Donnerstag, 24. Mai 1934 14. Jahrgang Nr. 119 IBNTRALORGAN PER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ■ntnkllMt (•imchH»meh S Heiter Forte) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg X»., fochova 42. Telefon swt. Administration twvon avi. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Die französische Presse zur Präsidentenwahl Paris, 23. Mai. Die französischen Blälier, die über die Vorbereitungen zur Präsidentenwahl in der Tschechoslowakei am Donnerstag, den 21. d. M., referieren, benützen zum großen Teil diesen Anlaß, nm Artikel über die Bedeutung des Präsidenten Masaryk zu veröffentlichen. In der Korrespondenz der Agcnce Havas, die von zahlreichen Blättern in Paris und in der Provinz abgedruckt wird, schreibt Chefredakteur Francis Bauhal: In den Augen seines Volkes ist T. G. Mafaryk mehr als ein einfacher, von den Vertretern dcü Volkes gewählter Präsident. Für das tschechoslowakische Volk stellt Masaryk das dar, waö George Washington in den Augen des amerikanischen Volkes ist, nämlich ein Apostel und bewundernswerter Repräsentant der Unabhängigkeit. Dieser große Mann ist nicht nur für daS tschechoslowakische Volk daS, lvas er für den aufmerksamen Historiker der Ereignisse dec letzten 25 Jahre ist: Der Verjünger und Hauptschöpfec der tschechoslowakischen Selbständigkeit. MasarhkS einzigartiges Prestige ist in gleicher Weife das Er» gcbnis der Dankbarkeit als der Autorität. Diese sittliche Autorität kann durch keinerlei Ereignisse berührt werden. Masaryk verwirklicht durch die Noblesse seines Charakters, durch eine seltene seelische Erhabenheit und durch daS musterhafte Beispiel seines Lebens das Ideal eines Nationalhelden und legendären Weisen, dessen Verstandesallen liebeln der Zeit geschützt sind und dessen allem liebeln der Zeit geschützt sind und dessen körperliche Frische ebenfalls der Zeit zu wider- stehen scheine. Blum für die Grundsätze der Zweiten Internationale PariS, 23. Mai. Der in Toulouse tagende sozialistische Kongreß hörte gestern abends die Rede Aon Blums an, der auf die Einigung innerhalb dec Partei drängte und den gemeinsamen Kampf gegen die Reaktion von rechts forderte. Er sprach sich gegen eine Annäherung der Sozialisten an die Kommunisten auS und sagte, daS Ziel der Sozialisten bleiben die Grundsätze der Zweiten Internationale: eine Negierung von Sozialisten, Verstaatlichung des Kreditwesens und Monopolisierung der Unternehmen. Mitttooch abends wurde der Kongreß mit einer Aussprache über die Kongreß-Resolutionen geschlossen. Französischer Eisenbahner In Deutschland verhaftet Paris, 22. Mai.(HavaS.) Pariser Blät- tcrmcldungen zufolge Haven die deutschen Behörden in der Grenzstation Kcbl am letzten Freitag den französischen Maschincnsührer R e i m e l in dem Augenblick verhaftet, als der Zug int Bahnhof cingefahrcn war. Wie die Blätter melden, wurde von den deutschen RcichSbehördc» gegen Reinicl ein Steckbrief erlassen, in welchem behauptet tvird, daß Reinicl anfangs Mai, als er mit einem Zuge auf dem Bahnhof von Kehl sich befand, ironische Bemerkungen über einige Hitler- Einrichtungen, vor allem über den Arbeitöfeiertag, gemacht habe. Das Außenministerium hat in dieser Angelegenheit eine Untersuchung eingeleitet, die noch andauert. Lügen Habsburs nach Wien abgereist Basel, 23. Mai. Die Schweizerische De- pcschen-Agentur meldet: Der ehemalige österreichische Erzherzog Eugen Habsburg ist Mittwoch nachmittags nach Wien abgereist. bombe gegen Starhembergschlob Linz, 28. Mai. Gegen daö Schloß Waxcn- burg, das bekanntlich Starhemberg gehört, wurde in der Nacht auf gestern eine Bombe geschleudert, bei deren Explosion 3U Fenster zertrümmert und die HauSkapelie beschädigt wurde. Die Täter Nieteten. Unser Präsident Während im Laufe einer Woche in zwei Länder»— Lettland und Bulgarien— diktatorische Regierungen an die Macht gelangt sind, während in Italien seit mehr als einem Fahr, zehnt, in Deutschland seit 193!), in Oesterreich seit heuer ein blutiger FasciSmus das Heft in den Händen hält, während in Polen und lln- gar» der freie politische Wille der Bevölkerung nicdcrgehaltcn tvird, schreiten heute die frei- gewählten Vertreter aller Klassen und Na- tionen der Tschechoslowakei zur Wahl des Staatsoberhauptes nach den Nornien der gcl. tendcn demokratischen Verfassung. Auf kein wahlberechtigtes Mitglied der Nationalver. sammlung wird irgend ein Zwang oder Druck ausgeübt— und dennoch wird mit seltener Ein- mütigkeit deS übergroßen Teiles der Abgcord- uetc» und Senatoren Thomas Garrigue Bk a. saryk zum vierten Male als Präsident der Republik gewählt werden, er, der wie kein zweiter zur Schaffung dieses Staates beigetragen hat. ES ist ein seltenes Glück für ein Land, den größte» seiner Söhne mit dem höchsten politi- scheu Amt, daS zu vergeben ist, zu betrauen. Masaryk ist der größte lebende Tschechoslowake, er ist auch eine der bedeutendsten Gestalten der Geschichte seiner Nation. Er hat ihr unendlich viel gegeben. Auf dem Gebiete der Philosophie Helmwehrleute angeschossen| Wien, 23. Mai. Am 21. Mai um 1.80 Uhr I nachts wurde aus eine aus zwei Heimwehrlcuteu bcstehcudc Patrouille auf der Straße nächst Dorf an der Pram ein Schrotschuß abgegeben, durch den beide Heimwehrlcutc getroffen wurden und Verletzungen schwerer Natur davontrugen. Unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft Ivurde am 22. Mai ein bekannter nationalsozialistischer Parteigänger von der Gendarmerie in dem Momente angel-alten, als er Uber den Inn nach Bayern flüchten wollte.> und Soziologie hat er eine Reihe großer Werke hervorgcbracht, aber darüber hinaus hat er das gesamte Geistesleben seines Volkes tief bcem- flicht. Die geistige Erneuerung deS tschechischen Volkes zu Beginn der neunziger Fahre, die eS aus de» Fesseln einer mit Vorurteilen behafte- ten Weltanschauung und eines unfruchtbaren politischen Romantizismus befreite, ist vor allem sein Werk. ES war auch eiuc politische Er- Neuerung, durch welche Masaryk das Volk aus dem Reich der Träume in daS Land der Wirklichkeit führte, in welchem der in der Wissenschaft längst sieghafte Empirismus— d. h. ein auf Erfahrung begründetes Wissen— auch für die Politik maßgebend wurde. Die Durchsetzung dieses politischen R e a l i s m u S, wie ihn Ma- saryk nennt, ist fiic das tschechische Volk bedeutsamer geworden, als man allgemein glaubt und wir Deutschen, dessen Mittelschichten innerhalb und außerhalb der rot-wciß-blauen Grenzpfähle immer wieder hoffnungslosen romantischen Spielereien verfallen, können die Tschechen wahrhaft beneiden um den großen Geist, der ihre Politik auf den Boden der Wirklichkeit gestellt hat. Masaryk hat aber auch daS tschechische Volk auS der geistigen Enge seiner eigenen Heimat hinausgeführt in die luftige Weite internationalen Kulturlebens, er hat oö französische und Reaktion in Griechenland Aus Athen wird unS geschrieben: Ministerpräsident Tsaldariö ließ ein offizielles Com- MUiliqüö veröffentlichen, in dem erklärt wird, daß die Regierung dem Parlament einen Gesetzentwurf über die Reorganisierung der Armee und einen Gesetzentwurf über die Acndcrung und Ergänzung deS Wahlrechtes vorlcgen wird, in dem das bisherige System des BerhältniölvahlrechteS durch daS System der Mehrheit ersetzt werden soll. Fn der amtlichen Meldung heißt cs weiter, daß Sic Regierung entschlossen ist, im Oktober Parla- meuis Nemoahlen ausznschrciben. anglo-amerikanische, deutsche und russische Philosophie, Politik und Literatur gelehrt, er hat den Tschechen daS Fenster nach Europa aufge- rissen, wie jeder Große einer Nation hat er die Kultur aller großen Völker in sich ausgenommen, mit der Kultur der eigenen Nation vermählt und so ko st barcS internationales Kulturgut feinem Volke weitergegcbcn. Als Sozialisten aber können wir mit Freude feststellcn, daß al l e L N a t i o n a l e i n Masaryksozialan gehaucht ist, daß er in der Tätigkeit fiir sein Volk immer Arbeit sür die Massen dieses Volkes sah.„Nationalität", so sagte er in seiner Schrift,„DaS neue Europa", mit der er die Ideologie der tschecho- slowakische» Legionen im Weltkriege formte. „habeichimmerseitmeinerFugend von der sozialen und sittlichen Seite gefühlt." Er hat fiir daö gleickie Wahlrecht, für den Achtstundentag, für den Aus- stieg deS Proletariats gekämpft— an unserer Seite, Schuller an Schulter mft der Sozialdemokratie. Was wir ihm aber besonders hoch anrech- ncn ist, daß er in den fiinfzchneinhalb Fahren, da er unser Staatsoberhaupt ist, seine soziale und demokratische Gesinnung nicht geändert hat und daß der Steuermann des StaatsschiffcS denselben Kurs hält in den aufgcpeitsckte» Wogen der Gegenwart, da die anderen politischen Modcströmungcn folgen. Masaryk ist Demokrat geblieben und cs ist charakteristisch, daß daS Buch, welches seine Kundgebungen als Präsident der Republik enthält, den Titel:„Der Weg der Demokratie" führt. Er hält die Demokratie für mehr als eine bloße VerfassimgSform. „Die Dcmo kratie", so sagte er, während daS Blut von Millionen in Europa floß,„i st die Organisation des Fortschrit- teSinallen Bereichen menschlich er Tätigkeit." Die sittliche Kraft, mit der er sich in den Kampf gegen Habsburg stürzte, er- floß ihm nicht so sehr aus dem Nationalen wie aus der Erkenntnis, daß cS sich um die Sache der Demokratie handelte. Ihm war die Befreiung seiner Nation der Sieg einer sittlich höheren Demokratie über den verkommenen monarchischen Feudalismus— feine Auffassung deckt sich da mit jener de§ deutschen Sozialisten Viktor Adler, der den Zusammenbruch Alt- OesterrcichS„als eine Teilerschcinung des allgemeinen Sieges der Demokratie in der ganzen Kulturwclt" ansah. Die deutschen Sozialdemokraten haben bei der letzten Präsidentenwahl 1027 durch ihr Eintreten fiir Masaryk dessen Wahl ini ersten Wahlgang entschieden— obwohl sie der damaligen Regierung in heftiger Opposition gegenüberstan- den. Wir buchen diesen Schritt, den wir vor sieben Jahren mit Mnt und Entschiedenheit und Voraussicht getan haben, als Verdienst in unserer Parteigeschichtc. Wir wählen auch diesmal keinen anderen, weil wir keinen würdigeren wissen. Wir wählen Masaryk, weil er uns eine Gewähr fiir die Zukunft ist, weil wir gemeinsam mit ihm die Demokratie in diesem Lande ausrecht erhalten wollen, weil unS die demokratische StaatSversassung die Lust zum Atmen gibt, weil wir die politische Demokratie fortcntwickcln wollen zur sozialen Demokratie, in der alle Ausbeutung verschwinden und die Armen und Enterbten ein menschenwürdiges Leben werden führen können. Wir wählen Masaryk, weil wir mit ihm eins sind, in der Auffassung, der er in seinem weisen Buche„Die Wcltrevolution" Ausdruck gegeben hat:„Die echte Demo- kratiewirdnicht nurpolitisch, so n dcrn auch wirtschaftlich und sozial I s e i n." Cefa r DoimerStag, 24. Mai 1934 Rr. 11« I | <7>< mit schuf er die Grundlagen für eine lveitere Aus« lvärtsentwicklung des Verbandes. Die Leitsätze schlichen mit einem Blick in die Zukunft: „Erst in der sozialistischen Ordnung wird auch ftir die jungen Menschen die Möglichkeit bestehen, ihre Jugend z» genießen, frei von der la« stendcn Sorge um das tägliche Brot, betreut von einer älteren Generation, die der Jugend nickt mehr im Konkurrenzkampf als Feind gegenübersteht. Frei und unbehindert werden die jungen Menschen ihre Fähigkeiten entwickeln, ihren Nei« gungen entsprechend für die Gemeinschaft arbeiten können. So wird die Sache der internationalen so« zialistischen Bewegung zur Sache der Jugend überhaupt, die sozialistische Revolution zum einzigen Tor, durch das die junge Generation den Weg in ein Reich der Freiheit und Menschenwürde gehen kann. Die schaffenden Menschen können sich nicht befreien, ohne zugleich die Ju« gcnd zu emanzipiercn, aber die Jugend kann nicht frei werden, wenn nicht die sozialistische Revolution siegt. Der Kampf der Jugend und der Kampf der sozialistischen Arbeiterbewegung bleiben schicksalsverbunden in No t und Sieg." Im Jahre 1920 sand der denkwürdige Ver- bandslag des Verbandes dec sozialdcmolmtischeu Arbeiterjugend in Karlsbad statt, der die Spal- tung der sozialistischen Jugendbewegung besiegelte und die Spaltung der Partei cinlcitcte. In den damals geführten Kämpfen um die Grundsätze der sozialistischen Jugendarbeit wurden Erkenntnisse von bleibendem Werte gewonnen. Es ging damals um nichts iveniger als um die Frage, ob die sozialistische Jugendbewegung die Aufgaben einer jungsozialistischen oder jungkommunistischen Partei erfüllen solle, die eine eigene politische Ideologie entwickeln und selbständige politische Allioncn zu führen hat. In den Bedingungen, die die Kommunistische Jugcndinlcr- nationale für den Beitritt des Verbandes der sozialdemokratischen Arbeiterjugend ausgestellt hatte, war die Rede davon, daß die Jugend„der aktivste und revolutionärste Teil des Proletariats" sei und die Pflicht habe, sich gegen die rechte und zentri- stische, Richtung der Arbeiterbewegung, also vor allem„gegen die Renaudel, Schcidemann, Fritz Adler, Otta Bauer und Kautsch" zu tuenden. Die sozialistische Minderheit wies auf dem damaligen Verbaudstag mit Recht daraus hin, daß dies alles eine demagogische Liebedienerei vor der I u g en d i st, die zwar alle Voraussetzungen dazu hat, der aktivste und revolutionärste Teil dcS Proletariats zu werde n, aber den Anspruch, es zu sein, nicht zugleich mit der Tatsache ihres Jungseins erwarb, lind mit gleicher Schärfe lvie- sen die Vertreter der sozialdeniokrcitiscken Richtung daraus hin. daß der Jugend nicht das Rickieramt Der LandrSauSschnß für Böhmen behandelte in seiner Sitzung anc 23. Mai außer einer Reihe laufender Angelegenheiten 59 GemeindehauShaltc und bewilligte 197 Gemeinden die Einhebung verschiedener Abgaben und Gebühren. Er genehmigte weiter den Beschluß der Zentralvcrtrctung der Hauptstadt Prag zlvccke Abschlusses einer Kommunalanleihe in der Höhe von 679.909 Kc zur Errichtung eines Abzugskanals in der Karls« gaffe in Zijkov und vier Millionen Xö zur Deckung der Kosten für den Bau des Allgemeinen öffentlichen Krankenhauses Bulovka. Ferner genehmigte er den Beschluß der Zentralvertretung der Hauptstadt Prag betreffend den Tausch von Grundstücken der Gemeinde für Grundstücke des Prämonstratenser-OrdcnS im Strahover Garten, wobei die Gemeinde 4,824.009 Xc zuzahlt. Der neue Gesandte der Republik Portugal in Prag Jose da Costa Carueiro erschien Mittwoch, den 23. Mai, auf der Prager Burg beim Präsidenten der Republik in Antrittsaudienz. Den Gesandten begleitete der LcgationSsekretär der portugiesischen Gesandtschaft AyreS re Magalhaas. Der Audienz wohnten bei Minister des Aeußern Dr. BeneS, Kanzler Dr. Samal und der Chef der Militärkanzlci des Präsidenten der Republik General Blaha. Ungesetzlichkeit wird Ged Sofia, 22. Dtai. Nach der Beendig» Ministerrat cs, der am Dienstag rcrc Stunden ununterbrochen tagte, erklärte Ministerpräsident Georgieff vor der Preffc, daß dar Kabinett einen seiner weittragendsten Beschlüße gefaßt habe, der am Mittwoch durch Verordnung in Kraft gesetzt werde. Diese Verordnung werde bestimmen, daß alle von der Negierung erlaßenen Verordnungen, gleichgültig, ob sie den bestehenden gesetzlichen Bestimmungen widersprechen oder nickt, rechtsgültig seien und zur Durchführung gelangen. Die angckündigte Bcrordliung. die die Regierung mit einer ungeheuren Macktsiille auSstatten wird, bedeutet gleichzeitig auch die Legalisierung ihrer diktatorischen Macht. Entwicklung erhofft und nichts dazic beitragen will, sic zu gestalten. In einem Kapitel„Jugend undNatio n" setzt sich die sozialistische Jugend mit dem Vorlvurf des„NationSvcr- rats" und mit dem bürgerlichen Volksgcmein» schaftSgedankcn auseinander, dem sie in glücklicher Formulierung den Gedanken der sozialistischen Volksgemeinschaft durch die lleberwindung der Klaffengegensähc gegenüberstellt. Ganz neu ist das Kultur-Kapitel der Leitsätze, in dem der bürgerlichen After-Kultur und der Spießer- moral der Kampf«»gesagt und die Jugend zu sozialistischer Gestaltung ihres Leben» und zum Kampf um die sozialistische Kultur aufgerufen wird. In einem großen Abschnitt werden die c r» scheu Rahmen der Gcsamtbewcgung milzugcstalten schäften hinsichtlich der Krisenbckämpfung eigen und fügt diesen Forderungen eine ganze , Anzahl eigener Jugendförderungen an, die das Leben der arbeitslosen Jugend der Arbeiterschaft, des Mittelstandes und der Intelligenz berühren. Ein Sonderkapitel behandelt die Lage der Landjugend und die dringendsten For« dcrungcn zum Schutze ihrer Gesundheit und ihrer Existenz. Daö Schlußkapitel behandelt die Beziehungen des Sozialistischen Jugendverbandcs zu den übrigen Organisationen der sozialistiscken Arbeiterschaft. Zum crslcnmalc wird in den Leitsätzen der sozialistischen Jugend der Versuch gemacht, die Terminologie der Bewegung zu ändern.„Proletariat" ivird nie als politischer, sondern immer nur als sozialer Begriff gebracht. Der Kampf um den Sozialismus wird nicht nur als eine Aufgabe der Handarbeiter angesehen, sondern als eine Ausgabe aller Opfer des Kapitalismus. Die Aen-1 dcrung in der Terminologie soll auch die Werbearbeit über die Kreise der.Handarbeiterschaft hinaus erleichtern. Freilich: die Leitsätze des Sozialistischen Jugendverbandcs bcdürscn der politischen Ergänzung.«» hat denn der Verbandslag auch einen Beschluß angenommen, in dem die Partei ersucht loird, die Arbeiten zur Fertigstellung der programmatischen Grundsätze der Gcsamtbewcgung zu bcschlcnnigeii. Als Leitsätze für die sozialistische Jugendarbeit im Rahmen der Gcsamtbewcgung sind jedoch die Richtlinien von Ko- motau beispielgebend für die Verbände der Ju- gendinternaiionale. Die Forderungen der Leitsätze auf pädagogischem, politischem und wirtschaftlichem Gebiete zu erfüllen, wird der Mobilisierung und deS Einsatzes aller Kräfte nicht nur unserer Jugend, sondern auch der Parteibewc- gung, bedürfen. Der Komotaner Verbaudstag hat aufs neue zum Ausdruck gekrackt, daß die Befreiung der proletarischen Jugend nur ein Werk dec g a n z e n Arbeiterklasse sein kann. Die sozialistische Jugend wird und kann darum ihren< Kampf nur im B u n d e mit Partei, Gewerkschaften und den übrigen Organisationen der sozialistischen Arbeiterbewegung führen. Der Komo- tauer VerbandStag hat dazu beigeiragcn, dieses Kampfbündnis zu stärken und er hat zugleich Kanipse nm den Sozialismus betont: die Leitsätze, die alten erzieherisch-politischen Grundsätze der bclämpscn den Fatalismus, der alles von der I sozialistischen Jugendbewegung bestätigt. Ta» Zum neuen Programm der sozialistischen Jugend Von Karl Kern 1 in dem Meinungsstreit der sozialistischen Bewe gung znkommt. Die sozialistische Minderheit stellte fest, daß die Jugend,nm ein Urteil über die Richtungen in der Arbciterbcivegung und über die sie vertretenden Personen fällen zu können, mit den Grundsätzen der sozialistischen Bewegung und den Lehren ihrer Führer erst vertraut gemacht werden muh. Die Vertreter der soziali stischen Minderheit l e h n t c n e S a b. s o z i a l i-! z i c b e r i s ck c u Aufgaben dcS Sozialisti« stiscke Jugcndarbeitaufbcstimmte scheu Jugendverbandcs umschrieben, in dem dann Richtungen innerhalb der Gesamt« folgenden Kapitel wird der wirtschaftliche b c w e g u n g c i n z u s ch w ö r c n. Für die Er- Kampf behandelt. Auch hier wird auSgegangen zichnngsnrbeit innerhalb der Jugendbewegung von der jetzigen Krise deö Kapitalismus, die als müßten die allgemeinen Grundsätze der Gesamt- Existcnzkrisc bezeichnet wird. Die Jugend mackt I bcwegung maßgebend sein, die im organisatori« sich die Forderungen der Partei und der Gewerk« sckcn Rahmen der Gcsamtbewcgung milzugcstalten schäften hinsichtlich der Krisenbckämpfung zu die Jugend nach Maßgabe ihrer Reife selbstver-[ stänblick das Recht haben muß. Jedes Fest« l e g e n d e r I u g e>r d a u f b e st i m m t e An sicht e n und Richtungen innerhalb der Gcsamtbetvegung kann zur Spaltung führen.— Die Erfahrungen, die in der ganzen Internationale gesammelt wer den konnten, haben die Richtigkeit dieser Meinung bewiesen. Der Sozialistische Jngendvcrband hat au» diesen Erfahrungen gelernt— mit dem Er gebnis, daß er fick zu einer großen Organisation entwickelte, während die Organisation der kom munistischen Mehrheit vom Karlsbader Spal« tungSvcrbandstag schon nach wenigen Monaten ein elender Trümmerhaufen war. Auf die gegenwärtigen Probleme der Ar« Der VerbandStag deS Sozialistischen Jugend« verbände» in Komotau hat neue programmatische Leitsätze beschloßen. Der Bcschlnhfassung ging auf dein Verbandstage selbst eine ausgedehnte Aus sprache voraus; die Grundgedanken der Leitsätze waren vorher auf den verschiedenen Konferenzen der Jugendorganisation besprochen ivorden. Tic Leitsätze umschreiben nicht nur die A u f g ab e n der s o z i a l i st i s ck c n Jugendbewe gung in d i e s e r Z e i t; sic grenzen auck die Stellung und Funktion der so zial i st i s ck e n Jugendbewegung im Rahmen der G e s a in t b c w c g u n g ab. Nicki immer herrscht Einmütigkeit bei der Bcurieilung des Wirkens unserer Jugendbewe gung. Manchem Genossen sind die Aufgaben, die sie sich gcjrclli hat, zu groß und zu umfangreich; mauck ein anderer Genosse meint, der sozialisti schen Jugendbewegung komme eine viel höhere Funktion zu, als die jetzt von ihr ausgeübtc. So ist cs denn zweckmäßig, die Grundgedanken des Jiigcndprogramms auch an dieser Stelle zu ent wickeln. weil jede unrichtige Beurteilung der so zialistischen Jugendbewegung entweder dazu bei trägt, ihre Kraft in eine falsche Richtung und von den Interessen der Gesamtbcwcgung wcgzulcnkcn, oder ihre volle Entfaltung zu verhindern. So zialistische Jugendarbeit verträgt weder de» Maß stab deS Nur-Politikers, noch auck den de» Nur- Pädagogen; sic vollzieht sich nickt im luftleeren Raum und kann nicht aus der Gelchrtenstube ge leistet werden, verträgt aber ebensowenig organi-1 satorische Beschränkungen, die etwa auö einem gc- bcitcrbclvcgiing kann und will die sozialistische Ju- wisscn Mißtrauen gegen die Fähigkeit und das gcnd keine für die Gesamtbcwcgung gültige gute Wollen der Jugend getvünscht werden.| Antwort geben; sic kann nur im Rahmen der Gc- samlbeivcgnng an ihrer Lösung mitarbeiten. Dies konnnt auch in den neuen Leitsätzen des Sozialistischen Jugendverbande» zum Ausdruck. Seine Mitgliedschaft hat sick in den letzten Jahren beträchtlich verjüngt. Die Fünfzehn-, Drchzehn- und Siebzehnjährigen bilden die große Mehrheit des Verbandes. Daraus ergeben sich die Grundlinien der politisch-pädagogischen Arbeit von selbst. Ter Vcrl>andStag in Komotmi hat darauf > verzichtet, die Grundlagen seiner Arbeit„Programm" zu nennen; die Programmgestaltung für die Gcsamivewegung will er dieser felbst überlassen. Er gab sich darum nur„Leitsätze" für seine Tätigkeit im Rahmen der sozialistischen Gcmcinschast. Sie schließen allgemein gültige Erkenntnisse der sozialistischen Bewegung ein und I fußen ans der besonderen"geistig-seelischen Haltung der Jugend und auf ihrer Situation im nicdcrbrcchcndcn Kapitalismus. Die Leitsätze gehen davon aus. daß die Jugend unter der heutigen Krise des DwitaliLmus besonder» leidet. Hier ist von aller Jugend die Rede: von der Jugend der Arbeiterklaffe, des Mittelstandes und der Bauern. Die Inter« eßen aller Jugend müßen den Kapitalismus verneinen. Ter Betrachtung über die Lage der Jugend in der Existenzkrise des Kapitalismus schließt sich eine kurze Analyse dcS Fascismns und eine Betrachtung über die Aufgaben der sozialistischen Jugend im Kampfe gegen ihn an. Hier ivird die Funktion des Willens im 18 Unsere Tächter, die Nazinen Boman von Hermynla Zur Mühlen Ich weiß nur, daß er ehrgeizig ist, und eben mit diesem Ehrgeiz hatte ich gerechnet, als ich seine Frau tvurdc. Doch haben ihn die Schwestern und die Patienten im Krankeniw us nickt umsonst den„Doktor Ablvarten" genannt. Er war immer sür das Ablvarten, und da» hat uns finanziell und gesellschaftlich sehr geschadet. I Ich entsinne mich der Tage vor der KricgLcrklä« i rung. Wir ivaren alle empört über die Feindesmächte, alle begeistert für unser Vaterland. Ich weinte, wenn ich die Nationalhymne hörte, und meine kleine Liselotte sang mit ihrer hellen Kin« dcrstimmc so rührend„Deutschland über alles". Rur Arthur hielt mit seiner Meinung hinter dem Berg...Abwarten." sagte er.„Vielleicht kommt cS doch nicht zum Krieg und dann stehen wir als Kriegshetzer da." Als es dann zum K>ricg kam, lvar er, das muß ick ihm laßen, ein ebenso patriotischer Deutscher wie alle andern. Nur keine Kriegsanleihe lvolltc er zcickncn. Daft'ir aber hielt er Reden, ausgezeichnete Reden über unser unbesieglicheS Heer und Deulscklauds Sendung in der Welt. Jm'Jahre sechzehn begann er sick abermals zurückzuzichcn. Ich begriff ihn nicht. Eü machte einen schlechten Eindruck, und das gerade jetzt, da es mir endlich gelungen luar, in den OfsizierSkreiscn zu Verkehren. Nack Beendigung des Krieges, so hoffte ich, würde unsere Position hier gesichert sein; der alte Doktor Bär lvürde seine Patienten an unS verlieren, ich könnte endlich in der Stadt die Rolle spicken, die mir zukommt. Und auch diese hochmütige alt« Frau, diese Gräfin AgncS, die in der Billa I an?See wohnt und sick mir gegenüber immer zwar liebenswürdig, aber ablehnend verhalten hat, wird mich cinladcn müßen. Ich sah bereits, wie wir aus unserer Wohnung in ein eigenes HauS übersiedeln, Ivie die beste Gesellschaft bei unS verkehrt, wie Arthur reich tvird. Und Liselotte wird eine bessere Partie macken, als ihre arme Mutter. Ich niachtc I Arthur Vorwürfe, daß er durch sein Verhalten unS I alles verderbe. Er warf mir aus seinen kleinen j tiefliegenden Augen einen seltsamen Blick zu. „Abwarten" sagte er.„Nur»ichls überstürzen." Im Sommer achtzehn begann er vlühlich pazifistische Ansichten zu äußern; selbstverständlich nur im intimen Kreise. Er sprach wehmütig von den vielen jungen Leben, auf allen Seiten, die geopfert werden, er, von dein ich genau wußte, daß ihn aus der gangen Welt außer seiner eigenen Person kein Mensch intercffiere. Daun kam der Umsturz. Ick weinte schrecklich, als unser armer Kaiser nach Holland fliehen mußte. Unser angestammter Monarch. Als ich jedoch bemerkte, daß viele der Offiziersfamilien und der vornehmeren Leute der Stadt über diese Flucht empört waren, begann auch ich sie mit andern Augen zu betrachten. Und als dann die neue Regierung die Spartakisten nicdcrschlug, fing ich an, für sie eine gewiße Sympathie zu empfinden. Es war ja peinlich, einen einstigen Sattler als Reichsoberhaupt verehren zu müßen, aber er schien ein braver Mann zu sein, und schließlich mußte mau sich den veränderten Verhältnissen anpasscn. Wer tveiß, ob man aus ihnen nickt einen Nutzen ziehen konnte. Ich bat Arthur, in die sozialdemokratische Partei cinzutreten. ES gab ja unter diesen Mcn- scken wirflich ganz vornehme Leute, nian brauchte sick nickt zu schämen, wenn man mit ihnen in einer Partei war. Arthur jcdock erklärte: „Abwarten. Ich will keiner Partei angchörcn. Ich bin Pazifist. DaS genügt." Und er fügte in dem unausstehlichen herrischen Ton. den ich so sehr an ihm Haffe, hinzu: „Ich bitte dich, Martha, tu keinen unüberlegten Schritt. Ich kann nicht dulden, daß du in eine Partei eintrittst, dick und dadurch auch mich festlegst." Sooft ec so mit mir sprach, mußte ich mich zusammennehmen, um ihm nicht ins Gesicht zu schreien: „Du Krüppel, du Zwerg(ich bin fast einen Kopf größer als er), wie wagst du, so mit mir zu sprechen." Und ich fühlte dann immer den ganzen körperlichen Ekel, den ich vor ihm empfand und erinnerte mich an die Angst tvährend meiner Schwangerschaft, daß auch mein Kind als Krüppel zur Welt kommen könnte. Dieser Kummer blieb mir allerdings erspart. Lieselotte ist ein großes, schönes Mädchen, ein wenig dumm, das muß ich leider zugcben, ein lvenig zu unbeherrscht. Wenn ich daran denle, daß sie vor Jahren diesen Hungerleider von einem Ingenieur heiraten wollte. Aber damals hat sich sewst Arthur auf meine Seite geschlagen, und wir haben gemeinsam dem Mädel den Kopf zurechtgesetzt. Es lvar eine merkwürdige Szene zwischen uns und ihr. Lieselotte war sehr ernst, und ihre Augen blickten uns zornig an. „Gut", sagte sie.„Ich muß mich wohl fügen. Aber von nun an tue ich, was ich will, Ihr habt inir nichts mehr dreinzureden." „Lieselotte," rief ich entsetzt.„Wie kannst du | nur so mit deinen Eltern sprechen? Vergiß nicht das Gebot: Ehre Vater und Mutter." Arthur jedoch sagte nur eisig: „Solange du nicht meiner Praxis schadest, kannst du dich unterhalten, so viel du willst Aber der Anstand muß gelvahrt bleiben, verstanden?" Er blieb auch gewahrt, und als einmal doch ein Malheur passierte... Mein Gott, wozu hat man einen Arzt zum Vater. Und von da an war Lieselotte vorsichtiger Aber das ereignete sich später, als Liese« lotic an die sechsundzwanzig war. Wie gesagt, Arthur wollte nicht in die sozialdemokratische Partei eintreicn und ich durfte cS nicht. Aber ick versuchte dennoch, die Sympathien dieser Menschen zu gewinnen. Ich überwand meinen Stolz und sprach mit den Arbeitern, als ob sie meinesgleichen wären. Und ich ärgerte mich über unseren Konkurrenten, den Doktor Bär, der seit dem Jahre 1999 in der Partei lvar. Freilich war er ein ungeschickter Mensch; jeder andere hätte diese Tatsache anSgenützt, er aber hatte früher davon nur Unannehmlichkeiten gehabt und verstand es nicht, sick jetzt dafür schadlos zu halten. Das Leben lourde wieder nornial. Doch mußte ich meine Hoffnung auf ein eigenes Haus begraben. Arthurs Patienten wanderten ab. Und das war einzig und allein seine eigene Schuld; lvenn man schon ein schlechter Arzt ist, so soll man lvenigstcnö Interesse für die Kranken an den Tag legen. Biele von ihnen verlangen gar nichts anderes. Ich lvußtc, daß Arthur den Doktor Bär haßte, kamen sie jedoch zusammen, so war mein Mann ganz Verehrung und Liebenswürdigkeit. Ich muß ja sagen, daß uns der Doktor Bär lvährend der Inflation einmal viel geholfen hat, aber mein Gott, er hatte cs ja und schließlich haben diese Juden einen Kollegialitätsfimmcl. Wir sind ihm noch immer Geld schuldig, doch niahnt er uns nie, oblvohl es ihm jetzt auch nicht besonders gut geht. Nach einigen Jahren muhte ich Arthur recht geben: es lväre ein Wahnsinn gewesen, sich den Sozialdemokraten anzuschließen. Sie begannen an Macht einzubüßcn. Und ich hatte mir durch meine Arbeiterfreundlichkcit ohnehin genug geschadet. Man soll sich eben nicht mit der gemeinen Masse cinlaffen. Das sagte mir auch die Frau Major Schilder, als ich einmal bei ihr zum Tee war. (Fortsetzung folgt.) Br- Ü9 Dmmerstos, 24. Vlai 1934 «eite» Die Henlcinniioie bei ncrcQ Wie man sudetendeutsche Führer macht Die„Neue Morgenpost" ist jenes Organ des Mercy-Verlages. das auf die kleine» Leute in der Provinz losgelassen wird. Sie hat in den erste» Monaten der Hitlcrhcrrschaft Krebs und Jung die Mauer gemacht, während das für die jüdische Bourgcosie geschriebene..Prager Tagblatt" gegen Hitler Stellung uahin. Der Jung-Fascismus gehört der Vergangenheit an. Jetzt hat H c n I e i n Konjunktur. Also schreibt die„Neue Morgenpost" für Henlein und seine Freunde. Man mutz Feste feiern,, wie sie fallen. Und wenn man Meinung- sabrikcn hat, so ninh man sic nach dem Grundsätze des Merch-Verlags in den Dienst der jeweilig gangbarsten Ideologie stellen. In der„Neuen Morgenpost" hat Dr. Hans C t i e s sein Chcsrcdakteurplätzchcn— das ist der Mann, der schon inithalf, den Henlein zu machen. Jetzt ist er im schweiße seines Angesichts bemüht, Henleins Freund Gustav Hacker„her» auszustellen". Hacker ist wieder der Mann, den Herr Spina zum Danke für seine Ilnbotmätzig- keit in die Führung des famosen„Sudetendeut- schcn Landstandes" berief, allwo Hacker Giftpfeile gegen die„Alten" fabriziert»nd Stimmung für das Aufgchen des Landstandcs in der Henleinfront macht. So haben die jungen Leute, über die der siidctcndeutschc Fascismus verfügt, eine„gute" Arbeitsteilung getroffen. Die Burschen kennen einander von früher, kennen die Möglichkeiten, die jeder von ihnen hat und loben einander nun zu Führern empor: der Henlein den Hacker, der Hacker den Henlein und Dr.«tief, von dem man| munkelt, datz er die Herrschaften auch aus dem Kameradschaftsbuud kenne, leistet beiden journalistische Schützenhilfe. Wie man das macht, das geht ans einem Bericht hervor, den Dr. Stief über einen Kreis- jugendtag des Bundes der Landjugend in Lucka bei Auscha schrieb. Eine solche Anstrudelung hat noch kein verdienstvoller Politiker ertragen müssen wie Gustav Hacker, dessen herrliches Verdienst eS ist. auf dieser Tagung eine gefühlvolle Rede gehalten zu haben. Herr Dr. Stief ist entzückt von den„ausbaulvilligen Kräften"— daö kommt uns sehr bekannt vor!—, die sich in Lucka herumtummelten. Der Hacker hat zur Natur gesagt: „Bitte recht freundlich!" Und sie hat dann„die walddunklen, sv! en Bergeskegcl, die das Dörfchen Lucka umfrieden," angewiesen, der Tagung ein hübscher Rahme.. zu sein, der den Dr. Stief nicht minder entzückte als die in dieien Rahmen passende Rede des Gustav Hacker. Alle» war säwn in Lucka und so konnte eS nicht anders sein, als datz man dort„den Sinn der Feit" erkennen konnte: „Al» Mcnick nicht mehr gleichgültig neben dem anderen und nur für sich zu leben... nicht ioimcr Zwietracht zu fühlen... so ist nach und nach die S e h n s u ch t groß geworden in den Herzen derer, die jung fühlen, jung sind und jung bleiben wollen". DaS sind im sudetendeutschen„Stamm" bekanntlich nur die Henlein, Hacker und Genossen. Stief hat darum am Sonntag morgen in Ehrfurcht mitgebetei und nahte dann dem Redner Hacker so deniütig wie seinem Gotte: .Gustav Hacker stand da in seiner braunen Jacke, schlank, aufrecht und ohne jede Pose mit einem lächelnden, knabenhaft schmalen, sounge- bräuntcn Gesicht, aus dessen dunklen Augen ein ruhiger, sinnender Ernst spricht. Er ist durch und durch ein sudetendeutscher Schlag: Er ist einer von denen, die ob ihrer natürlichen Vornehmheit willen geliebt werden, deren Wissen und Wollen einer glücklichen Ehe von Nachdenklichkeit und Erfahrung entsprossen ist". So geht eS eine halbe Spalte weiter: Stief hat cs geschrieben ohne zu kotzen. Den Lesern wird aber noch mehr zugemutet: „Da der Festzug eine Ar! Huldigung für die I Landjugendidee darstellt und Gustav Hacker nach Himmels Fügung mit begeisterter Zustimmung der Seinen Landjugendsührer ist, so wurde| ihm... ein Ehrenstandplatz eingeräumt, au dem . der Festzug vorbeidefilieren und Gu stav Hacker begrüßen sollte." . Dann wird geschildert, ein wie guter Redner Hacker ist und waü er Wort für Wort gesagt hat. Ein KünigSgedanle: „Der Ausweg kann nur geluchl werden im Zeichen jener Lösung, die da heißt: Versöhnung unter den Deutschen." Man brauche die Einigkeit zur Erhaltung des sudctendcutschen Lebens. Es müsse Schluß gemacht werden mit jener Art deö Kampfe»,„die wir durch mehr als lS Jahre bis zum Hals hinaus satt haben". Bekannte Töne, wie man sichtI DaS sndetendeutscke Volk müsse sich, um sich Geltung zu verschaffen, durch die berufenen Männer einigen: „Mä»ner, wie wir sie in Spina und Henlein sehen." Zwar spricht Hacker nicht mehr von der landständischen Idee, dafür aber von der Dorfgemein- schaft; wir kennen die Weise, wir kennen den Text. Und von Henleins Hitler, von dem er sich die Ter- -minologie entlehnte, schlvcigt er. Immerhin aber greift der Stief zu f c t t e n Lettern, um die„Erkenntnisse" Hackers lvicdcrzugebeb. S o also macht man sudetendentsche Führer! Der Blick in die Werkstatt des Mercy-Berlages lohnt sich. Am Sonntag war in G r a s l i h ein gewaltiges Treffen der sozialistischen A r- b e i t e r j n g c nd aus dem Kreise Wcstböhmen. ! Fast 1600 junge Menschen waren dort. Die meisten waren stundenweit gewandert, weil ihnen die paar Heller für die Bahn fehlten. Die Mehrheit lvar arbeitslos. Diese Jugend sang ihre trotzigen Lieder, trug begeistert ihre Jahnen, wissend, datz es nicht aus Gustav Hackers und Henleins in ihren eigenen Reihen ankommt, sondern auf sie selbst: auf ihr BerantwortungSbewutztsein, aus ihre Kühnheit, aus ihre Treue, aus ihre Tatkraft. Und die Führer dieser Jugend lvarcn und sind e i n Stück von ihr— sie wollen nicht mehr sein als Soldaten der Bewegung, die besonders viel Verantwortung tragen. Sie sind Führer, die geachtet und kritisiert werden— Führer aber, die eben darum aus die StiefS: und die anderen Führerfabrikanten verzichten können. Die„Neue Morgenpost" lut den« auch der sozialistischen Jugend die Ehre an, ihr großes Psingsttrefscn totzuschweigen. Dafür marschiert aber auch die rote Jugend des Kreises südwestböhmen in Dobralen. Freilich: die rote Jugend will nur eine neue Welt bauen und verrichtet wahre Wundertaten des Opfer:uts und der Treue. Aber Hacker will die Sudetendcutschen versöhnen. Er will die Volksgemeinschaft, in der die Armen weiter arm, die Reichen weiter reich bleiben können. DieS, Bauer, ist etwas ganz anderes: Dies ist ein Betätigungsfeld für den Stief und den Mercy-Verlag. Das tvalte Spinal ———————————— Ein Buch für die sozialistische Fran: J lja ffirenßurg Die Hiebe der Jeanne Jtev I Kt 16—. Zentralstelle für das Biltlungswoaen Prag XII., Slezskft 13 Der Wladislaw-Saal In dem heute die Wahl Maurylu stattfindet Prag, 28. Mai. Im Wladislaw-Saal auf der Prager Burg sah e» heute vormittag» noch wie in «inenl Ameisenhaufen aus. Die gröbste Arbeit ist bereits getan, die Tribünen stehen, die Sitze für das Präsidium und die Minister, für die Abgeordneten und Senatoren und die 820 Sitze für das Publikum sind fertig montiert, aber an dem letzten Schliff deS Saale», vom Auskleben der Namens- bzw. Num- mernzettel auf die Sitzlehnen bis zum Ausspannen des Fußbodenbelages und Installieren der verschiedensten Leitungen usw. wird noch fieberhaft gearbeitet. Alle baulichen Konstruktionen, soweit sie das normale Saalniveau Überhöhen, sind provisorisch in Holz ausgeführt, daS einfach mit Kaliko verkleidet ist. Bor den Saalfenstern werden gerade zwei eiserne Fahnenmaste aufgestellt, von denen morgen wehende Fahnen die Tagung der Nationawersamm- lung verkünden sollen; auf dem Dach des Wladislaw- Traktcs ist der Fahnenstock für die Staats- bzw. Präsidenrenflogge montiert. Der Saal, der erst in den letzten Jahren gründlich renoviert wurde, ist kaum wiederzuerkennen. An der östlichen Stirnwand der Riefensaales(im Hintergrund unsere» Bilde») ist die Tribüne für das Präsidium ausgebaut und darauf in mehreren abfallenden Bankreihen die Sitze für die Mitglieder der beiden Präsidien, für das Sekretariat und die Stenographenkanzl«! angeordnet. Davor steht ein hohe« Pult, an dem der neugewählte Präsident den Eid auf die Verfassung ablegen wird, und ein langer Tisch, an dem die Stimmzettel gezählt werden sollen. Davor im Halbkreis die Sitze für die Mitglieder der Regierung, zu denen sich auch der Präsident des Obersten RechnungskontrollmnteS gesellt. In der Saalmitte befinden sich, in vier Bankreihen angeordnet, die Sitze für»12 Abgeordnete und Senatoren, sofern sie nicht ihren Platz auf der Präsidialtribüne oder auf den Ministersihen haben. Zwei Sitze, die. de» Senators Richter und de» Abgeordneten Jelinek, sind durch den kürzlichen Tod ihrer Inhaber verwaist. Die Koalition hat den Vordergrund zur Gänze beseht; mit je drei Sitzen in der ersten Reihe beginnend, erstrecken sich die Rayons der einzelnen Koalitionsparteien weit nach rückwärt», wo sich die Gruppe der Nichtwählcr Masaryk» in einer hoffnungslosen Minorität befindet. Ganz links vorn beginnen die deutschen Sozialdemokraten mit den Genossen de Witte, Hackenberg und Nießner in der ersten Reihe, daran schließen sich die tschechischen Genossen, die tschechischen Sozialdemokraten, daran die Landbündler, die als einzige ihren Senatoren geschlossen die ersten drei Bankreihen reserviert haben, während sich ihre Abgeordneten bescheiden im Hintergrund halten, und auf der äußersten Rechten die tschechischen Agrarier und die Klerikalen. Die Opposition ist auf die rückwärtigen Sitze beschränkt, wo link» die Komnninisten, in der Mitte die Nationaldemokraten und dahinter die deutschen Christlichsozialen, rechts die tschechischen Gewerbe- parteiler sitzen. Mit den sonstigen kleinen Parteigrüppchen und„Wilden" werden die Lücken au»ge- füllt, so daß nur zwei Plätze, einer bei den Kommunisten und einer bei den tschechischen Ge werbe- parteilern, noch leer bleiben. Hinter diesem Parterre der Präsidentenwähler steigt eine große Tribüne für die Zuschauer bi» zum obersten Drittel der großen Saalfenster allmählich an. Die vordersten Sitze der drei Bankreihen sind für die Familie des Präsidenten der Republik, für die Diplomaten und die Vertreter der obersten staat- tichen Behörden reserviert; dahinter sind die Sitze für die Journalisten und für die wenigen glücklichen Privatpersonen, die sich dank ihrer ausgezeichneten Beziehungen eine Karte zu sichern vermochten. Jnrgesanit sind aus der j'.iischauertribüne 820 Sitzplätze und 60 Stehplätze zu vergeben, die. sich alle bereit» in sicheren Händen befinden. Die Ecken des Saale» werden durch vier große Luminatoren auLgeleuchtet, die ihr Licht auf die Decke werfen; weitere acht Reflektoren beleuchten von außen durch di« Saalfenster die Decke. Die Anwesenheit von rund 1800 Personen in diesem Saal macht auch besondere Vorkehrungen hinsichtlich der Temperierung und Lüftung de» Saales nottvendig. Große Ventilatoren werden stündlich etwa 80.000 Kubikmeter frische Luft durch die Fenster der Nordwand(auf unserem Bilde link» in der Höhe des ersten Stockwerkes) in den Saal gepumpt werden; die verbrauchte Luft wird an anderen Stellen abge- faugt. Da die Teniperatur des Saale» auch im heißesten Sommer 10 Grad nicht zu überschreiten pflegt, muß auch für die Heizung gesorgt werden. Diese erfolgt durch die eingeführt« Frischluft. Sollte die Außentemperatur sehr hoch sein, so wird die durch ein Fenster aut dem Burghof angesaugt« Außenluft durch große Apparaturen, die sich im ersten Stock im ehemaligen Sitzungszimmer des AppellationSge richte» befinden, auf die richtige Temperatur abgckühll, andernsalls durch elektrische Heizkörper entsprechend vorgewärml. Bei Proben hat sich ergeben, daß man auf diese Weise in einer halben Stunde die Temperatur de« Saale» um fünf Grad zu variieren vermag. Auch für die Filtrierung bzw. den richtigen Feuchtigkeitsgehalt der Frischluft ist entsprechend vorgesorgt. Vas Programm der Wahl ist bereits bis in alle Details ausgearbcitei. Die Wahlsitzung beginnt um 9 Uhr 30. Sobald die Wahl vollzogen ist, wird auf dem Wladislaw- Trakt die Staatsflagge gchitzt, der eine Ehrenrotte des Masaryl-Jnfantericregimcnteö auf dcm dritten Burghof die Ehrenbezeigung leistet. Eine Batterie wird 21 Kanonenschüsse abfeucrn, die zugleich daS Signal für zwei Flugzcuggruppcn in Kbely sind, die daraufhin zum Flug über die Prager Burg starten. Der Ministerpräsident wird hierauf den Präsidenten von seiner Wiederwahl verständigen, Masaryk begibt sich dann zur Eidesleistung in den Wladislaw-Saal. Die erfolgte Eidesleistung tvird der Prager Bevölkerung durch das Hissen der Prä- sidcntenstandartc und durch weitere 21 Kanonenschüsse bekanntgegcücn, der Staatsakt selbst auch durch Rundfunk verbreitet. Nach dcni Verlassen des Saales wird Masaryl im dritten Burghof das Dcfilec der Ehrcnrotte abnchmen. Gegen 12 Nhr wird der Präsident in Begleitung des Ministerpräsidenten und der Vorsitzenden der beiden Häuser im Wagen über die Marien- schaiizen. die Chotekgasfc und den Klar ob am Parlament vorbei zum A l t st ä d t e r Rathaus fahren, wo der Verteidigungsminister und die Generalität ihn empfangen. In ihrer Begleitung nimmt der Präsident das Tcsilee einer Ehrcnrotte ab und legt dann einen Kranz am Grabe des unbekannten Soldaten nieder. Vom Altstädter Ring führt die Rückfahrt durch die Zcltnergasse über den Graben, die Nationalstratze, den Masarykkai und die KarlSbrücke durch die Nerudova aus die Burg. Auf dem ganzen Wege werden die Truppen der Prager Garnison sowie die Legionäre und einzelne politische Parte.ien Spalier bilden. Loerinz meldet Bulgarien Sofia, 23. Mai. Der preußische Ministerpräsident Goering, der heute aus der Rückreise von Athen in Sofia crtvartet wurde, ist hier nicht eingetroffen. er hat seinen Besuch auf eine geeignetere Zeit verschoben. In eingcwcihten Kreisen wird Gocringö Absage mit den letzten Ereignissen in Bulgarien in Zusammenhang gebracht. Fran Seger und Kind noch Immer eingekerhert Um die Wahrheit über daö Schicksal der politischen Gefangenen fcstzustcllcn. hatten sich aus s England Lord L i st o w e I l und Frau nach Berlin begeben. Aus ihre Erkundigung nach der Frau j des Genossen Gerhard Seger und ihrem zwanzigmonatigem Kind, Gefangcnennummer 87-88, erhielten die Engländer den Bescheid, diese wären nicht in einem Konzentrationslager, sondern in ihrer Wohnnng in Dessau. Dort aber ergab sich die Erlogcnhcit dieser Behauptung, denn Frau Seger mit ihrem Kind ist nach wie vor und seit dem Jänner i m Konzentrationslager Rotzlau. I Die Brutalität des katholischen I Regimes Den« ONJ wird aus Villach(Kärnten) berichtet: Bei dem Versuch, eine rote Fahne auf einer S t a r k st rom- lei t u n g anzubringcn, ist am Vorabend de« 1. Mai der Jungsozialist W i c l t s ch n i g tödlich v e r n>l g l ü ck I. DaS Begräbnis dieses Helden wurde zu einer mächtigen Demonstration der Villacher Arbeiterschaft. Mehr als 3000 Personen' nahmen daran teil. Mit roten Nellen geschmückt, gingen sie hinter dem Sarg. Mehr als 80 Kränze mit roten Schleifen wurden auf dcm Grab niedcrgelegt. Polizei und Gendarmerie waren gegen den imposanten Leichenzug aufgeboten. Ter Friedhof war behördlich gesperrt. Als die Menge sich den Zugang zlim Friedhof erztvingen wollte, zog die Polizei den Gummikuntiel. Die Menge sang, der Polizeiattacke trotzend, die Internationale. Am Grabe sprach ein VcrtraucnSinann der Villacher Arbeiter. Eine rot« Sturmfahnc wurde entrollt und in das Grab versenkt. Tief ergriffen riefen die Arbeiter zum Abschied:..Freiheit!" Während der Trauerfeier nahm die Polizei mehrere Verhaftungen vor. Auch nach dem Begräbnis war Villach sehr unruhig. Bis in die Abendstunden kam es immer wieder gu kleinen Demonstrationen, die von der Polizei immer wieder zerstreut wurden. Schwer unterernährt! Der OND erfährt aus Wien: Im Rahmen der H i l f S a k t i o n der Society of Friends wurde dank eingclaufenen Spenden aus der Schweiz 120 Kinder von Opfern der Febertage in daö Erholungsheim T a l z a b a d bei Hainfeld gebracht. Die ärztliche Untersuchung ergab, datz KOProzent der Kinder schwer nntercrnährt sind. Die Kinder hätten ursprünglich mit vielen hunderten ihrer Leidcnsgenossen zu hilsöbereiten Freunden inö Ausland kommen sollen, aber d i e Regierung D o l l s u tz Hal diese H i l s S a k t i o u unmöglich g e- m n ch t, indem sie die Ausreise der Kinder ver- | bot. Schwer unterernährte Kinder werden vom i christlichen Regime um Erholung und Ernährung gebracht! Solche Orgien der Gehässigkeit Hal sich noch keine Konterrevolution geleistet. Kricgsdeschoß explodiert— i vier Tote Warschau, 28, Mai. In der Ortschaft Zwy- zyu bei Brody sanden vier Baucrnkucchte in einem Feld ein wahrscheinlich noch ans dem Weltkriege stammendes Artillericgeschotz und versuchten es zu zerlegen. Hiebei explodierte das Geschoß. Die vier Knechte wurden buchstäblich in Stücke gerissen. CteHt 4 TonnerStag, 24. Mai 1984 Lr. 11» LviNt juinn liiiv nii| jrucn Ivv, vcl|iaj iiiiii. juijii uiiu yici in«vuiji in den Weg stellte. Sein erstes Opfer wurde ein I ferstcchcr wird gesucht. von sertank, der sich iiu Bodenräume eines sie- klugen, lustigen Ullmann hört und sieht, wenn benstöckigen Gebäudes befand, brach plötzlich durch incin immer wieder Zeuge feines Mutterwitzes, er aus dem aus sondern auf einen Der 27 Jahre alte hat den 25jährigen Friedrich Adler auöweisen, weil Züricher DemonstralionSveriamm- blutigcn Ercignisie in Oesterreich Im Kantonalrat kam diese Angc- vor einigen Tagen zur Sprache, wurde. Die Gcndannerie hat Spuren festgestellt, die darauf Hinweisen, das; der Heger Babikka nicht von Wilderern erschossen wurde, sondern, daß das Motiv der Tat ein ganz anderes war. Man nimmt an, daß Babikka in seinem Revier die unter» irdische Spiritusbrennerei entdeckte und daß er deren Besitzer kannte, die fürchteten, verraten zu werden. Die Gendarmerie hat bereits so viel Betveise in der Hand, die die Täter überführen, das; sie schon zur Verhaftung eines Mannes aus Kopanie an der mährisch-flowali- schen Grenze geschritten ist. sonen, die sich die Auslagen des Geschäftes an« sahen, Ivurden dabei schivcr verletzt. Eine Frau ist während der Einlieferung ins Krankenhaus verstorben. Eine zlveite Fran mußte sich einer län« geren Operation unterziehen. Ein Mann trug schwere Bein«, Hand- und GcsichtSverlehungen davon. Der Leiter der Kraftdroschke, der keinerlei Verletzungen erhalten hat, war betrunken. det betrunkenem Zustande mit seinem Flugzeuge abgestürzt ist. D r e i P a s s a g i e r e l a m e n u m; der Pilot selbst rettete sich durch Fallschirmabsprung. Die Kommission, die seine Trunkenheit feststellte, ließ ihn auf der Stelle erschießen.' In Wernstadt(Nordböhmen) ist einer der alten Garde dahingegangcn: Genosse Josef Richter starb am 22. Mai früh 82jährig infolge eines Schlaganfalles. Ec war von Beruf Weber und wurde später Webmcister. Seit Jahren betrieb er in seinem Heiinatöorte einen kleinen Kaffeeschank. Seit seiner Jugend gehörte Josef Richter unserer Beivegung an. Im Jahre 1884 wurde er mit einer Reihe anderer Genossen, die längst der kühle Rasen deckt, wegen„Ge- beimbündclei" in Kette» geschlossen nach Prag geschafft. In allen Lebenslagen bis zum letzten Atemzuge blieb der kernige, aufrechte Mann, seiner sozialistischen Ueberzeugnng treu. Er war geradezu der Urtyp des zähen unbeugsamen, nordböhmischen klassenbewiißte» Arbeiters und Kämpfers. In der Gemeinde Wcrnstadt genoß er das größte Ansehen und bekleidete lange Zeit öffentliche Funktionen. Daü Begräbnis unseres teuren Toten findet am Donnerstag, den 24. Mai, nachmittags drei llkr. statt. Der wackere alte Kämpfer Genosse Josef Richter bleibt allen, die ihn kannten und schätzten, unvergessenI Togtsncuigkcifcn Gin alter Kämpfer gestorben Vom Ryndfunk ^empfehlenswerte,«ms den Programme»» Freitag. Prag: Sender L.: 6.00 Gymnastik. 10.05 Deut- Nachrichten. 11.25 Schulfunk. 18.45 Schallplat« Schweres Autounglück in Berlin Berlin, 23. Mai. Am Dönhoffplatz, einer der verkehrsreichsten Stellen Berlins, ereignete sich am Mittlvoch nachmittags ein schweres Ver- kehrsunglück. Eine Kraftdroschke streifte einen Personenkraftlvagcn und sauste dann in das Schaufenster eines Schirmgeschäfteü. Drei Per- Geheime Spiritusbrenner ermorden einen Heger Aus llng.-Hradisch wird gemeldet: Die Untersuchung des geheimnisvollen Hinterhalt erschossenen Hegers B a b i 11 a Radijov an der slowakischen Grenze imhin einen unerivartetcn Verlauf. Ursprünglich glaubte man, daß der strenge Heger ein Opfer der Rache der Wilderer geivorden sei. Bei der Untersuchung des Mordes entdeckten die Gendarmen im Walde eine unter der Erde liegende eingerichtete Spiritusbrcnnerei, lin der noch vor kurzer Zeit Spiritus gebrannt Betrunkener Pilot Paris, 23. Mai. Eine private Agentur mel- auS Moskau, dah der Pilot G c r S l o w in Fünf Menschen in einer Zauchegrube erstickt Klagenfurt, 28. Mai. In der Stadt Feldkirchen in Kärnten ereignete sich gestern ein schreckliches Unglück, Der Gcmeindcarbeitcr Wadei öffnete die vor dem Gemeindehause befindliche 0 Meter tiefe Senkgrube, um irgendwelche Reparaturen vorzunehmen. Es fiel niemanden auf, daß Wadel von dieser Arbeit nicht zurückkehrte. Nachmittags spielten einige Kinder bei der offen gebliebenen Senkgrube, wobei dem 11jährigen Schüler Reichmann ein Ball in die Senkgrube fiel. Der Junge stieg in die Senkgrube, um sich den Ball zu holen, kam aber nicht wieder heraus. Daraufhin riefen die Kinder seine Mutter, die ebenfalls in die Senkgrube stieg, um ihren Jungen herauüzuholen. Auch die Mutter kam nicht mehr hervor. Zwei Arbeiter, die die drei in die Senkgrube verschwundenen Personen suchen wollten, kamen ebenfalls nicht mehr heraus. Erst ein Schneidermeister, namens Malle, begab sich mit einer Gasmaske in die Senkgrube, Ivo er die fünf Personen tot auffand. Der Tod dieser Personen war durch die in der Senkgrube angesammelten giftigen Gase eingctreten. Züricher Kantonalrat für Friedrich Adler In Züricher bürgerlichen Blättern wkrd seit einiger Zeit eine Hetze gegen die im Sekretariat der Arbeiter-Internationale angcstcllten Genoffcn, insbesondere gegen Friedrich Adler getrieben. II:' a. wurde die Forderung aufgestellt, der Kan- tönalrat möge dieser in einer knng über die gesprochen hat. legenheit nun_ der Abgeordnete H u n z i k e r sprach dort in obigem Sinne und griff außer Adler auch die Genossin Anna Siemens aus Deutschland an, welche gegenwärtig in der schweizerischen Arbeiterbewegung BildungSarbeit leistet. Auf diese Angriffe antwortete der sozialdemokratische Regierungsrat P f i st e r. Er stellte fest, dah die von den Antimarxistcn Angegriffenen geschätzte Persönlichkeiten seien und daß der schweizerische BundeSrat seinerzeit ausdrücklich mit der Verlegung der Arbeiter-Internationale von London nach Zürich einverstanden war. Pfister teilte auch mit, daß das schweizerische Polizei- Departement gegen die Vortragstätigkeit der Genossin Siemens nichts cinzuwcnden habe. AuS diesen Gründen lehnt der RegiernngSrat des Kantons alle Redeverbote und Strafmaßnahmen gegen die genannten sozialdemokratischen Ausländer ab. die Decke des obersten Stockwerkes und durchschlug seiner Schlagfertigkeit, und dabei seiner unab- dann eine Zimmerdecke nach der anderen bis zum lässigen sozialistischen Arbeit ist, dann glaubt Erdgeschoß. Drei Tote und 2 0 Verletz le nta if£ kam», das; Ullinann im Schacht schwer wurden geborgen. Man befürchtet aber, das? die verunglückte und schon in jungen Jahren in Pen- Lerluste noch größer find. sion,gehen.mnßte,.Abey für die.Partei zu strei- Geglückter Fallschirmabsprung!% I"""" s“"" auf verlorenem Flugzeug. Olmütz, 23. Mai. Heute um 9 Uhr 50 Minu ten havarierte bei dec Ausführung von freier Akrobatie ein vom längerdiencndcn Zugsführer Piloten Franz Svoboda vom Fliegcrregi- ment Nr. 2 gesteuertes Flugzeug. Als er eine Schlinge machte, verfing sich das Botvdcnscil des Maschinengcwehrzüngels am Ladchebcl des Maschinengewehres, so dah die B e>v e g u n» gen d e r L e n k st a» g e des Flugzeuges nach allen Richtungen unmöglich gemacht Ivurden. Als der Pilot gewahr wurde, daß er das Flugzeug nicht mehr ausgleichen könne, machte er sich frei und sprang mit dem Fall schirm ab. Er landete auf einem Felde ca. 100 Meter vom Flugplatz entfernt wohlbehalten. DaS Flugzeug glich sich von selbst aus und siel ca. einen Kilometer nordwestlich vom Flugplatz zur Erde. Bei dem Aufschlagen wurde eS voll ständig zertrümmert. Die Ursache des Unfalles wird von einer Kommission an Ort und Stelle untersucht. Die Tragödie eines Arbeitslosen Dienstag nm 4 Uhr früh wurde beim Tor des ZentralfricdhofeS in Brünn ein unbekannter Mann bewußtlos ailfgefunden. Der Unbekannte hatte drei Schußwunden in den Swläfen und außerdem die P u l S a d e r der linken.Hand durchschnitten. Ein Wachmann verständigte die RcttungSabtcikung, die den Unglücklichen in die LandeSkrantenanstalt brachte. Dort wurde festgestellt, daß cS sich um den 2Sjährigen arbeitslosen Schuhmacher Josef K. ans Sellolvitz handelt. K. war vor ztvei Monaten vom Militärdienst heimgckehrt und konnte bisher keine Arbeit finden. Deshalb wollte er auf dem Grab seiner Mutter aus dem Zentralfriedhof Selbstmord verüben. Da das Friedhofstor aber geschloffen war, vollführte die Tat vor dem Friedhof. leib Has hat der Ullmann, den sie in seiner Heimat den„Burgherrn Hans von Neuhammer" nennen, nie aufgegeben. Seit dem Umsturz ist er Vorsteher in seiner Gemeinde, viele Jahre hindurch gehört er der Kreisvertretung Karls- bad, viele Jahre auch dem Parteivorstand an. und noch jetzt koimnt er immer wieder zu uns. als Kontrollor in der Reichsparteileitung. Jedes Beisammensein mit ihm ist herzerfrischend, in seinem unerschiitterlichen Optimismus,, in seiner geraden Ehrlichkeit, mit seinem nimmermüden Hunior, hinter dem ein tiefer Ernst und ein warmes Herz steckt, ist er ein köstlicher, prachtvoller Sozialdemokrat. Der„Hans" hat sich noch nie geniert, seine Meinung zu sagen. Also nmß er sie sich auch von anderen gefallen, muß sich sagen lassen, das; er zwar ein rauher Patron, aber ein ganzer Kerl ist, mit dessen in erstaunlicher Frische erreichten sechzigsten Geburtstag wir uns alle, die ganze Partei, herzlich frelicn. Mach' weiter so, HanS! „Ganz Italien", so teilt die„Reichen- b e r g c r Zeitung" der staunenden Umwelt mit,„feiert ein freudiges Ereignis". Was ist passiert? Will der italienische Diktator Einkehr halten und durch seinen freiwilligen Rücktritt dem Volle die Fesseln der Diktatnr lösen? Nicht die Spur! Aber Virrotio, ein Sohn Muffolinis, hat vom Papa das Pilotcndiplom üb.rreicht bekommen. Ganz Italien feiert ein freudiges Ereignis? Nein" höchstens die Redaktion der braunen Rci- chenbcrgerin, die ausgerechnet nach Rom hin byzantinert—! Wahrscheinliches Wetter heute: Unbeständig, namentlich in de» nördlichen und nordöstlichen Teilen deS Staates Regenschauer, kühl. Nordostwind. Wcttcraussichtcn für morgen: Noch unbeständig. Mörder Alkohol Blutbad mit Totschlag in einem Prager Nachtlokal Ietwa lOjährigercinbcinigerJnva- ! l i d e, dem er einen tödlichen Stich in die Brust versetzte. Der nächste wurde der 37jährige Arbeiter Ottakar V r z a k aus Lieben, der unter der linken Schulter gestochen wurde. Dann stürzte sich Smeräk auf den Portier, aber einer der Gäste, ein Arbeiter, trat ihm in den Weg und schlug ihm einen Sessel über den Kopf. Smeräk entfiel das Meffer und er lief davon. Der einbeinige Invalide, den Smcräk zuerst getroffen hatte, wurde verbunden und ins Krankenhaus geschafft, starb aber noch auf dem Weg dahin. Jaroslav Smeräk wurde ins Krankenhaus auf der Dulovka über« ! führt und hier in Behandlung belasten. Der Mes- Cin Wassertank durchschlägt sieben Stockwerke Eh i r a g o, 23. Mai. Ein riesiger Was- sche..-, len. 10.45 Tschechischer Konversationskurs für deutsche Hörer. 17.00 Ondrikek-Ouartett. 18.20 Deut« sche Sendung: Prof. Dr. Cisarz: Bom Ewigen in der Geschichte. 18.45 Arbeitrrsendnng: Zehn Minute^ Aktuelles. 10.45 Saxophon-Konzert. 21.05 Orchqterkonzert.— Seither St.: 14.80 Schallplatte». 14.45 Volkslieder. 15.10 Deutsche Sendung: Für Frauen. 10.10 Tanzmusik auf Schallplatten.— Brünn: 16.00 Nachmittagskonzert. 18.20 Deutsche Sendung. 10.55 Opern-Arien.— Slnfri/au: 12.85 Mittagskonzert.— Preßburg: 19.40 Unterhaltungsmusik.— Berlin: 21.00 Haydn—Beethoven.— Breslau: 22.45 Kammermusik auf alten Instrumenten.— Hamburg: 10.00 Deutsche Spiel« opernmusik.— München: 17.50 Kammermusik.— Wien: 21.25 Borträge auf zwei Klavieren. Arbeiterseid für die DollfuB-Fasdsten Wie Dollfuß Erpressungen verübt. Vor eittiger Zeit meldeten die Blätter, cS sei der Regierung Dollfutz gelungen, 5 Millionen österreichischer GewerkschaftSgelder, die im Ausland angelegt waren, nach Oesterreich zurückzubringen. Die Regierung hat sich dazu dreier Funktionäre des Metallarbeiterverbandes bedient. Die„Arbeiter-Zeitung" schildert, wie eS zu dieser Tat der drei Funktionäre kam: „In einem Falle ist die Erpressung gelungen. Die Hauptfunktionäre deS Metallarbeiterverbandes K o g l e r, Aloiö Bauer und— S ch a f r a- n e l erschienen eines Tages plötzlich in Bern. Sie tvaren in Begleitung eines Beainten der Aicticr Wirtschaftspolizei, eines gewisten Dr. Schmi d, und eines„RechtSbeistandcS", den das österreichische Konsulat in Bern beigestellt hat. Sie el-schienen beiderBernerKantonal- b a n k und behoben dort das Geld der österreichischen Metallarbeiter.„FünfMillionen Gewerkschaftsgelder nach Oe st erreich zurückgebrach tl", so iubclte am folgenden Tage die Wiener Fascisten- preffe. Kogler, Aloiü Bauer und Schafranek fuhren dann mit dem Wiener Polizeibcamten nach Wien zurück. Sie wurden hier auf freien Fuß gestellt, das Strafverfahren gegen sie eingestellt. Sie haben für sich ihre Freiheit gewonnen, aber dafür das Geld, das nicht ihnen, sondern den Metallarbeitern gehört hat, den Fascisten überantwortet! Wie hat man Männer wie Kogler, Alois Bauer und Schafranek zu dieser Tat gebracht? Wir wissen es nicht. Doch berichten uns Schwei« zer Genoffen folgendes: Kogler hat unmittelbar nach den Febertagen einen Nervenzusammenbruch> erlitten. Er mnhte eine zeitlang in Spitalsbehandlung kommen. Dann kam es in„Untersuchung". Welcher Methoden man sich bei dieser „Untersuchung" bedient hat, kann man nur vermuten. Jedenfalls war nach drei Monaten dieser „Untersuchung" seine Widerstandskraft gebrochen. Alois Bauer, dieser ehemals starke, stämmige Mann, ist durch die Haft ganz heruntergekommen. Schweizer Genoffen, die ihn gesehen haben, erzählen, daß er ständig am,ganzen Körper zittert. DaS Unbegreiflichste ist folgendes: Sobald die Metallarbeiterfunktionäre Schweizer Boden betreten hatten, waren sie frei. Sie hätten dem Polizeibeamten, der sie begleitete, einen Fußtritt geben und in der Schweiz, außerhalb des Machtbereiches der faseistischen Erpresser, unbehelligt bleiben können. Warum haben sie das nicht getan? Schweizer Genoffen berichten uns, dah die christliche Regierung den Metallarbeiterfunktionären vor ihrer Abreise ans Wien mitgeteilt hat, man werde ihre Angehörigen, insbesondere auch ihre Kinder, als Geisel im Gefängnis halten, bis sie aus der Schweiz zurückkoinmen!" Schon wieder Mord bei Promenhof Wie aus Eger gemeldet wird, wurde in der Rocht vom Sonntag auf Montag in dem in den letzten Jahren durch zahlreiche Mordfälle bekannten Promenhof-Gebiet ein neuer Mord verübt. Man weiß noch nicht auS welchem Grunde es geschah, glaubt aber, daß diesmal daS Verbrechen nicht auf Raubobstchten, Streit zurückzuführen ist. Kutscher Karl Schramm Fleischergehilfen Anton Roth auf der Straße in der Gemeinde Kuttenplaner-Schmelztal durch einen Revolverschuß getötet. Vor dem Mord waren beide in einem Gasthause in Kuttenplaner Schnielztal, ohne daß eS hier zu irgend welchen Auseinandersetzungen zwischen ihnen gekommen wäre. Rach der Tat stellte sich der Mörder bei der Gendarnierie in Dürrmaul und gab an, den Schuß gegen Roth aus Rotwehr abgegeben zu haben. Erst die Obduktion der Leiche, die in Dürrmaul vorgenommen wird, kann ergeben, ob die Angaben deS Schramni ans Notwehr schließen lassen. Schramm wurde dem KrelS- gericht in Eger übergebe». Gangster u. seine Gefährten erschossen New Kork, 28. Mai. Wie auS Shreveport (Luisiana) gemeldet wird, ist dort einer der bekanntesten amerikanischen Schwerverbrecher namens Clyde Narrow zusammen mit seiner Gefährtin auf der Landstraße überraschend erschossen worden. Barrow wurde von den Behörden in Verbindung mit etwa einem Dutzend Mordtaten, mehreren Entführungen und zahlreichen Banküberfällen gesucht. Die Polizei beobachtete ihn heute in Begleitung seiner Gefährtin in der Nähe des Hauses seiner Verwandten, wo er sich seit etwa sechs Wochen anshielt. Sie eröffnete sofort auf beide daS Feuer, ehe sie ihrerseits von den Waffen Gebrauch machen konnten. Der Verbrecher und seine Gefährtin waren gerade mit dein Verladen von Waffen beschäftigt. Dem Burgherrn Hans von Neuhammer Dieser Tage feierte Genosse Johann Ullinann in N e u h a ni m e r— weit über das ganze Eger, land hinaus eine der bekanntesten Figuren der deutschen Sozialdemokratie— seinen sechzig, sten Geburtstag. Er wird sicher einen Witz zur Hand haben, wenn er hier lesen wird, das; wir uns freuen, einmal Gelegenheit zu er- halten, ihnr zu sagen, wie sehr wir ihn gern haben, wie sehr die ganze Partei ihn schätzt. Aber er>vird sich freuen, weil er weiß, daß eS ehr- sicher nicht gemeint sein kann. Wir wollen auch gar nicht erst seine Biographie erzählen— das heben mir uns für den,siebzigsten und achtzigsten Geburtstag Ullmanns auf. Da werden wir dann genau erzählen, wie der erzgebirglische HäuS- lerssohn erst Hiitbub und dann Schuster wurde, wie er daun vom Landarbeiter zum Glasarbeiter, vom Eisenbahnarbeiter schließlich zum Berg, arbeiter wurde, wie er schon in jüngsten Jahren sich für den Sozialismus zu begeistern und wie er für ihn zu kämpfen verstand. Wenn man den rrauenleld In München München, 28. Mai.(DNB.) Wie die Landesleitung Oesterreich der NSDAP mitteilt, sind hente der Gauleiter des Gaues Wien der NSDAP Alfred Eduard Frauenfeld und der Gauinspektor dieses Gaues, Neummm, in München eingetroffen. Ersatz Ihr rrauenleld im Konzenlrnttonslader Wien, 28. Mai. Angesichts per Flucht deS nationalsozialistischen Führers Frauenfeld, der bereits in München ankam, wurden mehrere andere nationalsozialistische Führer, darunter Professor Suchenwirth und zwei Brüder Frauenfelds in daS Anhaktekager eingeliefert. Diese vorbeugende Maßnahme erfolgte wegen des eklatanten Bruches des Gelöbnisses durch Frauenfeld. In einem anrüchigen Tanzlokal„U Koehlern" in P r a g-Lieben gerieten Dienstag abends bei allgemein alkoholisierter„Stimmung" zwei Brüder, der 23jährige Handschuhmachergehilfe Jaroslav und der 20jährige Galvaniseur Miroslav Smeräk mit einem Mann, der später auSriß, in einen Streit, derden hiergewohnten A u s g a n g n a h m. Während der Portier Miroslav hinauswarf, hieb jener Mann dem Jaroslav einen Stuhl auf den Kopf. Mirosiav blutete-sofort aus der Nase und einem Auge. In diesem Augenblick kehrte sein Bruder in höchster !W»t nut einem offenen Messer in der Hand in das Lokal zurück und stach auf jeden los, der sich ihm |“’ Kr 119 Donnerstag, 24. Mni 1934 Seite 5 Fürst Pletz gepfändet nur bet I Liebestragödie. Auf dem Friedhöfe in Du- zinta bei Ve1k«i^dn wurde die lOjährige Helene meindeangestelltrn. Die Pensionszahlungen der Ge- umoi'bil niitnriiinbi'ii"Ihr»<«Xkra«.•<> sia s... nia, I nach Rieder- eiusamen Stelle entriß ihr da« R'JC-rT*~ ertappi. Ter Anstakt: Nächtlicher Autodiebstabl. An der Rächt ans den 2. September v. I. lies; gewisser Joses Zitek seinen l i ch t g r ü n g e» Tatra wagen ans dein Jung- Graueuhafter Selbstmordversuch. Im JnnS- brücke, Gefängnis stieb sich n>n Mittwoch der 25 Fahre alte Alois Lechner auS Hopfgarten, der sich im Fnni wegen fünffachen Raubmordes, mehrerer Raubversuche und 30 Brandstiftungen zu verantlvorten sollte, mit einem Schnhnagel in . beide Augen, so das; die Augäpfel aus den Höhlen traten und er Mjlständig erblindete. Lechner hatte bereits mehrere Selbstmordversuche verübt, weshalb man ihn vor Monaten in Ketten gelegt hatte. Rückversicherung der PensionSansprüchr der Ge- ein st r i ch e n e n mannvlatz in Prag II stehen, um im Automatenbüfett 2 t c r b n etwas zu sich zu nehmen. Ein unbekannter jüngerer Mann mit Chansfenrmiihc er» boi sich, den Wagen zu betvachen. Als der Auto» besiher nach einer halben Stunde zurückkehrte, war sein Wagen verschwunden und der„Hüter" natürlich auch. meinden zählen zu jenen Ausgaben, die den Gemein- den von Jahr zu Jahr steigende Lasten auferlegen. Sie betrugen bei den deutschen Gemeinden im Jahre 1925 rund 16 Millionen Xk und sind bis zum Jahre 1032 auf rund 26 Millionen KJ angewachsen, haben sich also in einem Zeiträume von 7 Jahren nahezu verdoppelt. Den Höchststand werden diese, in den GchaliSgesetzen begründeten Zahlungen aber erst in 10 bis 15 Jahren erreichen, mrs dem sie dann dauernd bleiben werden. Bei den deutschen Gemeinden lverden die Pensionszahlungen eine jährliche Ausgabe von 56 bis 60 Millionen KJ erfordern, also eine Summe, die die Gemeinden auch dann kaum aufbringen werden, wenn die derzeitige Wirtschaftslage eine Besserung erfährt. Um den Gemeinden künftig die Tragung der Pensionslasten zu erleichtern, wurde über Anregung des Perbandes der deutschen"Selbstvcrwaltungskörper beim Pensionsverein der deutschen Sparkassen eine eigene Abteilung errichtet, bei der die Pensions» ansprüche der pragmatischen Gemcindcangestellien ganz oder teilweise rückversichert werden können. Rach der Satzung dieser Abteilung, die vom Mini- Pieß scheu Betrieben umfangreiche Pfändungen wegen Steurrforderungen des polnischen Fiüluü aus den Fahren 1028 bis 1930 vorgenommen. Nach polnischen Pressemeldungen sollen dabei Werte in Höhe von 8 Millionen Zloty eingctrie- ben werden, so das; in den Fndujtrictverken und auf den Gütern des Fürsten von Ptcß sämtliches lebendes und totes Inventar der Pfändung verfällt. So weih die„Kattowitzer Zeitung" zu berichten, daß auch die berühmte Wisent-Herde in den Fanewitzcr Forsten bei Pleh gepfändet wor- den ist, wobei der Wert der einzelnen Tiere auf etwa 5000 Zloty eingesetzt wurde. Tnosay aus Buzinka ermordet ausgefundcn. Ihr Körper wies 2 4 Stichwunden auf, die mit einem militärischen Seitengewehr dem Opfer zugesügt worden waren. Wie festgestellt wurde, wurde die Duosah von ihrem Geliebten ermo»oet, dem beim Infanterieregiment Nr. 16-in Prcsov dienenden Soldaten O n d r e j OndrejLäl, der nach der furchtbaren Tat zu der unweit liegenden Hochspannungsleitung ging, die er berührte. Er wurde schlver verletzt ins Kaschaucr Staat-lrankenhauS gebracht; sein Zustand ist ernst. Durch die Untersuchung wurde festgcstellt, dah das Liebespaar einen Dop,' lbstmord vereinbart hatte. Einbruch mit Radio-Musttdegleitung. Am Pfingstsonntag wurde in T e t s ch c n in die Billa eines Fabrikanten eingebrochen. Die Diebe stellten den in der Wohnung de- Fabrikanten befindlichen Radioapparat ein, um bei den Nachbarn und den vorübergehenden Passanten den Eindruck zu erwecken, dah die Hausinwolmer an» w send sei.'::. Der Wert dcS gestohlenen Gutes beträgt über 31.000 Kronen. sterium für soziale Fürsorge geuehnügt wurde, ist diese von den übrigen Abteilungen des Pensionsvereines getrennt zu führen und z« bilanzieren und untersteht einem VerwaltungSauSschnffe, der vom Verbände der denlschen SelbstverwaltungSkörpcr ernannt wird. Die Abteilung Hai ihre Tätigkeit nunmehr ausgenommen. In den gründenden Vermal» tnngSauSschuh wurden entsendet: Leopold Pölzl, Bürgermeister, Aussig< Vorsitzender); Franz Pe- terle, Bczirksausschuhbeisitzer, Strauhniv lTtcllver- treter); Rudolf Klenner, Bizebürgermeister, Mähr. Schönberg; Senator Karl Kostka, Bürgermeister, Reichenberg: Dr. Rudolf Ritter, LaudeSauSschuß- beisitzer, Brüx, alü Mitglieder und Heinrich Herget, BezirkSauSschuhbeisitzer, Teplitz-Schönau: Senator Erdman SpieS, Döllnitz bei Petschau; Abg. Alois Kunz, Bürgermeister, Juckmantcl, Schlesien; Franz Trötsch, Bürgermeister, Mies, als Ersatzmänner. Zweck der Rückversicherung ist, den Gemeinden die Möglichkeit zu bieten, schon jetzt für den Pensionsfall ihrer pragnmtischen Angestellten Vorsorge zu treffen und die Pensionslasten auf ein erträgliches Mas; herabzudrücken. Bergfteigrrtod. Am Pfingstmontag stürzte am „G rohen K i r ch t n r m" des Warensteins der reu dabei war im Sommer 1933 die Ausnahme des weitgehenden Programms der öffentlichen I Arbeiten, das im gegebenen Zeitpunkte 4 Millio- \ ncn Menschen Beschäftigung verschaffte. Von No_- vcmbcr 1933 bis Feber 1034 stieg der Index der industriellen Erzeugung um 13 Prozent. Dir Stundenlöhne stiegen ständig an. ES wurde eine Sm Ramsch auf einen elektrischen Mast Aus Böhmisch BudweiS wird richtet: In der Nach! auf Dienstag kletterte der 23- jährige Georg F a r o l i m aus der StaatSstrahe bei Vodüan aus einen elektrischen Ma st und berührte die 2 2.0 0 0 Bolt b e t rage n d e S v a n n u n g dcS elektrischen Drahtes. Er erlitt tödliche Verbrennungen. In hoffnungslosem Zujtand wurde er ins Krankenhaus übcrgcführt. Durch die Untersuchung wurde festgcstellt, dah er die Tat nach dein Genuh einer gröberen Menge AlloholS begangen hat.- Antos die Kraluper Sparkasse„auSnehmen" werde. 600 Schritte von dem Ort, wo da» Auto aufgefun- dcn wurde, hatte man einen Hut entdeckt, der an einem Baum hing. Später ist dann festgestcllt wor- ! de, dah Sindelat zur kritischen Zeit einen solche« Hut besah, dah der Hut ihm vollkommen vohte und die im Schweißleder aufgesunde- nen Haare nach Urteil der Sachverftändi- Rtn ganz zweifellos Haare de» Angeklagten sind. Sindelar selbst wurde aber erst später betreten, zwar bei einem räuberischen lleberfall, der keine Dir Damvfer„Smolensk" und„Stalingrad", an deren Bord sich alle geretteten Scküi- lügen des „Tscheljuskin" befinden, dampften an Provi- dencia-Bai nach Pciropawlowsk auf Kam.Ichaikä ab. Ei» internationaler Schwindler, der öl jährige Max Eiselt äus der Tschechoslowakei, der jich als „Direktor des schwäbisch-deutschen Kulturbundes" in Neusatz tSüdslawien) auSgab, und mit gefälschten Ausweisen und Empfehlungsschreiben Bilddnukc von Dolomircnlandfchasten vertrieb, tvurde in Neusalz a. Oder verhaftet. Der Ertrag sollte angeblich^ der Finanzierung deutscher Minderbeitenschulen in Süd« slawien dienen. Eiselt machte überall gute Ge- schästc, Ec legte nur große T rucke. vor, nahm die Bcstelluugeu.au, kaiiifrtk die Gelder» drei bis zwölf RciwSmark je bestelltes. Bild, und verschwand dann ans Nimmerwiedersehen. Eiselt wurde in Deutsch-- land, wo er seit dem Frühjahr 1!>33 sein lluwesen trieb, mehrfach steckbrieflich gesucht. Zunächst graste er Bayern und Sachsen ab und lvandte sich dann nach Schlesien. Bevor er nach Deutschland kam. hatte er Südstalvien. die Tschechoslowakei, die Schwei, Oesterreich und Polen unsicher gemacht. Rach eigenem Geständnis hat er in letzter Zeit nicht weniger als 1590 Reichsmark, erschwindelt« Gelder durchgcbrachl. Ob der Schwindler sich einen falschen Namen beigelegt bat, müssen die Ermittlungen noch ergeben. Die Schießerei in der Kraluper Tvnrknssr. Gegen elf lldr vormittag» am 2. Sevtcmbel fuhr ein l i ch g r ü n g e st r i ch e u e r T a t r a- lv a g e n vor dem Gebäude, der„B ü r g e r I i che n Sparkasse" in K r a l u p vor. AuS dem Auto sprang ein sonderbarer Fahrgast. Vor das Gesicht hatte, er ein Taschentuch gebunden, in dem drei Locher für Augen und Mund ausgeschnitten waren. Der Vermummle, eilte mit die Treppe zu den im ersten ranm empor. Ein gewisser lesend im Warteraum sah, Aerztliche Hilfe für Dillinger— zwei Jahre Gefängnis Rem Bork, 23. Mai. Wie aus 2t. Paul > Minnesota) gemeldet wird, verurteilte das Bnndcsschwnrgcricht die Geliebte Dillinger», Evelyn Frechette, und den Arzt Clayton May wegen Begünstigung, bzw. Beherbergung Dillingers. May. der eine Lchuhwnnde Dillinger» behandelte, erhielt zwei Jahre Gefängnis und 1000 Dollar Geldstrafe. Die Geliebte Dillingers wurde zu einem zweijährigen Auscnthalt in einer Besse» rungSanstalt und eben fall» 1000 Dollar Gcld- strase verurteilt. Urteil im Paßfälscherprozeß Ujhorod, 23. Mai. Heute vormittags der Strafsenat des.Preisgerichtes in Bcrehovo Urteil gegen 18 augcklagtc Teilnehmer aus bekannten PahfälschungSaffärc beim Bezirksamt in Jröava gefällt. Bon 18 Angeklagten wurden acht wegen Fälschung öffentlicher Urkunden, Miß- brauch der Amtsgewalt und Bestechung verurteilt. Der Hauptangcllagte Stanislav Stansticly, Kanzleioffiziant. der mit der Leitung der Pahabieilung de» Bezirksamtes in Fröava betrau! Ivar, wurde zu 15'Monaten Kerker und zum Verlust seiner Amtsstcllc verurteilt. Der Kanzleihilssarbciter Jan Pccen erhielt fünf Monate Kerker mit Verlust der Amtsstcllc. Jsak Steinberger. Geschäftsmann in Jrsava, acht Monate Kerker, Moses Goldstein. Gcschäftssührcr in FrSava, drei Monate Kerker, Eugen Godajlovic, Landwirt in Bilek, vier Monate Kerker, FarkaS Mvskovie. Tischler aus Wust, zivei Monate Kerker, Fosef Neufeld, Student, vier Monate und Hermann Hynclamovic, Geschäftsmann in Kivjaz, sechs Monate Kerker. Sämtliche Strafen wurden unbedingt ausgesprochen und die Verurteilten sind verpflichtet, die Ge- richlskosten zu ersetzen. Die Untersuchungshaft wurde in die Strafe eingerechnet, linier den Frcigcsprochenen befinden sich drei'aatlichc Notare. Ter Staatsanwalt und die Vcrurleillcu haben Berufung eingelegt. Rekordftug einer Tran Sidney. 23. Mai. Die neuseeländische Fliegerin FancBaltcn.dic von Äupang aus der niederländischen F n s c l Timo» nach Part Darwin in Australien gestartet war, hat den gefährlichen Flng über die Timor-See glücklich übcrlvnndcn und ist um 2 Uhr örtlicher Zeit in Port Da„.-in gelandet. Sie hat damit den bisherigen Rekord der bekannten englischen Fliegerin Ainy Fohnsen-Wellison, die für ihren Flug England-Australien im Fahre 1030 10 Vi Tage brauck i:. um viereinhalb Tage geschlagen. Die sportlichen Wettkämpfe weisen ein!ehr reichhaltiges Programm auf. Am Donnerstag, den ! 5. Juli, früh, beginnen im Leichtathletik» ! S t a d i o n am Sicahov die leichtathletischen Wctt- | kämpfe der Männer und Frauen, die Ballwettspiele, die schwerathletischen Wettkämpfe und die Geräte- ! Wettkämpfe der Oberstufe der Männer und Frauen. I Außerhalb des Stadions finden das Schachturnier und die Tischtenniswettkämpfe statt. Freitag, den 6. Juli, werden die leichtathteti- I scheu Wettkämpfe der Jugendlichen,- die Ballwett- sviele der Jugendlichen und außerhalb des Stadions I die Fortsetzung de» Schachturniers abgewickell. Am ! Abend werden dann im Bade der Bezirkskrankeuvcr- sicherungSanftalt die S ch w i m m w e t t k ä m p f" durchgeführt. Der Samstag, 7. Juli, ist ganz der Fortsetzung und Beendigung der leicht- und schwer- athletischen Wettkämpfe und der Ballwcrtspicle sowie den Gerälewettkämpfen der Unterstufe der Männer und Frauen gewidmet. Wettkämpfe der Radfahrer, weiter der Psadsindcr im Zehnkamps und Signalisieren, internationale Geräte- wettkämpke und Gerälewettkämpfe der Jugendlichen, außerhalb des Stadions Schwinnnwct tkämvfe und die Beendigung des Schachturnier» vervollständigen da» Wettkampfprogramm diese» Tages. Die Veranstaltungen der Jugend. Der Jugend ist gemeinsam mit den Piadsindern der 5. Juli ge j widmet. Außer den Malseufreiübungen enthält das Programm Geräte- und leichtathletische Wettkämpfe, j ein Hazrna Turnier, Schwimmwetlkäuwse u. a. Die Jugend beteiligt sich auch an einigen Soudervorsüb- cuugcn der Kreise. Eine selbständige Veranstaltung der Jugendliche» wird ibr Freundschastiabend sein, I welcher am 6. Juli siattfindcn wird. Bei diesem Abend werden Auswablriegen der Jugendlichen aus ! allen Kreisen der Republik auftreten. Die Jugend | wird außerdem innerhalb der Ausstellung- der Ar- i bciterturnvereine eine eigeue. Abteilung stcllcu, in ! der den Besuchern n. a. auch die muüerbaste Füh- ! ruug ibrer Selbstverwaltung gezeigt wird. Hal der Schießerei in der Kraluper Sparkasse Maskierter Räuber in gestohlenem Auto— Dreitägiger Indizienprozeß . September erhielt er I die Verständigung, daß ein l i ch t g r ü n e i Tatrawagen herrenlos und verlassen im Wald bei P o d m o-r n n i unweit von Kralup"ausgefunden wurde. ES war wirNich der gestohlene Wagen, im wesentlichen zwar unbeschädigt, doch wiesen verschiedene Anzeichen darauf hin, daß er eine rasende Fahrt hintersich bade, wie> sich u. a. ans gewissen Beschädigungen der Naben! ergab. Inzwischen meldeten sich Zeugen, die. bekunde- ! Prag, 23. Mai. Der heute, vor dem Schwur-!-Schon am Nachmittag des 2. igericht«Bors. OG!)!. Shkora) eröffnete, für drei Tage berechnete Prozeß gegen den 31- i jährigen ehemaligen Maschinenschlosser Johann Sindelar mutet in seinem Sachverhalt wie eine Episode aus einem amerikanischen Kriminalroman an. Die Anklage, lautet auf das Verbrechen des I versuchten Mordes, des zweifachen Raube» und | des Diebstah 1». Noch intercssanicr wird der Fall i dadurch, daß ein großer Teil der Anklage, sich aus IJndizien stützt und der Staatsanwalt mit Hilfe ider Zeugen und Sachverständigen den hartnäckigsten, daß der Angeklagte. Sindelai sich bereit» im leugnenden Angeklagten zu überführen versuchen Sommer öfter in Kralup ausgetancht sei und davon muß. Rur in einem Punkte hat sich der Angeklagte! gesprochen habe, daß er mit Hilfe eines gestohlenen I zu einem Geständnis bequemt und hier blieb ihm or""‘*'*—-*—*■- ! nichts andere» übrig, denn er wurde auf frischer I Tat «'s» v v o u«i-n i i ui i» i in wv-ui vi iivtiuuy i'u 5,'iuviiiiiuii um Münchener Bergsteiger Franz D o ck e tödlich ab. Ein Leben gerufen habe. Einer der wichtigen Fallo- Kamerad, der gleichfalls abstürzte, blieb u n- j...—— verletzt. Die Leiche konnte in der Nacht zum Dienstag geborgen werden. Sie wurde im Laufe de» Mittwoch nach Garmisch-Partenkirchen gebracht. Mord. Am Dienstag abends wurde der 52 Jahre alte, stellenlose Kaufmann Eugen P i l l k u m in seiner Wohnung in Königsberg kPrcnßen) ertnordet. Außer Würgmalen am Halse waren,, äußere Verletzungen»ich! seslzustcllcn. Bisher fehl!| merkliche Erhöhung der Beschäftigung sowie der jede Spur von dem Täter. j Turchschnittslöhuc beobachtet. MMW M LM Die Berkürzuna der Rrbeitrnzeit in Amerika Die Vereinigten Staaten sandten an das Internationale Arbeitsamt einen Bericht über die ersten Ergebnisse der Einführung der verkürzten Arbeitszeit unter der Leitung des Präsidenten Roosevelt. Tic„Konkurrenz-Kode", die im Vorjahre in den Vereinigten Staaten in Geltung traten, führten zum größten Teile die vierzigstündige Arbeitswoche und Lohnerhöhungen ein. Der Beschäsligungöindcr betrug gegenüber dem Durch? schnitt aus dem Fahre 1920, der 100 glcichgeseht lvird, im März 1933 56.5, im Fuli 1933 69.0, im November 1933 73.2, im Jänner 1034, 71.1 und im Feuer 1084 75. k Die durchschnittliche Arbeitszeit betrug iu der gesamte» amerikanischen Industrie im Feber 1934 bloß 37.7 Stunden pro Woche, statt 41.9 im Oktober 1032. Tie Stun- dcnlöhne betrugen im Jänner 193-1 53.6 Cents anstatt 40.3 im Oliobcr 1932. Ter Wychentphn betrug im Jänner 1934 durchschnittlich 20.21 Dollars, im Oktober 1932 19.40. In der gesamten amerikanischen Industrie wurde die wöchentliche Arbeitszeit um 10 Prozent herabgesetzt, wogegen die Stuudculöhuc nm 15.8 Prozent und der Tagesverdienst um 4.2 Prozent erhöht wurden. Daö Arbeitsdepartement der Bereinigten Staaten teilte mit, daß nach Herausgabe des Gesetzes über die Wiedergesundung der ngtioua- lcn Industrie die Politik der ArbeitSzeithcrabsct- zung und der Erhöhung des Lohnniveaus eine. Bewegung;ur Erhöhung der Produktion ins und Zweifel offen ließ. Sein Opfer war eine 70jährige Fran, ! Marie Miku 1 ä 5, die in der Städtischen Svarlalle ! in Vvsebrad 30.000 Kc behoben batte. Sindelar ver- solgte sie ans dem Heiuüveg bis IK r t s ch. Er Ivars sich an einer unversehens aus die Ahnungslose, j Täschchen nut dem Geld und lies davon. Zum Glück l ! bürten einige in der Nähe beschäftigten Arbeiter die Hilferufe der alten Fran, holten den Verbrecher ein, verprügelten ibn zunächst ordentlich und übergaben ihn sodann der Polizei. In diesem Punkt ist Sindelar geständig. Leugnen wäre, ja auch sinnlos. Noch der Vernehtnung des Angeklagten beschäftigt« sich das Bcweisverfahren zunächst mit den» K r t s ch e r R a u b ü b e r s a l l. Da der Täter geständig und die Sachlage völlig klar ist, brachte die. Zeugeneinvernahme nichts Bemerkenswerte». Nach der Mittagspause begann daun die Verband- lung über die Kraluper Affäre. Insgesamt sind gegen.80 Zeugen geladen. Zunächil schilderten die Deemtrn der Sparkasse den Nebersall in der vorerwähnten Art. Buchhalter Hahn erkannte mit Bestimmtheit den als.corpus delicti vorgelegten Hut, als den, welchen, der Räuber aus dem Kopf hatte. Auch die Körpergröße des Angeklagten stimmt mit der des Räubers überein. Rcvierinspektor K i n 10 r sagte darüber au», Ivie sich mehrere Personen auf der Prager Polizeidirektion genieldet hätten, welche der Angeklagte in der Zeit vor dem Kraluper lleberfall als Komplizen für einen Bankraub hatte gewiuucii wollen. Nach Ablehnung einiger Anträge des Verteidigers Dr. P e t r u v erhielt der chemische Sachverständig» Pros. Dr. S v a g r da» Wort. In seinem eingehenden Gutachten berichtete Prof. Svagr über die Untersuchung der in dem aufgcfundeiicu Hut festgestellten vier Kopfhaare, di» nach Farbe, Zusammensetzung, Stärke, Beschasscnhe.it de» Marke» und Verteilung de» Pigments so weitgehcitd mit dem Haar des Angeklagten übcrcinstimmen. daß mit Sicherheit die Identität de» Hntdesiher», all» de» Räuber», mit der Persan des Angeklagten zu behaupten ist. In den späten Nachmittogsstunden tvurde die Verhandlung mif morgen vertagt. rb. großen Sprüngen übc> Stock liegenden Kassen- W e i b 1, der zeimng»- bemerkte mit Entsetzen, Kattowitz, 23. Mai. Zur Zeit werden in den' daß der unheimliche llnbekannte in der rechten Hand , einen Browning trug. Unter dem linken Ann batte er eine Aktentasche. Was er im Schilde führte, | war im Augenblick klar. Tenn gleich darauf sahen sich die Beamten einer P i st 0 l e n ni ü n d>1 n g 1 gegenüber, die durch die Schalieröjfnung drohend aus , sie gerichtet war. „Hände, hoch! Alle s n ach l i n k S! Herr Kassier, öffnen sie die Kasse!" Während die anderen Beamten der Rufforde- rung nachkamen, riß Buchhalter Hahn blitzschnell seinen Revolver au» der Tasche. Int gleichen Moment feiieri4' bet’"'Eindringling drei Sch ii*T hintereinander ab, die zum Glück nicht trafen, sondern«ine gegenüberliegende Glasscheibe zerschmetterten und jm Rahmen stecken blieben. Auch der Buchhalter drückte ab, aber die Waffe versagte. Er repetierte und suitue Deckung in einem Winkel. Ter nächste Schuß ging zwar los, aber verfehlt» den Räuber, während die Patronenhülse zerriß nnd sich im Laderaum verkeilte, so daß der unerschrockene Buchhalter außer Kampf gesetzt war. Ter Angreifer feuerte, noch weitere drei Schüsse ab, di« zum Gluck mich kein llnbeil anrichteten. Tann trat er den Rückzug an, gelangte unangefochten in sein Auto nnd raste, in irrsinnigem Tempo davon. Er wurde zwar verfolgt, konnte sich aber der Verfolgung in rasender Fährt entziehen. In der Kasse, auf die er es abgesehen batte, befanden sich 5009 si'k. Das herrenlose Anw ans der Landstraße. Ter in der vorhergehenden Nacht bestohlene Autobesitzer batte, inzwischen die Anzeige erstattet „Sozialdemokrat" Seite s Donnerstag, 24. Mai 1834 Nr. 118 PRAGER ZEITUNG Vcrclnsnadirlditcn PRAG Kunst und Wissen Spart»Spiel»Körperpflege zem FRANZENS BAD I 33ft die int int Die Meldung, daß die Versammlung am Donnerstag, den 24. Mai, stattfindet, beruht auf einem Irrtum. Der reiche Heilmittelschatz(Eisenmineralmoor, Mineral* und Glaubersalzquellen) des Weltkurortes bund nichts. Die ErNärungen der Nazi-Delegierten schienen aber auf einen Teil der Kongreßdele- gierten Feinen befriedigenden Eindruck gemacht zu haben, denn z. B. Amerika besteht weiterhin darauf, mit eigenen Auge u ztt überprüfen, wa» an dem..Gerede" der Vertreter Hitler-Dentsch- landS Wahres fei. Bet dieser Gelegenheit kam auch überraschcndcrlveise zur Sprache, das; e n t g e. a e n asten Berichten, Amerika und Frankreich ihre Olympia-Teilnahme noch nicht a n g e m«l d e t haben. Ilitd eine bürgerliche Olympiade z. B. obne die Stars der Amerikaner ist von vornherein keine interessante und zugkräftige Veranstaltung uitd ein finanziesteS Verlustgeschäft. Dem wollen die Deutschen Vorbettgen und propagieren eilt oli;mpischcL Fußballturnier, durch das sie die Rettung und den Reingewinn erwarten. Der Antrag Ivurde vom Kongreß angenommen. Zu dieser Forderung wird die Stellungnahme der F i f a von Interesse sein. Bekanntlich ist Fußball vom Programm der bürgerlichen Olyntpiaden g e- st r i ch c n worden, weil die Akteure einen olympischen Eid tticht leisten können, da cs in dieser Sportart— und auch in den übrigen— keine Ama» teure mehr gibt! ES zeigt sich, das; der bürgerliche Sport und seine Internationale immer und jederzeit bereit ist, einmal gefaßteBeschlüsse über den Haufen zu Wersen, wenn dadurch die geschäftlichen Belange in Gefahr kommen... „Die Umgruppierung drS sndetendrntschrn Biirgcrtumö". Poststempel am Tage der Präsidentenwahl. Am Tage der Präsidentenwahl werde» die Postämter 11 lHradkany) und Prag 25>(Hauptpost» sämtliche Briefpostsendttugett mit einem roten Poststempel abgestempelt. Außer diesen genannten Postämtern werden noch nachstehende Postämter die roten Stempel benützen: Prag 10(Die Burg), Prag 28 ! Senat) und Prag 20(flbgeorduetcnhauS). Außerdem werden an den Tagen des 24., 26. und 26. Mai 1034 gültige Marken für philatelistische Zwecke beim Philatelisten-Schalter deö Postamtes 1(Hauptpost) mit den roten Poststempeln versehen. Die Postämter 10, 11, 23 und 20 arbeiten außer mit den Handftem- peln auch mit den Maschincnstempeln. An diesem Tage werden keine Rcklainestempcl. sondern nur die gewölmtlichen Wellenlinien Stempel verwendet. „Juden gern gesehen" bei der Nazi-Olympiade in Berlin! Der O l Y m p i s ch e K o n g r e ß, der vor kur- seine Tagung in Athen abhielt, hat mit der Berliner Olmpiade große Sorgen. Als die größte Sorge ist wohl die j n d e n f e i n d l i ch e Strömung im Dritten Reich anzusehen. Die deutschen Delegierten, Halt und Dr. Lewald, gaben sich auch diesmal a l l e M ü h e, die„besorgten" Gemüter z tt beruhigen uttb erklärten offiziell, daß man in Deutschland den Start von Juden sehr gerne sieht. Man sagte auch zti, daß sogar jüdische Sportler in die deutsche Olympia-Mannschaft«ingereiht wür- den, wenn sie die attfgestestteit Limite— erreichen werden 11 Daß dieser Fall nicht eintreten kamt und lvird, geht ja schon daraus hervor, daß für die jüdischen Sportler sn Deutschland keine Trainingsmög- lichkeiten bestehen. Daran äitdert auch die„Erlaubnis" der sportlichen Beziehungen des Makkabi-Krei- ses zur Detttschen Sportbehörde ttnd dem Fußbast» Handbast-ButtdeSmeister Eger geschlagen. Die Prcdlitzer Handbaster, die seinerzeit Eger im Endspiel um die Bundeömcistcrschaft nnterlagen, hatten dem Bundesmeister zu einem Rückspiel gefordert, daö am Pfingstmontag in Eger stattfand. Predlitz er- ivieS sich diesmal als die bessere Mannschaft und gewann verdient mit 4:1(8:1). Jugoslawien nicht zu den Tnrn-Weltmeifter- schaften. Der jugoslawisch« Sokolverbaito hat seine Teilnahme an den Turn-Weltmeisterschaften, die Anfang Juni in B u d a p e st stattfinden, abgesagt tmd begründet seine Absage mit dem Äcrhal- teit llngarns in Genf.— Der bürgerliche Sport ist bekantitlich politisch— neutral! Dir 17-Meter-Grenze im Kugelstoßen gefasten. Aus Amerika komntt die Meldung, daß der Student Jack Torrance bei einem Meeting unter offizieller Kontraste im Kugelstoßen eine Weite von 17.19 Meter erzielt habe! Der„Star"... Bei einer GasthanSrauferei in Budapest wntde der Prosi-Fußbaster JeSzmaS von einem Polizisten erschossen. Unser erster Badr-AuSflug ins Beranntal ist am kommenden Sonntag. Abmarsch pünktlich um 7 Uhr früh ab End- t 5 in Hlupo- „...,. Badereguisiten nicht vergessen! Gäste sind willkom- menl Die unterfertigten Studentenkorporationcn rufen ihre Mitglieder zur Teilnahme an der Stttdentenmanifestation für Präsident T. G. Ma- saryk aus. die von den sozialen Stttdcntcninstitu- rionen an dem Tage der Präsidentenloahl, am Donnerstag, den 21. Mai, veranstaltet wird. Zusammenkunft der Mitglieder nm halb 11 Uhr vormittags vor dem Akadcmiekt) düm unter der Lctna. Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker. Klub nArotlnft SozialistIckych akademikft. Sdruz.eni sozlaliK'-tleinoknitickeho ntudentstva. Amerika hat kein Vertrauen! Aus Washington wird gemeldet: DerKon- grcßabgeordnete Erster richtete an das amerikanische Olympische Komitee die Aufsordermig, eine Verlegung der Olympiade 1980 von Berlin nach einer anderen europäischen Hauptstadt zti verlangen. Celler begründete seine Forderung damit, daß man der reichSdeutschen Regierung nicht tränen könne, daß sie daS Versprechen, jüdische Sportler als Teilnehmer der Olympiade nicht ztt diskriminieren, halten würde. Ilnt überaus wirksame Drnpa zanda ist beute dem moderner EetlbästSmann in der Anitlge in di«.Hand aeaeben. 8>I wirkt am meisten in BUN, lern der vraan. ktrbeiier und arbeitet [Oe ibn, obne daß er aroß« nuStaaen bat und— das SiibliaN-— Ert»labat»e Immerl Wer inseriert verkauft! Par(elml(0ledcr-Versammlung mit Vortrag des Genossen Kern über t haus, über die österreichischen Lehren. DistussionSabcnd über den Austromarxis mus. Bezirksorganisation Prag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. . Erstaunlich ist nur die geradezu schamlose Fixigkeit, mit der sich eine ganze Anzahl„radikalrepublikanische",„fortschrittliche" Jntestcktueste dem Gang zur erlösenden Nazi-Futterkrippe angeschlolien haben. Leute, die sich mit dem zufriedensten Gesicht der Welt ins Gesicht speien lassen, wenn sie nur ihren RedaktionSscssel unter dem assimilationSlüchti- gen Hintern behalten. Diese Burschen— mögen sie nun Karl Vetter, Fred H i l d e n b r a n d oder Alfred Kruger— einst antifascistischcr Experte der bürgerlichradikalen Linken— heißen, haben dem Goebbels die Gewißheit gegeben, daß man mit den deutschen Journalisten asteS, aber wirklich asteS anstesten kann! Die Welt sicht diese widerwärtigen sadistischen Exerzitien, sie sieht sie mit tiefer Scham. Aber die, die sich schämen müßten, die Kreaturen der deutschen Abfallpresse, sie schämen sich nicht. Sie finden eö ganz in der Ordnung, geprügelt zu werden. Sie lächeln,' wenn man sie bespuckt, sie rufen„Heil", wenn ihnen der Chef„verrecke" zu- brüllt. Nichts könnte ihnen die Vesinnung einer Spur von Selbstachtung gebe». Denn sie haben sie— diese Marionetten der Konjunktur— nie besessen! Pierre. Prager Konzertsaal Oblvoht die eigentliche Hochkonjunktur für Schülerkonzerte erst zum Schulschlutz Juni zu erwarten ist, haben wir heuer bereits Monat Mai eine ganze Serie m u s i k p ä d a gast i s ch e r Konzerte zu verzeichnen gehabt. Sie bildeten nach Qualität und Quantität sogar die Hauptereignisse int Prager Konzertleben. Allein das Tschechische Staatskonservatorium, diese unerhört fleißige tschechische MusikbildungSzen- trale Prags, trat mit einem halben Dutzend von Schülerkonzerten innerhalb dreier Wochen vor die Oesfentlichkeit. Die Gedenktage an die beiden größten tschechischen Musiker Smetana und Dvorak bestimmten natürlich auch die Programme dieser Konzerte, um so mehr, als ja der eine der zu ehrenden Tonkünstlcr künstlerischer Direktor des Prager MusikkonscrvatoriumS war. Zwei Konzerte waren Smetana gewidmet, dessen toudichterischeS Schassen in Klavierstücken, Violinvorträgen, Liedern und Kammermusikwerken berücksichtigt wurde; zwei Konzerte dienten Antott Dvorak, dem einstigen eigenen Führer, der mit Kompositionen für Violine, Cello, Gesang und Klavier sowie mit Kammermusikwerken zur Geltung kam. Daneben fand man noch Zeit für ein historischeSKonzert, einen bochinteressanten KompositionSabcnd für alte Musikinstrumente mit unterschiedlichen solistischen und kammermusikalischen Werken für Gesang und verschiedene alte Solo- und Begleitinstrumente von FreScobaldi, Corel! i. Pale st r i na. Albert, Buxtehude, Gibbons, Sor und M a t k j k a sowie für einen normalen öffentlichen Musikabeitd mit Vorträgen für Violine, Gesang uttd .Klavier von verschiedenett älteren und neueren Tonstücken heimischer tschechischer, deutscher, italienischer und französischer Tonsctzer. Auch eine Keine Gedenkfeier aut Grabe dcS tschechischen Komponisten Wilhelm B l o d e k hatte daS Tschechische StaatS- konservatorinm veranstaltet, nm daS Andenken an dieseit bedeutenden älteren tschechischen Komponisten zu ehren, dessen 60. Todestag am 1. Mai begangen wurde und dessen 100. Geburtstag ant 3. Oktober dieses Jahres zu feiern sein wird. Aste genannten Veranstaltungen zeichneten sich durch sorgfältige I musikalische Reproduktion aus und zeigte» die tsche- <1 tische Musikhochschule auf der Höhe ihrer musikpada- gogischen Ausgaben und Ziele, waren, daher muster- gültig und beispielgebend in ihrer Art'.— Als musik- vädagogische Musterveranstaltung war auch daS O r ch est e r k o n z e r t zu werten, das der bekannte tschechische Geiger Otto S ilh a v y mit seinem 2 y m p h o n i e o r ch e st e r im städtischen Büchereisaale ins Werk gesetzt hatte. Seit Jahr und Tag gehören diese Silhavy-Kouzcrte(dieses Ivar das 81. seit ihrer Einführung) zu den erfreulichsten musik« bädagogischcn Veranstaltungen Prags, weil bei ihnen die Schüler des Geigers Gelegenheit erhalten, ihr erworbenes Können praktisch im ensemblemäßigen Sinne zn erweisen. S i l h a v y versteht eS auch stets, lvertvoste und iittcressante Viusikprogramme zu- snutmenznstellen. So hörte man diesmal neben einer seltener gehörten Suite von Joh. Seb. Bach für ztvei Oboen, Fagott und Streichorchester, eine Concerto grosso von Georg Fr. Händel uitd einem Violakonzert desselben Meisters auch eine Serenade uon Robert Fuchs, dem heute nahezu vergessenen, einst hochbedeutendett Wiener Komponisten und Musiktheoretiker der BrahmS-Goldmark-Zeit. Auch bei diesem musikpädagogischcn Orchesterkonzerte tvaren die reproduktiven Leistungen im ensemblemäßigen uitd solistischen Sinne ausgezeichnet und machten dem umsichtig seines Amtes als Dirigent waltenden Lehrer Silhavy alle Ehre.— Auch zlvei S t a r- K o n z e r t e gab es in der Berichtszeit noch trotz vorgeschrittener Konzertsaison. Das eine davon bestritt der spanische Tenor Miquel F l e t a, rin Sänger, der gesangStcchnisch zwar wohlberaten, aber rein stimmlich lveder blendcitd ist, noch auch überzeugend im Ausdruck tvirkt. Wenig batte er auch durch sein Programm zu sagen, das eilt typisches Starprogranun tuuterbunter Opcrnarien tmd Lieder tvar. Ztvar brachte auch Dusolina Giannini, die berühmte italienische Sängerin, der man daS zweite Starkonzert dankte, ein Mischprogramm von Overnarien uttd Liedern. Aber schott in der Wahl Freitag, den 28. Mal, abends 8 llhr, im grofieit Saale des GewerkschaftShnuseS am Perttim bringt bei Frautn* u. Herzleiden, Gicht, Rheuma, Magen«, Darm*, Leber* und Stoffwechselkrankheiten, Dlabetec, Eriran* Lungen der Niere und Harnargane, det Blute« und der Nerven tausendfach erwiesenen Heilerfolg. Kurzeit 1. Mai bis Mitte Oktober. Auskünfte und Prospekte durch die Kurverwaltung. Die Verlumpten So manchem Ausländer kommt ein gelindes Grausen an, wenn er den sarkastischen Goebbels in beispiellos zynischer Weise mit seinen Presse mamelucken herumspringcn sieht. Es ist fast so, als ob hier ein Sadist an völlig willenlosen Objekten seine Komplexe abreagieren würde. Woher, so grü belt man außerhalb der braunen ZuchthauSgitter. kommt dieser erstaunlich« Mangel an Selbstachtung, Mut und Würde der deutschen Ptchlizistik? WaS sind daS für Kreaturen, mit denen dieser ReichSzirkuS« dreffeur so hemmungslos umzugehen wagt? Er treibt es gewiß erstaunlich, der Propaganda manager. Erst knebelt er sie so grausam und bricht ihnen mit solcher Vehemenz daS Rückgrat, daß sie vor lauter Pfötchengeben nicht zu Atem kommen können. Hat er sie so weit dressiert, überfällt er sie jäh lings von der anderen Seite und beschimpft sie als Charakterverkümmerte, als servile Duckmäuser und speichelleckcnde Schwächlinge. Worauf einer Mut bekommt, und zwar keine„Lippe", aber doch„ein, Wort" riskiert. Umgehend fliegt er ins Konzentra tionslager, sein Blatt wird auf drei Monate ver» tellektualien", boten. Freie Vereinigung sozialistischer Akademiker G c n. E. Franzcl spricht Donners- a g, den 24. Mai, 20 Uhr, Graben 17, Hintcr- Ä uq um>«tor; station der Linie k kepy. Baderequis Aufruf-» dir,»»ialIs«scheuAud-ut-u I Ktt persönlichkeitsstarke, ausdruckssichere und gesangstechnisch sowie stimmlich höchst kultivierte Künstlerin, die wegen ihres außerordeutlichen Einfühlungsvermögens in den Jnbali des Gesungenen und wegen der geistigen und seelischen Bedeutung ihres GesangS- vortrages auf dem Kouzertpodium ebenso viel zu sagen und zu sitigen hat wie auf der Opernbühne. — Eine neue tschechische Komponistin lernte man in Julie Reißerovä kennen, die mit einem LicderzyklnS„März", einem Stimmungsbild für Orchester und einer Klavierkomposition in einer Kon- zertmatince zu Gehör kam und deren Kompositionstalent sich nicht nur durch schöne melodische Invention. sondern auch diirch klangliches und rhythmisches .Gestaltungsvermögen auSzeichnet. Hauptsolistin dieser Matinee war die hervorragende,, an der Wiener StaatSopcr tätige tschechische Sängerin Zdcnka Zikovä.— Daß die Feit der musikalischen Wunderkinder noch nicht vorbei ist, bewies ein Klavierabend derelfjährigenPianiitin Daisy Guth, die in Stücken von Bach. Beethoven, Mozart, Chopin, Liszt, MoSzkowski und Ravel bedeutendes technisches Können, schöne AnschlagSkunst und beachtliche Musikalität zeigte. Ob ihre glänzenden technsschen Anlagen auch geistig Erfüllung finden werden, muß die künstlerische Weiterentwicklung dieses hofsnnngSvollcn Mädchens lehren.— Im Juri- sten-Konzerte spielte Rudolf Serkin, dessen phänomenales pianistischeS Können man erst kürzlich in einem philharmonischen Konzerte dcS Deutschen Theaters bewundern konnte, ein klassisch-romantisches Programm(Bach, Beethoven, Schumann und Chopin) und zusammen mit Prof. Georg S z k l l als Partner W. A. Mozart» prachtvolle und so selten zu hörende Sonate in D-Dur für zwei Klaviere. I E. I. filme in Prager Llditsplelhäusern bis einschließlich Donnerstag, den 24. Mai 1034. Avion:„Welteroberer".— Beranrk:„Die Königin amüsiert sich.""— Flora:„Die Ehebrecherin." — Gaumont:„Csibi, der Fratz."— Hollywood: „Wclterobcrer."— Riuema, B.-Th.: Journale, Lustspiel, Reportagen.— Kotva:„Madame Bova- r y."— Lueerna:„M adameBovar y."— Metro:„Hallo Paris?— Hier spricht Berlin!"— Olympie:„Der Exekutor int Kabarett";„DaS Geheimnis der 6 Schlüssel."— Passage:„Csibi, der Fratz."— Praha:„Der letzte Akkord."— Staut: „Die Stimme ohne Gesicht."— Svitozor:„Csibi, der Fratz."— Belvedere:„Der Hüttenbesitzer."— Carlton:„Die Ehebrecherin."— Favorit:„Die Ehebrecherin."— Lido II:„Zum hl. Antonius."— Louvre:„Die Königin amüsiert sich."— Maceöka: „Die Königin amüsiert sich."— Sport-Smichoo: „Wolga in Flammen.".— Baldrk:„Die Ehebrecherin." „Blumen-Zauberdung", das Blütenwunder Blumen an allen Fenstern I Welche Freude für den Besitzer wie für den Beschauer I Wenn Sie Ihre grünen Lieblinge kräftigen und zu reichem Blühen bringen wollen, verwenden Sie„Blumen-Jmibcr- dung", ein erprobte», billige» Düngemittel, ein lvahrer Wundertrank für Ihre Blumen. Jetzt müssen Sie mit dem Dnnggtiß beginnen l Bestellen Sie sofort ein Paket bei der nachstehend angegebenen Adresse und legen Sie den Betrag von Xö 0.00 in Briefmarken bei. Alle Bestellungen richten Sie an die Verwaltung„Die Nnznfrirdene", Prag XI!., Fochova tk. 62. Dvorak-Suietaua-Feier der Deutschen Musik- akademir, Samstag, den 26. Mai, 20 llhr, im Saale de» Lyzeums, Prag ll, Charvartova ü. Am Programm Werke für Klavier, Violine, Cello, Harke, Gesang und Kammermusik.— Interner Abend, Montag, den 28. Mai, im Saale des Lyzeums, 20 llhr. Schauspiel» und GesangSklassen. Deutsche Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag ll., VladiSlavova 28: Meisterschule sür Komposition, Klavier und Bioliue, Konzertklasse für Cembalo, KompositionS» und Kapcllmeisicrschule; AuSbilbnngSklasscn: Klavier, Orgel, alle Orchester- Jnstnimente, Gesang, Opernschnle, Schauspiel, Regie, Bühnenbild, Gymnastik. Dorgeschriebcne Vorbildung: Bürgerschule oder llntermittelschule. Aufnahmsprüfung: 19. Juni. Gesuche tim Zulassung| zur Aufnahmsprüfung, belegt mit Heimatschein und letztem Schulzeugnis sowie 5 stc in Marken, bis 10. Juni an die Direktion. Wichenspirlplan d«S Reuen Deutschen Theaters. Donnerstag, halb 8 Uhr:„S t r a ß e n m u s i k" (C 1).— Freitag,’,48 llhr:„Ho— ruck"(D 2). — Samstag, halb 8 Uhr:„T u r a n d o t"(A. A.),. Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 8 Ubr abends:„Pariser Potpourri"(volkstümliche Vorstellung).— Freitag, 8 Uhr abends:„Wir wollen träumen"; „Der Stammgast"(Kulturverbandsfreundc j und freier Verkauf).— SamStag, halb 8 Uhr: „T er z e t t zu V i ert"(Erstaufführung). Sie haben gewiß alle keine Skrupel, die Hitler, Goering. Heines, Kerl und Goebbels... Mit der Grausamkeit absolutistisch regierender Feiglinge, denen das Herz zittert, wenn sie Schrecken und Vernichtung um sich verbreiten, trampeln sie mit Komntißstiefeln auf den Wehrlosen, ben Entrechteten, den Versklavten herum; bei Tag sich selbst illuminierende Helden in Hitlers Reckenhemd, nachts von Angstträumen geplagte Hysteriker, die sich von blonden Gattinnen die notwendige Baldrianmenge zur Wiederherstellung ihres seelischen Gleichgewichts einträufeln lassen. Aber wie der Goebbels mit seiner Presse umspringt, das ist, selbst im Lande des reichhaltigen braunen Terror-RepertoireS, etwas UngelvöhnllcheS. Doch er weiß, wannn er es tut, warum er eS kann! Daß die große Masse der„Generalanzeiger"--Nach- richtenverschleißer, die anonyme Menge der verlegerhörigen Rebaktions-KommiS, die nie Gesinnung, sondern nur ein schlechtes Gehalt hatten, so laufen, Ivie der Feldlvebcl dirigiert, ist itichtS Verwunderliches. Sie handelt: mit unoriginellen Ueberschriften und schlechtem Umbruch, wie andere init Käse oder Herrennnterhosen handeln. Ihr« Dessins sind„Jn- aber eS könnten ebensogut Schnürsenkel sein. Bo zu g S b e d t n g u n g e n: Bei Zustellung inS Hau» oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 16.—, vierteljährig KC 48.—. halbjährig KC 96.—, ganzjährig Kä 192.—.— Inserate werden laut Tarif billigst berechnet. Bel öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Mauiskrivtcn erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit sirlaß Nr, 13.800/VU/1930 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck-, Verlag»- und ZeitungS-A.-G.. Prag.