14. Jahrgang Mittwoch, 23. Mai 1934 Nr. 118 El8Mbl»iB 70 lHMr (•inichlieWich 5 Heller Porto) IENTRALORGAN DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEM ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xi<„ fochova«r. teueon sxn. Administration thron 530/6. HERAUSGEBER) SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR) WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR) DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Denner und Breitner frei zahlreiche fahrende Genossen enthaftet— Was Ist mit Seitz and Sever?— Was Ist mit den Schutzbündlern? Wien, 22. Mm. Der rlif ntnlinr Präsident de» NationalratrS Dr. N c n n e r, der cTjc« malifle Finnnzrefrrrnt der Stadt Wien Breitner sowie der frühere Abgeordnete Dr. Ellenbogen wurden gestern ans der Untersuchungshaft des Wiener Landesgrricht» entlassen. Aus dem Konzentrationslager in Wällersdorf wurde Professor Dr. Friedjnng entlassen. Unter den Freigelassene» befinden sich noch Bizrbnrgermeister Emmerling, die Stadträtr Speiser und Weber, der Landtagsabgeordnete Schnridmadl, dir Generale Schneller und Mäher, der gewesene Präsident der Arbeitrrkammrr Weigl, Kammersrkretiir Heindl, Magistratsdirektor Hartl und Branddirektor Wagner. Die Enthafteten müssen in ihren Wohnungen verbleibru und dürfen auch nicht de» Fernsprecher benutzen. Gegen alle genannten Personen wird das Verfahren wegen Hochverrates eingestellt; das Brrfahren wegen anderer Delikte, hauptsächlich deshalb, weil sie es verabsäumt hätten, die„hochverräterische«" Pläne der andere« Angeklagte« anzuzeigen, wird gegen sie jedoch weitergeführt werden. Die Meldungen über eine Haftentlassung des frühere« MichStagSabgeordnetr« Danneberg Ivaren unrichtig. Gegen Danneberg wird ebenso, wie gegen dr« Bürgermeister Seitz, gege« General Körner nnd gegen den Vorsitzenden der niederösterreichischen Landesregierung Helmer das Hochverratsverfahrrn weilergeführt werden. Einige Freilassungen begründet man damit, dass die Untersuchung in der Sache Arbciterbanl abgeschlossen sei. Die Enthaftungen fiird aber ein Beweis für die Schwäche des Regimes Dollfuss. Nach den Febertagen hat die Regierung den Versuch unternommen, die fcstgenommenen Führer der Sozialdemokratie auch moralisch hinzurichten. Die KorruptionSschnüffclei nach hitlerschem Muster setzte ein. Die Fascisten hatten vor allem behauptet, in dec Arbeiterbank seien unlautere Geschäfte getätigt worden. Es ist den Hen- kcrlatholiken nicht gelungen, auch nur eine Spnr von Korruption nachzuweisen. Die Sicherstellung der Gewerkschaftögelder wird weder vom Ausland noch von der österreichischen Bevölkerung als Korruption betrachtet, sondern als ein Akt berechtigter Notwehr gegen die fascistischcn Diebe. So musste man sich damit„begnügen", die pb"-">che Vernichtung der sozialdcmolratiichen Führer wor- zubcreiten. DieS sollte geschehen durch lange, schchere Haft und durch einen grossangelegtcn HochverratSprozess. Aber der Regierung Dollfuss geht der Atem aus. Dem moralischen Drucke von aussen gesellte sich in den letzten Tagen rin schwerer innenpolitischer Druck, dessen Hauptträgerin die ungebrochene sozialdemokratische Bewegung ist. Die Regierung will, indem sie die führenden Männer der Sozialdemokratie freilässt, bei den Äiassen um gut Wetter bitten und den Eindruck erwecken, als sei sie zu Gnade und Versöhnung bereit. Diese Rechnung der katholischen Henker hat ein Loch. Sie Übersicht den Gerechtigkeitssinn der österreichischen Arbeiter, dessen Aeuherungen nicht verstummen werden, wenn man einige führende Vertrauensmänner aus der Haft entlässt. Denn eS bleiben in Haft vor allem die Genossen Seih und S e v e r. Beide sind schwerkrank und haftunfähig. Beide sind wegen des Deliktes in Haft, das die Regierung beging: toegen Hochverrats. Es bleiben Danneberg nnd Kör»er weiter in Haft. Und mit ihnen befinden sich noch tausende Schutzbündler in den Gefängnissen der katholischen Regierung! Gegen die meisten ist das Hochverratsverfahren erst in Vorbereitung; sie haben lange Kerker- oder Zuchthausstrafen zu gewärtigen. Viele von ihnen werden in der Haft phhsisch und. geistig zugrundegc- richtet. Die Heimwehrbestien lassen sich an, ihnen ungehemmt die Wut aus. Hunderte braver Genossen sind in den KonzentrationSla- gern— ohne Gerichtsurteil, ohne einen anderen Grund als den, Sozialdemokraten und Schützer der Verfassung gewesen zu sein. Tausende österreichischer Kinder schreien nach Brot, tausende Arbeiterfrauen rufen nach den Ernährern der Kinder! AberdieRegicrungDollfuss, die Gnade mimt, lässt eher die Ain« derzugrundcgehn, alsdahsieihnen die Väter wiedergibt! Hunderte von Schutzbündlern sind bereits v e r u rt e i l t, einige zu so schweren Strafen, dass sie als Krüppel des Lebens wieder in die Freiheit kämen. Nenn sind »* Inzwischen finden die Anschläge, die von den Gegnern des DollfnsssystemS planmässig verübt werden, ihren Fortgang. Die amtliche Berichterstattung bringt darüber allerdings nur kurze, nichtssagende Nachrichten. So explodierte in der Nacht anf Montag in der Kurtrinkhalle in B a d I s ch l ein Explosivkörper, den der amtliche Bericht als harmlosen „Papierböller" hinznstellen sucht. Dieser Böller hat immerhin dir Wirkung gehabt, daß die Halle schwer beschädigt wurde. Auch in Wien kam es am Pfingstsonntag neuerdings zu verschiedenen Prtardrnrploponen in einer ganzen Reihe von Bezirken. In B r a u n a u am Inn wurde gestern rin Transformator durch eine Explosion zerstört. Eine Stunde später wurde die Wasserleitung durch rine neue Explosion beschädigt. In Schärding wurde gestern eine vaterländische Kundgebung durch kleine Luftballons gestört, die von bayrischer Seite abgelaffen wurden. Sie platzten über der Stadt und ihr Inhalt, nationalsozialistisches Propagandamatrrial, fiel auf die Straßen. Auch mehrere B a p i e r b ö l- ler wurden zur Explosion gebracht,wobei rin Litwinow und Troizki Paris, 22. Mai.„Daily Mail" meldet aus Mentone an der Riviera, dass in einem dortigen Hotel der russische Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten, Litwinow, am Samstag Wohnung genommen habe. Journalisten gegenüber erklärte der Minister, er sei. gekommen, um seinen Lungenkatarrh auszuheilen. Einer Mitteilung des HoteldirektorS zufolge soll Litwinow mit zweien seiner Freunde zusammengekommen sein, von denen einer, wie das Blatt zu wissen glaubt, der russische Botschafter In Paris Dowgalewski, der andere Trotzki gewesen sein soll.- Mussolinis Loyalität erkauft? Der Londoner„Daily Herald"'! berichtet, dass die Schwenkung Mussolinis in seiner Vülker- bundSpolitik, seine Zustinimung zur Vertagung der Saarentscheidung und seine Ablehnung deS Goering-Besuchs in Rom nicht nur der Verstim- mung über die Balkan-Politik der Hitler-Regie- iic im Herbst der Prozess werde gemacht Iverdcn. Die Welt horchte auf; wäre cS doch sehr interessant, zu sehen, wie die Eidbrecher und Putschisten das Kunststück zuwege bringen, den Sozi a l d e m o l r a i e n VersassnngSbruch nachzuweisen. Aber die MiklaS-Katholilen scheinen keine Sehnsucht mehr nach dem Prozess zu haben. Er bekäme ihnen zu schlecht. Sic mögen sich keiner Täuschung hingcben: solange noch e i n Schutzbündler, solange noch e i n 'Sozialdemokrat wegen seiner Gesinnung in Oesterreich in Haft ist, wird eö in diesem Lande keine Ruhr geben! Die Febcrtagc und die feige Niedertracht, die die Dollfnsschristen nach ihrem Siege bewiesen, haben die österreichische Arbeiterschaft nur noch selbstbewusster, kühner, unversöhnlicher gemacht. Die Haftentlassungen sind nicht das Ergebnis christlicher Milde und christlichen GerechligkcitösinncS, sondern eine Folge der Furcht, die daS Regime beschlichen hat, vor allem ein Ergebnis des illegalen Kampfes, den unsere tapferen österreichischen Genossen führen. Die Regierung wird zur Kenntnis nehmen müssen, dass die österreichischen Arbeiter Solidarität mit allen Opfern der sascistischcn Justiz und Polizei üben: Seitz und S c v e r, K ö r» Haus beschädigt wurde. Im Lause deS Abends wurde auch die Lichtleitung unterbrochen. In den Abendstunden kam es zu Z«s n m m e n st ö ß e n zwischen Rationalsozialiste» und Polizeibeamtrn, wobei vier Nationalsozialisten verletzt wurden. Unweit von Dors an der Traun wurden gestent zwei Heimwehrlrute von Nationlsozialisirn auS dem Hinterhalt beschossen. Bride Heimwrhr- lrnte wurden schwer verletzt. Dir Tätrr sind flüchtig. Zurück In die Konzentrationslaser I Die Regierung vermutet offenbar die Urheber dieser Anschläge ausschliesslich im nationalsozialistischen Lager; wenigstens hat sie gestern und heute in Wien und in der Provinz über 60 prominente Halenkreuzler verhaftet, darunter einige, die erst vor kurzer Zeit daS Gefängnis oder das Konzentrationslager verlassen hatten. Aus den Bezirken Wels, Gmunden, Bad Ischl und Ebcnsce werden sogar einige hundert Verhaftungen von Nazis gemeldet, die von der Gendarmerie mit Unterstützung von Abteilungen des Heeres durchgeführt wurden. rung zuzuschreiben sei, sondern auch finanzielle Gründe habe. Tie italienische Staatsbank, die dicht vor'dem Bankrott stand, sei durch eine grosse französische Goldanleihe saniert worden— und als Gegenleistung für diese Rettung in höchster Not habe Mussolini Frankreich und dem Völkerbund seine Unterstützung in gewissen aussenpolitischen Fragen zugesichert. Auch gegen den Eintritt Russlands in den Völkerbund und gegen ein russisch-französisches Bündnis lverde er keine Einwände erheben.* Alfons will Privatmann hlelhen Madrid, 22. Mai. Wie in massgebenden Kreisen erklüick Ivird, teilte der ehemalige König Alfons XIII. von Spanien den. spanischen Monarchisten mit, dass er fest entschlossen sei, den Thron von Spanien nicht zu besteigen, selbst lvcnn in Spanien die Monarchie wieder erneuert Iver- den sollte. Er empfehle ihnen,. sich auf seinen 21jährigen Sohn Don Juan als Prätendenten auf den spanischen Thron zu einigen. Umsturz in Bulgarien Wenige Tage nach dem Staatsstreich in Lettland kommt wieder die Meldung von einer Acndcrung der Rcgicrungssorin, die sich dies- mal in Bulgarien abgespielt hat. Obzwar die Ereignisse, die sich in der Nacht von Freitag anf Samstag in Sofia vollzogen haben, keine grosse Bedeutung für die Entwicklung der gesamteuropäischen Ereignisse haben, ist cs doch notwendig, das, maS sich in Bulgarien abspielt, zu verfolgen, um sich über die Bedeutung dieses Umsturzes,— soweit dies im Augenblick möglich ist— zu informieren. Bulgarien wurde durch die Niederlage, welche es im Weltkriege erlitt, schwer erschüttert. Es hat das Ziel, um dcsscntwillcn cs in den Krieg eingetreten ist, die Angliederung Mazedo- nicnS nicht erreicht. So wurde das damalige Re- gime mit dem Zaren Ferdinand gestürzt und sein Nachfolger Boris musste den Führer der revolutionären Bauernpartei, Stamboliski, mit der Regierung betrauen, der Bulgarien bis zum Jahre 1923 regierte und bedeutende Agrarreformen durchführte. 1923 wurde der Agrarreformer Stamboliski durch den Führer der bürgerlichen Reaktion, Zankow, gestürzt, der insbesondere seit dem Anschlag aus die Sofioter Kathedrale 1928 blutige Koimnunislenvcrsolgun- gcn cinlcitctc. Seither herrschten in Bulgarien Richtungen, welche, wie sich nun zeigt, vergeblich sich bemühten, die Gegensätze zwischen links und rechts zu überbrücken. Die grosse Schlvierigkeit der bulgarischen Innen- und Aussenpolitik, lvar der Terror, den die mazedonischen Revolutionäre auf alle Regierungen ansübten. Die mazedo- irischen Terroristen wollten mit Gewalt die Rück gäbe des jugoslawischen Teiles von Mazedonien durchsetzen und trieben damit Bulgarien in eine zu seinen Nachbarn feindliche Politik hinein. Von diesem Druck wollte sich der König befreien und hat deswegen eine diktatorische Regierung berufen. Die Folge wird eine Annäherung an Jugoslawien sein— cs ist charakteristisch, dass am Tage der Verkündigung der Diktatur ein Wirtschaftsabkommen mit Jugoslawien abgeschlossen wurde— und damit auch eine Annäherung an Frankreich, was darin seinen Ausdruck findet, dass man den bulgarischen Gesandten in Paris zum Aussenminister machen will. Im zweiter Linie ist die Umlvälzung gegen die rcchtsbiirgerliche Partei Zankows gerichtet, die sich sascistischcr Methoden bedient und eine Politik der Annäherung mit Italien verfolgt. Am Sonntag sollte in Sofia eine grosse Kundgebung stattsindc», zu der 50.000 Personen erwartet wurden und für die Zankow als Redner angekündigt war. Um nun einen Putsch Zankows zuvorzukommen, den man bcsürchtete, hat man eben mit Hilfe des Militärs Samstag den Staatsstreich vollführt. Allerdings wird die neue Regierung die ihr zufallendc Macht auch dazu verwenden, um die Linke vonl Einfluss auf die bulgarische Politik auszuschalten. Darauf weist das Versamin- lungsverbot hin und daS Nichterscheinen des Organs der bulgarischen Sozialdemokratie, so- wie die neue Vcrwaltungseintcilung, welche die Verwaltung vollkommen unter die Kontrolle der Regierung bringen soll. Auch der bulgarische Umsturz iii der Ausdruck der Tatsache, dass in einigen Ländern die soziale Entwicklung dahin gediehen ist, dass sicli die verschiedenen sozialen Schichten nnd damit die ihre Interessen vertretenden politischen Parteien, die Waagschale halten und dass cs so einer bestimmten Gruppe gelingen kann, die Rechte gegen die Linke und die Linke gegen die Rechte ausspielend, die Macht zu ergreifen Pflicht mögstchst Salb zu erkennen... Die Explosionen dauern an In Ischl, Braunau, Schirdlns usw. »er, Elssler nnd L o W, Paula W a l- lisch und Sichelrader und alle Schutzbündler und Genossen, die in Konzentrationslagern oder in der Untersuchnngs- oder„ordentlichen" Hast sind, müssen freigelasscn Iverdenl Dies ist nicht ein„Gnadenalt" der Regierung, dies ist gehenkt— und die iotlranke Frau deS einen, die Genossin W a l l i s ch, haben die Bestien in de» geschickt. WtWWnMWMWDUMMDWWWMMW »- Grosssprecherisch kündigten die Fascisten MU-ihr» P fl-i cht l Tie wird gut daran tun, diese dass den gefangenen Führern der Sozialdemokra-"' «eite 2 Ke. 118 Mittwoch, 23. Mai 1934 Demagogisches Geschrei um die Hakenkreuz-Ueberreste Die Angelegenheit der Fahrner-GewerKschalt •Seit Wochen wird i>ie deutsche Oefscnttichkcit mit Geschrei üvcr das s ch wert Unrecht behelligt, das angeblich der..Gewerkschaft deutscher Arbeitnehmer" des Herrn Fahrner widerfahrt 18.000 Arbeitslose ohne Untersuchung", ruft die deinichbürgerliche Presse ins Land, die sich bisher n och ui e dafür interessier! hat. wieviel deutsche Arbeitslose ohne jedwede gewerkschaftliche llntcr- inchung daneben! Worum geht es eigentlich? ES verdient einmal aufgezeigt zu werden, mit welchen Mitteln die volitische Oeffeiittichkeii alarmiert und hintcrS Licht geführt wird. 2er Auflösung der siidetendeutschcn politischen Hitler-Filiale folgte die Auslösung der na- lionalsozialistischen Gewerkschaften auf dem Fuße wobei die Negierung in Würdigung des llmstan- des, das, ein Teil der Mitgliedschaft der aufgelösten Verbände unschuldige Opfer der bakenkreuzleri- schcn Umtriebe waren, eine Reihe von Borkch- r u n g e n zu deren Schube getroffen hat Vor allem tvurdcn sofort alle in Betracht kommen» den Bezirtöbchörden angewiesen, die Mitglieder der aufgelösten Verbände sofort und ohne Rücksicht auf die in den einschlägigen Richtlinien borg,» scheuen Termine indiestoallichcErnäh- r u n g s a k t i o n c i n z u g l i e d c r n und sie derselben Hilfsmatznahwcn teilhaftig werden zu lassen, wie sie weit über-100.000 Arbeitslose und darunter hundcrttauscnden deutscher Arbeiter ge» ivährt werden, an deren Leide und Bitternissen die deutschbürgerlichc Oeffentlichkcit jahrelang achtlos vorübcrgcgaugcn ist und für sic keine einzige Träne vergossen hat. Weiters hat die Regierung die Verfügung getroffen, daß sämtlichen Gcwertsctmfts- organisationen, die die Mitglieder der aufgelösten GewcrkschastSverbände aufzunchmen bereit waren — auch über die geltenden llntcrstützungsordnun- gen hinaus— die Bewilligung cingcräumt wurde, die Mitglieder der aufgelösten Verbände m i t kürzester K a r e n z f r i jt aufzuneh- in e n, so daß jedes arbeitslose Mitglied der Hakenlreuzgewerlschasten sich meist sofort und nur in ivcnigcn Fällen erst nach Ablauf von 12 Tagen die Mitgliedschaft bei einer der anderen Gewerkschaften und damit auch die Flüssigmachung der ArbcitSlosenunterstühung nach dem Genter System sichern konnte. Dabei brauchten die Mitglieder der aufgelösten Verbände in ke i n c r l c i seelische Konflikte zu geraten, denn sie hatten, sofern sic nicht die Mitgliedschaft bei den sogenannten„marxistischen" Verbänden wollten, vor allem die Möglichkeit, sich ohne jede ideologische Bindung mit diesen Gewerkschaften nach den einschlägigen gesetzlichen Normen die sogenannte Genter Mitglied s ch a f k bei diesen Verbänden zu sichern! UcberdieS standen ihnen auch noch folgende Organisationen. die die Berechtigung zur Auszahlung der Arbeitslosenunterstützung nach dem Genter System hatten, zur Verfügung: a> die christlichen Gewerkschaften mit dem Sitze in Zwittan, b) der Deutsche allgewerkschaft. l i ch e Verband in Relchenberg, der der Arbeit»- und Wirtschaftsgemeinschaft nahestcht, nnd c> daS dentschsaztale Verbindchen deS Herrn P e y r r l in Reichenierg, also eine grotzcAnswahlvongutanti« m a r x i st i s ch e n G e w c r k s ch a f t e n, so dah sie nicht die GelvissenSpcin des Eintrittes in eine freie Gewerkschaft auf sich nehmen mutzten I Aber den hakcnlreuzlerischcn Sekretären und namentlich dem Herrn Fahrner, der. wie er zu gilt weitz. zum nationalsozialistischen Scheiterhaufen so manches Scheit Holz mit beigctragrn hat, patzten alle diese Vorsorgen der Regierung absolut nicht in den Kram, da er eö auf das Kapern der Hakenkreuzmitglieder abgesehen hatte. Fahrner setzte sich daher mit den nationalsozialistischen Ge- wcrkschafissckretärcn in Verbindung, die die düpierten hakenkrcuzlerischen Arbeiter an den Meistbietenden zu verlausen bereit waren, und hieb gemeinsam mit seinen Kumpanen, den Herren Lindenthal und Dr. Binder(ein ehemaliger L e i t a r t i k l e r d e s„T a g"), bei dem grohen Rennen um die Hakenkreuzmitglieder den Land- bUndlcrsekretär I a n n a u s ch in die Pfanne. So gelang cs ihm, Zehnkausende von hakcnkreuz- lcrisckcn Arbeitern als kompakten Block samt dem ganzen hakcnlreuzlerischcn Sekretär- und Funk- tionärstab in seinen Verband zu überführen. Da Fahrner selbst keinen in daS Genter System eingrglicdertrn Verband besäst— bisher war seine„Reichoverrinigung" blost ein Spitzenverband von Bcamtenorganisationen— erwarb er den Bergarbriterverband des Simon Starck, der kaum 3000 Mitglieder zahlte, käuflich und pferchte in diese Organisation viele Zehntausende von Arbeitern hinein. Der aus der Nachlatzmassc des Hakenkreuzverbandes herüber„gerettete" Betrag, den die Fahrnergewerksäiaft als Mitgift bekam und der zirka 200.000 Ke betrug, konnte selbstverständlich als llnterstiitznngsfonds für Tausende von Arbeitslosen nicht zureichcn. Das Anpunipen der Kreditanstalt der Deutschen, die mit einem Betrage von 1.5 Millionen bei den hakenkreuzlecischen Gewerkschaften engagiert war, hatte seine Grenzen und da dem Herrn Fahrner nun der Kops schwindlig zu werden begann, setzte er in der Verzweiflung mit seinen Treibereien ein, in deren Mitte er den Betrug mit der„Arbeitölosenzifser von 18.000 Personen" setzte. Einmal erzählen die Herrschaften nämlich» datz sic 70.000 Mitglieder haben(siehe„Prager Tagblatt" vom 10. April. „Prager Börsen-Eourier" vom 12. April), dann haben sie nur 35.000, welche Zahl der Wahrheit schon näher kommen dürfte. Am 5. Feber fatierten sie noch 10.000 Arbeitslose, jetzt sind es plötzlich 18.000. Die Herren sollen dock erst einmal genau sagen, für wieviel Leute sic zu sorgen haben! Wenn ihre Arbeitslosen die staatliche Ernährungi- altion in Anspruch nchnien wollten, tvürde das dem Staat 4 Millionen kosten, lasse» sie durch die „Bohemia" verkünden. Aber warum nehmen sie die staatliche Ernährungsaktion nichts» Anspruch, obwohl sie doch diesen Anspruch besitzen, obwohl er ihnen ausdrücklich zuerkannt wurde? Offen- b a r, weil sie es nicht notwendig haben, weil sie die Arbeitslosenunterstützung nach dem Genier System beziehen. Und wenn die Gewerkschaft ihren Leuten die Unterstützung auszahlt, warum also wieder daS Geschrei, datz„18.000 Arbeitslose seit November 1033 ohne Unterstützung sind"?? Diesen Zwiespalt zu erklären, dürfte keinem Fahrner gelingen! Man mutz sich nur die Herren Proponenten einmal ansehen, um beurteilen zu können, weS Geistes Kind diese Gewerkschaft sein soll! Wir haben vor uns die Mitgliederliste des Werbcau»- schusses. Der Herr Gustav S e i b t au» Gablonz, der 'inter den Proponenten der neuen Gewerkschaft an erster Stelle rangiert, fast im Vorstande der Haken- krcuzlcr-Gewerkschaftszentrale„Verband deutscher Gewerkschaften" und im Vorstände des gleichfalls aufgelösten„GcwcrkschaftsverbandeS deutscher Arbeiter". Nun hat er e» wieder zum Sekretär der Jahrner- Gcwerkschast gebracht. Da finden wir als alten Bekannten den gleichfalls schon bei Fahrner Sekretär gewordenen Herrn Eduard Diebe aus Austig, dessen Leitartikel im„Tag" noch unvergessen sind. Da sehen wir den Herrn Franz K ö l l n e r aus Drahowitz wieder, der Sekretär des Gewerkschaft»- Verbandes deutscher Arbeiter und ein wackerer poli- tischcr Agitator der Nationalsozialisten gewesen ist. Nicht ander» verhält cs sich mit den„Proponenten" Franz Schmidt und Gustav T h e u e r au» Mähr.« Schönberg, Walter Stolle aus Pöminevle, Ernst Schön aus Staab und Josef Stolz aus Turn mit den Herren Otto D ö m l aus Komotau— einer der gehässigsten hakcukreuzlerischen Streiter und ebenfalls heute schon bei Fahrner Sekretär— und Karl Krismanek aus Bodenbach, dem ehemaligen nationalsozialistische» Parteifunktionär Franz Friese in Rumburg, dem hakcukreuzlerischen G«- mcindcratSkandidatcn Emil G c o-st aus Jäqerndork, dem nationalsozialistische» Partclsekrclär Franz H o- w o r k a in Krumau, der die Geschäfte des Fahrner- Bcrbande» in Siidböhmen führt, mit dem Mitglied de» AufsichlsrateS der hakcnkrcuzlerischen„Gcwerk- sckaft deutscher Arbeiter" Franz Ma n l i g inMüq- litz. dem hakcukreuzlerischen OrtschulratSmitglicd Hcimuth Franke au» Graülitz, der bereit» fleitzig für Fahrner amtiert; da» gilt in nock höherem Matze von dem nationalsozialistischen Gemeindevertreter in Parsckniv Herbert Fischer, von dem nationalsozialistischen Stadtrate in Asch Wenzel Hofmann und von dem nationalsozialistischen Bizcbürgcrmeister Wilhelm König in Röchliv. Tic alle kämpfe» jetzt für eine„unpolitische" Gewerkschaftsbewegung! Und wo ist der Tölpel, der ihnen das glaubt, lvo ist der Naivling, der nickt erkennt, datz sick in der deutschen Arbeitcrgcwerksckast Fahrner» ein Vas dirisflldisoziale Abrüchen von Henlein Sie macken's wirklich nicht sehr schlau, die Christlichsozialen! Erst haben sie sich ein Visseri mit dem Henlein eingelassen. Weil sie aber draus gekommen sind, datz da für sie nichts zu holen ist, erklären sie das nicht etwa ganz offen, sondern lassen erst den Herrn Magerl in GraSlitz eine aparte Bisitkarte zu Ehren der Demokratie abgeben, dann bereitet die ,,D rutsche Presse" die Oeffentlichkeit sachte, aber deutlich darauf vor, datz die Christlichsozialen sich die Geschichte mit dem Henlein noch gut überlegen wollen, und tag» darauf schon bringt dasselbe Blatt eine„Unterredung mit RcickSpartciobmann Senator Dr. K. H i l g e n r e i n e r", dem ein Redakteur der„Deutschen Presse" die Stichlvorte lieferte, auf die Herr Hilgenreiner antworten konnte, dah er die H e n l e i n- P a rt e i als«in „O uarticr für politisch Obdachlose" betrachtet, in das zu übersiedeln die mit „gut eingerichteten Wohnungen" versehenen Christlichsozialen keinen Anlatz hätten. Die christlichsozialen Parteimitglieder, denen man lange genug durch tiefste» Verständnis für den„Umbruch" in Deutschland und durch be-> neues Sammelbecken der Hakcnlrcuzler bilden soll? Nach dem Gesagten ist es klar, datz alle Nachrichten, die über den angeblichen besonderen Notstand der arbeitslosen Mitglieder der aufgelösten Gewerkschaften in die Presse gedrungen sind, falsch sind, und datz durch die Auflösung kein organisierter Gewerkschaftler um seinen Anspruch auf U n t e r st tt tz n n g nach dem Genter System gekommen ist. Wozu also da» Geschrei? Freilich können die Herrschaften nicht verlangen, datz man mützig zusicht, dah sie sich gerade in der Gewerkschaft des Herrn Fahrner wieder alle zusammenfinden. nachdem sie den Simon Starck depossediert haben. Wenn inan sich aber darauf kapriziert, bei Fahrner wieder schön unter sich zu s e i n, da darf man sich nicht Ivundern, wenn man bei den Behörden kein allzugrotzes Entgegenkommen findet! Denn das wäre wohl die höchste Zumutung, datz der Staatsapparat den Herren Hakenkreuzlern noch aktiv dazu verhelfen soll, ein neues organisatorisches Gebilde zu errichten und cs mit einer möglichst grohen Anziehungskraft auszustatten! ScitJuli vorigen Fahrcshat keine Gewerks chaftSorganisation ein en Vorschub fürdic Auszahlung des Staatszuschusses erhalten. Es wäre doch gelacht, wenn man gerade zugunsten der getränten Hakcnkrcuzler eine Ausnahme machen sollte! Die ganze Sache hat mit Humanität gar nichts zu tun und der Appell an die Menschlichkeit geht vollkommen daneben, denn cs wurden ja alle Vorkehrungen getroffen, um den Mitgliedern der aufgelösten Gcwerkschasten, soweit sie im Genüsse der Arbeitslosenunterstützung standen, diese auch weiter zu erhalten. Dah man aber nur den Firmatitel ändern mutz und ansonsten den ganzen organisatorischen Apparat mit sämtlichen Sekretären und dem ganzen Inventar übernehmen kann, um aus den als staatsfeindlich erklärten Hakenkreuz« lern lammfromme und loyale Bürger de» Staate» zu macken, das wird uns niemand einreden können l geisterte Akklamation für die Dollfuh-Dikiatur den Gaumen gekitzelt hatte, werden Wahlschein» lick einigermatzcn überrascht davon sein, dah ihre Partei den neuesten Einheitsfrontschwindcl mit unterlegtem Führcrgedanken nicht mitmachen will. Mer die Demokratie kann wohl nur gewinnen, wenn die Christlichsozialen nun bei der Stange bleiben und den sudetendeutschen Konrad seinen Sorgen überlassen. Moratorium der Deutschen Landbank in Tet- schen. Zwecks Reorganisation des deutschen Geldwesen» wird eine Liquidation der„Deutschen Landbank r. Gen. m. b. tz." in Tetschen durchgeführt werden. Damit diese Liquidation, die von der„Kreditanstalt der Deutschen" in Prag vorgenommen wird, in Ruhe vor sich geht, hat da» Finanzministerium der vorgenannten Deutschen Landbank ein Moratorium bi» Ende de» Jahre» 1034 bewilligt. Zur Sicherung der schnellmög- kichstcn Durchführung der Liquidierung im Intereste der baldigsten Befriedigung der Einleger wird bei der Deutschen Landbank ein Verwaltungü- und AufsichiSauSschuh eingesetzt werden. Unsere Töchter, die Naxlnen i Roman von Neniwrie Zur Mühlen Claudia sah ich an diesem Tag nicht. Und auch nicht an den folgenden Tagen. Ich blieb in meinem Zimmer, ah dort. Ich wagte nicht, in den Garten zu gehen; ich hätte Claudia begegnen können. Der Doktor Bär kam mich besuchen, Kati kam. ich sah, dah sie sich um mich Sorgen machten, aber sie erschienen mir wie Gespenster, ihre Worte verhallten in der ungeheueren Leere, die mich umgab, und ich wuhte nicht, was ich ihnen antwortete. Die Tage waren endlos, die Nächte noch endloser. Draußen hing der graue Himmel tief herab, die Wolken schienen uns verschlingen zu wollen, und der See war starr und tot. Ich sah aus meinem Fenster die kahlen Aeste schwarz hochgereckt in die Wolken, und hatte das Gefühl, dah sie nie mehr grünen würden. Das ganze Haus erschien mir wie eine Leichenkammcr. Bisweilen hörte ich auf der Treppe Claudias Schritte; e« war, als träten sie auf mein Herz. Ich Ivuhte ja, wohin sie ging. Schleppende Tage, die kein Ende nehmen wollten. Totenstille im Haus. Aber drautzen tobte der Kampf. Ich las es in den Zeitungen. Ein Schlag nach dem andern fiel auf unser Land nieder. Es erschien mir in seiner winterlichen Gebundenheit wie ein erschöpfender Ringer, der sich immer wieder vom Boden erhebt, aber die Schläge werden stärker und stärker und er blutet schon au» hundert Wunden. Wie lange wird er noch Widerstand leisten können? Ich hatte Claudia nun schon fast einen Monat nicht gesehen. Cs war seltsam, dieses Zu- sammewvohnen unter einem Dach, ohne ein Wort, ohne eine Berührung. Wie zwei Tote in einem Familiengrab. Ob auch Claudia dies fühlte? Ob sic manchmal ein wenig Sehnsucht empfand, mich zu sehen? Ich wutzte cS nicht. Was wuhte ich denn von meinem ZÄnd? Der Monat schleppte sich weiter. Di« Spatzen zwitscherten vor meinem Fenster, und ich streute ihnen Futter auf das Gesims. Sie waren so zahm und so munter. Manchmal muhte ich lächeln, wenn sie eilig geflogen kamen. Am vorletzten Tag de» Jänner verlieh ich abends mein Zimmer. Ich wollte die Nachrichten hören, und das Radio stand im Wohnzimmer. Da ich eintrat, sah ich Claudia, die eben den Apparat andrehte. Als sie meinen Schritt hörte, blickte sie auf. Eine Sekunde schien e», al» wollte sie au» dem Zimmer eilen. Dann jedoch wurde ihr Gesicht hart und sic setzte sich neben den Apparat. Auch ich setzte mich, auf die andere Selle. So sahen wir stumm nebeneinander. Zwei fremde Menschen. Zwei Menschen, von denen jeder etwas anderes zu hören hoffte. Ich war zu früh gekommen. Aus dem Apparat tönte Musst. Ich sah verstohlen zu Claudia hinüber. Ihre Finger Ivaren so fest ineinander geschlungen, dah sie weih und blutlos unter dem Tisch leuchteten. Ich betrachtete ihre Hände, schöngeformte, edle Hände, Hände, die Güte und Mut verrieten. War e» möglich, datz sie logen? Die Musil verstunsinte. Claudia fuhr zusammen und rückte näher an den Apparat. Ihre Züge waren gespannt. Die Stimme des Ansagers tönte auf. Nachrichten. Ich hörte sie mit halbem Ohr, den Blick noch immer auf Claudia gerichtet. Ich sah. wie ein Ruck durch ihren Körper ging. Und nun verstand ich auch die Worte, und verstand sie dennoch nicht. Hitler zum Reichskanzler ernannt. Hitler... Reichskanzler... Und mir gegenüber ein strahlendes Gesicht und eine Stimme, die sagte: „Jetzt wird alle» gut. Du wirst sehen. Mutter." Wem gehörte da» Gesicht, wem die Stimme? Wer war dieser Mensch, der sich freute, der sich über das Verderben unseres Landes freut«? Das Gesicht, die Stimme kamen näher. «Mutter, du wirst doch nicht ohnmächtig werden?" Mir Ivar schwarz vor den Augen, aber wa» ging da» diesen fremden Menschen an? „Rühr mich nicht an," sagte ich.„Rühr mich nicht an." Etwas blieb noch einen Augenblick vor mir stehen, eine verschwommene Gestalt. Dann verschwand sie. Wenige Minuten später hörte ich im Tarten Schritte: Claudia ging fort, um den Sieg zu feiern. Die Nachrichten muhten zu Ende sein, denn au» dem Apparat tönte von neuem Musik. Ich stellte chn ab. Ich konnte die Klänge nicht ertragen. Dann ging ich wieder in mein Zimmer. Da» war da» Ende, ich murniclte die Worte vor mich hin:„Das Ende, das Ende." Aber für die andern war e» der Anfang. Nach etwa einer Stunde hörte ich von der Strahe her die verhaßten Lieder und Heilrufe. Laut, gellend. Und ich dacht«: Claudia ist dabei, Claudia geht mit. Meine Gedanken verwirrten sich. Claudia, das Ende, das Ende, Claudia. Ich weinte nicht mehr. Ich ztt- tert« nicht mehr. Ich starrte in die schwarze Nacht hinaus und sah den todwunden Ringer auf der Erde liegen. Wird er sich noch einmal erheben? Frau Doktor Feldhüter erzählt flüsternd: Ich möchte nur wisten, ob e« in unserer Stadt noch aickere Frauen gibt, die so viele Sorgen und Aerger haben wie ich? Heute hat mir da» Mädchen gekündigt, das vierte seit drei Monaten. Und decket hat c» wirklich keinen Grund zur Klag«; ich arbeite mich krank in unserem Haushalt, ich sehe überall nach dem Rechten. Ja, wenn mein Mann eine beffere Praxi» hätte, und wir un» ein zweites Mädchen leisten könnten! Eigentlich habe ich mir, als ich Arthur heiratete, die Sache ganz ander» vorgestellt. Ich war ein hübsches Mädchen und ein« Krankenschwester hatte damals noch Gclcgcnhctt, eine gute Partie zu machen. Ich hätte auch viel lieber in die Industrie geheiratet. Ich erinnere mich noch an den jungen Kurt Frankfurter, den Sohn schwerreicher Eltern, den ich nach seiner Blinddarmoperation pflegte. Er war ein schöner Mensch, liebenswürdig, grohmütig und er hätte mich auch geheiratet, wenn nicht sein« Eltcm gegen die Ehe mit einer Christin gewesen wären. Diese Juden sind ja so unduldsam. E» war arg für mich, als ich erkennen mutzte, dah ich nicht die reiche Frau Frankfurter werdm würde. Und meine lieben Mitschwestern haben sich über mich lustig gemacht;. Frauen sind ja so gemein. In meiner Verzweiflung habe ich dann Arthur genommen, der damals im Krankenhaus arbeitete. Es ist mir nicht gerade leicht gefallen: ein Krüppel mit einem Klumpfuß, ein verbissener, ewig mürrischer Mensch und, dakonnte ich al» Schwester beurteilen, ein schlechter Arzt. Trotzdem schien er Aussichten zu haben. Er wollte sich in einer kleinen Stadt am Bodensee niederlaffen, wo e» zu jener Zeit autzer ihm nur noch einen Arzt gab, einen nicht mehr jungen jüdischen Arzt. Eine» muh ich ja Arthur lassen: er sieht intelligent au». Ob er e» wirNich ist, Habich während nieiner ganzen Ehe nicht feststellen können. Ich kenne mich bei ihm überhaupt nicht au». Bisweilen, al» ich noch eine junge Frau war, fragte ich mich angswoll: was steckt hinter der bösen Maske seine» Gesichte»? tForlsetzung folgt.) ftt. 1« vkttwoch. 23.»ki 1984 Sette 8 I I I Bulgarien nach dem Umsturz rund Hamburg: nrncit dir 42» Nazi- Hamburg: acgtn dir Abgeordneter Jelinek gestorben. 2n Brün» ist Dienstag früh im 71. Lebensjahre der Vorsitzende der deutsch-demokratischen Freiheitspartei und zweiter Vorsitzender der DAWG„ Abgeordneter Josef Jelinek, gestorben. Er war seit seinem 34. Lebensjahre politisch tätig, war Landtags, und Neichsratsabgeordncter und durch 1b Jahre Landeshauptmann-Stellvertreter von Mähren. Er gehörte vielen deutschen Institutionen und Korporationen BrünnS an und erfreute sich durch sein freundliches und aufrechtes Wesen all- meiner Achtung. Tbc Für 380 Rozi- damit W. Sofia, 28. Mai. In de» Ministerien und! low-Anhängern blutig verfolgt wurden, unteranderen zentralen Staatsämtern erfolgte gesrern stützen das neue Regime. früh die Ucbcrgabe der Verwaltung an die neuen' Minister und sonstigen Funktionäre, wie bei einem normalen KabinettSwcchsel. Nicht nur in den StaatSämtern, sondern auch bei der Nationatbank und in andere» Bankinstituten, ja selbst im Ratio« nallhcater erfolgte ein Austausch der leitenden Persönlichkeiten. Ebenso»»erden in der Diplomatik einschneidende Aenderungen erwartet. An Stelle des aufgelösten Sobranje wird ein Parlament von höchstens 100 Abgeordneten treten. von denen drei Viertel e r n a n n t, der Rest von den st ä n d i s ch e n Organisationen„ge- wählt" werden soll. Die Erlassung eines Dekrets. durch das die politischen Parteien auch offiziell aus- gelöst»»erden, wird erwartet. Der neue Finanzminister T o d o r o w cr- ! klärte, daß es sich um eine wohldurchdachte Aktion gehandelt habe, die durch sechs Monate vorbereitet worden sei. Bier Tage vor dem Umsturz sei bereits ein Kabinett gebildet worden, aber nicht einmal alle Eingeweihten hätten gewußt. wann da» Sig nal zur Tat gegeben werden würde. Die neue Regierung sucht sich durch Spar maßnahmen in den höheren Aemtern bei der Be völkerung beliebt zu machen. So tourden die Mi nisterautos abgeschasft; nur d-r Ministerpräsident und der Außenminister sollen noch ein Auto behal ten. Auch die Gehälter der Minister und der mei sten höheren Beamten wurden herabgesetzt. Der Finanzminister will am Budget rund 600 Millio« neu Lewas, d. s. fast zehn Prozent, einsparen. Bon den administrativen Reformen ist die bedeutendste die Abschaffung der bishe rigen 16 Präfekturen und die Neuein teilung des Lmide:: in sieben Provinzen. Rach einer Meldung des CTK tvnrde der Umsturz in Bulgarisch-Mazedonien Von der Bevölkerung als Befreiung von dem Terror der revolutionä ren Organisationen begrüßt. ES wurden zahl reiche Mitglieder der Michajlow-Organisation mrhaftet und Waffen und Gelder beschlagnahmt, wobei die Regierung auch Militär einsetzte. Der Führer der Mazedonier, Michailow, weilt nicht »» Bulgarien. Die andere mazedonische Gruppe, die Protogerow-Anhänger, die von den Michaj» Roosevelts neuer Silberpion Washington, 22. Mai. Präsident Roosevelt hat am Dienstag dem Kongreß seine seit langem erwartete Botschaft zur Silbersrage zugehen lassen. Er empfiehlt darin eine Gesetzgebung, nach der das Silber schließlich ein Btertek der Deckung der Währung bilden soll. Außerdem wünscht Roosevelt Vollmacht zur Regelung der Silber-Ein- nnd Ausfuhr und für andere Silbertransaktionen. Ein entsprechender Gesetzentwurf ist bereits vorbereitet und man erwartet, daß er eine schnelle Annahme finden wird. I Deutsche Arbeiter huldigen dem Staatspräsidenten Der Präsident der Tschechoslowakischen Republik T. G. Masarhk wird nicht nur in diesen Tagen, da er zum vierten Male mit der Würde eine» Staatspräsidenten betraut werden soll, von den tschechoslowakischen Arbeitern gefeiert, sondern an der Huldigung für den Präsidenten werden sich auch die deutschen sozialdemokratischen Arbeiter beteiligen. Sie tun das nicht nur, weil der Präsident der Republik seit jeher ein Anwalt der Annen und Gedrückten gewesen ist. sondern im gleichen Maße auch deshalb, weil sic in dem ersten Repräsentanten unseres Staates zugleich auch den Anwalt der Demokratie, die gegenwärtig von allen Seiten bestürmt wird, sehen. Ihre Huldigung ist deshalb auch Bekenntnis zur Demokratie und ihrer Verteidigung. Deshalb haben sich deutsche Sozialdemokraten für die. großen Umzüge und Feiern eingesetzt, welche in einer Reihe von Städten im deutschen Gebiet des Staates am 24. Mai durchgeführi werden. So wird in Brünn am 24. ds. eine große Feier aller politischen Parteien am Freiheitsplatz stattfinden, an der unsere Partei- und Gewerkschaftsmitglieder teilnchmen. In Aussig ist nm gleichen Tage eine Feier durch den Bezirksbildungsausschuß geplant, die im Stadtpark mit einem glänzenden Programm vor sich gehen wird. In T e p l i tz wird die Feier mit einem großen Fackelzug, der in Turn beginnt, eingeleitet. Die Stadt Dux wird die Feier am Marktplatz abhalten und schon vormittags den Wahlakt durch einen Lautsprecher übertragen. Aber auch in kleinen Gemeinden wie in Hostomitz, OberleutenSdorf usw. werden Umzüge und Feiern veranstaltet. Im Reichenberger Gebiet führt die Partei mit den freien Gewerkschaften eigene Feiern durch in R e i ch e n« berg, Gablonz, Friedland, Kratzau und Gcottau. In Trautenau nehmen die deutschen Sozialdemokraten an der Feier für den Präsidenten, die der tschechische Brzirksbil- dunchsausschuß durchführt, teil. Die liberalen, radikalen und sozialdemokratischen Blätter sind am Sonntag nicht erschienen. Die übrige Presse, die noch unter Borzensur steht, unterordnet sich dem neuen Kurs und sucht das bisherige Shstem nach Kräften hcrabzusetzen. Bon amtlicher Seite werden alle Gerüchte, daß eS in Bulgarien zu Unruhen gekommen wäre, als„phantastisch" dementiert. Die Sofioter Polizeidirektion setzt aus die Verbreitung alarmierender Nachrichten strenge Strafen, darunter I»»- tecnierung. Immerhin berichtet die amtliche Telegraphenagentun aus Sofia vo>r einer kommunistischen Demonstration am Montag, an der sich jedoch nur 20 Leute beteiligt hätten. Einer von ihnen hätte versucht, eine Rede zu halten, sei jedoch von der Polizei daran gehindert worden, die die ganze Gruppe auüeinandertrieb. Dabei wurde ein Demonstrant leicht verletzt. Conkow mahnt zur Geduld... Eine Reihe politischer Parteien hat in Aufrufen an die Mitglieder die Billigung der neuen Regierung empfohlen. Der frühere Ministerpräsident C a n k o w, dessen Gruppe eine bedeutende Rolle spielte, drückt sich in einer Erklärung jedoch sehr zurückhaltend aus: Der Wechsel sei ein wichtiges Faktum, mit dem gerechnet lverden müsse. Man müsse Ruhe und Geduld bewahren und den Ereignissen mit Kaltblütigkeit und Patriotismus entgegensehen. „Vertrauensratewahlen“ im Reich Berlin.(Inpreß.s Aus allen Teilen Deutschlands werden weitere Resultate der„Ber- trmienSrätewahlen" bekannt, die die große Niederlage der Nationalsozialistei» bestätigen. Wir können heute folgende Ergebnisse verzeichnen: Wasserwerke der Stadt Gelsenkirchen: 82 Stimmberechtigte, 17 für, 85 gegen dir Nazi liste oder Stimmenthaltung: Gottfried Hagen, Köln: 670 Stimmberechtigte, 230 für, 440 gegen die Naziliste: Felten<£• Guilleaume, Köln Mülheim: 1070 Stimmberechtigte, 948 für, 1022 gegen dir Nazi- liste: Oderwerkr, Stettin: 1000 Wahlberechtigte, 450 für, 550 gegen die Razilistr: AtlaS- Werke, Bremen: 980 Stimmbrrrchtigtr, 333 für, 856 gegen dir Nazi- liste: Ehrmietetrieb Beiersdorf, Hamburg(der viele Frauen beschäftigt l: 1004 Stimmberech- tigte, 492 gegen die Razilistr: Hansa- Tapetenfabrik, Stimmberechtigte, 98 für, 262 liste: Margarinewerke Mohr, Stimmterechtigtr, 91 für, 340 liste; in folgenden Hamburger Betrieben stimmten gegen die Nazilistc.: 83 von 117 bei Maihack; 48 von 82 bei Dello& Co.; 117 von 171 bei Zeise; 73 von 124 bei Michaelson, 107 von 228 bei Heidcnrcich& Harbeck; 213 von 361 aus der Nordcrwerft. 2m Hochbahn-Haus sder Zentrale der Hamburger Hoch- und Straßenbahnen» machten von 450 Avstimincnden(vorwiegend Angestellten) 240 ihre Stimmzettel ungültig. Geweritsdialtlidie Konzentration Das Sekretariat der Union der Eisenbahner ! teilt mit: Sonntag, den 20. Mai fand in Prag l die Rcicbskonscrenz der Gruppenvorsitzcndcn der ; Eiscnbahnangcslcllten-Union in Anwesenheit von 325 Delegierten statt. Der Borsitzende der Union Stankt führte, den Vorsitz. Anwesend waren u. a. die sozialdemokratischen Abgeordneten B rode c k ü und der Bizcvorsitzende des Avgeordne» tenhause» Stibin, für das Eisenbahnministc- I ri um Jng. R o s e k und für den deutschen Eisen- ! bahnerverband in der Tschechoslovalei Delegierter C e h. An den Präsidenten der Republik sowie ! an den Eisenbahnminisier wurden Begrüßungstelegramme geschickt. Es wurde beschlossen, der Jcdnota der Bahnangcjtclltcn, dem Verbände deutscher Eisenbahner in der Tschechoslowakei und der Lolontvtivsührersöderalion vorzuschlagcn, daß unverziiglich Verhandlungen zwecks Bildung einer einheitlichen Eisen bahn crorga- Inisation in der Tschechoslowakei I ausgenommen werden. Im Rahmen dieser Orga- ! nisation iverde die politische klcbcrzeugung eines I jeden einzelnen voll respektiert werden. Antwort I aus ihren Vorschlag verlangt die Union im Lause ■ von zwei Monaten. Die Union der Eisenbahn- , angestclltcn und der Verband der deutschen Eisenbahner in der Tschechosloivakci haben zusammen 80,000 Mitglieder, die Jcdnota 47.000 und die Föderation der Lokomotivführer 7000, sodaß di« einheitliche Eisenbahncrorganisation dann ! 114.000 Mitglieder zählen würde. Aerzte protestiert aufs schärfste gegen die ungesetzliche monatelang« Inhaftierung vieler Tausender von Freiheitslämpsern, darunter auch unserer Berufskollegen, in deutschen und österreichischen Gefängnissen rind Konzentrationslagern. Die Tagung fordert vor allem die nnberzüglichc Freilassung der phvsisch und pshchisch leidenden Häftlinge, deren lveiterer Aufenthalt in den Kerkern schwerste Gefahren für Leben und Gesundheit bedeutet. Die versammelten sozialistischen Aerzte aus den verschiedensten Ländern senden all den heldenhaften Kämpfern und Märtyrern, die aller Tyrannei zum Trotz treu zu ihrer sozialistischen Ueber- zeugung stehen, brüderliche Grüße und den Ausdruck unverbrüchlicher Solidarität.' Abschluß und Höhepunkt der Tagrmg bildeten zwei Borträge über dar politisch wie wissenschaftlich aktuelle Thema der Rassenfrage. Prof. Dr. I l t i S-Brünn behandelte, die völkische Rasten- ilieorie. An Hand zahlreicher Lichtbilder aus Gün- i Hjcr-3 Rassenkatalog Ivies Prof. Iltis überaus in- ! ktniktiv die völlig« Willkür und mithin lvisscnschast- ! lich« Unhaltbarkeit der sogenannten Rassenkunde, ' wie sie derzeit im Dritten Reich betrieben wird, nach. Der Vorsitzende der norwegischen sozialistischen ! Aerzte Dr. E v a n g- Oslo ergänzte den Lichtbilder- i Vortrag durch eine prinzipielle Auseinandersetzung mit| der Frage der Rastenhygcnie vom Standpunkt des | Marxismus. Prinzipiell lehnt der Sozialismus die | Erblchre keineswegs ab, ivenn sie naturgemäß und tvissenschastlich ersaßt, nicht jedock zur Ableitung ge- ' sellschaftlicher Unzufriedenheit aus ein der herrschenden Klasse ungefährliches Gebiet verwandt wird. Mit einem kurzen Dankeswort an die Referenten, wie vor allem an die Brünner Genossen, ob ihrer gastfteund- lichen Ausnahme und ihres Interesses an dem Kongreß. schloß der Vorsitzende die Tagung. Genosse Dr. Holitscher hieraus den Kongreß, der in wahrhaft schioerer Zeit für all jene, die sich zum sozialistischen Gedanken bekennen, ein leuchtendes Fanal wahrhaft unverbrüchlicher Gesinnunasireue. für die Arbeiterschaft aber insbesondere der Beweis war, daß sie in ihrem Kampf gegen die Barbarei und Tyrannis des FaseismuS nicht allein steht, daß es neben knechtseligen Technikern deS akademischen Wissens auch Frauen und Männer gibt, denen Wissenschaft weit mehr, nämlich die Quelle kritischen und revolutionären Denkens ist. R. Verbandslag der deutschen sozialistischen Aerzte In der ischcchoslowaKel Gleichzeitig mit dem internationalen sozialisti- I scheu Aerztekongreß sand in Brünn zu Pfingsten der Verband»«»« der deutschen ioz. Aerzte in der Tschechoslowakei statt. Rach einem ausführlichen Geschäftsbericht des Genossen Gruschka-Ansiig, ' einigen Ergänzungen deS ObnianneS Gen. Holitscher \ und einer angeregten Debatte, au der sich auch der Vorsitzende der tschechisäteu soz. Aerzte, Genosse Dr. Poppcr-Vrag, beteiligte, den Kassenbericht und einigen Gedächtnisworten HolitscherS für den verstorbenen Gen. Dr. Schölling« r-Brünn, wurde die bisherige Tätigkeit der VerbaudSleitung allgemein gutgeheißen. Tie wurde, mit einer.Modifikation, lviedergewählt und Dr. Holitschcr-Komotau wiederum al» Lbntann beiiimmt. Internationaler sozialistischer Aerztetas Richt etwa um dem Ständegedanken zu huldi gen oder wie di« bürgerlichen Aerzte„StandeSfra- gen" im engen Rahmen fachwissenschaftktcher Inter essen zu beraten, sondern zur Bekräftigung ihrer un verbrüchlichen Ideen« und Aktionsgemeinschaft kamen zu Pfingsten in der mährischen Landeshauptstadt Brünn die sozialistischen Aerzte einer großen Zahl europäischer Länder zum zweiten internationalen Kongreß der sozialistischen Mediziner zusammen. Fesselnd umriß in. einer großen Kund- g e b u n g, die den organisatorischen Beratungen des Kongresses voranginq, Genosse Dr. Franze l-Prag die Ausgaben deS geistigen Menschen schlechthin, d«S sozialistischen Wissenschaftlers im besonderen im kom promißlosen Kampf gegen den FaseismuS, für die sozialistische Revolution. In gleicher Weise waren di« Beratungen de« Kongresse« an den folgenden Tagen abgestimmt. Sie beschäftigten sich mit der Stellung des Arzte- zur sozialen Hhgiene, zur So zialpolitik in den demokratischen Ländern, mit der Bedeutung der Sexnalforschung für da« Proletariat. mit der Stellungnahme zum FasciSmnS, mit der Ausbreitung der sozialistischen Aerztevclvegnng in den einzelnen Ländern außerhalb der kasristischen Herrschaftsgebiete, und den üblichen organisatorischen Fragen. Bon Deutschland und Oesterreich abge sehen. ergaben die Berichte au« den angeschloffenen I Ländern ein sehr günstige« Bild. Einen erheblichen Teil der Beratungen nahm die Auseinandersetzung mit einem Vertreter der so. genannten„Linksfront" in der Tschechoslowakei ein, welche kurz zuvor in einer Zuschrift im Gegensatz zu ihrem nunmehr vorgebrachtrn Antrag aut Aufnahme! «ine sehr ablehnende Haltung zur Internationalen Bereinigung Sozialistischer Aerzte eingenommen hatte. Der Antrag wurde infolge diese» Widerspru ches bi« zur weiteren Klärung der Sachlage zurück gestellt. im übrigen jedoch nach eingehender Debatte[ über die entsprechenden Berhälrnisse in den einzelnen Ländern festgeslellt, daß die Vereinigung gemäß den Karlsbader Beschlüssen überparteilich ist und nicht die Zugehörigkeit der einzelnen Mitglieder zu einer so zialdemokratische!» Partei zur Voraussetzung erbeb«. i In organisatorischer Hinsicht wurde beschlossen. den Sitz der Internationale»» Vereinigimg weiter- s hin in Prag zu belassen und dort da» internationale: Bulletin wie bisher mehrsprachig(Adresse: Prag! XII., La«lavska IS) herau«zugeben. fenier ein Exe- kutivkomitee au« Vertretern der LanbeSsektionen zu bilden, zn dessen Vorsitzenden die Genossen Dr. Ho l't sch e r-Komotau und G r u s ch k a-Aussig vom\ Verband der deutschen sozialdemokratischen Aerzte in der rschechoftowakei bestellt wurden. Ein zur Bc-\ Handlung der Fürsorge für di« au« den faseistischen, Ländern emigrierten sozialistischen Aerzte bestimm tes Sonderkomitee wird von den schweizerischen Ge-! nossen zusammengestellt. Soweit berichtet werden' konnte, stößt die beniftiche Förderung von emigrier-> ten Aerzten im Sinne einer Zulassung zur Praxis: säst überall auf unüberwindliche Lck»wierigkeiten. Zu gunsten verschiedener bekannter Aerzte, die in Lester-1 reich ohne Erhebung irgendwelcher substanziierter Anklagen in Haft sind oder in« Konzentrationslager WöllerSdorf überführt wurden, wird eine besondere I Kommission de« Kongresse« in Wien intervenieren. I Seine Solidarität mit den Opfern de« FasciSmu« j bekundet« der Kongreß in folgender Protestresolution: „Die in Brünn zu Pfingsten IV84 tagende zweite Internationale Konferenz sozialistischer> Gesemann gegen Masaryk Ein gerichtliches Nachspiel der Angelegenheit Wir berichteten am SamStag, daß der Rektor der Deutscheil Universität Gesemann die An- bringung eines Plakates, in dem die Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker zur Teilnahme an der Studcntenmanifestation für T. G. Masaryk aufforderte, untersagte. Nun ist Gescinann kein Unbekannter— wir erinnern nur an sein Kolportagevcrbot für den sozialistischen Studentenkalender, das ec unter Berufung auf eine nicht bestehende besondere Weisung des UnterrichtSmi- nifterS erließ— und alle deutschen und tschechischen Zeitungen, die über diese letzte Affäre Gese- mann schrieben, waren sich über die Zusammenhänge im klaren, sie sahen darin nur eine konse- quente Fortsetzung der bisherigen Politik Gese- manns und nahnien in scharfen Worten gegen ihn Stellung. Nur eine Zeitung machte eine Ausnahme, selbstverständlich die„Bohcmia". Während die anderen Zeitungen darüber unter Titeln wie „Rektor gcgci» Staatspräsident",„Provokation des Rektors Gesemaim", i,Merkwürdige llsanzenj deS Rektors" u. ä. berichteten, lautete der Titel in der„Bohcmia" wahrhaft sensationell:„Sozia« listischc Angriffe gegen die Deutsche Universität. Grober Mißbrauch des Namens des Präsidenten." Man liest den Artikel und sucht, lvorin denn| eigentlich der Mißbrauch liegt. Man fragt vergeblich, man erfährt nur. daß„die Bermutimg nahe lag", allerdings eine„Begründung" für den schreiende»» Titel. Die Artikel, die dann erschienen sind, sind aber durchaus keine„politische Hetze gegen die Universität", sondern eine verdiente Anprangerung des Verhaltens GesemannS. Wir nehmen gerne davon.Kenntnis, daß Herr Gesemann, der anscheinend Gewissensbisse bekommen hat, der Kanzlei des Präsidenten selbst! von seiner Tat berichtete. Die Oeffentlichkeit hat sich aber von den Motiven, die Herrn Gesemann bewogen, bereits ein Bild gen»acht, hier kann auch die„Bohemia" nicht rettend eingreisen. Uns in- »eressirrt vor allem, wo die„Bohcmia" das Reckt herniinmt, über einen beabsichtigten Mißbrauch deS Name»»S des Präsidenten zu schreiben. Wer der„Bohcmia" das eingeflüstert hat, wessen Ansicht das ist, wird in der„Bohemia" nicht direkt angegeben, es bleibt somit die Verantwortung für diese Behauptung der„Bohemia" überlassen. Wir werden jedoch erfahren, wieso der Name deS Präsidenten durch eine Aufforderung, diesen zu feiern, mißbraucht lvurde, da die Freie Vereinigung der „Bohcmia" Gelegenheit zur Aufllärung vorGe» richt geben wird. Vielleicht wird man dann auck erfahren, wer diese die Tatsachen auf den Kops stellende Schilderung der„Bohcmia", die sie einer „vorurteilslosen Oeffentlichkeit" weitergibt, übermittelt hat. Ertfllnung des Arbeitslagers In Theresienstadt Ain Dienstag, den 22. Mai, wurde in resicnstadt daS vom Ministerin»»» für soziale sorge errichtete erste Lager der ArbcitSgeinein» schäft der Fugend eröffnet. Das Lager soll selbst- genügian» sein, d. h. die vom Lager geleisteten Arbeiten werden nach den ortsüblichen Lohnsätze»» bezahlt und aus dem Arbeite,erirägnis der ganzen Geineinschaft wird das Lager erhalten. Gearbeitet wird an de»»» Bau der Staatsstraße in The- > resienstadt. Die Arbeiten sind sür 100 Mitglieder. I deS Lagers auf die Tauer von vier Monaten ge- ! sichert. 3n das Lager wurden jugendliche Arbeitslose in» Alter voi» 18 bis 24 Jahren, und zwar auf Grund von freiwillig erfolgten Anmcldlingci» ausgenommen. In den» Lage»: werden sic Unterbringung und Verköstigung, ferner ein Arbeit«, gewand und Schuhe erhalten. Sic werde»» 35, Stunden wöchentlich beschäftigt sein. Tic weitere Tagesordnung wird mit Körpcriibiingcn, Sport, Vorträgen und anderen veredelnde»» und belehren- den Unterhaltungen ausgcsüllt sein. Zur Unterbringung dienen Militärubikationen, die derzeit nicht ii» Verwendung stehen. Diese Ubikationen liege»» außerhalb der Stadt. Die Verköstigung Wird gemeinsam erfolgen. Die Militärverwaltung hat die erforderlichen eisernen Bettstellen, Strohsäcke, Leintücher, Geschirr. Feldküche etc. geliehen. Die Lagcrteilnehmcr werden bei der Kran» kcnversichcrnngsanstalt und gegen UnsaU versickert sein. Sie haben sich freiwillig erbötig gemacht, die ihnei» anvertrauten Aufgabe»» gewissenhaft und ebrlick zu erfüllen und a»»s die Weisun- gci» der führenden Funktionäre zu achten.» Sie lönnen das Lager nach einiv-"^iger Kündigung verlassen; wenn sie eine andere Beschäftigung ! finden, lönnen den Umständen gemäß sofort entlassen»verden. Dieses Lager ist das erste, das vom Mini- stcrium für soziale Fürsorg organisiert wurde. Nack den Erfahrungen, die dabei»verden gcwon» neu lverden, werden weitere Lager organisiert werden. Sette 1 Mittwoch, 28. VM 1834 Mr. 118 Kulturverband und Volksgemeinschaft Dcr Deutsche Kuliurverband hielt zu Pfingsten in Brün» seine fünfzehnte.Hauptversammlung ab, die stark besucht Ivar, ein schönes Bild erfreulichen Wirkens für die deutsche Schule bot, den viele Jahre schon an dcr Spitze des Verbandes stehenden Herrn Dr. Funke reiche Ehrungen brachte und politische Bedeutung gewann durch eine Rede, die Minister Dr. Spina hielt. Dr. Spina sprach über das Thema„Vom Parieidculschtiim zum Volksdcutschtum", und man konnte schon neugierig sein auf seine Eröffnungen! Auch in den Reihen dcS„Bundes der Landwirte", dessen Führer dcr Minister Doktor Spina ist. ist dcr ständische Aberglaube gedrungen, der Wahn, daß eine„Ucberwindung des Par- tciwcfcnS" die Rettung von allen wirklichen und I eingebildeten liebeln bringe. Herr Dr. Spina hatte versucht und gehofft, dem ständischen Gedanken alle Gefahren zu nehmen, indem er sich zu ihm bekannte und seine Partei rasch in den „Landstand" umtaufte. Genützt hat eS nicht viel. Ja, der neue sudetcndeutsche Messias Henlein pardoniert zwar den„Bund der Landwirte", greift ihn nicht an, aber die agrarische Jugend/ Ivie die Jugend anderer Parteien auch, ist dcr alten abgenützten Politik müde und müde auch der in„Stand" nmgctauficn Partei und sehnt sich nach einem„Führer", nach einem„Führer"- Ersatz wenigstens, wenn sie sich schon nicht dem ganz großen Führer aus Braunau»nterordnen kann, llnd diese llnlerordnung nennt man„Zusammenfassung zur Volksgemeinschaft", und von deutscher Volksgemeinschaft, die schon immer in dcr sudctcndcutschcn Politik eine graste Rolle gespielt, schwärmen jetzt wieder alle Parteien. So hatte Dr. Spina die Aufgabe, in seiner Rede sich vor dcr Volksgemeinschaft zu verbeugen, die „ständische Idee" anzuerkcnncn, und doch auch den Partcigedanken zu rette». Weder er noch die anderen Führer des„Bundes" wollen einfach vor Henlein abdanken. So sagte denn Herr Dr. Spina, man sprach und spreche heute eben so häufig von der Volksgemeinschaft, aber cS ist durchaus keine einheitlich geklärte Frage, auf welcher Grundlage sic verwirklicht werden soll. Sic ist deswegen nicht einheitlich geklärt, Ivcil jeder unter Volksgemeinschaft etwas anderes versteht! Der deutsche FascismuS versteht darunter.die platonische„Ehrung" der Arbeiters und seine tatsächliche Versklavung. Wenn die Aeusterungcn der Klassengegensätze gewaltsam unterdrückt werden, so daß die Arbester den Klas- senkaiupf nicht führen können— dann ist, auch nach Henleins Meinung, die Klasscnzcrreißung aufgehoben, die Volksgemeinschaft hergestellt. Nun, wir meinen, dast das Betrug ist, zumindest Selbstbetrug. Wer die Volksgemeinschaft will, must die Aufhebung dcr Klassen wollen! Dann aber muh er— Marxist sein! Dr. Spina aber begnügt sich mit viel wem- gcr als mit der Aushebung der Klassen. Er ist damit zufrieden, daß der Deutsche Kulturverband lebendiger Zeuge dafür ist, dass die Parteien durchaus nicht die Zusammenfassung der kulturellen Interessen zu einer höheren Organi- satiouSform verhindert haben. Das ist nicht gar so neu, diese Erkenntnis, dast sich alle deutschen Parteien zu gemeinsamer kultureller Arbeit zusammenfinden können. Neu aber ist, dast Dr. Spina darin die Verwirklichung der„ständischen Idee" sicht I"„Betrachtet man", so sagte er,„den Deutschen Kütturverband von diesem Standpunkte auS, dann kann man wohl ntii sehr viel Berechtigung sagen, dast in ihm die Urform einer richtig beritandenen kulturständischcn Idee schon in glnctiichstcr Weise und durchaus im Rahmen der Dcmolralic ausgeprägt ist. Denn dadurch, dast dcr D. K.-V. Deutsche aller Parteien und Welt- auscbauungan zum Zwecke des Schutzes und der Förderung der Existenz der deutschen Volkskultur umfaßt, ist er bereits als eine Art Kulturkammcc oder Kulturstand anzusprechen. Und auS dcr Tatsache, dast er seine Aufgabe harmonisch und erfolgreich durchführt, geht wohl evident hervor, welche Berechtigung und Wirkungsmöglichkeit für die Idee der Stünde überhaupt gegeben ist." Uns scheint daraus evident hervorzugchen nur, dast alle, die für die„Ständische Idee" schwärinen, von ihr nur äußerst nebelige Vorstellungen haben und daß, wenn ein Verein, dcr Freunde und Pfleger dcr deutschen Schule zu- samnicnfastt, schon eine Verwirklichung der Stände-,.Idee" sein soll, cS des ganzen Geredes nicht bedurft hätte, weil es das schon zu Zeiten gegeben hat, da cS niemandem einficl, von Ständen zu schwätzen. Welche Verwirrung! Berufsstände, Kulturstände, landschaftliche Stände— sie alle, die die Klassen wegdiskuticrcn wollen, wissen nicht einmal, wie und nach welchen Grundsätzen sie ihre Stände aufbancn sollen! So müssen sie denn wohl oder übel doch vorläufig noch bei den Parteien bleiben! Am wurde. im die Reise nach Prag von Mitternacht auf Mittwoch, N Mlk WWW I« M WM Die Rückfahrt muß in Prag längstens bis 24 llhr angetreten werden. Der Erlöserorden. Die Pfingstreis«, die Goering untcrnahm, war mit Freud' und Leid verbunden. In Jugoslawien hatte man offenbar nicht das gcrin-ste Verständnis für die große Sendung des gewesenen Polizeiministers des Dritten Reiches. Von seinem Tisch blieben all die Persönlichkeiten fern, denen er so gern die ordensgeschmückte Brust gezeigt hätte, nicht einmal dcr König mochte ihm die Hand reichen und wären nicht die Belgrader Gesandtschaften zu den AusammevflStze beim Segelflug Halle, 22. Mai. Beim NcbnngSsegelslugweit- bewcrb in Lancha ereigneten sich zwei schwere Unfälle. Zum erstenmal kam eö dabei an den llnstrut-Hüngen zu einem tödlichen Absturz. Als sich insgesamt acht Segelflugzeuge über dem Hang in der Luft befanden, stieß dcr 10jährige Bitterfelder Segelflieger Jagstädt, der bereits über eine Stunde im Hang gesegelt hatte, in etwa 80 Meter Höhe mit einem anderen Flugzeug zusammen. Das Flugzeug Jagstädtö stürzte ab und wurde zertrümmert. Der Flieger erlitt einen doppelten Schädclbruch, dem er nach lvenigen Minuten erlag. DaS andere Nnglücksflngzeug landete, obwohl die linke Tragfläche gerissen Ivar, heil im Tal. Am zweiten Feiertag ereignete sich wiederum ein Zusammenstoß in der Luft. Auch hier stürzte ein Flugzeug ab. Der Flieger, dcr Flng- lchreranwärtcr Arnold-Leipzig, wurde schwer verletzt geborgen. Als das Fcuxr am Brandherde selbst fast erloschen war, fraßen sich die Flammen weiter nach Nordostcn, dem Wohnviertel zu, dessen Bewohner angesichts des Wassermangels Feuerketten bildeten und die Lösch ei m e r v o n Handzu Hand weiterreichten. Bei den verbrannten Gebäuden handelt es sich in erster Linie uni Häuserblocks, die von Ange st e l l t c n des VichhofS bewohnt wurden. lieber eine Quadratmcile des Stadtbodcns ist durch die Brandkatastrophc dem Erdboden gleichgemacht worden. Die Zahl der Todesopfer steht noch nicht endgültig fest. Ein F e u e r w e h r m a n n hat v i e r Person e n aus den Flammen gerettet und sich dabei so schwere Brandverletzungen zugezogen, daß er unmittelbar darauf st a r b. Eine noch größere Ansdchunung des Feuers wurde nur durch ein plötzliches Umschlagen des Windes verhindert. WeftbShmifcher Arbeitersport Die Pfingsttage brachten zahlreiche interessante Fußballspiele. So weilten Eichwald, Langngest und Komotau im sechsten Kreis. Altrohlau war wiederum im 6. Kreis zu Gaste und trug dort drei Spiele aus. Serienspiele fanden nur in den zweiten und dritten Klassen statt. Bisher sind bereits die Bezirksmeister Eger(2. Bezirk), Chotieschau(4. Bezirk) und F. K. Falkenau(6. Bezirk) sichergestellt. Im ersten Spielbezirk stehen Sportbrüder Eibenberg mit 16 und AFK. Meierhöfen mit 15 Punkten an der Spitze. Beide haben noch ein Serienspiel zu vergeben. Die Handballer hatten auch ihr besonderes Ereignis: BundcSmeister Eger wurde von Predlitz 1:4 geschlagen. In FranzenSbad fand ein sehr gelungenes Be« zirkS-Kindcrturnfest statt. Gegen 1600 Kinder nahmen aktiv am Fest teil, 2000 Festbesucher waren Zeugen eines schönen und lustigen Programms. In T a ch a u wurde eine Turnhalle eröffnet, die sich der dorttge ArbeiterMrnvcrcin erbaut hatte. Eine Abcndseier versammelte über 200 Gäste. Am Pfingstsonntag fanden anläßlich der Gruppcn-Mai- wanderung wassersportliche Wettkämpfe und Ber« einSwetturnen statt. Fiißballresultate: F. K. Falkenau gegen Eichwald 2:8, F. K. Falkenau gegen Langngest-Tu; 5:4, Puchlowitz gegen Eichwald 1:7, FranzenSbad gegen Eichwald 1:10, Meierhöfen gegen Langugest« Dux 0:0, Eibenberg gegen Langugest-Dux 8:2, Sodml gegen Komotau 4:0, DittmeSgrün gegen Komotau 1:8, Schankau gegen Komotau 2:2, Thodau gegen Aich 8:1, Elbogen gegen tkcchie Falknov 8:2, Elbogen gegen A. S. K. Eger 4:0, Sodml gegen A. S. K. Eger 3:2, FranzenSbad gegen Unterrei- chenmi 8:3, Zwodau gegen Tirschnitz 8:1, Drahowitz gegen Neudek 1:0. dann bewilligt werden wird, wenn die tschechoslo- wakischcn Behörden ein ungarisches Sportflug« zeug freigeben, das Montag mittags in Petrjalkä bei Prcßburg niederging. Ein Denkmal für Gustav Habrman. Im Kolumbarium des Pilsener Zentral- friedhofeü wurde Sonntag vormittags für den ersten tschechoslowakischen Unterrichtsminister, Genossen Gustav Habrman, ein Denkmal enthüllt. Der Vorsitzende des Kuratoriums für die Errichtung dieses Denkmals, Sekretär Marek, übergab das Denkmal der Oeffentlichkcit, tvorauf der Bürgermeister von Pilsen, Abg. Genosse Pik, die großen Verdienste des verstorbenen Arbeiterführers und Kämpfers für die tschechoflowakische Selbständigkeit würdigte. Die Feier wurde mit dcr Ab- singung des»Liedes dcr Arbeit" beendet. „Krise und Aufstieg deS Sozialismus". In unserem Leitarttkel vom Sonntag wird im zweiten Absatz davon gesprochen, daß man beim Vergleich der Pariser Kommune mit der Wiener Revolution zu einer sehr„furchtbaren" geschichtlichen Parallele gelangt. Eü soll natürlich heißen „fruchtbaren". Der tschechoslowakische Feurrwehrkongrrß fand zu Pfingsten in Troppau statt. Der„Sdru.seni slovanskvch hasiku" zählt derzeit vier Feuerwehrverbände mit 19.000 Korps und 11 6.000 Mitgliedern. Fahrpreisermäßigung nach Prag anläßlich der Präsidentenwahl. DaS Eisenbahnministerium hat den Besuchen: Prags anläßlich der am Tage der Wahl deS Präsidenten der Republik veranstalteten Feier» eine Ennäßigung deS Fahrpreises deS benützten Zuges und der benützten Wagenklaffe bewilligt. Den Besuchen» Prags werden einfache Fahrkarten zum NonnalfahrpreiS, versehen mit der DatumSstampigli« der Ausfahrtsstation miSgegeben werden, die auch TagcsnculglKilcii Auto-Katastrophe im Riesengebirge Drei Tote, dreißig Verletzte. Hirschberg(Riesengcbirge), 21. Mai. Pfingstsonntag, vormittags gegen 11 llhr, verunglückte in Alt-Schönau bei Hirschberg ein Lastauto mit Anhänger mitb4ArbcitSdicnstfrciwilltgcn vom Arbeitsdien st lager Sprottau, die sich auf einer Fahrt nach Bad FlinSberg befanden. Wahrscheinlich infolge zu schnellen Fahrens auf der stark abschüssigen Straße verlor der Führer die Gcivalt über den Wagen, dieser schlug um, während der Anhänger abgerissen wurde. Sämtliche Insassen beider Wagen stürzten heraus und wurden verletzt. Einer Ivar sofort tot, zwei st a r b e n nach dcr Einlieferung ins ztrankenhaiiö in Hirschberg, 30 erlitten erhebliche Verletzungen, ztvci dcr Schwerverletzten schweben noch in Lebensgefahr. Die Verletzten wurden sämtlich in das Krankenhaus nach Hirschberg geschafft. Boueruwage« unterm Personenzug Fünf Tote. Dlavonisch-Brod, 22. Mai. Auf der Eisenbahnlinie Zagreb—Slavonisch-Brod ereignete sich unweit der Station Oriovac ein schweres Unglück. Ein Bauernwagcn, in welchem zehn Personen saßen, wurde während des Passierens des Geleises von einem in voller Fahrt befindlichen Personenzug erfaßt und zermalmt. Fünf Personen, darunter drei Frauen, wurden getütet, während vierPcrsonenin schwerveletztem Zustande ins Spital übeführt wurden. Die Bauern hatten sich auf der Heimfahrt von einem Kirch- w c i h f e st befunden. DaS Unglück wurde dadurch verursacht, daß der Kutscher trotz der Warnung des Bahnwächters das Geleise kurz vor der Durchfahrt des Zuges noch überqueren wollte. Empfangs- und AbschiedSfeierlichkeiten konnnan- diert worden, hätte Goering trotz seiner vielsei tigen Dergangenhctt sang, und klanglos von der jugoslawischen Residenz Abschied nehmen müssen. Wer die schnöde Behandlung, die ihm hier zu teil wurde, fand ihren Ausgleich in der Wür. digung all seiner Verdienste um das deutsche Volk in Griechenland, dem nächsten Ziel nach seiner Abreise aus Belgrad. Man gab ihm dort den Erlöserordenl DaS ist dcr Orden, den er noch nicht hatte und doch seit lan ger Zeit vollauf verdiente. Erlöser ist Goering im wahren Sinne des Wortes. Er hat Hunderte von den Qualen deü Lebens erlöst. Don Johan nes Stelling angefangen bis zu Fechcnbach, von Hanuffen bis van dec Lübbe, er hat so manchen erlöst und täglich lesen wir von neuen Erlösun gen dcS in diesem Bestreben geradezu nimmer- müden RcichSwehrgcneralS. WaS immer er auch für Orden an seiner Brust hängen haben mag, keiner ziert ihn so wie dieser, keiner kann so vcr- standen werden wie dieser Erlöscrorden, den ihm die Griechen in Anerkennung seiner wirklichen Verdienste um Deutschland und die Welt gaben. Mißglückt. DaS„Eeflt Slovo" hatte fiir die Pfingstfeiertage eine Propagandaakiion für den motorlosen Segelflug vorbereitet. Ein Segelflug zeug unter Leitung deü bekannten Fachmannes im Segelflug Jng. Elsnic sollte im Schlepptau eines normalen Flugzeuges unter Führung des Chef piloten der Masarykliga Koskalek und eines Be amten des Blattes, dcr als Beobachter fungieren sollte, von Prag nach lljhorod fliegen. Der Start vom Prager Flugplatz konnte am Freitag wegen starker Nebel über der Böhm.«mähr. Höhe statt früh erst nachmittags erfolgen. Schon über Kolin geriet das Segelflugzeug in einen so starken Luft wirbel, daß eS das Sckleppseil lösen und in den Feldern notlanden mußte. Beim Transport auf den Pardubitzer Flugplatz wurde dcr Segler be schädigt. Nach gründlicher Reparatur erfolgte der Weiterflug am Sonntag. Beide Maschinen absol vierten glücklich den Flug nach Preßbwrg und von dort nach N i t r a. Tic nächste Etappe sollte auf den Flugplatz von L n L e n e c führen, wo alles zur Landung vorbereitet und tausende Zuschauer aus Anlaß eines Flugtages versammelt waren. Die beiden Flugzeuge zeigten sich aber nicht, und alleSSuchen mit Hilfe vonTelephon und Rundfunk half nichts. Die Flugzeuge blieben ver schwunden. Erst Montag nachts kam nach Prag die Meldung, daß die beiden Flugzeuge schon in dcr Dunkelheit über ungarisches Gebiet ge rieten und etwa 10 Kilometer jenseits der Grenze wegen Benzinmangels notlanden mutz ten. Sowohl die beiden Apparate, wie die drei] für die Rückfahrt gelten. Die Ermäßigung gilt für Flieger wurden von den ungarischen Behörden" V vorläufig zurückbehalten. Jng. Elünic sandte nach den 23. Mai, und für die Rückfahrt am 24. Mai. Prag ein Telegramm, wornach der Stabt vorn Weiterflug von den ungarischen Behörden erst Furchtbare Brandkatastrophe in Ehieago— 3 Tote, 180 Verletzte, 2000 obdachlos, über 200 verbrannte Gebäude Ehieago, 20. Mai. Da- hiesige ZrntralschlachthauS wurde in der Rächt auf heute von einem riesigen Brande erfaßt» der fast sämtliche Gebäude in Asche legte. Die ausgedehnten Viehhöfe und einige große Gebäude» das Hotel und das BräuhanS sowie eine große Anzahl kleinerer Wohnhäuser wurden vernichtet. Die Verlustliste verzeichnet bisher drei Tote und 180 Verletzte. 2000 Menschen sind obdachlos. Der Schaden wird auf etwa 25 Millionen Dollar geschäht. Man nimmt an» daß der Brand durch einen fortgeworfcnenZigaret- tenstummrl entstanden ist. Das Feuer brach in einer Scheune im Viehhofviertel, vermutlich durch eine fortgeworfene Zigarette, aus. Bei der großen Trockenheit brei teten sich die Flammen mit rasender Geschwindig keit aus. Obwohl fast die gesamte Chicagoer Feuerwehr eingriff, wurden in kurzer Zeit drei riesige Birhställe, zwei große Lerlade- hallen» ein Hotel mit wertvollen Kunstschätzen, zwei Banken, eine Brauerei und»in Eisen- bahngebäude rin Raub der Flammen. Ferner wurden über 200 kleinere Gebäude» ndLädenzer stört. Ammoniak- Tanks und große Oelbehälter explodierten mit lautem Getöse. Das verbrennende Vieh schrie ent setzlich. Der Stadtverkehr ist nieilenweit unter brochen. Zwei Feuerspritzen wurden von den Flammen umzingelt und verbrannten. Drei Feuerwehrleute haben den Tod gefunden. Schwarzes Jahr der Bergarbeiter New?)»rk, 20. Mai.- In PaineSville Staate Ohio explodierten in einer Grube die Gase. Zwölf Bergarbeiter kamen ums L e b e n, 30 wurden verletzt. Spionin Berg in Berlin hingerichtet Straßburg, 21. Mai. Die Straßburger ,.La Röpnbliquc" meldet aus Berlin, daß Frau von Berg, die kürzlich wegen Spionage zum Tode verurteilt wurde, dieser Tage in Berlin hingerichtet Eisenbahnkatastrophe in Barcelona 20 Tote und 25 Schwerverletzte geborgen Madrid, 22. Mai. Wie I a b r e n umwandeln. Dr. Bg. Kommunisten vorgenommen. Von 786 sestgenom« menen Personen werden 88 vor Gericht gestellt werden. Sie werden u. a. beschuldigt,«inen Kommunisten. von dem sie glaubten, er sei ein Spitzel, ermordet und zehnandercPersonen gemartert zu haben. Bon den 736 Berhas- tekcn sind 163 Studenten, 249 sonstige Intellektuelle und 32» Arbeiter. Opfer der Wissenschaft. Einer Meldung aus Denver zufolge ist der Radiologe Henry Koni g an Krebs gestorben, den er sich bei seinen wissenschaftlichen Arbeiten zugezogen, hatte. Er wußte seit längerer Zest, dah er verloren war. setzte aber seine Arbeiten fort. Er war der letzte Ueberlebende einer Gruppe von 20 Wissenschaftlern, die ursprünglich mit Madame Curie zusammenarbeiteten. Er entdeckte die b i l l i g st e Methode der Radiumgewinnung. Auch die Anwendung von Radium für Z i f« fcrblätter von Uhren soll aus ihn zurück- zufiihren sein. Unbekannter Selbstmörder. Am 20. Mai wurde bei Matä Chuchl« au» der Moldau die Leiche eine» unbekannten, etwa 23« bis 80jährigen Mannes herauSgezogen. Er war 188 Zentimeter doch, von stärkerer Gestalt, batte dunkler kastanienbraune» Haar und ein rundes Gesicht. Er trug schwarze Trainierhosen. Die Leiche Lag bereit» sieben bi» zehn Tage im Wasser und befindet sich bereits zum Teile in Zersetzung, so dah eine genaue Beschreibung nicht mehr möglich ist. Sie wurde in da» pathologisch« Institut für gesundheit-polizeiliche Obduktion in Prag gebracht. Ozeanslng de» Prinzen v,n Wale»?„ Excel- sior" schreibt, dah der Prinz von Wale», der ein Anhänger de» Flugwesen» und selbst Pilot ist, demnächst an einer Ueberfliegung det Atlantischen Ozean» von England nach Nordamerika aus einem englischen Grohslugzeuge teilzunehmen beabsichtigt. Maffenslucht au» de» Gefängnis. Au» den» Staatsgesängnis in Faridlet lIndien) sind 27 Gefangene entflohen. Sie hatten vorher zwei W a ch- soldaten ermordet und 10 Gewehre mit Munition geraubt. Gerichtspräsident erschießt einen Advokaten. Im Orte Boljevak in Serbien tötete der Präsident de» dortigen Bezirksgerichtes Stojanovik den Advokaten Pavlovik durch fünf Revolverschiiffe und schätz sich die sechste Kugel in den Kopf. Ttojanovit wurde in schwerverletztem Zustande in» Spital überführt. Das Motiv der Tat war genenseitiger Hatz wegen politischer Gegensätze. Der Vorfall hat in der ganzen Umgebung Aussehen hervorgerufen. Durch Zuckenverk alkoholisierte Kinder. Wie die „New Uorker Times" erfahren, hat die Bundesbe- hörde für Justiz gegen zwei Händler Anklage erhoben, die durch Hausierer stark alkoholartige» Zuckerwerk an Schulkinder verkauft haben. Sie erzielten mit diesen Verkäufen einen Umsatz von einer halben Million Dollar. Die Untersuchung wurde auf Grund von Klagen feiten» der Schulbehörden«ingeleitet, die berichteten, dah die Kinder zum Teil halb betrunken zur Schule kämen. Liebesdrama. Auf dem marokkanischen Ilmsteige- bahnhos El Afsroun hat«in 20jähriger Mann aus eine Familie namens Galiana mehrere Revolverschüsse abgegeben. Frau Galiana wurde durch einen Brustschutz getötet. Ihre 16 Jahre alte Tochter wurde durch einen Schutz in die Wirbelsäule so schwer verletzt, datz sie während der Ueberfiihrnng in» Krankenhau» starb. Zwei andere junge Mädchen wurden verletzt. Der Mörder richtete sodann die Waffe gegen sich sellbst und beging durch einen Schutz in» Herz Selbstmord. Ma» vermutet, datz et sich um ein Liebe»drama gehandelt Hot. WM nd WIM Die Krise im Kohlenbergbau Der Revicrrat für die BergamiSbrzirke Brüx — Tcplitz— Komotau veröffentlicht soeben einen Tätigkeit»- und RechcnsdwstSbericht für da» Jahr 1033, au» welchem man ein zutreffendes Bild der.Krise im Kohlenbergbau gewinnt. Während im Jahre 1028 in dem Gebiet de» Rcvierrate» rund 17,400.000 Tonnen Kohle gefördert wurden, waren e» im Jahre 1933 nur noch 11.521.000 Tonnen. Mit Recht sagt der Bericht, das; die vier Jahre andauernde, sich von Jahr zu Jahr verschärfende Stagnation am Kohlenmarkte genügte, um da» Revier auf den Stand zurückzuwerscn. der vor mehr als vier Jahrzehnten erreicht wurde. Entsprechend dem Rückgang der Kohlenförderung ist auch die Zahl der Arbeiter zurückgegangen. 1928 waren in dem Revier 29.467 Arbeiter beschäftigt, im zweiten Halbjahr 1933 jedoch nur 22.508. Darin ist natürlich die Kurzarbeit nicht berücksichtigt, welche die Lebenol-altung der Bergarbeiter stark heruntersctzt. lDie Aeiniohnsummen im Revier sanken von rund 388.8 Millionen Kä im Jahre 1828 auf 210.45 Millionen Kö.) Die Lohnlostcn pro Meterzentner sind im Revier in st ä n d i g e m R ü ck g a n g. Nimmt man ihre Höhe im Jahre 1828 mit 100 an, so betrugen diese 1829. im letzten Jahre der Konjunktur, 99, 1881 85. 1832 83 und 1933 88. Demgegenüber ist die L e i st u n g pro Kopf und Schicht g e st i e g e n. Nimmt man auch da das Jahr 1926 mit 100 als Grundlage, so betrug diese Leistung im letzten Konjunkturjahre 1929 110, 1830 gleichfalls 110, 1931 116, 1932 120 und 1838 gleichfalls 120. GEDENKET W«lieft AhiImot der Arbeiterfürsorge! Der Wehrtas in Dux Pfingstmontag sand in Dux ein Wehrtag statt, der zu einer machtvollen Kundgebung für die demokratische Republik wurde. Biele tausende Menschen, darunter grotze Massen der deutschen Bcvöllerung, drängten sich aur der HuShöhe zusammen. Der AtuS und die R. W. versammelten sich um 8 Uhr früh auf dem Sportplatz in Dux- Raden. Die Beteiligung war autzerordcntkich zahlreich, 500 Turner und 250 R. W.-Männer tvarcn zum Wchrtag erschienen. Ilm halb 9 Uhr erfolgte der Abmarsch mit Musik durch die Stadt zum Bahnhof. An der Spitze des Zuges marschierte der Bundesvorstand des Atus und die Leitung des 2. Kreises. Für die Kreisorganisation der Partei waren die Genossen Kremser, H e r g e t und Lorenz erschienen. Genosse Franz Löwe führte die R. W. Der imposante Zug fand in der Stadt allgemeine Aufmerksamkeit. Punkt 9 Uhr setzte sich der Festzug in Bewegung. An der Spitze des Zuges marschierte daü Infanterieregiment Nr. 9 aus Brür. Dann kam die Kavallerie. Maschinengewehrabteilungcn und Artillerie. An die militärischen Abteilungen scklotz sich eine Abteilung Gendarmerie, Legionäre, tschechische Jugend, Schützen. Sokol», die tscke- ch i s ch e n u n d d e u t s ck e n A r b e i t c r« turnerund die R. W., im ganzen Zuge zweifellos die zahlreich st e Gruppe: dann folgten Bergknappen. Feuerwehr, Eisenbahner, Radsahrer. tschechische Frauen und Kinder in ihrer kleidsamen Nationaltracht und dann als Abschlutz des ganzen Zuges tschechische Baucrnreiter. Viele Tausende folgten dann dem Festzugc auf die HuShöhe und e» dauerte geraume Zeit, bis sich die Massen allmählich aus dem großen Platz fanden. Es waren sicherlich mehr als 29.000 M e n s ch e n dort versammelt. Außerhalb des Platzes standen noch viele Hunderte, die den Darbietungen aus der Ferne zusahen. Aus dem Festplatzc wurde die Veranstaltung von Herrn Senator Bergmann erössnet. Dann sprach NationalvericidigungSminister l B r a d ä L. Der Minister hob besonders den demokratischen Gedanken der Republik hervor, die auf den demokratischen Parteien beruht. In seinem Appell an die Soldaten sagte der Minister- daß sie zum Schutze des Staates und aller Völker. die ihn bewohnen, hier seien. An dem großen Gedanken der Demokratie werde man hier inimer festhalten. Für die Stadt Dur sprach Bürgermeister Genosse Karl Schlei» und P i z e b ü r g e r m c i st e r Genosse B e l ä a n. Nach den Ansprachen erfolgte die Defilierung, an der auch der Atu» und die R. W. teilgenommen haben. Gegen 11 Uhr kreisten über Dur neun Flieger. Nachmittags sanden ans dem Platz militärische Hebungen und Freiübungen der Turner statt. Um halb 1 Uhr erschienen wieder neun Flieger über dem Gebiet von Dux. Als sie in die Nähe der Hushöhe kamen, eröffnete die Artillerie Abwehrfeuer. Bald darauf sah man mächtige Rauchwolken sich entwickeln. Zur Demonstration eine» Gasangriffe» wurde eine eigens hiezu hergestellte Holzbude in Flammen gesetzt. Als die Flieger nach etwa zehn Minuten aus der Richtung Brüx wieder über Dux erschienen, ertönte Maschinengewehrfeuer. An den Freiübungen beteiligte sich auch unser Atus. Die exakten Vorführungen unserer Turner fanden allgemeine Bewunderung und viel Beifall. Ring» um Dux lagerten auch am Nachmittag viele Hunderte Menschen, die vor allem ans die Flieger warteten. Verbrecherische Krida Reichenderz, 22. Mai. Vor dem Neicheuber- ger Geschworenengericht begann heute di: Verhandlung gegen die Inhaber des Banlhanses„A n k e r", Julius Massopust& Co., Neidicuberg, Juli n s M a s s o p u st und Willibald Seidel, sowie geaen den Prokuristen des Bankhauses Hell mut Massop»st. Julius Massopust und Willibald Seidel sind wegen Veruntreuung und verbrecherischer Krida, Hellnull Massopust ivcgeu fahrlässiger Krida angeklagl. Tas Bankhaus hatte am 9. Jänner 1938 den AuSgleickt augemeldet. Am 1. Jeder 11)33 wurden die beiden Inhaber verhaftet, die. sich demnach bereits über 114 Jahr in Untersuchungshaft befinden. Durch den Zusammenbruch der Firma stick weite Kreise der Bevölkerung gesdiädigt und insbesondere viele kleine Sparer um ihren letzten Besitz gebracht Ivordeu. Die Ueberschnldnng der Firma beläuft sick) auf rund 9,5'Millionen I