14. Jahrgang Nr. 90 Mittwoch, 18. April 1934 UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DBS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung nag xii., fochova m. thefon motz.'Administration tekfon sxz«. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR: WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Ä Elwzelprals TO^Hdübt (•lnichll«Mlch 3 Hellar Forto) Keine Legalisierung der deutschen Rüstungen Weitere Abrüstungsverhandlungen nur in Genf Pari-, 17. April. Der heutige am Vormittag zusammrngetreteue Ministcrrat war hauptsächlich den Beratungen über dir Darlegungen des Außenministers B a r t h o u gewidmet, der den Inhalt der Note verlas und erläuterte, mit der Frankreich auf daS britische Abriistungsmemorandnm antwortet. Der Text der Note wurde einstimmig genehmigt und an dir Regierung Großbritanniens abgcschickt. Rach den ersten nach Beendigung des Ministerratcs erlangten Fnformntioueu b r g r ü st t die französische Rote mit Tank daü größere Verständnis der britische» Regierung für die Erfordernisse der französischen Sicherheit, doch spricht sich die französische Regierung gegen jeglicheSBorgehen ans, daS zur Legalisierung der pcrmchrten Rüstungen führen würde, die Deutschland unterBerletzungderFrirdenSverträge dirrchgeführt hat. Da direkte Besprechungen zwischen den an der Abrüstung interessierten Hauptmächten nur sehr geringe Hoffnungen gewähren, dast»S zu einer Vereinbarung kommen würde, ist die französische Regierung überzeugt, dast weitere Verhandlungen über eine internationale Abrüstungskonventio» nur in der Genfer Abrüstungskonferenz geführt werden könnten. „Gott erhalte.. Habsburger-Gesetze via facH außer Kraft Wien, 17. April. Wie daS„NeuigkeitSwckt- blatt" von zuständiger Seite erfährt, wird eine Neuregelung der HabSburgcrfrage von der neuen Verfassung nicht getroffen, sondern«nur ermöglicht" werden. DaS HabSburgergeseh werde in Zukunft weder ein selbständiges Verfassungsgesetz noch ein Bestandteil der Gesamt-! Verfassung sein; seine Bestimmungen, die sich aus daS Erlöschen der Hcrrschcrrcchte der Mitglieder des HauscS Habsburg, dann auf die Landesverweisung der Habsburger und auf die Vermögensbeschlagnahme des ehemaligen Herrscherhauses bezogen, werden im neuen Staat also nicht mehr verfassungsrechtlichen Charakter haben. Daraus ergebe sich, daß die Landesverweisung, die schon biS fetzt für einzelne Mitglieder des Hauses Habsburg durch Ausnahmen aufgehoben wurde, fallen gelassen und die VermögenSfrage einer privatrrchtli» chen Auseinandersetzung zugeführt werden wird. Die vermögensrechtlichen Ansprüche des Staates und des HauscS Habsburg an den früheren Hofbcsttz sind übrigens bereits in einem von den maßgebenden Stellen anerkannten Gutachten zufammcngefaßt und können als vollkommen geklärt gelten. Die neue Verfassung werde also, sagt das Blatt, ohne sich festzulegen, die Möglichkeit für eine gerechte und dem Rechtsempfinden der Bevölkerung entsprechende(!) Lösung der HabSburger-Frage schaffen. Aenderungen aal Einspruch des Verteidigungsrates „Oeuvre" meldet hiezu, daß die Note am Samstag Gegenstand einer Sitzung des S t u- dienauSschusseS fürnatio- nakeB«rteidigung> bildete, dem äußer den zuständigen Ministern auch hohe Generale und Beamte deS Außenministeriums angc- hörten. In der Sitzung, die auch gewisse Aenbe- ’ rungen in der Note vornahm, habe es sich gezeigt, daß der NuSsäniß keineswegs den Grundsatz billige, ein AbrüstnugSabkommen zu vereinbaren, welches die Aufrüstung Deutschlands bestätigen und nur gewisse DurchfnhrungSgarantien enthalten tvürdc. In der Note tvcrden nach dem genannten Blatte nunmehr Garantien gefordert, die in erheblicher Weise über den Rahmen der Duräifiihrungsgarantien hinanSgehen und als Sichcrhcitsgaranticn zu erachten I seien. „FQhrer"*Konjunktur auch In Oesterreich Wien, 17. April. So wie der Bundcsmini« stcr für Handel Stockinger als Rcichsführcr des österreichischen Handels und Gewerbes auSer« sehen ist, so wird nach der„Neuen Freien Presse" der bisherige Präsident der LandwirtschafSkam- mern und Landeshauptmann von Niedcröstcrrcich Reiter„Bauernführcr" werden. Rcichsführcr der staatlichen und der übrigen öffentlichen Angestellten wird nach dem„Telegraf" EcktionS- chcf Dr. Fleisch werden. Weitere 50-60 Nazi entlassen Aus dem Konzentrationslager in Kaiser- stcinbruch im Burgenland wurden heute neuerdings 50 bis 60 Nationalsozialisten entlassen. Bekanntlich besteht die Absicht, dieses Konzentrationslager aufzulösen. Auswelsuns Trotzkis Pari-, 17. April. Der DienStag vormittag- zufammrngetretene Ministerrat hat beschlossen, die Aufenthaltsgenehmigung für Leo T r o tz k i, die der damalige Innenminister Chan- tempö bewilligt hatte, rückgängig zu machen, da Trotzki die NeutralitätSverpslich- tung, z» der er sich bereit erklärt hatte, nicht erfüllt habe. Die, Sicherheitspolizei des Innenministeriums hat festgcstcllt, das Trotzki außer dem „OppositionSbullctin" noch zahlreiche Broschüren und Flugblätter ausgcgcbeu hat, in welchen er zur bolschewistisch-kommunistischen Propaganda und zur Griindung einer neuen Internationale auffordertc. In dieser Tatsache erblickt daü Innenministerium einen Verstoß gegen das ausdrückliche Versprechen Trotzkis, sich in die Politik nicht cinmischcn zu wollen. Trotzki tvurdc gegen Abend aufgefordert, den französischen Boden sofort zu verlassen. Bekanntlich lvurdc Trotzki schon einmal, und zwar im Jahre 1016, aus Frankreich anSgc- wiefcn. Tas„Journal" veröffentlicht eine Photographie deS Blattes, das Trotzki in Paris begründet und ausgcgeben hatte; cs erschien in russischer Sprache unter dein Titel:„Bolschewistisch-leninistisches Oppositionsbulletin". In den von Trotzki gezeichneten Artikeln sagt Trotzki, die Hl. Internationale sei für daS Werk der Revolution tot und die Revolution müsse sich andere Wege bahnen. Er skizziert sodann die Hauptrichtlinicn der I V. Internationale, die begründet werden müßte. Kleine Entente einverstanden Barthou verständigte auch den rumänischen Außenminister T i t u l c s c u, der gestern nachts zu einem offiziellen Besuch iu Paris eingctroffcn ist und heute seine ersten Unterredungen mit dem Präsidenten der Republik und mit Barthou hatte, von dem Inhalt der französischen Antwortnote. ES wird von der französischen Presse nicht bezweifelt, daß der rumänische Außenminister, der derzeit auch Vorsitzender des Ständigen Rates der Kleinen Entente ist, seine volle Z u sl i m- m u n g zu dieser Note ausgesprochen bat und daß er den französischen Standpunkt gegen die Legalisierung der im Widerspruch mit den ausdrücklichen Bestimmungen deS Versailler FricdcnSvcr- tragcS vorgenommcnen deutschen Rüstungen billigt. Die Staaten der Kleinen Entente seien sich voll bewußt, daß ein derartiges Deutschland gewährtes Zugeständnis ähnliche Forderungen ihrer Nachüaren zur Folge haben lvürdc, die gleichfalls durch die FriedcnSvcrträgc abgerüstet sind, und deshalb erblicke die Kleine Entente in der französischen Note eine große Stärkung ihres Standpunktes. Wenn die Ivcitcrcn Entscheidungen wieder I dem HauptanSschuß der Abrüstungskonferenz werden überlassen werden, in dem die Staaten der Kleinen Entente vertreten sind, wird man damit zu einer Beruhigung ihres Mißtrauens beitragen, das unter den gcgenivärtigcn Umständen durch die bilateralen Beratungen der Großmächte entstehen könnte. Barthous Reiseprogramm Nach der Abreise TitulcScus, die für Donnerstag festgesetzt ist. begibt sich der französische Außenminister Barthou seinerseits am Samstag, den 21. d. M., auf die Reise. Er wird über Berlin, wo ein d r c i v i c r t e l st ü n d i g'e r A u f- e n t h a l t in Aussicht gcuommen ist, nach Warschau fahren und dort von Sonntag bis Dienstag bleiben. Auf dem Rückweg wird er sich über Krakau nach Prag begeben, tvo er Donnerstag, den 26. April, srüh ciutrcsfcn und biö Sams- | tag mittags bleiben wird. Sonntag, den 29. I d. M., abends will Barthou dann wieder in Paris ! sein. Frlllillng In Oranienburg Das Kind des Genossen Seger im Konzentrationslager Der Fall Sdicnkcr und die staatliche sidierhcit Daß die herrschenden Klassen, die Ideen und Ideale, die sie zur Zeit ihres Aufstrebend propagiert, unter deren Fahnen sie ihre Siege erfochten hatten, verraten, verraten müssen, so- bald sich die von ihnen beherrschte Gesellschasts- ordnung int Zerfall befindet, ist eine alte historische Erfahrung. Daß auch die Geschichte der kapitalistischen Bourgeoisie nur eine Bestätigung dieser geschichtlichen Erfahrung ist, war dem marxistischen Betrachter der ökonomischen und ideologischen Entwicklung längst klar. Heute sprechen die von der Bourgeoisie gesetzten Tat- bestände, auch wenn sie trotz ihrem sensationel- len Charakter gerade von der sensationslüstern- sten Presse vcrfchwiegen werden— weil„mehr läßt sich verdienen, wenn etwas nicht erscheint". — heute sprechen diese Tatbestände fclbst eine so deutliche Sprache, daß c§ zum Nachweis des VatcrlandSvcrrates der herrschenden Klasse gar nicht mehr einer komplizierten marxistischen Analyse bedarf. Ein Transportgroßunternchmen steht zu. mindest in sehr enger Bindung zu dem— man kann das schon so nennen, obwohl der„tiefste Frieden" als rein diplomatische Kategorie noch besteht— feindlichen Ausland. Daß dieses lln- tcrnchmen den Staat um Millionen zu betrügen suchte, ist nicht weiter bemerkenswert. DaS tut in Form von Steuerhinterziehungen Wohl jeder Einzclkapitalist und jede kapitalistische Gesell- schäft. Die Größe der Steuerhinterziehung sieht in direkter Proportion zur Größe der Steuer- kraft. Fe größer die verfügbaren flüssigen Mittel sind, desto mehr können in der„Stcuerbcra- tung" investiert werden, einem üblen advokato- rischen Gewerbe, dessen Inanspruchnahme und Ausübung meist nichts anderes ist als sinanzicl- lcr Hochverrat. DaS erwähnte Transportunter, nehmen steht aber auch unter dem sehr dringen- den Verdacht deS militärischen Hochverrates. Tie sozialistische Presse hat die Zusammenhänge auf- gedeckt. Wer glaubte, die bürgerliche Presse, werde ihre Leser über den Fall zumindest anständig informieren, sah sich im Irrtum. Tic gesamte bürgerliche Presse widmete und widmet dein Fall Schenker nicht im entferntesten so viel Aufmerksamkeit, wie etwa dem Brand am Spielplatz dcö A. C. Sparta. Sic bemühte und bemüht sich, den Fall als recht harmlos darzu- stellen. Sicher ist diese Haltung, insbesondere bei den Zeitungen vom Schlage der Mercyblätter, nicht unbeeinflußt von der Furcht, einen Groß- Inserenten»zu verlieren. Aber sic allein erklärt diese Haltung nicht. Die wahren Ursachen liegen tiefer. Die Presse, die nur existieren kann, indem sic dem Kapitalismus dient, hat eine nur zu verständliche Scheu, an Dinge zu rühren, die einmal angcrührt, die größte politische Lüge unserer Zeit, die Existcnzlügc der bürgerlichen Klassenherrschaft entlarven müssen, die Lüge vom Nationalisnius und Patriotismus der ka- pitalistischen Bourgeoisie. Wohl war das Bür- gcrtum einst, als cs noch revolutionär war, patriotisch, heute huldigt die aus ihm entstandene Finanzbourgcoisic ans wohlverstandenem Interesse überall dem Landesverrat. Tie Wiener Finanzbourgeoisie verkaufte für die Befreiung Wiens von der Wohnbausteuer, die Selbständig, leit ihres Landes dem weiland k. u, k. Erbfeind „Katzelmacher", die französische schrak nicht davor Zurück, die Frankreich so teuere Sicherheit an den, wie.'fast alle Großvcrbrccher, im Solde Hitlerdentschlands stehenden Hochstapler Stavi- sky zu verraten und was bei uns heute von Schenker bekannt wurde, kann morgen auch von dieser oder jener Großbank, diesem oder jenem Rüstungsunternehmen etc. etc. bekannt werden. Fast ausschließlich von feindlichen Staaten uni- grenzt, muß die C. S. R. für alle Evcntualitä- tcu gerüstet sein. Eine der wesentlichsten Voraus- sctzungcn der Erhöhung unseres materiellen Rü- Seit« 2 Mittwuck, 18. Avril 1884 Nr. S0 stungSstandeS ist die Verstaatlichung von Bank- I wesen, Schwerindustrie, Chemie. Bergbau, Transport und Verkehr. Solange sie, von größter Wichtigkeit schon im Friede», von noch gröberer im Kriege,»ach privaten Interessen gelenkt werden, wird der sich verteidigende Staat nie vor den übelsten„Ueberraschnngen" sicher sein. Zur Rettung der KavitalSrcnte hat die Bourgeoisie die Demokratie verraten und zum FasciSmuS gegriffen. Zur Rettung der Kapitalsrente verrät sie nun auch den Patriotismus und| I greift zum Landes- und Hochverrat. Das Spiel hat begonnen, der Einsah ist sehr hoch. Es geht nicht um daö Bestehen der einen oder der andc- reu politischen Partei, es geht um das Bestehen der demokratischen Republik und um die natio- nale Existenz deS tschechoslowakischen Volkes. Wenn cs nicht blind und taub ist, wenn eS in fünfzehn Jahren nicht vergessen hat, was cs durch dreihundert Jahre erdulden mutzte, dann mutz cs dem Hochverrat des inneren Feindes durch dessen ökonomische Entwaffnung zuvorkommcn. I Der Feind sieht rechts! England feiert den Schatzkanzler der die Steuern herabsetzt London, 17. April. Im überfüllten SitzungS-1 saal des tlmerhauscS crstatictc heute Finanzmini« stcr Neville Chamberlain den Voranschlag des Staatshaushaltes für das künftige Jahr. Die Verhältnisse, erklärte Chamberlain, liegen Henle viel besser als vor zwei Jahren. Die Großhandelspreise verzeichnen einen Aufstieg, wenn er bisher auch gering ist. Auch die Industrieproduktion hat einen größeren Umfang angenommen und dem ivirischaftlichen Leben wurde neues Vertrauen bekundet. Die Verbesserung der Lage ist fast auS- schlietzlich nur der Expansion deS Binnenmarktes zu verdanken. Der Exporthandel verbleibt, obwohl er sich ebenfalls gebessert hat, auch weiterhin, hinter den» Stand vor einigen Jahren zurück. Die Ursache hiesür liegt nicht etlva darin, daß Großbritannien durch andere Konkurren- ten in den Schatten gestellt wurde, sondern daß der wirtschaftliche Nationalismus dem internationalen Handel immer neue Hindernisse in den Weg legt. Die Budgetredr drö Schnykanzlers hat in ganz England«ine geradezu begeisterte Stimmung auSgrlöst: insbesondere herrscht Jubel über die Herabsetzung deS Einkommensteuersatzes von 5 Schilling auf 4.(5 pro Pfund und über die Herabsetzung der jtraftwagensteucr auf 15 Schilling pro Pfrrdekrast. Vor der Effektenbörse kam eS zu großen Frrndrnkundgebungen. Der Berkehr ans der Straße mußte eine Zeitlang eingestellt werden, bis schließlich Schutzleute dir Ansammlungen zerstreuten. Dir Straßen waren belebt wir noch nie. Sämtliche Gaststätten in der Nähe der Börse waren überfüllt. Ans den Straßen hörte man vielfach Hochrufe auf den Schatzkanzler. Einnahmen 90.1 Ausgaben 86.5 Milliarden Kt Die Ausgaben des Budgets für das Jahr 1934/35 sind mit dem Betrage von 698.1 Millionen Pfund(im Vorjahre 693.5), die Staatseinnahmen mit dem Betrage von 727.2(im Vorjahr 724.3) Millionen Pfund präliminiert, so daß der Ucbcrschutz auf 29,100.000 Pfund Sterling geschätzt wird,>vaS den höchsten Ucbcrschutz während der letzten zehn Jahre darstellt. Ist der Landbund eine demokratische Partei? Man sollte es bei einer Regierungspartei eines demokratischen StaatSlvesens für selbstverständlich halten, dah sie und ihre Funktionäre sich zur Demokratie bekennen. Aber cs werden immer ivicder Acutzcrungcn von Funktionären des Landbundes bekannt, die dafür sprechen, datz es manche Mannen deS Herrn Spina zu Hitler näher haben als zur Demokratie. Wenn uns das der Herr Ge- sundhcitsminister, der auch ein bitzchen auf die Gesundheit seiner Partei achten sollte, nickt glaubt, so erkläre er uns die folgende Stelle aus dem land- bündlcrischcn Organ,„Scholle", die in Braunau erscheint und in ihrer Osternummcr folgendes vom Stapel lietz: „Als man in Deutschland dir Mauern der Selbstsucht niederriß, mit denen dav Volk der Deutschen ßch umgeben hatte, da hatte daS gewaltige Geschehen die erstarrten Fluten des deutschen LebenS wieder zu möchtiger Bewegung gebracht. Dir möchtigstr davon ist die revolutionäre, geistige Erhebung deS Bauerntum»." Warum der Redakteur der„Scholle" noch in der Tschechoslowakei bleibt und nicht nach dem BaucrnparadieS Deutschland geht, ist unerfindlich. Einen anderen Freund der Demokratie aus dem Lager des Landbundcs stellen wir der Öffentlichkeit in dem Tierarzt P l o h n e r aus Joa- chimsthal vor, der in einer LandcSkulturrats- tagung in Karlsbad also omkeltc:„Die Hauptwurzel der Krise ist das allgemcinc und gleiche Wahlrecht, weil dadurch Leute wählen können, welche nichts besitzen. Wählen sollen nur solche Leute können, die Besitz haben." Diese sonderbare Demokratie, die vor allem daS allgemeine Wahlrecht äbschasscn will— der Herr Tierarzt möchte den Arbeitern dasselbe Wahlrecht geben wie den Patienten, die er sonst behandelt— wurde auch von dem Abg. Windirsch unterstützt. Diese Fragen, sagte er. seien zwar politischer Natur und gehören nicht hierher, doch sei eS ja schon längst die Ansicht aller bürgerlichen Parteien, datz daS allgemeine Wahlrecht nicht in unserem Interesse liege. Wenn sich also die Herren Agrarier nächstens . als die Patcntdcmokraten vorstellen lvcrdcn, wird man sie fragen können, wie sic die eben vorge- ürachtcn Auffassungen mit der Demokratie vereinbaren wollen. Wir möchten diese Frage zunächst dem Herrn Minister Spina stellen. Dieser ist— wie er nämlich schon vergessen zu haben scheint— auch Führer des Landstandes und ein Führer mutz doch in seinem Stand wohl Ordnung zu machen im„stände" sein. Er sollte vielleicht nicht nur zur Oefscntlichkeit, sondern auch in seine eigenen Reihen einmal über die demokratische Gesinnung reden, die vielen seiner Anhänger abgcht. Leichte Besserung auch In Nordböhmen Rückgang der Arbeitslosigkeit im März beträgt 6Mt Prozent. Die Verhältnisse am Arbeitönzarkte in Nord- böhmcn entwickelten sich im Zeichen einer weiteren langsamen Besserung in Veit Saisonbernfen und in der Textilindustrie, zum Teil auch in der Metall-, Holzbcarbeitungs- und Glasindustrie. Die Anzahl der angemeldeten Arbeitslosen ist im März von 153.891 auf 143.883, also um 10.008, d. i. um 6.50% gesunken. Im März 1933 handelte cs sich nur»nn einen Rückgang um 6.571, d. i. um 3.48%, wobei 182.370 Arbeitslose angcmcldet waren, so datz sich Heuer ein Rückgang um 38.496, d. i. um 21.10% zeigt. Von der Gesamtzahl der 785.184 in der Tschechoslowakischen Republik angcmeldten Arbeitslosen entfallen auf Nordböhmen 18.32%. Bei dem in Nordböhmcn fcstgestellten Rückgänge der Arbeitslosen um 21.10% zeigt im ganzen Staate nur ein Rückgang um 10.55%(um 92.771). Von diesem Rückgänge entfällt also auf Nordböhmcn 41.50%. Dabei bleiben jedoch in Nordböhmcn noch in vier politischen Bezirken mehr als 10.000 Arbeitslose. Es sind dicö: T e t s ch c n 13.498, Reichen- berg 12.526, Gablonza. N. 11.729, Tep- litz-Schönau 11.376. Dann folgen: B- Lcipa mit 0956 Arbeitslosen, Brüx 0511, Aussig a. E. 9154, Komotau 9060, Dux 8443, Friedland i. B. 6520, Schluckenau 6279, Rumburg 5141 usw. In vielen Betrieben zeigt sich die Besserung fast nur in der Einschränkung der zeitweisen Aussetzung der Arbeiterschaft. Das Legionärblatt gegen Henlein „Närodni Osvobozent" beschäftigt sich in seiner gestrigen Ausgabe mit der Tätigkeit der Henleinschcn HcimatSfront und knüpft an einen Artikel der„Rundschau", des Organs der Hen- leinleuie au, in welchen darauf hingcwiescn wird, eö sei die Aufgabe der Sudeteudeutschen, einen Krieg zwischen der Tschechoslowakei und Deutschland zu verhindern.„Närodni Osvobozent" schreibt ntin, datz die Nachrichten, welche eS von anderer Seite erhält, dafür sprechen, das; sich in die Henleinsche Heimatsfront überall die Mitglieder der aufgelösten Parteien, Nationalsozialisten und Dcutschnationalc drängen.„Wie will Henlein", so schreibt das Blatt wörtlich,„mit einer solchen Mitgliedschaft derartige Atifgabcn erfüllen? Die Leute, welche die Erziehung dieser beiden Parteien durchgemacht haben, sind vorläufig weder fähig dazu, noch sich eine andere Lösung vorzustellen, als die, tvelche ihnen diese Erziehung durch Jahre versprochen hat. Diese Erziehung hat sie allerdings nicht zu Vermittlern zioischen Deutschen und Tschechoslowaken gemacht. Sie hat aus ihnen im Gegenteil ein Element gemacht, das zu nichts anderem fähig, als zu einem wilden und leeren Radikalismus." Das Blatt führt ferner einige Stellen aus der Rede des Genossen Dr. Czech an, in der sich dieser auch mit der Henlein- Front beschäftigt. Erklärung Zu dem in unserer Zeitschrift vom 28. Feber 1034 unter rcr Ucberschrift„ToUfuß-Chrifien — Ehrcnnämel" veröffentlichten Artikel erklären ivir, datz ivir alle Beschuldigungen und Rügen, welche gegen die periodische Druckschrist„Deutsche Presse" erhoben worden sind, auf unrichtigen Informationen beruht haben. Wir Ividcrrufen daher alle beleidigenden Ausdrücke mit dem Ausdrucke des Bedauerns und leisten der periodischen Druckschrift„Deutsche Presse" hicmit volle Genugtuung. Die Redaktion. „Vie Veit von heute" behördlich eingestellt Am vergangenen Samökag wurde der„Welt von Heute" ein Bescheid der Prager Polizeidirek« tion zugestellt, nach dem die tveitere Herausgabe dieser Zeitung untersagt wird. DaS Verbot wird damit begründet, datz die„Welt von Heute" ein Ersatzblatt für den eingestellten kommunistischen „Vorwärts" war. Ole Entführung des tschechoslowakischen Offiziers Keine Spuren von Kapitän Kirinovik. Wie wir berichtet haben, wurde am 25. März an der reichsdcutschen Grenze bei Nachod der Kapitän des 4. Jnfanterie-NcgimentcS in Königgräh, Dcsidcr Kirinovik, von reichsdcutschen Hakcnkrcuzlcrn gefangen genommen und nach Deutschland entführt. Seither fehlt von ihm jede Nachricht. Eine tschechoslolvakischc Konunission, welche den Vorfall zu untersuchen hatte, stellte fest, daß Kirinovik, der einen Zivilanzug trug, die Grenze wenige Schritte überschritt. Dabei geriet er zwischen zwei reichödeutschc Wachen, von welchen die eine ungefähr 40 Schritte diesseits der tschechoslowakischen Grenze versteckt lag. Zigarettenreste, Streichholzschachteln und Fußspuren beweisen dies. Ungefähr zweihundert Schritte jenseits der Grenze wartete eine zweite Gruppe. Die Gründe der Entführung sind ebenso unbekannt, wie der derzeitige Aufenthalt Kirinovik's. Provisionsvertreter und Umsatzsteuerpauschale für Textilien. Zum Unterschied von anderen Pauscha- licrungskundmachungen wurde in der Kundmachung über die Pauschalierung der Unisatzsteuer für Textilien festgesetzt, datz durch das Pauschale die Umsatzsteuer von Lohn» und Dcrmittlerleistungen in der Textilbranche nicht mit gedeckt sei. Diesen Umstand haben der Bund der Vertreter der Reisenden Reichenberg(Fachgruppe im Allge- meinen Angestellten-Bcrband) und andere Dertre- tungSkörpcrschaftcn von Provisionsvertretern zum Anlasse genommen, bei den zuständigen Stellen einzuschreiten, um zu erreichen, datz auch die Umsatzsteuer von den Lohn- und Vermittlerleistungen in der Tex- tilbranchc als durch das Pauschale mit gedeckt erklärt werde. Begründet wird dieses Verlangen— unter Festhalten an dem grundsätzlichen Standpunkte, daß Vertreterprovisionen als Entgelt von Dienstleistungen überhaupt nicht der Umsatzsteuer zu unterliegen haben— mit der Unmöglichkeit der Ueberwälzung sowie mit den äußerst mißlichen Einkommens« und Lebensverhältnissen der Provisionsvertreter. 7b fl. m. de Jong: Dersellümgene Ifade Eia Moman ui vier tpteodea Autorisierte Uebersetzung tue dem HolIKndtechen von E. R. F u c h e. Nie habt ihr hören wollen, datz sich das Volk aus Menschen mit Herz und Seele zusammensetzte und datz ihm alle Rechte znstehen, die einem Menschen von Natur aus gebühren. Ihr habt über das Volt regiert und das bedeutete, datz ihr die politischen Intrigen zwischen Fürsten und Diplomaten im Auge hattet und tvie man das Volk nötigenfalls da hineinmcngcn könnte. Ein blühendes Volk ist euch ein Volk, daS in einem Lande mit großen Fabriken lebt, mit mächtiger Handelsflotte, schönen Häfen, reichen Kornfeldern, einem starken Heer und einer furchteinflößenden Marine. Aber wie die Menschen, die daö Volk bilden, persönlich leben, daS ist für euch von keiner Bedeutung. Wie die Arbeiter, die Pächter, die Lasttiere der Fabriken und Häfen, die Matrosen und Heizer int grötztett Elend viel zu schtver und zu lang arbeiten, in Dummheit und Aberglauben, in Schmutz und schleichenden Berufskrankheiten dahinsiechen... das tvar nicht von Interesse. Nach außen hin konntet ihr auf die getvaltigen Kapitalien pochen, die in der Industrie stecken, im Handel sich umschlagen... auf die Paraden und Manöver von Heer und Flotte... auf die ungeheuren Mengen Getreides, die ihr auSführ- tet. Doch daS Volk brach zusammen unter dem Druck des Wohlstandes, verhungerte bei den vollen Vorratöspeichcrn, neben den Korn-Elcva- toren, die nicht für die Masse erbaut worden. Verstehst du wohl? In eurem wohlhabenden, reichen Lande verkümmerte und verarmte der größte Teil deS Volkes... und wer da öffentlich und entrüstet dagegen protestierte und Aendcrung forderte, der war eilt Aufwiegler, ein Verbrecher, und wurde ins Gefängnis geschleppt, verbannt oder als staatSgcfährlich hingerichtet. Und ihr, denen das Mcnschenglück und die Wohlfahrt des Volkes nie etwas bedeutet hat, wollt von uns behaupten, daß wir das Volt mißhandeln und verwildern lassen und wie Tyrannen beherrschen? Das geht doch wahrhaftig ein Ivenig zu weit! So wagt ihr alten Herrscher knapp nach dem Krieg zu sprechen, in dcni ihr daS Volk mitleidslos in den Tod getrieben habt, allen Wohlstand wissentlich vernichtet, Millionen geschlachtet und grauenvoll verstümmelt habt, den ganzen Welthaushalt hoffnungslos im Krieg zerrüttet. Aber habt ihr denn wirklich kein Gran Gehirn, um logisch zu denken und unparteiisch zu urteilen? Keine Spur von Gewißen, um Reue zu fühlen über die gigantischen Verbrechen gegen das Volk, den Staat, die Welt? Dürft ihr uns, die versuchen, Ordnung im Chaos zu schaffen, daö durch euch her- bcigeführt worden, die Menschen auswärts zu führen zu Freiheit und Rechtschaffenheit, die Menschen, die ihr zu Sklaven, zu Tieren, zu kalt mordenden Tigern gemacht habt, dürft ihr uns an der Arbeit hindern und eines Verbrechens gegen Volk und Staat beschuldigen? Seid ihr blind oder so ungeheuerlich in euren bcivutzten Egoismus verstrickt, daß ihr ttichts anderes sehen könnt, als euer trübseliges und eingebildetes Interesse? Was hast du hier gesucht? Warum bist du nicht geblieben, wo du warst? Du bist reich genug mit dem, was du mitgeschlcppt hast. Du konntest im Ausland noch fürstlich leben. Und doch kamst du hserher, um den Landesfrieden zu brechen, unser schweres und mühsames Werk zu zerstören, wieder blutigen Kampf hcraufzubcschwö- ren? Könnt ihr denn nicht leben ohne Blutver« gießen und Tyrannentraum? Und dann fühlst du dich nock im Unrecht, wenn die endlich festgefügte Republik-dich unschädlich macht, sobald sie dich in Händen hat?" „WaS du sagst, mutz dir selbst zum Bewußtsein bringen, daß du mich verkennst, Peter I" fiel der König hitzig ein.„In der Tat könnte ich fürstlich lebett voit meinen Einkünften aus den iibriggcblicbeucn Besitzungen im Ausland selbst. Und untätig und luxuriös könnte ich leben, ledig der drückenden BergeSlast deS Königtums und der ganzen Verantwortlichkeit, die eS mit sich bringt. Muß es also nicht etwas anderes, etwas Höheres sein, daS mich dazu drängt, daS strenge, mühevolle KönigSlebcn wieder anzustreben? Hast du dich das wohl schon einmal gesragt, Peter?" Peter nickte. „Ja," antwortete er,„das habe ich." Aufgeregt fuhr der König fort: „Dann mußt du auch cinsehen, daß ich in der Ueberzcugung gehandelt habe, hohen Interessen zu dienen. DaS Geschick meines Geschlechtes ist seit Jahrhunderten mit dem deS Landes vcr- auickt. Wir waren und sind die geschlichen Herrscher. Wohl und Wehe unseres Landes und Volkes waren das Wohl und Wehe unseres Hauses. Die Pflicht, dieses Land zu regieren, ist wahrhaftig keine leichte Pflicht, und wenn wir ihr getreu geblieben sind, so deshalb, weil wir sie als cttvas betrachten, daS uns von einer höherett Macht auferlegt und anvertraut ist... Eure Revolution betrachte ich nach tvie vor als eine unrechtmäßige Tat, als ein Verbrechen gegen den Staat. Eure Republik ist keine gesetzliche StaatSeinrichtung, sondern ein morsches Bauwerk von Rebellen und ich hielt eS nickt nur fiir mein Recht, sondern für meine Pflicht, euch mit allen Mitteln zu bekämpfen." Peter Zanzi schüttelte das Haupt und lächelte: „Scheinen dir die letzten Worte nicht bekannt?" fragte er. »Wieso bekannt? WaS meinst du?" „Nun, cs ist wahrscheinlich kein einziger Prozeß gegen einen Revolutionär geführt worden, in dem er nicht dieselben Worte zu seinen Richtern gesprochen hätte." „Ich-bin kein Revolutionär." „Oh ja... nun bist du der Revolutionär, und ich bin der Mann des herrschenden Regimes. Deine Unternehmungen haben die Sicherheit unseres Staates in Gefahr gebracht und da wir noch mitten in der Revolution und unter Kriegs« gescheit leben, mußt Lu für deine Verbrechen gegen den Staat mit dem Leben büßen. Wenn die Verhältnisse konsolidiert sind, wird die Todesstrafe abgeschafft, wie du vielleicht weißt." Nun schüttelte der König den Kopf. „Du scheinst nicht zugestehen zu wollen, daß ihr euch die Macht, über die ihr verfügt, angemaßt habt... geraubt von den rechtmäßigen Be« sihernk" Peter zuckte die Achseln. „Du scheinst dich vom Königstvahn nickt hinlänglich befreien zu können, um nüchtern und sachlich die Dinge zu überlegen," antwortete er nicht ohne Unmut.„ES ist doch nicht so schwer, einzusehen, daß jede Macht im Staate ztt Recht besteht, tvenn das Volk sie anerkennt. Einer deiner Vorfahren mutz vom Volke zum Fürsten erwählt wordcit sein, oder er hat sich, was noch wahrscheinlicher ist, mit Waffengewalt der Herrschaft bemächtigt. Auf dieses alte Reckt oder diese alte Anmaßung stützt sich ausschließlich dein Wahn, daß du, unabhängig vom VolkStvillen, das Recht auf die Macht in diesem Staate besitzest. Doch tvenn das Volk einen änderen Herrscher, eine andere Staatsform haben will und der Herrscher sich tveigcrt, abzudanken, oder die andere StaatS- form einzuführen, dann gebraucht er Gewalt, um sein Unrecht durchzusehen gegen das ewige Recht deS Volkes, das aus Menschen besteht und über sein eigenes Schicksal zu bestimmen hat." „Phrasen aus der französischen Revolution .,. daö souveräne Volk... Lächerlich I WaS weiß das Volk voit Staatskunst, Politik, Einrichtung des Staatshaushaltes!" (Fortsetzung folgt.) «r.« Mittwoch, 18. April 1031 Sette 8 Die rumänischen Putschisten vor das Kriegsgericht Verschwörung von den Behörden endlich zugegeben Bankier und Kardinal Der Betrüger Rochetie hat im Justizpalast Selbstmord begangen. Paris, IS. April 1034. Um die Jahrhundertwende vergnügte man sich häufig damit, einige ganz verschiedene Begriffe auszusuchen, ein anderer mutzte daun in einem kleinen Gedicht einen Zusammenhang Herstellen.„Wie reimt sich das zusammen?" hictz das Spiel. Die Gcgentvart hat aus diesem Spiel Ernst gemacht und bringt Verbindungen hervor, die unbegreiflich erscheinen, aber nur zu begreiflich sind, Ivenn man die Zeit recht versteht. Henri R o ch e t t c, der in einem Verhaud- lungssaal des Pariser Justizpalasteö verblutete, gründete bereits als LSjähriger im Jahre 1904 eine Bank und gab eine Zeitung heraus„Die praktische Finanz". Vier Jahre später beherrschte er 20 Unternehmungen, manche, die nur lvaghal- sig, manche die auf reinen Schwindel aufgebaut tvarcn. Seine Ursprungsbank der„Credit minier" hat 58 Filialen, sein Börsenblatt mit tausenden Lesern treibt die Kurse seiner Altienunternehmun- gen in die Höhe. Rochctte ist eine Pariser Figur geworden, er will eine Tageszeitung kaufen, grotze Politik machen, da wird er am 13. März 1908 auf Grund einer BetrugSanzcige verhaftet. Bon 1908 bis 1910 kämpft Rochetie gegen die Justiz, feine Klienten halten ihn für unschuldig, 52.000 Protestschreiben werden an die Deputiertenkam- mer gesendet und als endlich im Jahre 1910 Ro- chette zu drei Jahren Gefängnis verurteilt wird, verläßt er das Gericht umjubelt von seinen Anhängern. Er beruft gegen das Urteil und vermag die BerufungSvcrhandlung— ein wahrer Vor- kriegs-Stavisky— immer wieder hinauszuschic- ben, bis endlich der Skandal zu grotz geworden ist nnd auffliegt. 1912 wird eine parlamentarische Untersuchungskommission eingesetzt, stürmische Sitzungen, hohe Richter. Politiker Iverden vorge- ladcn, ein Staatsanwalt Ivird abgeseht, schlietz- lich verläuft die Sache im Sand. Rochetie flieht, kehrt während des Krieges zurück, dient unter falschem Namen, wird erkannt und eingesperrt. Aber schon 1919 schwindelt er wieder, wird neuerlich wegen Betruges zu zwei Jahren verurteilt. 1921 zieht er wieder unter falschem Namen in den Krieg, aber diesmal nicht gegen den auswärtigen Feind, sondern gegen die Taschen seiner Mitbürger. Wieder verhaftet und verurteilt, versucht er 1928 neuerlich sein Glück, das das Unglück der Vertrauensseligen ist, die nicht auSster- bcn. Er gründet eine Zeitung«Börse und Finanz", aber schon im März 1927 wird er wieder verhaftet. Nach bewährter Methode gelingt eS ihm rasch enthaftet zu werden und die Verhandlung bis Mai 1931 hinauszuschieben. Gegen das Urteil, zwei Jahre Gefängnis, legt er Berufung ein und die Berufsverhandlung hätte weitz Gott wann stattgefunden, wenn die Stavisky-Affäre nicht gekommen wäre. Dieser Sturm wirbelte alle schlummernden BctrugSgeschichtcn auf und so kam Ro- chette am 24. März vor das Berufungsgericht, das seine Strafe auf drei Jahre erhöhte. Schon an diesem Tage schloh er seine Verteidigungsrede mit den Worten:„Ich bin eitt Opfer der Ungerechtigkeit; werde ich verurteilt, flietzt Blut." Aber erst drei Wochen später, erschüttert durch den Selbstmord seines Bruders, der sich auf dem Eiscnbahugelcise eine Kugel durch den Kopf jagte, schneidet er sich in demselben Saal, vor denselben Richtern, die ihn verurteilt hatten, die Kehle durch. Neben ihm fand ein Gerichtsbeamter einen Brief an den Präsidenten des Gerichtshofes, von dem er Abschriften an den Präsidenten der Republik, an den Präsidenten der UntcrsuchungSlommission Stavisly und Monseigneur Verdier, Kardinalerzbischof von Paris geschickt hatte. In dem Brief heitzt cs:„Mein ganzes Leben hindurch war ich ein Opfer. Während meines ganzen Lebens habe ich gegen Materialismus und lknmoral gekämpft, die heute mehr denn je Frankreich zu überschwemmen drohen. Ich habe meinen Selbstmord aufgeschobcn, bis die Vorrede meines Buches beendet war. Nun wird dieses Buch erscheinen, es wird die Uebel dieser Zeit erklären und aufzeigen, wie sie zu bekämpfen sind." Welcher Totentanz dieser kapitalistischen Gesellschaft! Der Schwindelbankier fühlt sich berufen, die Unmoral und den Materialismus zu be- iämpfey, er wendet sich lvohl an den Kardinal, damit dieser nach seinem Tode den Kampf weiter führe. Rochetie glaubte, was er schrieb. Hatte er doch erlebt, wie andere Bankiers nicht ehrlicher, nur glücklicher als er, reiche und angesehene Männer und„Stützen der Gesellschaft" wurden; Kämpfer, wie er gegen Unmoral und Materialismus! Für diese die Ehren, für ihn das Gefängnis! Das empfand Rochctte als Ungerechtigleit, die ihm das Leben verleidete. Er konnte nicht begreifen, datz der Kapitalismus nicht einmal das gleiche Recht für alle Bankiers, um nicht zu sagen für alle Betrüger kennt. Sil. Bukarest, 17. April. Amtlich wird gemeldet: Vor dem Kriegsgericht beginnt am Freitag der Prozeß gegen acht Offiziere unterer Grade und fünf Zivilpersonen, die beschuldigt werden, unter der Führung deS OberstlentnantS Viktor P r e e u p eine Aktion gegen den König, die Regierung nnd die politischen Parteien vorbereitet zu haben. Der OStD. erfährt von Augenzeugen Details über den Tod des sozialdemolratischen Vertrauensmannes Johann Kupfinger: Kupfinger, der 55 Jahre alt und seit drei Jahren arbeitslos war, wohnte in dem grotzen Gemeiudebau Lindenhof in Währing. Kupfinger bekleidete beim Republikanischen Schutzbund eine Funktion, trat aber in den Kampftagen überhaupt nicht in Aktion, weil in Währing der Schutzbund nickt aufgeboten worden Ivar. Trotzdem lvurde er an» 14. März verhaftet und in das Polizeikommissariat Währing gebracht. I» seiner Wohnung wurde eine Hausdurchsuchung vorgenommen, die aber kein Ergebnis hatte. Bei einer neuerlichen Hausdurchsuchung lvurde ein Zettel gefunden, auf dem die Namen von fünf Schutzbündlern standen, die Bereitschastsdienst versehen hatten. Kupfinger wurde, obwohl gegen ihn überhaupt nichts vorlag, in Hast behalten und, wie Häftlinge mis der Nachbarzelle bestätigten, wiederholt geprügelt. An: 20. Feber besuchte Frau Kupfinger ihren Mann im Polizeikommissariat. Am 21. kam sie wieder und bat um die Erlaubnis, ihren Mann ettvas Privates fragen zu dürfen. Sie merkte sofort, das; in» Polizeikommissariat große Verlegenheit herrschte. ES wurde herumtelephoniert, schließlich teilte ihr ein Polizeibeamter mit, ihrem Mann sei schlecht geworden und schließlich wurde die Frau in ein Zimmer geführt, in dem die Leiche ihres Mannes lag. Die verzweifelte Frau sah, daß die Leiche am Kopf eine blutige Wunde oberhalb desAugeShatte. DenKörperihres toten Mannes zu sehen, erlaubte die Polizei der Frau nicht. Einige Tage später wurden der Familie die Kleider des Toten ausgefolgt. Das Hemd war frisch gewaschen und die Hose war von außen mit AuS den Reihen der obersteirsschen Arbeiterschaft geht uns ein dringender Hilferuf zu und der Wunsch, auf daS furchtbare Schicksal deS Genossen L a ck n e r aufmerksam zu machen, damit ein wertvolles Menschenleben der Rache der Heimwehrchristen entrissen wird. Lackner war zuletzt Parteisekretär in Bruck a. d. Mur, welchen Platz er nach dem Abgang des Genossen Wallisch nach Graz als dessen Nachfolger einnahm. An den Feberkämpfen war er vollkommen unbeteiligt, weil er knapp vorher unter einen: Vorwand auf sechs Wochen ins Gefängnis gesetzt wurde. Dies geschah zu dem offensichtlichen Zwecke, um diesen unerschrockenen Vertrauensmann der obersteirischen Arbeiterschaft unschädlich zu machen. Die großen Verluste der Brücker Arbeiterschaft in den Kampftagen rühren teilweise daher, weil sie nach Frohnleiten durchstoßen wollte in der Absicht, Lackner aus dem Gefängnis zu befreien. Der Schuft R» ß, der bereits Wallisch während der Standgerichtöverhandlung hineingerittcn hat, belastet nun auch Lackner und behauptet, er lvisse von verborgenen Spreng st offen. Diese Denunziation genügte der Heimwehrjustiz, Lackner nach verbüßter Strafe, anstatt ihn frcizulassen, in das Grazer LandcSgericht zu überführen. Vor einiger Zeit wurde Lackner, in Ketten schwer gefesselt, nach Bruck zurückgebracht, Ivo er durch un- menschlickc Mißhandlungen und mehrmaliges An- dic-Wand-stellen zu einem Geständnis gezwungen Der dänische Streik Kopenhagen, 17. April. Die Hafenarbeiter in Aalborg und Esbjerg haben mit großer Mehrheit beschlossen, die Arbeit ivieder aufzunehmcn. Infolge kommunistischer Störungen legte ein Teil bcr Arbeiter die Arbeit jedoch tvieder nieder. In Esbjerg kam cS zu heftige» Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, wobei cS auf beiden Seiten Verletzte gab. Schließlich mußte die Polizei aus anderen Stadtteilen verstärkt werden. In Aarhus wurden 18 Demonstranten verhaftet, die die Hafenarbeiter bei der Arbeit behindern lvollten.• Die Verschwörung wollte mit Hilfe eines Attentates arbeite». Sie wurde einen Tag vor de in LoSfchlageu aufgedeckt, so daß es möglich war, alle Schuldigen frstzuuehmrn. Die Erhebungen haben ergeben, daß sämtliche(?) Teilnehmer der Verschwörung festgenommen worden sind und daß die Beschuldigten keinerlei Verbindungen zu weiteren Kreisen des Heeres hatten, so daß die Aktion vollkommen Menschenkot beschmutzt, ein Zeichen, daß der arme Kupfinger mit heruntergezogener Hose geprügelt worden war. Als Todesursache wurde offiziell Herzlähmung angegeben, aber cS ist kein Zweifel, daß KupfingerzuTodegemartert worden ist. Zclleninsassen bestätigen» daß Kupfinger wenige Sekunden, nachdem er von einem„Verhör" in die Zelle gebrockt worden war, zusammengesackt und gestorben ist. Massenverhaftungen von Frauen Wie der OND. aus Wien erfährt, wurden in den letzten Märztagen in dem Arbeiterbezirk Favoriten, besonders in der Gcmeindesiedlung Laaerberg viele Arbeiterfrauen, unter ihnen vor allem Frauen von Arbeitslosen, verhaftet. Sie werden beschuldigt, den Schutzbündlern in den Febertagen Tee oder Lebensmittel gebracht zu haben. ch Kaiserliche Patente aus dem Vormärz zu milde Der OND. erfährt von einem österreichischen Gerichtssunktionär: Die Gerichte haben die telephonische Weisung vom Justizministerium erhalten, daß alle bisher in Geltung gestandenen Verfügungen, die politischen Gefangenen Begünstigungen ein räum en, nicht mehr gehandhabt lverden dürfen. Die ersten Begünstigungen politischer Gefangener beruhen auf kaiserlichen Patenten ans dem Jahre 1843, also aus der Zeit des Vormärz. Auch sie sind fetzt aufgehoben. werden sollte. Lackner blieb standhaft. Sodann wurde der bereits in der Hast schwer erkrankte Mann fünf Tage lang in den zwei Stockwerk tiefen, fensterlosen und tropfnassen Bnrgkasernenkeller in Bruck geworfen. Wie Lackner nach dieser Prozedur auSgesehcn haben mag, geht daraus hervor, daß seiner eigenen Frau jeder Besuch verweigert wird. Lackner ist inzwischen, ohne daß eine Gerichtsverhandlung stattgefunden hätte, in die berüchtigte Strafanstalt für Schwerverbrecher in Graz- Karla u überführt worden. Im ganzen Brücker und Kapfenberger Gebiet herrscht die Ileberzeugung vor, daß Lack- ner auf diese Weise langsam zu Tode gequält werden soll, damit auch der unerschrockene Stellvertreter Wal- lischs beseitigt ist. Dieser Fall nmß vor der ganzen Welt öffentlich angeprangert und der Internationalen Rechtshilfe-Kommission in Paris besonders ans Herz gelegt werden. Unsere Gelvährsmänner schließen ihren Bericht wie folgt:«Das Ausland möge sich nicht wundern, wenn angesichts solcher Verbrechen die Arbeiter der Steiermark zu t e r r o r i st i s ch e n Methoden erzogen werden. Wenn dem gehenkten Wallisch auch sein bester Freund und Kampfgenosse durch Meuchelmord ins Grab nachgeschickt wird, dann mögen die Schuldigen um ihr Leben zittern!" rette Börsengewinne Washington, 17. April. Der demokratische Abgeordnete White, unterbreitete dem Repräsentantenhause den Antrag auf Einsetzung einer Untersuchungskommission, die die gesamten Transaktionen zu überprüfen hätte, die seit 1. Jänner in Gold durchgeführt worden. Nach der Erklärung Whiteö haben die Spekulanten seit der Zeit, da durch die Verordnung des Präsidenten der Preis des Goldes erhöht wurde, mehr als 225 Millionen Dollar verdient. Weitere Schutzbund** Prozesse Die Prozesse gegen die an den Feber-Ereignissen beteiligten Schutzbündler dauern auch bei den Provinzgerichten weiter an. Bor dem Leo» beiter Schwurgerichte standen am Montag sieben Schutzbündler, die in Groß-Veitsch bewaffnet Bereitschaftsdienst versahen. Ein Angeklagter namens Wuga wurde zu vier Monaten schweren Kerkers verurteilt, zwei weitere bekamen je zwei Monate, einer sieben Wochen bedingt, einer erhielt nur eine kleine Strafe wegen Uebertretung des Waffenpatentes; zwei wurden freigesprochen. Bor dem St. Pöltener Schwurgerichte standen am Montag 18 Schutzbündler, die wegen der Teilnahme an dem Gefechte am Hirschselder Walde angeklagt sind. Gleichzeitig begann in Innsbruck die Verhandlung gegen 12 Schutzbündler, die an den Ereignissen in Wörgl beteiligt waren. Das Urteil ist für Freitag zu erwarten. Die Düsseldorfer Giftmord- Blamag« Düsseldorf.(DG) Bekanntlich hat der Düsseldorfer Kriminalsekretär Brosig im Reichstags« brandstifter-Prozeß von der„kommunistischen Giftmordkolonne" berichtet, die zehntansende Düsseldorfer SA-Männer vergiften wollte. Trotzdem die Düsseldorfer Behörden wußten, daß die Geschichte nur ein großer Schwindel zur Anfput- schung der Bürger war, hat sie darauf bestanden, daß gegen die harmlosen Handwerker, bei denen bei einer zufälligen Razzia für Arbeitüzwecke angeschaffte Giftstoffe(Zhanatrium und Kupfervitriol) gefunden wurden, vor dem Reichsgericht ein Hochverratsprozeß gemacht wird. In diesem Prozeß wurde sestgestellt, daß eine politische Partei damit überhaupt nichts zu tun hatte» sondern daß der Galvaniseur Hilgraf sich von dem Sohn seines Arbeitgebers die für feine Artikel notwendigen Materialien besorgen ließ, weil er mit diesem zusammen eine neue Galvanisieranstalt* gründen woUte. Das steht sogar in der Urteilsbegründung des ReichSgcricktS nnd dazu noch, daß die Angeklagten einen Plan zur Verwendung für Vergiftungen nicht hatten. Die Angeklagten find also unschuldig. Fascistenexzesse In Nantes Paris, 17. April. In Nantes, wo gestern abends die Organisation der patriotischen Jugend eine Sitzung einberufen hatte, kam eS zu Zusammenstößen zwischen Anhängern der Rechten und der Linken. Polizei zu Fuß und zu Pferde schritt ein und machte von dem Gummiknüppel Gebrauch. Mehrere Manifestanten wurden verwundet, darunter einer durch Hufschläge. Ein Gardist lvurde vom Pferde gerissen und schwer verwundet. Nach der Sitzung zog die Patriotische Jugend zum Gebäude der Freimaurerloge, wo die Fenster einge- schlagen wurden. Sozlalverslcherungsabkommen mit Frankreich Paris, 17. April. Außenminister B a r* t h o u, Arbeitsminister Marquet und der tschechoslowakische Gesandte Dr. O s u s l h haben heute das französisch-tschechoslowakische Abkommen über die gegenseitige Gewährung von Arbeitslosen« Unterstützungen unterzeichnet. Die tschechoslowa» kiscken Staatsangehörigen in Frankreich genießen diesem Abkommen gemäß dieselben Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung wie die französischen Staatsangehörigen. Rücktritt des spanischen Justizministers Madrid, 17. April. Der Ministerrat hat beschlossen, den für Sonntag im Escorial angesetz- ten großen Aufmarsch der Jugend der katholischen Bolköaktion zu verbieten. Es werden lediglich Versammlungen gestattet. Der Präsident der Republik hat das Rück- irittsgesuch des Justizministers Alvarez Valdes angenommen und den Unterrichtsminister Mada- riaga mit der vertretungLweisen Uebernahme des Justizministeriums beauftragt. Der Ministerrat hat beschlossen, daß sämtliche der kommunistischen Partei angehörenden Staatsangestellten von den übergeordneten Behörden ohne Angabe des Grundes sofort dienstlich versetzt lverden lönnen. Wlekür^i^edennsm^ M. H ODA NN: Sexualpädagogik Ke 2<._ M. H ODA NN: Geschlecht und Liebe m 2<._ Zu boziehen durch alle Kolportoure Au81ieforuns^Zentral8tellefü^dM BildunEswcsonPrag^». besonders in den westliche» Teilen des Staatsgebietes. Bom Gesichtspunkt der Wetterstatistil aus«var der 16. Avril in Böhmen nud Südmähre» der r r st c Sontmertag: die Trnipernlnrrnmaxima erreichte» nämlich an vielen Qrtrn 25 Grad Celsius oder mehr. In Prag wurden 2 7 G r a d CelsinS verzeichnet. Ter Dienstag brachte noch höhere M a x i m a. Ein fo vorzeitiger Eintritt von Svnnnrrlrmperntnrrn ist ganz»ngr- «vöhnlich. Er hängt diesmal damit zufaimnen, dast das ständige subtrovische Hochdruckgebiet über den Azoren, das für unsere Gegenden eine wichtige Wärmequelle vorstrllt, durch eine tiefe atlantische Depression nach Südwrst- nnd Südeuropa verdrängt«vorden ist, von«vo ans es daS Wetter bei uns unmittelbar breinfluffrn kann. Das Gebiet vorzeitiger Sommenvärme bedeckt das g n n z r«v r st- n n d ui i t t e l europäische Binnenland. Die bisherigen Höchsttemperaturen(2!) Grad Celsius) wurde» SonntagS in M i t t e l f r a n k r e i ch nnd Mon- ! tags nm unteren Rhein verzeichnet. Dir Wärnirperiode dürfte mit Gewittern enden. Gewitter werde«« bereits aus Frankreich nnd Norddeutsch land geinrldet, doch haben sie vorläufig Lololchnrnkter. Bier Hinrichtungen in Berlin... Berlin, 17. April. Die Jnstizpressestellc teilt mit: Heute früh im« sechs Uhr wurden die R ä u b c r, dec 22 Jahre alte Erwin Hildebrand t, der 21 Jahre alte Alsonü Hoheisel, der gleichaltrige Krebs und der 31 Jahre alte A ch t e n h a gc n, im Hofe des Strafgefängnisses Plötzenscc von dem Magdeburger Scharfrichter durch das Beil hingerichtct. Am ein Mädchen Ein Toter, zwei Schwerverletzte In der ostslowalischen Gemeinde Kuzy n im Bezirke Sobranco entstand zlvischen einigen jungen Burschen lvcgen eines Mädchens eine Rauferei. Hiebei stach der 26jährige Johann Zahoröäk den Paul DZbän mit einem Messer in den Hals nnd trennte ih m di c H a l s a d e r d u r ch, so dast DZbän an Ort und Stelle verblutete. Dem llcbcrfallcncn eilte dessen Bruder Johann zu Hilfe, dem gleichfalls von Zahorkäk eine schwere Berlet- z u n g mit dem Messer zugcfügt wurde. In der Notwehr verletzte Johann DZbän dei« Zahorkäl am Kopfe schivcr. Die beiden Verletzten wurden in daS Krankenhaus nach Michalovice gebracht. Nach feiner Wiederherstellung wird Zahoröäk verhaftet nnd dem Kreisgerichte in Kafchau cingc- liefert werden. Eine Strafanzeige gegen Jng. Löcker Wegen einer angeblichen Entführung vor drei Jghre». Ein Staatsbeamter ans der Brüxcr Gegend erstattete dieser Tage gegen den Generaldirektor Dr. Löcker eine Strafanzeige, in lvelcher er behauptet, Dr. Löcker habe vor drei Jahren seine Frau unter der Zusage der Ehe entführt. Doktor Löcker soll sich bemüht haben, die Frau des Beamten zur Einreichung der Scheidungsklage zu bclvcgeu, und soll bei einer Aussprache mit dem Gatten erklärt haben, eher würde er sterben, als die Frau verlassen. Die späte Erstattung der Strafanzeige begründet der Kläger damit, dast er sich damals mit der Frau doch versöhnt habe und kein unnötiges Aufsehen erregen wollte. Da jedoch in der letzten Zeit Gerüchte verbreitet worden seien, datz er sich sein Stillschweigen hätte durch Geld abkaufen lassen, habe er sich zu seinem Schritte entschlossen. 700-Sahrfei-r einer nordböhmischen Gemeinde Ans Tctschen wird berichtet: Die Gemeinde H ö f l i tz begeht gemeinsam mit der dortigen Kirche im laufenden Jahre die 700-Jahrfcicr. Im Jahre 1284 wurde die in Höflitz bestehende Kapelle zur Pfarrkirche erhoben. Die Kirchenchronik, die 1070 angelegt wurde, und daö Schar- scnstcinschc Memvrabilicubuch von 1670 nennen das Jahr 1231, daher gilt daö EriuncrnngS- jahr als sicher. Die latholischen Pfarrer Ivirkten bis 1532. Daun lamcn die lutherischen Prädikanten. Seit 1628 wurde Höflitz, daö wieder kalholisch geworden war, mit der Pfarrkirche in Bensen vereinigt. Am 17. Mai 1675 wurde cs von neuem wieder Pfarrei. Der erste Pfarrer lvar Johann lldin auö Münster in Westfalen. Der jetzige Pfarrer Wirth ist der zwanzigste seit 1675. Ferner liefen.... Es ist die Tragikomik des winzigen Herrn Dollfuß, dast er immer eine österreichische Meile hinter seinem gehaßten nnd doch insgeheim bewnnderten„Vorbild" Adolf Hitler herhinkt. Die Konzentrationslager, den Terror und de» vulksverachtenden Antidcmo- kratiSnins hat er ihm abgesehen und seine einzige. spezifische österreichische Note, waren die Galgen, mit denen er die Fallbeil Monotonie Nazidculschlaudö um eine spezifisch Tollsnst'sche Note„belebt" hat. Aber sonst: Wie ER sich räuspert, nnd wie ER spuckt, das hat er IHM gründlich abgcgnckt! Der Protest des braunen Diktators und seines Prager K ochs gegen die K a r i k a t u r a u S st c l l n n g bei Mäncs,' der insofern einen gewissen„Erfolg" erzielte, als die sieben„beanstandeten" Bilder ans der Ansstcl- lung entfernt worden sind— ein Beweis dafür, in welch' empörender Weise der Druck dcS Hitler- deutschen Unkultur auf ganz Mitteleuropa lastet —, hat cs dem Millimctternich von Wien angetan. Er setzte seine Gesandtschaft in Bewegung, die ganz großes Geschütz, aber diesmal a»S- nahmsweifc nicht gcgc>« Arbeitcrwohnuugen, auffuhr. Herr Dollfuß, der in geradezu hängckalho- tische Ekstase gerät, spricht von„Geschmacklosig- leiten, die nicht den mindesten künstlerischen Wert besäßen". Mit den„Geschmacklosigkeiten" meint der ehrenwerte Kanzler gegen daS Volk nicht etwa seine geharnischte Beschwerde, sondern drei Karikaturen, die dem System der Kanonen- gläubigen in der verdienten Weise gerecht werden. Dabei ist cs für den katholischen Protystan- ten besonders blamabel, dast er gegen ein Bild Frantisek Bidlos zu Felde zieht, iu dem lveder er noch sein unvergleichliches Regime auch mir einer Erwähnung gewürdigt werden. Tas Bild zeigt einen Mann, der, am Fuß und an den Armen verletzt, am Galgen hängt. Vor ihm stehen der Arzt und eine Pflegerin mit roten Krenz- binden.„Herr Henker!" sagt die Pflegerin,„zic- hcn Sic vorsichtig, der Mann ist schwer verletzt!" Wir wissen schon, weshalb der kleine Dollfuß in diesem Fall, der ihn, äußerlich gesehen, ja eigentlich gar nichts anginge, so zu schäumen bc- ginnt! Es ist daS Schnldbcwusttscin, das ihm die Attacke diktiert! Der Geist des gemordeten Helden M ü n i ch r e i t c r, den die Schergen des Miliinctternich schwerverwuiidet an den Galgen hängten, ist es, der aus diesem Protest der gestellten Sünder spricht! Glaubt der kleine Mann auf verlorenem Posten, der versucht, mit Blut zu kitten, was die Entscheidung der Geschichte längst auSeinandcrgerisscn hat, mit derlei mnn- tcren Mätzchen sein unter Null gesunkenes nationales und internationales Prestige wieder heben zu können? Glaubt er wirklich, die Welt würde ihn in milderem Lichte sehen, wenn cs ihm gelingt, unter fleißiger Assistenz seiner begabten Diplomaten, die verhaßten zeichnerischen Doku- mente der österreichischen Wahrheit von den Wänden bei Mäncs zu reißen?! Bilder, die ans dem Leben geboren sind, können keine Diploma- tenfüllfcdcrn, und seien sic noch so sehr mit Demagogie gefüllt, zunichte mache»! Herr Dollfuß sollte sich nicht sonderlich bemühen. Die Nachwelt wird ihn bestinnnt nicht lächerlicher und ab- stoßender sehen, als er in Wirklichkeit ist. Aber wir denken als nüchterne Leute, daß das vorhandene Ouantun« genügen dürste—I Rus dec Hcbeiler-Tucn- und Spnrlbemeoung Der Böhmerwold zur Prager Olympiade. Die Probe, die vergangenen Sonntag in Z wug siattfand, war von 132 Teilnehmern aus 12 Vereinen vesncht. Geübt wurden die Tänze und das Fahnenschwingen für die Prager Olympiade. Ter gute Besuch und der Eifer bei dieser offiziellen Probe sind ein BclveiS des grotzcü Interesses, das auch im Gebiete des Whmcrwakdes für die Olnmpiade vorhanden ist. Der Böhmcrtvald-Bczirk stellt zu den Massenvorführungen in Prag hundert Fahneuschwinger nnd hundert Turnerinnen. Nach allen Berichten ist mit einem Massenbesuch der Olympiade des Anis zn rechnen. Olympiade nnd die Kinder. Acht Tage vor der Hauptversannnkmig findet das Fest der Kinder und der Jugend statt. Sonntag, den 1. Ink« wird das Schantnrnen der Kinder vorgeführt. Die Kinder der DTJ und des Ains werden Massenfreiübnngcn zeigen. Es wird mit einem zivei- bis dreitägigem Aufenthalte der AtnSkindcr in Prag gerechnet. Geplant sind Besichtigungen der Stadt, des Zoo und der Burg. Darüber hinaus werden noch Gruppenführinigen organisiert. Frstkartrn für die Erwachsenen. Alle Festkartei« für das deutsche Gebiet nnd für die deutschen Verbände und Organisationen werden mir durch den Atns geliefert, nm eine bessere Organisation der deutschen Fcslteilnehmer zn erreichen. Damit iü auch die Bcisiellnng von Sondcrzügcn nnd der Quartiere wesentlich erleichtert. Die Ains-Ver- eine haben bereits Fragebogen erhalten, die nun termingemäß einznschicken sind. Da der größte Teil der Tcilnctnncr tvahrschcinlich nur zwei Tage das Fest besuchen wird(7. und 8. Jiilil, werden besondere Fcstkarien, die mir für dies« beiden Tage Will« tigkeit haben, herauSgcgcben, die ebenfalls durch den AinS bezogen werden müssen. Internationale Eisenbnlin» Konferenz in Preßbnrg. Bom 17. bis 10. ds. tagt in Prcßburg die Subkommission der internationalen Eisen- bckhn-llnion. Diese Organisation vereinigt alle enropäischci« sotvie die afrikanischen und asiaii- schcn Eisenbahnen. In Preßburg wird unter Beteiligung dcü EiscnbahmninistcriumS über Fragen betreffend die allgemeine V e r r c ch- n ii» g zlvischen den Eisenbnhnvcrwciltnngcn sowie über W ä h r n n g ö s r a g e n und über die Regelung der Beziehungen der Eisenbahnen zn den Reisebüros in Bezug auf die monotärc Regelung verhandelt werden. Auf der Tagung in Preßburg werden die Eiscnbahnvcrwaltnngen folgender Länder vertreten sein: Elsast-Lothrin- gen, England, Belgien, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Holland, Dentsthland, Oesterreich nnd die Tschechyslownlei. Ferienaustausch von Kindern. Annicldiingeii zum FcrienanSiausche deutscher und tschechischer Kinder werden bei der Zcmskä präzdninovä vece, Pralm Ik., Hybcrnstä 7,(Ferienfürsorge) angenommen. Nach erreichten guten Erfolgen, betonen wir heue: wieder die bedeniendc Wichtigkeit dieser Aktion, die sich leider noch nicht des verdienten Bersländnissts erfreut. Durch den FerienanStansch ivird den Kindern Gelegenheit gegeben, sich spielend die fremde Sprache anzueigncn, selbstständig zn werden, neue Gegenden, neue Verhältnisse und Gewohnheiten kennen zu lernen. Die Form des Austausches sichert gute Behandlung der Kinder zn. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen« Mittwoch: Prag, Sender L.: 6.15: Gymnastik, 10.05: Deutsche Nachrichten, 12.35: Mittagskon- zcrt, 13.45: Schallplaitcn, 17.55: Französisch für Fortgeschrittene, 18.25: Deutsche Sendung: 18.25 Zehn Minuten für den Bastler, 18.85: Arbei- terfunk: Dr. Peter Otasek: Reportage a»S einem Steinbruch, 18.55: Soziale Informationen, 10: Denische Nachrichten, 10.20: Schrammel-Musik, 10.45: Acrztlicher Vortrag, 20: Smctana: Die verkaufte Braut, 22.15: Bericht über die dritteArbeiter« olhmpiade. Sender'S.: 14.20: Junge Leute sehen die Welt an, 14.80: Salonguartett, 15.10: Deutsche Scndnng; Wolf-Talns: Gedichte.— Brunn 14.45: Jugendfunk, 16: NachmittagSkonzert, 10.20: Polnische Klaviermusik.— Mähr.-Ostrau 11: Vormiiiags- konzert, 10.20: Cellokonzert.— Kascha» 17.05: Kin- dcrstundc.— Berlin 18.80: Orchesterkonzcrt.— BreSlau 21: Mozart-Konzert.— Frankfurt 10: Operetten-Konzcrt.— HeilSbrrg 21.15: Wagner- Abend.— KönigSivuslerhausrn 18.45: Violimnusil der Roniantik, 20.30: Deutsche Balladen.— Wien 20.05: Shmphonickonzert.— Donnerstag: Prag, Sender L.: 6.15: Ghinnastik, 10.05: Deutsche Nachrichten, 11.05: Konzert deö Salonor- chesterö, 12.10: Schallplatte«, 17.85: Französisch, 18: D en t s ch e 2 e n d u n g: Mnsikal. Stunde für die Jugend, 10: Deutsche Nachrichten, 10.45: Mäd- chcngestalten auf der Bühne, 20.05: Smetana-Kon« zcrt, Sender S.: 14.80: Schallplatte««, 15.10: Deutsche Sendung: Dr. Kotrba: Neue Wirt- schaftSreformen, 15.45: Deutsche Nachrichten.— Brünn 12.34: Mittagskonzert, 17.15: Jugcndnnter- haltnng, 18.25: Deutsche Sendung: Arbei- tcrfnnk: tschechoslowakische Arbeiicrdichter—Arbeiis- inarkt, 22.40: Smetana-Konzert.— Mähr.-Ostrau 18.25: Handwerker im dentscheu Volkshnmor.— Kascha» 16.80: NachmittagSkonzert.— Preßbnrg 17.50: Dvorak: Biblische Lieder.—Berlin 10: BrahmS: Sonate A-Dur.— Breslau 18.45: Unter- haltungskonzcrt.— Frankfurt 16: NachmittagSkonzert.— KönigSivnsterhausen 21.15: Der Bettelstudent, Querschnitt.— Leipzig 20.15: Abend am Weimarer Musenhofe, 21.40: Waldhornnmsik.— München 17.50: Lieder von Schubert.— Wien 10.15: Unterhaltungskonzert. «r. 90 Seite 5 Mittwoch, 18. Avril 1934 Selbstmord eines japanischen Diplomaten in Rom London, 17. April. Nach riiicr hier vorlie- ßeitbcn Ncutcrmeldung ans Nom ist der japanische Marineattachi! in Rom Commander O h t a n i im Schlafzimmer eines Hotels in Neapel er« hängt anfgefunden worden. Es handelt sich zweifellos nm Selbstmord. Ohtani war Montag nachmittags im Hotel angckonnncn. Er hatte lvcnig oder gar lein Gepäck bei sich. Als nm 20 Uhr ein Hotclangestelltcr an die Zünmcrtür klopfte, erhielt er keine Antwort. Er öffnete die Tür nnd sand Commander Ohtani im Badezimmer tot auf. Er hatte sich mit Hilfe eines Handtuches am B r a n f e t r i ch t e r a u f gehängt. Ein Brief oder ein sonstiger Hinweis auf die Gründe der Tat wurde nicht gesunden. — Der Botschaftsrat der japanischen Botschaft in Rom ist nach Neapel abgercist. Klerandn im Urwald. General Klccanda hat sich aus Bogota in Kolumbien am Montag im Flugzeug zu einer Studienreise in die Urwälder des Stromgebietes des Amazonas und dessen Zuflusses Pulnmaho begeben. Räuber. In der Ostslowakei im Bezirke von S n i n a trieb in den letzten Tagen ein R ü u- verpaar sein Unwesen. Beide Räuber hatten illegal die polnisch-tschechoslowakische Grenze überschritten, drangen in die griechisch-katholische Kirche in llliö ein, wo sie jedoch bloß eine kleine Almosenkassc mit sich nahnien, in der sich eine Krone befand. Der Ortspfarrer hatte einen Tag vorher 300 Kc der Kasse entnommen. Tann drangen die Räuber in das G a st h a u s des Samuel Weifz in Ulik ein, tvo sie Tabaltvaren, Lebensmittel nnd Ligucnrc im Werte von 1800 Kronen mit sich nahmen. 2m Geschäfte des Kaufmannes Mündel Katz in Velkö Bercznc raubten die beiden Tabaltvaren und andere Waren im Werte von 3500 Kö. Die Gendarmen nahmen an Hand der Spuren die Verfolgung der beiden Räuber auf, und folgten ihnen bis in den„Ja- vornik."-Forst, von wo aus das Räuberpaar nach Polen zurückkehrtc. Die polnischen Sicherheitsorgane sind ersucht worden, die Räuber in Polen zu verfolgen. »Hamburger Einbrechcrbande abgeurteilt. Nach mehrwöchiger Verhandlung hat die grobe Ttraf- t Hinter l des LandcSgerichtcs Hamburg den Prozeß gegen die Einbrecher» und Höhlerbande Eni i l Blum erledigt. Den 46 Mitgliedern der Bande konnten insgesamt 41 schwere Einbrüche und Diebstähle nachgewiescn werden.»> bei denen ihnen ganz erhebliche Beute in die Hände gefallen ist. Es handelt sich bei den Angeklagten zum Teil um ganz schwere Verbrecher, deren kriminelles Vorleben durch eine mitunter sehr hohe Zahl von Vorstrafen gekennzeichnet ist. Der Anführer der Bande und Hauptangckkaglc Emil Blum wurde zu zehn Jahren Zuchthaus, zehn Jahren Ehrverlust und Sicherungsverwahrung verurteilt. Gegen 12 weitere Angeklagte lautete das Urteil auf Zuchthausstrafen von 2 Jahren 6 Monaten bis zu acht Jahren und auf Ehrverlust von 8 bis 8 Jahren, außerdem gegen alle aus Anordnung der Sicherungsverwahrung. Gegen zwei andere Angeklagte, die zu je 4 Jahren Zuchthaus und Ehrverlust verurteilt wurden, wurde anberdcni die Unterbringung in eine Heil- und Pslegeanstalt auf Grund der 8 42 b d. St. G. angc- Neiideutschlands Gesicht l. 1...»(» X.’»* kl A A 1 Streicher läßt die Duden erschlagen— aber Hitler gibt Ihnen Mazzes zu essen I ptOlCfdtiflfjCW MtttvCS’ Die Nazi» sind doch wirklich hmnane, verständnisvolle Menschen I Wie die r e i ch S d c n t s ch c Presse jubilierend mitteilt, ist den jüdischen Häftlingen in den Konzentrationslagern gestattet worden, anlählich der jüdischen Ostcrfcicrtage die rituellen Mazzes„an zu fordern". Ob von diesem hohnvollen Angebot Gebrauch gemacht wurde, teilen die branngestrichenen Blätter allerdings nicht initl Wir möchten auch den im Konzentrationslager sitzenden Juden sehen, dem es cin- sallcn würde, angesichts der grinsenden TA-Wärter seine„angeiorderten" Mazzes zu verzehrenl Vier quengelt da? Tic Onengler(Querulanten) sind eine thpische deutsche Erscheinung... Ich schlage vor:„Wegen Quengelei wird bestraft, und zwar mit Geldstrafe, Hast oder Gefängnis bis zu sechs Wochen, wer nach Er- fchöpsnng der zulässigen Rechtswege trotz Vcrwarnnng durch die zuständige Behörde nicht ablästt, die Behörden mit offenbar grundlose» Eingaben, Anträgen und Beschwerden zu bclästigcu." LandgcrichtSpräsidcnt Dietrich in der „Deutschen I u r i st e n z e i t ir n g". Im„Dritten bleich" beschwert man sich »icht! Man läßt sich den Lohn lürzen, aus der ordnet. Tie restlichen Angeklagten kamen, bis auf zwei, die freigeivrochen wurden, mit kleineren Zuchthaus- oder Gefängnisstrafen davon. Preisermäßigungen im Flugverkehre. Die tschechoslowakische staatliche Acrolinie hat den Mitgliedern des Bundes der Vertreter und Reisenden, Reichcnverg(Fachgruppe im Allgemeine» Angestctltcn-Verband) Preisermäßigungen für den Flugverkehr auf ihren Linien bewilligt. Nähere AuSiünftc erteilt der Bund der Vertreter und Reisenden(Fachgruppe im Allgemeinen Angcstelltcn-Bcrband) Reichenberg, Turnerstraße 27. Mandschu-Banditen legten auf der Eisenbahnstrecke bei Chardin, die ein Militärzug von 43 Waggons passieren sollte, eine Dynamit- bombe nieder. Diese explodierte jedoch vorzeitig, so daß nur die Lokomotive des ZngcS zertrümmert wurde. Menschenopfer hat das Attentat nicht gefordert. Bei einer Bergtour auf der Kopka in der Hohen Tatra fand, tvie aus Poprad gemeldet Ivird, der Beamte der slowakischen Papierfabrik in Rosenberg Jng. Johann K lein den Tod. Einzelheiten über das Unglück sind noch nicht bekannt. Dis Rettungsexpedition des Klubs tschechoslowakischer Touristen ist jn Permanenz.» Kessel mit flüssigem Eisen explodiert. Jn Lodz explodierte in der Maschinenfabrik der Firma Weigt u. Co. ein Kessel mit flüssigem Eisen, wodurch zwei Arbeiter schwerere und sieben Arbeiter leichtere Verletzungen erlitten. AuSgebrochm. Aus dem Gefängnis in Canon C i t>>(Colorado) sind am Montag fünf Sträflinge ausgcbrochcn. Sie liefen in der Stadt umher, fielen mehrere Personen an und verletzten sie schwer. Unter der Bevölkerung entstand eine Panik. Erst nach mehreren Stunden gelang cs der Polizei, die Ausbrecher zu übertvältigen und ins Zuchthaus zurückzubringen. Wohnung werfen oder in„Schutzhaft" nehmen, nnd quittiert das alles mit einem fröhlichen„Heil Hitler" I Sonst öffnet der Dietrich der braunen Justiz jede Gefängniszelle!„Bis zu sechs Monaten".... I Antreten zur Werbung! In einem Rundschreiben der„R e i ch s ft e l l c zur Förderung des deutschen Schrifttums" wird für das höchst obskure Buch eines wegen seiner besonderen Talentlosigkeit berüchtigten Nazi-Schriftstellers„Deutschland zwischen Tag und Nacht" in folgender Form Propaganda gemacht: ...... Dieses Buch ist als wichtige Waffe der Regierung im Kampf um die Erneuerung des Tenkens auf Wunsch des Reichsnnnisteriums für Bolksaufklärung und Propaganda von allen deutschen Buchhandlungen sofort in den Mittelpunkt ihrer Werbung zu st e l l e nl" Der Propagandajoseph befiehlt und der Buchhandel hat den Hitlcrdrcck zu propagieren! Im deutschen Kindergarten regiert der Rohrstock. Nur daß die Herren„Erzieher" vor allem wert sind, umgehend und nachdrücklichst nnt ihm behandelt zu werden I Untaten einer Aigenneri« Tie Verbrecherin mit dem Totrnkopf— Alleinstehende Frauen waren die Opfer Jn einem kleinen Landhaus am äußersten Ende der Stadt Madrid lvohnte die vierzigjährige Witwe Christa Belcone. Frau Belcone lebte seit dem Tode ihres Gatten, eines spanischen Politikers, ziemlich zurückgezogen. Es kam nur selten vor, das; sie mit ihren Nachbarn einige Worte Ivechselte. Vor kurzem tvnrdc Fran Belcone im Schlafzimmer ihrer Wohnung tot aufgefunden. Der Amtsarzt stellte als Todesursache Herzschlag fest. Damit schien der Fall erledigt nnd der Verdacht eines Verbrechens hinfällig. Die Leiche wurde zur Beerdigung freigegeben. Durch die Mitteilungen einer Nachbarin der Verstorbenen erfuhr jedoch die ganze Affäre eine völlig neue Wendung. Die Frau erschien auf der Polizei nnd erklärte, fest davon überzeugt zu sein, daß Crista Belcone keines natürlichen Todes gestorben fei."'»:»'^'i«- 1•»>•>*><*<• Der unheimliche Gast. Sie habe in den letzten Wochen vor ihrem Tode ein besonders nervöses Wesen an den Tag gelegt, nnd als die besorgte Nachbarin sich nach der Ursache dieser Veränderung erkundigte, habe ihr Frau Belcone erzählt, das; sie von einer unheimlichen Zigeunerin verfolgt iverdc. Sie habe vor dieser Frau, die sie immer wieder aussuche, eine furchtbare Angst und«vage es dennoch nicht, etwas gegen sie zu unternehmen. Einmal bekam die Nachbarin auch selbst die Zigeunerin zu sehen. Ihr Anblick jagte ihr einen ordentlichen Schrecken ein. Die Frau, die sehr groh, hager und abschreckend häßlich war, hatte ein Gesicht, das vollkommen an einen Totenlops erinnerte. Die glühenden schwarzen Augen verstärkten noch den Eindruck des Unheimlichen. Auf Grund dieser Personenbeschreibung gelang es auch, nach einigen Tagen die Zigeunerin in Madrid zu finden und auf die Polizei zu bringen. Sie behauptete zuerst, von dem Tode der Witwe Belcone nichts zu wissen, verwickelte sich aber in Widersprüche und legte schließlich am dritten Tage nach ihrer Festnahme ein Geständnis ab. AuS Schreck vor dem„Geist" gestorben. Sie hatte sich an die Witwe, die als sehr wohlhabend galt, hcrangemacht nnd ihr einge- redct, daß sie ihr über die Seele des verstorbenen Ehemänner Kunde geben könne. Daß Frau Bel- conc sie nicht gleich zur Türe hiuauSlvarf, ist einerseits auf die allgemeine Neigung zum Aberglauben, die unter der spanischen Bevölkerung größer ist al»; in Mitteleuropa, zurückzuführen, andererseits aber auch auf die schwärmerisch fromme Natur der Witlve, die nur dem Andenken ihres Mannes lebte. Zum Teil mag auch der suggestive Einfluß der Zigeunerin mitgespielt haben. Diese suchte unter allen möglichen Vorwänden von Frau Belcone Geld;u erpressen. So erzählte sie ihr unter anderem, daß der Geist ihres Mannes ruhelos hcrumirrcn müsse, bis er durch entsprechende Gebete und magische Formeln erlöst werde. Natürlich kosteten diese Gebete viel Geld. Als Frau Belcone schließlich gegen die Zigeunerin niißtranisch wurde und ihr auSwicki, griff diese zu einem infamen Mittel. Sic vcrlleidctc sich eines Nachts als„Geist" nnd schlich sich, nachdem sie mit einem gestohlenen Schlüssel die Haustür geöffnet hatte, gegen Mitternacht ins Schlafzimmer der Witwe. Frau Belcone erlvachte. erhob sich in tödlichem Schreck von den Kisten— nnd sank gleich darauf leblos zurück. Die Angst hatte sie getötet. Drei weitere Opfer. Die Zigeunerin raffte nun kaltblütig das ganze Bargeld und den Schmuck ihres Opfers zusammen und verließ das Haus. Niemand hatte ihr Kommen und Gehen bemerkt, und sie wäre tvahrscheinlich niemals als die Schuldige entdeckt worden, Ivenn sie nicht durch ihr furchteinflößendes Aeußcre der Nachbarin der Fran Belcone aufgefallen lväre. Im Kreuzfeuer der Fragen gestand die Zigeunerin tveiter, daß sie noch drei Iveitere Frauen aus dieselbe Weise getötet habe. Sie machte sich in der Regel an schwer nervöse, kränkliche und alleinstehende Frauen heran, bei denen sie Geld vermutete, und spielte ihnen dann die Geistergeschichte voir. Die Behörden hegen allerdings starke Zweifel, ob die«Zigeunerin mit dem Totenkopf" sich tvirklich nur mit der Rolle einer passiven Mörderin begnügt habe. Es besteht vielmehr der Verdacht, daß sie auch mit Gift nachgeholfcn haben könnte. Aus jeden Fall Ivird diese unheimliche Verbrecherin nicht nur den Aerzten, sondern— Ivenn sich ihre Darstellung bestätigen sollte— auch den Juristen ein interessantes Problem aufzu- 1 lösen geben. Lyon und Rue Transnonain 1884— April— 1884 Von Hermann Wendel. Wenn der Unwille enttäuschter Voltsmasten dem Regime Ludwig Philipps in seinem Beginn manch harten Stoß versetzt hatte, glaubte sich sein Minister G u i z o t im Feber 1833 vor der Kammer rühmen zu können:„Die Aufstände sind tot, die Klubs sind tot, die revolutionäre Propaganda ist tot, der revolutionäre Geist ist tot. Aber schon die blutigen Ereignisse des folgenden Jahres sollten diese dick zur Schau getragene Zuversicht Lügen strafen. Die Flamme des republikanischen Ideals loderte nach wie vor auf dem Herd derGehcimorganisationen, namentlich der„Sociött des Droits de l'Homme"(Gesellschaft der Menschenrechte), nnd ihre Anhänger, die sich ans dem entschloffensten und kräftigsten Teil der akademischen Jugend und der Arbeiterschaft rekrutierten, warteten ungeduldig auf eine neue Gelegenheit, den Feuerbrand inö Gebälk der Julimonarchie zu schleudern. Da die«Gesellschaft d e r M e n s ch e n r e ch t e" ihrer im April 1833 verfügten Auflösung durch geschickte UmgchungSmanöver Hohn sprach, dachte die Regierung sic und andere ähnliche Klubs mit einem neuen VereinSgeseh tödlich zu treffen, dem die Kammer Ende März 1834 zustimmte. Jn dieser Abwürgung auf den Julibarrikaden erkämpfter bürgerlicher Freiheiten steckte eine so schnöde Herausforderung, daß bis heute vielfach die Meinung vorherrscht, das Regime habe seine Gegner auf die Straße locken wollen, um sich ihrer durch einen großen Aderlaß zu entledigen. Jn der Tat. konnten die Republikaner anderes tun als den hingeworfenen Handschuh aufnchmen? Aber nicht in Paris begann eS, sondern in Lhon. Im November 1831 hatte hier zuerst die soziale Frage ihr Meduscnhaupt erhoben, als die hungernden Seidenweber des Fabriksviertels Croix-Rouste hinter einer schwarzen Fahne mit der Inschrift: Arbeitend leben oder kämpfend sterben! herabmarschierten und den Streitkräften der verhaßten kapitalistischen Ordnung eine mörderische Straßenschlacht lieferte, aber da keinerlei politische Forderungen mitsprachcn, war das Ereignis weder rechts noch links richtig eingcschätzt worden. Seitdem freilich war die Politik in die Köpfe des Lyoner Proletariats cingcdrungcn; zwei republikanische Gesellschaften setzten sich ausschließlich aus Arbeitern zusammen. Im Feber 1834 führte eine Lohnherabsctzung der Plüschwcber zu einem allgemeinen S tr e i k, der 20.000 Webstühle stillcglc. Da die Behörden stramm für die Fabrikanten Partei ergriffen und sechs „Rädelsführer" vor Gericht schleppten, lag Gewitterschwüle über der Stadt, und die Kunde von dem neuen reaktionären VercinSgcsctz drohte als der zündende Blitz cinzuschlagcn. Aus Lyon kamen SendbotcnderRcpublikaner nach Paris, um das Stichwort zum Handeln zu empfangen. Jn der Zentrale der„Menschenrechte", wo man die Lage leidlich klar übersah, riet man dringend zur Zurückhaltung, verhieß aber, wenn Lyon zu den Waffen greife, werde Paris folgen. Am 9. April, gerade als der junge Anwalt Jules Favre vor den Schranken des Gerichtes beredt für die angcklagten Streikführcr cintrai, fiel in der Nähe des Justizgebäudes einer jener Schüsse, wie sic stets in der Weltgeschichte in ähnlich gespannter Situation die Katastrophe zu cnt- fcsteln pflegen. Im Nu schossen H u n d e r t e v o n Barrikaden aus dem Boden; sechs Wider- standszcntren warfen sich in den verschiedenen Stadtteilen auf. Soweit cs eine einheitliche Leitung gab, lag sic in den Händen von Lagrange und B a u n e. Aber auch ohne Weisung und Befehl schlugen sich die Arbeiter heldenhaft gegen die Armee, die ihnen an Zahl weit überlegen war. Denn der Unruhen gewärtig, fgcradezu lauernd auf eine proletarisch-republikanische Schilderhebung, hielt die Regierung in und um Lyon Truppenmasteu in Bereitschaft, deren Befehlshaber, General A y in a r, mit schonungsloser Brutalität vorging. Infanterie genügte ihm nicht, Artillerie griff ein, Häuser wurden gesprengt. Gleichwohl arbeitete sich das Militär nur langsam und unter schweren Verlusten vorwärts. Denn auch die Ansständischen bedienten sich zweier erbeuteter Geschütze, die sie mit Nägeln und Eiscnstückcn luden, und selbst auf den Dächern der fünf- und sechsstöckigen Mietskasernen kam es zu erbitterten Einzclkämpfcn. Nach Einnahme der hart umstrittenen Franziska ncrkirche tobte sich dcrBlutdurst einer zügellosen Soldateska zwischen Altar und Beichtstuhl aus, und auch in der Vorstadt Vaisc, dem letzten Bollwerk des Widerstandes, wurden weder Greise, noch Frauen, noch Kinder verschont. Fünf Tage wütete der Bürgerkrieg; erst am 13. April konnte General Ay- m a r, den Degen in die Scheide stoßend, seinen Auftraggebern melden, daß die„Ordnung", eine bestialische Ordnung, wicderhergestcllt sei. Daß die Regierung LudwigPhilipPS den P a r i s e r R e p u b l i k a n c r n eine Falle stellen wollte, läßt ein Satz vermuten, den der Minister Th i e r ö am 12. April in der Kammer sprach; seine Mitteilung, daß General A y m a r „eine uneinnehmbare Stellung" behaupte, erlaubte den Schluß, daß sich die Truppe in bedrängter Lage befinde, und gab den Gerüchten Nahrung, daß der Aufstand nicht nur in Lyon siegreich sei, sondern auch der ganze Südostcn Frankreichs unter Waffen stehe. Flugs holten die Mitglieder der „Menschenrechte" und andere republikanischcHeiß- spornc die Flinte a»S dem Kleidcrschrank, und am Sonntag, den 13. April, bedeckte sich das Lateinische Viertel, und mehr noch das klassische Quartier der Straße n kämpfe rechts der Seine, die alten, engen, winkligen Straßen Bcaubourg, Geoffroy-Langevin, Aubry- le Boucher, Transnonain, aux Ours und Grenier- Saint-Lazare mit einem Geflecht von Barrikaden. Aber von vornherein war der Aufstand enthauptet, denn die Negierung hatte am Tag zuvor hundertfünfzig der cntschlostcnstcn republikanischen Führer in„Schutzhaft" genommen und daö republikanische Blatt„T r i b u n e" unterdrückt. Auch war Ivie in Lyon die erdrückende Uebcrmacht auf der Seite des Militärs. Gegen dreitausend, höchstens viertausend Insurgenten begann General Loba» in der Frühe des 14. April mit 40.000 Mann Linie, verstärkt durch Naiionalgardcn, seinen methodischen und»sorgfältig vorbereiteten Angriff. Auch hier wurde wie in Lyon mit grimmer Erbitte» r u n g, mit znsanimengcbisscnen Zähnen um jede Barrikade und jedes Hans gefochten, und wie in Lyon befleckten auch hier die Sieger ihren Sieg mit unsagbaren Greueln.„Der französische Soldat", schrieb der„Rational" vier Wochen später,„hat nicht wie ein Löwe, sondern wie ein Tiger geschlagen." Mer toller noch hausten die Nationalgardisten, fanatisierte Besitzbürger, die um ihr Eigentum zitterten und auch mit den sich ergebenden„Anarchisten" wenig Federlesen machten. Weil aus einem Hause der Rue TranS- nouain, das die Nummer 12 trug, noch ein Schuß gefallen sein sollte, als die letzte Barrikade erstürmt war, wurden sämtliche Bewohner des Gebäudes ohne Unterschied dcö Alters und Geschlechts massakriert. Das Gemetzel der Rue Transnonain hinterließ einen Blutfleck auf dem Hermelin des BUrgcrkönigS. den nichts mehr abzuwaschcn vermochte; noch Jahrzehnte später ballte das Volk von Paris schaudernd und zürnend die Fäuste, wenn der Name der Straße nur genannt wurde. Heute ist diese Straße längst verschwunden, und die Erinnerung an die Gespenster, die in ihr umgingen, namentlich bei der Generation, getilgt, die seit 1014 so viel wildere Greuel erleben mußte. Aber geblieben ist eins: eine Lithographie Honorö D a u m i e r s, darstellend ein Schlafzimmer in wüster Unordnung, auf dem Boden Blutlachen, im Hintergrund links eine Frau tot hingcstreckt, im Vordergrund die Leiche eines nur mit dem Hemd bekleideten Mannes, der als Kranker aus dem Bett gezerrt nnd abgewürgt worden ist, unter ihm der Kadaver eines hingemordetcn kleinen Kindes, von rechts in das Bild hineinragcnd Kopf und Brust eines gleichfalls abgeschlachteten Greises. Die Unterschrift des Blattes, daö von schauerlicher Eindringlichkeit und anklägcrischcr Wucht ist, lautet: Rue Transnonain Ar. 12. ©ette 8 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 18. April 1934 Nr. SO PKAGtB ZMTIJWG Revolution der Jahreszeiten! Der Präger Frühling hat mit Macht eingesetzt. Mil einer solchen Energie, daß gleichsam über Nacht die Natur in ihr satteste», leuchtende» Frühlingsgrün getaucht worden ist. Dabei klettern die Thermometer mit einem säst unheimlichen Eifer in eine für diese Jahreszeit ungeahnte Höhe. Am Montag lvurden Temperaturen gemessen, wie sic für den Frühsonnner üblich zu sein pflegen, im April aber überaus, selten sind! Die WiiterungSstatistiker, die ja daraus trainiert sind. Pergleiche anzustcllcn, haben hcrauSge- knobelt, das, wir in Liesen selten schönen Frühlingstagen Temperaturen zu verzeichnen haben, wie sie seit 1921 nicht mehr gemessen wurden. Der Dienstag war der bisher ivärmsle Tag dieses Jahres. Tas Quecksilber stieg ans weit über 20 Grad. Es gab manchen Lufthungrigen, der den Nock auszög und im Hemd und Hose seinem Alltag nachging. Hoffen wir, daß diesem Vorstoß des Sommer-:-, der die sprichwört- liche Launenhaftigkeit des April Lügen straft, kein rächender Rückfall der überrumpelten Natur folgt! Geht auch der Reiz dieser sonncndurchflutctcn Tage im Hasten nnd Hetzen unserer Sorgen unter, so sind die Abende dazu angetan, uns die ganze Schönheit des drängenden Frühlings vor Augen zu führen. In den Grünanlagen der Stadt, auf den Höhen der träge dahitiflutenden Moldau, überall da, wo die unersättliche Groftstadt ein Fleckchen Grün frcigibt, drängen sich die Menschen, nm ein wenig vom Wunder des reife» Frühlings cinznatmcn. In den Nächten aber gehören Parks und Baumoasen den Aerm- sten der Annen, den Obdachlosen, die jetzt, nach langen, trüben Monaten wieder ini Freien schlafen können, ohne da» ihnen der Frost die Lungen zersticht. Schon um ihrer willen wollen wir dem Sommer danken, da» er den April, gegen alle Tradition und gegen die weise Vernunft, der Jahreszeiten, zu seinem Monat gemacht hat. Da» Prager„Thsätre Paricic" wartet diesmal mit einem anspruchsloseren Programm auf. aus dem aber dennoch ein paar vorzügliche Nummern stärker hervortreten. Das größte Vergnügen bereitet während der Vorführung fesselnder Kartenkunststücke ein Komiker, der einen„Herrn aus dem Publikum" mit bombensicher wirkendem, an Burian, und Chaplin geschulten lind doch originellen Humor spielt. Verblüffend ist die Fechtmeisterschaft deS älteren der bei beiden Gladios; wenn man sieht, wie dieser Mann einen Apfel auf dem Kopf des Partners mit einem Säbelhieb halbiert, kommt einem einen Augenblick lang Wilhelm Tell zwar inimer tioch dramatisch, aber nicht mehr linübertrefflich schützenhaft vor. Sehr vergnüglich mich die musikalischen Kunstfertigkeiten, die Emil Glaas miS einem Brett, einem Korkstöpsel hervorznholen scheint, und von guter Klasse die zwei „M o n t o s" als sozusagen Hochparterre-Akrobaten, ihre noch groteskeren Fachkollegen Colette und S m o l l, und A d a n o s, ein Tausendsassa von einem Jongleur.—dt ticrlchtssaal 19jährige Prostituierte als Raubmörderin Einen Trafikanten mit der Bierflasche niedergeschlagen. Prag, 17. April. Der Fall, der das heutige Schwurgericht beschäftigte, mutet einigermaßen wild» westmäßig an. Der Trafikant Franz Blaha in Nadlitz, dessen Verkmissbude vor einiger Zeit zu nächtlicher Stunde von unbekanntetl Tätern anSge- plündert worden war, wodurch der arme Tabaksverkäufer einen schweren Schaden erlitt, hatte sich entschlossen, künftig in seiner Trafik zu schlafen und seine Vorräte und Kassa zur Nachtzeit selbst zu bewachen. In der zweiten Morgenstunde deS 6. Feber d. I., wurde er durch Scharren und Pochen an der Türe aus dem Schlafe geweckt. Er öffnete, mit dem Revolver in der Hand die Tür und sah den ihn« persönlich bekannten 83jährigen Josef S o u d n h in Begleitung eines jungen Mädchens vor sich. Ehe er noch etwas sagen konnte, bekam er von diesem Mädchen einen Hieb mit einer Bierflasche auf den Kopf, so daß er halb betäubt znrück- taumelte, wobei ihn« der Revolver entfiel. Das Mädchen hob den Revolver auf und überreichte ihn ihrem Begleiter. Inzwischen ermannte sich aber der Trafikant, warf sich auf Sondnh und entriß ihm den Revolver, worauf er drei Alarmschüsse abgab. Sondnh flüchtete und der Trafikant feuerte noch die restlichen drei Schüsse deS fcchsschüssigen Revolvers ab, indem er Sondnh verfolgte. In der Zwischenzeit aber drang die Begleiterin SoudnhS in die verlassene TabakSbude nnd cnttvcndete die Kasse mit 250 Kc Losung. Da der Trafikant die Nmncn der beiden angcben konnte, tvnrden sie alsbald verhaftet nnd Ivcgen Raubes angeklagt. Der geschilderte Sachverhalt beruht auf den Angaben deS Trafikanten und tvird von den beiden Beschuldigten aufs nachdrücklichste bestritten. Diese beiden, die heute vor dem SchwnrgerichtS- hof des OGR Svoboda unter der schweren Anklage deS Raubes Platz nahmen, erinnern ein wenig an das Paar, das vor einigen Monaten vor dem diesigen Schwurgericht Ivcgen des RaubüberfalleS aus der Manina zu zusammen elf Jahren Kerker verurteilt worden Ivar. Waö die F r a u betrifft, so durfte die heute angeklagte Rosa M a t o n» e k dem gleichen Thpus augchörcn, wie die damals verurteilte Prostituierte. Sie ist trotz ihres jugendlichen Alters— s i e zählt e r st neunzehn Jahre— offenbar schon völlig verkommen, mehrfach vorbestraft und genießt bei allen, die sie kennen, den schlechtesten Lcuinnnd. Sie lebt, seit sie den Kinderschuhen ent- wachsen Ivar, ausschließlich von Prostitution und der arbeitslose Frisenrgchilfe Josef Sondnh ist ihr „Begleiter". Dieser scheint allerdings eher ein Opfer der Zeit- und Gcscllschaftövcrhältnijse zu sein. Er ist nnr wegen einer Kleinigkeit vorbestraft und hat sonst einen guten Rus. Er betonte auch vor Gericht, daß er, solange er Arbeit hatte, sich nie in solche Gesellschaft begeben habe. Erst die Not habe ihn z u m Z n- Hütter gemacht. Hinsichtlich der ihnen zur Last gelegten Tat leugneten beide jede Schuld. Sondnh behauptete, daß die Matonöek mit dem Trafikanten ein Verhältnis unterhalten nnd ihn allein in seiner Bude besucht habe. Sondnh sei erst später in der kritischen Nacht nachgekommen nnd mit Bier belvirtct worden, Ivoraus er cinschlief. Was dann geschehen sei, wisse er nicht. Er sei erst durch Lärm geweckt worden und in der ersten Verwirrung davongelauscn. Auch die Maton- öck sagte ans, sie habe den Trafikanten besucht und Sondnh sei erst später gckonnncn und eingeschlafen. Der Trafikant habe ihr gelvisse Anträge gemacht, die sie deshalb ablehnte, weil ihr Freund dabei war. Nur um den Sondnh zu wecken, habe sie dem Trafikanten mit der Bierflasche den Hieb auf den Schädel verseht. Diese sonderbare Verteidigung fand freilich keinen Glauben, zumal der Trafikant, der übrigens ein alter Mann ist, alle diese Behauptungen unter Zengeneid bestritt nnd bei seiner Darstellung blieb. Die Geschworenen erkannten die Matonsek mit allen zwölf Stimmen, den Sondnh mit nenn S t i m nt c n schuldig. Der Gerichtshof verurteilte beide Angeklagte zu je drei Jahren schweren und verschärften Kerker». rb. »»art und Wissen Maifestvorstellung XI. Arbelter-BorsteNung Am Montag, den 3V. April 1934, nm zh8 Uhr abend», im Reuen Deutschen Theater „Boris Godunow" Musikalisches Volksdrama in neun Bildern nach Puschkin und Karamsin von M. Mnssorgskh. Bearbeitet und instrumentiert von N. Rimsky-Korsakoff. Dirigent: Georg S z e l I. Inszenierung: Renato M o r d o. Kartenbestellnngen auch telephonisch Nr. 72820 ganztägig, 27727 um 6 bis 8 Uhr abends.— Der allgemeine Vorverkauf beginnt Donnerstag. 19. April, bei Optiker Deutsch, Graben, Palais Koruna.— Preise der Plätze: Parterrelogen 70 KC, I. Ranglogen 70 KC, ll. Ranglogen 60 KC, Ilt. Ranglogen 8ü KC, Fauteuilsihe, 1 bis 4. Reihe 18 KC, Parkettsitze, 5. bi» 12. Reihe 16 KC, Parkettsitze, 18. bi« 20. Reihe 14 KC, Balkonsitze, 1. bis 4. Reihe 15 KC, Balkonsitze, 5. bis 7. Reihe 18 KC, Galeriisitzc, 1. Reihe 11 KC, Galcriesitze, 2. bi» 6. Reih« 10 KC, Galeriesihe, 7. bi« 10. Reihe 8 KC. Galerieseitensihe 7 KC. Ein Gastspiel mit AnftellungSabsichtrn für dawichtige Fach des lyrischen OperntenorS absolvierte gestern im Deutschen Tbcater Herr Andor Köveß als RadameS. Er bringt unverbrauchte Jugend, eine sympathische Erscheinung, nicht üble« Material und ein paar besonder« volle, kräftige Höhentöne mit nnd ist derzeit immerhin am deutschen Theater in Brünn engagiert; aber Herr Köveß diStoniert nicht nur in ost quälender Weise, sondern singt zu- tveilen auch so falsch, daß man schon au« diesem. Grunde von einer Beherrschung der Partie nicht sprechen kann; außerdem lassen GesangStcchnik, Wortbehandlung und VortragSkultur so viel zu wünschen übrig, daß man einer Verpflichtung diese« Herrn an da» Prager Theater zumindest vorläufig keinesfalls das Wort reden kann. Daß Herr Köveß bei uns Mozart, Rossini, Donizctti, Lortzing, Smetana und Tschaikowsky singe» könnte, davon ist Ivohl nicht die Rede. ES wird also notwendig sein, sich um einen anderen Ersah für den scheidenden Herrn Riawec umzuschen, der leider in Prag zu wenig der verdienten Wertschätzung fand.— In dieser„Aida"» Vorstellung, die von Herrn Kapellmeister Kienzl allztl sichtbar mit riesigen Energieaufwand und mit wenig Rücksicht auf die Singstinimen geleitet wurde, war— wenigstens bis einschließlich des Nil-Akte«— nnr Herr H ans Hotter von wirklich künstlerischer Bedeutung; diesem seinem ersten AmonaSro muß man nicht nur niachtvolle Stimmentfaltung und wiederum erstaunliche Musikalität, sondern auch dramatischen Vortrag nachrühmen, so daß man von einer außerordentlich geglückten Gesamtleistung sprechen kann. Im übrigen liegt leider schon sehr viel Staub auch auf dieser Aufführung. l. g. Ein neues Werk von Brecht-Eisler. Von Bertold Brecht erscheint soeben bei EditionS du Carrefour ein Gedichtband, der Gedichte der verschiedensten Art und Form, von 1918 bis 1934, vereinigt. Brechts Kampf gegen den Krieg sein Kampf gegen die Hitler- diktatur finden in diesem Buche ihren Niederschlag. Eine besondere AnStvahl ans den Stücken„Maß- nahme" und„Die Mutter" gibt auch einen.Ueber- blick über Brechts dramatisches Schaffen. Das Werk enthält eine Notcnbcilage von Hans Eisler, der auch die„Maßnahme" und„Die Mutter" von Brecht vertonte. Wochenfpirlplan dev Reuen Deutschen Theater». Mittwoch,'^8:„L o r d B y r o n k o m m t a u S d e r Mode"(Gastspiel Deutsch, D2).— Donnerstag, halb 8 llhr:„D i e lustige W i t Iv e"(C 2).— Freitag, halb 8 llhr:„Lord Byroi» kommt anS k tr Mod e"(2)2).— Samstag, halb 8 llhr:„Sie lustige Witwe"(B 11. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 llhr:„S ch i ck s a l".— Donnerstag, halb 8 llhr: „S t ra ß e n m u s i k"(Erstaufführung).— Freitag, 8 llhr:„Schicksal"(KnlturverbandSsrennde und freier Verkauf).— Samstag, 8 llhr:„S t raßen m n s i k". Oer Film Din Mädel wirbelt durch die Welt Dieser Goebbelr-Filmist nicht mehr nur ein Instrument, er ist auch schon ein Produkt der Verblödung. Denn es ist undenkbar, daß Leute, die noch im Vollbesitz ihrer geistige» Kräfte sind, ein Manuskript schreiben wie hier der Herr B a u ch, eine Musik stümpern wie hier ein Herr K n o f e1 und eine Regie anfführen wie dieser Georg Jacobi). Eine solche Ansammlung von rohen Albernheiten, plumpen Kitschvcrsnchen, von humorlosen Verrenkungen und Tollheiten ist nur durch die Wirkungen eines tyrannischen Stumpfsinns zu erklären, der das Land beherrscht, in dem dieser Film erzeugt wurde. Wie es freilich zu erklären ist, daß man bei uns hier ein solcher Monstrum aufführt, daß es sogar noch öffentliche Lobrcdner findet und daß auch die Einfnhrkoin- mission es passieren ließ, ist tvcnigcr leicht z>r erklären. Sieht man wirklich die Gefahr der Volksverdummung und Volksverrohung nicht, die man mit dieser verhängnisvollen Toleranz und Entschlußlosig- kcit gegenüber dem Gocbbclsfilm heraufbeschwört. —ei«— Die Welt ohne Maske E» genügt zu bemerken, daß e« ein H arry Piel- Film ist: also Schnndliteratur auf der Lein- tvand, knallig-blöde Sensationsmache, armselige Phantasterei— von einem, der als Wahrer schlechtester Tradition ganz folgerichtig zum braunen Filmführer avanciert ist. Was er sich hier aus den Themen Fernsehen und Hellsehen znsammengestidelt hat, hat tveder mit Technik noch mit Okkultismus etwas zu tun, sondern nur mit ältesten Kriminalschmökern und mit dem, was man faulen Zauber nennt. Wie aufwühlend würde heute ein Film sein, der wirklich die Welt ohne Maske zeigt. Aber dieser hier ist nur aufreizend: das Machwerk eines barbarischen Schmierenkomödianten, der in Hitler« Diensten Geschäfte machen will. Sport• Spiel• Körperpflege Belgien führt in der Europameifterfchaft der Arbeitersustboller. In der W e st z o n e absolvierte Belgien sein letztes Spiel in der Europameisterschaft. Da» in Zürich ausgetragene Länderspiel gegen die Schweiz gewannen die Belgier mit 2:0. Belgien hat alle Spiele in der Gruppe West gewonnen. FrithjahrStagung der Arbeiterturner de« Saargebiete». Im Mittelpunkt aller Beratungen steht das zu Pfingsten in Saarbrücken stattfindende große internationale Arbeitersporttresfen. Stärkste Entrüstung löste die Mitteilung über die Sabotage der städtischen Behörden Saarbrückens au« und einmütig herrscht der Wille vor, nun erst recht und trotz alle- denl diese Veranstaltung durchznführen. An sonstigen Veranstaltungen'im Laufe des Sommer« sind zu nennen: Jugendtreffen im Juni, Besuch de»-Schwei« > zer VerbandSfestc« in Luzern(Juli), Arbeiiersport- 1 und Kulturtag am 5. August in Völklingen. Außerdem werden auch in diesem Jahre die Handballer eine Fmistballserie zur Durchführung bringen. Dazu werden noch kleinere Veranstaltungen kommen. In der letzten Zentralvorstandssitzung de« schweizerischen ArbeitersportverbandeS widmete der Vorsitzende den Wiener Genoßen warme Worte deS Danke« für ihren heroischen Kampf gegen den Fascis- mnS. Ans den Berichten des OrganisationSkomitec« de» fünften schtveizerischen Arbeitcr-Turn« und Sportfestes in Luzern war zu entnehmen, daß alle Vorarbeiten in vollem Gange sind. ES sind alle Garantien für die Durchführung deS Festes gegeben. Zn längerer Diskussion gab der Beitritt zum Soju« (Sozialistisches Jugendwerk) Anlaß, der aber mit großer Mehrheit gebilligt wurde. Ans den Verhandlungen ging hervor, daß der SatnS gewillt ist, allen Anstürmen der Reaktion zum Trotz die bisher beschrittene Bahn lveiter zu verfolgen. Die Naturfreunde de« Saargebietes haben ungefähr zwei Stunden von der deutschen NeichSgrenze ein Ferienheim stehen. Sei dem Machtantritt der Hitler-Regierung in Deutschland hatte da« Heim einen großen Zuspruch von selten der reichsdeutschen Naturfreunde. Dieser Zuspruch soll nun mit allen Wo bleibt derIrrenarzt? Der Satan im wissenschaftlichen Braunhemd... Ein Dr. Walter Claassen hat bei Ludwig Schröter in Berlin ein Buch erscheinen lassen, das er»Der Wille zur Kraft" nennt. Amerikanische Zeitungen, denen die psychologisch anscheinend nicht sehr versierten Kommis des Reichspropagandaministeriums„Werbeexemplare" dieses einzigartigen Buches geschickt haben, bringen in größter Äerblüs- sung größere Auszüge au» diesem„Standardwerk" neudentscher Gelehrsamkeit. Man ist sehr versucht, das Ganze als einen leicht grotesken Aprilscherz abzutun, tvenn man nicht ivitßte, daß im Lande der braunen Narren der Unsinn Methode und der Sinn al»„»intermenschlich" verschrieen ist—I Schon mit dem Waschzettel des Verlags beginnt cs. Hier tvird eingangs triumphierend festgestellt, daß der Krafttville des Herrn Claassen dem Marxismus auf„allen seinen Schleichtvegen" folgt, um, bescheiden, Ivie derartige Waschzettel mm ein« mal sind, treuherzig blinzelnd hinzuzufügen, daß der Herr Claassen„das nationalsozialistische G e g e n st ü ck" z u d e m„K a p i t a I" des Inden Marx geschrieben habe. Herr Claassen hat es mit dem„Satanis- mus"I Den Marxismus nennt der unsreiwilligc Humorist eine besonder« scheußliche Erscheinung deS Kollektivismus, um dann wörtlich das folgende zu sagen: „Deutschland-war e», au» dem Karl Marx, der Jude, aus dem Friedrich Engels, der Germane, her- Mitteln unterbunden werden. Ein gut organisierter Spitzeldienst sorgt dafür, daß alle Besucher au« dem Reichsgebiet beim Rückmarsch über die Grenze in Haft genommen werden nnd niit den bekannten Mitteln nationalsozialistisches Gedankengut„einaebläut" bekommen. Bürgerlicher Sport Die„Geschäfte" zweier Weltmeister in Amerika. Die bürgerlichen Weltmeister im Eiskunstläufen, 2 o n j a H e n i e und der Wiener Schäfer stellen derzeit in Amerika ihr Können unter BetveiS. Wie sie ,das machen, das geschieht nach bcin„P. M." n. a. in folgender Weise:„Man bringt bie Kunstläufer in geradezu zanbcrhafier Aufmachung heraus. Sonja Heute tanzt den„Sterbenden Schwa n". Wenn Sonja über das Eis dahingleitet, in großer Aufmachung, von vier Strahlern beleuchtet, dann tobt das Haus.... Sch ä f e r bringet» sie wiederum ganz ander« heraus. Schäfer ist ein Akrobat, ein wilder, ekstatischer Springer. Er erscheint al« Teufel, in rotem Gewand, mit langer Hahnenfeder— jeder Zoll ein Teufel..."— Soll man da noch mehr Worte über da» Götzentum im bürgerlichen Sport verlieren?... Die Schiedsrichter vom DFV.-Mittelgau lasten anscheinend ihre„Streik"«Absichten fallen und ziehen die Einglicdernng in andere Schiedsrichtergaue vor. Der Mittelgau hat fünf bis sechs Vereine mit je zwei bis drei Mannschaften und sage nnd schreibe über zwei Dutzend Schiedsrichteri Die tschechoslowakische Querfeldeinlauf-Mcifter- schaft gelangte am Sonntag bei B.-Budwei« zur An»' tragung. Bei den Männern siegte wiederum Koskak (Slavia Prag) in 82:08.2 Min., bei den Frauen Koubkova(Hochschüler-SpVg. Prag) in 7:11.4. Die Europameisterschaften der Amateurboxer lvurden am Sonntag in Budapest beendet. Die Vertreter der Tschechoflowakei kamen in keiner Kategorie für die drei ersten Plätze in Frage. Im Länderklassement belegte die Tschechoslowakei den neunten Platz. Vcrclnsnadirlditcn Genossin! Genosse! Weißt Du schon, wie schön es ist, im Freie»» z»« turnen? Lerne es kennen! Komm zu unserer dritten Wan- derung! Sonntag früh, Puickt 8 Uhr, geht es los, diesmal vom Baumgarten au«, von der Endstation der Sechser. Unser Ziel sind die Snchdoler Felsen. Nimm Dein Turnzeug mit! filme ln krsger Lldifsplelltilusern Urania-Kino:„Liebelei".— Alfa:„Tante Sally".— Avion:„Nackt wie Adam".— Fenix: „Ihr letzter Rekord".— Flora:„Diagnose X".— Julis:„Triumph eines großen Diplomaten".— Kinema: Journale, Groteske, Reportage(halb 2 bi« halb 8 Uhr).— Kotva:„Aus dem Regen in die Traufe".— Lucerna:„Aus dem Regel» in die Trause".— Olympir:„Drama an der 0fer".— Praha:„Sturm über der Sahara".— Skaut:„Das Häuschen in EmauS".— Alma:„Liebelei".— Belvedere:„Die Schlacht".— Beseda:„Die goldene Katharina".—Illusion:„Casanova".— Lido:„So ein Hundeleben".— Maceska:„Die goldene Katharina".— Sport:„Liebelei".— U Bejvodu:„Liebelei".— Baldek:„Diagnase X". Literatur „Dir Geschichte der Frau". Die Akademie der Geschichte der materiellen Kultur in Leningrad bereitet die Herausgabe eines großen Werkes„Die Geschichte der Frau." vor. Da« Werk wird die Lage der Frau vor Entstehung der Klassengesellschaft, die Fran in der Antike— in Griechenland und Rom— im Orient, in Westeuropa, in der BorrevolutionSzeit in Rußland und die Fra»» in der Sowjetunioi» schildern. vorgingen. Beide sind die Stammväter deS schändlichste»» SataniSmuS, den die Welt je erlebte, je erleben wird".„Engels, dieser göttliche arische Idealist, wurde in den Dienst deS satanische»» jüdischen Jdealistr»» Marx gedrängt!"„Das Walten einer höhere»» Macht", so berichtet uns dieser Satans« experte mit erhobenem Zeigefinger,„kani» direkt be- lviesen werden. Diese höhere Macht aber ist die des Satan». Eines Menschen Hirn hätte die teuflische Lehre des Marxismus niemals erfinde»» können!" Und so geht es weiter, mehr als sechshundert Seiten lang. Nicht nur über den Satan Marr und seinen marxistisch zu motivierenden teuflischen Pferdefuß, sondern auch über den„Sexual-Bolfche- lvismus". An einer besonders markanten Stelle heißt es: „Biologisch, cugenetisch, d. h. schließlich auch moralisch gesprochen, bleibe cs ziemlich gleichgültig, »vie die gebildeten Klasse»» anSsterbe», durch welche Art von Sterilisierungen, durch Frass, Suff, Sterilisierung der Männer oder der Frauen, ob per annm oder per vaginam, mit oder ohne LurS". Das ist also der„geistige Ausbruch der deutschen Nation", den Goebbels und die Seinen so hymnisch besiingcn haben! Bedauernswerte Irre, die in ihre»» Komplexen herunuvühlcn. Wahnwitzige, die mit ihren Feberphantafieu Fangball spielen, als die Repräsentanten des„neuen Deutschland"!, Aber kann man von einem System, das mor- phinistische Brandstifter nicht in Kette» legt, sondern als Ministerpräsidenten wüten läßt, andere„geistige Erzieher" als armselige Narre»» ä la Claassen erwarten I Pierre. PRAG» Bezugsbedingungen: Bet Zustellung ins Haus oder bet Bezug durch die Post monatlich KC 10.—. vterteljäbrig KC 48.—. halbjährig KC 96.—, ganzjährig KC 192.—.— Jnseraie werden lau» Tarts billigst berechnet. Bet öfteren Einschalluugen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retonrmarken,— Die Zeiwngsfrankalur wurde von der Post- und Telearavben- direktion mit Erlaß Nr. 13.800/VII/1030 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS", Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.«G., Prag.