nl° k« akaa 8ale IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK IR5CHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii., eochova«. ntffON atm. Administration telefon non. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Einzelpreis 70 Heiter (•InichlleBllch 5 Helfer Forfo) 14. Jahrgang Mittwoch, 1«. Mai 1SS4 Nr. 113 Wahlsieg der englischen Arbeiterpartei London, 15. Mai.({Reuter.) Bei der E r g ä n z n» g S w a h l in W e st h a m in London wurde der labouristische Kandidat G a r i« litt mit 11.098 Stimmen gegen den Konservativen Machnahar, der 8534 Stimmen erhielt, gewühlt. Der nnabhiingige Arbeiterparteiler Vrookwa» erhielt 748 Stimmen.— Bei den lebte» Wahlen halte der konservative Kandidat eine! Mehrheit von 5108 Stimmen ans sich vereinigen können. Dieser neuerliche Wahlsieg eines Sozialdemokraten in London, einige Wochen nach den offiziellen Gemeindewahlen, bestätigt mit aller Klarheit die politische Umstellung weiter Schichten des englischen Volkes, die sich von dem Regime des Bürgertums abwenden, um die sozialistische Machtstellung zu verstärken. In der Zeit da Deutschland und Oesterreich dem FaseiSmuS verfallen sind und das deutsche Bürgertum in der Tschechoslowakei im FaseiSmuS die politische Seligkeit sieht und auf allen Wegen herbeizuführen versucht, ist diese Tatsache von weittra- gender Bedeutung. England torpediert Arheltszettabhommen London, 1b. Mai. Die Antwort der tri« tischen Regierung auf den Fragebogen der Internationalen Arveitskonferenz bezüglich der Herabsetzung der Arbeitszeit wurde am DienStag in einrmWeißbnche veröffentlicht. In dem Dokumente heißt eö: Die britische Regierung gelangte zu d'em nn- nmstötzliche» Schluß, daß es unmöglich sei, daß im Juni ein internationales Abkommen Über die Herabsetzung der Arbeitszeit, ein Abkommen, das wirksam sein könnte, genehmigt werde. Solange noch eine Möglichkeit besteht... London, 15. Mai. Wie aus Washington gemeldet wird, hat Präsident Roosevelt Norman Davis aufgefordert, nach Genf zurückzukehren, und angedeutet, daß er bereit sei. seine Unterstützung zu gewähren, so lange noch irgendeine M ö g l i ch k e i t b e st e h e, zu einem AbriistungS- übereinkonunen zu gelangen. Norman Davis hat keine neue Anweisung erhalten. Hochverratsverfahren gegen Thälmann Berlin, 15. Mai.(Tsch. P.-D.) Gegen den früheren NeichtstagSabgeordneten Thälmann schwebt, Ivie daS BDZ. erfährt, seit einiger Zeit heim Oberreichsanwalt ein Verfahren wegen Hochverrates. Das Verfahren befindet sich augenblicklich im Stadium der gerichtlichen Vorunter-| suchung. Ob und wann und tvege» welcher Straf- I taten gegen Thälmann Anklage erhoben werden wird und wann die Hauptverhandlung ftattfindet, läßt sich zur Zeit noch nicht sagen. Japan protestiert gegen die englischen Kontingente Tokio, 15. Mai. Das Außenministerium hat dem japanischenBotschafter in London den Auftrag erteilt, die Regierung Großbritanniens zu ersuchen, sie möge eine AenderungdeSneu- einge führt en Kontingentsystems vornehmen, von lvelchem Japan überzeugt ist, daß es in absolutem Widerspruch zu der im englischjapanischen Handelsvertrag enthaltenen Meist- begünstigungsklausel steht. Panzerzug fliegt in die Luit Mulden, 15. Mai. Bei Kinfchau sind zwei Mnnitionöwaggons eines mandschurischen Pan- zerzngeö explodiert. Ein Teil des ZngeS ist vollkommen verbrannt. Bis jetzt wurde» 80 Tote nyd verwundete gemeldet. »Verräter 11 vogelfrei Brutalster Saar-Terror von offfflsieller deutscher Salta angekündigt Genf, 15. Mai. Der Vorsitzende des Ausschusses für die Vorbereitung deS Plebiszits im Saargebiet, Baron A l o i s i, hat eine deutsche Rote in Händen, die den Standpunkt der ReichSregieriing in der Saar-Angelegenheit darlegt. Dieses Dokument enthält u. a. sogenannte„Bürgschaften" der deutschen Regierung für die Bevölkerung deS Snargebie- teS, die bei dem Plebiszit im Jahre 1035 nicht für Deutschland stimmen will. Die deutsche Regierung erklärt, daß jeder Deutsche, der nicht für Deutschland wählen wird selbstverständlich als Verräter angesehen werden wird. Die deutsche Regierung sei aber bereit, diese Berräter n i ch t gerichtlich zu verfolgen. Nichtodesto- weniger könne ste keine Garantie dafür übernehmen, waS den sogenannten Verrätern seitens der erbitterten Bevölkerung im Saargebiet geschehen werde. Derartige Garantien kann der VölkerbundSrat nicht annehmen, weshalb der Ausschuß die Verhandlungen mit der deutschen Regierung fortsetzt. DaS Bölkerbundselretariat hat heute den Bericht deS Ausschusses zur Vorbereitung deS Saar-PlebisziteS veröffentlicht. Darin wird vorgeschlagen, daß die RegierungSlommission die ganze Dauer des Plebiszites hindurch in ihrer Funktion verbleibe, daß ferner eine dreigliedrige Plebiszitkommission sotoie P levis z i t g e ri ch i e auS Angehörigen anderer als der französischen oder deutschen Nation gebildet werde. DaS Plebiszit soll entweder nach Verwaltungsbezirken oder nach Gemeinden durchgeführt werden. Bezeichnend für den deutschen Terror im Saargebiet find auch die Bemerkungen deS französischen Mitgliedes der saarländischen Regie- rungSkommission zu dem gleichfalls heute veröffentlichten Tätigkeitsbericht dieser Kommission. ES heißt darin, daß bereits über ein Jahr die saarländische Bevölkerung lein Ver- Herr Schmilz stellt sich seine Börgerschalt zusammen Wien, 15. Mai. Amtlich wird mitgeteilt: Der Bürgermeister hat heute abends im Einvernehmen mit der Vaterländischen Front und unter möglichster Berücksichtigung der von den kulturellen und ständischen Organisationen geäußerten Wünsche als Räte der Stadt Wien in die Wiener Bürgerschaft berufen: Von den kulturellen Gemeinschaften, von der Jn- dnstrie, von Gewerbe und von Handel und Verkehr je zlvölf Persönlichkeiten; von der Landwirtschaft, von Geld, Bank- und Kreditwesen, von freien Berufen und von den öffentlichen Angestellten je vier Persönlichkeiten. Die erste Sitzung der Wiener Bürgerschaft findet Donnerstag statt, in der die Angelobung erfolgen wird. eine Aulmcrksamkell ihr vaugoin Wien, 15. Mai. Vor dem Wohnhaus des Präsidenten der Bundesbahnen, V a u g o i n, wurde heute ein Papierböller zur Explosion gebracht, Sachschaden lvurde nicht angerichtet. trauen in die Gerechtigkeit der lokalen Gerichte habe. Die saarländischen Beamten und insbesondere die Richter schöpfen auS den heute in Deutschland in Geltung befindlichen Doktrinen, indem sie zum Beispiel auS der nationalen M>ee die Quelle alles Rechtes machen. Das französische Mitglied der RegierungSkom- miffion des SaargebieteS ersucht, daß Gerichte errichtet werden, die sich auS neutralen Richtern zusammensetzen, bei denen die Unabhängigkeit von politischen Angelegenheiten garantiert wäl:e. Die übrigen Mitglieder der Regierungskommission anerkennen, daß sich einige Richter gegen die Unparteilichkeit vergingen, und sie sprechen sich für die Errichtung eiueS PlebisitS« g e r i ch t e S aus, das Vergehen und Verbrechen abzunrteilen hätte, die in direktem Zusammenhang mit dem Plebiszit stehen. reiiergelccht zwischen Sturm scharen und Nazi Klagenfurt, 15. Mai. In Trebesing in Kärnten kam eS gestern zu einem Zusammenstoß einer Abteilung Ostmärkischer Stnrmscharen mit Nationalsozialisten. Die in einem Automobil von einer Propagandareise zurückkehrende Sturmabteilung der Sturmscharen traf eine nationalsozialistische Kolonne an, als sie gerade den Versuch unternahm, eine nationalsozialistische Fahne am Maste einer elektrischen Fernleitung zu hissen. In dem Geplänkel, das entstand, wurden die Nationalsozialisten zum Rückzug gegen daS Dorf gezwungen, wo sie sich jedoch in einem Hause verbarrikadierten und sich mit Gewehrfeuer und Steinbombardement zur Wehr setzten, so daß die sie verfolgende Abteilung der Sturmscharen sich zurückziehen mußte. In dem Augenblicke, als die Angehörigen der Sturmscharen das Auto besteigen loollten, stürzte plötzlich von der sich oberhalb der Landstraße erhebenden Felswand ein großer Felsblock herab, der von den Nationalsozialisten gelockert worden war. Der Felsblock zertrümmerte den Motor und den Vorderteil des Autos. Durch einen glücklichen Zufall kam nieniand zu Schaden. Einige Nationalsozialisten wurden nachher von Gendarmen festgenommen. Tsdiediisdie und deuhdie Agrarier AuS vielen Aeußerungen der Vertreter der größten bürgerlichen Partei dieses Staates, der führenden Partei der Regierungskoalition, die inan in den letzten Wochen vernommen hat. kann mit Befriedigung die Schlußfolgerung gezogen werden, daß sich diese Partei entschieden zur Demokratie bekennt. Trotzdem der Faseismus in unseren Nachbarländern äußerlich noch hoch jm Kurse ist, hält die republikanische Partei an der Zusammenarbeit mit den Vertretern der Arbeiterschaft unentwegt fest. Diese Zusammenarbeit hat der Bevölkerung den Beweis von der Frucht- barkeit der Demokratie geliefert, wir erinnern nur an eine Reihe wirtschaftlicher Maßnahmen, die einvernehmlich von den Koalitionsparteien getroffen wurden, um die langsam ansteigende Weltkonjunktur auch für die Tschechoslowakei nutzbar zu nmchen. Tatsächlich ist ja auch die Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten stärker zurückgegangen als je seit Beginn der Krise. AuS den letzten Tagen liegen nun wieder zwei Äußerungen fiihrender tschechischer Agrarier vor. Die eine stammt just vom Innenminister Dr. C e t it t), also von jenem Minister, der über die demokratische Verfassung dieses Staates zu wachen die besondere Ausgabe hat und der in einer Rede vor der Jugend der Agrarpartei— auch daS ist charakteristisch— die Demokratie für„die unabänderliche Staatsform" erklärt, der die tschechische Agrarpartei„immer und unter allen llmständen treu bleiben wird". Tas klingt wie ein Gelöbnis und verpflichtet^ den Redner ebenso wie die Partei, in der Dr. Eermi eine hervorragende Rolle spielt. Eine Ergänzung zu diesen Ausführungen Cernh's bildet das, was der parlamentarische und organisatorische Führer der tschechischen Agrarpartei, Abgeordneter Beran, in einer Rede in Karpathorußland gesagt hat. Als unentwegter Anwalt der Demokratie stellt er nach dem Bericht der„Prager Presse" sest,„daß an die Seite der Landwirte stets die Arbeiter gehören, denn diese zwei Schichten seien die Fundamente des Staates". Ans der Rede Berans geht also unzweideutig hervor, das; die tschechische Agrarpartei an der bestehenden Koalition mit den sozialistischen Arbeitern auch weiterhin sestzulial- ! ten entschlossen ist. Diese Bereitwilligkeit der Agrarier stellt ein Moment der Stabilität dar, sie zeigt, daß die Koalition, von der man glaubte, daß sie nach den Präsidentenwahlen erschüttert werden luürde, auch weiterhin die Geschicke dieses Staates in der Hand behalten wird. Mit dieser klaren Stellungnahme der tschechischen Agrarier vergleiche man nun etwa die Wald- und Wiesenreden, die man so ost von deutscher agrarischer Seite zu hören bekömmt. Unsere deutschen Agrarier möchten gerne Liebkind nach allen Seiten sein. Die Folge davon ist, daß kein Mensch weiß, welche Poliiil der Bund der Landwirte eigentlich betreibt. Der Herr Minister Spina, der Führer des Bundes der Landwirte, wollte die fascistischen Reignn- gen, die sich insbesondere unter der Jugend seiner eigenen Partei stärker bemerkbar gemacht haben, abfangen, bzw. neutralisieren durch die Akzeptierung des Ständegedankens. Er hat mit Henlein Vereinbarungen getroffen, also mit dem Führer einer Bewegung, deren Anhänger doch sicher nicht als Muster der demokratischen Gesinnung zu betrachten sind. Der Herr Minister Spina will sich nach allen Seiten sichern. Ob das allerdings zur Klärung innerhalb seiner eigenen Partei beiträgt und ob er so den Nachwuchs des Bundes der Landwirte zur Demokratie erziehen wird, ob man überhaupt mit einem fascisierten Nachwuchs demokratische Politik bc- treiben kann, das ist eine andere Frage. Jedenfalls könnte sich Minister Spina an dem klaren Bekenntnis seiner tschechischen Gesinnungsfreunde zur Demokratie und an dem festen Willen zur weiteren Zusammenarbeit mit den Ver- Bayrische Nazi schießen über die österreichische Grenze Zwei schwerverwundete Salzburger Grenzgendarmen Wie», 15. Mai(9(91.) Am 14. Mai l. I. wurde in de» Abendstunden in der Nähe des Grenzsteines 106 beiDürnburg in Salzburg auf im Grenzpatrouillendienst stehende Mitglieder deS Schutzkorps durch dreiSA-Leute in Uniform und zwei Burschen in Zivil, die auS Bauern an die Grenze gekomuten waren, zweimal aus dem Hinterhalt gefchosien, ohne daß hiebei jemand getroffen wurde. Als ungefähr eine halbe Stunde nach diesem Vorfall der Gendarmeriepostenkommandaiit von Hallein Revierinspektor Matthäus A n d e r 11 und der Gendarm Karl F l a t s ch e r auf ihrem Kontrollgang an den bezeichneten Ort kamen, wurden auch auf sie gl eichzeitig fünf bis sieben Pistolenschüsse abgegeben. Revierinspektor Ändert wurde in der Leistengegend und Gendarm Flat- scher am rechten Oberarm schwerverletzt, Gendarm Flatscher feuerte gegen die Angreifer ebenfalls einen Schuß auS seiner Pistole ab, anscheinend jedoch ohne jemand zu treffen. Bei der nach den erwähnten Vorfällen sofort durch eine Gendarmerie- und Militärpatrouille durchgeführten Streifung wurde auf dem Tatort einRncksackreichSdentscherHer- k u n f t gefunden, in dem sich mehrere Pakete mit nationalsozialistischem Propagandamaterial, daS an verschiedene Gemeinden in der Umgebung von Hallein adressiert war, gefunden.. Seite 2 Nr. 118 Mittwoch. 10. Mai 1034. tretern der Arbeiterschaft ein Beispiel nehmen. E» nützt nicht-, wenn die..Landpost" erklärt, sie wolle mit unS über die Fragen der Demokratie nicht weiter diskutieren. Der Bund der Land- wirte wird vor der Oessentlichkcit die Gesinnung weder seiner älteren noch seiner jüngeren Mitglieder verheimlichen können. Es ist ja bekannt. welche- Ziel der Herr Spina durch seine Vereinbarungen mit Henlein verfolgt, nian weis;, daß er die„Sudctendeutsche Hennatsront" unter seinen Einfluß bringen will. Welche Verwirrung aber unter der deutschen Bevölkerung dadurch entstehen wird. daS wird er noch erleben Mögen auch Herr Svina und seine Partei e» vorziehe», statt klarer eindeutiger Parolen ' den Ständestaat und die Demokratie zu gleicher I Zeil zu vrevagieren. wir werden, wenn auch die' . Landpost glaubt, daß der Name„Patentdemokralen". den sie aus uns anwendet, ein Schimpf» i wort bedeutet, unseren Weg entschlossen weiter geben, nämlich dcnWeg dcrCrHaltung der demokratischen Errungenschaften für die A r b c i t e r i n d e r T s ch c chos l o w a ki f rfj c nRepublik und wir werden dies tun iin engsten Einver- j nehmen mit den Vertretern der tschechischen Arbeiterschaft und im Verein mit jenen, welche die Demokratie erhalten wollen und über diese Ab- siä't keinen Zweifel in ihren politischen Kund- gcbungen anskommen lassen. Dollfuss, geben Sie die Gefangenen frei! Unerhörte Zustande In Wöllersdorf Unserem nach Oesterreich entsandten Bericht»! erstatter ist cs gelungen, das WöllerSdorfer An-| halielagcr auSzukunbschaften. Gegenwärtig befin« den sich dort 600 Sozialdemolraten und 200 Nazi und etwa 20 Kommunisten. TaS Lager ist fast hermetisch von der Außenwelt abgeschlossen. Tic Internierten werden von nicht weniger als 950 Heimwehrlern und 120 Gendarmen betvacht, eine gewiß sehr kostspielige Zache. ES verlautet, daß dieses Lager vergrößert wird, so daß rund 2500 Menschen dort nntergcbracht werden kön- ncn. Man beabsichtigt nämlich die Anhaltclager inKaiscrsicinbrnch. Mcssendors und Lbcrwaltcn» dors aufzulassen. Die baulichen Veränderungen sind in Wölkersdorf bereits in vollem Gange. Unter den Internierten in Wöllersdorf befinden sich etwa 350 Mandatare der Partei nnd Gcwerlschaften wie die Genossen: Glöckel, Leuth ncr, Allina. Ingenieur Seidel. Karl Richter, Leo- i pold Thaller. Hofrat Schärf nnd Stadirat Ho» nah. Sie sind alte in einem Objekt nntergcbracht, in dem sich bloß-l Schlafsäle befinden, tvovon nur 3 Schlafsäle den 350 Genossen zur Verfügung stehen, während die 20 Kommunisten einen separierten Schlafsaal benützen. Man kann sich vorstellen, wie„bequem" die Genossen in diesem Masscnquarticr auSruhen können. lieber die Qualität des EssenS wird nickt geklagt, wohl aber bekommen die-Internierten so wenig vorgesetzt, daß alle hungrig sind. ES gibt wohl zusätzliche Portionen, aber die dürfen sich die Internierten nur mit Erlaubnis des Arztes kaufen. Diese Erlaubnis wird von dem „menschenfreundlichen" Arzt aber nur in den seltensten Fällen erteilt. Das hat zwar keinen Sinn, sa es ist geradezu barbarisch, aber eS ist immerhin Methode. Die Internierten könnten vielleicht gar übermütig werden. Da sich die Angehaltenen täglich etwa fünf Stundep im Freien aufhalten dürfen, empfinden sie den Hunger doppelt. F ü r d i e u n z u l ä n g l i ch c K o st iv e r- den den ihrer Freiheit beraubten täglich sechSSchillingabgcknöpst! Und bei diesem unverschämt hohen„P e n- s i o n S v r c i s" müssen die armen Teufel hungern. DaS ist eine zum Himmel schreiende Schande! Außerdem muß jeder für die Decke, Menagcschalc und Löffel 5.60 Schilling und für den Strohsack und einen Kovspolsterüberzug sechs Schilling bezahlen. Selbstverständlich werden die Internierten ans Schritt und Tritt bespitzelt. Ihre Briefe werden von der Heimwehr zensuriert, obwohl nach der im„Namen Gottes" erlassenen neuen Versassung das Vricfgchcimnis gemäß Artikel 23 g e w a h r t erscheint I Aber ivas scheren sich die Hciimvchrcn um die Verfassung des Herrn Toll- suß! Der Rechtsstaat Oesterreich hat aufgehört, jetzt kann jeder Heimwchrler dort machen was er will. So darf es einen auch nicht wundern, wenn man hört, daß viele der Genossen seit Mitte Fever iick in Hast vcsinden und bis heute noch nicht einmal verhört wurden! Gegen andere haben selbst die G c r i ch t e daS Verfahren eingestellt. weil sie nichts strafbares angcstellt hatten und dennoch werden diese unschuldigen Menschen im WöllerSdorfer Lager fcstgehalten. Wie heißt eS doch in der dem österreichischen Volle„im Namen Gotieö" a u f g e z w u n- g c n e n Verfassung der Kanonenchristen? Im Artikel Iv steht:„D i e F r e i h e i t d c r P e r» so» i st g e w ä h r l e i st e t". Und lveiter heißt es im Artikel 21:„Niemand darf wegen eincsVcrhaltenSbestrast werden, das gegen keine rechtsgültige Strafordnung ver stößt" und der Artikel 100, Absatz 2 sagt ausdrücklich:„N i c- in a n d d a r s s ei» e m g e s c h l i ch e n Richter entzogen tv erden! Wie lange, so fragen wir vor der Wctt- ösfcntlichkeit, den Herrn BolkSkanzler, will nmn I die Verhafteten und Internierten entgegen dem I klaren Wortlaut der Gesetze noch ihrer Freiheit berauben? Die rechtlich denkenden Menschen der ganzen Welt verurteilen diese schändliche Rechtsbeugung in Oesterreich. Die Anstrofascisten respektieren ja heute schon nicht.'inmal ihre selbst ausgeklügelte Verfassung. Sic sind bar jede- Rechtsempfindens nnd lassen sich bei der Bekämpfung ihrer Gegner nur von kleinlichen Rachegefühlen leiten. Aber auch mit solchen Kampfmethoden wird man den Gedanken des Sozialismus in I Oesterreich nicht töten! l über den Auch hier zur Präsi- nach zwei- für Verbesserung der Arbeitsverhälthisse der Privatansestellten Der s o z i a l p o l i t i s ch e A n 6 s ch n ß des Abgeordnetenhauses befaßte sich heute mit den Initiativanträgen über die Arbeitöverhält- uisfe der P r i v a t a n g e st e l l t e n. Der Vor- Abseordnetenhaus Prag, 15. Mai. Im Abgeordnetenhaus wurde heule das neue Versicherungsregulativ vorgclcgt, dessen wichtigste Bestimmungen lvir bereits gestern besprochen haben. Von der Tagesordnung lvnrde lediglich ein Zusatzprotololl zum rumänischen Handelsvertrag verhandelt, lvorin unser Zoll für eine gewisse rumänische Wurstart herabgesetzt lvird, während Rumänien Erleichterungen bei Konserven und ParadieSäpscln zubilligt. In diese belanglose Debatte schickten die Kem» nnnnslcn gleich drei Redner vor. Zlvei von ihnen befaßten sich ausschließlich mit hanebüchenen Ausfällen gegen die karpathornssische Reise des Außenministers. Der dritte wollte eine Erklärung seines Klubs zur Präsidentenwahl zum Vortrag bringen. Als er vorlas, daß sie nicht für Masaryk stimmen werden, kam es zu scharfen Protesten auf den Bänken der Koalition. Der Redner wurde dreimal vergeblich aufgefordert, zur Sache zu sprechen, worauf ihm der Vorsitzende das Wort entzog. Auf der Tagesordnung der nächsten Sitzung, die Donnerstag, den 17. ds., um 16 Uhr ftattfindel, steht bereits das Versichern ngsregu- l a t i v und die Senatsbeschliiste über den Versicherungsvertrag und über die Zuständigkeit der Bcrg- bauschiedSgcrichte. Man erwartet, daß in dieser Sitzung ein weiterer RegierungSentwurf über Steuerbegünstigungen bei größeren Hansrevaratnren vorgelegt werden wird. »er Senat nahni nach kurzer Debatte die Vorlage Milchausgleichsfonds an. versuchte ein Kommunist eine Erklärung dentcMvahl vorznbringcn, ließ jedoch maligen Ordnungsrufen des Vorsitzenden davon ab. Auch die Vorlage über daö M a s s c u r g e lv e r b c lvurdc neuerlich mit den vom Parlanient vorgenom- menen Aendcrungen ohne Debatte genehmigt. Neber die vorgelegten RegicrungSentlviirfc berichten wir an anderer SIcNe. I Mit der Wahl des JiikompatibilitätSauaschusscs i wurde die Sitzung geschlossen. Die nächste Sitzung , wird erst schriftlich einberufcn lvcrden, voraussichtlich i erst nach der Präsidentenlvahl. ! sitzende D u b i h k i teilte mit, daß es zwischen der ! Gruppe der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zu jeiner Vereinbarung über die Vorlage gekommen ' ist, die nun die Grundlage für die Ausschuß» l vcrhandlnngeit bilden soll. Die betreffende Koni» Mission Ivar stüizci^eil vor- drei fahren unter Vorsitz des früheren" titziilisterb Är. Holvvcc ge»< bildet worden. Dix RAkernng hat sich mit der Vorlage cbensalls send» beflißt nnd das ressortmäßig zuständige Jnstizininistcrium wird sie nun dem Ausschuß mit einem Motivcnbericht zur Verhandlung vorlegen. Der Berichterstatter, Genosse Klein, gab eine Uebersicht über die Ergebnisse der jahrelangen Arbeit der Fachkommission, in der hauptsächlich die Fragen des Urlaubes, die Kündigungsfristen, der Anspruch im Erkrankungsfalle uslv. gelöst wer- den sollen. Er erklärte, daß die Vorlage in ihren» Wesen eine Verbesserung der gegenwärtigen Gesetzgebung darstcllt. lieber Antrag deS Referenten wurde dann ein S u b l o m i t e c zur Durchberatung der Vorlage gewählt. Darin sitzen außer fünf Vertretern der Regierungsparteien auch fünf Vertreter der Opposition. Unsere Fraktion ist durch Genossen Taub vertreten. Bis zu iüni Jahren Kerker lOr Ntaclicnschaltcn Del öffentlichen Lieferungen Prag, 15. Mai. Die Regierung hat heule daS von uns bereits kurz angekündigtc Gesetz „gegen Machenschaften bei der Vergebung von st a a t l i ck e n L I e f e r u n- gen und Arbeiten" überreicht. Im Motivcnbericht lvird darauf hingclviesen, daß auch schon bisher die strafrechtliche Verfolgung von Unregelmäßigkeiten iin Oeffertverfahren und selbst gewisse privatrechtliche Konsequenzen möglich waren, aber eS sei doch wünschenswert. solche Fälle durck ein eigenes Gesetz strenger zu erfassen. Unter Strafsanktiin stehe« vor allem söge- nannte Deckofsertr, d. h. Vereinbarungen, dass sich jemand bei einer Sfkentliihen OcskrrtanS- schreitung der Teilnahme enthalte, bzw. sich daran in bestimmter Weise beteiligr. Bestraft wird, wer dafür einem andern direkt«der indirekt edirn BermbgenSvartril anbietrt, verspricht«der gewährt, aber auch derjenige, der da- für direkt oder indirekt einen BermägenSverteil oder das Versprechen eine» solchen fordert oder annimnit. Strafbar ist ferner jeder, der sich überhaupt jedweder anderen Machenschaften schuldig macht,! die gerigurt sind, dem Vergeber öffentlicher Liefe-! nmgrn Schaden zuzusügen- Diese Delikte werden al» Vergehen mit ' Arrest von acht Tagen bis z» einem Jahr bejirast, j bei besonders erschlverenden llmsländcn mit strengem Arrest in derselben Höhe, llebersteigt der Schaden jedoch 20.000 KC oder lvnrde der Schuldige bereit» einmal wegen solcher Delikte verurteilt, so wird die Straftat als Verbrechen qualifiziert und mit Kerker von einem bis zu fünf Jahren bedroht. Außerdem können Geldstrafen von 5000 bis zu 500.000! tcn. JnSgchcim fühlte ich häufig, daß uiiscrc Zeit vorüber sei. als Klasse, nicht als Menschen. Wenn ich mich trotzdem mit dem wohlhabenden Bürgerlichen nicht ansreundelt konnte, so nur deshalb, lvcil ihnen das Selbstverständliche des vollwertigen Menschen sohlte, die Sicherheit, die ick immer mehr und mehr bei den Arbeitern fand. Mit Fritz, mit meiner guten Kati und auch mit ihren« Anton, der mich zuerst nicht leiden konnte, fiel cs mir leicht, befreundet zu sein, aber wenn ich die Frau Doktor Feldhüter traf und sie mich mit Lie» Insgeheim hatte ich Angst, daß sie ja sagen würde..Ich liebe den stillen Winter hier so sehr.! Tic grauen Nebelschleier, die vom See ausjtci-! gen, erscheinen mir wie gütige Geister, die die Erde, die Tiere und Menschen in ihre Hut nehmen. Ich liebe die schncclveiß verschneiten Wege,des Gartens, die entlaubten Aeste der Bäume.' die sich zart wie eine japanische Zeichnung vom Horizont avheben. und die langen Abende vor dem Kamin, wenn die Flainmen sich im Goldschnitt der alten Bücher spiegeln, und auö dem Buch, das man liest, eine schöne reine freie Welt anfstcigt, geheimnisvoll und dennoch vertraut, ivcnn ich. belanglose alte Frau, mit erlauchten Geistern verkehre» darf, mit Dante und Shakespeare, mit Lessing und Brentano, mit Heines bittersüßen Gedichten und mit dem heiligen Tor Don Cervantes. Werde ich dieses Jahr auf all das verzichten müssen, unter lauten vulgären Menschen leben, umtobt vom Gebrüll des Jazz, die Augen von grellen Farbe» geblendet? Unsere Töchter, die Nazinen Roman von Narmynlfl Zur Mühlen keine Freude darüber empfinden. Claudia zuckte die Achseln und fragte höhnisch: »Die Riviera? Soll ich dort mit den Kokotten konurricren? Oder soll ich, lvic hier, still uno vornehm sein, nur mit Menschen umgehe», die dir gefallen, mit Schatten, mit Gespenstern ans einer Zeit, die cs nicht mehr gibt. Nein, Mutter, dazu ist cs zu spät." Sie drehte sich um und ging. Ich blieb sitzen, ! eine Bleilast ans der Brust, ein furchtbares Schuldbewußtsein im Herzen. Ich haßte mich selbst, weil ich Claudia nie verständen, nnd haßte meinen loten Man», von dem sie all das. was mir unverständlich lvar, geerbt hatte. Bon diesem Tage an habe ich ans seltsame Art das Maß der Zeit verloren. Ein Tag floß in den andern über wie ein böser Traum nachts ! in eine» andern übergeht, Claudias Selbstmordversuch, die Monate, die sie in einer Nervenheilan» I stall verbrachte, waren nur der Höhepunkt dieses i Alpdrucks. Als sic ans der Heilanstalt heimkam, früchtctc ich mich vöb ihr, nein, nicht vor ihr, sondern vor dem Etwas, das in ihr lebte und sie beherrschte, dem EttvaS, das ich nicht verstand. Der stille Friede, der mich so lange beglück! i hatte, war verschwunden, die Wirklichkeit hatte sich in meinem Hause niedergelassen und wollte nicht I dulden, daß ick hier entfliehe, lind diese Wirlich- ! leit verfolgte mich auch von außen. Ich hatte mich nie für das Leben der Straße, fiir Politik und ' Wirtschaft interessiert. Als im Jahre achtzehn der , Umsturz kam, freute ich mich, weil er dem Krieg ein Ende bereitete. Und ich freute mich auch, weil eS den Anschein hatte, als ob jetzt für uns eine Zeit der Gerechtigkeit anbrechc. Ich bin immer viel zu stolz geivcsen, nm mir auf meinen Adel ctlvas 1 einzubildcn. Für mich hat er stets eine Ver- > pslichtnng bedeutet: lvir hatten Vorrechte, aber gerade deshalb hatten lvir auch doppelte Pflich- bcnslvüvdigkeiten überschüttete, wenn sic bald eine uneckite Bescheidenheit, bald eine ebenso unechte Großartigkeit an den Tag legte, wurde ich verlegen nnd fand keine Worte. Und diese Unechtheit, dieses falsche Pathos griff in den letzten Jahren immer mehr um sich. Zuerst beachtete ich es kaum. Aber es wurde so ausdringlich, es brüllte seine törichten Schlagworte so laut hinaus, daß man sie hören nnd beachten mußte. Ein neues Deutschland schien im Werden begriffen, nicht das verfeinerte, vielleicht nicht länger gültige der Dichter, aber auch nicht mehr daS lebensnahe ehrliche der ersten Jahre nach dem Krieg. Eine verlogene, barbarische Schar begann die Straße zu beherrschen. Ja, das ist da» richtige Wort, Barbaren, aber Barbaren, nicht wie die Alten, sondern ausgerüstet mit der Waffen einer Zivilisation, der ihre Taten und Worte Hohn sprachen. Ich erinnere mich noch an den Wahltag des Jahres 1030. Mein Hausarzt, der Doktor Bär, ein feiner und gütiger Mensch, hatte mich wegen einer kleinen Krankheit, ich weiß nicht mehr, was eö lvar, besucht, und lvir hörten im Radio— Claudia hatte sich eines gekauft,— die Wahlnack- richten. Es lvar ein so wunderschöner Tag. Die sanfte Herbstwehmnt, die süße Trauer eines Vergehens, auf das eine Auferstehung folgt, lag in der kristallhellcn Luft, und nur die mißtönende Stimme des Lautsprechers durchbrach den Frieden. Den holden Frieden, hätten meine. Licblingsdichter gesagt. Wir lauschten beide dem Wahlbericht, und Doktor Bär sah sorgenvoll drein. Ich konnte die Nachrichten nicht fassen, nicht begreifen. Lügner, Betrüger, Mörder hatten Stimmen errungen, Menschen, die cö nur darauf abgesehen hatten, an- ! dere zu betrügen, um sich selbst einen Vorteil zu > verschaffen. Was nützte nnS unsere ganze Zivilisa- . tion, lvaS nützten die guten Schulen,>vas unsere Kultur, lvenn diese Menschen, angeführt von einem gewissenlosen Charlatan, einem größenwahnsinnigen Irren, einem Feigling, die Macht errangen? Doktor Bär versuchte, mich zu beruhige». „Die Arbeitslosigkeit, die Krise," sagte er. „Aber daS ist doch keine Revolution," er» lviderte ich.„Daö ist keine Freiheitsbewegung. Das ist der allcrgcineinste Neid, der allergcmeinste Betrug." lind dann schwieg ick und fühlte, lvic. mir das Blut in die Wangen schoß. Auch unter meinen Bekannten, meinen„Klasscngcnossen", gab cs Nationalsozialisten. Sic lvaren nicht aus Uebcr- zcugung dabei, nicht einmal ans Dummheit, sondern weil sie auf diese Art ihr Vermögen zu schützen hofften. Sie erschienen mir, und er- fcheinen mir noch heute, gemeiner, niederträchtiger, als die Mörder nnd Verbrecher der SA. Sie mußten ja die Wahrheit wissen. Und es gibt nur eine unverzeihliche Sünde; der erkannten Wahrheit widerstreben. Ich dachte an die bösen Tage der Leibeigenschaft: wievielc Menschen haben gc- Utten. damit diese eine Klasse die Möglichkeit besitze, sich echte Kultur anzueigncn, Ivievicl ist diese Klasse der Menscheit schuldig, und wie zahlt sic es jetzt? Ich bin eine unpolitische Frau, bin auch nicht sehr klug, aber in diesem Augenblick hätte ich das Staatsoberhaupt unseres Landes sein wollen, um mit aller Strenge gegen diese Partei vorzugehen. Und lvas meine Klassengcnossen anbclangt, so wünschte ich mir für sie die Guillotine. Aber diese da. diese lvisscnden Verräter an der Menschheit hätten ja nicht einmal mkt Anstand zu sterben gclvußt. Im kleinen Städtchen herrschte an diesem > Abend großer Jubel, ich hörte bis spät nachts rohe Stimmen:„Heil Hitler" brüllen. Und trotzdem es eine lvarme Nacht lvar, schloß ich alle Fenster, damit der Ruf nicht bis in mein Hans dringe. Damals ahnte ich nicht, daß er es dennoch tun würde. (Fortsetzung folgt.) 9t. ltS THffWHrti, Ist Mai 1934 Sette I I Sci i lag abend vor Agrarakademikern einen Vortrag „ über die Demokratie in der Politik. Tic Demo- i Henlein zeigte, obzwar er so lange den wahren Zweck und das Pro» Bewegimg zu verbergen, sehr bald, anderes ist, als der Nachfolger der Demission der bulgarischen Regierung I I I I Das neac polnische Kabinett Warschau, 1ö. Mai. Der Präsident der Republik hat heute Mittag die ihm von dem neu designierten Ministerpräsidenten Professor Leon Kozlowski vorgeschlagene neue Kabincttslistc unterzeichnet. Unmittelbar darnach legten die Ka- binettömitgliedcr in die Hände des Präsidenten ihr Treugelöbnis ab. In dem Kabinett Kozlowski sind, loie bereits gemeldet, Veränderungen nur auf dein Posten des Ministers für Handel und Industrie und des Ministers für Arbeit und soziale Fürsorge eingetreten. Sofia, 15. Mai. Entgegen der ursprünglichen Erwartung, das; Ministerpräsident Muschanow am Mittlvoch die Demission unterbreiten werde, hat Muschanow bereits gestern abends die Gesamtdemission der Regierung unterbreitet. die dcutschdcmo« lvclche durch die soll, indem die wird. Ebenso forsch, wie gegen die Dculjchdcmolra- u geht Sandtncr gegen die Gcwerbcpartei ins „Tast die Versammlungen der Gewerbe» einen anderen AnSklang nahmen," so Die obige Nacknichi empfehlen wir insbesondere den Christlichsozialen der Tschechoslowakei zur Lektüre. Die„Deutsche Presse" ist gerade in den letzten Tagen voll Artikeln, die von Bewun- dcrung über die In Oesterreich geschaffenen Zustände übersliehen. Haben u n s c r e E l> r i ü l i ch s o z i a l e n auch S e h n s u ch t n a ch Auflösung ihrer Partei? lratic, sagte der Minister, eingangs seines Vortrages, ist die Freiheit des Voltes, die Parole, die die gesamte VolkSgcsinnung im 19. und 20. Jahr- ' hundert beherrschte. Die republikanische Partei hat durch ihre verantwortliche» Faktoren wiederholt proklamiert, daß sie dir Demokratie für die unabänderliche Staatsform erachtet, der sie immer und unter allen Umständen treu bleiben wird. ES ist das natürlich, denn unsere Geschichte bc- lvcist, dast die Mentalität und die Psychologie unseres Volkes stets demokratisch waren. Wir werden der Demokratie treu bleiben, auch wenn wir wissen, dast sic keine leichte Rcgicrungsform ist. Der Minister berief sich auf die Worte dcS Präsidenten der Republik, daß unsere Freiheit durch die Demokratie errungen wurde und nur durch sie erhalten werden wird. Die Demokratie bedeutet Entschlossenheit und Mut sowie Verantwortlichkeit, die nach Antonin Svehla vor allem eine persönliche Verantwortlichkeit sein mutz. Zur Frage der Konzentration der Gewerkschaften In Prag sand dieser Tage eine Sitzung der gemeinsamen Landcszcntrale„Odborove sdrujcni üeskoslovenskö" statt, an der 63 Vertreter von gewerkschaftlichen Verbänden tcilnahmcn. Das Referat erstattete der Sekretär Abgeordneter Genosse T a y e r l e, der sich sowohl mit dem aktuellen wirtschaftlichen als auch den aktuellen sozialen Fragen befaßte. In der Frage der gewerkschaftlichen Einigung verkündete er, dast die Vereinheitlichung der Gewerkschaftsbewegung eine Notwendigkeit ist, dast sie aber in keinem Falle ein Werk des Zwanges, sondern nur ein Werk der^Freiwilligkeit fein könne. Er betonte insbesondere die Notwendigkeit der Schaffung größerer organisatorischer Gebilde in den Betrieben. In einer zur Annahme gelangten Entschließung sprachen sich die Teilnehmer für die Konzentration der Gewerkschaftsbewegung auö und betonten, dast die organisatorische Einheit nicht nur eine formale, sondern ! auch eine gedankliche Einheit sein müsttc. Deswegen wird cS als vornehmste Aufgabe bctrachtck, «die Organisation verwandter Berufe in Jndu- strieberbändcn zu vereinigen. Die Zersplitterung der Gewerkschaftsbewegung aus parteipolitischen Gründen wird abgelehnt. I Das Ende der Christlichsozialen Wie», 15. Mai.( Jjdx P.-B.) Tic christlichsoziale Fraktion im BnndeSrat hielt gestern ihre letzte Sitzung ab. Bundesrat Dr. Tzöbl hielt eine Schlußansprache, worauf des Präsidium ermächtigt wurde, alle mit der Liguidicruug der Fraktion zusammenhängenden Entscheidungen selbständig zu treffen. Einen ähnlichen Entschluß hat auch der christlichsozialc Abgeordnctcnklub gefaßt. Mit der Frage der Auflösung der Partei wird sich in den nächsten Tagen die christlichsoziale Parteileitung befasse». ,,E» riecht nach Gulasch. Bier und Sauerkraut” Henleinsront gegen„Bohemia" und GewerSe- Partei.— LicbeSwcrben um Rosche. In der letzten Nummer der„Rundschau" zieht Konrad Henleins Stellvertreter, Rudolf S a n d t- n e r, mit großem Elan gegen die„Bohemia", das Blatt des dcutschdcmokralischen Teiles der Arbeits- und WirlschaftSgcmciuschafl los. Unter dem Titel„Es geht um die Wahrheit!" wirft Sandtncr der„Bohemia" vor, sic habe nicht begriffen, „daß unser Kampf denen gilt, die durch bewußte Heuchelei und Verdrehung der Tatsachen, jede ehrliche Auseinandersetzung sabotieren und durch ihr Verhalten jedes im politischen Bereich gegebene Wort, jede- verbindlich gegebene Versprechen um alle Geltung bringen. Diesen poliiischcnMachl- gruppen gegenüber wird unser Kampf allerdings kompromißlos sein! Denn wenn cs endlich einmal besser"werden soll um nnS Sndetendentsche, dann muß vor allem mit der scheinbar zum unentbehrlichen Requisit sudetendentschcr Politik gewordenen Unwahrhafligkcit einzelner Politiker gebrochen werden, dann muß sich die Erkenntnis durchsetzen, daß die Tudctcndeutschc Heimatsront nur mit dem unterhandeln kann, der ehrlichen und guten Willens ist." ES ist also nicht lvcnig. was da der„Bohc- mia" vorgclvorscu wird. Diese Vorlviirfe können sich nickt gegen Dr. Rosche wenden, der wegen seiner Rede in Eger über den grünen Klee gelobt lvird.„Wir spüren," so heißt cS in dem Bericht über die Rosche-Versammlung, dast Rosche„mit reichem Sachwissen sich ehrlich müht, hinter die Ursachen der ivirtschastlichcn Rot zu kommen und dast er ein ivarmes Herz für die Arbeitslosen hat." Tic Entschiedenheit, mit der also die„Rundschau" polemisiert, kann sich mir gegen kratische FreiheitSpartci richten. HcimatSsrout zerrieben werden ! Roschcgruppe von ihr abgctrcnnt Tschechische Agrarier für Demokratie Minister des Innern Dr. Eerm) hielt Mon Leichte Belebung In der nordböhmischen Industrie Die teilweise Besserung der Lage in den Industriebetrieben Nordböhmens, die im März festgcstellt werden konnte, hat bis auf gewisse Ausnahmen in der Textilindustrie auch im April an- gchaltcn. Allerdings konnte auch in der Textilindustrie in einigen lveitcren Betrieben eine noch weitere Besserung beobachtet werden. In! Glasindustrie kam cs vereinzelt auch zu einer weiteren Besserung. In der Metallindustrie ist bei vereinzelten Besserungen die Lage im allgc- nicinen unverändert geblieben. In der Holzbear- bcitungSindustrie ist die Entwicklung zum großen Teil auf die Entwicklung der Baubcwegung angewiesen, die noch immer schwach war, so dast auch für Tag« und Hilfsarbeiter noch keine hinreichende Arbeitsgelegenheit gefunden werden konnte, tveil auch Jnvestitionsarbeitcn noch in einem geringen Umfange durchgcführt wurden. Notstandsarbeiten ans dem Titel der produktiven ArbcitSloscnfürsorge wurden auch noch nicht durch- gesührt. Die Arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft sowie ein den Stcinbrüchen und Ziegeleien haben zwar auch zur Herabsetzung der Anzahl der angemcldcten Arbeitslosen bcigctragcn, aber gerade hier fehlt zu ost die nötige Uebersicht der Uuiergebrachtcn. Die Anzahl der Arbeitslosen zum 30. April 1034 betrug in Nordböhme» 129.478(Anfang April 143.883, Ende April 1033: 10.412, Ende April 1032: 146.468), so daß sich im Vergleich mit Anfang April ein Rückgang um 10 Prozent, gegenüber April 1033 ein solcher um 23.58 Prozent und gegenüber April 1232 um 11.6 Prozent zeigt. Eine ähnliche Anzahl von Arbeitslosen lvurde im Aalwe 1033 erst mit Ende August erreicht(120.640)."*abci bleibt allerdiugs die Anzahl der Arbeitslosen in einigen politischen Bezirken noch groß, so z. B.(in den Klammern sind die Zahlen von Ende April 1033): Reichenberg 12.040'(15.725), Tetschcn 11.716(15.124), Gablonz a. N. 10.885(16.281), Teplitz-Schönau 10.180(13.526), B.-Leipa 0.538(10.084), Steuerbefreiung ausländischer Motorfahrzeuge zur Hclniug des Fremdcnvertebrs Der gestern ini Senat cingebrachic Rcgie- rungscntwurf über die Steucrbcircinng ausländischer Motorfahrzeuge gibt der Regicruug die Möglichkeit, im Falle der Gegenseitigkeit ausländische Motorfahrzeuge von den bestehenden Vcr- lehrssteuern ganz oder teilweise zu befreien. Es handelt sich uni di« Verkehrssteuer für Autotaxi<4 Ke pro Tag), die Fahrkartcnsteuer von Autobussen(bei regelmäßigem Verkehr 30 Prozent vom Fahrpreis, bei gelegentlichen Fahrten 10 Heller pro Person und Kilometer) und um die Motorfahrzeugsteuer nach dem Gesetz über den Straßenfondo. Im Moliveubcricht wird darauf hingewiescn, daß die bisherige steuerliche Belastung ausländischer Motorfahrzeuge zusammen mit den mit dec Bcstcucrung verbundenen Formalitäten an der Grenze einen ungünstigen Einfluß ans die Ent- wicklnng dcS Autoverkehrs aus dem Ausland ge- iioinnicn hat. Jin Interesse der Erleichterung und Förderung des Automobil-TouristeuvertchrS soll daher die Herabsetzung, bczw. ganz) i ch e Aufhebung dieser Steuern ermöglicht werden. ES steht zu crlvarten, dast sich im Znsammcnhang damit auch der Besuch der t s ch e ch o s l o w a k i- scheu Bäder durch Ausländer beleben'wird und auch die Hoteliers soivie eine Reihe verwandter Berufe einen Nutzen hievon haben werden. Die überwiegende Mehrheit der europäischen Staaten, insbesondere auch unsere Nachbarstaaten, erkennen ausländischen Fahrzeuge» eine Steuerbefreiung bereits zu, und zlvar aus einen bis acht Monate. Vink fließt in Spanien Drei Sozialdemokraten gefallen Madrid, 15. Mai.(Tsch. P. B.) In Daimiel kam cS infolge der durch den Gouverneur verfügten Absetzung des gesaniten der so zialdeniokratischen Partei augrhörrndrn Gc nieinderats zu Zusammcnstüsien zwischen Sozial deniokraten und ihren Gegnern. Zur Wiederherstellung der Ordnung hcrbrigerusenc Polizei mußte angesichts der tätlichen Angriffe der Sozialdemokraten von der Schußwaffe Gebrauch machen, wobei drei D c m o n st r a n t e n getötet und fünf schwer verletzt wurden. Zeug. Partei schreibt die„Rundschau", „daß es hier!>art auf hart ging und daß es zu sehr schlvere» Niederlagen der Gcwerbcpartei kam, daran trägt allein jener Geist innerster Unwahr- Hastigkeit schuld, der das politische Handeln der Führung der deutschen Getvcrbcpartei erfüllt. Die schönen Worte, die Abgeordneter Stenzl in Karlsbad sprach, sein Bekenntnis zur Volksgemeinschaft, fein pathetisch beteuerter Wille zur Eingliederung, sie mußten die Empörung unserer Anhänger Hervorrufen, denn sie widersprachen hundertprozentig dem,>va« die Gewerbcpartei— dokumentarisch nachweisbar— in Wirklichkeit tut. Wir können nicht an den guten Willen derer glauben, die anders rede», als sie handeln." Mau sicht also, daß die Heimatfrout au.v der Gcwerbcpartei recht viel vorzuwcrscn hat und dast bei den Bestrebungen nach Einheit der deutschbürgerlichen Parteien noch allerlei hcrauSkommcn lvird. Vielleicht können wir die obige Zitatensammlung mit einem Zitat abschliestcn. luclcheS wir derselben Nummer der„Rundschau" Konrad HcnlcinS vom 13. Mai. Seite 2, entnehmen und in der das Bersamnrluugslokäl, in welchem Dr. Rosche in Eger sprach, folgendermaßen geschildert wird: „Es riecht»ach Gulasch, Bier und Sauerkraut. In diesem großen öden Saal hat schon mancher Parteipoliliker die Volksgemeinschaft zerredet; geändert hat sich dadurch nichts." Mcrkivürdig beklommen gehe» also die Tcutschbürgcrlicheu an das Werl ihrer Einigung. Schüsse abgob, um die anderen eiuzu schüchtern. Mit ungehenrer Roheit schleppte» nun die drei dir zwei Emigranten, deren einer fast | bewußtlos war, über die nahe Grenze. Der junge Mann, der sich als Emigrant auögegr- bcn hatte und auch auf tschechoslowakischem Boden„auf Besuch" wartete, war selbstverständlich mit dr» anderen Menschrnränbrrn verabredet gewesen! DaS Ganze geschah so schnell, daß der durch j die ihm nachgcseucrtcn Pistolenschüsse cingeschüch- ! tertc Wirt, der die beiden begleitet hatte, nur I noch die Zinnivalder Gendarmerie alarmieren konnte. Leider zu spät! Die beiden Emigranten lvaren infolge ihrer sträflichen Vertrauensseligkeit ein leichtes Opfer dieser niederträchtigen Menschenräuber geworden. Die Verwandten sind aller Wahrscheinlichkeit nach durch Prügel oder andere im jetzigen Deutschland geübte Polizcimaßnahmcn zu irgend einem Lockbricf gezwungen worden. ES sind uns Fälle bekannt, wo Frauen von Emigranten von deutschen Polizeistellen stundenlangen Quälereien ausgesetzt worden sind, um sic zu vcran- I lassen, ihre Männer aufzufordern, sie doch zu be- 1 suchen, bzw. mit ihnen an der Grenze zusammen- ! zukommen. Also schärfstes Mißtrauen gegen Nachrichten aus Deutschland, dessen staatlicher Apparat sich mit Menschenraub und flagranter Grcnz- I Verletzung beschäftigt! Ihn Sauds Friedens- bedlnsunsen Kairo, 15. Mai.(Reuter.) Die dem Imam von Jemen übermittelte» Fricdcnsbcdingungen Ibn Sauds enthalten: Tic Herausgabe von Asir. TehamaS und Nedschranö, das Versprechen deS Imam, sich in die inneren Angelegenheiten dieser Gebiete nicht cinzumischcn. Bezahlung der Kriegsausgaben. Straflosigkeit für die nemeuitischen Untertanen, die sich den Truppen Sauds angeschlossen haben und schließlich das Versprechen, daS die Uemeniten in der Zeit von 20 Fahren keine Befestigungen an den Grenzen der Ibn Saud ausgclicfertcn Gebiete errichten werden. Mr die Einberufung der Internationale Pari», 15. Mai.(Tsch. P.-B.) Die Pariser Ortsgruppe der sozialistischcil Partei hielt gestern einen Vorkougreß vor der Psingsttagung der Parteileitung in Toulouse ab. In der Partei sind gegenwärtig drei Ströminigcu, doch hat die Richtung Blum die Oberhand gewonnen. Ein Antrag, der die Einberufung der Zweiten Internationale für den Sommerbegiun fordert, wurde einstimmig angenommen. NeuerFall von Menschenraub In Zinnwald Die tschechische Presse. Uber die Vorgänge Im deuttchbUrgerllchen Lager Eine Reihe von tschechischen Blättern befahl sich eingehend mit den Vorgängen innerhalb der deutschbürgcrlichcn Parteien, Insbesondere mit dem Verhältnis der dculschbürgcrlichen Gruppen zur Henlein-Front. Das„N ä r o d n i O s v o b o» z e n t" charakerisiert die Situation im deutschen politischen Lager folgendermaßen: „Di? Sozialdemokratie wehrt sich ständig sehr energisch gegen den Einfluß Henleins und führt gegen seine Bewegung einen aktiven Kamps. Die Christlichsozialc« gnittiercn Henleins positives Verhältnis zum Christentum, denken aber nicht daran, in der Heiniatsront aufzugehcn. Die kleineren bürgerlichen Gruppen, welche das Gefühl der Ohmnacht haben, fürchten sich nein zu sagen und sind bestrebt, Zeit für weitere Verhandlungen zu gewinnen... Die Stellung der Agrarier ist unklar. Zwischen ihnen und Henlein ist ein gutes Verhältnis. Die deutsche agrarische Jugend shm- patisiert mit der Henlein-Bewegung öffentlich, die alten Politiker geben sich vorläufig bannt zufrie den, daß Henlein seine Agitation auf die Städte konzentriert." Heber das Verhältnis der deutschen Agrarier zu Henlein äußert sich auch das„C e s k e' Slövo": „Spina nützt die Schtvierigkeiten aus, welche( den deutschbürgcrlichen Parteien die Agitation> Henleins verursacht, knüpft mit ihnen Verbindun- i gen an und es wäre ihm sicher nicht unlieb, wenn! es Henlein gelänge, die bürgerlichen Parteien an■ sich zu reißen. Spina würde mit seinem Bund der| Landwirte die ländliche Bevölkerung besorgen, Henlein würde die städtischen Schichten bringen und da beide Gruppen von Spina beherrscht würden, wäre eine Vereinfachung der politischen Ber- j hältnisse gegeben. Gemeinsam tvürdcn sich dann beide Gruppen ans die deutschen Sozialdemokraten werfen." Während also das„EcskeSlovo" in der Vereinbarung zwischen Bund der Landwirte und Hci- matsront einen Erfolg Spinas sicht, der Henlein damit unter seinen Einfluß bringt, glauben die „Närodni Listh", dast die getroffenen Abmachungen der erste Sieg Henleins sind, der damit gleichwertig neben Spina tritt. Ini übrigen legt das Blatt dar, daß die Heimatsront nichts anderes ist, als die Nachfolgerin der aufgelösten Hakenkreuzpartei. Das Blatt schreibt: „Konrad bestrebt war, gramm seiner daß er nichts Führer der aufgelösten Partei der deutschen Nationalsozialisten und der Fortseher in ihrer Propaganda hakenkreuzlerischer Ziele. ES hat daher nicht die geringste Verwunderung erregt, daß er vor die deutsche Oeffentlichkeit mit der Parole getreten ist, welche auch die Herren Jung und Kompanie so eifrig verkündet haben, mit der Parole der Bercinheitlichung der deutschen Kräfte und der Schaffung einer einheitlichen deutschen nationalen Front." Ob also Spina den Henlein oder der Henlein den Spina hiiicinlcgen wird— darüber ist die Meinung in der tschechischen Presse noch geteilt. Zwei Emigranten, Vater und Sohn, welche ! seit Monaten in Tcplitz lebten, erhielten vor eint» | gen Tagen einen ans Deutschland stammenden, in > Bodenbach ansgcgebcnen Brief, in welchem sie ein entfernter Verwandter aufforderte, Sonntag, den 13., mittags zur L u g st e i n b a u d e zu kommen, er werde ihnen etwas Geld mitbringen. Die zwei machten bedauerlicherweise niemand Mitteilung von dieser verdächtigen Einladung und begaben sich in Gesellschaft ihres Hauswirtes | Sonntag zu der bezeichneten Stelle. Die Straße führt dort hart an der Grenze, ! nur wenige Schritte von ihr entfernt. Die beiden setzten sich, dort angckommcn, auf tschechoslowakischem Boden nieder. Da tauchte ein ihnen fremder junger Mann aus, der erklärte, auch Emigrant zu sein und auch auf Verwandte aus dem Reich zu warten. Nun kamen zwei Männer von Sachsen her- | über, die die dort sitzende Gesellschaft ansprachen, ihnen Zigaretten anbotcn und sich nach den Verhältnissen in der Tschechoslowakei erkundigten. Im Laufe des Gespräches, als die beiden fremden Männer gerade knapp bei dem einen der beiden Eniigranten, und zwar dem Vater standen, sprang der eine Plötzlich auf diese» loS, so da» er von deut plötzliche» und unerwarteten Anprall zn Boden stürzte, und schlug auf ihn ein, bis er blutüberströmt war, während der andere eine P i st o l e zog und m r h r e r r ' Komata» 8.712(0.882), Brüx 8.564 f 12.620), § Aussig a. E. 8.216(8.800) nsw.. den Berufsgruppen nach bei den Textilarbeitern 23.058 (31.100), den Hilfsarbeitern 20.043<25.400), ! in der Glasindustrie 10.079(25.446), als Bauarbeiter 12.778<16.048), Metallarbeiter 12.428 (17.120), Tagarbcitcr 10.451(13.373) usw. Ein Sanatorium für rheumatische Kinder. In Bad P i st y a n Ivird das erste Sanatorium für rheumatische Kinder errichtet. Es tverdcn dort kranke Kinder, auch ohne Begleitung der Eltern, zur Behandlung ausgenommen. Die Statistiken beweisen, daß 70 Prozent aller Rheumatiker die erste rheumatische Erkrankung bereits im Kindesalter dnrchgemacht haben. Gerade deshalb ist die Heilung rheumatischer Kinder von besonders großer Bedeutung. Bier Schmuggler erschossen. In der Nacht auf den 18. Mai versuchte eine Gruppe von acht bulgarischen Muselmanen in der Nähe von Ku- schukalak die Grenze auf Schleichwegen zu überschreiten, um auf griechisches Gebiet zu kommen. Sie Ivurden hiebei von der bulgarischen Grenz- tvache beobachtet, die den Schinugglern zurief, stehenzubleiben. Da sie der Aufforderung nicht Folge leisteten, niachte die Grenzwache von der Waffe Gebrauch. Bier der Schmuggler wurden getötet. Der englische Passagierdampfer„Olympic" hat nach einer New Uorker Meldung das Nantucket-Feuerschiff gerammt. Das Feuerschiff ging sofort unter. Das Nantucket-Feuerschiff lag 60 Meilen von der Nantucket-Insel an der Küste des Staates Massachusetts verankert; seine Länge betrug etwa 36 Meter, seine Breite 10 Meter. Die Mannschaft des»Olympic" bemüht sich um die Rettung der Besatzung des Leuchtschiffes, doch werden ihre Anstrengungen durch den dichten Nebel vereitelt. Die Besatzung des Leuchtschiffes bestand aus elf Mann, von denen nach den bisherigen Feststellungen wenigstens vier umge- kommen sind. Knrtätschrnchristliche Sittlichkeit. Die städtische Badcvcrtvaltung hat das Tanze» in allen Wiener städtischen Sominerbädern verboten. Neuer Wolkenbruch über Liberias Jerusalem, 16. Mai. Kurz nach dem Begräbnis der Opfer der gestrigen katastrophalen Ucber- schwcnnnungen ging über die Umgebung der biblischen Stadt Tiberias ein neuer Wolkenbruch nieder. Die Zahl der Opfer dieser neuen Uebcr- schwemmnng ist»och nicht bekannt, doch befürchtet man, das; bei derselben viele Kinder ums Leben gekommen sind.• auf Grund„autoritären" inneren Antriebs vom VcrcinSpräscs zum„Führer" avancierten Vor- sitzenden anznheilen. Aber täuschen wir uns nicht. Diese barocken Spielereien sind mehr als nur die krankhafte Dekorationswut dcS Spie- sters, der sich zum Sklaven seiner Eitelkeit macht. Denn hier wird Atniosphäre gemacht I Hier wird der Stil des Fascismus einem Publikum ein- excrzicrt, das bereits genügend präpariert ist, um an Dinge dcS schlechten, Geschmacks keinen Anstos; mehr zu nehmen. Mögen die Hcnlcinistcn noch so sehr die weiße Fahne der Loyalität schwingen, mögen sie noch sehr die Tartiiffcs der sudetendentschen Politik spielen, wir wissen, wie sehr sic aus ihrem erzbrauncn Herzen eine Mör. dergrube machen l Und weil wir das wissen, nch. inen mir den äußerlichen Firlefanz dieser sude- tendcutschen HeimatskriegS-Front als Syinp. toni. Als Symptom dafür, wie schlecht die Maske sitzt, die sich der getarnte Henlein hat anfertigen müssen, wie schlecht sic sitzt, und durch wieviel Risse der fascistischc Wind bei ihr pfeift! Die Einviertel. und Einachtel-Dcmokraten aber, die jetzt, um ihre Mandate bibbernd, dem braunen Wolf im staatserhaltenden Schafspelz ihre Re. ferenzen machen, merken das natiirlich nicht. Oder»vollen cs nicht merken. Denn was ist ein Mandat schließlich wert? Bestimmt mehr als eine Gesinnung, die man, wie daö Beispiel zeigt, beliebig oft auswechseln kann! in der Heil Henlein! ES ist eine Spezialität unserer Hakcnkreuzler, die Allüren dcS„Dritten Reiches" in einer Weise zu kopieren, die bereits einen leise komischen Anstrich hat. Weit weniger komisch ist die Tatsache, das; dieser armselige Puinp nur der äußere Reflex jenes„Geistes" ist, der di« Bewegung des geschwätzigen Turn- lehreS erfüllt! In Tcplitz konnte man dieser Tage den Gruß der erwachenden Frontisten Horen und er war so aufs Haar dem plumpbyzantinischen ZwangSgruß der Braunhemdlinge nachgcässt, daß man sich über diese sklavische Art der Kopie schon seine eigenen Gedanken nwchen muß. Die„schnittigen" Jünglinge, die sonst mit den; Hakenkreuz zu demonstrieren Pflegten, grüßen jetzt nut„Heil Henlein I" Und es ist bezeichnend für die geistige Zerrüttung, in der sich so manche Sudetendeutsche befinden, daß dieser lächerliche Gruß nicht in der Heiterkeit dcS Pub- likums rettungslos ertrinkt. dem Henlein die groteske Grußformel nicht selbst einiger- maßen albern vorkonnnt? Was hat der niit Heilruf bedachte junge Mann denn geleistet, um in dieser Weise zum Privatgott der Diktatur- süchtigen zu avancieren?! Ein guter Handstaud braucht doch nicht gleich zum Kopfstand zu füh- re». Wie närrisch müßte cS bei uns zugehn, wenn sich auch die anderen der allzu billigen Mittel bedienen würden, die Herrn Henlein und seinen Nachläufern gerade recht sind?! Jeder Kegelklub hat schließlich ebenso das Recht, seinen Todesurteil gegen eine Giftmischerin Pilsen, 15. Mai. Das Schwurgericht in Klattau befaßte sich in zweitägiger Verhandlung mit der Anklage gegen die 82jährige HolzarbciterS- galiin Emilie Gruber und ihren 37jährigen Ehegatten Franz Gruber aus Fichtenbach im Böh- merwald. Die Gruber tvar in drei Fällen des Meuchelmordes und ihr Gatte der Mitschuld an diesem Verbrechen angeklagt. Wie die Anklage ausführt, hat die Gruber in den Jahren 1031 bis 1083 ihren Schtvicgcrvater, den Ausgedinger Karl Gruber und ihre beiden Schwäger, Emil und Karl Gruber, aus dem Leben geschafft, indem sie den Speisen für die drei Männer Arsenik beimischte. Wie die Anllagcschrist ausführt, verübte die Gruber die Tat ans dem Grunde, um sich des lästigen Ausgedinges zu entledigen, das dem alten Gruber und feinen beiden gcistcöschlvachcn Söhnen zustand und das den Eheleuten Gruber die Pflicht auferlcgte, die drei Männer bis an ihr Lebensende zu ernähren. Die Verhandlung, die unter dem Vorsitze des Obcrgcrichtöratcö Baumgartner stattfand, förderte eine Reihe überführender Bc- tveife gegen die Angeklagte zutage, welche diese immer tviedcr durch Leugnen zu entkräften suchte. Ihr Mann erschien sowohl während der Voruntersuchung als auch tvährcnd der Hauptvcrhandlung in einem ettvaS günstigeren Lichte, obtvohk nach den Ausführungen der Anklage auch seine Schuld an den» Verbrechen crtvicsen ist. Die Geschworenen erkannten nach durchgeführter Verhandlung die Gruber mit acht Stimmen des Verbrechens des Mordes schuldig, während sie bei ihren: Gatten die Schuldfrage mit allen ztvölf Stimmen verneinten. Auf Grund des Wahrspruches der Gcschtvorcnen wurdt Emilie Gruber zum Tode durch den Strang verurteilt. Ihr Gatte wurde frcigcsprochcn. in v o n schollen Ivar, abends gesunden Kilometer östlich Nähe der lettländisch-russischen Grenze, nordöstlich von Dünaburg uicdcrgcgangcn. In seiner Gondel fand man den Ballonführer V i k- tor M a s u ch tot auf. Tic Leiche des Ballonführers Dr. S ch renk lvurdc 15 Kilometer von dem AussindungSort des Ballons entfernt gefunden. Die Leichen der Verunglückten lverden vorauö- sichilich zunächst nach Moskau gebracht werde», um von dort nach Deutschland überführt zu wcr- den. Erst«ach der Obduktion wird sich das Ge- beimnis dieses Todes llärcn lassen. In der Gondel wurden eine Halenlrcuzflagge und eine schlvarz- wciß-rotc Flagge soivie drei Sauerstofslascheu gefunden. Nach einer Meldung miS Moskau haben die Sowjetbehörden unter Führung der Gesellschaft Onoaviachim einen Ausschuß zur lktiicrsuchung über die Ursachen deS Absturzes des deutschen Ballons eingesetzt, der bereits nach Scbesch unterwegs ist. In Moskauer Luftfahrtkreisen habe nicinand damit gerechnet, daß dieser Ballon so weit abgetrieben werden konnte, sonst hätte die russische Regierung ihre Organe davon verständigt und alle notwendigen Maßnahmen veranlaßt. AuS Scbesch cingetrofscne Meldungen lassen darauf schließe«, daß die Katastrophe sich mit großer Schnelligkeit abgespielt hat und so uncrlvartet für die russischen Behörden kam, daß man im ersten Angenblick der Nachricht von der Katastrophe in Moskau keinen Glauben schenken tvollte. Erst nach dem Eintreffen der Bestätigung wurden alle weiteren Niaßnahmen veranlaßt. Deutscher Ballon verunglückt Bride Führer tot. M o o ka u, 15. Mai. Der am Sonntag früh Bitterfeld gestartete Freiballon„B arisch i g f e I d", der seit seinem Aufstieg Verist aus russischem Gebiet Montag worden. Der Ballon tvar 20 der Ortschaft Scbesch nimmt, daß sic von dem Verbrechen Kenntnis haben mußten, wurden verhaftet. Die bisherigen Einvernahmen führten zu einem T c i l g e st ä n d n i s der Vyletalek, die zugab, ihren Vater, nachdem er von seinem Schlviegersohn mit einem Beil niedergeschlagen lvurde, miteinem Strick erdrosselt zu haben. Zwei der verhafteten Frauen gaben zu, behilflich gewesen zu sein, als die Leiche weggeschafft wurde. Jaroslav Vyletalek erklärt ununterbrochen, von dem Morde nichts zu tvisscn und daran nicht im geringsten beteiligt gewesen zu sein. Er ist übrigens als sehr anständiger Mensch bekannt, während sich die Frau schon früher der schweren Körperverletzung und einer Reihe Diebstähle schuldig gemacht hat. Die Mordaffäre hat in Prag großes Aufsehen verursacht, zumal sich jetzt herauSstcllt, daß die ll r fache des grauenhaften Mordes 20.000 Kö gewesen sind, die daö Vermögen des Tyl bildete» und die öfter zu Zusammenstößen zwischen Vater und Tochter geführt haben sollen. Tyl, der offenbar befürchtete, daß sich seine Tochter daS Sparkassenbuch, auf welches das Geld eingelegt wurde, auf unrcckitmäßige Weise an- cigucn könnte, deponierte deshalb das Einlagebuch bei seiner Schlvester, von der es die Vyletalek mit Hilfe eines fingierten Briefcs^iach dem Morde an dem Vater herauSbckam. In dm Abendstunden Hut Jaroslav Bhlrtalek gestanden, daß cr am 22. März 1033 seinen I Sltuvicgcrvater im Streit mit einer Hacke niederge- Seit mehr als einem Jahr wurde der in Prag-Kleinseitc, lljezd, wohnhafte 10 Jahre alte K r i c g S i» v a l i d c Kajetan Tyl nicht mehr gesehen. Wurde nach ihm gefragt, dann sagte seine Tochter, die 30 Jahre alte Marie Vyletalek, daß cr wieder in seine Heimatstadt Nymburg zurückgekehrt sei, oder andern wieder, daß cr in Pankratz eine Strafe absitzc oder gar, daß cr sich auf Brautschau befinde. Montag vormittag aber ging sic— offenbar vom Haß gegen ihren zweiten Mann, dem Metallarbei ter Jaroslav Vylctalcl. getrieben— zur Polizei direktion und gab dort an, daß Kajetan Tyl am 22. März 1033 während eines Streites von seinem Schwiegersohn Vyletalek mit c j II e NI Beil erschlagen worden sei. Die Leiche TylS hätten die Tochter des Ermordeten und ihr Mann zttsammengebunden und in der Küche hin ter dem Ofen versteckt. Dort sei sic ein ganzes Jahr lang geblieben»nd erst als der Mann der Vyletalek von seiner Fran ivegging, um zu seiner Mutter zu übersiedeln, wurde, da auch die Frau in eine andere Wohnung zog, die Leiche aus dem Versteck hervorgezogen, in e i n e n S a ck mit Kalk verpackt und durch einen Spediteur mit einem Teil der WohnungSciurichtung im Keller der Tante der Vyletalek, Seilergäßchen 3, also nächst dem WenzelSplätz, eingestellt. Die Poli zei hielt in dem Keller Nachschau und mußte fest stellen, daß die Aussagen der Frau, von der man annahm, daß sic irrsinnig sei, der Wahrheit ent sprechen. Die Leiche TylS befand sich wirklich im Keller, über welchem sich zudem ein Nachtlokal,.. daS ziemlich stark sregucntiert wird, befindet. Die schlagen und ihn dann mit einem Strick erdrosselt Vyletalek, ihr Mann und drei Frauen, die im hat. Als Grund gibt er an, daß Tyl vorher seine Hanse lljezd wohnen und von denen man an- i Fran mißhmidelt habe. Veftte INenfey r Grauenhaftes Verbrechen im Zentrum Prags aufgedeckt Den Vater erdrosselt— die Leiche ein Jahr hinter dem Küchenofen versteckt Tagcsirculglfcltcii Blutiger Kampf mit Streikbrechern Smi Francisko, 15. Mai. In San Pedro (Kalifornien) kam es am Montag abends zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen streikenden Dockarb eitern und Streikbrechern. Dabei wurden zwei Personen getötet und zehn zum Teil erheblich verletzt. Erst der Polizei gelang cs, die Streikenden zu trennen und die Ordnung lvicder herzustellen. 1*5 Millionen Dollar Veruntreut! New Jork, 15. Mai. Am Montag wurde der Prozeß gegen B a n k i e r H a r r i m a n eröfsnet, dem vorgeworfen wird, als Vorsitzender der Har- rinian-National-Bank und Trust-Company Geldbeträge von insgesamt 1,061.170 Dollar veruntreut zu haben. Gegen den vormaligen Vizepräsidenten der Bank, A l st i n, ist die gleiche Anklage erhoben worden. Harriman war im März 1033 verhaftet worden, uach- dein Präsident Roosevelt beschlossen hatte, gegen eine Anzahl führender Wallstreet-Banliers vor- zngehen und hat seither mehrere Selbstmordvcr- suche unicrnommeii. Aetherfabrik in Flammen Sieben Arbeiter verivundct. Döbeln(Sachsen), 15. Mai.(DNB.) Am Dienstag vorniittags brach in der Aetherfabrik der S ü d b y k- G u l d e n w e r k e in Nieder« Striegis Großfeuer aus, das an den dort lagernden Aethermengen reiche Nahrung fand. Bald ereignete sich eine gewaltigeExplosion und eine ungeheure Stichflamme schoß empor, dabei Mauerwerk, Eiscnteilc und Aethcrspritzer weit fortschlcuderud. Hierdurch wurde im Umkreis von etwa 100 Metern das angrenzende mit Unterholz bestandene Gelände an zahllosen Stellen i n B r a n d gesetzt. Durch den Brand und die Explosion tvurden zwei Arbeiter schwer und fünf leicht verletzt. Ein großes Aufgebot an Fcucrivchreu aus der weiten Umgebung, von Äcrzten, Sanitätspersonal und.Gendarmerie wurde zur Hilfeleistung und Absperrung eingesetzt. Dank der aufopfernden Tätigkeit der Wchrmänncr gelang cs, daö Feuer einzudämmen, so daß gegen mittag jede weitere Gefahr beseitigt war. Die> Aettherfabrik ist ein e i n z i ge r T r ü m-! m c r h a u f e n von verbogenen Eiscntcilen und zerbrochenem Mauerwerk. lieber die Brandursachc konnte noch nichts sichcrgcstellt werden. Hin der flrbeiter-Turn- und Sporlberoegung Wolleylall wird im AtuS eingrführt Bisher hatten wir im AtuS für die Turnerinnen und Sportlerinnen kein vollständig geeignetes Masenspiel. Durch die Einführung des Wolleyball- spielcS wird diesem Mangel abgeholfcn werden. Von Bedeutung ist auch, daß damit Spielmöglichkeiten mit den Vereinen der DTJ geschaffen werden. Die Spielregeln wurden bereits aus dem Tschechischen übersetzt und werden in nächster Zeit veröffentlicht. Bestellungen an daS SporthauS in Aussig. Mitteilungen für die Olympiade-Teilnehmer Die Probe der Kinder findet in Prag am Sonntag, den 1. Juli um 0 Uhr 80 Min. im Stadion statt. Die öffentlichen Vorführungen der Kinder sind für diesen Tag für die Zeit von 8.80 Uhr bis 4.30 Uhr festgesetzt. Die Probe für die Erwachsenen findet am 7. Juli um 10 Uhr mit Stadion statt. DaS offizielle Auftreten deS Verbandes mit den Turnern und Turnerinnen erfolgt mn Sonntag nachmittag um halb 4 Uhr. Matrrialsammlnng dar Durchführung der Jugend- weihen Soeben ist eine Anleitung mit deut dazugehörigen Aufführung-material zur Veranstaltung von Jugendweihen erschienen. Jeder Verein, der eine Kinderabteilnng besitzt, sollte im Besitze der Materialsammlung sein. Bestellungen an den AtuS in Aussig init Einzahlung von XL 5.—. Einiges vom KreiS-Kinderturnfest in Trpliy Zur Sicherung der Verpflegung der Kinder am Kreisfest in Tcplitz am 10. Juni sollen ungefähr 15 Kessel eingebaut werden. 6000 bis 8000 Kinder werden Frühstück und Mittagessen erhalten, ebenso ungefähr tausend Turner und Turnerinnen, die den Dienst am Feste versehen werden.. Alle Trommler, Pfeifer und Fanfarenchöre des KreiSgebicteS werden nach Teplitz gezogen. Ebenso Kapellen der Turner und der EI. Der Turnkreis wird jeder Kinderabtei- lnug, die zum Wetturnen antritt, eine Fahne überreichen. ES wird mit 160 Fahnen gerechnet. Grosse Waldbrände werden aus S ü d r u ß- l a n d gemeldet. Besonders stark lvaren die Brände in W o r o n e s ch, wo große Mengen Vieh umS Leben gekommen sind. Auch Menschenopfer sind zu beklagen. Die Regierung hat Truppen zur Löscharbcit aufgeboten. Der Dampfer„Smolensk", der aus Wladiwostok nach der Providcncc-Bucht entsandt worden ist, um die geretteten Tscheljuskin-Leute aufzunehmen, ist am Montag nach vielwöchigem Kampf mit den EiSmasien in der L a w r e n c e- Bucht cingctroffcn. Dem Dampfer ist eS gelungen, sämtliche Tscheljuskin-Leute au Bord zu nehmen. Der„Smolensk" kehrt nunmehr nach Wladiwostok zurück. Zwölfjähriger Hirt erschossen aufgefunden. Am Montag ging der 12jährigc Hirte Ivan Platas aus der karpathorusfifchen Gemeinde Tuki Polana auf die Weide. Als er mittags nicht zu- rücklehrtc, ging man auf die Suche nach ihm. Er wurde in der Nähe der Gemeinde mit drei Schußwunden am Kopf tot aufgefunden. Die Gendarmerie hat die Untersuchung eingcleitct. 10:6. Wie zu erwarten war, gewann der Weltmeister Dr. Aljcchin am Dienstag in Bayreuth kurz nach Wiederaufnahme die angefangcne 16. Partie. Der Wettkantpf steht somit 10:6 für den Weltmeister. Da die letzten Tage die beiden Spieler.über alle Maßen i» Anspruch genommen hatten, wird bis zum konimcndcn Sonntag eine kleine Pause eingelegt, worauf der Kampf in Bad Kissingen am Pfingst- Sonutag weitergcführt wird. DaS Wetter. Trotz teilweiser Abnahme der Bewölkung war es am Dienstag in Mitteleuropa sehr kühl; die Temperatur betrug in den Niederungen nur 10 bis 14 Grad. In de» ersten Nachmittagsstun- den brach die Kältetvelle unter Gewittern auch in die Ostslotvakci und in die ungarische Tiefebene ein, wo eS sich innerhalb weniger Stunden um mehr als 10 Grad abkühltc- Warm wxr es nur noch in Italien und auf der Balkanhalbinsel, tvo noch 25 bis 80 Grad Celsius verzeichnet tvurden.— Wahrscheinliches Wetter von Mittwoch: Nur vorübergehende Besserung. In den westlichen und mittleren Teilen des Staates im Falle nächtlicher Abkühlung und Aus- hciterung morgens sehr kühl, vereinzelt leichter Frost. Im äußersten Osten noch starke Betvölkung und anfangs strichweise Regen. Vom Rundfunk Empfehlenswert«» an» den Programmen» Donnerstag. Prag: Sender L.: 6.00 Gymnastik. 11.05 Salonorchester. 12.10 Schallplatte«. 17.80 Französisch für Anfänger. 17.55 D e u t s ch e Sendung: Ferien am Meer. 18.55 Deutsche Nachrichten. 20.05 Liederkonzert. 22.15 Tanzmusik. 22.80 Balalaikakonzert.— Sender St.: 14.80 Schallplatte«. 15.10 Deutsche Sendung: Kubelka: Die vorbereitete neue Getverbeordnung. 16.45 Deutsche N a chr i ch t e n. 18.65 Dvokak: Humoreske.— Brünn: 12.85 Mittagskouzert. 18.20 Deutsche Sendung: Fritsch: Diktatur der Phrase. 20.05 Harmonika-Soli.— Mähr.-Ostrau: 10.15 Tramplieder.— Kascha«: 16.80 NachmittagSkonzert.— Berlin: 16.00 Unterhaltungsmusik.— Breslau: 21.20 Klavierkonzert.— Frankfurt: 24.00 Nacht-- musik.— Königsberg: 22.00 Phantastische Szenen für Orchester.— Kopenhagen: 20.10 Russische Musik. 21.40 Soli für Saxophon.— Leipzig: 22.40 Unterhaltungskonzert.— München: 17.50 Musik für Violine und Cembalo. St. 113 WMttwndj, 16, Mai^Sozialdemokrat" Seite 5 LEICHTE UND LUFTIGE SCHUHE MACHEN IHNEN DIE FEIERTAGE ANGENEHMER! Unsere Verkaufsstellen bieten Ihnen die neuesten Sommerschuh-Modelle und fein aiourierte Strümpfe dar.— und entdeckten das Radium die I WWWMMMMWWMMMW ist dieser /„Kn, wenn er' nichl sofort gefüllt wird. Ein Speiserest hat sich «wischen den Zähnen zersetzt t es bildet sich*Milch« säure, die den Zahnschmelz zerstört. Ein kleines Ixwh im Zahn ist die Folge. Tägliche Pflege mit der stark reinigenden Chlorodonl- Zahnpaste schützt die Zähne vor frühzeitigem Zerfall, erhält sie gesund u. macht sie blendend weiß. Tolir Ke 4.-, grotte Tube Ke Ki htlindhche« Erzeugnis. als zur «nabenleiche im Dorfbach In Wattersdorf, Bezirk Böhm.-Lcipa, wurde im Dorfbach die schon stark in Verwesung übergegangene Leiche eines zirka eincinhalbjährigeu Knäüleius gefunden, die mit Steinen beschwert war. Man nimmt an, daß das stind vor ungesäbr drei Wochen ermordet und in das Wasser geworfen wurde. Die Polizei versucht mit großem Eifer, das Verbrechen aufzuklären. ziö besser angeschriebenen Herrn Janson zn engagieren I Die Gegenleistung für die Unterwerfung unter bett Terror dcS braunen FilmimperialiS» muS? Sie besteht darin, daß die Tschechoslowakei alljährlid) ungefähr zehn Millionen Kronen für Filme nach Deutschland zahlen darf, die KinoS durch den deutschen Filmschund, der niemanden interessiert, zugrundegerichtct und außerdem von der Filmleinwand her Hakenkreuz« lerischc Tendenzen propagiert, fascistische Gedankengänge und Vorstellungen in Umlauf gesetzt werden. Herr Goebbels hat sich das Ziel gesteckt, Europa mit nationalsozialistischen Filmen zu übcrschtvcmmen und an dieser AuSlandSpropa- ganda dcS Hakenkreuzes nitrit noch dick zu verdienen. Er wird sein Ziel erreick)cn, wenn sich der Uebertragung der in deutschen Filmateliers maßgebenden Prinzipien auf die Kulturländer, wenn sich dem planmäßigen geistigen mck> wirt- schaftlichen Imperialismus des nationalsozialistischen ZelluloidhändlertnmS nicht planmäßi» F. R. Die Machthaber der deutschen Filmindustrie regeln ihre Beziehungen zum Ausland nach einem für sic ebenso bequemen tvic ertragreichen Prinzip: DaS Ausland soll möglichst viele deutsche Filme kaufen, hat aber leinen Einfluß auf den Inhalt dieser Filme und ans die Auswahl der Regisseure und Darsteller; Deutschland schräntt die Einfuhr von Filmen auf ein Mindestmaß ein, übt jedoch über die Herstellung der wenigen Filme, die es lattft, eine strenge Kontrolle auö. Die österreichische Filmindustrie hat sich dem dentsriien Filmimperialismnö bereits vollkommen u n t r r w o r f e n. Nack, einem Abkom- men mit Berlin lverdcn die Wiener Filmerzcu- gcr vom Verband der deutschen Filmindustriellen beim Ankauf der Manuskripte und beim Engagement der Darsteller und Regisseure„beraten"; daß diese„Beratung" in Wirklichkeit eine unumschränkte Diktatur Berlins über den österreichischen Film ist, beweist die vor wenigen Tagen erfolgte Einstellung der Arbeit an einem österreichischen Film, der nicht die Billigung des braunen RcichSfilmdramaturgen gefunden hat. Zudem hat die Tobis die Wiener Filmateliers in ihren Besitz gebracht; in Wien kann also niemand mehr ohne Zustimmung der deutschen Filmindustrie einen Film drehent In der Schweiz liegen die Dinge ähnlich; eine junge Schweizer Filmfirma, die B a s i l c a, ist in deutschen Händen, Berlin bestimmt die Stoffe, die verfilmt werden, das künstlerische Personal, das verpflichtet lvird. Ist Deutschland der Lieferant der Filme, so hat der Käufer sie hinzunchmen, wie sie sind; tritt cS als Abnehmer auf, stellt cs Bedingungen, deren Erfüllung eS cxzwingt. Stein- Der Regen in einzelnen , hoch stand. Militär und Polizei sind zur'Hilfeleistung eingesetzt. Nach oberflächlichen Schätzungen beträgt der Schaden mindestens 30.000 Pfund Sterling. Brrnrleilte Spione. Dav Honvcdgerichl hat in B u d a p e st wegen Hochverrates, bzw. Spionage zugunsten ausländischer Staaten den Tisch- lcrgehilfen Tzatay zu neun, den dem Nachrichtendienst zugetciltcn Soldaten Skultcti zu 10% Jahren, den Landwirt Toth zu 4 und den Fleischer Auspitz zn vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Zur der Unwetterkatastrophe in Tiberias am Gcnezarcth-Sce ist ergänzend zu melden, daß aus den eingestürzten Häusern noch weitere Todesopfer geborgen werden, bisher insgesamt 24 M c n s ch e n, meist alte Leute und Kinder. Viele Personen lverdcn noch vermißt. Die Zahl der O b- d a ch l o s e n ist sehr groß, gelitten hat das Zentrum de Markte. Besonders schlvcr Ortes mit dem Biele Häuser lvnrden durch lawincn verschüttet und zerstreut, war so heftig, daß das Wasser Straßen 2 Meter ® ic heirateten, wurden glücklich New Aort, 1b. Mai. Die Menschenräuber haben am Montag abends zwei ihrer Opfer frei gelassen. Es handelt sich um den Petroleum- Magnaten William G c t t l c, der am Don nerstag in seinem Garten bei Los Angeles über fallen und zum Milgehcn gezwungen worden war. Ferner ist die sechs Jahre alte I u n e R o b b l c s auf freien Fuß gesetzt worden, die in Tnoson ent führt worden|var; Die Auffindung der June Robbies war nur da durch mögt ich, daß anscheinend die Entführer selbst dem Gouverneur des Staates Arizona durch einen Luftpostbrief, der in Chicago anfgegcben war. mit« teilten, daß die Kleine 150 Schritte nördlich einer einsamen Landstraße in der Umgebung Tuosons in einer Höhle versteckt sei. Sofort wurden vom Gou verneur Nachforschungen angestellt, und man sand dabei tatsächlich in einem verdeckten Lori), das nur etwa zwei Nieter lang, etwa 88 Zentimeter breit und einen Meter tief Ivar, das kleine Mädchen auf. Die F ii ß e des Kindes waren gefesselt. Neben ihm stand ein Krug und lagen etwas vertrocknetes Brot und einige Orangen. Das Kind fta r r! e vor S ch in n b u n d ll n a e z i e f e r. ES war so schwach, daß die Höhle tatsächliri; bald sein Grab ge worden wäre. Die Befreiung G e t t l e s ist wohl darauf zn- ruckzufiihren, daß man nach dein lieberfall auf den Vertreter der Familie Aettlcs, der den Entführern, Ivie gemeldet, 60.000 Dollars als Lösegeld über bringen sollte, die Spur eines Mannes verfolgt hat, der neue Verhandlungen mit dyn Angehörigen Gctt- lcö anfnehmen sollte. Man überraschte ihn beim Telephonieren und ging ihm dann nach. Dabei ent deckte man, daß er in dem Hause verschwand, in dem man Bettle und zwei seiner Entführer aufsand. Getlle war an ein Bett gebunden. Die Augen hatte er v e r b u n d e n. Die Polizei stieß. als sie in das HmtS eindrang, auf zwei Männer. von denen sie einen verhaften konnte, während der andere entfloh. Nach der Aussage GettleS war^die ser der Führer der Verbrcchcrbande. Gettle erklärte, daß während der Zeit seiner Gefangenschaft mit ihn) gut umgegangen wurde, daß er gutes Essen er hielt, jedoch ununterbrochen an das Bett gefesselt war. Er war verwundert, daß er sich so nahe seinem Hause befand obwohl ihn die Gangster einige Stun den im Auto herumgeführt hatten. An den Straßen von Los Angeles versammelte sich eine große M e n s ch e n m e n g r, welche von der Polizei stür misch die Ausfolgung des verhafteten Verbrechers verlangte, inn ihn zu lhu'ch fn:■■• Rosa Luxemburg: Briefe aus dem Gefängnis 94 Selten, broschiert mit farbigem Schutzumschlag xe 6.— Zentralstelle fUr das Bildungswesen, Prag XII., Slezski 13. Vor 75 Jahren, am 15. Mai 1850, ist der im I 'Fahre 1006 verstorbene Pierre Curie, der gemeinsam mit seiner Gattin der Menschheit das Radium schenkte, geboren. Die wissenschaftliche Großtat der Entdeckung des Radiums ist recht eigentlich das Werl eines Zufalles, allerdings eines Zufalles, der durch zielbcivußte Arbeit, zähe Ausdauer gepaart mit Genialität der Intuition, zum Ziele führt. Die Geschichte dieser Entdeckung ist nicht minder reizvoll als die der Entdecker, des Ehepaares Curie. Die Lebcnögeschicl)te der Maria Tklodovska, Ivie Frau Curie mit ihrem Mädchennamen hieß, hört sich wie ein Roman an. Als Kind schon verstand sie ihre angeborene Phantasie mit dem Studium der exakten Zahlen zu vereinigen. Sie war 1807 alü Tochter eines Professors der Physik in Warschau geboren. Ihr Vater, kein Genie, aber ein ausgezeichneter Lehrer, der sein Fach über alles liebte, nahm sich nackt dem Tode seiner Frau des Kindes ganz besonders an, das sozusagen im Laboratorium aufivuchs. Maria spielte nie mit Puppen. Ihre Spielzeuge bestanden auö verschiedenen Instrumenten, die der Vater zum Gebrauch seiner Tochter anfcrtigtc. So ivurdc schon beizeiten die Phantasie Kes' jungen Mäd- chenö durch die Versuche angeregt, die der Vater in ihrer Gegcnivart unternahm. Als Sechzehnjährige hatte sic bereits ihre Gymnasialstndicn hinter sich. Nun folgten Fahre der harten Arbeit,! in denen sie manches Schwere erleben mußte; denn die Politik, der sic immer aus dem Wege gegangen war, gab ihrem Leben plötzlich eine ganz unerwartete Wcitdung. Einige Schüler ihres Vaters waren aus politischen Gründen verhaftet worden und da Maria befürchtete; man werde sie selbst dazu zwingen gegen jene auszusagen, ent« schloß sie sich zur Fluckt. Nun begann für sic eine abenteuerliche Zeit. Mit Mühe und Not gelang es ihr als Dienstmädchen verkleidet ins Ausland zu entkommen. Sie ging nach Paris, da sie hoffte, dort auf Grund ihres Wissens in einem Laboratorium unterkommen zu können. Aber sie erlebte bittere Enttäuschungen. Nirgends nahnt man ihr Angebot ernst, überall wurde sie mehr oder weniger schroff abgewiesen. Man gab ihr gelegentlich zu verstehen, daß ihr Wunsch, in einem Laboratorium Arbeit zu finden, eine Wahnidee sei und daß sie besser tun würde, als Verkäuferin ihr Auskommen zn suchen. Die unglückliche Emigrantin konnte zunächst nichts tun als hungern und darben. Da kam ihr unerwartet ein Zufall zu Hilfe, der ihr künftiges Leben entschied. In ihrer Ratlosigkeit sprach sie eines TageS nochmals im Laboratorium von Lipp- mann, dem bekannten Physiker an der Sorbonne, vor. der sie schon einmal abgewiesen hatte. Aber diesmal hatte sie Glück. Der Physiker war gut gelaunt, ließ sich mit ihr in ein längeres Gespräch ein und nahm die Sklodovska in sein Laboratorium auf. Als Assistentin des berühmten Gelehrten ivar cö ihr möglich, sich weiter zu bilden, die Vorlesungen an der Sorbonne und im Col- si'gr de France zu hören und die Prüfungen zu Der Barrandow unter braunem Terror Herr Goebbels entscheidet, wer in Prag filmen darf! Slegrttotk Paris, 15. Mai. Ein französisches Militärflugzeug neuesten Typs stieg gestern mit 2000 KilogrammBelastung bis zu 10.000 Meter auf und erreichte somit einen neuen Weltrekord. Der bisher von Italien gehaltene Rekord betrug 8438 Meter. erfaßt. Diet'e Vcrössentsichung Ivetten Interessenkrciscn ein ge- sein, nm so mehr, als das umeingehend gegliedert Zahlcnmatc- I machen, sinter den Augen Lippmaicns wuchs daö junge Mädchen zu einer Wissenschaftlerin heran, auf die man in Fachkreisen aufmerksam zu wer den begann. In Paris lebte damals ein junger, sehr begabter Physiker. Pierre Curie. Die beiden lern ten sich kennen und schätzen; ihre gemeinsame Liebe zur Wissenschaft schloß ein festes Band um sie. So ivundcrte sich Maria Sklodovska nicht, als der junge Gelehrte eines Tages zu ihr sagte:„Ich liebe Sic und wir beiden lieben dasselbe. Wäre eS also nicht besser, wenn wir zusammen lebten, nm zusammen zu arbeiten?" Diese eigenartige und nüchterne LiebcSwerbung hatte Erfolg. Sie heirateten, wurden glücklich— und entdeckten das Radium. Der Zufall kam ihnen dabei zn Hilfe, freilich^in Zufall, wie er nur einem Genie wie : Frau Curie unterlaufen konnte. J Im Jahre 1805 hatte Röntgen seine große ' I Entdeckung gemacht. Im Jahre darauf bcivicS Henri Becquerel, der berühmte Physiker, daß daö i Uranerz radioaktiv sei, d. h. fähig, ohne jede i äußere Einwirkung ununterbrochen Strahlen aus- II znfcndcn. Alü nun Frau Curie Becquerels Ent« ,! deckung bekannt wurde, legte sie sich sofort die -1 Frage vor. ob cö außer dem 11 ran nicht auch noch -1 andere radioaktive Stoffe gäbe. Daö Ehepaar stellte fest, daß auch das Thorium diese Eigen schaft besitze. ES gelang ihnen sogar ein Jnstru- incut zu konstruieren, mit dessen Hilfe man Grütze der Radioaktivität messen konnte. So weit gediehen ihre Untersuchungen, der Zufall ihnen abermals zu Hilfe kam und Entdeckung des neuen Elementes, des Radiums führte. Eines TageS arbeitete da» Gclehrtenpaar mit einem uranhaltigen Mineral, sogenannter Pechblende. Zn ihrer größten Ilcberrasckning mutz ten sie fcststcllen, daß die Pechblende viel stärker radioaktiv sei als es nach dem darin enthaltenen Uran zu erwarten gewesen ivärc. Die Pechblende muhte also einen bisher unbekannten Stoff ent halten. Die beiden Gelehrten stellten sich nun die l g c r Widerstand cntgcgcnstellt. Aufgabe, diesen Stoff zu finden. Die schwerste Arbeit Ivar nun noch zu tun. Die Versuche kosteten Geld und immer wieder Geld. Das Ehepaar wurde von niemandem un-1 tcrstützt; die beiden muhten oft hungern und frie ren; Aber keinen Augenblick verloren sic ihr Ziel aus den Augen. Sie ließen aus Joachimöthal eine grohe Menge Pechblende kommen, mieteten sich einen großen Schuppen, der nicht einmal heizbar war, und die Versucbe begannen. Anfänglich schie nen sie aussichtslos und Pierre Curie wollte schon verzagt die Flinte ins Korn werfen. Seine Gattin ließ aber uiriit locker und sic erntete den Lohn ihrer Zähigkeit: sic fand das Radium. Welche Riesen arbeit die beiden Gelehrten, ganz auf sich selbst angewiesen, haben leisten müssen, beweist eine ! einzige Zahl. Ans sechs Tonnen, d. h. 6000 Kilo gramm Pechblende, gewinnt man ein einziges Gramm Radinin, und dieses eine Gramm kostet heute etwa 4 Millionen Kronen. Paul D i n e r- D ö n e 8. IttN DNl ttlpolfflk Genosfenschaftsverbände und gentralorganifattonen im Jahre 1982 Einen neuen Beitrag zur Statistik unseres Gcuosscnsckiastswescns bringt die eben erschienene Nummer 51—53 der„Mitteilungen des Statistischen StaatSamtcö" Jahrg. XV(1034). Es sind hier vor allem die Struktur der Genossen- schaftszcntralen, die Aktiva und Passiva(ihre i wichtigsten Posten, Forderungen und Einlagen sind gesondert angeführt), ferner die Verluste und Gewinne der Genossenschaftszentralen mit Finanz- und Handelstätigkeit erfaßt. Zum er- stenmalc wurde hier die Bewegung der Einlagen und Darlehen der angcgliedcrtcn Kreditgenosscn- schäften(mit vergleichenden Daten für daö letzte Vierteljahr) ermittelt. Ferner erhalten wir zum erstenmale darüber Aufschluß, was die landwirtschaftlichen. Arbeiter- und kaufmännischen genossenschaftlichen Handelszentralen an ihre ange- schlosscnen Genossenschaften liefern. In Nach- tragötabesicn ist in charalterijtischen Daten die Produktion der genossenschaftlichen Spirituobrcn- ncreicn nnd Molkereien, ferner die Einkanfü- bzw. Verkaufstätigkcit einiger anderer Gcndsscn- schaftsverbände wird sicher in suchter Behelf sangreichc und rial sehr zwcrimätzig nnd übersichtlich geordnet ist und eine große Reihe bisher nicht ermittelter Umstände bringt. Ter Preis des Heftes beträgt Xö 3.-—. Bei jedem Buchhändler zu beziehen. ; In Kommission bei der Firma Bnrjil& Kohout, Prag II., Väclavskö nänn'sti. Die Produzenien dctttschspractngcr Filme in der T s ch e ch o s l o w a I c i haben sich zwar nicht in einem grundlegenden feierlichen Abkommen den Berliner Nazifilmstctlen nntcrgcordnet. aber sic sind dennoch vollkommen von ihrem Willen nnd ihrer Willkür abhängig. Berlin erklärt einfach, daß es einen in Prag gedrehten Film nur abnimmt, wenn dieser oder jener Schauspieler, oder Regisseur engagiert wird. Als die deutsche Fassung des Films„So ein Hundeleben" gedreht wurde, durste die Hauptrolle nicht der tsct)echische Schauspieler Haas spielen, der tadellos deutsch kann und in der tschechischen Fassung einen großen Erfolg errungen hatte; auf Befehl des Herrn Goebbels und seiner sinterdiltatörtein mußte der Nazischauspicler Fritz K a m p e r S ans Berlin geholt werden. In dieser Woche beginnen auf dem Barrandow die Aufnahmen zn dem Film„Eine Frau, die weiß, was sie tvisi". Die Hauptrolle sollte Leopoldine K o n st a n t i n spielen; sie wurde ans Wunsch der Berliner Stellen gegen Lil D a g o v c r auögetanscht. Die Regie war Max Neufeld übertragen; in den letzten An- kündigttngcn heißt es plötzlich, daß Herr Viktor Janson die Regie fuhren wird. Max Neufeld ist in Berlin ans unbekannten sirsachen in Ungnade gefallen, sein letzter Film„Csibi" muhte im Dritten Reich als Produtt des Herrn Richard Eichbcrg„getarnt" werden, damit er überhanpi aufgeführt Ivcrden durfte. Will der Produzent des Films nicht auf die Einfuhr naris Deutschland verzichten, und er tann auf sie nicht verzichten, weil sich ohne Deutschland die Herstellungskosten dcö Flims nicht amortisieren, hat er fick) dem j Berliner Diktat zu beugen ttnd den bei den Na- Ittdcx der Grofchaudeloprcise. Ter nach dem Stande vom 1. Mat 1034 ermittelte Index der Grotzhaudelopreise weist einen Rückgang um 0.8 Prozent, von 663 aus 658 aus. Der Index der Nahruugs- und Genußmittel sank um 1.5 Prozent von 651 auf 641, während der Futtermittelindex unverändert blieb, so daß der Gesamtindex der Nahruugs-. Genuß- und Futtermittel 630 gegenüber 680 im Lortnonaie beträgt. Der Index der Judustricstofsc und-Erzeugnisse blieb unverändert aus 680 Sette 6 Mittwoch, 16. Mai 1684 Nr. 113 PRAGER ZEITENG ien, tonnen. III. kam Kunst und Wissen im Mittel des SeelenfangS nicht verzichten zu können. Carnap machte sich diese Meinung nicht zu eigen, ebensowenig freilich auch die von aitderer Seite erhobene Forderung den ethischen Impuls deS Sozialismus stärker als bisher zu betonen. Carnaps Nüchternheit wirkt klärend, aber eine Frage blieb unbeantwortet: Sind tvirklich die letzten ethischen Ziele der Mensche» verschieden und daher undisku- tabel oder stellt nicht das soziale Zusammenleben Regeln von einiger Gültigkeit auf, ohne deren Anerkennung eine nicnschliche Gemeinschaft unmöglich wäre und beginnt der Streit nicht erst dort, wo eS sich darum handelt, diesen sozialen Grundforderungen einen konkreten Inhalt zu geben? Künftige Diskussionen sollten auch davon sprechen und diesem Abend ebenso wohlgelnngene tveitere Aussprachen folgen lassen. O. F. Es soll gleich jetzt Verein mit zu wa , war: ' UNd tferm i und bö einem gc Verlanget überall Volkszünder mit zwei 100. Ein I'cn unS über die Selbsttäuschung der Menschen in der Einschätzung ihrer Motive belehrt. Iliuso klarer müsse» wir erkennen, das; die. Menschen. ost ohne eS zu toissen, die Metaphysik ihren Interessen gemäss gebrauchen. Ein Beweis dafür ist das Blühen metaphysischen Denkens und die Anerkennung einer norma« live», das beisst auf unbeweisbaren Forderungen und nicht auf sozialen Tatsachen beruhenden Ethik litt den heutigen fascistischen Staaten, wie etwa in F,allen. Oesterreich und Deutschland. AIS vraktischeS Beispiel dafür, wie weit die ^Auswirkung solcher mctkaphysischen Vernebelung im politischen Leben gehen kann, führte Professor Carnap das unlängst erfolgte Verbot deS gänzlich unpolitischen Ernst Mach-Vereines in Wien an. Seine Ausführungen überzeugten das Auditorium, so dass sein Schlusssatz, in dem er Marxens Wort.Meligion ist Opium für daS Volk" variiert in die Sentenz„Die Metaphysik ist Opium für die I Gebildeten" starken Beifall der Hörerschaft fand. Eine anschliessende Diskussion brachte Anffassun- Smetana-Felcr Im Prager Deutsche» Theater Das Prager Deutsche Theater hatte zur Feier des 60. Todestages Smetanas für Montag eine Wiederholung der„Verkauften Brant" angesetzt. Trotz der bleibenden Gültigkeit aller Ein- Ivändc, die hier seinerzeit gegen die Irrtümer dieser Neuinszenierung gemacht tvcrden muhten, und obwohl die stilistischen Leistungen dieses Abends nur teilweise entsprachen, kann eine befriedigende Wirkung dieser Vorstellung verzeichnet werden, vor allem durch die hohe künstlerische Potenz unseres Orche- st eje S, durch die klangschönen Chöre und durch das Gelingen bc3 Tänzerischen. Man kann sich nicht satthören an dieser Musik, an ihrer ewigen Jugendlichkeit und natürlichen Frische, an der Fülle und dem Zauber ihres Melos, an der mitreihenden Kraft ihrer Rhythmen. Entzücken und Begeisterung sehen sich da erfreulicherweise trotz aller Abstriche durch, die an der Reproduktion im einzelnen festzustellen Ivären.— Die Marie sang erstmalig Frau O l l y Ried; ihr schöner, edel gebildeter Sopran hat Leuchtkraft iu der oberen Quint und erfrcnt mit mancher gut gesungenen kantablen Stelle; leider steht dem ein häufig vollkommenes Versagen der Mittellage gegenüber, in der sich die Sängerin zuweilen kaum vernehmbar machen kann— eine gesangliche Unfertigkeit, mit der die darstellerische Hand in Hand geht. Sehr erfreulich diesmal, stimmlich und schauspielerisch, der Hans Herrn H a t t e m e r s. Aber wo ist der Regisseur, der ihm und dem Darsteller deS Springer die Ungehörigkeit werkfremder Ueberlreibungcn klar machte? Herrn Bäudler, der gleichfalls immer öfter ans dem doch sonst von ihm so gut beherrschten Stil fällt, und Herrn M a- sät, von dem man nachgerade nicht weih, Ivelche Tenor-Unarten er nicht pflegt, gelang immerhin sehr gut ihr Duett.— Das Publikum zeigte sich sehr dankbar nnd beifallsfreudig. l. g. Vorträge „Die Methaphysik Opium für die Gebildeten" Ein Vortrag von Professor Carnap Vor einem überfiillten Auditorium sprach narolinum auf Einladung der„Freien Vereinigung sozialistischer Akademiker" der vor kurzem nach Prag berufene Ordinarius Prof. Carnap über„Die soziologische Vedeniung der Metaphysik in der Gegenwart". Er Ivandte sich mit eindringlicher Schärfe gegen den Versuch, an die Stelle jener Mythologie, die ein persönliches und wahrnehmbares Walten Gottes in der Welt feststellen zu können glaubt, eine metaphysische Betrachtung zu setzen, die anstatt jederzeit beweisbare Tatsachen zur Grundlage ihrer Betrachtungen zu nehmen, mit Sätzen operiert, die als „sinnlos" bezeichnet Iverden müssen, weil sie nichts aussagen, tvaö zu beweisbaren Konsequenzen zu führen vermag, sondern weil sie lediglich auf einen Glauben beruhen, der keine sinnvolle Beweisführung zuläht. Carnap bekennt sich als Gegner einer normativen Ethik, da auch sie nicht auf Erfahrung, sondern auf rein philosot'yischcr Spcknlatiou anfgebaut ist. Ethisch sind Normen nicht beweisbar, sie sind Zielsetzung, über die sich nicht streiten läht. Denn diskutieren kann man nur über Tatsächliches, so über die Wege zur Erreichung eines Zieles und über seine praktischen Folgen, nicht aber über daS jeweils gewollte Ziel selbst. Die nüchterne Betrachtung deS heutigen Lebens führt zu einer Reihe von soziale» Forderungen, die im Widerspruch mit der gegenwärtigen Wirklichkeit stehen. Will man die Menschen von der hierdurch erzeugten sozialen.Kritik abvringeu, so gibt eS allerdings kein wirksameres Mittel dazu, als die metaphysische Ideologie. Die heute so beliebten„Aniori- tätS"- und„GanzhcitS"-Philosophien sind dafür typisch. Indem sie die Theorie eines soziale» Organismus vertreten, finden sie die Möglichkeit sich gegen jede tatsächliche Kritik nicht durch ihre sachliche Widerlegung, sondern durch den normativethischen Einwand zu wende», diese Kritik zersetze den sozialen Organismus und daS dürfe nicht sein. Man kann nicht einmal sagen, dass solche reaktionären Theorien auö einer bewussten Motivierung geboren tverde». Marr von der ökonomischen Seite und Freud von der psychoanalytischen Seite her, ha- etwas es Tur- UNd Auf- i. dass estlichen Kit Ultd__ nm vor I gen zu Wort, die glaubten, auf die Metaphysik als können. vcrläss- Hitler-Provokateure. In der Hybcrnskä es Montag nachmittags zu einer frechen Provokation rcichsdcntschcr Fascisten. Vor dem Saxc- Automatcn fuhren, tvährcnd der Hauptverkehrszeit, sechs reichsdeutsche Autos vor, die mit den Insignien der braunen Barbarei, mit H a k e n k r e u z f a h n c n, geschmückt Ivaren. Tic Prager, an solche Anblicke nicht gewöhnt, gerieten über diese braune Demonstration in heftigste Empörung. Einige schnell hcrbcigecilte Wachleute mussten die Provokateure vor der drohenden handgreiflichen„Liebe" des Prager Volke- in Schutz nehmen. AIS die Herren auf die polizeiliche Anforderung, die Mördcrzeichen ab« zunchmcn, noch„verhandeln" wollten, schritt die Polizei zur B e s ch l a g n a h m e der Hitlerfah- ncn. Zum Glück der Automobilisten, die sonst tüchtig vcrpriigclt worden wären. Die Nazis, hauptsächlich Studenten, hatten ihre Autos in einer hiesigen Garage waschen lassen und dann mit ihren Fahnen verunziert. Die flegelhaften braunen Herrchen sollten sich gesagt sein lassen, dass diese Zeichen im Lande der freien Republik verhasst sind. Sie haben eS nicht geglaubt. Der gestrige Vorfall sollte ihnen und ihresgleichen eine deutliche Warnung sein. Die Ausstellung„Albrecht von Waldstein und die Periode der Schlacht auf dem Weihen Berge", wird mn 17. Mai um 11 Ilhr im grossen Saale des Wald st ein palaiS auf der Kleinseite eröffnet. Die Eröffnungsansprache wird der Vorsitzende des AuSstellungSausschusses llniv.-Prof. Dr. Rudolf llr- banck halten, hieraus tverden der Vorsitzende deS Abgeordnetenhauses Dr. StanLk und der Minister für Schulwesen und VolkSaufklärnng Prof. Dr. I. Krkmai sprechen. es u. a. Erfolg der tschechoflowafischen Musik in Aegypten. Bei einer starken internationalen Konkurrenz wurde für die Stelle des Direktors der europäischen Musikabtcilnng deS ägyptischen Rundfunks der Tschechoslowake Professor Joses Hütte! gewühlt. Prof. Hüttcl stammt ans Jiöin. Er leitet in Alexan- drien ein von ihm gegründetes symphonisches Orchester. Deutsche Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag: Heute abend 18 llhr in den Unter« richtsränmen der Schule Gret Eppinger. Prag I, RevolnLnk 10/VI, pädagogischer PorführungSabend der Abteilung für Körperschulung. 1. und 2. Jahrgang der Kinderabteilung. Regiebeitrag 6 XL. Spielplan deS Neue» Deutschen Theaters. Mittivoch, den 10. Mai, halb 7 llhr:„D i e W a l k tt r e", Gastspiel Kannnersänger Scharr, RingzyklnS II, B 2.— Donnerstag, 8 llhr:„Ho ruck", C 2.— Freitag, halb 7 Uhr:„Siegfried, Gastspiel.Kannnersänger Pistor, Ringzyklus lII, D 1.— Samstag, halb 8 Uhr:„D i e B l u m e von H a w a i", Bl.— Sonntag, 0 Uhr:„G ö t- terdämmerung", Wagner-Zyklus IV, Gastspiel Kammersänger Gotthelf Pistor, CI.— Spielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr: „Strassenmusik".— Donnerstag, 8 Uhr: „M i g o von M o n t p a r n a s s e".— Freitag, 8 Uhr:„Der eingebildete Krank e", Kullurvcrbandssrennde und freier Verlauf.— Samstag, 8 Uhr:„Migo von Montparnasse". Sonntag, 8 Uhr:„D i e I n s e l". 8 Uhr:„S t r a- ss e it m n s i k". Lob für den Atusverein Prag Im Aussigcr„Volksrecht" finden wir über die Teilnahme des Prager Ains an der Maiwanderung nach Lobositz eine» Bericht, in dem heisst: „Am Samstag abend» trafen schon grosse» Autocars die Prager ein, fast herrlicher Begriihungsabcnd im Garten der„Traube" war eine Selbstverständlichkeit. festgestellt tvcrden, dass der Prager den diszipliniertesten Vereinen gehörte, heissen will, da allgemein das Bestrebe» muss klappen. Unsere Prager Turner uerinneü kamen zu 66 Prozent in Uni haben sich fast restlos an allen Uebungen Marschen beteiligt. Erfreulich tvar es zu I sie jetzt schon alle Vorbercitnugen zu Empfang der Olympiadcfahrer getre lieber selbst in die Massenquartiere allem die Frauen privat untcrbrin, Prag hat in Lobositz beiviesen, dass sicher Verein des ersten Bezirkes ist/ Unser Prager Atusverein erfiillt auch sonst seine Pflichten ans» beste und bat insbesondere zur Arbeiicrolnmviade grosse Aufgaben zu erfüllen. Der Film Madame Bovary Dass jemand den Mut hat, inmitten der Film- Flut von Mache und Mittelmässigkeit ein Werk für die Leintvand zu schaffen, daS keiner anderen Absicht entspringt als dem künstlerischen Willen— das muss dankbar und ehrend vermerkt werden.-. Der Franzose Jean Renoir(ein Nachkomme deS'grossen MalerS) hat diesen Mut gehabt, als er an die Verfilmung der„MÄ>mne Bovary" ging— und bedeutsamer als die Frage, ob er das Thema glücklich getvählt und gestaltet hat, ist die Feststellung, dass er ein Kunstwerk der Weltliteratur zu einem Fllm gemacht hat, der mich ein Kunstwerk ist. ES überrascht bei einem Träger deS Namens Renoir nicht, dass ihm das Bildhafte am besten gelungen ist. ES ist schwer zu beschreiben, mit welcher eindringlichen und niemals aufdringlichen Sicherheit der Landschaften, Strassenszenen, Bewegungen und Natnrssimmnngen verfilmt hat— und wie er die einfachen Umrisse einer romanischen Dorfkirche und die prunkvolle Grösse der Kathedrale von Rouen im Vorubergehen sichtbar macht. In diesem Film ist Luft und Landschaft— als kunstvoller Gegensatz zu der hiswrisch entfernten und literarisch geformten Handlung. Der Respekt vor dem Dichter Flaubert mag den Filmschöpfer Renoir gehindert haben, seine Nacherzählung des Lebens und Sterbens der Madame Bovary freier zu gestalten, als er es getan hat. In dieser Achtung vor dem grossen Roman wurzelt die Schtväche des Films. Denn was Flauberts Madame Bovary zum Meisterwerk machte: die sprachliche Spiegelung des Seelenlebens,— das lässt sich nicht in den Film übernehmen. Und was die Gestalt der mit Religion und Romantik genährten, vom kleinbürgerlichen Alltag enttänschten und vom weltmännischen Glanz verfiihrte» Emina Bovary zuni epischen Sinnbild ihrer Zeit machte, das lässt sie heute zu einer'historischen Figur tverden, die nicht mehr unmittelbar anf unS wirkt, weil sich die Er- scheinungSformen weiblicher Unfreiheit, bürgerlicher Enge und verführerischer Lüge erheblich modernisiert haben. Renoir hat ettvaS sehr seltsames versucht: er wollte kürzen, ohne wegzulaffen. Er wollte nach Möglichkeit alle Geschehnisse und Gestalten deS Romans in knappen Szenen erwähnen— und so geschah eS ihm, dass er sich in einer Ueberfülle von Szenen verlor, die keinen Raum mehr liessen, um drammische Steigerungen und Wendungen herauS- zuarbeiten. Aber jede dieser kleinen Szenen ist Aar bewegt nnd sinnvoll abgeschlossen— und wenn am Ende dann der Selbstmord der Bovary zur grossei» dramatischen Bilderfolge wird, dann gibt eS einen bezwingenden und erschütternden AuSAang. In diesem Filni, der ein Kunsttverk ist(nnd zu dem der berühmte Darius M i l h a u d eine Musik geschrieben hat, die nicht auffallen, sondern untermalen will), gibt eS keinen zur Schau gestellten Star,' sondern eine Gemeinschaft charakterisierender Darsteller. Valentine Tessier gibt der Hauptgestalt anmutiges, müdes und verzweifelndes Leben, Pierre Renoir ist ein gutmütig ahnungsloser Monsieur Bovary, Max D e a r l y ein zynischer Apotheker und F l o r e n c i S ein von Sattheit strahlender Pfaffe.—eis— Unter der südliche» Sonne Die Mittelmeerreise, die unS dieser Film zeigt, pflegen reiche Leute in der Wirklichkeit zu geniessen. ES ist die berühmte Route, die bis zu den traumhaften Kanarischen Inseln und bis zum legendenumwobenen und heute wieder so modern gewordenen Palästina führt. Dazwischen die Häfen Nord« afrikaS und der europäischen Südküste. Die reichen Leute pflegen sich bei dieser Reise vorwiegend für den Luxus ihres Schiffs und den Komfort der internationalen Hotels zu interessieren, und tvaö ihnen an Auftmhmefähigkeit bleibt, wenden sie nicht den Lebensprobleme» der besuchten Länder, sondern allenfalls den von Reiseführern vorgeschriebenen Sehenswürdigkeiten zu. An diese Sehenswürdigkeiten, die teils baulicher, teils natürlicher und teils „malerischer" Art sind, haben sich auch die Hersteller dieses Films gehalten. Es sind ihnen dabei sehr schöne Ausnahmen delungen. Aufnahmen, die Sehnsucht erwecken— nach einer Ferne, die heute so schnell und bequem zu bereisen und doch für die nieisten unerreichbar ist.—eiS— Sport• Spiel• Körperpflege DaS internationale Arbeitersporttreffen zu Pfingsten in Saarbrücken scheint eine vielversprechende Veranstaltung zu werden. Grosse Delegationen sind aus Belgien, der.Schweiz und Frankreich gemeldet. Im öffentlichen Leben wird durch das Trage» des Festabzeichens auf die Veranstaltung hingewiesen. DaS hatte aber zur Folge, dass ein Teil ihrer Träger durch übereifrige Polizeibeamte systicrt und die Abzeichen beschlagnahmt tvurdcn.(Im Saargebiet ist daS Tragen politischer Abzeichen für alle Organisationen verboten und so sehen Polizeibeamte in dein Sportabzeichen eine politische Demonstration.) Die Saarbrückener Stadtverwaltung hat jede Ileber- lassung eines geeigneten stadteigenen Sportplatzes für das internationale Sporttreffen ab- gelehnt rind dadurch ihrem Terror gegen die nichtgleichgeschalteten Arbeitersportler weiter AnS- druck verliehen. Die Genossen richteten daraufhin in täglicher Arbeit einen Platz unter erschwerten llmstündcn selbst' her. DaS Programm sieht für Samstag einen BcgrüssupgSabend vor, der, ebenfalls durch die Schikanen der Stadtverwaltung, in einem unzulänglichen Saale abgehalten nnd deshalb das Progrannn sehr eingeschränkt werde» muss. Der Sonntag bringt vormittags Wettkämpfe nnd am Nachmittag nach der Sportdemonstration die Ansprache deS Genossen Braun, den» bestgehassten Genossen von feiten der Nazis. Anschliessend finden ' dann noch Wettkämpfe und die internationalen Hand- und Fuhballwettspiele statt. Der Montag bereinigt die Teilnehmer zu einer Wanderung in die nähere Umgebung, Norwegischer Nrveiterwaffersport. Die Kreismeisterschaften in» S ch w i m m e n fanden kürzlich im Torvgatenbad in Oslo statt. Die Leistungen waren im Durchschnitt ziemlich hochstehend. Besondere Leistungen zeigte die jugendliche Schwimmerin Elisabeth Pedersen im Brustschwimmen. Die wich- figsten Resultate ans der A-Klasse sind: Männer: 100 Meter Kraul: 1. Reidar Gulbrandsen (AJL. Barg) 1:08.8; 2. Arne Trondscn(Bika) 1:06 Min.— 200 Meter Kraul: 1. Reidar Gulbrandsen 2:87.7; 2. Hans Sohlhang(AJL. Barg) 2:44.4 Min.— 200 Meter Rücken: 1, Hartmann Johnsen(Bika) 8:16.8 Min.— 400 Meter Brust: 1. Olaf Thoresen(AKK.) 6:41.2; 2. Henrik Andersen(Bika) 6:42.5 Min.— 4X160 Meter Lagenstafette: 1. AJL. Barg I 4:88.8 Min.— Im Springen siegte Henrik Bjerke(AJL. Barg).— 100 Meter Brust: 1. Erling Lundberg(Vika) 1:23.5; 2. Hartmann Johnsen 1:25.5 Min.— Frauen: 100 Meter Brust: 1. Elisabeth Pedersen(AKK.) 1:86 Min.— 200 Meter Brust: 1. E. Pedersen 8:24 Min.— 50 Meter Rücken: 1. Anna Holm (AJL. Barg) 46.8 Sek.— 50 Meter Kraul: 1. Ranghild Kristiansen(AKK.) 84.5 Sek.— 4X50 Meter Stafette: 1. Ma 2:48.8 Min. ' Bon der belgischen Arbeiterfussballmeisterschast. Die Finalspiele brachten folgende Ergebnisse: Groeii- wil gegen Endracht Gand 0:2, MouS gegen Avenir Brüssel 8:2, Groenwil gegen Mouscron 5:0 nnd MouS gegen Ath 8:1. In der einen Gruppe führen Groenwil und Antwerpen und man kann, noch nicht feststellen, welche Mannschaft den Sieg erringen wird. Sicher ist jedoch, dass eS einen ausgezeichneten Endkampf geben wird. In der anderen Gruppe stehen sich MouS und Avenir gegenüber. Rozi-Neberfall auf ein Arbeitersportheim in Saarbrücken. Die Nazi im Saargebiet werden täglich frecher. So haben sie vor kurzem einen lleber- sall anf daS Heim eines Saarbrückener Sportverein» verübt und die EinrichtungSgegenstäude zertrümmert. Ei» zweiter lleberfall konnte durch Vortäuschung einer grossen Besetzung de» SportheimcS von feiten der Genossen ohne Schwierigkeiten ab gewehrt werden. Lus der Partei Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker. Genosse Ad. Schmidt: Die Agrarfrage in der Tschechoflowakischen Republik. Donnerstag. 17. Ma,. 20 llhr, Graben 17, Hintergebäude.— Vorher um 19 llhr AuSschnsssitzung. Vereinsnadirlditcn Die heutige Sitzung des Technischen Ausschusses findet nicht Im Handwerkersaal, sondern auf dem DTJ.-Sportplatz auf der Hetzinsel um 19.80 Uhr statt.— Unsere Pfingstwanderung: Am Sonntag treffen wir unS um PRAG 7 uhr an der Endstation der 21er in Hodkovicky. Ziel: StLchowitzer Stromschnellen und Sazawatal. Spesen: zirka 12 XL. Decken mitnehmen I Rückkehr: Montag abends. Filme In Prager Llrtitsnielhäuscrn bis einschliesslich Donnerstag, den 17. Mai. Urania:„Die Gräfin von Monte Christo"— Adria:„Das Fräulein am Volant"— Alfa:„Nur wer die Sehnsucht kennt..."— Avion:„Die Welteroberer"— Feuix:„Kinder der G r o ss st a d t" — Flora:„Bubi"— Hollywood:„Die Welteroberer"— Hvezda:„Unter der Sonne des Südens" — Julis:„Liebesbriefe"— Kinrma: Journale, Lustspiel, Reportage(148 bis 10 Uhr)— Koruna: „Männer im Ofsside"— Kotva:„Die Königin amüsiert sich"— Lncerna:„Die Königin amüsiert sich" — Metro:„Hallo Paris! Hier spricht Berlin!"— Olympie:„Jeder darf lieben"— Praha:„Der letzte Akkord"— Radio:„Tanze Sally"— Alma:„Casanova"— Baikal:„Der ewige Jude"— Belvedere: „Der ewige Jude"— Beseda:„Bubi"— Carlton: „Der Ruf des Herzens"— Favorit:„Der Ruf des Herzens"— Konvikt:„Tante Sally"— Lido: „Frühlingsstinnnen"— Louvre:„Kapitän Sorrcll nnd sein Sohn"— Maceska:„Frühlingsstinnnen" — Roxy:„Tante Sally"— Sport:„Unter Ausschluss der Oeffentlichkeit"— Baldek:„Reise um die Welt in achtzig Minuten". Literatur „Zeitschrift für Sozialismus", Heft 8,(wisscn- schaftlich-ihcoretische Monatsschrift der deutschen Sozialdemokratie), ist soeben erschienen. Es enthält sol- gende Aussätze: Wenzel Jaksch, Frührot über Deutschland; Alexander Schifrin, Oestcrreichischer Ausstand und deutscher Sozialismus; Leopold Franz, Rechis- staat, Gcwaltentcilung und Sozialismus; Otokar Puls. Klassenbewusstsein und Avantgarde. Dazu Glossen und Buchbesprechungen. Zu bczichen durch die BcrlagSanstalt„Graphia", Karlsbad, Kantstrassc. Reichenberger Naturfreundehaus KSntsSYSYe EeelMc SCO Meter. Poll Iobainiosbera bei Gablonz a.?!. Bon der iluiobusbailellelle llriedriibswald-(Ärelllliac) 00 Mlmilcii.— OellealNchc Telclonlvrcchsielle(Nebenamt von Sleiibenbera).— 00 Pellen. 100 Malravciilaqcr. D. I. H.. Mannen- und Pranlcbiider, Padclolm. Zentral- belzinin, Dunkelkammer, Snnilillsllnllon, clellr. Licht. Gute, vretswerte Bervlleauna.— Bllliac Nebernachluna. Idealer Wlnlerlporlvlab.— Herrliche Coinmerfrilchc. 1*300 Bezugsbedingungen: Bet ZusteNung ins Hans oder bet Bezua durch die Post monatlich XL 16.—. viertel,ahrig XL 48.—. halbjährig XL 96.—. ganzjährig XL 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bei öftere,, Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Maiii'skrivtcn erfolgt nur bei.Einsendung der Netourmarke».— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit Lrlass Nr. 18.800/VN/ll>80 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS". Druck-, Verlags- nnd ZeitungS-A.-G.. Prag.