14. Jahrgang Dienstag, 24. April 1934 Nr. 95 IENTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xil., fochova u. Telefon sx>n. Administration teiefon s»h. HERAUSGEBER, SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR, WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR, DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Baziipretc 7fr Itallar >FA»chli«6lich S HgÜGT tGfift) Zehn Jahre Zuchthaus für die Bukarester Verschwörer V» Inrr st, 22. April.(LR.) Drr Kriegs- rat hat in dem Prozeß gegen die Militär-Vrr- schwörer da» Urteil gestillt. Sämtliche 13 Ange, llagten wurden zn je zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Soweit cs sich um Militiirprrsanrn handelt, hat das Tribunal auch die Degradation ver- fiig«. Blutorgien Hamburger Staatsanwalt fordert 13 Todesurteile Hamburg, 23. April. Im Prozeß gegen die „Role Marine" vor dem hanseatischen Sonderge- rickit beantragte der Staatsanwalt 18niak die Todesstrafe, zweimal lebenslängliches Zuchthaus und gegen die übrigen Angeklagten, mit Ausnahme von einem, der sreigesprochen werden soll, Zncht- huisstrafen bis zu 12 Jahren. In seinem Plädoyer Ivies der Staatsanwalt darauf hin, das; die„Rote Marine" eine besondere »ampsirnppe gewesen sei. Der Uebcrsall im Herrengraben, bei dem der SA-Mann Heinzel- mann niedergestochen tvurde, sei angeblich ein planmäßig vorbereiteter kombinierter Feuer- und Resserüberfall gewesen. Wer den tödlichen Stich gegen Heinzclmann geführt habe, habe nicht s c st g e st e l l t(l) werden können. Das Krlegssclraldenproblem Tic Schitldner stellen ein Ultimatum? New Bork, 28. April. Dem Washingtoner Korrespondenten des großen Hearstorganö„American" zufolge haben die europäischen Schuldner eine Art tatsächliches Ultimatum dem Präsidenten Roosevelt unterbreitet, in welchem sic erklären, daß sic den Bereinigten Staaten keine wirtschaft- lichcn Begünstigungen gewähren werden, solange nicht ein Einvernehmen über eine Reduktion der europäischen Kriegsschulden an die Bereinigten Staaten zustande komme. Der Korrespondent des genannten Blattes fügt hinzu, daß England, Frankreich und Italien bei inoffiziellen diplomatischen Verhandlungen obige Frage aufs Tapet gebracht hätten. Tagungen der tschechischen Partei Tie Genossen Hampl und Pik üben aktuelle Fragen Im Pilsner Arbeiterhcim fanden Sonntag zlvei große Konferenzen tschechischer sozialdemokratischer Organisationen statt. Ans der Tagung des Metallarbeitervcrbandes sprach Genosse Abg. H a m p l über die Taktik der Arbeiterbewegung und führte auS: Tie charakteristische Erscheinung der heutigen Zeit ist der Bersall des wirtschaftlichen Liberalismus, der in fast allen Staaten Eingriffe der Staatsmacht in den Wirtschaftssektor erzwingt, um die Bcrhältnisse zu regulieren und Extreme zu beseitigen. In diesem Stadium entsteht der Initiative der Arbeiterbewegung eine verantwortungsvolle Aufgabe. Wünschenswert ist die engere Zusammenarbeit der sozialistischen Parteien, welche hauptsächlich von unten, anö dem Willen der Arbeiterschaft selbst, die durch die Zersplitterung der Kräfte am meisten geschädigt wird, erwachsen muß. Auf der Konferenz der sozialdcm. Parteiorganisationen des Pilsner Gebietes erklärte Gen. Abg. P i k, daß in der Zeit der Revisionsgefahr der Zusammenschluß aller demokratischen Kräfte notwendig ist. In unserer Republik kann weder für eine Diktatur noch für eine ständische Ordnung Plast sein. Tic demokratische Bcrsassung ist für uns die einzig mögliche Grundlage. Der Ruf nach Bcr- fasstmgsändcrung ist ein gefährliches Beginnen. Der Regierung muß bei der Staatsverwaltung Erleichterung verschafft werden. Tas ließe sich erreichen nicht durch Errichtung eines Wirtschaftsparlamentes, sondern durch Schaffung eines Hilfssetretariats beim Mini- it e r r a t, in welchem unter Mitarbeit von Kennern und Fachleuten wirtschaftliche Angelegenheiten für die Negierung vorbereitet lvürden. Dreistündige Konferenz zwischen Barthou und Pilsudski Herzlicher Empfang In Warschau Warschau, 23. April. Der französische Außenminister Barthou ist Sonntag abend» in Warschau eingrtroffen. Seine Begrüßung gestaltete sich überaus herzlich. Auf dem Bahnhof, anf dem sich da» diplomatische KorpS, Brrtretrr der Regierung und»ine große Mruschenmengr eingefunden hatte, wurde Barthou vom Chef des Protokolls und einem Vertreter deS Annen Ministers begrüßt, worauf er sich in die französische Botschaft begab. Anf drr Fahrt durch dir Stadt war er Gegenstand herzlicher Ovationen. Am Abend fand beim Außenminister Beck ein Empfang zu Ehren BarthonS statt. Montag früh stattete Barthou nach einem Presseempfaug dem Ministerpräsidenten einen offiziellen Besuch ab. Mittag- wurde er vom Präsidenten drr Republik zu einer längeren Konferenz rmpsangrn. Um 17 Uhr begab sich Barthou in Begleitung deS Außenministers Beck und deS Bizemini» i sterS für AriißcrcS Graf Jzembek in da- Brlvr» dere-PnlaiS, wo er von Marschall Pilsudski empfangen wurde. Tic Ronferruz Barthon- Pilsndski-Beck dauerte volle drei Stun» d e n. Lieber den Verlaus drr Konferenz wurde bisher kein offizielle» Kommuniquk auSgegcben. Nach Informationen ans unterrichteter Luclle wurde» in dieser Konferenz alle aktuellen Fragen der internationalen Politil erörtert, welche Polen nnd Frankreich gemeinsam angrhrn. In allen Be» ratungSpnnkte» wurde rin vollkommene- Einvernehmen drr Leiter drr polnischen nnd französische» Außenpolitik erzielt. Besonder- gelangten die Angelegenheit deS Verhältnisse- Pokens zum Völkerbund, ferner die Frage de» Bierrrpak» trS, die Frage der Beziehungen Polen- zn Deutschland und Rumänien und schließlich die An» gelrgruheitrn der AbrüstmigSarbriten zur Besprechung. Spaniens Arbeiter im Gegenangriff Generalstreik in Madrid gegen eine klerikale Demonstration Madrid, 23. April. Die Gewerkschaft--> so daß Madrid ohne jede Brotverforgung war. verbände der Sozialisten haben in der Rächt vom Eafös und Restaurant-, die nicht auf dir Auf- SamStag zum Sonntag zusammen mit den Orga-| forderung drr Sozialisten sofort schloffen, wur- nisationen drr Snndikalistrn in Madrid einen■ den m i t Steinen bombardiert. 24stündigrn Generalstreik proklamiert, drr als Sämtliche Theater nnd Kinos mußten ebenfalls Protestaktion gegen dir Regierung und. schließen. gegen die am Sonntag im EScorial stattfindrndr In den Straßen von Madrid ereigneten sich Rirsenversauimlung der katholischen BolkSaktion' Samstag und Sonntag verschiedene blutige Zugedacht war. Weder die Regierung»och dir Po-> sammcnstößc, die mehrere Todesopfer forderten, lizei waren darauf vorbereitet, so daß dieser, Auch ein englischer Staatsangehöriger wurde ge- Schlag völlig unvermutet n n d l tötet. In verschiedenen Stadtteilen explodierten überraschend kam. Innerhalb einer halben' Bomben. Stunde war der gesamte Kraftdroschken-, Stra- Ter Generalstreik wurde lüikeukoS durchge- ßenbahu- und AntobuSverkrhr eingestellt. Auch, führt und Montagmorgen- nach den Weisungen in den Bäckereien wurde die Arbeit nirdergelrgt, I deS Streikkomitee- beendet. » President will Amnestiegesetz nicht unterzeichnen Da- Kabinett Lrrronx ist auch dadurch in eine[ Heren Offiziere wieder in den aktiven Tirnst aufäußerst kritische Lage geraten, daß Präsident Za- genommen werden sollen, m o r a sich geweigert hat, da» von« Parlament ani Freitag gegen den Widerstand drr Linken ange->>cnic fand unter dem Borsih des Präsiden- nommene Amnestirgeseh zn unterschreiben. Ter| ten ein Miuisterrat statt, der jedoch die endgültige Präsident soll hauptsächlich dagegen Einwcndun-> Entscheidung über daS Amncstiegrsrtz anf morgen gen erheben, daß die als Gegner des rcpublikani- vertagte. Die Gerüchte vom Rücktritt der Regiescheu Regimes bekannten seinerzeit entlassenen hö-1 rnng wollen nicht verstummen. Die Lösung inner betratet Zita und adapttert DolltuO In ein besseres Morgen I Nur wenige Monate sind seit der Festste!' lung eines führenden Nationalsozialisten ver- gangen, daß das jetzige Regime Deutschland» Geschicke in den nächsten dreihundert Jahren be- stimmen werde und schon gibt eS Zeichen, die eine schwere Krise der Hitlcrregicrung erkennen lassen. Auch die S t i m in u n g des Bolles ist ein Gradmesser für die Macht eines ReginieS, besonders eines diktatorischen, das seine Einsetzung zn einem nicht unwesentlichen Teil der B geistern»« breiter Volksmassen verdankt. Die Fcstlaune ist in Deutschland sehr schnell verraucht und die Borbcreitungen, die das Regime zur glanzvollen Begehung des l. Mai trifft, gründen sich nicht mehr auf dieselbe Zuversicht wie vor einem Jähre. Die Not der Arbeiter ist gestiegen, die Wirtschaft ist ans daschwerste erschüttert, die Korruption bat in alle Aemtcr deS Dritten Reichs Einzug gehalten, die braunen Bonzen leben in Taus und Braus, das Land ist in eine hoffnungslose außenpolitische Situation manövriert worden, die sozialistischen Versprechungen, mit denen Hitler weite Kreise des von antikapitalistischcr Sehnsucht orsüllten Volkes gewann, blieben unersüllt und in den Betrieben schwingen die Unternehmer als wahre Fronvögtc die Hungcrpcitsche. Zehntausend,.' junger Menschen, denen die Weimarer Republik weder Brot noch den Glauben an sich selbst und eine bessere Zukunft zn geben vermocht batte, folgten Hitler gläubigen Herzens auf dem ver- mcintlichen Marsch in ein besseres Reich. Tie sehen, daß cs ein schlechteres wurde, sic begehren in immer größeren Scharen anf— und sie sind die Soldaten Hillers. Es ist groteske Wahrheit, daß sich die dcut- I scheu Gefängnisse in steigendem Maße mit Angehörigen der TA füllen, die die von ihnen an den politischen Gegnern verübten Terrormethoden nun am eigenen Leibe verspüren. Sie haben Hunger und sind so vermessen, nicht mehr zu glauben, daß ihn Hitler stillen werde. Tas einzige braune Hemd, das sie besaßen, ist abgetragen,' durch die Hosen pfeift der Wind, die Schuhe sind zerrissen. Sie glaubten, richtige Soldaten des Reiches zu werden: aber die Reichswehr will sie nicht. Sic glaubten, die Herren zu sei»; aber sic erkennen, daß sic nur Werkzeuge waren ist nicht nur der Hunger, der sic schmerzt. Es und nun schweigen sollen. Das verbittert sie. Ev '.it noch weit mehr das Erkennen des Betruges, I der an ihnen verübt wurde. Sic stellen sich gegen die Führer— und sie sind die Soldaten Hitlers. Mit den; Kerker und der Prügelpritsche ist einigen Hundcrttauscndcn Bewaffneter nicht bei- zukommcn. Der Gefahr, zu der die SA in immer steigendem Maße wird, ist nur durch ihre Ent- wasfnung zu begegnen, da der Versuch ihrer Eingliederung in die Reichswehr als gescheitert angesehen werden muß. Eine fast unbemerkt gebliebene Meldung besagt, daß die TA ini Sommer einen Monat llrlaub bekommen werde. Es werden viele nicht mehr zum„Dienst" zn- rückkchren, nachdem sie die Waffen abgaben. Ja, eS ist die Frage, ob die SA nach diesem seltsamen Urlaub— c- ist das erste Mal, daß eine ganze Armee in nicht gerade ruhigen Zeiten auf Erholung geschickt wird— ü ber- Haupt wieder änfcrsteht. Denn daS Tinnen und Trachten der Herren ist ihrer w a h r e n Garde, ist der SS gewidmet, deren Führer Himmler nicht ohne Grund zum säst ausschließlichen Herren der deutschen Polizei gemacht worden ist. Gewiß, die Ersetzung des tvendigcu Diehls durch Himmler ist auch ein Schlag gegen Goering, den Gönner deS bisherigen Chefs der Gestapo. Aber sie ist mehr noch gedacht als ein Schlag gegen die Unbotmäßigen in den eigenen Reihen, gegen die die ST. wie die übercinstim- inenden Berichte besagen, mit' besonderer Rück- sichtslosigkeit und Grausamkeit eingesetzt wird. Seite 2 DienStag. 2t. April 1034 Nr.»5 Die VS ist gutgeschult, in ihr gibt es keine Proletarier; sie ist sehr wohl das Instrument, da§ soziale Strömungen Niederhalten und soziale Explosionen verhindern kann. Bleiben die technischen, polizeilichen Grundlagen der Diktatur durch das llnschndlichinachcn der Ml bestehen, so ist doch nicht zu übersehen, daß die Massenbasis, auf die sich die Hitlerdikta- tur bisher stützen konnte, zusehends schrumpft. Die Arbeiter beschränken sich nicht mehr auf das sogenannte„stille Meckern". Die Ergebnisse der „BctriebSratSivahlen" zeigen, das; sich die Ab- Wehrstimmung unter den Arbeitern festigt, das; der Mut und die Entschlossenheit der Proletarier gestiegen sind. Gewiß— dies alles läßt noch nicht den Schluß zu, daß daS Hitlerregime etwa schön in den nächsten Wochen oder Monaten gestürzt werden wird. Es fehlt die organisierte Kraft, die eine revolutionäre Bewegung offen führen kann, es fehlt die Möglichkeit einer Auslösung der das Regime ablehnenden Stimmungen. Aber die wirtschaftliche Zukunft Deutsch, lands ist in tiefstes Dunkel gehüllt. Alle Versuche der Regierung, den verfahrenen Karren der Wirtschaft wieder in Bewegung zu setzen, schlugen fehl. Herr Luther, der deutsche Botschafter in Washington und frühere Reichsbankpräsidcnt, hat sich höchstpersönlich und eifrig um einen Kredit bemüht, der Deutschland ohne weitere Gc- fährdung der Reichsmark die Beschaffung von Rohstoffen ermöglichen sollte; das Bemühen war umsonst. Auf den Devisenmärkten ist schon die absteigende Bewegung der Mark fcstzustcllen. Ihr weiterer Sturz ist kaum auszuhalten. Die Inflation hat zum Untergang der Weimarer Republik bcigctragen. Die kleinen Sparer, der Mittelstand, gaben der Republik dir Schuld an ihrer Verarmung. Noch sind große Teile des Mittelstandes Bejaher des HitlerrcgimeL— aus Angst vor dein, was nachher kommen könnte. Sie werden es nach einer Inflation nicht mehr sein. Es wird sich bald zeigen, daß die Opferung der Iudenexistenzcn zur Befriedigung und Rettung des Mittelstandes nicht genügte. Wenn sich die Enttäuschung des Mittelstandes und die Ver- zwciflung der Arbeiter gegen daS Regime ver- einigten, würden es die Herren trotz ihrer TS schwer haben. Der Zeitpunkt naht, da sie wirtschaftlich nicht mehr weiterkönnen. Die politische Katastrophe des Regimes ist dann nicht mehr fern. Sie könnte durch einen Krieg nicht abgewendet, sondern nur beschleunigt werden. Sic schlüge im Gefolge eines Krieges wahrscheinlich unmittelbar in die sozialistische Revolution um. Das wissen die Herren und Kräfte, die hinter der Reichswehr stehen, cbeniogut. wie sic sich dariibcr klar sind, daß ein Krieg in der jetzigen außenpolitischen Situation Deutschlands ein hoffnungsloses Beginnen wäre. Es ist nicht ausgeschlossen, daß sie den Irren noch in den Arm fallen werden und von breiten Dolksmas- scn als„Befreier" von dem erbärnllichsten Regime begrüßt würden, das Deutschland je er- trug. Ihre Herrschaft wäre ein Zwischenspiel.| Zusammenbruch nicht hindern und darum kann sein Nachfolger nur der Sozialismus fein. Nur er kann Deutschland wicdergebcn, waL cs ver- lor: Freiheit, Würde, Wohlstand. Deutschland — wohin? Noch durch Irrungen und Wirrun- gen, aber doch in ein besseres Morgen! Die Leitung des Verbandes deutscher Wirt- schaftsgcnosscnschastcn hat vor einigen Wochen an den ibr angcschlossen gewesenen.Konsumverein „Vorwärts" einige wichtige Fragen gerichtet, die die G r n n d s ä tz c genossenschaftlicher Arbeit und de« Verhältnisse» zwischen dem verband und dem„VortvärtS" betrafen. Der„Vorwärts", der unter rein kommunistischer Leitung steht, hat nicht nur seinen politisch andersdenkenden Mitgliedern daS Verbleiben in ihm unmöglich gemacht, sondern ist auch nüt Eifer bemüht, kommunistische Spaltungsarbeit in den übrigen dem Verband deutscher WirtschastSgenossenschaften augeschlosse« neu Genossenschaften zn leisten und die Arbeit des Verbandes selbst lahmznlegen.— Der„Vorwärts" war gefragt tvordcn, ob seine Funktionäre und Angestellten wie bisher im Sinne der kommunistischen Thesen arbeiten oder aufhören werden, die Spaltung der gesamten GenosscnschaftS- belvegung vorzubereiten. Der„VortvärtS" Ivolltc der Beantwortung dieser klaren Fragen auswcichcn. Er stellte Gegenfragen und berief sich auf die alte Behauptung der von ihin ausgehaltenen„Proletarischen Gcnosscnschaftöopposition", daß der Verband deutscher WirtschaftSgenosscnschaftcn Neutralität gegenüber dem Kapitalismus und seinen Einrichtungen predige. In Wirtlichkeit bedeutet der genossenschaftliche Grundsatz der politischen Neutralität, daß eS innerhalb der Genossenschaft keine parteipolitischen Kämpfe geben darf, ein Grundsatz, dessen Nichtanerkennung durch die Leitung des„Vorwärts" zum Austritt Prag, 28. April. Gestern^ tagte hier ein Ma- nifcstationskongrcß jener Eiseichahuer,. die beim Militär aktiv gedient haben und die dafür in nock viel schärferem Maße als die anderen Staatsangc- stelltcn nicht nur durch die Nichteinrechnung dieser Dienstzeit, sondern sogar durch die Nickteinrech- nnng der vor der Militärdienstzeit liegenden Dienstzeit bei den Eisenbahnen bestraft werden. Die Tagung, die im überfüllten Saale des Na- rodni dum auf den Weinbergen unter dem Vorsitz des Genossen Stankt zusammentrat, nahm einen glänzenden Verlauf. wiederonlnaMRc der WirtschaftSverhandlimgeil mit Ungarn. Budapest, 23. April. Zur Vorbereitung der tschechoslowakisch-ungarischen HandclSvcrtragSber- handluugcn ist heute vornüttagv SektionSchef Dr. F r i e d m a n n in Budapest eingctroffen. seiner nichtkommunistischcn Mitglieder geführt hat. Die Fragen an den„Vorwärts" lvaren befristet. Eine Antwort kam in der gestellten Frist nickt. ES lvar dadurch offenbar geworden, daß der „Vorwärts" getarnt durch die„Proletarische Genossenschaftsopposition", mit feiner Spaltungsarbeit fortfahrcn will. Darum beschloß die Leitung deS Verbandes der deutschen WirtschaftS- genossenschaftcn in ihrer Sitzung von; 12. April den Ausschluß des Konsumvereins„Vorwärts" aus dem Verband. Die„Konsumgenossenschaft" schreibt zn diesem Beschlüsse u. a.: Niemand hat den Reichenberger„Vorwärts" gczivungcn, in einer freitvilligen Gemeinschaft zu bleiben, die von ihnen oft genug al»„klasseuvcr- räterisch" und„fascistisch" erklärt tvnrde. Jahrelang haben die verantwortlichen Funktionäre deS Verbandes dem bei verschiedene» Gelegenheiten geänderten Verlangen vieler VerbandSgenofsen- schaftcn, klaren Tisch zu machen. Widerstand geleistet. Immer Iviedcr wurde dein Reichenberger „Vorwärts" vorgehalten, das; die Geduld der über- ivicgendcn Mehrheit der VerbabdSaenossenschaften einmal ein Ende haben widl. Die Antwort waren stet» wieder neue, immer heftigere Angriffe. Der letzte Versuch de» Verbandes, den Reichenberger „VortvärtS" zu einer für jede Gemeinschaft notwendigen Disziplin zu verhalten, ist gescheitert. Die Geduld des Verbandes war am Ende. Durch den Ausschluß des„Vorwärts" ans dem Verband werden die Kraft und die Zeit, die in den letzten Jahre» zur Abwehr der kommunistischen Hetze anfgewandt werden mußten, für tvirklichr genossenschaftliche Arbeit gewonnen. war durch Ministerialrat Z e i t b a m m e. r, da» Ra- tionalverteidigungSministerinm durch SektionSchef S m i d vertreten. Für den WcbrauSschuß deS Abgeordnetenhauses war sein Vorsitzender, der Legionärsabgeordnete David, erschienen. Es sprachen zunächst Gen. Basta für den AktionSauSschus; der Eisenbahner- Präsenzdiener. Son für die nationalsozialistische Jednota, Gen. C c e b, für den Verband der Eisenbahner und Gen. N i m e c für die Hute. Alle gewerkschaftlichen Redner 1 betonten die unbedingte Notwendigkeit der Beseitigung der ungerechten und unsinnigen Bestinnitung, wonach Eisenbahner, die zum Militärdienst eiugezo- i gen wurden, von der Bahnverwaliung als„freiwillig ' auSgeschieden" betrachtet tverden. ES wird ihnen da- , durch nicht nur die beim Militär zugebrachte Zeit nickt eingerechnet, sie verlieren auch die vor dem | Präseuzdienst im l.'iscuvahudiei>si schon absolvierten I einen meiner Getreuesten selbst damit abscndcn. - Sei davon überzeugt..." „Dante... Tu. Peter, hast nie Familie gehabt..." „Nein... daS ist eines der ivcnigcn Dinge, i die ich nicht gcivagt habe... Mein Leben war nicht derart, daß ich eine Fran hätte bitten dürfen. eS mit mir zu teilen und Kinder zu gebären, die wir nicht hätten großzichci» und beschirmen tonnen... Manchmal gab dies wohl eine Leere, denn eigentlich bin ich ein verfluchter Spießbürger, versessen auf die Geselligkeit des häuslichen Herdes und toll nach Kindern... Doch nian muß die Folgen des selbfterwähnen Lebens auf sich nehmen... llcbcrdics: ich hatte' meine Schwester Lisa..." „Hatte?" „Hatte," antwortete Peter und eine trübe Wölke senkte sich ans seinen verdüsterten Blick. „Sie ist tot... Erst seit kurzem. Im.Feldzug stand sie an der Spitze einer Ambulanzabtei- lung... Einer deiner weißen Generale hat sic gefangen genommen und mit allen ihren Helferinnen erschießen lassen." Der König erbleichte. „Unmöglich!" rief er. Peter lächelte bitter. „Unmöglich?" fragte er mit harter Stimme. „Ich könnte dir die Dokumente vortveisen, welche | die Einzelheiten dieser Heldentat meldeten. Dann i konntest du lese», was dein General und sein , Stab diesen wehrlosen Frauen taten, ehe sic erschossen wurden. Eine aufregende Geschichte, nicht ! geeignet für die Ohren keuscher Mädchen, nicht einmal für mitfühlende Männer... Es tvurde das Tagebuch eines genauen und schreiblnstig veranlagten Adjutanten geftindcn, verstehst du?... „Und ich habe die Wahrheit aus dem Munde deines Generals erztvnngeu, nachdem er zuerst geleugnet hatte. Es ist das eiitzigemal gewesen, daß I Jahre. Es sind also in bezng auf Definitivum, Ernennung, Porrürlnng nnd Pensionsberechtigung gerade jene schwer geschädigt, die der staatsbürgerlichen Pflicht de» Militärdienste» nachkommen. Die organisierten Eisenbahner fordern die Einrechnung der Militärzeit, ununterbrochene Eisenbahndienstzeit und die s o f o r t i g e W i e d e r e i n st e l l u n g der vom Präsenzdienstentlassenen Eisenbahner-Soldaten. Diese Forderungen enthält anch die einstimmig angenommene und wie alle Reden mit stürmischem Beifall gebilligte Resolution. Der Vorsitzende de» Wehrausschusses Abg. David, unterstrich die Wichtigkeit der vorgebrach- ten Forderungen. Gen. G r ü n z n e r versicherte dem Kongreß die Hilfe unserer Partei. Gerade heute, da die tschechoslowakische Demokratie von den ge. walttätigsten Gegnern bedroht ist, die je ein Staat hatte, darf man am allerwenigsten die Soldaten benachteiligen. Nach seiner, mit großem Beifall auf- genommenen Rede, die in ein neuerliche» feierliche» Bekenntnis zur demokratischen Republik an»klang, wurde Gen. Grünzner von Abg. David demonstrativ beglückwünscht. ES sprächet» dann noch die Genossen Dr. Svkräk, B au d i s ch, S ä e p k o und für die Jednota K o e. Ein kleines Häufchen von Kommunisten, die sich auf die Galerie geschwindelt hatten, versuchte vergeblich die Tagung zu stören. Da sie keinen Widerhall sanden, hatten sie sich in dem großen Saal bald Helfer gebrüllt und wurden wieder still, ohne daß die Ordner hätten eingreifen müssen. Der Kongreß nahm einen einmütigen und würdigen Verlauf. Sämtliche Redner forderten nicht nur Durchsehuutz der besprochenen Dctailfor- derungen. sondern auch zur Verteidigung der bedrohtet« Demokratie und zur Durchführung der sozialistischen Gegenoffensive die K o n z e n t r a t i o n dersozialisti- schenKräftederRepublik. Wir sind überzeugt, daß ihr Ruf nicht vergeblich tvar. und hoffen, daß e» den geeinigten Sozialisten und Demokraten bald gelingen wird, den Eisenbahnern zur Durchsetzung ihrer gerechten Forderungen zu verhelfen. ieun6sedunz gegen den Henleln-Fasdsmus Bei einer Versammlung der Sudctendeut- schen Heimatsront, die vor einigen Tagen in I Mähr.-Neustadt abgehalten tvurde, hatten die Veranstalter die Arbeiterschaft mit brutaler Ge- Ivalt vom Besuch ferugehalten. Die wackeren Hen- leinfaseisten tvaren zu feig, in einer geistigen Auseinandersetzung mit sozialdemokratischen Arbeitern Rede und Antwort zu stehen. Unsere Genossen hatten deshalb für Sonntag, den 22. d., aus den Marttplatz in Mähr.«Neustadt eine Kundgebung einberusen, nm in aller Leffentlichkeit mit den Demagogen von der Heimatfront abzurechnen. Aus Mähr.-Neustadt und Ilmgebung tvaren 1200 bis 1000 Arbeiter, Arbeiterinnen und Jugendliche erschienen. Nach der Eröffnung durch Genossen O n d Ie i k a brandmarkte Genosse Paul aus Prag die Henleinfront als fascistischc Betvegung und sagte ihr den unversöhnlichen Kamps der freiheitsliebenden Arbeiterschaft an. Gen. Z i s ch k a- Sternbcrg rückte einige örtliche Größen der neuen faseistischen Partei ins Lickt der Ocffcntlickkcit. Tie Ausführungen der Redner fanden stürmische Zustimmung. Die Kundgebung hat den Beweis erbracht, daß die nordmährischc Arbeiterschaft nicht gewillt ist. der Demagogie der Fascisten auf den Leim zu gehen und fest zur Sozialdemokratie sieht. I ich gegen einen Gefangenen roh tvar... Ich habe ihn mit seinem ganzen Stabe aufhängen lassen und es reut mich, daß ich nicht den Mnt hatte, sie ! vor ihrem Tode tausendfach zu foltern... die Hunde l" Sein Gesicht verzog sich zu einer zornigen Fratze von Grausamkeit. Alle primitiven Instinkte der Rachsucht und des Blutdurstes schienen in ihm erwacht und seine geballte Faust lag auf dem Tische Ivie eine Keule, bereit, alles zu zerschmettern. Der Schmerz über den Verlust seiner Schwester und ihr entsetzlicher Tod hatten ihn wieder mit dem früheren, fürchterlichen, beklemmenden Zorn erfüllt, unter dem er sich zu einer mordgierigcil Bestie tverden fühlte. Seine Zähne knirschten bei den krampfhaften Versuchen, seiner selbst Herr zu wer« den. lind nur langsam vcrfliichtetc sich die ausgeflogene Leidenschaft. Sein. Antlitz entspannte sich, seine Fäuste lösten sich, er griff nach einer Zigarette und rauchte. Entsetzt hatte ihn der König angesehen, erschrocken über den mörderischen Zorn, der aus Petcrö ganzem Wesen gesprochen. Mit bebender Stimme sagte er: „Der Krieg ist grausam." Peter lachte kurz und sarkastisch. „Ja," sagte er dumpf.„Der Krieg ist grausam... aber ein bestimmter Schlag gebildeter Individuen ist grausamer. Nun... gut... abgetan. ES ist vorbei... Lisa ist tot, ich muß mir ohne sie zu helfen tvissen. ES geht auck. Alles geht, tvenn eS sein muß. Und klagen fruchtet nicht». Wir müssen unsere Sinne beisammenbehalten und vorwärts sehen. Es gibt so viel zu tun." Er erhob sich, mühsam sich aufrichtcnd. Einen Moment hatte er das Gefühl, als wäre er ein alter, müder Mann, doch er reckte seine Muskel, straffte sich hoch und wußte, daß er bei dem Gedanken au das Werk keine Müdigkeit kennen würde. .(Fortsetzung folgt), Als Gäste waren anwesend Genosse Grünzner für die deutsche Sozialdemokratie und deren parlametarische Klubs sowie für die Zeniralgewerk- schastSkonnnission, für die tschechische Sozialdemokratie Dr. 2 v k r a k, für die Nationalsozialisten M a I v Noch regiert Hitler. Er kann den kapitalistischen i und Berg m a n». Da» Eisenbahnministerium 7V> II. m. de Jong: Hacis (in JUmon in vier tpteodea Autorisierte Uoberselzung aus dem Holländischen von B. R Fuchs. ES tvar keine Spur von Ztveifel oder Nn- sichcrheit mehr an ihm zu merken. Wieder sah sein dunkles Ange in die Zukunft und wie Zeit seines ganzen Lebens hatte er auch jetzt alle augenblicklichen Sorgen, alle in der nächsten Zeit kommenden Mühsale vergessen. Ter König senfzte tief. „Du bist eine glückliche Natur. Peter Zanzi," sagte er mit eifersüchtigem Gefühl.„Für dick ist das Heute von keiner Bedeutung und nur die Zukunft scheint dir wichtig... Deshalb kannst du vollends glücklich sein... Doch du bist glücklich auf Kinderart: du verstrickst dich in Träume. Illusionen, Fantasien... Die Zukunft ist dock geheimnisvoll und tuns du in ihr siehst, kann ebenso gut eine Fata morgana sein." „Eine Fata morgana?" lachte Peter lustig. „Auch gut, Bruder, denn die Fata morgana ist das Spiegelbild etwas Wirtlichen... Das Wirkliche kann weitab liegen, sogar in anderer Richtung, als die Luftspiegelung eS vermuten läßt— aber es ist da!... lind der unermüdliche, gut ausgerüstete Reisende, der die Menschheit ist, tvird die Oase finden, daS blendend schöne Paradies, das für sie bereitsteht unter der einzigen Voraussetzung: daß sic bereit nnd reif ist für Frieden, Brüderlichkeit und Weisheit... Wir haben eine große und schwere Etappe hinter m»s. Vielleicht liegt vor uns eine lange, heiße und dürre Wüste... Was tuts? Wir sind stark, die Wasser« schläuchc der Hofsnung sind zum Bersten voll, Proviant von Leidenschaft nnd Vertrauen ist in Ilcbcrslnß vorhanden und die Waffen, nm die Wüstenräuber zn schlagen, befinden sich in guten Händen... Wir tverden durckkoinmcn." „Bcneidensivert," seufzte der König wieder mit einer mutlosen Handbewcgung. „Für mich gibt cs keine Zutunft und das Gestern ist verbittert durch das Heute..." „Für dich gibt es keine Zukunft," wiederholte Peter sinnend.„Wer an sich selbst denkt, kann keine Zukunst sehen... nur das Gestern... Das Gestern ist wertlos, ist erstarrt, kalt und tot... Ick weiß nicht, was ick dir sagen soll. Du kannst dich vom Gestern nicht befreien. Du kannst nicht anders denken, als du'ö gelernt hast... Deine Zeit ist vorbei... Sei froh, daß auch dein Leben bald vorbei sein wird... ES tväre dir eine Oual geivorden, ärger von Tag zu. Tag... Je weiter du uns in die Zutunft schreiten sähest, desto hartnäckiger würdest du dich in die Schatten der Vergangenheit zurückziehcn. desto einsamer und frostiger würde eS um dich werden, desto leerer und trostloser in deinem mehr und mehr verdorrenden Herzen... Glaube mir, Bruder, der Tod wird die Erlösung sein." Nachdenklich schritt der verurteilte Maun aus und ab. schwieg geraume Zeit, kämpfte gegen seine verzweifelten Gedanken, müde und traurig. Er konnte nicht Frieden und Ruhe finden, konnte sich nicht ergeben. Jede Minute bedeutete seinem zer- schundencn Sein, seinem beleidigten Stolz, seinem entmutigten Herzeit Pein... Endlich blieb er am Tische stehen, hob den Brief auf, den er gc- schrieben, und fragte: „Kannst du dafür sorgen, daß dieser Brief meine Frau erreicht?... Ich gebe dir mein Eh- rcnwori, daß nichts darin steht, was aus Politik oder die Dinge hier im Laude Bezug hat. Es ist nur ein Abschied an meine Familie." Peter nahm den Brief und steckte ihn in seine Tasche. „ Ich iverde dafür sorgen. Ter Brief wird uneröffnet seine Bestimmung erreichen. Ich werde j Kommunistische Genossenschafts- spalter ausgeschlossen Verband deutscher Wirtschaftsgenossenschaften und GEC-Verband ohne Reichenberger Konsumverein„Vorwärts** Eisenbahnerkongreß in Präs im Zeichen der Einigung aller sozialistisch-demokratischen Kräfte der Republik Rr. 96 Dienstag, 24. April 1834 Seit«» gegenÄnn8iein Polens»nd Italiens gesagt, die nun auch bereits früher einmal bei den Kommunisten ge« die Anmaßung des Herrn Marek, der eine Bc- wesen und von ihnen zu einem Agitationskurs schäftigung mit seiner Person durch seine veranstalteter derartiger Vortragsabend muhte Wegen der lauten Zwischenrufe, mit denen die Teilnehmer die Ausführungen Winters begleiteten und die in einer Demonstration für S e i tz gipfelten, vorzeitig abgebrochen werden. Zahlreiche Anwesende riefen:„Unser Bürgermeister ist Seitz I", worauf Bürgermeister- stellvertreter E. K. Winter erklärte, dah er künftig eine strengereAuSwahl(I) der Teilnehmer dieser Diskussionen treffen werde. nach Moskau entsendet worden; nachher ging er wieder zur Sozialdemokratie zurück, ohne dort mehr eine Rolle zu spielen I aufgefordert werden, zu den Kommunisten übcrzu« gehen. Dieser Passus wurde vielmehr erst eigenmächtig hinzugefügt, nachdem die Leute unterschrieben hatten! sammlung hätte sprechen solle«, der aber durch war. eine preucke, nie anrusehen! Wer seine Zähne regelmäßig mit Kalodont pflegt, der sorgt fOr Ihre Gesundheit und reinen, frischen Atem. Durch Kalodont bleiben Ihre Zähne gesund, denn es enthält als einzige Zahncreme in der Tschechoslowakei das wirksame Mittel gegen den Zahnstein: Sulforizin-Oleat nach Dr. Bräunlich. Der neue Bürgermeisterstellvertreter der Stadt Wien Dr. E. K. W i n t e r veranstaltet in der letzten Zeit in Wien Borträge über die Stellung der Arbeiterschaft im neuen Oesterreich. Zu seinen Borträgen lädt er auch die Angehörigen der mifgelösten Parteien, ehemalige Sozialdemokraten nicht ausgenommen, ein und diskutiert mit ihnen über aktuelle Fragen. Diese Diskussionen pflegen einen bewegten Verlauf zu nehmen. Ein SamStag im Volkshcim im 16. Bezirk 21 ilhr 15 auSgelöst wurde. Um diese Zeit hätte Fey gerade sprechen solle», wenn er nicht zufällig abgehalten worden wäre. Obwohl daS Uhrwerk bei der Explosion zerstört wurde, hat man nach den Resten dennoch feststellen können, dah eS deutschen U r s p ru n ge S ist. Die Explosion hätte sicher noch gröheren Schaden angerichtet, wenn die Sprengwirkung sich nicht mehr kegelförmig, nach oben ausgewirkt hätte. Weiter» erfährt, man erst jetzt» dah. auch das kürzliche ZugSattentat bei Marchtrenk gegen Fey gerichtet war, der sich in diesem Zuge befand. Die Bombe Ivar in einem Blumentopf verborgen, welcher auf der Estrade unter dem sonsttgen Saalschmuck stand. Nach der Explosion hüllten Rauchschwaden, die von Schwarzpulver herrührten, die ganze Bühne rin. auf der das Präsidium sah. Als sich der Rauch verzogen hatte, sah man auf der Bühne grohe Trümmer von Fensterläden und andere zersetzte Holzteile, untermischt mit Mörtel und Gips. Dergange Saal war'mit dickem Staub bedeckt. Die Bombe wurde mittels eines Zeitzünders gezündet, die durch ein Uhrwerk um Brünn, 23. April. Heute um 17 Ahr haben 178 österreichische Schutzbündler, die bisher in Brün» Zuflucht gesucht hatten, mit dem Oderberger Schnellzug die Reise nach Sowjetrußland angetrete». Der Gruppe schließen sich auch weitere 18 Emigranten auö Sternberg und 80 aus Choccrad» und Zbraflav an. In Sowjetrußland sollen die Emigrantei» in vier Gruppen u. zw. nach Charkow, Leningrad, Moskau und Stalingrad aufgeteilt werden. Die Prager Gruppe in der Stärke von rund 50 Mann, die bisher-, im Emigrantenheim in Zbraflav untergebracht tvar, fuhr von Prag Montag nachmittags init dem Oderberger Schnellzug ab. Sie wird sich an der polnischen Grenze mit der Brünner Gruppe vereinigen. Auf dem Wil- sonbahnhof hatten sich etwa 50, meist deutsche Kommunisten cingefundcn, welche auö diesem Anlah einen Agiiationörummcl veranstalten wollten. Zwei hiesige Kommunisten, die eine Ansprache halten wollten, wurden von der Polizei verhaftet. Die Schutzbündler grühten bei der Abfahrt bis auf drei AliSnahmen— drei österreichische Kommunisten— durchwegs mit lauten »Freunds chas tl"-Rufen. DaS freisprechende Urteil gegen den polnischen Schriftsteller Kaszycki aus Krakau und Professor Kulisiewicz auS Polnisch-Teschen ist rechtskräftig geworden. Die beiden Ivarcn bekanntlich wegen Vergehens gegen das Schutzgcsetz angeklagt worden, Ivas mit Anlah zu der polnischen Kampagne gegen die Tschechoslowakei gab. Der Senat des KreiSgcrichteS in Mähr.-Osttau hatte sic jedoch freigesprochen. Wien, 23. Avril. Wie erst heute auS Salzburg mitgcteilt wird, explodierte während der am Samstag von den Heimwehre« im Salzburger Festspielhaus abgehaltenen Versammlung, gerade als der Wiener Bürgermeisterstrllvertreter Major i. R. L a h r in Vertretung de» Vizekanzler» Fey sprach, auf der Tribüne eine Bombe, die unter Blumen verborge« worden war. Durch die Explosion wurde« drei Heimtoehrlente«nd der Kapellmeister der Militärmusik schwer verletzt. Alle Verletzten mutzten in da» Krankenhaus eingrliefert werden. Die Polizei hat bisher eine Person verhaftet. Die Bombe war offenbar dem Herrn Fey zugedacht, der ursprünglich in der Ver einen Zufall in Wir« zurückgehaltea worden Wir haben bereits über das schändliche Urteil berichtet, welches von den» Schwurgericht Leoben gegen die fchwerkranke Frau des gehenkten Genossen W a l l i s ch und die Genossin F e r t n e r auS Bruck a. d. Mur gefällt worden ist. Selbst aus dem Berichte eines gleichgeschaltctcn Wiener Blattes geht hervor, dah sich beide Frauen bei der Verhandlung glänzend benommen haben. Fra« Wallisch wurde, gestützt auf einen Stock und auf rii« Gefängnisbeamti» mehr in den Saal getragen alS geführt. Der Gerichtsvorsitzende muhte ihr erlauben, wäh- rend der ganzen Verhandlung zu sitzen. In schlichten, einfachen Worten bekannte sich die schwergeprüfte Frau mit rUhrcnder Liebe zu ihrem Hingerichteten Gatten. Am 12. Feber, so sagte sic zusammenhängend auS, sagte ihr Wallisch, er müsse nach Bruck fahren, weil der Generalstreik auSgcbrochcn sei. Sie hat ihm darauf gesagt: »Wo du bist, will ich auch sein" uird fuhr mit. Während der Kämpfe wurde in Bruck Frau Wallisch von den Schutzbündlern angegangen, sie solle Essen besorgen, da sie sonst plündern gehen mühten. Das teilte sic ihrem Manne mit. Koloman Wallisch, den seine Mörder später als eine Art Räuberhauptmann hinstcllcn wollten, erklärte aber kategorisch: „DaS darf nicht geschehen! Lieber schieße ich jeden tot! Wir sind ja keine Räuberbande!" Sodann hat Frau Wallisch mit der Genossin Fertner aus dem Konsumverein Lebensmittel geholt. Auf offener Straße wurde sie von Frauen gefragt, ob sie beim Kochen helfen sollen. Das Esten wurde in der Waschküche eines städtischen Betriebes zubereitet. Dienstag um 5 Uhr früh weckte Wal- 286 Schutzbündler nach Rußland unterwegs Ein plumper Schwindel unserer Kommunisten Protest der christlichen Arbeiter von Innsbruck Die christlichsozinlen Arbeiter in Innsbruck haben beschloffcn, gegen die Besetzung der Mandate in den VcrivaltungSkommistioncn der Arbeiterkammern durch Angehörige der Heimtvehren öffentlichen Protest einzulegen. In dem Proteste wird erklärt, sie könnten nicht begreifen, was in einer reine»» Standes« korporativ!! die Vertreter einer militärischen Organisation zu suchen hätten und wenn sie schon an ähnliche Stellen berufen werden sollten, warum man dann nicht in erster Reihe Rücksicht auf den Freiheitübund, eine christlichsoziale militärische Organisation nehme. Die Tiroler Arbeiterschaft sei von dem besten Willen bestrebt' an dem Aufbau der Arbeiterorganisationen im neuen Staate»nitzuarbeiten. Aber die Art, tvie man dies tue, mache eine Zusammenarbeit unmöglich. Die christlichsozinlen Arbeiter lehnen jede Beranttvortung ab, falls der Aufbau neuer Arbeiterorganisationen an dem Widerstand der Arbeiterschaft scheitere. Dänischer Sdilllerstrclk beigelegt Kopenhagen, 23. April. Gestern tvurde in einer gemeinsamen Sitzung von Vertretern des Dampflchiff-RecdcrverbandeS und der Seeleute beschlossen, den Schiffahrtsstteik heute früh zu beenden. Zwischen den beiden Parteien tvcrdcn heute neue Verhandlungen über die Lohnforderungen, die den Ausgangspunkt des Konfliktes bildeten, beginnen. „Unser vürsermeitter ist Seitz!“ Stürmische Diskussion des Bürgermeister-Stellvertreters Winter mit der Wiener Arbeiterschaft In Brünn kam eS— wenigstens nach den Meldungen des Pressebüros— auf dem Bahnhof zu keinen DcmonstrationSversuchen von kommunistischer Seite. Hier hatten die einheimischen Kommunisten aydete Formen für ihre demagogische Hetze anSgewählt, die sie seit der Ankunft der ersten geflüchteten Schutzbündler aus Oesterreich systematisch betreiben. Den Gipfelpunkt erreichte dieses unverantwortliche Treiben in einer angeblichen„Erklärung" des Brünner Lagers der Schutzbündler, in der mitgcteilt tvurde, daß diejenigen Schutzbündler, die»»ach Rußland fahren, aus der sozialdemokratischen Partei in die kommunistische übertreten. Eine sofort angestellte Umfrage im Brünner Lager ergab, daß dessen Jnsaffcn von dieser Erklärung nicht das M i n de st e gewußt haben. Sic erklärten übereinstimmend, daß jene, die auf der Erklärung unterfertigt sind, von niemandem ermächtigt waren, eine Erklärung abzugebcn. Die Erklärung stammt vielmehr von Leuten, die durchwegs in der österreichischen Arbeiterbewegung keine Rolle gespielt haben und von denen die meisten sich überdies an den Feberkämpfen gar nicht aktiv beteiligt haben! Aber selbst die Unterzeichner der Erklärnng wußten nichts von einem PaffuS, in dem die Arbeiter „Dcntschc Presse" mit der Drohung diplomatischer Verwicklungen beantworten läßt.(WaS ftir ein schlechtes Gewissen muß er übrigens haben, wenn er die Ankündigung eine» Besuches nach Erlöschen seiner Exterritorialität als Drohung empfindet I)— Wenn die Gesandten sich von unS beleidigt fühlen, soften sie unS klagen. DaS Gericht wird sie darüber aufklären, was eine Beleidigung und waS ein sachlicher Angriff ist. Explosion einer Bombe, die Herrn Fey zusedacht war Drei Schwerverletzte In einer Salzburger Helmwehrversammlung Die tapfere frau eines tapferen IHannes Paula nJalllsdi nnr den Bcsitimorencn lisch seine Frau, die vor Ermüdung in einer Portierloge eingcschlafen Ivar und teilte ihr mit, daß sich die Schutzbündler zurückziehen müssen. Paula Wallisch gab ihm wieder zur Antwort:„Wo du bist, will ich auch sein." Sie machte die ganzen Mühsalen des Rückzuges durch die winterlichen Berge mit.„Ich habe mich ftir meinen Mann gefürchtet und war so aufgeregt. Ich hätte ihn nie und nimmer verlassen..."So endet der Bericht über Frau Wallischs Aussage. Genossin Fertner, eine einfache Arbeitersfrau, verantwortete sich wie folgt: „Wir Frauen Ivarcn im Prinzip immer gegen eine gcwaltsanic Auseinandersetzung. Um 1 Uhr habe ich Frau Wallisch m:s der Straße getroffen, da haben wir die e r st e n Schüsse gehört. Später Ist dmn» ein verwundeter Heimatschützer in de» städtischen Betrieb gebracht Warden und ich habe ihm erste Hilfe geleistet. LcbenSmtttcl habe ich nur verschafft, um Plünderungen zu verhindern. Es sind auch nirgends Plünderungen vorgekommen!" Der Eindruck der Verantwortung der beiden Frauen muß ein gewaltiger gewesen sein, denn der Staatsanwalt selbst beantragte dem Gerichtshof, nur die M i n d e st st r a f e zu verhängen. Aber die gut christlichsozinlen Geschworenen sprachen trotzdem ei» hartes„schuldig" aus und so wurden Paula Wallisch und Marie Fertner wegen der Labung von Schntzbi'mdlern zu je einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. Genossin Fertner bekam drei Monate Strafanfschnb, Genossin Wallisch bleibt angeblich bis zn ihrer vollen Genesung auf freiem Fuß. Das GerichtSgcbäudc war während dieser denkwürdigen Verhandlung von einer riesigen Menschenmenge umlagert. Dazu erfahren wir noch, daß der Hauptwort führer der Unterzeichner ein Mann namens Hütter ist, der schon in früherer Zeit aus der österreichischen Partei und seiner Gewerkschaft ausgeschlossen worden war. Ein Brücker Schutzbündler berichtet unS, daß Hütter bei der dortigen Arbeiterschaft schon seit dem Herbst als Vertrauensmann auSgcspielt hatte, weil er auf eigene Faust die Arbeiter der NiklaS- dorfer Papierfabrik in einen völlig aussichtslosen Streik hineingehetzt hatte. Auf mehrfache An- ftagen von Brücker Schutzbündlern hat Hütter bis! einrichten müßte. Das sei auch den Vertretern zu seiner Abfahrt keine A u S k u n s t da r- P» I s>■ Z u»v Il>« l!-s»»»»»>»,», über geben können, ob< r überhaupt gegen die MäncSauSstellung protestiert haben, am Kampf beteiligt war. Hütter war Schon gar nicht gcfaften lassen darf man sich Exterritorialität oder Protektorat? Eine Notiz, in der wir die Intervention des österreichischen Gesandten Marek gegen die KarikaturcnauSstcftnng im MäncS zurnckwcisen, überdies uns mit seinem„höheren Beamtencharakter" beschäftigen, der es ihm, der von Bauer und Renner als Vertreter der Republik Oesterreich nach Prag geschickt worden war, erlaubt nun dem„B u n d e ö st a a t" der Dollfuß und Konsorten zu dienen— diese Notiz nimmt die„D c u t s ch e P r e s s e" vom 22. April und die ihr geistesverwandte Wiener„Rcichspost" vom gleichen Tage zum Anlaß, nnS mit einer läppischen Polemik zu beehren. Wir schrieben, daß wir Herrn Marek nach Erlöschen seiner Exterritorialität— ein Ereignis, daS gleichzeitig mit dem Sieg der österreichischen Linken cintretcn dürfte, — besuchen wollen. DaS regt die Schwarzen mächtig aus. Sic reden von einem„hinterlistigen Angriff auf den Vertreter eines Nachbarstaates", „stärkster Befremdung und Empörung" und fordern am Ende gar ein Einschreiten des Außen« | Ministeriums gegen uns.„zumal" wir das Organ einer derzeitigen Regierungspartei sind. Wir haben nichts dagegen einzuwenden, wenn die„Deutsche Presse" polemisiert, sich also selbst lächerlich macht und uns damit wenigstens einen weniger wichtigen Teil unserer Arbeit abnimmt. Die Angelegenheit hat aber eine recht ernste Seite. ES ist in letzter Zeit Sitte gc- worden. daß die Gesandten der fremden Staaten einen Teil ihrer Zeit dazu verwenden, gegen Aeußerungen des öffentlichen Lebens bei»mö „cinzuschrciten". Die Herren Diktatoren und ihre diplomatischen und journalistischen Vertreter, wollen auch bei nnS glcichschalten. Unser Außenministerium wird allen diesen„Interventionisten" einmal eine Generalabfuhr geben müssen. Die (£.<5. R. ist ein demokratischer Staat, in dem das freie Wort noch nicht verboten ist. damit müssen sich auch die Herren Gesandten abfinden. Keinesfalls sind wir ein Koloniaftand, das unter dem Protektorat des diplomatischen Korps steht und sein öffentliches Leben nach dessen Wünschen Blendend weiß sind Ihre Zähne Settr 4 DienStag. 24. Avril 1934 Nr. S» isScsaeiilMetteii Durch Lektüre zum Selbstmord? Sin merkwUrdiacr Fall in der Prager Garnison Prag, 23. Avril, Sonntag. den 22. April, erschoss sich um 2 Uhr ii; der Stcsänik-Kascmc in Prag der Soldat Antoni» 6 h o u t k a, vom Inf.- j Reg. Nr. 5, geboren im Jahre 1915, zuständig nach Ttebetin, Bezirk Ledeö nad Säzavon. Es! handelt sich um einen ordentlichen und gewissenhaften Soldaten, der sich mit 18 Jahren freiwillig z n m Militärdienste meldete! und mit gutem Erfolge die Untcroffiziersschulc ab-! solviert hatte. Vorderhand wurde durch die Unter-! snchung festgestrllt, dass die Ursache nicht im Vcr- i Kältnis zum Militärdienste zn suchen ist. Am! Tage des Selbstmordes war er alsKorporal vom! Tage im Dienste. Ten Selbstmord verübte er ans! die Art. dass er sich über das Gewehr beugte, wel>| cheö er mit der Mündung gegen seine Brust genau j bei der Herzgegend richtete und dann abdrüikte. Ter Tod«rat sofort ein. Auf dem Tirnsitischc wurde ei» Roman, benannt„D er Dämon der G a r n i s o»", von R. Vlasät, aufgrfundrn, welches Buch Ehoutla gelesen hatte. Auf dem Buchumschlag findet sich ein lolorierteS Bild von Entta, auf dem rin Soldat Z» sehen ist, der sich mit dem Gewehr auf genau dieselbe Art erschiesst, wie dies der Soldat Ehontka getan hat. Die Frau erschlagen und verbrannt? Grauenhafter Fund auf einem Feld bei Jiöin Beim Turchackern eines Feldes in der Nähe von JiAn wurde ein schrecklicher Fund gemacht. In der Erde vergraben lag ein menschlicher Schädel, Rumpf, Finger und ein wenig Asche, alles ringe, packt in eine Zeitung vom 26. März 1933. Tie «Gendarmerie wurde sofort verständigt. Dian erinnerte sich, daß mn 12. Juli 1933 eine gewisse Anna Sindelar, die Frau des Friseurs Wenzel Sindelar als vermißt gemeldet tmirde und alle Nachforschungen umsonst geblieben waren. Sindelar hatte vor zwei Jahren geheiratet, aber schon nach kurzer Zeit flüchtete die junge Frau wieder zu ihren Eltern zurück. Nach langen Verhandlungen kehrte sie zu ihrem Manne zurück, bis sie eines Tages spurlos verschwand. Sindelar rückte erst später mit einem Brief der Frau heraus, aus dem hcrvorging, daß sie ihn wieder verlassen hatte. Tann wurde der verdächtige Friseur scstgenommen, jedoch nach langen Verhören und Hausdurchsuchungen mußte er wegen Mangels an Beweisen tvieder auf freien Fuß gesetzt werden.— Nach dem geheimnisvollen Knochcnfund wurde eine neuerliche Hausdurchsuchung bei Sindelar durchgeführt, die diesmal Erfolg hatte. Im Düngerhaufen am Hose wurden Teile menschlicher Knochen und Muskeln gefunden. Man vermutet nun, daß Sindelar seine Fran mit der Hacke erschlug, sie dann im Ofen verbrannte und die Knochen dann im Felde eingrub, um so ässe Spuren zu verwischen.— Erst die gerichtliche Untersuchung wird die schreckliche Tat klären. Dorfbrand in der Slowakei Drei Personen umv Lebm gckomnien. Ramestovo(Slowakei), 23. April. Heute kurz nackt Mittag brannte der Ort B a b i n im Komi- tat Orava fast vollständig aus. 130 Holzhäuser wurden gänzlich eingeäschcrt. 600 Menschen sind obdachlos. Bei dem Brande sind drei Personen und sehr viel Vieh verbrannt. Tas Feuer konnte nur sehr schwer lokalisiert werden, da cs von dem starken Winde gefördert wurde. Der Schade konnte bisher noch nicht abgeschätzt werden. Frau und Tochter erschossen Der Täter stellt sich der Polizei. Troppau, 23. April. Heute morgens erschoß nach einem vorangcgangcncn häuslichen Streit der Baumeister Lulei ans Lichten seine Gattin und seine 20jährigc Tochter. Beide Frauen erlitten Kopfschüsse und tvarcn sofort tot. Lulei stellte sich nach dieser furchtbaren Bluttat der Gendarmerie und Ivurdc im Laufe des Tages dem Trop- paucr.Preisgericht cingcliefcrt. Des Führers Fememörder. Die Gestapo dcö Herrn Goering hak, wie amerikanische Presse- agenturen aus zuverlässigster Quelle zu berichten wissen, in den letzten Tagen einen beson- dcrS pikanten Fang gemacht. Ein prominenter Nazi und einst gefeierter„Nationalheld" des „Dritten Reiches", der Fememörder Schulz nämlich, wurde wegen angeblicher „Konspirationen" gegen das Hitlcrregime in Haft genommen. Schulz, der zuletzt in der deut- schon Luftausrüstung führend tätig war und sich bei Anbruch der Hitlcr„rcvolution" als Spezialist für kompliziertere Femcmordsälle betätigte, stand in enger Verbindung mit einer Gruppe von Neichswehroffizieren, die der„latenten Opposition" gegen die Diktatur verdächtig sind. Aus diesen interessanten Beziehungen des in auch die fieberhaften Anstrengungen prominenter Rcichöivchrkrcisc, den vielgcwandtcn einstigen Oberlcunant der Schwarzen Reichswehr aus den Klauen der Gestapo zu befreien. Wir verstehen schon, daß der skrupellose Fememörder Schulz seinen Auftraggebern unangenehm zn werden beginnt. Er könnte, dürfte er eS wagen, auszupacken, den brmtnen Bonzen höllisch auf die Nerven gehen! Ihre blutigen Geheimnisse sind auch seine Geheimnisse und Komplizen vom verwegenen. ehrgeizigen Abcntcuertyp des entwur- zelten Landsknechts Schulz sind niemals bis ans Ende ihrer Tage absolut verläßlich. Wer diesen Menschen vor Gericht agieren gesehen hat, wer ihnr bei de» Berliner Fememord. Prozessen, bei denen er bekanntlich zum Tode verurteilt wurde, um später von der selbst- mörderisch milden deutschen Republik— begna- digt zu werden, in die kalten Augen blickte, in denen alles Gefühl erstorben war, kann ahnen, welch' brennendes Problem dieser überdimensionale Verbrecher seinen Brotgcbcrn aufgege- bcn hat. Sie mußten ihm Beschäftigung geben, weil er von ihnen zuviel wußte, und weil er zuviel wußte, war zugleich ihr srcsscndes Mißtrauen gegen ihn grenzenlos. An der„Qualität" ihrer Kreaturen— dieser eiskalte Mörder war ausschlaggebender SA-Führer und früherer nationalsozialistischer Landtagsabgeordneter— kann man zugleich das moralische Mißformat der Herren erkennen! Jetzt haben sie den stillen Teilhaber ihres VlutgcschäftS in die Dunkelkam- mern der Gestapo gesperrt; über wen aus ihrem engsten Kreis werden sic wohl morgen hcrfal- lcn?! Das ist der Fluch der braunen Verderber Deutschlands, daß sic sich, wenn alle Blitzableiter verbraucht sind, einander an den Galgen brin- gen müssen! Bei den AnfräumungSarbeiten im Nelson- Schacht stieß man unweit der Seilbahnmaschinen- kammcr auf die Leiche des 34 jährigen Bergmannes Adolf H a i e k aus Ossek. Er Ivar verstünnnelt, wies jedoch keine Zeichen von Verkohlungen auf. Tie Leiche wurde geborgen und auf dem Ossckcr Friedhof gebracht. Er war Vater von drei Kindern. Ten Schwiegervater erschlagen. Donnerstag, den 19. April d. I., entstand zwischen dem Landwirt Richard ll l l r i ch aus NcuketzelSdorf, Dez. Küniginhof a. E>, und seinem Schwiegersohn M a t t a u s ch ein Streit bei dem M a t- t a u sch seinen Schwiegervater mit einer Deich- selwage nicdcrschltlg nnd ihn dabei tötete. Mattans ch, der keinen guten Lenmnnd haben soll, wurde verhaftet. Die Mordtat hat begreiflicherweise in der ganzen Umgebung eine große Aufregung verursacht. Absturz mit einem Segelflugzeug. Am lehren Sonntag verunglückte der, bei der Trautc- nancr Gemeinde beschäftigte Monteur Krebs mit einem dem Deutschen Turnverein Trautenau gehörenden Segclslugzeuge in Ober-Altstadt. Der Lenker des Flugzeuges erlitt durch den Sturz eine Gehirnerschütterung. Der Materialschaden ist nicht bedeutend. Postdienst an den Feiertagen im Monate Mai. Am 1. Mai wird der Dienst im Post-, Telegraphen- nnd Telephonverkehr wie an Sonntagen, ain 10., 21. und 31. Mai 1934 wie. an Feiertagen versehen. Am 10. nnd 31. Mai 1934 wird jedoch die. Post nur im Lrtöbestcssbezirke zugcstelli. lizer ein Dieb angcschossen, als er sich in einer Kabine der dortigen Schwimmschule am Abend sKnc versteckte Dicbsbcute abholen wollte. Am nächsten Tag wurde der Mann in schwer verletztem Zustand mifgefunden und ins Krankenhaus cingcliefcrt, wo er seinen Verletzungen erlag. Vorher ga bcr sich als einen gewissen Leder auö Pctrkovicc aus, dessen Dokumente er bei sich hatte. Es stellte sich jedoch nachträglich heraus, daß der wahre Eigentümer dieser Dokumente lebt und daß man unter seinem Namen einen berüchtigten Kassencinbrcchcr namens Bokivoj Hora! begraben hatte, der im Jänner aus dem Gefängnis auSgebrochcn war und wegen verschiedener Diebstähle gesucht wurde. Zwei BolkSschüler tödlich abgestürzt. Am SamStag nachmittags sind die beiden zwölf Jahre alten Hauptfchülcr Hubert Schramni und Friedrich Promberger aus Ebensee(Salzkammergut) beiin Pflücken von Mpcnblumen in Dimbach von einem Felsen 60 Meter tief abgestürzt. Schramm war sofort tot. Promberger erlitt schwere innere Verletzungen, denen er kurze Zeit nach dem Unglück erlag. DaS Grab KomeuskhS. Dem nencrnannten tschechoslowakischen Gesandten in: Haag, Doktor Ivan Krno, stellten sich das Präsidium der Niederländisch-tschechoslowakischen Gesellschaft und sein Mitglied, der Vizebürgermeister der Stadt Naarden, vor. Bei dieser Gelegenheit machte daö Präsidium den Gesandten auf den unwürdigen Z u st a n d des Grabes I. A. Komenskhö in Naarden und der Wallonischen Kapelle in Naarden überhaupt aufmerksam und ersuchte den Gesandten, auf diesen Umstand an kompetenten Stellen aufmerksam zu machen. Der Gesandte versicherte, daß die zuständigen tschcchoslowaki- schen amtlichen Kreise über die Angelegenheit informiert sind, daß sie sich bereits den Voran- I schlag für die Restaurierung beschafft haben, weshalb man erwarten könnte, daß die Restauric- rnngSarbeiten in der nächsten Zeit ihren Anfang nehmen werden und daß das Grab I. A. Komcn- slhs alsbald eine würdige Adaptierung erfahren Werde. ZusammenstSss zweier polnischer Militärflugzeuge. Moutag um 11 Uhr vormittags stießen über Warschau zwei Militärflugzeuge des 1. Flic- gcrrcgimcutcS während eines UcbungSflugcS in der Luft zusammen. Die beiden Avvarate stürzten aus der Höhe von 300 Metern ab und wurden zertrümmert. Die Piloten, zwei Fliegeroffiziere, fanden auf der Stelle den Tod. Die beiden Apparate stürzten dicht au der Stadtpcriphcrie ab. Drei Todesopfer einer Bcrbrechervande. Wie aus Eagle River(Wisconsin) gemeldet wird, kam eS dort zwischen der Bande deS berüchtigten Schwerverbrechers Dillinger und einer Abteilung Bundespolizci zu einem erbitterten Feuergefccht, in dessen Verlauf drei Polizisten getötet wurden. Die Polizisten hatten Dillinger und zwei seiner Begleiter in einer Bicrschcnle überrascht, jedoch gelang cs den Banditen, in einem Kraftwagen zu entfliehen, nachdem sic die Tclephondrähte durchschnitten hatten. An der Verfolgung der Verbrecher, die mit Panzerwestcn und Maschienengewchren ausgerüstet waren, nahmen 27 Polizcibeamtc teil. Die Bande Dillingers hat durch allerhand Vcrbrechcrgcsindcl aus der Umgebung Chicagos Zulauf erhalten. Frau Seger und ihr Kind Frau Seger wurde, nachdem Gerhart Seger sein Buch über Oranienburg veröffentlicht hatte, mit ihrem noch nicht zwei JahrcaltenKindein daö Konzentrationslager Roßlau gebracht. Dort bekamen die beiden Gefangcncnnummern; das Kind hat die Nummer 160. Die feige Rache, die die Hunnen für SegerS Flucht an der wehrlosen Fran und dem Kinde üben, bat in der ganzen Kultnrwelt Abscheu und Entsetzen hcrvorgerufcn. Unter falschem Namen begraben. Vor kurzem wurde in Hruöov bei Blähr. Ostrau von der Po- Westböhmischer Arbeitersport vom Sonntag Die Gebictsübungsstnnden der Turnerinnen in Meicrhöfen, Falkenau und GraSlitz vereinigten 25 Turncrinncn-Abteilnngen mit 130 Turnerinnen, linier der Leitung des BuudcsturiUvarteS, Genossen Grasse, wurden die Prager Tänze nnd daS Borfüh- riingSinalerinl für das erste KrciS-Frauen- und Tur« ncrinnenfest WcstböhmcnS geübt. Im zweiten Turn- knrS landen die GcrätemannschaftSkämvfe statt. Es beteiligte» sich fünf Vereine mit neun Mannschaften. Sieger wurde in der Gruppe Eger: Turner und Turnerinnen vom Turnverein Eger; in der Gruppe Asch: Turner vom Turnverein Roßbach und Turnerinnen vom Turnverein Asch._ Die Fußballkämpfe brachten keine Acndc- rnngen in den Tabellen. FFK. Falkenau kübrt mit 14 Punkten vor dem BundcSmeikter GraSlitz. irel- ckiec 11 Punkte hat. Im Karlsbader Bezirke stehen die Vereine Meicrhöfen mit 13, Eibenbcra mit 12 und Neudck mit 11 Punkten im Endkampf. Resultate: Meierhöfen gegen Fischern 2:0, Traho- witz gegen Eibenberg 0:4, Neudck gegen Karlsbad 3:1, Rote Elf Cbodau gegen Reichenau 1:3. FFK. Falkenau gegen Braunsdorf 6:0, Turner Falkenau gegen GraSlitz 1:2, Eger gegen Tirschnib 3:2. Arbeitslosentod beim Kohlensuchen Kaltowitz, 23. April. Auf dem Nolschachl- gelände der Antonien-Grube im Dombrowaer Revier ereignete sich ein schweres Unglück. Als zwei Arbeitslose in einen etwa 15 Meter tiefen Notschacht nach Kohle gruben, lösten sich plötzlich die höher liegenden Sandmauern und begruben die Männer, die nur noch als Leichen geborgen werden konnten. Auf dem Notschachtgcläiidc bei Hohen« l o h e h ü t t c wurde gleichfalls ein Arbeitsloser a«lS Laurahütte bei wildem Kohlenabbau verschüttet und getötet. Ziehung der Klasienlotterie (Ohne Gewähr.) Prag, 28. April. Bei der heutigen Ziehung der 5. Klasse der 80. tschechoslowakischen Klassenkoltcrie wurden nachfolgende Gewinste gezogen: Ni 1,000.000 daS Los Nr. 61874. Nö 80.000 das Los Nr. 48890. Ni 20.000 das Los Nr. 62S8S. Ne 10.000 die Lose Nr. 3103 81984 55897 9768. NS 5000 die Lose Nr. 59782 28892 65792 104920 91180 23278 99083 4224 32199 26907 19854 46518 80180" 92333 49577 80896 82748 81641. Kt 2000 die Lose Nr. 10080 79547 87151 95819 24147 99048 43898 93502 44105 43545 44646 08808 31061 8755 5382 48819 4410V 58678 21040 81098 53062 2815 10809 5061» 101098 84526 55525 28747 ' 61651 8754 15185 36083 50473 47026 96918 16642 17114 720 52881 29171 93848 86266 68906 62828 8723 52111 89427 17084 60509 52001 88858 59964 78621 3108 40056 14180 88520 1702 101856 62070 87878 61415 11218 18373 5004 61479 82891 42156 38247 31803 65884 64641 78880 89834 52000 92530 91835 8286 84555 KC 1200 die Lose Nr. 62814 66177 60624 46645 45551 96629 60112 16087 8488 85813 73655 60016 83106 101625 50797 86787 18899 11853 8059 40889 45232 75259 18119 55388 22710 7766 108658 81503 77050 45849 91497 12027 79202 12676 69086 54910 62717 7809 87704 38086 44225 80273 87187 58574 89671 50487 56244 9430 606 20058 82874 42649 47520 73308 58228 88590 19186 53881 44640 16200 90043 7472» 12620 104802 89841 48862 87428 68181 51781 55684 56582 86884 86800 14939 99054 35054 90447 16423 42561 41752 45718 96561 18064 23744 71250 60104 , 6333 48517 3410 102198 104548 80942 4010 17110 36322 84841 34553 102026 16058 54188 06780 29009 58076 46835 50889 50272 5820 64057 4778 29807 48648 97605 78670 76984 58362 87180 14867 19485 706 2 7841 80088 51886 76425 58524 11835 80476 53501 21007 46511 67476 16886 82885 16412 74606 25046 1191 61909. Vom Rundfunk Empfehlenswerte« aus den Programmen« Mittwoch Praa, Sender L.: 6.15: Gtzmnastik, 10.05: Deutsche Nachrichten, 10.15: Opernmusik auf Schallplatten, 14.05: Dcutscher Arbeitsmarkt. 17.55: Französisch für Fortgeschrittene, 18.25: Deutsche Sendung: Zehn Minuten Aktualitäten, 18.85: Arbeit e r s c n d u n g: S. Gregor: Ferdinand Hämisch, ein schlesischer Arbeiter, 18.50: Soziale Information. Trante Tomitia: Der Schutz der arbeitenden Jugend. 10: Deutsche Nachr. 19.20: Konzert, Sender S.: 14.30: Konzert des Salonquartctts MuZik, 15.10: Deutsche Sendung: Haase liest aus eigenen Werken, 15.20: Kiiiderfnnk, 15.45: Deutsche Nachrichten.,— Brünn 16: Nachmittagskonzert, 16.50: Spiel für Kinder, 17.35: Bakule-Sängcr, 18.25: Deutsche Sendung: Gajdecka: Untergegan- gcnc Kulturen.— Mähr.-Ostrau 18.25: Tanzmusik des Radiojonrnals.— Berlin 16: Musik am Nachmittag.— Breslau 15.10: BrahmS-Lieder.— Frankfurt 20.30: Das Spitzcntuch der Königin, Operette von Johann Strauß, 28: Kammermusik.— Hamburg 23: Streichquartett von Mozart.— Leipzig 17.20: Tänze und Lieder von Schubert, 20.15: Don Pasquale, Oper von Donizetti.— München 23: Kammermusik.— Wien 16: Unterhaltungsmusik. «r. 95 Seite 5 Dien-tag, 24. April 1934 Wien, gestern und heute Abseits bum Grinzing-Kitsch der Postkarten- und Filmindustrie gibt cs auch wirkliche Wiener Stimmungen, jene spezifisch wienerische Atmosphäre, die von der sachlichen Uniformität durchschnittlicher initteleuropäischer Städte fühlbar und sichtbar absticht. Zwischen den Denkmälern einer versunkenen Geschichtsepoche lebt diese grosse Stadt, die so gar keine Grogstadt ist, ein sonderlich eigenes, im äußerlichen Eindruck verblaßt-vorgestriges Leden. Immer noch ein Konglomerat Ivestlich-süd- Uch-östlicher Lcbcnsgcwohnhcit, Sprachen und Nassen, iinnicr noch Wochcnendziel benachbarter Städte der Nachfolgestaaten hat Wien anderseits die undankbare und ihm nicht wesensmäßige Rolle der Hauptstadt eines ländlichen Kleinstaates zu spielen. Eine Rolle, in die es sich eigentlich nie recht hineingcfilnden Hal, wurde cs doch von aussen, von der Provinz teils als bemerkenswerte Schcnswiirdigkeit, teils als überflüssiger„Wasserkopf" betrachtet, der, ebenso iibcrproportioniert wie die Last der Pensionen, die auf den alpcnkän- disch-wicnerischen Ucbcrrcst der Douaumonarchic entfiel, eigentlich recht entbehrlich sei. Tatsächlich blieb das bürgerliche Wien eine entthronte Hauptstadt mit schrumpfender Tendenz; tvirlschaftlich, gesellschaftlich und geistig. Ein verstorbener bekannter Journalist nannte das den Bcrdorsnngsprozeg Wiens, der sich auch wirklich nirgends so deutlich spiegelte und spiegelt, als in den Spalten der bürgerlichen Presse. Vorgestrig wie seine Bauten im kunstgewerblich verbesserten Jugendstil träumt das ältere bürgerliche Wien von Backhcndln, Dentschmcistcrmusik und prositablcn Mietzinsen vergangener Zeit, während die diesen ErinnerungSphantasicn entrückte Jugend Luftschlösser unter der aufgchcndcn Sonne des Dritten Reiches bauen möchte. Abseits hievon, wie das sprießende Gras auf alten FestungSwällcn, entstand zwischen der zu Stein erstarrten Vergangenheit des Habsburgerreiches die rote Kommune, das Wien der Freibäder und Volkülvohnungen, das Wien der Ar- lcilcrbüchcrcirn, das Wien, das für Gebärende eine Stätte zu errichten, den Geborenen die erste Kleidung zu stellen als primäres Gebot der Verwaltung eines GrmeintvcsenS ansah. Nicht Für- stcupalüjte entstanden abseits der Elendsquartiere! als Denkmäler dieser unvergessenen und unvergeßlichen Zeit, sondern Wohnungen, Bäder, Kli- nilen, die KinderübernahmSstelle oder auch hier und dort eine Gedenktafel zu Ehre» jener, deren die bürgerliche Geschichtsschreibung zu vergessen pflegt. Ans dem Nichts— selbst eine gleich-■ geschaltete Morgcnzeitung mußte es erst kürzlich zugcbcn— wurde das neue, das proletarische Aieii geschaffen, geftüht lediglich auf das Fun- f dament solidarischen Handelns und geschlossenen AillenSauSdruckS der Arbeiterschaft. Einer Arbeiterschaft, die wie kamn irgendtvo sonst in Europa durch endlose, aussichtslose Jahre iinent- toegtcr Krise, unentwegter Entbehrung ging. Keine greifbare nahe Zukunft, sondern die visionäre Vorstellung einer neue» Gescllschaftsgcstaltung war die seelische Grundlage dieses Werkes, eines stets erfolgreichen Kampfes um die Seele des Wiener Volkes. Biel Elend, viel Entbehrung wurden ertragen, da man doch wenigstens die Freiheit des Gedankens, das Recht der Selbstbestimmung, die vielleicht bescheidene, aber doch für die Menschenwürde des Arbeitenden im Betriebe so bedeutungsvolle BctriebSdcmokratic erobert hatte, da Mandatare der Besitzlosen und ehemals Rechtlosen das öffentliche Gut verwalteten. Neue Lebensform, ein Geschlecht sportgcübtcr und doch nicht cntgcistigter, sondern interessierter Arbeiter entstand. jene Wiener Jugend, deren unbekümmert srischeö Wesen sich auch durch alle Fährnisse Idcr Kriscnzcit erhielt, jene junge Generation, die nun mit eiserner Entschlossenheit einen wenig auSsichtSvollc» Kampf aufnahm und selbst dem haßerfüllten, waffengcübten Gegner Bewunderung abnötigte. Heute, ist das Antlitz Wiens verändert. Nicht äußerlich, nicht in dec inneren Stadt und nicht einmal in den Bezirken der Gcmeindcbautcn, die auch durch die Artillerie der Hängechristen nicht zu beseitige» waren. So wie naive Reisende gerne aus Italien berichteten, daß die Züge fahrplanmäßig verkehren, so kann man auch heute aus Wien vermelden, cs gehe alles seinen gewohnten Gang. Sogar die Konsumvereine sind offen. Nur die Arbcitcrbank wird in den Konlurs getrieben, I worüber wenig gesprochen und noch weniger geschrieben werden darf. Und doch fühlt, sieht man bald, Ivie sehr sich Wien verändert hat. Richt nur der stumm-verbissene Ausdruck, nicht nur die vorsichtig tastende Form des Gesprächs auf der Tram, im Laden, in den Anlagen zeigen, daß viel, daß Entscheidendes anders geworden ist. In den Cafös fehlt das j wesentlichste am Wiener Cafölcbcn, der ZcitungS- i borg, den der Ober vorsorglich mit der»Schale Gold" serviert. Eine Zeitung genügt; in allen steht das gleiche, nicht sinngemäß, sondern wortwörtlich. Die Presse, die öffentliche Meinung, ist monopolisiert, in Staatsregie genommen wie die Zigaretten Herstellung. So liest man allenfalls den„Matiii", die„Nene Zürcher Zeitung" oder ! sonst irgend ein noch nicht verbotenes AuSlandS- i blatt. Sofern cs vorhanden ist, denn in abend- Ilichen Stunden werden die ausländischen Blätter, wenn nur irgend etwas über Oesterreich in ihnen steht, von Gästen mitgenommen. Die Ober zuk- ken die Achseln und haben es ausgcgcben, aufzupassen. Oder in der Tramtvah: ES gibt wohl kaum eine Stadt, in deren Straßenbahnen frühmorgens so viel gelesen wurde wie i» Wien. Jetzt sicht man nur allenfalls irgendtvo eine„Reichspost", das Blatt der„ehrlichen Schwarzen", wie der Volksmund jene klassifiziert, die schon v o r der guten Konjunktur für die klerikale„Erneuerung" tvarcn. Undurchsichtig, maskenhaft ist der Ge- sichtsauSdruck der Passanten. Niemand ist so recht unbefangen, nicht einmal einzelne Heimwehrsol- datcn l In den Außenbezirken, luo man sich kennt, passiert cö auch, daß offen gesprochen wird; erst vorsichtig tastend, dann frei voll Erbitterung und grenzenlosem Haß. Die MaSke ist nur eilig und oberflächlich geschminkt, nicht wie in Mailand und Berlin schon-zur LebcnSgewohnheit geworden. Ter österreichische Klerikalfascismuö hat keine Volkö- bctycgung hinter und selbst den jungen, nationaldeutsch orientierten braunen Konkurrcnz-Fasciü- muö gegen sich. Zwar gibt eS Ueberläufer und Konjunkturbcflissene nicht nur in kleinen Provinzorten, sondern auch in Wien. Doch Masten- erschcinung ist dies nicht-wworden. Man weiß so ziemlich, wem zu trauen, wem nicht zn trauen ist. Illegale Literatur wandert von Hand zu Hand, wird gesucht, mitunter auch gefunden. Aber cö taucht immer neues Material auf und unbekannte Hände kleben auf die Trafiken einen kleinen Zettel„Heimwehrkamerad, lies das Kleine Blatt", nämlich das gleichgeschaltctc, ehemals sozialdemokratische Rcgierungsorgan, gedruckt auf gestohlenen Maschine» und mit gestohlenem Papier. Mehr braucht es nicht. Die Heimwehr ist so beliebt in Wien, daß jeder diese Aufforderung richtig versteht. Auf der Straße tvird niemand terrorisiert. Der Privatgreucl der braunen Landsknechte und italienischen Schwaczhcniden findet mangels wirklicher Anhängermasfen des HcimwchrfasciSmuS keine Nachahmung. Der österreichische Fafcismus hat seine eigenen Methoden. Eine StaatSangc» stellte berichtet:„Wir sind alle christlich organisiert. Freiwillig, ganz freiivillig natürlich. ES wurden nur Listen aufgelegt und bei denen, die nicht beitraten, ein Strichel gemacht. Ein Strichel, sonst nichts. Wir habe» das alle verstanden. Wer nicht mitgcmacht hat, ist auch richtig bald draußen geivesen. Dann kommt die Frage nach dem Taufschcin. Alle suchen sich eine Religion, die einen kehren zurück, die anderen werden altkatholisch oder evangelisch." Religion ist Trumpf; die katholische Kirche nutzt die günstige Stunde mit Energie und Umsicht. Keine Verordnung, kein Terror. Gott bc- wahre. Es wird nur mit dem Zannpfahl gewinkt. Wer noch etwas zu verlieren hat, ettva einen Arbeitsplatz, versteht, muß verstehen, denn der Bei spiele mangelt es nicht. In der Schule sind Kruzifixe angebracht. Bor dem Unterricht tvird gebetet und jedes Kind muß ein Kruckcnkreuz, die österreichische Abwandlung des Hakenkreuzes, tragen. ES kostet nur dreißig Groschen. Dreißig Groschen sind viel Geld für manchen. Es nutzt nichts, es muß bezahlt tvcrdcn und eö wird bezahlt. Wer etwa in Staatsstellung oder bei der Gemeinde ohne priesterlichen Segen geheiratet hat. dem tvird freundlichst bedeutet, dies schleunigst nachznholcn. Es herrscht Hochbetrieb, es wird getauft, geheiratet, nachgefirmt. Den Luxus der Religionslosigkeit können sich nur Arbeitslose oder Arbeiter mit nachsichtigen Arbeitgebern gestatten. GesinnnngSsrcihcit ist ein seltener Artikel in Europa geworden. Das ist das unterdrückte, das geknechtete Wien. Ob cs mit diesen Methoden je gleichschaltbar wird, ob außer den Konjunkturbcflissencn dieser Ztvang je zum Erfolg tu führen vermag, das kann wohl füglich beztvcifclt werden. Oh, cs gibt schon gedrückte und verschüchterte, eS gibt Menschen genug, die diesem Zwang nur noch dumpfe innere Opposition entgegenzusetzen vermögen. ES gibt aber auch andere. Da sind die Genossen, die im Gefängnis waren, und, obwohl ihr Fall nicht abgeschlossen ist, nun unbekümmert ihre Meinung sagen. lind da ist die Jugend. Die proletarische Jugend Wiens und Oesterreichs, die überall und nirgends ist, mit der keine Polizei der Welt und am allerwenigsten die österreichische fertig wird, die Jugend, die seit langem mit der illegalen Arbeit rechnete und daher alle« rechtzeitig auf den Kops gestellt hat. Nene Funktionäre tauchen auf, Gc- nossiiinen und Genossen, die nichts zu gewinnen haben in diesem bitterernsten und gefahrvollen Kampf mit der Staatsmacht, als das Bewußtsein, für eine Sache cinzutreten, für die andere erhobenen Hauptes zum Galgen ginge» und andere im Kerker schmachten. Der ermüdende Kleinkrieg der aktivitätslosen Epoche des Vorjahres hat dem offenen Kampf um die Zukunft Platz gemacht. „Dieser Kamps gehört uns, muß von uns geführt werden", erklärt mir eine Jugcndgcnossin— gerade gehen wir an einem ehemaligen Heim vorbei, in dem nicht ein Stuhl, nicht ein Fenster ganz geblieben ist, so nachdrücklich wurde da„aufgebaut"—„denn dieser Kampf kostet Opfer, dieser Kampf muß offensiv geführt werden, und zu diesem Kampf gehört auch jugendlicher Leichtsinn." Das ist daö Wien von heute; besiegt, aber nicht übcrlvnnden. Um das Wien von morgen braucht uns nicht bange sein. Es gehört der Jugend, die im Wien von gestern groß getvorden ist. R. W. Minister Tr. F. Spina empfängt Mittwoch, den 25. April, Minister Jng. Jan D o st ä l e k, am Tiensiag, den 21. April, keine Besuche. Auch in Mexiko... In Mexiko wurde jetzt eine f n s e i st i s ch c Partei, die Bereinigung der„G o l d li e m d e n" gegründet, deren Führer General Nikolaus Nodriguez ist. Die Organisation ist hauptsächlich gegen die Ausländer und Juden gerichtet. ülandhte in Bulgarien. Aus Sofia wird uns geschrieben: In Anbetracht desicn, daß die Zahl der Arbeitslosen in Bulgarien ständig im Anwachsen begriffen ist, erwägt die Sofioter Direktion für Arbeitsbeschaffung die Beschäftigung von einigen Tausenden von Arbeitslosen bei der Goldtväschcrei. Man hat nämlich scstgestellt, daß zahlreiche bulgarische Flüsse goldhältige» Sand führen. Für die Goldtväschcrei interessierten sich bereits vor Jahren eine Reihe amerikanischer Gesellschaften, vor allem die Smclting and Refinig Co. of New Aork; diese Firmen ließen jedoch ihre Absichten fallen, als man scstgestellt hatte, daß diese Goldtväschcrei nicht im großen Maßslabe organisiert Iverden könne. Die Goldwäscherei bildet in zahlreichen Gebieten eine ziemlich ertragreiche Nebenbeschäftigung der Landbewohner. Bloß in der llnigebung von Berkovice in Nordwestbulgarien allein haben die Bauern einiger Dörfer im Laufe des Vorjahres aus dem Sande eines kleinen Flusses Gold im Werte von rund zwei Millionen Lcvas gcivonncn. Blutige Rauferei. In der Gemeinde Radvankh, einer Borstadt UjhorodS, km» es in der Nacht zum Sonntag zn einer Rauferei, die ein Eingreifen der Polizei notwendig machte. Als die Rcvicrinspcktorcn Ladislav Kruli» und Johann Ciriban die verhafteten Exzedenten auf die Polizeidirektion führten, rotteten sich einige Raufbolde zusanmlen, tvclche die Verhafteten zn befreien versuchten. Hiebei erhielt Inspektor Krulis einen M e f s e r st i ch in die rechte Brustseite. Er wurde sofort ins Krankenhaus gebracht und einer Operation unterzogen. Seine Verletzung ist schwer. Der Täter, der Arbeiter Michal Holinka an? Horanh, wurde mit den übrigen fünf verhafteten Exzedenten in die GerichtShaft eingelicfcri. Kesselfall-Hotel abgebrannt. Sonntag ist das Alpenhotel Kesselfall, bei K a p r u n(Salzburg) sowie die Kirch e, das T o u r i st e n h a u S, das V e r k e h r b ü r o und ein Teil des Elektrizi- tätSWerkes abaebrannt. Die Ursache ist wahr« scheint iw im Funkeufl ug ans einem Kamin zu suchen. TodeSrennen. Beim sonntägigen Automobilrennen um den Bordino-Pokal ereigneten sich niedrere Unfälle. Ein Fahrer kam bei diesen umS Leben, acht Personen, darnntcr sechs Zuschauer, wurden verletzt. Kampf mit einem Adler. Vorige Woche fischte der 17jährige Zigeuner Holomek in der March bei llngarisch-Hradisch mit einer primitiven Angel. Nach längerer Zeit fing er einen etwa eineinhalb Kilogramm schlveren Fisch. Als er ihn aber hcrauszog und voni Haken nahm, schoß plötzlich ein stattlicher Adler herunter und lvar bestrebt, dem Jungen den Fisch zu entreißen. Der Jigcnncrbnrsche war anfangs von dem Angriff des Adlers vollkonunen überrascht, warf sich dann aber ans den Vogel, um seine Beute zu retten. Der Adler tvollte seine Beute nicht loslassen und schlug einigcmale mit den Fängen nach dem Jungen. Hierauf erfaßte der Adler den Fisch, zerrte solange ail ihm, bis es ihm gelang, ihn samt dem Haken von der Angel loszureißen, tvorauf er davonflog. Den Kampf des jungen Zigeuners mit dem Adler verfolgten Reisende eines vorüberfahrenden I Zuges, unter denen dieses Schauspiel großes Auf- I fehen hervorrief. VH. Jahrbuch des Internationalen Gewerkschaftsbundes 1S34 Herausgrgeben vom Internationalen Gewerkfchnftsbnnd, Paris 1934, 220 Seite». Dieses statistische Jahrbuch hat sich bereits in den früheren Ausgaben als ein überaus gutes und zuvrrläfsigcü Nachschlagewerk erwiese»»nd ist zu einem Handbuch der intcrnationafen Gewerkschaftsbewegung gelvordc». Um nur den Inhalt dieses Werkes kurz an- zugebcn: Eö enthält Rainen, Adressen und Mit- gliedcrzahlcn der freien Gelverkschaften und erfaßt daneben statistisch die gesamte Gewerkschaftsbewegung. Es sind die lctztbckanntcn Mitgliederzahlen aller dein Internationalen Geivcrkfchaftö- bunde angeschlossenen Organisationen und die der Internationalen Beruföfckrctariate angegeben. Desgleichen wird eine eingehende liebcrsicht der Einnahmen und Ausgaben der dem Internationalen GclvcrkschaftSbund angeschlossenen Landeszentralen wie auch ihrer Verbände gegeben. Aufschlußreich ist die tabellarische liebersicht der verschiedenen Richtungen der GetverkschaflSbelvegnng der ganzen Welt mit Angabe der Mitgliederzahlen. Das Werk bietet die bvllständigstc und neueste Information über den Stand der Gc- werkschaftcn in staatlicher lvic in internationaler Hinsicht. Jedermann, der Auskünfte über die Gewerkschaften sucht, sei eS in seinem Lande, sei cö in anderen Ländern, wird sie in diesem Handbuch finden. Der Preis des Buches beträgt in der Tschechoslowakei KL 28.—. Gcrichtssaal Gendarmeriewachtmeister unter Anklage der öfsentlirlir» Gewalttätigkeit. Prag, 21. April. Anklagen lvegen„öffentlicher Gewalttätigkeit" zählen zu den alltäglichsten Fällen, die vor den Strafgerichten zur Verhandlung kommen. Der Tatbestand läuft meist auf einen Angriff gegen eine„Amtsperson" hinaus, so auch in diesem, heute vor dem Senat S u d o m a verhandelten Fall. Kurios ist bei diesem Fall die Ttatsachc, daß der Angeklagte selbst eine„Amtsperson", allerdings im Ruhestände, ist. Der 68jährige pensionierte Gendarmeriewachtmeister Wenzel Dudek aus.Kuchelbad lvar angeklagt der unbefugten Einmischung in eine Amtshandlung, sowie des Verbrechens der Bedrohung einer Amtsperson. Dudek ist Besitzer eines Autobusses nud Konzessionsinhaber für die Personenbeförderung aus der Strecke Prag—KönigSsaal. Ter von der Firma Skoda gelieferte Anjobuü ist allerdings bis heule nicht bezahlt. Schließlich erwirkte die Firma auf Grund der von Dudek unterschriebenen Wechsel die Beschlagnahme des Autobus zum Ztveck der Sicherstellung des Schuldbetrages. Die Exekution verlief fruchtlos, denn als der Exekutor mit dem Advokaten der Lieferfirma ztvecks Pfändung auf dem Smichowcr Standplatz des Autobus erschien, nahm Dudek diese Amtshandlung einfach nicht zur Kenntnis, forderte die Passagiere auf, Platz z» behalten, schlug den» Exekutor die Türe vor der Nase zu und fuhr davon. Als man den Ex-Wachtmeister zur Rechenschaft zog, erklärte er, daß der Wagen zwar auf seinen Namen angemeldet sei, in Wirklichkeit aber einer Firma S t e w a r d gehöre. Ta er die Wahrheit dieser Behanptnng nachzutveisen vermochte, blieb eö in dic- sem Punkte bei der gelinden Anklage der«ubesugten Eiuntischnng in eine Amtshandlung. Aergcr beualnn sich der Gendarmcriewachtmei- ster i. R. nach dem Wortlaut der Anklageschrift, als ihn am nächsten Tage, dem 18. Juni v. I., Advokat und Exekutor in seiner Wohnung aufsuchten, um ibn zu pfänden. Zunächst meldete sich auf ihr Klopfen und Läuten überhmipt niemand und die Wohnung schien verlassen. Erst als der Exekutor Johann Pele Anstalten traf, die Türe durch einen Schlosser öffnen zu lasten, zeigte fiel, Frau Dudek und gleich darmif auch Dudek selbst. Er vielt einen mächtigen Knüttel in der Hand und erklärte den Pfändenden, er werde die Pfändung um keinen Preis zulassen. Bedeutungsvoll den Knüttel schtvingend prophezeite er, daß„etwas geschehen" Ivürdc, tvenn sich Exekutor und Advokat nicht auf der Stelle unsichtbar machten. Die Bedrohten räumten vorläufig daS Feld, aber nur, um Gendarmerie« asiistenz herbeizurufen. Wachtmeister B l a c k ü, der zn ihrer Unterstützung auSrückte, fand bei seinem Kollegen Dudek einen häßlichen Empfang. Bei seinen Versuchen, die. Türe der Wohnung zu öffnen, klemmte ihm Dudek die Hand derart ein, daß Wachtmeister Plackst sic längere Zeit nicht bewegen konnte. Deshalb hatte sich Dudek auch dafür zu verantworten, daß er eine im Djenst befindliche Amtsperson tätlich angegriffen habe. Bei der heutigen Verhandlung stellte Dudek alle Beschuldigungen in Abrede und bot seine Fran als Zeugin für seine Unschuld an. DaS Gericht vertagte mit Rücksicht mif die vorliegenden Beweisanträge die Verhandlung auf linbeslimnite Zeit.' rb. Opfer der Autoraserei Schwere Strafe gegen gewissenlosen Chauffeur. Prag, 23. April. Wenn man die Unfallstatistiken der größeren Stäbe näher ansieht, so ergeben sich erschreckende Zahlen in der Rubrik„Opfer des MotorverkehrS" und man kann ohne Ucbcrtreibnng behaupten, daß die, jährliche Bilanz der Tod c■. opfcr solcher Unfälle im Bereich der zivilisierten Menschheit Ziffern erreicht, die den Menschcnvcr- lusten eines kleineren Krieges vergangener Jahrhunderte gleichkonimen. Ein sehr wesentliches Moment in dieser traurigen Statistik spielt die Gewissenlosigkeit mancher Antolenker, die sich einen Teufel darum scheren, ob sie durch unveranttvortliche Raserei selbst auf belebtesten Straßen einen Passaulcu ins Jenseits befördern oder die Gefahr schwerer Zusammen- stüße herausbcschwören. Vor deni Autoscnat des Strafgerichtes stehen nahezu täglich derartige Fälle zur Verhandlung und es ist nur zu begrüßen, wenn die Richter in derartigen Prozessen mit unnachsichtlicher Strenge Vorgehen. So war auch heute vor dem Senat S b k o r a eine Anklage anhängig, die den Chauffeur Karl S t a r o st n der fahrlässigen Tötung beschuldigte. Der Angeklagt« lenkte ein L a st u n t o und ist schon verschiedcneinal lvegen nnvorsichtigen Fahrens mit leichteren Strafen belegt ivordcn. Am 1. März d. I. fuhr er von der Cechbrücle kommend in rasenden« Tempo gegen das Parlament. Er bog hinter der Brücke, ohne die Geschwiiidiiikeit zu mäßigen, ohue WnruungSssgnale zu geben und ohne die Kurve In vorgeschriebener Art in weitem Bogen auS- zufahrrn, in die Querstraße ein, wobei das rechte Vorderrad einen Passanten, der eben di« Straße überschritt, erfaßte und überfuhr. Tas Lastauto war voll beladen und eS ist kein Wunder, daß der unter den Rädern Zerquetschte bald nach dem Ilnfall verschied. Der Verunglückte Ivar der Photograph Heinrich Koch. Der Angeklagte hat sich also in dreifacher.stiich- tung sträflicher Fahrlässigkeit schuldig gemacht: Durch übermäßige Schnelligkeit, durch Iluterlnssuug des por- geschricbcnen Warnuugsiiguales und durch daö verbotene„Schneiden" der Kurv«. Durch Aussagen der Zeugen wurde der fahrlässige Chauffeur, der im wesentlichen nicht leugnen konnte, aber allerlei Bc- schönigungövcrsnchc unternahm, voll überführt. Der Gerichtshof verurteilte Karl 2 t a r o st a, indem er ihn im Sinne der Anklage voll schuldig erkannte, zu sechs Monaten strengen Arreste S, und zwar unbedingt. Dainit Hal der aelvUsenlosc Chauffeur natürlich auch seine Existenz verscherzt. rb. CfeHe s „Sozialdemokrat" TiritMnp, 24. April 1084 Wr. 95 PRAGER ZB1TBMG ZI'Prag auf Fahrt Ein oiittciit'fli'itoiü' fdjirfr uii- bic.fen schönen gnljvfbi'vidjl: 170 Mädel imb'l'urfdifit der Sozi«rlistischen Siißcnb, der Roten Silken und de» Atu» Ivandertcn in der Frühe des Sonntags lunau» in die Snchdoler Felsen. Nachdem der»reis Prag der SI. erst vor kurzem die Aufteilung seiner Gruppe in vier Stadtteile durchgeführt hat, veranstaltet er allmonatlich Trcffwandcrungen zur Förderung der Gemeinschaft und der Kameradschaft unter seinen Mitgliedern, lind das tvurde auch an diesem Sonntag erreicht. In froher Gemeinschaft zogen die einzelnen Stadtteilgruvpcn. mit ihnen die Kameradschaft«!« der Falken und der Atu», lünans aus der Stadt. Mühende Obstbäumc, griineude Felder, Sonnet Singend au der Moldau cutlaug, hinaus nad> den Felsen bei Snchdol. Mit grobemHallo werden die einzelnen Gruppen begrübt. Ein srobes Treiben entwidelte sich. „Provianiur" wird gemacht. Unsere Genossen pflegen auch hier die Kameradskhaft. Sie sdiimpfen auf die einzelnen„Individualisten", die sich ab und zu noch breitmache». Falken- und Ingcndgruppcu spielen -Handball und Völkerball, der AtuS turnt. Gegen 1-1. Ilhr werden alle zusammcngerufen. Die Leitung gibt das Programm des Nachmittags bekannt: Zunächst gemeinsamer Tvori unter Leitung eines AtuS»Genossen. E» gibt viel Freude dabei. Enzelne„alte -Herren" und besonders Faule„tacknnieren" natürlich und müssen mit grobem Geschrei hcrbeigeschlcppt werden. Ein Genosse schleicht auf den umliegenden Felsen umher und knipst das bunte Gewimmel. Dann kommt der.Höhepunkt des Treffens: Die sozialistische Fugend von Prag feiert daS Andenken der P a r i s e r Kommun e. Die Falken singen die Cannaguole, das Lied der groben französischen Revolution.„Vorwärts, es wird geh», wenn wir zu» sanunenslehu" klingt es trotzig über den von Felsen unirahmten Platz, auf dem die Mädeln und Burschen sich gruppiert haben. Dann spricht eine Genossin ein Gedicht, eine andere liest den Aufruf der tapferen »oinnuinardiiiucii au die Bürgerinnen von Paris. Ein junger Genosse spricht. Er erinnert an die Umstände, die zur Erhebung der Pariser Arbeiter führten, er schildert ihren Kampf und die.Herrschaft deS Pariser Proletariats und er spricht von der furchtbaren Rache der Konterrevolution. Tausende von | Ovfern als Sühne für die 72tägige Herrschaft. Unvorstellbare Ströme von Mut sind damals geflossen. Aber die Idee des Sozialismus wurde nicht getötet. Der Genosse spricht von den Nachrichten, die jetzt aus Frankreich kommen, vom Generalstreik in den Tagen des Feber, die uns zeigen, dab unsere französische» Genossen auf dem Posten sind gegen die sich formierende sascistische Gefahr. Wie ein Gelöbnis klingt es über den Platz—„Freiheit". Ein Gelöbnis ist auch das begeisterte Gedicht, tvelches eine. Genossin rezitiert und die Internationale, die den Nbschlub der Feier bildet. Mit dem Singen froher Lieder und dein Lernen eines neuen Kampfliedes vergebt der Nest des Nachmittags. Daun wird angetrcten und im Gleichschritt und diszipliniertem Marsch geht es durch die Dörfer zurück zur Stadt. Ueberall errege» wir Aufsehen. Unsere blauen Hemden und roten Tücher, unsere Kampf« und Fahrtenlicder zeigen, dab wir Jungen uns zum Sozialismus bekennen. Als tvir gar singend durch den Baumgarten marschieren, kennt das Entsetzen der Bürger keine Grenzen. Aber auch freundliche Zurufe schallen uns entgegen. Mit einem kräftigen„Freiheit" gehen tvir am Strassenbahn-Halte» punkt auseinander. Wieder ist ein kleiner Schritt getan. zur Erholung unserer Mädeln und Jungens ans Schule, Büro und Werkstatt, zur Erziehung zu guter Kameradschaft,, zur Schulung junger, begeisterter Sozialisten, zur Propaganda unserer Idee. Am nächsten Male müssen tvir noch mehr sein! Warun» bist Du, Junge und Tu Mädel nock> nidtt bei uns? Wir rufen Dich! „Freundschaft". Eltern-BerntnngS-Abend, Mittwoch, den 25. d. M., veranstaltet von der„Deutschen Gesellschaft für sittliche Erziehung" in Prag. D i- reltor Scholz wird an ihn gestellte Anfragen bezüglich vorschul- uud volköschulpflichtigcr Kinder beanttvortcn. Frauenfortschritt, Krakovskä Nr. 21, acht Uhr abends. Mit dieser Einrichtung wird die Gesellschaft für sittliche Erziehung eine neue Art von Elternabenden versuchsweise cinführen. Kunst und Wissen Sudetendeutsche Opernpremiere in Reichenberg Leos Ianäicks„DaS schlaue FüchSlrin". Die Arbeitsgemeinschaft am Reichenberger Stadttheater, das im Vorjahr die deutsche Erstausführung von Smetana»„Geheimnis" gebracht hatte, schaffte nunmehr dieser Bühne ein neues Verdienst um die Internationale in der Kunst durch die erste sudetendeutsche Aufführung von IanäkekS Märchenoper„Das schlaue Füchslein". Dieser Versuch verdient vorweg um so mehr Anerkennung, als es sich hier um ein auberordentlich schwieriges Werk handelt, um eine Oper, deren Schönheiten nur teilweise zutage liegen und erst bei voller Meisterung des Teck>nischen ins Lickst gerückt werden können, da ferner die Sänger nicht gerade mit dankbaren Aufgaben bedacht sind und von den Darstellern ein Stil verlangt Ivird, der sich nicht so ohne weiteres in den Rahmen des gewohnten OpernspielplanS fügt. Bedenkt mair nun, dab den Reichenberger Künstlenr nur eine sehr kurze Stndinmzcit zur Verfügung stand, so bekommt mair Respekt vor ihrem Willen und ihrem künstlerischen Ehrgeiz. Freilich konnte eben unter solche» Umständen die Reproduktion des liebenswürdigen Werks nicht durchaus überzeugen, ja mussten vielmehr etliche seiner Schlvächcn deullicher offenbar werden., Wenn unter einem gewissenhaft leiteirden Dirigenten «.Guido Arnolds) das Orchester, gar nicht in Stand gesetzt, den Feinheiten der Partitur sich zuzuwenden, mit seinen Klangwogen die Bühne überflutet und infolgedessen junge, erst zur Reife strebende Singstimmcn sich nicht durchsetzen können, dann geht natnrgemäj', sehr viel vom Text verloren rmd ein nicht j vorbereitetes Publikum kann dann kaum eine Ahnung davon erhalten, dab hier unter der Tier- und Meuschensavel des schlaueir Füchsleins und des lvilden Zigeunermädchens Terinka, unter den Wirrnissen des Försters, des Schulmeisters und des Pfarrers eine nicht nur humorige, sondern auch innerhalb der Opernliteratnr gar nickst alltägliche Gesellschaftskritik einhergelst, dichterischer Angriff ans die llnfrei- beit und tlnnatürlichkeit des spiebbürgerlichen Lebens, Widerspiegelung des elvigen Kampfes zwischen Tier uud Mensch, Lob der Natur und ihrer Gesetze, die weder Menschen-Weisheit noch Mcnschen- Torbcit zu wandel» vermag. Nimmt man hinzu, dab die ernste Reichcnberger Künstlerschaft, die diesen Versuch unlernahm, vom Rcicheubcrger Publikum, und zlvar anscheinend nicht nur vom deutschen, sondern auch vom tschechischen, an diesem Abend schmählich im Stiche gelassen lvurde, so dab man die Pre- miere zugleich atich als Lctztanssührung aufznfassen hatte, so versteht man, dab unter deni Druck solch ungünstiger llnislände und in solcher Stimmung das Ensemble schwere Mühe zu bclvältigen hatte.. ES soll aber auch nicht verschwiegen werden, dab die deut- sckjc, von Mar Brod besorgte llebcrsetznng weder die Volkstümlichkeit noch den Fluss der tsck>rchischen Ori- ginalfprache erreicht, so dab auch hierin in der Re- vroduktjon ungewöhnliche Schwierigkeiten zu über- ivinden sind. Dennoch gelang vor allem orchestral einiges sehr gut; so vor allem das reizvolle Ballett der Fliegen und Libellen, die Morgendämmerung, die Fuchsen- hochzeit und die wehmütig-initige Schlub-Stimmung; diese beiden Ivaren übrigens auch darstellerisch und bildlich sehr überzeugend sestgehalten. Die mangelnde Krast dramatischen Ausdrucks, die Kurzlinig- keit des Ianäkckschen Melos, das Episodenhafte der an sich reichen Einfälle konnten freilich in dieser Ausführung nicht lvettgemacht tverdcn, so sehr auch insbesondere die Bühnenbilder, die in dankenswerter Weise das Brünner tschechische LandeSlhcatcr zur Verfügung gestellt, die Illusion förderten. Unter der Spielleitung Emil Schlegels waren in den Hauptpartien die Damen Berta Staar und Grete Schlegel und die Herren Hans P aw ele tz, H. I. Hein z, Hans Fürth und Fritz Hönisch beschäftigt. Mit ihnen seien alle anderen Mitwirkenden, und die Arbeitsgemeinschaft für den Mut zum Wagnis bedankt. L. G. Konzert der 10.000 Kinder Der ztoeite Festtag der tschechoslowakischen Sängergemeinde war der Jugend ge- lvidmet. Am Sonntag vormittags lvaren im Indu- striepalasl auf dem Ausstellungsplatz 10.000 an dem Programm mitwirkeude Kinder beiderlei Geschlechtes versammelt. Die rechte Hälfte des Jndnstriepalastes war zu diesem Zwecke in einen riesigen Konzertsaal umgewandelt worden. Im Hintergründe des Saales war bis znr Höhe des zweiten Stockwerkes terrassenartig ein riesiges Podium ausgebaut, das während der Produktionen von tausenden Kindern belebt war. Die Vorführungen ivaren künstlerisch auf der Höbe und zeichneten sich durch präzise Wiedergabe aus. Es wechselten in verschiedener Gruppierung leichtere und schwere» capella-Chöre mit Streich- und Grob- orchcsterbcglcitung in vier Hauptabteilungen ab. ES dirigierten insgesamt 16 Chormcister und Chormeisterinnen die Vorführungen der Schüler verschiedener Anstalten, verschiedenen Alters rmd verschiedener Gruppierung. Der Gesamteindrnck ivar grobartig und die Darbietungen Ivnrden von dem anSvcr- kauften Saal mit grobem Beifall ausgenommen. Deutsche Kammermusik. Die am Sonntag vormittag im Prager Deutschen Theater veranstaltete vierte Kouzertausführung des Prager Deutsche» Kam- mernmsikvereius wurde vom E r st e n Bläser- OuintettderDreSdnerStaatsoper bestritten, dem sich als künstlerischer Helfer der vielbewährte Prager deutsche Pianist und Lehrer de» Klavierspiclcs an der Prager Deutschen Mnsikaka- demie Prof. Eugen K a I i s beigesellt hatte. Die Herren Fritz R Ücker(Flöte), Karl L ii d d e cl e (Oboe), Karl Schütte(Klarinette), Paul Plöt- u e r(Horn) uud Wilhelm K u o ch e n b a u e r (Fagott) dieses Dresdner Bläscrcnsemblcs sind zweifellos ausgezeichnete Kammermusiker und jeder von ihnen ist ein technisch fertiger Meister seine» Instruments; aber ihrem Zusammenspiel fehlt mitunter die letzte rhythmische Akkuratesse und dynamische Geschlossenheit; auch gröbere Bcgcisterungösähiglcit nnd Leidenschaftlichkeit tvürde man ihnen zuweilen wünschen. Stein solistisch genommen sst der I l ö t i st Rucker der beste Man» des Ensembles: hinsichtlich Musikalität, Temperament, Tonschönheit und Vortragsstil. Ihr Prognnnn hatten die Künstler der klassischen und vorklassischcn Blasmusik gewidmet. DaS interessanteste Werk der Ausführung war ein Bläser-Onintctt von Anton Reiche r, dem in Prag geborenen Zeitgenossen Mozarts nnd Beethoven», jenem hervorragenden Theoretiker und überaus fruchtbaren Tonsctzcr, der allein für Kammermusik mehr als hundert Werke schrieb, darunter allein 21 Onintctte für Blasinstrumente. Das gespielte Ouintett in F-dnr zeigte sich als start mozarivcrwandt nnd überraschte durch seinen schlagerartigen Allegro-Schlubsatz. Anberdem hörte XII« Kurhäuser offen. Pauschalpreise ab MW— m. voller Kurbehandlung. Inf.:(Rheuma. Ischia«, Gicht) Badedi rektlon. Plstyan. 2364 man ein Duo für Klarinette nnd Fagott von Beethoven, eine Sonate für Flöte und Klavier von Händel und als genubrcichcS Schlubstück Mozarts Ouintett für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott nnd Klavier in Es-dur,— Am Abend vorher hatte das durch den Pianisten Kalix verstärkte Bläserquintett eine Aufführung zeitgenössischer K a m ni e r m n s i k mit Werken von Bey- t h i e u, Karg-Elert und Paul Hindemith ermöglicht. e j. Elisabeth Wanka, die erste A l t i st i» deS Tcplitzer Stadttheaters, sang in der sonntägigen Abendvorstellung deS„M a S k e n b a l l" die lllrike(mit Anstellungsabsichten). Ob ihre Verpflichtung für unser Opernensemble z» empfehle» ist oder nicht, wird man nach dieser Probe nicht entscheiden können. Da wird man die Sängerin wohl nock) in einer gröberen nnd aufschluhreichcren Alt- bartic hören müssen. Diesmal war nur festzustellen, dab die Debütantin eine schöne und auch gleichmässig Ilingende Stimme besitzt, dab sie gesangstechnisch— bis auf eine gewisse Unruhe im Ton— gut beraten scheint nnd dah sie auch darstellerisch gelvandt ist. Ob sie aber eine schauspielerische Persönlichkeit ist, | konnte sic in dieser Rolle ebenso wenig zeigen wie stimmliche Quantität. Ihre Stimme erwies sich sogar als zu klein, da sie sich im Enscnible kaum durchzusehen vermochte; auch dürfte sie mehr der Höho als ! der Tiefe nach entwickelt sein, denn ihren Brusttönen fehlt das richtige Volumen und der eigentliche pastose Altklang, während die Kopstöne dramatische Färbung nnd auch Leuchtkraft besitzen. Sollte cS sich also wirklich nm eine eventuelle Verpflichtung der Künstlerin handeln, dann stelle man sie dem Publikum noch in einer anderen Partie(Aznccna, Amneris, Bran- gäne) vor. E. I. Mittwoch: Trudi Schopp mit ihren Komikerinnen! Einmaliges Gastspiel. Zur Aufführung gelangen„3 u r A n n o n c e n a u f g a b e", Tragikomödie von Trudi Schoop, Musik v. H. Früh.„N o ch nie getrageneSBrautkleid zu ver« k au f e n".„Ehrbare Fünfzigerin wünschtBckanntschaftzwcckSspätercr Heira t" und andere Annoncen.„Fridolin unterwegs", Komödie von Trudi Schoop. Wochenspielplan de» Reuen Deutschen Theaters. Dienstag, abends, hall« 8 llhr:„Lord Byron kommt ans der Mode". A. 1.— Mittwoch 8 Ilhr:„T r n d i Schoop mit Ensembl e", Gastspiel, B. 1.— Donnerstag, halb 8 Ilhr:„Ein M a S k e n b a l l", E. 1.— Freitag, halb 8 Uhr: „Die lustige W j t w e", D. 1,— Samstag, halb 8 Uhr:„Geld ist nicht alles", Erstauf- führnng, C. 2.— Wochenspielplan der»leinen Bühne. Heute Dienstag, 24. April, abdS. 8 Uhr:„Schicksal", Bankbeamte nnd freier Verkauf.— Mittwoch. 8 Uhr:„Ttrabenmusi k".— Donnerstag, 8 I Uhr:„S t rabenmusik".— Freitag, halb 8 Uhr:„DieInsel", Erstaufführung.— SamStag. 8 Uhr:„Pariser Potpourri". Erstaufführung. Der Film Das-Husche« in Grinzing Vor ein paar Wochen erschien das tschechische Original dieses Film» als„Häuschen nnterm Emaus" und wurde hier mit der Wendung, dab eö sozusagen nock) bis über die Ohren in den Kinderschuhen stecke, gekennzeichnet. Jin Urania-Kino kann nmn sich nun davon überzeugen, dab die deutsche Fassung deS einfältigen Werkchens von Postillon und Komtebchen trotz Aendernngen in der Besetzung, in der Geographie und in der Sprache ein rührend getreues Abbild des überflüssigen Tschechcnfilm»— und damit selbst überflüssig geworden ist. So be- s grüssenSwert und so notwendig die Herstellung deut- | scher Filme im Inland ist, so wertlos ist diese dürftige Kopie eines an sich schon wertlosen und dürf- tigcn Vorbildes. Der deutsche Zuschauer der tsche- j duschen Fassung, der heimlich gchofst batte, das; ihm I irgendeine Pointe vielleicht entgangen zci, wird nun dahin belehrt, das; er eine Illusion genährt bat. Tenn die einzige Pointe dieses Films ist, dab er keine Pointen hat(genau so wenig, wie er eine Regie hat, für deren Fehlen anch in der deutschen Version Otto Kantnrek verantwortlich zeichnet). Der Unbekannte, der den Einfall hatte, den Wolfshund Rck bei der Urania-Premiere beifallheischend al» Hauptdarsteller die Bühne betreten zu lassen, hat einen sehr treffenden Einfall gehabt. Denn die menschlichen Hauptdarsteller dieses Films haben ans Beifall keinen?lnspruch. In der deutschen Fassung sind cö Ivan P e t r o v i ch und Gretel T h c i m e r, die ihre tschechischen Pendants Novotny und Mandlovn zwar an Routine, dafür aber auch an Mauirierthcit übertreffen. TaS Interessanteste spielt sich in den Nebenrollen ab. Da kann man erkennen, wieviel brauchbare hiesige Darsteller besserer deutscher Filme eS geben könnte. Ferdinand Hart hat auf deutsch denselben trockenen Humor wie auf tschechisch, Walter, Taub macht (erkennbarer noch als in der tschechischen Fassung) aus einer kaum vorhandenen Rolle eine schauspielerische Studie nnd ist schon auf dem Wege vom Theaterakzent zur filmischen Beweglichkeit— nnd auch Ströhlin hat seit dem„Adjutanten Seiner Hoheit" Fortschritte, auf diesem Wege gemacht. Bor Beginn deS Films produzierte sich die Hellseherin Madam«' K a r o l v auf der Bühne und versetzte daS Publikum dadurch in ehrliches Erstaunen, das; sie mit verbundenen Augen und mit Hilfe eines Partners Warte nnd Zahlen entzifferte, die wir anderen Init offenen Augen und ohne Partner zu entziffern pflegen. Aber so sind diese Hellseher: Geheimnisse verraten sie nicht, und daS einzige Geheimnis, das sie verraten könnten, behalten sie wohlweislich für sich.—eis— Sport• Spiel• Körperpflege Der Ouerfcldeinlanf der DTI. Rcrntowih, welcher am Sonntag zur Durchführung gelangte, war ein voller Erfolg. lieber 86 Wettkämpfer, darunter eine grobe Anzahl aus Prag, waren am Start erschienen. Bei den Männern entspann sid; In den letzten 60 Metern ein harter Kampf um den Sieg, während bei den Zöglingen der Sieger des Prager Frühjahrslaufes durch den Baumgarten, Chalupa- Tluftovousy, wieder seinen Lauf sicher gewann. Die Ergebnisse waren: Männer(4800 Meter): 1. Smetana(DTI. Smichov) 16:55.4 Min„ 2. Za- rnba(DTI. Neratowitz) 10:08.2, 8. Chalupa (DTI. Tlustovousy) 16:08.2 Min. 20 am Start. — Zöglinge(1600 Meter): 1. Chalupa(DTI. Tlustovousy) 6:18.6, 2. Panik(DTI. ZiZkob) 5:81.8 Min. 12 starteten.— Frauen(400 Meter): 1. Jelinkovä(DTI. Prag VH) 1:00.4 Min. Bier am Start.— Den ManuschastSlauf(drei Läufer) gewann DTI. Neratolvitz mit 16 Punkten ver DTI. Tlustovousy mit 18 und DTI. Prag VII mit 82 Punkten. Ergebnisse der Prager DTJ.Hazena-Meister» fchastSspirle. xEincn überaus hohen Sieg erzielte DTI. Bysehrad über DTI. Chodov mit 80:0!— DTI. Prag III—IV schlug DTI. Jinonice 13:1.— DTI. Pankratz gegen DTI. Prag l—V 6:1.— DTI. Smichov gegen DTI. Revnitz 6:6(4:2).— DTI. Radlitz gegen DTI. Koöir 8:2(0:0). Bürgerlicher Sport Die Profi-Meisterschaft geht ihrem Ende zu. Während die Spitze der Tabelle nun definitiv feft- steht, ist am Schwanz der Kanipf um den Verbleib ein harter. Nachod ist bisher der eine sichere Abstiegskandidat; der Begleiter wird wohl Zidenice oder Viktoria ZiZkov heissen. In P r a g gewann der Tep- litzcr FK. gegen die gefürchtete, aber diesmal sehr schwache und roh spielende Cechie Karlin glatt mit 4:0(1:0) und Sparta schlug die Pilsener Viktoria mit 5:3(2:0). Slavia siegte in Kladno über den SK., dessen Verteidigung umfiel, mit 6:4(4:1) und in Nachod kam es zu einer Punkteleilung zwischen SK. und Zidenicc, die 2:2(2:1) spielten. Am SamStag trugen Viktoria ZiZkov und Bohenüan» ihr Spiel aus, das reich an rohen Momenten war und unentschieden 2:2 endete.— In der zweite n Liga gab cS folgende Ergebnisse: Ruselsky S.Ü. gegen Olympia Pilsen 1:0(0:0), Ccchie VIII gegen Slavoj Zi.skov 3:8(2:0). SK. Pilsen gegen Meteor VIII 5:1(8:0), SK. Probnitz gegen SK. Rakonitz 3:1(2:0). Der Prager DFE. war wieder im Dritten Reich Wie man sich noch erinnern wird, wurde seinerzeit dem Prager DFC. das Spielen im Nazi-Reich von einem Teil der Mitgliedschaft sehr verübelt und mit Austritten verdientermaben belohnt. Damals lieb er seine jüdischen Spieler zu Hause, um sich im Reich des Judenhasses als arische Mannschaft besser durchsetzen zu können. Da jedoch die Mitglicderrebcllion cö nicht ratsam erscheinen lies;, weitere Spiele im Dritten Reich abzuschlieben, suchte man die so dringend benötigten finanziellen Mittel durch den Rat eines Abgeordneten der DAWG. mit sogenannten Bausteinen hcrcinzichringcn. Eine Aktion, die ein« gestandenermaben von wenig Erfolg begleitet war. Darum sah man immer wieder sehnsüchtig nach dem Lande der Hitler-Mark, machte seinen Frieden mit dem Nazisport und eröffnete am Sonntag die„Saison" mit einem Spiele in München. Es hat tüchtig Senge(1:4) gegeben— doch was verschlägt»: ei» paar tausend Mark sind ein gutes Pflaster und höchst willkommen in der ach so bedürftigen Kassa. Die jüdischen Spieler und Funktionäre lvaren diesmal aber mit dabei. Sie werden nnn berichten, das; ihnen auch als Juden im Nazireich ein schöner Enw« fang bereitet wurde, dab ihnen nichts geschehen sei, obzwar der berüchtigte Judenfresser Streicher i» allernächster Nähe sein Hauptquartier hat. Es ist also alles sozusagen in Butter und Goebbels Hai wahrscheinlich ein paar Lobredner für da» Nazi-Reick mehr gewonnen— aus diesen Gedankengang komm« man, wenn man den Bericht des K(arl) P(ick) im „Montagsblatt" liest.— Wohltuend von dieser Haltung des TFC. hebt sich jene des Prager jüdischen Sportklubs Hagibor ab, der cs ablehnt, mit den Nazis i» Berührung zu kommen. Sonstige Fnssballergebnisse. B u d w e i s: TFC. gegen Sportbrüder Prag 8:1(0:0).— Saaz: DTP. gegen Viktoria ZiZkov 7:1(2:0).— K o m o> tau: DFK. gegen Karlsbader FK. 3:1(2:1).— A11 ff i g: CAFE. Prag gegen DFK. 4:1(2:1).— Gablonz: BTK. gegen DSV. Trautcnau 4:1 (2:0).— Reichenberg: RFK. gegen DSV. 3:2(3:1).— Warnsdorf: WFK. gegen TSV. B.-Leipa: 5:2(3:2).— Kotin: AFK. gegen Rapid Prag 4:2(2:2).— P r c s; bürg: ESK. gegen Floridsdorfer AC. Wien 4:4(2:2).— B u« dapest: FerencvaroS gegen Ujpest 2:2(0:2), Hungaria gegen Szeged 8:1.— Wien: Admira gegen WAE. 5:2, Vienna gegen Rapid 2:1(0:1), Sportklub gegen Liberias 4:1.— Lille: Sunderland(England) gegen Frankreich 8:2(1:1). Reuer Weltrekord im Kugelstossen. Ans Amerika tonunt wieder die übliche wöchentliche Rekord- Meldung: Der Student John Lyman verbesserte in Paolo Alto seine in der Vorwoche erzielte Leistung von 16.30 auf 16.48 Meter! Die Waldlansmeisterschnft deö DLAV., die in B.-Leipa dnrchgcsührt wurde und über 720» Meter führte, gewann Bürger(Reichcnberger FK.) in 28:25.2 Min. Mitteilungen aus dem Publikum. Natürlicher Schmuck— die schönste Zierde! DaS teuerste Geschmeide, die seltensten Steine— was sind sie alle gegenüber natürlicher Anmut? Natürlicher Schniuck ist der teuerste und billigste zugleich. Er ist unersetzlich, niemals mit Geld zu kaufen. Anch der Aermste erhält ihn mit auf den Weg. Er kostet nichts— als Aufmerksamkeit und liebevolle Pflege. So sind schöne Zähne doch ganz gewiss ein unwiederbringliches Gut! Mus; man nicht alles tun, um ihre Gesundheit zu schützen? Der beste Schutz ist rcgelmäbige Pflege mit Kalodont. Denn Kalodont enthält als einzige Zahnpaste in diesem Land da» gegen Zahnstein, den gefährlichen Zahnfcind, wirk- sanie Sulforizin-Olcat nach Dr. Bräunlich. Bezng s bedi ngu n g e n: Bet Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich Kc 10.—, vierteljährig KO 48.—, halbjährig K0 06.—, ganzjährig KO 102.—.— Inserate wecden laut Taris billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen PreiSnachlab-— Rückstellung von Maniskriptcn erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarkeu.— Die Zeitungöfrankatnr wurde von ver Post- und Telearovben. direktion mit Erlab Nr. 13.800/VH/1030 bewilligt.— Druckerei:„Orbis", Druck», Verlags»»nd ZeitungS-A.-G., Prag'