14. Jahrgang Nr. 89 Dienstag, 17. April 1934 IRNTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii„ fochova«. teiefon non.‘Administration telefon sw«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. ElRZBlprelS 70 HfHer (•imchlieOlich 5 Heller Porte) Gesteigerte Ausfuhr Kräftiger Aufschwung Im PIArz Prag, 16. April. Der Atlssenhandelsbc- richt des statistischen Staatsamtes weist für den Monat Marz 1934 eine AnSfnlir von 632.3 Millionen und eine Einfuhr von 570.9 Millio- neu XL ans, was grgennbrr dem gleichen Mo-> nat des IaljreS 1933 eine bedeutende Besserung nicht nur in Bezug auf da» Volumen des Austenhandels bedeutet. Im März 1933 betrug die Ausfuhr 475.1, die Einfuhr 455.5 Millionen XL. Die Handelsbilanz ldeö reinen Warenverkehrs) war demnach im März 1933 mit 19.6 Millionen aktiv, während das Aktivnm im heurigen März 61.3 Millionen betrug. Die Ausfuhr ist also gegenüber März 1933 nm 157.2 Millionen XL oder nm 33 Prozent, die Einfuhr nm 115.4 Millionen XL oder nm 25 Prozent gestiegen. Zur günstigen AnSfnhrhandelsbilanz trägt in stärkstem Maste der Export von!rcr« tigwaren lSteigernng von 334 auf" 459 Millionen XL) bei, während die Steigerung der Einfuhr fast zur Gänze auf den Import von Rohstoffen zurückzuführen ist. Beide\ Tatsachen nnterstübcn den günstigen Eindruck| einer wenn auch noch nicht allzn großen Wirt-! schastsbelebung, deren zeitliches Ansammcnfallrn mit der Devalvation der Krone sicher nicht ganz zufällig ist. Finnig verringerter Großhandels-! Inder ■ t Der nach dem Stande vom 1. April 193-1 ermittelte Index der Großhandelspreise weist einen unbedeutenden Rückgang um 0.5 Prozent, von 660 auf 003 aus. Der Index der NahrungS- und Gcnußmit- tel verringerte sich um 0.0 Prozent von 055 auf 651. Der Index der Industricstosfe und -erzeugnisse bleibt beinahe unverändert, er beträgt 680 gegenüber 090 im März. WaS die tierischen Nahrungsmittel betrifft, so verteuerte sich Kalbfleisch um 2 Prozent, Butter um 0.1 Prozent und Eier um 0.3 Prozent. Dieses Prcissteigen wird jedoch durch den Preisrückgang von Schweinefleisch um 2.4 Prozent und Schöpsenfleisch um 17.0 Prozent sowie inländischem Schweinefett um 12 Prozent und| ausländischem um 3.6 Prozent ausgewogen. I NederNsNe suche noch der„Arbeiter-Zeitung Wien, 16. April. Wie man jetzt erfährt, hat sich die Polizeiaktion von» letzten SamStag hauptsächlich gegen die Kolportage der Brünner»Arbeiter-Zeitung" gerichtet, die in einer geradezu überraschend hohen Auflage in Oesterreich verbreitet, wird. In den letzten Tagen wurde zur Nachtzeit auf allen von der Grenze nach Wien führenden Straßen sowie au der Wiener Stadtgrenze eine Autokontrolle duchrgcführt. Samstag morgens wurde bei Hollabrunn ein Auto mit 23.500 Exemplaren der„Arbeiter-Zeitung" angchalten und die Insassen verhaftet. Weiters tvurdc in der Sonntagsnacht in Schwechat ein von Wolfsthal an der tschechoslowalischcn Grenze kommendes Auto mit 5000 Exemplaren der Folge 8 der„Arbeiter-Zeitung" sowie mit Briefen und Flugschriften angchalten. In beiden Fällen lvurden die Insassen festgc- nommcn. In Wien lvurden 30 Personen verhaftet, in denen man Kolporteure der illegalen Schriften vermutete. Sie wurden von der Polizei mit Strafen bis zu sechs Monaten belegt. Ein Teil der Verhafteten soll nach Verbüßung dieser Strafe noch toegcn Hochverrat belangt werden. Am Sonntag wurden aus dem Franz-Ioscs- Spital in Wien dreizehn prominente Hakcnkrcuz- lcr, die vor einigen, Wochen aus dem WöllerSdorfcr Konzentrationslager wegen Ruhrerkrankung eingeliefert worden waren, in Freiheit gesetzt, und zwar gegen das Versprechen, nicht in Wien zu bleiben, sondern auf dem Lande Aufenthalt zu nehmen. Unter den Enthafteten befindet sich auch der Bruder des Wiener HalcnkreuzführerS Frauenfeld. kiede unseres?arteivorsitzenden Oenossen vr. Czech auf der Karlsbader Kreiskonferenz den Staat und seine demokratischen Einrichtungen V Mit allen Mitteln verteidigen Anläßlich der Tagung der Wahlkreis-! organisation Karlsbad unserer Partei, die am Sonntag, den 15. April, in Altrohlau bei Karlsbad stattsand, hielt der Vorsitzende unserer Partei, Genosse Dr. Czech ein Referat, in dem er eine Reihe aktueller innen- und außenpolitischer Probleme besprach und auS dem wir das Nachstehende wiedergeben:. Eine gewaltige Fülle schmerzlichster Ereignisse ist in letzter Zeit auf die sozialistische Arbeiterklasse eingcstiirmt, hat sie seelisch auf das Schwerste aus- gewühlt und vor eine ganze Reihe banger Fragen und gewaltiger Aufgabe» von schicksalsschwerster Verantwortung gestellt. Tie sozialistische Arbeiterklasse unseres Landes versteht es sehr gut, daß alle Ereignisse, die sich anßerhalb unseres Staates abspiclcn, auch sie in ihren Bannkreis ziehen und auch ihr Schicksal mitentscheiden. Nur so erklärt sich die Bestürzung..nsercr Arbeiterschaft Uber den fascisiischcu Einbruch in Oesterreich. Unsere Arbeiterschakt begriff sofort, WaS hier für den Sozialismus, was hier für da» internationale Proletariat, was hier für sie selbst und besonder- auch für den tschechoslowakischen Staat auf dem Spiele stand, der nach der österreichischen Katastrophe in Mitteleuropa, im Herzen Europa?, zur einzigen Rettung-insel der Demokratie wurde und begreiflicherweise allen Feinden der Demokratie und allen Gegnern der sozialistischen Arbeiterklasse ein Dorn im Auge ist. Die Außenpolitik AuS dieser Erkenntnis ergibt sich für die sozialistische Arbeiterschaft unsere- Landes eine ganze Reihe schwieriger Aufgaben, die nicht nur den inneren Bereich des Staates betreffen, sondern auch auf das Gebiet der Außenpolitik fallen. Der Kampf gilt vor allem der in letzter Zeit geradezu in- Wahnsinnige gesteigerten Ausrüstung der Staaten und Völker. Die internationale Abrüstungskonferenz, die eben wieder zu fortgesetzten Beratungen zusammcugctreten ist, fristet nur noch ein Scheindasein, denn alle Bemühungen, auch nur zum bloßen Verbot der weiteren Aufrüstung zu gelangen, habe» sich als vollkommen aussichtslos erwiesen. Schon der bloße Bestand eines bis an die Zähne bewaffneten Europas ist, wie es die Arbeiterklasse immer wußte und heute erst recht versteht, eine der größten Gefahren für den Frieden. Der bloße Gedanke, daß die ganze Welt ein einziges großes Pulverfaß darstellt, dessen Entzündung angesichts der heutigen Entwicklung der Kricg-technik das ganze Leben von Völkern zu vernichten vermag, kaum noch seelisch zu ertragen. Daß die zivilisierte Menschheit neuerlich in einen so qualvollen Zustand versetzt wurde, ist da- Werk des FaseiSmuS, der dir begonnene friedliche Entwicklung Europas jäh unterbrochen und eine ganze Reihe gefährlichster Brandherd« in Europa geschaffen hat. Darum müssen alle demokratischen Kräfte Europas, vor allem aber die internationale sozialistische Arbeiterschaft zum Kampfe gegen den FasciSmuS aufgerufen werden, in dem sich die Bedrohung des Frieden- geradezu verkörpert. Der FafeiSmuS ist heute das größte, fast möchte ich sagen da- einzige Hindernis für den Abbau de- Völkerhasses, für die Wiederannäherung und Verständigung der Nationen, fiir die Normalisierung der Wirtschaft, für die Wiederkehr der Freiheit. AuS den schtvecen Gefahren heraus, die die arbeitenden Menschen umgeben, halten tvir es für nnserc Pflicht, ihnen klarznmachcn, wie sehr gerade in diesem Augcnbljcke die Zusammenfassung aller im Volke.wirkenden demokratischen Kräfte, der engste Zusammenschluß mit allen jenen Schichten der Bevölkerung notwendig ist, denen, eine friedlich« Entwicklung der Welt und die Sicherung der Demokratie am Herzen liegt. Mit ihnen gemeinsam, vor allem aber in engster brüderlicher Kampfgemeinschaft mit den sozialdemokratischen»ruderpartelen unseres Lande-, will unsere Arbeiterschaft den Staat und seine demokratischen Einrichtungen, die Demokratie, die Freiheit, die politischen, tvirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften mit allen zu Gebote stehenden Mitteln verteidige«. Gegen die Arbeitslosigkeit i Fe resoluter wir anf die Zusammensetzung aller demokratischen Kräfte hinarvcitcn und je rascher wir sie bewerkstelligen, um so entschiedener werden wir die große Aufgabe, die Arbeiterklasse dieses Landes aus dem heutigen Zustande des schwersten wirtschast- I lichcn und sozialen Notstände« hcrau-zuführen, erfüllen können. Daß diese Situation, abgesehen von den Ursachen, die im inneren Bereiche zu suchen sind, in sehr hohem Maße durch den vollständigen Verfall der Weltwirtschaft, durch den Zusammenbruch der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Staaten, durch die gegenseitige Absperrung der Völker voneinander , herbeigesührt wurde, muß Ivohl in diesem Kreise nicht. erst au-einandergcsevt werden. Darum läßt die im internationalen Maßstabe sichtbare, in unserem Staate aber vorläusig nur langsam aufflackernde wirtschaftliche Besserung auch eine günstige Einwirkung auf unsere Wirtschaft und eine, lvenn auch noch langsamere Wirtschastsbe- lebung erhoffen, wenn cs gelingen sollte, die alljährlich in dieser Zeit wiedcrkehrende Saisönbesscrung durch innere Maßnahmen und Vorsorgen zu vcrstär- i fc». Diesem Zwecke dient eine ganze Reihe von staatlichen Vorkehrungen, die znm Teile bereits durchge- j führt, zum Teile augenblicklich noch im Gange sind, i Durch eine Währungsregelung, durch eine Kredit- I auslockcrnng und Ermöglichung einer größeren Geldflüssigkeit, durch den Abschluß vou Handelsverträgen mit einer Reihe Vock Staaten, mit denen angenblick- lich Vertragsverhandlungc» im Gange sind, durch die endliche Herstellung normaler Verhältnisse mit Sowjcnrußland, soll der in den letzte» Monaten mit besonderer Schärfe zutage getrctcucn Verschlechlcruug der wirtschaftlichen Verhältnisse gesteuert werde«. Wenn es dem Drängen des Fürsorgeministcriums und der sozialistischen Parteien gelingt, diese wirtschaftlichen Vorkehrungen auch noch durch eine Reihe von sozialpolitischen Maßnahmen zn ergänzen, die auf die Verkürzung der Arbeitszeit und die Regelung des Arbcitsmarktcs, auf die Einschränkung der Betriebsstillegungen und die Verhindernng einer tvcitercn Hcr- abdrücknng der Löhne hinauslaufcn, dann könnte—- wenn auch vorläufig nur beschränkt— eine Besserung der Produktionverhältnisse erzielt werden, von deren I Neubelebung das Schicksal vieler Hunderttauscndcr darbender Menschen abliännt. Selbstverständlich muß dabei aus die Arbeitsbeschaffung ein ganz besonderer Nachdruck gelegt lverdcn. Dem Arbeiteumüiisterium, dessen kardinalste Aufgabe die Arbeitsbeschaffung ist, sind hier ganz besondere Ausgaben gestellt, von deren genauester Erfüllung die Wiedcreinstelluug Tausender und aber Tausender von Arbeitern in den Produktionö- prozeß abhängig ist. I Darum hat das Arbeitenministcrium die strengsten Vorkehrungen getroffen, daß bei allen, vom Staate subventionierten Arbeiten oder Bauten die genaue Zuhaltung der Beschlüsse des Ministerratcs auf Einführung der 40-Stundcnwoche übertvacht und von dem Nachweis der Erfüllung dieser Bedingung die Flüssigmachung der staatlichen Zuwendungen direkt abhängig gemacht tvcrden. Das Ärbcitenministerium ist auch darauf bedacht, daß die Ausnahme von Arbeitern fortab ausschließlich durch die örtlichen Arbeitsver« mittlungSanstaltcn und au- den Reihen der im Gebiete der Bauführung ansässigen Arbeitern erfolgt und daß Kollekiivverträge, ortsübliche Löhne und die Arbeiterschutzgesetze gcnauest eingchaltc» lverdcn- Diese Maßnahme» lasse» erhoffen, daß viele Tausende von Arbeitern, die bei der Arbeit-Vergabe sonst überhaupt'nicht zum Zuge kommen würden, wieder in den Nührstand gebracht werden. Auch-die mit jedem Tag immer dringlicher werdende - Fürsorge für die arbeitende Jugend soll-dabei-nicht übersehen und auch für sic durch Arbeitsbeschaffung,’ durch Siedlung-Maßnahmen nnd sonstige Vorkehrungen vorgcsörgt werden. ' Utisere Partei- weiß nur zn gut, daß alle diese Wiaßnahmen, selbst lvenn es gelingcii sollte, sie in harjW: Auseinandersetzung mit- den Unternehmerorganisationen-auch nur zum Teile zu verwirklichen, gemessen an der Größe des Leides der Arbeiterklasse, ganz unzurcichend sind. Aber bei unseren Bemühungen nach Ivcitcrer Ausgestaltung der Hilfsmaßnahmen stoßen wir nicht nur auf den Widerstand der ArbeitgÄerorganisationen, sondern vor allem anf die wachsenden Schwierigkeiten de- Staate-, an den gerade in der Zeit de- schwersten Notstandes die größten Anforderungen gestellt wurden, denen er im Rahmen seiner beschränkten finanziellen Mag tichkeiton nicht im vollrn Maße nach-,»kommen vermag. KoalitionspolltiK Die sozialistischen Parteien, besonder- die beiden sozialdemokratischen, suchen unter der größten Anstrengung das Aeußcrste für die Arbeiterschaft hcr- auSzuholcn nnd die sich vor ihnen auftürmcnden Widerstände und Schwierigkeiten mit allen Mitteln aus dem Wege zn räumen, lvobci cs vielfach die größten Auseinandersetzungen nnd Kämpfe mit den bürgerlichen Parteien setzt, die auf beiden Seiten schtver nnd opferreich sind und deren Ergebnisse daher naturgemäß den Charakter des Kompromisses tragen, bei dem sich beide Teile so manches versagen müssen, was ihnen— und das gilt vornehmlich für die bürgerlichen Parteien- sonst mühelos in den Schoß fallen würde, lvenn sie nicht mit den Sozialdemokraten die Macht teilen müßten. Aber so schlvcr auch da- Leben im Koalitionsver- bande gclvcscn ist, so sehr auch alle Erfolge der sozialistischen Parteien dnrch große Zugeständnisse erkaust werden mußten, muß die sozialdemokratische Arbeiterklasse in der Stunde, in der der Staat nnd seine demokratischen Einrichtungen, die Freiheit und die sozialen Errungenschaften des Proletariats auf dem Spiele stehen nnd der sozialistischen Arbeiterklasse auf außenpolitischem Gebiete die schwersten nnd verantwortungsvollsten Aufgaben zusallcn, auf dem Posten bleiben nnd iii der harten und mühscligeii Arbeit, die die Koalitionspolitik erheischt, im Interesse de- Proletariat- weiter aus harren. Anf dem Gebiete der Innenpolitik, solveil die Zusammenarbeit der Koalition-Parteien in Betracht kommt, ist s c i t d c r R e k o n st r n k t i o n der !>I c g i e r n n g e i n e g c>v i s s e B c r n h i g n n g c i n g c t r e t e n. Wohl mußten, lvic immer bisher^ bei der Erarbeitung von Entscheidungen größere oder geringere Schwierigkeiten übcrlvnndcn werden. Aber da- liegt ja im Wesen gerade dieser Koalition, in der sich Parteien mit so grundverschiedener wcllan- schaulichcr und klassenmäßiger Einstellung zur Zu- sammenarbeit znsannncngesundcn babcn. Angesichts der großen politischen llmwälzungen, die sich in der ganzen Welt vollzogen haben, angesichts der großen Wandlungen im Wirtschaftöpro- zeß der ganzen Welt und jedes einzelnen Landes wäre es sinnlos,'an gewissen Aeußcrlichkeiten oder Nebensächlichkeiten kleben zu wollen, die dir demokratischen Fundamente des Staatögrfügrs und die demokratischen Einrichtungen unseres politische» Wirtschaftslebens, vor allem Inhalt und Struktur unserer sozialen Einrichtungen nicht tangieren nnd der neuen Entwicklung unserer wirtschaftlichen Verhältnisse und den Notwendigkeiten und Bedürfnissen des Staates und der arbeitenden Schichten der Bevölkerung angepaßt werden könnten. Das sagt aber absolut nicht, daß wir bereit sind,, jedem Schlagworte, das in den heutigen so schwierigen und komplizierten Verhältnissen geboren oder von den falschen Freunde» der Demokratie nnd der Gegner der Arbeiterklasse ausgcheckt wurde, Gehör zu schenken. Der Ständegedanke Greifen tvir eines dieser Schlagworte, das von der bernfsständischen Gliederung der Gesellschaft, heraus. ' ES gibt kaum ein Schlagwort, daS den Leuten so den Kopf verdreht hat, alS daS von der bernfo- - ständische» Idee. Für die einen ist sie daS Allheilmittel zum geistigen und organisatorischen Neuaufbau des Staates und des ganzen Staatsapparates, für die anderen nur ein Behelf für die Eingliederung der Berufsstände in die neuen Formen der Wirtschaft. Die aufrichtigsten aller dieser Projektemacher unsere- Landes find natürlich die, die die Sache beim Schopf packen und schnurstracks aufs Ziel lossteuern, wie cs sich der italienische oder reichsdeut- sche FasciSmuS in aller Offenherzigkeit eingerichtet hat. Wohl ist die Verfassung fornicll auch in diesen Ländern auf die Idee der Berufsstände, auf die Seite 2 DIenötag, 17. April 1034 Nr. 80 Leibesübung, sondern dir völkische Kampftruppe de» wird. riir die Demokratie ange» flC» die des ein die alles geschrieben l für die der ans ein Was wird der Demokratie nicht lastet, waS nicht alles auf ihr Konto Für jede Schwierigkeit, die es auf außenpolitischem oder innerpolitischem Gebiete im Bereiche deS Par» lanienteS, in der Wirtschaft gibt, wird sie verantwortlich gemacht. Es wird natürlich niemanden von uns geben, I der behaupte» wollte, da» auch die Demokratie, wie jedes andere Regime keinerlei Vlängel ausweise, daß sie keinerlei Ergänzung bedürfe, daß sie sich nicht in dem Muhe, in dem sich die Aertziltnisse geändert haben, dieser Aenderung anpassen müsse. Aber es darf dies niemals auf Kosten der grundlegenden Ideen, die ihr innewohnen, geschehen und nur in der Richtung ihrer Vervollkommnung und nicht ihrer Einschränkung und Schwächung. Der Sozialismus hat in den zurückliegenden Jahrzehnten, die an glänzende» Erfolgen, aber auch vielfach an Rückschlägen überreich gewesen sind, immer und imnier tvieder seinen Feinden zu trotzen vermocht nnd er wird auch diesmal über sie alle triumphieren. Selbstmord der Vorgänger staviskys GroDkapUallst und Nllllonenbetrtldcr Henri Kornette Deutscher Landstand lonstiiuiert hat. An dem grundlegenden Referate■ bezeichnete Herr Minister Spina den ständischen Ge- i danken als die Konkretisierung einer tragenden Idee, die alle Teile deS Volkskörpers zusammensassen will! nnd meinte, daß die ständische Gliederung gewisse AnSivüchse der Demokratie, die er neben den Berufsständen bestehen lassen will, vor allem die Herrschaft einer bestitnmien Klasse über die Masse zum Verschwinden bringen und so zur llebertvindung des KlaiienkampsgedankeuS führen werde. Auf Grund dieser Gedankengänge hat der Bund der Landwirte den„Deutschen Landstand" für sich annektiert, Herrn Minister Spina zu seinem Bevollmächtigten ernannt und gleichzeitig— und das war die grobe lieber» raschmtg— den Fortbestand der Partei des deutsche» Bundes der Landwirte in aller Form besiegelt. Die ganze Sache war im Wesen sehr harmlos. Denn die Partei des Bundes der Landwirte hüt, nachdem sie dem Ständegedanken eine ganze Reihe von Komplimenten gemacht hatte, alles weiter beim alten gelassen, mit keinem Worte erwähnt, ob sie die verfassungsmäßige Eingliederung der Berufsstände in das Wirtschaftsleben oder gar in den Staatsaufbau verlange. Tas alles hat sie der Geschichte überlassen. Durch diese Tagung glaubte der Bund der Landwirte, der getrost weiterbesteht, sich ein Monopol auf den Bauernstand geschaffen, zu haben. Aber so einsack) ist es um diese Sache nicht. Wemt sich der berussständische Gedanke, ohne das; matt sich in der Sache weiter bemühen mühte, entfach durch Be- schluß einer oder zweier Bezirkstagungen verwirklichen läßt, dann könnte sich, da der neukonstituierte „Landstand" die Existenz des„ArbeiterstandeS" in aller Form anerkannt hatte, auch unsere heutige Tagung, an welcher die Bertreter des viele Zehntausende von Mitgliedent umfassenden Kreises versammelt sind, ebenso als„Deutscher Arbeiterstand" konstituieren und etwa den Parteivorsitzenden zum Bevollmächtigten des„Deutschen ArbeiterstandeS" auSrufen. Paris, 16. April. Die Polizei hält seit Samstag einen getvissett B r n n o t in Gewahrsam, der behauptet, das; er anfangs April mit seinem schottischen Freunde Watson nniveit Nizza von zwei Personett überfallen wurde. Beide seien betäubt worden. Als die Angreifer sie tot hielten, sagten sie, vag sie sie so wie Mörder Prinees beseitigen tviirden. Armtot, die Bewußtlosigkeit nur voriänschte, will einen der Angreifer geschossen haben, der Freund des bekanntlich wegen des Verdachtes der Beteiligung an der E r m a r d u n g P r i n e c S verhafteten Baro n L u s s a tz ist. Die Polizei legt dieser neuen Erzählung keinen großen Glauben bei und beschuldigt den Angeber deS versuchten Mordes. Der Vorfall Ivird aber nichtsdestoweniger an der Riviera polizeilich ttntersncht. ES ist natürlich ganz selbstverständlich, daß auch Herr Henlein der BerusSftände-Leim reichlich Sudetenlandes sei. Die sozialistische Arbeiterschaft hat auvslietzen läßt. Ursprünglich glaubte er, was sich da an Reaktion im deutschen Volke herumtrieb, in seiner„Volksfront" santmeln zu können, aber diese Illusion ist, wie in« zwischen auch die Idee der„Bewegung" dahinge» schtvunden. Angesichts des Weiterbestandes sämtlicher bisherigen Parteien besteht die Henlein-Front auS- schließlich aus den kridarischen Ueberbleibseln der zum größten Teile selbstaufgelösten, zum Teile aber ver-1 botenen Parteien. Da Henlein diesen Kreisen ent- lvachsen ist und bis zu dem Zeitpunkte, da er sich selbst entdeckte, ideologisch zu ihnen gehörte, brachte er die Qualitäten mit, die für den Verwalter des neuen hakenkreuzlerischen Sammelbeckens notwendig sind. Und nun beginnt das Doppelspiel. Mit eiltet« bril lanten Salto Mortale stürzte er sich kopfüber in da« Kantpfgewühl. Vor allem warf er sich— Ivie es mutt einmal heute Mode ist— auf den Marxismus, von desse» geistigem und wissenschaftlichem illeichtume er nicht einmal eine dunkle Ahnung hat und dessen AnS- rottung er sich zur Aufgabe stellte. Dann nahm er selbstverständlich den Klassetckampf aufs Korn, dessen Austilgung natürlich für ihn ein Kinderspiel ist. Naturgemäß stellt er sich sofort auf den Boden der christlichen Weltanschauung und unmittelbar daraus auch auf dett Boden der Demokratie, überflutet die Oesfentlichkeit mit LoyalitätSbezeugungen und prä sentiert sich dann in aller Form zur Negierungöteil- nahme, nachdem er noch vor kurzem— als die Natio nalsozialisten itt Deutschland zur Macht kanten— die Glocken einer neuen Zett läuten hörte und der Welt verkiindete, daß seine Turnbeluegung beileibe keine Anfangs glaubte man, dah es sich mn einen wöhnlichen Selbstmord handle, doch erklärte gleichfalls an der Riviera weilende Frau Advokaten mit aller Entschiedenheit, dah Selbstmord ansgeschlossen fei, und fordert gerichtliche Obduktion der Leiche. ES wurde fest gestellt, dah Pallotah-Kovaeö, welcher der RechtSfreund zahlreicher ungarischer Persünlich- feiten war, nach dem Aufkommen der Stavisktz« Affäre nach Paris gekommen ist. Man vermutet, dah Dr. Pallotah, der über die betrügerischen Manipulationen mit den ungarischen Optantentit- reS nnSgezeichnet informiert war, in eine Falle gelockt und ermordet wurde. Der Selbstmord im Badezimmer wäre in diesem Falle nachträglich fingiert worden, um Nachforschungen zu verhindern. Vink über vluk Zusammenarbeit der llnternehnter und Arbeiter jede? I Standes eingeiteltt, aber diese Stände erhalten ihre Gesetze von den Organen des Staates, von dessen Bürokratie oder in letzter Instanz von dessen „Fübrer", der, mag es den Berufsständen passen »der nicht, schliesslich altes selbst entscheidet. Von ganz anderen Gedankengängen gehen die bernfsständischen Reformatoren aus, die, gestützt aus die päpstliche Enzyklika aus deut Jahre 1931, zur Herbeiführung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenarbeit der Menschen nackt Bc- russständen oder berufSständischen Körperschaften ritten, die im Rahmen der Selbstverwaltung die Attseinandersetzung zwischen den Klassen dnrckt ge» nteinsatne Organisation der Arbeitgeber tind Arbeit- nehmer ermöglichen und den Klassenkampf ausschal- tett fallen. Es würde zu weit sichren, aber ein Leichtes sein, sich mit dieser Gruppe der Reformer aus» einanderzusetzen und auch ihnen klarzuntacheu, daß sie Fdeengängen nachgehen, die gewollt oder unge- tvollt zu einem autoritärett Regime sichren müssen, da, tvenn die erhoffte Verständigung innerhalb der Berussnände nicht zustandekommi, dieses System durch einen außerhalb der Berufsstände tvirkenden Faktor ersetzt werden muß.| Fm übrigen liegt der Gedanke, einer Auseinan- dersevtmg uttd Verständigung zwischen Arbeitgeber und Artzeitnelttner über die bretmenden Tagesfragen oder über gewisse grundlegende Wirtschastsprobieme ganz in der Littie der Gedankengänge, die sich unter deut Begriffe der Wirtschaftsdemokratie subsumieren lassen, mit denen sich die Gewerkschaften seit Fahr nnd Tag ernsthaft auSetnandersetzen. Doch unsere Darlegungen wären nicht erschöpfend, wenn wir nicht auch noch eine andere Seite der Frage auszeigen und damit exemplifizieren wollten, welche Verwirrung in unserem öffentlichen Leben der Ständegedanke angerichtet hat. Vier Monate sind es her, seitdem der Bund der Landwirte in einer Böhmtsch-Leipaer Versammlung sich als sofort beim Attftauchen Henleins erkannt, lvelch gefährliches Doppelspiel da getrieben wird. Sie wird dazu sehen, daß der Notunterstand, den Herr Henlein für die reaktionären Elemente aller Schattierungen zurecht gezimmert hat, raschest geräumt Paris, 1ä. Avril. Der Finanz-Gross- nnternehmer Henri Rochette hat gestern nachmittag in einem Sitzungssaal de« Justizpnlaiü Selbstmord begangen, indem er sich m i t e i n e m Rasiermesser die Kehle dnrchschnitt. Er Ist bald darauf gestorben. Henri Rochelle genoß vor dem Kriege in Frankreich die gleiche Popularität, deren sich bis vor kiirzem Staviskh erfreute, dessen V o r g ä n g e r e r a u ch w a r. Ebenso wie Tta» vif tu gründete Rochette zahlreiche Gesellschaften mit einem fiktiven Kapital und verübte Betrügereien, deren SchndenSfumme viele Millionen betrug. Rach seiner Entlassung aus dein Gefängnis setzte Rochette seine Tätigkeit fort nnd fand immer noch zahlreiche leichtglänbige Personen, die ihm ihr Vertrauen schenkten. Bor nicht ganz einem Monate wurde Rochette zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, weil er in dem Blatt„Bourse et Finanee", das erjitit noch einem Gesellschafter gegründet batte, die Zeichnung wertloser Aktien nnd„Wertpapiere" empfahl. Vor kurzem verübte RochetteSBruder Gaston ebenfalls Selbstmord. Budapester Anwalt an der Riviera ermordet... Paris, 15. April. Die gesamte Pariser Presse befaßt sich mit dem rätselhaften Tod deö bekannten Budapester Advokaten P a l l o t a y- K o w a c S, der am vergangenen Montag in Beau S o l e i l an der französischen Riviera im Badezimmer seines Hotels mit a u f g e» schnittenenAderntot aufgefunden wurde. Genossen! In den schlinnnsten Stunden, da eine Hiobspost nach der anderen aus Deutschland und Oesterreich kam, manche Genossen den Mut völlig sinken ließen, habe ich mich immer nnd immer wieder an der Kampfes- und Leidensgeschichte der Arbeiterbewegung, an der in meinem Herzen und Hirn tief verankerten lleberzeugung von der llnbezivingbarkeit des Sozialismus aufgerichtet. Wir aber, die wir in einem Lande leben, in dem der Glaube an die Demokratie in der großen Mehrheit des Volkes, der Glaube an den Sozialismus in den Herzen der arbeitenden Schichten tief verankert ist, wir haben itt diesem Augenblicke vor allem die Pflicht, die Demokratie, die uns mitten in einer Welt des Fnfeiömnö, mitten im schrecklichsten internationalen Krisenstand, den freien Lebenvalem, den freien LebenSranm für unsere Arbeit und für unsere Kämpfe sichert, daS freie Wort und die Fort- sührnng unserer kulturellen Aufgaben gewährlei stet, dem Ausstieg der Arbeiterklasse alle Entfal- tungSmöglichkeiten gibt, mit dem Einsatz oller unserer Kräfte zu verteidigen. Wir haben aber auch der Welt zu zeigen, daß der Gedanke der Demokratie nicht nur in den Ländern der alten Demokratie und in den skandinavischen Ländern lebt, sondern auch, daß mitten im Herzen Europas, das zu einem so gewaltigen Teile der Konterrevolution gefallen ist, die Demokratie lebt und daS einzig brauchbare Instrument ist, um die Geschicke der Menschheit zu lönken, damit sie nicht der Herrschaft der Gewalt auf Gnade und Ungnade verfallen. UnS fällt aber auch die weitere wichtige Ausgabe zu, dem internationalen sozialistischen Prole« tariate aufzuzeigen, daß in unserem Lande die internationale sozialistische Idee lebendig ist und sich nicht nur in der innigsten Solidarität mit unseren österreichischen und reichsdeutschen Freunden und allen Opfern des FaseiSmus verkörpert, sondern auch in der engsten Zusammenarbeit des tschechischen nnd deutschen Proletariats versinnbildlicht, desien Kampf-u.Schicksalügemeinschaft sich mit jedemTag» mehr und mehr vertieft, desien Kampsreihen immer enger aneimmderriicken und dessen Geschlossenheit dieses Land und seine Arbeiterklasse vor dem Schicksale eines saseistifchen Einbruchs bewahren wird. Genossen! ES sind, wie ich Ihnen zu Anfang meiner Ausführungen sagte, schwere Stunden, die wir jetzt durchleben. Aber wir sind uns— und das ist das Wichtigste unserer Lage, unserer Kampfes- möglichkeiten nnd unserer Ausgaben voll bewußt. Unsere Arbeiter, unsere Jugend sind heute kampfeb- entschsossener als jei Tragödien, wie die der reichsdeutschen und öfter» reichische» Genossen werden sich nicht mehr wiederholen. Einen Vorgeschmack davon haben die Feinde des Sozialismus an dein Heroismus der österreichischen Arbeiter bekommen. In unserem Lande aber steht die Arbeiterklasse, lvenn es um die Demokratie, um die Freiheit, um den Staat geht, lvenn ihr Schicksal auf dem Spiel stehen sollte, nicht allein. Wer sie angreift, wird hier auf Granit beißen! Genossen! Um unsere Zukunft geht es! An unser« Beherztheit, mi unserer KampfeSent- schlossmheit, an unserer Hingabe und Opferfreu- digkert wird es nicht fehlen! ES liegt ganz in unserer Hand, unser Schicksal zn gestalten. Unsere Arbeiterklasse steht nicht erst seit heute, sondern bereits seit vielen Jahrzehntetl im Kampffelde. Sie ist kampferprobt mid unbeugsam, sie ist hingebungsvoll und trotzig, sie ist zielbewusst und vom heiligen Feuer der Begeisterung erfüllt. Sie wird, wie sie eS bisher immer bewiesen hat, sich ihrer historischen Aufgabe gewachsen zeigen. * Die Rede, welche eine außerordentlich lebhafte Debatte hervorrief, wurde mit langanhaltendem, stürmischem Beifall ausgenommen. 74 um. de Jong: VersMutgsns Sfade Cin Komao in vier CpUoden Autorisierte Uebersetzung aus dem Holländischen von E. R. Fuchs. „Als ich zu dir kam, das letztemal, Ivar ich unbewaffnet", sagte er. Peter lächelte, gürtete den Ueberschlvung loS, an dem in einem ledernen Etui ein schwerer Revolver hing, und befestigte ihn an einem Nagel unterhalb deS Fensters. Dann setzte er sich dem König gegenüber, sah ihn mit großer Zuneigung au und sagte: „Ich bin dir Dank schuldig, lieber mein eigenes Leben spreche ich nicht. Aber daß du mir die Schwester zurückgegeben hast, damals, das hat mich im Innersten getroffen. Dafür danke ich dir, da ich jetzt Gelegenheit hiezu habe... Ich konnte dich nicht eher besuchen; ich war nicht Mitglied des Kriegsrates; andere durften während der Verunterfuchung nicht zu dir gelassen werden und ich lvollte meine Stellung nicht dazu mißbrauchen, den Zugang zu erzwingen. Nun bin ich gekommen, um zum letztenmal mit dir zu sprechen. Unsere Lebenspfade waren wunderlich verschlungen, Peter von Ahremberg... eS ist nur gut, daß wir nicht abergläubisch sind,.." „Und was willst du mir sagen?" fragte der König. Seine Stimme klang fiebrig und Hoff nungsschimmer leuchtete aus seinen Augen, was Peter Zanzi mehr schmerzte, als er erkennen lassen wollte. Er zuckte trostlos die Achseln, daun erwiderte er mit traurig bebender Stimme: «Ich schmeichle dir nicht mit eitlen Hoffnungen. Ich bin nicht gekommen, um die Begnadigung zu verkünden. Ich bin kein allmächtiger Alleinherrscher... ich kann dich nicht retten." Starr sahen ihn die grauen Augen an, in denen rasch das Licht erlosch. Peter beherrschte sich, setzte sich geradeaus und fuhr mit harter Stimme fort: „Ich will mich nicht hinter meiner Ohnmacht verkriechen. Du sollst wissen, daß ich dich auch nicht begnadigen würde, wenn ich dazu die Macht hätte. Mit dem Todesurteil bin ich einverstanden und ich würde eS nicht vernichten, selbst wenn ich könnte." „Du bist in jeder Beziehung offenherzig," anttvortete der König mit schneidendem Spott, „und dafür danke ich dir. Es ist erfreulich, genatt zu ivissen, mit tvelchem Menschen man zu tun hat. Aber warum bist du dann eigentlich gekommen?" Peter blickte ihn ruhig mt, ohne sich über den Ausfall gekränkt zu zeigen. „Vielleicht," sagte er,„bin ich in dem sentimentalen, aber unwiderstehlichen Drang gekommen, dich zu überzeugen, daß ich nicht so undankbar bin, wie du glaubst und wie der Schein eS vermuten läßt." Er holte Zigaretten hervor. „Gestattest du, daß ich rauche?" fragte er mit einem schwachen Lächeln. „Ich bin weniger gut Herr meiner Nerven als damals, als wir in verkehrter Lage einander gegenüberstanden." Der König nickte kühl und Peter steckte sich eine Zigarette an, rauchte heftig und betrachtete zwischendurch den König mit demselben freundlichen,. milden GesichtSauSdruck, den er beim Eintritt schon gehabt und der den König einen Augenblick denken lieh, er käme mit guter Nachricht. „Siehst hu," sagte er dann,„ich verstehe vollkommen, daß es dir schwer fallen wird, wenn nicht unmöglich Tein, dich in meinen Gedankengang einzuleben. Wenn es um daS Lebenmgeht, scheinen alle Worte eitel und alle Logik krumm. Doch will ich dir verständlich machen, daß eS keine bestialische Grausamkeit ist, die mich dazu gebracht hat, deinen Tod zu wünschen. Du hast mir daS Leben gelassen, ich habe deinen Tod gefordert. Wenn es nach meinem Willen gegangen wäre, ivärest du am Tage deiner Gefangennahme füsiliert worden, ohne Prozeß, auf Grund des harten und einfachen Kriegsrechtes." „Ich gäbe viel darum, lvenn eS nach deinem Sinn gegangen wäre," seufzte der Verurteilte, „wiewohl ich nicht verstehe, welche Genugtuung du darin finden kannst, mich zu töten. Auf jeden Fall Iväre ich dann vor dem Strang bewahrt geblieben." „Du mußt mir glauben, wenn ich dir sage, daß ich mich den ganzen Tag atlgestrengt habe, um dir das zu ersparen," sagte Peter hastig. „ES ist mir nicht geglückt. Im KriegSrat sitzen Männer, die dies im wüsten Haß gegen dich und deine früheren Verfolgungen unserer Kameraden durchgedrückt haben. Ich begreife eS wohl, aber bedaure es nicht minder. Du und deine Trabanten habt übrigens schlimmere Dinge gegen uns unternommen und wenn ich dir auch gerne eitlen Iveniger scheußlichen Tod gegönnt hätte, so bin ich doch nicht der Meinung, daß du dich angesichts der Vergangenheit beklagen darfst. Bedenke nur daS eine: wahrscheinlich könntest du uns in Bezug auf deine Geldgeber und die Organisation der bewaffneten Einfälle daS eine oder andere erzählen, das für uns von großem Wert zu wissen wäre. Aber wir haben dich nicht geschlagen, nicht mit Feuer und Wasser gemartert, um eS aus dir herauszubekommen. Wir haben dich nicht halb verdursten lassen, dich nicht am Schlafen gehindert, bis dein letzter Rest von Willenskraft gebrochen war. Ihr Ivaret weniger skruppellos und doch verteidigtet ihr viel weniger Hohe Interessen und Ideale als wir. Selbst am Galgen kannst du uns nichts vorwerfen!" „Interessen.'.. Ideale!" spottete herb der König.„Machthunger, Raubgier, Ehrgeiz, der Wunsch, eine große politische Rolle zu spielen, nun eurerseits obenail zu sitzen. Was unter eurer schändlichen Regierung aus dem Lande wird, läßt euch kalt! Wie das Volk verwildert und verroht, in lächerlichem Hochmut seine Pflicht vergißt und zugrunde geht, das kümmert euch nichts! Wie die ganze Welt verächtlich hcrabfieht auf diesen irrsinnigen Staat, vor dessen Toren das Chaos steht, das geht euch nichts an! Du, du selbst! Einmal spielte mein Vater an, daß du vielleicht Marschall des Reiches werden könntest, lind schau! Nach einem Leben voll Zuchtlosigkeit und Verbrechen bist du doch der Marschall deS Reiches gclvorden, Oberbefehlshaber über die rote Armee! Hahaha! ES ist zum Totlachen! Ideale! Jalvphl! Ehrgeiz, Egoismus, Grausamkeit, nichts verschonender Haß und Machtgier! Und das Volk, daS betrogene, verführte Volk bezahlt die Rechnung." PsterS Blick wurde hart und seine gewuch- tige Stimme klang streng, als er erwiderte:' „Ich habe dich schon früher einmal gefragt, WaS weißt du vom Volk und mit tvelchem Rechte urteilst du über daS Volk? WaS hast du je von ihm gesehen? WaS weißt du von den Verhältnissen, in denen eS lebt, von den Wünschen, die eS durchtvühlen, den Erwartungen, die es hegt? Nichts weißt du davon, nichts hast du je davon gewußt und du hast selbst nie etwas davon verstanden, tvenn dir etwas darüber erzählt wurde. Für dich war das Volk nicht mehr als eine namenlose Menge, ein seelenloses Ganzes, das allein besteht, damit du'darüber herrschen kannst, um aus ihm Steuern herauszupumpen, deine Freunde tmd Klassengenossen darauf loszulassen, um für sich selbst Reichtümer auS ihm zu Pressen. DaS Volk, das war das gewaltig große, ungeheuer starke, aber gezähmte und gut dressierte Tier, das all die schwere und schmutzige tmd geisttötende Arbeit verrichtete und dankbar schweifwedeln mußte, wenn ihm die Herren einen Bissen Futter zuwarfen oder eS derb über den Kops streichelten, um cs in guter Laune zu erhalten. (Fortsetzung folgt.). Nr. 8S DienStag, 17. April 1934 Seite 3 verhaftet. Der Sender streikt datz mit Legionäre gegen das Korporationssystem als zu durch hcrbei- Acre Zeit unterbrochen wurden. Die einge- leitete Untersuchung wird klarstcllen, ob eS sich ui» einen Sabotageakt handelt. kostenlos mitfahrcn könnten. Die staatlichen Betriebe und Behörden hatten den Auftrag, ihre Angestellten und Arbeiter zu zwingen, nach Graz zu fahren. Dasselbe geschah in Graz, wo alle öffentlichen Angestellten um 8 Uhr früh in ihren Dicnsträumcn sich versammeln mutzten, damit ihre Anwesenheit kontrolliert werden könne. Trotzdem trafen aber von den angekündig- ten 34 Sonderzügen bis 1l Uhr mittags nur ein Dutzend ein, nnd die waren nur sehr schwach beseht. Alle andcrcU mutzten wegen mangelnder Beteiligung abgesagt werden. Trotz den 101 Böllerschüssen, die daS Militärkommando zur Begrüßung des Kanzlers abfeuern lieg, blieb die Grazer Bevölkerung zu Hause oder versam- Stürmischer Empfang Dollfuss’ in Graz! Große Gegendemonstrationen gegen den Bundeskanzler Bombenwürfe, Verhaftungen, Störung Im Radio G r a z, 16. April. Beim sonntägigen Festzng der christlichsozialen Banern kam eS vor nnd während der Rede des Bundeskanzlers Dollfutz zngroßenGegendemon- ft r a t i o n e n. Schon vor Beginn des Festzuges explodierten Dutzende von Papierböllern in der ganzen Stadt. Die Straßen der inneren Stadt waren mit.Hakenkreuze» übersät. Die Sozialdemokraten ihrerseits demonstriertenamBahnhof nnd hatten anf dem Bahnhofsplatz zahlreiche Propagan daschriften auSgestrent. Bei Beginn der Rede des Bundeskanzler explodierte in der Nähe des FestplatzeS eine Bombe und beschädigte eine Haussrout des Platzes schwer. Zahlreiche Anhänger der nationalsozialistischen und sozialdemokratischen Partei wurden DolltnD in Verlegenheit In einer Ansprache erzählte DoUfutz. er sich nach langen Besprechungen endlich Herrn Starhemberg„geeinigt" habe und datz oic Vaterländische Front nun geschlossen dastehe. Den Widersachern des fascistische» Regimes kündigte er scharfe VcrfolgungSmahnahmcn an. Schießerei bei einer Verhaltung Bei den wegen der Demonstrationen gegen Dollfutz in Graz vorgenonnncnen Verhaftungen setzte sich der angebliche Kommunist Josef Jank mit der Waffe in der Hand zur Wehr und vcr- Währcnd der Rede des Bundeskanzlers trat| letzte einen Polizisten. Während eines Handge« in der Radioübcrtragung eine Stör u n g ein, mcngeö verletzte sich Jank sodann angeblich selbst, durch welche die Ausführungen des Kanzlers län-1«vorauf er überwältigt werden lonnte. «« a Ergänzend wird uns hiezu gemeldet, datz! das Arrangement dieser Kundgebung dem Staat I ungeheuere Gelder kostete. Seit einer Woche trieben sich im ganzen Lande Agenten der Hielte sich an Punkten, die im offiziellen Programm nicht vorgesehen Ivaren. Als Dollfutz den Bahnhof verlieh, brachen die dort versammelten Sozialdemokraten in stürmische Rufe gegen ihn und seine schwarz-gelbe Suite aus. Man hörte Rufe: „Nieder mit dem Arbeitermörder",„Hoch Wallisch und Stanek!" Polizei nnd Heimwchr. die sich allein schwach erwiesen, erhielten S u k k u r S G e n d a r m crie. die im Laufschritt eilte. Nun ergötz sich ein Regen von sozialdemokratischen Flugzetteln über die AutoS, in denen Dollfutz und seine Begleitung der unerwarteten Bcgriitzling durch rasche Fahrt zu entgehen trachteten. IlnterwcgS wurden sie auch von den Nazis entsprechend begrützt, die eine Anzahl von Böllern zur Explosion brachten. Kreidebleich erschien Dollfutz mit seiner Begleitung auf dem TrabrcnnplatftNvo die Kundgebung jiattsand. Vorher gab cs zwischen ihm und dem Polizeikommandantcn, der den stürmischen Empfang nicht vorausgcsehen, bczlv. nicht verhindert hatte, einen heftigen Zusammenstoß, der offenbar Konsequenzen haben lvird. Hampl Uber Senat\ und Wirtschaftsparlament DaS Blatt„Demokratickh stred" hat eine| schriftliche Enquete über die verschiedenen Vor-> schlage, die in der letzten Zeit zur VerfassungSre- form gemacht wurden, veranstaltet und in welcher j sich auch der Vorsitzende der tschechischen sozialdc-! mokratischen Partei, Genosse Hampl, äutzert. Be merkenswert in dieser Acuhrrung ist, lvaS Hampl; über die Forderung nach Abschaffung dcS Senats i und der Schaffung eines Wirtschaftsparlamcntes sagt. Er führt da auS: „Ich erachte es als notwendig vor allem zu erklären, datz die Sozialdemokratie die Errichtung, eines Senates nicht verlangt hat und datz sie da-> her auch nicht seine Erhaltung in einer Form ver-! langt, wodurch er zu einem Doppelgänger des Ab- geordneteiihauses geworden ist. Wir glauben auch, datz man grundsätzlich vom Standpunkt des demo-. kratischen Sozialismus die Errichtung eines söge-! nannten Wirtschaftsparlamentes nicht ablchnen! kann, insoweit es nicht unabhängig vom Willen des Volkes ist, der durch ein gewähltes Parlament re präsentiert wird und sofern es nicht daS in der Demokratie unbestreitbare Recht des ParlmnenteS alle Organe des StaatöorganismuS zu kontrollie ren. tangieren würde. Ein sogenanntes Wirt- schastsparlament ist mit den» demokratischen Be- wutztsein und Fühlen nur insoferne vereinbar, als es dem Bedürfnis entsprechen würde, den staatli chen VerwaltungSorganiSmuS um ein Organ zu ergänzen, welches die neuen wirtschaftspolitischen Funktionen unserer Staatsgemeinschaft, die durch die bisherigen Funktionen nicht ordentlich auSge« füllt werden können, ergänzen würde. Ein soge nanntes Wirtschaftsparlanient wäre in der demo kratischen Republik eine gesunde Einrichtung, wenn es sich in unsere Verfassung als HilsSorgan ein fügen würde, welches dem Willen des Staatsgan- zen nicht übergeordnet ist und tveun eS so zusam- Vaterländischen Front herum, die den Bauern zu- mengesetzt'wäre, datz er eine rasche Lösung der' redeten, eine Reise nach Graz zu unternehmen, Wirtschaftsprobleme ermöglichen und so auch die w o s i e k o st e nl o s z u essen nnd zu Entwicklung der Wirtschaftsdemokratie fördern'trinken erhalten würden. Den Arbeitslosen würde, welche, wenn sie vernachlässigt wird, unsere wurde versprochen, datz sie bei Antritt der Fahrt gesamte Demokratie schwächt und die Möglichkeiten[acht Schilling auf die Hand bekonnncn würden unserer wirtschaftlichen Entfaltung hemmt. DaS und auch ihre Frauen und erwachsenen Kinder sogenannte Airtschaftsparlament dürfte also nicht unter der Maske der Selbstverwaltung eine Platt form sein, wodurch eine Stärkung der stärkeren Wirtschaftsschichten auf Kosten der schwächeren eintreten würde. Diese Acuhcrung des Vorsitzenden der tsche chischen Sozialdemokratie ist sehr bemcrtcnStvcrt, da damit die tschechische Sozialdemokratie di« Mög lichkeit der Abschaffung des Senats und seine Er setzung durch ein der Demokratie entsprechendes Wirtschaftsparlament in Aussicht stellt. Angesichts der Tatsache, datz in deutschbürgerlichen Kreisen ebenso wie i» Kreisen der Tschechischklerikalen in der letzten Zeit der Ruf nach dem Ständcsystem erhoben worden, ist von Interesse die entschiedene Ablehnung des Korporationssy- stemS durch den Vorsitzenden der tschechoslowakischen Legionärgcmeinde Abgeordneten Dr. Pate j d l in der SonntagSnummer der„Närodni Osvobozcni". Der Genannte schreibt da: „DaS Korporationssystem deS Parlamentewürde vor zehn Jahren in Italien eingeführt und charakteristisch daran ist die Zulässigkeit tmr einer politischen Partei und daS Herabsinken deS Parlamentes als Beratungsorgan der Regierung und der herrschenden politischen Partei. Zwischen dem italienischen Parlament und der Repräsentation der politischen, fascistischen Partei ist kein sachlicher Unterschied. Aehnlich ist eS in Deutschland, in Sowjetrutzland und wird eS nach Gesetzwerdung der neuen Verfassung in Oesterreich werden. Es handelt sich hier um daS System einer Diktatur, welche keine andere politische Partei duldet und autoritär die wirtschaftlichen und politischen Fragen regelt und löst. DaS Korporationssystem ist undemokratisch, in politischer und wirtschaftlicher Beziehung gegen daS Volk und kann in keiner wie immer gearteten Form von Volk und Parteien angenommen werden, welche mit dem demokratischen Programm übereinstimmen." Die Svelila-rclern In Klaftan DaS Klattauer Denkmal EvehlaS wurde am Sonntag in Anwesenheit des Ministerpräsidenten Malypctr. der Minister Bradäk und Ternh sowie zahlreicher offizieller Persönlichkeiten, darunter deS Senatsvorsitzendcn Dr. Soukup, des Abg. Zierhut und Gen. Syrovy's enthüllt. Nach einer Ansprache des Abg. Machnik sprachen Minister Bradäö und Abg. Beran. Der Enthüllung deS Denkmals fotzte ein Defilö des Militärs und zahlreicher Organisationen. Landeöschulkommission für eine moderne Schulverwaltung. Am 13. April, fand eine Sitzung der Schulkommission der böhmischen Landesvertretung statt, auf bereit Tagesordnung die Einführung der Dörer'schen Schulverwaltung stand. Nach kurzer Debatte wurde der einstimmige Be« schlutz gefaßt, die Regierung zu ersuchen, in nächster Zeit eine neue moderne Schulverwaltung einzuführen. In derselben Sitzung wurde ein Antrag des Genossen I l l n e r einstimmig angenommen, wonach bis zur Durchführung einer neuen Schulvertvaltung der böhmische Landesschulrat neu konstituiert, bztv. ergänzt werden möge. eine(reche rrozzeiel wie Neurath die Rhstungs* ausgaben bemäntelt London. 16. April. Dem Nnterhause wurde heute gelegentlich der Beantwortung der Anfrage betreffend die Erhöhung der deutschen Budgetpo- sten für das Heer, die Marine uitd die Luftfahrt ein Teil des Textes derdeutfchenAnt« w or t vorgelegt, welche der britischen Regierung auf das dttrch Vermittlung ihres Berliner Botschafters ausgesprochene Ersuchen um Informationen in dieser Angelegenheit zunegangen ist. In der Anttoort wird die Steigerung der Ausgaben für daS Heer um 172 Millionen Mark mit angeblichen Vorbereitungen für die Umwandlung der ReichStvchr in ein Heer mit kurzer Dienstzeit erklärt, die 50 Millionen Mehrausgaben für die Marine mit der Notwendigkeit der systematischen Erneuerung deS überalterten Schiffümatcrials. Der Haushalt des Luftfahrtministeriums, so wird kühn behauptet, könne n i ch t als Rüstungshaushalt angesehen werden. Seine Erhöhung um 83 Millionen Marl wird in dem notwendigen Ersatz des veraltete» Flugzeugparkes der privaten Lufthansa erklärt, die, wie in allen Ländern, staatlich subventioniert werde. Die Ausgaben für Luftschutz seien von. 1,8 auf 50 Millionen nur deshalb gestiegen, weil die Organi- sation deS Luftschutzes erst jetzt miSgebaut werde. Trotzki aus seinem Asyl verscheucht Paris, 16. April. Polizeiorgane stellten bei gelegentlichen Nachforschungen in einer einsamen Billa bei B a r b i z o n in der Pariser Umgebung fest, datz diese Villa bereits seit drei Monaten von Trotzki und seinen drei Sekretären bewohnt wird. Trotzki hatte ttrsprünglich nur eine Aufenthaltserlaubnis fiir Korsika, erhielt jedoch im Dezember des Vorjahres insgeheim von den Behörden(unter dem Namen Lodrow) auch die Aufenthaltserlaubnis für daS Departement Seine et Marne. Thautemps, der damals Innenminister war, gibt die Erteilung der AufcnthaltSbcwilli- gung zu und begründet sie mit gesundheitlichen Rücksichten. DaS Verhalten Trotzkis habe zu keinen Beanstandungen Anlatz gegeben. Inzwischen ist Trotzki heute früh mit seiner Frau mittels Autos mit unbekanntem Ziel aus Barbizon weggefahren. KinsdMk gegen die Gleichschaltung seiner christlichen Arbeiter* Organisationen Auf der Bundestagung der christlichen Arbeiter in Niederösterreich trat am Samstag K u n• schal fiir die Aufrechterhaltung der christlichen Arbeiterorganisationen ein, wobei er sagte: In einer Zeit, in der so viel über Totalität und Gleichschaltung von Leuten gesprochen tvird, die früher alles, nur keine Freunde der Arbeiter waren, müssen Ivir unsereSelb ständig« keitnochentschiedener reklamieren als früher. Heute steht die katholische und evangelische Kirche ivehrloS den neuen Bewegungen gegenüber, an derenSpitze sich die merk« würdigsten Leute als Heilande anbeten lassen. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, steht für Deutschland und nicht nur fiir Deutschland eine Zeit der Märtyrer bevor. Wir sehen die Enttoicklung in Deutschland vor unseren Augen u. haben darauf zu achten, datz AehnlicheS nicht auch bei uns in Oesterreich geschehe. Darum rufe ich allen, die eS hören sollen, zu: Rührt nicht an unserer chri st lichen Arbeiterorganisation! Kurze Proteststreiks in Frankreich Paris, 16. April. Die Protest-Manifestationen der gewerkschaftlich organisierten Staatsange- stellten gegen die RegierungSdekrete nahmen in Paris und in ganz Frankreich einen ruhigen Verlauf. Die Briefträger nahmen den Dienst in der Früh um eine Stunde später auf. Die Telegraphisten brachen den Dienst vor der Mittagszeit um eine oder ttm eine halbe Stunde früher ab. Aehnliche Streiks und Proteste, durchtvegs kleineren Umfangs, werden aus allen Städten Frankreichs gemeldet. Die Vorstände der verschiedenen staatlichen Aemter und Unternehmungen haben hetite gegen Abend aus ihrer Amtsvollmacht diejenigen StaatSangestellten suspendiert, die an den Heuti- gen Proteststreiks in hervorragender Weise beteiligt waren. Die Gesamtzahl der bisher suspendierten Staatsangestellten beträgt etwa 80. Vie braunen Bonzen sanken Sekt! So etwas liest man wortwörtlich in der Hitler-Presse: „Der Veranstalter war der deutsche Automobilklub?" „Zusammen mit dem Ratienalsozialtstische» Kraftfahrer-Korps... „Wahrscheinlich habt ihr lange in Dahlem gefeiert?" „Etwas spät ist es ja gelvorden.... Sehr nette Leute, Musik, ein bitzchen Tanz..." „Ein paar Flaschen Kupferberg Gold?" „Natürlich! Mer erstens ist ja der Kupferberg jetzt nach der Aufhebung der Steuer durchaus erschwinglich nnd ausierdem bekommt er immer glänzend!" Er bekommt ihnen sogar.ausgezeichnet, den b r a u n e n B o n z e n. Vorerst wenigstens noch. Bis die betrogenen Massen eines Tages mit diesen einzigartigen„Sozialisten" abfahren werden, das; ihnen neben Hören und Sehen auch die L u st nach dem„durchaus erschwinglichen" Kupferberg-Gold vergeht l „Neuer Vorwärts." 1)0 Schutzbündler lehren nach SowjetruDiand Prag, 16. April. Montag, den 23. April, fährt der erste Transport österreichischer politischer Flüchtlinge auS der Tschechoslowakei nach Sowjet» rustland. Der Transport fast 300 biö 350 Schutzbündler zählen; er wird von dem gemeinsame» Hilfskomitee der deutschen und tschechischen sozialdemokratischen Partei organisiert und finanziert, daS von allem Anfang an die österreichische Emigration selbständig unterstützte und erhielt. Die österreichischen Arbeiter, die sich mit der Waffe auf den Boden unserer Republik durchgeschlagen haben, haben hier eine herzliche Aufnahme und ein Asyl gefunden. Ten Lebensunterhalt, die Unter« kunst und jede andere moralische und materielle Unterstützung hat de» österreichischen Genossen aus- schlietzlich das gemeinsame sozialdemokratische Hilfskomitee geboten, das bei den zentralen Stellen beider Parteien gebildet wurde. Die Ausgaben werden anS- schlietzlich aus den Sammlungen der sozialdemokratischen Organisationen gedeckt; kein Heller davon stammt aus der Staatskasse und auch keine andere staatliche Institution wurde davon berührt. Diese Feststellung mutz man an die Adresse jener fasristi- scheu und reaktionären Blätter richten, die die Dinge so darstellen möchten, als ob es sich bei der Unterstützung der österreichischen Emigration tun irgendeine Belastung der Staatskasse handeln würde. Aber auch von irgendwelchen anderen koniniu- nistischen Komitees hat matt keinen Heller zur Unterstützung der österreichischen Schutzbündler zu Gesicht bekonnncn. Das betrifft namentlich auch die sogenannte„Rote Hilfe" und ein russisches Komitee, das angeblich für die österreichischen Genossen eine Million Schilling cinnahm; in Wirklichkeit hat aber niemand diese Gelder gesehen. Auch dieser erste Tranport nach Sowjet ruß- land wird bis znr russischen Grenze auöschlictzlich durch das gemeinsame sozialdemokratische Hilfskomitee finanziert, da dieRussen es ablehnten, das Fahrgeld über Polen zu bezahlen und sich lediglich bereit erklärten, dieKostcnauf russischcmBodcn zu übernehmen. Da die sozialdemokratischen Parteien den österreichischen Helden um jeden Preis helfen wollen, hat das gemeinsame Hilfskomitee auch die sehr beträchtlichen Kosten der Fahrt über Polen bis an die russische Grenze übernommen und auch alle übrigen Ausgaben cinschlictzlich der Verpflegung der Teilnehmer deS Transportes iver- dcn von dem Hilfskomitee bezahlt. Trotzdem sind verschiedene Schtvicrigkcitcn noch keineStvegS ausgeschlossen. DaS Hilfskomitee hofft aber, datz eS doch gelingen lvird, diesen ersten Transport am Montag zeitgcrecht abzufertigen. ver katholische Block auf unbestimmte Zeit vertagt? lieber den katholischen Block, von dem in letzter Zeit viel die Rede war, bringt— wie die„Lid. Nov." zitieren— das Wochenblatt„T r^n c a n" der slowakischen Volkspartei eine Meldung, datz wegen anderer Dinge der Zusammen- schlutz aufgehoben lvorden sei. lvenn auch nicht für immer, so doch f L r g e r a u m e Zeit. Die Ursache deS MitzerfolgeS der Verhandlungen wird dem slowakischen Flügel der tschechischen BolkSpartei angelastet. Die„Lid. Nov." meine» jedoch, datz die Ursache eher in dem Einflutz des radikalen Flügels der Hliitkapartci zu suchen sei, der in der Einigung mit der tschechischen Volkspartei den ersten Schritt zu einer tschechisch-slowa- kischcn Verständigung sehe, die sich mit der Politik der radikalen Autonomisten nicht vertrage. In diesem Zusammenhang soll auch die Gründung einer„Einheitsfront des christlichen Landvolkes" verzeichnet werden, die in Prag stattfand. Dabei sprachen u. a. S t a ö e k, der Vorsitzende der böhmischen LandcSorganisation der Klerikalen, und Minister D o st a l c k, der in der Aktion den Weg zur„Vereinfachung unserer inneren Verhältnisse" erblickte. Unter den mit einem BegrützungStelegramm Beglückten befand sich autzer Dr. S r a m e k, der mit der ganzen Aktion nicht viel zu tun zu haben scheint, bczeichncndcr- tvcise auch Andrej Hlinla. $ten*ta<, 17.«»ril 1WM «r. 83 Unterredung mit dem Flüchtilnsskommlssar Ter Flüchtlingskommissar Professor Mac- Donald und sein Mitarbeiter Nvrman Bcntlvich, die gcgcmvärtig in Prag weilen, gaben Vertretern der Presse einen lieberblick über den gegenwärtigen Stand der FlüchtlingSfragc. Tie Zahl non 00 bis«5.000 Flüchtlingen, die im,Dezember feskgcstellt lvnrde, dürfte sich inzwischen etwas bermindert haben. Tie Sorge nm die Flüchtlinge, deren Gesamtzahl aber immer noch auf rund 00.000'Emigranten aus Deutschland geschäht werden mutz, ist nicht geringer geworden. Von der Ausstellung besonderer Pässe will man Abstand nehmen, da man es auch für etwaige künftige Fälle für ztvecldienlicher hält, einem Wirr- Ivarr neuer Spezialpässe vorzubcugen und das als vorbildlich bezeichnete Beispiel der tschcchoslo- waliictzen Negierung;» befolgen. Die schwierigste Frage ist die der dauernden llnterbringung der Flüchtlinge und hierbei ist vor allem die Sorge um die geistigen Arbeiter nicht gering, da bei ihnen lveitestgehend eine Berussmuschichtnng not- lvendig tverden wird. So werden beispielsweise Aerzte in der ttzesnndbeitspflegc und Volkswirt- schafller für statistische Arbeiten Verwendung finden müssen, kurz gesagt, ein liebergang von einer mehr theoretischen zur praktischen Betätigung wird sich als nollvendig ertvciscn. Es steht noch nicht fest, ivelche Länder sich für die Unterbringung dieser schivierigeren Kategorien als aufnahmefähig erweisen tverden, jedoch scheinen Staaten tvie die Türlei, Persien und andere Länder. die noch im Ausbau ihres BildnngS- und VcrtvaliungstvcsenS begriffe» sind, am ehesten hierfür in Frage zu kommen. Im übrigen ist Professor MaeTonald dauernd bemüht, neue Möglichkeiten für die Flüchtlinge ausfindig zn machen. Seine Auf- »icrksamkeit scheint er dabei vorzugsweise auf Kanada, die Vereinigten Staaten und nach Südargentinien zu richten. Ebenso soll in Teilen von Afrika, besonders in Süd-Afrika und Süd-West- Afrita und ebenso der Türkei die Zulassung von Flüchtlingen von den amtlichen Stellen erwirkt werden. Besondere Anerkennung zollte er der Ansiedlung jüdischer Flüchtlinge in Palästina, das bereits in den lebten fünf Monaten mehr als 10.000 deutsche Juden ausgenommen hat. Als seine beiden hauptsächlichsten Aufgaben bezeichnete Professor MacDonald, an der Fürsorge für die Flüchtlinge helfend sich z» beteiligen, und ziveitens und vor allem bei der Verteilung der Flüchtlinge in der ganzen Welt mitzuwirken. In dem Matze, in dem eS gelingen werde, diese zlvcitc Aufgabe zu erfüllen, werde man die Lasten, die jetzt die Tschechoslowakei und andere Länder tragen, erleichtern können. Besonders anerkennende Worte fand Prof. MacDonald für die grosszügige Politik der tschechoslowakischen Regierung bei der Gewährung eines AshlS für politische, rassische und andere Flüchtlinge. Diese Haltung habe dem Namen dieses Landes in der ganzen Welt Ehre gemacht und sei eS wert, die Aufmerksamkeit der llnterstiitzungsstcllcn aller anderen Staaten und auch der Vereinigten Staaten auf sich zu lenken. Ein Dollfuß-Blatt In Präs? Seit einigen Tagen hält sich in Prag der Herausgeber der„Wiener Sonn- nnd MontagS- zcitung", RcgicrungSrat Dr. Klebinder auf, um, wie„Prävo Lidu" mitteilt, den Boden für ein neues Blatt, welches in Prag erscheinen soll, zu sondieren. Hinter solchen Plänen versteckt sich das Bestreben der Dollfutz-Rcgierung, in der Tsche- chosloivakei ein Propagandablatt für den schwarzgelben Kurs zu schaffen. Die„Wiener Sonn- und MontagSzcitung" ist ein freiwillig gleichgc- schaltetcS jüdisch-fascistischcs Blatt, welches unverfälschte Agitation für die schwarz-gelbe Restauration und die Wiederkehr der Habsburger macht. Man kann sich leicht vorstcllen, welcher Art ein tschechoslowakischer Ableger des Herrn RcgicrungSratcS wäre. Vie tschechoslowakischen Offiziere fahren nicht nach Polen. Der Verband der tschechoslowakischen Offiziere plante im heurigen Jahr eine grötzere Ex- tursion nach Polen, die als Fortsetzung eines früheren Besuches in Jugoslawien gedacht war. Wie das„Ceskö Slovo" am Sonntag meldete, lvurdc diese Reise mit Rücksicht auf die letzten Ereignisse abgesagt. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen» Mittwoch Prag, Sender L.: 10.02: Deutsche Nachrichten. '1-1.02: Teutscher Arbcitsmarkt. 18.22: Deutsche Sendung: Zehn Minuten für Radioamateurc. Dr. Jng. Krcutzigcr: Störungen beim Empfang. 18.85: A r b e i t e r se n d u n g: Dr. Jng. Kreutzingcr: Reportage aus einem Steinbruch. 18.55: Soziale Informationen. 10.00: Deutsche Nachrichten. 20.00 bis 22.00: Friedrich Smetana: Die verkaufte Braut. Sender St.: 15.10: Deutsche Sendung. 15.20: Kin- derscndung. 15.15—15.55: Deutsche Nachrichten.— Brlin»! 10.00: NachmittagSkonzert des Brünner Rundfunkorchesters. 10.20: Polnische Klaviermusik. TaOcsnculükcMcn Nelson Ihr liegt dreihundert Meter tief im ausgebrannten Schacht und schweigt. Der taube Fels hängt schwer uird schief, weil sich der schwarze Balkenstumpf vor euch verneigt. Ihr seid allein, nm euch ist Rächt. In feinen Schwaden steht noch Gab, das ist so still und ohne Macht nnd brüllte doch an jenem Tag alS eS euch fraß. Ihr habt die Fahnen nicht gesehen nnd alle schönen Worte nicht gehört. Tas ist so fern nnd lange schon geschehen— schnell läuft die Zeit und viele schlafen, die ihr anfgrstört. Ihr starbt für wenig Kronen Lohn» habt keinen Namen und habt kein Gesicht. Tie Welt vergißt, vergaß es lange schon— Tie Millionen, die in Hunger schuften, vergessen es nicht. Kurt D o b c r e r Drei Todesopfer der Elbe Aus Teischen wird berichtet: Die Elbe hat in den letzten Tagen drei Todesopfer gefordert. In der Nähe von Niedcrgrund, an der böhmischsächsischen Grenze,. erlitt der arbeitslose Ern st Mitternacht ans Tel scheu am Elbcuser einen Herzschlag, stürzte in den Flui; und konnte nur noch alS Leiche geborgen tverden.— Ter 2 7 jährige Schiffer Norbert Hanke auö Elblcitcn, ebenfalls nächst der Greine, ist während einer s ch lv e r c n A r b e i t S I e i ft u n g auf einem Kahn in die Elbe gestürzt nnd ertrunken. Der Verunglückte konnte bisher noch nicht geborgen werden.— In selbstmörderischer Absicht hat sich ein in Bodenbach tvohnendcr S ch i f f S l o t s e in die Elbe gestürzt. Er fand ebenfalls den Tod. Die Ursache der Tat ist in seiner wirtschaftlichen Notlage zu suchen. Kein Attentat? Wieder T Zug Entgleisung im österreichischen Marchtrenk. Wien, 15. April.(AN.) Die Gcneraldirck« tion der österreichischen Bundesbahnen teilt mit: Der Sonntag, den 15. d. M., um 0 Uhr 45 Minuten vom WicncVMcstbahnhof abgefertigte D-Zug Nr. 55, der täglich nach Passau verkehrt, ist einige Minuten vor 13 Uhr im Bahnhof Marchtrenk mit der L o k o m ot i v e, mit dem Dienstwagen und den diesem folgenden z w e i Personenwagen e n t g l e i st. ES lvurden weder Fahrgäste noch Personal verletzt/ Erhebungen über die Ursache der Entgleisung sind cingclei- tct. Es steht jedoch fest, datz eS sich im vorliegenden Falle um keinen Bahnfrevel gehandelt hat. Durch den Unfall trat keine wesentliche Bcr- kehrSbehinderung ein. Der entgleiste Zug konnte mit zweistündiger Verspätung seine Fahrt fortsetzen. sAnm. der Redaktion: In der gleichen Station Marchtrenk auf der Strecke nach Passau ereignete sich vor wenigen Tagen dar Attentat gegen den D-Ztig nach Paris und Basel.) Tödlicher Hungerstreik eines 80jährigen Erzbischofs. In Sofia starb im Alter von fast SO Jahren der geistliche Führer der Armenier in Bulgarien Erzbischof StepanoS H o v a g i m i a n, an den Folgen einer Erschöpfung nach einem Hungerstreik, den er länger als eine Woche als Protest gegen den Bescblutz deS armenischen KirchenratcS durchgcführt hatte, ihn seines Amtes zu entsetzen. Ter Kirchenrat hatte auch schon einen neuen Erzbischof gewählt. Ein Löwe fällt seinen Bändiger an Sonntag Nachmittag kam eS in einem Zirkus, welcher sich auf dem Prager Jnvalidcnplatz niedergelassen hat, zn einem aufregenden Ereignis. Als Sensationsstück führte der Dompteur Kratochvil, einen riesigen. Löwen in die Arena, der schon gleich im Anfang seines Auftretens unruhig war und vom Tierbändiger nur mit Mühe zum Gehorsam, gezwungen wurde. Als Kratochvil sich von dem Lölven nur einen Augenblick abwandte, tvarf sich dieser auf ihn und bitz ihn ins Genick. Der Dompteur verlor aber nicht die Geistesgegenwart und hieb auf das Tier mit dem Sessel, den er gerade in der Hand hielt los, wodurch er die Bestie ztvang, ihn loszulassen. DaS Zirlnöpersonal brächte daS wütende Tier mit Gewalt in seinen Käfig zurück. Der in seinem Blute liegende Tierbändiger wurde sofort in daS Spital auf die Bulovka transportiert. Die Aerzte stclltcit fest, datz dem Kratochvil ein Teil des Bindegewebes am Hals zerrissen wurde und datz er schwere Abschürfungen an Gesicht und Hand' erlitten hatte. Sein Zustand ist sehr bedenklich. Das Unglück, konnte wohl nur geschehen, da das Tier an Kratochvil noch zu tvenig gewöhnt war, der es erst vor wenigen Tagen In Pflege bekam.,. El« Löter Im Relfon-Schacht identifiziert Ossek, 16. April. Im Verlauf der Anfräu- mnngSarbcitcn in der Kopfstation der Seilbahn im Nelson-Schacht stietz man gestern ans Teile e i n e r v e.r k o h l t e n L e i ch e, die später alö die sterblichen Ueberrcsie des verunglückten Bergmannes WenzelSuchh ans Ossek identifiziert werden konnten. Weiter? wurde die Grubenlampe de? an der gleichen Stelle verunglückten Bergmannes Adolf Hajek gefunden, doch konnte seine Leiche bisher noch nicht geborgen werden. Die Ucbsrreste der Leiche SuchhS wurden am Fundorte photographiert und sodann nach dem Osscker Friedhof gebracht. Ein nnbrzahlbarrr Propaggndaches. Herr K o ch, der Prager Filialleiter des Rcichsprova- gandamiuiitcrinmS, hat die Regierung der Re- publik zum zweiten Mal mit den bustcrischen Regungen des schlechten Gewissens seiner Ans- traggcbcr belästigt. Diesen Auftraggebern ist die K a r i k a t u r e n a u s st e l l u n a ini Prager Kunnverein..Manes" aus die Nerven acgaitgcn, und mit der ihnen eigenen Naivität glauben sic, die Methoden, mit denen sic im Lande der brau- neu Diktatur nmzusvrinaen pflegen, auch unserer Regierung aufoktroicrcn zn könnens Die erste Demarche deS Herrn Koch hatte ein sehr klägliches Ergebnis. Die Leitung der AuSitcl- luua cntschlotz sich freiwillig, eine Photomon- tage John HcartsirldS, diccinc sehr plastische Röntgcnaufuahmc des„Führers" mit der nur allzuwahren Unterschrift„Er redet Blech!" brachte, auS dem Schaufenster zu entfernen. Man hängte, als würdigen Ersatz, eine Karikatur GoeringS an die gleiche Stelle, worauf Herr Koch noch einmal feinen aussichtslosen Versuch unternahm, die Kunst der Tschechoslowakei von Berlin ans unter Terror zu setzen. Minister K r o s t a sagte ihm eine Besichtigung der Aus- stellung durch eine offizielle Kommission zn, bcr. gatz aber wohl nicht, darauf hinzuweiien, datz daS künstlerische Schaffen in der Republik nicht unter der Zensur deS Staates steht. MäncS tat noch ein Weiteres. ES hängte de>» Blntsäufcr Gocring aus dem Schauseniler nnd placierte ihn höchst„dekorativ" im Jnnenraum.— Herr Hitler fühlt sich beleidigt, weil der freie Künstler den bramarbasierenden Feldwebel mit der acöl- tcn Schmachtlocke nicht in jenem schmierig-kitschigen Stil porträtiert, den die geknebelten „geistig Schaffenden" im Paradies der Konzentrationslager am laufenden Band strapazieren m ü s s c n. Der Vielgcschwätzige. der mit seinem gestanzten Rcdeblcch die Nerven der ganzen Welt inaltraitiert, ist empört, wenn der Karikaturist ihn so darstellt, wie ihn die Menschheit empfindet. Und auch Herr Gocring fühlt sich gekränkt ... Wie zartsiihlend doch gewisse Leute sein können, wenn man ihnen die Wahrheit sagt! Man hat ihnen achselzuckend mitzuteilcn. datz cs in zivilisierten Ländern nicht üblich ist, die Kunst vor blutigen Usurpatoren im Stcchschritt paradieren zn lassen. Einen Erfolg können die Schuldigen doch verbuchen! Sie haben der Kari- katnrcn-Ausstellnng zn einem Rekordbesuch ver. Holsen, weit mehr alü siebentausend Gäste sind bisher registriert worden. Scharenweiic strömen die Prager an die Moldau, mn sich die virtuos gestalteten Steckbriefe der„Führer" eines Sech. zigmillionenvolkeS gründlichst anznsehcn. Der intervenierende Gesandte war, höchst unsreiwil- lig. gewiss, ein Propagandist für die gute Sache deS AntifasciSmuS, wie wir ihn uns erfolgreicher gar nicht denken können! Herr Hitler bewillige ihm deshalb eine Gehaltserhöhung. Er hat sie um uns verdient! Die gerettete Tscheljuskin-Besatzung wird mittels Schlitten und Flugzeugen von Wankarem nach Kap Velen transportiert. Atif Wankarem befinden sich nur noch 32 Mann der Besatzung. — Nach einem Funkspruch auS Nome hat Professor S ch m i d t an He Sowjctrcgicrung ein Telegramm gerichtet, in dem er seinen Dank für die Rettung der Tscheljuskin-Mannschaft auS- spricht. Professor Schmidt hat immer noch hohcS Fieber und leidet zurzeit an einer Brustfellentzündung. Teilt Zttstand ist besorgniöer- zündung. Montag traf jedoch die Mitcilnntg ein, dass sich der Zustand Professor Schmids gebessert hat, so dass man hofft, das Leben des Forschers erhalten zu können. Der Europa-Rundflug. Sonntag Ivar die erste Frist für die Nennungen zum Europa-Nund- flng, der dieses Jahr von Polen veranstaltet wird, abgelattfen. Nach einem voin Polnischen Aeroklub veröffentlichten Verzeichnis hat Deutschland 12, Frankreich 10, Italien 7, Polen 11 und die T s ch e ch o s l o w a k e i 4 Flugzeuge gemeldet, so datz die Gesamtzahl 44 beträgt. Tod auf Skiern. Aus Bergen wird gemeldet: Fünf junge Norweger gerieten bei einem Ski-AuSflug in dichten Nebel und stiirzlen 300 Meter tief ab. Vier von ihnen fanden den Tod, der fünfte konnte schwerverletzt gerettet werdend KARL MARX:. Das Kapital Band 1, moderne Volksausgabe nur Kö 17.— Zu beziehen durch alle Kolporteure Aualleferun^ZentratatellefUrdas Bildungswesen Prag XU., SlezskA 13 Arbeitersport aus Westböhmen Die Arbeiter-Athleten haben in einer Tagung in Falkenau am 14. April, die Durchführung von Sericnmannschaftskämpsen im Ringen und Heben so wie im Vorjahre angesetzt. Weiter findet ein Kreiswettstreit am 21. nnd 22. Inti llMZ statt. Tie Endkämpfe der Scriemnannscynflen sollen dieses Jahr gemeinsam mit der KreiSserie der Gerätetnrnec in einer grossen Veranstaltung im Herbst angeschlossen werden. Als Leiter der Schwerathleten wurde Gärtner» Ehodau gewählt. Die erste Klasse der Fussballserie hat ihr erstes Spiel geschlagen. Im Falkenauer Bezirk spielten alle sechs Mcnnfchasten unentschieden. Es ist dies ein Beweis der technischen Verbesserung der schlvächeren Vereine, FFK-F allen au führt mm mit 13 Punkten vor Bnndcsmeister G r a S l i g mit 0 Punkten. Im Karlsbader Bezirr führt immer noch Meierhöfen, mit acht Spielen und I I Punkten vor Sporibrüder E i ü e n b e r g. Auch in diesem Bezirk gab es zwei unentschiedene erstklassige. Spiele, nur AtnsKarlSbad konnte übcrzcngend gewinnen. Im Egerer Bezirk bleibt A SK'.-Eger mit 10 Punkten von sieben Spielen sicher in Führung. Erste Klasse: BnndeSmeister GraSlih gegen FFK Falkenau, 2:2, Turner Falkenan gegen Unterreichenau 0:0. Rote Elf Ehodau gegen BrannSdorf 3:3. Franzensbad gegen Tirschuitz 4:1, ASK-Eger gegen Fleitzen 4:1, Atus Karlsbad gegen Drahowitz 4:1, Altrohlau gegen Mcierhüfen 2:2, Fischern gegen Svortbrüdcr Eibenberg 3:3. Zweite Klasse: Weheditz gegen Sandau 3:3, Turner Ncnsattcl gegen Rapid Karlsbad 0:1, Rei- chersdorf gegen FranzenSbad 1b 2:1, Elbogen gegen Münchof 2:1, Elbogen gegen Taschwiv 1:3, Unterreichenau gegen Pachlowitz 2:4, Schobrowitz gegen Ncn- dck 3:2, Pirkenhammer gegen Aich 2:2, Joachimöthal gegen Zettlitz 2:3. Entscheidungskampf im Gran Chaco? Rem Uork, 16. April.(Renier.) Wie der Korrespondent der„New Dorkcr Times" auö Buenos Aires meldet, ist am Freitag in der Umgebung von LaS Conchitas, 12 Meilen südlich vom bolivianischen Fort Baoivian, eine der blutigsten Schlachten im Konflikt um den Gran Chaco entbrannt. Die an dem genannten Orte konzentrierten bolivianischen Trnppcnabteilungcn sind dort mit paragnllanischen Truppen zusammcngc- stotzcn. Einem bolivianischen Komnnmiqucc zufolge wurden auf paraguanischcr Seite im Laufe des Freitag und Samstag gegen 1000 Soldaten getötet oder verwundet. Damit steht die vom para- guananischen Hauptquartier auSgcgcbcnc Meldung im Widerspruch, in der eS heisst, datz an der Front nichts Wesentlicheres sich ereignet habe. Nach Ansicht der bolivianischen Kreise lvird die Schlacht, die noch immer um daS Schicksal des Fort Baoivian fortdauert, von Entscheidung sein. Unbekannter Selbstmörder. Atif der Eisenbahnstrecke Pilsen—B öh misch-Bud weis wurde an der Stelle vor der sogenannten Pilsener Haltestelle, unweit von Böhmisch-Budweis, in der Nacht zum Montag die Leiche eine? unbekannten Mannes aufgefunden. Nach Feststellung der Aerzte handelt es sich um einen cttva 30jährigen Mann, der vom Zuge überfahren lvurdc. Die Verletzungen, die tödlich waren, sprechen für einen Selbstmord. Die Leiche wurde in die Leichcnkammcr des städtischen Friedhofes geschafft. In den Taschen des Toten wurden keinerlei Dokumente aufgefunden, so dass die Nach- forschnngcn nach der Identität des Toten erschwert «sind. Ertrunken. Bei O p o r t o wurde ein Fischdampfer von einer riesigen Welle zum Kentern gebracht. Zehn Mann der Besatzung ertranken. Ziehung der Klassenlotterie (Ohne Gewähr.) Prag, 16. April. Bei der heutigen Ziehung der 5. Klasse der 80. tschechoslowakischen Klassenlotterie wurden nachfolgende Gelvinste gezogen: Kü«0.000 die Lose Nr. 15614, 5834. Kö 20.000 die Lose Nr. 28518, 2847, Uö 10.000 die Lose Nr. 526 46114 28700 30428 1317 08258 7845. Kö 5000 die Lose Nr. 217 18176 81648 24420 14016 11886 87474 58701 50807 75155 36455 50746 12768 85603 28217 50551 17864 25840 87521 70543 40688 10301 43144 07017 14575 102882 88860. US 2000 die Lose Nr. 71584 64574 60400 11474 45754 86018 82088 15512 70501 86006 101877 0284 55171 24051 20240 01108 40053 21600 87570 48024 11164 32100 42027 10431 62851 02803 10348 40024 80400 05507 07820 75585 08048 35785 13076 82768 06865 57288 45283 74088 22008 5755 75506 44282 50072 70373 68547 17275 10248 27065 104645 16038 31648 00420 24062 60428 47888 101158 80117 5160 20350 00415 72805. Aö 1200 die Lose Nr. 50076 06348 78065 51512 78014 102883 104563 40270 81202 8046 28271 67110 47252 40425 25510 38308 38724 52061 34820 42060 70085 32525 25837 21120 81053 32555 54100 73055 36018 55005 56855 84888 50246 50870 31203 81802 3863 34746 02471 63407 33107 50353 73817 24882 2166 08060 01807 6806 35600 45042 8008 80141 102876 82202 1310 31116 38538 50060 21077 17702 33055 60075 01757 7238 76485 02875 35166 64686 70288 81002 04254 72365 2000 86100 10365 65323 07077 28205 8034 06605 83343 12331 30384 30846 86386 50334 73112 80451 5706« 41804 36107 50675 07353 36707 14653 34141 46627 72880 3160 48403 101808 13855 00273 63387 01080 05004 67085 6651 85240 76406 7576 50307 13360 03004 35606 44132 85830 61201 6110 52204 41687 4622 3047 30500 103005 23036 43643 10174 85074 23472 14172 18415 73131 85131 34223 50742 44571 03771 67202 18588 23164 31030 17310. Kinderopern-Aufführung durch den Kinderchor der Ausflger LolkSsinggemeinde. Die Kinder» und Schulopern gehören ebenso wie die S ch u l- u n d L eh r st ückezu den wertvollsten Gaben, die uns die nwderne Tonkunst der lehten zehn Jahre beschert«. Denn diese Kom« positionSgattnngen haben nicht nur die Aufgabe, der Jugend Gelegenheit zu niusikalischcr Betätigung und Schulung zu geben, sondern auch die vielleicht noch wertvollere, der Musik durch die Jugend selbst die Wege zur Jugend zu bereiten.' Bei der am vergangenen SamStag im groben Saale dcSAussigerBolkshauses ins Werk gesetzten NachmittagSveranstaltung gelangten durch den Kinderchor der Nussiger Volks« singgemeinde zwei Kinder« oder Schulopern zur Aufführung: Paul D e s s a u S„Eisenbahnspiel" und Georg B lu m e n s a a t s„W i r l>a u enu n Sein Autonndfahrenum die Welt". ES handelt sich hier nm zwei lustige Kinderopern, die beide einer besonderen Kindersehnsucht Rechnung tragen: deni Drange nach der Ferne und der Wander- und Re. einst. In der Dessau'schen Kinderoper ist cS< Eisenbahn, die in ausgesuchten Szenen den K.uoerwünschen entsprechend verherrlicht wird, in der Blunicnsaatschen Kinderoper wieder ist cS das moderne Verkehrsmittel des Auto, das die Reisefreude der Kinder lockend schildert. Fcst- gefiigter ist daS Dessau'sche„Eisenbahnspiel", in dem bei Szencneinheit«ine lustige Fahrt nach Honolulu der Gegenstand der Handlung ist, die zu den ver schiedensten auf die Eisenbahn bezughabendcn Szenen und Gesprächen Anlab gibt. So sieht und härt man«ine köstliche Streitszene um die guten Plätze, eine ebenso köstliche Szene im Tunnel, eine lebendige Ankunftö- und eine ebenso frische Heimfahrtsszene. Musikalisch ist alles sehr charakteristisch unterniglt und dem Kinderchor sind hiebei nicht unbedeutende Ausgaben gestellt, wenn er sogar vielfach polyphon, fugiert oder kanonisch seine GcsangSkuiist zeigen soll. Auch Blmnensaats Kinderoper„Wir bauen uns ein Auto und fahren um die Welt" behandelt eine Abreise und eine Heimfahrt mit einem dazwischen liegenden Aufenthalt im wilden Urwald Afrikas. Sehr originell wirken bei ihr die szenischen Anordnungen; vor allem die im Urwald spielende Szene, die der Phantasie der Lkinder so recht entgegen kommt. Musikalisch ist auch hier alles sehr treffend gezeichnet; der Hauptton liegt natürlich auf dem exotischen Charakter der Musik. Auch die Musik zu dieser Kinderoper ist' für Kinder recht anspruchsvoll und diese müssen sehr tüchtig Im Rhythmus und gut geschult in dcr^ Intonation sein, um ihren Aufgaben gerecht zu werden. Aber es ist der besondere Vorzug beider Kinderopern, dab sie bei aller musikalischen. Feinheit und Kompliziertheit der Form und deS Satzes doch einfach im Ausdruck bleiben und im melodischen und rhythmischen Sinne hinlänglich eingänglich sind, uni von Kindern verstanden und aufgeführt zu werde». Dies zeigte ja übrigens die ausgezeichnete Wiedergabe beider Werke durch den Anssi- gerKinderchor, bei der sich»eben diesem selbst I auch etliche K i n d e r s ä n g e r als tüchtige S o l i- | st c n erproben konnten. Professor Leo Fran z. der musikalische Leiter der Kinderopern, hat das Verdienst, seine musikalische Kindcrschar für diese Aufgaben mit beispielhaftem Flcis; und ebenso beispielhafter Geduld herangebildet, sie nnisikalisch so geschult zu haben, das; man einer Ailfführung teilhaftig wurde, die Vergnügen, Freude und Befried!« gung bereitete und die eine neue schöne Ehrenstation in der Geschichte unserer Nussiger Sängcrgenossen bedeutet. Nicht geringen Anteil au dem Erfolge hatte auch das mitwirkende, aus Jugendlichen zusammengesetzte O r ch e st e r, die originelle szenische Arbeit Alfred L i eb r e i ch S, der auch als glänzender und einfallsreicher Crufercucier wirkte, und Adolf Troppschuh-Brnnder als Leiter dec S P r e ch ch ö r e, die von der Bieten Anssi- g e r Bürgerschule gestellt ivordcn waren. Der zuletzt Genannte tvar auch der glückliche Verfasser eines stimnuingS- und wirkungsvollen Vorspieles zu den Kinderopern, das diesen in der schönen und dramatisch sicheren Anlage auch ohne musikalische Gewandung in nichts nachstand und daS nian „Unsere liebe Eisenbahn" nennen und als ein glänzendes Werbestück für sie bezeichnen könnte. Der Besuch der Veranstaltung war sehr zahlreich, hätte aber wohl noch eindrucksvoller sein können, da eS sich um Werke handelte, die den Schulkindern erst kürzlich durch den Schulfunk bekannt ge- Ivordcu Ivar, so daß doch der Wunsch rege werden uiusjtc, diese Kinderopern auch in der szenischen Wirklichkeit kennen zu lernen. Hier zeigte sich ja auch tatsächlich erst ihr großer Lehrwerk und ihre starke unterhaltende und die Kinderphantasie anregende Anziehungskraft. E. I. Seite 5 DienStag, 17. April 19.34 die tvar Die öffentliche Meinung war für Krcugcr, für die Genialität seiner Hochstapeleien. Auch dieser dritte Fall beweist nur. wie tveit in unseren Auffassungen von der ruhigen M o t o r r a d u-n g l-ü ck. Ein Motorrad, das dessen Besitzer/ der 29jährige Beamte des Städtischen Brauhauses in Böhmisch-BudweiS, Franz Schwarz, lenkte, stich aus bisher nicht festgcstelltcr Ursache gegen den aus der Gegenrichtung lvmmcn- den 22jährigen Schlosser Franz Kadlec aus Roj« nov. Auf dem Soziussitz befand sich der Bruder des MotorradbesitzerS. Bei dem Zusanunenstotz wurden Schwarz und Kadlec vcrlvundet und in betllnbtlosem Zustande ins Böhmisch-Bnd- - weiser Krankenhaus transportiert. Die Ursache des Ivar Krcugcr. war eine Einmaligleit,, und überragte beide Hochstapler sowohl Stavifly■ als auch Zajiict. Die waren bescheidene Grcisler- uaturen diesem linikal gegenüber. Finauzcuropa lag ihm anbctcnd zu Fügen und auch die nüchternen, gerissenen?)ankecs glaubten- mit KrcugcrS Erscheinen an die Hegemonie Europas. Sic huldigten diesem überragenden Schauspieler, diesem moneh-maler von Napoleonformat. Spielend gelang cS.Krcugcr. Aktienpakete ganzer Konzerne von New Dort nach Paris, von Paris nach London zu verlaufen, Aktienpakete von Konzernen, die weit und hoch in der Stratosphäre schwebten, aber Ivar hatte gezeichnet und das genügte, wie bei Rothschilds. Später allerdings— r da war das Unglück schon geschehen—, rochen die verehelichen Sternenbannermänner Lunte, mobilisierte» ein Dcteltwkorps. nwbilisiertcn Scotland Dard. veranstalteten eine wilde Hetzjagd, waren überall am Festland und am lleberscedampscr hinter Ivar her und wie die Ratten über Bord, so sprang angeblich Ivar aus dem Leben, was aber gar nicht in den Rahmen seiner Persönlichkeit passen will und absolut nicht dem Charakierbildc entspricht, daS wir, Zeitgenossen, von diesem edlen Gauner haben. Wo ist ein Finanzminister Europas oder Amerikas, der Krcugcr in der Großzügigkeit seiner Konzeptionen nachkommt? In Europa gibt c« ein gutes halbes Dutzend junger, neuer, kleiner, eitler Staaten mit den Tugenden und Arten des montierenden Gernegroß und diese jungen, neuen Staaten hätten sich um dieses Finanzgcnie im Lizitationöwcge gerissen. Ivcnn Krcugcr sich ihnen zur Verfügung gestellt hätte. Doch zog es ja Kreuger vor. in aller Welt sein Home und die best bezahlten Maiträssen der Welt zu besitzen. DaS kostete etliche Stangen Gold, gerade genügend, um das Budget irgend eines Kleinstaates.stiSGlpich« gewicht zu bringen. Kreuger lieble das Leben, mit. einer Leidenschaft und einer Inbrunst, daß man die Geschichte seines Selbstmordes bezweifelt. Und es gab nachher Menschen,— Frauen waren es—, die wollten Ivar in aller Welt begegnet sein. Die eine sah ihn am Newski Prospekt bei den Bolschewiken, eine andere hörte, er wäre in Polen, eine Dritte verlegte seinen Wohnsitz in den australischen Busch. EinS ist sicher. Ein Ivar Kreuger wirst daS Leben nicht so simpel von sich, er war keine Natur, die sich auf so bürgerlich-romantische Art aus diesem Leben machen würde, aus dem Leben, an dem er so hing. Ivar Kreuger war menschenscheu, wie ein Troglodyte, das findet seine psychologische Motivierung in der Belastung keines Gewissens. Krcugcr war, Ivie alle Hochstapler, ein notorischer Verschwender, was wieder den Unsummen entspricht, ; über die dieser»Magnat" disponieren konnte. Daß , er sein Hasardspiel mit Europa und U. S. A. so« . lange ungestört treiben konnte, daS hängt mit der , Geldgier seiner minder talentierten Mitläufer, , seiner Knechte und schäbigen Vcrdiencrkreaturcn , zusammen, die allesamt die Fresse hielten, solange sie ihnen Kreuger mit Bakschischen stopstc. wir VorkricgSnorm entfernt sind, wie gewisse Schichten unserer armen unglücklichen Generation von Gold- und Machthunger, von Geltungstrieb beherrscht, Vernunft, Sachlichkeit, Ehrlichkeit beiseite schieben, um über solche unbequeme Handycaps hinwcggehcnd, zu ihren sehr fragwürdigen Zielen, so rasch als möglich, zu gelangen. Wir leben doch in der herrlichsten aller Zeiten, wo phrascndreschcndc Vaganten mit Gold, Mitrailleusen. Maschinengewehren., einen gerissenen Manager vorausgesetzt, ohncwcitcrS für einen Kaiserthron kandidieren können. Ansmachnng ist alles; wenn die klappt, kann man auch dem alten Jehovah das Braunhemd anpasscn. E i n Mensch jongliert mit ungeheuren, fast überdimensionalen Werten, das Publikum schaudert, der Jongleur könnte irgendwie fchlgrciseu, zittert für ihn, ein einziges Individuum spielt va banquc in der Weltwirtschaft, ein Mensch, der von kaufmännischen Normbegrisfen,— wie Seriosität, Solidität. Ehrlichkeit—, einige Lichtjahre weit entfernt ist. Weder Paris. London, noch New?>ork, Chicago haben eine Ahnung, daß hier fauler Kulis- scnzaubcr vorliegt, daß Ivar aller Welt die gelungensten potcmkinschcn Dörfer vorsührt und alle sind sie von seiner Suggestivkrast wie besessen» es drehen sich die schweren Tresoriüren in ihren Angeln weit auf und Ivar hat überall Entree und schöpft aus dem Vollen. Der Neid der Rothschilds hier, der Morgans, Nockefcllcrs drüben ist nicht klein. Der alte, solide Glanz verblaßt, sie werden alle schäbig, werden zum Alteisen geworfen, mctcorgleich leuchtet ein Stern erster Größe hell auf, seine Lichtstärke blendet Europa, wie Amerika. Die Rothschilds beispielsweise brauchten Generationen, nm groß und breit zu werden/ Da war doch Grundlage, sukzessiver Aufbau, sic dienten doch Kaiser und Reich, man hatte cs doch nicht so leicht und da kam so plötzlich, jung, feurig. Sturm und Drang, ein Wildfang, dcpossedierte Althergebrachtes. Konservatives, daö sich in seiner Trägheit so wohl sühlte, schob sie, die Rothschilds, mit einer einzigen souveränen, grandscigneurcn Geste in den Winkel der BedcutungSlosigleit; sie schmollten natürlich für eine Weile und fanden ssich dann mit der-Tatsache ab, und hofften dann wieder auf Ihn? kvmmrllde Stunde,/die nickt ausbleiben konnte, so währ sich die Erde dreht. Kreuger nahm den Planeten wirklich im Sturme und die Menschen folgen gerne dem Sturm und Drang und haben heute für die kaufmännischen Grundsätze der„Boodenbrooks" wenig-Verständnis. Dann kam die Ernüchterung, der große Kladderadatsch, und da wollte man sich für treue Gcsinnungsgesolgschaft nickt schämen und pricS das Geniale von Krcugers Gaunereien in den Himmel und ersparte sich, sich selbst an der Nase zu packen.. Die erste Schwämmevergiftung Freitag wurde a»f die Klinik deS Prof. Hynek in Prag der öl jährige Gärtner SouLek gebracht, der sich eine Schwanunvergiftung zugezogen hatte. Seine Frau erzählte, das; er sich zum Mittagessen Chainpione zubereiicit ließ, die er selbst in seinem Garten gezüchtet hatte. Gehirnoperatio« mit Kurzwellen Anfsrhrnerregende Versuche in Wien Im Wiener Psychologischen Institut berichtete Professor Scheminsky dieser Tage von aufsehenerregenden Versuchen, die er seit einiger Zeit an Tieren vornimmt, um die Wirkung von Kurzwellen auf daö Gehirn fcstznstcllcn. Besonders interessant waren seine Demonstrationen an einen lebenden Huhn. Läßt man durch das Gehirn des Huhns Kurzwellenströme hindurchgchcn, so wird die Tätigkeit dieses Organs sofort auSgcschaltct, als ob es durch einen Eingriff' entfernt worden wäre.' Es handelt sich hier also eigentlich nm eine Operation ohne Messer, ohne Blutverlust und ohne Wunde. In dem Augenblick, als das unsichtbare Instrument in Wirksamkeit tritt, verliert das VersnchShnhn jedes Bewußtsein. ES bleibt rcgnngSloS, wie versteinert stehen, seine WillcnS- impnlse sind auSgeschaltct und es reagiert nur noch durch unwilllürlicke Reflexbewegungen. Man kann dem Huhn mit dem„weggczau- bcrten" Gehirn daö schmackhafteste Futter vorsetzen: eS macht keine Miene, auch nur ein Körnchen aufzupicken. Man muß cs künstlich füttern und tränten. Merkwürdig ist sein Verhalten, wenn inan cS auf den Rücken legt. Dann meldet sich reflexartig daS gestörte Gleichgewicht. DaS Tier ist sofort wieder auf den Beinen und— verharrt weiter regungslos in dieser Stellung. MarconiS»elektrisches Messer". In Ehclmford wurde vor einer Gesellschaft , von Aerztcn und Gelehrten ein neuartiges Jn- ; strument vorgesührt, daö von Marconi und seinen . Mitarbeitern zu chirurgischen Zwecken konstruiert , wurde, und das unblutige Operationen mit Hilfe ' von Kurzwellen ermöglicht. Dieses„elektrische Messer" ist eigentlich ein Stäbchen ohne Schneide, das mit einer Kurzwcllcn-Apparatur verbunden ist. Wird eS z. B. an ein Stück Fleisch herangeführt, das aus einer Metallplattc ruht, und der Stromkreis geschlossen, so kann nian mit virtuoser Sicherheit daö Fleisch entzweischneiden. Eine glatte, trockene Schnittfläche bleibt zurück, kein Tropfen Blut geht verloren. Wenn auch die Erfindung im Prinzip nicht neu ist, so wurde sie doch von Marconi zu einer bisher ungekonnten Vollkommenheit entwickelt. Das Geheimnis ihrer Wirksamkeit besteht darin, daß der Zauberstab eine mit Hochspannungöstrom geladene Elektrode darstcllt. Beim Schließen deö Stromkreises^twiikelt sie eine solche Hitze, daß die Zellen, welche sie berührt, radikal getötet' werden. Die Blutgefäße ziehen sich unter der Einwirkung deS Stabes zusammen und werden ge- wisserinaßcn versiegelt. Ein besonderer Wert dieses Verfahrens liegt darin, daß nach der Operation an der amputierten Stelle keine lebenden Zellen zurückbleiben, die den Verlauf der Heilung gefährden könnten. Geschwüre, Wucherungen usw. können vom Arzt mit dem„elektrischen Messer" entfernt werden, ohne daß die Gefahr einer Jn- feltion cintreten kann. Der„Flohtöter". Außer dieser Erfindung ist Marconi vor kurzem noch mit einem anderen Heilapparat vor die Ocffcntlichkcit getreten. Er beruht auf dein Prinzip, daß man mit Hilfe von llltra-Knrzwcl« len im Körper lünstlichcS Fieber erzeugen kann. MarconiS„Flohtötcr", wie ihn die englischen Aerzte in humoristischer Weise nennen, soll imstande sein, Bazillen im kranken Organismus ab- ziitöten. Der Apparat wird gegenwärtig in einer Reihe von Kliniken erprobt. Ein Sträfling ermordet seine« Wächter Budapest, 1ö. April.(MTJ.) Ein verwegener Mord wurde heute auf der Oedenburg- Köhidacr Landstraße verübt. Der 27jährigc Sträfling Josef M a r j a y, der in das Köhidacr Zuchthaus gebrockt werden sollte, überfiel auf der Landstraße seinen Wächter Stefan L a S k o, warf ihn in den Straßengraben und entriß ihm das Bajonett, mit dem er dem Wächter mehrere tödliche Stichwunden beibrachte. Dem schon fast leblosen Wächter versetzte er dann noch mit dem Kara- bincrkolbcn starke Schläge auf den Kopf. Nachdem Marjay sein Opfer ausgcraubt hatte, entfloh er in einen naheliegenden Wald. Die behördlichen Nachforschungen sind im Gange. Von der Mordtat wurden auch die österreichischen Behörden verständigt, da der Mörder möglicherweise über die österreichische Grenze geflüchtet ist. Europo-Gangster 1934 «nv Otr. 3 t 3tmr Kreuger Von V i k t o r M a n d I. Redakteur Wrzos das Auto plötzlich bremste, über schlug cS sich und wurde zertrümmert. Dr. Ruck- k e r und seine Gattin fanden an Ort und Stell den Tod. Dr. WrzoS erlitt lebcnsge- fährlichcVerletzungen. Der Verstor bene war seinerzeit Chefredakteur deS in Danzig erscheinenden offiziellen polnischen Presseorgans in deutscher Sprache„Baltische Presse".(lieber daS Schicksal des Radfahrers gibt die polnische Meldung keinen Ausschluß. D. Red.)— Sonntag spät nachts ereignete sich auf der Staatsstraße von< wcyer nranicnyauo rranoporcieri Ro.snov nach B ö h m i s ch- Bu d w e i 8 ein| Zusammenstoßes wird untersucht. Höchste Apriitemperntur seit 1921! Von Westeuropa, wo Sonntag stellenweise 89 Grad Celsius erreicht wurden, hat sich die Wärmcwelle nunmehr nach Mitteleuropa auSgcbreitet. In Böhme» überschritt die Temperatur am Montag vielfach pluS 25 Grad Celsius. Nach 15 Uhr wurden in Prag am Karlov 27 Grad Celsius verzeichnet. Die» ist die höchste Apriltcmperatur seit der Errichtung des dortigen Observatoriums im Jahre 1921. Wahrscheinliches Wetter am Dienstag: Zcit- etwaS stärkere Bewölkung, stellenweise Gewitterneigung, sonst jedoch schön, warm bi» sehr wann. Im Osten de« Staates weiterer Temperaturanstieg. Bor den Augen der Mutter getötet. Als eine Ziegenhirtin bei Cosoletto(Italien) ihre Herde beaufsichtigte, sah sie plötzlich, wie eine hundertjährige Pinie stürzte, unter der ihre drei Kinder spielten. Als die Hirtin hinzucilte, Ivaren zwei der Kleinen bereits tot, während daS dritteschwer verletzt geborgen wurde. Goebbels große Verdienste. In Berliner nationalsozialistischen Kreisen wird kolportiert, daß die Uebcrtragung deS Verbreitungsgebietes des »Angriff" an den Verlag des„Völkischen Beobachter" auch mit der Notwendigkeit zusammenhängt, die Riescnverdienstc von Goebbels einzuschränken. Die Führer der NSDAP sind wie Generale im 30jährigcn Krieg, die nach ihrem Sieg sich persönlich riesig bereicherten. Goebbels bezieht nicht nur Ministergchalt, und die Parlamentsdiäten, sondern er hatte auch erheblichen Gewinn aus dem„Angriff". Einen viel größeren Verdienst bezieht Goebbtls ans der Amtswalter- Monatsschrift„Unser Wille und Weg". Jeder Amtswalter ist verpflichtet, diese Schrift zum Preise von monatlich 30 Pfg. zu abonnieren. Da die Zahl der zum Bezug Verpflichteten in die Hunderttausendc geht, beträgt bei hoher Berechnung der Unkosten der monatliche Reingewinn ca. 25.000 Mk.(D. G.) Ei» internationaler Esperantisten-Kongreß wird vom 4. bis 11. August in Stockholm veranstaltet werden. Man erwartet, daß zu dem Kongreß einige tausende Eperanti- st e n sich einfindcn werden. Außer Schweden werden England, Esthland, Deutschland und Frankreich am zahlreichsten vertreten sein. ES werden ferner Delegationen ans 19 anderen Staaten eintrcffen, u. a. auch eine tschechoslowakische Delegation. Es werden auch Esperanto- Aufführungen im Nationaltheater stattfindcn, wo schwedische Schauspieler ein Stück von S t r i n d- berg und eine tschechoslowakische Gruppe vom Brünner Nationalthca- t e r eine Komödie aufführen werden. Kkeine Feststellung. Die kommunistische„A. I. Z." leistet sich in ihrer letzten Nummer einen kleinen, aber sehr bezeichnenden„Irrtum". Unseren unsterblichen Koloman W a l l i s ch läßt sie am Galgen der Dollfuß-Henker in die Worte ausbrechen:„ES lebe die Nrbeitcrregierungl Nieder mit den Henkern!" Bekanntlich hat Wallisch angesichts seiner Mörder mit lauter Stimme über den Gefängnishof gerufen:„EslebedicSo- zialdemokratiel Freiheit!" Aber die Herren von der„A. I. Z." dürfen ja nicht wahrheitsgemäß berichten, sonst fährt ihnen ein linientreuer Oberbonze übers Maul. Und so sind sie gezwungen, so geschmacklos zu sein, die letzten Worte eines proletarischen Helden zu„ändern", weil die Wahrheit nicht in den Ekkikram patzt! Arme„Revolutionäre".... Flirgertod. Samstag abends stürzte in der Nähe von Caen ein Flugzeug ab. Der Mechaniker kani hiebei umS Leben. Der Pilot erlitt tödliche Verletzungen. Eine schwere Autokatastrophe ereignete sich Sonntag bei Radom in Polen. An einer Straßenbicgung geriet ein Radfahrer unter die Räder eines Automobils, welches von dem bekannten Warschauer Journalisten Konrad Wrzos, dem Leiter der Warschauer Redaktion des„Kurjer Codzienny", gelenkt wurde und in dem sich der stellvertretende Chef des Pressebüros des Außenministeriums Ministerialrat Dr. Emil R u e ck e r mit seiner Gattin befanden. Als Seite 8 „Sozialdemokrat" DienStag, 17. Avril 1934 89 PRAGER ZEITUNG ab in Gcrichlssaal Tr. an- arbcit trotz aller zeitweiligen Hindernisse auf beiden Feiten immer mehr an Boden- Lohnherabsetzung nur bei Zustimmung des An- die der Frmiensektionen von 75 auf 79. zirk b87 der Mitteilungen ans dem Publikum. Gene» Berstopfiing sind Lrovillrn ein milder und sicher wirkendes, auch bei längerem Gebrauch vollkommen unschädliches Abführmittel ans rein pflanzliche» Bestandteilen. L e o p i l l e n haben sich selbst in chronischen Fällen seit 20 Jahren vorzüglich bewährt. Packungen zu KL 3.00, KL 8.— und KL 15.75 in allen Apotheken. Versuch überzeugt. 2860 Im Be- Graoliy ist die Ziffer der Parteimitglieder um gestiegen. Im Bezirke Ncudck, der 50 Prozent einst Arbeitenden als Arbeitslose meldet, sind Mitglieder gewonnen worden. In einer Erläuterung zu dem gedruckt vorliegenden finanziellen Bericht skizzierte der Referent kurz die Situation der Partei-Institutionen und sagte zum Schlns;, das; unsere Krcisorganisation gerade in der Kriscnzeit ihre Festigkeit erwiesen Hobe. Tie vorliegenden Berichte zeigen, dast die Mitgliedschaft trotz Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit in Treue zur Partei steht. Ten Bericht der Kontrolle erstattete Genosst Köhler, der Dank und Entlastung für den Kreiskassier beantragte. Sodann erdiclt Genosse C z e ck das Wort zu seinem Referat, das wir an derer Stelle bringen. Nach der Mittagspause wurde die Tcbatte gewickelt, an der sich 15 Tclegierte beteiligten, seinem Schlnstwort ging Genosse Tr. Czcch auf einzelnen Tebattenredner besonders ausführlich Ans der Partei Kreiskonferenz in Karlsbad I» Karlsbad hat Sonntag, den 15. April, die erdenkliche Krciskonfcrenz unserer Karlsbader KreiS- orgauisation slattgefnnden. Um halb l> Uhr eröffnete der Kreisvcrtrauensmann Genosse de Witte die Konferenz. Er verwies auf die gewaltigen Ereignisse in Deutschland und Oesterreich: Unsere österreichischen Genossen haben eine gctvaltige Schlacht verloren, aber der Krieg geht weiter. Unter stürmischem Beifall der Konferenz stimmte die Konferenz der Absendung des folgenden TelegrammeS an Genossen Glöckel zu: UntrrkuchungSgefangener Ott» Glöckel, Ge- sangenenhauS, Landesgericht I, Wie». Westböhmische KreiSkonferenz KarlSbad-Alt- rohln» sendet Dir und allen Deine» Schicksals- grfährtrn herzlichste FreundschaftSgrüßr. Auf Wiedersehen! Stehend hörte die Kreiskonferenz daS Gedenken an die Verstorbenen, vor allem an die österreichischen Helden, die in offenem Kampf oder unter christlicher Mörderhand fielen, an. Nach der Wahl des Präsidiums begrünte für die tschechische Sozialdemokratie Genosse V o n d r ä k die Konferenz, worauf noch einige Begrüstungsschreibcn verlesen wurden. Tann erstattete Genosse de Witte den Bericht der Kreisvertretung. Dieser Bericht ist gekennzeichnet dnrch die Wirtschaftskrise und die graste Arbeitslosigkeit. In Westböh- men gab es im Jahre 1031 27.000 Arbeitslose, 1083 lvaren cö 07.000. Man kann also sagen, dast bis heute sich biü zu 60 Prozent unserer Arbeiter im Zustande der Arbeitslosigkeit befinden. Dennoch bat sich die Partei in Westböhindn gut gehalten. Die Zahl der Lokalorganisationcn ist auf 278 gestiegen. Neber dir„WährungSschwankungc» und ihre sozialen Einflüsse" spricht in der Sozialanstalt der Tschechoslowakischen Republik am Donnerstag, den 10. Avril, um halb 20 Ubr. im VortragSsaal des Ministeriums für soziale Fürsorge. Prag I I., Palackv- platz-1, Herr Redakteur Tb. P i st o r i u S. Eintritt frei. Automatisternng der Trleplwnzrntralr in Hosti» var Postamt Prag 70>. Samstag, den 21. April 1031, wird die manuelle Tciepbonnebenzcntrale in Hoftivai«Postamt Prag 761 in eine'automatische Zentrale nmgetvandclt werden. Von diesem Tage an sind daher die Teilnehmer dieser Zentrale mit den neuen, in dem Televbonvcrzeichnist'e des Prager Telepbonnetzes für das Jabr 1031 auf den Seiten 580 und 500 publizierten Nummern zu rufen. Bezugsbedingungen: Bet Znstellung ins HauS oder bei Bezug durch die Pott monatlich KL 10.—, vierteljährig KL 48.—. halbjährig KL VS.—, ganzjährig KL 102.—.— Inserate werden laut Saris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PreiSnachlast.— Rückslelliing von Maniskripicn erfolgt nur bei Einsendung der Retournkarke».— Die ZeitiingSfrankainr wurde von der Post- und Telcaravben- direktion mit Erlast Nr 13.800/VlI/ll>30 bewilligt.— Druckerei:..OrbiS". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag. H r d l i k k a, zusammen, der ihnen klagte, dast er keine Arbeit finden könne. Darauf gaben sich die beiden als Inhaber eines AutotranSportunternebmenS aus und versprachen ihm eine Anstellung in ihrem angeblichen Betrieb. Er könne gleich am nächsten Morgen anrrrten und diese Nacht in der Garage schlafen, die sich in Lieben befinde. In seiner Herzensfreude zahlte der arme Teufel den beiden Gaunern ihre Zeche und bekam auf seine letzte Zwanzigkronennote heraus. Tann machten sich die drei auf den Weg nach Lieben zur angeblichen Garage. Auf der mcnschcnlccren Landstraste beim Meierbofe„P r a- Sait a", wo die Straste nach Lieben abzweigt, verlangte der eine von den beiden Kumpane, HrdliLka solle ihm die Zcbnkronennote, die er im Gasthaus zurückbekommcn hatte, für Kleingeld eintauschcn. Als der Asyllose seine Brieftasche zog, erhielt er einen Hieb gegen d e n K o p f, die Brieftasche wurde ihm ans der Hand gerissen und die Gauner verschwanden. Sie wurden ausgeforscht und verhaftet, tvobei sich berauSstellte, dast sie auch noch einige D i e b st ä hl e auf dem Gewissen batten. Tie Angeklagten wurden von den Geschworenen in allen Punkten der Anklage für schuldig erkannt und j e . drei Fahren schweren und v er schär f- ' ten Kerkers verurteilt. rb. Hilferufe. d, im Mund batte er einen Knebel Bert fcilgcbunden. Tie Lärm und riesen den Polizei- t. Hora, welcher im Hause wobnte. zu Hille, ora stellte lest, dast Wiedemann zwei Schläge imvien Gegenstand in die Schläfe und in die Brust und den Handrücken ver» waren. Inzwischen kam die Polizei den Verwundeten einem Verhör. Wie» nun an, dast es, als er wieder in der Wobnung Ivar, geläutet batte. Er habe geöffnet und im selben Augenblick einen solchen Schlag auf den Kopf bekonnnen, dast er da? Bcwusttscin verlor AuS der Wobnung wurde» 380 KL und einige wertlose Kleinigkeiten gestoblcn. In der kritischen Zeit wurde vor dem Haufe ein verdächtiger Meizsch ge- iebcn, deiscn Nanie sogar fesrgestcllt werden konnte. Schon um 21 Ilbr wurde der Verdächtige festge- nommen. Er leugnete jedoch heftig und gab auch ein Alibi an, welches bestätigt wurde. Ranbüberfall auf eine« Arbeitslosen Tie lebte» Heller abgenommen.— Sechs Jahre Kerker. Prag, 16, April. Selten ist wohl«in R a übst r o z e st verhandelt worden, der sich um eine so geringe Bente drehte, wie der vor dem heutigen Schwurgericht unter Vorsitz des OGR. M a r e L e k dnrchgcfiihrle; selten hat aber auch die eingeklagte Straftat eine so grenzenlose Verkommenheit, eine so uiedrigcSkrupcllosigkeit derTätcr verraten,wie in diesem Fall. Ein Satz sagt alles: Der Beraubte >var ein Arbeitsloser und sein ganzer Besitz belief sich auf sehn Kro- ii e», den zwei Tätern, dem 82jährigcn Hynek Z ä k, einem bekannten, mehrfach vorbestraften Rausbold und dem 22jährigen Josef R y s a v h, einem ehemaligen Klemperergehilfen, war bei Begehung ihrer Tai bekannt, dast sie cs mit cincni Erwerbslosen zu tun hatten. Die beiden Augcklaglcn kamen in einem Zi.fko- Sport• Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Sport Sparta gegen Vienna Wien 0:0. Ein Spiel, das graste Hoffnungen weckte, jedoch sehr enttäuschte. Beide Mannschaften führten ein so schwaches Spiel vor, daß sie von den Zuschauern mit Recht auSgepfiffen wurden. Bei Sparta trat zum ersrenmale Faczinck(der Wandervogel aus dem DFV.»Nordgau- an. Vienna kmn mit dem ehemaligen Arbcitersportler Artimovie sZentralverein), der aber versagte. Ein„würdiger" Ersatz für das Polcnspiel war diese Veranstaltung aber, denn die Prosis machten sich ihre Sache— sehr angenehm. Sportklub Wien war dazu auSersehen, den: tschechoslowakischen Auswahlteam ein Sparringvarr- ner zu sein. Die Wiener hatten aber in dem samstägigen Spiel— da sie noch ohne ihre erste Verteidigung antraten— nichts zu bestellen, denn sie wurden mit 0:2(5:1) geschlagen, obzwar das Aus- wahltcam keine überzeugende Gesamtleistung bot.— Am Sonntag erzielten die Wiener in K l a d n o gegen den dortigen SK. einen Sieg mit 5:4(2:3). DaS Städtespirl Brünn—Budapest, das am Sonntag in Brünn stattfand, brachte den Brünnern einen verdienten 5:1(2:1)-Sieg. Oesterreich schlägt Ungarn 5:2(3:2). In Wie» gelang den Oesterreichern über die in stärkster Ausstellung antretenden Ungarn ein hoher Sieg, der ihren» guten VcrteidigungStrio und dem schustkräs- tigen Sinn» zu verdanken,ist. Ter„Goldene Fusibnll" hatte am Sonntag mit dem Spiele TFK.—DFC. Prag in T e p I i tz seinen grasten Tag. DaS Spiel endete aber mit einem Unentschieden von 8:3(1:2). Tast die Prager nicht gewannen, daran soll der Schiedsrichter schuld sein! — In Bodenbach schlug die SpVg. den TFK. Aussig mit 5:1(2:0), Ohrfeigen— wiederum im Wild-Westgau. In dem am Sonntag in Eger stattgesnndenen Meisterschaftsspiele DFC. Graslitz—Sportbrüder Eger, das recht roh durchgesührt wurde, gab es immer, so ost der Schiedsrichter den Rücken zuwandte, saftige Ohrfeigen, die sich die Spieler beider Klubs verabreichten... BohrmianS Prag haben«ine Reise nach Rumänien unternommen. Am SamStag unterlagen dir Prager einer Auswahlmannschaft mit 8:2(1:1), konnten aber am Sonntag durch einen 8:1(1:1)» Sieg über dasselbe Team die Niederlage wettmachen. Sonstige Fuhballcrgrbniffr. Pilsen: Nn- selsky SK. gegen Viktoria 1:0 1:0) l— Kolin: AFK. gegen Viktoria ZiZkov 8:1(2:0).— Brüx: DSK. gegen CAFE. Prag 4:8(3:0).— Saaz: DSV. gegen TFK. Komotau 8:1(8:1).— Karlsbad: KFK. gegen Ccchoslovan Kosik 8:1(1:0).— Gablonz: BSK. gegen Fortuna 12:1.— Rei- chenberg: RFK. gegen SK. Grottau 7:1(5:0), DSV. gcg. DSK. Gablonz 5:8(1:0).— W a r n S- dorf: WFK. gegen DFK. Rumburg 8:0.— Brünn: DSV. gegen CASK. Zidcnice 1:0.— Protznitz: SK. gegen SK. Nachod 2:2(1:0).— Troppau: DSV. gegen Simmeringer AC. 5:3 (8:1).— O rlau: Hakoah Wien gegen Slovan 8:3(2:2).— Prestburg: Slavia Prag gegen ESK. 3:1(2:1).— Luxemburg: Frankreich gegen Luxemburg 6:1(2:0).— London: England gegen Schottland 3:0(1:0).— Warschau: Polen gegen Warschau 2:0(0:0). Neue Staffelrekorde im Schwimmen. Bei einem , Meeting in Pilsen erzielte die 4X 100-Mctcr- r Staffel von Nadbusa Pilsen mit 5:45 Min. einen , neuen tschcchoslotvakischen Rekord.— In Rotier- d a m verbesserte die holländische Fraucnstaffcl über , 4X100 Meter mit 4:33.5 Min. den Weltrekord. Geheimn'svoller Raubüberfall aus der Kteinseite. Tie HauSvcnvaltcrin Kobout in der Thomas« gaife in Prag lll bar in Untermiete die 17jährige Marie Beranek und den 21jährigen Kellner Ä iedemaun. Sonntag kamen die Beranek mit der Tochter der Hausfrau um bald 7 Ubr nach • Haufe. Sie fanden die Wohnungstür geöffnet und die Wohnung in größter Unordnung. Noch bevor sic sich von ihrem Erstaunen erholt batten, hörten sie aus dem Zimmer Hitscrufc. Sic fanden Wiedemann am Boden liege und die Hände waren an Mädchen schlugen nun arz Tr. mit einem st Stichwunden letzt worden und untcrzok bemann gab der führte Thema: Einleitend erinnerte Minister Tr. Kxosia an Palackhs bekannte Formulierung,. dcrzufolgc dar Wesen der Geschichte Böhmens in dem Gegensatz zwischen der tschechischen und deutschen Nationalität und in dem starken tschechischen Nationalgcfühl bestehe, das aus dem Bewusttsein dieses Gegensatzes cttvachsen war. Palackh selbst habe sein« Anschauung später vcrttcst und genauer formuliert. Ist sie auch dann noch cinigermastcn einseitig geblieben, so drückt | sie dennoch eine tiefe Wahrheit aus: daS Verhältnis ßfftcKtfn des tschechoslowakischen Volke» zuzi Deutschtum, zum Eine wichtige Entscheidung de» Arbeitsgerichtes Prag, 16. April. Eine für, jeden Angestellten wichtige Entscheidung, fällte daS hiesige Arbeitsgericht (OGR. D o l e j s). Ein Chauffeur hatte auf nach trägliche Bezahlung von Lohnab zügen in der Gesamthöhe von 1750 KL geklagt, unter Berufung darauf, dast ihm ohne seine Z u st i m m u n g der Lohn durch eine Reihe von Monaten auf Grund einseitiger Anord nung des Arbeitsgebers gekürzt wurde und solche einseitigeLohnkürzungen nicht rechts» wirksam seien. Die beklagte Firma berief sich darauf, sie habe durch öffentlichePlakatierung in den Geschäftsräumlichkeiten ihrem Personal mit» geteilt, dast die Löhne um zehn Prozent gekürzt wur den und der Kläger habe den gekürzten Lohn ange» nommen, was als Zustimmungserklärung aufzufas sen sei. Demgegenüber wies der klagende Chauffeur nach, er habe bei Empfang der gekürzten Auszahlung p r o t e st i e r t, worauf ihn der Direktor des Unter nehmen» mit dem Bescheid abspeiste, wenn ihm der gekürzte Lohn nicht genüge, so könne er seiner Wege gehen, eS gebe genug Chauffeure, die um 150 KL pro Woche arbeiten(Kläger bezog ursprünglich 275 KL). Aus Angst vor der Arbeitslosigkeit, also in schwerer Zwangslage, habe dann der .Kläger den gekürzten Lohn angenommen, auch als nach einiger Zeit eine weitere zehnprozentige Kür» znng durchgesührt wurde. Auch bei dieser zweiten Kürzung legte er unter Hinweis auf den abgeschlos senen Dienstvertrag Verwahrung ein, aber wieder ohne Erfolg. Bald darauf wurde er entlassen und verlangte nun im Klagcwcge die nachträgliche Auszahlung der Differenz zwischen dem vertragS- niätzigen und dem einseitig gekürzten Lohn. Tas Arbeitsgericht schisst sich den Ausführun gen der Klage an und ver urteilte die be ll a g t e Firma zur Bezahlung des eingcklagten Betrages. In der Urteilsbegründung wird auSge- führt, dast eine Aenderung des TienstvcrtrageS nur durch übereinstimmende Willenserklärung der Ver tragspartner zustande kommen könne. Nach der Lag« deS Falles könne aber von einer Z u st i in m u n g des klagende nArbeitneh ni erSnicht gesprochen werden und einseitige Verfü gungen haben keine rechtsverbindlichen Folgen, rb. die ein und schilderte eingehend den schwere» Kampf um die Erhaltung der sozialpolitischen und arbeitSrechilichen Errungenschaften. Nach der Abstimmung über die vorliegenden Anträge wurde die Wahl der Kreisvertrettnig und Beratungskörperschaft vorgenommen, bei der Genosse de Witte wiederum einstimmig zum Kreisvertrauens ni anngewäblt wurde. Nach einem Schlutzlvort des Genossen de Witte lvurde die Konferenz mit dem„Lied der Arbeit" geschlossen. Susendbewegung Sozialistische Jugend, Kreitz Prag. Heute, 8^ Uhr: SJ. Weinberge: Plan der Arbeit.— SJ. 2 michov: Ter modenie Krieg.— SJ. H o I- leschowitz: Bunter Abend.— Donnerstag, den 19. April: SJ. Zentrum: Hauptversammlung.— Sonntag, den 22. April: Wanderte ef f e n. Schauspieler-Tragödie. Ter hervorragende Film- i schauspieler aus der Aera des sttimmen Films, Karl " t Sonntag in seiner Holly- ! w o o d e r Wohnung. Karl Dane konnte beim Tonsilm kein Engagement erhalten, da man der Ansicht war, dast er sich für ihn nicht eigne. Jara Prohaska— preußischer Kammersänger... Göring hat, wie der Amtliche preustische Pressedienst mitteilt, mehrere Künstler der Berliner Staatstheater zu preustische» Kammersängern, bzw. zu preustische» Staatsschanspielern ernannt, darnn- | ter Jaro Prohaska, Maria Müller, Gustav , Werner Kraus, Friedrich Kahst- I ter. Lothar Müthel und Maria Koppenhöser. Mit dieser Ernennung ist einelangfristigeBin» düng an die Berliner Staatsbühne verbunden. Wochenspirlplan deS Reuen Deutschen Tbeaterv. Dienstag, halb 8 Uhr:„?(i d a"(A 2).— Mittwoch, halb 8 Uhr:„Lord Bhron kommt aus der Mode"(Gastspiel Deutsch, D2).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„D i e l n st i g e W i t w e"(C2).— Freitag, halb 8 Uhr:„Lord Bhron kommt aus der Mode"(D2).— SamStag, halb 8 Uhr:„D i e l n st i g e W i t w e"(BI). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. TienS- ta4, abends 8 Uhr:„Kosmetik".— Mittwoch, 8 Uhr:„S chicksa I".— Donnerstag, halb 8 Uhr: „S t ra st e n m u si k"(Erstaufführung).— Frei» I tag, 8 Uhr:„Schicksal"(Kulturverbandsfreunde und freier Berkans).— Samstag, 8 Uhr:„S trast e n m n s i k". Vorträge Das Deutschtum in der älteren tschechoslowakischen Geschichte Ein Bortrag Minister Krostas. Minister Tr. Kamil Krosra hielt gestern „Urania" einen Bortrag über dar oben ange- deutschen Volke und seiner Kultur ist unstreitig eines der Grundelcmcnte der tschechoslowakischen Geschichte gewesen und ist mich heute eines dec Hauvtprobleme des tschechoslowakischen nationalen und staatlichen Lebens. Der Vortrag skizzierte in grotzen Zügen, wie sich die freilich für die kulturelle und wirtschaftliche Ent«®.?j, Wicklung deS Landes von Bedeutung gewesen ist. In gröstercn Mengen kamen deutsche Einwanderer erst seit dem zwölften Jahrhundert in- Land. Tie Ilr- fachen dieser Kolonisation tvaren rein wirtschastlicher Natur: sie wurde von den Königen gefördert und hat auf die wirtschaftlich« und soziale Entwicklung de» Lande» mächtig und im ganzen günstig eingewirkt. Für die nationale, Zusammensetzung der Bevölkerung der tschechoslowakischen Gebiete hat sie tveiireichende Folgen gehabt. Die bewußte Abwehr gegen den über mächtig tverdenden deutschen Einflust auf allen Ge bieten des öffentlichen Lebens, die einen denkwürdigen Ausdruck in der Reimchronik des sogenannten Tali- mil fand, konzentrierte sich um die Wende der vier zehnten und fünfzehnten Jahrhunderts auf die Prager Universität, wo cs zu nationalen Kämpfen kam, die mit dem Kutienberger Dekret vom Jahre 1400 mit einem Siege des einhcinüschen tschechischen Elementes einen vorläufigen Abschluß sanden. Dar Ergebnis der Hussitenkriege im Jnlande war ein Znrückdrän- gung des deutschen Elementes sowohl in den Städten als auch aus dem flachen Lande. Der scharfe Gegensatz zu den Deutsche» iui Reich war nicht von Dauer; ja die religiösen Reform bestrebungen der ehemaligen Ketzer fanden Verständ nis zuerst unter den Deutschen, und unter der Regie rung de» Hussitenkönigs Jiri von Podkbrad kam es zu einer weitgehenden politischen Annäherung zwi schen Böhmen und dem Reiche oder zumindest einigen der führenden ReichSsürsten. Die Folge dieser Nach lassens der Spannung waren auch neue Anknüpfungen auf kulturellem Gebiet und eine neue Eintvanderung von Deutschen in Böhyicn, die sich in den entvölker ten Städten und Dörfern ansiedelten. Eine neue Phase in der Entwicklung im sech zehnten Jahrhundert bedeutete einerseits die Refor mation Luthers, andererseits die Berufung der Habs burger auf den böhmischen Thron. Stellten sich die Deutschen mit der Reformation in einen noch schär feren Gegensatz zu Rom, als vor hundert Jahren die Tschechen, so brachte die Thronbesteigung der Habs burger eine neue Personalunion Böhmens nnt dem Reiche. Damit setzte eine neue Entwicklung ein, deren ’ Darstellung die Aufgabe eines zweiten Vortrages sein ' wird. Erst die Kenntnis dieser späteren Entwicklinig ' wird die Möglichkeit geben, ein vollständiges und rich- ' tigcs Bild des geschichtlichen Verhältnisses dcS.tsche- , choslowakischen Volkes zum Deutschtum zu gewinnen. i Aber schon die geschilderte ältere Entwicklung zeigt, i dast dieses Verhältnis viel zu verwickelt gewesen ist, als dast von einer dauernden beiderseitigen Fcind- ’ schäft gesprochen werden könnte. Man kann auch die , Bereitschaft an* gemeinsamer Arbeit erkennen. In späterer Zeit ist diese Neigung beträchtlich gewachsen „ u und iii unseren Tagen gewinnt die Ueberzeugnng von ver Gasthaus mit dem arbeitslosen Kutscher Wenzel! der Notwendigkeit und dem Nutzen einer Zusammen- Kunst and Wissen Die luftige Witwe Die Armut an zeitgenössischer Opcrcttcnpro- duktion und ihre Armseligkeit machen es verständlich, dast das Prager Deutsche Theater auf den cinstmali- gen, damals beispiellosen Lcbar-Erfolg zurückgriff; auch Renato Mordes Gedanke, die Operette im Stil von anno dazumal zu inszenieren und gleichzeitig vorsichtig zn travestieren, leuchtet durchaus ein. ES besteht mich kein Zweifel darüber, dast LöharS Musik durch ihren Reichtum an Erfindung und durch die Eingängigkeit ilirer Melodien immer noch fast alles übertrifft, was in diesem Genre nachher kam; aber dast auch Lehar nicht innere, Werte in Musik umsctzte, wurde man jetzt doppelt inne, ja man begreift, dast die„Lustige Witwe" sich nicht in den Spielvlänen erhalten kann, und immer nur aus Ber- legenheir wieder auf die Beine gestellt wird. Die Ausführung vermittelte nähere Bekanntschaft mit Kapellmeister FrihRiegeralS einem ambitionierten, temperamentvollen und sicheren Kapellmeister, und erneuerte die durch Nichtbeschästigung in den Hintergrund gedrückte Beliebtheit Peter 2 chorkS, dessen degagierter Tanz, leider zu kurz und nicht wiederholt, als Höhepunkt deS Abends den spontanen grasten Beifall des Publikums auSlöste. Gutes Operettentheater von«inst war auch der Nje- guS LeopoldDudekS; ihm gelingt, was leider.nur wenigen sonst in dieser Aufführung: der richtige Kontakt mit dem Publikum, das sich übrigens auch mit der Komik Padlesaks und Stadlers I freute. Gesanglich traten in der Titelpartie Frau Walter und Herr Libal als Danilo ange- nehni hervor und Hattemer als Roffilon bemühte sich sehr, dem Opcrettenstil näherzukomnien. Frau C a r p e n t i e r ist stimmlich unzulänglich. DaS Publikum liest sich gerne vom Schwung und Tempo der revueartig vorübergehenden Operette in Stimmung bringen und so verbreitete sich immerhin eine Heiterkeit, die zwar mit der eine- guten Offenbach- oder Straust-Abendö nickst das Mindeste gemein hat, aber dennoch anerkannt werden soll, wenn sie dem Theater zn ein paar guten Kasseneingängen verhilft. l. g.