14. Jahrgang Freitag, 18. Mai 1934 Nr. 115 UNTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME MS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«. telefon sm. Administration telefon ovi. HER AUSGEBER i SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR i WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR i DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 70 HMBr (•InichlltMteh 5 Haller Forto) Vertagung«er Abstimmung weiten des Nazi-Terrors an der Saar? Saar-Regierung hält freie Abstimmung Mir unmöglich Genf, 17. Mai.(Tsch. P.-B.) Der Völkerbund hat heute abends in geheimer Sitzung die Verhandlungen über die Saarfrage fortgesetzt. lieber das Ergebnis derselben kann gesagt werden, dass der O V t i m i S m n S über die Möglichkeit einer Einigung zwischen Deutschland und Frankreich in dieser Angelegenheit nur bis zu dem Zeitpunkte andanerte, als die Mitglieder der Saarregiernng dem Völker bundsrat eine Darstellungdertatsächlichen Verhältnisse im Saargebiet gaben. Die Lage im Saargebiet sei v i e l e r n st e r, als bisher angenommen wurde, nnd entsprechen insbesondere überhaupt nicht den Voraussetzungen, die für eine freie Abstim- mnng der Saarbevölkernng bei dem Plebiszit im Jahre 1935 vorhanden sein müssen. lleuWe Sozialdemokratie• und Prandentenmahl Der Beschluß der Koalitionsparteien, der dem Ministerpräsidenten, wie wir bereits gestern gemeldet haben, übermittelt wurde, und der dahin lautet, daß alle in der Regierung vertretenen Parteien, bei der Wahl des Präsidenten der Republik ihre Stimme für T. G. Mafaryk abgeben werden, ist eine Tatsache von besonderer Bedeutung, welche von allen Anhängern deS demokratischen Gedankens erfaßt werden sollte. Die Gegner der Demokratie behaupten, daß dir Demokratie zur Zersplitterung und zum ChaoS führt nnd daß die Parteien, die rS in der Demokratie notwendigerweise geben muh» sich über dir wichtigsten politischen Fragen nicht einigen können. Wie unwahr dieses Argument ist, lehrt nicht nur die Stetigkeit der gegenwärtigen RegierungS- koalition, sondern dafür ist ei» besonderer Beweis der einmütige Eintritt aller KoalitionSparteirn für Masarhk, wozu noch tritt» daß auch einige Oppositionsparteien einmütig den bisherigen Präsidenten wirderwählen werden. Berücksichtigt man insbesondere die Stimmen, die in de» letzten Tagen in der tschechoslowakischen Agrarpartei laut geworden sind und die sich für die unbedingte Aufrechterhaltung der demokratischen Staatüvrrfasiung auSsprechrn» so ersieht man, daß der Beschluß der Koalitiontzparteien, für Masa- rnk zu stimmen, rin Bekenntnis zur Demokratie ist, daß der Beschluß den Willen auSdrückt, die Denlvkrati« in der Tschechoslowakei auch weiterhin aufrecht zn erhalten. Wer Masarhk ist und welche politische Auffassung er in bezug auf Demokratie hat, weiß man und gerade die Tatsache, daß ein so entschiedener Verfechter deS demokratischen StaatSgedankrnS, der die Demokratie als politische Form der Menschlichkeit, alS die politische Berfassung der Humanität bezeichnet hat, verleiht dem Beschluß der KoalitionSparteirn dir richtige Bedeutung. Für die deutschen sozialdemokratische» Abgeordneten und Senatoren konnte eS bei dieser Beschlußfassung gar keine Diskussion geben, einmütig sind die deutschen sozialdemokratischen Mit. glirder der Nationalversammlung ohne Ausnahme und mit der ganzen Kraft ihrer Nebrrzeugung bereit, ihre Stimmen für Masarhk abzugeben. Auch drei deutsche Oppositionsparteien für Masaryk Ebenso die tschechischen Gewerbetreibenden Prag, 17. Mai. Amtlich wird gemeldet, daß auch noch die tschechoslowalischeGe- werbcpartei dem Vorsitzenden der Negierung namens ihrer Abgeordneten- und Scnatorcn- tlnbs mitgeteilt hat, daß sie am 24. Mai einmütig den bisherigen Präsidenten T. G. M a s a- r y k neuerlich zum Präsidenten der Republik wählen werden. Wie die»Prager Presse" mitteilt, wurden analoge Beschlüsse bereits vor einiger Zeit auch von den parlamentarischen Klubs der deutschen Christlichsozialen und der D e u t- s ch c n A r b e i t S- und Wirtschaftsgemeinschaft gefaht; heute hat sich nun auch die deutsche Gewerbepartei der Front der Masaryk-Wähler angeschlossen. Vie siegreiche Arbeiterpartei Land o n, 17. Mai.(Reuter.) Bei der Ergänzungswahl in 5p emSworth in Aorkshire wurde ohne Opposition der Arbeiter- kandidatGrisfithgewählt. Die Wahl wurde durch den Tod deS Arbeiterabgeordneten, der diesen Bezirk vertrat, notwendig. Streichers Ritualmord-Nummer wegen Angriffs auf das christliche Abendmahl konfisziert Berlin, 17. Mai. Auf Befehl des Reichskanzlers wurde die Sondernummer des„Stürmer"-Nürnberg, Mai 1984, betitelt„Ritualmord" wegen eines Angriffes gegen das christliche Abendmahl beschlagnahmt. Goebbels letzte Hetzrede als Beweismaterial aul Orammophonplatten Genf, 17. Mai. DaS Bölkerbundsekretariat veröffentlichte heute abends den Brief des Vorsitzenden der Regierungskommission deS Saarge- bietes Knox, in welchem die RegicrungSkom- miffion mit Nachdruck auf die Kundgebung des Rcichspropagandaministers Dr. Goebbels vom 6. Mai in Zweibrücken(Pfalz) aufmerksam macht, die auch durch den Rundfunk verbreitet wurde. Die Regierungskommission hat die ganze Kundgebung des ReichSpropagandaministerS a u f Grammophonplattenaufnehmen lassen und dem Rate mitgeteilt, dass sie zahlreiche ungerechtfertigte Anschuldigungen und schtvcrwiegende Angriffe nicht nur gegen einen Man schreibt der„Deutschen Freiheit" aus Stettin: Von dem aufgelösten PrivatkonzcniraiionS- lager des abgcsetzten Stettiner Polizeipräsidenten — er hat sich ja inzwischen erhängt— werden neue grauenhafte Vorgänge bekannt. In der Nähe dieses Lagers befindet sich ein Gewässer. Eine ganze Woche lang hat die Wasser- nnd Kriminalpolizei in Booten mit Netzen nnd Greisstangcn daö Wasser abgcsncht. ES sind fünf an Händen und Füße» gefesselte Leichen, die um den Halo einen schweren Stein hatten, gesunde» worden. Die Nachricht, daß 190 Insassen deS W ö l- lerodorfcr Konzentrationslagers in den H n n g r r st r r i k getreten sind, bestätigt die Schilderungen, welche wir zuletzt über die furchtbare Lage der politischen Gefangenen im christianisierten Oesterreich gebracht haben. Ein uns zu- grkommener Privatbrief auS Wien meldet» daß dir Polizeihäftlinge in der Ha h n g a f f e und auf der Elisabeth pro m enade in großer Zahl int Hungerstreik verharre». Sie ver- Tcil der Saarbevölkernng, sondern auch gegen die Regierungskommission enthalte. Die Kommission zitiert mehrere Passagen aus der Kundgebung des Ministers, hauptsächlich die, welche sich auf diejensgcn d e u t s ch e n E Migranten beziehen, die sich im Saargebiete niedergelassen haben. Der Vorsitzende Knox stellt dem Völkerbnndrat ausserdem den Briefwechsel zur Verfügung, der zwischen ihm und Reichsaussenminister Freiherr» von Neurath bezüglich des Problcnis der deutschen Emigranten im Saargebiet stattgefunden hat. Sowohl die Beschwerde des Vorsitzenden Knox gegen die Angriffe des Ministers Goebbels als auch die Korrespondenz zwischen der Saar- und der RcichSrcgierung zeigen, dass sich die deutsche Regierung in unberechtigter Weise in die inneren Verhältnisse deS Saargebietes einmische und so die diesbezüglichen Klauseln des Versailler Vertrages verletzte. Die Erregung in Stettin ist gross. Ach habe mit zwei Scelcnten gesprochen, die das Abstichen beobachteten. Den mit der grauenhaften Arbeit beschäftigten Beamten, die wahrlich schon viel erlebt haben, sind die Tränen über das Gesicht gelaufen. Den Zeitungen ist jede Veröffentlichung über die Lcichcnfundc verboten. Wir fragen den preussischen Ministerpräsidenten, der für die Schandtaten seines Stettiner Polizeipräsidenten die Verantwortung trägt, lver die Toten sind. Warum wird nicht volle Anfllä- rnng über die Greuel von Stettin gegeben? Was gibt es zu vertuschen? langen endlich vor ein ordentliches Gericht gestellt zu werden, teilweise sind sie aber auch durch die miserable Verpflegung nnd iminögliche Behandlung zu diesem Verzweiflungsakt getrieben worden. Ein Polizeihäftling zeigte seiner Fra» beim Besuche seinen total verschmutzten Körperzustnnd. Er hat sich die Füße schondreiWochenlang nicht waschen dürfen. Wahrscheinlich soll dieser Zustand der Poli- zrigefangenr» bis zur nächsten österlichen Fnß- waschung beibrhaltrn werde»... Der Bericht schließt:„M i t der Amnestie i st'S nichts! DaS steht nur in der Zeitung zur Irreführung des Auslandes." DaS Ausland wird sich angesichts der Fülle deS Anklagematerials gegen daS österreichische Henkcr- ! Regime nicht länHEr irrrführen lassen. Arbeiter und Bauern in der Krise Sozialdemokratie und Bund der Landwirte Innenminister Dr. Eernh erklärte in seinem vielbemerktcn Vortrag vor den Agrar- akadennkorn: eS sei daS wichtigste Staatsproblem, Arbeit zu geben und die Arbeit entsprechend zu entlohnen. DaS Arbeitslosen pröble m habe ankaebört, nur eine Angelegenheit der Arbeiterparteien z» sein. Die Wirtschaftskrise könne nicht enden, solange hunderttausende Arbeiter, die ohne Schuld um ihre Beschäftignng gekommen sind, keine landwirtschaftlichen Produkte kaufen können nnd solange die Landwirtschaft deshalb keine Jndustrirprodukte abnehmen kann. Zur Verminderung der Arbeitslosigkeit werbe die produktive ArbritSlosensürsor- g e der Selbstverwaltung beitragen, sobald die Sanierung der Selbstverwaltung dnrchgrführt sein werde. Diese Äußerungen verdienen im Lager det Arbeiterschaft mit aufrichtiger Genugtuung quittiert zu werden. Sie stellen im Zusammen- Hang mit den jüngsten demokratischen Pronun- ziamentoö des republikanischen Generalsekretär- Boran einen achtbaren Versuch dar, die tschechische Bauernschaft und ihren Nachwuchs auf die Bahn einer konstruktivcn Demokratie und einer schöpferischen Z u s a m nl e n ar b e i t mit dem Arbeiterlager zu führen. Bei den tschechischen Agrariern sind gewiss auch Gegenkräfte am Werke. Wir haben aus ihren Reihen auch schon andere Töne gehört. Man dars sich daher nicht der verfrühten Hoffnung hingeben, dass der Standpunkt der demokratischen Vernunft bei den Republikanern schon definitiv die Oberhand gewonnen hat. Darüber wird erst die weitere Entwicklung volle Klarheit schassen. Zweifellos sind aber die Kundgebungen BcranS nnd Ecrnhs als ein ziclbcwussier Versuch zu werten, die staatspolitischcn Gesichts Punkte S v e h l a S auf die fchivicrigc Gegen- ivartSsituation zu übertragen. Evchla war ein bürgerlicher Politiker. Er stand mit beiden Füssen auf dein Boden der gegebenen Ordnung. Er hat cö aber in cntfcheidungsvollen Situationen verschmäht, reaktionäre Konjunkturpolitik zu machen, die ihn in die Nachbarschaft von Hasardeuren und Abenteurern gebracht hätte. Er erkannte, dass im ChaoS der Nachkriegszeit die geschlossenen Formationen der Arbeiter und Bauern zwei Grnndpsciler der Stabilität und der demokratischen Arbeit repräsentieren. Die Intelligenz ist wetterwendisch. Das Kleinbürgertum läuft in seiner Vorzweislung gerne den lautesten Schreiern nach. Die Arbeiter und Bauer» haben hingegen durch wirtschaftliche und politische Katastrophen am meisten zn vor- l i e r e n. Das verantwortungslose Verhalten der Nationaldcmokraten in der Währnngssrage hat im tschechischen Bancrnlagcr viel zu der Einsicht beigetragen, dass die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Kriscnzeit nicht durch die von nackter Profitsucht getrübte Brille einiger Bankiers und Grossindustrieller betrachtet werden dürfen, dass man diesem engherzigen An- tcressentcnklüngcl nicht die Führung in Wirtschaftsfragen überlassen darf. Dio republikanische Parteiführung hat ihre Einstellung zu>n Banken- nnd Industriekapital revidiert. Wenn sie sich nun anschickt, auch einen positiven Standpunkt zur Sozialpolitik und zum Arbeitslosenproblem zu beziehen, so ist damit eine neue Situation in der Innenpolitik geschaffen. Daraus ergibt sich die Frage, ob diese Haltung der tschechischen Agrarier im deutschen Lager ohne Rückwirkung bleiben kann. Vorläufig | geht die Entwicklung des Bundes der Landwirte Mussolini läßt mit sich nicht spaßeni Hakenkreuzmalerei In Südtirol— drei Jahre Zwangsverschickung Innsbruck, 17. Mai. Die Nationalsozialisten im ehenialigrn Südtirol imterurhmen in letzter Zeit ähnliche Agitationen wir in Oesterreich. So wurden von ihnen in den Gemeinden Kurtinig bei Salnrn einige Häuser mit Hakenkreuzen bemalt und beklebt. Die italienische» Behörden verhafteten einige verdächtige Personen, worauf sich drei junge Leute als die wirklichen Täter stellten. Alle drei wurden für drei Jahre auf dir Lipparischrn Inseln i n d i e B e r b a n n u n g geschickt. Goerins, wer sind die Toten? Leichenffuntfe in Stettin Hungerstreiks in Oesterreich Die Gelungenen werden zur Verzweiflung getrieben! CcHe 2 Nr. 115 Freitag, 18. Mai 1034 in konträrer Richtung. Drüben ein ossenoS Be-' kenn in iS zur Demokratie. hüben eine unverkenn- j bare L o S I ö s» n g von d c r D e in o k r a- t i e, ein tägliches Fraternisieren init einer tin'l Grunde fascistischen Sländebcwegnng. Man kann eS ruhig der Zukunft überlassen, ab der sogenannte„Landstand" dabei gut fah-| reu wird. Vorläufig glaubt er init einer voll.\ kommen negativen(? i it ft c 11. u n fl' zur Arbeiterbewegung und zur So-! zialpolitik sein Heil zu finden. DaS von Dr.> tl'ernh mit Recht i» den Vordergrund gestellte, ArbeitSlofeuproblein ist aber nicht nur die zentrale Aufgabe der Staatspolitik, sonder» zuni gut Teil eine Schicksals frage der Deutschen dieses Staates. Die Deutschen Randgebiete sind ein großer Llndu- stricfriedhof. Riesengroß die Sorge, was aus den in Massen entwurzelten Menschen werden soll. A» weit stärkerem Maße wie auf tschechischer Seite ist bei den Sudctcndcutschcn das! Rachwuchsproblein ungelöst. Oinmcr noch wer. den Betriebe durch eine verantwortungslose ka- vitalistische Konzentrationspolitik stillgelegt. Hunderte von Arbcitcrsainilien verlieren da-! durch ihre Hciniat, graste Gemeinden werden ruiniert. GcschäftSleirte in den Bankrott getrie- bcn. die Bauern der Umgebung sind in ihren Absayinöglichkeiten schwer getroffen. Keine Hei- matsront rührt sich, kein„Landstand" und kein „Gewerbestand" findet auch nur ein Wort der Kritik dagegen. Die Sorge um die deutschen Kri- scnopfer wird seit Jahr und Tag ausschlies;- lich den deutschen Sozialdemokraten und den freien Gewerkschaften überlassen. ArbeitSzeitver- kürzung, Maßnahmen gegen mutwillige Be- triebSstillcglmgen, Reorganisation der Nndu- slrie, JugcndarbcitSlager, ArbcitSloscnsicdluug,! vroduktivc ArbcitSlosenfürsorgc durch die Selbslverwaltungskörper sind Ausgaben, die nicht mir die deutsche Arbeiterbewegung, sondern! die ganze deutsche Ocfsentlichkeit angehen und insbesondere auch im Interesse d e S i ländlichen Nach>v uchscs liegen. Hat man je von einem inastgcbenden Politiker des Bundes der Landwirte über diese Angelegen, beiten ein positives Wort gehört? GS ist freilich bcaucmer. hie und da einen Seitcnhieb gegen die antifascistischc Politik der deutschen Sozialdemo.! traten zu führen, von„Patcntdcmokraten", von! „Dcnunzianlenüun" zu reden und sich den An-! bänger» Henlein? als die„besseren Deutschen"! in Empschlung zu bringen. So geht der Bund der Landwirte ganz in I den Fiißstapfcn der reinnegativen und unsozialen Politik des deutschen Städtcbürgcrtums. Die Schuhvcreinlerei der Herren Toni Köh. l c r und H o d i n a kann über das Fehlen grober volkspolitischer und wirtschastSrrsormerischcr> Gesichtspunkte nicht Hinwegtäuschen. Es trüge' viel zur Entwirrung im deutschen Lager bei. wenn sicli die Führer der deutschen Agrarbcwc-! gnng an das gute Beispiel der tschechischen Kol- legen hielten. Die deutschen Bauern, vorwiegend Kleinbauern und GcbirgSlandwirte, sind im Durchschnitt nicht ander-S eingestellt als ihre tschechischen StandeSgenossen. Sie wollen positive Ar-> beit zur Linderung ihrer Krisennöte und keine! politischen Abenteuer. Macht aber der Bund der Landtvirte weiter den antünarxistischen Rummel mit. dann wird er seine Anhänger noch mehr verwirren und für die Pläne des Herrn Henlein präparieren. Das Ehaoü im deutschen Lager wird auf die Spitze getrieben und es wird schließlich nicht die Sozialdemokratie verschlin- Altersrente Ter Bezug der Altersrente mit vollendeten« 60. Lebensjahr, bzw. nach früherer Erreichung von 480 BcitragSnwnaten bei Männern und mit vollendetem 55. Lebensjahr bei Frauen, wird au die Bedingung geknüpft, daß der Rentner nicht in einem versichc» rungspslichligcn Dienst» oder Arbeitsverhältnis steht. Cs wird also nicht mehr möglich sein, infolge deö Anfalles der sogenannten unbedingten Altersrente nach Vollendung des 65. Lebensjahres neben einem Arbeitsverdienst auch noch die Pension zu beziehen. Durch ciue llebergangsbestinnnuug wird ein« sechsmonatige F r i st bestimmt, nach deren Ablauf der Rentner entweder auf die Rente verzichtet oder seine Beschäftigung aufgcben mutz. Soziale Rente Dagegen gebührt die Altersrente als„s o- z i a l t Reut«" ahn« Nachweis der Berufsunfähigkeit jenen Berstchertrn, dir wenigstens 120 BeitragSmanate in der Pflichtversicherung aufweisen, wenn sie nach Erreichung deS 55. Lebensjahres durch zwölf Monate ohne Beschäftigung gewesen sind, so daß sie frühestens mit Ballendung des 56. LcbruSjahrcü in bett Genuß dieser sozialen Rente gelangen können. In diesem Falle genügt alsa nicht die übliche fünfjährige Wartezeit, sondern eS wird eine mindestens zehnjährige Dauer der Pflichtversicherung verlangt. Bei Frauen gelten diese Bestimmungen mit Ballrndung deS 53. bzw. 54. Lebensjahres. Zu bemerken ist, daß die Bestintntnng, wonach die Altersrente lnud auch die JnvaliditätSrente) nicht höher sein darf, als der Arbeitsverdienst, für den Versicherten günstiger gesatzt wird. Bisher wurde für die Berechnung dieses MaximumS der Durchschnitt der Dienstbezüge in den letzten 60 Bei- tragSmonateit vor dem Rentenanfall ztigrunde gelegt, während jetzt der Durchschnitt der höchsten Dienstbezüge in 30 von den letzten 90 Beitrags- monalcu vor dem Rententmsall als Maßstab dient. Bei der Witwenrente wird die Erhöhung der Rente gen, sondern die Partei deS Herrn Spina. So-! longo das deutsche Bürgcrtunt und die deutsche Agrarbewegung der Sozialdentokratie das P r i- mat der sozialen Arbeit und deS konstruktiven demokratischen Wollens überlassen, machen sie bett Marxismus unangreifbar und werfen sich selbst jedem hergelalifenen Konjunkturritter zur Bellte hin. um die Hälft« im Falle der Hilflosigkeit bei Bemessung des RentenmaximumS nicht berücksichtigt. E r s a tz i n st i t u t e zahlen die soziale Rente blotzimgesetzlichenAuSntatz, nicht in dem höheren statutenmäßigen. Rach Erreichung des 60. (bei Frauen des 55. l Lebensjahre- ist jedoch die höher«, statutenmäßige Rente zu zahlen; ebenso haben die Hinterbliebenen auf siatutenmätzige Bezüge Anspruch. Wahrung der Ansprüche und Schulzlrlsl Bisher war cS möglich, durch Zahlung einer AnerkennungSgebühr von 25 Kä jährlich die Ansprüche auf VersichernngSleistungen nach AtiSscheiden auS der versicherungSpflichtigen Beschäftigung durch unbegrenzte Zeit aufrechtzuerhalten. Diese Begünstigung wird von nun an nur jenen Personen gewährt, die bereits die AnerkennungSgebühr leisten, in Hinkunft aber wird die Wahrung der Ansprüche nur durch freiwillige Fortsetzung der Versicherung möglich sein. Dafür wird die 2 ch u tz f r i st neu und für die Versicherten güttstig geregelt. Ihre Mindestdauer wird zwar von 80 auf 24 Monate herabgesetzt; während aber diese Mindestdaner bisher zugleich auch die Höchstdauer war, wird die Schutzfrist jetzt mit einem Viertel der Beitragszeit festgesetzt, so daß sie, sobald die Versicherung zehn Jahre gedauert hat, länger ist als bisher. Jh Falle der Arbeitslosigkeit wird die Schutzfrist auf 60 Monate verlängert, sofern sie nicht nach der vorerwähuten Beftimmnng ohnehin länger ist. In diesem Falle mnß aber der Versicherte halbjährig seine Mcldmtg bei einer öffentlichen oder gleichgestellten Arbeitsvermittlung Nachweises oder eine Bestätigtmg deS Gemeindeamtes über seine Arbeitslosigkeit beibringen. Die Irelwlllide Fortsetzung der Versicherung wird erleichtert. Bisher konnte der Versicherte eine höchsten- um drei Klassen niedrigere Beitragsklassc >WMW>WWWMWMW»EWWW>WWWWWWWWWWWWMlWWI^MMl^WWWWUW^WWWWWWWU Die pensionsveiÄckerunzs- novelle Prag, 17. Mai. Heute wurde im Abgeordnetenhaus die schon seit längerer Zeit erwartete Regierungsvorlage ick Druck verteilt, durch welche daS PensionSverstcherungSgesetz in verschiedenen Punkten geändert wird. Die wesentlichen Neuerungen bestehen in der Einftih- rnug der sogeuomiteu sozialen Rente, daS heistt, der Zuerkennung der AsterSrente mit Bollendung de» 50.>, in Vertretung des Vorsitzende» Abg. A. Hampl, am Donnerstag, den 17. Mai 1984, statt. Abg. Tubihkli dankte einleitend dem ehemaligen Minister für soziale Fürsorge Dr. L. C z e ch für die tverktätige Unterstützung, welche dieser tvährend der Zeit seiner Funktion der Versicherungsanstalt zuteil werden ließ. Der Ausschuß genehmigte den nmsaiig- rcichen schriftlichen Tätigkeitsbericht der Anstalt für das verflossene Jahr. Direktor Dr. V. K l u in P a r berichtete über die Jahresversammlung der Zentral- soziaiversichcrungsailstalt für das Jahr 1988 und hob hervor, daß im verflossenen Jahre die Borschrcibungeu der Versicherungsbeiträge für die JnvaliditätS. und Altersversicherung wieder ebn wesentliches Sinsen aufweist. Während sich die Vorschrcibung der Versicherungsbeiträge für die JnvaliditätS- und Altersversicherung nach Abzug aller Abschreibungen im Jahre 1929 auf 643,000.000X0 und im Jahre 1982 auf 501.000.000 K4 belief, ist sie im Jahre 1983 ans 487.000.000 K£ gesunken. Die durchschnittlich« Zahl drr versicherten dar In validitätS- und Altersversicherung ist von 2,300.000 Im Jahre 1929 auf 1,700.000 im Jahre 1933 zurückgegangen. Die größtenteils in den Industriestaaten im Jahre 1933 eingeirctcne allmähliche Besserung der Arbeitsverhältnisse beginnt bei»nS jetzt erst fühlbar zu tvcrdcn. Tie Einnahmen der Zentralsözialversiche- rungsanftalt an Versicherungsbeiträgen tvährend der ersten vier Monate des Jahres 1934 beliefen fick auf 118,000.000 Kd gegen 114,000.000 Kc im gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres, Das angelegte Gesamtvermögen der Zcntralsozialvcrsichcrungüanstalt tveist für das Jahr 1983 einen Zuwachs Von 432,000.000 Xö aus, der VermögenSertrag iit jedoch, insbesondere infolge der Einführung der Kuvonsteucr, nur unwesentlich gestiegen. Die Zabl der Rentner der Zcnlralsozialver- iicherungSanstalt stieg von 78.461 aut 117.203. Dir. Dr. V. Z e n k t1 berichten eingehend über die vorbcrciicndcn Arbeiten für den Bau des Sanatorium? siir tuberkulosekranke Arbeiter in Byöne Hägy in der Hohen Tatra. In der Dcatte wurde der Leitung der ZkiitralsozialversichcrungSanstalt für die beschleunigte Durchführung der vorbereitenden Arbeiten für den Bau dieser für die Slowakei so wichtigen Heilanstalt die Anerkennung auSgcsvrocken. Der Ausschuß der ZcntralfozialveriicherungS- anstali beschloß, die Regierung nochmals um beschleunigte Durchführung der Novellierung des Gesetzes betreffend di« Sozialversicherung der Arbeiter zu ersticken, zumal die Novellierung im Hinblick ans die nnersrenlicke finanzielle Lage der Kran- kcnversicherungsanstaltcn dringend notwendig ist. Dia Kehrseite des Ständestaates Die christlichsoziale„Deutsche Presse" mackt auf eine Rede aufmerksam, die der tschechischklerikale Abgeordnete Stasck in Koliit gehalten hat und in welcher er auch auf die italienischen Ständckorporationcn hiuwicS, mit welchen er die Syndikate bei uns verglich. Dazu erklärte Stascl, die Regierung werde viel zu tun haben, in diesen ZlvangSsyndikaten das Uebergcwicht des tschechischen Elementes zu sickern. An diese Stelle in Sta- sckü Rede knüpst nun die„Deutsche Presse" an und schreibt: Das ist also die Kehrseite des„Ständestaates", wenn er bei uns dnrchgesührt werden sollte. Er würde eine weitere Tschechisierung des deutschen Wirtschaftoantciles im Staate bedeuten. Es ist klar, daß die Deutschen zunächst einmal prüsen müssen, was dec Ständcgedanke für sie bedeutet. Die unklaren Ideen der Hcimatsrontlcr nnd Landständler könnten sich einmal recht iibel für das Deutschtum auswicken. Wie man sieht beginnen auch schon deutschbürgerliche Parteien vom Ständestaat abzurückcn, den man eine zeitlang an jedem dcutschbürgerlichcn Stammtisch als das Ideal des deutschen Volkes gefeiert hat nnd mit dem auch Herr Minister Spina ein Verhältnis angesangen hat, das allerdings nicht sehr intim war und nicht sehr lange gedauert hat. Versicherunssvorlasen zurückgestellt Prag, 17. Mai. Der— berechtigte— Widerstand des sozialpolitischen Ausschusses, eine Vorlage von der Kompliziertheit des Versiche- rungSrcgulalivs binnen 48 Stunden sertigzustcl- len, führte dazu, daß von der heutigen Tagesordnung des Abgeordnetenhauses nicht nur diese Vorlage, sondern auch der Scnaisbeschluß über den Versicherungsvertrag aügcsetzt wurde, der schon seit Monaten Gegenstand von Verhandlungen im Ausschuß bildete. Es tvurde dem Ausschuß jür das BersichcrungSrcgulativ eine Fristerstreckung um 14 Tage gewährt, während für die Verhandlung deS Versicherungsvertrages eine tveiterc Frist von fünf Monaten beschlossen wurde, um zu verhindern, daß in der Zwischenzeit der Scnatübcschluß automatisch Gesetz werde. Für die PensionSversickerungSnovelle und die DausörderungSnovcllc erhalten die Ausschüsse eine Frist bis 30. Mai. DaS Haus erledigte heute nur die Novelle zum Gesetz über die Bergbauschicdsgerichte, wobei sich eine Debatte über die unerfreulichen Verhältnisse im Ostrau-Kariviner Revier entspann. Bei einer Immunität wurde dem Kommunisten B i l e k, der eine Erklärung über die Konfiskation einer kommunistischen Zeitschrift zur Verlesung bringen wollte, vom Vorsitzende» Genossen Taub nach dreinialigcr Ansforderung, zur Sache zu sprechen, das Wort entzogen. Die nächste Sitzung wird erst nach der Prä- sidentemvahl, voraussichtlich erst in den ersten Junitagen, stattfindcn. Vie vaukdrderungsnovelle «tenerbegiinstignngen bei HanSreparaturen — Sicdlnngoaktion für Arbeitslose Prag, 17. Mai. Die Regierung hat heute die angekündigtc Novelle zu den Wohnungsgeschcn vorgelegt, worin vor allem Stcucrcrlcichtcnrun- gen für Reparaturen, bezw. Investitionen an alten Häusern vorgesehen sind. Die Begünstigungen gelten für Städte mit mehr als 25.000 Einwohnern, Iveiters für Gemeinden, deren Vertretung dies— bei nachträglicher Genehmigung durch den LandcSausschuß-— ausdrücklich beschließt, und nur für Häuser, in denen bis Ende März 1985 wenigstens ein Drii- tel der Wohnbcstandteile unter Mieterschutz steht, Dreizimmerwohnungen und mittlere Betricbsstät ten nicht eingerechnet. Die Reparaturen dürfen ersi nach Inkrafttreten des Gesetzes begonnen werden und müssen bis l^nde März 1085 beendet sein. Der Auftvand muß für ein einzelnes Haus mindestens 1000 Kc betragen und von der Gemeinde als angemessen anerkannt sei». Die Häuser dürfen weder ganz noch zum Teil von der Miei- zinSsteucr befreit sein. Die S t e uerbegünstigung besteht darin, daß von der BemessungSgrundlage für die MietzinSstcuer für die Jahre 19985 und 1936 je zehn Prozent deS Aufwandes für die Reparaturen abgerechnet werden; sind in einem Haus mcbr als zwei Drittel aller Wohnbcstandtcilc unter Mieterschutz, so beträgt der Abzug je 25 Prozent, höchstens aber 20 OProzent der Bemessungsgrimd- lagc. Weiters werden einige Aenderungen im Bausürdcrmigvgcsetz vorgcnoinnieii. So wird die Definition der K l c i n sl w o h- n u n g dahin geändert, daß auch bloße W o h n- k ii ch e n, aber auch Wohnungen mit ni ehr als Zimmer und Küche iubcgrisfc» sind, wenn int letzteren Falle mir die Bodcnsläche der Wohnräitmc einschließlich der Küche 10 Otiadrätmeter nicht über, steigt.^ Staatsunierslützung für H ä u s e r m i> W o h n k ü ch c n für ar m e Leute kann mir Gemeinden oder juristischen Personen erteilt wer den, an denen die Gemeinde beteiligt iit und denen sic den Bau oder die Verivaltung solcher Häuser anvertraut. In diesem Falle wird der Slaatszn- schuß mit höchstens drei Prozent(früher 2.5 Prozent) scstgclcgt, wenn auch die Gemeinde zur Verbilligung der Miete jährlich mindestens c i n Prozent der Baukosten beisteuert. Weitere Bestimmungen betreffen die sogenannte V e. r l> a ii u n g s s p e r r e. in größeren Städten für Gebiete, wo noch keine Kommunikationen, Kanalund WasscrleitungSanschlüsse auSgcbant sind(Fa- milicnhäuser mit Scnkgrubensyftem sind lveiter zulässig), die Zulässigkeit von höheren Bauten als vis zu fünf Stockwerken, falls die weiteren Stockwerke entsprechend zurucktreten und Personen- und Lasten» aufzüge vorhanden sind usiv. Neu sind die Bestimmungen über die II n i c r- si ü tz u u g d e r S i e d l n n g s a l t i o n c u für Arbeitslo s e. Demnach kann die StaatSilntcrstützung nach dem letzten Bauförde- rungsgcsrtz den Gemeinden auch für Familen häuser mit einer Kleinwohnung und dem not- wendigen WirtschaftSziibehör gewährt werden, die f ü r Arbeitslose oder„H al b• arbeitslose" bestimmt sind, sowie zur Be schaffung von Grundstücken für LaiidwirlschaflS- ztvcckc in einem Ausmaß, das wenigstens zur teilweise» Erhaltung der Arbeitslosen hinreicht Die Staatsgarantic geht in diesem Falle bis zu 50 Prozent; für lveitcre 40 Prozent sind Anleihen zulässig, die in der Rangordnung v o r den staatlich garantierte,i stehen. Der SlaalS- zuschuß hiefür wird aus insgesamt eine Million KC beschränkt. Seite 4 Arcitag, 18. Mai 1934 Nr. 11,» Zer GM Im Ws üle Wie MtMtn nm ihre halbe Million zu erben Igln», 17. Mai. In OhliSky im Bezirk Tkebik rief am Mittwoch mittags der II jährige M a ii r e r»> e i st e r Paul M i ch ä l e k seine Nachbarn und die Gendarmerie herbei, um seine verschlossene Wohnung gewaltsam zu öffnen. In der Wohnung lag die 2 0jährige Gattin Marie mit einer schrecklichen Schnittwunde am Hals tot auf dem Bette. Da sic in der Hand rin großes Kiichcnmesser hielt, schien es, das; es sich um eine» S e l b st- m o r d handle. Abends wurde jedoch bei der kom- missionellcn Untersuchung von der Gendarmerie am Nock der Toten das mit Blut augcklrbtr Uhrnnhängsrl ihreö Mannes gesunden sowie Abdrücke fremder Finge r, dicdcrToteu das Messer in die Hand gedrückt hatten. Deshalb wurde Mi- chälel sichergcstellt und er gestand nach dem die ganze Nacht ivährenden Verhör, das; er keiner Frau im Schlafe die Kehle durchschnitten TagcsnculgkcHcn Grauen in Mons Neue Explosionen— 20 Bergarbeiter ringeschlossen. Briisse l, 17. Mai. Im Kohlenrevier von MonS hat sich in der Kohlrngnibe von Patnrages eine neue schwere Schlagwetterexplosion ereignet. Ein Bergmann, der der Rettungsmannschaft für * dir bei der Katastrophe vom Dicnötag abend verschüttete» Arbeiter angehörte, erschien mit allen Anzeichen des Entsetzens an der Oberfläche und berichtete, das? an genau derselben Stelle, an der sich die Katastrophe am DienStag nbcudö ereignet batte, eine neue Explosion erfolgt ist, durch die eine Rettungsmannschaft von 20 Arbeitern und Ingenieuren verschüttet wurde. Neber daS Schicksal der Eingrschlossenen ist noch nichts bekannt. Brüssel, 17. Mai. Von den etwa 20 Berg- lcutcu. die bei den RettungSarbcitcn für die Opfer des Grubenunglückes vom Dienstagabend durch eine neue Schlagtvcttcrexplosion verschüttet wur- den, konnten sechs lebend geborgen werden. Die Geretteten waren jedoch so schwach, das; von ihnen Auskünfte über das Schicksal der übrigen Verschütteten nicht zu'erlangen waren. Wettere IS Opfer! Brüssel, 17. Mai. Nach den letzten Nachrichten aus dem Kohlenrevier von MonS sind noch 15 Opfer dcS zweiten Schlagwetterexplosion in der Grube cingcschlossen. Man befürchtet, daß eine . Rettung der Verunglückten nicht mehr möglich sein wird. Die sechs Bergleute, die aus dem verschütteten Schacht geborgen werden konnten, haben schivere Rauchvergiftungen davongetragen und konnten noch nicht vernommen werden. Der Minister für öffentliche Arbeiten Dr. C z e ch hat anlässlich der Katastrophe in der Grube Paturagcs in Belgien an den belgischen Minister für Industrie und Arbeit M. F. van Eanivclacrt ein Beileidstelegramm gerichtet. Glückliche» Ende eines Unglütks Kattowih, 17. Mai. Wie erst jetzt bekannt wird, ereignete sich auf der Hillebrand-Grube in Antonienhütte am Dienstag ein Gebirgsschi a g, durch den eine Strecke von etwa 40 Meter Länge zu Bruch ging. 18 Bergleute ivurdcu von der Außenwelt a b g e s ch n i t t e n. Nach zlveistündiger aufopferungsvoller Arbeit gelang es der Rettungsmannschaft, an die abge- schuitlenen Bergleute heranzukommen und sie alle u n v e r I e tz t zu bergen. Wieder Zugsunglück in Deutschland Sechs Tote, zehn Schwerverletze Karlsruhe, 17. Mai. Donuerötag morgens gegen 0.30 Uhr fuhr im Bahnhof P f o r z- h e i in eine Rangierloko>notive dem rinfahrcuden Person enzug 2302 Miihlak- ker—Pforzheim in die Flanke. Dabei wurde» drei Personenwagen aufgerissrn, ein weiterer stark beschädigt. Durch den Zusammenstoß wurden vier Reisendegetütet und, soweit bisher festge- strllt wurde, zehn Personen sch werver» letzt, Ausierdeni gab eö eine größere A n- znhlLeichtverletzter. Alsbald nach dem Unfall trafen mehrere Arrzte und die SanitätSkolonne Pforzheim zur Hilfeleistung rin. Die Verletzten wurden teils mit Kranlenauto, teils mit de» sonst reichlich zur Ber- fügnug stehenden Kraftwagen inö Krankenhaus gebracht, einige der Leichtverletzten unmittelbar in ihre Wohnung. Der Sachschaden ist nicht unerheblich. Die Untersuchung ist eingeleitet. Pforzheim, 17. Mai. Von. den bei dem Eisenbahnunglück Schivcrverletzic» sind zwei weitere Reisende im Krankenhaus g c- hatte. Vor einigen Tagen hatte er sich daS Mordinstrument sowie einige andere Messer sowie eine Hacke schleifen lassen. Rach der Tat schloss er In raffinierter Weise daS Schlafzimmer ab nnd lieh von drinnen den Schlüssel stecken, so dass die Vermutungen stand, dass es sich tatsächlich um einen Selbstmord handle. Er selbst fuhr mit dem Auto nach Tkcbik. Michälck hatte die Ermordete, die die Tochter eines Oberlehrers i. P. in Znaim war, heuer mit Hilfe eines Inserates geheiratet nnd mit Ihr einen Vertrag geschlossen, demzufolge im Todesfälle einer den anderen beerben sollte. Seine Fran war nämlich im Besitze von fast einer halben Million XL. Nach der Obduktion der Leiche, die Donnerstag nachmittags stattfand, lvurde Michälck, der ein volles Geständnis abgelegt hatte, verhaftet nnd dem Kreisgericht in Jglan eingcliefcrt, wo er sich vor dem Schwurgericht für seine Tat zu vcrant- Ivorten haben wird. st o r b c n. Das Unglück hat somit sechs Todesopfer gefordert. Werden, 17. Mai. Wie wir noch zu dem Eisenbahnunglück bei Langivedel erfahren, sind von den Verlebten, die sich im Wcrdcner Krankenhaus befinden, sieben äusser Lebensgefahr. Der Kaufmann Poludszinsli, der mit einem schweren Schädelbruch ins Krankenhaus eingcliefcrt wurde, hat eine verhältnismässig gute Nacht gehabt. Die Aerzte sind voller Hoffnung, ihn am Leben zu erhalten. Die Leichen des Lokomotivführers und des Heizers konnten in der letzten Nacht geborgen lvcrden. Die AufräninungSarbcitcn find bereits so lveit fortgeschritten, dass die Strecke wieder befahren werden kann. Untersuchung gegen Mtttel- schüler weg«« antistaatlicher Tätigkeit Selbstmord eines MitlelschuldirrktorS An zwei Prager tschechischen Mittelschulen lvird seit einigen Tagen eine polizeiliche Unter- suchung geführt, die dadurch hervorgerufen wurde, das; man bei einigen Schülern hektographierte Flugzcttel mit antistaatlicher Tendenz fand. Ter Direktor der Mittelschnle in der Gerstengasse, wo die Flugzcttel zuerst auftauchten, überliess die Untersuchung der Polizei, welche eine Anzahl von Schülern verhörte und fcststcllte, dass die Agitation von einem Schüler der sechsten Klasse, dem 21 jährigen Sohn eines Lanner Pensionisten geleitet wurde. Der Schüler, der übrigens sckon dreimal Klassen wiederholen musste, wurde verhaftet. Gegen andere wird die Untersuchung auf freiem Fuss geführt. WeiterS lvurde erhoben, dass auch Schiller der Anstalt in der Kkeincncovä in Verbindung mit dem Verhafteten standen. Tragisch wirkt eS, dass der Direktor der Anstalt in der Kkemencovci, Dr. R ü n» auf die Nachricht von der geheimen Tätigkeit einiger seiner Schüler einen Nervenzusammenbruch erlitt und in diesen» Zustand Selbstmord verübte, indem er ans seiner im dritten Stock der Schule gelegenen Wohnung ans die Strasse sprang. Haftbefehl gegen Fürst Windischgrätz wegen Betrug Budapest, 17. Mai.(DNB.) Gegen den aus der ungarischen Frankcnsälschcraffäre bekannten Fürsten Lndlvig Windischgrätz ist von der Budapester Stadthauptmannschast ein Haftbefehl erlassen tvordcn, da gegen ihn der begründete Verdacht bestehe, im Sommer 1030 zum Schaden des Wiener GcldvcrlciherS Josef Kohn Betrug begangen zu haben. Windischgrätz weilt u n b e l a n n t e n Au f e n t h a l t c s iin AuSlandc. Tschechische Studentendemonstrationen Linke Studenten gegen Fascisten.' Der in den Händen der rechtsstehenden Studenten befindliche tschechische Studcntcnverband veranstaltete gestern im tschechischen histologischen Institut eine Kundgebung zur Frage des Karo» linums. Referenten lvaren die Professoren Ham- sik, Birnbaum und Vojtisek. Zu Beginn der Versammlung verlangten sozialistische Hochschüler daS Wort, welches ihnen jedoch nicht erteilt wurde. Daraufhin verliessen die Sozialisten unter demonstrativen Rufen den Saal. Vor dem Gebäude kam es zu einem Wortgeplänkel mit Fascisten, welches zn einer Prügelei auSartcte, als ein kommunistischer Redner zu sprechen versuchte. Die Polizei griff ein nnd drängte die Studenten ab. Nachdem im Saal noch der Rektor der tschechischen Universität Domin gesprochen hatte, zogen die Nationalisten, ungefähr 700 an der Zahl, erst zum Ge- tverkschaftShauS auf dem Bergstein, wo sic eine Weile brüllten, und hierauf zur deutschen Technik und zum Karolinum. Schliesslich versammelten sie sich im Hofe dcö Gebäudes vor den Fenstern dcS deutschen Rektorats. Nach der Ansprache eines Studenten zerstreuten sic sich angesichts der anrückenden Polizei. Fabriksbrand in Altona Altona, 17. Mai. Mittwoch, kurz nach 21 Uhr 30 ist in der Parfümerie- nnd Seifenfabrik von Dralle in Altona ein Grohfeuer ausgebrochen, das Donnerstag gegen 1 Uhr gelöscht war. Die beiden oberen Stockwerke des FabrikationSgebäu- deS sind völlig ausgebrannt. Es handelt sich um das Flaschcnlager, wo Kisten, Verpackungsmaterial und mit Stroh umhüllte Flaschen in Brand geraten waren. Die Laboratorien und Abteilungen mit sprlthaltigcn Ricchwassern nnd ähnlichen Fabrikaten blieben vom Fener verschont. Die Cntstchungsursache konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Anwetter in Statte« Mailand, 17. Mai. Am Mittwoch richteten Sturm und Wolkenbruch in der Gegend von Novara im nördlichen Italien grosse Schäden an. Die Reis- und Getreidefelder sind weithin in einen See verwandelt. Biele tiefliegende Ortschaften sind vom Wasser völlig eingcschlossen. Häuser und Ställe stehen bis zur Hälfte im Wasser. Auf der Strecke Novara—Varallo wurde auf 600 Meter der Bahndamm völlig zerstört. Alle Gebirgszüge führcii Hochwasser und haben au den umliegenden Strassen und Feldern grosse Verheerungen angcrichtct. Zahlreiche Brücken sind fortgcschwcmmt. Miliz, Polizei und Pioniere sind aufgeboten, um der Bevölkerung die erste Hilfe zu leisten. In Treviso lvurde ein Kind, in der Nähe von Bergamo ein junger Viehhütcr vom Blitz erschlagen. Der Sachschaden wird aus rund vier bis fünf Millionen geschäht. Eisberge Boston, 17. Mai. Das Küstcntvachschiff „M endoza" berichtet, dass cS in der Nähe des Grand Banl-Hafenö(Neufundland) in der Nähe der SchiffahrtSIvegc nicht weniger als 74 g r o h c Eisberge gesichtet habe. Ferner wurden unter der Meeresoberfläche Eisberge nnd grosse Stücke von Treibeis beobachtet. Den Schiffen ist angcratcn worden, mit verminderter Geschwindigkeit zu fahren nnd doppelte AnSgnckvosten einzurichten, bis sic die Gefahrenzone hinter sich haben. Die„Rasscn"-Frage. Ferdinand Bruck, ncr hat ein Schauspiel geschrieben, daS er„D i e Rassen" genannt hat und in dem er sich mit dem Nationalsozialismus und den unmcnfch- lichen Auswirkungen seiner Theorien auSeinan. dersetzt. ES ist ein Stück, daS die Dinge ein wenig zu persönlich, auch ein wenig zu scuti- inental und nicht konsequent genug sieht, man könnte immerhin einwendcn, dass gegen daS Reich des Herrn Hitler weit bewusstere und schärfere Dinge zu sagen wären. Llbcr auch so gefällt cS — wem wohl— dem deutschen Gesandten nicht! Dieser Gesandte hat nämlich nicht nur die Aufgabe, die Interessen seines Landes bei unS zu vertreten, er masst sich auch die Aufgabe an, daS Kunstleben der Republik nach den Gesehen dcS braunen Aufbruchs zu korrigieren. Sein Kamps gegen die„Rassen" ist nicht erfolglos gewesen. Sein Werk war cS, dass das Stück im„Prager Deutschen Theater" keine Heimat fand. Und als trotzdem fast die„Gefahr" der Aufführung drohte, kam das erlösende Verbot der Behörden —. Mer waS ein Gesandter kann, muss ein schlichter Konstil auch zit erreiche» verstehen. Dieser Konsul sitzt in B r ü n n. Sein Einfluss scheint mächtig zu sein, denn daS Brünner Deutsche Theater war seinerzeit freiwillig von seinem Aufführungsrecht zurückgetretcn. War- auf die„Fungjüdische Bühne" dem AhaSvcr der Bühne in der Tschechoslowakei eine Stätte gc- währte.„Die Rassen", die so hetzerisch sind, die Wahrheit über den unsäglichen Menschen- und Scelenmord im neuen Deutschland anzudcutcn — sie in all' ihrer Krassheit zu schildern, dazu wird ja kein Griffel hart genug fein— wurden endlich gestartet. Die„Jungjüdische Bühne" brachte daü Stück mit dem Elan und der mit- I lebenden Intensität heraus, mit der junge Men- scheu Theater zu spielen pflegen, ein ausvcr- kaufteL HauS ging mit solchem Enthusiasmus mit, dass die Aufführung ein Serienerfolg zu werden versprach. Versprach, aber nicht geworden ist! Denn die Brünner Polizeidirektion hat die weitere Aufstihrung der„Rassen" untersagt. Wie man erzählt, auf wiederholte Inter- ventionen des deutschen KonstilS hin. Wir verstehen gewiss, dass der deutsche Gesandte, dass der deutsche Konsul versuchen, waS in ihren Kräften steht, um die Wahrheit über Deutschland zu er- sticken und zu vernebeln. Die Auftraggeber dotieren die repräsentativen Posten schliesslich nicht umsonst. Wir verstehen zur Not auch, dass die Herren sich in Dinge mischen, die sie nichts angehcn. Nur eins verstehen wir nicht ganz: dass sie bei diesen Bemühungen auch Erfolg haben. Wo cs doch das Nächstliegende wäre, den Herren unter höflichen Verbeugungen ihre Gar- derobe übergeben zu lassen! Lied eines Saararbeiters Schwarz ist die Kahle in der Saar Und braun die deutsche Eiche. Ich bleibe Deutscher immerdar Dav ist auch ohne Hitler wahr, Dach nicht in seinem Reiche. Schwarz ist die Kohle In der Saar Ich weiß den Schatz zu hebe». Wenn Ich schon in die Grube fahr, Will ich dafür nicht immerdar Als brauner Sklave leben. Schwarz ist die Kahle in der Saar Und schwarz sind meine Hände, Mein Leib ist immer in Gefahr. Ich will nicht, daß der tolle Narr Auch meine Ehre schände. Schwarz ist die Kahle in der Saar Ich will sie gerne fördern, Will schnften, schinden Jahr für Jahr Wenn Ich mich nur davor bewahr, Beherrscht zu sein von Mördern. Schwarz ist die Kahle in der Saar Und braun der größte Schwindel, Ich bleibe Deutscher immerdar, Beschützet nur die drutsche Saar Dar diesem Mordgesindel. Kling. Zum Rektor der Prager deutschen Technik wurde Bros. Dr. Wilfelm Giutl wiedergcwählt. Handgranaten vor dem Wilson-Bahnhof. Gestern früh fand Polizei auf einer Bank im Stadtpark vor dem Wilsonbahnhof in Prag zwei Handgranaten. Unter Aussicht von Offizieren lvurde der ungclvöhuiichc Fund fortgeschafft. Die Polizei forscht nach der Person, welche die Granaten, anscheinend in einer in der Nähe gestin- dncn Einkaufstasche, liegen gelassen hatte. AuSspeisnng karpathorussischer Kinder. Aus UZHorod lvird berichtet: Im Frühling des heurigen Jahres hat in der Zeit, lvo die Eltern der armen Kinder von Vrchovina-Bewohnern während des ganzen Tages auf den Feldern arbeiten, das Tschechoslowakische Rote Kreuz eine Snppenaktion durchgeführt. ES sind 42 Küchen in Betrieb, die 3106 Kinder verköstigen. Jedes Kind erhält einen halben Liter Suppe und ein % Kilogramm Brot täglich. Die BerköstigungS- aktion wird 6 bis 8 Wochen dauern. Oh Ringelnah! In einer mondainen reichsdeutschen Zeitschrift, die sich mit eleganter Erotik und gut bezahlten Damenunterwäsche-Inseraten, nebenbei auch ein wenig mit gleichgcschaltetem, neudeutschcm„Sozialismus" beschäftigt, befindet sich, ein Inserat für einen Badeanzug„Venus", ein Inserat, daS mit einem Propagandagedicht von Joachim Ringelnatz geschmückt ist. Tie deutschen Dichter, die in der braunen Unkultur verkommen und sich völlig gehandicapt fühlen, sind also bereits auf die VerSfabrikation für Damenwäsche-Inserate hcrabgesunkcn.... Ein Knltnrbild, das man nicht mehr zu kommentieren braucht. DaS Wetter. Im Südosten und Osten dcS Staates hat eS sich erneut bedeutend erwärmt. Auch in Mähren lvurdcn gestern vereinzel» 26 Grad Celsius verzeichnet. Demgegenüber dringt in Böhmen v on Westen her k ü h- i t re Luft ein; dabei ist strichweise etwas Regen gefallen. Auö der Umgebung des böhmischmährischen Hügellandes werden Gewitter gemeldet.— Wahrscheinliches Wetter heute: Im Westen des Staates veränderliche Bewölkung, ohne grössere Niederschläge, etwas kühler, Westwind. In den mittleren Teilen des Staates stärkere Bewölkung und strichweise R e g e n n e i g u n g, mässig warm. Im Osten keine wesentliche Aenderung. Vom Rundfunk Empsehlenowerte» au» den Programmen» Samstag. Prag: Sender L.: 6.00 Gtzmnastik. 10.08 Deutsche Nachrichten. 13.85 Arbeitümarktbericht. 16.60 Rundfunk für erlvachsene Jugend. 17.50 Schallplatte». 18.05 Deutsche Sendung: Jugendstunde. 18.56 Deutsche Nachrichten. 10.10 Ivan Suf: Mysti- fikationen, Hörspiel. 22.15 Schallplatte».— Sender St.: 15.10 Dentsche Sendung: Mädchenlieder. 15.50 Deutsche Nachrichten.— Brünn: 11.05 Vormittagskonzert. 17.45 DeutscheSendung: Durchs Lied zum Herzen.— Mähr.-Ostrau: 18.25 Licdcrstnnde.— Kascha«: 18.00 Kammermusik. 18.50 Mendelssohn-Bartholdi>.— Berlin: 16.00 Bunter Nachmittag.— Breslau: 20.25 Musik cmZ Operetten. 21.15 Unterhaltungskonzert.— Frankfurt: 10.00 Virtuose Cello-Musik.— Königsberg: 10.15 Italienische Biolinmusik.— KönigSwusterhau- sen: 18.25 BrahmS: Liebesliederwalzer.— Kopenhagen: 22.15 Opcrettenmusik.— München: 20.10 Carl Maria Weber-Konzert.— Wien: 16.05 Man- dolinenkonzert. 20,05 Land des Lächelns, Operette von Lehar. Eine italienische Oper in unserem Rundfunk. Am 6. Juni um 20.45 Uhr überträgt der Prager Sender aus Rom die lyrische Oper„Fedora" von Giordan. Die vollendete Opcrnauf- führung wurde k-sion von verschiedenen europäischen Sendern mit grossem Erfolg übertragen. Die nördlichste Radiostation der Welt, Donnerstag wurde feierlich die nördlichste Radiostation der Welt in Vadsö eröffnet. Die stärkst^ Radiostation der Welt in Cincinnati jvurde vom Präsidenten Roosevelt in diesen Tagen durch Drücken auf einen elektrischen Knopf in Betrieb gesetzt. Allein der Bau dieses RiesenscndcrS kostete über eine halbe Million Dollars. 9bt 11» Freitag. 18. Mai 1834 „Sozialdemokrat" Veite 5 BEQUEMER Einkauf-bequeme sommerschuhei Widmen Sie dem Pfingsteinkauf der Schuhe sowie der Auswahl der Strumpffarben mehr Zelt. Warten Sie nicht bis zur' letzten Minute, da der Andrang groB Ist. Lustmord an einer 15 jährigen Bad Dürkheim(Rheinpfalz), 17. Mai. Am Mittwoch wurde die 16jährige Tochter des Winzers Heinrich K o ch in Ungstein im Keller des väterlichen Anwesens ermordet aufgefundcn. Der Verdacht richtete sich sofort gegen den Knecht Henn aus Kaiserslautern. Nach längerem Suchen sand>»an ihn aus dem Heuspcicher des Hauses erhängt vor. Heun war am Mittwoch nachmittags mit den Eheleuten Koch zur Verrichtung landwirtschaftlicher Arbeiten auf das Feld gegangen. Etwa gegen 17.30 Uhr klagte Henn über starke Leibschmerzen und ging nach Hause. Als kurz nach 6 Uhr auch Frau Koch nach Hause kam, fand sie ihre Tochter nirgends vor. Später fand man dann das Mädchen mit durchschnittenem Halse zwischen den Fasslagern im Keller aus. Der Mörder hatte das Mädchen mit einem scststehcndcn Schlächtermcsser getötet. ES liegt offenbar ein L u st m o r d vor. Bo» Wilderern erschaffen Ungarisch»Hrndisch, 17. Mai. Am DienStag Nachmittag trat der-llljährige Heger Julins Ba- b i c e l aus Radejov voin Großgrundbesitz Mag- nis einen zweitägigen JnspcktionSgang nach der slowakischen Grenze an, wo in letzter Zeit Wilderer ihr llnwcscn trieben. Ungefähr zwei Stunde» später hörte seine Tochter aus dem sogenannten„Pusta"-Walde z w e i S ch ii s s e fallen, die in ihr sogleich böse Vorahnungen erweckten. Als der Heger nach Ablauf von zwei Tagen immer noch nicht nach Hause zurückkehrte, nahm sie sieben Arbeiter auf und durchsuchte mit ihnen den Wald. Nach längerem Suchen fanden sie tatsächlich den Heger erschossen unter einem Baume liegend. 2m Laufe des Tages hielt die Gendarmerie fünf bekannte Wilderer der dortigen Gegend an, die dem Heger, der durch seine Strenge bekannt war, gedroht hatten, er werde nicht mehr lange im Walde seines Amtes walten. Diese Personen leugnen jedoch energisch die Beteiligung an dem Morde. Im Maschinenbaus einer Faßfnbrik in Hei- dingSfcld< bet Würzburg brach am Mittwoch Abend Feuer aus. Als die Feuerwehr mit den Löscharbeiten beschäftigt war, explodierte ein eisernes Oclfaß, das noch etwa 30 Litel Ocl enthielt. Durch das brennende Oel erlitten zehn Personen mehr oder weniger schwercBerletzungcn. Unter den Verletzten befinden sich zwei Polizeibcamte und drei Sanitäter. Der Brand wurde im Laufe der Nacht gelöscht. Die EnistchnngSursachc ist noch nicht bekannt. Ant» und Straßenbahn. In der Nacht zum Donnerstag fuhr in Halle ein Personenkraftwagen mit einer Straßenbahn zusammen. Die beiden Insassen des Kraftwagens wurden mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus geschafft. Der eine der Verletzten, dem die Halsschlagader durchgeschlagen war, ist bald nach seiner Einlieferung gestorben. Es handelt sich um den unter den Namen Paulsen in den Jahren 1024/28 als Deutschlands besten Fußballmittelstürmer geltende« Pömpner. Die Verletzungen des anderen sind nicht lebensgefährlich. Dreifache Giftmörderin Freispruch des Mannes'— Todesurteil für die Frau Bor dem Klattauer Schwurgericht stand die Bauersfrau Emilie Gruber und deren Mann Franz Gruber aus Philippshütte im Böhmerwold, angcklagt wegen dreifachen Giftmordes gegen die Ausgedinger Emil, Karl und Karl Gruber scn., die kurz hintereinander gestorben waren. Alle drei Warrn Ausgedin« ge r aus dem Bauernhof des Franz Gruber und dessen Frau, die es offenbar als große Last empfand, daß sie nach llebernahmc der Wirtschaft vom alten Gruber, den Vater und die noch nicht versorgten Brüder des Mannes erhalten sollten. Es kam dauernd zu Streitigkeiten, bis der Tod einen nach dem andern wcgraffte, so daß es fast selbstverständlich war. daß die Dorfbewohner zu tuscheln begannen, bis die Gendarmerie und schließlich das Gericht mit dem Schicksal der Verstorbenen sich beschäftigten. Die Folge war die Exhumierung der innerhalb zwei Jahren verstorbenen Vcrtvandtcn des Franz Gruber und die medizinische Feststellung, daß in den Körpern aller drei größere Mengen Arsen gefunden wurden. Kein Zweifel mehr, für das Gericht, daß hier Giftmord vorlag, nm die Ausgedinger dem lieben Herrgott in Pflege zu geben, weil das weniger kostete. Vor Gericht leugneten die Angeklagten hartnäckig; sic wurden auf Grund der Indizien dem Schuldsprnch zngeführt. Bei Emilie Gruber bejahten die Gcschlvorenen die Frage auf Meuchelmord, bei Franz Gruber wurde sie verneint. Daraufhin wurde Emilie Gruberzum Tode durchdenStrang verurteilt. Franz Gruber aber freigesprochen. Die Beschuldigte brach bei der Urteilsverkündung bewußtlos zusammen. Der Verteidiger meldete gegen das Urteil die Nichtigkeitsbeschwerde an. Brandkataftrophr. In der Nacht zum Donnerstag brach in S o l t n i tz(Kreis Peustcttin) ein Feuer aus, das infolge des starken TüdoststurmeS und der Trockenheit mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Dem Feuer sind acht Gehöfte mit insgesamt 15 Gebäuden zum Opfer gefallen. Zehn Familien sind obdachlos geworden. Der Mameluekensuttan hatte eine Idee Bon Erich Gottgetreu(Jerusalem). „Unsere Stadt ist unsere Stadt, unsere Wohnung ist unsere Wohnung—1“ >»„Nieder mit dem Zionismus—!" „Nieder mit der Negierung—1* „Die Türken sollen wiederkommen—1" Es wurde geklatscht. Aber nicht übermäßig. Man hatte den Eindruck, als ob die Leute mit den Sinn dieser Worte doch nicht so ganz einverstanden wären. Ihr Beifall galt weniger den Reden, als den Rednern: das waren acht- bis zehnjährige Buben, arabische Pfadfinder. Von älteren Kameraden in die Höhe gehoben, hielten sie ihre wohleinstudierten Ansprachen vor Tausenden, die am Jaffator in Jerusalem versammelt waren, um die Nebi Musa-Demonstration an sich vorbeiziehen zu lassen. Die Stadt genoß einen milden Frühling. Mit volkstümlicher Märchenhaftigkeit und umständlichem Zeremoniell hatte das jüdische Pcsach festlich eingesetzt. Den Christen läuteten die Osterglocken. Gegen elf Uhr, als die Gottesdienste in der GrabeSkirche, in der efeugeschinückten deutschen Erlöserkirche und in all den anderen Kirchen beendet waren und ihre Besucher, mit schwarzen GesangSbüchern und langen Palmenziveigen in den Händen, die Altstadt wieder verlassen wollten, kam ihnen wie ein Gelvittcr die Demonstration der Nebi Musaischcn in leidenschastlichcr Sing- und Springprozession entgegengcbraust. ei» chaotisches Knäuel, eine unheimliche Macht, ein Bild erschreckender Schönheit. Die Palmenträger sprachen nicht ohne Groll davon, daß Nebi Musa von der Kraft des Kreuzes auSgclöst worden fei: im 13. Jahrhundert habe eS der Mammcluckcnfultan Bei- barö künstlich und ohne jeden historischen Anlaß geschaffen als Gegengrlvicht zu den Kreuz- zcugen... In Jerusalem wird der tobende Haufe zunächst in das lichtüberflutcte, prächtige breite Gebiert zlvischcn Aksa- und Omarnioschee am Ende der Altstadt geleitet, von dort aus ostivärtS weiter in die Wüste Jehuda hinein. In den Bergen vor Jericho liegt Nebi Musa. der Prophet MoseS: ein paar ärmliche Häuser, eine kleine Moschee und, seitdem derMammcluckeS befahl, desgroßenGcsetz- gcbers Grab. Die Legende gewinnt an Kraft durch die Jahrhunderte. Der Trubel hatte schon einige Tage vorher begonnen, als die Nebi Musa-Pilger aus Nablus und den übrigen arabischen Nordstädten des Landes nach anstrengender Wanderung durch Tag und Nacht vorm DamaSkuStor mit feurigem Ritus eingeholt Ivorden waren. Der heutige Tag gilt dem Empfang und der Weiterleitung der Hebroner und der übrigen Süd-Mustim des Landes. Die krummen Schwerter blinken. Stöcke surren durch die Luft. Fahnen flattern im Morgen; um eine hat e§ einen heftigen Priigelstreit gegeben, bevor entschieden war, wer der Ehre teilhaftig sein dürfe, sie zu tragen. „Jachalch oh jamaleh!", der Tag ist erfüllet worden— ruft die Menge. „König Gazi soll leben!" „ES lebe Mustapha Pascha!" „Hoch der Mufti!" Auf der von Tansenden begangenen und von Tausenden umsäumten Straße nnierhalb der Davidöburg am Jaffator bildet sich eine lange Menschcnkette. in deren Mitte ein Araber wie besessen hin- und herrast, einen anderen auf der Schulter tragend, und der andere schwingt ein I Schwert durch die Luft, bis zur letzten Kraft, bis | zur Erschöpfung keuchend„Adjah el schachenah— — adjah el schachenah fünfzigmal, I hundertmal, dreihundert«::«!„adjah el schache nah": da kommt unser Herr!; und bii Menschcnkette schreit fanatisch die Parole mit, klatscht und stampft und tanzt den Rhythmus: Adjah el schachenah adjah el schachenah! Schließlich schlängelt sich die erregte Schar fünfzig Meter weiter durch das Gewühl. Dann beginnt das Spiel von neuem. Zuiveilen mit einem andern Ruf, zuiveilen mit einem andern Rufer. Stunde um Stunde wird Allah gepriesen, Stunde um Stunde werden arabische Lieder gesungen: der Palästinagesang, die Jrnkhymne, der Aegypten- marsch, das syrische Lied. Bucklige Wasserträger begleiten den Zug der Leidenschaft. Den Anführern spenden sie ihre kostbare Gabe, ohne auch nur einen Milim dafür zu nehmen. Die Gäste des Hotel„King David" frühstücken auf dec Terrasse, die auf den Einmarsch der Hebroner einen hübschen Fernblick gibt. Von den Zinnen der Davidöburg genießt, von einer Trupvenabteilung flankiert, der High-Eommissio- ner das Schauspiel. Auf den steilen, steinigen Hängen der Festung sitzen auf breiten Tüchern, unter bunten Sonnenschirmen, verschleiert oder unverschleiert, zahllose Araberinnen mit ihren Kindern, die sie unentwegt mit Orangen, Bananen, Nüssen, Salatblättcr», Süßigkeiten und dem Mittagessen füttern, das sie auf kleinen Feldlochern zubereiten, während ihre Männer sich unten die Kehle heiser schreien: Adjah el schachenah! Adjah el schachenah! Der Manager des Eden-Kinob läßt«ine Einladung zum„Lied der Lieder" verteilen: Marlene Dietrich wünscht Ihnen frohe Ostern(in englisch), ein angenehmes Pesach-Fest(in hebräisch) und einen vergnügten Nebi Musa(in arabisch). Endlich durchbricht die lärmende Walze das Jaffator. Die Musik knallt in den engen Shuk der Altstadt hinein; die an ihren Spitzen mit Talismanen behängten Fahnen müssen in den engen Höhlengassen tief gesenkt werden. ES kommt zu einer Prügelei, die Polizei greift sich einen der Täter zwischen zwei Pferde, sprengt mit ihrem Opfer in eine Seitenstraße, legt dem sich Wehrenden Handschellen an. Eine Gruppe mohammedanischer Negertänzer erweckt Begeisterung. Eifersüchtig fragen arabische Zuschauer ein paar jüdische, ob der Tel-Nviver Purimkarncval etwa > schöner gewesen sei. Schottische Soldaten pressen durch das wogende Menschengewühl freie Bahn — einer englischen Reisegesellschaft mit faden Gesichtern, der frechste aller frechen Fremdenführer von Jerusalem hastet ihr nach. Wieder bildet sich eine Kette des tobenden TanzeS: Jachalcl oh jamalel, der Tag ist erfiillct worden. Ein kommunistischer Agitator ist anderer Meinung, er verteilt arabisch gedruckte Pamphlete, die Polizei sängt ihn. Eine Abteilung Pfadfinder, in grüne und graue Hemden gekleidet, mit Stöcken selbstbewußt aufs Pflaster schlagend, zollt Beifall. Früher hatten sie internationale Beziehungen unterhalten. Im vorigen Jahr sind sie fascistisch geworden. Die erregte Männermengc rast und tanzt durch den Shuk. Ihr Gesang dröhnt, die blanken Schwerter durchpfcifen die Luft. Zwischen den schwarzen Steinen preßt sich die Neugier. Längs des Prozessionsweges in Shuk, hinter dessen unheimlicher Düsternis alte Juden ein gcsctzcs- treneS, stilles, ärmliches Familienleben führen, in jedem Winkel fast und in jeder Tür, wacht Polizei. Nachtfarbe von Oskar Baum. Lauivciche Augustnacht atmet zum Fenster herein. Ich liege still da und warte auf meinen Schlaf. Gegen meinen Willen überträume ich die jüngsten Erinnerungen, die letzten Stunden. Es erregt mich zu sehr; ich kämpfe mit der Phantasie Ich zähle bis zehn und iviedcr zurück, bis zwanzig, bis dreißig. Ich fühle, daß ich schläfrig bin und kann doch nicht schlafen. Mein eigener regelmäßiger Atem umhüllt mich init der Selbstverständlichkeit, jetzt einzuschlafcn. Ich empfinde deutlich, wie alles Wirkliche ringö meiner Beobachtung entkommen will und die Stille weitum ist fast zu tief. Cs hilft alles nichts! Gedanken haben ein zähes Leben So hat mich denn das Gespräch mit Frau Rike sonderbar erregt; ich nierkte in ihrer Gcgen- toart nichts davon. Wir hatten ja schon oft vertraute Worte gewechselt, einander Geheimes erzählt, aber nie hat eS so mächtig in mir nachge- zittert. Warum das heute? Wir schritten langsam durch das leise Abendrauschen des nahen Waldes und dann durch die Dorfstraßen, die so still und dunkel dalagcn, als hätten sie viel zu verschtveigen. Sommerabende sind märchenhaft. Sie lullen mit ihrer lächelnden Lauheit alle Energie in Schlaf und die üppigsten Phantasien sehen dann der Möglichkeit ähnlich. Ich seufzte und Frau Rike unterdrückte einen Seufzer. Wir gingen sehr langsam und wußten beide ohne Verabredung, daß ich sie heimbcglcitete. „Es ist sonderbar," sagte sic unvermittelt nach einer Paüse,„ich liebe meinen Mann; ich liebe ihn, der jetzt in der staubigen Stadlhihc sm uns arbeitet und leidet!" Sie nahm das Wort„liebe" tvie ein Bonbon in den Mund, so vorsichtig, so genießend. Immer machte sie danach ein« kleine Pause und noch die nächsten Worte hatten einen süßen Beigeschmack. „Ich liebe ihn, aber meine Hochzeit war doch ein großes Unglück für mein Seelenleben; ich habe an diesen: Tage meine Trälune eingebüßt, denn seither finde ich für sie keinen Stoff mehr. Tausend gcheimnissüßc Fragen sind einfach verschwunden; ich weiß ihre Antwort. Das bange Zittern vor jedem Männerblick, das Warten und Suchen, die ganze ängstliche Hoffnung ist Verschtvnnden. Ich bin in der Ruhe, in der Sicherheit und da ist eS vorbei mit den Träumen. Nur selten, Ivenn an einsamen Sommerabenden die matte Schwüle lastend auf der Brust liegt, dann huscht die Sehnsucht wieder hervor aus ihren vergessenen Ecken, dann bin ich wieder voll scheuer Erwartung. Wie ein Mädchen harre ich in romantischer Sehnsucht." Wir waren an ihrer Villa angelangt, aber sie wollte noch nicht hineingehen. Tief atmend lehnte sie sich an die Wand und blickte an mir vorüber.„In solcher Stimmung sitze ich dann hier hinter dem Hauö in unserem stillen Garten vor dem grüne» Tisch. Sie kennen ihn ja, meinem Fenster gegenüber. Dieses Fenster hab ich dann imnier offen und träume zu ihm hinauf. Hier warte ich auf das Abenteuer, das über eine Hecke steigen soll oder aus einem hohlen Banin oder aus der Erde.... Wem: ich ein Mann wäre, würde an solche«: Abenden gewiß meine Stinnnung sein, wartende Frauen für die Treue zu belohnen, init der sie dc>« Kinderglauben an das Abenteuer bewahrten." Sie schwieg und lächelte und so lange ich hier vor ihr stand,«neckte ich nicht, wie sonderbar lief mich das Gespräch erregte. Ich seufzte, doch gleich- sain nur. um die Situation zu vervollständigen. Dann reichten wir uns stumm die Hände und ich ging... Wie konnte ick« aber nach derartigem schlafen wollen? Bin ich so kaltblütig? Sicherlich träumt sie noch beim grünen Tisch unter ihren: offenen Fenster. Auf! Ich will ihr Abenteuer sei»! Oder hat sic nur mit Worten gespielt? Vielleicht! Nein, sicher nicht! Nun, ich kann mir ja Gewiß- heit holen. So leise war ich>:och nie über unsre knirschende Holztreppe geschlichen; auch daS Schloß der Haustür kreischt« heute diskreter. Jetzt durch die langgedehnte«: Dorfstraßen, die so viel zu verschweigen scheinen. Hier endlich ist die Hecke, über die das Abenteuer steigen muß. Ob sic wohl die Geduld verloren? Ich ließ sie lange warten, ich Dummkops! Nein, dort sitzt sic und wie schön! Was ist daö wohl für ein weißes Gewand? Man sieht nur durchbrochene Spitzen und iveiße Arine; Aphrodite im Schaum! Leise wandre ich über das Gras; ich höre die eignen Tritte nicht. Es dauert unendlich lange, ehe ich ihr nahe bin. Nun sieht sie«nich, aber ganz ohne Erstaunen; lächelnd hebt sie den Finger zum Mund und deutet dann aus einen Stuhl neben sich. Ich glühe!— Ein bitter- hciher Geschmack legt sich auf meine Zunge; schiver atmend setze ich«nich. llnsre Augen führen ein leidenschaftliches Gespräch. Auf eiuinal beuge ich mich vor, die Finger berühren ihren Leib, aber sie zuckt zurück. Ich will aufspringen; da fühle ich ihren Atem vor mir, etwas Heißes aus meinen Lippen— dann ist sie fort! Ich sehe sic vor mir durch das offne Fenster in ihr Zimmer steige«: und «vill nach. Doch sie wendet sich oben nm und ivinkt «nie ab; mit beiden Ellbogen stützt sie sich auf das Fensterbrett und lächelt zu mir heraus:„Morgen!" flüstert sie.„war das nicht schon zu viel?« Ron: ist auch«sicht in einem Tage zerstört worden." Da nickt sie mir z«: wie abends beim Abschied und schließt da« Fenster. Ich stehe, miih- san: atmend. Jetzt schiebt sie drin einen Stuhl, jetzt knistern Kleider; jetzt ist wieder weitum Stille. Breite Sommermorgensonne brennt in mein Bett:n:d erklärt«nir zum xten Male die bäuerliche Einrichtung uieincS Mietziinnicrs. Tagfarbe fällt nun auch in«ncine Seele und das ist eine uicharmonische Beleuchtung für die Erinnerungen der letzten Nacht. Was ist wvbl daran erlebt, was erträumt?! Das alles kann doch nicht Wirklichkeit gewesen sein? Nur nicht den Kopf zer brechen. Ich werde ja sehen, wie sic sich bc- nimnsi... Gedankenvoll schlendere ich durch die Hellen, offenherzige«: Dorsstraßen an ihrem Hause vorbei, wo sich die Dienstboten zanken also ist sie nicht zuhause zum nahen Wald empor. Dort kommt sic mir entgegen, eine» Band lyrischer Gedichte in der Hand, de«: ich ihr geliehen habe. Ich fühle Herzklopfen in der Kehle; was ist Ivohl daran erlebt,>vaS erträunsi?— Lächelnd nickt sie mir zu; wir reichen uns stumn« die Hände. Nein,««ein, nichts ist erlebt! Diese unbefangene Dame der Gesellschaft lann daS nicht. „Schön war es gestern abends, nicht«oahr? So ein langsamer Spaziergang in der Stille ist verführerisch für Stiunnungöjägcr. Wie gern heuchelt inan da ein wenig Schwäche und übertreibt die Macht der Stimmung, uin sich darunter beugen zu dürfen." Panse.—„Man weis; nachher kaum, IvaS daran erlebt ist und>vaü erträumt; ich liebe die Nacht und wie sic alles färbt, ich liebe daS!" Bereut sie es oder«var gar nichts da und bedauert sie schon die bloße«: Worte? Nr. 115 Freitag, 18. Mai 1031 Stile S Kunst und Wissen PRAGER ZEIIBMG VORANZEIGE: Verelnsnadiriditen Die Ver- der des Zer Schntzvervand dentscher Schrift schechoslowakei veranstaltet in Ac Willen zur rb. Er glaubte, durch Fingiernng eines irgendeine riitfelbafte Weife der entgeben. Deshalb bezichtigte er .ikanieraden eines Verbrechens, das Soldat der Revolution I Koloman Iwalllsch Theaters. „Sieg- .Literarisch-künstlerischer Verein' Eine volkstümliche Darstellung seines Lebens, seiner K&mpfc, seines heldenmütigen Sterbens von Paul K6ri Erscheint demnächst! Bestellungen durch die Zentralstelle fUr das Bildungswesen, Prag XU., SlezskA 13 Ortsgruppe Prag. Pfingsttour. t. Gruppe: Abfahrt vom Masarpk- pahnhof nm 17.20 Uhr. Fahrt ngch Falkenau, llcbcrnachtnng. Wanderung Eger.— 2. Gruppe: Abfahrt vom Wilionvähnhvf nm 11.86 Uhr. Fahrt nach Eger. Zusammentreffen mit der 1. Gruppe und gemeinsame Wanderung und Besichtigung EgcrS, Franzensbad, KönigSIvart, Marienbad und Tcpl. Zu- sammenkunst immer eine halbe Stunde dar Abfahrt deS Fuges vor dem Bahnhose. Führer: Bloh. Der Film Die Finanzen des Propagandaministers im Dritten Reich frischen sich durch die Bezüge aus den Prager Kinokassen immer wieder auf. Wenn es ihm einfallcn sollte, Stinkbomben nach Prag zu schicken, würde man sie ihm vermutlich nicht bezahle», um sie zum Mißvergnügen des Publikums öffentlich zum Plahen zu bringen. Aber Filme, die weniger harmlos und noch weniger angenehm sind als solche— von Herrn Goebbels viel bester lieferbare — Ware kauft man ihm ab, um sie aufzuführen. Das neueste Ergebnis des unseligen Handels ist ein Bildstreifen mit dem Titel„D i e F in anz en d es Grotzherzog s", der angeblich nach einem Roman von Frank Heller gedreht ist,— aber wer auch nur eine Seite von diesem fixen Kriminal« geschichtcnschreiber gelesen hat, der weist, dast er un- niöglich etwas so Plumpes und Witzloses lvie die Handlung dieses Films zustandcgebracht haben kann. Die Berufung auf Frank Heller ist eine Ausrede. Denn es handelt sich lvicder einmal.um eine Anhäufung stumpfsinniger Clownspäste und Kitschszenen, die nach Weisungen der braunen Filmobrigkeit hergestellt, die Zuschauer verrohen und verblöden sollen. Herr Victor de K o tv a als schnoddrig-schmachtender Liebhaber in Uniform, Herr R ii h m a n n als alberner Possenrcister und eine unsägliche blonde Dame (die vermutlich ein braunes Protcktionskiud ist) füllen die Rollen der traurigen Komödie aus. —eis— Verbotene Hitlerliteratur im Städt. Lese saal. Die Leipziger Zeitschrift„Die Neue Litera tur", die das deutsche Schrifttum völkisch erneuern hilft, ist vom Prager Innenministerium mit Zu stimmung des AustcnmiuistcriumS bis zum 1. Jau ner 1935 in der Tschechoslowakei verboten. Dieses Verbot benutzt die Zeitschrift zur Behauptung, dast man in ihren Seiten niemals etwas finden konnte, Itenschwe r e n K e r k e r S u n b e d i n g t. Das relchsdeutfche Theater kommt auf den Hund. Die Kasseurapporte sind ebenso trostlos wie die künstlerischen Bilanzen. Bühnen, die zum Beispiel einst künstlerisch tonangebend im Thcaterbctrieb Berlins waren, spielen heute Gro- schenlustspiele und verstaubte Operetten. Die„nationalen Dramatiker", die„ausgcbrochcneu Gestalter einer neuen Zeit", haben sich, bis auf ganz wenige Ausnahmen, als klägliche Slicten, als dilettantische Gesinnungssiammler erwiesen. So ist die Situation im Augenblick. Und wie ivird es werden? Noch schlimmer: Das Reichskabinett hat am Dienstag das neueTheatergesetz verabschiedet. Nach ihm werden die deutschen Theater„zur Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgabe unter Führung des Propa- gandaministeriumS zusammengesastt" werden. Das sagt alles. Die deutschen Bühnen Iverdcn in Znknnst nichts mehr ausfiihren können, was nicht den alleinseligmachenden Stempel der Parteibonzokratie erhält. Nicht das künstlerische Können, sondern daS Partei-Mitgliedsbuch wird die BorauS- setzung dramatischer Erfolge sein. Bisher waren die Thcaterdirektoren tvenigstcns theoretisch in der Lage, auch«ach dem Talent zu fragen. Damit ist eS jebt vorbei. Jetzt kommen die Hakenkreuz-Dramatiker in Reinkultur. Die Walküre Als zweiter Maifestspiclabend und als zweiter Abend der zhklischen Gcsamtaufstihrnng der„N i- belungen"- Tetralogie Richard Wagners tvnrde Mittwoch im Deutschen Theater die „Walküre" anfgeführt. Aber nicht mit dem gleichen Glück und Erfolg wie uuläugst das„Rheingold". Denn diesmal war sowohl im solistischen als auch im ensembleinästigen Sinne nicht alles sestspielmästig geraten. Aber geraten wäre es gewesen, eine oder die andere Probe abzuhalten, um das musikalische Fundament der Oper nachznprüfen, gar wo cs sich um eine festsplclmästige Aufführung und eine Wiedergabe des Werkes mit Gästen handelte. Dabei must rühmend festgcstellt werden, dast Prof. S z e l l seine„Walküre" seht nicht nur ganz souverän beherrscht, sondern sie auch glutvoll und leidenschafrlich gestaltet, mit hinreißendem Schtvnng in den grosten Szenen des Werkes, und dast das Orchester seine große Aufgabe glänzend löst. Aber ohne cinvcr- ständliche Probe mit Orchester und Solisten vermag auch der beste Dirigent nicht höchste Vollkommenheit zu erzielen. Als Wotan gastierte Kammersänger Friedrich Schorr ans Berlin. Auch sein Walküren- Wotan ist durch jene darstellerischen und gcsangS- künstlerischen Mnstcreigcnschaften gekennzeichnet, die tvir einem Rheingold-Wotan nachrühmen konnten: herrisches, selbstbewußtes Göttertum und vollkommenste Beherrschung des Wagnerschcn Sprechgesang- stilcS. Aber die Grenzen, die seiner nicht mehr jngendsrischcn Stimme in der Höhe gesetzt sind, tvarcn diesmal fühlbarer als unlängst. Trost allem sah und hörte man eine Leistung von grösttem künstlerischen Format und stärkster persönlicher Ausdruckskraft, die das zahlreich erschienene Pnbliknm zur Begeisterung ztvang. AlS zlveiten Gast der Auffüh- rnug sah und hörte man als Sieglinde Frl. Ella Flesch, die diese Partie schon einmal bei unS gesungen hat; eine Sängerin, die darstellerisch schablonenhaft ist und stimmlich— bei ständig unreiner Intonation— nicht recht befriedigt. Ein dritter Gast, Frl. Irene Z o l t a n, unsere einstige Koloratursängerin, Ivar zur Verstärkung deS Walküren- EnsembleS herangezogen Ivordcn. Unter den heimischen Solisten hatte Fischer als Siegmund einen besonders guten Abend; er blendete nicht nur stimmlich, sondern ging auch darstellerisch anS sich heraus. Sehr tonschön sang Andersen den Hunding nnd als toncdle Brünhilde bewährte sich Frau Merker. E. I. Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KC 16.—, vierteljährig KO 48.—. halbjährig KL 96.—, ganzjährig KO 192.—.— Inserate wecdtn laut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Manlskrlvicn erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZcitungSfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit l-rlatz Nr. 13.800/V1I/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck», Verlags- und ZeilungS-A.-G.. Prag. Drei Großbanken gegen ihre Angestellten Union, Eslomplc- nnd Länderlmnk lehnen Minimalfordernngcn ab. Protcswersnnnnlnng deS VnnkbenmtcnuerbnndeS. Prag, 17. Mai. Gestern sand im VolkShaust sLIdovy Dum) eine grobe, vom Verband der Bank- und 2 p a r k a s s e n b e a in t e n einbernfenc Proteswcrsammlung statr. die sich mit den neuerlichen angcsielltenscindliche» Aktionen dreier Großbanken befaßte. Tie Dircltionen der 1! n i o n Eskompte» nnd Länderbank haben die von den BctrlebSanSschüssen vorgelegten lebenswichtigen Forderungen der Angestelltenschaft abgclehnt. Das bedeutet, daß nach dem radikal durchgeführten wcitaehcnden Gehalts- nnd Perfonalabban eine weitere Verickilechternng der Existenzgrundlage der Beamten und Skontisten eiutrcten soll nnd die Bankleitungen insbesondere nicht gewillt sind, selbst die mehr als bescheidene Erisrcnz der subalternen aus einigermaßen sichere Basis zu stellen. ES sei kein Kollcllivvertrag abgeschlossen, keine Einreihung in das Schema dnrchgefiihrt nnd in diesem Jahr auch keinerlei Avancement vorgenommcn iverden. Diese Haltung der drei Banken Hal natürlich große Erbitterung hervorgenifen und zwingt die Organisationen zur nachdrücklichsten Gegenwehr. Nachdem BerbandSobmann Genosse Waschak die Versammlung mit einer kurzen EinleitungSansprachc eröffnet hatte, erstattete als erster Redner Tr. Repp ' ESkomptcbaul> einen eingehenden Bericht über die Situation. Er betonte, daß das Programm derAn- gcstelltcnverlretcr, das als äußerst bescheiden zu bezeichnen sei, den Banken keinen nennenswerte» Mehraufwand auferlegt. ES ist eben deshalb unverkennbar, daß die kategorische Ablehnung der Forderungen die Betonung eines prinzipiellen Standpunktes bedeutet, nämlich einer Personalpolitik der„freien H a n d" wie sie verschiedenen Bankherren als Ideal vorschwebt. Deshalb die Ablehnung jeder kollektivver- traglichcn Bindung seitens der Direktionen, darum auch die Ignorierung der berechtigten Minimalfor- dcrungcn des subalternen Personals. Als offcnknn- dige Provokation muß die Art empfunden werden, wie die Banken auf der anderen Seite den höheren Funktionären cntgegcnkonuncn. Ter Leitungsapparat der ESkomptebank kostet z. B. immer«och drei Millionen AL und auch über die Dotierung der Funktionäre in de» anderen Banken wäre manches zu sagen. Selbst der P e n s i o u s f o n d s ist nickst sicher vor allerlei Unternehmungen der Gewaltigen. Lo konnte sich z. B. ein Direktor nach achtjähriger Tätigkeit Ruhegeniisse von 170.000 AL jährlich sichern, ein anderer dieser verdienstvollen Herren gar eine PensionSrcnte von 240.000 KL. Man vergleiche damit Sie ganz unzureichende Altersversorgung so vieler vorzeitig pensionierter Subalterner. Aber auch ans anderen Gebieten macht sich in zunehmendem Maße die Tendenz geltend, in rücksichtslosester Weise ans den Arbeitnehmern herauSznpressen, was sich eben herauSpressen läßt. Dr. Repp besprach dann eingehend Punkt für Punkt die vier Forderungen der Beamtenschaft(Kollektivvertrag.- Einreihung inS Schema, Vorrückung und Einbeziehung der Vertragsbeamten in das Schema). Unter allgemeinem Beifall erklärte der Referent, daß die Beamtenschaft entschlossen sei, de» ihr anfgezwungenen Kampf durch- zuführcn. In tschechischer Sprache sprach dann als zweiter Rescrent Herr Kubeö(Ländcrbnnk) der den nnge- heurcn sozialen Druck betonte, dem heute alleArbei- tenden unterworfen sind. Er befaßte sich mit den sozialen Mißverhältnissen im Bankwesen überhaupt und illustrierte sie durch Beispiele aus der Wirtschaft der Ländcrbant.< Funkt ionärvcrträge, PensionSvcr- hältnisse, Ucberstnndcnarbcit). 11. a. wies der Referent auf den Mißstand der sogenannten„Volontäre" hin, die momVelang ohne Entlohnung Dienst machen und dann für 800 bis 600 KL arbeiten müssen. Unter diesen Ausgebeuteten sind oft hochqualifizierte Kräfte. Nach dieseni Referat überbrachten Vertreter der Agrarbank- und Anglo- b a n k b e a m t c n die Grüße und die Erklärung absoluter Solidarität mit den um ihr Recht kämpfenden Kollegen. Sodann nahm die Versammlung einstimmig eine Resolution an, die in nachdrücklichster Weise vor der gesamten Oessentlichkeit Verwahrung gegen das rücksichtslose nnd unsoziale Vorgehe» der Bankdircttion cinlegt und den Abwehr z,nm Ausdruck bringt. „was den tschcchoslowalischcn Staat und seine Regierung bedrohte oder beleidigen konnte". „ES ist also der Geist der„Neuen Literatur", den man fürchtet und dessen Eindringen man verhindern möchte. Aber dieser Geist hat Flügel und fliegt über Manern nnd läßt sich durch Schlösser und Verhaue nicht anfhaltcn.,. Die Macht der Juden in Prag kann nicht so groß sein, daß das tschechische Außen« und Innenministerium dauernd nach ihrer Pfeife tanzen nstißte. Wir sind sicher, daß auch die Tschechen noch erkennen werden, daß eine ruhige, offene und ehrliche Zusammenarbeit mit ihrem deutschen Nachbarn für sie besser und fruchtbarer ist als die Judenknechtschaft, in die sie sich einstweilen verblendet nnd willig fügen." Die Zeitschrift dieser bornierten Frechheiten, die wie anfangs zitiert, längst durch Innen- und Außenininistcrium bis zum Jahre 1035 verboten ist, läßt sich lvie sic selber sagt»„durch Schlösser und Verhaue" nicht aushaltcn. Sie erscheint samt ihrem„Geist" ruhig weiter und liegt in der städtischen Lesehalle Prags öffentlich auf. Es lväre durchaus im Interesse der Lcsesaalbcsucher, wenn auö dem Reigen der gleichgcschaltctcn deutschen Litcratnrzckitschriftcn eine verschwände, und durch eine der nicht glcichgeschaltetcn deutschen Zeitschriften, von denen man sehr wertvolle immer noch vermißt, erscsst lviirdc. Ocrlchtssaal Nüchternes Ende einer Pressesensation „Untat Prager Gangster" entpuppt sich als fingierter Uebersall. Prag, 17. Mai. Es ist kaum einen Monat her, daß die hiesige SensationSprcsse in dreispaltigen Titeln ihren Lesern eine erschreckliche Nachricht auftischte.„Prager Gang st er an der Arbeit" war noch der zahmste Titel, lind dann folgte eine entsprechend saftige Schilderung, wie der Lljäh- rige Kellner Prokop W i e d>e m a n n auf der Kleinseite von seiner OuartierSsrau Kohout„in besinnungslosem Zustande, mit einem Knebel im Munde und blntigcn Verlehungen an Kopf, Hals und Armen" ausgefnnden worden sei. Der Aermfte sei erst nach längeren Bemühungen wieder zn sich gekommen. Darauf bezichtigte er seinen Kameraden Ottokar S. deS r ä u b e r i f ch e n 11 e b e r f a l l e s. Die'Polizei nahm Ottokar S. nach kurzer Zeit fest und wieder gab es eine Sensation:„DerPra- g e r G a n g st e r s e st g e n o m in e n." Während aber noch die Camelots diesen Schlager auSricfen, hatte schon der„Ueberfallene" auf der Polizeidirck- tion das Geständnis abgelegt, daß der„Gangster" Ottokar S. unschuldig sei und er, Wiedern ann, den ganzen Uebersall nur fingiert habe. Die Polizei glaubte ursprünglich völlig der Behauptung Wiedemanns, daß Ottokar 2. an der Wohnungstüre angeläutct habe, als Wiedemann allein zu Hanfe war, ihn beim Ocfsncn der Türe I überfallen nnd mit Hieben und Stichen übel zugerichtet habe. Dann habe er ihn gefesselt nnd geknebelt nnd der Onartierwirtin auö der Kommode 150 KL gestohlen. Auch die Sparbüchse einer Untcrmie- terin der Fran Kohout nut einem Inhalt von 180 KL habe er mitgehen lassen. Die Beschuldigung gegen Ottokar S. war so glaubhaft vorgcbracht worden, daß die Polizei dessen entrüsteten Ilnschuldsbcteuc- rnngen vorerst keinen Glauben schenkte. Erst als er einen absolut sicheren Alibibeweis erbrachte, nahm man den Anzeiger Wiedemann ins Kreuzverhör. Und siehe da— die Widersprüche in seinen Aussagen häuften sich mehr und mehr und schließlich legte er ein volles Geständnis ab. Wiedemann selbst hatte die Spargroschen der beiden Frauen entwendet und dann im Keller versteckt. Wiedemann selbst hatte sich dann mit einem Rasiermesser Schnittwunden zugefügt nnd sich m i t einem Fleischklopfer etliche Ben len im Gesicht fabriziert. Wiedemann selbst hat sich schsießlich einen Knebel in den Mnnd gesteckt und sich, so gut eS gehen wollte, gefesselt. Er hat den räuberischen Uebersall vorgetänscht, um— nicht z u in Militär zu kommenI Wie sich der junge Mann das eigentlich vorgestellt hat, ist ein Rätsel. Er stand vor der^ zweiten Assentierung und wollt« nicht einrücken. UeberfallcS auf Assentierung zu sknipelloS einen diesen, wenn er nicht zufällig sein Alibi hätte nach- lveisen können, vor die Geschworenen gebracht nnd auf viele Jahre hinter Schloß und Riegel gesetzt hätte. Heule vergoß er, vor dem Senat N o s e k des Verbrechens der fälschlichen, Bezichtigung und der Uebertretnng des Diebstahls ange- . klagt, reichliche Tränen. Das hälfihm aber wenig. ' Der Gerichtshof erkannte ihn im Sinne der Anklage 1 schuldig und verurteilte ihn zu vier Mona- rv. Schon in seiner Jugend beschäftigte er sich mit Soziologie und Sozialismus, wozu er sich aber rein verstände»- und nicht gefühlsmäßig eiustellte. Er stellte sich gegen die Theorien des reinen Materialismus und vor allem gegen den KommnnismnS. Benes stellt die Demokratie über alles, da diese logischcrwcise auf evolutionärem Wege zur Lösung der sozialen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme führen soll. Dr. Benes bekämpft ganz entschieden die Idee des Ständeoder Koporativslaatcs, welche der modernen Gesellschaft keineswegs entspric" Die Demokratie kann nur Strömungen gegenüber eventuell Eingesländnsise mache», die keineswegs antisozial sind und keine Vergewaltigung einer Nation, Nasse oder Gesellschaftsklasse darstellen. Der Ansicht, daß vielleicht auch unser Staat der Welle deS politischen Radikalismus nickst wird aurweichcn können, stellt BcneS die Tatsache gegenüber, wie sehr sich die Einstellung unseres Staates von den uns begrenzenden Staaten und Nationen unterscheidet. In den Dienst des Siaats- gedankcnS müssen alle staatlichen Institutionen gestellt werden. Die nationale Einstellung sieht Bencö al» die natürliche Entwicklung des demokratischen StislemS an, er stellt sich jedoch gegen jeden überspannten Nationalismus ein und ist für die Getvährung der berechtigten Forderungen unserer Minderheiten. Redner spricht dann über die große Bedeutung der Zusammenarbeit von Masarhk und Bene» nach der Revolution, über die Tätigkeit Beliess auf der Friedenskonferenz, über seine Leistungen in den verschiedenen Kommissionen deS Völkerbundes in Genf und über seine politische und kulturelle Einstellung zn Frankreich. Dann hebt der Referent noch die Bedeutung hervor, dse Minister Benes der Kleine» Entente beimißt. Znm Schluß des Vortrages lenkt der Redner noch die Anfnicrlsamkeit auf die Ucberzeugung Beliess, daß die Entwicklung dec Menschheit Fortschritte macht und daß in enger Verbindung damit auch die wirtschaftlichen und politischen Probleme einer Lösung entgcgcngeführt werden können. Die fortschreitende soziale Entwicklung sei daS beste Mittel zur Ucbcrbrückung der Klasscnkämpfe. DaS bedeutet aber gleichzeitig, daß die berechtigten Forderungen der Arbeiter nnd Kleinbauern erfüllt werden müssen und auf dieser Ucbcrzeugung muß die Innen- nnd Außenpolitik deS Staates aufgebaut werden. Der Abend tvnrde durch eine kurze Ansprache de» Dozenten Dr. Chalnpntz über BencS als Soziologe beendet. Tödliches Unglüik vor Hauptpost Auto überfährt Radfahrer. Gestern gegen 8 lihr früh stieß ein Auto der bekannten Fischhandlung Vaüha den 31jährigen Zimmerer Josef Hnnz. der auf einem Fahrrad durch die Heinrichögassc kam, nieder. Hanz wurde schwerverletzt auf die Klinik Prof. Jirasek gebracht. Sein Zustand wird für hoffnungslos gehalten. Dichtcrabende des Schustverbandeo deutscher Schriftsteller. steiler, in der meinschakt mit den literarisch-künstlerischen Vereinen „Concordia",, „Klub deutscher Schriftstellerinnen" und„La Scöne" zwei weitere Dichtcrabende. Am 25. liest in der „Urania" Alfred W o l f c n st e i n ans eigenen Werken und am 80. Mai, ebenfalls in der„Urania", Hilde Maria K r a n s, gleichfalls aus eigenen Werken. Bisher haben die fünf genannten Vereine bereits drei Dichterabende veranstaltet.. anstaltnngen Iverdcn sm Herbst fortgesetzt werden. , Spielplan des Neuen Deutschen Freitag, den 18. Mai, abends halb 7 Uhr fried, Gastspiel Kammersänger Pistor, NingzhUnS III, D 1.— Samstag, halb 8 Uhr:„D i e B lum e von H a w a i", Bl.— Sonntag, 6 Uhr:„G ö t- t er da in m e ru n g", Wagner-Zyklus kV, Gastspiel Kammersänger Gotthelf Pistor, CI.— Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag, 8 Uhr:„Der eingebildete Kranke", Kultiirverbandssrcunde und freier Verkauf.— Samstag, 8 Uhr:„Migo vom Montparnasse". Sonntag, 3 Uhr:„D ie I n s e l". 8 Uhr:„Stratz e n m n s i k". Aus der Partei VezirkSorganisation Prag. Psingstsahrt nach Schelcsen(Ordner). Abfahrt am Samstag, den 19. Mai, Wilsonbahnhof, 14.88 Uhr, bis Mclnsk. i Spätere Züge: 17.11(Tenisbahnhof), 20.88(Wil- sonbahnhos). Jugendbewegung Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Pfingsten: Schclesensahrt. Zujamnicnkuust: 2 Uhr, Wilsonbahnhof. oder halb 8 Uhr, DeniSbahnhof. Kosten: 20 bis 80 KL.— Sturmfalkentreffen: Zusammenkunft 2 Uhr, Wilsonbahnhof. Kosten: 50 bis 60 KL. — Ter Funktionärkurs findet heute nicht statt, sondern erst Donnerstag, den 24. Mai. SJ. Sozialpolitische Sektion. Freitag, den 18. Mai, nm halb 8 Uhr im Parteihcim in der Nationalstraße zweiter Einführungsvortrag in die Sozialpolitik. Erscheine» der Sozialfunktionäre ist Pflichtl Alle Mitglieder sind willkommen! Jung- nnd Rotfalken versammeln sich znr Psingstsahrt nach Wegstädtl am SamStag nm 13 Uhr 80 Minuten am Wilsonbahnhof nnd sind am Dienstag um 18 Uhr wieder am Wilsonbahnhof zurück. Vorträge BeneS als Staatsmann Vortrag des Gesandten Fierlinger. Anläßlich des fünfzigsten Geburtstages... Außenministers Tr. BeneS hielt der tschechoslowakische Gesandte aus Wien, ZdLnck Fierlinger, am 17. Mai im Sozialinftilnt der Tschechoslowakischen Republik einest Vortrag mit dem Thema„Dr. Bcneö als Staatsmann und die sozialen Gcsichtspnnktc seiner Politik".■ Der Redner führte zuerst an, daß die Umgebung, in der Benes aufgewachsc» ist, schon die Grundlage seines Charakters und seiner Gesinnung gebildet hat.