IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii„ fochova«2. telepon saun. Administration telefon srof«. HERAUSGEBER 1 SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR) WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR: DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzelpreis 70hMter (•IntchlliSlIcJiS HalferPorto) 14. Jahrgang Freitag, 4. Mai 1934 Nr. 103 Ein"Volksgerlchtshoff“ der deutschen Tyrannis Ein beispielloses Blutsesetz der Hltlerresleruns Der„Reichsanzeiger" des deutschen FasciS- muü bat zum 1. Mai ein neues Reichsgesetz publiziert, das gegen»Hoch- und Landesverrat" gerichtet zu sein vorgibt, in Wahrheit aber dazu geeignet(und wohl auch bestiunnt) ist, den letzten Rest von MeinuugSsreiheit, den letzten Rest von Möglichkeit, sich über die Negierung und ihre Mas;- uahinen zu äustern, vollends zu erdrosseln. Dieses Gesetz ruft einen..Volksgerichtshof" ins Leben, das aus f ü u f vom Reichskanzler über Vorschlag des Austizministers ernannten Richtern besteht, und zwar aus zwei Berufs- uud drei Laien-Ricblern. Dieser„Volksgerichtshof" wird über drei Paragraphen kurzerhand zu urteilen haben und das llrieil soll in jedem Falle und inappellabel vollzogen iverden. ES gibk keine Berufung und es gibt f a st n u r T o d e S st r a fe. Tie drei Paragraphe lauten: Mit dein Tode wird bestraft, wer es unternimmt, mit Gewalt oder durch Androbnng mit Gewalt das!>i e i ch s g e b i e t ganz oder teilweise einem fremden Stnnte einznverleiden oder ein zum Reiche gehörige« Gebiet vom Reiche loSzu reiften. * Mit dem Tode oder lebenslänglichem Zuchthaus»der Zuchthaus nicht unter fünf Fahren wird bestraft, wer es unternimmt, den Reichspräsidenten oder den Reichskanzler oder ein andere» Mitglied der Reichsregieruitg feiner Verfassung S m ä st i g e n G e w a l t z u b e r a u- den oder mit Gewalt oder durch Audrohnitg von Gewalt oder mit einem Verbrechen und Vergehen zn nötigen oder zn hindern, seine versasfungS- mästigen Vefug»isse überhaupt oder i n e i n e ni b e ft i in in t e n sinn nuSzu- iiben; ferner wer zur Vorbereitung eines hochverräterischen UnternelinienS zn einer ansländischen Regierung in Beziehung tritt oder die öffentliche i Macht mistbraucht oder Mannschaften anwirbt»der in den Waffen einübt. Mit dem Tode wird bestraft, wer eS unternimmt, ein Jtantsgeheinini» zn ver raten. Als Ttaatsgelieinmisse im Zinne dieser Vorschriften gelten dabei Schriften, Zeichnungen, andere Gegenstände, Tatsache» oder Rach-! richten darüber, deren Geheimhaltnng voi einer ausländischen Regierung für das Wohl de» Reiche», insbesondere int Interesse der Landeover- teidignng erforderlich ist. gegen daS das Gewand des griechischen Dralon geradezu zum Sinnbild der Milde und Zartheit wird. Was je Rerouen ersouueu haben löunten, l wird hier zum Gesetz! Volksgerichtshof? Jawohl I Nämlich e i u G e r i ch t s h o f gegen ein ganzes Volk! Tie GoeringS haben es nicht verwunden, das; sie im ReichStagSbrandprozejz doch I noch wenigstens teilweise an die Gesetze einesi zivilisierten Staates gebunden waren. N u n kann jeder h i n g e r i ch t e t werden, der einem der deutschen Zwiugherrcn als.Hochverräter erscheint— oder aber zu erscheinen beliebt.| Tie Frauen deS Mittelalters erscheinen uns eher vor der Gefahr beivahrt gewesen zn sein, als Hexen verrufen, verurteilt und verbrannt zu werden, als' Ter Gcudarnterlkabteilttng in Teplitz-Schö- itnu ist es gelungen, den Porbereituttgen eines Raziverbrechens auf die Spur zn kommen. In der Nacht von Montag auf Dienstag wurden in der Prager Strafte in Teplit? Schöna» Hakenkreuze anfgemalt. Montag früh konnten von der Gendarmerie drei nennzetiniährige Burschen verhaftet werden, die an dieser Aktion beteiligt waren und es darauf abgesehen hatten, einen Spreng- stoffnnschlng gegen die sozialdemolrntischen Demonstranten zn unternehmen. Dnst die Zache sehr ernst war, geht vor allein ans dem Verhör der Gendarmerie und den sofort uorgenommeueu Hatisdnrchsnchnngen hervor. Wir erfahren darüber folgendes: In sehr langen Veratungen und Besprechungen der Nazis wurde der Plan entworfen, am l. Mai Papierbomben zn werfen. Sie halten Rezepte für eine Zprengstofsmischnng, die von der Gendarmerie beschlagnahmt wurde». Go bestand die Absicht, diese Papierboniben mit Dnnnmit und blechernen Hakenkreuzen zu füllen. Gin anderes Rezept deutet darauf hin, das? mau auch mit der sogenannten G l n S ä t? t i h t c arbeiten wollte, nm den der deutsche Bürger von 193-1 gegen die Gefahr, als Hochverräter unter HeukerShand zu kommen. Was dieser Volksgerichtshof anrichten wird, wird die nächste Zukunft lehren. Da st aber dieses i Tribunal errichtet wurde, beweist doch, das; eö um I t»ic Herrschaft des HitlerfascismnS schon.sehr fragwürdig bestellt ist uud das; er seine Sicherheit mit jedem Tag mehr lvanken fühlt I Tas glauben wir, aussprechen zu dürfen, ohne irgendwelche Jllnsio- | neu von einem bevorstehenden Sturz des FaseiS- mns erwecken zu wollen. Aber ein Regime, das die Zügel fest iu der Hand hat, das die graste Mehrheit der Nation nicht nnr hinter sich, sondern beglückt zu haben glaubt, braucht leine solchen Blutgesetze. Tie sind vielmehr die A u ö g e b u r t d e r ?l n g st und des Bestrebens, den fühlbar immer stärler tverdenden Widerstand der Ration gegen ihre Bedrücker durch die weithin sichtbare Aufrichtung neuer Galgen einzuschüchieru. Gin solcher Versuch ist noch nie in der Geschichte geglückt. Hoffentlich scheitert er in Neudeulschland rascher, als daS seine Gewaltmenschen selbst in ihren schreck- listen Träumen sich vvrstellenl ! Teilnehmern an dem Nmzng da» Augenlicht und j die Haut zu zerstören. Tie Burschen, von denen der eine GebietS- ! leiler der nationalsozialistische» Fugend und die andere» Zellenleiter für den Distrikt„Teplili- I Schönau Ost" waren, hatten das Aknster einer solchen Bombe bereits im Feber l. I. ans Teutsch- lnnd erhalten. GS war beabsichtigt eine Bombe von der Ztönigsböhe in die Mühlstraste z» werfen, die zweite sollte non der Gichwnlderstrnste und die dritte von der Granpnergakle an» in die Kundgebung nm Marktplatz geschlendert werden. Tn» geplante Verbreche» ist durch die Mast- \ nahmen der Gendarmerie verhindert worden. Tie Verhafteten werden ans Grund des Gesetzes vom 27. Mai IH85, Zahl 121, über die Anordnung ! gegen gemeingefährlichen Gebrauch von Svrrng- Mitteln nngeklngt werde». Bei den dnrchgesiihrten ! Hausdurchsuchungen wurden auch verschiedene i Zchriften und.Korrespondenzen und eine ganze Liste nntionalsozinlistifcher Bücher an» Deutsch - land beschlagnahmt. Sprensstoffamchlas auf dieTeplitzer Maikundgebung verhindert Dynamit und GlasSta-Tlnie— Zwei Hakenkreuzler verhaftet § 1 ist zweifellos als unerhörte Drohung i gegen alle jene gedacht, die in der T a a r f r a g c anderer Meinung zu sein sich erlauben als die braunen Herren; wer'ich in Zeitungsartikeln oder vielleicht auch nur iu m ü n d-> l i ch e r A e u st e r u n g jedem Versuch einer durch Terror in ihrer Freiheit gefährdeten Abstimmung im Taargebiet entgegenstellen sollte,! riskiert nunmehr seinen Slops! ft 2 entzieht sich überhaupt jeder Möglichkeit einer Interpretation, die nur annäherud alle Delikte nennen könnte, die nach dieser gesetzlichen Bestimmung zu mindestens si'mf Jahren, eventuell aber lebenslänglich und natürlich auch mit dem Tode bestraft Iverden können. Und vollends der d r i t t e P a r a g r a P h b e d r o h t s ch l e ch t- w e g jeden Bürger m i t d e m T o d e, der irgendetwas, irgcndtvo und irgendwie äustert, das der„Volksgerichtshof" als TtaatsgcheinuüS erkennen lvilt. Wer etwa erzählen wird, dast in der Munitionsfabrik in 3i. oder Z. hundert neue Arbeiter eingestellt wurden; kann nach dieser Ae- stinnnung mit dem Tode bestraft Iverden. Alles u n d j e des kann vor diesen Völlögcrichtshof gebracht Iverden! Und tvir brauchen nicht hinzu,;u- sügcn, dast vor diesem Gericht nicht Recht gesprochen Iverden, sondern nur den jelveiligcn Bedürfnissen der naiionalsozialistiscn Thrannen entsprochen iverden wird. Man kann sich denken, lvie die Berufs- uud wie die Laienrichter dieses Bluttri- bunalS beschaffen sein lvcrden! Ter grausamsten Willkür, der beispiellosesten Vcrfolgnngswut, einem in der Geschichte einzig dastehenden Versuch der Unterdrückung jedes Hauches kritischer Gesinnung ist hier ein juristisches Mäntelcbcn umgehnngt, Die Nazi-Niederlage in den Betrieben Berlin, 3. Mai. l Führest.) Von der Wahl der„Vertrauensleute" in den Betrieben werden einige weitere Resultate belaunt, die die grostc Niederlage der Nationalsozialisten bei der Arbeiterschaft erneut bestätigen. Im llltstein Verlag mürben von etwa ■I100 Arbeitern und Angestellten 2l>7<> gültige Ztimmrn für den VertrauenSrat abgegeben: 2030 Ztimmzettcl waren dnrchstrichcn und damit ungültig. Die Wahl wurde unter Aufsicht der-Pcrsonalabtrilnng durchgeführt. Bei der Berliner„BolkSwohlversichernng" erzielte» die NaziS 175 Jastimmen bei einer Belegschaft von rund 5OO Mann. Bei der Dentschen Hollerith-Gesellschaft stimmten von etwa 5OO Beschäftigten ebenfalls nnr 175» mit Ja. Bei PituS, Berlin SO., lehnte die Belegschaft die Mahl überhanvt ab, so das? der Unternehmer sich an den Treuhänder wenden mnftte. I» der Berliner Fabrik von Holz stimmten von 1000 Mann nnr 300 für den Rnzikaudidnten- I» der Schuhfabrik Simson, Slöpenickerstrastr, erhielt der Nazi-Vorsitzende des VertrauenSrnleS von der 73 Mann starken Belegschaft 36, die nächstfolgenden Kandidaten der Liste, die keine Nazis sind, erhielten 5>l), 03 und 60 Stimmen. I» Glanerbnrg, an der holländischen Grenze, beschäftigen die Textilwerke Pvvel n. Go,. 2300 Mann. Davon wählten nur l351. Bon dieser Hälfte der Belegschaft wählten wieder nnr 700 Mann für die Naziliste. „Miesmacher“... Herr Goebbels will einen nrnrii Goup ! landen. Ab Anfang Mai soll eine„umfassende ! Versammtnngo- Propaganda< Aktion" gegen ! d i e„M i e s m n ch c r" beginnen. Gin Troin- ! mrlsener wird, wie die Naziblätter melden, das . Voll gegen diese„Landplage" nnfrütteln, dir, so j dekretiert der Propagnndnchef,„rin für allemal | verschwinden" müsse.„Bis ins letzte Dorf hinein" werde man diese Altion tragen, die, dies wortwörtlich,„alle» bisher Dngcwrsene weit in ! den Sckmtten stellen wird!" Die Unmpngne soll i bis zum 30. Jnni hingrzogen werden! Da bat also daS Regime des Lohnabbaus und des rapiden Wirtschnftöznsninmenbruchs wieder eine Brrnebrlungö-Atrmpnnse, aber wnS wird dann werden'?! Die„MieSmnchrr"— diese anscheinend schon nuheimlich verbreitete„Landplage"— wird man zwar in den KonzentrntionS- höllrn und in de» Gefängnissen verschwinden lassen können, aber was tut man gegen die Wirtschaftslage,, dir, mit und ohne„Miesmacher", tatsächlich von Tag zu Tag„mieser" wird'?! Da hört selbst die Reklamebehendigtrit eines Joseph Goebbels auf! Thomas Trimm verhaftet Berlin, 3. Mai. Der Ehesredallenr. des vom Ullstein-Verlag herauSgegebenen Wochenblattes „Die Grüne Post", Thomas Trimm, ist verhaltet worden. Wie bekannt, veröffentlichte Trimm vor einigen Tagen in dem etwahulcn Blatt einen offenen Brief an Minister Goebbels.' Ende einer deutsch- bflrgcrlidien Illusion Kein Ständestaat in der Tchechoslowakei ES ist einer der grösttcn Fehler im Denken eines grasten Teiles der sndetcudentschcn Bevölkerung, jedes politische Schlagwort, da» im AnSlande entsteht, daS dem besonderen Milieu entspringt, in welchem Deutsche austerhalb unserer Grenzen leben, aufzugreisen, cd in den Mittelpunkt aller politischen Erörterungen zn stellen und von ihm alles Heil zu erwarten. Ein solches Schlagwort ist das des Stände- jl a a t e s. Fast alle dcutschbürgcrlichen Par- teicn haben in den letzten Monaten im Ständestaat das Heil des Deutschtums der.Tscheche, skowakei gesehen und wollte» eine Stäudeorga- nisation deS Sudetendcutschtuinü schassen. So strebt Konrad Henlein an, iu seiner Heimatsront das deutsche Volk schön nach Ständen geordnet zu crsasjen, die Gewerbepartei hat sich rasch als der ossi,zielte Gewerbestand erklärt und auch der Herr Minister Spina ist eine zeitlang als Wan derredner umhergezogeu und hat den deutschen Bauern das Evangelium des Ständestaates ver- kündet. Um nicht den Auschlust zu verpassen, hat der Bund der Landwirte sosort einen Landstand gegründet und nach österreichischem und reichsdeutschem Muster den Herrn Minister Spina zum Führer erkürt. Ebenso erblicken unsere Ehristlichsozialen im Ständestaat ihr politisches Ideal, schon deswegen, weil es ihnen der Papst in der Enznltila„Ouadragesimo anno" anbe- fohlcn hat und weil sic das Beispiel des Herrn Dollsust mit seiner Karikatur einer Versaisnng, die gerade ins Leben getreten ist, so gern nachahmen möchten. Die dentschen Parteien einschliestlich des Herrn Ministers Spina, woraus wir hier besonders nachdrücklich lümveiien möchten, haben alle diese Parolen im luftleeren Raum geschmiedet Sic haben die Ideologie deü Auslandes kritiklos übernommen, ohne auch nur einen Augenblick darüber nachzudenken, das; cs bei der Verwirk- lichung des Ständestaates doch nicht nur ans dir Sudctendeutschen ankomme, sondern das; man beim Nachjagen hinter solchen Phantasien doch auch berücksichtigen müsttc, wie sich das tschechische Volk zu vijicr derartigen Ideologie stcilt. Ta kann man nur sagen, das; auster dem einen Flügel der Tschechisch-Klerikalen kein Mensch im tschechischen Volke sich um den Ständestaat lüm inert und das; mau im tschechischen Volke mit der Idee des Ständestaates kaum einen Hund hinterm Ofen hcrvorlocken kann. Vor allem mus; man feststellen, das; dir grösste bürgerliche Partei des tschechischen Volkes, die tschechischen Agrarier, mit denen doch Herr Minister Spina schon längere Zeit im Verhältnis der Symbiose lebt, von irgend einet Ständegliederung nichts wissen wollen und an der Demokratie sesthallrn. Zu den Stinuuen aus dem tschechisch-agrarischen Lager, welche für die Aufrechterhaltung der Demokratie sich einsetzcn, sind in den letzten Tagen noch zwei gewichtige getreten. Die eine ist die des amtierenden Vizepräsidenten der tschechischen Agrarier, des Abge ordneten B e r a n, der sti einer Rede dieser Tage gesagt hat, das; die Tschechoslowakei nur „auf der Basis der Verständigung zwischen Landwirten, Arbeitern, Gewerbetreibende» uud Intelligenzlern" leben kann, mit anderen Worte», das; gegenwärtig nur eine dcuiokratische Koalitionsregierung in der Tschechoslowakei möglich ist. Wir möchten aber insbesondere die Worte des Abgeordneten Beran unterstreichen, wo er davon spricht, das; in Oesterreich nicht nur der Marxismus geschlagen wurde, sondern dast dort auch die Bauern und Ehristlichsozialen verspielt haben und heute nur Fürst Slarhemberg regiert, der den HabSburgern den Boden vorbereitet Im FaseiSmns ist eben nicht nur eine sozia- listische, sondern auch eine Agrarpartei nicht möglich. FaseiSntuS bedeutet auch das Ende der Sette 2 TVrritrtfl.-1. Mai 1034 Nr. 103 Buddel des Völkerbundes 31 Mill. Schweizer franken Grus, 3. Mai. Dir Kontrollkommission des Völkerbundes. deren Vorsitzender schon einige Jahre der tschechoslowakische Gesandte in Paris Dr. Osnskt) ist, hat heute ihre Arbeiten abgeschlossen. Die Kontrollkommission genehmigte die Rechnungsabschlüsse ans den Jahren 1933 und 1034. Außerdem genehmigte sie den Budgetvor- anschlag für das Jahr 1935. Dieser- Budget ist um 350.900 Schw. Franken niedriger als das Budget des laufenden Jahres. Das Budget für das Jahr 1934 betrug insgesamt 30.827.895 Schw. Franken und zwar für alle Institutionen des Völkerbundes, d. i. für das Internationale Arbeitsamt in Genf, für den ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag und für Politik einer demokratischen Bauernklassc. Diese Stellen der Rede empfehlen wir zur eifrigen Lektüre deni Herrn Minister Spina und allen seinen Parteifreunden. Eine zweite gewichtige Stimme, die in der Agrarpartei dieser Tage für die Demokratie laut geworden ist, ist die des Ministers Doktor H o d Z a. der in Prcßburg die von verschiedenen Seiten geforderte Vcrfassungsresorin abgclehnt hat. Dr. Hodja sieht keine Ursache, die Verfassung ohne ernsthafte Notwendigkeit zu reformieren und er hob hervor,„daß keine tschccho- slowakische Regierung mit unserer tschcchoslowa- kischen Versassung herumerperimentiercn wird". Diese beiden Stimmen verpslichtcn die tschc- chische Agrarpartei, die da mit Nachdruck erklärt, daß sic den Boden der Deuiokratie nicht verlassen will. Ta dies auch von anderen Regierungsparteien gilt, so ist mit irgend einer Aenderung der Verfassung, die an dem demokratischen Grund- charaktcr der Republik rütteln würde, nichts und erst recht nichts mit irgend einer Umwandlung der Tschechoslowakei in einen Ständestaat. Die dcutschbürgerlichcn Parteien werden also gut daran tun, derartige Ulusionen zu begraben, weil sie das sudetcndeutsche Volk damit in die- selbe Sackgasse stihren würden, in die Teile der deutschen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten und die Deutschnationalen gelangt sind. Der Bund der Landwirte wird im besonderen in seinen eigenen Reihen Klarheit schassen.müs- sen und cs wird die Pflicht seines Führers sein, das Kokettrieren mit irgend welchen ständischen Ulusionen sein zu lassen. Die Sozialdemokraten haben von Anfang an das Schlagwort des Ständestaates als eine Illusion betrachtet. Sie haben, wie so ost in der Geschichte des sudctendeutschen Volkes. Recht behalten. Wir hoffen, das; die politische Erziehung, die das sudetcndeutsche Volk durch das Versagen der dcutschbürgcrlichrn Politik erhielt, zu der Er- kenntnis führen wird, das; in diesen schweren, chaotischen Zeiten die deutsche Sozialdemokratie die Entwicklung der politischen Verhältnisse nicht nur ain besten vorausgeschcn, sondern das; sic auch die Interessen des deutschen Volkes am wirksamsten vertreten hat. Sozialistische Jugend I und Arbeitshilfe Eine EntschlleBung des Verbandstages Ter Verbandst«« des Sozialistischen Jngcndverbandes nahm einstimmig.die folgende Entschließung zur Arbeitshilfe an. Eine gleichlautende Entschließung faßte der zur selben Zeit tagende Zentralausschuß der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterjugend. Die aus ihrem Verbandstag in Konwtau vom 28. bis 30. April 193-1 versammelten Funktionäre des sozialistischen Jugendvcrbandc» verweisen mit größtem Nachdruck auf da» Problem der arbeitslosen Jugend, deren Zahl an die 290.999 erreicht hat. Da» bedeutet eine große Schicht der jungen Menschen, die durch da» heutige Wirtschaftrshstem aus der Arbeit und dem normalen Leben überhaupt ausgeschaltet wurden. Dieser Zustand ist auf die Dauer im Interesse der Betroffenen, nicht zuletzt aber auch aus wirtschaftlichen und stattSpolitischcn Gründen unhaltbar. Wir verlangen daher, daß zur Rettung dieser Jugend alle» unternommen werde, was in den Kräften des Staate» und der Wirtfchaftsfaktoren steht. Besonder» aber, daß jede» sozialpolitische und wirtschaftliche Eingreifen der Regierung und der einzelnen Ministerien auch unter dem Gesichtspunkte der heutigen Situation der arbeitenden Jugend und unter dem Gesichtswinkel ihrer Eingliederung in den Arbeitsprozeß betrachtet werde.• Bei den praktischen Forderungen konzentrieren- wir uns auf folgende Sofortmaßnahmcn: 1. Mit Tank verzeichnen wir die Arbeit aller Stel len, besonders des Ministeriums für soziale Fürsorge bei der Hcimstättenaktion für die Arbeitslose Jugend. Wir fordern ihre zweckmäßigere Ausstattung in der Richtung der pädagogischen Bedeutung diese» Zwecke». Bisher war die» die größte Aktion für die arbeitslose Jugend, welche unmittelbar wirkte und die Unterstützung der Lefsentlichkeit verdient. Für die UebergangSzclt im Sommer verlangen wir die Errichtung von Aächtigungsstätten in den größeren Orten al- dringende Forderung zur Rettung der physischen und moralischen Gesundheit der Jugend. 2. Wir sind für jede geeignete Maßnahme, welche der Jugend Arbeit gibt. Wir stehen positiv zu den Arbeitsgemeinschaften der Jugend al» einer frei« tvilligen und vorübergehenden Einrichtung init der gesicherten Bestimmung, daß neben der Arbeitsleistung aus Erholung und Erziehung der Jugend Bedacht acnommcn wird, daß ferner diese Aktion Nerabsdzunf der Wasserkraltstcuer Ein Initiativantrag der Koalition. Im Parlament lvurdc gestern ein Initiativantrag der Koalitionspart eien auf Novellierung der Wasserkraftstcner vorgelcgt. Demnach soll die Wasserkraftstencr künftig mit einer Grundsteuer von 1 Heller pro Pfcrdelraft und Stunde und einem weiteren Zuschlag von 1 Heller bemessen tvcrdcn; der Zuschlag soll durch Regierungsverordnung aufgehoben werden, sobald die Belastung der gleichen kalorischen Energie durch die analoge Kohlcnstcuer unter diesen Betrag sinkt. Ferner soll auch der Kreis jener Was- scrkraftwcrkc, die von der Steuer befreit sind, ausgedehnt werden. an die ordentliche Arbeitsvermittlung anschließt, damit insbesondere die manuell arbeitende Jugend jederzeit in ihre normale Beschäftigung eingereiht lvcrdcn kann. Wir sehen dabei voraus, daß die Aufsicht über diese Aktion da» Ministerium für soziale Fürsorge haben wird. Diese Maßnahme scheu wir al» eine Teilaktion an, und lehnen e» entschieden ab, daß damit das Problem der Jugend als gelöst betrachtet iverden könnte. 8. Unentgeltliche ärztliche Untersuchung der arbeitslosen Jugend. 4. Verpflichtung zur Beschäftigung der ausgclernten Lehrlinge ein Jahr nach der Auslehre. 5. Ordentlicher Lehrvertrag und Festsetzung de» Verhältnisse» der Lehrlingszahl zur Zahl der Arbeiter in den einzelnen Betrieben, um so teilweise die rücksichtslose Ausbeutung der LehrlingSarbeit einzudämmen. 6. Erweiterung der Aspirauteuaktion, welche durch geeignete gesetzliche Maßnahmen der studierenden Jugend zum Teil Unterkunft in die Privatwirtschaft verschaffen soll. 7. Hinaussetzung de» schulpflichtigen Alter» aus das siebente Lebensjahr. 8. Verkürzung der Arbeitszeit und Kontrolle der Ucbcrslundenarbeit. 9. Verbot der Beschäftigung von Pensionisten und Pensionierung der Ucberaltertcn, da c» sich in der Mehrzahl der Fälle nicht um Svezialkräftc handelt. 10. Bei produktiven und Juvcstitionsarbeiten des Staates und der anderen öffentlichen Körperschaften ist die Jugend mit. einem bestimmten Prozentsatz zu berücksichtigen. 11. Sicherung der Wiederaufnahme der vom' aktiven Militärdienst zurückkchrcnden Soldaten in den Arbeitsplatz. 12. Verkürzung der Präsenzdicnstzcit für jene, die in der sogenannten dritten Klasse assentiert wurden. Diese Forderungen stellen die Summe jener Einzelforderungen dar, durch deren Erfüllung die Situation der arbeitslosen Jugend wenigsten» zum Teil gebessert werden kann. Der Sozialistische Jugendverband wird in enger Kampfgemeinschaft- mit den befreundeten Organisationen alle Kräfte dafür ein- srNen, daß durch die Vcnvirklichung dieser Forderungen der von der Krise schwer heimgesuchten jungen Generation rasche und möglichst wirksame Hilfe gebracht werde. Die Steuer hatte ursprünglich zusammen mit dem Zuschläge 8 Heller betragen und wurde allmählich bi» auf 5 Heller herabgesetzt. Der Motiven- bericht führt an, daß ursprünglich die Kohlensteuer etwa fünfmal so hoch tvar, al» die Wasserkraftsteuer; seither sei die Kohlensteuer bereitradikal abgebmit worden, und ztvar von 43 auf 10, bzw. 7 Prozent. Au» genaue» technischen Daten gehe hervor, daß die durchschnittliche Belastung einer aus Kohl« gewonnenen Pserdekraft-Stunde heute nicht mehr al- 0.83 Heller betrage. Heute betrage also die Wasserkraftsteuer bereits das Fünffache der K o h l e n st e u e r, während das Verhältnis seinerzeit umgekehrt war. Tie Besteuerung der Wasserkraft sei heute also 25mal so ungünstig wie seinerzeit, al» die Wasserkraftstcner ausdrücklich als Aequivalent für die Kohlensteuer geschaffen wurde; da- widerspreche absolut den seinerzeitigen Motiven des Gesetzgebers. Nassagegesetz teilt wieder an den Senat zurück Prag, 8. Mai. An der Vorlage über die Konzessionicrung des Massagcgcwerbcs, die den berüchtigten großstädtischen Massagesalonö ein Ende machen soll, hat bekanntlich der Gewerbeausschuß verschiedene Acndcrungcn vorgcnommen. Diese betreffen, wie heute der Referent im Plenum de» Hauses anführte, u. a. die Massagekonzession für öffentliche Bäder, die auch an Gemeinden und humanitäre Korporationen etc. erteilt werden kann, falls diese einen geprüften Masseur al» Leiter einsctzen. Von der strikten Vorschrift, daß Körpermassage nur an Personen d« s s elben Geschlechtes vorgenommen iverden darf, sollen die Bezirksbehörden in begründeten Fällen(Gesichtsmassage etc.) A u s n a h in e n bewilligen können, falls jeder Mißbrauch ausgeschlossen erscheint. Ferner soll die Konzession auch an Personen erteilt werden können, die keine feste BetriebSstätte haben, sondern das Gewerbe von Haus zu Hau» auSiiben wollen. Die Vorlage wurde, nachdem zwei kommunistische Redner vorwiegend über den 1. Mai gesprochen hatten, in beiden Lesungen angenommen. Sie geht jetzt wieder an den Senat z u r ü ck, der sich nun neuerdings mit den vom Parlament vorgenommenen Acndcrungcn zu befassen haben wird. zollermflOlgungen für Maschinen Bei der Verhandung dec! Vorlage über Zollermäßigungen für Maschinen und Apparate, die im Inland nicht erzeugt werde» und die zur Einführung oder Vervollkommnung eines Zweiges der industriellen oder landwirtschaftlichen Produktion notwendig sind, erklärte der Referent, daß cs sich um die Verlängerung eines Gesetzes, das bereits seit 1025 besteht, auf tveitere drei Jahre handelt. Die Zollermäßigungen betragen 15, 20 und 25, bei Traktoren und Motorpflügen 80 Prozent. In den acht Jahren der Wirksamkeit des Gesetze» erreichen die Ermäßigungen den Betrag von 375.5 Millionen Ki. Den Höchststand erreichten sie im Jahre 1030 mit 75.2 Millionen XL; im Vorjahr ivarcn es bezeichnenderweise nur niehr 10 Millionen! Auch hierin spiegelt sich die Wirtschaftskrise deutlich wieder. In der Debatte verlangte der tschechische Genosse Dr. M a c e k eine grundlegende Reform unsere» Zolltarif». In den Inkompatibilitätsausschuß wurden dann je vier tschechische Agrarier und Sozialdemokraten, drei Nationalsozialisten, je zwei Tschechisch- und Slowakischklerikale und zwei Komunisten, und je ein Nationaldemokrat und Gewerbcparteiler, von deutscher Seite ztvei Sozialdemokraten(Hackenberg und K a u f m a n n), ein Landbündler(Viereckel),«in Christlichsozial«r(Dr. Luschka) und schließlich noch ein ungarischer Abgeordneter gewählt. Der Rest der Sitzung war mit Jmnmnitäten ausgefüllt. Die Vorlage über den Mil ch aus« gleich sfonds wird erst in der nächsten Sitzung morgen um 11 llhr ins Plenum kommen. Bis dahin soll in Verhandlungen zwischen dem Präsidium und der Regierung noch entschieden Iverden, welche Vorlagen eventuell noch vor der Präsidentenwahl dem Hause vorgelegt werden I sollen. Unsere Töchter, ehe Nazünen Roman von Hermynia Zur Mühlen Im Städtchen tauchte auch eine neue Partei auf; ihre Mitglied rewarcn kleine Krämer und einige Lausbuben, die nie gut getan hatten. Auch der Apotheker von der Sccapothcke gehörte zur Nationalsozialistischen Partei; der vom„Blauen Engel" hingegen war Demokrat. Die Mitglieder der Partei liefen mit einem großen Abzeichen, dem Hakenkreuz, herum, und brüllten und johlte». Sie redeten imnier vom„Führer", und das gefiel denen, die nicht selbständig denken, sondern nur geführt werden wollten. Auch der Ausläufer der Meierei war ein Nationalsozialist. Ich kam einmal mit ihm ins Gespräch und fragte ihn nach dem Progranim seiner Partei aus. Er gab mir eine lange Antwort, aber ich begriff ihn nicht recht, denn anscheinend versprach diese Partei allen Menschen alles: den Arbeitern, den llicternchmcrn, den Kleinbauern und den Junkern. Als ich dann noch ein paar Fragen stellte, wurde der Adolf böse und schrie:„Wir sind die einzige Partei, die sozialistisch und deutsch ist. Wir lvcrdcn das Judengesindel zum Teufel sagen." Auch das verstand ich nicht, denn es gibt doch Juden und Juden, genau Ivie cs Christen, der Adolf sagte„Arier", und Christen gibt. Ich wollte noch mehr wissen, aber der Adolf lvurdc nur puterrot im Gesicht und brummte böse:„Daö ist das Geheimnis des Führers. Wenn er an die Macht lommt, so gibt cs in drei Tagen keine Not mehr." Ich muß lvohl ein recht ungläubiges Gesicht gemacht haben, denn der Bursche schrie unvermittelt:„Auch mit den Marxisten lvcrdcn lvir aufräumen. Die haben das ganze Elend verschuldet, zusammen mit dem Juden." „Du bist ja ein Trottel, Adolf", rutschte es mir heraus, und eigentlich war das nicht so arg. I denn ich hatte ihn schon gekannt, als er vier Jahre alt war. „Reden Sic nur so weiter, Frau Gruber", schrie er.„Sic lvcrdcn noch etwas erleben." lind dann fügte er großartig hinzu:„In unserer Partei haben wir auch Grafen und Prinzen, nicht nur Proleten." Ich sagte nur:„Und ihr wollt eine Arbeiter-! Partei sein 7" Der Adolf jedoch zog es vor, ohne ein weiteres Wort zu gehen. Am folgenden Morgen aber war meine Haustür mit einem großen Hakenkreuz beschmiert. Ich lvusch es ab und dachte mir:„Auch ihr werdet ebenso leicht verschwinden, wie dieses Hakenkreuz unter dem Schwamm verschwindet." Eigenthlich wunderte cS mich, daß der Doltor Feldhüter sich nicht der neuen Partei anschloß. Er spielte gern den großen Mann, und sprach immer davon, daß die Deutschen das weiseste, edelste und größte Volk der Erde sind. Mein Anton lachte, als ich ihm das sagte:„Der will sich nicht festlcgen. Der wartet ab. Und wo die Macht ist, dort geht er hin." Damals kränkelte mein guter Mann schon seit einiger Zeit, und die Arbeit im Betrieb siel ihm schlver. Der Doktor Bär machte ein ernstes Gesicht, und mir lvurdc bang umS Herz, lvcnn ich sah, lvic mager und blaß niein Anton war. Aber er hat nie geklagt und hat eifriger als zuvor in der Partei gearbeitet. Hat auch versucht, unsere Toni weiter zu bilden,— damals ist sic schon in die Fabrik gegangen. Aber die Toni hat immer etwas zu kritisieren gehabt:„Warum geschieht das, und tvie kann jenes zugelassen werden?" BiS- lveilcn habe ich gemerkt, daß meinem Anton die Antlvort schlver gefallen ist. „Ein jeder macht Fehler, mein Kind", hat er erwidert.„Wo Menschen sind, mcnschclt es. Warum nicht auch bei uns?" „Und Rußland", hat die Toni eingcworfcn. «Die dort haben cs anders angcpackt." Mein Anton hat die Toni angcschaut, mit einem fast spitzbübischem Lächeln. Er hat ja gewußt, woher diese plötzliche Begeisterung für Rußland stammte. Und auch ich habe lächeln müssen. Die Toni ist rot geworden, und hat trotzig den Kopf zurückgcworfen. „Lacht nur, der Scppcl hat doch recht." Und dann haben wir zwei Alten noch mehr lachen müssen, weil unser Kind sich so verraten hat. Aber ich hab' eS vielleicht besser verstanden, als mein Anton. Der Seppel Schneider, der junge Kommunist, lvar ein lieber Mensch und ein hübscher Bursche, und unsere Tochter war ja erst sechzehn Jahre alt, da glaubt man leicht, tvas ein Mensch sagt, den wir lieb haben. Der Seppel war Bootsmann, er arbeitete bei dem Franz Hafner, der fünf Ruderboote besaß, und im Sommer ruderte der Seppel die Fremden auf den See hinaus und lernte allerhand Menschen kennen. Er sprach sogar ein wenig Englisch, und das imponierte nnserer Toni.• Ich freute mich,«venu die beiden zusammen waren, und machte Pläne für ihre Zukunst. Der Scppcl hatte so etwas Frohes und Freies an sich, der wäre gerade der rechte Mann für unsere Toni, die immer alles so schwer nahm und sich mit Fragen abplagtc, die mir nie in den Sinn gekommen wären. Dieser letzte Sommer, den ich mit meinem Anton verlebte, war ganz besonders schön. Wenn ich heute daran zurückdenkc, so kommt es mir vor, als habe es überhaupt keinen schöneren Sommer gegeben. Immer schien die Sonne,»nd die kleine Stadt machte einen feiertäglichen Eindruck. Abends gingen wir ost an den See und saßen lange auf einer Bank. Die Wellen rauschten ganz leise, und der Mond stieg hinter den Bergen auf, und das große Wasser leuchtete wie Silber. Oft vergaß ich, daß ich eine kleine alte dicke Frau bin, die daheim eine große Tochter hat und fühlte mich lvic ein junges Mädel, wie damals vor vielen Jahren, als mein Anton und ich noch Liebcslcutc waren. Er wurde auch gesprächiger. Wir redeten über viele Dinge, und ich freute mich, daß ich ihn so gut verstand. Nur wenn wir von Toni sprachen, wurde er ernst. „Ich mach mir Sorgen um das Mädel," sagte er häufig.„Nein, nicht wegen des Seppcls, aber sonst. Sie ist ein Mensch, der keine Enttäuschung aushält, und ist ein richtiges Frauenzimmer, das Menschen und Dinge nicht aus- einandcrhalten kann. Vielleicht wird sic dir noch viel Kummer machen, Kati. Aber du mußt eben Geduld mit ihr haben. Sie wird sich schon wieder zurecht finden." Damals erschrak ich sehr, weil mein Anton „Du" sagte und nicht„lvir". Als ob er nicht mehr da sein würde, um der Toni und mir zu helfen. Ich wußte ja nicht, waö er wußte; daß sein krankes Herz jeden Augenblick zu schlagen aushören konnte. Er hatte den Doktor Bär gebeten, es mir nicht zu sagen. Ich hätte cs ja wissen können, denn jcdcömal, lvcnn mein Anton in die Arbeit ging, nahm er von inir Abschied, als sei es für immer. Aber ich merkte nichts, und lvar froh, daß er nach so vielen Jahren noch so zärtlich zu mir war. So kam der Winter. So kam der schreckliche dritte Jänner. Es lvar am Morgen. Toni war schon in die Arbeit gegangen. Mein Anion wollte aufstchcn. Da sagte er plötzlich: „Ich weiß nicht. Kati, ich fühl mich so schlecht. Ich glaube, heute lvird cS nichts mit der Arbeit sein." Er setzte sich im Bett auf und preßte die Hand ans Herz. Ich lief zu ihm hin und hielt ihn fest. Er stöhnte ganz leise. „Mir wird so schwarz vor den Augen." Und dann lag er mit einem Male ganz schlver in meinen Armen, lvcih lvic eine Wand, mit aufgerissen erschrockenen Augen und gab keine Antwort. (Fortsetzung folgst) Freitag, 4 Mai 193a Seite 8 Nr. 103 Stefanlkfeier Im Rathaus Prag, 3. Mai. Die unabhängige Vereinigung tschechoslowakischer Legionäre, das Siefänil- Kolleg und einige andere Organisationen veranstalteten am Donnerstag nin 10 llhr in dem bis gum lebten Platz gefüllten Sitzungssaal des Altstädter Rathauses zum Andenken an den In. Jahrestag des tragischen Todes des Generals Dr. Miloslav Rostislav Stefänik eine Traucrfcicr, an der der Präsident des Abgeordnetenhauses Doktor Stanek, der Präsident des Senates Dr. Soukup, Vertreter der Wehrmacht, der staatlichen autonomen Behörden, des tschechoslowakischen Nationalrates, der Hauptstadt Prag sowie Korporationen und Vereine usiv. teilnahmen. Nach einer Eröffnungsansprache des Bürgermeisters von Jn- nerprag Jng. Rotnägl, der eine kurze Charakteristik Stesäniks gab und dessen Verdienste für den tschechoslowakischen Staat hcrvorhob, ergriff Minister für Landwirtschaft Dr. Milan HodZa das Wort. Henlein mit seinem Hauskomponisten Czapka auf dem Wege zur BoltSgemcinschaft Die Pressestelle der Sudetcndeutschcn Hci- matfront gibt über den Verlauf der Maifeiern der Hcnlcinsront ein im schnmlstigen Hitlcrslil gehaltenes Kommuuiquce heraus, in dem von 300 Versammlungen am 1. Mai die Rede ist, an denen 60.000 Mitglieder und Anhänger der Hcnlcin- bcwcgung tcilgcnommcn haben sollen. Diescü0.000 könnte man Henlein, der von Hitler gelernt hat das Maul aufznreißen, noch verzeihen, aber das; ec die Oeffentlichkcit auch beibringen will, daß diese 60.000„im Geiste vereint und einig, bereit seien für die echte Gemeinschaft aller Aufrcchlen unseres Stammes einzustehen und zu kämpfen", ist dennoch in Anbetracht der Zustände im deutschen Lager, ctivaS zu starker Tabak den er da verabreicht. Darüber kann man nicht einmal lachen und würde nicht weiter unten zu lesen sei», das;„Helle Begeisterung, tadellose Zucht und Ordnung" herrschte, so lväre der Maifcicrbericht der Pressestelle geradezu erschütternd ob seiner Naivität. So aber liest man, das; die Maibotschaft des„Führers" von der Schallplatte in allen Versammlungen zur gleichen Zeit übertragen wurde, daß Festspruch, beste deutsche Arbeiterdichtungen und der eigens für den Festtag komponierte«Sudetendeutsche Marsch" von V. Czapka allerorts begeistert ausgenommen worden ist.„Allen Schiebungen alter Partcibonzcn zum Trotz," sagt Henlein in seinem Kommuniquce,„marschiert die SHF lvciter zur Volksgemeinschaft." Kein Wunder, wenn der Czapka den Marsch dazu bläst. Erhöhte Beschäftigung in Mähr-Ostrau Mährisch»Ostrau, 8. Mai. Dem Ausweis des allgemeinen Arbeitsamtes in Mährisch-Ostrau zufolge hat sich der ArbeitSmarkt im Ostrauer Gebiet während des Monates April bedeutend gebessert, da die Hütten-, Eisen-, Mäschincnindustric und die Gießereien in ihren Erzcugungsprozeß allmählich Arbeiter eingeschaltet haben, die sich bisher auf Wcchselurlaub befanden. In einer ganzen Reihe von Unternehmungen wurde die Erzeugung erweitert und eine zweite nnd dritte Schicht eingesetzt, oder aber die Arbeitszeit auf sechs Tage in der Woche erhöht. Wohin gehört er?! Erscheint dcr„Tep- l i tz« Schönauer Anzeiger" eigentlich i n d c r R c p u b l i l? Wohl nur sehr versehentlich. Denn er fühlt sich anscheinend voll und ganz als eine Filialabteilnng des Gocbbelschen Reichs- propagandaministerinms! lieber sämtliche M a i- feiern in der Tschechoslowakei berichtet, das kaum noch getarnte Hitlerblatt einspaltig in i n S g c s a in t 2 7(in Worten siebenundzwan- zig) ZeilenI lieber die Berliner Feier auf dem Tc in pel Hofer Feld hingegen jubiliert der„Anzeiger" dreispaltig in insgesamt 202 Z e i l e n I Kommentar? Rein, der ist hier überflüssig I Gesetzliche Regelung der Frage der Schuh- Reparaturwerkstätten? In einer Beratung der ioalicrtcn Parteien des Gcwerbcauöschusses wurde gestern über eventuelle Maßnahmen in Sachen der Schuhreparaturwerkstätten(Bata?) verhandelt. Ter Vorsitzende wurde ferner auch ermächtigt, beim Gesundheitsministerium in Sachen der Zahntechniker einzuschrciten. Fascistische Preisbildung Rom, 3. Mai.(Stefanie.) Die italienische Regierung und die Organe der fascistischen Partei schreiten rücksichtslos zur Realisierung der von ihnen geplante» Preisherabsetzungen. In einigen Städten verfügten die Behörden die Schließung der Geschäfte und Gasthäuser, die ihre Waren zu Preisen verkauften, welche der kürzlichen Preisherabsetzung im Großhandel nicht entsprachen. Eine ganze Reihe von Geschäftsleuten wurde mit Strafen belegt, einige wurden vorS Gericht zitiert. Der Generalsekretär d. fasctstischcn Partei richtete an alle Provinzsckrctariatc ein Rundschreiben, in dem bekanntgegcbcn wird, daß erforderlichenfalls unter Mitwirkung der lokalen Behörden ein besonderer Aufsichtödicnst über die Preise im Kleinhandel, die mit den Großhandelspreisen im Einklang zu bringen sind, organisiert werden wird. Der Vertreter des Dollfuß wird angejubelt! Ein Ochs im Mittelpunkt der„Begeisterung". Die äußerst spärliche, von der Bevölkerung ignorierte Huldigung der Regierung durch die Stände, hatte eine einzige Ausnahme, wo die Wiener auf ihre Rechnung kamen. Im Zuge marschierte die JnnungSgcnossenschaft der Fleischer und Selcher. Mit Wiener Fiakern suhrcn die Herren Ständcführcr dieser Zunjt, hinter ihnen marschierten die Lehrlinge und Gehilfen und als Abschluß auf einem blumengeschmückten Wagen stand ein prächtiger Ochs. Durch die eineinhalb Stunden als äußerst schütter der Zug der Stände vorbciging, war Ruhe, ein eisiges Schwei- gen. Dies löste sich jedoch, als dicZunjt der Mischer mit dem prächtigen Ochsen vorbcizog. Hier waren die BcgeisterungSrufe der Wiener echt die schrien:„Heil Dollfuß! Hoch die neue R e g i c r u n g!" So brachte unbewußt der Ochs Leben in die schweigsame Masse. Wo der Ochs zu sehen war, hörte man„Heil Dollfuß" schreien I Die Kinder bei der Huldigung i m S t a d i o n. Das Stadion war schtvach besucht. Die überwältigende Mehrzahl der Kinder demonstrierte dadurch, daß sie van den Stäbchen, auf denen Fähnchen mit dem Krukenkrcuz angebracht waren, die Fähnchen abrisscn und die leeren Stäbe trugen. Keine F c st a b z e i ch c n, keine Festschriften, keine Fähnchen, die von Hunderten angeboten wurden, konnten verkauft werden. Die Bevölkerung lehnte spontan den Kauf ab. Feuergefecht mit Heim atschüt zlern Wien, 3. Mai. Amtlich wird mitgetcilt: Am 1. Mai lvurde auf der Straße zwischen Bad Ischl und Ebcnscc im Salzkammergut eine Schutzkorpr- I streife beschoßen. Die Streife crlvidcrte das Feuer. | Bei diesem Fcucrgcfccht wurde der Führer der Schutzkorpslcutc Mahlknccht durch einen Brustschuß I getötet. Habicht protestiert Berlin, 3. Mai. Der nationalsozialistische LandcSinspcktor für Oesterreich, Habicht, gibt einen Aufruf heraus, in dem er heftig gegen die neue österreichische Verfassung protestiert. In dem Aufrufe heißt eS u. a.:„Im Namen des Volkes von Oesterreich erhebe» die Vertreter der NSDAP vor dem ganze» deutschen Volke und der Welt flammenden Protest gegen die allen Bestimmungen der alten Verfassung hohnsprcchcndcn Erklärung einer neuen Verfassung. Diese neue Verfassung entstand mit Mißbrauch dcS Namen Gottes durch eine kleine Gruppe von Parteipolitikcrn und politisch Ehrgeizigen. Er bedauert, daß sich die Kirche für ein Werk mißbrauchen läßt, das im Volke verhaßt ist und nur mit tyrannischer Gclvalt durch eine Atmosphäre der Denunziationen und wachsenden Unfrieden erhalten werden kann. Die NSDAP Oesterreichs als„wahre" Vertreterin des deutschen Volkes in Oesterreich und Hüterin aller seiner unabänderlichen geschriebenen und ungeschriebenen Rechte ist eisern entschlossen, den Kampf solange fortzuführen, bis Oesterreich wieder eine Regierung hat, die auf unbestrittenem Ncchtsbodcu steht und vom Vertrauen des Volkes getragen wird. Bene§ über die karpathorussische Autonomie Zeidler- K»nerSdorf und -Niedereinsiedel eingctros- im Nu der große geräumige Aast» gefüllt. Straße Im Roosevelt stellt Betriebe ein New Bork, 3. Mai. Angesichts der Ucbercr- zcugung in der amerikanischen Kunstscidcnindu- strie, die die Mehrheit der Unternchinunge» zlvingt, mit Verlust zu arbeiten, hat die Code- Behörde für die dritte Mai-Woche die Einstellung der Betriebe angeordnet. 1)00 Fabriken mit 30.000 Arbeitern lvcrdcn davon betroffen. Normalerweise würden 80.000 Arbeiter zur Untätigkeit gezwungen, doch ist bereits durch freilvilligc BetriebSeinschränkungen, die vor einiger Zeit erfolgten, die Zahl der Arbeiter um 20.000 herabgesetzt worden. Trotzki interniert Paris, 3. Mai. Es bestätigt siä>, das; Trotzkij bis zum Ablauf der AuSweisungsfrist von keinem Lande eine Einreisebewilligung erhalte» hat. Die Anträge auf Einrciscbclvilligung wurden von Trotzki unter Kontröllc der französische» Regierung gestellt. Infolgedessen hat die französische Regierung nunmehr beschlossen, Trotzki in einer 300 Kilometer von Paris entfernten Ortschaft, deren Namen noch nicht bekannt gelvorden ist, eine streng überlvachte Zwangs-Residenz anzulvciscn. Inzwischen hat Trotzki weiterhin die Pflicht, sich nm die Einreise»ach dem Auslände zu bemühen, lvobci sich seine Anträge insbesondere auf sndamerika- nischc Staaten erstrecke» dürfte. zeitigen augenblicklichen Autonomie dies mit Rücksicht auf die magyarische und jüdische Minderheit, welche aus der Zeit des alten Regimes wirtschaftlich und politisch besser auSgestattet war, bedeutete, den Weg für eine nichtdcmokratischc Negierungsweise frcizumachen. Die Minderheit hätte die Mehrheit beherrscht. ES Ivar Pflicht der demokratischen Prager Regierung, vorerst langjährige politische, wirtschaftliche und kulturelle Vorbereitungen zu treffen, Volksschulen zu errichte», die Bildung der VolkSmassen, die Organisation der politischen Parteien, der öffentlichen Administration. des öffentlichen Gesundheitswesens, der kirchlichen Organisation vorzubcreiten, mit einem Worte die Grundvoraussetzungen für die autonome Volksregicrung zu schaffen. Nur so kann die Durchführung der Autonomie dauernden Erfolg Haben- Schließlich befaßte sich der Minister noch mit der künftigen Stellung der Magyaren Karpatho- rußlands, worüber er u. a. nachstehendes sagte: Die magyarische und jüdische Minderheit müsse unvcrlürzte MinderhcitSrcchte erhalte». Das magyarische Element Hal damit zu rechnen, das; die Herrschaft über dieses Land nicht mehr in die Hand der magyarischen Minderheit gelangen werde, das; cS aber aller Minderheitsrechte teilhaftig sein w i r d. und daß in diesem Sinne die magyarische Kultur respektiert werden wird. Große Menschenmengen ans den Schluß der Bcr» Saale selbst lvaren Uber Die Sänger eröffneten Senator Genosse R e y z I Kaplitz.. Die tschechische» und deutschen Arbeiter des Bezirkes Koplik deuionstrierlen am l. Mai geineinsain am Ringvlatz für die sozialdemokratischen Forderungen. Eo sprachen für die Deutschen Abg. Gcuolse Dietl, für die Tschechen Genosse P a r t l i» g. Unter bester Begeisterung wurde die. bekannte Mairesolution angenomnien, worauf die Arbeitersänger mit dem wuchtigen Chor„Die rote Fahne" einsetzten. Ullstein-Verlas liquidiert Berlin, 3. Mai. Der bekannte llllstcin-Bee- lag soll, wie in offiziellen Kreisen verlautet, in der nächsten Zeit liquidiert werden. In der nächsten Woche soll ein mit der praktischen Durchführung der geplanten Aendcrung betrauter Kommissär eingesetzt werden. Zur Liquidicruug ist der llllsteiu-Verlag durch die„llngunst" der Zeit gezwungen. Bekanntlich mußte vor kurzem aus finanziellen Gründen das weitere Erscheinen der„Vossischen Zeitung" eingestellt werden. Außerdem verbergen die Behörden in der letzten Zeit nicht ihren Unlvillcn gegen den Verlag, tvosür das letzthin ergangene dreimonatige Verbot des Wochenblattes„Die grüne Post" einen Beweis liefert. Hi der Tschechoslowakei Genosse Abg. Falsch wurde, wir man nuS mitteilt, nach seiner Verhaftung nach Tulln gebracht. und dort im Polizrinrrcst untergebrncht. Mittwoch abends wurde ih/ der AnSwcisnngSücfchl zugestellt,»ach welchem er für„immer" aus den Bundesländern anSgcwicscn wird. Obzwar er bereits Donnerstag früh den Weg über die Grenze antrc- tcn sollte, stielt man ihn offenbar über Weisung aus Wien noch bis Donnerstag mittag zurück,»m vielleicht die Untersuchung gegen ihn noch weiter führen zu können. Donnerstag mittag brachte ihn rin Kriminnlbramtrr über dir Grenze bei Pressburg, von wo er Henle die lklückrrise nach Prag antreten wird. Tic Behandlung die dem Genossen Jaksch im Schubarrest in Tulln zuteil wurde, gab zu keinerlei Beschwerden Anlass und er meinte, dass er glücklich wäre, zu wissen, dass den Schutzbündlern in den österreichischen Gefängnissen die gleiche Behandlung zuteil würde wie ibm. Wildrnschwert. Tie diesjährige Maikundgebung übertraf durch bcn gewaltigen Aufmarsch der deutschen und tschectn» scheu Arbeiterschaft aste früheren Maikundgebungen. Mit besonderer Freude konnte man eine große Anzahl Turner und Turnerinney in der schmucken Sportkleidung im Fcstzuge sehen. Als erster Redner sprach Abg. Genosse S r b a Prag, als zweiter Genosse T i n k l aus Landskrou Ebenso sprachen noch eine Genossin nnd ein Augendgenosse. Ifreüs Troppau Mähr.-Ostrau. Bei herrlichstem Sommcrwctter fand die diesjährige Maikundgebung der tschechischen, deutschen und polnischen Sozialdemokraten statt. Vom Lidovy dum bewegte sich der durch viele rote Fahne.» und Wimpel und mehrere Festwagen, durch tvelche für die Arbeiter-Olympiade getvorbcn wurde, belebte De- monstrationözug durch die Stadt zum Masarylplatz, wo um 11 llhr vormittags das Maimecting abgc- halten wurde, an welchem 10.000 Personen tcilnah- mcn. Nach Eröffnung der Knndgcbnng durch Abg. Genossen Prokes wurden in das Präsidium für die tschechische Sozialdemokratie Genosse Binder und Genossin M o k r o s v v ä, für die deutsche Genosse Dr. Wilhelm Haas und für die polnische Genosse Kimler gewählt, tvorauf unter stürmischen Beifallskundgebungen Genosse Langer und Genossin H r u ö k o v ä tschechisch, Genosse P r e t s ch aus Koinotan deutsch und Genosse Prof. B a d u r a aus Orlau polnisch die Referate erstatteten. Zum Schluß sprach noch für die DTJ. Genosse F i s e r über die Bedeutung der Arbeiter-Olympiade Breis Sttdböhinen Hohcnfurth. Ter große Saal dcö...Herrenhauses" war bis auf das lebte Plätzchen gefüllt und unter ltemstille >auschten die Teilnehmer den Ausführungen der beiden Redner, Genossen Partling und Abg. Genossen Dietl. Minister Benes hat anläßlich seiner I Minister darauf hin. daß im Falle einer seiner- Reise nach Karpathorußland in» Stadtlino in llZhorod eine Rede gehalten, in der er zunächst einen Abriß der Geschichte Kar- pathorußlands bis in die jüngste Zeit gab und sodann auf die Frage der Auto nomie des Landes zu sprechen kam. Er sagte u. a.: Die Regierung der Tschechoslowakischen Re publik hat niemals an ihre Verpflichtungen ver gessen und tvird nie darauf vergesse». S i c w i r d die A u t o n o m i c s o durch- führen. wie sie sich hiezu verpflichtet hat und tvic sic die Konsti- tntion der Republik cinvcrleibt ist, ehrlich und lonsequcnt im Einvernehmen mit allen, und zwar in absehbarer Zeit. Bis zu den allgemeinen Wah len in das Prager Parlament, tvelche iin nächsten Fahre statifindcn werden, werden bereits einige die Durchführung der Anionomic betreffende Ge setze zur Abstimmung gelangen und nach den nächsten Wahlen tverden die einzelnen Gesetze nnd Verordnungen auf das praktische Leben angcwcn- det werden. Darüber, wie rasch die Dinge fort schreiten tverden, tvird in Karpathorußland selbst entschieden werden. Dies hängt nicht nur von der Regierung und von Prag, sondern auch davon ab, wie sich Karpathorußland selbst über die einzelnen Fragen tvird einigen können und wie ihre Fak toren untereinander politisch vorbereitet sein werden. Im weiteren Verkauf seiner Rede IvieS der Umere Msttiunllyebunyen Wir erhalten noch folgende Berichte: «reis Aussig-Dodcnhadi-Warnsdori Schluckenau. Nachdem die nach Hunderten zähle>>de>r Teil» nehincrzüge von von 9k i x d o r f fen waren, war Hof-Saal Pohl mußten auf der sammlung warten. Ü00 Menschen amvesend. mit einem Chor, worauf ein ausführliches, oft von Beifall unterbrochenes Referat hielt. Wiederum von den Arbeitersänger» wurde die Kundgebung geschlossen. Hieraus formierte sich auf der Rumburgerslraße der Tcmonslra« twnszug, der von zlvei Musikkapellen begleitet tvurde. Sehr stark war unsere Jngendstafsel, dann die Rote Wehr und auch unsere Frauen in der Einheitskleidung vertreten. Einen solchen großen Temonnra- tionszug hat Schluckenalt schon lange nicht niehr gesehen. Auf dem M a r k t p I a tz e wieder zlvei Chöre, lvorauf Genosse R e y z l und nach ihn> für die Jugend Genoss« P a I m längere, ost von Beifall de» gleitete Ansprachen hielten. Daubitz. Wie alljährlich wurde Heuer eine Maivorfeier am Jrichtberge abgehalten. Ilm st Uhr abends be- Ivegte sich ein LainpionSzug mit annähernd 80 bis ! 100 klaijenbewußten.Proleten zur„Frohen Aussicht". Dortselbst hatten sich bereits eine größere Anzahl freiheitlich gesinnter Menschen niedergelassen, llnsere Genossen hatten an» Jrichtberge drei große, leuchtende Pfeile als Symbol der sozialistischen Welt- anschautnig angebracht. Genosse Werner begrüßte all« Anwesenden, besonders jene Teilnehmer, welche aus der näheren llmgebung zu uns gekonnnen waren, sowie Gcuosscu L ö w y aus Warnsdorf. Nach einer kurzen Eiulcituug gab Genosse Baruck-Schönlinde eine Rezitation zum besten, Unter allgemeiner Auk- merksamkcit sprach sodann Genosse L ö w y. Kreis Orulldi—landshron Neue spanische Regierung Im Amt Madrid, 3. Mai. Am Mittwoch sprach die Kammer dem neuen Kabinett Samper das Vertrauen aus. Es wurden 217 Ja-Stimmen gegen 17 Nein- Stimmen bei vielen Enthaltungen abgegeben. Ministerpräsident Samper erklärte in der Sitzung der Corlcü, daß die Regierung das gleiche Programm lvic die vorhergehende Regierung Lcr- roux verfolgen werde und daß sie über die gleiche Mehrheit, und zwar angcfangcn von den Radikalen über das rechte Zentrum zur Rechten, verfüge. Neuer Generalstreik in Spanien Paris, 3. Mai.„Matin" meldet aus Madrid, daß die soziale Gärung in Madrid im Ansteigen begriffen sei. Dort drohe neuerlich ein Generalstreik auszubrechcn. Der sozialistische Streikausschuß habe gestern abends eine Aufforderung zum Generalstreik erlassen. Bei den am 1. Mai erfolgten Zusammenstößen sind in Spanien insgesamt ü Personen ums Leben gekommen. Etlva 20 Personen wur- den verletzt. Teile 4 Freitag, 4. Mai 1034 Nr. 103 „Die neue Weltbühne" BcfläiiiV biirdi eine(irn'ii'cinnn auf unfevc jiiiiipu Pvlcmisd'c'Ja’iif iKiW» ne, ivic ivd« ivir Imth'it unf habe«, wen» ui',;idni|V im» der Verleumdung»»t* läßt ihre Leser aunebmeu. das; von unserer Sei:e etwa» gesd'cheu isi, nm die Ausweisung reu „Wcltbühue".Genien zu veranlassen. Rund der au»„Denunzianten" neuni uns diese» vorvild lichc Blatt. 'Wir erklären Kieinil an die Adresse der »Neuen Welwübue"— au eine andere Adresse brauchen ivir da» nicht zu erklären, ueeil jeder Mensch, der unser Blau und unsere Partei kennt, die Niedertracht saldier Behauptungen, ivie sie die »Neue Wellbühnc" anisielll. von sei der richten tvird—. dai; gegen da» Blatt und seine Redat teure lvcdcr van unserer Leite enra» geschehen ist nodi gestheben wird. und datz die xvrrcn. uj ivtc ivir e» voransgesagt baden. rebr ra len lvcrdcn. Dazu unsererscirs ei was tun? Zu gering sind iie unserem Zorn! Diese lommu- njstclnden Literaten, die bcispielsir «ene t'iobcr und scii Jahren jeden Sozialdemolran *r»Uv saseislen disgualifizierteu. iveun< 'k den hülfet» I bund«von dessen Ilnzuläuglichkei: wir wabrdaüin überzeug! iindl nidn direlr diksan nun vlövlidl selbst Smupatbien kür den von idncn\ verfemten Völkerbund, iveil. iiiii ii weil jevr der Eintritt S o>v j e r r u tz l a u d» in den Wölfer-. bund aus der Tagesordnung steb:. Mit solch ev« jcktivcn Journalisten ivollcn wir uictuo gemein haben, lind erst reck» nick», wem i sie versuchen. 1 »die paar lebendigen Kräfte. die sich in der so-> zialdemolraiie befinden, zur Mitarbeit heranzu- nedeu". Wir sind neugierig, welche von den»paar lebendigen.frästen" sich dazu bereit sindcn wer-> den. die»Neue Weltbühue" al» eine für ehrliche§ Sozialdemokraten taugliche Tribüne anznsehcn und zu benützen. Bon Herrn Budzislaivski soll es abkängcn. ob ein Sozialdemokrat als»leben» dige»traft" betrachtet werden kann oder nichts Nein, da» wäre dodi zu toll! Es liegt im Interesse der Förderung proletarischer Schlagkraft, Einmütigkeit und Anständigkeit, das; diese schlecht Getarnten so rasch wie möglich allseits erkannt lvcrdcn und darum hielten und halten wir cs für unsere Pflicht. uns mit den Erzenen ihres Sozial demolratenhaise». der hundertprozentig kommunistisch und Schützenhilfe für den Fasciümus ist. zu befassen. Jcdc^andcrc Berührung mit dcr „Neuen Wellbühnc" rst für uns indiskutabel. „Im Flamen Sones"? Tic„Deutsche Presse" hat entdeckt, daß für, Oesterreich nach„Annahme" der neuen Verfassung eine neue Epoche angebrochen sei. In einem laugen Leitartikel bespricht sic das vcrrottcie I Snslem des allen Parlamentarismus, dem sie das weise und gerechte des Tollfufz gcgcnübcrslcllt: es bildete sich eine ausgesprochene Parla- menisberrschaft, die alle staatliche Macht an sich ris',. Es gab keine direkte Tcmokralie, etwa Volksbefragung nach schlvei.zerifchem Vorbild, cS gab kein Staatsoberhaupt, das Parlament machte sich zur alleinigen Verkörperung der VolkSsouvcräni- täi. Tiefe ParlamentSbcrrschaft..." „Die neue österreichische Verfassung ist eine Snnthese ans demokratischen und autoritären Elementen. Die Demokratie... dokumentiert sich in derKonstituiermig der Gemeinden, in der Selbstverwaltung der Städte, wobei die Absicht besteht, diese Temokratie nach und nadi stärker bei Lösung jener Ausgaben zur Geltung kommen zu lassen, die sich der Staat vorläufig selbst Vorbehalte» hat... Die BuudeSregienmg hat allein da» Recht, Gesetze vorznschlagcn, sie ist also allein schöpferisch zugunsten der Gesamtheit". Man sicht: ettvaS viel Besseres ist an die Stelle des„diktatorischen" Parlamentarismus getreten: das freche Diktat der Kanoncnkatholikcn gegen das Volk. Woher leiten die Dollfutz- Fascisten ihren Regicrungoansprnch ab? TaS stehl in den ersten Sätzen der neuen„Verfassung":„Im Namen Gottes des Allmächtigen, von dem alles Recht ausgeht, erhält das österreichische Voll. ,. diese Verfassung". In s e i n e m Namen haben sic auch aus Frauen und Kinder mit Kanonen geschossen. An seine m Namen niacht die„Deutsche Presse" ans schwarz Weitz. Die Abrechnling aber lvird nidit in seinem Namen erfolgen, sondern im Namen des Volkes. Tann gilt für jeden Diktator das Wort:„Mach deine Rechnung mit dem Himmel, Vogt!" Dor der Fliegerprüfung abgestürzt Prag, 3. Mai. Heute abcudö bereitete sich dcr ehemalige Militärpilot, der Schlosser Franz Koukil, auf dem Flugplatz dcr Piloten-Zentral- schule in Lctüanl) zur Zivilfliegcrprüfung vor. Beim vierten IlebungSslng nm 19 Uhr 16 Minuten, stürzte sein Flugzeug ab und fiel auf da» Feld bor dcr Lcti'iancr Kaserne nieder. DaS Flugzeug wurde vollständig zertrümmert. Dcr Pilot wurde in bcwutztloscm Zustand auS den Trümmern hervorgczogcn und durch das MilitärsatitätS- auto auf die Klinik Jiräsek gebracht, lvo festgc- slcllt wurde, datz er eine Gehirnerschütterung und Quetschungen am linken Futz erlitten hat. «nwetter ßn aller Wett Hagelschlag in Südböhmen A:'S B ö$ ir. B udlvcIs lvird uns ge- 'chriebeu: Mittwoch abends entlud sich über Süd« bödmen e:" lehr srarl.s Gewitter, da» nur eine da:.-.' S:«de lang dauerie. Während des Gc- Hagel in der Grosze von Haselnüssen. A nd wurde au» dem südöstlichen Teil von Bölnn.- Budioei» ein Brand gemeldet. An diesem Zusam- :ha•: r er.'.euere>id> in Budwei» das Gerücht, da" es in der Möbelsiadi Lisov brenne. Nach dcr Rückkehr der Feuerwehr erhielt man die Auskunft, da-r der Wald Belechvin hinter Lisov Feuer fing Bevor noch die Feuerlvchr mil der Lokalisierung de» Brandes beginnen konnte, batten die Graupe.n und der Regen den gefährlichen Waldbrand! Iknwetter in Haida. Am späten Nachmittag reg am Mittwoch von Süden her in Haida ein llnweuer aus. ivckche» starken Hagclschlag mit- brachte. Tie EiStropfcu waren in Kirsdigröszc und Ta^csncui^hcitcn Riescnbrand in Leipzig Leipzig, 3. Mai. An» bisher noch unbclann- ter Ursache brach Donnerstag vormittags auf dem Gelände des BerladebahnhofS Leipzig-Kirchstratzc ein Riefenbrand aus, der in den dort lagernden Holz- und Kohlcnvorrälen reiche Nahrung fand und in kurzer Zeit grotzc Ausdehnung anuahm. Ein riesiges Holzlager wurde vollständig ein Raub dcr Flammen. Ebenso brannten verschiedene Lagerschuppen nieder. Tie Löscharbeitcn gestalteten sich infolge de» Wassermangel» sehr schwierig. Besonder» gefährlich war der Umstand, datz an das Brandgclände Magazine einer chemischen Fabrik grenzen, in denen senergefährliche Flüssigkeiten ausbclvahrt werden. Tic Brandloehren konnten aber das llcbcrgrciscn des Feuers auf diese scucrgcsährlichcn Schupppcn rechtzeitig abmcnden. Am letzten Augenblick konnten Benzintanks, die sehr gefährdet lvarcn, abgcschobcn werden. Um die Mittagsstunde lvar die allcrgrötzte Gefahr beseitigt, doch hatte die Feuerwehr noch mehrere Stunden lang mit dem Ablöschen des Brandes zu tun. Trichinose durch Salami Dir Massenrrtrankungen in Asch. Prag, 3. Mai. TaS LandeSamt teilt mit, datz al» tlrsachc der Massencrkrankungcn von Personen in A s d>. über die einige Blätter berichteten, Trichinose fcsigcstellt wurde. Die Ansteckung erfolgte dnrdi den Grnntz der an» rohem Schlvcinc- flcisd' hergcstclltcn Tclikatctz-Salami. Tic genaue i Zahl dcr Erkrankten ist bisher nicht festgcstcllt, die Quelle der Infektion ist jedoch bekannt. Eine Person ist in dcr fünften Krankheitölvochc gestor-1 ben. eine Fran verübte in einem Schmerzanfall Selbstmord. Bei den übrigen Personen ist dcr Krankhcitsvcrlanf durchwegs günstig. TaS Bezirlsanit hat, unterstützt durch Aerztc und Veterinäre, alle notlvcndigcn Matzuahmcn getroffen. Die Stadl Asch selbst sührlc die obligate Fleischbeschau auf Trichinose ein, so datz keine Ursachen zu einer Beunruhigung und Furcht vor einer lvcilercn Ansteckung vorliegen, falls die Bevölkerung selbst die Sichcrheitsvorschriflcn beachtet, das ist sich des Genusses rohen oder ungenügend gebratenen oder ungcnüvcnd gekochten Schlvcinc- lSclch-) Fleisches zu enthalten und sich vor dem Genus; der sogenannten Dclikatctz-Salami, die aus einer Produktivnsslättc stammt, lvo die pflichtge- mätzc Trichinose-Fleischbeschau nicht besteht, in Acht zu nehmen. Die Trichinose bei Menschen ist in Böhmen eine seltene Erscheinung, mehrere Jahrzehnte hindurch wurden ähnliche Infektionen, die früher in einigen Fällen einen schweren Verlauf nahmen, nicht beobachtet. Die an der Grenze liegende Stadt Asch lvurdc lvohl deshalb von dieser Infektion betroffen, da die Vorliebe für den Genuß dcr rohen Delikatesse-Salami sich über die Grenze her bei uns auSbrcitcl. Wieder zwei Leichen auf Nelson geborgen Ossel, 3. Mai. Bei den GclvältigungSarbei» tcn konnten im Nelson-Schacht neben dcr Seilbahnstrecke zwei unter dem Kohlen nachfall verschüttete Leichen geborgen werden, die man auch indcntisizicren konnte. E» handelt sich um den 32jährigen, verheirateten, aber kinderlosen Häuer Wenzel Ccrnncky an» Herrlich und nm den 32jäh- rigcn Josef Seemann auö Haan, der ebenfalls verheiratet nnd Vater von sechs Kindern war. Die Leichen lvarcn stark vcrtvcst. Sie wurden auf dem Friedhof in Ossel geschasst. Drei Bauernhäuser abgebrannt Bregenz, I. Mai. Heute mn 1 llhr nachts brach in Pcrthcncn in Montafon ein Grotzfcucr an», das den ganzen Ort bedrohte. Es verbrannten drei Bauernhäuser, eiu Hau» mit einer Gc- mischwarcnhandlung und zwei Baracken. 25 Personen sind obdachlos geworden. Man vermutet Brandstiftung. sielen daher mil ziemlicher Wucht herab. Besonders in den Gärten nnd an den blühenden Bäumen ist viel Schaden entstanden. lleberschwemmung in Sttddeutschland Mannheim, 3. Mai. Am Mittlvoch abends ging über Grücnstadt in dcr Nordpfalz ein schwe- rcö Gewitter nieder, da» großen Schaden anrich- tcte. Auf der Leininger Bahnstrecke unterspülte da» Wasser einen Teil der Gleisanlage. Der Schaden wurde noch rechtzeitig entdeckt und beseitigt, so das; im Zugsverkchr keine Nnterbrcchülig eiutrat. Tic Felder gleichen riesigen Teen. Die Orte Anszclhcim, Mertesheim, Tanscnhcim und Klein-Karlbach wurden schwer hcimgcsucht. In Sansenheim hatte die Feuerwehr die ganze Nacht zu tun, um aus den Häusern und Kellern, in denen die Weinfässer schwammen, das Wasser ycr- auszupunipcn. In Battenberg mutzte eine ältere Frau, die in; Bette lag, als das Wasser in das Zimmer eindrang, durch die Fcucrlvcrh aus ihrer gefährlichen Lage befreit werden. Einbrecher macht reiche Beute Brünn, 3." Mai. Heute vormittags brach ein bisher unbekannter Täter in die Wohnung dcS Kaufmannes Moritz Bcrnfeld in den Schwarzen Feldern in Brünn ein, Ivo er Schmuck nnd ausländisches Geld im Werte von cttva 100.000 KL entwendete. Der Räuber nützte den Augenblick ans, in lvelchcm die Hausgehilfin die Wohnung vcrlictz, um Besorgungen nadizugchcn. Er drang in die verschlossene Wohnung durckl ein Fenster ein, da» vom Gange nach dcr Küche führt. Antzcr anderen Sachen entlvcndctc er zehn goldene Uhren im Werte von 15.000 Ke. eine Platinbroschc mil 65 Brillanten im Werte von 20.000 XL, fünf goldene Brillantringe im Werte von 30.000 XL, weiicr vier goldene Armbänder, eine Schnur mit 90 Perlen, eine goldene Brosche, vier silberne Zigarettentaschen und 10.000 rumänische Lei in Tausender-Banknoten. Die Polizei ist dem Täter auf dcr Spur. Gastod der Mutter und zwei Kindern Linz, 3. Mai. Die hiesige SichcrhcitSwachc wurde heute vcrstäudigt, das; aus dcr Wohnung der Eheleute König, die in einer Molkerei angcstcllt sind, ein intensiver Gasgeruch dringe. Als die versperrte Tür gclvaltsam geöffnet lvurdc, fand man Frau Christine König mit ihren beiden drei nnd vier Jahre alten Töchtern durch Leuchtgas vcr- gistct tot auf. Knecht verbrannt Graz, 3. Mai. Gestern nachts brannte das Wirtschaftsgebäude dcr Besitzerin Therese Reich in Patzen bei Ticscklcn nieder. Der in dem Gebäude schlafende Knecht kam in den Flammen umS Leben. Dreieinhalb Stunden später brach im Anwesen de» Besitzers Pcrncr in Neuzcltz bei Tic- schcn ein Feuer ans. In beiden Fällen wird Brandstiftung vermutet. E» bleibt«arm! Prag, 3. Mai.(SAM.) In Böhmen, Südmähren und in dcr Südwcstslowatci, wo cs heute zeitweise regnet, ist es zwar um 5 bis 7 Grad kälter als gestern; trotzdem ist jedoch die Temperatur übcrnormal. Unverändert oder sogar etwas höher als gestern ist die Temperatur am Nordostrand der Republik, ivo sie trotz umzogenen Him- mcls 25 Grad Celsius überschreitet, Ujhorod meldet 27, Chust plus 28 Grad Celsius, Start) Smo- kovcc hat plus 21 Grad, das ist um 5 Grad mehr als gestern. Dcr Wind weht überall aus Südost. Unter Einflutz der Mittelincerströmung dürfte das unbeständige und ziemlich warme Wetter noch anhalten. Beobachtungen in Pragheute u m 14 II h r: Luftdruck, umgcrechnet auf das Meercsnivcau 756.6 Millimeter, das ist um 5.5 Millimeter unter Nornial; Temperatur plus 10 Grad Celsius, das ist um 4.2 Grad über Normal. Wahrsch ein licheSWettcra m Freitag: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, strichweise Regensneigung, noch immer relativ warm, Südostwind. Autozusammenstok. Aus B ö h m.- B u d- weis lvird uns geschrieben: Mittwoch abends stießen zwei Automobile auf dcr Staatsstratze Böhmisch-Budweis—Prag an der Stratzcntreu- zu n g dcr St ratze aus Hosin bei Hlubokä nad Vlta- vou zusammen. Dcr Tatra-Wagcn, den der Chauffeur F. S e d i v y lenkte, wurde zertrümmert und die im Innern des Wagens sitzenden Passagiere wurden durch Glassplittcr verwundet. In dem zweiten Automobil, einem Skoda-Wagen, der von dem Chauffeur F. Mali) gesteuert wurde, befand sich noch ein Kaufmann, dcr ebenfalls leichtere Verletzungen erlitt. Ter zweite Reisende und dcr Chauffeur kamen mit dem Schrecken davon. Geschwister-Mord verhindert. Aus N ä ch o d lvird uns geschrieben: Die Polizei hat den 34jäh- rigcn Peter Mathsko, Wirtsckjaftöbesitzer in Vclkö Poriii bei Hronov, verhaftet, da festgestellt wurde, datz Mathsko seine zwei Geschwister Gottlieb und Roja, letztere Lehrerin in Nächod, aus der Welt schaffen wollte. Peter Mathsko machte ihnen zum Vorwurf, datz er durch ihr Hinzutun nicht Erbe Ziehung der Klassenlotterie (ll n v e r b i n d l i ch) Prag, 3. Mai. Bei dcr heutigen Ziehung der 5. Klasse dcr 30. tschechoslowakischen Klassenlotterie würde» nachfolgende Gewinste gezogen: Xö 30.000 da» Los Nr. 28982; Xü 20.000 die Löse Nr.: 8V357 3821; Xö 10.000 die Lose Nr.: 21522 82178 40088 6177; Xö 5000 die Lose Nr.: 33131 09570 49172 31621 1751 18228 76433 45464 58620 56848 100556 104098 47705 0994 36570 79743 38653 71693 81091; Xö 2000 die Lose Nr. 12328 51490 91186 75587 2988 32704 27231 16558 13402 88544 41185 88138 97288 65387 12931 66723 75532 69444 71291 31101 68751 49508 46201 25087 28282 56480 67278 56870 70385 81770 93394 54981 100870 55106 75813 54663 93429 59583 41453 51150 1108 63314 3479 13475 83424 58283 67728 84404 21059 4049 46947 44698 94477 34538 9821 85572 16105 35658 98036 5579 13352 100535 28349 98390 95232 36207 16937 15051 92909 22480 2360 94920 100311 31741 66505 62653 43204 98366 70972; Xö 1200 die Lose Nr. 13881 83822 44830 60720 56088 2522 22183 16685 10205 74691 888 43191 36625 17187 5093 1467 17772 2906 5301 99790 97576 33282 54951 3948 92403 44133 72174 71635 41832 46033 102210 64073 62063 22852 65119 80490 43326 89387 36024 11262 13665 28640 40552 95278 30480 7755 52070 104739 103666 60862 15522 47368 77858 62146 60505 16883 40724 53210 73525 73024 30474 28135 42225 41258 25141 67128 58850 77586 71903 69335 87452 15168 47744 63168 17340 66062 62073 89319 27450 8120 14784 39620 96713 31569 16222 94564 100280 84361 60348 85855 7213 75540 4463 95893 362 87133 72457 80650 95159 37522 66121 19065 46680 2402 76988 50066 40678. des väterlichen Nächodcr Besitze» geworden war, sondern das Gut verlassen und sich eine neue Existenz in Vellö Poriri gründen mutzte. In seinen Mordpläncn ging Mathsko so weit, datz er einen Mörder gedungen nnd mit ihm in allen Einzelheiten die Art der Ermordung vereinbart hat. Tic Schwester sollte vergiftet und der Bruder in einem Walde bei Nächod überfallen und getötet werden. Auch der gedungene Mörder wurde verhaftet. Beide wurden in die Haft des Bezirksgerichtes Nächod eingcliefert. Peter Mathsko stammt aus einer geachteten Nächodcr Familie. Die 2. Internationale Konferenz sozialistischer Aerzte und die Jahresversammlung des Vereins sozialdemokratischer Acrzkc üt der Tschechoslowakische» Republik findet Pfingsten vom 19. bis 21. Mai d. I. in Brünn statt. In einer öffentlichen Kundgebung am Samstag, den 19. Mai, sprechen zu dem Thema»Die Aufgaben dcr geistigen Arbeiter und dcr Aerztc in dieser Zeit" die Genossen Dr. Emil Frat> zel, Dr. Somcr- ville H a st i n g»-London, Dr. Karl Evang- Oslo, Senator Dr. A. H o I i t s ch e r, Dr. Jerch M i cki a l o w i cz-Warschau u. a. Am Schlüsse dcr Versammlung Lichtbildcrvorführung aus den Feberkämpfcn in Wien.— In den folgenden Tagen werden behandelt lvcrdcn:»Die Tätigkeit der deutschen Nationalsozialisten auf dem Gebiete des Gesundheitswesens";„Das Nassenproblcm"; „Dcr Kamps dcr sozialistischen Aerztc gegen den imperialistischen Krieg, gegen Luft- und Gaskrieg". Das genaue Programm ist in der Mai- Nummer des„Internationalen Aerztlichen Bulletins" abgcdruckt. Wegen WohuungSbcschaffuug nsw. mögen sich unsere Kollegen nnd Genossen an den Vorsitzenden des Lokalkomilccö, Genossen Dr. T. F i s ch l, Brünn, Rcnnergassc 20, wenden. Augsburger Polizei ratlos. Im Zusammenhang mit dcr Brandstiftung in dcr Augsburger Sängerhallc führte Donnerstag früh ein grotzc» Polizeiaufgebot eine uncrivartctc Razzia in dem Barackcuvicrtel an der Schertlinstratze durch. Es wurden verschiedene Waffen sowie illegales Schrif- tcnmatcrial beschlagnahmt. Außerdem erfolgten einige Festnahmen. Von den unmittelbar nach dem Brand in Schutzhaft genommenen Personen wurde ein Teil wieder auf freien Futz gesetzt. Altrömischrr Senat wird wieder hergeftellt. Aus Rom lvird uns geschrieben: Einer Entscheidung des Obersten Rates für die Konservierung von Altcrtüniern zufolge, wird mau in der nächsten Zeit mit der vollkommenen Rekonstruktion deS antiken römischen Senates(Curia) beginnen, der so ausgestellt lvcrdcn soll, damit sie sich für Versammlungen eignet. Vom Rundfunk EmpfthletlSwert«» an* den Programmen, Freitag Prag, Sender L.: 10.05: D e u t s ch e N a ch-' richten, 18.45: Volkslieder auf Schallplatte», 17.05: Konzert des Ondriöck-Ouartetts, 18,25: D e u t s ch e S c n d u n g: Dr. Buntru: Erhaltung der Naturschönheitcn unserer Flüsse, 18.50: Arbeitersendung: Aktuelle zehn Minuten, 19.05: Toselli: Serenade, 20.80: Europäisches Konzert, 22.30: Ge- sangskonzcrt CuSmich. Sender S-: 14.80: Schallplatte», 14.45: Gefangskonzert, 15.10: Deutsche Sendung: Frauenfunk, 15.45: Deutsche Nachrichten.— Brünn 16: NachnnttagSkonzert. 18.25: D e u t s ch e S e n d u n g: Sportbericht, 20.25: Bunter Abend.— Miihr.-Ostra» 21.80: Tanzmusik. — Prcsjburg 20.25;.Violinkonzert.— Berlin 10.15: Max Reger: Choralsantasie.— Hamburg 21.15: Mandolinen- und Gitarren-Orchester.— Königsberg 22,80: Symphonische Tänze.— Leipzig 18.15: Operettenmusik.— München 17.80: Alex. Humboldt zu seinem 75. Todestage.— Wien 19.80: WildganS: Unveröffentlichtes aus seinem Nachlab, 21.80: Abendkonzert. Sk. 103• Seite 5- Freitag, 4. Mai 1034 Von den Kinderfreunden Note Falte» ,-,ur Tlympiadc. . Am Nahmen der drillen Olympiade verau- staltcn die sozialistischen Slauts der DTA. in un- »niiclbarer Nähe des Stadions ein Zeltlager, an welchem sich auch nnscre Noten Falten beteiligen werden. Tausend sozialistische Slauts und 500 Rote Falken lverdcn durch 14 Tage eine große sozialistische Gemeinschaft bilden. Es ist das erste Mal, das; ein solches gcineinsamcs Lager mit tschechische» Arbeiterkindern avgchalten wird. Wir erhosfcu uns von dieser Gemeinschaft eine lvcilcrc Annäherung unserer deutschen und tschechischen Arbeiterkinder und sehen darin den Ausgangspunkt dauernder engster Zusammenarbeit. Gerade in der gcgcnivärligen. von nationalistisch-fascistischer Leidenschaft aufgewühlten Zeit, sehen wir eü als eine unserer ivichtigsten Ausgaben an, in unseren Arvcitcrbubcu und-Mädeln das Gesühl internationaler Zusammengehörigkeit zu stärken unv dem iialioiialisrischen Has; durch praktische Zusammenarbeit den Kampf anzusagen. Das Zeltlager sindct in der Zeit vom 1. bis 15. Juli statt. Das Lagerprogramm der ersten Woche steht im Ein- Hang mit dem gesamten Programm der Olympiade: die zweite Lagcrwvchc ivird mit Exkursionen in Prager Groß-Betriebe, Museen, Besich- ligungeii und Lagcrveransialtungen auogefüllt sein. An allen Gruppen, die an dem Zeltlager teilnehmen, ivird schon jetzt fleißig gerüstet. .Zinder von Genossen zu Genossen! Alljährlich werden tausende Kinder von ihren Eltern zu Familien in das tsct'cchische Sprachgebiet geschickt, um sich in der tschechischen Sprache zu vervollkommnen. lind umgekehrt kommen lausende tschechische Kinder in unser deutsches Sprachgebiet, um die deutsche Sprache zu erlernen. Tie Vermittlung dieser Kiuderaustauschc geschieht durch die verschiedensten privaten Stellen, zum Teil auch durch verschiedene Institutionen und' nicht selten müssen die Eltern für solche Vermittlung große Beträge auslvcndcn. llm vielen Ar- beitercltcrn Rechnung zu tragen, hat der Arbeiterverein„Kindcrfreundc" sein Tätigkeitsgebiet auch aus die planmäßige Organisation eines Kin- deraustauschcö von Genossen zu Genossen in' sein Arbcitsprogramur ausgenommen. Der Arbeiterverein„Kindcrfreundc" hat mit der Zentralstelle „Zdräva Gcncracc"(Gesunde Generation) bereits die notwendigen Vereinbarnngen getroffen und die Tätigkeit für dieses Jahr ausgenommen. Wir laden alle Arbeitcreltern, die ihre Kinder während der Ferien oder für ein ganzes Schuljahr in das tschechische Gebiet schielen wollen, ein, unsere Vermittlungsstelle in Anspruch zu nehmen und ihre Wünsche dem RcichSsokrclariat der Kin- dersreundc, Bodenbach, Poststraßc 813/11, be- kanntzugcben. Dillingers Auto gefunden Chicago, 3. Mai. Die Suche nach dem flüchtigen Schwerverbrecher Dillinger hat erneut in größtem Ausmaße eingesetzt, nachdem eine Kraftwagen-Patrouille der Polizei am Mittwoch in Chicago an einer Straßenecke einen herrenlosen Kraftwagen ausgcfunden hatte, der sich als derselbe Wagen hcrauSstcllte, den Dillinger auf seiner Flucht aus dem Waldlagcr in der Nähe von Mcr- ccr verwendet hatte. Anwohner erklärten, daß der strastwagen bereits seit ztvölf Stunden an der Straßenecke gestanden habe. Der Führersitz des Wagens war mit Blut befleckt, so daß man annimmt, daß Dillinger oder einer seiner Begleiter durch die Schüsse der verfolgenden Polizei verletzt worden ist. Außerdem wurden in dem Kraftwagen mehrere Patronenhülsen aufgefunden. Die Vertretung des Dritte» bleiches in der Tschechoslowakei obliegt nicht nur Herrn Koch, sondern auch einem gelvisscn Herrn Entil Schmid, Prag Xll. 2100, und Frau Adele Jäger, Buchhändlerin in Bodenbach, Graben 1084. Diese beiden lassen, er als verantwortlicher Schriftleiter, sic als Herausgeberin, eine»Illustrierte Press c" erscheinen, die offensichtlich ein Ersatzblatt für die bei uns verbotene„M ü n ch n c r Illustriert e" ist. Die„Illustrierte Presse" scheint nicht nur ihre Aufträge, sondern auch— nach der ganzen Aufmachung zu schließen— ihre Matern aus Deutschland zu beziehen. Sollte das zutreffen, stellte es nichts anderes dar, als die tlmgchung einer Verordnung der tschechoslowakischen Regierung, die seinerzeit als Gegenmaßnahme gegen das massenhafte Verbot tschccho- sloivakischer Prcsscerzcugnisse in Deutschland erlassen wurde. DaS Jnneinninistcrium bient weder der inneren Sicherheit des Staates, noch seinem eigenen Prestige, wenn es ausgerechnet den Sendboten des„Dritten Reiches" gegenüber so wenig energisch aus die Durchführung seiner eigenen Verordnungen sicht. Die angeblich tschechoslowakische„Illustrierte Presse" bringt in ihrer Nummer vom 10. April von 41 Reportagcbildern ein einziges aus der Tschechoslowakei. Und gerade diese einzige Reportage aus dem Gebiet unserer Rcpublit verrät so kvcuig Sorgfalt, daß man mit zwingender Notwendigkeit annchmcn muß, sic sei nur zur Tarnung des rcichsdcutschcn Charakters gebracht ivordcn. Das Bild zeigt die Parade dcS Prager FliegcrabkvehrregimcntcS anläßlich der Fahncnübcrgabc durch den Tschechoslowakischen Automobilklub. Die«Illustrierte Presse" schreibt unter das Bild„Parade des 31. Artillcriercgi- mentes". obwohl auf dem Bilde selbst an den MauuschastSauloS sehr deutlich zu lesen steht: „Dilostkclccky plut 151"— also„Artillcrieregi- Ausweis für den Monat April (Die erste Zahl bedeutet Parteifonds, die zweite Zahl Wahlfonds.) Bodenbach: Kd 4880, 1220.. Brünn: 1600, 400. Karlsbad: üilln, 860. Landskron: 400, 100. Prag: 640, 100. Pilsen-Budweis: 1804, 481. Preßburg: 40, 10. Sternberg: 1600, 400. Tevlitz- Saaz: 3200, 800. Trautenau 800, 200. Troppau Ke 1400, 850. Die„Worte eines Gläubigen" 3um hundertsten Geburtstag eines Buches Bon Hermann Wendel. Am 3 0. April 1 8 3 4 erschien in Paris ein Buch, das, ungeachtet seiner Schmächtigkeit, von heute auf morgen zum europäischen Ereignis wurde: cs nannte sich»Parole» d'u u C r o y a n t"(Worte eines Gläubigen), und sein Verfasser, ein katholischer Priester, hieß Fclicitä de L a m c n n a i s. ^Obwohl er lein Greis Ivar, wie er auf diesen Seiten behauptete, sondern erst zweiundsüns» zig Jahre zählte, hatte der streitbare Bretone seit langem literarischen Ruhm gescheffelt. Mindestens seit 1817 sein Werl über die Indifferenz in Glau- bciiüsachcn hcrausgekommen lvar, stand sein Raine im Mittelpunkt hitziger Erörterungen, und eine ganze Richtung in der Theologie, eine Schule berief sich ans seine Ideen. Zu Unrecht vcrtvcchselie man L a m c n n a i s in dieser Periode seiner Entwicklung mit den royalistischen Ultras, die unter dem Lilicnbanncr der Bourbonen gegen'alle Errungenschaften der Großen Revolution einen verbissenen Krieg führten, denn was er reinen Herzens anstrebte, war in seiner Art a u ch e i n c Revolution. Der Heine, nervöse, quicklebendige Abbt, der im Privaten nichts von einem feierlichen Hohenpriester mit schleppendem Talar an sich hatte, vielmehr trotz Kränklichkeit in seiner Jugend ein Schwimmer, Fechter und Reiter gc- wcsen war und auch jetzt noch herzhaft zu lachen verstand und den schmackhaften Dingen der Erde zugetan blieb, gchöric zu den Savonarola-Natu- ren; ein Glühender,, ein Unbedingter ohne die leiseste Fähigkeit zu Änpassuiig und Nachgiebigkeit, wollte er die Welt von Grund auf ii m k r c in p e l n. Ringsum sah er Anarchie, da die Schwachen von den Starken gefressen wurden, und c r wollte die Ordnung; allenthalben gc- lvahrtc er Zerrissenheit, da Klasse gegen Klasse und Ration gegen Nation stand, und e r wollte die Einheit. Berufen, die Menschheit in das gelobte Land zu leiten, schien Ihm im Namen des Katholizismus der Heilige Vater in R o m, dessen Macht L a m c n n a i s darum über die aller irdischen Könige erhöht wissen wollte; eine durchaus ultramontanc, eine internationale Lehre war es, für die er sich ereiferte. Aber die lauen und verträglichen GlaubcnSbcamten der durch Konkordate an die Regierungen gebundenen Kirche hatten für diesen ungcstünicn Fcucrgeist, der die Gedanken des Christentums bis zu Ende zu denken wagte, weder Sympathie noch Verständnis; der Papst selber zuckte ärgerlich die'Achseln:„Uno .csqltato, ein überspannter Mensch!" i So bittere Erfahrung erschütterte Lame»-- n a i s schwer und drängte ihn auf einen Weg, der ihn religiös bis zur Leugnung der Offenbarungen und der Göttlichkeit Christi, politisch bis zur Losung der Volks souvcränität und der Republik führte. Von seiner Wandlung legte er in den„W orten eines Gläubigen" mit feurigen Zungen Zeugnis ab. Der Titel dcö Buches Ivar keine falsche Etikette. Der es fiebernd nicdcrgeschricbcn hatte, damit cs zu„den Kleinen, den Schwachen, den Niedrigen, den Armen" dringe, glaubte nach wie vor mit mystischer Inbrunst an Gott und begann:„Im Namen des Vaters, dcö Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen!", aber mit Nichten stimmte er an das alte Entsagungslicd, Das Eiapopeia vom Himmel, Womit man cinlullt, wenn cs greint, Das Volk, den großen Lümmel. Vielmehr warb er mit Posauncnstößen für die sckranlcnlose politische Freiheit, predigte die Gleichheit aller im Namen des Evangeliums, kehrte sich mit zürnendem Eifer gegen die A u s- b c u t u ng des Menschen durch den Menschen, ries die Enterbten des Schicksals auf, sich über die Län- dcrgrcnzcn hinkvcg in eine wahre Internationale desElends zusammenzuschlic- ßen, säte in die Herzen den Entschluß, durch Kampf die Kcttcu zu sprengen, und drohte für den Tag, der nahe hcrbcigckommen sei, in apokalyptischen Tönen den Gewalthabern Schlimmes an: „Die Könige auf ihren Thronen werden ein Geheul anstimmen und mit beiden Händen ihre Kronen zu packen suchen, die der Wind davonträgt. ment 151". Hingegen bringt dieselbe Nummer unter dem Titel„Wird Rumänien fascistisch?" eine Verherrlichung des Mordes an Mini st erpräsidenteu Duc a, verbunden mit einer gehässigen Polemik gegen den„korrupten französischen Kurs". Die„Illustrierte Presse" ist zu vorsichtig, die Tschechoslowakei direkt anzugreifen. Sie hält sich an ihre Verbündeten. Ein Bericht über die„Große Karthause" z. B., der vor einiger Zeit erschienen ist, stellt nichts anderes dar. als eine grobe Beschimpfung des französischen Volkes. Achnlichcs und einen KricgSroman, der der seelischen Vorbereitung zum„Befreiungskriege" gegen die„Welschen" dient, bringt das Blatt allwöchentlich. ES ist sonderbar, das; die Presse der hundertprozentigen„vlastenci", die sich über die angebliche- Betätigung der Emigranten nicht genug aufregen kann, die wirtlich staatsschädlichc Tätigkeit der„Illustrierten Presse" durch Schweigen deckt. Die Sache wird allerdings verständlich, wenn man von den geschäftlichen Beziehungen! weiß, die zwischen der„Illustrierten Presse" und der«Närodni Politika" zumindest bestanden. Ueber Stavisky gestürzt. Die Blätter melden, daß der frühere Justizminister,' der radikale Sena- und sic werden mit ihnen davongcfcgt werden. Die Reichen und die Mächtigen werden nackt aus ihren Palästen stürzen, aus Furcht, unter den Trümmern begraben zu werde». Mau wird sic auf den Landstraßen herumirren und die Vorübergehenden um einige Lumpen, ihre Blöße zu bedecken, um ein wenig schwarzes Brot, ihren Hunger zu stillen, betteln sehen, und ich weiß nicht, ob sie es erhalten werden". Danach aber werde es, in einer wiedcrgcborencn Gesellschaft,»weder Kleine noch Große geben, und alle Familien werden nur eine Familie sein, und alle Nationen nur eine Nation".', Eine Epoche, in der ohnehin mit den Unruhen in Lyon und Paris die fokale Frage am Tor der bourgeoisen Ordnung rüttelte, mußte für so kühne Sprache aus dem Munde eines Priesters m i l» I i o n c n faches Echo haben. Daß der augu- siinischc Gottcsstaat des Mittelalters hinter der ZiikiinftSgesellschaft hcrvorgucktc, die L a in c n» nais mit brennenden Farben malte, kam den Wenigsten zum Bewußtsein; dafür erschienen die „Worte eines Gläubigen"- den meisten als Palimpsest, von dem'man das'Religiöse nur abzukratzen brauchte, damit blutrot die Grundschrift auslcuchtc: ein A u f r u f z u m B a r r i k a d c n- b a u! Wildes Geschrei erhob sich denn bei allen Hütern der übcrlicscrtcn und überlebten Ordnung. Mgn tobte über den„R obe Sp ie rr e im E h o r h c m d", dessen Buch, aufreizend zu Gotteslästerung, Raub, Mord und Plünderung, ein „Katechismus der Insurrektion und ein Evangelium der Anarchie" sei, der Bischof von Straßburg zeterte, L a m c n n a i s sei vollkommen verrückt und gehöre in die Zwangsjacke, und der Papst schleuderte die Enzyklika„Singular! nos" gegen„dieses Erzeugnis der Gottlosigkeit und der Frechheit, das ebenso unbedeutend ist an Umfang wie unermeßlich an Verderbtheit".„Ouartcrly Review" bezichtigte L a m e n n a i s,.er reiche politisches Gift in einem geweihten Kelch, den er tcmpelschändcrisch vom Altar entwendet habe, die „Augsburger Allgemeine Zeitung" jammerte, ivenn der Teufel aus die Erde komme, werde er dieses Buch in Händen halten, und der Großmeister der europäischen Reaktion Metternich beklagte aufrichtig, daß die Zeit vorüber sei, da man Ketzer mitsamt ihren Werken verbrannt hatte. Die Republikaner aber jubelten über die unerwartete Unterstützung, die ihnen zuteil ward; ihr journalistischer Wortführer Armand M a r r a st nannte die„ParolcS d'un Croyant" ein heiliges 'Buch, das ivahrhaft vom Himmel gefallen sei, und der Ikarier C a b t t'schätzte cö in seiner Wirkung für die Sache der Revolution höher"ein al» Tausende von Bajonetten. In kurzem waren weit über 100.000 Stück verkauft, Unbemittelte schossen zusammen, um gemeinsam ein Exemplar zu erwerben, und vor den Lcsekabinctten, in denen das Buch auölag, standen die Pariser stundenlang Schlangt. Nicht anders im Au sla n d. Ueber ein Dutzend unberechtigter Nachdrucke erschienen sofort in Brüssel, Genf und Lausanne. Uebertragungcn in alle europäischen Sprachen ließen nicht ans sich warten, die»-ändernden deutschen Handwerksgesellen verschlangen cs auf der Landstraße oder in der Herberge in der Ucber- sctzung Börnes. Selten entfesselte ein Buch solchen Sturm der Begeisterung wie der Ablehnung. Aber obwohl L a m e n n a i s auf der gleichen Linie unbeirrbar wcilcrschritt, seine Ideen noch in mancher Schrift mit kaum minderer Sprachgcwalt verkündete, auck für seine Uebcrzcugung im Gefängnis des Bürgerkönigtums büßte und während der kurzlebigen zweiten Republik in der Nationalversammlung saß, wurde er nicht, was er im Frühling 1834 träumen durste, der Prophet seiner Zeit, hinter dem sich die Massen scharten, sondern starb 1854 einsam und verlassen. Tenn da er sich unabänderlich auf die Bibel als auf die reinste Quelle der Demokratie berief, sprach er eine andere Sprache als die, denen sein beredtes Wort galt. Die soziale Revolution im Zeichen Jesu Christi stand nickst auf der Tagesordnung des Jahrhunderts. tor Nene N e n o u l t, der bekanntlich einer der Advokaten Staviskys war und dessen Anwesenheit im JustizpalaiS als Advokat vor etwa einem Monat den Protest vieler seiner Kollegen zur Folge hatte, die eine Verhandlung unmöglich machten, hat nunmehr dem Präsidenten der Advokatenlam- mer mitgctcilt, das; er seine Tätigkeit als Advokat und Verteidiger cinstellc. Heute sollte Senator Rcnoult in einer Streitsache im JustizpalaiS sein Plädoyer halten. Auf Grund seiner Erklärung wurde der Prozeß vertagt. Auch Fallschirme werde» gestohlen. An dcr Flugzeugfabrik der Marinewerft von Philadelphia sind umfangreiche Malerialdicbstählc festge- stcllt worden. Die Bundespolizci nimmt an, daß cs sich um einen über das ganze Land, verteilten Vcrbrccherring handelt, der auch in anderen Werften Diebstähle auSführt. In der Flugzeugfabrik der hiesigen Werft wurden hauptsächlich Fallschirme sowie andere wertvolle Ausrüstungsgegenstände im Gesamtbetrag von über 100.000 Dollar gestohlen. Ein Teil des Diebsgutes wurde in Ausrüstungslädcn in der Nähe eines Flugplatzes in Kalifornien entdeckt. Blick in die Sonne Mitten im Gcwübl der Stadt steht am hellichten Tage ein„Sterngucker" mit seinem Fernrohr. Sterne sind natürlich um diese Zeit nicht zu sehen; das Objektiv ist aus die Sonne gerichtet. Da eö aber dem menschlichen Auge versagt ist, nnücwehrt in den Glanz der Sonne zu sehen, muß er ihr Bild erst trüben, um zu erkennen, daß das strahlende Gestirn— Flecken hat.„Es liebt der Mensch, das Strahlende zu schwärzen..."; das geschieht hier mit Hilfe eines unförmigen Blechboltichs, der an das Fernrohr angcschlossen ist. Im Innern des Bottichs fängt ein dunkler Spiegel das Sonnenbild auf. Für ein„Entgelt nach Belieben" darf man durch düscnartigc Oeffnnngcn hineinschancn. Es gibt eine Menge„Schwarzseher" um den Mann, die eigenmächtig den Stcckdeckcl von einer Düse abheben und hineinstarren, um— nichts zu sehen. Der Mann am Fernrohr muß nämlich erst daö Sonnenbild ins Blickfeld steuern. Es erscheint dann auf schwarzem Grunde das unruhig schwankende Segment einer triibwcißcn Kreisfläche mit unscharfem Rande und dunkleren» unregelmäßigen Flecken. Daö ist daö Bild der Sonne! So sehen wir sie, wenn wir sie„genauer" sehen: als grauweiße Fläche mit Flecken. Und nun muß die Wissenschaft zu Hilfe kommen, um daraus einen Eindruck zu machen. Sie muß uns belehren, daß dieses schwankende Zerrbild im Bottich ein Blick in die Sonne ist, in den Zcntraltörper unseres Sonnensystems, den die Astronomen einen„Stern mittlerer Größe und mittleren Alters" nennen, der ans einer Entfernung von 140,500.000 Kilometern über Sein und Nichtsein auf Erden entscheidet, der selber einen Durchmesser von 1,300.000 Kilometern hat, dessen Licht in 400 Sekunden die Erde ereilt und dessen Oberflächen« lcmpcratur auf etwa 0000 Grad berechnet wird. Während der freundliche Mann das Sonnenbild in den Bottich steuert, erzählt er, was er von der Sonne weiß. Der unscharf zitternde Rand ist die Chromosphäre, die den Sonncnlörpcr umgibt und aus der in«g»hettre..Wolken^glüIiuidcr Gase 4 aufsteigen. Iknd Vic' schwarzen Fkeckeii^nm Rande sind die berühmten Sonnenflekken, über deren Einfluß auf die Erde die Theorien noch miteinander streiten und denen die üble Nachrede die Schuld an mancherlei Unheil zuschreibt, für das sie vielleicht wirklich nicht verantwortlich zu machen sind. Oder sollte etwa gar der Fascis- muü eine Art Sonncnfleckenkrankhcit der Menschheit sein? Eine Verirrung menschlicher Denkfähigkeit, eine moral insanily, ein sittliches Irresein, bewirkt durch besonders wirksame Flecken auf der Sonne? Bis 80.000 Kilometer Durchmesser kann so ein Sonnens leck haben; das ist leine Kleinigkeit! Der Mann steuert an seinem Fernrohr herum und zeigt auch noch die„Granulation", die Körnung des Sonncnbildes, über die man niaus lvcitcr sagen kann, als daß cs die ungeheure Feucrkohc des flammenden Gestirns ist, die hier als graue, zitternde Gallerte erscheint. Für eine Krone Entgelt ist cs eigentlich allerhand, der Sonne so inS flammende Ölesicht zu sehen. Krone — koruna— Korona— auch die Sonne hat eine Korona, einen farbigen Kranz von Licht, also eine Krone, denn daö Wort„Korona" bezeichnete ja ursprünglich nur den Kranz als das Zeichen der Hcrrschcrwürdc, der sich allmählich zum edelsteinbesetzten Stirnreif, zum Diadem, und schließlich zur K-ronc auübildctc, deren Bild und Name sich dann auf Münzen übertrug. Da haben wir eine Menge Wissenschaft beisammen, so beiläufig erhascht bei einem kurzen Verweilen an der Straßenecke. Wem aber der „Blick in die Sonne" im trüben Spiegel des Bottichs doch zn dürftig erscheinen sollte, mag sich trösten: cS ist nicht so einfach, in den flammenden Glanz der Sonne zu schauen. Viel leichter ist cs uns gemacht, in den Mond zu gucken. Und das tun wir ja auch zumeist. Manfred. Ueber den österreichischen Bürgerkrieg unterrichten folgende Broschüren: Otto Bauer: „Der Ausstand der österrcichischcn Arbeiter" UL 3.— Emil Franzel: „Der Bürgerkrieg in Österreich". KC 2.— Julius Deutsch: „Der Bürgerkrieg in Österreich", UL 20.— Bestellungen an die Zentralstelle für das BildungLwesen, Prag Xll., Slezskä 13. «eite S Freitag, 4. Mai 1934 ' Nr. 103 PRAGER ZEITUNG Dec Zug der Fiinfzehnlau(end die 7 Uhr:„Geld belgischen Ar- Otc Herren Aktionäre der Böhmischen Union-Bank werden hicmit zur 62. ordentlichen Generalversammlung, Fürstenau. Der Vorstand. (Nachdruck wird nicht honoriert.) 1. 3. 4. Wcfclifcfirtfivfiiiiitc neuen Gesellschaft die Kunst einer Es gilt das festlich zu be- Wicn: beim Wiener Bank-Verein oder bei Rosenfeld& Co., Rathaus- 20, Basel: bei der Basler Handelsbank, Brüssel: bei der Banquc Beige pour l'Elrangcr, Mailand: bei der Banca Commcrcialc Italiana. Sie war im wcsent- und wurde in den meisten Punkten Doch zciate sich der Gerichtshof in- er den Schadensbctrag nute r der nach deren Ueberschreitung daS De- rechen wird und verurteilte die wegen Ilebertretung dar ander die nehmen. Die Theaterkammcr bzw. die Berliner Düh- uenorgauisatioii verweigerte demAuftreten Else BassermannS die. Gene h in i g n n g, weil sie nach den Begriffen der Dritten gleiches als u i d; t ganz raffen rein gilt. Auf Grund dieses Vorfalls hat Albert Basserman» die Konsegnenzen gezogen und ist aus der Biihuengenosseuschafi ausgetreten. welche am 23. Mai 1V34 um 11 Uhr vormittags in frag im Kasscnsaalc des ehemaligen Allgemeinen Böhmischen Bank-Vereins, Na PClkopC 3, stattfinden wird, cingcladcn. IciTicfien einen sehr guten Eindruck und haben viel zur Hebung des Athletiksporls in Dänemark beige- tragen. anseucrndei» Rhhthmns unzähliger Bora» die Radfahrer, sich mit dem sarbenbcwcgten MaitagcS VONUI5CNk UNION-BANK (vereinigt mit dem Allgemeinen Böhmischen Bank-Verein) Nene Tclephonaktion, Tic Prager Postdircktiou schreibt eine neue Telephon-Werbeaktion für die Stadtteile Altstadt, Rcnstadt, Josefstadi, Vyschrad, Karlin, ZiZkov, Brsovice, Nitsle, Pankräc und Michke an-?. Für die Errichtung von Hauptielcphonftaiionen, die in der Zeit vom 7. bis 10. Mai angcmctdct werden, wird der Banbeitrag auf-100 KC ermäßigt; werden aus demselben Hanse mindesten- zivci Stationen angemeldet, so ermäßigt sich der Banbeitrag auf je 300 KC. 200 KC sind sofort zu bezahlen, der Nest in Monatsraten zu 20 KC. Amucldnngcn an daS Telegraphenbaiiamt Nr. 2 in Prag II, HcinrichS- gaise v. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und Vorlage der Bilanz per 31. NH. 1033. Bericht des Aufsichtsrates. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. Wahlen in den Vcrwaltungsrat. 5. Wahl des Aufsichtsrates. Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der Generalversammlung tcilzunehmen beabsichtigen, werden ersucht, ihre Aktien mit Coupon Nr. 54 spätestens bis 15. Mai d. J. bei einer der folgenden Stellen zu hinterlegen und dagegen die Legitimationskarten in Empfang zu nehmen: bei der Böhmischen Union-Bank in Prag oder bei einer ihrer Filialen in Asch, Aussig, Bodenbach, Böhmisch-Budwels, Bratislava, Braunau i. B, Brünn, Brüx, Freiwaldau, Friedck, Gablonz a. N., Graslltz, Hohenelbc, lglau, JUgern- dorf, Karlsbad, Königinhof a. E., Leltmeritz, Marlenbad, Mähr.-Ostrau, Mtth- risch-Schönbcrg, Ncu-Titsclieln, OlmUtz, Pardubitz, Pilsen, ProBnltz, Reichenberg, Rumburg, Saaz, Tcplitz-Schönau, Trautcnau, Troppau, Warnsdorf, Zwlttau. in Straße in in in Prag, am 3. Mai 1034. ipickplan der Kleinen Bühne. Freitag, 8 Uhr: KulturverbandS- Montag, V. Philharmonisches Konzert. Dirigent Sziill. Bach: Konzert siir drei Klaviere(Soli: Tie Kapellmeister Schick, Nicger, Pollak); Bach: Kantate „Weichet nur betrübte Schatte»!"; Mozart: Arte siir Sopran-Solo„Ch'io mi scordi di tc"(Gesang: Julia Nesfh); Mozart: Serenade Nr. 0 D.-Diir mit dem Postborn-Solo. Philh. Extra-Nbonn. Preise: Kc 3, bis KC 35. Spiclplan des Renen Deutschen Theaters. Heute, Freitag, halb 8 Uhr abends:„D c r junge Baron Neubau s", Bankbeamte und freier Verkauf, A. A.— Samstag, ist nicht alle S". B 2. Urania-Kino, Kllmentshä 4. Tie BerbandSmeifterfchaften der beitersportler. Im Fußball brachte die Vor- schlubrunde folgende Ergebnisse: Avenir Jeitsdstng Ath 4:1 und Groenich Antwerpen blieb mit 0:0 über Eendrackst Gent überlegener Sieger.— Die VaSkettbal l-Meisterschaft, die erstmalig ausge- tragcn ivnrde, ist bis zur Schlußrunde gediehen. In der vorhergehenden Runde gewann MonScron gegen Baulet mit 61:23 und Flenrus schlug Herscanr mit 08:20. Die beiden Sieger bestreiteil nun die Endrunde. Roewegische Arbeiter-Boxer und-Olinger weilten vor kurzem in D n n e m a r k. Die Gäbe bin- Zwei Haust 9llcfr*fri(nir! Me srotze«ieve T'on n rritnn bl0 einschllrftlich Sannlaa. Srrciu«ehmanns Xöcpter Von Montaq bis Donner-laa. Pfingsttour. Wanderung int Egertal auf zwei und drei Tage Besichtigung der Bäder FranzcnSbad, Maricnbad, Königswart und der alten Stadt Eger. Fahrpreis zirka 70 KL.— und Informationen jeden Freitag von Uhr in der Geschäftsstelle in der Rä> 4, 2 Stock. Vcrclnsnadirlditcn Sozialistische Jugend, Kreis Prag Sonntag, den 0. Mai, beteiligen wir uns an der Maitvandernng des Ains. Um 1 Uhr nachmittags sollen alle Gruppen am DTJ.-Platz bei Median sein. „Pariser HIotpourri", freunde und freier Verkauf.— Samstag, halb 8 Uhr:„P a r i s e r P o t p ou r r i". Basserrnann aus der Bühnengenossenschaft ausgetreten! Wegen der Arirrparagraphen BcrUn, 3. Mai.(Jnprest): Ter größte deutsche Schauspieler der leptcu Generation, Albert Basserman», ist aus der Bühnengcnosscnsdmft ans- getrete». Basscrmn»» hatte die Absidit, eine große Tournee durch Dcutsd)land zu nnternehmen. Seine! Fra», Eise Basserman», sollte in dem vorgesehene»! Stück„Insel" eine wesentliche Oiolle ebenfalls über-! Anmeldungen 0 bis halb 8 rodni tr. Nr. Sonntag, den 6. Mai, Zusammenkunft um drei viertel 7 Uhr a»t Smichowcr Bahnhof. Fahrt nach Nadotin. lieber die Bcrann zum Hof Pelunck, weitcr über Tolni Lipany und Horni Lipcnce zur JiloviKer Straße. Weiter auf einem schönen Höhemvcg, de: eine» schönen Blick anf die Moldau bietet, nackt Aarov. Hier Rast, Baden'und Spiele. Rückweg entlang bet Moldau nach Zävist, Modkam; und znr Endstation der Elektrischen nach Branik. Etwa 20 Kilometer. Fahrpreis KC 1.60. Führer Schal. Allgemeiner Angrstellten-Berband, Ortsarudde Prag. P f i u g st f a h r t: Jnngbunzlan, Burg Aösig, Erholungsheim Hirschbcrg der Arbeitersiir- sorge, Leipa, Danbaer Land, Melnik im Antobus nur 55 KC mit Nachtlager. Abfahrt Sonntag früh; Rückkehr'Montag abends. Einige Plätze sind noch unbesetzt. Anfragen mit Rücktarte an den Allgemeinen Angestellten-Verband, Prag II.. Fügnerovo nam. 4. Zusammentreffen: 11 e l> e r n a ch t n n g s iv a n d e r n n g: Samttag, 4 Uhr nachmittags, Endstation der 21er in Branik. Sonntag: SJ. Zentrum: 8 Uhr, Endstation der 21er in Branik.— SJ. Smichov: Halb» Uhr, Endstation der 21er in Branik.— SJ. Weinberge: 8 Uhr, Endstation der 14er in Kakerov.— ZI, Hol- leschowih: Halb 0 Uhr, Endstation der Her in Kakerov. Halbtagswanderer: Halb 3 Uhr nachmittags, Endstation der 21er in Branik. „Blumen-Zauberdung", das Blütenwunder Blumen an allen FensternI Welche Freude für den Besitzer wie siir den Beschauers Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräftigen und zu reichem Blühen bringen wollen, verwenden Sie„Blumen-Zauber- dnng", ein erprobtes, billiges Düngemittel. ein wahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dungguß beginnen! Bestellen Sie sofort ein Paket bei der nachstehend angegebenen Adresse und legen Sie den Betrag von KC 5.60 in Briefmarken bei. Alle Bestellungen richten Sie an die Verwaltung„Die Unzufriedene", Prag XII., Fochova tr. 62. Kunst und Wissen Ernest Ncuschnl Kollektivausstellung in Rcichrnbcrg. Das Rcichcnbergcr Gclverbcmusemn beherbergt zur Zeit diese Ausstellung, die einen starken Gesamteindruck gibt von dem Schassen des Malers. 1807 in Aussig geboren, an den Akademien in Prag und Wien gebildet,, hat Ncuschnl in staunenswerter Schaffenskraft heute schon ein Werk hingcstellt, wir dankbar als reinste Erfüllung sozialer Kunst nehmen dürfen. Sck>arfcr Intellekt, das Auge unbceinflußbare» Beobachters haben ihm Grundfehler der Gegenwartsgcscllschaft gezeigt, in hartem Daseinskampf hat er selbst die Tiefen proletarischen Leben» durchmessen. Aber sein Ange ist,zugleich das des Künstlers mit feiner andächtigen Freude an Farbe und Form, und sein Herz das des guten Menschen in leidenschaftlichstem Gefühl für Recht und Unrecht, in tiefstem Mitlciden an den liebeln der Zeit und ihrer Gesellschaft. Ans diesem reichen Wesen heraus gestaltet er. In leuchtenden Farben gibt er den Zauber südlicher Landschaft, leuchtend stellt er den südlichen Menschen in seinen naturgemästcn Rahmen. Klar und sachlich malt er das Bild der modernen Maschincnwclt, Industriewerke mit hochragenden Eisenkonstrnklionen, Neubau mit roten Zicgclwlindcn, und die Menschen hinein als Teile des übcrgcwaltigen Mechanismus. In ivundcrvollcn, altmcistcrlick> vollendeten Bildnissen lässt er die Seele des'Menschen sich zart und doch eindringlich anssprcchcn. Und diese, Kunst der Seclendcutnng macht die grostcn, meisterhaft lom- ponicrten Gruppen von Arbeitern zu erschütternden Dokumenten der Zeit, ohne äußerliche Tendenz, mir durch die treu erfasste Gestalt der Wirklichkeit, in die das Erlebnis des Künstlers geflossen und geformt ist. Und auf dieser Höhe künstlerischer Bewältigung der Welt, die uns, nicht nur durch die reife Kunst des rein Malerischen, an Rembrandts grohe Kompositionen denken lägt, wächst er über die Grenzen einer Zeit hinaus ins allgemein Gültige, Allmensch- liche. Dem unermüdlich Strebenden, nm immer höhere Ausgaben fick) Bemühenden gibt es keine Znsricdcn- hcit des Fertigen. Er wendet sich von dem Vollbrachten zu neuer Arbeit, neuen Problemen. Wir Genießenden dürfen uns des formgelvordenen Mühens freuen, dürfen gerade von diesem Künstler der Eröffnung noch unbekannter, neuer Wege geivärtig sein. Wir dürfen aber auch als schönste Bestätigung unserer Weltanschauung scststcllcn, das; and; diese scheinbar so unfruchtbare Zeit große Kunst hervorzubringen vermag, wenn des Künstlers Kraft fick; in den Strom der Entlvidlnng, des Fortschritts stellt, in ihm und mit ihm ans der negativen Hoffnungslosigkeit einer versinkende»” zu dem positiven Tativillcn einer anfstcigt. Hier lvird vorahnend neuen Zeit gebildet. (icrlclitssaal Rätsel um eine Spiritusflasche Und wir sie sich lösten Prag, 3. Mai. Im Laboratorium der chemisch- vharmazcntischcn Firma„H o r m o s a n" schien ein böser Geist sein Unwesen zu treiben, denn alle Versuche. und Proben, bei denen reiner Alkohol verwendet werden musste, mistlangcn aufs kläglichste. Als man dieser geheimnisvollen Erscheinung anf den Grund ging, zeigte fick;, das; der für die Experimente bestimmte Spiritus statt Oll Prozent nur estva 30 Prozent Gehalt hatte, mit anderen Worten, das; er von unbekannter Hand schändlich verwässert worden war. Nun begann man auf die Spiritusflasche besser äufzupassen und der Erfolg war, das; die 24- jährige Laborantin Marie N o v h in starken Ver dacht kam, Urheberin der Panischeres zu sein. Eine nnvcrmntet vorgenommene Hanssndinng bestätigte dieser Verdacht weitgehend. Man sand in der Wohnung der Novis Alkohol soivobl in reiner, als anck; in bereits verarbciteler Form vor, d. h. in Form verschiedener selbst angesetzter Schnäpse. Versckiiedene Bekannte der Laborantin bekundeten dann auch, das; diese sold)cn Erfrischnngeii sehr zugetan war, sid> öfters in mehr als heiterer Stimmung befand lind sich dann zu rühmen pslegle, ivas für hohe Eina h- men sie habe. In der Tat ist kaum anznnehnien, das; sie— and; bei grössten; Durst— den ganzen verschwundenen Alkohol selbst konsumiert hat. In drei Monnien ist nad> Angaben der Firma für mehr Sport• Spiel• Körperpflege Norwegens Arbeitersport im Aufstieg Es geht mit der Arbeitersportbewegung im Norden vorwärts. Der AJF.-Berbaitd Norwegens, wel- cher im Jahre 1024 4000 Mitglieder zählte, besitzt h e li t e 3 0.0 0 0. In Anbctrad-t der Struktur des Landes, eine ansehnliche Zahl. Welchen Idealismus die Genossen aufbringen, beweist, das; zu den V e r b a n d s m e i st e r s ch a f- t e. n i m Turnen am 15.'April zwei Teilnehmer ans Narvik antraten. Die Entfernung von Oslo bis Narvik beträgt 1200 Kilometer! Sieger in der VcrbandSmcisterschaft im Tiirucn blieben: 1. Martin Olsen(Oslo), 2. Asbjörn Sand(Lillcström), 3. Ariel Bentsen(Kragerö). Unter starker Beteiligung fanden am selben Tage drei Frühjahrswaldläufe statt. Dieselben hatten zusammen 550 Teilnehmer. DaS ist um so beachtenswerter, als acht Tage zuvor di« Bürgerlichen eine„Rekordbeteiligung" von 180 meldeten. Die Fustballfaison begann am 8. Avril mit einer Reihe von Puuktespielen in Oslo. Infolge ungünstigen Wetters ivaren Besuch und Lei- siungen nicht besonders stark. Als nächste V e r a il st a l t u n g e n sind zu nennen: Tie graste Propagandawoche in Oslo vom 0. bis 12. Mai, ivobei sich alle Sparten beteiligen. Der Haupttag ist der 10. Mai mit dem Propagandalauf. Derselbe hatte im vorigen Jahr eine Beteiligung von über 100 Mannschaften und 1200 Teilnehmern. An i n t e ru a t i o n al en F u stb all s p i e- len sind vorgesehen: 20. Mai: Belgien gegen Norwegen, 15. Juni: Dänemark gegen Norwegen. Desgleichen ist noch ein Spiel der Trondheiiner Kreis- mannschaft gegen Schweden geplant. Ein groster Teil der aktive;; Arbeit konzentriert sich nun zu der I u b i l ä u m S v e r a n st a l t u n g an; 8. Juni. Hier sollen erstmalig ghnmastisck;e Massenaussührnngen gezeigt werden, zehnjährige Bestehen des Verbandes gehen. Sonne, glntende. srühlingsirohe Sonne, lag wie ein stammendes Fahnentuch über diesem ersten Mai! Eine feiernde Stadt, eine feiernde Natur. Aber über dem Leuchten dieses selten schönen Tages, der alles Schivcre und Dunkle fortzuspülen schien, lagerten rmsidstbar. aber uns allen geivärtig. die breiten Schatten der Gegenwart! Es war kein Mai des Vergessens und der Gelöstheit. sondern ein Mai des Kampfes, der unbedingten Entschlossenheit und des Willens zum Siegel Scbon kurz nack; 0 Uhr sammelten in der Zitnä. Ecke Mczibransfä. die ersten Trupps der sozialistischen Maidemonstrantcn. Jugend, viel kampfsrobe. znkunslsprächtigc Jugend, rote Nellen am blauen Hemd und die Sturmlicder des Sozialismus auf den Lippen. Tann aber kamen sic mit wehenden roten Fahnen, über die die Früh- lingssonnc silberne Fcuergarbcn warf. auS allen Gassen, auS allen Rickstungcn der Windrose... Sportler, die Genossen aus den Bezirken, Tsebecken. Tcutsckc. ein unendlicher Strom, ein unendliches Viel der Gcsickstcr und doch eine brüderliche Einheit.„Nazdar!" riefen die einen. „Freundschaft!" die andern... Sie sprachen verschiedene Sprachen, aber sie hatten alle eine Fahne, unter der sic marschieren und kämpfen wollten! Gegen 10 Uhr setzte sich der gewaltige Zug unter dem Kapellen in Bcivcgung. deren festlich geschmückte Räder leuchtenden Bild de vereinigten. Ihnen folgten die Führer der beiden i Parteien, die GcwcrkschastSsormationcn. die Sportler im bunten Gewand. Jugend mit fliegenden Fahnen, Postler. Straßenbahner. die Genossen aus den Bezirken, Zug um Zug, eine unendliche. sonncnüberflutcte Kette, über der die roten Fahnen wie Leuchtzeichen zu schweben schienen. Zahlreiche Transparente, die sozialistische Kampflosungcn verkündeten und mls denen die Massen ausgesordcrt wurden, Demokratie und Freiheit gegen den fascistischcn Wahn der Volksfeinde zu verteidigen, wurden im Zuge mitge- siihrt. Biele Tausende umsäumten den Weg der roten Kolonnen, viele Tausende, die dem grandiosen Kampsmarsch der Sozialisten begeistert zujubelten. Ucberwältigcnd war das Bild auf der breiten Anmarschbahn des WcnzclsplahcS. Fahnen über Fahnen, Menschen über Menschen, wäh- rcnd der antreibende Rhythmus der Marschmusik den Riescnplatz erfüllte. Am Graben und am Nationalthcatcr versuchten einige bestellte Row- dics, ohnmächtig und hilflos, gegen die mächtige Demonstration des sozialistischen Prag anznstän- kcrn. Wo sic nicht eiskalte Verachtung ignorierte, wlirdcn sic im Handlimdrehcn von den empörten Massen hinivcggefegt. Als der Vortrupp der Jünfzehntauscnd am Moldauufcr cinbog, standen in der Zitna noch die Massen.... Silbern, wie verjüngt, flutete die Moldau. Und als Spitze des RicscnzugcS ans der Slawischen Insel eintraf und die Internationale ausklang, da wustten wir, daß das Volk der Republik mit uns marschiert. In den Mai der Massen, in die Zukunst 1 P—re. lals 5000 KC reiner SpiriniS verschwunden, den !Novit grösstenteils vermutlich unter der Hand vcr- ! kauft bat. Bei der Hausdurchsuchung wurden aber noch !andere Tinge zustande gebracht, so auch versckiiedene Silber löffel und-messe r, die mit der Marke„B arTurando t" versehen waren und offenbar in diesem Nackulokal geklaut worden sind. Nack einigem Sträuben gab die Novis die sonderbare Erklärung, sie habe die Silbcrsachen nächtlicherweile am Wenzelsplab von einem unbekannten Herrn geschenkt bekommen. Da nun aber Indizien aufgetaucht waren, die auf ganz gewöhnlickcn Diebstahl hinwicsen, erinnerte s sich der Ebes der Firma„H o r m o s a n" eines my- i stcriösen Vorfalles im Laboratorium, ihm war uäm- lich einmal sein Ehering, den er zu Beginn eines ^Experimentes abgciireift und in die Tasche seines Er- i perimenticrmantels gestickt hatte, spurlos aus dieser verschwunden. Als er die Anzeige erstatten wollte, stellte ihm der unbekannte Dieb den Ring in einem Kuvert per Post zurück und die Sache geriet in Vergessenheit. Audi dieser Tat ist die Noms dringend verdächtig, weil sie am ehesten zu dem Mantel ihres Chefs zutritt batte. Schließlich wird der Novü noch zur Last gelegt, daß sie beim Einkauf der für die Versuche hestimmten K a n i u di e u diese mit 16 KC verrechnet hatte, also um zwei Kronen teurer. Da die von der Firnm ! erzeugten Hormonpräparate ans Tierdrü- i scn hcrgestellt werden, war der Bedarf an Vcrsnchs- tieren ein recht hoher und so ergibt sid> and; anS diesem Titel ein Sdiadcn von einigen hundert Kronen. Wegen aller dieser Tinge stand heute die Novis vor dem Senat M r ä z e k unter Anklage der Verbrechen des D i e b st a h l s, der Veruntreu- u n g und des Betruges. liehen geständig schuldig erkannt. sofern milde, als Grenze annahm, | litt zum Verb Angeklagte mir wegen liebertretung zu drei Monaten strengen Arre st es, aber freilich— mit Rücksicht auf die mehrfache Begehung— unbedingt. rb B ez n g s b e d t n g u n g e n: Bei Zustellung ins HauS oder bei Bezug durch die Poft monailicki KC 16.—, vierteljährig KC 48.—. halbjährig KC 06.—, ganzjährig KC 192.—.— Inserate werden laut Taris billigst bercdmel. Bei öfteren Einschaliungeu Preisnachlaj;.— Rückstellung von Manijkripicn erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeitungsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Erlast Nr. 13.b00/VH/H)30 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlags- und ZeitungS-A.-G., Prag.