1 4 ZENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TXGUCH FRÜH, Redaktion und Verwaltung mag xii., fochova sr. Telefon atm.-Administration TELEFON J3076. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR■ WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. EiRZBlBfBls TO Heiler («InichlltBllch SHelltr Forte) 14. Jahrgang Mittwoch, 11. April 1034 Nr. 84 Komplott in Bukarest halbamtlich zugegeben Bukarest, 10. April. I» den letzten Tagen tauchten während der orthodoxen Ostcrfcicrtage, zu.einer Zeit, wo die öffentliche Tätigkeit eingestellt war, in der Presse übertriebene und aufreizende Meldungen ans, die von der Aufdeckung eines ernsten Komplotts(von Offizieren gegen den I KönigI) sprachen und die zahlreiche Verhaftungen unter den höheren Offizieren meldeten. Diese Gerüchte sind nach einer halbamtlichen Darstellung ,,n li r" insofern richtig, als gegen einige unverantwortliche Clemente, zu denen sich„anscheinend" auch einige Subalternoffiziere gesellt hatten, die Untersuchung cingclcitet wurde. Ucber die Einzelheiten dieser Angelegenheiten wird ein offizieller Bericht nach Beendigung der ersten Untersuchung auögegcbcn werden. ES müsse jedoch schon im vorhinein betont tvcrdcn, das; die Angelegenheit keineswegs ernst und das; deren Wichtigkeit in den Pressemeldungen übertrieben worden sei.(Gestern loarcn derartige Berichte von amtlicher Stelle noch als völlig grundlos überhaupt dementiert worden! D. Red.) Berlin unangenehm überrascht Ober die englische Anfrage wegen des Wehrbudgets B e r ki n, 10. April. Die gestrige Mitt«, lnng des englischen Ausienininistcrs, dass er bei der deutschen Regierung Erkundigungen über ihre Rüstungen einziehe» lassen werde, hat in Berlin unangenehm überrascht. Der„Angriff" schreibt, das; etivaS derartiges eine schreiende Ungerechtigkeit gegenüber dem deutschen Volke sei. Die deutsche Regierung werde dem englischen Aussenminister schon die richtige A n t w o r t geben können. Dieser lverdc dann vielleicht cinsehcn, das; in Deutschland eine Regierung am Ruder sei, welche die Würde Deutschlands zu wahren verstehe. Schliesslich ist daS Blatt der Ansicht, das; auch die deutsche Regierung daS Recht habe, in London offiziell nm Aufklärungen über die Zunahme der e n g l i- s ch e n Militärausgaben zu ersuchen. Die„Börsenzcitung" führt aus, die deutschen Ausgaben seien nur für die primitivsten Erfordernisse der Sicherheit erhöht worden und die deutsche Regierung würde„unmoralisch" handeln, wenn sie nicht für ein minimales Atas; von Sicherheit vor einem Ucberfall deutschen Gebietes Sorge tragen würde. Reichswehr- Gleichschaltung macht schnelle Fortschritte Berlin, 10. April. Reichswehrministcr Generaloberst von Blomberg hat, wie der„Völkische Beobachter" meldet, eine Verfügung erlassen, in der eS u. a. heisst, daß das zweite.Jahr der nationalsozialistischen Staatsführung die Notwendigkeit der geistigen Durchdringung der Ration mit de» Leitgedanken des nationalsozialistische» Staates in den Vordergrund stelle. Eine entsprechende Schulung sei darum auch für die Wehrmacht wichtig, die der Hüter und Schützer des nationalsozialistischen Deutschland und seines Lcbcnsrau- mcs nach aussen sei.•.: • Der Minister ordnet daher an, daß künftig dem Unterricht über politische TageSfragcn in der Wehrmacht von allen Dienststellen erhöhte Bedeutung beigemessen und gesteigerte' Aufmerksamkeit zuzuwenden ist. Um eine einheitliche Durchführung des Unterrichtes über politische TageSfragcn zu gewährleisten, werde das ReichSwchrministcrimn künftig gedruckte„Richtlinien für den Unterricht über politische Tagesfragen" als Anhalt herauSgeben. gerettet ter der Entschluss, dieses teuere Kleinod nm jeden Preis den Händen der Sieger zu entreissen. Durch Einsatz von List und Verwegenheit ist cS dann tatsächlich gelungen, auS dem besetzten Ge- bän dch e raus das Banner der Internationale zu bergen und auf den Boden eines freien Landes in Sicherheit zn bringen. Soweit die Details dieses waghalsigen Streiches heute schon prciögcgcbcn tvcrdcn dürfen, wird darüber noch ausführlich berichtet werden. Die Fahne der Internationale befindet sich derzeit i» Obhut der Auslandsvertretung des republikanischen Schutzbundes und sie wird anläft- lich der bevorstehenden Maifeiern Gegenstand besonderer Huldigungen- der sozialdenwkrntischen Arbeiter der Tschechoslowakei fei». nicht abgeschlossen sind, wird jetzt auch amtlichen Stellen miigctcilt, dem Vorliegen eines Anschlages tvcrdcn müsse. Von den Tätern da» ist ES gibt auch die Staates niemand Sowjetgesandter In Budapest Budapest, 10. April. Der ncueruanute Gesandte der Sowjetunion P e t r o w s k i j, hatte gestern abends mit dem Ministerpräsidenten Göm- böö eine cinstündige Unterredung. lauf viele Mitglieder der Stadtvcrordnuug den Sitzungssaal. verliessen. Zuni Vizcbürgcrmcistcr wurde ein Hindu gewählt. ist nach Auffassung verhindert worden, und die beiden fol- Spitze des Zuges so- P r a g, 10. April. Das teuerste Shmbol der Wiener und österreichischen Arbeiterschaft, die Fahne der Jnteniationale, ist unter abenteuerlichen Uuistättden de» Klauen dcö siegreichen Heimwrhr-FaseiSmuS entrissen worden. Auf wochenlangrn gefahrvollen Umwege» ist sic nun wohlbehalten bei der Auslandsvertretung der österreichischen Sozialdemokraten in Brün» rin- getroffen. Die Fahne Ivar im Jahre 1021 von Ver tretern der Internationale anlässlich einer grossen Massenkundgebung auf dem Sportplatz Hohe Warte— wo in den blutigen Febertagcn die Artillerie postiert war, ivelche den Karl Marxhof bombardierte— der Wiener Arbeiterbewegung als Ehrenzeichen anvcrtraut worden. Seither stand dieses Banner bei vielen internationalen Kund gebungen, zuletzt anlässlich des Aufmarsches der proletarischen Wcltolympiadc vor deni Wiener Sozialistenkongrcss 1931, im Mittelpunkte begei sterter Kundgebungen. Bei den Fcberkämpfen verblieb die Jahne in einem von Polizei und Militär gestürmten Arbci- tcrhcim zurück. Unmittelbar nach den Kampftagen reifte bei einer Gruppe sozialdemokratischer Arbci- Teuische Nachrichtenbüro bringt Eisenbahminglück. Es D-Zug Wien—Paris, dadurch, d a ft die auf einer län- abgeschranbt und Bah»graben geworfen Der D-Zug fuhr in der erst mit dem Tender um. Die nachfolgenden wurden ineinnndergcschobcn, Eisenteile zersplittert, die Holzwändc eingedrückt. Nur drei Wagen dcö Fcrnznges blieben auf dem Geleise stehen. Infolge der Dunkelheit stiessen die Hilfsmassnahmen auf grosse Schwierigkeiten. Der Heizer dcö Zuges wurde nach der Entgleisung von den abrutschenden Kohlcnmassen erdrückt und erstickte unter dem Kohlcnberg. Der Lokomotivführer ist so schwer verletzt, das; er kaum mit dem Leben davontommcn dürste. Ein grösseres Unglück der Behörden nur dadurch dass die schwere Lokomotive gcndcn Postwagen an der fort.cntglcMn^nnd dadurch der Zug zum Stillstand kam. Während der Entgleisung waren in den beiden Postwagen 10 Postbeamte tätig. ES ist festgcstcllt. dass an der llnglücksftättc schon z w e i m a l A n s ch l ä g c auf die W e st b a h n st r e ck e v o r g e k o m m c n sind, die bisher nur dank der überaus grossen Wachsamkeit der dort tätigen Weichenwärter verhütet werden konnten. Line Verhaltung Dir Polizei hat nun den Hilssnrbciter Baumgartner verhaftet, der im Verdachte steht, an dem Anschläge beteiligt.;n sein. Baumgartner soll auch mit den Anschlägen, dir im Herbst ll)32 und im Frühjahr 1933 aus Eisenbalmzügc verübt worden waren, im Zusammenhang stehen. DaS Einzelheiten über daS handelte sich nm einen DaS Unglück geschah Eisenbahnschienen geren Strecke über den w o r d e n w a r e n. Dunkelheit mit ungeheurer Wucht über die Stelle hinweg, so dast die Lokomotive nnd zwei Personenwagen vollständig zertrümmert wurden und drei weitere Personenwagen entgleisten. Die Lokomotive liegt auf dem Bahnkörper, die Räder ragen in die Luft. Der Mitropa- Schlaftvagen, der stark beschädigt ist, hängt am Bahndamm. Kurz vorher hatte noch ein Zug die Strecke durchfahren. Die Lokomotive stürzte zu- Anschlag auf einen österreichischen Expreßzus Zwei Tote, vierzehn Verwundete— Suche nach den Tätern Die Fahne der Internationale Ein neue» Bravourstück der Illegalen Sozialdemokratie Wiens In Kalkutta noch nie dagewesen... Ein? Mohammedaner Bürgermeister. Kalkutta, 10. April. Bei der heutigen Bür- germeisterwähl in Kalkutta wurde zum erstenmal seit dem Bestände der Stadt ein Mohammedaner zum Bürgermeister gewählt. Dieses Wahlergebnis rief einen grossen Aufruhr hervor, in dessen Ver- W i e», 10. April.(AR.) Der gestern um 22 Uhr»5 vom Wiener Westbahnhof abgefertigte D-Zug Rr. 117, der einen ZugStril Salzburg—München und einen Zugstril Passau—Frankfurt a. M.—Holland führte, ist zwischen de» Bahnhöfen Hörstng nnd Marchtrenk bei der H a l t e st e l l e O f t e r i n g entgleist. Die Lokomotive, der D i e n st w a g e» und zwei P o st w a g e n find u m gestürzt. Ter anschiirsirnde Schlafwagen und die beide» Kurswagen nach Paris find entgleist. Der Lokomotivheizer und rin Beamter wurde getötet, 14 Personen, alle Lcstrrrcicher, darunter sechs Postbedienstete, wurden verletzt. Sie wurden in die Spitäler nach Wel» nnd Linz übersührt. Ofterlng, 10. April. Die Aeneraldirektion der österreichischen Bundesbahnen hat eine Prä mie von 5000 Schilling für die Feststellung der Attentäter des Eiscnbahnuuglücks bei Oftering festgesetzt. Obgleich die polizeilichen Ermittlun gen noch von den dass mit gerechnet f e h l t j c d e S p u r. Auch das Reuterbüro meldet, dass der Un fall dcö Exprosszuges auf einen Sabotageakt zu- rückzuführcn ist. Verbesserung der Demokratie? Kaum jemals in einer anderen Zeit wurden die politischen Systeme einer Reihe von Ländern einer so grundlegenden Reform unter- zogen und in ihr gerades Gegenteil verkehrt, wie in den letzten Jähren. liebcrhaupt gibt cs kaum ein Land, in dem nicht gewisse Gruppen bestrebt tuärcu, die Frage der Abänderung der Formen des politischen Lebcnö und mehrfach sogar der Verfassung auf die Tagesordnung zu sehen. Das geschieht inmitten der schwersten Wirtschaftskrise, von der das kapitalistische Systcin seit seinem Bestände hcimgcsncht wird rmd die die Inter- csjcntcn dieses Systems eigentlich veranlassen müsste, ihre Kräfte statt auf die Durchführung politischer Reformen auf Versuche ztir Beseitigung oder doch Milderung der Krise zn konzcn- trieren. ES ist längst kein Rätsel, warum gerade in einer Zeit der Wirtschaftsnot und des grössten Massenelends politische Systemänderungen aktuell zu machest versucht werden. Tie grossen Massen sind unzufrieden, vielfach verzweifelt, sic suchen nach dem Schuldigen der zerstörten oder erschütterten Grundlagen ihrer Existenz. Es gilt, sie von dein wahrhast und einzig Schuldigen, dein Kapitalismus abzulenkeu, darum werde» sie mit allen Mitteln einer gerissenen Reklame auf die Demokratie nnd den Parlamentarismus als Urheber ihres Unglücks hingelenkt. Alle Versuche, die Wirtschaftskrise zu überwinden, sind gescheitert und auch für die Zukunst wird inan ihnen kaum eine bessere Prognose stellen,' vorläufig glaubt der Kapitalismus das einzige Mittel seiner Errettung in der Rechtlos- machung und Unterdrückung der Volksmassen erblicken zu können. Ebensowenig wie anderswo ist auch bei u>»S bereits alles geschehen, um die durch die Krise in daS Nichts geschleuderten Menschen in den Arbeitsprozess zlirückzusühren und die Arbeitslosen vor dem ärgsten Hunger zu schützen, aber doch halteit manche Leute dafür, es gäbe nichts dringlicheres zu tun, als eine Aendcrung der Strut tue unseres bisherigen politischen Lebens eine Abänderung der Wahlordnung, nichts Vollkommenes in der Welt, Wahlordnung des tschechoslowakischen mag ihre Mängel haben, doch wird leugnen, dass die Formen unserer Demokratie I nicht daz>t bcigetragcn haben, dem Staate grössere Schwierigkeiten zu bereite», dass er vor Erschütterungen gewahrt geblieben ist und das; die Regierungen, die sich auf dieses System stützen, eine Stabilität aufwcisen konnten, die sich mit jener vieler anderer Staaten wohl messen kann. Die politische Geschichte des bald sechzehnjährigen Bestandes der Tschechoslowakischen Re- publik lässt einen Wechsel oder eine Korrektur der politischen Formen keineswegs als eine Lebensfrage des Staates oder Volkes erscheinen. Seitdcnr sich unsere Demokratie gegen ihre Widersacher entschieden zur Wehr gesetzt hat, wagen sich offene fascistischc Bestrebungen nicht mehr unverhüllt ans Tageslicht. Die dentschbür gcrlicheu Parteien haben-darum ihre eine zeitlang eifrig betätigte heisse Liebe für den Fascis- mus irgendeiner Couleur noch nicht anfgcgcben und jede Annäherung an fascistischc politische Entrechtungsmethoden erschiene ihnen willkommen, ohne Rücksicht darauf, ob dabei die nationalen Interessen des sudetendeutschcn Volkes in schwere Gcsahr gerieten. Auch aus tschcchischbür gerlichcr. Seite fehlt cs nicht an Bcwundcrcrn der italienischen, deutschen und österreichischen Methoden, ohne Rücksicht auf das Bedenken, welches Ende einstens diese Systeme, die heute allerdings jedenr gewissenlosen Ausbeuter als paradiesisch erscheinen müssen, in der Zukunft nehmen werden. Jedenfalls möchten deutsche und Sette 2 Mittwoch, 11. April 1031 Mr. 84 tschechische Reaktionäre von der gegenwärtig durch die Welt geltenden fascistischen Welle so viel wie inöglich profitiere». Darum und nur darum finden sie eine Aenderung unseres Wahl- sysicnis jetzt vesonders zcitgeuiäß. Doch es sprechen von politischen Acnderun- gen auch l'nksoricntiertc Politiker. OK und inwieweit hier das Bestreben iibcrwiegt, den Rcchtsücmagogcn Agitationswassen aus der Hand zu schlagen, sei nicht untersucht. Wäre dies der Fall, so wäre die Ausfassung ein arger Trug, schlug. einer demagogischen Hetze würde am Vesten dadurch die schärfe genommen, wenn matt jpre Parolen zum Teil in eigene Regie über, nimmt. Tabei soll durchaus nicht bestritten wer- den. daß die Argumente, mit denen von links eingestellter Seite auf eine Aenderung unseres Wahlsystems hingcarbeitct wird, durchaus noch auf dcr Linie der Tcmolratic gelegen sind. ES wird sogar behauptet, daß die verlangten Rcsor- mcn eine Verbesserung der Demokratie, eine Hebung ihrer Volkstümlichkeit und ihre stärkere Verankcrnng im Verständnis und Wollen dcr Bevölkerung bedeuten würde. Die Einwendung gegen das heute Bestehende, die demokratische Fdec sei nicht in der ganzen demokratischen Welt gleichcrmastcn in denselben ewigen und unabänderlichen Formen verkörpert, hat sicher Berech. tigung. Auch andere Staaten sind als demokratisch anzusprcchen, obwohl sie nicht in allen Einzelheiten das Wahlsystem haben, wie cs bci uns gilt. Der Beweis für die Aktualität einer Reform in dieser Richttmg erscheint aber damit noch nicht erbracht. Das Ansehen, das unser Parlament in der Bevölkerung geniesst, ist gegenüber früher ein gcsttnkeneS. Dos liegt vor allem daran, daß eS trinc durtligreifendc Hilfe bringen, den Menschen nicht grundlegend sichere ttnd bessere Lebens- bediiigungcn schaffen kann, was ja auch andere volitischc Systeme tticht vermögen. Zum Teil ist die llrsachc des gesunkenen Ansehens auch in ge- wissen technischen Mängeln des Parlamciitaris. INNS zu suchen. Es wird genug gesprochen, aber lebendige Debatten, in denen die Weltanschauun- gen auseinander stoßen und die allgemeines Interesse wecken, sind rar. Eine Budgetdebatte beispielsweise in vierfacher Wiederholung wirkt brausten im Lande alles eher als fesselnd und reizvoll. Gewiß, es gibt auch Schönheitsfehler in unserer Wahlordnung— und was gibt es auf dem weiten Erdenrund, das nicht verbcsserungd- fähig ztt nennen ist! In dcr Richtung einer Re- form unseres varlautcntarischen und politischen Lebens licste sich allein schon durch gewisse tech- nischc Mastnahmcn das augenblicklich Notwendige tun. Im übrigen sollte jedoch keinen Augen- blick die Gefahr attster acht gelassen wcrdctt, die darin liegt, sei cs auch in gutem Glauben, in einer Epoche der Gegenrevolution mitzutun bci dem eifervollen Bcntühcn, wirkliche und cingc- bildete Unzulänglichkeiten unseres Wahlsystems auszuspüren und, obwohl es hinreichend besseres zu tun gibt, ihre Aenderung zu betreiben. Was dabei ichliestlich hcrauskommen dürste, das kann unter Umständen ganz anders audsehcn, als eine „Verbesserung der Demokratie", wie sie von den Wohlmeinenden angestrebt wird. Ein Held vor den Richtern Nationale Front | Reue Form der fascistischen Organisation. > Bestraft die Mörder Im Frack I Die„Arbeiterzeitung" schreibt: „Am 6. März war vor den Klagenfurter Geschworenen Genosse P o d l i p n i g, der Redaktenr des verbotenen Kärntner BolkSblattcS. des Vergehens dcr Aufreizung nngellagt, weil er in einer Versammlnngsrede iw Oktober 1033 für den Fall eines fascistischen Staatsstreichs zum | bewaffneten Aufstand nufgcfordcrt habe. Neber die(Gerichtsverhandlung berichtet die Marburger „Bollsjtimme": Podlipuig verantwortete sich, er sei stets bemüht gewesen, den Arbeitern begreiflich zu machen, das; man nicht den einzelnen Gendarmen totprügeln solle, sondern den Kampf g e g e n d i e Schuldige n oben führen müsse. Ja, Ivcnn es möglich tun re, die Mörder im Frack zu | erwischen, dann hätte er in jeder Versammlung i zur Geivalttätigkeit gegen sic ausgefordert. Vorsitzender: Wen meinen Sic unter den Mördern im Frack? Podlipuig: Dir Mitglieder der Regierung Dollfuß-Fey und ihre Hintermänner. S t a a t s a n tv a l t: Ich dehne die An- llagc auf diese Beleidigung der Regierung au». P o d l i p n i g: Wenn jede vom Gesetz verbotene Handlung bestraft werden muff, warum werde dann nur ich angeklagt'? Warum nicht Dollfuss und Fey, die die Verfassung gebrochen haben'? Wenn sie nicht zuerst rin Verbrechen begangen hätten, wären auch meine«erbotenen Handlungen nicht geschehen. Podkipnig erllärlc weiter, daß er Zeugen geführt und die Denunziation entlarvt hätte, wenn der Prozeß vor dem 12. Feber gewesen wäre. Jetzt aber wolle er sich nicht nm einen Freisprtich bemühen. In einer Zeil, in der tausende Arbeiter und Vertrauensmänner in den Kerkern gequält werden, kämpfe er»richt um einen Freispruch, sondern um die Wahrheit. Podlipttig wurde von den Geschtvorencn c i n st i m m i g f r e i g e s p r o ch e n. Doch wird er wegen dcr Aeußerung, die er in dcr Gerichls- Senat Prag, 10. April. Der Senat war— wie sich jetzt heransstcllt, etwas verfrüht— für heute zu cincr- Sitzung einberusen ivordcn. Da neue Regierungsvorlagen jedoch noch keincstvegö vorliegen, begnügte sich das Hans mit der Abwick- lung der nicht allzu wichtigen Tagesordnung und vertagte sich sodann wieder, voraussichtlich bis zur übernächsten Wollte. Jur Debatte stand der ParlamentSbeschlitß mtf Errichtung— besser gesagt Verstaatlichung der bereits bestehenden evangelisch-theologischen Fakultät in Preßburg. Der deutsche Christ» lichsoziale Tr. Feierfeil sprach sich für die Vorlage auS, verlangte aber gleichzeitig, daß die Erlässe auS dcr llmsturzzeit, durch die die illeli- gionsstundeu in den Schulen heraligesetzt und die obligatorischen religiösen Hebungen der Schüler aufgehoben wurden, nunmehr wieder kassiert und der st a t u S g u o saus den» alten Klösterreich!) wieder hcrgestellt werde. Sein Ideal bleibe immer die konfessionelle Schule. Ter tschechische Nationalsozialist M e r t o setzte sich für die Errichtung einer analogen Fakultät für die tschechoslowakische Kirche, ein, während ein Slowake wieder die Verwirklichung einer slowakischen katholischen Fakultät in Preßburg forderte. Verhandlung gemacht hat, neuerlich angeklagt.— Gruß den; mutigen jungen Käntpferl" Vie Buchdrucker gegen die Einheitsgewerkschaft. Die Versuche, die Arbeiter für die Einheits- gewcrlschast zu gclvinnen, stoßen auf uniwer- windliche Schwierigkeiten. Im Buchdruckerge- Iverbc haben alle größeren ttnd ntittlercn Betriebe Wiens mit einziger Ausnahme des von der Fascisteurcgiernng gestohlenen„Vorwärts"-Betriebes den Beitritt zur Einheitsgewerkschaft ab- gelehnt. Eine Versammlung der Wiener Straßenkehrer. Am Sonntag, den 25. März, sand im Her- nalser Brauhaus eine Versammlung dcr Fachgruppe der Straßenkehrer dcr Gemeinde Wien statt. Der Redner, Gemcinderat Stöger, begann mit dcr Feststellung, daß Wien„nun endlich unter Kanonendonner von dcr Marxistenbrut befreit wordcit sei"— tosende Pfuirufe antworteten dem verdutzten Redner. Da dieser Tert keinen Anklang sand, versuchte es Stöger nun mit der Vcrjichcrttng, die neue Verwaltung werde mit den alten Mißständen gründlich aufräumcn. Der Bundeskommissär S ch m i tz wolle alle Pcr- sonalfragcn tolerant und gerecht behandeln. Tic Antwort dcr Versammlung>var„Hoch Bürgermeister Seitz".„Hoch unser roter Bürgermeister I"— die Ovationen für Seih dauerten einige Minuten. Tie wenigen, die anderer Meinung toarcn. getrauten sich nicht, sich zu rühren. Ter Redner beendete dann sehr rasch seine Ausführungen und verließ unter eisigem Schweigen den Saal—„ztt seinem Glück", sagte rin Genosse. der dabei war,„sonst tvären ihm am Ende noch ein paar Bierkrügel nachgeslogen". Die an- tvesenden Kriminalpolizistin zogen eS vor, Amtshandlungen zu unterlassen. . Der Senat genehmigte sodann'auch noch das M a s s a g e g e s e tz, daö dem Mißbrauch der Massage zur Prostitution steuern soll. Bor dem Plenum hatte u. a. der Verfas- sungsausschnj; getagt, dcr einen nationalsozialistischen Enttvurf einer Novelle zum A tt t i k o r r t: p t i o n S g c s e tz vom Jahre 1021 einem Subkomitcc zur meritorischen Verhandlung znwicü. Dein Sublomilee. das bereits in den nächsten Tagen zusammentreien soll, gehört u. a. auch Genosse Dr. Heller an. 'Von Regiertiü^sscile" lvurden blc'schön bekannten Gcsehctttvürse über den Impfzwang für Angehörige der Armee ttnd über Zollerleich- ternngen bei der Einfuhr von Maschinell aufgelegt. Betriebsrätewahlcn bei Skoda. Gestern fanden die Wahlen in dctt Angcstclllcn-BctricbsauS- schuß der Skoda-Werke statt. Bon 1816 gültigen Stimmen, erhielten die nationalsozialistische Liste 1201 Stimmen, d. s. 60,1 Prozent und 8 Mandate(im Vorjahre 65,67 Prozents, dcr sozialdc- s mokratischc Einhcitsverband 300 Stimmen, d. s. 22.2 Prozent und 3 Mandate<21.08 Prozents und die national demokratische Liste 16 Stimmen, d. s. 11,0 Prozent und ein Mandat(0,35 Prozent). Wie das„Rärodnk Osvobozcnl" meldet, haben am Samstag und Sonntag Beratungen kleiner fascistischcr Gruppen stattgcfunden, die sich in einer gcntcinsamen Organisation der „Närodttt fronta"(nationale Front) zusammengeschlossen haben. Dcr Mittelpunkt dieser fascistischen Front bleibt weiter die nationale Fasci- stcngemcinde G a j d a s, die in einer besonderen Ausgabe ihres Blattes„Pravda" nachdrücklich feststellt, daß sich durch die Bereinigung„an dcr inneren Struktur und am Programm der Bewegung nichts geändert hat" Die neuen Gruppen, die zur fascistischen Gemeinde daztigestohen sind, sind die radikale Weinberger Gruppe dcr Natio- naldcmokraten unter Führung von Locher und D u i c f, weiter irgend eine konservative Tischgesellschaft. die geführt wird von dem fascistisch- klerikalcn Tr. K e t t n c r, eine Gruppe des Redakteurs dcr„Aärodni Politika" Prof. Nikolaus und des ehemaligen nationaldemokrati- schcn Abgeordneten Prof. M a r e i. Dieser wurde auch zum Vorsitzenden der Rationalen Front ge- tvählt, während der amtierende Borsitzende-Stell- vertreter Gajda ist. Nicht aufgenommen wurde in die Nationale Front die Liga Stribrnys und zwar | deswegen, weil sie auch Juden zu Mitgliedern zählt. In dem Programm der Nationalen Front wird das italienische Korporal ionssystcin vertreten, die privatkapitalistische Ordnung wird anerkannt, deut Sozialismus und Genossenschaftswesen wird dcr Kampf angesagt. Ten Beamten | wird versprochen, daß alle national unvcrläß- lichcu sowie alle umstürzlerischen Elemente aus ihren Reihen werden entfernt werden. ! Neue Handelsabkommen Mit Rumänien und Holland. Im Zuge dcr Haudclsvertragsverhandlun- gen, welche die Tschechoslowakei gegenwärtig mit mehreren Staatctt führt, ist cs mit Holland und Rumänien diese Tage zum Abschluß gekommen. Mit Holland wurde am 0. April im Haag ein Zusatzabkommen zum Handelsvertrag von 1033 unterzeichnet, Ivonn't dcr Tschechoslowakei gewisse Zollnachlässe ziterkannt wurden, während dieser Zollermäßigungen bei Braugerste, Malz und Schinken zugesprochcn wurden. Das Abkommen tritt mit 1. Mai in Kraft. Die Verhandlungen mit R n m ä n i e n sind aus der Grundlage abgeschlossen worden, daß die für das erste Quartal 1031 vereinbarten Kontingente auch im zweiten Quartal»»verändert bleiben. Im Kompensationsgeschäft wurden einige Erleichterungen geschaffen. Lieferungen nach Rumänien im Werte von höchstens 5000 KC können ohne Kompensationen erledigt werden. Für den Fremdenverkehr wurde ein Clearing von 6 Millionen XL vereinbart. „Deutsche Arbeltergewerkschalt“ Sonntag fand in Prag eine Konferenz des Fachverbandes„Solidarität" statt, in der beschlossen tvurde, unter dem Namen„Deutsche Arbci- tergewerkschaft" einen GetvcrkschaftSverband zu gründen. Der Sitz des neuen Verbundes wird Gablonz, dcr Vorsitzende dcr RcichSvcrcini- gung ist der seinerzeit aus dcr nationalsozialistischen Partei ausgeschlossene Oberrat F a h r- n e r in Prag, dcr Obmann dcS AufsichtsrateL ist L i n d c n t h a l, Gablonz. Dcr, Vereinigung tvurde, wie aus dcr Konferenz berichtet worden ist, der Genuß dcS Genter Systems zuerkannt. 60 U. m. de Jona: VeeseNmgsne Jfade Cut Kwnan in vier hüsoäen Autorisierte Uebersatzuns. aus dem Holländischen von L. R. Fuch Auch der König war sehr gealtert. Seine ickstanlc Gestalt in der farbenprächtigen, auö bestem Tuch geschneiderten Feldmtiform tvar leicht gebeugt ttnd seine gratten Augen hatten ihren hoffärtigen Blick verloren. Sic schienen glanzlos und traurig. Doch sobald die Sitzung eröffnet wurde, richtete er sich straff auf, beherrschte sich mit aller Gewalt und sah dem Präsidenten des Kriegsraleö furchtlos ins Auge. Es war ein hartes, verschlossenes Antlitz, in das er blickte: das Gesicht eines Mannes, dcr I laglos alles Leid ztt >>tragen gewußt, der nie geschont Ivordcn und niemand geschont hatte und der entschlossen war zu tun, ivas er für Recht hielt, jetzt wie immer, sein ganzes strenges, hartes Leben laug. Das Antlitz eines unbeugsamen Revolutionärs, bereit, ave Entbehrungen auf sich zu nehmeu und das härteste, schmutzigste. unangcnehinste Wert für seine Ideale zu verrichten... die tiefsten Erniedrigungen, die gräßlichsten Schmerzen durchzuhalten... Ter Angeklagte ließ unlvillkürllch sei- uen Blick über die anderen Mitglieder des Gc- richtes schweifen... Sie hatten etwas wunder- tich Gemeinsames, alle dieses harte, durch- furchte Gesicht, den fest geschtosseueu Mund mit dem Ausdruck verbissenen Schmerzes, eigenartige, li'thl-seurigc Augen mit einem gutmütigen und doch schauderbar entschlossenem Blick... Er wußte, wer diese Männer waren. Daß sie alle ausnahmslos zu den Scharfsinnigsten und Tap- icrsten, den Fähigsten und Hartnäckigsten gerechnet werden muhten. Dah sie alle cingekerkert ge wesen oder unter seiner Herrschaft Zwangsarbeit «verrichtet. Schwer tvar seine Hand auf ihnen ge- , legen. Nun waren die Rollen vertauscht... Er ' erwartete keine Milde von ihnen, keinen Edelmut, lein Recht nach seinen Bcgr.isfcn. Er war Besieg- ! ter, hatte den langen, zähen Kamps verloren. Er ! wußte, daß er nun seinerseits die Rcchttung würde 1 bezahlen müssen und für den grundlegenden Fehler mit seinen! Leben bühcn: daß er eS nicht verstanden hatte, ihnen zu entkommen... Die Hauptsache war nun, leine Schwäche zu zeigen, nicht minder als sie vordem bereit zu sein, für seine Überzeugung cinzustehcn und für sie kaltblütig in den Tod zu gehen... Die Galerien waren zum Bersten voll, Män- i ner und Frauen durcheinander. Viele grimmige Blicke voll Haß und Schadenfreude suchten die ' kühlen, grauen Augen des köttiglichen Angellag- , ten. Ta stand er nun, der Tyrann, der gestrenge Gebieter, dein menschliches Mitleid fremd gewesen... verloren!... Das Antlitz der Welt hatte sich verändert. Das verachtete Volk war empor- i gekommen und hielt mit den Mächten des alten ! Systems, die jedoch nicht glauben Ivolltcn, daß ! ihre Zeit für immer vorbei, und in vermessenem I Übermut das endlich befreite Botk wieder in Fesseln legen tvollten... Dieser herrschsüchtigc Ex- | Gebieter mußte für seine Schandtaten büßen und der ganzen Wett gegenüber würde die souveräne Botksrepublik beweisen, daß sic zu richteit wagte auch über den Höchsten, der ihr Ansehen und ihre Sicherheit auzutasten sich erkühnte. Es war gra- bcöstill, als der öffentliche Ankläger mit scharfer, deutlich verständlicher Stimme die Aullage verlas, Der Angeklagte. Ex-König dieses Landes, hatte sich inii bewaffneter Gewalt gegen die neue, I vom Bott rechtlich anerkannte Regierung erhoben; ; mit fremden Söldnern und reaktionären Elementen des Inlandes hatte er den Staat überfallen; fremdes Geld hatte seine Aktion gestützt, was aus mehr als einem Dolumcut hervorging, das bei der Gefangennahme des Angeklagten gefunden wurde; durch Tclcgrammc uttd Briefe in Schlüsselschrift tvar er während des Feldzuges mit den feindlichen Elementen des Auslandes in Berbin- dung gestanden, hatte Auskünfte erteilt und Befehle für neue Aktionen erlassen. ES war nicht möglich, alle Brunnen seiner Verbindungen klar auszugraben, weil überall Strohniänner und fingierte Konnexionen die tvirllichcn Geldgeber und Interessenten verbargen, und der öffentliche Ankläger wollte sich übrigens ivegen auf der Hand liegenden Tatsachen nicht in überflüssige Betrachtungen verlieren. Aber sonnenklar tvar, daß der Angeklagte sich des Hochverrates und der Spionage schuldig gemacht hatte. Als er schwieg und sich setzte, fragte der Präsident, ob sich der Angeklagte dcr ihm zur Last gelegten Taten schuldig bekenne. Klar und hell antwortete des Königs Stimme: »Nein." Plötzlich erhob sich drohendes und spöttisches Geschrei auf den Tribünen, die mit ungeheuer erregten Männern und Frauen besetzt war. Hohngelächter. Schimpfworte, Beleidigungen flogen durch den Saal. Der Präsident schlvang die Glocke und blickte streng und mißbilligend nm sich. Als sich dcr Lärm gelegt hatte, ließ sich seine gc- wuchiige, ernste Stimme vernehmen. ..Kameraden, ich bitte um Stille uttd Ruhe. Hier wird Recht gesprochen und keine Volksversammlung abgchalten. Wer der Sitzung beiwohnen will, muß schweigend zuhören. Wer das nicht samt, den werde ich von den Soldaten entfernen lassen." Leises Murren stieg hoch, aber er läutete aufs Neue und winkte den roten Soldaten am Eingang, die sich schweigend, doch vielsagend auf die Galerie verteilten. Es wurde still. Ohne Erregung fragte der Präsident: »Leugnet dcr Angeklagte, daß er an der Spitze betvaffneter Truppen ins Land cingebro- chcu ist?" »Nein, das leugne ich nicht." »Daß er telegrafisch und durch Kuriere mit seinen Freunden itn Ausland in Verbindung gestanden, die sich ebenso wie er eifrig bemühten, die gegenwärtige StaatSsorm zu stiirzen." „Auch daS nicht." »Leugnet der Angeklagte, daß der Zweck seines bewaffneten Einfalles war. die jetzige Regie- rung zu stürzen, die Republik aufznlöscn und die monarchische Rcgicrungsform wieder einzurichten?" »Ebenso wenig." „Bekennt dcr Angeklagte, daß die Gelder. ! die er für seinen Einfall nötig hatte, wenigstens I teilweise auö ausländischen Quellen stammten?" „Eo war daS Geld getreuer Anhänger der Monarchie." „Daö ist eine ausweichende Antwort. Befanden sich unter den getreuen Anhängern vielleicht ausländische Regierungen, ihre Vertreter oder wenigstens ausländische Finanziers?" Der Angeklagte sah ihn fest an und antwortete kühl: „Ich verweigere auf diese Frage die Antwort." „Daö ist ihr gutes Recht", stimmte der Präsident zu, mit der Glocke ein langgedehnieS „Aha!" der Galerien unterdrückend.„Doch ich bin nicht der Meinung, daß diese Antwort Sie entlastet oder dem Kriegsrat ein günstigeres Urteil abzwingt. Wollen Sic nicht lieber eine gerade Antwort geben?" „Nein." „Ganz wie Sie wollen... Sie haben Stück kür Stück die Beschuldigungen des öffentlichen Anklägers zugegeben... Was Sie bclannt haben, ist und ivird stets als Landesverrat und Spionage gewertet. Und doch leugnen Sic, dieses Verbrechens schuldig zu sein?" „Daö leugne ich." (Fortsetzung folgt.) Ur. 84 Mittwoch. 11. Avril 1034 Leite 8 Helfer der Reaktion Aus Dielen Gebieten komme» seit zirka einem Jahre Beschwerden über das Verhalten der deutschen Lehrerschaft gegenüber den Angehörigen der Schiilerabtcilungcn unserer Arbeiter-Turn- und Sportvereine. Es ist direkt rührend, zu hören, mit welchem Fleis; Lehrer und Schulbehörden in Erlässen hermnlramcn, um die sie sich jahrzchntc- läng nicht gekümmert haben, um nur irgend etwas zu finden, mit dem sie flcflciv die Arbciterturner- kindcr Vorgehen können. Die sozialistische Arbeiterschaft hat iin Lause der jahrzehntelangen Kämpfe nicht zuletzt der freien Entwicklung der Schule, insbesondere der Volksschule, gedient, aber auch mit aller Kraft mit- geholfen, die Lehrer zu einer freien BerufSklassc zu machen. Trotzdem find die meisten der Lehrer und— selbstverständlich•— Katecheten seit fahren freiwillige Helfer der bürgerlichen Turnbctvegung gewesen und habe» auf der anderen Seite die Ent- wicklung des SchülcrturnenS im Arbeiler-.Ti.n- nnd Sportverband mit Ausdauer und Hast zu hindern gesucht. Seit einiger Zeit— der Zeitpunkt fällt annähernd mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutze der Deinokratie zusammen— ist ein graste r Teil der Lehrer und Schulbehörden besonders emsig. Wir glauben wohl nicht fehlzugchcn, wenn wir behaupten, dast hier wahrscheinlich über sanften Druck der deutschen Turner, von denen auch einige Vereine, die sich nationalsozialistisch betätigt haben, eingestellt wurden, ein förmlicher Feldzug gegen die verruchten Arbeitcrturner und die Kinder der Arbeiter, die sich in den Arbeiter-Turnvereinen Gesundheit, Kraft und Freude holen wollen, entbrannt ist. Hier nimmt die deutsche Lehrerschaft im Ber- bältnis zu den tschechischen Lehrern, welche die Entwicklung dcS ÄindcrturnenS in den tschechischen Arbeiter-Turnvereinen begrüßen und fördern, eine ziemlich üble und unmoderne Haltung ein. Auch sie müsttc eS ja bcgrüsten, dast das kcincStvcgS mustergültige Schulturnen durch die fleißige Arbeit der Arbeiter-Turnvereine wertvolle Ergänzung findet und Förderer sei». Aber die Gesundheit der Kinder gilt hier wahrscheinlich nichts, um so mehr der Haß gegen alles, toas sozialistisch ist. Wir werden demnächst dem Schulministerium das Gcsamtmatcrial vorlcgen. Einiges werden wir jedoch heute schon hier festnageln. Da haben ivir den Herrn„Pfarrvikar" Mu- sialek in C.-Tcschcn. Als er erfuhr, dast Mädchen bei einer Weihnachtsfeier des AtuL geturnt haben, sagte dieser Diener GotteS:„Ich verbiete euch, in den Ains zu gehen, sic glauben nicht an Gott. Wenn ihr dorthin turnen geht, wird euch der liebe Gott nicht mehr gern haben." Ferner sagte er: „Ich gebe euch lieber die drei Kronen und geht ins Freiturnen, nur in den Anis geht mir nicht." Später sagte derselbe Herr:„Im Atus spricht man schlecht von Gott, der liebe Gott loird an euch nicht denken und über euch weinen, tvenn ihr dorthin turnen geht, wo man von ihm schlecht spricht. Bringt mir übrigens die Blätter(„Ringelreihen"), die ihr dort ausgeteilt bekommt, in die Schule." Da hört sich denn doch schon verschiedenes auf. Wir glauben, daß der liebe Gott eher über den Herrn Musialek weinen wird als über unsere Kinder. In Haslau srug der Pfarrer die Kinder, wer in der Kirche war. Das geht übrigens den Herrn Pfarrer gar nichts an, weil ja der Kirchcnbesuch freiwillig ist. Als er erfuhr, daß einige Kinder in der Turnprobc waren und nicht in der Kirche, da schimpfte er:„Ihr seid ei» Sauberem, ein Schandvcrein, euch wird alle noch der Teufel holen I" Und ähnliches mehr. Achnlichc Fälle haben wir in manchen anderen Gebieten. Dieser Sorte Katecheten loird noch begreiflich gcinacht werden, was Religionsunterricht ist und was Hetzerei. In Freiheit-Marschendorf darf ein Junge nicht mehr zu uns turnen gehen, weil er eine 4 aus Turnen erhielt. Der Grund? In der Schule erhalten die Schüler die Aufgabe, eine Zeichnung nach dem Gedächtnis zu machen. Unser Turnschüler zeichnet eine Schar Atuö-Turner, die durch eine Ehrenpforte zieht, Turner init AtuS- Dreiecken auf dem Leibchen und oben die Inschrift„Freiheit!". Darüber hat der Herr Lehrer Hille schnell das Wort„Stadt" geschrieben und der Junge hat aus Turnen eine 4 daraufgepelzt bekommen. Haben es die Atuü-Dreiecke dem Herrn Lehrer angetan oder die zwei Staatsflaggen, die der Junge auch auf das Bild gemalt hat? Im Brüxer Bezirk hat man in einem Orte das Kinderiurnen wegen Infektionskrankheiten eingestellt. Die Schulen jedoch wurden nicht gesperrt. In vielen Orten will man die Kinder hindern, an Bühnenvorführungen und dergleichen teilzunehmen. Kurz, aus allen Gegenden kommen Berichte über Schikanen aller Art, die klar erkennen lassen, daß hier wahrscheinlich nach einer festen Direktive gearbeitet wird. Politischer Kampf in der Schule! Interessant ist, daß diese Lehrer und Schulbehörden die getarnten Nazi-Turnvereine schön in Ruhe lassen und sich nur auf die Arbeiter- Turnvereine stürzen, die Arbeiter-Turnvereine, die sich positiv zum Staate eingestellt haben, sekkieren, während die deutschen Turnvereine sich des Wohlwollens diverser Herrschaften erfreuen. Cs ist höchste Zeit, daß dem Treiben dieser EleDente Einhalt gäoten wird, H. M. Erhöhte Sicherheit durch wirtschaftliche Sanktionen gegen den Angreifer London, 10. April. Das Reuter-Büro erfährt, das« kein neuer Abriistiingöplan l>c- kteht. Dir Lage sei die, dast nach der kürzlichen Korrespondenz zwischen der französischen»nd der britischen Regierung dir letztere nicht u n b r r e i t sei, an e i n i g e neue Garantien für den Fall zu denken, dast dir Abrüstungstonvrntio» verletzt würde oder derjenige, der dir Konvention verletzte, zu einer Wiedergutmachung nicht bereit wäre. Wie verlautet, hätten die gegen eine solche Verletzung der Konvention zu ergreifenden Maßnahmen vielleicht finanziellen und wirtschaftlichen Charakter. Genfer Verhandlungen nochmals vertagt Die Haupttreffer der Arbcllerlursorge-LoMcrle Prag, 10. April. Heule um 0 Uhr abends fand!m ZiehungSsnal der staatliche» Loltrriedirek- tion dir öffentliche Zichnng der Lotterie der Arbei- lrrfürsorge statt. Der Haupttreffer, ein Einsamilirnliaus im Werte von 00.000 Ke, entfiel auf daü Los Nr. 110.007. Den zweiten Treffer im Werte von 8000 K4 gewinnt da» Los Nr. 164.1)55, zwei weitere Treffer im Werte von je 1000 KC entfallen auf dir Lose Nr. 23.120 nnd 2(16.129. Bier Treffer zu je»00 KL entfallen auf dir Lose Nr. 232», 60.996, 177.779»nd 195.617. Die ansführlichc Ziehungsliste gelangt in den nächste» Tagen zur Berseudnng. bei zur der Genf, 10. April. Wider alles Erwarten endeten die heutigen Beratungen des Präsidiums der Allgemeinen Abrüstungskonferenz nach drei- einhalbstündigrr Debatte bereits heute Abend und eS wurde ohne gröfirrc Schwierigkeiten vereinbart, dast das Konferenzbüro, falls eS sich alS notwendig erweisen würde, Ende April, sonst erst am 2. Mai wieder znsammrntreten soll. Der Hanptansschnst der Allgemeine» Ab- rüstniigSsonferenz soll zum 23. Mai rinberufen werden, doch ist auch dieses Datum nicht b r- stimmt fe st gesetzt. Rach dem Wunsche der englischen Regierung wird das Büro gegebenen Zeit selbst bestimmen, wann HauptanSschust znsammentreten soll. Der Konferenzvorsitzende Henderson hielt Eröffnung der Sitzung des Präsidium« eine Rede, in der er n. a. der festen Hoffnung auf ein schließliches Einvernehmen der Staaten über die Abrü- Drr Gesamteindruck von der Sitzung ist der, dast noch weitere Brrhandknn- gen der interessierten Staaten notwendig sind, um die öffentlichen Konferenzarbeiten in Genf auf neuer Grundlage wieder aufnehmen zu können. Eine gewisse Welle von Optimismus verursachte die Hoffnung, welche für den definitiven stungskonvention Ausdruck gab. Er anerkannte, daß Abschluß eines Abkommens die Bereitwilligkeit zur Herstellung eines solchen Einvernehmens l ä n< j Englands hinterlässt, bestimmte Garantien g e r e g e i t notwendig ist. Deshalb schlägt er i über die Einhaltung der Berpflichtungen der einen neuenAnfschnbderKonfe- künftigen AbrüstnngSlonvention znznlnsicn. renzar beiten vor. Allerdings hängt viel von dem vorherigen Ein- Ter englische Delegierte Eden gab eine ein- vernehmen Frankreichs und Englands über den gehende Darlegung über die Bestrebungen der bri» I Rüstungsstand Frankreichs und Deutschlands ab. tischen Regierung, den ursprünglichen AbrüstungS- vlan durch annehmbareZusähe und die Anregungen der verschiedenen Staaten zu ergänzen, und verdolmetschte neuerlich die Ansicht der englischen Regierung, daß eine Bedingung für das definitive Abkommen die R n ck k e h r D e»t s ch- land« nach Genf sei. Auch die Delegierten Rußlands und Frankreichs hoben die Bereitwilligkeit ihrer Staaten hervor, sich auch an einem beschränkten AbrüstungS- abkonnnen zu beteiligen. 3000 sn Harums Grab Die,„Neue Züricher Zciinng" meldet aus Karlsruhe: „Die Einäscherung dcS ehemalige» badischen StaalsrateS«nd sozialdemotratifchen Rrichstagoabgeordneten Dr. Mar» m, der im Konzentrationslager Kislan durch Selbstmord nuS dem Leben geschieden war, hat am letzten Dienstag in Karlsruhe stntlgrsunden. Dir badische Regierung hatte beabsichtigt, die Leiche am KarfamStng in aller Stille.riuäschcrn zu lasten, doch erhoben die Angehörigen Widerspruch dck gegen. Die Karlsruher Blätter brachten eine kurze Todesanzeige der Frau Marum. Der Zeitpunkt der Einäscherung durfte nicht mitgeteilt werden, sondern lediglich der Dienstag al« Be- stnttnngstag angegeben werden. Trotzdem sanden sich über 3000 Personen ans dem Friedhöfe ein. Biele Frauen trngen Tüten in der Hand, ans denen sie beim Bersinken des Sarge« Blumen ins Grntz warfen. Bon Beanftragten der Polizei wurden photographische Aufnahmen des Traurrgcleitrs gemacht." Goebbels Terror im Ausland Harakiri der Luegerpartei bereits am 1. Mail Wien, 10. April. Die schon wiederholt in Aussicht gestellte Selbstauslösung der christlichso- zialcn Partei loird jetzt zum 1. Mai angelündigt. Zumindest hat der Landeskommandant der Vaterländischen Front Aicher dies in einer Versammlung in Bischofshofen osfizicll belanntgege- ben, toas mit großem Beifall anfgenonnncn wurde. Eine offizielle Mitteilung der Parteileitung liegt noch nickst vor. Verfassungsdlfferenzen lieber die neue Verfassung scheinen selbst nach den Meldungen der gleichgeschalteten Presse noch große Mcinnngöverschicdcnhcitcn zu bestehen. Nach dem letzten Entwurf Dr. Enders soll I der Präsident von der BundeSversanimlung gc- wählt werde», die die vier projettierten Landtage bilden werden. Die Heimwehrcn fordern dagegen, daß der Präsident von allen Bürgermeistern au- ganz Oesterreich oder direkt vom Volke geloählt iverdc, wobei die gesetzgebenden Körperschaften zloei oder drei Kandidaten bestimmen lvürden. Die Heinuvchren beharren weiters darauf, daß die Verfassung durch eine Verordnung klne Blamage der„Landpost“ Die«Deutsche Landpost" verbreitet sich in ihrer Ausgabe vom 10. April über die Ergebnisse einer angeblich in Paris abgchaltcnen Konferenz, die sich mit der Frage der Vereinigung der Zweiten mit der Dritten Internationale beschäftigt habe. Die Konferenz sei allerdings ergebnislos verlaufen, trotzdem sie sich Frankreich als Excr- zicrfeld für ein revolutionäres Experiment ausgesucht gehalst habe. Jetzt sei„der Plan aufgetaucht, Holland als.Hauptstützpunkt der sozialdemolrati- schcn Verbände Europas»nd damit der Zweite» Internationale auszubauen". Aus all dem gehe hervor, daß das Ableben der Sozialdemokratie nur »och als eine Frage der Zeit erscheint. Der Dr. Kurt Brcncken» der den Artikel zeichnet, ist entweder der Verfasser von Grubenhunden oder ganz einfach dumm. Die„gemeldete" Pariser Konferenz hat nämlich überhaupt nicht stattgefunden und die Meldung über die holländische Sozialdemokratie erledigt sich durch ihre Dummheit von selbst. Wenn schon die„Deutsche Landpost" das Bedürfnis fühlt, sich mit der Sozialdemokratie geistig auseinanderzusehen, so sollte sie doch mif so stinkende Albernheiten dabei verzichten. Handelsabkommen mit Holland. Gestern wurde in: Haag daü Zusatzabkomnien zum Handelsvertrag vom 20. Jänner 1028 unterzeichnet. Die Tschechoslowakei hat Holland Zollnachlässe für die Einfuhr einiger lebender Pflanzenarten nnd von Kraut zn- erkannt. Dafür erhielt die Tschechoslolvakei Erinäßi- gungen bei der Einfuhr von Braugerste, Malz und Schinken zngesprochen. Dao Protokoll über die Warenein- und Ausfuhr, das einen Bestandteil des AbI Gültigkeit erlange, wogegen ein Teil der christ- lichsozialcn Partei dahin zu wirken trachtet, die „RcchtSIontinuität" dahin zu wahren, daß das Rumpfparlament cinbernsen werde nnd der Regierung Dollfuß eine Generalvollmacht erteilen soll. Der nächste Aiinisterrat soll sowohl über diese Meinungsverschiedenheiten als auch über die anderen noch strittigen Vcrsasinngsfragen entscheiden. Die illegale Tätigkeit macht den Nerrschaiten Kopfzerbrechen 1 Wien, 10. April. Heute hielten während j des ganzen TagrS in Wien die Sicherheitsdirrkto- rrn anS allen österreichischen Bnndrvländern unter dem Vorsitze des Vizekanzler« Fr» eine I Sitzung ab, in der sie über die Maßnahmen gegen die wachsende illegale Tätigkeit der aufgelösten politischen Parteien, also der Sozialdemokrat en, Kommnnistr» und Nationalsozialisten beriete». kommens bildet, tvird durch eine Neuregelung ersetzt werden, worin sich beide Parteien die Absatz-Möglich- keit für die Hanptartcn der Exportwaren zusichern. Falschmeldung über die Heimkehr der ungarischen Emigranten. Die ungarischen und österreichischen glcichgcschaltetcn Regierungsblätter berichten, daß die im Ausland lebenden ungarische» Emigranten sich an Ernst Garami mit der kollektiven Bitte wendeten, er möge durch eine Aktion die Liquidierung der Emigration ermöglichen. Die Meldung ist in dieser Form falsch. Wahr ist, daß der ungarische Rcdalteur Franz Gördcr an Ernst Garami in der Form eines offenen Briefes die Aufforderung gerichtet hat, alles aufzn- bieten, um die Rückkehr derjenigen Emigranten, die in der Revolution oder in der Emigration keine führende Rolle gespielt haben, zu ermöglichen. Göndör betont, daß er in der Angelegenheit der führend Gewesenen nicht zu spreche» berechtigt ist, schon anö dem Grunde, da diese sozialistischen Eniigrantcn die Rückkehr nach Ungar» unter den obwaltenden Verhältnissen nicht sirr wünschenswert finden. Frontkämpfer akzeptieren die Kürzungen? Pari», 10. April. Der Verband der ehemaligen Frontkämpfer hat für Donnerstag einen außerordentlichen Kongreß cinberufen, welcher die Entscheidung betreffs der Herabsetzung der Bezüge der Kriegsinvaliden treffen lvird. Die Blätter glauben allgemein, daß der Kongreß die von der Regierung geplanten Maßnahmen billigen wird, so daß die Regierungödckrcte bereits am Frcitag veröffentlicht lverdcn dürften.- Heute wird die Regierung mit den Beratungen betreffs der sogenannten Mobilisation gegen die Arbeitslosigkeit, d. i. bezüglich des Marquct- PlancS der großen ans den Sozial-VersichcrnngS- fonden finanzierten Jnvessitionsarbcitcn beginnen. Berlin, 10. April.(Jnpreß): Das Propa- gaiidaministcrinm hat an alle AnSlandSstcllcn An- lveisnng gegeben, de» Vertrieb dcS zweiten Braunbuches, daö in den nächsten Tagen unter dem Titel „Dimitroff kontra Gocring" erscheinen wird, int Ausland mit allen Mitteln zu verhindern. Es soll ein besonderer Druck auf die Buchhändler ansge- übt werden, damit Braunbuch 11 nicht in den Schaufenstern auögelegt lvird. Der llcbcrcifer von Goebbels Propaganda-Agenten in der Schlvciz hat diesen Plan nun bereits vorzeitig verraten. In der von Hitler sinanzicrtcn Schtvcizer„Frontenpresse" lvird jetzt schon eine große Kampagne gegen das Buch geführt; die Buchhändler erhalten Drohbriefe, in denen ihnen mit der Zertrümmerung ihrer Schaufenster und mit..Boykott gedroht wird, ivcnil sic das Buch auslcgcn. Besondere Torge scheint dein Propagandaminiftcrium der in deyr neuen Werk erscheinende Tonderbcilrag Diinitrosss „Was lvolltcn die Nationalsozialisten mit dem ReiäsStagsbrandprozeß?" zu bereiten. Halbstündiger Streik in der Pariser Tclcgrnphrnzrntrnlr. Heute mittag unterbrachen beim Dicnjtivcch- jet die Telegraphisten auf der Pariser Zentrale zum Zeichen des Protestes gegen die die Bezüge der Slaatsangcstelllcn herabsetzenden Regicrungs- detrets über eilte halbe Stunde den Dienst und sangen ans dem Hvs die Internationale. Der Postininister erklärte, daß die crmilteltcii Manifestanten disziplinarisch lverdcn streng bestraft werden. Japs»; Appetit wachst Schanghai, 10. April.(Taß.) Ans Nordchina laufen Meldungen ein, daß dort in der letzten Zeit eine zunehmende Tätigkeit der japanischen bctvasf« urteil Kräfte zu beincrlcn sei. Die Japaner legen in den Provinzen Schanghai und Schanlnng m i* litärische Stützpunkte an, die— lvie man annimmt— die Okkupation Nordchinas vorbereiten sollen. Gleichzeitig bersiärlen die Japaner ihre Truppenbestände längs der Chinesischen Mauer. Das Blatt„Sin-vcn-pao" schreibt, daß Nordchina eigentlich bereits zmn Teil von den Japanern eingenommen lvurdc. Der llnterschied zwischen den Zuständen dort und in der Mandschurei bestehe eigentlich nur darin, daß die Mandschurei bereits faktisch und offiziell von den Japanern beseht worden sei. Alle Durchgänge der Chinesischen Mauer befänden sich bereits in den Händen der Japaner. Alles tveist darauf hin. sagt das Taß-Büro, daß die Japaner einen E i n f a l l i n die Mongolei planen. Line„Sensation", die keine war Berlin, 10. April. Die kürzliche Mitteilung einiger ausländischer Blätter(darunter auch des „Prager Tagblatt"), über den lieber!ritt von 300 deutschen protestantischen Pastoren zum Katholizismus beruht auf einem Irrtum. Den Anlaß zu der Nachricht gab lvahrscheinlich ein Memorandum über die M ö g l i ch k e i t c n der Bereinigung der christlichen Kirchen, das von den deutschen Theologen aiisgcarbeitet lvurdc, die sich bereits seit langem mit dieser Frage befassen und die ihr Elaborat auch dem Papste einsandtcn. «Seite 4 Mittwoch, 11. Avril 11)34 Nr. 84 Heimstätten für Arbeitslose Ein praktischer Vorschlag zur Frage der Innenkolonisatlon 'Jiiin iii auch bei nit-:> eine öffentliche Diskus-1 sion über das Problem der Inncnlolonisation in Gang gekommen. Weitreichende Pläne werde» erörtert. Man spricht und schreibt von der geplanten Umsiedlung von 300.000 bis 400.000 Arbeitslose». Man tvarnt ans der andere» Leite vor! Illusionen und bezeichnet die aufgetanchten Sied- lungLpläiie als..soziale Kurpfuscherei". Somit erscheint dem ernsten Sozlalpolltikcr die Ausgabe gestellt, übertriebene Hoffnungen zu dänipfen, auf! der anderen Seite aber die gegebenen Noltvendig- j leiten und Rcalisicrungsmöglickkcitcn hernnSzu-■ arbeiten. Flucht in die Bretterbuden Ten Skeptikern sei vor allem gesagt, das; das! Problem der inneren Siedlung schon längst ans die Tagesordnung des Alltags geiev Ivar. el)c cs zur wiiseuschasilich-saeblichen Erörieinng Iain. Wirs durchleben einen furchtbaren sozialen Zersetzung-» j prozes;. Hnndertiäuscnde von Familien sind nicht nur auSgestosren aus dem Kreis der Schaffenden, sondern sind teilweise auch schon abgedrängt vom; Wohnnngsmarlt, oder sieben i» umniitelbarer: Gefahr, ihr Obdackzu verlieren. Aach dieser Seite bin lonule bisher noch keine sozialpolitische Vorsorge getrosten lverden. Unsere ganze vsseniliche Wohunngüsi'irsorge in im Wese» anfgcbant aus dcM lapilaliitischen:>tenlabiliiälsprinzip. Genos- seuschasttiches oder lommuuales Baue» sebt vor aus, das; Wohnungsbewerber da sind, die eine Miete bezahle» können, d. h. über ein regelmäßiges Einkommen verfügen. D c r u in g c t e h r l c I P r o z e st i st i m V> a>i g e. Baugenosscnichaf-I le» und ivohnungsfürsorgerisch rege Gemeinden! siehe» vor der Tatsache, das; viele ihrer Mieter, wegen andauernder Arbeitslosigkeit die stinse nicht| mehr bezahlen tonnen und nach einer gewissen Schoufrisl, die in den mcistcu solchen Fällen gc-! wäbri wird, die Wohnungen verlassen müssen. Ta-\ zu lommen noch die Delogierungen aus Privat-; Häusern, hervorgcrufcu durch die ZahlungS-' mifähigkeii der Micier. Was geschieht? Auf dir, Landstraßen können nicht alle Obdachlosen gehen, oblvohl das fahrende Volk beängstigend an stahl zunimmt. Sotvcit die bctroffciic» Famitien nicht bei Perwandlen nuterkricchc» könne», die Armenhäuser bevölkern oder von der HcimatSgcmeiiido nicht irgend einen Stall zugclvicsen bclommen, bauen sie sich irgendwo am Orisrand eine Bretterbude oder richte» sich einen ausrangiericn Last-, tragen„lvohnlich" ei». Diese»wilde Siedlung"■ ist namentlich in den Industriegebieten keine vereinzelte Erscheinung mehr, cs nützt nichts, vor die- feil Schandmalen der modernen Zivilisation länger, die Augen zu verschliesicu. Dieser Notstand tvird mit der unabsehbar laugen Tauer der Krise immer brennender. Da must einfach geholfen lverdc». Gartenhelmstätten für Krisenopfer Wie ist das möglich? Die größte Bcgrisss- vcrtvirruiig entsteht auö der toiistautc» Verwcchs-, lnng von Stadtrandsiedlung und landlvirischaft- ticher Neusiedlung. Stadtrandsiedlung für Ar- bciiolose und Kurzarbeiter ist möglich und nottvcn- dig. Für laiidtvirtschafllichc Kolonisation in größerem Umfange fehlt knlturfähigeS Neuland, seh-, len nach der Durchführung der Bodenreform auch t anderlvcitigc Aodcurcservcu. Deshalb wird feder Lösuugsversuch an die priinäre Gegebenheit die-, scs übervölkerten Laiides, de» Bode»man g c l, ankiiüpfcii müssen. Die Bodcnbcschaffung ist der archimedische Punkt des ganzen Siedlung-?- Problems. Bon dieser Anschauung ausgehend pro-, pagicrt der von den deutschen sozialdemokratischen| Abgeordneten cingcreichte Initiativantrag in erster\ Reihe die Schaffung von G a r t c il h e i m stü t- t c n für Arbeitslose und Kurzarbeiter, verbunden mit einer ganz bescheidenen, aber ausbaufähigen W o h n g e l e g e u h e i t. Tic Deutsche Hauptstcllc für Wohnungs- und Siedlungsfürsorge in der Tsckcchoslotvakci hat in jahrelanger Borarbcit alle diesbezüglichen ausländischen Erfahrungen sorgfältig geprüft und ist zu dem Ergebnis gekommen, das; Gariciistellcn im Ausmaße von 1000 bis 2500 Quadratmetern je nach der Güte dcö Bodens und der Intensität der Betvirtschaslung— einen grostcu Teil deS pflanzlichen Nahruugsbcdarfes und bei Kleintierzucht auch einen geringen Teil des FlcischbcdarfcS einer mchrköpfigcn Familie zu decken vermögen. Bestätigt tvird diese Annahme durch die Resultate, welche auf der Stadtrandsiedlung in W i e n- Solche Ki'iscndcnkmäler Leopoldau erstell worden sind. Würde die! Hälfte der noltvendigen Arbeitsleistung in der, Form von Selbsthilfe als freiwillige Leistung der Siedler dargebrächt, und die andere Hälfte des Lohnaufwandes durch Beiträge aus der produl-- tiven Arbeitslofenfürsorge gedeckt, so läme Bcrcch- niingen der Haiiplstcllc die Errichtung eines aus-, baufähigen Kernhauses auf rund»000 Ke, Gc-1 läudcaufschlicstung, lebendes und lotes Inventar, ergeben tvcitcrc 0000 I<ö, zusammen 8000 Kö Kapitalsbedarf pro Siedlcrsielle, allerdings ohne, B o d c n p r e i s. Auch dafür je 2000 Kü pro Siedlerstelle gerechnet ergäbe sich bei 10.000 KCl Gesamtaufwand n»d sechsprozentiger Verzinsung und Amortisation eine Iakresbelastung von 000 1<ü pro Siedlcrsamilie, die durch den EriragSlvcrt der Wohnung rind des«'»artens tvohl anfgelvogen tvird. Mehrendes Gut statt zehrendes Gut Im Nahmen dieser Lösung gestaltet sich die Bodenbeschaffung für die Träger des Siedlungswertes,(!) e in e i n d c n oder Gemeindcverbände, mehr zu cincm k a n f m ü n n i s ch c n P r o- b l e in. Es handelt sich cntlvedcr um die Intensivierung bereits vorhandenen Gemeindclandes oder um den Zukauf von laudtvirtfchaftlich genutz- tcn Bodens und dessen Ilmivandlung in hochkultivierten Gartcnbodcu, was beides mit entsprechender öffentlicher Kredilhilfe durchaus möglich erscheint. Svlveit durch begünstigte TarlchenS- gcwährung für Tiedlnngsztvecke eine Belastung der öffentlichen Hand erwächst, ist dafür ein entscheidender Gesichtspunkt ins Treffen zu führen: 2tras;enbautcn, Hochhausbauten. Wasferleitun- geu, Kanalisierungen schaffen nur z e h r e u d c G ü ter— vorübergehende Arbeitsgelegenheit und dauernde Belastung der Steucrgucllcn. Gar- tcnsiellcn dagegen, verbunden mit Wohngclegcn- hcit sind ein mehrendes G n t. lösen zwar nicht das Epistcnzproblem der augesiedcltcu Fami- fielt, machen sic aber widerstandsfähiger gegen die Krise, bieten ihnen die Möglichkeit, sich bei Nebenerwerb oder Teilverdienst einzelner Angehöriger leichter über' Wasser zu halten. Würde also die Errichtung solcher Heimstätten durch Gewährung es ini ganzen Lande. eines Beitrages aus der produktiven Arbeitslose nfürsorge und Verbilligung eines kommnnalcn SicdlungslcediteS unterstützt, so brächte dieses einmalige Opfer eine dauernde Verminderung der sozialen Verpflichtungen von Staat lind Gemeinden. Das landwirtschaftliche Uebersiedlunssproblem Gegen lein landwirtschaftliche Neusiedlungen werden sich wohl die grössten Widerstände auö der Landtvirischast selbst ergeben. Auf die Dauer tvird sich aber unsere offizielle Agrarpolitik zu dem llebcrvölkeriiiigsvroblein des flnchru Landes und der GebirgSgrgendep nicht blind stellen tönnrn. Trotz Bodenreform hat die Landwirtschaft im letzten Jahrzehnt ihren ganzen Bevölkerungszuwachs an die Städte und Industriegebiete abgegeben. Tic tiefste llrsache dieser Landflucht ist das rasante Eindringen der Maschine in die Landlvirtschaft und die in den historischen Ländern traditionell vorherrschende A n c r b c n s i t t c, welche dauernd die Baucrnkindcr entweder proletarisicrt oder dem Heer der arbeitslosen Intelligenz zilströmcn lässt. Tic Gesetzgebung tvird der Tendenz der Sclbstent- völterung des Torfes früher oder später eine organisierte Gegenwirkung entgcgenstcllcn müssen. A e g ii n st i g u n g der Rcaltcil u n g bei Erbschaften böte der Landflucht einen gctvisscn Einhalt. doch könnte diese Mastnahmc erst auf weitere Sicht wirksam tvcrdcn.- Eine unmittelbare Hand- habc, neue Existenzen auf dem Dorfe zu schaffen ,odcr Halbexistcnzen lebensfähig zu machen, ist bei !der angeki'mdigteu Lösung dcö landtvirtfchastlichen S ch u I d e u p r o b l e in S gegeben. Auf die Dauer tvird der Exckutionsschutz, welcher ctlva 120.000 Autvcsen gctvährl wurde, nickt aufrecht- , zuerhalten sei». Niemand hat ein Interesse dar- ' an, diese Niesenzahl von Familien ins Heer der , Arbeitslosen zu stoszen. Wenn aber eine llmschul- dnng unter Inanspruchnahme öffentlicher Mittel durckgeführt tvird, dann hat die Gesetzgebung daS Recht und die Pflicht, den zum Abverkauf gelangenden Boden für die SiedlnngSauf- gaben der Landgemeinden zu reklamieren. ES hat keinen Zweck, darüber „Stadtrandsiedlungen" im Karlsbader Industriegebiet. gibt Schaubild des Anwesens im Endzustände. (Heimstätte nach den Vorschlägen der Hauptstelle f. W. u. 8. Fi) , schon heute ein ausgeklügeltes Snsteni aufzustellen, ilnstrittig ist jedoch, das; durch die große Krise ein erheblicher Teil des landivirtschaftlichen Bodens den Besitzer tvechseln tvird, ES steht nun zur Entscheidung. ob diese Bodeiilvanderung dem Gefälle der Kapitalskraft und der SpekulativiiSlust folgen soll, oder ob sic ziclbeivusst in die Richtuna der bc- völkernngspolitischen und sozialen Nvttvcndigkciten des Dorfes zu lenken ist. Die Verbindung des laud- Ivirtschaslliebcn EntschnldungSprvblems mit den ländlichen SiedlniigSailfgaben ist unerläßlich. Der deutsche sozialdemokratische Antrag sicht daher die Schaffung von Feldgärten m i t Hans- stellen in den Dörfern vor. Das bedeutet in der Praxis Sickerung der Scholle für den ländlichen Nachtvuchs, Bekämpfung der Landflucht. Pflickt der agrarifckcn. Parteien wäre es, auf diesem Gebiete die Initiative zu ergreifen, denn auch die Jugend des Dorfes hat ein Anrecht darauf, von der demokratischen Staatsgetvalt in dem Ringen nm ein Stück Existenzbodenü unterstützt zn lverden. ! Schöpfung neuer kxlstenzen Die Dauerkrise, die unheimliche Technific- riing und Rationalisierung hat der modernen WirtschastS- und Sozialpolitik eine neue Ausgabe gestellt: nickt nur Schutz der bestehenden Existenzen, sondern auch Schöpfung neuer Exi- s! enge n. Den tiefgehenden Veränderungen im industriellen Organismus müssen ebenso tiefgehende Acndcrinigen in der Wohnwcisc und in der Struktur unserer Bodenverteilung folgen. Deshalb inus; das SicdlungSproblem unter den Aspekten einer h i st o r i s ch e n Aufgabe erfasst werden. ES geht einfach daruni, ob weise staatsmännische Voraussicht der dumpfen Hofs- nungSlosigkeit der entwurzelten Massen einen befreienden Ausblick und ein Ventil schafft, oder ob der lieberdruck an sozialen Spannungen in eine furchtbare Explosion mündet. Deshalb geht der Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Massennot nicht allein die sozialistischen Parteien an, sondern die ganze menschliche Gesellschaft. Wenzel I a k s ck. Die Bilder und Skizzen wurden von Herrn Architekten W u h r m a n n, dem technischen Sachberater der Hauptstelle für WohnungS- und Sied- lungsfürsorge, freundlichst zur Verfügung gestellt. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen» Mittwoch: Prag: Sender L.: 0.15 Ghinnastik. 10.05 Deutsche. Nachrichten. 12.10 Schallplatten. 14.05 Deutscher Arbeitömarktbericht. 17.15 Polakck: Bücher, die ich gelesen habe. 17.55 Französisch für Fortgeschrittene. 18.25 Deutsche Sendung: stehn aktuelle Miiiutcn; 18.85 Arbei- terfunk: Rose Fischer: Tie geistige Arbeiterin in der K rike. 18.55, S o z i a l i n f o r m a t i o n e u. 21.00 Polnische Musik. Sender St.: 14..10 Konzert, 15.10 Deutsche Sendung: Winickv: Das Städtchen mit dem grosten Ringplatz. 15.20 Kinderfunk.— Brünn: 10.00 Nachinittagökonzert. 18.25 Deutsch e 2 e u d u u g: Oskar Baum: Hobenzauber(aus eigenen Werken). 10.20: Vorlesung neuer Werke aus der russischen Literatur.— Mähr..Ostrau: 18.00 Arbeiterscudung: Psbchologie des Arbeiters.— Kascha«: 17.00 Stündchen für Kinder.— Berlin: 18.30 Orchesterkonzert.— Breölnu: 12.00 Mittagskonzert.— Frankfurt: 28.80 Neue italienische Klaviermusik. 24.00 Kammermusik.— Hamburg: 10.00 Bosheiten nm Richard Wagner.— Heils berg: 16.00 NachinittagSkonzert.— KönigSwiistrrhausen: 17.80 Schubert: Streichguartett C-Dur.— München: 17.50 Musik der Gotik und Nenaissauee.— Wien: 18.10 Dr. Maliwa: Neue NheumatiSinuSforschung. 22.10 Jazz-Tanzniusik. Donnerstag: Prag, Tender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.10: Schallplatte», 17.35: Französisch für Anfänger, 18: D e u t s ch e S e n d n n g: Dr. Moucha: Bücher für die Jugend, 10: Deutsche Nachrichten, 20.10: Konzert des Ondrieek-Kanuncrguartetts, 22.50: Propagandakouzert aus Werken Smetanas. Tender S.: 15.10: Deutsche Sendung: Löffler: Gewerbliche Fortbildungsschulen, 15.45: Deutsche Nachrichten.— Brünn 18.25: Deutsche Sendun g; Arbeiterfunk: Smerda: Selbsthilfeorganisation der Arbeiterschaft, 20: Abcndkonzert, 20.45: Christobal Colon.— Mährisch-Ostrau 10.15: Vormittagskonzert, 18.30: D en tscheSendung: Seliger: Jnrandcö Leben.— Kascha« 12.85: Mit- tagSkonzert.— Berlin 16: Musik am Nachmittag, 10: Loetvc-Balladcn.— Frankfurt 21.85: Klaviermusik von Chopin.— Hamburg 21.85: Josef Hatzdn: Sonate C-Moll.— HeilSberg 10: Bariattonswerke von Klavier, von Beethoven.— Leipzig 18.20: Aus Operetten.— Wien 18.20: Orchesterkonzert.— GEDENKET bei allen Anlassen der Arbeitertürsorge! St. 84 Mittwoch. 11. April 1931 Sette» Eine bestialische Mutter Ein Prozeß aus den Tiefen der Gesellschaft— Ein Kind erdrosselt unter Beihilfe der Mutter— Grauen im Schwurgerichtssaal Prag, 10. Avril. DaS unsagbare Grane», das> der heutige Schwurgerichtsprozeß nm sich verbreitete, lag wie ein Alpdruck auf der Zuhörerschaft. Mag man auch au starke Effekte gewohnt sein— dieser Pro,ich muhte jeden, der sich einen Funken menschlichen Bc- jühles bewahrt bat, aufs tiefste erschüttern. Angeklagt ist eine Mutter der Mittäterschaft ander viehischen E r in o r d u n g ihres K indes, ihres n e n n j ä h r i g e n T ö ch t c r ct> e n S. Der unmittelbare Täter ist dem Zugriff der Justiz entzogen, er ist in der lln» tersnchungShaft an Tuberkulose gestorben. To erschien heute nur die Mithelferin bei der bestialischen Tat vor den Geschworenen, die eigene Mutter des ermordeten.ll indes. Es ist die 31jährige Marie I a n o ii s, ohne Beruf und richtigen Wohnort. Auf\ der Anklagebank!>bt eine kleine, schwächliche, der-: wahrloste Frauensperson, an der nichts Auffallendes in. als höchstens der ungute und stechende Blick der kleinen kalten Augen. Die Anklage legt ihr zur Last, gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem seither verstorbenen Eduard Tilovskts, einem 3 l jährigen beschäftigungslosen Invaliden« den Plan gefasst zu haben, ihre neunjährige Tech-! ter Marie zu ermorden und bei der Ermordung ihresKindes und der Beseitigung von dessen Leiche behilflich gewesen zu sein. Zum Verständnis dieses grausigen Falles muh zuerst daü Milieu geschildert werden, in dem sich diese Tragödie abgespielt hat. Die Angeklagte lebte mit dem gleichaltrigen Eduard Tilovskh unweit von M c l n i k bei der Ortschaft B r o ä n k n in einer aus allerlei Holz-, Metall- und Dachpappcnabfällen roh zusammcnge» zimmerten Hütte. Beide werden von den Gendar- meriederichten als übel beleumundete Individuen geschildert, die den« Müßiggang und einem bettelbaflen Bagabundenleüen ergeben waren. ES ist nach den vorliegenden Dokumenten nicht fcstznstellen, inwieweit diese Charakteristik zutrifft und ob nicht auch diese Menschen so tief sinken mußten, tvcil ihnen die Gesellschaft keine Existenzmöglichkeiteu zu bieten vermochte. Jedenfalls war der Lebensgefährte der Angeklagten tuberkulös im letzten Stadium und beide lebten vom Bettel, zu dem sie auch die neunjährige uneheliche Tochter Marie, dir die Angeklagte in die Gemeinschaft mitgebracht halte, an- hirltrn. Das Mädchen war nach den Aussagen seiner Lehrer ein braves, stilles und begabtes.ltind, das in der Schule gute Fortschritte machte, oblvohl cS den größten Teil seiner Zeit dem Bettel, widmen mußte und die Schule nur sehr unregelmäßig besuchte. Bon dem BetteleriöS der Neunjährigen lebten die beiden hauptsächlich. Trotzdem haßte Silovskh daS Kind seiner Ar- iährtin tödlich und drängte seit langer Zeit darauf, sich seiner zu-entlcdigeu............ Der Haß des Stiefvaters steigerte sich noch, als die Angeklagte vor einigen Monaten von ihm(dem Schwertuberknlofen!) rin Kind bekam, obwohl die Kleine bei mitleidigen Menschen die Nahrung für das Neugeborene zu erbetteln lvußte. Noch am letztest Tag ihres jungen, armseligen Lebens brachte sie Milch und GrieS nach Hause, um für das Briiderchen einen Brei zu kochen. Im August v. I. begann Tilovskts seiner Gefährtin nachdrücklich zuzusehen, sich des Kindes zu entledigen. Er versprach der Jauous, sie zu heiraten, tvenit sie zu der Ermordung ihres Kiudcö cintvilligc. lind die entartete Mutter— stimmte zu! Sie stellte nur die Bedingung, daß er cs„selbst besorge n" niüsse, sie könne„so etwaS nicht a n s e h e n." Am 10. August v. I. vollzog sich die gräßliche Tat. DaS alniungSlose Kind tvar aus Melnik mit erbettelten Lebensmitteln in die Hütte zurückgekchrt. Etwas verspätet. Sie schmiegte sich an die Mutter: „Mutti, sei nicht bös, ich habe mit Kindern gespielt und mich verspätet"... Die Mutter hätschelt sie, während Silovskts vor die Türe tritt und sich überzeugt, daß niemand in der Nähe ist. Dann tritt er an das Kind heran und fragt, ob sie ihm keine Ziga» reitenstummeln mitgebracht habe. Die Kleine crlvi- deri ängstlich, cs seien in Melnik die Straßen schon gekehrt gewesen, sie habe keine Zigarettenreste mehr gefunden. Da legt Silovskh von hinten die Hände um den schmale» Kinderhals und drosselt das Kind fünf Minute» lang, bis der kleine Körper aus den» Griff seiner Mörderfäufte leblos auf den Boden fällt. Dann grinst er zufrieden der ruhig zufrhenden Mutter zu:„Da hast Tu ihre Leiche!" Schon vorher hat er der Angetlagten gegenüber auSgcmalt, wie leicht es sei, so«inen Kinderhals zu- iannnenzudrücken.„Man quetscht ein bißl und schon ist es geschehen". Nun, da eS wirklich geschehe» ist, tut die Mut« ier-Mordgehilfin noch ein übriges. Man hört Schritte vor der Baracke. Da nimmt sie den toten Körper der Kleinen in die Arme und hätschelt die Leiche ihre« Kindev— nicht auS einem spät durchbrechenden mütterlichen Gefühl heraus, sondern nm etwaigen Besuchern vorzugan- keln, daß daS grausam ermordete Kind nur schlaft. Wer spendet! einen gebrauchsfähigen tung des„Sozialdemokrat“, Prag XII., Fochovä 62. Nach Einbruch der Dämmerung tragen dann die beiden die Leiche aus der Hütte und verbergen sie im dichten Weidengestrüpp des ElbeuferS. Erst drei Wochen später findet man den völlig vcrtvesten Körper (der Kopf ist abgefault und ganz unkenntlich). Der Verdacht fällt sofort auf die„Eltern" und im Kreuzverhör legen Silovskh und die Janouö bald ein volles Geständnis ab. Dieser kurzen Darstellung ist wenig mehr hin- zuzufiigen. Kalt, zhnisch und renelo» wie in der Bornntersnchnng blieb die Janouö auch bei der Hauptverhandlung. Silovskts ist, wie er- luähnt, in der Untersuchungshaft gestorben. Tagcsnculgkcllcn Kampfflieger mit 300 Stundenkilometern... Paris, 10. April. Aus dem Militärflugplatz Billacoublay fanden heule Probeflüge eines mehrsitzigen Kampfflugzeuges statt. Ter Apparat erreichte in einer Höhe von 4 0 0 0 Metern eine DnrchschnittSgcschwIndigkcit von 300 Kilometern in der Stunde. Man betont, daß die» die allergrößte Geschwindigkeit sei, die bisher mit einem mehrsitzigen Kampsflngzrng erreicht wurde. Ter Apparat ist rin„Potrz 54". Sportplatz„Sparta"abgebrannt Gestern nm 8 lihr 3 Minuten früh brach auf der Haupttribünc des Fußballklubs AE. Sparta auf dem Belvedere ein Brand aus. Tie Arbeiter, die auf einer anliegenden neuen Tribüne arbeiteten, sahen, wie beim Ranchfang der Rcstanration ein wenig Rauch aufstieg und gleich darauf die Hellen Flammen schlugen, die binnen fiinf Minuten die ganze Tribüne in ein Feuermeer vcrlvandeltc». Obwohl die Feucrtvchr sofort alarmiert wurde und innerhalb weniger Mi- nuten an Ort und Stelle lvar, konnte sic nichtmehr retten. Dnc Tribüne, die Restaurationü- ränmlichkeiten, die Büros der Sparta, die Wohnung des Portiers brannten vollständig nieder, da alle Bauten ans Holz waren. Die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, das Feuer zu lokalisieren, um wenigstens die angrenzenden Sportplätze und anderen Baulichkeiten zu retten. Der Ausschuß, die Spieler und Freuirde des Klubs hatten sich eingestellt und versuchten aus den verkohlenden Trümmern lvcnigstenS einen Teil der Trophäen aus der mehr als vierzigjährigen Spielzeit des Vereins zu retten. Verbeult und zerbrochen fanden sich die Pokale des Klubs, halbverbrannt die Bücher und daü Archiv, alles lvar vernichtet. Auch das Restaurant ist mit der gesamten Einrichtung zerstört lvorden. Die„Sparta", Prags populärster Fußballklub, übersiedelte in der Saison 1910/17 auf ihr heutige» Terrain. Zur Zeit wurde die Platzanlagc für das Länderspiel Tschechoslowakei—England, das int Mai statfindet, vergrößert. Die niedcrgebrannte Tribüne sollte im nächsten Jahr um 10 Meter rückverlegt werden, um Platz zur Vergrößerung der Stchplatzanlagen zu gewinnen. Da» Länderspiel gcgeu Polen muß auf dem Slavia-Platz auögc- tragen lvcrden. Lebemänner-Exzeffe in Moskau Moskau, 10. April. Die Presse veröffentlicht nachträglich eine Art Polizeibericht über da» Vorgehen gegen eine Gruppe von Lebemännern, die Ivcgcn„in trunkenem Zustand verübter Ausschreitungen" in verschiedenen Hotels verhaftet wurden. Sie wurden teils zu Arrest verurteilt, teils an ihren Wohnort zurückbcfürdcrt. Die Liste der Verhafteten zählt meistens Beauftragte tmd Bevollmächtigte von Äirtschafts- organisationen und VertvaltungSbehör- den in der Provinz auf.— Gegen eine zweite Gruppe mußte lvcgen Tateinheit mit kriminellen Vergehen vorgegangen werden. «oldatenselbstmord Ujhorod, 10. April. Am Freitag verübte der Soldat des Jnf.-Meg. Nr. 48 in Chust, Adle r, auf der militärschcn Schul-Schießstätte während der Mittagspause Selbstmord durch Erschießen. Adler, der auö der Stadt Takovo stammt und sich zur jüdischen Nationalität bekannte, hatte die Nacht vor dem Selbstmord durchbummelt und in einem hinterlassenen Briefe angegeben, daß sein Selbstmord auf private ll r s ach c n zurückzuführen sei. Er bittet, nicht attf dem jüdischen, sondern auf dem christ- l i ch c ii Friedhof mit kirchlichen Zeremonien und unter militärischen Ehren begraben zu lvcrden. Eine Militärkommission untersucht die Ur- I jache des Selbstmordes. Die Frage nach dem Motiv der grauenbafien, unmenschlichen, unbegreiflichen Tat blieb auch im Laufe diese» Verfahren» unbeantwortet.„Er hat ev gewollt" Als praktischer Beweggrund mag milgespielt haben, daß die Janouö hoffte, nach Beseitigung de» Kindes Arbeit auf einem Gut zu finden. Und dann ist da da» Eheversprcchen de» Mörder». Fünf uneheliche Kinder hatte diese Frau. Vier sind gestorben, eines ist ermordet. Unter miitter- licticr Assistenz. Die Verhandlung wickelte sich schuell ab. Auch die Beratung der Geschworenen dauerte nur ganz kurze Zeit. Ihr Wahrspruch erkannte die Angeklagte mit allen zwölf Stimmen schuldig der Teiluahme am Verbrechen d«S Morde». Der Schwurgerichtshof unter Vorsitz dcS OGR. S h k o r a verurteilte Marie Janouö zu sieben Jahren schweren und verschärften Kerker». Sie nabm da» Urteil mit der stumpfen Gleich- güktigkeit auf, die sie während der ganzen Verhandlung zur Schau getragen hatte. rb. Schwere Lungen Im Lagerraum de» Eisenbahner- k on s umö am Bodenbacher Bahnhof ivurde ein überaus frecher, schwerer Ein- Vruch verübt. Die Täter, die mit den Ortsverhältnissen vertraut zu sein scheinen, entwendeten insgesamt HO Säcke Staub- und Gricßzucker, zwei Kisten Schichtscise u. a. Diese DievSbcute schassten die Einbrecher mit einem L a st a u t o fort.— Dies ist bereits seit einem halben Jahre der dritte Fall, daß Diebe die erheblichen Mengen von Diübögut mit einem Fuhrwerk lvegschasstcn. Die Polizei hat die Nachforschungen aiifgenommcn. Hghnenschwanz s la Lippowitz. DaS ,.N cur Wiener Journal" ist atiS den geschäftigen Händen seines bisherigen Besitzers, des jüdischen Angst-Fascisten Lippowitz, in den Besitz der erwachten Oestcrreicher um Star- Hemberg und Feh übergegangcn. Finanzier die- ser stranim nationalen Transaktion ist— wie sollte rS im Lande der einzigartigen Kartätschenpatrioten auch anders sein— eine italienische Kapitalistengruppe, die der neuesten römischen Kolonie des Herrn Mussolini den Lippowitzcr Streiter für Rückschritt und Volksbctrug geschenkt hat. Da Herr Lippowitz nicht nur einer der skrupeloscsteit Marxistenfresser, sonder» auch ein gerissener Geschäftsmann ist, so hat er sich eine Beteiligung von ea. 80 Prozent gesichert, jedoch auf jeden politischen Einfltiß im neuen Hcimwehrunternehmcn verzichtet. Es ist ein würdiges Organ, das sich die griimvcitzen Landsknechte zur Propaganda ihrer„Ideen" gechartert haben. Ein Blatt, dessen nioralischcS Niveau die„ideellen" Werte der Heintwehr- „Bewegung", die, von fremden Mächten aus- gehalten ein ganzes Volk in der infamsten Weise knechtet und drangsaliert, in ausgezeichneter Weise illustriert! Die Bordellinscratc dieser kor- ruptcn Zeitungshyäne werden die, ach so gelichteten, Reihen der Hahnenschwanz-Bankrottcurc in der originellsten Weise aufsüllen helfen. Neben dem vielleicht rassisch nicht ganz einwandfreien, aber, bankkontenmäßig gesehen, überaus potenten Großschicbcr werden die Obskuritäten der Weltstadt den Vorbestraften-Bataillonen der Fey und Starhemberg in Massen ztlströmen und wohl ausgiebig Gelegenheit haben, ihre seit- samen Triebe im Bannkreis dieser kcrnösterrci- wischen Menschen abzurcagicren. Wenn daS „Neue Wiener Journal" unter dem neuen Kurs dem„bewährten" alten treu bleibt, so kann cS dem freiheitlich Gesinnten nur recht sein. Die sexuelle Unterwelt im Inseratenteil, und das gespreizte phrasengespickte„Ucbcrmcnschcntitm" in der redaktionellen Sparte, cs wird eine harr- manische Synthese geben! Ein Spiegelbild des Oesterreichs der Mucker, Bolksvcrdcrbcr und Tartufseö, wie eS unter dem verhängnisvollen Rrginie der Dollfuß und Konsorten leibt, lebt und über kurz oder lang verwesen wird! Die Zahl der Angestellten der Staatstmhnen betrug Ende Jänner 182.679 einschließlich von 878 Angestellten deS AutobuSdiensteS, die früher der Postvcrwaltung unterstellt waren. Gegenüber Jänner 1933 hat sich die Zahl der Angestellten um 15.003(10.2 Prozent) gegenüber Dezember 1933 nm weitere 1273(0.95 Prozent) verringert. Die„Tscheljuskin"-Besatzung meldet in einem Funkspruch, daß die Witter» ngSver- h ä l t n i s s e seit Montag eine u n g ü n st i g e Wendung gcnomnicn haben. Der in» Lager gelandete Flieger Slcpnow, der neue Mitglieder der Besatzung nach Waukarem zu bringen beabsichtigte, hält sich noch bei den Schiffbrüchigen auf, da er den Start wegen des Witterungsumschlages verschieben mußte. Ebenso haben die anderen Flieger ihren Start verschieben müssen.— Die Samstag von den Fliegern nach Wankarcm gebrachten fünf Personen aus dem Lager des Professor Schmidt tourdcu mit dem Flugzeug nach Wellen transportiert, da ihr Gesundheitszustand sehr gelitten hat. Geköpft. In Aix-en-Provence wurde gestern früh der Mörder S a r r e t, durch die Guillotine hingerichtct.(Im Herbst des Vorjahres wurde er in einem Sensationöprozcß wegen der Ermordung einiger Personen, deren Leichname er in seiner Villa mittels einer ätzenden Bitriollösung beseitigte, zum Tode verurteilt.) Feuergefecht mit einer Einbrecherbande Gendornicn erschießen einen Einbrecher Mährisch-Ostrau, 10. April. Die Gendarmerie in Dolni Such» erfuhr heute nachmittags, daß sich in der Nähe des im Walde gelegenen Barbara-Schachtes eine gefährliche Bande, die von Ladeneinbrüchcn lebt, hcrumtrcibt. Die Gendarmerie sandte sofort eine Streife aus, die auch tatsächlich im Walde eine Gruppe von fünf Männern antraf, von denen einer sofort aus die Gendarmen zu schießen begann. Die Gendarmen machten gleichfalls von der Schußwaffe Gebrauch, Ivobci der 21jährigc Josef Dzida erschossen wurde. Bei Dzida wurde eine scharf geladene Pistole mit einer ausgcschosscncn Patrone gefunden. Die übrigen Männer entflohen und konnten bis jetzt nicht wieder ausgcforscht werden. Drei Touristen vermißt. Wie aus Pontrejina gemeldet wird, werden drei deutsche Touristen vermißt, die am Samstag die Diavolczza-Hüttc verlassen hatten, um am selben Tage über die Marinelli-Hütte das Fox-Tal zu erreichen. Ohne die Route zu kennen, wollten die Drei, eine Dame, ein Herr und ein löjährigcr Knabe, bestehenden Spuren folgen und so die Tour ausführcn. Inzwischen sind aber in der Höhe 60 bi» 70 Zentimeter Neus ch n c e gefallen. Da man vermutet, daß sic die Richtung verloren haben, und deshalb in der Marinelli-Hütte geblieben sind, ist am Montag von Pontresina aus eine Führcrkolonnc aufgebrochen, um sic zu suchen. Brandkatastrophe. In dem ehemaligen Stahl- hclmlagcr Haus Ostcndorf, bei Haltern, brach Montag abends auö bisher noch ungeklärter llrsa- che ein Feuer aus, das mit rasender Geschwindigkeit um sich griff. Bei den Löscharbeitcn und Rettungsversuchen der Feuerwehren stürzte plötzlich der Schornstein ein und begrub mehrere Feuer- lv c h r l c u t e unter sich. Zwei von ihnen tvinHcn getötet. Drei tveitere kamen mit Verletzungen davon. Dir„Schwarze Sieben".„Times" melden aus Shanghai: Der Banditenführer Liu K lv e i Tang, der in der letzten Woche sechsmal von Truppen umzingelt gewesen, aber imnicr wieder entkommen ist, bewegt sich jetzt auf der Schau« tung-Kiangsu-Grenze hin und her, wobei er durch Artillcriefeuer und Flugzeugbomben in schlverc Bedrängnis gebracht wird. Liu Kwei Tang stammt auö dem Bcrgland von Tcnghsicn und ist das siebente Kind seiner Eltern. Er lvird in Schantung „Schwarze Sieben" genannt, erstens, lvcgen seiner dunklen Gesichtsfarbe und zweitens wegen seines schlechten Charakters. Er war in der Vergangenheit abwechselnd Bandit und regulärer Soldat und soll früher nur wegen seiner Zugehörigkeit zu einer mächtigen Gchcimgcscllschaft der strafenden Gerechtigkeit entgangen sein. Ein halber Zentner Dynamit gestohlen. Jin Dc- zember 1932 hatten unbekannte Täter in den Steinbrüchen der karpathorussischen Gemeinde Radbanka bei UZHorod einen halben Zentner Dynamit entlven- det. Der Gendarmerie ist e» nunmehr gelungen, den Täter, einen Arbeiter in der Gemeinde Onokovce, ausfindig zu machen, bei welchem auf dem Dachboden noch 13% Kilogramm des Sprengstoffes aufge- sunden wurden. Der Täter namens Durkots ist entflohen, zwei Mitschuldige konnten verhaftet werden. Die Diebe hatten den Sprengstoff an Personen verkauft, die ihn zu F i s ch f a n g Vertvendeten. Rach zmaazig Jahren Spezia, 9. April.(Stefani.l Der Dampfer „Bciareo", der einer italienischen BergungSgcsell- schaft gehört, ist nach Kap Bon in Tunis ausgelaufen, tvo er eine Ladung Zinn und andere Metalle ans dem Wrack des britischen Dampfers „G l a n a r t n y" berge» soll, der im Weltkriege untergegangen tvar und unweit der afrikanischen Küste 225 Meter tief auf dem Meeresgründe ruht. Der BerguugSdampfer führt besondere Riescnlampen an Bord, die den Meeresboden beleuchten sollen. Die 20 Mann starke Besatzung ist mit zwei Tanchcranzügen ausgerüstet, mit deren Hilfe man eine Tiefe von 800 bis 400 Meier erreichen kann. Sine Baade von Meisterfälscher» Warschau, 9. April. Die Warschauer Polizei verhaftete mit Hilfe der aus Loudon eilige- troffencn Beamten von Scotland gard a ch t Mitglieder einer Fälscherbandc, welche gemeinsam mit den in London verhaftete» drei polnische» Staatsbürgern Neumark, Popiclcc und Turck hauptsächlich auf der Londoner Börse und auf dem englischen Geldmärkte falsch eObli- g a t i o ne» der polnischen Ausländsanleihen insbesondere der 7prozentigcn Slabilisicrungs- anlcihc, sowie falsche Aktien der fiktiven Naphthagesellschaftcu in Persien und im Kaukasus in Umlauf setzten. Die Warschauer Poli- zciorgane konnten die Fälschcrwcrkstätte aufdecken, in welcher die falschen Effekten hcrgcstcllt und mit Hilfe von Soiiderkuricren via Danzig nach London gebracht lvurdcn. Außerdem wurden von der Fälscherbande auch falsche Dollar- undFrancö- Noten verfertigt und in Umlauf gesetzt. In Verbindung tsiit dieser Affäre Iverdcii die Verhaftungen unter den Mitgliedern der Bande fortgesetzt. Unter den bereits verhafteten acht Mitgliedern der Bande befinden sich deren Anführer Majeran und Parket. Die polnischen Gerichtsbehörden werden an die englische» Behörden das Ersuchen um Auslieferung der in London verhaftete» Fälscher der polnischen i Staasanleihcn richten. «eite S „Sozialdemokrat Mttw-ch, 11. April 1934 Nr. 84 PRAGER ZEITUNG 1252525252525252525252.' FRANZENS BAD A« 252S2LMLL5252LM5L vorträge i, btn 10. Jah- macht nicht glück- ganzen Abend in seit vielen Tagen zum Beispiel durch charitativc Vereinigungen mit und mit Ministersgaitinnen bekannt. Das wäre ein Anfan«. Ja, ich will cs versuche». An diesem Abend«in« Florian Bunzel vergnügt zu Bett und bereits am folgenden Morgen begann er mit seiner neuen Tätigkeit. Er stellte Listen berühmter Menschen zusammen und es gelang ihm, noch ain gleichen Tag das Autogramm des Erzbischofs zu bekommen.. Bon nun an war sein Leven ausgefüllt. Er lvanderte durch die Stadt, stieg unzählige Treppen, lag wie ein Jäger auf der Lauer, tvenn er durch die Zeitung erfuhr, daß ein berühmter Mensch, einerlei, ob männlichen oder weiblichen Geschlechts, in seine Vaterstadt kani, sag in Hotelhallen, bestach die Portiers, wartete au Bühneneingängen,— holte sich dabei mehr als einen Schnupfen— und freute sich abends daheim über die neuen Autogramme im Album. Er wurde mit der Zeit immer schlauer; cS gab Menschen, die so erhaben über der Menge standen, das; er bei ihnen njcht vorgelasscn wurde. An diese richtete er-Bitt- gesuche, ja, er kaufte sich sogar ein Reimlexjko» und schrieb Gedichte auf die hohen Persönlichkeiten, die auch tatsächlich manchmal mit eigenhän-' diger Unterschrift das Gesuch ablehnten, oder sich> für daS Gedicht bedankten. '(Schluß folgt.) lieber die Sozialversicherung in der Krise spricht im Sozialen Institut der Tschechoslotvaki- schcn Republik, Vortragssaal des Fürsorgeministeriums, Prag ll. Palacksho nam. 4, Donnerstag, den 12. April 1934, um halb 8 Uhr abends Univcrsitätsprofessor Dr. Emil Schönbanm. Parteiorganisation gesund ist. Genosse Abgeordneter Haekenberg sprach in einem tiefschürfenden Referat über die Politik der Arbeiterklasse und fand mit seiner Darlegung die allgemeine Zustimmung der Konferenz. Auch in Mähr.-Schönherg fand am 8. April die Bczirkskonferenz statt, die von Gen. Schreier eröffnet und geleitet wurde. Bemerkenswert war eine Ansprache des Vertreters der tschechischen Bruderpartei, des Gen. R o k n s e k, der die Wichtigkeit der Znsamnienarbeit beider sozialdemokratischer Parteien in dieser Zeit betonte. Der Bericht deS Be- zirkSsekretärs Gen. Vierer lässt eine erfreuliche Entwicklung der Bczirksorganisation erkennen. DaS politische Referat erstattete Gen. Abg. Taub, der, stürmisch begrübt, in etwa zweistündigen Ausführungen den harten Kampf, in dem die Arbeiterklasse der Welt und besonders in unserem Staate steht, unter deni ständigen Beifall der Versammlung schilderte und die Funktionäre der Partei zn vermehrter Arbeit aneiferte. Die Konferenz legte in einer Resolution, nebst dem Dankan Gen. Dr. C z ech fest, daß die Taktik der Partei den Notwendigkeiten der Zeit Rechnung trägt und von den Arbeitern verstanden und gebilligt wird. vchs reich« Heilmittelschatz(Eisenmineralmoor, Mineral- und Glaubersalzquellen) des Weltkurortes der„neuen' Dienst- Wegen dieser unerhörten der Zcntralverband der in Prag entschlossen, Strafanzeige gemäß was auch geschehen ist. der Tie Bcrsicheruugö-A.-G.„Merkur" im Kampfe mit ihren Angestellten. Die Direktion der „Merlnr" Bers.-A.-G. unternimmt, statt sich dem Geschärte zu widmen, fortlvährende Angriffe auf die Rechte der Angestellten. Nun will sie sogar eine sogenannte„neue"— d. h. ungemein verschlechterte Tiensrpragmatik diktieren, nach lvelcher die Angestellten Überhaupt keine Rechte mehr hätten. Trotzdem die zuständige Angcstclltenorganisation der Direktion lveitgehend entgcgengckonunrn ist, setzt der Inspirator all dieser Vorkommnisse, Dr. D n b s l h, seine Diktatur fort. Er begnügte sich nicht damit, ans zlvei Angestellte„entsprechend" cinznlvirkcn, um sic zum Austritte ans ihrer Gc« lvcrkschast und Annahme der sogenannten neuen DleNstpragmatik zu„bewegen", sonder» tat dasselbe auch in Brünn und jem bat er unter tätiger Mithilfe eines ehemaligen„Auch"-Angestelltenvertreters, des DirektorstcllvcrtrctcrS Stieß, zwei junge, vom Präsenzdienst znrückgekehrte Angestellte zur Unterzeichnung der„neuen" pragmalik gezlvungcn. Vorkommnisse hat sich Versichcrungsangestclltcn gegen Dr. Dnbsln die S Tcrrorgesetz zu erstatten, Außerdem lvurden lvegen der vertragswidrigen Kündigung von vier Angestellten Klagen clu- gereicht. Bezugsbedingungen: Bei Zuslevung lnS HauS oder bet Bezug durch die Post monatlich Kü 10.—, vierteljährig l<ü 48.—..halbjährig Kü 96.—, ganzjährig Kö 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei ortete» Einschaltungen Preisnachlaß.■— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankalur wurde von der Post- und Telearavben- virektion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1980 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-B., Prag. bfinflt bei Frauen- e. DanltWM, Qkkt, Mwum«, Magen*, Darm-, lafcar* und Steffwaahaelkrankhelten, Dlabataa, Erkron* Imngan der Klara und Harnargana, das»lute« and der Karvea tauaaiKKdi erwleaenen HeHerfalg. KurzeH 1. Mai bis Mitte Oktober. Auskünfte und Prospekte durch die Kurverwaltung. Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. Albrecht Dürer-BermächtniS, Lichtbildervortrag von Dr. Mar Teri am Dienstag, den 17. April, um 8 llhr abends im HandwcrkcrvereinSsaale, ehemalige Urania, Smeikh 22. Karten bei Optiker Deutsch und Wehler(Alsa-Passage). filme in Frager LldrtsplelhRusem d!S einschließlich Donnerstag, den 12. April. Urania;„Die Schlacht".— Adria:„Annette im Paradies".— Alfa:„DonnerüberMexj- k o".— Avion:„Nackt wie der Adam".— Fenix: „Ihr lehier Rekord".— Flora:„Die goldene Katharina".— Hvkzda:„Annette im Paradies".— Julis:„Triumph eines großen Diplomaten".— Kinema: Journale, Groteske, Reportage(halb 2 bis halb 8).— Koruna:„London um Mitternacht".— Koiva:„AuS dem Regen in die Traufe".— Okhm- pie:„Dfere".— Passage:„Bubi".— Praha:„Der Schuß im Panzergewälbe".— Tkaut:„Die Schlacht".— Svktozor:„Bubi".— Arademia: „Kathari.ua die. Braße".— Bajkal:„Liebelei".— Pefvedere:„Das Häuschen in Emaus", >— Besetze:„Die sechs Frauen Heinrichs des Achten". — Carlton:„Die goldene Katharina".— Favorit: .Liebelei".— Macetka:„Der ewige Jude".— Sport:„Katharina die Große",— Balde?: „Die goldene Katharina".• Aas dar Partei Be-irksorganifatlorr Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Jahresversammlung am Freitag, den 13. April, um 8 llhr abend- im großen Saale deS Gewerkschaft-hansrS, Berg- steitu.. u... Tagesordnung: Protokoll, Berichte, Neu- ivahlen, Anträge. Zutritt nur gegen Vorweisung der Parteilegiti- mation. Sitzung der Bezirk-Vertretung anl Dienstag, April, nm 8 Ilbr abends im Parteiheim. | scheu gut gewesen war, hatte er doch keine wirk-1 den Großen der Erde zu schaffen hat, aber ich bi» [ fidiCll Jrtllltbt. I 3 i,m Deisnipf hnrdh 91prpintmitmi>n mit An einem trostlosen Novemberabend, da der s Kirchenfürsten ! Wind durch die enge Gasse heulte und die Regen tropfen klatschend gegen das Fenster schlugen, holte Florian Bunzel das Autogrammalbum her vor und begann darin zu blättern. Eigentlich war eS ja ganz interessant. Unter dem schönen Spruch „Ueb immer Treu und Redlichkeit" stand der Name eines Iveltbcrühmten Hochstaplers. Ein gro ßer Munitionsfabrikant verkündete mit ordentli cher, fast weiblich zarter Schrift:„Friede auf Er den allen, die eines guten Willens sind." Ein Staatsmann, der nun schon bereits das vierte Mal die Partei gewechselt hatte, schien sich alö>Motto erwählt zu haben:„Sei getreu bis in den Tod." Und ein berüchtigter Schieber hatte mit kühnen Buchstaben, die fast eine ganze Seite einnahmem geschrieben:„Reichtum allein lich." Florian Bnnzel las den dem Album; zum ersten Mal langweilte er.sich sticht. Er bedauerte nur, daß das Album nicht voll war; er zählte fünfunddreißig große leere Seiten. Eigentlich, müssten auch die »och mit berühmten Namen gefüllt werden. In Florian Bnnzel.erwachte der Gedanke: wenn ich anfingc, Autogramme zu sammeln, wenn ich das Lebenöwerk des seligen OnkelL vollendete? Frei- I lich bin ich nur ein kleiner Mann, dxr wenig mtt Tante ES war keine glückliche Idee, diesen englischen Film zn importieren. Wir können nnS angesichts dieser kindisch übertreibenden Spässe einer verrücke ten alten Jungfer, die sich als Revnestar inS Herz eines Theaterdirektors einschleicht(der aber seinerseits agx lein echter Direktor, sondern,»in ehemaliger Gasigster ist), allenfalls hin und wieder ein mühselige» Lächeln abnörigen— denn hier ist alles nur drastisch, wa« wibig sein sollte, und alles nur clownhaft, waS zur Groteske werden möchte. Daß nichts an dieser Handlung ernst ist, bedeutet für uns noch nicht, daß sie lustig ist. Der Regisseur W h e l a n hat diese Handlung zum Anlaß für ein paar raffiniert gemachte Revueszenen benützt: da wird getanzt und gesungen, da werden Kostüme und blanke Körperteile zur Schau gestellt— aber daS bat eS im Film schon so ost gegeben, daß es nicht einmal den Reiz der Neuheit hat. lind auch der Star diese- FilmS,- Cicely C o u r t n e i d g e, hat nicht viel von solchem Reiz. Auch die Amerikaner haben schon ohne Erfolg versucht, ihren Geschmack au ältlichen tveiblichen Clown- ! durch den Film in der Welt zu verbreiten. Dabei läßt sich nicht leugtten, daß diese komische Cmirtneidge in ihrem Genre Beträchtliche- leistet: sie hat, waS sich vor allem in der virtuos gemachten Apachentanzszene zeigt, ein großes artistisches Können, und sie bat auch Temperament und manche parodistischen Wendungen. Aber das alles reicht nicht aus, um uns mit dem Thp, den sie darstellt, zu versöhnen: ein Tvp, der so ungefähr eine Mischung aus Annv Ondra und der kesse» Berlinerin Claire Waldoff darstellt, aber weder die zierliche Jugend der einen noch die mimische Schärfe der anderen hat. —eiS— ■ in« I OScrou» wirksame Prova» aanda ttt beule btm modernen äclttdtllmann In der Anssis« In bla tzaub aeeeben. Sie I io 11 f t am mellten in 18181« lern der oraan. SlvCcilec unb arbeitet für Ibn, ebne vast er oro»e ttu-Iaaen bai und— btt ÄlöNlaNe— Trsotgbatge imm«rl Spart• Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Sport »•hiNWttie« Führer de« Sport» im Dritten Reich. Der Reichssportführer Tschammer-Osten bal nach einer Meldung deS„Prager Montagsblattes", mit den ihm unterstehenden gleichgeschalteten Sportverbänden und dereir Führer seine liebe Not. In dem Brandenburger Fußballverband gibt es derzeit eine Affäre, die in der offenen Feindschaft zwischen zlvei„Führern" besteht. Es können sich näni- lich der Berliner Gauführer Professo, Glöckler und der K a s s i e r H ö l z k e n deS Verbandes nicht„einigen". Der Pg. Kassier hat her auSgefunden, daß dem Pg. Professor dieser Titel nicht gebühre und dem„Professor" wurde deshalb ein Disziplinarverfahren aufgehalst. Stach dem schönen Sprichwort:„Wie Tu mir, so ich Dir" ging der Pg.„Professor" nun daran, dem Pg. Kassier die Kasse zu revidieren und siehe da— es fehlte an allen Ecken und Kanten und der Pg. Kassier muhte nun inS Kittchen wandern. Lmiter„Ehrenmänner"— auch im Sport... Bürger Bunzel gewinnt den Glauben ans Vaterland wieder i i Von Hermnnia Zur Mühlen Florian Bunzel war bis zu dem Tage, da ihm die unheilvolle Leidenschaft befiel, die seinen ganzen Charakter verändern sollte, einer der gü- ligslcn, sanftesten Menschen der Welt. Schon als Kind hatte er cs nie übers Herz gebracht, ein Tier zu guälcn oder einen schwächeren Kameraden zn verprügeln; später schauderte er, wenn er von Hinrichtungen las, und der Weltkrieg hätte ihm veinahe das Herz gebrochen. Er stellte sich nie die uralte Frage: wer ist mein Nächster, sah er doch in jedem, wer immer und was immer er war, den Nächsten, dem geholfen werden musste. Er liebte die Menschen, alle Menschen, und liebte auch die Tiere. In die Falle geratene Mäuse fütterte er die ganze Woche hindurch und brachte sic am Sonntag aufs Land, wo er sie freilich. In seinem Bureau war er bei allen beliebt, lvcuuglcich sich die Kollegen heimlich über ihn lustig machten und ihn einen„guten Patsch" nannten. Parteitonferert-e« Tie Bezirk-arganisation Eger hielt ihre reokonferenz Sonntag, den 8. April, bei außerordentlich gutem Besuch ab. Nach der Eröffnung der Tagung durch Gen. D e i st l e r wurde der Bericht über die Tätigkeit nnd Entwicklung der Bezirkspartei, die sich trotz der wirtschaftlichen Not gut gehalten hat, erstattet, lieber die politische Situation | sprach Gen. Tr. Wiener. Prag. Seine AuSfüh- i runge» fanden ungeteilten Beifall. Tie Bezirkskonferenz für den Bezirk Frriwaldau fand ebenfalls am vergangenen Sonntag statt nnd war weit stärker besticht, als ähnliche Konferenzen. Allen Schwierigkeiten zum Trotz wurden, wie ans dem Tätigkeitsbericht hervorging, im Jahre 1933 150 neueParteimitglieder ge» «Wonne n nnd auch die übrigen Ziffern über die ! Bewegung im Freiwaldauer Bezirk, die in dem Be- ' richt genannt wurden, liefern den Beweis, daß die Literatur „Tie Wahrheit."„Berlin lügt— das Tagebuch ist echt." Unter diesem Titel hält Kapitän- leutnant Helmut Klotz in der eben erschienenen Nummer der„Wahrheit" eine vernichtende Abrechnung mit der in der letzten Zeit gegen die„Wahrheit" von Berlin aus unternommenen Razzia. Ferner bringt diese Nummer interessante weitere Details über den Gocbbelsschcn Feldzug gegen„Tic Wahrheit". Weitere Beiträge: Josef Wcchsberg: „Malabar Street", Justin Steinfcld:„Diagnose de» Streikfiebers in USA.", I. K.:„Die lvcißcn Gespenster", Eli Elkana:„Der Amboß", Pierre:„Die siebzehn", solvie die ö. Fortsetzung der sensationellen Memoiren„Tagebuch eines Reichswchrgenerals" ustv.„Die Wahrheit" ist in allen Trafiken und Zei- tungSverschleißen oder direkt bei der Verlvaltung, Prag l., Revolukni 3, erhältlich. Tclephonnummcr 001-74. Neueinlrctende Abonnenten erhalten die bereits erschienenen Memoiren auf Wunsch gratis nachgelicfcrt. hatte, ging in Konkurs, und Florian Bunzel hätte I in seinem Alter bestimmt keine Arbeit mehr gefunden. Er erbte aber nicht nur Geld, sondern auch daS verhängnisvolle Album, das sein ganzes 2c> bcn und Sein allmählich veränderte. Der selige Onkel lvar nämlich ein Autogrammsammler ge- wcsen und in dem elegant gebundenen Album staudcn berühmte Namen, schön nach Rubriken geordnet: Maler, Schriftsteller, Musiker, Staatsmänner, berühmte Verbrecher, Mitglieder der hohen Geistlichkeit aller Konfessionen— leider fehlte, der Dalai Lama,— Schauspieler und Schauspielerinnen, große Philanthropen, knrzum alles, was nt dieser Welt einen Ruf errungen l hatte. Anfangs interessierte das in Saffian geschaffene Album Florian Bunzel nicht.■ Er stellte eS in den Bücherschrank und vergaß eS. Die erste Zeit genoß er seine Freiheit; cs war angenehm morgens länger schlafen zu dürfen und nicht die schönen Sommertagc in einem dunklen muffigen Bureau verbringe» zu müssen. ES war köstlich, lange Ausflüge zu machen, die Heimat kennen zu lernen und ihre Schönheiten zu genießen. Aber der Sommer verging. Trübe ! Herbsttage hüllten die Stadt in graue Traurigkeit, und Florian Bunzel, der gewohnten Arbeit bc- Mit sicbennndfünfzig Jahren machte er eine raubt, begann zu langweilen. Er ging nicht gern kleine Erbschaft, was ein Glück war, denn die ins Kaffeehaus, weil der Rauch seine Kehle an- Firma, bei der er viele Jahre hindurch gearbeitet griff, und obgleich er ein Leben lang zu allen Men- Kunst und Wissen Das IV. Philharmonisches Konzert im Teutslhen Theater Ivar in seinem ersten Teile Beethoven gewidmet. Am Anfang stand dessen Zweite Symphonie, die durch ihre noch Mozartsche Lieblickikcit und Anmut fesselt und dennoch gerade im Larghetto schon den fast vollzogenen liebergang Beethovens zum eigenen gedankeu- nnd ausdrncksticfen Stil mit Ehrfurcht nnd Ergriffenheit erkennen läßt. Unter Pro- iessor Georg SzöllS Stabführung, die nur der grandiosen Einfachheit des Werkes zn dienen bestrebt war und es in durchsichtigster'Klarheit erstehen ließ, hinterließ eS einen starken, hochkünstlerischen Eindruck. Die Philharmoniker deS Deutschen Theaters brillierten hier durch schönen Ton, wie bei dem nachfolgenden Klavierkonzert durch vorbildliches Sich-Anschmiegen und wie schließlich auch fpäter hei Liszt durch virtuose Technik; nur den zweiten Geigen täte etwas mehr Selbfthewnßtsein gut. In jeder Hinsicht im Mittelpunkt des Programms stand Beethovens fünftes, letztes, reifstes und großartigstes K l a v i e r k o n z e r t in E S- D u r. Am Flügel saß einer der ersten Pianisten unserer Zeit, Rudolf Serkin. Die Vornehmheit seines Anschlags, das Kantable seines Tons, die vollendete technische Meisterung, vor allein«her die liefe Auffassung und durchgeistigte wie innigst be- seelte Gestaltung, sein geradezu bildhaftes HerauS- musizieren ans dem Werk im Zusammenwirken mit der Kongenialität Szölls und des vorbildlich sich ver- scnkendcn, anpasscnden und dann wieder in den Vordergrund tretenden Orchesters verbreitete im ganzen Hause eine ideale Beethoven-Stimmung, wurden zum unvergeßlichen Erlebnis einer weihevollen Stunde, für die sich auch dann vor allem natürlich der große Pianist ungewöhnlich lang nnd herzlich bedankt und gefeiert sah. Leider klang der Abend ganz anders aus. als er einbegleitei und auf feinen Höhepunkt geführt ward:\ nämlich mit Franz Liszts„M azepv a". Wenn! man erwägt, daß Beeihoveno Es-Tnr-Klavierkonzert seinerzeit, ivenn auch ganz falsch, in die Nähe der I „Militärkonzerte" zn rücken versucht wurde, und wenn man vorlviegend an den heroisch charakierisier- ien Teil diese? Konzerts denkt, so wag vielleicht gedanklich der Abschluß eines solchen Abends mit der veiont martialischen„snmphonischcn Dichtung" Liszts nicht als so abwegig erschienen feilt. Aber gerade weil daS Bcethovensche. Klavierkonzert in der Jntcr- I vretation durch Serkin und in der Gesamtgestallung durch alle Mitwirkenden so wunderbar erwiesen hatte, wie himmelweit Beethoven hier wie überall und ausnahmslos voll jeder Theatralik, von jeder Suche nach Effekt entfernt ist, mnßkß die blanke Aenßerlichleit der Lisztschen Erfindungen, mußte sein protziger Klangapparat, der in soschem Gegensatz zu der Armseligkeit des seelischen Inhalts steht, ärgerlich, verstimmend und peinlich wirken. Leider fanden sich I etliche Zuhörer nach Ablauf der„Mazcppa"-Geräu- schc, zweifellos immer noch unter dem Eindruck der himmlischen Beetyovenschen Musik und des unvergleichlichen Spiels Serkin-, veranlaßt, ihrer tlnlnst über die schlechte Wahl dieses Programni-AbschlitsseS durch Zischen Luft zu machen. Vermutlich handelte j eS sich da um Menschen, für die„Mazeppa" eine Premiere war— also nicht gerade um die kompe tentesten.Kouzertbcsncher, deren Verhalten auch nach I jeder Richtung verurteilt werden muß. Aber einerseits vermochte diese Episode, keineswegs dem Abend etwas voll seinkr Größe und seinem ungewöhnlichen Wert zu nehmen, und anderseits dürfte auch hier das Schlimme nicht ohne gute Seite sein: Professor Szcll wird künftighin bei der Programmbildung ver- nmtlich noch rigoroser sein— und den„Mazeppa" werden wir uns in diesem Hause nicht mehr anhören müssen. L. G. Wochenspiekplan des Renen Deutschen Theater-. Mittwoch, Gastspiel Ernst Deutsch:„Die Gefangene" lB. 1).— Donnerstag:„Die kleine Katharina"(El).— Freitag, neuinszeniert: „Eiu MaSkenba 11" lD 1).— Samstag, neuinszeniert:„Sic l>istige Witwc". lA 1.) Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Heilte Mittwoch:„K o s in e t i k".— Donnerstag: „Kosmetik".— Freitag:„Gaskein"(nur zlvei Preise ssc 0.— und KO 12.—).— Samstag: Nraufführung:„S ch i ck s a I" von Robert Sandek.