Einzelpreis 70 Mir (•lnichll«6llch 5 HrIIrf Porte) IEHTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xil., fochova«r. teeefon am. Administration TELEFON 5Mt. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR i WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REO AKTEUR i DR. EMIL STRAUSS. PRAG. 14. Jahrgang Samstag, 12. Mai 1934 Nr. 110 Die Wahlsltzung einbcrulcn 24. Hal um 9 Uhr so P rag, 11. Mnl. Im Sinuc des§ 38 der i PerfasinngSnrtimdc Hut Ministerpräsident Mn-! I N v e t r die Rationalversamnitting zur Wahl des Präsidenten der'Republik und zur Entgegennahme seines Gelöbniffeö für Donnerstag, deu 24. Mal, um ll'ä 11 lir vormittags in deu Wladislavsaal> ans der Prager Burg eiuberufeu. Die Einladnn- geu tragen das Datum vom 10. Mai. Rußlands Völkerbund cintrltt auf der Herbsttagung des Plenums G e n f, 11. Mai. Der Grueralsekrelär des Völkerbundes hat heute deu Regierungen der Mitgliedsstaaten mitgeteilt, daß die 1'». Sellion der Pölkrrbimdversanimttmg am 10. September I. I. um 10 Nhr 30 eröffnet werden wird. Zu den wichtigeren Problemen, deren Lösung jetzt für diese uiichste Sestiou vorbereitet wird, gehört die Frage deS EintritteSSowjetrnß- land- in den Völkerbund. Neber diesen Eintritt wird in Genf an amt» lichen Stellen mit immer größerer Bestimmtheit gesprochen und eS bestehen keine Zweifel darüber, dah die Berhandlnugen in dieser Krage bereits in vollem Gange sind. Die Hinder» niste, die sich der Mitgliedschaft der Sowjetunion in der Genfer Institution in den Weg stellen, werden hier nicht alS unüberwindlich angesehen. Eine weitere wichtige Frage ist der Antrag der polnischen Negierung auf Verallgemeinerung des internationalen Minderheitenschutzes. Mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten, mit denen die Abrüstungskonferenz zu kämpfen hat, wird in Genf augeuonunen, dah diesmal der VölkerbmidSmisschuß für die Herabsetzung und Beschränkung der Rüstungen gebildet werden wird, dessen Schaffung im vergangenen Jahre nicht erfolgt ist. Japan sucht neue Handel Eine„Warnung" an China D a i r e n, 11. Mai. Die japanischen Truppen in Ziwnntuug beschuldigen China, das« eS des öfteren den Wassenstillstand in Taugt verletzte. Die japanischen Behörden machen Ellina daraus aufmerksam, das« eS zur Verantwortung gezogen würde, wenn Nnrnhen entstehen würden. Die mandschurische Regierung hat au die japanische Regierung eine Note gerichtet, in der die chinesische Regierung beschuldigt wird, sich au der in der Mandschurei ausgebrochenen Aus- slandsbcwcgung zu beteiligen. Es wird ihr besonders vorgeworfen, die Aufständischen mit Waffen und mit Geld zu versehen. Außerdem seien mehrere Gruppen von Instrukteuren von dec chinesischen Regierung nach der Mandschurei entsandt worden, um dort den Kampf gegen d i e R e g i c r u n g P u b i 3 zu organisieren. Die mandschurische Regierung ersucht die japanische Regierung nm Maßnahmen, die Verbindungen zwischen chinesischen amtlichen Stellen und den mandschurischen Aufständischen unschädlich zu machen. Vie GPU verwaist Moskau, 11. Mai. Gestern starb!m Alter van 60 Jahren der Leiter der GPlI., der russischen geheimen Staatspolizei, Wjatschcslaw Mens chsins k i j, der dieses Amt seit dem Tode Dzershinskis im Jahre 1020 innehatte. Mit der Führung der GPlI. wurden einstweilen seine Stellvertreter Akulow und Jagoda betraut. Die endgültige Regelung der Nachfolgerschaft soll erst erfolgen, bis die schon seit längerer Zeit vorgesehene Reorganisation der GPki. geklärt sein wird. An der Einäscherung McnschinskijS in Moskau werden Vertreter der Grenztruppelf der GPlI. aus allen Teilen, der Sowjetunion tcilnchmen. Auch Stalin hat sein Erscheinen zugesagt. Vie erste Arbeitsgemeinschaft der arbeitslosen Düsend Versuchslaser in Theresienstadt Die Beratungen im Ministerium für soziale i Fürsorge sind jetzt so weit gediehen, dah in den- Pfingsttagen, am 22. Mai, das erste staatliche Versuchslager einer Arbeitsgemeinschaft in Theresienstadt eröffnet werden wird. ES wird anfangs ungefähr 60, später 120 arbeitslose junge Menschen beider Nationen pisammenfassen. Die Grundsätze dieses Kollektivums, welche im Ministerium gemeinsam mit den interessierten Verbänden, vor allem auch den Jugendorganisationen, erarbeitet wurden, Weichen wesentlich von dem ab, waS im Ausland, besonders aber in Deutschland und Oesterreich, der Arbeitsdienst darstellt. DaS erste Prinzip der jetzt bei uns eingeleiteten Aliion ist ihre Freiwilligkeit. Wede» direkt noch-indirekt darf jemand gezwungen werden, in ein Lager cinzntreten, und jeder hat das Recht, wenn er dies acht Tage vorher anmcldet, aus der Gemeinschaft auszutreten. Wenn er Arbeit findet— wobei er vom Lager durch eine ständige Verbindung mit den ArbcitsvermittlungS- ämtern unterstützt werden wird— entfällt sogar diese achttägige Meldefrist. DaS zweite wichtige Prinzip ist der Einbau einer möglichst weitgehenden Selbstverwaltung in die Organisation der Gemeinschaft. Alle kulturellen, körpcrerziehcrischcn und SchulungSfragcn werden von gewählten Vertrauensmännern geregelt. DaS Programm dieser Tätigkeit soll für die Zukunft der Lagerteilnehmer von Nutzen sein l Fachliche Sctmlung und Fortbildung, allgemeine Kenntnisse der Biirgcrknnde, der sozialen Gesetzgebung, ilnfallvcrhiitung usw.). Die Leitung des Lagers, die Führung bei der Arbeit und die Sorge für die Ordnung im Lager obliegt hingegen den vom Ministerium für soziale Fürsorge ernannten Personen. Vorgcbeugt wurde auch der Gefahr, daß sich die von der Arbeitsgemeinschaft geleistete Arbeit, Rein weiterer Aufschub der Genfer Verhandlungen Paris, 11. Mai. Ter Vorsitzende der Abrüstungskonferenz Henderson entfernte sich nach der heute vormittags stattgcfimdenen Beratung mit Außenminister B a r t h o u aus dem Außenministerium, ohne irgendeine Erklärung ab- zugcbcn. Henderson ist mit dem Mittagszug nach London abgereist. lieber die zwischen Barthou und Henderson stattgcsundcne Unterredung wurde eine kurze Mitteilung ausgegebcn, die folgendermaßen lautet: „Ter französische Aufteuminister B a r t h t u und der Präsident der Abrüstungskonferenz H e n< d e r s o n haben Henle vormittags den Gedankenaustausch, den sie gestern begonnen hatten, in dem gleichen herzlichen Geist fortgesetzt und festgeftellt, das« sie über die Notwendigkeit, den HauptauS- schuh der Rbrüftungskonferenz zu dem vorgesehenen Zeitpunkt des 20. Mai einzubcrufen, der gleichen Ansicht sind. Tas Bureau der Abrüstungskonferenz soll am Tage vorher zu einer beratenden Sitzung zusammentreten. Die Einigung über die Einberufung des Hauptauöschusscö ist deshalb von Bedeutung, weil Henderson noch bei seiner Ankunft in Paris sehr gezögert hat, ob er nicht die Tagung neuerlich über die Ferien hinaus auf unbestimmte Zeit vertagen solle. Alle Pariser Abcudblättcr billigen obige Entschließung.„Temps" sagt, daß es nunmehr not- I wendig sei, daß die britische Regierung endlich offen Stellung nehme, wie es die französische Regierung getan hat. Das Büro der Abrüstungskonferenz wird feststellen, welche Aussichten für wie es in anderen Ländern der Fall ist, durch Lohndruck zum Schaden der Arbeiterschaft aus- wirlt. Für den erzielten ArbeitScrfolg hat der Arbeitgeber— es ist dies in Theresienstadt der , Staat— denselben Lohn zu zahlen, den er Arbeitern im ordentlichen Arbeitsverhältnis zahlen müßte. Er kann also an der Einstellung von Lagcrmitgliedcrn niemals etwas verdienen. Im Rahmen dieser Grundsätze wird nun der Betrieb der Arbeitsgemeinschaft so organisiert, daß die Teilnehmer, grundsätzlich alle ledi- gen und arbeitslosen jungen Männer ohne Unterschied des Berufes von 18 bis 21 Jahren, im Lager Wohnung, Verpflegung, Arbeitskleidung und Schuhe erhalten. Olerechnei wird mit einer Arbeitszeit von 35» Stunden wöchentlich, serner mit täglichen BildungSvorträgen und Diölufsio- nen und mit turnerischer und sportlicher Betätigung. ÄedcS Mitglied wird bei der Kranlenver- I sichernng, cvent. auch gegen Unfall, versichert und enthält ein Taschengeld von 0.10 Kö pro Arbeitsstunde. Vorsorge getroffen ist auch für die Freizeit, für Abend- und SonntagSausgang. Außer der Arbeitsgemeinschaft in Theresienstadt. wo die Verlegung von ungefähr 1600 Meier der Staatsstraße durchqeführi werden wird, werden Lager bei Mähr. Ostrau und in der Slowakei vorbereitet. Das Ministerium für soziale Fürsorge ist sich aber dessen bewußt, daß diese i Maßnahme für die arbeitslose Jugend nicht die einzige bleiben kann, schon weil sic nur vorübergehenden Charakter trägt und nicht überall durchführbar ist. Es ist daher beabsichtigt, bei alle» § staatlichen und öffentlichen Arbeiten 10 bis 1ö \ Prozent drr Arbeiter aus den Kreisen der Ar- i beitsloscn int Alter bis zu 21 Jahren zu entneh- i men und in den Wintermonatcn die Heimstättenaktion, welche vom Genossen Dr. Czcch ins Leben gerufen worden war und sich sehr gut bewährt hat, in erweitertem Umfange sortztisetzen. die Fortsetzung und Beendigung der Konferenz bestehen. London, 11. Mai. Einer Information des Pariser Vertreters des Rciiterschcn Bureaus nach bleibt die französische Regierung dabei, daß sic einer deutschen Aufrüstung nicht Rechtskraft verleihen werde, da diese im Widerspruch zum Versailler Vertrag steht. Dies sei, wie verlautet, der Inhalt der Mitteilungen, die Barthou Donnerstag nachmittag dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz Henderson gemacht habe. Barthou hab« erklärt, die französische Regierung lehne den britischen ebenso wie den italienischen Plan in seiner jetzigen Form endgültig ab.' Außenminister Barthou soll Miltlvoch vom italienischen Botschafter eine Mitteilung erhalten haben, dcrznfolgc Mussolini mit der französischen Regierung der Meinung sei, daß nur ein neues Angebot der britischen Regierung die AbrüstnngS- konferenz retten könne und zwar ein Angebot, daö eine Garantie der französischen Sicherheit enthält, die über die Grenze von Locarno hin- anSgcht. Der französische Korrespondent des„Dail» Telegraph" berichtet a»S Paris, der französische Standpunkt in der Form, wie er Henderson von Barthou auseinandergesetzt worden sei, komme daraus hinaus, daß Frankreich ein deutsches Aufrüsten nur dann legalisieren tvürde, wenn Großbritannien ihm nicht nur AuSführungSgarantien, sondern auch Sicherheitsgarautien solcher Art gebe, die in der Praxis von einem B ü n d n i ö I kaum zu unterscheiden wären. Da hierauf keine! Aussicht zu bestehen scheine, sehe keine Möglichkeit, seinen jetzigen Standpunkt ändern. Habsburg und Revision Budapest, 10. Mai.(v) Feierliche Stimmung im Parlament. Herr Ministerpräsident General GömböS spricht. Alles— Regierungspartei und Opposition— ist vollzählig erschienen. Programmatische Erklärungen werden prophezeit. Der sonst so gestrenge General wird diesmal in innerpolitischen Fragen von Per- söhnungSstimmung beherrscht. Merkwürdig weiche klingende Töne werden über die notwendige Einigkeit der Nation von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linken angestimmt. Ein EinhcitSsrontangcbot wird an die Adresse der Sozialdemokraten mit der feierlichen Per- kündigung gerichtet, daß die Regierung die ge- Heime Abstimmung bei den Wahlen zusagt. Arbeitslosenunterstützung wird zwar nicht gewährt, aber die Arbeitslosigkeit wird ausgehoben. So verspricht eS Herr Gömbös. Im Gegensatz zur iunerpolitischen Sanftheit reitet der Ministerpräsident die außenpolitische Fron? mit Generalbravour ab und beweist bei der Behandlung der zwei Hauptfragen, Revision und HabSburg, eine dilettantische Nncr- schrockenheit, deren Kosten einmal leider daS ungarische Volk bezahlen wird müssen.„Die ungarische Nation ist nicht ko tief gesunken" wird unter stürmischem Beifall der Eingepeitschten seitens des Einpeitschers erklärt,„um ihrs völki- scheu Probleme zu Wirtschaftsfragen zu degradieren." llcbcrraschend wirkt diese Verkündung weil doch kein Mensch ähnliches von Ungarn forderte Im Gegenteil: Der Herr Ministerprä- sident unternimmt— sehr willkürlich— in der Maske wirtschastlichcr Fragen einen politischen Angriss gegen die Tschechoslowakei. Und es wird auch ofsizicll die neue RevisionStcrminologie seicrlichst proklamiert. Gegenüber den bisherigen Lösungsformeln des Donaubcckens wird das neue erlösende Losungswort von dem Karpa thcnbeckcn formuliert. Der diplomatisch vorsich ligen Formel„llnabhängigkcit und Autonomie" wird die brutal aufrichtige Forderung der Herstellung der Integrität BorkricgS-UngarnS cnt- gcgcngeftcllt. In der HabSburgcrfragc bekennt sich Herr Gömbös zur freien Königswahl. Er. ist aber auch bereit über die andere Lösung, di? lcgitimistische— zu verhandeln. Die KänigS- frage ist derzeit nicht aktuell. Wenn aber die Interessen der Nation eS fordern, so muß daS Problem gelöst iverden. Die zweideutige salomo- nische Weisheit in der Offenbarung des Herrn Gömbös bedeutet nicht weniger, als daß der machtpolitische» Vorstoß der Legitimisten in Ungarn diesmal erfolgreich mar. Der legitimisiischc Gedanke kann sich nur au machtpolitischcn Stiitz- punkten anlehnen. Sozial sind die Habsburger, wie überhaupt die monarchistische Idee entwur- zelt. Eine sogenannte Stimmung für die Habsburger sonnte man nur in den heißesten Tagen des weißen Terrors im Jahre 1910-20 wahrnehmen, als cs sich herumsprach: Sogar Habs- bürg ist ein kleineres Nebel als die weißen Terroristen. Hellte wollen weder die Bauern noch die Arbeiter» nü Kl e i n b ii r g e r etwas von H a b s b u r.g wissen. Von 8.3 Millionen Einwohnern sind gewiß acht Millionen habsburgfeindlich. Habsburgfreundlich sind nur die 1100 aristokratischen Großgrundbesitzer, die hohe Geistlichkeit, die Pensionierte Generalität, die jüdische Hochfinanz und das jüdische Industriekapital. Diese Gruppen wollen durch Habsburg ihren Besitz, die ivirtschaftliche Macht sichern, ihre imperialistischen Ziele durch die Habsburger- Expansion erreichen und die durch die Konterrevolution in den Sattel gehobene regierende Gentrpkastc, die Eindringlinge, die Konterrcvo- lutionSgehilsen verdrängen. Die konterrevolutionären machtpolitischen Franlreich!«läktoren mären bisher antilegitimistisch cuige- z„; stellt, Horthy und Gömbös haben im Interesse ihrer Herrschaft die Armee von allen lcgitimisü- Frankreich forciert die Entscheiduns Seit« 2 Sam-ta«, 12. Mai 1034 Nr. 110 Spanische Oumnaslasten trnficii politische Differenzen mit den Revolvern aus Madrid, 11. Mai. In Madrid kam es am Donnerstag zn Zusammenstößen zwischen soziali-« stischcn und fascistischrn<'-i>uinnsiasten. Es fielen mehrere Schüsse, durch die einer der Fascisten getötet, ein anderer schtver verletzt wurde. schen Offizieren restlos gesäubert. Polizei, Gendarmerie und Bürokratie wurden durch Peusio- nicrungcu und Entlassungen hundertprozentig für die aiitilegitiiuistische Rcgicrungssnhrnng als ein absolut sicheres Instrument auSgebaut. Ein legitimistischer Putsch wäre also aus. sichtloS. Mau versucht daher mit Geld und diplo- matischcn Intrigen in Verbindung nut der bei jeder Aktion als Schlager dienenden Revisionspropaganda dir Habsburgfrage zu lösen. Graf sigran, ein Führer der Legitimisten, erklärte im Parlament, das; er von maßgebenden diplo- matische» Kreisen ermächtigt wurde zu verkünden, das; weder Italien noch England und Frank- reich die Restauration der Habsburger verhin- dern würden. Nur die kleine Entente und Ministerpräsident GömböS— ruft Herr Sigray pathetisch a»§— sind Feinde der Habsburger. Aus gut unterrichteten politischen Kreisen vernimmt man, daß ein geivescncr englischer konservativer Minister Herrn Sigray diese merk- würdig abenteuerlich klingende„Ermächtigung" erteilt habe, und ihm als Znwaage gewisse Per sprcchungcn betreffend die Revision der Frieden Sverträge mitgab. Vor solcben Kindermärchen kapituliert auch das Hgupt der freien Königs» Wähler Herr GömböS. Der agressive Legitimi» stensührer Markgraf Pallapicini guittiert auch in offener ParlainentSsitzung die Wandlung des Herrn GömböS zu Habsburg. Wenn Habsburg die Gewiunung der Slowakei, der Rumänen in Siebenbürgen, der Serben im Banat gelingt, ist auch der Patriotische Antihabsburger bereit, über die Lösung- der Habsburgcrsragc zu verhandeln. Um so eher, als in Oesterreich die macht- Politische HabSburgersront ebenfalls gesichert er- scheint. Die Antihabsburgfront der Sozialdemo, kraten wurde durch Kanonen zertrümmert, die Regierung ist legitimistisch eingestellt. Die Armee gehorcht dem Lcgitimistengeneral Fürsten Schön- burg-Hartenstcin. Die republikanischen Offiziere sind schon pensioniert. Polizei und Gendarmerie führt der Legitimist Feh. Die Selbstschutzorgani- sationcn der Legitimist Starhcmberg. Justiz und Schule sind dem Legitimisten Schuschnigg un- terstellt. Die ungarisck-cn Vabanque-Spicter glauben also, man könnte es wagen... Das Säbelrasseln des Herrn GöniböS in der RevisionL- frage im Einklang mit der Verkündigung der Versöhnung in der Innenpolitik und die versöhn- liche Geste gegenüber den Legitimisten scheint eine Etappe in dem Austnarschplan zum Eroberungskrieg des Herrn Generals GömböS zu sein. Man wird die Vorgänge im Donaubecken schärfer beobachten müssen, sonst wird n;an Ucberraschungen im Becken der Karpathen erleben. ! Industriestillegung— j gegen Staatsinteressei Die Holelschner Glasarbeiter prangern die kapitalistische Konzentrationspolitik an. In der großen Protestkundgebung der Holelschner Glasarbeiter, über deren Perlauf wir schon berichteten, wurde eine Resolution beschlossen, in der es u. a. heißt: unter Bcdachtnnhnie auf das Wirtschaftsleben de» Staates bemerte» wir, daß der Nm- say bei de» hiesigen tluterucluuuugen in den letzten 15 Jahren durchschnittlich SO Millionen Kronen betrug. Infolge der Stillegung der Glasfabrik I wüßte die Staatskasse mit diesem Ausfall rech- »tn. An direlten Steuern, d. s. Einkommen-, Umsatz-, Luxus», Rentstkuern und Tchurfgrbühren hatten der Staat in den letzten 15 Jahren ein , Einkommen von 72 Millionen Kronen, um welchen !Betrag die Staatskasse nun verkürzt würde.. Die tschechoslowakischen Staatseisrnbahnen nahmen in der letzten Zeit für Frnchtgebührrn 35 Millionen ! Kronen ei». Aus all dem geht hervor, daß die i Erhaltung der Glasfabrik in Holeischen nicht nur I eilte Angelegenheit von Westböhmcn ist, sonder» ein eminentes StaatSinteresse sein muß und deshalb verlangen wir» daß dir s Regierung alle ihre Kräfte zur Fortführung der Glasfabrik anfwrndr und dir Verlegung der Er zeugung in dir Firma Weimann nach Schwaz unterbinde. Dafür spricht auch der Umstand, daß das Holeischner Glas in den 33 Jahren des Bestandes der Fabrik dank seiner hervorragenden Qualität auf den Weltmärkten einen außerordentlich gute» Ruf gewann und daß der Untergang dieses GlasbetrlrbeS die tschechoslowakische Ans- I fuhr schädigen und einen ungünstigen Einfluß auf unsere Außenhandelsbilanz nehmen würde. Der Untergang der Glasfabrik würde auch eine ganze Reihe von Großfirmrn>pit mehr als 500 Beschäftigten ans dem wirtschaftlichen Getriebe auS- schließen. Wir wissen, daß eS nutzlos tväre. bei den hiesigen Besitzern einen Funken menschlichen Gefühls zu suchen, deshalb suchen wir Brrständnis und Hilfe bei unserer Regierung, die berufen ist, die Interessen der arbeitenden Be- völterung zu schützen, um so mehr, als die wirtschaftlichen Tatsachen ans unserer Seite sind. Wir ! glauben, daß die tschechoslowakische Regierung unsere Hofsuung nicht enttäuschen und nicht zn- lassen wird, daß Hunderte von Familien hoff- ! nungsloS der Bcrzivciflnng preisgegcben tvcrdcn. Wir rufen deshalb in letzter Stunde der Regierung zu, schneltstens zur Wahrung unserer Rechte cinzugreifen. neidisTraucnsdnilc in liirsdibcrg Aus verschiedenen Teilen der Republik hatten sich am Sonntag, den 29. April, Genossinnen zur Reichs-Franenschnle cingefunden. Die meisten der Frauen kannten das Heim der Arbeiterfür- sorge noch nicht. Bewundernd standen sie vor dem stattlichen Bau am llfcr des Hirschbcrgcr Sees. Der Bau ist geschaffen für die erholungsbedürftige Jugend, er dient aber auch vorzüglich zur Abhaltung von Schulen und Kursen. Am Montag, den 30. April, wurde die Schule von unserer Schulleiterin, der Genossin Dr. Karla S ch w e l b aus Prag, eröffnet. Das Zujtanhesomivrn dieser Schule-.- dankest: chfr. pew Frauenrcickskomitee und"denr Parteivorftänö, hauptsächlich aber der Initiative der Genossin Blatny. Es wurde deshalb unsere Schule „Fanny-Blatny-Schnle" benannt. Der Lehrplan tvar sehr reichhaltig. Frauen- nnd WirtschastSprobleme wurden eingehend er« i örtert. Daneben hörten wir lehrreiche Dorträge über Volksgesundheit, Knltur, Kunst, Literatur und moderne Propaganda. Zwei künstlerische Vorlesungen bildeten für die Hörerinnen ein tiefes Erlebnis. Die verhält- niSinäßig kurze Zeit von zwei Wochen war bis in die Abendstunden vorteilhaft auSgenüht. Viel boten uns jene Abende, an dem die Genossinnen kleine Referate halten muhten. Dieser I Versuch gelang durchwegs. Die Genossinnen hatten ihre Aufgabe» sehr gut gelöst. Jene, die das Thema„Die Krise in meiner Heimat", behandelten, entrollten n»S ein Bild sozialen Elends. Ter AuSklang dieser Referate war, daß die allgemeine Not nur ein gemeinsamer Kampf lindern kann. Wir Schülerinnen haben am 1. Mai an der Demonstration in Böhmisch-Leipa teilgenonnnen. Freudig marschierten die Genossinnen hinter ihrer roten Fahne und ihrem Transparent: „Frauenschule Hirschberg, FrauenstudierendenSozialiSmus." Am Abend des 1. Mai waren die Schülerinnen-bei der-Maiseier.in Hirschberg, Im Heim der AKsitcrfürsorge--veranstalteten tvir am 6. Mai einen Freundschaftsabcnd, an bent 86 Hirschberger Parteimitglieder unsere Gäste waren. Die Schulungvtage gingen zu Ende und wir haben allen z» danken, die sie so erfolgreich gestalteten. Nun fordert der Alltag von nnS sein Recht. Die großen und kleinen Sorgen, die wir als Arbeiterfrauen zu tragen haben, sie treten wieder an nnS heran,>vir müssen sie zn meistern versuchen. Wir wollen aber auch unsere Pflicht als Funktionärinnen der Frauenbewegung gewissenhaft erfüllen. Die„Fanny-Blatny-Schnle" in Hirschberg hat unsere Kenntnisse bereichert, sie hat uns aber auch in dem Glauben bestärkt, daß die sozialistische Idee siegen muh. Anna Ä l e m e n z, Bodenbach. Vas unwürdige Spiel mit der Egerer Masarykstraße Auch der Landbündlrr in der Front gegen Mnsaryk So paradox eS klingen mag, ei> ist doch kein Druck» oder Hörfehler: Am Mittwoch hat die Stadtvertretung von Eger nach einer stürmischen Auseinandersetzung mit 22 Stimmen der Deutschbürgerlichen gegen 15 Stiunncn der Tschechen und Sozialdemokraten solvic eines Koinmunisicn beschlossen/ denThcaterplah in„M asarykplatz" umzubcncnnen. Tschechen und Sozialdemolraten gegen eine Ehrung Masarhkö, Dcutschbürger- liche— und noch dazu aus Eger— dafür? Sind aus den Egerer deutschbürgcrlichcn Saulussen über Nacht lauter Paulussc geworden? Keineswegs. Es handelt sich nur um einen jener bekannten Winkelzüge, ohne die die deutschbürgerliche Politik schon seit den Zeiten Schönerer» und K. H. Wolfs nicht existieren kann. Auch heute lachen sich die Egerer Bürgervertretcr insgeheim ins Fäustchen und glauben, weih Gott was für einen schlauen Schachzug sie durchgcführt haben. Die Sache verhält sich nämlich so: Schon Anfang März d. I. lag von tschechischer Seite ein Antrag auf Benennung der B a h n h o f st r aß e nach dem Präsidenten Masaryk vor. Diesen Antrag, der auch vom Stadtrat besürtvortet wurde, suchten die Tcutschbürgerlichcn seither mit allen Mitteln, auck durch Vereitelung der Bcsckluh- fähigleit der Stadtvertrctung, zn hintertreiben. Die Bahnhofstraße ist nämlich eine der schönsten und rcpräsentabetsten Straßen Egers, und das könnten doch die dentschbürgerlichcn Stadtväter nicht zulasscn, daß den vielen Fremden, die sich die alte Staufenstadt ansehcn wollen, gleich beim Bahnhof der Name M a s a r h l von den Straßcntascln entgcgenlcuchte und so auck nur den Sckein aufkommen liehe, als hätte die Egerer Bürgcrsckast für Masarhkö LcbcnSwerk auch nur einen Funken Verständnis. Darum haben die Tcutschbürgerlichen lieber seit Monaten die Stadt- Vertretung durch ihre Absenz arbeitsunfähig gemacht. Allerdings hüteten sie sick, den wahren Grund anzugcbcn, sondern benützten als Vorwand für ihr Tun die„Verzögern n g" der Bestätigung des ncugewählten Bürgermeisters. Als nun eine offene Stellungnahme nicht länger aufzusckicben war, änderten sie am Mittwoch plötzlich ihre Taktik und erschienen wieder in der Gemeindestube. Inzwischen hatte nämlick einer von ihnen da- Ei des Kolumbus entdeckt: Die Bahnhofstrahe bleibt Bahnhofstrahe, dafür wird der abseits gelegene Theaterplatz taxfrei zum„schönsten Platz" von Eger erklärt, durck dessen Umbcnnuna in„Masaryk-Platz" die Ehrung dcS Präsidenten viel besser zum Ausdruck komme als durch eine Umbenennung der Bahnhofstrahe. Voraus ging ei..: langatmige Erklärung, daß die Dcntfchbürgcrlichen energisch Verwahrung gegen die„Unterstellung" staatsfeindlicher Absichten einlegen. Und so geschah eS auch. Der Antrag des Stadtrates aus Benennung der Bahnhofstrahe nach Masartzk sand nur die Stimmen der Sozialdemokraten und Tschechen und blieb mit 11 gegen 23 Stimmen in der Minderheit, worauf daun die Herrschaften mit verschmitzten Lächeln die Umwandlung des versteckten ThcaterplatzeS in Masaryk-Platz mit 22 gegen 15 Stimmen beschlossen. Die„Ehrung" des Staatsoberhauptes 9 Unsere Töchter, die Nazinen Roman von Nerannla Zur MOMen Ich bin rasch in das Wohnzimmer gelaufen und richtig, da sah die alte Frau ganz klein und zusammengelanert neben dem Kamin und meinte, daß eS sie nur so schüttelte. „WaS ist denn geschehen?" fragte ich erschrocken.' Die alte Frau hob den Kopf; ihr Gesicht war ganz verändert, verzerrt, als ob sie Schmerzen hätte, und die Augen waren dick verschwollen tzpm Weinen. Sie reichte mir stumm die Hand, und als ich sagte:. «Ich bin gekommen, um ein gutes neues Jahr zu wünschen", erwiderte sie mi? zitternder Stimme: „Wünsch mir, dah ich bald sterbe, Kati, das ist das einzige. lvaS du mir wünschen kannst." Sie hat mich seit vielen Jahren, seit der Zeit, da ich als junges Ding bei ihr war, nicht mehr gedutzt, und es ist mir ganz komisch vorgekommen. Sie hat nach ihrem nahen Taschentuch getastet, sich die Augen gewischt und versucht, nicht mehr zu weinen. Aber die Tränen sind ihr immer wieder über die Wangen gelaufen, und ihr kleiner magerer Körper hat gebebt. Mein erster Gedanke war: sic hat ihr Vermögen verloren. Das kommt ja heutzutage oft vor. Und was soll die alte Frau, die nie arbeiten gelernt hat, tun? Die Claudia kann ja auch nichts. Ich habe sie gefragt, öb cs das ist. Sie hat den Kopf geschüttelt: „Wenn cs nur das nräre, Kati." Sie tat mir ja so leid, aber ich muhte trotz dem insgeheim lächeln: wer Geld hat, versteht es nicht, seinen Wert zu schätzen, und gar die Gräfin Agnes, die so anspruchslos ist, die weih ja gar nickt, tva<> es heißt, wenn man ohne Pfennig da- stcht. Sie hat eben immer genug zunc Leben gehabt. Vielleicht hat sie meine Gedanken erraten. „Ich weih, dah auch das ein Schlag für mich tväre", hat sie gesagt.„Ich bin ja schon alt und kann nicht mehr arbeiten. Aber das tväre wenigstens keine Schande. Und ich mühte mich nicht fragen, ob nicht auch ich die Schuld daran trage. Nein, das tväre keine Schande.". Sie hat mich so hilflos angesehen, dah ich gar nicht wuhte, was tun. Ich bin weiter in sie gedrungen, sie soll mir doch sagen, was geschehen ist, aber sie hat nur geweint und geflüstert: „DaS Aergste, Kati, das Allerärgste, die gröhte Schande, die mich treffen konnte." Und mehr war aus ihr nicht herauszubringen. Ich blieb über eine Stunde betz ihr und versuchte sie zu trösten, aber wie kann man einen Menschen trösten, Ivenn man nicht weih, worüber er so verzweifelt ist? Immer wieder bat ich sie, eS mir doch zu sagen, aber immer wieder antwortete sie: „Ich kann nicht, Kati, ich kann nicht. Ich schäme mich zu sehr. Vielleicht morgen. Heute kann ich eS nicht sagen. Kann nicht." Sie hielt meine Hand fest mit ihrer alten mageren Keinen Hand. Und dann sagte sie auf einmal, ganz unvermittelt: „Wir waren immer anständige Menschen, immer. Wenn ich zurückdenke, an meinen Vater und meinen Grohvater und noch weiter und an ihre Frauen, so brauch« ich mich nicht zu schämen. Mein Grohvater hat auf dein Spielberg gesessen, weil er für die Freiheit gekämpft hat. Ja. wir waren alle anständige Menschen. Alle." Und dann weinte sie wieder, so verzweifelt, so faffungSloS, dah mir das Herz loch tat. Schliehlich sagte sie: „DaS ist kein guter Neujahrsanfang für dich, Kati. Geh heim. Du kannst mir nicht helfen. Niemand kann mir helfen. Komm morgen wieder, vielleicht kann ich cs dir dann sagen." Ich ging, und als ich mich in der Tür noch einnial unidrehte, sah ich, wie die alte Frau von neuen: das Gesicht in die Hände vergraben hatte, als wollte sie niemand sehen und von niemand gesehen werden. Und ihr Körper bebte wieder vor Schluchzen. Ich brauchte mir nicht lange über den Kummer der alten Frau den Kopf zu zerbrechen. Als ich über die Seepromenade heimging, sah ich Claudia vor mir. Sie schritt frisch und numter aus wie ein junges Mädchen. Der Sohn de» Notar» Fachinger, der zu den Ferien heimgekommen ist, kam ihr entgegen. Und Claudia hob die Hand pnd sagte so laut, dah alle in der Nähe eS hören konnten: „Heil Hitlers" ' Der Sohn des Notars Fachinger grühte mit erhobener Hand zurück, dann fchloh er sich Claudia an, und sie gingen zusammen weiter. Bon der entgegengesetzten Seite kam die Frau Doktor Feldhüter mit ihrer Lieselotte. Sie hatte das ganze gesehen. Ich hörte, wie sie im Vorübcrgehen zu Lieselotte sagte: „Also auch die Claudia. Das müssen wir gleich dem Vater erzählen. Ich hab dir ja schon immer gesagt, Lieselotte.. Mehr hörte ich nicht, tveil die Frau Doktor immer so schnell läuft, als ob sie etwas zu versäumen hätte." Ich ging langsam weiter; die Knie zitterten mir. Ich dachte an die Gräfin Agnes, an ihre Worte, dah die Aristokraten, die sich zu den Nazis schlagen, der„ärgste Pöbel" sind. Und jetzt muh die alte Frau das mit ihrer Claudia erleben. Die alte Frau, die stolz darauf ist, dah ihr Großvater für die Freiheit gekämpft hat.„ Auch mein Anton hat für die Freiheit gekämpft,— und unsere Toni... Toni und Claudia, unsere Kinder, unsere Töchter, die Nazinen. Das war unser NeujahrStag Gräfin Agnes schreibt in ihr Tagebuch Früher habe ich mich immer vor meiner Tochter Claudia versteckt, wenn ich in mein Tagebuch schrieb. ES ist ja auch lächerlich: eine alte Frau, die wie ein Backfisch Gedanken und Gefühle niederschreibt. Und Claudias spöttisches Lächeln tat mir stets weh. Sie verstand ja nicht, dah ein einsamer Mensch seine Gedanken, Sorgen und Gefühle irgendjemand mitteilen muh,— selbst wenn dieser Jemand nur ein weihcö Blatt Papier ist. Ein einsamer Mensch, ja, das bin ich eigentlich immer gewesen, schon als Kind. Meine Geschwister waren so anders als ich, starke lebensfrohe gesunde Kinder; ich aber muhte mich immer schonen, ich durfte nicht reiten, nicht Tennis spielen, keine Ausflüge machen. Ich war immer die „arme Agnes", die„nichts aushält". Seltsam, dah von uns allen nur ich heute noch am Leben bin. Meine beiden Brüder sind im Krieg gefallen, und meine Schtvester ist schon vor zehn Jahren gestorben. Aber wenngleich die andern Kinder nicht mit mir spielen wollten, war ich dennoch nicht unglücklich. Ich entdeckte sehr früh eine Welt, in der ich mich heimisch fühlte: die der Bücher. In ihr lebte ich, in ihr tvar ich glücklich. Wir hatten eine grohe Bibliothek, die von meinem Grohvater stammte. Wie viele schöne Stunden verbrachte ich, zusammengelanert auf dem alten Ledersofa, der- mahcn in ein Buch vertieft, dah ich nichts anderes sah und hörte, als das Leben der erdachten Gestalten, die mir näher standen als die Eltern und die Geschwister. (Fortsetzung folgt.) ftr. 110 Sette• SamStag, 12. Mai 1934 SolM der Revolution Unter bici'cin Titel ist soeben im Verlag der Zentralstelle für das Bildnngswesen eine Biographie eines der tapfersten Helden der österreichischen Revolution, Koloman Wallisch'» erschienen, die den Genossen Paul K e r i, eine» bedeutende» Journalisten und einen Sozialisten, der selbst von der ungarischen Gegenrevolution zum Tode verurteilt lvorden ist, zum Verfasser hat. Wir erfahren daraus manches Neue über den großen Märtyrer der österreichischen Arbeiterschaft, dessen Namen in die Geschichte eingegangen ist und dessen noch fernere Geschlechter in Ehrfurcht gedenken werde». Koloman Walliscti war akn 28. Feber 1880 in Lugosch im Banat geboren worden, stammte ans einer Maurerfamilie und wurde selbst Maurer. Mit 16 Jahren Gehilfe, trat er schon der sozialdemokratischen Partei bei und übernahm bald darauf Funktionen in seiner Geiverkschast, die ihn gnm Leiter eines KreiSsekretariateö machte. Später kam Wallisch nach Szegedin, der zweitgrößten Stadt Ungarns als Parteisekretär. Während der ungarischen Revolution wurde Wallisch Obergespann der Stadt, ein Amt, das bis dahin nur Aristokraten bekleidet hatten und das nun in die Hände eines Proletariers geriet. Nach deni Zusammenbruch der Räte-Regierung ging Wal lisch zunächst nach Marburg in Südslaivien, später nach Oesterreich, loo er sich sofort wieder in die Arbeiterbetvegung stürzte und zunächst Parteisekretär in Fürstenseld wurde. Tort belvährte er sich so, daß ihm die Partei bald den ivichtigen Posten eines Parteisekretärs in Bruck anvertraute. Wallisch hat in der Arbeiterbetvegung des Brücker Industriegebietes Außerordentliches geleistet und hat dort eine Musterorganisation der Sozialdemokratie geschaffen. Gerade das aber rief den Haß deS Bürgertums gegen ihn tvach. Dieser Haß wurde noch größer nach den blutigen Wiener Julitagen des JahreS 1027, da der als Annoort auf die 00 Todesopfer durchgeführte Generalstreik in Bruck lückenlos klappte. Die Arbeiterschaft übernahm in Bruck selbst für einige Stunden die Funktion der Behörden und so tviderhallte eS damals in ganz Oesterreich, daß Wallisch die Rätr- diktatur in Bruck auSgerufen habe. Tie Gegner der Arbeiterschaft suchten Wallisch mit allen Mitteln zn beseitigen, ein Mordanscblag wird gegen ihn ausgesührt, der aber mißlingt. In seiner ganzen menschlichen Größe zeigte sich Wallisch in den denkwürdigen Febertagen 1934. Als das Zeichen zum Generalstreik gegeben lvurde, Ivar Wallisch in Graz, wohin er mittlerweile als LandeSsekretär gegangen Ivar. Bei seinem Abgang aus Bruck halte er den Arbeitern versprochen, er werde wieder unter ihnen sein, wenn die Stunde der Gefahr gekommen sein werde. Er hat sein Wort gehalten und iit gleick» bei Beginn der Kämpfe nach Bruck gekommen. IUnter seiner Führung haben sich die Brücker Arbeiter glänzend geschlagen, sie haben einen Stnrm aus die Gendarmeriekaserne unternommen und mit Todesverachtung den militärischen Scblüssel- punkt Brucks, de» Schloßberg, verteidigt. Stundenlang tobte der.Kampf, bis die tapferen Sckntz- bündler der Uebermacbt des Militärs weichen mußten. Mit einer kleinen Gruppe zog Wallisch in die Berge, wo sie in Eis und Schnee die furcht- barsten Quälen erduldete», hungerten und doch nicht kapitulierten. Nackt einer mehrtägigen Hetzjagd gelang eö der Bundesexekutive durch Verrat der Person Wallischs habhaft zu werde»— das Ende ist bekannt. Wallisch lvurde vor das Standgericht gestellt, zum Tode verurteilt und gehängt. Seine Verteidigungsrede und sein tapferes Verhalten in den letzten Augenblicken feines Todes— er starb mit dem Worte„Freiheit" ans den Lippen— sind in der Broschüre Ke eis ausführlich dargesteklt. Das Büchlein möge viele, insbesondere jugendliche Leser finden. ES wird sie begeistern in den schweren Kämpfen, tvelche das sozialistische Proletariat noch zn führen haben ivird und für dessen heilige Ideale Koloman Wallisch. der lap- fere Soldat der Revolution, in den Tod gegangen ist. war vollzogen, aber jeder richtige Deutschbürgerliche weiß genau, lvas er davon zu halten hat. Mit vollem Recht haben unsere Genossen und auch die tschechischen Vertreter diese deutschbürgerliche Komödie nicht mitgemacht, sondern nach Ablehnung ihres Antrages aus llmbe.nennung der Bahnhofstraße gegen die Wahl des Thea- terplatzeS gestimmt und man kann nur voll unterschreiben, wenn der tschechische Sprecher bei dieser Gelegenheit den Deutschbürgerlichen'„ä n ß erst e n M a n g e l an Takt und Anständigkeit g e g e n ii b e r dem Staatsoberhaupt" vorwarf und auch der sozialdemokratische Stadtrat Genosse M ü k- l e r sich im Schlußwort heftig gegen die Deutschbürgerliche» tvendete. Daß mit den Gesinnungsgenossen der frü«. Heren Deutschnalionalen und Hakenkrenzler auch die Christlichsozialen gingen, deren Sprecher sogar als Wortführer der ganzen Gesellschaft auftrat, sei nur nebenbei festgehalten. Aber ein offener Skandal ist es, daß auch der Vertreter der L a n d b ü n d l e r, die nun schon seit 1920 ununterbrochen in der Regierungsmehrheit sitzen, diesen deutschbürgerlichen Affront gegen das Staatsoberhaupt milmachte. Daß das lange nicht der einzige politische Skandal ist, den sich Funktionäre des Bundes der Landwirte in der letzten Zeit geleistet haben, ist keineswegs auch nur ein MilderuugSgrund! Die Führung des Bundes der Landwirte(oder existiert vielleicht nur noch der„sndetendeutsche Landstand", der in Anlehnung an fremde Vorbilder seinerzeit so überraschend schnell proklamiert wurde?) wird sich jetzt endlich einmal f ü r eine klare Linie entscheiden und die Einhaltung dieser Linie durch alle ihre Funktionäre und Parteiangehörige auch endlich einmal energisch überwachen müssen! Es geht nicht länger so weiter, daß man „oben" zwar demokratische Töne anschlägt, aber höchstens bedauernd die Achseln zuckt, wenn schon der Herr Generalsekretär einen Zickzack-Kurs eiu- schlägt, wenn der Herr Hecke r die Landjugend am liebsten in geschlossenen Formationen ins Henleinlager überführen möchte und wenn jetzt auch noch die Funktionäre in den Gemeindestuben mit ehemaligen Deutschnationalen etr. gegen das Staatsoberhaupt intrigieren. Vielleicht entschließt sich der„Führer" Spinn doch endlich einmal, eine für alle verbindliche Richtung festzulegen I Die Tschechischklerikalen und die Demokratie Im gestrigen„Prävo Lidu" behandelt Ge-! »osse Dr. K r i Z die Verhältnisse in der tschechisch- i klerikalen Partei. Die tschechischklerikale Partei i hatte sich bis zum Ende des Weltkrieges den Habsburger» verschrieben und erst dadurch, daß sie sich unter Führung Srämeks auf den Boden der Demokratie und Republik gestellt hat, hat sie es wieder vermocht, in der Tschechoslowakei Boden zu gewinnen. Erst in der letzten Zeit hat Srämet in seiner Partei an Einfluß verloren. Sein Gegenspieler, der Kanonikus S t a s e f, hat sich einigen Leuten genähert, die früher für den FaseiSmuS gearbeitet haben. An Stelle des dem demokratischen Flügel angehörigen Chefredaktuers der „Lidovö Lisch", Dr. DoleZal, hat Ttasek den ehemaligen Faseisten S ch e i n o st gesetzt. Diese beiden, Stasel und Scheinost, haben nun eine Propaganda für den Ständestaatsgedanken eröffnet und Srämek für einige Zeit in den Hintergrund gedrängt. Stasek wollte die Partei in Böhmen ganz unter feinen Einfluß bringen, Srämek sollte auf Mähren beschränkt werden, toährend die Slowakei Hlinka ausgeliefert werden sollte. Die Gruppe Stasek ist aber in der allerletzten Zeit sowohl in der Koalition als auch in der eigenen Partei auf Widerstände gestoßen, so daß man behaupten kann, die Welle des Faseismus und des StändestaatSgedankenS habe auch in der klerikalen Partei bei uns schon den Höhepunkt überschritten. DudgetaussdiuO der Landcs- vertretung und Griechenland studiere» wird. war ist in jede so- i e e r nick» und daß gewinnen Ivird. Wöllersdorfer Nazi demonstrieren Verhältnisse in der Partei beseitigt werden sollen. Tie Kounnission hat die Vollmacht, alle. Parteimitglieder, die in irgendeiner Affäre, wegen unehrenhaften oder unehrlichen Handelns kompromittiert sind oder waren, zu verhören. Die Konnnission wird ihre Funktion bis zum nächsten Parteikongreß im Oktober d. I. anSüben. Sie betraut alle Kreisorganisationen damit, ähnliche Kreiskonunijsionen zu wählen, die die Verhältnisse in ihrer Organisation eingehend prüfen und in längstens drei Monaten entsprechende Berichte an die Zentralkommission schicken werden. Nachmittags hörte der Kongreß den Bericht des Chefredakteurs Albert Bähet über die Notwendigkeit der Säuberung in der Partei an. Der Linksflügel hat einen Gegenantrag vorbereitet, in welchem gefordert wird, daß die Säuberung in allen Re- gierungsparteien und nicht bloß in der radikalen Die Nationalsozialisten im WöllerSdorfer Konzentrationslager rotteten sich gestern nachmittags zu einer Demonstration zusammen, wobei sie die Fenster ihrer llbikationen und einen Teil der Inneneinrichtung zerschlugen. Einige Redner hielten Kämpfreden und unter dem Rufe „Heil Hitler" wurde auch eine nationalsozialistische Fahne gehißt. Polizeiverstärkungen auS Wiener Reustadt konnten die Ruhe im Lager wieder herstellen. Hilfspolizist verschleppt! Innsbruck, 11. Mai. Bei Sckmruiu nahe der bayrische» Grenze wurde ein österreichischer Hilfspolizist, der dort Dienst versah, von reichsdeutschen Rationalsozialifte» auf bayrischen Boden verschleppt und nach Miltenwald gebracht. Alle Bemiiftmigen der österreichischen Stelle» um Freilassung des Hilfspolizisten blieben bisher vergeblich. „Kampf“ und„Tribüne“ vereinigt Die limnöglichkeit der weitere» Herausgabe des„Kampf" in Oesterreich hat dazu geführt, daß der„Kampf" nun i» der Tschochoslolvakei erscheint, und zwar vereinigt mit der wissenschaftlichen Zeitschrift unserer Partei, der„Tribüne", weil so nicht nur zahlreiche neue Mitarbeiter für die„Tribüne" gewonnen werden konnten, sondern weil dem sozialistischen Leser auch eine inhaltlich reichhaltigere Zeitschrift in die Hand gegeben werden kann. Ter Titel der Zeitschrist lautet„Ter Kampf", vereinigt mit der„Tribüne". Die erste Nummer enthält folgende Aufsätze: Emil Vandervekde(Brüssel): Ein Gruß. Otto Bauer: Tie Strategie des Klassenkampfes. AustriaeuS: Massenpartei und Kampsorganisation. Theodor Dan: Ter österreichische Aufstand und die Umstellung der Internationale. Zoltän R ö n a y: Tas neue Antlitz deü Donau- annes. Robert Werner: Oesterreichische. Lehren. Emil F r a n z e I: Wien in der Weltgeschichte. Bemerkungen. Bücherschau. ES ist zn hoffen, daß der neuen Zeitschrift nur die bisherigen Bezieher des„Kampf" der„Tribüne" treu bleiben werden, sondern sie auch viele neue Freunde und Abnehmer SA wird zurücKgcpflffen Hcimwehr rebelliert Der„B. P. L." meldet: In A h g e r ü d o r f, einer Wiener Borstadt, es zu einer Heiniwehrrevolte gekommen, als die einem städtischen Gebäude mitergebrachte Kom pagnie von über 100 Mann ausgelöst werden sollte. Vergeblich wiese» die Hahnenschtvänzler auf ihre Verdienste um die Regierung hin: die Regierung Dollfuß glaubt, die Heimwehr nicht mehr zu brauchen. Die Hahneuschwänzler erhielte» ihren letzten Sold und trugen ihn sofort in die Gasthäuser und Weinstuben in der Umgebung. Spät nachts kamen sie gröhlend und lärmend in die Ubikation zurück, vertrieben die Wache und begannen das Gebäude zu demolieren. Alle Fenster und Türen wurden zertrümmert, die grün-weifie Fahne der Heimwehr heruntergebolt, zerrissen, bespien und zertreten, dann wurde die ganze HauSeinrichtnng kurz und klein geschlagen. Tie Polizei getraute sich nicht an die Tobende» heran, die Besatzung der Ueber- sallsantos wollte nicht einschreite» und so blieb ein ganzes Stadtviertel unter dem Terror der„Baler- ländischen". Erst in den Bormittagsftnnden zerstreuten sich die Heimwebrler, ohne von den Behörden weiter belästigt zu werden. Radikaler Parteitag setzt Reinigungskommission mit groden Vollmachten ein Einmischung in kirchenpolitische Dinge ver boten Berlin, 11. Mai. TaS Presseanit der Ober-1 sren SA..-Führung teilt mit: Um die Versuche gewisser Elemente, Angehörige der SA. in kir- che»politische~' hineinzuziehen und dadurch dem Ansehen und der Geschlossenheit der SA. zu schade», ein für allemal unmöglich zu machen, hat Stabschef Rühm einen Erlaß an die SA. herausgegeben, in! dem angeordnet wird, daß jegliche Teilnahme von SA.-Angehörigen an lirchenpolitischeu Demonstrationen verboten ist. Gleichzeitig wird jede Art von Maßnahmen gegenüber den Pfarrern beider Konfessionen untersagt. Japans Angriff auf die WcltmärMc Tokio, 11. Mai. Die japanische Ein- und Ausfuhr ist sür den mit dem 10. Mai l. I. endenden Zeitraum um 23%, bzw. im Vergleiche zum selben Zeitraum des Vorjahres nm 8% geitie- Streitigkeiten! gen. Die Ausfuhr in die neuen Absatzgebiete. ' einschließlich Mittelamerila, Südamerika, Syrien, Afrika, Palästina und die asiatische Türkei ist im ersten Trimester des Jahres 1931 im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 10% gestiegen. Auch die alten Absatzgebiete einschließlich Europa, Asien, Nordamerika und Ozeanien haben eine größere Menge japanischer Waren im ersten Trimester d. I. int Vergleich z»m Vorjahre konsumiert. Gefängniswärter mit fünf Nazis flachtet nach Bauern Der Münchener„Oesterreichische Pressedienst" meldet: Aus dem Bezirksgericht Griestirchen in Oberösterreich entfloh am Donnerstag der Gefangenenaufseher Fritz Leja mit fünf inhaftierten SA-Männern, deren Abschiebung in das Wök- lersdorfer Konzentrationslager unmittelbar be- vorstand. Die sechs Flüchtlinge haben am Freitag die bayerische Grenze passiert und sind in Passan eingekroffen. Der Gefangenenaufseher Leja als Heimatwehr-Zugsführer verkleidet. | Die„Amnestie” f Wie die Abendblätter melden, wurden auf Grund des bekannten Erlasses des Insiizministe- riumr in den letzten Tagen 250 volilische Häftlinge in Freiheit gesetzt. ES handelt sich meistens um Angehörige des republikanischen Schutzbundes, die kleinerer D e l i k t e wegen angeklagt waren. Bor dem Landesgericht sollten heute vier Verhandlungen gegen Mitglieder des republikani- Antijüdisclic Ausschreitungen In Warschau Warschau, 11. Mai. Nm Laufe deS heutigen Tages wiederholten sich in Warschau die antijüdischen Exzesse, welche von den Mitgliedern dell raditalnationalistischen Partei arrangiert wurden. Nachmittags überfiel ein Stoßtrupp von Anhängern der genannten Partei die jüdischen Straßenpassanten in der Aleja Njazdvwsta, wo , z a h l r e i ch e I u d e n m i t S t ö ck e n m iß- handelt wurden. Abends drang ein großer Stoßtrupp in das Cafö„Bagatela" ein und ver- prügelte mit Stöcken und Gummiknüppeln die dort sitzenden jüdischen Gäste. Sodann zogen sie I zu einem großen jüdischen Obst- und Zuckerwaren- geschäft, wo sie die Waren mit Naphtha übergossen und vernichteten. Der Polizei gelang es. fünf Mitglieder der Stoßtrupps zu verhaften; es handelt sich durchlvegS um Arbeiter-Mitglieder der radikal-nationalistischen Partei. Clermont-Ferrand, 11. Mai. Ter außer ordentliche Kongreß der radikalen Partei ist heute unter Teilnahme von mehr als 1000 Delegier ten aller NeichSorganisationeu der Partei zusam mengetreten. H e r r i o t wurde beim Betreten des Saales mit Applaus begrüßt, doch machten sich auch Zwischenrufe der Unzufriedenheit bemerkbar. Er erklärte heute zu Beginn des Kongresses, daß er bei der morgigen Aussprache über die allge meine Politik der Partei seiften Standpunkt darlegen und seinen Gegnern die Stirne bieten werde. Ter Kongreß loste sodann 2»Kreis organisationen aus, von denen heute nachmittags ihren Delegierten in die genannte K o m m i s s i o n für d moralische Gesundung d Partei wählte. Die Kommission wird bis Sonntag eingehende-->>>>-»>»>- Anträge darüber ausarbeiten, Ivie die ungesunden| Partei durchgeführt werde. WW>WM>^WWWWWWWMWWWhWMWWmWWWWW>M>WW»WWWM scheu Schutzbundes stattfinden, doch wurde die j Verhandlung abgesagt und die Angeklagten wurden aus Antrag des Staatsanwaltes auf freien Fuß gesetzt. Lin Bestechungsversuch der DollfuB*Regierung Dem OND wird auö Niederosterreich berichtet: Ter frühere Handels- und Injtizminister I Tr. S ch ii r f f, ein Großdeutscher, teilte in einer Versammlung am 29. April in Mödling mit: „Man hat mir einen Gonverneurposten mit :t 0.0 0 0 S ck> i k l i n g I a h r e s fl e l) n 11 an» geboten, weng die Großdeutsche Partei' ihre O v p o s i t i o n S st e l l u n g a n s g i b t." Mit diesen Mitteln hat die Regierung Dollfuß versucht, die zur Verfassungsänderung erforderliche Anwesenheit von mehr als der Hälfte der Abgeordneten zustandezubringen. Was macht Oocring In Athen? Paris, 11. Mai. Eine hiesige Privatagen- tur berichtet ans Athen, daß dortselvst in den allernächsten Tagen der preußische Ministerpräsident und Reichsminister der Luftfahrt, Hermann Goering eiutreffen wird, der in der griechischen Hauptstadt die Möglichkeiten einer Lustverbindung zwischen Teutschlaud und der Türkei über Italien und(Hrfedtenfnnb itiihirrrii inirb Freitag, den 11. Mai, fand eine Sitzung des Budgetausschusses der böhmischen Landesvertretung statt, in welcher der Finanzreferent Dr. K u- b i st a den Rechnungsabschluß für das Fahr 1933 vorlegte. AuS seinem Bericht ging hervor, daß die Einnahmen des Landes für 1933 nm 37 Millionen KL geringer waren als seinerzeit veranschlagt worden war. Allerdings konnten auch namhafte Ersparungen erzielt werden. Nach einer kurzen Debatte wurde der Rechnungsabschluß genehmigt. Sodann legte der Finanzreferent den Antrag auf Aufnahme eines Investitionsdarlehens von 30 Millionen KL vor. In der Debatte hierüber kam Genosse Dr. Strauß auf die Frage der Neuorganisation der Landes» g e l d i n st i t u t e zu sprechen und ersuchte den Landespräsidenten, bei den Verhandlungen hierüber darauf zu achten, daß die Interessen des Landes Böhmen gewahrt werden. Der Landespräsident erwiderte, daß er vom Innenminister bereits die Zusage erhalten habe, daß das Land im gegebenen Zeitpunkt die Möglichkeit haben werde, den entsprechenden Einfluß zu nehmen. Die Aufnahme des Darlehens Wirtz der Landesvertretung empfohlen werden. Schließlich wurde ein Bericht des Landesausschusses zur Kenntnis genommen, in dem die Meinungsverschiedenheit zwischen dem Landesansschuß und dem Ministerium für öffentliche Arbeiten in der Frage des Ivasserwirtschaft- lichen Fonds zur Kenntnis genommen wird. Seht 4 Jlr. 11V SainStag, 12. Mai 1934 Die Henleln-Frontler— getarnte Hakenkreuzler Die„Prager Presse", die erst nn- längst ei»!reffendes Ilricil über die Hen- leinpartei abgäb, beschäftigt sich in ihrer Folge von gestern neuerding- mit der SHF. Sie schreibt hierüber: „Wie Konrad H e n l c i n und seine Heimatfront zu beurteilen sind, bedarf nach den Zitaten, die wir erst lürzlich an- der„Jungen Front", Jahrgang 1930, abgcdruckt haben, feiner weiteren Erläuterung. Man weif;, das; er seine Turner militärisch drittle, nachher aber nur„die vormilitärische Erziehung im Sinne der tschechoslowakischen Staates" g c in c i n t h a b c n Iv i l l. Man hat die Erklärung gelesen, das; Personen, gegen die ein Schntzgcsetzverfahren schivcbt, nicht Mitglieder der Hciinatfront werden können, und mutzte dann zur allgcmcicu licbcrraschung aus einer Nachricht der Sudctendcntschcn Pressestelle entnehmen, datz die Herren Dr. Brand, Kundt, Dr. Köttner u. a„- die ztvar ans der Hast entlassen worden waren, gegen die das Verfahren aber keineswegs eingestellt ist, nicht nur als Mitglieder, sondern sogar als Mitarbeiter der Hciinatfront h e g r ü tz t wurden. Konrad Henlein hat cs auch nicht dementieren können, datz an seinem ersten Aufzug der deutschnationale Abgeordnete Äallina und der inzwischen nach Dcutsch- land entflohene„Tag"« Redakteur V i c r c r b c l milgearbeitet haben. Er Weitz diese Tatsache mit der amüsanten Erklärung zu entschuldigen, datz er noch nicht Zeit gehabt hätte, für seine Bctvegung entsvrcchcndc Fachleute zu finden. Daran hat sich vis heute nichts geändert. So schrieb kürzlich in Henleins„Rundschau" das Hauptleitungsmitglied der Deutschen Nationalpartei, Tr. Wilhelm P lener, mit vollem Namen. Der Herr, über dessen Ehrnng im Berliner Rundfunk wir letzthin berichten, findet also Aufnahme in Henleins Werbeschriften, als wäre nichts geschehen. Sieht man hinter den Kulissen schon heute ganz ohne Schani über ihre politischen Mitzerfolgc viele der a l i e n Wortführer abgewirtschafteter Parteien austauchen, liest man die Lobe-hym- nen, die Herr Kallina unter dem Pseudonym „Volkmar" in der„Ascher Zeitung" über Henlein ausschüttct, erinnert man sich daran, datz Dr. Rosche seine AnbiedcrnngSlust bei der vorwöchigcn Versammlung in Eger nicht mehr unterdrücken konnte, so wird man auch die von der„Bohcmia" beklagte Erscheinung, datz die alten Partcimctho- drn und der alte Parteikampf von der Henlein- bcwcgung in verschärften» Matz übernommen lvur- dcn, begreiflich finden. Was man von den Jungen zu halten hat, die— aus der Hast entlasscu — als Mitarbeiter begrüßt wurden, darüber geben die Aufzeichnungen Wer das B r a n d s ch e Seminar und eine Reihe weiterer Akten hinreichend Aufschlutz. Unbelastet ist unter den Prominenteren wohl nur Dr. Sticf, der begeisterte Henlein-Anhänger aus dem Hanse des„Prager 5agvlatt", dem es zugute komt, datz die„Neue Morgenpost" in Prag fast gar keine Leser hat." Wie es in den Fahrner-Gewerktchaften aussieht Wie der»Metallarbeiter"(Äomotau) niit- teili,»and am 28. April in Aussig eine Mitgliederversammlung der Fahrner-Gcwcrkschaft statt, zu der ganze 13 Mann erschienen. In der Ber- sammlnng stellte sich der Listcnsiihrcr der Hakcn- krenzler bei der Firma Schäffer und Budenberg, ehemaliges HauptvorstandSmitglicd der aufgelösten Gewerkschaft, Wck, als Zahlstellcnleiter der neuen Gewerkschaft vor, tvoraus man schon ersehen kann, daß die Fahrncr-Kclverkschaftcn nichts anderes sind, als die Fortsetzung der Nazigewerk- schafien. In der Versammlung lvurdc mitgeteilt, daß die Gclverkschast in Aussig 160 Mitglieder hat, von denen die meisten mit der BcitragSleistung im Rückstände sind. Ter Zahlstcllcnlcitcr stellte mit Bedauern fest, datz dies nicht nur in Aussig so ist, sondern auch in den anderen Zahlstellen. Die Organisation siche daher ohne ausreichende Geldmittel da nnd konnte deshalb seit 14 Tagen ihre Verpflichtungen gegen die arbeitslosen Mitglieder nicht erfüllen. Die Arbeiter scheinen daher von der neuen Fahrner-Gewerkschaft nicht viel zu halten. — Nach den weiteren Mitteilungen in dec Anssigcr Versammlung soll die neue Gewerkschaft.licht lvcniger als 58 Angestellte haben. Zur Relorm des Krankenhauswesens in Böhmen Tic deutschcu Sozialdemokraten haben seinerzeit in der LandeSvcrtretung einen Antrag gestellt. der LandeöauSschutz möge einen Plan sür die Errichtung notwendiger neuer Krankenhäuser in Böhmen anSarbcitcn. Der tschechische Sozialdemokrat R o v ä k hat nun einen ausführlichen Antrag mit Begründung ausgearbcitct, wonach eS zur Errichtung von LandeSkrankenhäusern in Böh- men kommen soll, und zwar in Bndlveis, König- grätz, Karlsbad, Reichcnberg, Leitmeritz, Lau», Jungvuuzlau. Deutsch-Brod, Pardubitz und Pilsen, von denen jedes sieben Abteilungen Kür innere Krankheiten, eine chirurgische Abteilung, eine sür Infektionskrankheiten, eine für Geburtshilfe, eine für Haut- und Geschlechtskrankheiten, eine für Augcnkranlhciteu und eine für Nasen« und Ohrenlrantheiten) haben soll. Nach einer kurzen D.'batlc wurde beschlossen, den Antrag dem Lan- dcSauSschutz zuzuweisen. Amerika von einer Hungersnot bedroht? Washington, 11. Mai. LandwirtschaftS- j Minister Henry Wallace erklärte gestern: In Amerika droht keine Hungersnot anSzubrcchen, I wenn auch durch die zur Zeit herrschende Dürre die heurige Wcizcnerntc sehr zu leiden haben wird. Meldungen ans dem mittleren Westen zufolge vernichteten die nngünstigen Witte- rungsbediugnngen täglich Millionen B u s h c l s von Weizen. Die Aussichten sür die Frühjahrsernte werden immer schlechter und sind seit der katastrophalen Mitzernte deS Jahres 1894 die allcrschlcchtcstcn. Nunmehr besitzen lvir einen Ilcbcrschutz von 200 Millionen Bushels aus den früheren Ernten. Zur Dürre noch Sandsturm Chicago, 11. Mai. Ein schwerer Sandsturm ging Donnerstag über die ausgedehnten Weizen anbauflächen des mittleren Westens nieder; er hat durch die nunmehr eiugctretencn Folgen die sich aus der heurigen Frühjahrsdürre ergebende Kalamität noch verstärkt. Man erwartet, datz die Preise für Milch und die übrigen Lebensmittel st e i g e n werden. Es ist keine Hoffnung vorhanden. datz es in allernächster Zeit regnen wird. Die Weiden nnd Wiesen sind mit einer 2 a n d sch i ch t e bedeckt. Zahlreiche Bezirke sind durch Wassermangel bedroht. An der Chicagoer Pioduktenbörse steigen die Weizen p r e i s e. Der Sandsturm, der die Staaten Dakota, Nebraska und Minnesota heimsuchte, nahm östliche Richtung auf Ohio. Man erwartet, daß der Sandsturm heute, Freitag, das atlantische Küstengebiet hcimsnchcn werde. TagcsncuigKcltcn Ein Oesterreicher in Luzern Bewegte Szene auf dem internationalen Textil- ardeiter-Kongreß Auf dem internationalen Textilarbeiter- Kongreß, der in dieser Wockic in Luzern tagte, waren zehn Länder durch siebzig Delegierte vertreten. Eine offizielle Vertretung der Deutschen und Ocsterreicher gab es natürlich nicht. Aber der Brüsseler„Peuplc" läßt sich den Bericht folgender, wohl beispielloser Szene, die sich auf diesem Kongreß abspirltc, erzählen. Als nämlich der Vorsitzende miiteilte, daß sich aus dem Kongreß dennoch ein Vertreter der österreichischen Textilarbeiter befinde nnd als er diesems das Wort erteilte, tvurdc er, der österreichische j Kamerad, den der Großteil der Kongreßteilnch- mer persönlich kannte, bei seinem Erscheinen aus der Tribüne mit einer gewaltigen Tpm- p a t h i e k u n d g e b u n g empfangen. Und so grandios und erschütternd war dieser Empfang, datz der österreichische Genosse(dessen Namen natürlich nicht" genannt lvcrden kann) seine Kehle plötzlich wie zugeschnürt fühlte, nicht imstande war, auch nur ein eilt« ziges Wort hervorzubringrn, nnd auf seinen Stuhl zurücksank. Er konnte nur ein paar Worte, die er hatte sprechen wollen, zu Papier bringen und sic durch den Vorsitzenden vorlescn lassen. In diesen geschriebenen BcgrütznngSworten gab der österreichische Genosse der Internationale im Namen aller österreichischen Textilarbeiter daS feierliche Versprechen, datz diese ohne Furcht und Schwäche wcitcrkämpfen werden, bis zu dem Tage, da sic ihre verlorene Freiheit werden lviedcrcrobcrt haben und wieder würden ihren Platz in der Internationale einnchmen können. Viele von denen— so fügte der„Peuplc" hinzu— die dieser Szene beiwohnten, suchten vergeblich, ihre Tränen znrückznhaltcn... Ist Henriot selbst der Mörder? Daö geheimnisvolle Verbrechen auf der Fuchsfarm Paris, 11. Mai. Ter Mord in der Silber- suchSzuchlsarm bei Lorient scheint noch mehr Geheimnisse zu bergen, als man anfänglich annahm. So wird jetzt bekannt, datz Herr Hcnriot vor einem Monat eine LcbenSvcrsiche- r u n g in Höhe von 800.000 Franken für seine Fran abschlotz, die ausdrücklich eine Bestimmung enthielt, lvonach gewaltsamer Tod als V c r s i ch c r u n g S f a l l g e l t c n sollte. Fran Hcnriot hat ihren künftigen Mann, den sie im September v. I. heiratete, durch ein Zeitungsinserat kennen gelernt. Sic soll ihm 185.000 Franken mit in die Ehe gebracht haben, die in dem Betrieb der Silberfuchszuchtfarm hineinge- steckt worden seien. Frau Hcnriot litt an zwei Gebrechen. Infolge eines Falles als Kind war sie linkshändig geworden und hatte eine Kopfoperation durchwachen müssen, als deren Ueber- bleibscl ein Sprachfehler zurückblieb. Andererseits war auch Herr Hcnriot wegen Ncrvenüberrei» zung vom Militärdienst dispensiert worden. Der Karabiner, mit den» die fünf tödlichen Schüsse abgegeben lvorden sind, gehört Herrn He n r i o t. Es handelt sich nm ein ziemlich selten vorkommendes Modell,, dessen Handhabung nicht jedem möglich ist. Die Unter- suchungSbchörden zweifeln daher daran, datz sich ein Landstreicher zur Durchführung seiner Tat einer im Hause befindlichen ihn nicht bekannten Jagdlvasfc bedient haben sollte. Das Dienstmädchen des Ehepaares Hcnriot sagte im übrigen aus, datz die Eheleute Henriot in besten: Einvernehmen gelebt hätten. Sie habe nnr einmal unvermittelt Frau Henriot getroffen, alS sic ganz ohne Grund einen Revolverschutz aus dem Fenster abgab. Die diesjährige Jahresversammlung des Welwcrbnndrs der Bötkerbnndgesellschaftm findet vom 19. bis 24. Mai in Folkestone(England) statt.— Tic Prager Deutsche VLlkcrbuudliga wird durch ihren Präsidenten Herrn Dr. Wilhelm M e d i n g e r vertreten sein. Bodenbacher Einbrecherplatte dingfest gemacht Der Gendarmerie in Tetscheu ist eS nunmehr gelungen, die seit ungefähr zwei Jahren in verschiedene Lagerhäuser und Warenspcicher auf Bahnhöfen und llmschlagplätzen verübten Einbrüche aufzuklären. Eine Bande, der ein gctvisser Karl Kleinpeter ans Bodenbach als Anführer nnd Ernst M ü l l c r, Ernst schind- l e r(beide auS Bodenbach) und Edmund P r e i- s e l aus Tctschcn neben einem gutorganisiertcn H e h l e r st a b angchörtcn. hat nicht weniger als 18 bisher unaufgeklärte Einbrüche auf dem Getvisscn, darunter auch die großen MagazinSeinbrüchc in den beiden Elbe- siädteu. In einigen Fällen war die Beute so groß, daft sic mittels Lastautoinobilen nbtransportiert werden mußte. Ter Gesamtwert der gestohlenen Beute geht in die H u n d c r t t a u s e n d e. An dem Weiterverkauf beteiligte sich eine Reihe von K a u f l e n t e n, G a st-und Landwirten aus Tetschen, Bodenbach und Umgebung. Die Genannten wurden verhaftet. BrafiNarNfche Mache Sno Paolo, 11. Mai. In der Stadt T i e t c ist eS zu einem blutigen Kampf zwischen den eingesessenen Brasilianern nnd japanischen K o l o n i st e n gekommen. Der Vater eines verführten japanischen Mädchens hatte einen Brasilianer erschossen. Daraufhin griffen die brasilianischen Bauern die japanische Siedlung an und verjagten die Kolonisten. Fünf von ihnen wurden erschlagen, 16 erlitten schwere Verletzungen. 600.000 Ai Belohnung— aber 12 Meter mutz er lang sei«... New stzork, 11. Mai. iReutcr.) Der Direktor deS hiesigen Zoologischen Gartens Blair hat eine Belohnung von 25.000 Dollar(fast 600.000 Köl für denjenigen ausgeschrieben, der das Ungeheuer von L o ct> N c ß lebendig fängt. Die Entlohnung lvird nnr unter den Voraussetzungen anSgezahlt, daß das See-Ungeheuer mindestens 12 Meter Länge hat. Ein Memorandum von vorgestern. Die tschcchoslowakijchcn Bischöfe haben in unserer Moral ein altzu weltliches Haar gefunden. Um einem dringenden Bedürfnis abznhelfcn, verfaßten sie ein sehr detailliertes Memorandum, das sic dem Unterrichtsministerium unterbreiteten Welch ernste Sorgen bewegen die hohen gcist. lichcu Herren—? Fordern sie dazu auf, die fürchterliche Wohnungsnot zu lindern, diese Not, die sieben, acht, neun, ja zwölf Personen in cincni Zimmer nächtigen läßt und so der morali- scheu Bersuchung Tür und Tor öffnet?! Prote. stieren unsere Bischöfe gegen die empörende Unterbezahlung junger weiblicher Arbeitskräfte, die so manches verzweifelte Mädchen auf die abschüs sige Bahn der Prostitution lockt—? Aber nein! Die hochachtbaren Hüter der religiösen„Belange" haben ganz andere Schnierzcn. Sie verlangen das Verbot gemeinsamer Aus f l ü g e von Studenten nnd Studentinnen der Mittelschulen, falls die Ausflügler gemeinsam in einer Gaststätte iibernachten sollten! Sic for dern ferner den ministeriellen Bannfluch gegen daö gemeinsame Baden von Knaben und Mäd- chen und gictzen die Schale ihres Zorns über den harmlosen Schwimmanzügcn und Trainingsanzügen der Jugend, aus, wenn diese indezenten Entkleidungsgegcnstände als AuSslugskostüm Verwendung finden! Die Mucker, köstlich er- frischt vom freundnachbarlichcn Wind, der aus den Ländern der Braunhcmdlinge und der bigot- ten Hahnenschwänze hcrüberweht, wittern Kon- junktur. Was Menschen, die cs nicht nötig haben Komplexe abzurcagieren, als sauber, natürlich und zweckentsprechend erscheint, was für den unverkümmerten Zeitgenossen nichts mit„Moral" und„Sittlichkeit", sondern nur mit Hygiene und Körperkultur zu tun hat, mag gewiß int bemitleidenswerten Spießer, der selbst bei 40 'Grad im Schatten den übcrdiiiicnfi'onalen Stehkragen aus weltanschaulichen Gründen nicht ab- legt, zweideutige Gefühle erwecken. Der moderne zukunftsfrohe junge Mensch unserer Tage ist über diese trüben Abirrungen längst zur Ta geSordnung übcrgegangen. Und auch die Herren Bischöfe sollten sich mit nützlicheren Memoranden abgcben! Kindertausch. Der Arbeiterverein„Kinderfreunde" hat mit der„Zdravä generace", der Fürsorgcorganisation der tschechischen Genossen, ein Ucbercinkommcn über den Kindertansch zm Erlernung der anderen Sprache getroffen. Interessierte Eltern erhalten Auskunft durch die RcichSIcitung der„Kinderfreunde", Bodenbach. Poststraße 818. Für den Austausch kommen nm sozialistische Familien in Frage. Für die österreichischen Sozlatdemokraten. Die Hilfsaktion für die österreichischen Arbeiter hat in Holtand mehr als 100.000 Gulden (1,600.000 Ke) ergeben. Die Sammlung ist gemeinsam von der sozialdemokratischen Partei und dem Gcwcrkschastsbund(N. B. V.) durchgcführl worden. Die Zeitung des Bizebürgermeisters Winter konfisziert! Dem LAD wird auS Wien berichtet: Die letzte Nummer der vonr Vizcbürgermeistcr Dr. Winter im konfiszierten Parteivcrlag herausgegebenen Wochenzcstung„Arbeiter-Sonntag" wurde konfisziert. Der Beschlagnahme verfiel ein Bild mit der Uebcrschrift„Mutter, wann kommt der Vater nach Hause?", waö eine zahme Anspielung auf die endlose Untersuchungshaft tau. sender politischer Gefangener sein sollt«. Die fascistische Diktatur erträgt nicht einmal die zur Irreführung der Arbeiterschaft bestimmte Schein- kritik in gleichgeschaltctcn, von ihren Beauftragten herauögcgcbenen Zeitungen. Die Bekämpfung der ErbsyPhiliS. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten in der ESN. führt eine umfassende Aktion zur Bekämpfung der ererbten Syphilis der Kinder durch. Im folgenden einige Programmspunkle. Merkblätter sollten die werdenden Mütter über die Notwendigkeit einer B l u t u n t c r s u ch u n g während der Schtvan- gcrschaft ausklären, Fürsorgerinnen, Gemeindeschwestern und Hebammen werden für die Evidcnzhaltung syphilitischer Kinder besondere Prämien erhalten und neue Beratungstellen sür erbliche Blutkrank- heitcn werden Bedürftige einem projektierten Heim für crbsyphilitische Kinder znweiscn. Im Rahmen der Aktion lvird mn 10. Juni an der 2. deutschen Kinderklinik, Prag, von Professor Dr. B. Epstein ein für Aerztc bestimmter Kurs über die Fortschritte in der Behandlung der erblichen Syphilis abgehalicn. Alle mit der Aktion zusam- mcnhängcndcn Anfragen beantlvortct die Leitung der Deuischcn Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, Prag, Smichov 1472, Ttcha 10. Schreckliches Ende. Der Vorsitzende der Vereinigung belgischer Schriftsteller, der 72 Jahre alte Hubert K r a i n s, der Donnerstag abends mit seinen Kollegen von einem offiziellen Besuche der belgischen Schriftsteller in Lüttich hestnkchrte, starb auf tragische Weise vor den Augen seiner Kollegen. Auf dem Brüsseler Bahnhof wollte Krainö noch bevor der Zug hielt, abspringcn; hiebei glitt er jedoch vom Trittbrett ab und wurde zwischen zwei Waggons zu Tode gedrückt. Ein schwerer Sturm tobte Donnerstag über Schweden. Am Mälar-See ertranken fünf Personen. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen» Sonntag Prag, Sender L.: 6.80: Gymnastik, 10: Zeitgenössische Lieder für die Mütter, 17.55: Deutsche Sendung: Orchcsterkonzert, 18.55: Deutsche Nachrichten, 22: Ucbertragttna aus dem Nationaltheater, Festkonzert des Smetana-Festivals, 22.80: Blasmusik. Sender S.: 14.80: Deutsche Sendung: Landwirtschaftsfunk, 15.80: Für Frauen. Brünn 11: Vormittagskonzert, 17.80: Liederkon- zert, 17.55: Deutsche Sendung: Hugo von Hofsmannsthal: Jedermann, 10.85: Schallplatten.— Mährisch»Ostran 12.15: Mittagsunterhaltung, 17.55: Deutsche Sendung: Zum Muttertag.— Prrßhnrg 17.30: NnchinitiagSkünzert.— Berlin 21: Konzert— Breslau 18.30: Der unbekannte Schu- bert.— Frankfurt 24: Nachtmusik.— Hamburg 16: NachmittagSmusik.- Leipzig 18: Tänze auS Opern. — München 20: Großes Abendkonzert.— Stuttgart 14.80: Gitarren-DuoS.— Nr. 110 Sette 5 SawSwg, 12. Mai 1034 Die Methode! „Die Ausnahmeivcrre in die TA im Gebiete der LA-Vrigade 2äU, Tchwäbischc« Oberland, ist zur Zeit nnsgchobcn. Es darf i»;’,ufunil leinen iuiiflcn Mann int Alter von 18 bis 32 Jahren neben, der nicht in der LA fleht. Ausreden, wie! Arbeitsiibcrhnufung, Mannel an Geldmitteln»fw.,! gelten heute nicht mehr. Nehmen Tie sich ein Beispiel an den alten Kämpfern, die trotz jahrelanner Arbeitslosigkeit, ohne jede llntersliitzung im Kampf um Deutschlands Wiederaufstieg stehen. Sollten Sic sich wider Erwarten dieser Aufforderung ver- schlicßcn, so teilen Tie uns die Gründe bis spätesten» Sonntag, den 11., mit und im übrigen machen Tie daun ihren Arbeitsplatz einem arbeitslose n SA--Mann srei. Das ist die lebte Gelegenheit zum freiwilligen Eintritt in die TA." Zirkular der SA-Führung Schtvabcn-Oberland. Ncichsdcutschc Zeitungsnotiz:„Der spontane Zulauf zur SA ist ungeheuerI" Konnnen- tar: siche obcnl Ncudcntschc Jugenderziehung. In der Zeitschrift„Der. Hitlcrjuiigc" schreibt ein„Pimpf", also ein Schuljunge von ungefähr acht Jahren: „Ich war begeistert, als ich sovicle Kameraden auf dem Franzschcn Felde versammelt sah... Endlich kam eine Ordonnanz, meldete unserm Führer etwas, und dann marschierten lvir los... Ich gehörte zur Kampftruppc Nord... Wir lagen in Deckung— alles war in Erwartung, irgcndlvo muhte der Feind sein. Wir wagten nur zu flüstern.! Andauernd kanten und gingen Späher. Radfahrer i hielten zwischen den drei Heeresgruppen die Ber- bindung aufrecht. Da kam plötzlich der Befehl zum Aufbruch. Wir lvarcn alle erfreut, als lvir hörten, Lah eine große Sache gegen den.Feind geplant wurde. Wir waren alle recht kanipfeSinutig, denn wir sollten den andern ein Schnippchen schlagen und den Feind allein augrcifcn... Bor dem Wag- gumer Sportplatz stirhcn lvir Plötzlich auf den Feind.— Wir bekamen Schläge. Wutschnaubend schauten wir uns an... Ich wehrte mich verzweifelt. Ich bih, kratzte und schlug nur so um mich... Mir wurde es schon ganz schlvarz vor den Augen. Nun hatte ich mich befreit, entdeckte eine Lücke, schlüpfte hindurch und konnte nun schadenfroh zusehen, wie sich unsere Feinde untereinander versohlten..."— Jede Zeit hat ihre IdealeI Tragischer Tod eines Schülers. Donnerstag nachmittags verunglückte auf dem Heimwege von Lltitz nach Böhm. Rybnai(Bezirk Senftenberg) der 13jährige Schüler der 3. Klaffe Lunäöek, der seinem Bater in einem Steinbruch das Mittag- effen getragen hatte, tödlich, als er in seinem llnverstand an der Hochspannungsleitung von 10.000 Bolt seine Taschenbatterie laden wollte. Der Knabe hatte die Taschenbat- tcrie mit einem Draht umhüllt und den mit einem Stein beschwerten Draht über die Leitung geworfen. Er wurde vom Strom ersaht und mit den Worten:„Buben, gehtnichtzumirl" verschied er an Ort und Stelle. Mit Lunäöek waren noch zwei Schüler zugegen, als sich das Unglück ereignete. Belm Hindernisrennen in Abbeville brachen ein ani Wettbewerb teiluchmeuder Kapitän und ein Sergeant das Rückgrat. Der Zustand der beiden Tchlververletzten ist überaus ernst. Die Verräter von Veßforl Verschwiegene Riesenrazzien vor dem 1. Mal Die neueste Gplonuneastüre in 3rantreit$ ist Er ist Mililärinlcndan-1 und einigen Kunden, die sich gemeldet hatten, die Festung Belfort, polizeilichen Nachforschungen bedeutend voran. Unter zugunsten einerI den TarlchenSsuchern befand sich nämlich auch ein ftitf Spionage- höherer, in einer Garnison an der französischen Ost- Uber muhte der Kommandant von Belfort die Feststellung machen, das; gelvijse geheime Doknmenle, die das Borgehen des Militär» im Falle von Unruhen und Aufständen znm Gegenstand hatten, und die unter Siegel im Tchrcibtisch Frogö» in der Intendantur ausbewahrt wurden, spurlos verschwunden waren, und trotz eifriger Nachforschungen nicht mehr gefunden werden konnten. T los zufrieden zu stellen schien, denn schon nach kurzer > Prüfung de» Materials erklärte er die Voraussctzun« ' gen zur Gctvährung eine» Darlehen» über 00.000 i Franken(rund 10.000 Gulden) für erfüllt. Diese , Summe wurde dann dem Ossizier auch prompt ans- i gehändigt, und zwar in zwei Bündel Banknoten. Die Unterhaltung ztvischen den beiden Män- Bcrlin.(Jnpreß): Wie lvir erfahren, sind in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai in den Berliner Arbcitcrvicriclu mit ganz besonderer Berücksichtigung der Siedlungen und Laubenkolonien Razzien durchgcsührt worden, wie sie in diesem Umfang seit den ersten Moualcn der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten nicht mehr stattgcfundcu haben. Aehulichc Berichte aus Hamburg und Leipzig lassen den Schluß zu, daß Razzien dieser Art in den meisten Großstädten durch- geführt worden sind.' Die Geheime Staatspolizei hatte sich von dem Gedanken leiten lassen, daß der 1. Mai in besonderem Maße zur Verbreitung von illegalen Ausrufen benutzt werden würde. Statt dessen setzte die Verteilung von Flugblättern und Streuzcttcln bereits am Morgen des 80. April ein und wurde tvährend dieses ganzen Tages betrieben. Auch die seit dem 20. April durchgcsührte Kontrolle aller von außen her nach Berlin kommenden Automobile war nicht imstande gewesen, das illegale Material zu erfassen, da es zum größten Teil in Berlin selbst hergestellt worden war. Die Presse erhielt Anweisung, über die Razzien keinerlei Nachricht zu veröffentlichen. gab ssch Krauß nach Berlin, von wo aus er nach Frankreich übersiedelte. Frogö entlarvt... Besonders interessant ist e» mm, wie man ans die Spur der Verbindung de» Krauß mit dein Inten- dantnrbeamtcn Frogö gekommen ist. Man erinnerte sich nämlich, unter der Korrespondenz, die man bei Frogö in Belfort gefunden hatte, auch Briefe und sogar ein Telegramm entdeckt zu haben, das mit „Szbert unterzeichnet war, mit dem Namen also, den sich Krauß vorübergehend auch zugclcgt hatte. Krauß leugnete auch nicht, mit Frogö in Beziehungen gestanden zu haben, und hat schließlich unter der Wucht der Vorhaltungen zugegeben,• sowohl da» Geheimdokument gegen einen eventuellen Ausstand, al» auch die MobilisicrungS- und Vcrsorgung-plänc für die Festung Belfort von diesem geliefert erhalten zu haben. Die Verbindung mit Frogö war dann, als dieser In Verdacht geriet, in beiderseitigen Einverständnis gelöst worden. Auf der Tuche nach einem Ersatz Hal dann Krauß unter deni Namen Tworyt jene Anzeigen in den Blättern erscheinen lassen, die ihm zum Verhängnis werden sollten. Die Belastung FrogöS auf Grund dieser Aussagen des Krauß alias Tworyt war jedenfalls so schwerwiegend, daß der Staatsanwalt von Belfort ohne Zögern zur Verhaftung FrogöS, des Verräters von Belfort, geschritten ist. K A R L M AR X: Das Kapital Band 1, moderne Volksausgabe nur Kt 17.— Zu beziehen durch alle Kolporteure Auslieferung: Zentralstelle für das Bildung8wcsenPragXILjSlezskA13 Sechs Personen s« chen einen Autobus Blank i>l der Wiesenmuldc, um die jetzige Zeit von den schwimmenden Blüten des Wasser- hahnenfußeS weiß überschleiert, oder wie Spiegel in den grünen Rahmen der Wälder eingelassen liegen die Jcvaner Teiche, ein lockendes Wanderziel für pflastermüde Sonntagsausflügler. . Man fährt mit der Bahn bis Riöany. Von dort aus führen verschiedenfarbige Wegmarlicruu- gcn durch schöne, weite Wälder. Das heißt: manchmal führen sie auch nicht. Gerade au entscheidenden Wegleitungen sehen sic aus und es bleibt oem Spürsinn des Wanderers überlassen, vom rechten Wege nicht abzuiveichen. Nun, das schärft die Findigkeit; Stanley hatte im zentralafrikanischen Urwalde ja auch keine Markierungen, nach denen er sich hätte richten können, und er kam doch ans Ziel; das habe ich grade dieser Tage in Wassermanns Buche gelesen. Eine Warnung für alle: man frage nicht »ach den« Wcgcl Ein Siedler in Riöany, hundert Schritte vom Waldraudc entfernt wohnend, wußte von Waldwegen überhaupt nichts, sondern konnte nur versichern, daß der Autobus nach Jevany aus der Landstraße fährt. Eine im Walde lagernde AuSflüglcrfamilie gab mit gewinnender Bestimmtheit eine Auskunft, deren Befolgung uns ztvar nicht nach Jevany, dafür aber nach Uvaly geführt haben tvürde. Und wiederum ein Einheimischer. der vor einer Bretlerbude in Louüovice eine Flasche Bier trank, anlivortcte gutmütig aus die Frage, ob tvcitcr waldeinwärtS noch größere Teiche seien, daß er das nicht wisse. Nach mancherlei Irrwegen ist jedoch die Freude um so größer, wenn man mitten im Walde unverhofft die Markierung wiederfindet und sie nun dort, wo es nur den einen Wogt gibt u. Zweifel gar nicht möglich sind, sich au jedem zehnten Baume weithin sichtbar wiederholt. Daß sie dafür an einer Wcgieilung im Walde wieder auS- setzt, nimmt man heiteren MuieS hin, auch daß sic in Louüovice in praller Mittagssonne auf schattenlosen Wegen durchs Dorf und um einen Hügel herumführt,»ach dessen Unigehung man erkennt, daß man drüben am Waldraudc entlang einen schöneren und kürzeren Weg gehabt hätte. Aber was will man; einmal gelangt man doch ans Ziel und lagert dort genießerisch stuu- dcnlang im Grase zwischen Waldrand»nd Teichufer, sieht Badeengel, hübsche und andere, in bunten Trikots systematischer Hautbräunung hingegeben, hört Vögel singen und Frösche trillern und vernimmt die fröhlichen Kampfrufe einer kartcn- spiclendeu Männerrunde. Und dann hört mau es donner». Gelassen sieht nian dent himmlischen Aufmarsch deö Gewitters zu. Schlimm kann es nicht werden, denn es war ohnehin geplant, daß die eine der Frauen unserer Gesellschaft mit ihrem vierjährigen Kinde mit dem Autobus nach Riöany zurücksahren sollte; wenn das Gewitter loSbrcchen sollte, werden wir eben alle fahren. Es steht dann auch ein erwartungsvoller Trupp Fußvolk mit Rucksäcken pünktlich an der Haltestelle vorm Waldhotel. Der Autobus konnnt: voll wie eine Sardinenbüchse. Niemand steigt auS; niemand kann einsteigen. Der Autobus hält nur der Form wegen, hupt und fährt weiter. Vielleicht folgt ein zweiter? Nein. Der nächste Autobus fährt anderthalb Stunden später. Aber wir erhalten eine tröstliche Auskunft: oben, an der Straßcngabclung in Vyslovka können wir de» Autobus einer anderen Linie erreichen. Es ist nur drei Kilometer bis dahin— also los! Und dort steht an der Straßcngabclung ein Gasthaus, und am Gasthaus hängt eine Blcchtafel mit der zur Not noch lesbare» Aufschrift: Zaslävla, aber es gibt keinen Fahrplan. Dafür erhalten wir im Gasthaus den Bescheid, daß der nächste Autobus i» sieben, ein zweiter in zehn Minuten und dann bald noch ei» dritter kommen werde. To sc zna- nicnitöl sagen wir erfreut und bauen uns von» Gasthaus an der Landstraße auf. Ein wahres Glück, daß das Gewitter nach einer Handvoll Tropfen sich wieder verzogen hat. Wir alle haben Durst, Tische und Stühle stehen vorm Gasthaus inmitten einer Wagenburg von Autos und Motorrädern, aber wir können leider nichts zu trinken bestellen. denn der Autobus muß ja jeden Augenblick kommen. Nicht nach siebe», aber nach fünfzehn Minuten kommt er auch, schön leer, aber er fährt leider in der verkehrten Richtung. Wir warten weiter. Es vergehen eine halbe Stunde, dreiviertel Stunden— es kommen nur Privatautos, vollbesetzt mit ganzen Familien, mit Onkels und Tanten und Großmüttern und dazwischen geschichteten Kindern. Eine endlose Antokaratvane, vorsintflutliche Vehikel und hochnoble Limousinen; es donnert von Tausenden von Pferdekrästen. Aber so beharrlich wir auch die Landstraße entlang starren— eilt Autobus kommt nicht. Da endlich: weit draußen schtvankt er heran; man erkennt schon die Gepäckstücke gnf dem Verdeck. Die Freude ist groß, denn nun wgpten wir schon eine volle Stunde. Der Autobus kommt näher— und ist ein Lastauto, auf dem eine Kuh nach Prag gefahren wird; ihr brauner Rücken, den Führersitz überragend, täuschte Gepäck auf einem Verdeck vor. ES wird immer deutlicher: die AuS- künfte waren wieder grundfalsch. Die Jcvaner Teiche sind wahrscheinlich nur den Privatauto» besihern Vorbehalten, denn sonst würde nian doch für gewöhnliche Sterbliche bessere Fahrgelegenheiten an Sonntagen entrichten und vor allem einen Fahrplan an die Haltestellen hängen. Jetzt haben wir nur noch die Hoffnung auf den Autobus, der von Jevany kommen muß. Wenn aber auch der wieder überfüllt ist? Dann müssen wir eben die zwölf Kilometer nach Riöany marschieren. Mit dem Kinde geht das ans keinen Fall. Also ver- suchcn wir cs mit„Anto stop" für Fran und Kind. Es gelingt nicht. Die Wagen fahren reihenweise vorbei. Die Insassen lächeln, manche wiitken freundlich und rufen„Ahoi!" und die Familien gucllen durch die Scheiben. Was sind das blaß für arme Schlucker, die in ein Anto die ganze Verwandtschaft hineingnetschen müssen! Endlich schickt sich ein einzelner Herrenfahrer an zu halten. Wir eilen hin, erfreut, die Frau mit dem Kinde fortzubringen, als der Mann aber sechs Personen und ein Kind auf seinen Wagen znstür- zen sieht, gibt er Gas, fährt erschrocken davon und wir stehen im blauen Dunst der Auspuffgase. Und da kommt wahrhaftig der Autobus. Wuchtig donnert er heran— und vorbei. Er hält gar nicht erst. Der Chauffeur winkt nur ab und deutet mit der Hand ans die üppige Menschenfracht hinter sich. Jetzt find wir entschlossen, dem nächsten Privatauto das Kind einfach in die Karosserie zu werfen. Ta endlich erbarmt sich ein Ehepaar im offenen Wagen, hält und nimmt freundlich gesinnt Fran und Kind mit, nicht nach Riöany, sondern nach Weinberge. Und wir, allen Glaubens an die moderne VerkehrStcchnik beraubt, marschieren los. Wenn wir in Riöany nicht bis zum letzten Zuge sitzen wollen, müssen wir den Weg tüchtig unter die Beine nehmen. Wir haben es geschasst— zwölf Kilometer in 00 Minuten l UnS sind fast die Schuhsohlen von den Füßen weggeflogen. Und die Steinchen, die uns beim Marschieren am Straßenrand in die Halbschuhe sprangen, haben wir im Schuh unbarmherzig zu Staub zertreten. Daß uns auf freier Landstraße kurz hintereinander drei Autobusse nach Prag mit heulenden Motoren überholten und auf unser Winken nicht hielten, sei nur der Vollständigkeit halber crtvähnt. Als lvir vorm Bahnhof in Riöany durch den kleinen Tunnel krochen, donnerte über nnS der Zug herein', von einer fünfhnndcrtköpfigcn Menge auf dent Bahitstcig mit frenetischen Ovationen begrüßt. Das spornte nnS zu einem lebten Galopp an. Beinahe raunten wir daS Bahnhofsgebäude über den Haufen, aber eine dicke Frau fing den Stoß glücklicherweise auf. Wir erwischten den Zug und im Zuge sogar eilte wahrhaftig noch leere Bank. Und stellten init zitternden Knien fest, daß cs noch längst nicht der letzte und auch nicht der vorletzte Zug. sondern ein Vorläufer Ivar. Mit unseren einfachen Schuhsohlen, das Paar zu nenn Kronen, batten lvir ein Berkehrsprobleiu bewältigt, dem der Antobnöfahrplan auscheiitcnd nicht gctvachscn ist. Und wir waren uns alle einig, daß toir von diesem schönen SonutngsauSfltig nach den Jcvaner Teichen noch lange zehren werden. Für nächsten Sonntag aber freuen wir uns auf einen Spassergang über die Leina., Manfred „Lozialbemokrat" Seite 6 SamStag, 12. Mai 1034 Nr. 110 p iS m V>ai /fMy jg'.irwuA Einsamer Tob.£>nui« 52 der Französi«) fdjcn Miffc ans bi'ii Weinbergen luoT)»tc bcv, Zuckerbäcker F r a n.', B e l uh I ä v e k. Er Ivar ei» Mensch>vie hunderl tausend andere auch, nichts> Bcnierkcnswcrles>vnr an ihm, nichts Besonderes,! das ihn hcraushob ans der anonynien Musse der, kleinen emsigen Leute, die biet Arbeit und tvenig Freude haben!— Franz Bklohlävel wurde von, keinem vermißt. Wann hatte man ihn zuletzt gc-I sehen? Gestern, vorgestern, bar drei Wachen? DaS Leben ist ein unendliches Band nicht abreihender Sorgen, ein jeder ist mit sich beschäftigt, wir leben zusammen und sind uns doch unendlich' fern... Zuckerbäcker Franz Belvhlävcl hat vorj vier Wochen S c l b st in o r d b e- i g a n g e n. Niemand hatte e§ bemerkt. Sein Tod' ging unter im Lärm des Alltag». Franz Bc'Iohlä- bck>bar ausgclöscht und doch nicht begraben.— Bis aus Bklohläveis Wohnung Berivesungsgeruch kam. Man wurde aufmerksam. lind fand den Zuckerbäcker tot ans. Er hatte sich an einem Tür- i kreuz erhängt. Der ärztliche Bcsnnd stellte seit,! dah der Lebensmüde seinen Berztveislnngsschrilt i vor mindestens bicr Wochen begangen haben muh. llnd als die Nachbarn cS erfuhren, sagten sie nachdenklich:„Nichtig— der Bc'lohlävcl!.haben ivir ihn denn nicht erst gestern gesehen? So einsam kann einer sein— so einsam, mitten unter allen! Ter Maharadscha Nayab Cft Namimr kommt nach Prag. Am Sonntag trifft der Maharadicha Namib Ost Rampur mit seinem 2<> Personen zählenden Gefolge in Prag ein. Mit dem Maharadscha kom-| men seine Frau,.Hofdamen, ztvci Minister, ein hoher> Priester nnd Beamte. Ter Maharadscha wird im .Hotel„Alcron" tvolmen, Ivo für ihn nnd sein Gefolge 80 ssimmer reserviert sind. Er wird sich nach mohammedanischem Nitns verköstigen. „Bon den Aloen bis zur Wiisie!" linier diesem: Titel veranstaltet die Tcutschc Hochschulgcwcrtschast eine Ausstellung von interessanten Photos, Rcnc- trophäen und Skizze» von Tipbelfahrtcn ihrer Mitglieder nach Spanien, Italien, Marokko und dem! Balkan. Geöffnet Samstag, den 12. Mai. ab Ili Uhr und Sonntag, den 13 Mai, von 8—12 llhr im Tovz- Saal, Prag II., Jnngniannova 20 tvcrt; der übliche und üble Ovcrettenstnß. diesmal! durch das angeblich südseeinsulanische Milieu Jnter- cssc für eine Prinzcnliebc heischend. Das geschieht nun ohne den bescheidensten Erfolg und man schläft nur deshalb nicht ein, weil Paul Abraham wieder einmal seine erstaunliche Tüchtigkeit in der Erzeugung vcrjazztcr Rührseligkeiten erweist nnd seine netten Einfälle geschickt, aber auch lärmend servieren läßt. Immerhin ist dieser Operette nachzurühmen, daß sie Sängern nnd Tänzern reiche Entfaltungsmöglichkeit bietet; dagegen mir in sehr bescheidenem Maße den Schauspielern. An Witz und Humor mangelt es vollkommen. Man kann sich höchsicn- darüber amüsieren, wie der Grünwald, die anderen Librettisten nnd der Komponist sich das Leben und die Musik von hawci vorstcllcn. Dennoch ein Erfolg. Bor allem durch die geschmackvolle, einfallsreich«, das Auge deS Operettenpublikums ständig beschäftigende Regie Renato Mo rd o S. Sodann durch ein paar vorzügliche Ein- zcllcistungcn, unter denen Han» Hotter zuerst zu nennen ist; ganz erstaunlich, wir sich dieser junge Künstler dem Operetten Milieu anznpasfen versteht und seine Bäreitstimmc znm tenorbaritonalen Flüstern bringt; mil dem flotten Kameraden-Marsch erzielte er den stärksten Beifall de» Abends. Um bei den Männern zu bleiben: Herrn L i b a l liegi diese Partie ausgezeichnet. Herr Dörner paralhsiert durch den eigenen ungezwungenen Frohsinn nnd durch Tanzen den Unsinn, den er zu reden und zn singen hat. P a d l e s a k erhärtet zum tausendsten Male seine Bielvcrwendbarleit, Janisch, Stadler tun ein Ucbri- ges und Herr Bender leitet den ganzen gefälligen Schmarren jiimmschön ein. Fran Käthe Walter üt elegant und schön, verrät aber in der gesanglichen Zier ei» paar lädierte Brillanten. Fräulein d'A IN a r a tvirki in jenen Momenten, in denen sie n i ch t übertreibt, sehr vergnüglich und Frau Car- p e n t I e r entledigt sich sympathisch ihrer Anfgabe. Herr K o in l o» leitet die Aufführung mir viel Schwung. Biel Beifall. L. G.. Montag, Smetana-Feier, anläßlich de» 50. Todestages des Komponisten(gemeinsam mit der Urania)„Die verkaufte Brant". Ganz besonders niedrige Preise! Drei Preiskategorien: I<ü 6, 12, und 18. Ank Schülerkarten, die in sämtlichen Prager Schnlen erhältlich sind, wird eine weitere große Ermäßigung gewährt. Rechtzeitige dein französischen Gericht zu z w e i M onate. n G e f ä n g n i s verurteilt. Das war im Juli v. I Als er zu Ende des Borjahrcs Frankreich verlassen wollte, beging er eine neue Fälschung, indem er sich, angeblich von einem nicht näher bekannten jungen Mann seinen Namen Brams in ,,B r a u n" umändern ließ. Bei der Grenzkontrolle in Mühlbach wurde auch dies« Fälschung erkannt und Brants kam ans dem Schubwege in seine ischechoslotvakifche Heimat zurück, um sich neuerlich wegen der erwähnten Fälschungsdelikte zu verantworten. Er wurde unter Einrechnung der in Frankreich verbüßten Strafe zu drei Monaten Kerker verurteilt. Tie Strafe, wurde zwar u n- bedingt verhängt, ist aber dank der ertvähnten Strafeinrcchnnng Verb ü ß t. rb. Dem Partner das Messer ins Gesiih gestohen Blutige» Ende einer Kartenpartie wegen zwei Kronen. Prag, t l. Mai. Bor dem Strafsenat K a p l a n war der 28jährige. Photograpliengehilfe Joses Snbrt tvegen s ch>v e r e r.Körperverletzung angeklagt. Die Straftat nahm ihren Anfang beim Kartenspiel. Snbrt saß mit seinem Kameraden Jaroslav Löffler in der Nacht vom 28. Jänner d. I. bei einer Kartenpartie in einem Lic- bener Gasthaus. Das Spiel verlief im allgemeinen friedlich. Als aber Löffler bereits die Karten hingelegt und gezahlt hatte, fiel ihm Unglücklichertveise ein, daß ihm Sichert noch zlvei Kronen s ch n l d e. Er nahm diesen Betrag, ohne erst zu , Kartenbestellung erbeten! Borverkanf täglich. Besetzung die Damen: Ried, Kindermann, Schilp, dÄniara; die Herren: Masäk, Bandler, Bender, Dudek, Hagen, hattemer, hey. Dienstag, Premiere„ho ruck", Lustspiel von Paul Bnlpius(A 1) Besetzung: Behren», Car- venticr, Bauer, Demel, Götz, Hölzlin, Janitschek, Janisch, Ludwig, Padlesak, Schmerzenreich, Ströh- lin. Regie: hölzlin. Wochenspirlplan de» Reuen Deutschen Theater». Samstag, halb 8 llhr: Festspiele 1084: Gastspiel Kamnierjänger Schorr:„DaS R h e i n g o l d", A I.— Sonntag, halb 8 Uhr: ,,D i e. Blum e von halvai", Dl.— Montag, halb 8 llhr: Smclanafcier:„D i e verkaufte B r a ut", RA.— Dienstag halb 8 llhr:„h o r u ck", Erstaufführung, Al.— Mittwoch, halb 7 Uhr:„D i e W a l k ü r e", Gastspiel Kannnersänger Schorr, RingzhkluS II, B 2:— Donnerstag, 8 Uhr:„Ho ruck", C 2.— Freitag, halb 7 llhr:„Siegfried, Gastspiel Kammersänger Pistor, RingzhkluS III, D l.— SamStag, halb 8 Uhr:„DieBlume von H a w a i", Bl.— Sonntag, 0 Uhr:„G ö t- i e. r d ä m m e r u n g", Wagner-JhkluS IV, Gastspiel Kammersänger Gotthelf Pistor, CI.— Wochenspirlplan der Kleinen Bühne: SamStag, halb 8 Uhr:„M igo von Montpar- nasse".— Sonntag 8 Uhr:„Weißer Flieder", 8 llhr:„M i g o von M o n t p a.r- nasse",— Montag, 8 llhr:„Straßenmu- si k".— Dienstag, halb 8 Uhr:„Migo von M o n t P a r n a s s e".— Mittwoch, 8 llhr: „Stratzenmnsil".— Donnerstag, 8 Uhr: „M igo von Montparnasse".— Frei tag, 8 Uhr:„Der eingebildete Kranke",! Kulturverbanvssrcunde und freier Berkaus.— Samstag, 8 Uhr:„M igo von Montparnasse". Sonntag, 8 llhr:„D i e I n s e l". 8 Uhr:„S t r a- ß e n m u s i k". Kinderfreunde Prag Sonntag, den 13. Mai, IagrSau»slng nach Prühonire. Besichtigung de» dortigrn Parke». Ansammenkitnft 0 Uhr vormittag» bei der Endstation der Iller Elektrischen am S p» t i l» v. Faltenlager in-irschberg Der Gau Nordböhmeu deS Arbeitervereins „Kinderfreiindc" veranstaltet anschließend an die Arbeiter-Olhmpiadc in Hirschbcrg ein Falkcn- Lagcr, das auch viele Prager Falke» besuchen werden. DaS Lager wird vom nortzböhmischen Gau- führcr Leo Schramm geleitet tverdcn. Teilneh- mcn können Falken vom 10. Lebensjahre an. Da» Lager wird am 17. Juli beginnen und vier Wochen dauern. Anmeldungen nehmen die Führer der Kameradschaften entgegen. Hrlferschnliing der„Roten Falken". Der Sekretär der Rcichsorganisation der Kinderfrennde, Gen. Willi Hocke, wird am SamStag, den 2. nnd am Sonntag, den 3. Juni, für die Prager Helfer bei den Roten Falken eine Schule abhalten. Anmcldnn- gen zur Teilnahme an die Genossin Thea Thciner. vcrelnsnadiriditcn . Ortsgruppe Prag. S o n n t a a. den 13. Mai,,um 7 llhr bei der Endstation der 7er Elektrischen in Podbaba. Wanderung über Suchdol, Spalenp mlyn nach Levy Hradec. Herrlicher Ausblick über di« Moldau. Tann nach Zalov; hier Rast, Baden und Spiele. Rückweg entlang der Moldau nach Prag. 20 Kilometer. Führer Plötz.— Pfingstto u r: 1. Gruppe: Abfahrt ain Freitag, den 18. Mai, nm 17 Uhr 20 vom Masaryk-Bahnhof nach Falkenau. Uebernachten in Falkenau, Wanderung nach Eger. 2. Gruppe: Abfahrt am SamStag, den 19. Mai, nm 11 Uhr 66 vom Wilsonbahnhof nach Eger. Pnsam- mentreffen mit der ersten Gruppe, geineinsame Besichtigung der Stadt Eger, Bestich der Bäder Fran- zensbad, Königswart und Marienbad. Letzte Anmeldung beute Freitag in der Geschäftsstelle. f Der Vilm Welteroberer Dieser amerikanische Erpeditionssilm reißt n»S wieder einmal ans der Tchcinwctt der Atclicrbauten und Jupiterlampen und führt nnS in die Weite der Welt. Mit echt amerikanischer Großzügigkeit drängt er unS den Extrakt von fünf Ratnriorscherreiien in anderthalb Stunden aut: Arktis und Antarktis, Südsee, Brasilien und tropische» Afrika. Es ist eine verwirrende Fülle verschiedenartigster Eindrücke, bekannter und unbekannter Uoncn, eine Riesenschan wilden Getier», ein Blick in beide Poiarweltcn, ein Tlreifzug durch Weltmeere, Dschungel nnd Urwald. Der. Regisseur Harold N o i c e, der selbst— mit seinen brasilianischen Aufnahmen— die schönsten Bilder diese» Films geliefert bat, verband die Teile auf sehr einfache Art. Er ließ die filmenden Forscher zu einem Bankett zusanunentretcn und Borträge über ihre Reisen halten, dfe während der Sieden als bewegte Bilder vor dem Hörer vorüberzfe- hen— woran» sich nun freilich ein Zuviel an Wor- trn ergibt, wie wir es bei Kulturfilmen leider gewöhnt find. Aber diese Bilder sind imstande, sich gegen all« Reden dnrchzusetzen. Sie wirken, Iveil sie wirklich sind, und weil sie nicht nur Erinnerungen an all« gesehenen Tropen-, Eismeer- nnd Urwaldfilm« wieder auffrischen, sondern außerdem noch Nie- gescbenes zeigen: einen Elefantcnztveikampf in Indien zum Beispiel, interessante Tierfangszcncn aus | Borneo und Einblicke in da» Lebe» der innerbrasi- lianisäien Jndianersiämmc.—eis— Mitteilungen aus dem Publikum. In jeden gute» Haushalt gehört bestimmt auch ein wichtiges Mittel: Alpa-Franzbranntweinl DaS Bestreichen von Schläfen und Stirn niit Alpa erfrischt angenehm und Einreibungen mit diesem bewährten Präparate lindern rheumatische Schmerzen. 100 Literatur Weisend» barm. WantochS Taschenfahrplan. Der Sommerfahrplan 1981 wird nachts vom 11. auf den 1ö. Mai T. I. in Kraft treten rind bis 6. Oktober Gültigkeit haben. Mit Recht wird die Berläßlichkeit de»„Wantoch" geschätzt, die durch sorgfältige Redaktion und anitliche llcberprüsung getvährleistet ist. Weite Kreise sind seit Jahren auf diese» Fahrplan eingestellt und erwarten sein zeitgcrcchteS Erscheinen, um sich über die jeweiligen Neuerungen zu unterrichten und ihn al» erprobten Begleiter auf Reisen und Wanderfahrten mitzuführen. Er bringt dicSinal zahlreiche Verbesserungen und Ausgestaltungen im Inhalt nnd Umfang ohne Aenderung der Preise. Wie bisher erscheinen die kleine Ausgabe zu 4.80 KC und die große Ausgabe zu 0 Kc, die durch alle Buchhandlungen oder unmittelbar voni Verlag C. Weisend, Abt. Fahrplan, Teplitz-Schönau, bezogen werden können. Der Ehrendolch Wissen Se, dct dritte Reich, del iS doch» Erfolch. Del kenn Se schon seh» an mein Ehrendolch. Hab ick dct Ting» an mein Bauchriehm dran, Wecß ick, ick bin'n nazjonala Kämpfa un Mann. Ick sichle mir wehrhaft uff Hieb un Stich, ll» det Jefiehl hatt ick fricha»ich. Fricha kam sowat»ich in de Tiete. Da jalt ick als Strolch. Nu bin ick Elite! Schn Se, nn dct i»n jroßa Erfolch, Dct mit mein Dolch. Fricha, da mccnie man»sf Schritt nn Tritt, Nu kommt jlcich Polente, un denn jchste vaschütt, BloS wejen son lausijet Taschcnmessa. Sahren Se wntscwolln, det is heile bcssa! Ick brauche mein Knies nich in'n Sticwcl zn rammeln. Ick lasse'» janz frei nssn Bauche bammeln. Wie sone Art lirkischet Paschaschwcrt, Als Abzeichen von mein inneren Wert. Schn Se, un det isn jroßa Erfolch, Det mit mein Dolch. Ooch de Saurcpublik hatte Abzeichen reichlich. Aba die Dinge warn mir innna zu weichlich. Dct war ivat von Jeist un von Freidcnkabund, Bon Naturfreunde, Weltfrieden un son Schund. Det war doch alle! niarxistischa Bluff. Uff mein Dolch steht janz wat andaht dnisf. In m c i n Spruch i» wat von Blut mit mang. Sowat hat doch den richtijen Klang. Sehn Sc, un det iS» jroßa Erfolch, Det mit mein Dolch. EcnS alladingS jefällt mir nich sehr. Ten Ehrendolch trächt ooch de Fenawchr. Ti« Ham sich doch jar nich fier Hitler» gedrescht? Det is woll der Lohn, weil die nich ilcich Ham jelöscht, Damals bei nnsan Lamettahermann sein Brand, Bei den der Staatsanwalt lcida keen von uns fand? Schivamni drieba! Wern Dolch hat, soll» in Ehrn va- walten. ! Wer keen hat, hat nischt, wie det Manl zu halten! Schn Se, un det i»n jroßa Erfolch, Det mit mein Dolch. Der Rote Han» filme InPrager LIiMsplelhSusern bi» einschließlich Donnerstag, den 17. Mai. Urania:„Die Gräfin von Monte Christo"— Adria:„Tas Fräulein am Bolant"— Alfa:„Nur wer die Sehnsucht kennt..."— Avion:„Die Welteroberer"— Fenix:„K inder der G r o ß st a d l" — Flora:„Bubi"— Hollywood:„Die Welteroberer"— Hvezda:„Unter der Sonne des Süden»" — Julis:„Liebesbriefe"— Kinema: Journale, Lustspiel, Reportage(%8 bi» 10 Uhr)— Koruna: „Männer im Offside"— Kotva:„Die Königin amüsiert sich"— Lueerna:„Die Königin aniüsiert sich" — Metro:„Hallo Paris! Hier spricht Berlin!"— Olympie:„Jeder darf lieben"— Praha:„Der letzte ! Akkord"— Radio:„Tanze Sally"— Alma:„Casanova"— Baikal:„Der ewkge Jude"— Belvedere: „Der ewige Jude"— Beseda:„Bubi"— Carlton: „Der Rus des Herzens"— Favorit:„Der Ruf des Herzens"— Konvikt:„Tante Sally"— Lido: „FrübliiigSstimmen"— Louvre:„Kapitän Sorrell und sein Sohn"— Mareska:„Frühlingssiimmen" — Roxy:„Tante Sally"— Sport:„Unter AuS- schluß der Oessentlichkeit"— Baldek:„Reise um > die Welt in achtzig Minuten". Wollen Sie gesund werden? Plagt Sic Rheuma, Gicht, Ischias oder eine Frauenkrankheit? Wollen Sie Ihren I Urlaub schön und billig verbringen? Besuchen Sie den Kurort Bohdaneö Bel erstklassiger Einrichtung, Für- . sorge und Bedienung sind wir wirklich billig! In Bohdaneö erwartet Sie Genesung und Erholung! Saison Mai— September 2408 : Wiener Genosse, Absolvent der technischen Hochschule, erteiitNachhllie* Unterricht billigst in Mathematik, Physik, darstellende Geometrie, Französisch, Englisch, für technische Fachschüler, Realschüler, Handelsakademiker bis zur Matura. Auch Klavierunterricht. Zuschrlflon an die Verwaltung d. Blattes unter Chiffre: „Unterricht"*. BÖHMISCHE UNION-BANK (VEREINIGT MIT DEM ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK-VEREIN) Zentrale In Prag Aklitikipilil M 200.000.000*—* FtitrvtfinJi 201.550.000*—• FILIALEN: Asch, Aussig, Bodenbach,Böbmiscb-Budweis, Bratislava, Braunau I. B., Brünn, Brüx, Freiwaldau, Fry'- dek. Gablonxa. N., Oraslilz, Hohenelbe, Ialau, JNgerndorf, Karlsbad, Könlglnhof a. E. Lcitmerltx, Mnrienbnd, Mahr.* Ostrau, Mübr.*0chOnbers. Neu-THscheln, OlmUtz, Pardubitz, Pilsen, ProOnltx, Rcichonberg, Rumburg, Saaz, Tep- litz«8ch0nau, Traulenau, Troppa u. Warnsdorf, Zwlllau. EXPOSITUREN: Prag-Lieben und Prag*Weinbergo. Zucker- AbMIungam frag. Bratislava, OlmUtz, Troppau, B« z u a S b« d I n g IIII g e n: Bei iinllellttng INS Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kö 16.—, vierteljährig Kö 48.—. halbjährig Kd 96.—, ganzjährig KO 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigt berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manijkriptcn ecsolgt nur bei Einsendung der Sletourmarken.— Die ZetmngSsrankatur wurde von der Post, und Telegraphendirektion mit Lrlaß Nr. 13.890/VN/198I) bewilligt.—Druckerei:„OrbiS". Druck-, Verlags- und 8eitungS-A.«G„ Prag