung kommen. Nach dem Tode Feuerbachs war es Haeckel, dem Deubler unter seinen wissenschaftlichen Freunden am meisten zugetan war. Im September 1877 reist Deubler nach München nur um den Vortrag Haeckels über die Fortschritte der Entwicklungstheorie auf dem Naturforschertag zn hören. Beide: Feuerbach und Haeckel, waren auch Gäste Deub- lers auf dem PrimeSberg. Mit beiden unterhielt er auch einen ständigen Briefwechsel. AuS Briefen Haeckels wußte auch Darwin davon, daß in den österreichischen Alpen ein hochgebildeter Bauer lebt, der zu seinen eifrigsten Anhängern gehört. Einer der letzten Briefe DeublerS war an Haeckel gerichtet. Er schrieb ihm am 29. Februar 1884 unter anderem folgendes: ..... Auch Moleschott hat mir von Nom geschrieben und nur zwei neue Hefte von der neuen Auslage seines„Kreislauf des Lebens" zn- geschickt... Haben Sie„Die konventionellen Lügen der Kultnrmenschheit" von Max N o r d a n gelesen? Bei uns in Oesterreich ist dies Buch jetzt streng verboten worden... Ob Sie noch einmal zn mir in mein Alpenhäuschen auf einige Woche» kommen können—?.I ch hoffe es!.. Grüßen Sie mir Ihre liebe, gute Frau und behalten Sie mir Ihre Liebe und Freundschaft die wenigen Monate, die mir die Natur noch zu atmen erlaubt..." Am letzten Tage des Februars schrieb der fast siebzig Jahre alte Deubler diese Zeilen, am letzten Tage des März hörte er auf zn atmen. Die lange Untersuchungshaft und der zweijährige Kerker auf dem Spielberg haben DeublerS Willen z u ni Kampf für eine neue, bessere Ordnung der Welt— wenn er einen solchen vielleicht in seinen jüngeren Jahren hatte — getötet. Sozialdemokrat war er nicht, wenn auch der Grazer Staatsanwalt ihn für einen Wegbereiter der sozialdemokratischen Ideenwelt hielt und wenn er auch Bücher von Marx und Lassalle las und besaß. Er hat aber diese, wie er einmal sagte, dort aufgehoben, wo sie vielleicht die.Katze,.nicht aber der Gendarm finden kann. Trotzdem er eifriger Leser fortschrittlicher Zeitungen war, zeigte er in seinen späteren Jcchren gegenüber den zeitgemäßen Problemen der Politik ein Verhalten, das im schroffen Gegensätze zu den Idealen seiner Jugend stand. Er Ivar ein Gegner des allgemeinen Wahlrechtes. Das war der Standpunkt des Ivohlhabenden und gelehrten Bauers, der die Bildung über alles schätzte und dem nichts GelehrteuhafteS fremd blieb, nicht einmal die Weltfremdheit. Wie es immer sei, ist uud bleibt Deubler ein Symbol der lebendigen Geisteskräfte des Bauerntums, ein Symbol der Hul- j digung vor der Wissenschaft und daher auch Symbol des Fortschrittes. Wird man sich jetzt seiner in seiner Heinia! ; erinnern? Ein Freund DeublerS, der Züricher Naturforscher D o d e l, schrieb vor mehreren Jahr« s zehnten:„Einstweilen mag sein Gedächtnis und j sein geistiges Wesen weit herum in fremden Lan- dcn wandern gehen!" So war es damals und so ist es heute erst recht. Es wird aber auch die Voraussage Dodels Wirklichkeit werden:„Das ganze iVolk von Deutsch-Oesterreich wird eines Tages stolz den Namen dieses Banernphilosophen hoch- halten. Eines Tages!— freilich jetzt noch nicht. Aber auch für Oberösterreich wird die Zeit herbeikommen, da über de» herrlichen Bergen und Tälern der Adler geistiger Befreiung die starken Schwingen schlagen wird!". Das nhünsle Oiter-Benhenh XF 1 Los der Hrbeiterfürsoroe Ziehung bereits am io. April! Ms ich nach reichlich einer Stunde wieder zurückkam, stand er nicht mehr beim Schaufenster, sondern ein Stück abseits davon und blickte mit bitterböser Miene auf einen feisten Herrn mit Kaiser-Nero-Plchsiognomie, der im Türrahmen des Schokoladengeschäftes lehnte und ebenso giftig zurückblickte. Neben Bobby jtand die ärmlich gekleidete Frau mit dem kleinen Mädchen am Arin. „Hallo, Bobby, was ist los?" fragte ich ihn erstaunt. „Davongejagt hat uns der fette Schinder! Leute, die kein Geld haben, brauchen ihm nicht das Schaufenster zu verstellen, hat er gebrüllt! Aber, das sage ich dir, Bär, wenn ich einmal reich bin und Amerika kaufe, schenke ich dir den Kerl als Sklaven. Tu magst ihn dann meinetwegen durch ein Kanalgitter pressen und als Dauerwurst verkaufen!" Die Fran lächelte matt und meinte schüchtern: „Er wird bald wieder hineingehen, dann schleichen wir uns nochmals hin!" Ich rief Bobby zur Seite, hielt ihm den Zipfel meines Rockes unter die Nase und sagte: „Höre mal, Bobby, du hast ja gute Zähne, beiße hier die Nähte durch, es ist ein Dollar für lausige Zeiten eingenäht. Den gebe ich dir als Ostergeschenl! Kaufe dir so ein paar Osterhasen." Wie eine Haselmaus in eine Nuß verbiß er sich in mein Kleidungsstück, doch als er bald darrauf das blanke Goldstück in der Hand hielt, wurde er nachdenklich. Seine mit Sommersprossen bespritzte Stirn zog sich wie der Balg einer Ziehharmonika zusammen, dann sagte er langsam: „Ich danke dir, Bär, aber... aber sei nicht böse, so ein schäbiger kleiner Osterhase freut mich gar nicht! Wenn ich nicht das große Osterei haben kann, das dort so schön herlugt, dann verzichte ich überhaupt daraus. Ich habe vorhin beschlossen, hier in Chieago zu bleiben, irgendein Blatt wird schon einen flinken Zeitungsjungen brauchen können, dann kann ich mir selber kaufen, was mir gefällt. Aber das sage ich dir, wenn mir der eklige Fettwanst mit dem roten KürbiSgesicht nicht die Ware fein-inpackt und mit mir so höflich ist, als wäre ich der leibhaftige Rockefeller, dann mache ich Krach, daß die Bude wackelt!" „Recht hast du, Bobby, bleibe hier und suche dir ein Unterkommen. Und den Dollar behalte als Grundkapital!" Er wurde abermals nachdenllich und blinzelte mich bittend an: „Wenn du ihn nur wirklich schenkst, Bär, dann gebe ich ihn dieser armen Frau dort, sie hat mir nämlich gesagt, daß sie ihrem Mädchen heute nichts kaufen könne, und war sehr traurig darüber!" So geschah eS auch... Ich bin damals weitergezogen und habe von meinem Keinen Freund nie wieder etwas gehört, aber ich bin fest überzeugt, daß er seinen Weg gemacht haben wird. Und wenn ich heute manchmal von einem sckwererziehbaren Kinde höre, so fällt mir immer Bobby, der kleine Lausejunge vom Schienenstrang, ein, und ich denke mir, daß eS eigentlich vernünftig ist, man erzieht einen Menschen gar nicht, als man erzieht ihn schlecht, denn die Sonne spiegelt sich ja doch in jeder Pfütze und I ist manchmal tief da drunten viel, viel reiner und schöner als hoch da droben... k wird. s sreiheit" etwas vormachen sollen. Aus ll z h o r o d loird berichtet: An der rumänischen Grenzortschaft Marmaroeslö Tihoti unterhielt der Privatbeamte Weiser eine Bekanntschaft mit der Witlvc Breuer, der er die E h e versprach. An der letzten Zeit schob Weiser die Eheschließung jedoch hinaus, ohne hierin Gründe anzugeben. Die H a u S a n g c st e l l t e der Wittve stellte nun fest, daß Weiser eine geheime Bekanntschaft mit der Bcrläuferin in einer Trafik, Smothzcr, unterhalte. Ohne ihren Plan ihrer Arbeitgeberin anzuvcrtraucn, taufte das Dienstmädchen einen Revolver und stiftele ihren Bekannten namens L u k i L an, die Tabak v c r k ä u f e r i n zu e r s ch i c ß c n. Lu- kiö fiihrte die Tat durch. Nach einer kurzen polizeilichen Untersuchung des MordfalkcS wurden die b e 72jährige vom Auto getötet Schweres Unglück in der Prager Foch-Straße. Freitag nachmittags gegen 17 Uhr überalterte die 72jährige Eisenbahnoberinspeltors- wiitve Steinbach die Fahrbahn dicht hinter einem in der Richtung zu den Friedhöfen fahrenden Motortvagcn der Straßenbahn. Sic tvurde dabei von einer auö der Gegenrichtung kommenden Autodroschke erfaßt und zn Boden geschlendert. Während des Transportes ins Spital verschied die Greisin. Sie hatte eine Zertrümmerung des Schädetknochcna erlitten. Nach den Angaben des Ehaufsenrs, des 37jährigen Dvndit Kozma, ist dieser mit normaler Geschwindigkeit gefahren. Frau Steiilbach sei dicht hinter einem Motortvagcn gegangen, so daß er sic nttmittelbar in einer Entfernung von drei Metern vor sich sah. Er leitlte noch den Wagen zum Gehsteig, der Wagen geriet aber ins Schleudern, so daß die Fran,trotzdem erfaßt und zn Boden geschlendert ivnrde. Der Chausjeur Ivurde verhaftet. schwarze Holzkohle entstand. Mit ihr erhitzte schon der Schmied das Eisen, schmolz der Hütteninaun die Erze und der Goldschmied Silber und Gold, ein lveitercr Schritt und neue Grundlagen zur Entwicklung einer neuen Industrie war damit getan. Doch der Holzreichtum lvar nicht gleichmäßig über die Erde verteilt. Neben den Wäldern warcit ausgedehnte Flächen mit Wasser bedeckt. ES lvar stehendes Wasser, aus dem üppiger Pflanzenwuchs entstand. Diese Pflanzen grüntcit, blühten, starben ab und versanken. Jahrein, jahraus wicder- holte sich dieses Spiel. Schicht der Pflanzenleichcn auf dem Sccgrunde. Schlvere schwimmende Decken aus Moos und Schilf zu einem dichten Teppich verstrickt, lagerten sich auf dem Wasser selbst ab. Jahrhunderte haben Decke und Grund vereint und eine weiche Sumpfmasse hinterlassen, in der die Sonnenlvärnte vergangener Jahrtausende begraben ist. Die pflanzlichen Ucbcrreste haben sich zersetzt, ihnen ist AchnlicheS wie dem Holze im Meilcrbrande willfahren. Die Kohlenwasserstoffe sind nach oben entwichen. WaS übrig blieb tvurde immer schwärzer und kohlenstoffreicher und wurde zu dem, was wir als Torf bezeichnen. In diese Sümpfe drangen die Menschen, entwässerten dieselben, trockneten die übrigblcibcnve Masse und ein neues Brennmaterial war geschaffen, das sich noch besser als die bisher bekannten im HauS- lvie im Jndustriebrande verwenden ließ. Wie die Entstehung des Torfes sich über Jahrhunderte erstreikte, so bat sich AchnlicheS in Jahrtausenden, wo an Menschen noch nicht zu denken ist, in einer Zeit, wo die Tierwelt neben Fischen nur durch wenige Insekten vertreten war, in der Steinkohlen zeit vollzogen. Die noch fühlbarere Eigenwärme der Erde ließ gewaltige Gc- wächsc— Bäume in ungeheuerer Größe— erstehen. Farnbäume und Riesenschachtelhalmc verbreiteten sich über meilenweite Flächen der Erve. Erderschiitterungcn ließen sic niederbrcchen und mit Stein- nnd Schlammassen bedecken. Aber die unerschöpfliche BcgetationSkraft überioindek diese Katastrophe und von neuem beginnt das Werden und Vergehen dieses getvalligen Pflanzennach- lvuchses. Die Stcinkohlcnzeit neigt ihrem Ende zu. Die Katastrophen lverden immer seltener und die Wälder späterer Zeit werden nicht mehr unter Schlamm- und Steinmasscn begraben. In der Tiefe ruhen nun diese alten Wälder. Mit unendlichem Druck lastet auf ihnen das Fclsgestein unv Abrüstungskonferenzen PariS, 30. März. Außenminister Barthon pflog gestern u. a. längere Unterredungen mit dem englischen und dem italienischen Botschafter. Dem„Petit Parisien" zufolge, betrafen die Unterredungen hauptsächlich die Vorbereitungen für die bevorstehende Tagung der be- kanntlich für den 10. April einberufenen Präsidiums der Allgemeinen Abrüstungskonferenz. Der britische Botschafter hatte sich eingefunden, mn sich u. a. über den ersten Eindruck zu informieren, welchen die vorgestrige britische Note, in welcher um Aufklärungen zu dem französischen AbrüstungSinentorandum ersucht lvurdc, auf die französische Regierung geübt hat. Minister Barthou arbeitet an dem Texte der Antwort an die englische Regierung, welche er ..Unentbehrlich zum MenscheMvohlc Ist der schwarze Diamant, die.Kohle". Wohl ist die Wahrheit dieses Sprüchleins, das entstanden in der Blütezeit der Kohlcnindu- stric, stark erschüttert. Fast scheint eö, als wenn gegeniväctig die Kohle nurntehr als regievermeh- rendeS Rohprodukt gewertet werde und dennoch liegt in diesen Worten eine unverlöschbare Wahrheit. An der ganzen Gestaltung der Menschheitsgeschichte, an all dem Werden und Vergehen der letzten Jahrhunderte, an dem Ausstieg der Kultur, der Entwicklung der Technik, an all dem, was dem Menschen zum Beherrscher der Welt erhob, ist dec Anteil der Elemente„Feuer und Kohle" so groß, daß ohne sie der gegenwärtige Zustand undenkbar wäre. Freilich hat sich in den letzten Jahrzehnten der menschliche Geist— nicht ohne Hilfe die;er Kräfte— Gebiete erobert, welche heute die Kohle, auS dem die treibende Kraft hervorgegangen, im- mcr mehr durch Kräfte ersetzt, die sich die wissenschaftliche Forschungsarbeit im Dome der Natur dienstbar machte. Heute im Zeitalter der Elektrizität wird freilich der schwarze Diamant mancherorts verdrängt und andere energicentlvickelnde Elemente treten an seine Stelle. Dessenungeachtet aber wird es ewiger Verdienst bleiben, was die Kohle der Menschheit vermittelte, was atiS iyr an Kraft entsprang und die Wege ebnete, die Wissenschaft und Technik vorwärtsirugen. Ein ganz kurzer Rüclltlick soll uns zurück, weit zurückfiihren, in jenes Zeitalter der ersten Versuche, das Feuer in den Dienst des Menschen zu stellen. Wenden wir unseren Blick in die Vergangenheit und verfolgen die Geschichte der Menschheit, soweit wir sie verfolgen können, so kommen lvir In die Zeit des letzten Weltenwintcrs, in die jüngste Eiszeit, wo die Menschen noch in natürlichen Höhlen lebten. Immer tiefer sinkt die Kultur und immer primitiver werden die Werkzeuge, nur eines finden wir immer, das ist die Brandstätte, die Fetterstelle. Nach den Sagen der Völler ist der Bringer des Feuers„Prometheus" gewesen, der von ihnen als Halbgott verehrt wurde. ES soll also„vom Himmel gekommen sein". Vielleicht ein zündender Blitz oder auch der glüheitde Lavasirom eines feuerspeienden Berges brachte cs den Menschen und hat ihre Herrschaft damit begründet. Der Besitz des Fcucrö erhob die Menschen ein für allemal über alle anderen Lebckoesen der Erde und in dem Augenblick, da der Mensch dieses Element zu bändigen lernte, war der erste Schritt zur Erringung der Weltherrschaft getan. * Der Besitz des licht- und wärmespendenden Feuers erhob die Menschen auf eine höhere Kulturstufe. Am Feuer konnten sie ihre Speisen kochen und rösten, es gab ihnen die Möglichkeit,' Ton und Lehm zu brennen und so entstand, als eine der ersten Industriezweige, die Töpferei (Keramindustrie). Durch Jahrtausende hindurch, bis tief in das achtzehnte Jahrhundert hinein, war und blieb das Holz das wichtigste Brenninaterial. Holzscheite brannteti an den Lagerfeuern der Naturvölker so- toie auch in den Kaminen der mittelalterlichen Nillerburgen und in den Gemächern der Grafen nnd Fürsten, ebenso wärmte sich die Armut an ven Flammen von Raff- und Leseholz. Nur die Nomadenskämme Afrikas und Asiens sanunelten schon in alter Vorzeit den Mist ihrer Herden und verbrannten ihn in den Lagerfeuern, da ihnen die Wüste nichts anderes bot. Erst später, als Kultur und menschlicher ErsinnungSgeist schon weiter fortgeschritten, kmn die Holzkohle an die Reihe. Durch Tage und Wochen dauerndem Meilerbrand mutzten bei gleichmäßig und langsam fortschwellendein Feuer, auö dem Holze Wasserdampf und Kohkcn- wassergase getrieben werden, bis daraus die Was der Italienische Leser nicht erfahren darf In seiner täglichen Betrachtung„Ich hörte gestern", erlvähnt Hannen Swaffer im„Dail h Herold" eine bezeichnende Einzelheit über die italienischen Prcsseverhältuisse. M.'.n begnügt sich nicht nur damit, den Arbeiter von jeder Mitbestimmung auSzuschließcn; er darf auch nicht erfahren, wie seine Klnssengeiiossen im Auslände um Freiheit und Recht kämpfen. So durfte den großartigen Labour-Sieg bei der. Londoner Graf- schaftSrats-Wahl mit Ausnahme von zwei für das Ausland bestimmten Blättern die gesamte italienische Presse nicht einmal erwähnen I Die beiden VorzugSblätter sind der„C o r r i e r e■ della Sera" und die Turiner„S t a m p a", die itälienischc„Preß, IsLesneMkeilcn Belgische Steinbrucharbeiter verschüttet Bisher fünf Tote geborgen Brüssel, 30. März. In Sriltrö in der Nähe von Hnh in der Proviitz Lüttich ereignete sich in einem dortigen Stcinbruch durch einen vorzeitig loSgehrnden Sprengschnsc ein schweres Ein- sturzunglück. 4000 Tonnen Gestein gingen zu Bruch nnd verschütteten eine Anzaltl von Arbeitern. Eine sofort eingesetzte Rettungökvlonne konnte fünf Arbeiter nur noch als Leichen bergen, ein sechster ivnrde in schwerverletztem Zustande in» Krankenhaus überführt. Man befürchtet, daß unter den Gesteiuömaffen sich noch weitere Verschüttete befinden. I hat Stämme und Reste zu einer kompakten Schicht zusammcngcdrückt. Bon unten her wirkt die Erdwärme und der Prozeß, der sich im Erdiitnern vollzieht, gleich jenem im Meiler deS Köhlers, der aus dem Holzscheite die Holzkohle entstehen läßt. Aus dem Holze dieser Wälder, die vor fünfzig» bis hunderttausend Jahren verschüttet Ivurden und daher noch näher an der Erdoberfläche liegen, ist Braunkohle, aus jenen älteren Datums, die Steinkohle entstanden. Während nun Jahrtausende ins Land gingen und Wasserwellen, Frost und Eis die Erdmasscn, die die Kohlcnwäldcr bedeckten, nicht unberührt ließen, kam an manchen Stellen der Kohlcitlvald tviedcr zutage. Grün ist er zur Ruhe gegangen, auf schwarzes Gestein fiel jetzt die Sonne. Niemand achtete darauf und Jahrhunderte mußten erst wieder vergehen, bis ein paar dieser schwarzen Steine in ein Hirtenfcuer gerieten und mit Stau- Im Jahre 1610 sammelte der Engländer Dud Ducket) die Steinkohle und führte sic an Stelle der Holzkohle in die Eisenhütten. Bon diesem Jahre an begann die Steinkohle die Holzkohle ständig zu verdrängen, begann die Steinkohle ihren Siegeszug über die Welt. Menschen drangen in das Erdinnere und langsam begann sich eine der wichtigsten Industrien zu entwickeln, der Bergbau. Was er für die Menschheit bedeutet, bezeugt das s letzte verflossene Jahrhundert, bezeugt die Enlwlck- I lung der Industrie und der Fortschritt der Technik. Aus tausenden Schächten fördern gewaltige Maschinen uitendliche Kohlcnmcngen, nm die Gluten zu nähren, die mit Holz gespeist, sämtliche Wälder der Welt in einem Jahr verzehren würden. Sv Hai sick> die Kohle der Menschheit dienstbar gemacht. Die in ihr aufgespeichcrten Kräfte haben die Welt bezwungen und die entferntesten Länder miteinander verbanden. im Erdinnern ohne menschliche Einwirkung für alle entstanden, ist zur Seele der Industrie geworden und bat menschlichen Geist und Schaffenskraft bis zur höchsten Entfaltung cmporgchoben. Sic ! hat nebenbei einem verhältnismäßig kleinen Krci von Menschen— die sich das durch eherne Naturgesetze entstandene llrprodnkt der Erde als ihr | Eigentum erzwangen— Wohlstand und Reichtum geschaffen. Arm geblieben ist jedoch jene große Zahl von Menschen, die in mühevoller Arbeit aus der Erdenticfc die llcberrestc vergangener Vegetation zutage heben—„die Bergarbeiter". To segensreich die Kohle auch der Menschheit dient, so bitter ist eS. diese Tatsache fcstzustel- lcn. Denn erst dann, wenn alles, was auö ihr entspringt, gleichmäßig dem Wohle aller dienen wird und auch die Kohlengräbcr gleicheit Anteil an dem Produkte haben werden, das durch ihren Fleiß zum Licht emporgctragcn, ivird sic auch Dienerin der ganzen Menschheit sein. Stile 8 Samstas. 31. Mürz 1034 Nr. 7ff I L!«ifenftei« contra Goebbels für die um Manager, die dann meist ihren sauer ertanzten-Lohn t i sich Ivaren die vor einigen inszenierten„Rederekorde". Auferstehung! Wenn die Natur zaghaft zu erwachen beginnt, wenn erstes Sil» bergrün das Grau winterlicher Oede überzieht und der Mensch den Frühling einatmet, feiern die Frommen Ostern als das Fest der Aufcr» stehung... Aber die Menschheit ist, allen tröstlichen Aphorismen österlicher Sänger zum Trotz, noch nicht aufcrstandcn. Auf den Kanzeln stehen die Geistlichen und predigen von« Frieden der -Ostcrtage. Aber die Worte Verhallen leer, denn über den Kanzeln dieser Welt thronen die Götter der Profits und der Unmenschlichkeit. Altfcr- stehung— wenn der Ungeist der Diktatur Menschen zu Sklaven erniedrigt, wenn größenwahn» sinnige Caligulat- die Peitsche des Hasses übel gcdcmütigtcn Völkern schwingen rind der Geist der Auferstehung irr den Konzentrationslagcrrr tagtäglich geschändet wird?! Bürger, die heute rnit FeiertagSrnicnen segnend herumlarrfcn, um rnorgcn inr heiligen Namen des Mehrgewinns zu unterjochen, was Menschenantlitz, gleich ihncrr tragt, haben kein Recht, das graste Wort von der Auferstehung in den Mund zu nehmen! Aufer» stehrrng— wenn die Rüstungsmillionäre im Rekord arbestcn dürfen, rvenn unsere Kinder hungern rnüssen, damit es den Dividendenempfängern wohl ergehe?! Was nützen alle Ostcrbotschaften gut gesättigter Biirokratcn, wenn die Habgier Triebfeder aller Handlurrgen ist?! Der Bischof von Aork hat jetzt an den englischen Ministerpräsidenten ein Schreiben gcrich- tet, in denr er leidenschaftlich gegen die Kiirzung der Unterstützungssätze für die Arbeitslosen protestiert und sic als ein Verbrechen an der Volksgesundheit bezeichnet. Und der Londoner Pfarrer Thomas von der Londoner St. Paulökathedrale, der diese Initiative des Bischofs begrüstt, kommentierte sie in einer Prc- digt folgen der» lasten:„Wenn ich Kinder habe, die infolge dieser morschen sozialen Ordnung verhungert sind, so geht cS nicht nur mich, sondern euch alle an! Der Bischof von Jork und der Pfarrer von St. Paul sind, so fiirchten wir, zwei Prediger in der Wüste. Der Hunger geht weiter, und das Unrecht diktiert... Bis zu jenem Tage, an dem der Geist der Aufcr- stehung aus den Gebetbüchern und den frommen Sprüchen heraus ins Leben der Menschheit hineingetragen lvird. Dann wird nicht nur in der Natur das verheitzungSvollc Grün des Früh- lingS zu sprießen beginnen—, dann wird aus dem Meer von Tränen und Blut, aus den Rui- nen einer dem Untergange verfallenen Epoche, der Mensch, diese leidvollste Kreatur, aufcrstan- den und erlöst sein! Ter Osterfrirde. Die Vorsitzende des Ts chosloivatischen Roten Kreuzes, Dr. Alice Masary- kovä, hat am Karfreitag Abend in einer Rund- funlkundgebung alle Bürger der Republik aufge- fvrdcrt, den Frieden deü Roten KrelizeS zu Hause und in der Genieinde, in Wort und in der Presse einzuhakten. Tas Tschechoslovakische Rote Kreuz spricht die Bille auS: Am Karsamstag in der Mittagsstunde inögc jeder— sei eS nun in der Werkstatt oder hinter dem Pfluge, bei der Arbeit im Hause oder auf der Reise— in seiner Arbeit innchalten. Eine Affäre in der tschechisch-nationalsozialistischen Eisenbahnrrorganisation. Vor einigen Tagen wurden leitende Funktionäre der„Jcdnota", deö Verbandes der tschechischen nationalsozialistischen Eisenbahner, zur Resignation gczlvungen. Offiziell wurde angegeben, daß ideelle Differenzen mit der Mitgliedschaft zu diesem Schritt Veranlassung gaben. Es scheint jedoch, wie in den Strtbrnh-Blättern behauptet wird, die Ursache eher in Unregelmästigleiten in der Geschäftsführung bestanden zu haben. Kanal zwischen dem Weißen Meer und der Ostsee. In der bevorstehenden SchisfahrtSsaison lvird auf dem vor kurzem sertiggestellteu Stalin- Kanal, der die Ostsee mit dem Weihen Meere verbindet, der rcgeltnäßige Personen- und Güterverkehr aufgcnonnnen werden. Die Uniongcsell- schaft für Touristik lvird Gesellschaftsreisen durch den Kanal veranstalten. Goldproduktion in Rumänien. Bei Kronstadt wird ein Goldbcrgwerk betrieben. Tie Stollen erreichen eine Länge von 4 km und die Schürfarbeiten lverden unter Benutzung modernster Gru-! beneinrichtungen durchgeführt. Während die AuS-1 beute an reinem Gold im Jahre 1S21 700 kg betrug, erreichte sic während der letzten Jahre einen Jahresdurchschnitt von 3.700 kg. Die För- dernng erfolgt in einigen Schächten, die früher als erschöpft galten. Es wurden zwar neue Goldadern aufgefunden, deren Abbau jedoch vorläufig aufgeschoben wurde. 12.00 Bauer-Broschüren in England binnen drei Tage» verkauft. An dem Schicksal der österreichischen Genossen hat die englische Arbeiterschaft herzlichen Anteil genommen. ES nach Kräften zu mildern, hat die Labour-Party eine schon jetzt sehr ertragreiche Smnmlung cingeleitet. Diesem Fonds fliesten auch die Einnahmen auS dem Verkauf der Broschüre Otto Bauers zu, die unter dem Titel„Die österreichische Demokratie unter Feuer" nun schon in 12.000 Exemplaren in drei Tagen vertrieben loorden ist. Eine weitere Auflage befindet sich im Druck. Eine Stratosphärrnkonferenz. Diesen Samstag wird in L e n i n g r a d die erste von der sow- jctrussischen Akademie der Wissenschaften einbcru- scnc Konferenz zum Studium der Stratosphäre ihren Anfang nehmen. Die wissenschaftliche Konferenz wird sich u. a. mit dem Studium der höchsten Schichten der Atmosphäre, ihrer Temperatur, deö Luftdrucks, des Feuchtigkeitsgehaltes u. dgl. befassen. Den wichtigsten Programmpunkt bildet das Studium der kosmischen Strahlung. 270 Fischer auf einer Eisscholle. In der Nacht zum Donnerstag hatte sich unweit des Leuchttur- mcü von Tobuchinow im F i n n i s ch c n Meerbusen eine gewaltige Eisscholle, auf der sich 270 Fischer mit ihren Pferden befanden, vom Festlande losgerissen. Im Leningrader Hafen lvurde sogleich eine HilfSexpedition organisiert und die beiden Eisbrecher„Trubor" und„Oktober" eilten trotz dichtem Nebels den gefährdeten Fischern zu Hilfe. In den Morgenstunden des Donnerstag gelang eS ihnen, die Fischer samt ihren Pferden in Sicherheit zu bringen. Erdbebe« in Rumänien Bntarcfi, 30. März.(£91.) Ein gestern in Rumänien verspürtes Erdbeben dauerte von 22.07 bis 22.8 llhr, gab sich in drei Wcllrnstösten kund und erreichte in seiner Intensität den siebenten Grad. In Bukarest vcrursacktc das Erdbeben in zwei Wohnungen Kurzschluß, der ein Feuer hcrvorrief. durch das zwei Räumlichkeiten zerstört wurden. In Galatz stiirztc eine Decke einer Restauration ein, durch das hcrabstürzende Maucrlvcrk wurden zehn Personen leicht verletzt. In Jassy sind einige Häuser e i n gestürzt. Es gab einige Bcrtvundete, darunter zwei S ch w e r v c r w u n d e t e. In K i s ch i-- new sind gleicksalls einige Hänser eingestürzt, eS werden einige Verwundete gemeldet. Auch der Mciropolstan-Dom wurde beschädigt. Im Bakau in der Moldau stiirztc die Decke der Telephonzen- rrale ein. wobei ein Beamter verletzt wurde. Berchovo unter der Leitung! Molnar die Nicderreißung eines Als die Arbeiter eine Mauer zu i ganncn, stürzte plötzlich der ganze saminen und begrub unter seinen beiden Brüder. Kurz darauf st a r b B a k o an den Folgen der erlittenen inneren Verletzungen. Andreas Vak o lvurde an den Füßen v c r lv u n d c r. Als die G a t t i n des Josef Baku sah, Ivie die Mauern auf ihren Mann her- abstürztcn, verlor sie die Sprache. Gegen den B a u m c i st c r lvird wegen Vernachlässigung der pilichtgemästen Fürsorge ein Ti r a f- verfabren geführt. Eine der z PropagandameiHoden des Hitlerismus ist die I u- d e n y c tz e. Die antisemitische Agitation der braunen Volksverführcr hat ihnen zahllose verelendete Mittelständler zugesührt, deren„llcbcr- zcugiing" aus dem Groll gegen die vielleicht geschicktere Konkurrenz geboren wurde. ES ist die Aufgabe aller ehrlichen Sozialisten, diese schmierige Propagandaliige der Nazis zu entlarven und die Oefsentlichkeit immer wieder darauf hinzulvei« sen, Ivie sehr dieintcrnationaleBour- geoisieübcr alle konfessionellen Schranken hinweg die Einheitsfront der Besitzenden gegen die Ausgebeuteten und Hungernden aller Konfessionen formiert! Besonders die deutsche jüdische Bourgeoisie geht mit sliegenden Fahnen in das Lager ihres rassigen..Erbfeindes" über. Nicht nnr, dass sie aus ihren Veranstaltungen für die sogenannte„nationalsozialistische Winterhilfe" sammelt, deren Erträgnisse größtenteils der Aufrüstung der Hitler- scheu Landeötnechtc dienen, während die Hungernden das Nachsehen haben; sic bekennt sich auch offen zu Hitlers volksfeindlichem Programm. In Deutschland existiert ein„Verband nativ- ! n a l d c u t s ch e r I u d e n", der früher sehr unbedeutend war, in letzter Feit jedoch riesigen Zu- lauf aus saturierten jüdischen Kreisen erhalten har. Ihr Führer, ein gewisser Naumann, hat auf einer Hamburger Versammlung dieses Verbandes kürzlich folgendes gesagt: »Ich bekenne mich zu Hitler. Tas pazisi- stisch vergiftete internationale Judentum ist der schlimmste Feind des deutschen Judentums." Die Sprache verloren nngrstchts des lebendig begrabenen Gatten Zwei Arbeiter, die Brüder Andreas und Josef Balo, führten in der Gemeinde Berehn bei >cs Baumeisters Hauses durch, inrergrabcn bc- Bau in sich zu« Trümmern die Josef Rekorde des Wahnfinns...! Es gibt nichts Widerwärtigeres aus dem kapitalistischen Konjunkturrnarkt abgestandener und meist geschmackloser„GeschäftSidcen", als den Snobismus irgendwelcher sinnloser„Rekord e". Eine Zeitlang war es Mode, einen„Hungerrekord" aufznstellen. Als ob wir nicht schon msirciwillige Rekorde dieser traurigen Art genug aufzutveisen hätten! Abgebrühte Individuen setzten sich, von ihren Managern treulich behütet, in einen Glaskasten, ließen sich für Geld Öfc« staunen und hungerten so einem satten Leben entgegen. Nicht immer gingen diese üblen Prozeduren reell vor sich, man erinnert sich vielleicht an den Fall deö Berliner„HungerkünstlcrS" Jolly, der sich deü Nachts von seinem gerissenen Manager mit Schokolade füttern lieh und so spielend imstande war, den Unbilden deö Hungergeschäftes zu widerstehen. Als das geprellte Publikum dem heimlichen Esser hinter seine süßen Schliche kam. vcrpriigclte es ihn und der „Künstler" flog aus seinem Hungersalon direkt aus die Straße. Dann wurde eS Sitte,„Dauertänze" zu inszenieren, bei denen die einzelnen Wettkämpfer so lange tanzten, bis sie bewußtlos zur Erde niedersanken. Auch dieser abscheuliche^.Sport" wurde zu einem Bombengefchäst für noch ihre Kreaturen Prellten. Eine Nummer Jahren immer wieder Erwachsene Männer verpflichteten sich, sechs Tage Ausbeuter aller Konfessionen, vereinigt Euch! zugkräftigsten und zugleich übelsten I Für die Goebbels-Erlässe gegen die jüdische After« »•-"-’■""«*-■-1 klinst, so erklärte der Jude Raumann, habe er voll stes Verständnis. Die Versammlung schloß unter Heilrufcn mit der feierlichen Zelebrierung des deutschen G ruhe s. Zu erwähnen ist noch, daß die Saalwaud oberhalb des RednerpulicS mit einer riesigen Hakenkreuzflagge geschmückt tvar, vor der zwei Mitglieder der jüdisch-fascistischen Jugendvcrcinigung mit he rabgelassenen Sturmriemen Wach« hielten. In Wien erscheint ein Blatt der extrcmnatio« nalistischcn Zionisten-Revisionisten,„Der Judenstaat". In diesem offiziellen Organ des radikalen Zionismus befand sich dieser Tage an hervorragender Stelle ein Artikel, der ein hundertprozentiges B c k c n n t n iö zum Hitler« f a f c i S m u s darftcllte. Selbst die nationalsozialistische Terminologie, die Äichcphrascn von „Blut",„Boden",„Volkstum" und„Artverwur- zeltscin" sind hier bedenkenlos annektiert loorden. Der Clou des Artikels war eine unglaublich zynische, kaum verhüllte Aufforderung zum Mord am jüdisch-marristischcu, politischen Gegner, gleich hundsgemein und bübisch-kaltschnäuzig formuliert, wie man eS in den Blättern des Herrn Streicher zum Beispiel findet. Wo immer offene und getarnte Nazis das lächcrlicheMärcheu vom„jüdischen Marxismus" zu plappern waq.n, sollte mau ihnen diese Tatsachen, die ein Bclveia der interkonfessionellen Einheitsfront der Welt-Reaktion sind, unter die Nase reiben! P. Ein Meister züchtigt einen Schmätzer In russischen Literaiurblättern setzt sich der berühmte Regisseur©.- M. Eiseustei n, der Schöpfer des unvergeßlichen Meisterfilms„P o- i e m l i»", dessen ausrührcnder Mcxitofilm zwar grausam verstümmelt, aber doch nicht gänzlich vernichtet, unter dem Titel„D o n n c r ü b c r M e- x i k o", zur Zeit in Prag läuft, mit dem deutschen ReichSpropagandaministcr Goebbels auseinander, der sich seinerzeit bei einer„Tagung der Filmschaffenden" auch über den Potemkin-Film geäußert und ihn als„vorbildlich" für die deutsche Produktion hingestellt hatte. Herr Goebbels verlangte von seinen Eunuchen allerdings einen na- tiomüsozialistischen„Potemkin". Eisenstein stellt nun in scülem Artikel fest, daß eS den Nationalsozialisten unmöglich sein werde, filmisch Wertvolles zu schaffen, und sagt dann unter anderem: „Wir wissen alle, daß nur das wirklich e L e b e ii, die Wahrheit über das Leben und die tvahrheiiSgetreue Darstellung deö Lebens der tvirklichcn Kunst zugrunde liegen kann... Aber die Wahrheit und der Nationalsozialismus sind unvereinbar miteinander. Wer für die Wahrheit ist, kann nicht mit dem Nationalsozialismus gehen. Wer für die Wahrheit ist, ist gegen Euch! Wirkliche deutsche Filmkunst kann nur eine solche sein, die die rcvaluiionärcn Massen zum Kampfe gegen Euch rufen wird... Denn bei all den süßen Melodien Ihrer Reden halten Sie die Kunst und die Kultur in denselben eisernen Ketten, wie Tausende ihrer Gefangenen in den Hunderten ihrer Konzentrationslager... Gehen Sic zu Ihren Trommeln, Herr Obertrommlcr! Lassen Sie das zauberhafte Flötenblasen über den nationalsozia- listischcu Realismus im Film. Aeffcn Sie auch nicht noch im Flötenblasen Ihren Abgott, Friedrich ll. nach. Lassen Sie es doch beim Bcil„schlvin- gcn" hcwendeu, das Ihnen vertrauter ist... Heer Goebbels wird sich diese in Form eines „Offenen Briefes" gehaltene Antlvvrt des genialen Regisseurs bestimmt nicht hinter den Spiegel stecken.—! Anlässlich der Osterfrirrlaze wird im Buch- drnckcrgewerbc am Montag itiilit gearbeitet, so dass unsere Nummer am Dienstag, den 3. April, entfällt. Die nächste Ausgabe erscheint dann zur gewobiiteu Ttimdr am M i t t w o ch, den 4. April. Sonntag, den l. April erscheint nur eine sechsseitige Ausgabe. Tie Verwaltung. Die Leichtathletik— starke internationale Beteiligung. Neben dem umfangreichen turnerischen Programm wird es die Leichtathletik sein, die großes Interesse finden wird. AuS dem Auslände werden eine ganze Reihe von Wettkämpfen an den Start gehen. Für die Wettkämpfe sind hauptsächlich der 5., 6. und 7. Juli reserviert und enthalten folgende Sportzweige: Männer: Läufe: 100 Meter, 200 Meter, 800 Meter, 1600 Meter, 5000 Meter, 10.000 Meter und 110-Meter-Hiiideriiislanf; Stafette»: Small00 Meter, Schwedische und Olympische; Springen: Weitspriing, Hocksprung, Dreisprung und Stabhochsprung. Stosse» und Werfen:.Kugel, Diö» knS, Speer und Schleuderbäll, Fünfkampf und Zehnkampf.— Frauen: Läufe:(10 Mieter, 100 Meter und 200 Meter; Stafetten:-linnllOO Meter und Olympische; Sprünge: Hocksprung und Weitspriing: Stoßen und Werfen: Kugel, Diskus, Speer und Schlenderball; Dreikampf.— Jugeiidsport- ler: 4mall00-Meter-Stafette und Dreikampf.■— Iug en d s p o r t l er i n n e. n: 4X20-Meter-Sta- fette und Dreikampf.— Fast alle Wettkämpfe werde» auf der neuerrichtcten Leichtathletik-Kampfbahn durchgefiihrt. Für 20.000 Menschen täglich wird bei der II l. Arbeiter-Olympiade M a s s e n v e r p f l e g u n g bereitet. Zu diesem Zwecke wird der Olympiade-Ver- pflegiingS-AuSschuß direkt im Strahover Stadion eine Reihe von Küchen errichten, in denen für das Mittagessen allein mit einem täglichen Verbrauch von 20 Meterzentnern Fleisch und 2000 Laib Brot gerechnet wird.!-rüh und abends wird Kaffee gekocht, was einen weiteren Verbrauch von 20.000 großen Semmeln, 12.000 Litern Milch und 80.000 Kaffee konserven bedeutet. Jede einzelne VertcilungSftelle wird innerhalb zweier Stunden 100 Personen verpflegen müssen. lang vanseiiloS durchzusprecheii—, nicht die Qualität war entscheidend, sondern einzig und allein die Quantität, cs konnte sinnlos rezitiert, gesungen, gc- mnrmelt oder geschrien werden, mir der Mund nuißte artikuliert oder unartikuliert, in Belvcgung sein! Das Neueste auf diesem Gebiet sind die Nclorde im„S ch n e l l a n z i e h e n". In Wien hat kürzlich ein„Schncllanzicher" einen„Rekord" aufgc- stellt. Er hat für die Tätigkeit des Anziehens, düs heißt, das„Äus-dcm- Beit- Springen, Rasieren, Baden und Ankleiden" insgesamt 110 Sekunden gebraucht. Der Rekordler ist jetzt von ciiieni Madrider Narren„geschlagen" loorden, der für die gleichen Dinge mir 10-1 Sekunden brauchte... Zu bedenken, daß solche W a h n s i u u S s ch c r z e in einer Zeit betrieben und honoriert lverden, in der Huu- derttansende und aber Hiindcrtrausende in der ganzen Welt taganS, tagcin sich vergeblich nm ehrliche, sinnvolle Arbeit bemühen...! Vom Rundfunk E»lpsrhlrn»«ertr« au» den Programmen: Sonntag Prag, Sender L.: 6.42: G>>nuiastik, 0: Schallplatten, 12.15: Militärkonzert, 13.50: Soziale Informationen, 18: D e ut s ch e S e u d u n g: Ostern, Gedichte, 110: Deutsche Nachrichten, 10.15: Buntes Programm: Smetana, 20.12: Snk: In der Manege, 22.25: Deutsche Nachrichten.— Sender St.: 14.80: Deutsche Sendung: Landwirtschaft, 14.4Ä Arbritersendung: Josef Hofbauer: Ostrrbrtracktun» gen eines Arbeitgebers, 15: Schumann: Lieder, ,15.30: Frühlingsvariationen.— Brünn 1»: Bunter Nachmittag, 18: Deutsche Sendung: Max Mell: Das Apostclspiel.— Kascha» 17.55: Slowakische Volkslieder.— Berlin 12: Musik am Mittag, 16—18.35: Orchesterkonzert.— 20: Trompeter von Säcküigen, Oper.— Brüssel 21: Symphonieorchester. — Frankfurt 17: Handharmouikamusik.— Heils- berg 18: Christian Morgenstern zum 20. Todestag: Gahzenlieder, 10.80: Arien und Lieder.— Königs» Wusterhausen 20: Orchesterkonzert.— Leipzig 10: Tannhäuser. Wien 11.20: Syniphoniekonzcrt: Mozart, 15.80: Kammermusik, 22.20: Moiislrckonzert. Internationaler Kongress für Radiophonie in Warschau. Mitte April tritt in Warschau der 5. internationale Kongreß der juristischen Experten auf dem Gebiete der Radiophonie zusammen, an welchem die Vertreter der 22. im Internationalen Rundfunkausschuß vertretenen Staaten teilnehmen werden. Der Kongreß tvird sich u. a.mil der Festsetzung der juristischen Terminologie aus dem Gebiete des Rundfunks befassen und außerdem über den?lntrag ciueö internationalen Rnnd- funksabkonnncuö über den Schutz der Autorenrechte u. dgl. verhandeln. Seife ft «r. 76 SamStag, 31. März 1034 1-2-Z ->- der Schmutz vorbei, I Soschnell gehtdasPutzen undScheuern mit OMINOL. Holz und Metall, Glas, Porzellan t allem gibt OMINOL im Nu neuen Schimmer und Glanz, ohne Ihren Händen zu schaden. „A(I«S sauber wie durch Zauber" „Im Vertrauen gesagt, Molch," bemerkte Herr Schnelldrusch beinahe zärtlich,„ich freue mich geradezu diebisch darauf" • Der Ostersonntag brach an, wie er stets bei SchneUdruschs anzubrechen pflegt. Mit dem Wutausbruch des Hausherrn über die Sinnlosigkeit der Feiertage, die z» keinem anderen Zweck eingerichtet seien, als dem, ordentliche Mensche» ihrer regelmäßigen Postverbindung zu berauben. Gegen 11 Uhr vormittags kamen die Gäste. Herr Becker, der gewichtige Vierziger mit mindestens gtveiundeinhalb Zentner LeÜendgetvicht, sah eigentlich nicht Ivie ein Mann aus, der seinen Onkel für verrückt erkläre» läßt, um sich bei seinen geschäftlichen Manipulationen nicht stören zu lassen, sondern eher wie ein in Ehren überfett gewordener Engros-Schlächter. Er sprach schrecklich schnell und kam dabei leicht ins Stottern. „Es ist mir ein besonderes Vergnügen," sagte Herr Schnelldriisch liebenswürdig luid schüttelte dem Schmierseifenkönig warm die Hand, „Sie bei mir willkommen zu heißen." „Manieren hat er schon," dachte Fran Schnelldrusch staunend,„nur bei mir zeigt er sie nicht l" Herr Knülch, derPch ein Berniögen zusammengeschoben hatte, war spindeldürr, hatte ein galliges, verkniffenes Gesicht und erklärte sofort, ernstlich nierenkrank zu sein. Man solle sich deshalb keinerlei lukullische Scherze mit ihm erlauben und auf die Besonderheiten seiner Konstitution Rücksicht nehmen. Das war, in frostigem Ton herauSgebrummelt, keine besonders einladende Ouvertüre. Doch Herr Schnelldrusch, der sich durch nichts aus der Stimmung bringen ließ, klopfte dem hageren Schieber freundschaftlich auf die Schulter und sagte begütigend:„Machen Sie es sich gemütlich, bester Freund und tun Sie ganz, als ob Sie zuhause wären!" Es kamen lveiterhin die Herren Körber und Berger mit ihren Frauen, es kam der Bankdirektor Wirsing und Herr Schnelldrusch hatte für sie alle ein liebenswürdiges, individuell vorbereitetes Wort. So war man in bester Stimmung, Vie Osteriiberraschung „Wenn wir diese Gauner wirklich einladen müssen," sagte Herr Schnelldrusch mißmutig und spuckte aus,„ln Teufels Namen. Mer, das sage ich dir, so glimpflich wird das diesmal nicht abgehen—I" „Ernst, du bist unausstehlich," sagte Frau Schnelldrusch achselzuckend,„entweder man hat Bekannte oder matt hat sie nicht. Deine unmöglichen Manieren machen uns vor aller Welt lächerlich... und im übrigen dulde ich nicht, daß du immer auf den Teppich spuckst" „Aber sind cs denn keine Gauner?" er«. widerte Herr Schnelldrusch eigensinnig, wobei er l nicht vergaß, ein zweitesmal auf den Teppich zu spucken,„der Knülch zum Beispiel. Der Kerl hat doch ein Vermögen zusanunengeschobenl Wenn eS ihm nicht geglückt wäre, säße er heute im Zuchthaus; nun, da er Glück gehabt hat, sitzt er in einer Billa. Aber dacuni ist er doch um keinen Deut besser" „DaS geht dich nichts an," schrie Frau Schnelldrusch wütend,„wo käme man hin, wenn nian jeden so indiskret ins Geschäftsleben sehen würde?l" Aber Herr Schnelldrusch ließ sich nicht ins Bockshorn jagen. „Und der Becker?! Ist der Bursche von anderem Kaliber? Seinen Kompagnon hat er aus dem Geschäft herauSgeschmissen, feinen Onkel für verrückt erklären lassen und seine Schmierseife ist der größte Betrug, mit dem man jemals ein Vermögen erschlichen hat. Wenn es nach mir gehen würde—" „Zum Glück geht eS nicht nach dir!" schrie Frau Schnelldrusch aufgebracht und warf einen Serviettenring nach ihren Mann,„wenn es nach dir gehen würde, du Narr, könnten wir mit einer Laterne in der Hand die Welt nach einem anständigen Menschen absuchen. Solch' einen Luxus kann sich heutzutage ein Mensch aus den besseren Gesellschaftskreisen nicht leisten.. „Und Verger—? Und Körber—? brüllte Herr Schnelldrusch mit satanischem Lachen,„die wundern sich selber darüber, daß sie noch nicht hängen" Frau Schnelldrusch gab keine Antwort. Sic stand auf, tippte sich an den Kopf und warf die Tür knallend ins Schloß... Dann ging sie hin und schrieb zwölf Ostereinladungen. Sie hatten alle den gleichen Wortlaut: „Liebe Freunde l Cs würde uns ungemein freuen, Euch am ersten Ostervormittag bei uns begrüßen zu können. Körbe werden nicht angenommen. Wir rechnen bestimmt mit Eurem Erscheinen. Mein Mann freut sich besonders auf Euer Kommen. Wir haben allerhand Uebcrraschungen vor. Herzlichst Eure Edith Schnelldrusch." Während Frau Schnelldrusch fieberhafte Vorbereitungen für ihre Gäste traf, ging ihr Mann mißniutig und auf den Teppich spuckend durch die Wohnung. Er verfluchte die unerwünschten Gäste, zankte sich mit seiner Frau und war unausstehlich. Bis am Samstagvormittag Fran Schnelldrusch die ominösen achtzehn Schokoladeneier mit nach HauS brachte... Als er sie sah, war er wie unigctvandelt... Er pfiff, trieb seine Späße mit dem Briefträger und wußte sich vor guter Laune gar nicht zu fassen. „Na siehst du—," sagte Frau Schnelldrusch versöhnlich und atmete erleichtert auf,„eö ist doch recht schön, so ein bißchen Geselligkeit—" als Frau Schnelldrusch sich lächelnd verneigte und zu ihren Gästen sagte: „Ich bitte die Herrschaften zur Ostereiersuche!" Erfreulich aufgeräumt begab man sich in den Garten. Sie suchten mit emsigem Fleiß, selbst der nierenkranke Herr Knülch entwickelte artistische Fähigkeiten und kroch mit einer Gewandtheit unter die Sträucher, als ob cs seine Berufs« spezialität sei, ausgerechnet Ostereier zu suchen. Nachdem sie eine Viertelstunde gegraben und gefunden hatten, war ein jeder im Besitz eines Ostereies. Es waren schöne, dickbauchige Schokoladeneier und sie schienen innen gefüllt zu sein.„Aufmachen, meine Herrschaften ,“ sagte Herr Schnelldrusch mit unbeweglichem Gesicht.„Unsinn." rief seine Frau dazwischen, während plötzlich eine leise, unerklärliche Angst in ihr aufsticg, „wie sollten sie gestillt sein?!" Aber da hatten die Gäste die Eier schon äuSeinander- gebrochcn. Sie waren in der Tat gefüllt, aber mit einem unerwarteten Stoff, mit einem kleinen, bedruckten Papierstreifen nämlich. Der Bankdirektor Körber entfaltete seinen Zettel zuerst. Und last „Es kann einer an Schmierseife ein Vermögen verdienen, seinen Onkel mitErfolg zum Narren degradieren lassen und doch der kläglich st c Lump des Jahrhunderts sei n." „Großartig," rief Körber wiehernd,„das ist eine glänzende Idee." Und er amüsierte sich so, daß ihm die Tränen über die Backen liefen. Auch Herr Becker hatte sich bereits über seinen Papierstreifen gestürzt: „Bei ni i r i st e i n B a n k d i r e k t o r zuGast, den man eigentlich mit der Hundspeitsche hinauSjagen müßtel DerKerlhatinsein emgan- 8'besticht; minol Scheuermittel*j Wiener Glossen Lasset die Kindlein zn mir kommen... Das Elend der Kinder in Stehr ist weltbekannt. Alle Vorsprachen der Arbeitcrvertreter bei der Regierung Ivaren erfolglos und wenn nicht einige hundert Kinder bei Schweizer Familien Aufnahme gefunden hätten, wären sie gewiß schon verhungert. Und nun lese man, was die christlich- sozial-fascistische„R e i ch S p o st" dieser Tage triumphierend berichtet hat: Ein abgesagter Kindertransport von Stehr nach der Schweiz. Die„Reichspost" hat kürzlich aufmerksam gemacht, daß Kinder aus Steyr, die in der Schwei- gastliche Aufnahme gesimden haben, in vielen Fällen einer marxistischen Propaganda auS- gesetzt sind, die sich in Briefen an Verwandte und Bekannte ganz offen äußert. Dieser Tag« hätte nun neuerlich ein Kindertransport von Steyr nach der Schweiz abgehen sollen. Wie wir erfahren, wurde der Transport behördlich sistiert. Also durchschlagender Erfolg der Denunziation und Hetze des Dollsuß-Jnnitzer-BlatteS bei der österreichischen autoritären Regierung! Sie kann die Kinder nicht vor dem Verhungern schützen, aber so viel Autorität hat sie schon noch, zu verhindern, daß Schtveizer Arbeiter und gar Marxisten einige hundert österreichische Kinder vor dem Hungertod retten! Hakenkreuz und jüdische Dollfuss-Presse... Wie die Geier auf ein erschossenes Wild stür» zen sich die Heimwehr, die Dollfuß-Christen und die Hakenkreuzler auf die vernichteten Arbeiterorganisationen und alle wollen sie Stücke aus ihrem Eigentum verschlingen. Bekanntlich haben die„N a t u r f r e u n d e". der so erfolgreiche und verdienstvolle Arbeiier-Touristenverein, einige Dutzend schöner Schutzhütten auf österreichischem Gebiet erbaut— auf sie spitzen besonders die Nazi: Der„Deutsche und Oesterreichische Alpenverein" erklärt sich bereit, alle diese von der christlichen Heimwehr-Negierung gestohlenen Gebäude als„Treuhänder" in seine Verwaltung zu übernehmen. DaS wäre nicht nur ein fetter Bissen, sondern eö würde auch nach Wegfall des einzigen erfolgreichen Konkurrenten politisch für die Hakenkreuzler von größter Bedeutung sein, die Arbeitertouristen, zumeist doch jüngere Leute, im gesamten Alpengebiet in ihre Kreise hineiuzichen. DaS komischeste ist, daß die j ü d i s ch k a P i t a l i st i» sche Presse für diesen Plan die größte Reklame macht. Diese Dummköpfe wissen offenbar nicht, daß der„Deutsche und Oesterreichische Alpenverein" schon viele Jahre vor dem Aufstieg Hitlers den Arierparagraphen eingcführt hat, so daß kein Jude Mitglied des Vereines sein kann. Die Hakenkreuzler sind daher in diesem Verein ganz unter sich und die Arbeiter, die die von ihm. verwalteten SchuhhÜttcn benützen würden, wären ihrer Agitation vollkommen auSgeliefert. So.hilft die jüdischkapitalistische Presse, die wie ihre Geldgeber auS lauter Angst vor den Nazi dem christlichständischen Dollfuß und dem antisemitischen Heim« wehr-Fey in die rückwärtige Leibesöffnung kriechen, ausgerechnet den Hakenkreuzlern bei ihrer Agitation unter den jungen Arbeitern! . In dasselbe Kapitel gehört eS, daß die jüdischen Zeitungen für eine Lotterte des Vereines „S ü d m a r t" bezahlte und unbezahlte Reklanie machten. Dieser Verein ist ebenfalls ein« ungetarnte Hakenkreuz-Organisation. Die angeblich nazifeindkiche Dollfuh-Fey-Regierung weiß das ganz gut, aber sie oder einige heimliche Hakenlrcuz- ler im Lotterieressort haben dem Naziverein die Lotterie gestattet, um ihm Geldmittel zuznschanzen und die jüdische Presse treibt ihm die Käufer zu! Da muß mau das jüdische Sprichwort variieren: Wenn ein Jud blöd ist, ist er für hundert Doll- füßler blöd! Di« verhafteten Aerzte und die Aerztekammer. Wie die Wiener Zeitungen melden, hat die Staatsanwaltschaft II gegen den praktischen Arzt Dr. Friedrich Kupfermann eine Anklage erhoben, weil er— man höre!— während der Februar-Kämpfe einem verwundeten Schutzbündler ärztlichen Bei st and l e i st e t e,»ohne davon, wie eS das Gesetz vorschreibt, der Behörde Kenntnis zu geben". Also loird der Arzt wegen der Unterlassung der Anzeige verfolgt, lvaS eine kleine Geldstrafe zur Folge hätte? Nein, der Staatsanwalt klagt ihn wegen Verbrechens der Vorschubleistung beim Verbrechen dcS Aufruhrs an! Dabei weiß der Staatsanwalt ganz genau, daß bei D u e l l e n stets Aerzte für die Behandlung der Verwundeten tätig sind, ohne jemals eine Anzeige zu erstatten, aber die Zumutung, einen Arzt deshalb wegen Verbrechens der Vorschubleistung zum Verbrechen des Zweikampfes anzuklagen, hätte jede Staats- anwaltschaft als idiotisch abgelehnt. Die Zeitungen schweigen zu der ungeheuerlichen Mitteilung, aber auch die A e r z t e k a m m e r, die ja die StandeSorga nisation der Aerzte ist, kuscht im autoritären Ständestaat zn dieser Ungeheuerlichkeit. Neger und Japaner respektieren das Note Kreuz, das die Hilfeleistung für verwundete IzenLeben noch kein e t n z i g'e S e hiov- l i ch e S Geschäft gemacht!" „FamoSl" brüllte der Schmierseifenkünig und lachte so von Herzen, daß ihn: große Tränen über die Wangen liefen. Der Börsenmakler Berger war nicht weniger animiert, als er laS: „Der dürre, gallige Spießer, der sein Vermögen zusammen- gegaunert hat, müßte längst im Zuchthaus sitzen. Aber da kommen heute ja die Anständigen hin, während die SchufteOster- e i e r suche ul" „Beispiellos!" wimmerte Herr Berger und bekam vor Heiterkeit einen Erstickungsanfall— „mein Kompliment, Schnelldrusch, eine riesig originelle Sache!" „Sie werden Ihre Erkennungsmarken vertauscht haben, meine Herren!" sagte der Herr Schnelldrusch düster. Uebergehen wir das weitere mit Diskretion. Zu registrieren bleibt, daß Frau Schnelldrusch einen Ohnmachtsanfall erlitt und Herr Schnelldrusch, sich die Hände reibend, sagte:„Die werden bei uns niemals wieder Ostereier suchen!" Am Ende dieser Ostergeschichte stehen neun Beleidigungsklagen KlanSKern-DeihSer. Lausbuben stahlen die Riesenschlange« New?)orker Zoo-StarS auf der Wanderung — Dir Giftschlange liess sich allcS gefallen Die New Aorker Polizei hat jetzt zwei fünf« zehnjährige Schüler verhaftet, die sich Ivohl den seltsaniste» Diebstahl der letzten Zeit zuschnlden kommen ließen. Eines Morgens befand sich die Direktion des New Yorker Zoos in Heller Aufregung. Aus dem Schlangenhaus lvaren nicht weniger als sechs Prackitexcmplare verjchnmnden, darunter eine über drei Dieter lange Riesenschlange. Die Täter hatten mit großer Geschicklichkeit mehrere Glaskäsige geöffnet und die Reptilien heransgehoben, ohne daß die Wärter hiervon etwas bemerkt hätten. Man schloß daraus, daß die Diebe mit den gefährlichen Tieren nmzugehen ivußtcn, um so mehr, als sich unter den Verschwundenen mich eine sehr giftige Schlange befunden hatte, deren Biß den sicheren Tod bedeutete. Nach einigen Tagen aufregender Suche sind die gestohlenenSchlangen entdeckt lvorden. Die beiden Schüler hatten sie in die Zoologicstunde mitgebracht und dem freudig überraschten Professor mitgeteilt, daß ihr reicher Onkel die Schlangen der Schule zum'Geschenk mache. Als der Vorfall bald darauf durch die Zeitungen bekannt lourde, schöpfte die Schuldirektion Verdacht. Sie ließ einen Wärter des Zoologischen Gartens kommen und dieser stellte fest, daß die „Geschenke" der beiden Lausbuben mit den gestohlenen Zoo-Schlangen identisch Ivaren. Die beiden Jungen wurden darmifhin von der Polizei festgenommen und lvcrdcn sich nicht nur wegen Diebstahls, sondern auch wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit zu verantworten haben. Seltsamerweise hat die Giftschlange während der ganzen abenteuerlichen Wanderung von ihrer gefährlichen Waffe keinen Gebrauch gemacht. Die Jungen, die ihrer Tat übrigens aus einer Art Lokalpatrioiismuö für ihre Schule begangen haben, hatten diesmal also wirklich mehr Glück als Verstand. Kämpfer ohne lknierschied besorg!, die tollgewordene Justitz des frommen Schuschnigg verfolgt einen Arzt als Verbrecher, weil er einen verwundeten Verteidiger der staaiSbürgerliche» Rechte verbunden hat und ihn nicht nachher denunzierte! Die Aerztekammer schweigt auch zu den antihygienischen Greueln in den überfüllten Haftzelleii deS Landesgerichtes, wo nebst einer Masse jüngerer Schutzbündler, die beschuldigt sind, siir die Verfassung gegen die Hochverräter gekämpft zu haben, eine große Anzahl von Männern und Frauen von mehr als sechzig Jahren, viele davon krank, in Untersuchung sitzen, ohne einen Spaziergang im Gefängnishof machen zu dürfen. Es ficht die famose Standesorganisation auch nicht an, daß sich unter diesen verhaßten Sozialdemokraten auch Aerzte befinden, wie der über 70jährige Dr. Ellenbogen, der über 60jährige Dozent Dr. F r i e d j u n g, ein Kinderarzt, der Frauenarzt Dr. Karl K a u t sk y, einige Krankenkassenärzte, die aus der Behandlung hunderter Frauen, Män? ner und Kinder herauSgerisseu, nur aus Rache verhaftet wurden, obwohl sie an den Kämpsen nicht teilgenoinmen hatten! Ja, diese herrliche Aerztekammer schweigt auch zu dem Skandal sondergleichen, daß ein in der Aerzteschafl der ganzen Wett berühmter Hochschullehrer, Professor Dr. T a u d l e r, in Polizeihaft genommen lourde, obivohl er vor einem halben Jahr schon in Ch i n a medizinische Borträge an den Universitäten hielt, erst auf die Kunde von den Februar-Kämpfen über Sibirien nach Wiest zurückkam, also nicht einmal„Vorschub geleistet.'^ haben kann, Zu.all dieser Justizschändung schwei, gen die Medizinprosessoren, schlveigen die Hochschulen, schweigt die Aerztekammer, die Standes- organisation und zeigt so, daß die offizielle ärztliche Wissenschaft eine willfährige Hure der Ständestaatöchristen geworden ist. Seife 10 SaittRag, 81. März 1931 9t. 7» Laterna maglca Von Klara Blum. Ter Maler, sorgsam arbeitend, singt ein russisches Revolutionslied. Er singt eS traurig und unbeteiligt wie eine eintönige Kirchenlitanei. Er singt eS überhaupt nur aus Oiücksicht für mich. Denn er weiß, das; solche Worte und Rhythmen es mir erleichtern, in dieser steil gestrafften Haltung zu bleiben, die er ah malen begonnen hat. llnd es ist verteufelt schwer, stundenlang regungslos rebellisch zu sein, lvährend der heiße, schlaffe Nachmittag in Haut und Hirn langsam eindringt. Klein ist er, der russische Maler, mit großen lebhaften Augen, vierzigjährig und doch ganz knabenhaft, ein hübsches, ein wenig vom Leben zer- auetschtes Insekt. Manchmal fragt er behutsam, ob ich nicht auSruhen möchte, und zugleich sehe ich, wie seine flinken Einfälle in stürmischem Galopp ihn weiterreiben und er vor jeder Unterbrechung zitternd ihre Zügel hält. Manchmal aus diesem singenden Fiebertraum der Arbeit heraus erzählt er Bruchstücke aus seinem Leben und gleitet vom Sprechen wieder in seinen dunklen Gesang ab:„Marsch, marsch, wperiod, raboczy narod ..." Vorwärts, vorwärts, Arbeitervolk... Die Wände des Ateliers find von Bildern bedeckt. In der müden Hitze beginnen sie alle zu flimmern wie farbiges Glas. Als ob es selbstver- ständlich Iväre, verdunkelt die Luft sich, beginnt der Raum sich im Kreis zu drehen. Langsam, eins nach dem andern, wandern die Bilder vorüber, lverfen große beloegte Schatten auf die Projektionswand eines halb erzählten, halb erratenen Lebens.... Eine gespenstisch, große Geige, diagonal über die Fläche gespannt, den strichdünnen Körper und das phantastische Larvengesicht des Musikanten kreuzend. Stumm schwingt in ihr das Lied der frühen Kinderangst vor Menschen und Dingen, Lebenöangst. die alles Lebende zu grotesken Masken verzerrte. Die bessarabische Landschaft, Ebene, Ebene, Ebene in eintöniger Schwermut. Die Gestalten der Not und des Elends, duckend, huschend. Die armselige und doch triefend schmalzige Behaglichkeit der. Familienstube. Heim, Häuslichkeit, muffig und' sentimental, verzärtelnd und verknech» tend. In irgend einem Winkel meckert überall die Ziege, das Tiersymbol der östlichen Kleinstadt. Diese Bilder der Kindheit kommen immer Ivieder, auch in den spätesten Arbeitsperioden. Er beobachtet alles, wie er die Buben der Straße beobachtete, mit denen zu spielen ihm, dem Kleinbürgerkind, verboten war, beobachtet klug, scharf, mitleidig, aber durch ein versperrtes Fenster, einsam und ängstlich. In den Straßen von Odessa, die durchsichtig im Leuchten des Meeres stehen, in der Fülle des Künstlerlebens wird noch jeder seiner Schritte, von längst durchschauten und doch festgewurzelten Traditionen und Verboten gehemmt. Er malt sie als die winzigen Spukgestalten aus alten abergläubischen Volkssagen, er machte sich mit dem Pinsel über sie lustig, aber es nützt ihm nichts. Kameraden nehmen ihn mit, er sieht die Gestalten der Prostitution. Wo andre den Genuß sehen, sieht er nur die Ausbeutung, die verübt tvird, das Unrecht, das geschieht. Aber der Fluch der Klein- stat lastet auf ihm, sein Verstehen bringt ihn den Menschen nicht näher, solidem versperrt ihn immer mehr. Er läßt Mädchen und Frauen an sich vorübergehen, er fürchtet sie. Er weiß zuviel um das Unrecht, das ihnen täglich geschieht, wie sollten sie nicht mißtrauisch sein und ihn auslachen, wenn er zu ihnen kommt. Die Angst vor dem Ausgelacht- werdcn ist ständig in ihm. Er malt eine grinsende Fratze von prachtvoller Scheußlichkeit. So, nun ist er getvarnt. Er flüchtet zu der Frau, die älter ist als er, einfach und mütterlich, die ihm weit unterlegen ist und ihm das dumpfe Behagen der heimatlichen Familienstube wicdergcht, die gesicherte Enge von Konservativismus und Tradition. Die Revolution bricht aus und er flüchtet nach Rumänien. Aber unsichtbar geht die Revolution ihni nach. In seinem Kreis verkehren unzählige Sozialisten. Er zeichnet Entlvürfe für eine linksgerichtete Studiobühne, Hunderte von Händen, die sich hinter der Szene erheben und einen Streik proklamieren. Die Luft ist voll von roten Gedanken nnd Parolen, sie treffen mitten hinein in seinen bitteren Existenzkampf und seine seelischen Schwierigkeiten, mitten hinein in seine persönlichsten Mängel und Qualen. Aber in nächtelangen Diskussionen wehrt er sich dagegen. Er und Parteipolitik?... Er ist eine Persönlichkeit, er will seinen eigmen Weg gehen, er fühlt sich herabgesetzt, wenn er mit so vielen andern in der Reche marschieren soll. Er hat mit der Masse nichts gemeinsam, sie ist ein dummes, wildes Wesen, das ihn nicht versteht, er sürchtet sie, er tveiß, daß sie jeden Augenblick bereit ist, ihn auszulachen. Und dann, er sagt eS offen, er ist ein Künstler, seine persönlichen Erlebnisse und Konflikte sind intensiver als die von Durchschnittsmenschen»nd bringen schon mehr als genug Kampf in sein Leben. Seine Eh« hängt wie ein Mühlstein an ihm. Eine neue Frau ist chin begegnet, Russin, Landsmännin, eigenwillig, phantastisch, die erste, deren Lachen ihm schmeichelt, anstatt ihm wehzutun, und er findet keinen Ausweg. Dann: die Kirche von Rot re-Dame, das Bois de Boulogne, der Trubel von Montmartre. Er ist in Paris. Große, immer größere Erfolge. Er möchte sich losreißen, möchte in irgend einer neuen Welt lebe», aber der Fluch der Kleinstadt lastet auf ihm. Er findet sich draußen nicht zurecht. Angst und Gewohnheit, die sich Verpflichtung nennt, zwingt ihn zurück in die Häuslichkeit. Ein Bild erscheint, eS zeigt'feinen Traum, wie er nachts mit schlafend und leidvoll gesenktem Kopf über den vertvahrlosten Dächern seines« Heimatstädtchens schwebt. Die Ziege, daö«Tiersymbol der östlichen Kleinstadt, ist auf eines der Dächer ge- Wahnsinnige Kaiser Sieben menschliche Bestien im alten Rom—Von Tiberius bis Vitellins 55 Jahre Geschichte Von Paul Diner-Dlnes Tie Geschichte der neuesten Zeit kennt zahlreiche Souveräne, die zwar von„Gottes Gnaden" herrschten, dabei aber geistesgestört Ivaren. Solche wahnsinnige Monarchen— so müßte man es wenigstens meinen— sind die besten Mittel dazu, um das„GotleSgnadentum" ad absurdum zu führen. Doch weit gefehlt! Die Menschen— wenigstens ein großer Teil unter ihnen— ist auch noch heute unbelehrbar. Denn ansonsten l>ätten sie schon auS der Geschichte die nottven« digcn Konsequenzen ziehen müssen. Bor 2000 Jäher» herrschten im alten Rom hintereinander nicht weniger als sieben wahnsinnige Imperatoren, verbreiteten namenloses Entsetzen um sich und ivateten gleichsam in Blut. In kurzen 56 Jahren, von 11 n. Chr. Geb. bis 00 n. Chr. Geb., spielte sich diese Blutherrschaft ab. Die Reihe der wahnsinnigen Kaiser eröffnete Tiberius, Augustus Nachfolger. Schon in feiner Jugend war er äußerst wild und brutal. Sein griechischer Erzieher nannte ihn daher einen„mit Blut gekneteten Kothaufen". Sein Gesicht und seinen Körper bedeckten häßliche Geschwüre. Er war der Meinung, daß seine Enkel gegen ihn kon» sperieren.. Er ließ seine Enkel verhaften nnd sie aneinander gekettet tagtäglich in Roms Straßen spazierensühren. In Capri besaß er ein Lustschloß. Er organisierte dort ein eigenes Amt, dessen einzige Aufgabe es war, tagtäglich eine neue, blutige Orgie zu erfinden. Seine Lieblingsbeschäftigung Ivar, Gefangene lvährend der Mahlzeiten vierteilen zu lasse». Tas geplagte Volk hatte n»r lvährend eines Geivitters Ruhe vor seinen: Peiniger, denn dieser vielfache Massenmörder fürchtete sich vor den: Donner und kroch in seiner Furcht unter daS Bett. Er endete durch Gift. Ihm folgte Calignla. Nach acht Monaten erkrankte er schwer, wurde wahnsinnig, und nun setzten die Grausamkeiten ei». Er ließ sich als Gott verehren nnd lebte nnr für niedrige, sinnliche Genüsse. Er watete in Blut. Die Menschen mußten immer in seiner Gegentvart hingerichtet werde». Er zwang die Eltern znzusehen, wie ihre Kinder zu Tode gefoltert wurden. Die Unglücklichen mußten während dieser Prozedur an seinem Tische Platz nehnie» und ans sein Wohl trinken. Sein Pserd namens„IneitatuS" hielt er in einem marmornen Stall und ivollte dieses zum Konsul ernennen. Eines Tages fiel es ihm ein, daß die Deportierten wahrscheinlich seinen Tod von den Göttern erbitten. Er gab also Befehl, alle Deportierten hinzurichten. Dieser Befehl kostete mehreren tausend Männern und Frauen das Leben. Caligula wurde nach drei Jahren und zehn Monaten Regierungszeit ermordet. Nun kam EI a u d i u S an die Reihe. Dieser Herrscher wurde besonders dadurch berühmt, daß er seine dritte Fra», Messalina, hinrichten ließ. Er liebte die wilden Tiere sehr, und damit diese nicht Hunger leiden sollen, ließ er ständig Gladiatoren als Nahrungsmittel in die Käfige werfen. Auch er endete durch Gift. Es kam Nero, der seinen Namen mit blutigen Buchstaben in daS Buch der Geschichte schrieb. Er Ivar vielleicht der blutrünstigste Herrscher aller Zeiten. Er ließ u. a. seine Mutter durch Mord beseitigen und Jahr für Jahr hunderte von Menschen hinrichten. Da er sich für den größten Schauspieler und Dichter der Welt hielt, verlangte er von einem jeden, ihm als solchen zu huldigen. Tat dies jemand nicht mit genügender lleberzeugung, so wurde der Unglückliche zu Tode gepeitscht. Er ließ auch— und dies ist eine historische Tatsache— einen großen Teil RomS in Brand stecken und zerstören. Während deS Brandes stand er auf der Terrasse seiner Villa und sang Über Trojas Eroberung. Da er den aufgekommenen Verdacht, daß er der Brandstifter sei, auf andere lenken wollte, bezeichnete er als die Urheber des Brandes die römischen Christen und ließ diese im Jahre 61 unter grausamsten Martern hinrichten. Eines Tages wurde in Rom das Fleisch sehr teuer. Die Wärter der wilden Tiere klagten ihm, daß sie mit dem vorhandenen Geld nicht genügend Pferdefleisch kaufen könne», nm die Tiere zu sättigen und baten Nero um mehr Geld. Nero aber gab statt Geld Befehl, die Pferdenahrung ganz einzustellen und die Gefangenen zur Fütterung der Bestien zu gebrauchen. Bei der Fütterung war er dann gewöhnlich zugegen. Nero Geschichte« aus Amerika Ruhm Die Harrisons sind eine berühmte Familie in den UTA. Sowohl Wilhelm Henry Harrison war Präsident(1841) als auch sein Enkel Benjamin Harrison(1880). Der sehr ehrgeizige Benjamin fragte einmal ungehalten seinen Vater, den politisch ziemlich bedeutungslosen Kongreßab- geordneten John Seott Harrison:„Dein Vater und ich, ynr haben es zu etwas gebracht. Aber was hast du für deine Familie getan? Was bist du schon?" John Scott zuckte die Achseln und antwortete philosophisch:„Ich bin der Sohn eines großen Vaters und der Vater eines großen Sohnes." Die Antwort Für joden Uankee war es gleich nach dem Sezessionskrieg ein gewagtes Stück, Wahlreden in den Südstaaten zu halten. Die meisten gingen mit Keilerei, oft auch mit Revolverknallen auseinander. Aber Alexander H. Stephens war nicht ängstlich, er verfügte zwar nicht über eine schlagfertige Faust, aber über einen schlagfertigen Witz. Er ist mitten im besten Reden, da brüllt ein alter Sezessionist in seine Rede:„Du bist nichts als ein verdammter Dankee. Ich könnte so einen Kerl wie dich fressen!" Gewöhnlich war ein solch rauher Zwischenruf da» Zeichen für die beginnende Keilerei, aber Stephens lächelte nnr freundlich und rief dem Zwischenrufer zu:„Würdest du das wahr machen, so hättest du mehr Hirn im Magen, als jemals im Kopf!" Die Versammlung brüllte vor Vergnügen und Stephens konnte ungestört tveiterreden. wurde von einem Freigelassenen am 0. Juli 68 getötet. O t h o, der nächste Kaiser, regierte nur 05 Tage. Dieser war auch wahnsinnig und endete »ach eitter Niederlage in der Nähe von Cremona durch Selbsünord. In diesen 06 Tagen atmete Rom erleichtert auf. Jetzt folgten chber wieder die Tage deü Grauens. BitelliuS wurde Kaiser. Seine erste Tat war, seine Mutter ermorden zu lassen. Er lvar ein gefräßiger Mensch, zlvang die reichen Bürger der Stadt, ihm tagtäglich auch mehrere- mals große Mahle zu bereiten, und während dieser Mahle für seine Unterhaltung zu sorgen. Diese Unterhaltung bestand in der Hinrichtung einiger Menschen. Meist wurden die Unglücklichen auS der Dienerschaft des Hausherrn auSerwählt. Sein Wahnsinn äußerte sich besonders in folgendem Falle. Eines TageS lvar er zugegen, als der eine Priester den Göttern ein Opfer darbringen wollte. Der Priester war eben dabei, die Ziege zu opfern, als der Kaiser plötzlich Halt gebot. Er zog sich selber ein Priestergewand an, nahm ein scharfes Messer zur Hand und begann mit der Zereinonie. Er schlachtete jedoch nicht die Ziege, sondern den Priester, und hielt daS für einen ganz ausgezeichneten Scherz. Auch die Hofgesellschaft fand dies für einen gut gelungenen Scherz nnd Vitelliuö konnte ungestört tveiter wüten. Jni Jahre 60 wurde er dann durch seine Soldaten getötet. Diese sieben wahnsimiigen Kaiser konnten aber der Menschheit den Glauben an das„GotteS- guadentum" der Monarchen nicht nehmen. Kaiser und Könige und Diktatoren richteten auch seither viel Unheil an. Doch die Menschen vergesse» nur zu gern die Lehren der Geschichte. Roch eine Antwort A. B. Farquhar, der spätere Vizepräsident der amerikanischen Handelskammer, hat nur ein! einziges Mal versucht, in einer Arbcitervcrsamm-' lung für die Republikanische Partei zu werben. Mit beredten Worten führte er aus, daß der Arbeiter für die Republikaller stimmen müsse, lvenn er höhere Löhne haben wolle. Aber man rief ihm zu:„Wenn Sie überzeugt wären, daß die Republikaner darauf aus sind, unsere Löhne zu erhöhen, dann lvürden Sie selbst für die Demokraten stiimnen!" Der Anlvalt Daniel Webster, im vorigen Jahrhundert eine der populärsten Gestalten Amerikas, war ein ebenso leidenschaftlicher Redner wie Alkoholfreund, j Tausend Anekdoten sind über ihn int Umlauf. Aber diese ist die schönste: Als Anwalt in Neujersey hatte er während der ganzen Verhandlung apathisch vor sich hingedämmert, aber als er das Wort zur Schlußansprache an die Geschworenen erhält, scheint sein Alkoholrausch weggeblasen. Er spricht glänzend, seine Beredsanikeit ist hinreißend.,Die Geschworenen können sick seinen Argumenten nicht entziehen. Mit Entsetzen bemerken es seine Freunde, denn er hatte leider vergessen, welche Partei er vertrat und warb mit aller Kunst, die ihm zur Verfügung stand, für die Sache deü Gegners. Seine Freunde zerren ihm am Rockzipfel, machen krainpshafte Anstrengungen, nnr ihn ans seinen Irrtum aufmerksam zu machen. Aber einmal in Fluß, läßt Webster sich nicht mehr stören. Als er geendet hat und sich befriedigt niedersetzen will, empfängt er von seinem wütenden Klienten einen derben Stoß. Und mit einem Male scheint Webster zum Bewußtsein zu kommen, was Kampf-Ostern Wir knien nicht, wir beten nicht—* Kein Glockenjubel hüllt uns ein,* Du wirst erst anferflanden sein, Wenn man den Weg zur Zukunft bricht! * i Die Rächt ist lang, die Rächt ist schwer, Und jeder Schritt bezahlt mit Blut, In unfern Herzen trennt die Glut,'» Doch Träum kmnen wir nicht mehr—.; *. i Wir find nicht fromm«nd glauben doch, Ein Kirchenstuhl ist uns zu Nein, Der Dom soll diese Erde sein, Unfrei»nd müde schläft fle noch! » Das ist der heilge Bund der Rot, Denn ans der Hämmer schweren Schlag Wächst unaufhaltsam unser Tag—, Bis einst die Welt in Flammen loht! O Die Zukunft— fle sei daS Gebet! Die Fahne flattert blutgetränkt— Wem ward Erlösung je geschenkt—?— Ai» Fackel, die zum Himmel weht! Ais. er angerichtet hat, lvcndet sich, ohne nur eine Miene zu verziehen, von neuem an die Jury und sagt: „So, meine Herren Geschworenen, ich glaube, ich habe Ihnen jetzt alles und, wie Sie zugeben werden, sehr eindringlich vorgetragen, was sich für die Sache der Gegenseite sagen läßt, und jetzt werde ich Ihnen beweisen, daß nicht das geringste an alledem ist." SprachS und begann das eben .aufgerichtete Beweisgebände ebenso kunstvoll wieder einzureißen und gewann schließlich doch den Prozeß. Ford inkognito Aus einer Fahrt nach Kanada begegnete Henry Ford einem andern Auto, das eine. Panne hat. Vergebens müht sich der Besitzer, den Schaden zu reparieren und winkt den vorbeifahrenden, wie immer sehr einfach gekleideten Automobilkönig zum Beistand heran. Ford zieht seinen Rock auS, kriecht unter den Wagen und behebt den Schaden. Hoch erfreut will ihm der andere einen Dollar Trinkgeld gebe».„Danke," lehnt Ford ab,„ich brauche Ihren Dollar nicht, ich habe selbst Geld." Zweifelnd betrachtet ihn der andere:„Sie haben selbst Geld?" „Ja, haufenweise!" lachte der Autokönig. „Das verstehe ich nicht," sagt der andere, „wenii Sie Geld haben, warum fahren Sie dann einen Ford?" Die lÄittäuschung Drei Jahre lang glaubte Amerika, mit dem verstorbenen John Pierpont Morgan sen. sei der reichste Mann der Welt dahingegangen. Hunderte von Millionen, ja Dollarmilliarden schrieb man ihm zu. Bis dann der pedantisch genaue Abrechnungsbericht der Steuerbehörde erschien. Danach besaß der Geheimnisvolle erstens nur schäbige 78 Millionen, und davon gingen noch 0 Millionen Dollar Schulden ab. Aber was Anierita am meisten empörte, war eine unbezahlte Rechnung icher sechs Dollar, die man unter John PierpontS Papieren fand: Er hatte nicht einmal die sechs Dollar für den Schlapphut, den er zuletzt bei Dunlap in New Uork gekauft hatte, reell bezahlt! klettert, hält ihn an de» Haaren fest»nd zieht ihn wieder zurück in das Kleinbürgertuni. Auf dem nächsten Bild erscheint er doppelt. Einmal größer und breitschultriger als er in Wirllichkeit ist, die Pfeife im Mund, frei und unbekümmert. DaS zweitemal klein und stumm, ängstlich korrekt. Er hält sich selbst wie eine Puppe im Arni, der Künstler den Kleinbürger, und lacht sich ins Gesicht Schwere Hitze, unerträgliche Schwäche. So bmit und so finster dreht sich die Zauberlaterne. Immer neu erscheint die eine Frau, die erste artverwandte, endlich gefundene, vergeblich gefundene. Bald mondän, mit gekreuzten Gazellenbeinen in billigen Seidenstrünipfen, bald als russische Bäuerin mit großen ungessiimen Augen unter dem einfältigen Kopftuch, bald als Tänzerin ekstatisch spielend und schaffend. Zwischen die Straßenbilder von Paris schiebt sich die Familienstube der Kindheit, schiebt sich der Traum von der Ziege. Irgendwo heben Hunderte von streikenden Arbeitern ihre Hände, kämpfen einen Kampf, der auch der seine ist: den Kampf gegen"die Lebensformen, die von Kindheit ans sein Leben verdorben haben, Rückschritt und Enge, von oben her diktierte» Verharren in Dumpfheit und Tradition. Er aber, der einsame Kleinbürger, läuft abseits von der großen Schar der proletarischen BorwärtS- schreitende», er kann den Zusammenhang mit ihnen nicht finden, die fiebernde Energie seiner Kunst dreht sich schwindelnd um sein gespaltenes Ich, fühlt keinen Boden der Gemeinschaft unter den Füßen keinen Boden.... Dann ist wieder Helligkeit im Raum, die sausende Minute von Schwindel und Schwäche schnell vorüber, und die Bilder sind wieder unbeweglich, sind starre, brennende Signale der Einsamkeit. Und vor dieser Einsamkeit macht das plötzlich aufgescheuchte Verstehen hilflos kehrt. Noch immer singt eS eintönig und vergeblich: „Marsch, marsch, wperiod, raboczy narod!" Hk 7« T-mötag, 31. DUir» 1934 „Sozialdemokrat" Leite 11 PRAGER ZEITUNG ...,«UIIIVIUH« 2 II l I II I I "F™'? utc F. nuö Ä“ n 4 tcn- Wiener Reinhardt-Tournee.— 119’ Sil? 11 h»rwr TiüfiArn^ti-!■ m.. v...*... o.. y.. ft" Sonntag 2>?>: B o« Generalprobe zu HerriotS lknipfang Zuerst Gcncralmusterung der Arbeiter: dings kein schmachtend-schmetternder Tenor, sondern ein ausdrucksvoller Baritons. Vera Korenne spielt eine eitle Frau auf sehr interessante Art, die junge S i m o n e B o u r d a u gestaltet die sentimentale Figur der Tochter mit Beherrschung und Hingabe—... Margo Kabaretts Intensität bildern. und die ebenso turbulente wie trefsenoe Lion, die einst ein Siern«der Berliner war, macht ein paar Szenen mit ihrer zu nahezu ausrührerischen GesellschaslS- —eis— erhängt, vollständig au-gezogen, 80 Kilometer von Charkow; da- Parteibtklett Halle man ihm in die Socken gesteckt. Der Mann war dauernd betrunken und im Suff war er eben anögeranbt und ermordet worden. So endete der erste Chef der Turbinenanlage in Charkow. Und sein Nachfolger? Ein junge-, frisch au» der Schule gekommene- Mädchen, respektive Frau, die Parteigenossin Gorbnnova, jetzt Chefin de- Montagebürov von T. G., eine- Unternehmen-, gröber alö die Skoda-Werkc. Unsere Freundschaft erfuhr sofort eine starke Trübung, alö sie nur zumuicte, den Rotor van Hand abzudrchen, noch dazu mif Hundertstel Millimeter nnd die Welle, mit einer Wasserwaage f“ Nun hatte ich aber genug! zu verfügen habe. Jetzt aber setzte Hochkonjunltur mit anschlie« szendcr Die Gefangene, —' Dienstag 7%: u l l u- Cäsar, Ä 1, Gastspiel Ernst Deutsch.— ’s: Disraell, AA, Gastspiel Ernst volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag E i n Maskenball, C 1.— Freitag 7>/j: *"■---•—-—— D2, -amstag 6*4: Die Meistersinger von i Nürnberg, Wagner-Zyklus IV, Gastspiel Alfred BeanaSbedinaunaen- Bet Zustelluna in« SauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Xö 16.—. vterleljahrtg XS 48.—, halbjährig XL 08.—. ganzjährig XL 102.—.- Inserate werden laut Tarif ttlliöft taabnet ffld öfteren Einschaltungen Pre^achlass.— Rückstellung von Manislripten erfolgt mirbei Einsendung der Nclonrmarken.— Die Zeitungssrankatur wurde von der Post, und Telegraphen- d. mit ssftlatz Nr. 1S.880/VL/10S8 bewilligt.— Druckerei:.Fwbur, Druck-, Verlags- und Lcltt.ngS-A.-G.. Prag. Im Hänschen«nterm Emaus Das ist einer von den tschechischen Filmen, dir sozusagen noch bis Uber die Ohren in den Kinderschuhen stecken: verblüfsend harmlos, unglaublich primitiv und unbedeutend. Da ist— im Biedermeierkostüm— ein Komiess- chen in einen Postillon verliebt. Ta geht es auf dem Schloss beim Grasen schrecklich fein und im Wirtshaus beim Volke lärmend lustig zu. Ta gibt es«in bisschen Trennung, ein kleines Missverständnis und ein glückliches Ende der Liebenden, sind dazwischen wird gesungen, getanzt, getrunken, geküsst und ans dem Posthorn geblasen,— wenn nicht gerade der idhllisch-ircne Wolfshund.bellt, den man znr Verschönerung des Ensembles hinzucngagicrtc. Es ist ein gemütvoller Kitsch, der in seiner Anspruchslosigkeit beinahe rührend ist— nnd der komisch wird, wenn er den routinierten Stil des Berliner Operettenfilms mit allzu billigen Mitteln nachzuahmcn versucht. Die Hauptrolle spielt Ada M a n d l o v ä, die so jung, so wohlgebaut und so ansängerhnfi ist, das; sie eine Nebenrolle sehr gut hätte anssüllen können — aber als falscher Star nicht gerade nnterhaltsam wirkt. Von den vielen, die sonst noch ans der Leinwand zu sehen sind, fallen A n t o n R o v o l n l; durch sympathische Erscheinung, P i§ tc k durch schauspielerische Bemühungen und die Mitglieder des Prager deutschen Theaters Tanb, Padlesak nnd T ch m c r z e n r c i ch durch ihren Eifer in kleineren Rollen auf. Tie Aufgabe, Regie zu führen, hatte O t i o K a n t u r e I übernommen.—cis— 2. Charkow» Am 22. traf ich von Sverdlovsk uni 11 Uhr i nachts in Moskau ein, wo ich mangels einer Schlaf-. gelegenheit auf einer Bank im Sncharewksi-Park, übernachtete. Am nächste» Morgen begab ich mich, sofort zu meinem Trust, dem„Glav Mjaso". Man, verschaffte mir ein Zimmer im Hotel Krimm und. sandte mich sofort ins Moskauer Fleischkombinat, i um die Arbeit anzutrelen. Da man mir aber blost. 350 Rubel bezahlen wollte, tvogegen die Lebens- mittclpreise um 280 bis 300 Prozent gestiegen waren, kam es zu keiner Einigung nnd man schlug mir vor, in ein anderes Shstem überzutreten. Mein Vertrag Ivar mit der Union für Lebensmittelindustrie abgeschlossen, auf russisch mit„Rar. Kom. Snab." Jetzt riet man mir zur Schwerindustrie überzügehen, auf russisch„R. T. K. P." Ich gehe also in„N. T. K. P." zum Parteimann Filcmonov. Die Aufmachung ist grandios, wie im Warteranm eines Ministers oder Finanzmag« unten. In einem riesigen Raum, mit dicken Teppichen belegt und auf das kostbarste eingerichtet, säst ein groster, eleganter Mann von ca. 88 Jahren, eine Diplomalenerscheinnng. Seine Exzellenz nahm gerade sein Frühstück ein, bestehend aus Lachs, Kaviar und Schinkenbrötchen mit einem GlaS Porttvein. In höflicher Form vcriveist er auf einen der Klubsessel, bietet mir eine feine Jmportzigarette an, von der da- Stück mindesten- ein bis ztvei Rubel kostet rmd fragt nach meinen Wünschen. Das Resultat unserer kurzen Unterredung tvar:„R. T. K. P." übernimmt meinen Vertrag, der bis März 1034 lauft und ich habe als Ingenieur für das Dampf- turbinenprüffeld nach Charkow zuni„Turbogenerator" zu fahren. Ich war in Gnaden entlassen. Ich ging nach W. E. O. Die gleiche vornehme Rtinosphäre, wie in N. K. T. P. Mein Vertrag wird abgeschricben und übernommen und in vierzehn Tagen soll ich nach Charkow abreisen, bis dahin werde alles, Quartier etc. für mich geregelt sein. Leider vergast ich damals bei W. E. O., mir in meinem Vertrag die Bestätigung, d. h. bloß die Stam- piglie, geben zu lassen. Dieser Neine Fehler hat später meinen totalen Untergang zur Folge gehabt. Aber bei so viel Vornehmheit und Eleganz hatte ich nicht den geringsten Ztveifel an der Ehrlichkeit dieser Leute. Tenn besah ich nur vierzehn Tage lang die Dreimillionenstadt Moskau. Was Verkehr, Ver- kaufsläden etc. anbelangt, steht Moskau nicht hinter Berlin oder Paris zurück. Hunderte von Luxuswagen, in den Auslagen . die auScrlrsenften Delikatessen, elegante, bril- . lantengcschmücktc Frauen, Dienerschaft in Livree kennzeichnen die rote Hauptstadt. Dazwischen schleichen abgehärmte, zerrissene, verhungerte ElendSgcstalten herum und betteln die Passanten nm Brot an. ■ Also am 27. August früh komme ich in Charkotv an, einer Stadt von fast einer Million Einwohner, so ziemlich ganz neu erbaut. Damals war es die Hauptstadt der Ukraine.(Seit einigen Woche» ist eS Kiew.) Ich fahre znm„Turbogenerator". Lenin sagte, ohne Elektrifizierung der gesamten Wirtschaft gäbe eg keinen Sozialismus. Auü diesem Gedanken entstand der FünsjahreSplan, der in der Schaffung der Schtverindustrie, hauptsächlich aber des Grost- dampfturbinen- und Traktorenbaues gipfeln sollte. Die S. II. besitzt heute drei Tampfturbinenfaüriken: Den Turbogenerator in Charkow für Aggregate 50 bis 100.000 RW., den„Stalinzavod" 25.000 RW. Einheiten in Leningrad, und „Putilovwerke" für 12.000 RW., ebenfalls Leningrad. Ta ich Prüffeldingenieur bei A. E. G. Berlin und Brotvn Boveri-Mannheim war, konnte ich meine Abkommandierung nach Charkotv verstehen. Das erste, tvaS mir in„Tnrbogencraior" möglichst schonend beigcbracht wurde, war, dast man kein Prüffeld habe, aber in den nächsten Wochen eines da sein werde, ich möge mich bis dahin bei der Montage betätigen. Vor Ilcberraschung blieb mir die Spucke weg, als ich hörte, man wolle diese grasten Aggregate ohne Prüftmg de- Dampfverbrauches, Wirkungsgrades, Leistung etc. an den Besteller abliefern. Die Erfolge waren mich danach, Havarie auf Havarie. Dir S. 1t. ist bis heute trotz des stegreiche» FünfjahreSplaneS in vier Jahren nicht imstande, eine nur Halbweg- brauchbare Dampfturbine herzustellen. Ich gehe inS Montagebüro des T. G.(Turbogenerator), dessen Chef, Bassilschenko mir die Montage einer alten Oerlikon-Turbine im städtischen Elektrizitätswerke übergeben will, Hm Elektrizitätswerk liefen ztvei Brotvn-Boveri von je 8000 KW. Auf dein Stmtd der Oerlikon-Turbinen liegen allerhand Eisenstücke und daneben steht ein unabeedreh- ter Rotor. Ich warte mif Bassilschenko, denn, IvaS ich hier machen soll, ist mir unklar. Als dieser nach fünfstündigem Warten nicht kommt, gehe ich nach« Hanse. Ich wohne in der Malinovska 10, Quartier 18, nicht west von T. G. Dir Strasse wimmelt von Bettlern und hunder- ten obdachlosen, hungernd»» Sinder» im Alter von drei bi» sich» Jahre». Am nächsten Morgen— es war der 2. Okto- ber 1088— machte ich mich auf, Bassilschenkc zu ^suchen. Alle- Vergeblich. Mehr als eine Woche blieb er verschwunden und als man ihn fand, war er tot, Kunst und Wissen Heute, 714 Nhr, erste Vorstellung der Reinhardt-Tournee„Maria Stuart". Morgen 8 Uhr: „Sechs Personen suchen einen Autor".Sitzplätze schon von 18 Xi an, teuerster Platz 80 Xi. SamStag, Wagner,ZhkluS IV.„Tie Meistersinger von Nürnberg" mit Alfred Jerger von der Wiener StatSoper als Han» Sachs.(B 2). SamStag 7fti Uhr: Uraufführung„Kosmetik" in der Kleinen Bühne, Regie: Sellner. Wochrnfpielplan des Reum Deutsche» Theater». SamStag 7’h: Maria St»art, Gastspiel der „ J_.. Sonntag 24b: Do« - Reit dieser hölzernen riSGudonow, 8: S e ch s P e r s o n c n s u ch e n Wasserwaage von einem halbe» Meter Länge alar- e i n e n A u t o r. AS, Gastspiel Reinhardt.— Mon- mierte ich Gewerkschaft. R. K. I.»nd G. P. U. tag 8: T u r a n d o t, 7 sh:■‘' Eine Kommission von Fnchlenien kam an Ort und C 1, Gastspiel Ernst Deutsch. Stelle, der Tatbestand wird aufgenommen, ich tverde I sofort suspendiert und soll das Urteil abtvarten, Re- Mittwoch 7 snltat: T. G. wird verurteilt, mir Gehalt und Deutsch, Diäten bis zum neuen Arbeitsantritt zu zahlen... Taö war am 28. Oktober 1083. Erst am 3. Rovem- Dt e kl e t n- K a t b a r t n a, Erstaufführung, l ber 1038 erhielt ich von T. G. meine Abkommau-1^stostag 0*-j: D ic M dterung zu W. E. O. Moskau, die über mich weiter> 11 c n-••- »i litrfiinen habe. JKfl«.« Z. Wochcufpiclplan der Kleinen Bükmr. Samstag 7sh: Kosmetik, Uraufführung.— Sonntag 3: Towarisch, 8: Kosmetik.— Montag 3: WeisterFlieder, 8: Kosmetik.— Dienstag f8: Kosmetik.— Mittwoch 8; Kosmetik.— itotE Donnerstag 8: Tie Gefangene, Gastspiel Ernst alle» übrige Deutsch.— Freitag 8: Kosmetik, Knlturvcr- amStag 8: leutfch. Sport• Spiel»Körperpflege Tie Meisterschaft der belgischen Arbeiterfuh- baller ist bis zur Ernnttlnng der Sieger der Provinzen gediehen, u. zw.: Antwerpen— Green Wit, 41 Punkte(int Vorj.: iBcrgcrkont), Brabant — Avenir-Jette, 30 Punkte(Viwerde), Hainaut— Ath, 31 Punkte(Flenn), Lüttich— Mons, (Ftäron), Flandern Occidcntale— Monscron, 32 Punkte. Flandern Orientale— Ecndracht Gand. 127 Pnnktc. Die Endspiele werden am 8. April Heger in eigentliche Endspiel soll nm 120. oder 27. Mai ktattsindcn. Der Meister von 1038, Monscron, ist ebenfalls unter den Siegern. Jüdischer Sport in Bauern verboten! Ter Vereinigte Jüdische Sporivcrband Bauerns, der nach der behördlichen Auflösnng des M» k k a v i und der Sportsektion des ReichSbundeü jüdischer Frontsoldaten in Bauern gebildet lvurde, lvobci die behördliche Erlaubnis erst nach grossen Schwierigkeiten erlangt werden konnte, ist jetzt, noch bevor er recht in Tätigkeit treten konnte, von der Regierung a n s g e l L st morden. Der nmnnchr anf- gclöstc Verband stand unter dem Protektorat des Verbandes jüdischer Gemeinden Bayerns. Bedingungen ! für seine Eristcnz waren n. a ic Beamien wcr- ein. nette Stiefel, neue Hemde», rasieren, RHH zuhause bleiben. Die Hauptstrassen, durch die er fah-1 bandsfrcunde und freier Verlauf.— ren sollte, wurden gesäubert, die Dtenschenschlangen Die Gefangene, Gastspiel Ernst vor den Lebensmittelgeschäfte» in die Seitengassen gejagt und diese abgesperrt, die Milizionäre in glän zenden Stiefeln und Glacehandschuhen an den Strassenkreuzungen. Im Werke selbst tvnrdcn die einzelnen Traktorenbeftandteile vorher genau ge probt, geprüft, znsaminengcsctzt, wieder auseinander genommen, bis eL klappte, lind Herriot kam, sah und staunte. Die reinen Strassen, die vollen Aus lagen, der normale Verkehr und jetzt gar noch bas Traktorenwerk! Diese Präzision! In tvenigen Mi nuten und Sekunden der fertige Traktor! Am 28. Oktober erhielt ich meine Abrechnung vom T. G. und mn 3. November die Fahrkarte und so fuhr ich nach Moskau zu W. E. O. Am 4. Novem ber 1083, vormittags um 10 II hr bin ich bei W. E. O. in Moskau. Wieso ich dorthin komme? Man habe mit mir nichs mehr zu tun, der T. G. sei nicht mehr im Trust, man bezahle nichts etc. Ich ging sofort in N. K. T. P. zu Filemonof. Darauf heftige Auseinandersetzungen zwischen diesem und W. E. O. mit dem Resultat, mir sofort Geld.Ouar- tier und Kommandierung an den„Sralinzavod" in Leningrad zu geben. Ich bekam ein Zimmer ohne Fensterscheiben. Vor Feuchtigkeit tropfte das Was ser von den Wänden, im Zimmer drei Grad Cel sius. Ta am 6. November die Novemberfeier begann, mnsste ich bis zum 17. November in diesem Lock) bleiben. Inzwischen kant der Winter mit 30 Grad Celsius und da habe ich mir den Keim zu meiner Krankheit geholt. Mit einer schweren Angina tmd Fieber kam ich am 18. November ftüh in Beglei tung deS G. P. 11.-Spitzels Schäfer in Leningrad an. Der Aufenthalt dort wird mir unvergesslich bleiben. Als Vertragsingenieur r» d°- Sowjetunion Von Wilhelm Alder. »er Nim Die Stimme ohne Gesicht Eigentlich hätte dar eine ungeniessbare Mischung werden müssen: halb Sängersilm, halb Kriminalfilm, mit einer romanhaft konstruierten Handlung— aber ein ungewöhnlicher Regisseur hat mit bemerkenswer- ten Darstellern ein sehr eindrucksvolles Leinwaudspiel daraus gemacht. Leo Mittler— früher in Deutschland, heule in Paris— ist ein Fanatiker der Regie, der seit je die unmöglichsten Stosse nicht gescheut hat, weil er sie durck) dramatische Formung znm Leben zu zwingen hoffte(iuobei er freilich mitunter Misserfolg erntete). Es ist erstaunlich zu sehen, was er ans dieser Ge schichte vom gefeierten Sänger gemacht hat, der in Mordverdacht gerät, weil seine untreue Frau etnen vvd^zwar werden dlVProvinzen-S nimmt, um nachher zu fliehen und von leincr aus- Serien Wielen. Tas opfernden Tochter gerettet zu lverden. Et ist er-’■ ftaunltch zu sehen, wie Mittler diese Geschichie durch einen spannenden, fickt oft unterbrechenden nnd immer wieder sich steigernden Auiba«, durch Entfesselung dramatischer Kräfte, durch Heraus- arbeit»»» stimmungsschwerer und ost sogar krasser Szenen zu einem zlvar vorwiegend theatralischen, aber sedenfalls sehr eindringlich wirkenden Film gemacht hat, der die fragwürdig erfundene Hand lung nach Möglichkeit vertieft und belebt. Die Darsteller, grossenteils kaum bekannte fran zösische Schauspieler, prägen sich mit diesem Film fest ins Beivussisein der Zuschauer. Lucien Mura ta r c ist ei» nobler nnd kraftvoller Menschengestalter, obwohl er auch ein sehr beachtlicher Sänger ist lallcr- Seite 12 „Sozialdentokrat" / SamSta«, 31. Mär, 1834«r. 7« I | Literatur wi Friedrich Wagner:„M a s s e, F ü h r e r, T r a« d i t i o n", ein psychologisches Gegenwartsproblem. HeranSgegeben von der ZentralgewerkschaftSkom- Mission des Deutschen GewerkschaftSbundeS, Reichenbern. Färbergasse 1—2. 1934. 40 Seiten. Broschürt: Preis Xe 2.5,0. An der Praxis der GewcrkschaftSbe- weguna sind bisher die ans der Sozial- und Massen« Psychologie fließenden Erkenntnisse über die geistigseelische Haltung der Masse und der proletarischen Persönlichkeit unbeachtet geblieben. Hingegen haben die großen Gegner der Gewerkschaften, die fascisti« scheu Bewegungen und die Kommunisten eS immer meisterhaft verstanden, auf dem Instrument der Mas« senscele zu spielen und cs so zu stimmen, wie es in ihrem Interesse lag. Die Schrift Wagner? will nun die Aufmerksamkeit auch der Gewerkschaftsfunktionäre auf diese an sich brennend interessierten Kapitel lenken. Er legt die seelischen Vorgänge bloß, die sich in den: Verhältnis zwischen Führer und Masse abspielen. Er zeigt das Masse-Führerprobien: in der Diktatur^ im losen Haufen und in der Demokratie auf. Dabei tritt zutage, daß die Demokratie an die Masse hohe geistige Anforderungen stellt, gleichsam eine qualifizierte Masse erfordert. Ein großer Teil der Arbeit ist der seelischen VerKaltnngSweise der Masse gewidmet, soweit sie historisch-traditionell bedingt sind. Auf den letzten Seiten leitet der Per« sasser die Schlußfolgernngen für die praktische Anwendung psychologischer Methoden der Propaganda und Führung an? seinen Darstellungen ab. Die Broschüre hält sich jeden: trockenen, wissenschaftlichen Tone fern. Sie ist einfach::nd interessant geschrie« den, erläutert schwierige Gcdankengänge an leicht verständlichen Beispielen und ist deshalb für jeden Funktionär lesbar. Bad Uebwcrda Tvergbolrga Herz-, Rheuma-. Frauenleiden. Nervöse. Erholung.-- bedürftige. Heilung und Ferienaufenthalt. Niedrige Preise. Auskünfte Kurverwaltung und durch E. Sojka. Prag XI.. Tomkova 15. Telefon 321-72 DONAU HLGUKIIE VERSICHERUIGS-IKTIfNGESELLSCHlH II Will. Direktion für die Cecboslov. Republik: Prag II. läredni M- Feuer*, Cbomage-, Maschinenbruch«, Olas. Einbruch* diebslahl-, Hagel*, Transport- und ReiaegepMck• Versicherungen. 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P." nicht Zustandekommen, weil Rußland diesmal derAnsicht sei, daß die von der obersicn Sportbehörde gefaßten Beschlüsse bindend lind, wonach lediglich die Austragung von interna- nonalcn Wettkämpfen mit proletarischen Verbänden als zulässig(i) erklärt wird. Ole richtige Brille Optiker Deutsch Prag II., Prikopy, Palais Koruna „- emüssen sich jj c Große*. an jedem ersten und dritten Mittwoch int Monat beim o[tfn Sportkommissar zum Bericht melden. 3. Der Verband darf Mitglieder der aufgelösten Verbände des Mak- labi und des RjF einzeln, aber nickt als Körperschaft j t bans, Perslyn. Restaurant: 12 Jahre Ortsgruppe, Ehrung langjähriger Mitglieder.— Zur Pfingsttagung der Jnngangestelltci: eilte Auto- bnsfahrt mit Besuch von Jnngbnnzlan. Burg Bösig, Erholungsheim Hirsckberg. Lcipa, Melnik. Fahrpreis samt Nachtlager 2ü Kc. Aus der Partei Rotsalken und Sturmsalken kehren an: Montag, den 1!. April, um 10.2b Uhr am Wilsonbahnhof aus Albern zurück, Jungfalkcn am gleichen Tage und Bahnhof um 10.57 Uhr ans Schelesen. filme In Prager Llditspielhauxern dis inklusive TvnnerStag, den 5. April 1934. Urania Kino, Kliincnlsskä 4:„Katharina Adria:»Annette im Paradies*. Tonner über Mexiko*.<8eränek: in Flammen". Fenix:„Der König der .Die goldene Katharina*. Ganmont: *. Hollywood:„Das HäuS- :„Annette im Paradies", schlacht*. Kinrma B-Th.: Journ., Reportage, Groteske!H2—VnS. Koruna:„London um Mitternacht*. Metro:„gleise nm die Welt in achtzig Minuten." Olympir:„Menschen und Taten". Passage:^Bubi". Praha:„London um Mitternacht". Radio:„Wolga in Flammen." Staut:„Die Schlacht". Sviwzor:„Bubi". Alma:„Wolga in Flammen.". Bajkal:„Tie goldene Katharina." Belvedere:„Die verkaufte Braut". Earlton:„Die goldene Katharina. Favorit:„Katharina die Große". Illusion:„Die goldene Katharina". Louvre:„Wolga in Flammen." Mnreska:„Tarzan, der Beherrscher des Urwaldes". Roxy:„Die Bettlerin von Nolre Tante". Sport-Smichow:„Jindra— Grätin Lnrowina". It Vcjvodü:„Großfürstin Alexandra. Valdrk:„Die goldene Katharina." „Wolga Könige*. Flora: . I„DaS Häuschen in EmauS aufnehmen. Als Grund für die Auslösung de» Per., f[,(n j n(7„tauS*. HvSzda: einigten Jüdischen Sportvcrbandcs wird angegeben,|^ttlU:.Tic das andere Verbände ibn zur Tarnung ihrer eige nen verbotenen Tätigkeit» e n tt t? t diiben. Protest nm Leikert. Ter tsckcoslowakische EtaatSvcrband der bürgerlichen Schwimmer l>tt. wir die Blätter melden, gegen die„Form* der„Einbe- rnfung" ÜeikertS zum tcichsdctttscken Olympia-Trai ning beim D.S.B. Einspruch erhoben. Interessant ist, daß die deutschen Nazi-Zeitungen ,in einem Vorbericht zu einer Veranstaltung in Magde burg, an der auch.Leikert als tsckeckoiloioatisckcr Staatsangehöriger an den Start ging. u. a. schrieben:„Im Kitnstspringen sind... und Lctkerr un sere besten Svihcnsprtnacr*. Viel Lärm nm nickt-s macken-:::ck bei nttS gewisse Blätter um den bevorstehenden B t r! a m p t des Nazi-Sckmeling mit Vaolino. der in einer Stier- kampfarena in Barcelona vor sich geben toll. Womit der richtige Ort dock einmal gesunden wurde l Gleichzeitig trompeten dic-e Blätter die neuesien„Ergüsse* des Nazi-Mare als den letzten' Sckrei eines „großen* Auch-Sportlers in alle Welt und glauben, ihn damit wieder aus die„Beine* bringen zu kön nen. Aber selbsi seinrut Landsmann Neusel, der der zeit in Amerika vorr. trau: vor einer Berührung mit einen:— Gewe-enen ZchiedSrimter.»« Breite« wollen, nicht etwa, um mehr Tinten bei diesen schleckten Zeiten zu er halten— c ne n. da verkennen Sie bürgerliche gutz- ballschiedSrickrerl Aber tatsächlich trägt sich die 'SchiedSrrcht-rgrupve tut T.F.B.-Mittelgan(Prag) Notizen Prager bürgerlicher ■ mir der„Absicht", wegen t i g tt tt s in den Streik zu vcrcinsnadiriditcn Ort-grvppe Prag. Osterwanderung. Zusammenkunft am 1. April 1034 nin 3 /<7 Uhr am Masarykbahnhof. Fahrt nach Kuttenberg. Besichtigung der Stadt und Wanderung in« obere Sazawalal. Legitimationen mitnehmen..Führer: Plotz. Allgemeiner Angeftellten-Berband, Prag. A»t rsst u n d en jeden Mittwoch von 7 bis 8 Uhr in der Narodni tkida 4, 3. Stock.— Mitgliederversammlung. Mittwoch, den 4. April 1034. um 8 Uhr abends, im GewcrkschaftS- Mitteilungcn aus dem Publikum. Kalte Füße.sind«in Zeichen"schlechten Blnl- kreislauf.es infolge ungenügender Ernährung der ünlcret: Extremiiätett. DieS äußert sich bei geistigen und körperlichen Arbeiicn, bei wenig Bewegung. Pflegen Sic Touristik oder Fußturnen und maisieren! Sie täglich-vor-dem Schlafengehen die Füße mit I unverdünntem JranzbrannNvcin„Alpa". 100! den durch den RegiernngSkoinlnissär ernannt und tnüssen Fronisdldalen gewesen sein. 2. Sie ANGLO-CECHOSLOVAKISCHE UND PRAGER CREDITBANK ZENTRALE IN PRAG AUSLANDS-FILIALEN: BELGRAD. BUKAREST. LONDON. SOFIA 52 FILIALEN IN DER(ECHOSLOVAKISCHEN REPUBLIK • ZUCKERABTEILUNG KOMPENSATIONSGESCHÄFTE Bankhaus Pdsdick&Co. II. DREDOVSKÄ 18 2824 Böhmische Escompte-Bank und Credit-Anstalt ZENTRALE IN PRAG Telegramm«Adrettes Eicomptecredit Filialen n. Exposituren t Asch, Aussig, Bodenbach, Böhmisch-Budwcis, Bühm.-Kamnitz, Böhm.-Lelpa, Brünn, Brüx, Breclav, Eger, Falkenau, Freudenthal, Gablonz a. N„ Halda, Hohenelbe, Iglau, J&gerndor'f, Karlsbad, Komotau, Lcitmerltz, Lobosltz, Mährisch-Ostrau, Mährisch-Schönberg, Maricnbad, Morchenatern, Nikolsburg, Olmütz, Pilsen, Reichenberg, Rumburg, Saaz, Steinschönau, M»« Teplitz, Tetschen, Trautenau, Troppau, Warnsdorf, Znaiht BANK FDR HANDEL 1 Mit EHEMALS„LÄNDERBANK“ Aktienkapital Kö 120,000.000*— Reserven und Fonds„ 157,700.000*— Zentrale: PRAG I., Nämesti Republiky 6. FILIALEN: Asch, Brünn, B.-Budwels, Gablonz a. N., Graslitz, Iglau, Königgrätz, Mähr.-Ostrau. Nächod, Pilsen, Reichenberg, SchUnlinde, Teplitz-Schönau, Trautenau, Warnsdorf, Weipert.— EXPOSITUREN: Karolinenthal, Smlchov, Jungbunzlau, Nixdorf. ZUCKER-ABTEILUNG