Einzelpreis 70 NM» (•in>chll«6l>ch 5 Hell», Porte HtSCHMNT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGUCH FRÜH. Redaktion uno Verwaltung frag xii., fochova«. telefon sxw. Administration thefom 5X76. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHE» REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK 14. Jahrgang Sonntag, 1. April 1934 Nr. 77 Leit! fordert Rechenschafti Urtier eine Einvernahme des Bürgermeisters Seih im Pokizeigefängnis in der Nossauerkände erfährt der OND an» Wien: Als Bürgermeister Seitz von einem hohen Potlzeibeamten einvernom- men wurde, wartete die Fran eines soziatdemo- Iratifchen Funktionärs im Nebenraum. Tort hörte sie folgendes: Der Beamte forderte den Bürgermeister Seitz auf, sich doch endlich„zu verantworten". Darauf antwortete Bürgermeister Seih sehr nachdrücklich:„Ich bin von zwei Dritteln des Wiener Bolleö zum Bürgermeister gewählt worden. Bon dem Platz, anf dem mich das Bertranen meiner Mitbürger gestellt hat, wurde ich mit Brachialgewalt fortgeschleppt. Ich bin aber noch immer der gewählte Bürgermeister dieser Stadt. NichtichhabemichvorderPolizeizu verantworten, sondern die Pol i- zeihatsichvor mit z n verantwor- t e nk" China— japanische Kolonie? Moskau, 31. März. Die Tekegraphenagentm der Sowjetunion teilt mit: Die Moskauer Blätter bringen aus Schanghai die Nachricht, daß die Verhandlungen, die von der dort eingetrosseneu Gruppe großer internationaler Bantierö geführt werden, in den dortigen ausländischen Kreisen großes.Interesse erregen. Die Bankiers uiuersucheu die Frage der Gewährung einer großen Anleihe an China seitens eines internationalen Konsortiums. Bei den Verhandlungen mit den Bankiers in Schanghai forderten die japanischen Vertreter den Verzicht auf den in Aussicht genommenen Plan und suchten zu beweisen, daß die Situation in China die Aufnahme von JnvestitiouSarbciten mit ausländischem Geld nicht gestatte. Gleichzeitig bietet Japan der Nanging-Regierung eine Anleihe im Falle deS MschlusseS eines festen japanischchinesischen Abkommens an. Die japanische Diplomatie gab den Vertretern des zu organisierenden BanlenkonsortiumS ganz eindeutig zu verstehen, daß in sämtlichen mit den Beziehungen zwischen genden Fragen Japan ein entscheidendes Wort gu sprechen habe, da in seinen Händen die Macht liegt, die fähig ist, im Osten„die Ordnung zu schuhen." Diese Haltung Japans rief in den internationalen Finanzkreisen den größten Mißmut hervor, die diese Haltung als Versuch der Aufrichtung eines unverhüllten japanischen Protektorates über China kennzeichnen. Frot vor der Kommission Paris, 31. März. Die beiden parlamentarischen Ilntersuchungskonnni'ssionen betreffs der Be- IrugSafsäre Stavislst und der Veranttvortung für die blutigen Feber-Ereignisse, haben ihre Tätigkeit unterbrochen und sich bis Mitte April vertagt. Die Kommission betreffs der Betrugöaffäre Sta- viskst hat den ehemaligen Innenminister Frot verhört, welchen der Vorstand des Büros des ehemaligen Pariser Polizeipräfekten Chiappe, Zimmer, beschuldigt Hat,.'in den letzten Jahren auf der Pariser Polizeipräfektur Schritte zugunsten des polnischen betrügerischen Bankiers Danowski, eines Genossen Staviskhö unternommen gu haben. Da- uowski war wegen Betrügereien u. Nichtbezahlung von Steuern in der Höhe von etwa einer halben Million Franken aus Frankreich ausgewiesen worden. Deputierter Frot ersuchte um einen Aufschub der Ausweisung, eventuell um Aufhebung dieser Anordnung. Schließlich flüchtete Danowski aus Frankreich, bevor er verhaftet wurde. Frot erklärte, diese Schritte nur als Advokat unternommen und hiebei nicht seinen Einfluß als Deputierter ausgenützt zu haben. Die Untersuchungökommission sandte, bevor sie auf die Osterferien ging, der Regierung ein Schreiben, in welchem sie darauf aufmerksam macht, daß zahlreiche hohe Staatsbeamte und Offiziere den Verwaltungsräten von Gesellschaften größtenteils zweifelhaften Charakters, angehören Und durch ihren Namen oder ihren Rang die Sparer dazu verleiten, irrigerweise Vertrauen zur Reinheit dieser Unt.rnehmungen zu haben. Die Kommission s-rdert, daß allen Staatsbeamten empfohlen werde, Verwaltungsräten nicht als Mlt- glieda: anWgehöreu: Die Waffentransporte nach Oesterreich Enflilillungen eines Belgrader Blattes BeIgrad, 3 l. März.(Avala.) Unter dem Titel„Gegen wen rüstet Oesterreich" besaht sich daS hiesige Blatt„Politika" in einem Sonderbericht feines Braüflaver.Korrespondenten mit den unlängst ansgcdeiklen heimlichen Waffentransporten aus Italien nach Oesterreich und Ungarn und schreibt: Nach den Informationen des Blattes trafen am l). März anf dem italienischen Grenzbahnhos San Candido vier österreichische und vierzehn italienische Waggons ein, wo sie Heimwchrabtci- lnugen übergeben wurden. Tie Sendung war als „Blumenkohl" deklariert, tatsächlich aber enthielten sie v i e r T a n k S und eine graste Menge Munition. Die Sendung wurde nach einer in der nächsten Umgebung Wiens liegenden Station weiterdirigiert. Sämtliche Waggons wurden 4» sichergestellt und der Korrespondent führt auch ihre Nummern an. Den Angestellten der österreichischen Bundesbahnen waren besondere Anstrnltiouen zugegangen, damit die Sendnng schnell und olme Schwierigkeiten transportiert werde. Am 21. März Iras ein ganzer Zug mit Flugzeug- und Automobil-Material in Wiener Neustadt ein. ES war dies ein von Italien kommender und für Ungarn bestimmter Zug. Unter dem bisher transportierten Material besinden sich a ch t F l n g e, T»p Fiat 20—18, Flugzeuge Typ Maqui M 18 mit einem Motor und 250 HP, sechs Flugzeuge T»P Savoia mit 750 HP- Motoren und 20 Maschinen verschiedener TypS. Ansterdcm wurden nach Ungarn 1000 besondere Anzüge sür den Kamps gegen Giftgase transportiert. ! Eine notwendige Antwort Die Selbständigkeit Oesterreichs ist nicht nur das heute beliebteste Thema diplomatischer Frühstücke und anderer, keiner Lnstbarkeitsiiener unterworfener Vergnügungen, sie ist nicht nur. gerade seit sie de facto aufgehört hat zu bestehen, das umstrittenste Problem der europäischen Poli- tik, sie ist auch Gegenstand einer polemischen Auseinandersetzung zwischen uns und dem „LinkSpublizisten" der mosaischsozialen„Wiener Sonn- und Montagszeitung", dem Herausgeber deS„Neuen Tagebuches", Leopold S ch w a r z f ch i l d. Herr Schwarzschild„gab I sich der Hoffnung hin, das; auch Sozialdemo, traten, gerade Sozialdemokraten, vielleicht gerade deutsche Sozialdemokraten der Tschechoslowakei," loder wie er sich an einer anderen > Stelle so schön ausdruai:„TschechoslowakienS") folgendes zu verstehen in der Lage seien: 1. Das; I Oesterreich, wenn es an Deutschland fiele, dessen numerische»rast nm sieben Millionen Menschen heuer Diebstahl von Arbelter- vermögen Wien, 31. März. Die Leitung des im Zusammenhang mit den Feber-Ereignissen aufgelösten Arbeiter-BildungSvereineö in Alsergrund Ivurde nunmehr durch das neue Präsidium, au dessen Spitze ein Regierungötonnnissär steht, übernommen und ein Büro, Kino, Bibliothek und die übrigen Unternehmen des Verbandes neu geöffnet. Auf ähnliche Weise werden auch die Verhältnisse in den analogen Institutionen geregelt werden.— Der bekannte sozialdemokratische Tou- risten-Verband„Die Naturfreunde", der im Zusammenhang mit den Feber-Ereignissen aufgelöst und dessen Vermögen, insbesondere die zahlreichen Alpenhütten, beschlagnahmt und von einem Re- gierungSlommissär übernommen wurden, tvird, Ivie die Blätter melden, in der nächsten Zeit neuerlich unter dem Titel„Die Bergfreunde" Prag, 31..März.(Tsch. P.-B.) Heute Vormittag lvurde im Sitzungssaal des Abgeordnetenhauses in Anwesenheit des P r ä s i d e n t e n der Republik, der Mitglieder der Regierung, deS diplomatischen Korps und der gesetzgebenden Körperschaften der F r i e d e des tschechoslowakischen Roten Kreuzes feierlich verkündet. Präsident M a s a r h l wurde vor dem Parlamentsgebäude u. a. vom Vorsitzenden deS Abgeordnetenhauses Dr. Stanik begrüßt. Im Sitzungssaal eröffnete die Feierlichkeit, nachdem die Staatshymnen verklungen waren, der Vorsitzende des Abgeordnetenhauses Dr. Stankt. Nach dessen Kundgebung sprachen u. a. der Vertreter der Regierung Minister für Unterricht und Volksaufklärung Dr. K r L in ä r. Nach einer kurzen Einleitung über den Sinn und die Losung der Feier sagte der Minister: „Liebe zum eigenen Volk fordert keineswegs Lieblosigkeit zu nuderen Völkern." So lehrt uns unser groster Präsident.„Gegen einen positiven Nationalismus, der positive Zicke anstrebt, eine intensive Arbeit zur Hebung der eigenen Ration beinhaltet, kann niemand etwas einzuwenden haben. Richt die Liebe zum eigenen Volk, sondern der lkbauviniSmuS ist der Feind der Völker und der Menschheit." Das Tschechoslowakische Rote Kreuz, dessen Inspiration der heutige schöne Brauch, der sich bereits eingelebt hat, entsprungen ist, bringt Fahr für Jahr dem ganzen Volk die. Opfer des schrecklichen Krieges in Erinnerung, führt ihnen wenigstens einmal im Jahr neuerlich zu Bewußtsein, wohin Mißgunst, Herrschsucht, Gewalttätigkeit, Hochmut, Machlgelüste und Stolz führen und wie teuer die Menschheit dafür zu zahlen hat. Unter den Völkern gibt eS keinen angeborenen Hast. Dem arbeitenden Volk jedweder Zunge und Rasse ist jeglicher Rasienhast fremd. Die Menschheit ist nicht diesem schrecklichen Fluch verfallen, ihre Sendung besteht nicht darin, einander zu Krüppeln zu schlagen und einander zu töten. Der ! alliviert lverden. Der neue Verein übernimmt daS i gesamte Erbe und schließt sich der Vaterländischen Front au. Merkwürdige Mandats* Annullierunsen Wien, 31. März. Auf Grund der letzten Re- gicrnngSverordnnng betreffend die Shstierung solcher Mandate, deren Inhaber aus der Partei, auf deren Wahlvorschlag sie figurierten, ausgetreten sind, wurden lveiterS vier Nationalrats- Mandate annnlliert, und zwar jene der Abgeordneten H a i n z l und Ebner(Heimatsblock), des früheren Sozialdemokraten Zelenka und des Mitgliedes des WirtfchafisblockS V i n z l. Jit'S nur eine Folge der betannten österreichische» Schlamperei, daß man übersehen hat, der Nationalrat habe in dem„neuen Oesterreich" überhaupt leine Bedeutung mehr? Krieg ist kein unentrinnbares Schicksal, er ist eine vorübergehende Krankheit. Wie ein Arzt, der weiß, daß die beste Krank- heitSbekämpfnng darin besteht, ihren Ausbruch zu verhindern, so arbeitet daS Tschechoslowakische Rote Kreuz mit all seinen Kräften bereits im Frieden gegen den Krieg. Es hat nicht ohne Sinn für seine Friedenskundgebungen jenen Tag gewählt an dem jener aus dem Grabe Piferjland, der gekommen war, zu verbinden nnd nicht zu trennen, der den Seinen stets mit den Worten entgegentrat:„Friede sei mit Euch". Nach der.skundgebung des Ministers Dr. Krömiir spielte das Orchester der Tschechischen Philharmonie die„Moldau" aus Smetanas sinfonischer Dichtung„Meine Heimat". Der Vorsitzende der Regierung, Malst- petr, verkündete hierauf den Frieden des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes und forderte zu dessen Einhaltung auf. Nach einem weiteren künstlerischen Programme schloß Dr. Stanök die Feier. Der Präsident der Republik und seine Begleitung begaben sich dann zum Stiegenaufgang vor dem Parlament. Mitglieder der jungen Organisation des Roten Kreuzes legten am Fnße von Siursaö„Verlvundeten" einen Lorbeerkranz nieder. Ein Kanonenschuß leitete die Zwei- m i n n t e n p a ii s e zum stillen Gedenken der Kriegsopfer ein, dann sangen tausend Rvle-Krenz- Kinder das Volkslied:„Ach sstnku, sstnkn" Nach Schluß der Feier verabschiedete sich der Präsident von den Würdenträgern und fuhr unter den Hochrufen der versammelten Menschenmenge auf die Burg. Zwei Minuten vor der Mittagsstunde, nach der Abgabe des ersten Kanonenschusses, gaben Militär-, Sokol- und Feuertvehrhornisten in allen Teilen Prags und des flachen Landes das Zeichen zur Stillegung des Verkehrs für die Zeit der Zwei- minutenstillc. stärken würde', 2. daß Oesterreich, wenn es au Deutschland siele, dessen strakegische Situation grandios verbessern würde. Denn damit wäre die Tschechoslowakei militärisch so timklammert, daß sie völlig hosfmmgstös dem deutschen Einmarsch preiLgegebe» wäre.— eine Sache, die das Zen ' tralorgan der Prager Sozialdemokratie gelegentlich einmal überlegen könnte: 8. daß Oesterreich. Wen» e§ an Deutschland fiele, dessen politische Situation außerordentlich stärken würde. Denn der Keil verschwände, der bisher politisch zwischen Berlin und Rom geschoben war und die Alliicrmig dieser beide» Mächte verhinderte... „Sachen" also, die wir uns bereits recht gründlich überlegt halten, noch bevor uns Herr Schwarzschild den liebenswürdigen Rat gab, dies doch„gelegentlich" zu tun und, wie wir glauben, gründlicher überlegt haben als er, weil wir uns vom Bluthund Tollfuß nicht bestechen ließen, weder durch Artikel, noch durch die Möglichkeit sie abzusetzen. Wir haben uns nicht nur die Gr- I fahren überlegt, die uns und der gesamten zivi- listischen Welt als Folgen der Gleichschaltung Oesterreichs drohen würden(und die Herr Schwarzschild in seinen drei Punkten nicht einmal annähernd erschöpfend ersaßt hat), sondern auch die nicht minder großen Gefahren, die uns und ebenfalls der gesamten zivilisierte,! Well, als Folgen der schon vollzogenen Eingliederung Oesterreichs in das italienisch-ungarische Bünd nissystem bereits drohe». Herr Tltiwarzjchilo, dem wir, obwohl er voraussichtlich weit vo» de» mit tödlicher Sicherheit zu erwartenden Schüssen bleiben dürste, im Interesse seiner journalistischen Vollkommenheit nahelegen, doch auch dies „gelegentlich einmal zu überlege»", tat es noch nicht. Herr Schwarzschild, der de» Unterschied zwischen uns nnd ihm lediglich darin erblickt, daß eS mit Kanone», Rekrutierungszifsern imd strategisch-politische» Aiifmarschbedmgimgrn rechnet, während wir uns mit sozialen Idealen beschäftigen, irrt nicht nur in der Beurteilung des gewiß gewaltigen Unterschiedes zwischen uns und ihm, der im Wesen völlig anderer Natur ist, ganz abgesehen davon, daß eine politisch-strategische Gleichung niemals ausgehen kann, wenn man die von Schwarzschild anscheinend recht ge- I ring gewerteten sozialen Ideale des„Menschen- ! Materials" außer Acht läßt, ganz abgesehen da- van also, stimmt seine Rechnung deshalb nicht, weil das, was er als gegeben anuimmt, die Selbständigkeit Oesterreichs,„ur noch in seiner Einbil. bnng und in den Reden der Diplomaten existiert. An dieser Stelle wurde bereits iu einer Polemik mit Herr» Schivarzschild anseinandcr- ! gesetzt, daß in der Wiener Feberschlacht nicht nur j die politische» und gewerkschaftliche» Rechte deS Gegen den Nationaihass Friedensfeier des Roten Kreuzes Beite 2 Lonning, 1. April 1DSL Xr. 77 Schicht der Finanzkapitalistcn, mutz für diesen Kampf gewonnen lverden. Daö tschechoslowakische Volk nnd die arbeitenden Klassen seiner nationalen Minderheiten, sie können nur bestehen in einer Atmosphäre der Freiheit. Für seine und ihre Freiheit gibt es heute aber keinen anderen Garanten mehr, als die eigene gesammelte Kraft und den Mut, diese Kraft auch cinzcsctzcn. Bulgarien gegen den Balkanpakt OeheiM« lusatM Im Paktf Sofia, 31. März. lBTA.) Ministerpräsident und Autzcmninistcr M u s ch a n o>v beschäftigte sich gestern in seinem autzcnpolitischcn Expos«! im Abgcordnetenhause mit den Gründen, dcrcttvegen Bulgarien sich entschlossen hatte, Oem Balkan- Pakte nicht bcizutrcten. Bei dieser Gelegenheit sagte er im Wesentlichen: Bulgarien hat sich unter allgemeiner Zustinunung und wirklichem Verständnis der bulgarischen öffentlichen Meinung aus Gründen zu diesem Schritt entschlossen, die auch in zuständigen tvcsteuropäischen Kreisen anerkannt wurden, weil sie den Pakt als überflüssig ansicht. Die freundschaftliche Lösung der noch ungelösten Fragen unter den einzelnen Balkanländcrn hätte in bedeutungsvoller und wertvoller Weise ginn Balkanfriedcn beigetrage». Daö System von durch Bulgarien in Vorschlag gebrachten NichtangriffS- paltcn Iväre eine feste Friedensgarantie getuescn, und dies um so mehr, als alle Balkansiaatcn Mit- cinen Pakt unterzeichnet, der für sie eine allgemeine Garantie ihrer Grenzen darstcllt. In seiner heutigen Konzeption bedeutet der Pakt eine Konsolidierung des Friedens und auf der anderen Seite wird er zu einem Hindernis für eventuelle friedliche Regelung der Friedcnsvcrträge, wie sie der Völkerbund Vorsicht. Diesem Pakte bcizutre« tcn, würde demnach für uns bedeuten, uns der freiivilligen Hoffnung zu begeben, die auf der feierlichen Verpflichtung begründet ist, wie sic im Artikel 19 des Bölkcrbundpaktcs enthalten ist. Ministerpräsident Mnschanow sagte, der Sofioter Regierung wurde nichts über die Grundzüge dcö in Vorbereitung stehenden Paktes bckanntge- gebcn und Bulgaric» wntztc auch nichts über die Verhandlungen, lieber die Unterzeichnung des Paktes und dessen Texte erfuhr die bulgarische Re gierung erst auö der Presse. llcbrigenS sei auch glicdcr des Völkerbundes und auch Signatare des l heute noch nicht authentisch die volle Tragweite Pariser Briand-Kellogg-Paktes sind. Unsere Nach- des Paktes in'Anbetracht dessen bekannt, datz er— baren haben sich jedoch trob alldem zur Einschla-1 bekanntlich einen geheimen Zusatz gung eines anderen Weges entschlossen und haben enthalte. österreichischen Proletariats vernichtet wurden, sondern auch die Selbständigkeit Oesterreichs. Mit dem Siege des bodenständigen FasciümuL wurde Oesterreich zu einer Satrapie Italiens. Die Einkreisung der demokratischen Tschechoslowakei durch fascistischc Mächte ist keine drohende, sondern eine vollzogene T a t s a ch c. Die strategische und politische Position des Revisionismus, der heute mit dem FafciSmus identisch ist, hat sich bereits katastrophal verbessert.... Doch ist es nicht zli spät, der Kampf der Demokratie ist noch nicht verloren. Aber er must geführt wcrdcnI.... Die S e l b st ä n d i g k e i t O c st c r r e i ch s ist heute nicht mehr zu verteidigen, sie i st lv i e» der herzustcllenl... Die blutige Unterdrückung der österreichischen Sozialisten ist nicht nnr eine ungeheuere Beleidigung unseres Gefühls, sondern auch eine sehr ernste Bedrohung unserer Sicherheit und unserer Freiheit. Es ist also nicht ganz richtig, daß unsere „Erwägungen nm die innere Lage in einem Kleinstaat kreisen" und sonst gar nichts tun.' Herr Schwarzschild mutzte, um diese Behauptung ausstcllen zu können, die wesentlichsten, zur Erinnerung eben zitierten. Gedanke» unseres Artikels unterschlagen, der sich nicht so sehr mit seiner Person beschäftigt, wie er es in seiner „kleinen Replik" glauben machen will, sondern niit dem weit wichtigeren Problem selbst, das er völlig falsch darstellt. Freilich, wir sind unstaatL- männisch genug, an die innere Lage des Kleinstaates Oesterreich und seiner Kerker denken zu müssen, wir habcil nicht jene dreckige Grotzzügig- kcit, nm wie Herr Schwarzschild an die Galgen der schworzgelben Bestien vergessen zu können. Die Einkreisung unserer Republik durch Deutschland und Italien-Oesterreich-llngarn, durch Mächte also, die unsere Grenzen nur aus ihren vorläufig nach geboten erscheinenden diplomatische» Rücksichten formell anerlennen, die büchst zweifelhafte Politik uusereS dritten grotzeir Nachbar». Polens, lätzt die politische Situation des Staates ungemein bedrohlich erscheinen. Tas selbständige Oesterreich, das tatsächlich ein Keil zwischen den fascistischen Staaten war, hat aufgehört zu bestehen. Datz das Hakenkreuz vorläufig nicht bis zum Brenner Vordringen konnte, dafür aber das Rutenbündel bis Kufstein, Gmünd. Bratislava, dasi cs Jugoslawien nun von drei Seiten umfatzt. Rumänien unmittelbar bedroht, gefährdet uns politisch natürlich ebenso wie militärisch. Denn auf den häuslichen Streit zwischen Deutschland und Italien eine curo- väischc politische Konzeption aufbauen zu wollen, hcitzt sich blöde stellen oder gar cs sei». Die gc-1 inciusamcn Interessen der fascistischen Mächte sind grötzer als ihre Gegensätze. Und wer schliess- lich von ihnen die Hegemonie über den anderen erringt, ist für uns beinahe'gleichgültig. Von grötzter Bedeutung für uns ist aber die Ausgabe, gegen den fascistisch-rcvisionistischen Block zu be- stehen, ihn zu bekriegen. Unterliegen wir, so be- deutet das mehr als Gebictsvcrlustc. Ganz einerlei, ob in Prag ein Reichssiatthalter oder wie einst ein k. k. Statthalter residierte, die Folgen wären katastrophal. Daö nationale Leben dcö tschechoslowakischen Volkes lvürdc vernichtet, die arbeitenden Klassen aller Völker unseres Landes grausam unterdrückt, die politische Reaktion nnd der knltnrcllc Rückschritt triumphierten auf der ganzen Linie. Die Niederwerfung der österreichischen Sozialdemokratie schuf die letzten Voraussetzungen fiir die Rcalisiernng des AufmarschplaneS der revisionistischen Mächte. Sie war nicht nur ein Sieg Dollsich' und Fehö, sie war auch ei» Sieg Mussolinis und Horthys, sie war indirekt auch ein Sieg Hitlers. Sie war nicht nur eine Niederlage einer österreichischen Partei, sie war und ist auch eine Niederlage der Tschechoslowakei, der ganze» Kleinen Entente, Frankreichs und indirekt auch eine Niederlage Polens und der Sowjetunion. Erinnert sich niemand mehr der Hirtenbcrgcr Affäre? Die österreichische Sozialdemokratie, die sich schon dadurch als letzter österreichischer Garant der Neutralität Oester- reichs gualisizicrte, deckte die vertragswidrige italienisch-ungarische Waffenschiebung aus, was ihr schon damals von der österreichischen Regierung de» Vorwurf dcS Hochverrats eintrug.— Preisrätsel, offen für Herrn Schwarzschild und ähnliche„Linkspublizisten": Gegen wen braucht Ungarn Waffen aus Italien? Warum betrachtete und betrachtet eine Regierung, die unsere französische» und englischen Genossen nnd viel- leicht sogar wir„stützen und unterstützen" sollen, die Aufdeckung der Schiebung als Hochverrat? Ans zweierlei Art können die Demokraten Mitteleuropas(praktisch: der Tschechoslowakischen Republik) und die des Westens auf die zentralcuropäischc Ncuuuordnung reagieren: Entweder sie sehe» untätig zu, wie die Dinge „reifen", resigniere» mtb tröste» sich eventuell nut der blödsinnigen Theorie, der FasciSmuS sei eine notwendige DurchgangSsMfe zur sozialistischen Revolution. De» Passionen, ob sic nun eine eigene Theorie für ihre Passivität erfinden oder ob sic sich ihr ideenlos, dafür ober ehrlich hingeben. sei ei» Rat gegeben: Kümmert euch rechtzeitig um ein Exil! Die Südseeinseln sind fern von Europa und schon deshalb herrlich. Wenn ihr ungebildet seid nnd Jack London nicht kennt, der Tonfilm liefe euch sicher einen Schimmer ihrer Pracht ahne». Entschliesst euch, wenn ihr überhaupt noch eines Entschlusieü fähig seid, rasch. Die letzten Dampfer werden bald gehen! Erzählt den Insulanern gelegentlich, datz cs in Europa trotz euch autzcr Fascistcn auch Menschen | gibt. Die zweite Möglichkeit des Regierens aber und die einzige des Bestehens ist der Kampf! Wir wiederholen noch einmal, was uns den Unmut des Herrn Schwarzschild cintrug. uns aber richtig scheint: Noch ist der Kampf der Freiheit nicht verloren! Kein Kampf ist verloren, bevor er geführt wurde. Aber er mutz geführt werden! Wer soll, wer kann, wer wird ihn führe»? I» Mitteleuropa die Proletarier aller Nationen der Tschechoslowakei vor allem. Aber auch die tschc- choslowatijchen Bauern, ja daö ganze tschechoslowakische Volk, mit Ausnahme der dünnen Internationale Konferenz der Naturfreunde Vor einigen Tagen fand in Zürich eure Konferenz der Nirlnrfrcundc-Intcrnationale statt, Sie durch die Auslösung der österreichische» Organisation sich als notwendig erwies. Den Vorsitz führten die Genossen Escher- Zürich uno D i e t l-Aussig. Der Bericht dieser beiden Genossen über die gcgenivärligc Lage der Gesamt- organisation ivurde zur Kenntnis genommen. Tie Konferenz nahm bezüglich der Auflösung der österreichischen Naturfreunde folgende Ent- schlietzung an: „Die Konferenz proleslieri im Namen von 30.00» Naturfreunden in der Schweiz. Tscheche- stowatci, Frankreich, Holland, Belgien. Saargebiet. Polen, Ilngarcc, Nordamerika und anderen Staaten gegen die ivilllürliche Auflösung des Vereins in Deutschland und Oesterreich. Sie legt Verwahrung ein gegen die ividerrechlliche Beschlagnabme des ver gesauuen Nacurfreunde-Internatioimle gehörenden Vermögens und behält sich alle Schritte vor, die eo ermöglichen, das; der ursprüngliche Rechts- und Ver- mögensstand wieder hergcstcllt wird. Tcn Kämpfern fiir unser« Sache drücken wir unsere Empathie aus, wir sind im Geiste,bei ihnen und lverden uns auf unserem Boden für die gleichen Ideale und Ziele einsctzen. Der zahlreichen Opfer gedenken wir in Trauer und wir geloben ihnen, dafür zu wirken, datz sie sich nicht nutzlos für unsere Ideale eingesetzt haben. Unsere Mitglieder in allen l Ländern sind verpflichtet, alles zu tun, um den Bedrängten die grötztmöglichstc Hilfe angedcihen zu lassen. An die Natursrennde der Welt richten wir den dringenden Appell, wachsam zu sein, um mit den übrigen Arbeiterorganisationen alles zn tun, um«» verhindern, datz bei ihnen ähnliche Zustände tm- treien, wie sie nnmnebr in Deutschland und Oesterreich eingeireten sind." Der lvcitere Verlauf der Tagung Ivar de» I Debatte über die lünstige Arbeit gewidmet. ES I wurde beschlossen, de» Sitz des Gesaintveretns von Wien nach Zürich zu verlegen. Es wurde ein bis zur nächsten ordentlichen Hauptvcrsanun- lung fungierender Zemralausschutz gewählt uns der HauptauSschutz durch Delegierte ans Belgien, dem Saargebiet und Frankreich ergänzt. Dics- j bezüglich wurde die nachfolgende Ecctschlictzung angenvnnnen: „Die internationale Vereinigung des Touri- ! stenvercins„Die Naturfreunde" mit dem bisherigen | Eitze in Wie» konnte durch das AuflösungSdekrct der ! östcrreich. Regierung nicht betroffen werden. Der | Gesainivereiu verlegt seinen Sitz nach Zürich, wählt einen provisorischen Zentral- und ergänzt feinen Haupiansschutz. Diese bilden bis zur nächsten Hauptversammlung von heute an die alleinige, international befugte Zentralstelle des Touristenvereins „Die Naturfreunde" nnd nehmen ihre Tätigkeit sofort auf." Als nächste Ausgaben wurden folgende Punkte festgelegt: Ueberführung dcö BereinS- ! vermögens an den neuen Zent ralaus schütz, Gcl- | rcndniachung aller Rechte auf daS beschlagnahmre Vermögen in Deutschland nnd Oesterreich, weitere Herausgabe des„Naturfreund" auf internationalem Boden, die Anpassung der Satzungen an die neuen Verhältnisse. Als Präsident der Internationale wurde Nationalrat Genosse Ernst Moser-Thalwil- s Zürich, als Vizepräsident Gen. Walter Escher- Zürich gewählt. Dem neugcwählten Zentralausschutz wurven alle Vollmachten zur Wahrung der Rechte der Organisation übertragen und es wird mit ven Arbeiten sofort begonnen werden. ! Vie Aussöhnung Dollfuß—Nazis Wien» 31. März. Aus den» Konzentrationslager in Wölkersdorf tvurden in den letzten drei \ Tagen 100 Nationalsozialisten entlassen. 62 I n. M. de}mg: DersekikunoMe Hacke' an- in vier tpiaoden Autorisierte XTebereetaonc um dem HoHendiKhen von E. R. F u c h i. Ter König hatte in seinem bekannt väterlichen Wohlwollen beschlossen, einen neuen Weg zu beschreiten und sein Volk mit einer demokratischen Staatsregierung zu beglücken, nach der es immer lauter rief... Abgeordnete sollte es für eine grotzc, nationale Volksvertretung wählen und diese sollte ein Staatögrundgesetz beschlichen, nach dem fortan das Reich in modernem Geist zu regieren Iväre... Der Bruderkrieg müsse enden ..". Zusammenarbeit aller Volksschichten im ivahrhaften Interesse des teueren Vaterlandes solle fürderhin die Parole sein... Verwirrt horchte das Volk auf. Die Revolutionäre hielten den Atem an... Was nun?... Hatten sie das Spiel gewonnen?... Werde Frieden und Gerechtigkeit kommen?... Würden sic endlich anerkannt werden und frei sprechen und für ihre Ideale eintrctcn dürfe»?... Würden sie ohne gewaltsame Revolution nach und nach durch Parlament und Gesetzgebung dem Volke Freiheit und Demokratie bringen können?... War der erste Schritt getan auf dem langsam ansteigenden Weg zum Jdealstaat, der sozialistischen Gesellschaftsordnung, dcö kommunistischen Gemeinschaftslebens, in dem es keine Unterdrückung, keine Ausbeutung, keine Herrschcrmacht mehr geben würde?... In den Kirchen wurden Dankgottesdienste gefeiert. Grotze Resolutionen wurden dem König unterbreitet, um ihm für seine Gnade und seine weise Einsicht zu danken... Die Revolutionäre lächelten: die alten Kunststückchen... Doch eine ninfang-1 reiche Amnestie wurde erlassen und einer Anzahl erster Führer, die seit langem in der Verbannung I schmachteten, wurde die Rückkehr in das Land gestattet. Unbeschreibliche Freude erfüllte die Aufrührer, welche die verfallenen und gealterten Kameraden unter Tränen umarmten. Man drückte ein Auge zu und erlmibic ihnen Versammlungen, in denen sie begeistert ihrer Genugtuung über den neuen Kurs Ausdruck verliehen und bereitwilligst ihre balkarischen Waffen gegen geistige vertauschen zu wollen erklärten... Sie hatten nicht die Gewalt gewollt, hatten blotz nach ihr gegriffen als aufcrzwungeneS Verteidigungsmittel... Peter Zanzi kehrte ins Land zurück. Er wurde in die Volksvertretung gewählt. Mit noch einigen anderen Kameraden aus dem revolutionären Kreis, scharfsinnigen Männern, bewandert in politischen Fragen, mit lodernden Herzen, erfüllt von gespannten GlückSerwartungcn. In der Volksvertretung wimmelte eS von Adeligen, Fabrikanten, Bankiers und Geistlichen. Einzelne Bauern satzcn da und dort versprengt, verschüchtert, fehl am Platz, auS einer fernen Provinz gekommen, um die Wünsche der Landbevölkerung zu vertreten. Doch sie waren zu scheu, um kraftvoll einzugreifen, und zu wenig geschult, um genau zu verstehen, welcher Sinn im geschriebenen Wort und in der fliehenden Rhetorik der gebildet sprechenden, vornehmen Herren am Rednerpult schlummerte. Der Entwurf der Konstitution, mit dem die Regierung vor die Volksvertretung trat, bedeutete für die Revolutionäre eine gewaltige Ernüchterung. Viele grohc Worte, ein dürftiger Inhalt. Alles blieb ziemlich so, wie es bisher gewesen. Das Volk sollte sich nach einem lächerlich reaktionären Wahlschlüssel ein Parlament wählen, der jedweden cinigermatzen belangreichen Einfluh der unteren Schichten gänzlich auSschloh. lind daS I Parlament, einmal gewählt, sollte nicht viel mehr sein als eine beratende Körperschaft. Da rannte der gröhte Teil der Revolutionäre zusammen, denn das Ivar Betrug. AugcnauSwischerei, ein Sklaventzarlament l „Geduld, meine Herren", lächelte der Minister. der gefeierte Staatsmann, der Held dcö Tages.„Der Entwurf kommt zur Diskussion ... Sie können ihn emendieren, ergänzen, abändern... Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden... Studieren Sie den Entwurf... in vierzehn Tagen werden wir darüber die Debatte eröffnen." Die Wcchselredcn begannen. Wochen, die zu Aionatcn wurden... Feurig kämpften revolutionäre Parlamentssührcr für die Annahme eines prinzipiell anderen StaatSgrundgcseheS. Hielten bewundernswerte Reden, denen man in höflicher Austnertsamkcit lauschte. Mühten sich ab, um unwiderlegbar zu beweisen, datz durch eine derartige Konstitution die innere Ruhe des Reiches nicht hergejtellt lverden könnte. Stellten historische Betrachtungen an, zitierten Artikel auS den Staatsgrundgesehen anderer Länder, die wahrlich nicht die aufgeklärtesten genannt werden konnten ... Kritisierten incsserscharf und verausgabten sich mit aller Leidenschaft und all dem Feuer, daS sie in so vielen Jahren geheimen Kampfes sich hatten bewahren können... Doch ihre Ausführungen gingen im Meer der Beredsamkeit der übrigen Abgeordneten unter. Die Presse wies neuerlich in kurzen, verstümnicltcn Berichten auf die Ziele der Revolutionäre hin; ihr Ton wurde schärfer, sie sprach von staatsgcfährlichen Umtric- ben, zu deren Förderung der gnädige LondcSvatcr doch sicher nicht seinem Volk dieses vorbereitende Parlament geschenkt hatte. Wollten die ewig Unzufriedenen denn den Fortschritt mit aller Gewalt hemmen, nur damit sie mit einem Schlage zu hundert Prozent ihren Willen erzwingen könnten?... Sah das Voll nun ein, lvaS für unmögliche Wirrköpfe sie seien?... Sie hatten geschrien, gekämpft, gemordet, um eine Volksvertretung und eine Konstitution zu erreichen... Nun hatten sic diese, dank der übermässigen Güte des nachgiebigen Fürsten. Waren sie nun zufrieden? Bereit, als gute, ehrliche Bürger ihre Pflicht zu erfüllen und am gedeihlichen Aufbau eines modernen Staates mitguarbeitcn? Nein! Nun Ivarfcn sie die Masken ab, zeigten, wer sie waren... ewig Unzufriedene, Krakeeler, Böswillige, die nicht Aufbauarbeit verrichten wollten, die nur verwüsten konnten und Verwirrung stiften... Es war gut, datz König und Negierung ihnen in weiser Voraussicht Gelegenheit geboten hatten zu beweise», wer sie wären... Nun würden sich die Augen deö Volkes öffnen I... Spürten die vielen lebensfremden Intellektuellen nun, wie verkehrt ihre heimliche oder ausgesprochene Sympathie angewandt war?... Die Revolutionäre gaben nicht nach und drohten, eine Volksbewegung zu entfesseln. Zogen umher, versuchten Versammlungen abzuhaltcn. Bereiteten eine Bittschrift vor. Die Blätter waren empört. Polizei griff ein. Die Herren sollte» nicht denke», datz sie mache» konnten, was sie wollten. Die NcgierungSagonto» machten sich auf den Weg, organisierten Volksversammlungen, bewiesen, datz die Revolutionäre übertrieben und die Macht dcS Königs angrcifcn wollten, um die Herrschaft an sich zu rcitzcn... Ungebildete, Arme im Geiste sitzen an der Bedienung der ver-^ wickelten Staatsmaschinerie... Unglückliche erzeugen Verwirrung und ziehen Nutzen daraus, fischen im Trüben, jetzt wie früher und allezeit. Nicht vertrauenswürdige, gefährliche Elemente, Unersättliche, Brandstifter, Landesverräter... Gegenredner wurden von unter die Meng- verteilten Söldlingen niedergcknüppclt... ..(Fortsetzung folgt.) *r. 77 Sonntag, 1. Avril 1934 State» breitesten Gehenkt, gefoltert, gefangen Kerker fUr die österreichischen Helden Bisher 522 3ahre Zuchthaus und Lebensllnflich i I I iS Jahres dem zum den der Go» Gestalten auö dem Johann Mörth, Graz, Franz H a n e k, Bruck a. d. M, Bruno Sokol, Wien, Josef F i d r a, Wien, Rudolf Sturm, Wien, Josef Kohl, Wien, FerdinandGsaxner, Leoben, Ferdinand P e n i x, Graz, Ludwig Moser, Graz, Robert Schneider, Wien, Josef Weihrauch, Wien, Josef K r b e c, Wien, Franz Gschwandtner, Linz, Ludwig Schwinhammer, Linz, Hubert Ruß, Bruck a. d. M. „Unser Berliner Korrespondent teilt uns zu der Sensationsmeldung über Devering mit, daß Severing noch immer ein guter Sozialdemokrat ist und daß er nicht daran denkt, Nationalsozialist zn werde». Er hat keine Broschüre geschrieben und eS ist ihin in der letzten Zeit selbst sehr zweifelhaft geworden, ob es zn der Herausgabe seiner»Erin» nerungen" komme» wird, da diese Erinnerungen für das Dritte Reich viel weniger sensationell sein werden als der Verlag Ullstein erwartet hat." — Die Flüchtlinge in Königsaal werden, soweit sie nicht selbst für ihre Verpflegung sorgen können, von der sozialdemokratischen Arbeiterschaft unier- stützt. Die„Millionen" der österreichischen Partei sind nicht verschwunden, sondern werden Zwecke zugewcndet, für den sie bestimmt sind: Kampfe gegen das Regime Dollfuß. Neber Matteotti-Fonds, der bei der Unterstützung Emigranten mit herangezogen wird, sind die zialdemokraten den kommunisttschen Lausbuben keine Rechenschaft schuldig. Man darf aber wohl zurückfragen:>oo sind die Millionen der Kommunistischen Partei Deutsch» landS, deren Emigranten hungern oder zu den Hunnen zurückkehren müssen? Diese Millionen der, waltet Herr Münzenberg. Sie dienen dazu, die kommunistischen Gchimpfblätter zu erhalten. Mit den Tausenden, die etwa die„Welt von heute" kostet, könnte man alle kommunistischen Emigranten glänzend verpflegen. Zu dieser Aeußerung des Berliner Korrespondenten des„Hei Volk" können>vir noch einiges ergänzend hinzufügen, was eigene Nachforschungen inzwischen ergeben haben. Danach ist der Vertrag zwischen Scvering und Ullstein bereits zn einer Zeit abgeschlossen worden, als Sevcring noch Minister war. Scvering beabsichtigte damals Erinnerungen über seinen W c r- degang zu schreiben, die bis zu der Zeit reichen sollten, in der er mit j, Funktionen beauftragt'wurde. Das ist etwa das Jahr 1918. Eine Schilderung feiner Tätigkeit in den letzten Jahren war ebensowenig beabsichtigt wie eine Betrachtung über die gegenwärtigen politischen Verhältnisse. Ein Manuskript der Sevc- ringschcn Erinnerungen, liegt bisher nicht vor. Bon Bedeutung ist auch, daß der Verlag Ul l st e i n auf Anfrage erklärt hat, daß ein Buch Severings bei ihm nicht erschienen ist. Er könne nicht sagen, ob u. wann cs erscheinen werde. Die Meldung hatte behauptet, die Broschüre Sevc» rings sei bereits erschienen. B-J Jahres Johann N o s k o, Wien, Ludwig Beck, Bruck a. d. M., Johann Pucher.Brucka. d.M. Friedrich Glück, Wien, Josef Schildböck, St. Pölten, Anton E c k s t e i n, St. Pölten, Urban Fluch, Kapfenberg. Wirtschaftspolitik erfordern. Die Sozialdemokratie ist sich ihrer Pflicht bewußt, zu prüfen, wie sich die Verhältnisse geändert haben und bis zu welchem Ausmaß eine Aenderung der organisatorischen Formen und der Taktik notwendig ist. Sie geht aber von der Ueberzeugung auö, daß— selbst wenn die Verhältnisse noch so chaotisch tvären— der alte Kampf um die Emanzipierung der breitenMassen fortdauert. Der Sozialismus und die Sozialdemokratie können unter keinen Umständen die raison d'etre*) ihrer Ueberzeugung und ihrer Bestrebungen verlieren. Das Problem des gcgcn- toäriigcn Momentes ist bloß daö: sich klar orientieren und aus den geänderten Verhältniffen die Konsequenzen ziehen. IQ Jahres Robert K a 1 a b, Wien, Viktor Ferner, Bruck a. d. M., Franz S i 11 y, Bruck a. d. M„ Franz Stiploschek, Graz, Vor etwa zehn Tagen wurde durch die in Paris erscheinende Korrespondenz„Jnpreß" und bürgerliche Blätter die Mitteilung verbreitet, daß Karl Scvering, der frühere sozialdemokratische Preußische Minister dcö Innern in einer Broschüre „Mein Weg zu Hitler" ein Bekenntnis zu Hitler abgelegt habe. Unser holländisches Bruderblatt „Hei Volk" in Amsterdam bringt in seiner Ausgabe von: 28. März folgende Mitteilung: IQ Jahres Josef Hastinger, Wien, Ludwig T u m a, Wien, Anton P r i b i 1, Wien, Alois K o 1 m a n n, Wien, Franz Schönburger, Wien, Karl Glück, Wien. Hlnaerlrhtets lug. Georg Weisse), Wien, Karl Münnichreiter, Wien, Emil Swoboda, Wien, Viktor Rauchenberger, St. Pölten. Johann Hoyi, St. Pölten, Josef Stanek, Graz, Josef A h r e r, Steyr, Koloman Wallach, Bruck a. d. M., Anton Bulgari, Linz. SO Jahres Emmerich Sailer, Wien, Jakob M o r a u f, Wien, Josef G a n g 1, Wien, Josef Rinder, Wien, Friedrich Q u a s 11 e r. Wien, Friedrich Göllner, Graz. wichtig, daß die Initiative, die so die Vertreter vieler tausender Jugendlicher ergriffen, wahrhaft d e m o k r a t i s ch ist. Das auszusprechen gaben wir das Recht, weil wir uns nicht im entferntesten der Illusion hingeben, damit die Lösung des sozialen Jugend- problemS gefunden zu haben. Diese sehen wir in der Eingliederung in den normalen Wirtschaft». Prozeß, in der Sicherstellung ordentlicher Arbeitsplätze bei voller Entlohnung und sreier Organisation. Doch cbenso, Ivie wir das wissen und die hiezu notwendigen Voraussetzungen aus Grund unserer marxistischen Schulung kennen, ist es auch unsere Auffassung, daß nichts schlechter ivärc, als in völliger Untätigkeit zu verharren, wenn uns die Not der Jugend auf dm Plan ruft und wir noch nicht stark genug sind, die tatsächliche Lösung dcö Problems zu erringen. Die Demokratie muß auf der ganzen Linie handeln, soll sie dem Ansturm aller Widcrivärtigkcitcn und feindlichen Gegenkräfte standhaltcn. Der Staat muß es begrüßen, daß seine junge Generation in dieser schweren Zeit solche Initiative an den Tag legt. Möge die tschcchoslolvatische Regierung also darauf sehen, daß in den Arbeitsgemeinschaften und Lagern der Arbcitshilfe jeder jugendfrcmde Zwang vermieden und alles vorgesehen werde, was zu einem Shstcm der sozialen Fürsorge für die krisenbetroifcnc Jugend gehört. Nur wenn der Arbeitsdienst seinen Teilnehmern Arbeitsfreude, neues Wissen und Zuversicht vermittelt, wenn er eine sozialpädagogische Einrichtung wird und die Jugend der einen und anderen Nation zur gegenseitigen Verständigung führt, kann er eine Not-Abwehrmaßnahme der Demo- . kratie werden. Willi W a n k a. Severlng wird kein Nazi! Falsche Gerüchte über eine Broschüre Sie bleiben alle unvergessen! Sie werden alle gerScMI Kommunistische Lügen und MünzrnbcrgS Millionen „Die Welt von heule" behauptet, daß die In Köngsaal uniergcbrachten österreichischen Flüchtlinge hungern müßten. Das Essen, das die Flüchtlinge erhalte», setze sich zusammen auL 80 Prozent Wasser, 3 Prozent Fett und 17 Prozent Brot und Kaffee. Die Schutzbündler fragen, so bemerkt«Die Welt von heute", mit Recht, wohin jene Millionen verschwunden seien, die die sozialdcmokratsschen Führer aus Oesterreich mitgebracht haben. Und wo jenes Geld sei, das auf den Matieotti-Fonvs in der ganzen Welt gesammelt tvurde. Die Behauptungen über die unzulängliche Verpflegung der Schutzbündler sind von der kommunistischen Presse erfunden— und zwar zu dem Zwecke, der Andeutung, daß die„Millionen" Verschwunden sind, besonderen Nachdruck zu geben. ist, um des egoistischen Interesses Einzelner und einzelner Gruppen willen keine Konflitte Hervor zurufen. Die Bewunderer Hitlers mögen nicht ver gessen, daß Deutschland; das mit der Hit» lcrcvolution einen neuen khirü einschlägt, den Boden für eine zweite Revolution vorbe reitet, deren Sinn der Kampf für die politische und persönliche Freiheit ist, denn kein Kulturvolk erträgt auf längere Zeit jenes Joch, durch welches daö gegenwärtige Regime in Deutschland charak terisiert ist. Die tschechoslowakische Sozialdemo kratie hält es daher fiir ihre Pflicht, deutlich zu erklären, daß sie sich mit allen Kräften dafür einsehen wird, daß c» zu d i e s c n beiden Revolutionen in-der Tschechoslowakei nicht komme. Sie ist sich dessen bewußt, daß die geänderten Verhält nisse und die schwierige Situation in der Welt und zii Hause schnelle Eingriffe in das Gebiet der I*) Grundwesen. , Demokratische Initiative der Jugend Zar staatlichen Arbeltshllie Masartzk:„Demokratie ist Diskussion und Arbeit— vor allein Arbeit." Als der Präsident der Republik den Begriff der Demokratie in solch trefflicher Weise prägte, wollte er zweifelsohne sagen, daß sich diese vorzüglich in zweckmäßigem und entschlossenem Handeln bewähren müsse. Dazu sind Voraussetzung selbstsichere, Willensstärke und verantwortungsbewußte menschliche Träger der Demokratie, welche mit der Einsicht auch die Fähigkeit zur sozialen Arbeit verbinden, lind da die Demokratie Sicherung und Entfallung dauernd nur auf einer Mas» sengrundlage finden kann, ist notwendig die Melkung dieser Voraussetzungen in den Volksschichten. Bisher wuchsen die markantesten demokratischer Prägung noch immer Milieu der Arbeit heraus, war es der Prolet, der vom einfachen Vertrauensmann seiner Schicksalsgenossen zum umsichtigen Arbciterpolililer. war es der Bauer, der nach Beinahrung auf seiner Scholle zum politischen Führer seiner Beruf-freunde tvurde. Im Arbeitsprozeß können die guten Kräfte des Menschen an der Uebcrwindung vielfacher Schwierigkeiten erprobt und gehoben, soivic Erfahrungen gesammelt werden. Tas läßt die grundlegenden Zusammenhänge in der Gesellschaft erkennen, verleiht Selbstsicherheit, macht ivillenöfest und führt auch zu einem mehr oder minder ausgeprägten Dcrantwortungsbewußisein. Es ist tatsächlich keine Nebertreibung: die Demokratie braucht die Arbeitsschule des Lebens, sollen aus dem Volke immer wieder smrke Persönlichkeiten als Anwälte seiner politischen, geistig-lulturetten und sozialen Freiheitsrechte aussteigen. Wer so die zukünftigen Garantien für die Entfaltung der Demokratie sicht, kommt allerdings zu einer bedenklich ernsten Erkenntnis: die junge Generation, berufen, die Demokratie durch gesteigerte Arbeit und Entschlossenheit zu wahren sowie auSzubauen. findet durch die Katastrophe der kapitalistischen Wirtschaft die Tore zn dem verschlossen, was vorstehend als Arbeitsschule des Lebens bezeichnet wurde. Tie sieht sich abseits gestellt und soll sich mit Entsagungen begnügen, Ivührcnd all ihre gesunden Kräfte zur Betätigung, zur pflichtbewußten Bewährung drängen. Die Jugend ist heute tatsächlich zum guten Teil der Möglichkeit beraubt, sich auf ihre historische Funktion vorzuberciicn. denn das läßt sich nicht abstreitcn: eine Generation, die nicht durch die Schule der täglichen ArvcitSbewährung gegangen ist, muß, je länger ihre erzwungene llntätigleil andauerl, immer mehr die Fähigkeit verlieren, ihre Geschicke dereinst selbst in die Hand zn nehmen, sic in demokratischer Betätigung zu gestalten und die materiellen, kulturellen und moralischen Güter der Ge setlschast zu tvahrcn. Duntle Vorahnung, für die die entwurzelte arbeitslose Jugend mehr trübe Anzeichen bietet, als jemals envünscht sein kann! Hierin liegt ein Gefahrenherd für die Demokratie, der verpflichtet. ES ist e i n e st a a t s p o« liti f ch e Not Wendigkeit der Demo, kratie, daß sie d i e I u g e n d w i e d e r z u r A b c i t zurückführt. Die Erkenntnis ist nichts ohne die Junta tive, die ihr gerecht werden will. Die sozialistischen Jugcndverbände in der t!2R haben sie ergriffen, indem sie. in internationaler Zusammenarbeit gründliche Vorschläge für die Organisierung der sogenannten staatlichen Arbeitshilfe erstatteten, eine Diskussion darüber herbcisührtcn und ihre Pläne auch an die zuständigen staatlichen Stetten weiterleiteten. Daß gegentväriig darüber verhandelt wird, ist der Oessentlichkeit bereits mii- geteilt worden— die endgültige Fassung des Projektes steht übrigen» noch nicht fest— dock' ist nach zentralen" amtlichen den obigen Darlegungen der Hinweis daraus noch ®.. f Sa!« Seit■ StA fit St'TJitviv/tlrtt* Die Sozialdemokratie und die Logili der Entmidilung Das heutige„Prävo Lidn" bringt einen Artikel des Genossen H a m p l, des Vorsitzenden unserer tschechischen Bruderpartei; wir zitieren daraus folgende wesentliche Stellen: Alle bisher getroffenen Maßnahmen haben nicht zur Beseitigung der eigentlichen Ursachen der wirtschaftlichen und der aus ihr entspringenden sozialen und sittlichen Anarchie und Destruktion und Kriegsgefahren geführt und nur die Erkenntnis gestärkt, daß die bisherigen Prinzi- p i e n der wirtschaftlichen Beherrschung der Welt und der Produktton in unaufhaltsamem Rückzug begriffen sind. Im Lause der letzten Jahre Hai die Kritik, die den Glauben an die Richtigkeit der herrschenden WirtschaftS- und Gesellschaftsordnung erschüttert, derartige Fortschritte gemacht, daß die Zahl der Anhänger des libcralisti- schcn Systems wesentlich zusammenschmilzt und allgemein sich die Ueberzeugung durchringt, daß jetzt eine Neuordnung der Dinge notwendig ist. Diese Erkenntnis bricht sich immer überzeugender Bahn. Sehen wir uns nur die heimischen Verhältnisse an, so wecken, abgesehen von den zahlreichen anderen Stimmen— und uns interessiert in diesem Augenblick nicht das sozialistische Lager, dessen Programm zum Teil die Kritik der gegenwärtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systeme ist— unsere Aufmerksamkeit die Stimmen aus dem anderen Lager. In dieser Richtung tritt mit der Verkündung neuer Wege am ausdrucksvollsten in letzter Zeit der„Demolraticlh S t r e d" hervor, also eine Gruppe von Leute», die sicher nicht der Zugehörigkeit zum Sozialismus| oder gar zur Sozialdemokratie beschuldigt werden können; wenn man ihr Programmhest liest, jo hat man den Eindruck, daß man in. irgend einer sozialistischen Revue blättert. Die Unfähigkeit der herrschenden Regime, vor allem die allgemeine Not und daö Streben, die zerstörten Bestandteile des wirtschaftlichen und öffentlichen Lebens überhaupt zu bändigen und harmonisch zu gestalten, führte zu gewaltsamen Umwälzungen und zur Einführung von Diktaturen... Wenn wjr nicht auf die Schlagworte achten, unter denen diese Umwälzungen sich vollzogen, so tritt klar die Ueberzeugung hervor, daß diese Veränderungen zu einem großen Teil auf Kosten der unbemittelten Schichten vor sich gingen, wenn wir die Folgen dieser Umwälzungen rein wirtschaftlich und sozial beurteilen, von den politischen nttd persönlichen Konsequenzen nicht zu rede». ES ist begreiflich. daß dabei am empfindlichsten die typischesten und unbcqemsten Vertreter der Interessen der jungen Leute, die Sozialdemokratie, betroffen wurden. Wenn wir den Reflex dieses großen Geschehens ans unsere inncrpolitischcn Verhältnisse übertragen, so ist cs unbegreiflich, daß ein gewisser Teil der Antimarxisten kritiklos fremden Einflüssen unterliegt, ohne die Verschiedenheit der Verhältnisse und sagen wir es offen, auch die Verschiedenheit der Ansichten und der Taktil zu prüfen. Bei uns zu Hause kann man auch mit großer Sicherheit behaupte», daß der grüßte Teil der Antimar- xisteu Marx nicht gelesen hat, ihn nicht kennt nnd daß es ihnen einfach um die Zurückdrängung. Ein- treisung oder gar um die gänzliche Annullierung der politischen und wirtschaftlichen Biacht des organisierten Soziälismutageht, wobei sie hinter seinen zertrümmerten Schanzen eine lockende Herabsetzung der Löhne und sozialen Lasten und die bequeme Beherrschung der breiten Massen ahnen. Namentlich die tschechojlowakijche Ocffcntlichkeit sollte sehr sorgfältig prüfen, wieviel an dieser Konstatierung Wahres ist. Denken wir uns dazu noch einige ungeduldige naive Erben, die glauben, daß sie bei der Zerschlagung der sozialdcmokrati- ' scheu Positionen nur gewinnen können, so haben wir im großen und ganzen wohl ein vollständiges Bild der Denkweise und der Stimmungen eines beträchtlichen Teiles des tschechojlovalischcn Lagers,, namentlich jenes, der unter der Peitsche der Boulevardpresse lebt. Aber auch wenn die Dinge so liegen, läßt cs sich nicht leugnen, daß der Ruf nach Reformen der wirtschaftspolitischen Einrichtungen seine Berechtigung Hal und daß das gegenwärtige demokratische Regime und namentlich die S o z i a l d e m o k r a t i c die Verpflichtung hat, sorgfältig zu prüfen, bis zu ivelchem Maße sich die Dinge geändert haben und mtt welchen neuenMaß- nahmen auf wirtschaftspolitischem Gebiet man der geänderten Welt und den Bedürfnissen der öffentlichen Vertvaltung und des Staates Rechnung trage» soll. Die t schechoslow«lisch eSozial- demokratie, auf demokratischen Grundsätzen> aufgcbaut, ist und war sich immer der notwendigen! Bedürfnisse des Staates und des Wirtschaftsgan- zcn bewußt. Sie hat nicht an Doktrinen gehaftet und ihre Politik seit der Schaffung der Republik ist eine ununterbrochene Kette von Beweisen, daß sie in der Verteidigung der produktiven und arbeitenden Schichten ein tiefes Verständnis für die Wirtschafts-, Handels- und Knliurbedürfnisse des eigenen Volkes hatte und eine Politik des Friedens und der Uebereinkunft allen anderen gegenüber betrieb. Die breiten Volksschichten in diesem Staate können auf die Dauer nicht im Zweifel sein über die eigentlichen Motive der antimarxisti- schen Schlagworte. UebrigenS gebietet die politische Urteilsfähigkeit und Vernunft allen, denen dieser LdoA^mchr als ein Objekt patriotischer Schwüre Sonntag, 1. April 1934 Nr. 77 UPTON SINCLAIR: daS 1 dcS Arbeiter da rind III. von P e r s o, an dcnFol starben. In drei Monaten: Juli in Prag stattfindet. Ihr geht am 1. Juli der der Kinder voran. Wie schon 1927, wird auch Mitgliedern, die aber gewiss noch eine Steigerung erfahren wird. DaS Ausland bekundet ebenfalls lebhaftes Interesse. Aus Frankreich, Belgien, Holland, der Schweiz, Polen, Ungarn, Lettland, Finnland, III. Tschechoslowakische Arbeiter-Olympiade In Prag Immer näher kommen die Tage der III. Tschechoslowakischen Arbeiter-Olympiade, die vom 5. bis S I Tag veröffentlichten Eltern- und Kinderbriefe davon Zeugnis ab, dass der Jugenddienst nicht nur diesen beiden Zielen gerecht zu Ivcrden vermag, vielmehr darüber hinaus noch eine nutzbringende Tätigkeit auf verschiedenen Gebieten entfaltet. ES befinden sich tu zahlreichen Bezirken eigene AmtSstelleu, so das; die Bevölkerung Gelegenheit hat, ihre Wünsche persönlich vorzubringcn.— Oberwähnte Broschüre kann gegen Uebermittlimg eines Spesenbeitrages von 60 Hellern in Marken durch den Internationalen Ju- genddienst bezogen werden. 500.000 Franken-Betrug. Wie bereits gemeldet wurde, hat der, Angestellte der Genfer Hypothekarkasse I e a n D i kl Unterschlagungen im Betrage von über 500.000 Schweizer Franke» verübt. Er soll die Unterschlagung grösstenteils für den. 58 Jahre alten Berner Leon H n e g l i gemacht haben. Dieser hatte eine Gesellschaft mit einem Aktienkapital von vier Millionen zur Ausbeutung von Petro- len m q u e l l en gegründet, die sich auf seinem Grundstück in K o l u m b i e n befinden sollten. Das Grundstück hatte aber nur einen geringen Wert. Schon vor einigen Jahren hatte Huegli ähnliches von Ländereien in Florida behauptet und darauf Ge- schäste zu gründen versucht, lvaö ihm eine einjährige Untersuchungshaft eintrug. ES lagen aber keine Handhaben vor, strafrechtlich gegen ihn Vorzug ehe». Er täuschte nun glänzende Geschäfte vor und erreichte, dass Dick ihm Petroleumakticn abnahm und dafür 500.000 Schweizer Frauken bezahlte. Die bei der Hypothckarkasse entwendeten Effekten, die durch Aenderung der Ziffern noch gefälscht wurden,— so wurden beispielsweise Kassaobligationen von je 100 Franken in 5.000 Franken umgefälscht— liess er bei der Hypothekarkasse anlegen. Dies besorgte für ihn der Postaugestellte M e t r c a u x. Dadurch kam die Fälschung heraus. Die Hypothckarkasse. erklärt, durch ihre Rückstellungen den Verlust decken zu könucn. Ein nenrr Komet wurde am 27. März 1034 in Johannesburg in Afrika durch den Astronomen Jackson entdeckt; eS handelt sich um einen solchen der 12. Grösseueinheit, so dass er bloss mit grösseren Fernrohren und da bloss in den südlicher gelegenen Gegenden gesichtet werden kann. Bei unS wird der Komet wahrscheinlich unsichtbar bleiben. H a ii S H o u h e i s e r. kommende AerbaiidStnrnsest der '. I. ans dem grossen Gelände am Strahov abgehalteu, wo an» staatlichen Mitteln wohl daS grösste Stadion Mitteleuropas crbain wird. Tie mächtigen Tribünen und das grosse Rund werden, mit dem Hradschiu im Hiiiicrgrund, einen prächtigenRah« men bilden. Eiugeschlossen von all dem daS grosse Tnrufeld, auf dem zehntausende Turner und Turnerin- neu antrcten köiineii. Auch daS Leicht- athlctikstadioii in unmittelbarer Nähe wirkt durch die Zweckmässigkeit seiner Anlage sehr schön. Noch sind Hunderte mit beschästigt, die Plätze zu vervollständigen und auSzubauen. Alle sportbetreibcudcii Arbeiterverbände, der Tschrchoslowalei rüsten emsig für die Beransialtiiiig. Auch unser Anssiger Arbcitcr-Turu- und Sportverband, der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund und die Natursreuude werden eine grosse Zahl von Teilnehmern stellen. Der Verband der D.T.J. allein rechnet mit einer aktiven Teilnahme von 35.000 Die»tuttbenMtilgen" Neigungen der Schweden-Prinzen Paris, 31. März. Die Agciicc HavaS meldet aus Stockholm, dass der dritte Sohn des schwedischen Kronprinzen Gustav Adolf, Prinz Bertil, die Absicht hat, dem Beispiele seines älteren Bruders Sigward und seines Cousins Lenart zu folgen und eine„unebeubürtige" Ehe mit der Tochter des schwedischen Kapitäns Drambeck, zu schliessen. Der König intb der Kronprinz sollen diesem Plane Widerstand entgegengesetzt und erklärt haben, dass Prinz Bertil in diesem Falle aller F a m i- , lieuxechte verlustig gehen würde Vom Rundfunk Empfehlenswerte« ans den Programmenr Montag: Prag, Sender L. 7.30: Orchestermusik, 0.00: Tschechische Arbeitersendung: Stivin: Ständestaat und Arbeiterschaft, 11.00: Matinte des Prager -Quartettes, 12.15: Jazzorchester, 18.00: Deutsch e S e n d u n g: Seemann: DaS Musikprogramm der tschechosloivakischen Stationen, 18.10: Wahrheiten und Dummheiten, Funkfzenen von Walter Taub, 10.00: Deutsche Nachrichten, 22.20: Deutsche Nachrichten— Kunstgewerbe in der Tschechoslowakei. Sender S.: 14.80: Deutsche Sendung: Hat- temer singt Arien, 15.80: Grmela: Der Papagei, Funkgroteske.— Brünn 18.00: Deutsche S en- dun g: lluterhaltungSmusik, 20.00: Tschechische Musik in slawischem Rhythmus.— Raschau 10.00: Volkstümliches Orchesterkonzert.— Berlin 15.00: Musik am Nachmittag, 18.40: Lieder und Kammermusik.— Breslau 12.00: MittagSkonzert der schlesischen Philharmonie.— Frankfurt 10.00: Stunde des ChorgesangeS.— Heilsberg 18.25: Musik für Cello und Klavier, 10.20: Waldhornquartett.— Leipzig 11.30: Joh. Seb. Bach: Der Friede sei mit dir, 14.50: Brahms, Sextett für zwei Violinen.— Wien 11.20: Symphoniekonzert, 20.00: Strauss- Operetten.. Antobuskatastrophe in Südmähren Zeh» Schwer- und zehn Leichtverletzte. Gestern früh fuhr ein vollbesetzter Autobus auf den Bahnhof in Rabotice. Auf der Staatsstrasse bei der sogenannten„Verbrannten Mühle" stiess der Autobus mit einem Fuhrwerk zusammen und geriet dabei so nahe an den Ttrassenrand, dass er das Geländer durchbrach und von einer sechs Meter hohen Böschung abstürzte. Ans dem vollkommen zertrümmerten Wagen wurden zehn schwerverletzte Personen befreit und in daS Trcviischcr Krankenhaus gebracht. Ebensoviel Personen wurden leicht verletzt. Tagcsnculglrcltai Frankreich spart Paris, 31. März. Vlättermeldnugen zufolge, wird gleichzeitig mit den Regierungsverordnungen durch welche die Z a h l der 2 t a a t s a u g c- st e l l t e n und ihre Gehälter herabgesetzt werden, ein Dekret erlassen werden, durch welches die Bezüge der Minister um 15 Prozent und das Gehall des Präsiden- t e ii der Republik um 20 Prozent herabgesetzt werden. Wenn das Maß voll,ist Ostern! Menschheit, aus tausend Wunden blutest du; geschlagen,, gewürgt und geschändet. Aber lausend Ziiiigcn, Henker, schrein deine Schmach hinaus l Wenn über Qualen und Schmerzen auch Nacht des Vergessens zvlanmienschlägt— Karfreitag: Es sprengt der neue Tag die Gruft. Dann wird die Welt zu neuem Leben, neuen Höhn auferstehnl Briefe an einen Arbeiter mit „Lebens-Strahlen" Leningrad, 31. März.(Tah.) Das Institut für Expcrimcntalmcdizin hat ein neues Laboratorium für daö Studium der von Professor G u r- v i C entdeKlen Strahlen eröffnet. Bekanntlich handelt es sich um K n r z w e I l e n 3 c st r a h, l u n g c ii von menschlichen Geweben und dcS menschlichen DliiteS, das Professor Gurviö in vielen Fällen bei der B e l e b u n g n c n in Anwendung brachte, di e gen von Herzdefekten richten.— Brünn iO.OO: 20.05: Chorkonzert.— Berlin 12.00: Solistenkoii-' zert, 18.80: Weber-Schumaim.— BreSlan 16.00: Musik am Nachmittag.— Frankfurt 10.00: Unter, Haltungskonzert.— HeilSberg 10.00: Schubert: Fantasie G-Dur.— Leipzig 17.25: Italienische Lie der, 20.30: Sinfoniekonzert.— Wien 12.00: Konzert der Wiener Sinfoniker. Grosser Schmuggel wurde in der letzten Zeit an der russisch-mandschurischen Grenze betrieben. Bisher ist es gelungen, eine Bande von 60 S ch m u g g l e r n in Haft zu nehmen. Die Verhafteten wurden von der OGPU zur Verbannung nach Minussinsk verurteilt. Wegen Soldateumisthandlung pensioniert. Der Kapitän beim 7. Kavallerieregiment in Godina, Fajnor, stand vor dem Divisionsgericht in Brünn unter der Anklage, seine AmtSmacht missbraucht und die Soldaten misshandelt zu haben. Da der Tatbestand erwiesen wurde, lvurde Fajnor verurteilt. Er verlässt am 1. April den Dienst. Deutsch-tschechischer JugendaiiStausch. Ter Internationale Jugcnddienst(früher Prag-Stras- nice), jetzt: Prag II., Vvrsilskä 2, ist bei uns durch seine ausgedchiitc und eifrige Tätigkeit auf dem Gebiete deö deutsch-tschechischen JugcndauStauschcS bekannt. Im Jahre 1088 allein meldeten sich 4078 Familien, die für ihr Kind einen Tausch- oder Kostplatz im tschechischen, bzw. deutschen Gebiet suchten oder die einen bezahlten Aufenthalt im deutschen, bzw. tsckicchischcn Gebiet anboten. Der Jugeiiddicnst veranstaltet auch Jugendfahrten zu Ferialsprach- iurse» nach Nord- und Siidfrankreich ans Meer. Neben dem praktischen sprachlichen Zweck, der darin besteht, den Jugendlichen Gelegenheit zur Bcrvoll- kommnuiig der anderen Sprache zu geben, wird auch die Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen ztvischcn der Jugend gefördert. Auö der kleinen, eben erschienenen Schrift„Ferienaufenthalt unserer Jugend im fremden Sprachgebiet" legen die darin Ei» Maharadscha, der fich i« die slowakischen Gitten und Trachte« verliebte Aus P-iä t ha N y wird berichtet: Der Maharadscha S a l a r j a ii g aus Haiderabad, der in Pie-mann zur Kur weilte, beabsichtigt, am 4. April in seine entfernte Heimat abzureisen. Bor seiner Abreise will er jedoch noch die O st c r ge- b r ä u ch e der Slotvakcn kenncnlcrncn und Ivird aus diesem Grunde am Ostersonntag und Montag Trcbativc und Krakowaiih, in der Umgebung von Pi-Ztyany besuchen, Ivo er an den Qstcrfeierlichkei- ien teil nehmen wird. Der Maharadscha wird die M ä d ch e n dieser Orte, die ihm Ostereier überreichen werden, der Ostersilte gemäss, mit den Ruten schlage n. Der Maharadscha sandle bereits jetzt in seine Heimat eine grosse Anzahl in dec Slowakei gelauster s l a w a k i- scheu Trachten und verschiedener anderer Denkwürdigkeiten, die er in seinem Schlosse in besonderen Gemächern untcrbringcn wird. Maharadscha Salarjang von Haiderabad verlässt Pis- iyann vollkommen geheilt. Zeichnungen von Li 11 Röthi KC 20.— Zu beziehen durch alle Kolporteure Auslieferung: Zentralstelle für das Blldungswcsen Prag XII., SlezskA 13 Ibeit auf ihrem ureigensten Gebiete:„Der Fürsorge für das Kind", nicht nur jene Massnahmen zu treffen, Ivelche die Not der Kinder zu lindern ermöglichen, sondern diesen auch wieder, so weit cs möglich erscheint, die jetzt entbehrten Freuden zu erschliessen. Spende des Präsidenten. Der Präsident der Republik widmete der Aktion„Demokratie für die Kinder" den Betrag von 100.000 Kö. ein schweres Hagelwetter tobte über Athen und den Pyräus und richtete einen grossen Gebäudcscha- den an. Das Unwetter hatte ferner einen HanSein- sturz und stellenweise Neberschwemmungen zur Folge. In der Provinz Eliö wurde der gesamte Korinthen- Anban von dem kirschengrossen Hagel vernichtet. Herr Insult und nochmals Herr Jusull... Der griechische Dampfer„MaiotiS", auf dem sich der amerikanische Betrüger Samuel Jusull befindet, ist auf Verlangen der amerikanischen Negierung in Istanbul festgehaltcn worden, lieber die Frage, ob der Forderung der amerikanischen Negierung nach Auölieserung Insults stattgcgcven Wieviel RM ist rin Dentschrr wert? Nach einem Bericht des„Berliner Tageblattes" er- klärte auf der Halberstädtcr Tagung des Natio- nalsozialistischeii Deutschen Aerztebundes Prof. Dr. Reiter lReichSgesiindheitsamt), dass der Mensch viel wertvoller sei, als alle Sachwerte. Ein Mensch in voller Arbeitskraft sei in feinem! Werte mit 3000 bis 1000 RM zu veranschla gen. Würde man diese WcrtmessnngSmcthodc aus das deutsche Bolk anwenden, so hätte im Jahre 1013 Sachwerten im Betrage von 350 Milliarden RM ein Menschenmatcrial im Werte von 2000 Milliarden RM gegeniibergestanden. Eine derartige„Veranschlagung" von„Men schenmaterial" haben wir bisher nicht betrieben. Wir meinten, dass gerade nach Nationalsozialist^ scher Änssassnng der Wert von Menschen nicht in Geld auSgcdrnckt werden könne. Aber wir sind bereit, den Herrn Professor Reiter auf seinem neuen Wege zu folgen. Dann müssen wir aller» dings mit Nachdruck erklären, dass die meisten! werden kann" wird ein’ türkisches Gcricht zü"ciit- Jnsassen der deutschen Konzentrationslager scheiden haben. Der Kapitän des Dampfers erwogen ihres Mutes und ihrer Gesinnungstreue I itärte, er werde Samuel Jnsull niemals aus- von uns besonders hoch'„veranschlagt" werden, liefern, da er sich unter dem Schutze der griechi- Wir geben ferner unserer Verwunderung darüber W.ft 6«'"°rve a."..', an ,,-,..„. ireiwilUg die„MaiotiS" nicht verlas en. Der grie- A'tSdruck,. Mj Millionen Deutscher..'N voller MonfuI Jn Istanbul telegraphierte nach Arbeitskraft" wehrend In Monaten Hitler-Re- Athen um Erteilung weiterer Instruktionen, giernng so schandbar schlecht entlohnt oder unter stützt wurden, obwohl sic doch 3000 bis 4000 RM tverl sein sollen! Viele der heute massgebcu» den Männer wiederum haben ein Jahreseinkom men— von ihrem Vermögen gar nicht zu spre chen—, das die angegebenen Zisscrn erheblich überschreitet, erscheinen uns dagegen viel tvcnigcr wert! Den Herrn Professor Reiter allerdings halten tvir einfach für unbezahlbar. Wir warten jetzt nur noch darauf, dass ein Finanzexperte der NSDAP den Vorschlag macht, den grossen Wert des deutschen MeiischcnmaterialS zur Erlangung der fehlenden Devisen anszunützcn— so wie cs einst die deutschen Duodezfürsten mit ihren Lan- deskinderu taten!(KDR) Bertretertag der deutschen Jugendfürsorge. Der alljährig stattsindende Vectretertag der DeiUschcu LandcSkoiinnissioii für Kinderschuh und Jugendfürsorge in Böhmen wird Heuer am 23. und 24. Juni in Gablonz a. N., abgehalten werden. Die Beratungen auf demselben werden sich besonders damit befassen, wie man die Kinder durch die gegen wärtige Notzeit hindurchführen soll, ohne dass sich in ihrer körperlichen und auch sittlichen Entwicklung Schäden einstellen, die ihnen ihren späteren Lebens kampf erschweren. Die Vertreterinnen der Frauen ausschüsse werden sich auf dem angeschlosscneu Frauentag zusammenfmden, um in der Ar- Dänemark und sogar aus Amerika werden Fcstgäste kommen. Schmerzlich wird cö unS berühren, dass alte Freunde aus Deutschland und Oesterreich nicht offiziell dabei sein können. DaS muss Miseren Kampfgeist, muss den Willen zur Niederringiing FascismuS stärken. DaS sportliche, turnerische künstlerische Programm der Tschechoslowakischen Arbeiter- Olympiade wird alle Teilnehmer in jeder Beziehung zufriedcnstellcii, so dass jeder um ein Erlebnis reicher die ! schöne Festsladt verlassen wird. Ein Festspiel, in dem über 2000 Personen Mitwirken werden, wird die Vorführungen der einzelnen Tage abschliessen. Gestalten wir alle dieses Fest zu einem Ausdruck unserer Kraft und des Willens, mit den tschechischen Genossen zu kämpfen und zu siegen. Die Qlnmpia-Tage werden Tage der Freude und deS Bekenntnisses sein. Sorgen wir alle schon jetzt dafür, dass sie gewaltigeMas- | f c n versammeln! Automatische Wassermessung Archangelsk, 31. März.(Tass.) Der Student der Technik I u d i n, hat einen Apparat erfunden, mit dessen Hilfe eS möglich ist, in jedem Augenblick automatisch die Tiefe deS Wassers fcst- zustcllcn, und ztvar auch daun, lvcim man sich a u Bord eines fahrenden Dampfers befindet. Dienstag: Prag. Sender L. 10.50: Deutsche Nachrichten, 12.85: MittagSkonzert, 16.55: Jugendfunk, 17.85: Deutsche Konversation: Dr. Siebenscheiii, 17.50: Violinkonzert, 18.25: D e u t s ch e S e u d u n g: Jak: Wirtschaftsrelief, 18.35: Operetteulieder, 10.00: Deutschen Nachrichten, 20.45: Diskussion mit Komponisten, 21.80: Bioloncellokonzert. Sender S. 14.45: Gesangskonzert Jarmila Mala,' 15.10: Deutsche S e n d u n g: Dr. Kollinsty: Musik exotischer Naturvölker, 15.45: Deutsche Nachrichten. — Brünn 18.25: D e u t s ch e S e u d u n g: Soziale Informationen, Arbeitersriidiiiig: G. Freund: Fragen des praktischen Arbeitsrechtes. 21.05: Was die Nacht singt.— Miihr.-Ostrau 11.00: Militärkonzert, 17.15: Medizinischer Vortrag, 21.00: Abendmusik.— Berlin 16.00: Nach- mittagskonzert, 21.40: Brahms.— Frankfurt 21.15: Aus dem italienischen Liederbuch von Hugo Wolf, 24.00: Nachtmusik.— Heilsberg 10.00: Unterhaltungskonzert.— Leipzig 15.10: Alte Mei- stersonatcu für Violoncello und Klavier, 17.20: Musik für Saxophon.— Wien 22.15: Konzert. Mittwoch: Prag, Sender L. 10.05: Deutsche Nachrichten, 10.15: D e u t s ch e r S ch u l f ii n k, 12.10: Schallplatten, 14.05: D e u t s ch e r Arbeitsmarktbericht, 10.50: Theater für Kinder, 18.25: Deutsche Sendung: Zehn Minuten für den Nadioamatcur, 18.85: Arbeiterfunk: HanS Fischer: Revolution der Menschen und Atome, 18.55: S o z i a l e I u f o r m a t i o u e n, 10.20: Schrammelkouzert, 20.05: Lieder für gemischtes Quartett, 22.15: Bericht von der Arbeiterolympiade. Sender S. 14.80: Salonquartett Mu.sik, 15.10: Deutsche Sendung: Haus Naack liest aus eigenen Schriften, 15.45: Deutsche Nach- NachmittagSkonzert, Re. 77 Tonnlaif, f, April 1934 Seite ü Kampf gegen die Grippel Als Vertragsingenieur in der Sowjetunion I Er war bis zehnstündigem Warten mit kapitalistische Wirtschaftssystem als Ganzes retten auf der I mir sehr Tagen an erlranltc. Udr nachts beginnt man sich anzustrklen. Grei- Ivallte knallte die die Partie Hin nenn Uhr LcbcnLinittclinagazinc geöffnet, „Nicht nennt. Togal-Tabletten sind ein hervorragendes Mittel gegen Grippe und Erkältnngökranlheiten. Togal scheidet die Harnsäure aus, ist in hohem Maste bakterientötend und geht daher zur Wurzel des Nebels. Im AnfaugSstadium genommen, ver hindert Togal den Ausbruch der Grippe. Erstaunliche Erfolge! Mehr als 0000 ärztliche Gutachten! Ein Versuch überzeugt! In allen Apotheken. Gcncraldepot: Branncr's Apotheke„Zum Ivcihen Löwen", Prag II., Pklkopy 11. 2326 rung des amerikanischen GewerkschastsbundeS den hartnäckigsten Widerstand entgegensetzen. AuSgc- jhcnd von der Automobilindusirie, drohte ein schwe- rcr Wirischastskanipf in einer Reihe von Jndnjlric- zweigen auszubrcchen. Durch Roosevelts Vermittlung hat ihn ein Kompromiß zunächst vermieden. Man must toisscn, dast daö Unternehmertum der Bereinigten Staaten sich bisher an GewcrkschaflS- fcindlichleit das Aergste geleistet hat. Mit aller Brutalität hat cs die Entwicklung einer unabhängigen Gclvcrkschastöbctvcgnng hintertriebe»; Ford und andere Jndustricmagnatcn machten zur Ein- stellungSbcdingung die Nichtzugehörigkeit zu einer Gewerkschaft. Tie Arbeiter wurden in gelbe Bc- trieböorganisationcn gezlvnngen. die nicht den geringsten Kampflvcrt für sie hatten. Präsident Roosevelt, der— um das privat- den Zufriedenen, zu den weichen Skarrcn komme ich, nicht zu den Mühseligen und Beladenen l Die Not, grinsend im Sonncnglanz, die Not künftiger Tage starrt jenem Elternpaar über die Schultern. Das wissen die beiden, das überdenken sie, darum gehen sie so still,— so stillfröhlich. Um des Kindes willen ist dieses Eltcrnpaar hinausgewandert in den schönen Frühlingstag, im Leichtsinn der Elternliebe um des Kindes tvillen. Und ihre»! geliebten, hoffnungsvollen Kind werden sic damit lange Krankheit und frühen Tod bereitet haben. Frost wird kommen und Ungcwitter. EiS Wird fallen auf die lachende FrühlingSflur, und heute noch, ehe die Schatten wachsen, Ivird der erste Keim dcS Siechtums gesenkt sein in diese junge, jauchzende Menschcnbrust. Hörst du den Tannenwipfel rauschen, sichst du ihn sich neigen, grüsten die lleine Menschenblume im Tal? Tanne und Kind sind für einander bestimint. Sie müssen wieder zusammenkommen nach diesem lachenden Frühlingstag, ganz eng zusammen.— Denn gar sinnig ist diese sonnige Welt." Bon W i l h e l m Alder. ' anzuklagen. Der erste Gcwerlschastssckretär Gräve empfing mich. Er Ivar deutscher Pvlitemigrant und glich in seiner äusseren Erscheinung mit goldener Uhr und Kette, Brillanten, elegantem Reitkostüm, kaum Haar „Scheusal, Teufel, Satan! Ich hasse dich!" brach da Oneiron los und ballte wild und drohend die Faust, aber furchtlos stand des grauen scö ragende Gestalt, und sein Weihes Haar im Winde. „Teufel, Satan!" wiederholte er. der erste satte Narr bist du, der mich so Sehr schnell und eifrig werde ich gchastt von deiner Sippe. Merkst du nicht, wie dieser Lenz nur ein schinerzhaftcr Krampf ist, aus dem neues Leid und neuer Tod geboren Ivcrden soll? Merkst du cS nicht, satter, zufriedener Narr? Allenthalben noch sind Pein, Not und Unsinn übermächtig in der Welt. Sinnet, wie der Sinn ans dem Unsinn geboren werden kann, wenigstens in euerer Men- schcnwclt, Ivo ihr Macht haben sollt. Sich hin, dort wandern drei arme Menschen. Sorget, strebet, denkt, arbeitet! Aber schivärmet nicht, denn kläglich unfruchtbar ist das Gehaben derer, die da von Freude und Friede schwätzen mitten int Kampf. Noch ist der Wcltenlcnz nicht gekommen!" Oneiron hatte das Haupt gebeugt,' Stille und Trauer hatten sich in sein Herz gesenkt und Lenzfreude « Von Julius Martin. „Du schöner Sonntag, du lieber Sonnentag du!" jubelte Oneiron und scbmicgte sein sreudc» bewegtes Antlitz inbrünstig in das junge Gras der leuchtenden Lcnzflur.„Käfcrlcin! Hast Hochzeit gehalten mit deinem Gesellen im grünen Moos? Jungmüttcrlein du. schmeckt dir das Leben, gelt? — Grünseidigcö Raupen Würmchen! Wie behend wellst du dich über die GräSlein; wie zuckt dir Lcnzfrende und Lebenslust aus allen den feinen, regsamen Ringlein deines jungen Leibchens! Wohl bekomm dir der Fräst! Ach, schön ist der Lenz, gottwonnig dies Lenzwebenl— Erde und Himmel jauchzen einander zu, rühmend die Macht ihrer Kräfte, preisend die hohen Werke der ewig keimenden Natur.— Mensch freue dich! Schön ist die Welt!— I» stiller Glückseligkeit wandern die Alte», und das liebe Kind, entronnen der dumpfen Stube der Stadt, tollt jauchzend über die Wiesen.— Glückliche Menschen!— Wie lönntS auch anders sein?!— Busch und Baum, lenzselig steht ihr im Lickst.— Wie leuchtet der bräutliche, duftende Schleier euerer Blüten hoss- nungLsroh! Blühen! Blühen!— Wie herrlich bist du, sinnige, sonnige Welt!— Gelt! Schön ist das Leben, kraftvoll grünender Eichbaum?"— So frohlockte Oneiron und zwei Freudentränen perlten von den grohen, guten Augen des überschwänglichen Schwärmers. „Ich sehe einen dürren Ast mitten in der Krone des kraftvoll grünenden Eichbaums!" sprach da langsam eine alte, eisige Stimme neben ihm. Ein hochgcwachscner, grauer Mann stand am Rand des Tannenhags, der mit kaltem, grauem Aug zur Tanne cmporjtarrte. Sein tiefernstes Gesicht war scharf gefurcht wie von unsäglichem Gram zerschnitten. „ Ach sehe gelbe Dürre iniuitlcn der grünenden Krone, dcS kraftvollen Eichbaums!" sprach er wieder. Langsam, feierlich hart und unendlich traurig tönte seine Stimme, und ein wehmütiges Früstcl» bebte bei seinen Worten durch LneironS Brust. ,.E i u dürrer Zweig, nun ja", sagte er trüb lächelnd nach kurzem Schweigen,„einer»nter tausend grünenden!" „Die tausend grünenden können nickst dauern, sic werden verdorren wie jener, denn die ragenden Tannen versperren ihnen das Licht." „lind nuih der eine alte Eichbaum sterben, io freuen sich die vielen jungen, immergrünen Tannen ihres Lebens!" „Sie freuen sich des Lebens bis hart an Voll- lrajt und Vollgenust. Vis hart a»!— Ich höre Acxte klingen und schmettern inö Mark!— Ach höre lebensvolle, harzqucllcnde Wipfel rauschen im Sturz! Es kreischt eine Säge; Hämmer pochen harten Tons an das weiche, zitternde Tan- nensleisch!— Meiste, schlichte, schmale Schreine sehe ich stehen in langer Reih!— Glocken höre ich gellen.— Auf dast sie den Tod umschlichen, darum stehen die Tannen im Leben!" „Tu quälst mich. Fremder!" klagte der weiche Oneiron leise.„Und ich iwtc so froh. Schau, die lieben GraStierchcn, wie sic sich freuen! Wie lustig regt sich hier mein grünes Räuplein, wie genustfroh turnt zwischen' den Halmen mein goldenes Käfcrchen!" „Ein flüchtiges Insekt hat seine Eier gelegt in den Leib deiner grünen Raupe. Die Würmer werden sie auffressen bei lebendigem Leibe. Die ersten Risse tagelang wachsender Qual durchzucken sic, deswegen regt sie sich so lustig. Dein Käfer- chen trägt in sich befruchtete Eier, Tausende an Zahl. Sie schwellen in ihm und gedeihen. Sie sprengen den lebenden Mutterleib. Ein Knäuel winziger Larven sucht erste Nahrung an den verwüsteten Eingeweide» der totgcquälte» Gebäreri». Die ersten Regungen seiner ungeborenen Mörder fühlt dein goldenes Käfcrchen. Deswegen turnt es so gcnustfroh!" .„Grausamer, Entsetzlicher!" schrie Oneiron auf.„Du freust dich, zu martern. Ich verstehe dich nicht. Nicht dem kleinsten, ärmsten Wesen könnte ich Leid schaffen!" „Tor!" klang es zurück.„Kurzsichtiger, heuchlerischer Tor! Du kannst gar nichts anderes als Leid schaffen! Sich hin, wo die harten Schuhe deiner ungeschickten Führ ruhen. Eine Ameisenstraße hast du zerstampft. Hunderte von gemeinsam kräftig schaffenden Tierchen hast du zerquetscht.^ Halbtote Geschöpfchen krümmen sich im letzten Schmerz. Ihre Genossen eilen helfend herzu, um immer wieder von deinen plumpen Füßen zermartert zu tverden. Du kannst nicht Leid schaffen, weichlicher Träumer?" Oneiron sprang vom Bode». Schmerzlich, mit halbem Blick schaute er nach jener Stelle. ES war, wie der Graue gesagt hatte. „Geh hin, arger Fremder", sprach er,„geh hin ins Tal zu den zwei friedlichen Eltern, die da stillfröhlich dahinwandern. Sprich auch ihnen deine gramvollen Worte vor! Eile hin zu ihrem lieben, hoffnungsvollen Kind, das so freudig singt und jauchzt auf der lachenden FrühlingSflur. Krächze dein Lied und mach es verstummen! Heb dich hinab! Mich hast du genug gequält!" „Da hatS nicht not, du Menschenfreund!" höhnte der graue Me.„Süßer Schlvärmcr, der du zärtclnd bangst um die Zufriedenheit deines bequemen Seelchens, Mann des Jammers, nicht jene brauch ich heimzufnchcn I Zu den Satten, zu uiitcrzuordneii, suchte im vorhinein die Unterstützung der Arbeiterschaft, weil er die Widerstände ans den Uiitcrnehmerreihen vorauösah. Er stellte darum für die Arbeiterschaft den Grundsatz der Koalitionsfreiheit auf. Bon allen Maßnahmen und Borschlägen des Präsidenten slicst diese bei den Industriellen ans den schroffsten Widerstand. Auf beinahe alles gingen sie ei», zuletzt noch auf die 32-Stnndc»-Arbcitswochc und die zehnprozcntige Lohnerhöhung. Nur die Bcrwirklickiiiiig der Koalitionsfreiheit lehnte» sie ab. Ihre Betriebe sollten Iveiterhitl möglichst frei sein von gewerkschaftlich Organisierten, und die Gewerkschaften auch künftig als Verhandlungspartner nicht in Betracht kommen. Für die Durchführung der Koalitionsfreiheit sind die Gcwcrlschaften entschlossen, mit der Waffe des Streikes zu kämpfen. Es ist bcmcrlcnLwert. dast in den ZcitungSmeldungcn von„Streikfieber" der„radikalisierten" und unter sozialistischen Einfluß geratenen Gewerkschaften die Rede ist. Das soll eine Diffamierung bedeuten. Die amerikanischen Arbeiter sind ebensowenig vom Streilfiebcr erfaßt, wie anderswo. Wenn sie jetzt mit dem Kampf um die Erhöhung der in den letzten Jahren stark gekürzten Löhne den Kampf nm die Verwirklichung der Koalitionsfreiheit verbinden, so tun sie nur etwas, wozu sic die andauernde Verschlechterung ihrer sozialen Lage zwingt. Die Schaffung starker und unabhängiger Klasscn-Gcwcrkschaften beunruhigt aber die Kapitalisten, und das ist der Grund, die Arbeiterschaft in der bürgerlichen Presse der Welt als vom Strcitfieber und vom radikalen Einfluß beherrscht zu denunzieren. In den Arbeitern aller Länder Weckt der Widerhall der kräftigen Schritte der amerikanischen Arbeiterbewegung Hoffnung und Zuversicht.' tcn und nachts hat er nicht einmal sein Bett für sich und must dabei stets gcivärtig sein,»ach Mit- ternacht von der G. P. U. geholt zn werden, denn die allergeringste Ursache oder Denunziation genügt vollauf zur Verhaftung. Auch mein einziger Gedanke, als ich hungernd und frierend in Moskau ankam, Ivar:„Rascheste Flucht aus dem Sowjctgarten". Doch hatte ich noch schwere Stunden durchzumachen, bis mir dies gelang, die ich im Schlustkapiicl schildern werde. „Streikfieber" in den Bereinigten Staaten? Bedeutsamer als die Maßnahmen Roosevelts zum Wiederaufbau der nationalen Wirtschaft ist I für die Arbeiterklasse das Erstarken der amcrika- nischcn Gewerkschaften. An diese» Tagen legen die zahlreichen Zeilungsmeldnngen Zeugnis davon ab, I daß die Gewerkschaften in den Vereinigten Staa tcn sich endlich die Rechte und die Anerkennung er« \ zwingen, die sich— vor der sascistischen Welle in beinahe allen europäischen Ländern— seit mindestens 15 Jahren die Arbeiter erkämpft keilten: das Recht der Koalitionsfreiheit und die Ancrken« Die"""ü der Gewerkschaften als Verhandlungspartner *-• der Arbeiter mit dem Unternehmer. ...., s Leben Mag es andere überraschen, uns überrascht es macht den gleichen Eindruck Ivie in Moskau. Nur f nicht, daß die Kapitalisten gerade dieser Forde- treten hier die Klassengegensätze noch schärfer hervor. Dieser üppige Reichtum der herrschenden Klasse, die Bonzen bewohnen Paläste mit livrier ter Dienerschaft, haben Lnxnsantomobilc, vrillan- tcngcschmücttc Frauen, Billen am Lande etc., etc. Die parteilosen Arbeiter hnngcrn und frieren, in einem kleinen Raum wohnen zlvei Familie» mit vier bis fünf Kindern, jedes Bett mit zwei, oft mit drei Personen belegt, ohne Lick» und ohne Hci- >znng. Tas ganze Leben in S. II. dreht sich ausschließlich und allein ums Essen. | früh werden die aber schon um drei Genosie Patzelt-Turrr— 60 Jahre Gestern wurde Genosie Johann Patzest aus Turn 60 Jahre alt. Bor mehr als 40 Jahren begann er mit den andern Vorkämpfern der Bewegung die Grundlagen für die Organisation der Arbeiterschaft zu legen und seither hat er ohne Unterbrechung und Ermüdung auch in den schwersten Situationen an dem Aufbauwerk Anteil ge- nomnicn. Es gibt wohl kein Arbeitsgebiet, ans welchem Genosse Patzclt nicht Hervorragendes für die Arbeiterschaft geleistet hätte. Seine Tätigkeit galt seit mehr als 3 Jahrzehnten vor allem der KrankcnvcrsichcrungSanstalt in Teplitz, die er erst vor wenigen Monaten verließ, Ungeschmälert bleibt aber weiter seine Tätigkeit auf dem kommu- »alpolitischen Gebiet, auf welchem er in Turn die verantwortlichsten Funktionen bekleidet, bleibt auch seine Arbeit in der Gcnosienschaft, in der Drnck- und Berlagsnnstalt, bei den Kinderfreunden und in der BolkSbildnngSbcwcgung. Tast Genosse Patzclt auch weiterhin dort wirke, ist der Wunsch aller Genossen, die ihn kennen und die ihm anläßlich seines sechzigsten Geburtstages mit ihren Glückwünschen auch den Wunsch vermitteln, recht lange noch mit ihm Zusammenarbeiten zu können. I ein guter, kräftiger Wille. Als Oneiron seinen Blick wieder zn erheben wagte, war der furchtbare Greis verschwunden. Gran Ivar der Himmel umzogen und düster. Eisstücke schlugen ihni ins bleiche Gesicht und fegten unerbittlich junges Grün und duftigen Blütcnschnec von den Aestc». Oneiron lvagte nicht mehr hinabzusehen in das Tal, Ivo das fröhliche Kind gesprungen war. Der frohe Sang nwt verstummt und in Oncirons großen, guten Augen glänzten zwei Tränen. Leningrad In Leningrad wurde ich von einem achtzehnjährigen rothaarigen Bürschchen. Hermann Schrade r, Vorstand des Auslandsbüros beim Stalinzavod, empfangen. Dieses Individuum, dessen Vater sogar als hoher Ä. P. U.-Beamter wegen. grober Verfehlungen zur Zwangsarbeit verurteilt wurde, brachte mich in meine Wohnung am Kameni Ostrov. Da ich mich sehr elend fühlte, bestellte ich mir Tee und Schnaps, welchen mir Schrader und Schäfer austranken. Die beiden hatten sich sofort angesrcundet, da Schrader ebenfalls G.P.U.-Spitzel und damit beauftragt war, die Ausländer vom Stalinzavod, die alle am Kamen! Ostrov untergebracht waren, zn bespitzel». Dies alles erfuhr ich leider erst später. Bald fühlte ich mich etwas besser und man führte mich in den Stalinzavod zum roten Direktor P c n l i u, der mir mitteilte, dast ein Prüffeld für Tampstur- bincn im Entstehen begriffen sei und ich möge mich einstivcilcn bei der Montage betätigen. Also der gleiche Schwindel wie in Ehartov! Der Borstand der Montage führte niich in den Betrieb und sagte: In einigen Wochen schicken wir Sie aus Montage der neuen 25.000 KW iBilcrS-Tur- bine). Bis dahin sehen Sic sich alles an und verbringen Sie die Zeit im Betriebe nach Ihrem Gutdünken. Damit war alles erledigt. Das erste, was ich tat, war nieine Gehaltüsachcn von Charkov zu erledigen. Ich hatte vom 28. Oktober bis November noch über 500 Rubel zu fordern. Ach ging zu Schrader ins Auslandsbüro, dieser erklärte sich in dieser Angelegenheit nicht für kompetent nnd brachte mich zu seinem obersten Chef, dem Auslandsvertreter des Trusts„Kotloturbine", dem Stalinzavod angehörte, zum G.P.U.-Mann K a tz o v s l i. Dieser Konjunttnrritlcr sah mit onduliertem Haccr, manikürten Füigcrnägel, gefärbten Augenbrauen im Büro der„Kotloturbine" und sand es in seiner Arroganz nicht für nötig, meine» Gruß zu erwidern. Er glich mit seinen 30 Jahren eher einem Filmschauspieler als einem hartgcjoltene» Bolschewiken. Schrader erstarb vor ihm in Devotion beim Eintritt. Ich brachte die Sache mit den 500 Rubeln vor und Katzovski versprach, die Angelegenheit telephonisch zu regeln. Mit einer Handbc- wegung entließ er uns ohne Gruß. Ich Türe zu, Schrader wechselte vor Schreck über meine Respektlosigkeit. Das Klima in Leningrad bekam schlecht, so daß ich schon nach wenigen einer schweren Rippenfellentzündung Gegen Abend besuchte mich Schrader fast täglich, um sich nach meinem Befinden zn erkundigen, in Wirklichkeit aber, um sich für mein Geld vollzn- saufen. Als ich halbwegs hergestcllt Ivar, ging ich wieder zu Katzovski) wegen des Geldes, llnd jetzt kam es zum Klappen. Wütend, mit überschnappender Stimme, Schaum vor dem Munde, bellte mich diese GPll.-Bestie an:„Sie sind kein Ingenieur. Ihre Papiere sind alle gefälscht, in Ihrem Leben haben Sie keine Turbine gesehen, Tie haben den Sowjetstaat betrogen, niemals waren Sie in Charkov, Sie sind ein gefährlicher Betrüger und Gegenrevolutionär. Sie gehören ins Kriminal und sind ohne alle Ansprüche entlassen. Schäfer und Schrader habe» mir berichtet!" So, jetzt war cs also heraus. Ich fand keine Worte nnd glaubte, alles sei ein böser Traum. Hätte ich eine Waffe bei mir gehabt, hätte ich dieses Tier unbedenklich niedergeknallt. Ich spuckte vor ihm ans nnd ging, ohne ein Wort zu sagen, hinaus. Stundcnlaug bin ich hcrumgelausen, bis ich wieder einen Gedanken fassen konnte. Am nächsten Tage ging ich sofort zur Gewerkschaft, um Katzovski und den Stalinzavod groß und nusgcfresien, dass er einem Stuhl Platz hatte, aufs Karikatur eines ostelbischrn Junkers. der gleiche Lump wie Katzovski. Da ich nickst Mitglied der Gcwerlschast sei, habe ich hier nichts zu suchen, ich möge meine Ansprüche bei Gc- richt geltend machen, wciin ich überhaupt welche habe. Damit war ich entlassen. Bei Gericht anzuklagen, wäre natürlich ein Unsinn gewesen, denn vor einem halben Jahre wäre nichts erledigt worden. Am 23. Dezember war ich entlassen, mir wurde mitgeteilt, daß ich keine Ansprüche habe und hingchcn könne, wohin ich wolle. Zugleich wurde mir mein Lebensmittelbuch gesperrt. Ich beschloß, sofort Leningrad zn verlassen, um in Moskau nieine Ansprüche geltend zu machen. Bis dahin schuldete mir die S. U. schon über tausend Rubel. Aber es kam anders. Sei cs durch die Aufregungen und daö endlose Hcrnmslehcn in der eisigen Kälte: Am 24. Dezember erwache ich mit heftigen Atembeschwerdcn nnd hohem Fieber: Lungen- und Rippenfellentzündung, erklärte der Arzt. Bis Anfang Feber lag ich ohne Pflege im eisknlicn Zimmer nnd bis heute staune ich, dast ich das alles überstanden habe. Keine M c d i l a in e n t c, o h n e L e b c n s m i t t e l I a r I e» m u ß t e i ch alles i m B a z a r kaufen lassen. In 5 Wochen war ich gcnötigi, meine ganzen Sachen, darunter eine goldene Uhr, zu verschleudern. Ende j Jänner versuchte ich anfzustehen nnd am 8. Feber ! fuhr ich ohne Geld, ohne Pelz, mit einer kleinen! Handtasche versehen, bei 34 Grad Ecksinck im Bich- Waggon von Leningrad nach Moslau. Diese Reise| von 700 Kilometern dauerte über zwei Tage. Ueber Leningrad ist nicht viel zu sagen Stadt muß im Sommer wunderschön sein, hat mehr alö zivei Millionen Einwohner. Tas um nach acht- sincm Liter Petroleum, einem Laib Schlvarzürot!ju können— den Versuch macht, die vielerlei Son- und etwas Kraut hcimznkommcn. Davon lebt nun derinteressen mächtiger Kapitalrieseu nnd ganzer der russische Arveiter. Dabei must er schtvcr arbci- kapitalistischer Sondergruppen diesem großen Ziele •Me« „Sozialdemokrat" Gonickag, 1. April 1031«r. W. TOM und TOM Triumphjahre der Reaktion I Dir Jyfinbc her Arbeiterklasse linb des So- aiätidnuis jubeln: Der sozialistische Kampf ist zu- . sanimcngcbrochcn! Der Marxismus ist vernichtet! Die Herrschaft der Ordnung triumphiert! Sic meinen ihre, die kapitalistische Ordnung, die aus dem Mute gemordeter Kinder, Frauen und Man« »er erwachsen ist, die Ordnung, die Millionen Menschen hungern, verhungern oder im Elend verkommen läßt, derweilen unweit der Elendszentren Waren in Massen vernichtet werden. Sie halten ihre Ordnung für lange Zeiten fiir gefestigt, weil sie mit unerhört grausam-barbarischen Ge- waltmethodcn die sozialistischen Arbeiter niedergeschlagen, ihre Organisationen zerstört, ihren Kampf geknebelt haben. Die Niederlage der sozialistischen Arbeiter in Deutschland, Italien und Oesterreich ist schtvcr. AbcrsiecntmutigtdieSozialisten «richt! Selbst die Rache der im Siegerdelirium rasenden Feinde kann den Sozialismus nicht töten: er ist lebendig in Abermillionen Arbeitern in allen Ländern— auch in Deutschland, Italien, Oesterreich! reien, die Bauarbeiter, die Landarbeiter. Mehr als eine halbe Million Arbeiter fanden sich in wenigen Wochen zu organisiertem Kampf für höheren Lohn und Verkürzung der Arbeitszeit zusammen. Der Vorläufer des späteren TradcS Union-Kongresses wurde im Feber 1834 gegründet. Aber dem Kampf leisteten Krone, Landbesitz, Bourgeoisie und Bürgcrtun« mit allen Machtmitteln zähen Widerstand. Anfang 1834 wurden sechs Landarbeiter zu sieben Jahren Deportation nach Australien verurteilt, weil sie beim Eintritt in den Landarbeitern einen ungesetzlichen Eid geschworen haben sollten. Eine Demonstration von 120.000 Arbeitern konnte die Unglücklichen nicht der Klassenjustiz entreißen. Es gab Enttäuschung. Bei den anSgcbrochcnen Streiks siegten die Unternehmer über die Gewerkschaftsvcrbändc. Dazu kam die Unklarheit, über Wege und Ziel. Noch im Jahre 1834 fiel die Bewegung, die so viele Hoffnungen geweckt hatte, in sich zusannncn.„.... die ganze Kampfanffassung Ivar tot, sic schien sich weder politisch, noch gewerkschaftlich betvährt zu haben. Es schien, als ob sämtliche Waffen, sämtliche KampfeSinittcl versagt hätten... Die englische Arbeitcrbetvcgung lag in aUen ihren Zweigen an: Boden." So war dao Jahr 1834 für die nm ihre Befreiung ringenden Arbeiter, fiir alle Freiheit liebenden Menschen, fiir alle Revolutionäre ein schwarzes Jahr. Während die europäische Rcaktiori jubelte. Aber 1834 Ivar kein Schlußstein der Entwicklung: die ging weiter! In England flammte knapp zwei Jahre später die mächtige Kainpfbe- Ivegung der Chartisten empor und bald darauf entwickelten sich die neuen großen GcwerkschaftS- verbände. Den europäischen Kontinent trieb die ökonomische Enttvicklung dem Stunnjahrc 1848 entgegen. Und cs folgte der Revolution wieder die Reaktion. Nach hmrdcrt Jahren steht die Menschheit an einer entscheidenden Wende. Unleugbar: die Sozialisten haben Niederlagen erlitten. Aber ist darum der Sozialismus besiegt? Mit Nichten! So wie vor hundert Jahren, trotz des Sieges der Reaktion in Mitteleuropa die Enttvicklung nicht zum Stillstand gebracht lvcrdcn konnte, so wenig die Niederlage der englischen Arbeiter das Ende ihres KlasienkainpfcS war, so ist die Niederlage der Sozialisten in Deutschland, Italien und Oesterreich hundert Jahre später nicht die Niederlage des sozialistischen Kampfes und des Sozialisinus! Eine internationale Armee sozialistischer Kämpfer, die noch gewaltiger werden muß, steht bereit, die geschichtliche Mission ihrer Klasse zu vollbringen. Nicht der blinde Glauben an einen mechanischen Verlauf der Enttvicklung gibt den Millionen Sozialisten Kraft und Zuversicht, ivohl aber die Einsicht, daß ihr bewußtes Handeln die nie ruhende gesellschaftliche Entwicklung zu beeinflussen vermag, Hemmnisse wegräumen und sie beschleunigen kann. Der Kampf der Sozialisten,- ist der gigantischeste Kampf um die revolutionäre Umgestaltung aller Gesellschaft, den die Weltgeschichte je gesehen hat. Es wäre ein Wunder, führte er ohne Rückschläge in gleichmäßigen Intervallen dem Ziele entgegen. Nein, nein...! Die Stützen des Bestehende« haben schon ost triuinphiert, wähnten schon ost den Kampf der Arbeiter fiir immer erschlagen, ihnen den Traum von ihrer Revolution für immer anSgetricben zu haben. Eä sind genau hundert Jahre her, daß die[ reaktionären Gelvaltcn in Europa Siege feierten und ihre Herrschaft durch Verfolgung allen freiheitlichen Strebens endgültig zu festigen meinten. Die Pariser Julircvolution hatte de«: absolutistischen Regierungen in Mitteleuropa Schrecken eingejagt. Mit hunderterlei VcrwaltungS-, Polizei- und Juftizschikancn, mit Verfolgungen. Brotlos« machung und Ausweisung aufrechter liberaler Männer des Bürgertums suchten Filrsten, Adelige und hohe Geistlichkeit ihr Regime zu retten. Die Reaktion in dem damaligen zerrissenen Deutschland, den Ländern der Haböburgermonarchien feiert kaum gezügelte Orgien! Arbeiterorganisationen und der Marxismus konnten noch nicht vernichtet werden— es gab sie in Mitteleuropa noch nicht. Der moderne JndustriekapitalismuS tastete hier zu seinem gewaltigen SiegcSzuge erst vor. In einem Land in Europa war er schon mit kräftigen Schritten weit vorgedrungcn: E n g» land. Hier waren schm: vor hindert Jahren in den Jndustriezentre«: Arbcitcrmasscn zusammengeballt, die unter dein vom Kapitalismus ver- breiteten Elend unsäglich zu leiden hatten. Deren Klagen aber kaum gehört wurden, da sie nirgendswo durchdringen konnten. In England gab es schon demokratische Rechte, in revolutionären AuScinan- dersetzunge«: errungen, aber nicht für die Arbeiter, fanden: fiir die Landbesitzer und das Bürgertum. Bourgeoisie und Bürgertum nahmen die .Hilfe der Arbeiter:«nd.Handwerker, um ihre Rechte gegen Kro«:e und Landbesitz zu erweitern. Aber sie verbanden sich auch mtt Krone und Land» besitz, inn Arbeitern und Handwerkern die politischen Rechte zu vcrivcigernl .Englands Arbeiter begannen früh den politischen Kampf. Eine von ihnen 1830 gegründete Zeitung»Povr Man'S Guardian" ist als erstes sozialdemokratisches Blatt in die Geschichte einge- gangen; sie gründeten politische Kampforganisationen und führten eine heftige Kampagne für das Wahlrecht. Sie haben den Verfolgungen der Staatsmacht jahrelang getrotzt— aber sie konnten nicht Rechte für ihre Klasse, sondern nur für die aufstrebende Bourgeoisie und das Bürgertum durchsetzen. Eö war noch keine reine Klasscnbewe- g«mg, mit Klassenzielen, die verschiedensten Pläne, Utopien und Theorien liefen durcheinander und Männer aus dem Bürgertum beteiligten sich an den Verbänden, um ihre Arbeit zu sabotieren. Als ihre Wahlrechtsaktion ihnen nicht den gehofften Erfolg brachte, Ivarcn die Arbeiter vom politischen Kampf enttäuscht. Sie ziehen sich zurück, die gegründeten politischen Organisationen brechen im Jahre 1834 zusamn:en. Die Herren Englands jnbeln: die politische Aktion der Arbeiter ist tot! Doch die englischen Arbeiter blieben nicht stifl. Fühlten sie sich von dem Bürgertum auf dem politische«: Kampfbodcn betrogen, so begannen sie «nit unverminderter Energie den wirtschaftlich-gewerkschaftlichen Kampf. Vor mehr als hundert Jahren. Im Gegensatz zu dem großen Utopisten Owen schüfe«: sie gewerkschaftliche und auch genossenschaftliche Organisationen: die Handwerker Londons, die Fabrikarbeiter im englischen Norden, die Arbeiterinnen der großen Londoner WäschePHAftgR ZBIHJWg Großer Brand in der Staatsbahndirektion In der Nacht auf gester«: bemerkten die Nachtwächter in: Gebäude der Staatsbahndirekiion in der Hooverstraß«, daß cs in einen: Büro in: zweiten Stock brenne. Die akarniierte Feuerivache stellte fest, daß die Decke zwischen dem dritten und vierten Stockwerk in Brand geraten war und zlvei Büroränme Vernichtet Ivnrden. Das Feuer wurde nach einer halben Stunde lokalisiert, doch dauerte cs«vcitere zwei Stunden, bevor es vollständig gelöscht werden konnte. Die Ursache scheint in einer schadhaften Kaminleitting zu liegen. Der Sachschaden ist bedeutend. 3wii Kinder verschüttet Auf einer Banparzelle i«: der JeseniuS-Gasse in ZiZkov, spielten zlvei elfjährige Burschen, Vladimir Jlik und Joses Micka, in einer ungefähr vier Meter tiefen Grube. Während dcS Spieles löste sich plötzlich voin Rande der Grube ein Erdblock los und riß die beiden Knaben mit sich. Jlik wurde tödlich verletzt, Micka wurden beide Beine gebrochen. Prag ist nicht Berlin! In einen: Autoumten der Prager Innenstadt kam es am Freitag zu cinein Zusammenstoß zwischen offensichtlich betrunkenen Gajda-- Anhängern und politisch Andersgesinnten. Die Fascistcn provozierten frech und völlig grundlos, bezeichneten mehrere ruhig dasihendc Gäste als„Stinkjuden" und l>enahine>: sich so unverschäint, daß die übriaen Gäste deS Lokals in größte Einpörung gerieten. Rasch hinzu- kon:mende Polizei bewahrte die fascistischen Hcl- denjünglingc, die auch lveidlich über daS ,,Wiener und Berliner Emigrantenpack" Herzogen, vor der verdienten Züchtigung durch die Gaste, die sehr gesonnen Ivarcn, nicht viel Federlesens mit den Burschen zu machen. Die Gajdajünger wurden zur Polizeiwache gebracht. Sie könnet: immerhin von Glück reden, daß die Polizei so schnell zur Stelle war. Jedenfalls war der Verlauf dieser Szene ein erfrischender Beweis dafür, daß Prags im Innersten deinokratische Bevölkerung von fascistischen Provokateuren nichts wißen will! Bo« elektrischen Strom getötet. Freitag abends begoß der neunundzwanzigjährige Gärtner Ernst Cern«'), in Michle, im GlaShause Blumen. Er leuchtete dabei mit einer elektrischen Glühbirne, die er in der Hand dielt. Anscheinend infolge schlechter Isolierung erhielt er plötzlich einen elektrischen Schlag, durch welchen er mif der Stelle getötet wurde. Bei Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, gestörtem Schlaf, schlechter Laune,. gereizter Siiin- mung, greife man sogleich zu den: altbewährten „Frant>J»srf"-Ditterwaffer. Aerztlich empfohlen. 3106 Kunst und Wissen Heute 8 Uhr, Gastspiel der Reinhardt-Toumte: „Sechs Personen suchen einen Autor." Regie: Max Reinhardt. Sitzplätze schon von Ai 18.— an. Wochenspielplan des Reum Deutschen Theaters. Sonntag 2V4: Boris Godunow, 8: Sechs Personen suchen einen Autor, Ml, Gastspiel Reinhardt.— Montag 3: Turan d o t. 7{4: D i e Gesänge«le, C 1, Gastspiel Ernst Deutsch.— Dienstag 714: Julius Cäsar, A 1, Gastspiel Ernst Deutsch.— Mittwoch 716: DiSrael:, AA, Gastspiel Ernst Deutsch, volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 7!«: Ein Maskenball, C 1.— Freitag T'/j: Die kleine Katharina, Erstaufführung, D2. — Samstag 6Vi: Die Meistersinger von Nürnberg, Aagner-ZykluS IV, Gastspiel Alfred Jerger, B 2. Wochenspirlplan der Kleinen Bühne. Sonntag 3: Towarisch, 8:KoS«netik.— Montag 3: Weißer Flieder, 8: Kosmetik.— Dienstag 8: Kosmetik.— Mittwoch 8: Kosmetik.— | Donnerstag 8: DieGefangenc, Gastspiel Ernst Deutsch.— Freitag 8: Kosmetik, Rulturver- bandsfrennde und freier Verkauf.— Samstag 8: Die Gefangene, Gastspiel Ernst Deutsch. Aus der Partei Rolsalkcn und Sturmfalken kehren an: Montag, den 2. April, um 10.29 Uhr au: Wilsonbahnhof aus Albern zurück, Jnngfalken an: gleichen Tage und Bahnhof um 19.57 Uhr aus Schelcsen. Der Film An.ta int Paradies Das ist das erste aus der Reihe der Jilmwerkc, die eine Goebbels-Kolonne an: Barrandoll als Gegenleistung für de«: gesteigerte«: Absatz hitler- dcuischer Filine in der Tschechoslowakei produziert hat. Wir habe«: diese„Bereicherung" der hiesige:: Produktion seinerzeit mit der Warnung versehe«:: „Mai: mache sich doch klar, daß die Filme, die da in Prag hergestellt werde«: sollen, auch für die Verbreitung in Deutschland bestinnnt sind und schon deshalb den vor: Goebbels verordneten Geist oder die von ihn: geduldete Geistlosigkeit und Verlogenheit aufweisen werden." Und es läßt sich nicht leugne«:, daß schon dieser erste Film unsere düstere Prognose vollauf bestätigt hat. Denn dieser Schwank aus einen: Warenhaus, dessen Personal singend, hüpfend und schlechte Witze reißend, sich voin Generaldirektor geduldig kujonieren läßt:n:d au nichts anderem Interesse hat, als an der gtücklichc«: Liebe des Herrn Filialleiters, der zwar ei«: Feind jeder Protektion ist. aber gerade deshalb zum Geliebten ei«:es allmächtigen Fräuleins wird, das sich neckigerweise als Büromädchen maskiert,:«m den Angebeteten zu gewinnen und zum Gemahl und Generaldirektor zu machen,— diese Geschichte ist geistlos, vcrloge«: nnd abgeschmackt, und wenn der großartige Schlager„Ein Kitß nach Ladenschluß" in den: Lande, dessen versklavtes Arbeitsvolk mit dem Affentheater„Straft durch Freude" verhöhnt wird, widerspruchslos seinen Weg machen darf, dann ist das noch keine Entschuldigung dafür, daß man ihn auch hierzulande startet. Es ist peinlich, diese tschechische Version eines gleichgeschalteten deutschen Films erleben zu müllen: diese plumpen Uebertreibungen, diese.Kiischgesänge, diese leeren Scherze und lärmenden Festlichkeiten, die ein Regieführer namens S v i t a k seinem baken- kreuzlerischcn Kollegen mühsam genug abgeguckt hat. Man sehe nur, wie hier zwei entwicklungsfähige darstellerische Talente, die drollige Trude G r o ß- licht und der huinorige P i s t i l nach den gröbsten Kitsch- und Clown-Effekten Haschen, man bemerke nur, wie hier der Syrnpsänger Vladimir B o r s k h beinahe der Dezenteste von alle«: bleibt, nm den Verfall zu erkennen, zu dem der Weg ins Paradies der brminen Kunstschändung führt.—eis— London um Mitternacht Eine englische Kriminalphantasie nach bewährtem, aber scho«: reichlich abgenutzten: Muster. Scot- land-yard und Ainateurdetektiv, ein geheimnisvoller Mord, der keiner ist, ein Eisenbahnunglück, eine abenteuerlich-schaurige Flucht, Schreien im Dunkel und Irrsinn aus Angst— wer sich daran noch im- «ner nicht sattgeseben hat und wer von London nichts anderes und Aktuelleres zu sehen wünscht als diese nach der nnerforschlichen Traditio«: der Kriminal- kolportage dorthin verlegte Gruselgeschichte, der wird von diese«» Filii:«licht enttäuscht sein. Wir anderen freilich fragen, warun: man es nicht vorzieht, m«S England Fistne wie die„treue Rhmphe" oder beit „unsichtbare«: Menschen" zu beziehen, statt u«:S ein solches MiiternachtsgewächS zu präsentieren. — eis— dl Mr Nir Nifm Mals. L*l(«rol«Teblsflin wirlctn dsiinfiilarandi schuhon zuvarllisig gogon Husten und nelsedceH, sind wohlschmeckend und leicht xu nehmen. In allen Apotheken und Drogerien Hefe vorrlHg« Generaldepol• Brauner* Apotheke ,,Znm«raHjcn Ldw en”, Prag||, ff Aropy 14 Literatur „Die Wahrheit" bringt in ihrer eben erschienene:: außerordentlich reichhaltigen Ostcrumnmcr einen Artikel von Julins Epstein über die bisher unbekannt gebliebenen französischen Memoiren des Prinzen Sixtus. Hiezu das Faksimile des berühmten Briefes Kaiser Karls a«: Sixtus. Ferner M. Mar ton:„Will Ungar» die Habsburger?", Kur: Stecher!:„Ostern in Jerusalem", Erich Hei- «na n n:„Der Gott des braunen Mannes", I. UleS:„Panama und Siavifly", Georg Mannheimer:„ginn Beneö-Exposö", Oskar Baum: „Zlvei Deutsche", Julius Mader:„Langweiliger Aether", Maximilian Beck:„Herren- und Sklavenmoral", Pierre:„Das Baby im Konzentrationslager" sowie die fünfte Fortsetzung der sensationellen Klotzinemoiren„Tagebuch eines Reichswelir- generalS".„Die Wahrheit" ist in allen Trafiken und Zcitungöverschleißen oder direkt bei der Verwaltung, Prag Revoluöni 8, erhältlich. Tel. Nr. 601—74. Preis der Osternummer Kö 8.—. Filme In Prager Llihlspfellräusern bis inklusive Donnerstag, den S. April 1984. Urania-Kino, Klimenisskä 4:„Katharina die Große". Adria:„Annette in: Paradies". Alfa:„Donner über Mexiko". Beriinek: „Wolga in Flammen". Fknix:„Der König der Könige". Flora:„Die goldene Katharina". Gaumont: «Das Häuschen in EnmnS". Hollywood:„Das Häuschen in EnmnS". Hvttzda:„Annette im Paradies". JuliS:„Die Schlacht". Kinema B.-Th.: Jonrn., Reportage, Groteske J ,&2—’-jS. Koruna:„London uin Mitternacht". Metro:„Reise nn: die Welt in achtzig Minuten." Olympie:„Menschen und Taten". Passage:^Bubi". Praha:„London um Mitternacht". Radio:„Wolga in Flainmcn." Skaut:„Die Schlacht", Svktozor:„Bubi". Alma:„Wolga in Flammen.", Baikal:„Die goldene Katharina." Belvedere:„Die verkaufte Braut". Carlton:„Die goldene Katharina. Favorit:„Katharina die Große". Illusion:.„Die goldene Katharina". Louvre:„Wolga in Flannncn." Mareike:„Tarzan, der Beherrscher des Urwaldes". Roxy:„Die Bettlerin von Notre Dame". Sport-Smichow:„Jindra— Gräfin Ostrowina". tt Bejvodü:„Großfürstin Alexandra. Baldrk:„Die goldene Katharina." Mitteilungen ans dem Publikum. Hervorragende Heilerfolge mich bei veralteten Fällen von Gicht, Rheuina, Ischias erzielen billige Kuren an den heißen Hochradioaktivci: Therme«: in Bad Teplitz-Schönau. Auskunft: Städtische oder Elart)sche Kurdireksion. 2868 Verlangen Sie In Jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie.. PILSEN Selchwaren der FO.KEQNER« Cie.. PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I 440 Billige Kuren aa den beißen, hochrad. Thermen Bad Tcplltz-Schönau bei dicht. Rheuma. Ischias, Gelenkerkrankunsen in den modernen städtischen Kuranstalten Stadtbad, Kurhaus, Steinbad Prospekte und Auskunft: Kurdirektion Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bet Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—, vierteljährig Kö 48.—, halbjährig KC 96.—, ganzjährig Ke 102.—.— Inserate werden laut Tarif bMgft berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskriptcn erfolgt m«r bei Einsendung der Retourniarkein— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphen- direktwn mit Erlaß Nr. 13.800/vn/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck-, Verlags- m«d Zeitungö-A.-G., Prag.