Bkadetnle Einzelpreis 70 M'i»r (einschließlich 5 Heller Foi., IENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEM REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii., fochova«. TELEFON sxn. Administration Telefon sw«. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, FRAG. 14. Jahrgang Freitag, 25. Mai 1934 Nr. 120 Masaryks vierte Wiederwahl Große Mehrheit für das demokratische Staatsoberhaupt Prag, 24. Mai. Die am heutigen Tage vorgenommrne Neuwahl des Staatspräsidenten hatte folgende« Ergebnis: von 420 abgegebenen stimmen der Mitglieder beider.Karninern entfielen 327 ans T. G. M a s a r y k. 33 Stimm- zcttel Ivarcn leer. Der kommunistische Gegen Kandidat G o t t>v a l d erhielt nur 38 Stimmen seiner Parteigänger. Masarhk wurde daher schon im ersten Wahlgang mit nngehruerer Mehrheit zum vierten male alo Staatsoberhaupt wiedergcwählt. Unter brausendem Beifall legte er in die Hand des Borsitzendc» des Abgeordnetenhauses, Staues, da« Gelöbnis auf die Verfassung ab. Ter Wahlakt wurde durch Padio in der ganzen Republik bekannt. Anschliessend fuhr der Präsident durch die Strassen der Hauptstadt, von den znsammengcströmten Bolko- massrn aber- und abermals jubelnd begrüßt. *.* Bereit- nm 8 Uhr 15 früh wurden alle Zugänge zur Prager Burg abgesperrt und nur Parlamentarier sowie die Diplomaten, Ehrengäste, Journalisten und die wenigen, die sonst noch ein« der 88V zur Berfügung stehenden Eintrittskarten vorweisen konnten, in den Burgrayon eingelassen. Im dritten Burghof nahmen verschiedene nnisor- mierte Korporationen, so Prager tschechische Arbeiterturner, Orelvcrbändc, Sokoln, Feuerwelirabord- nnngen, Legionäre und ehemalige Miatroscn sowie zahlreiche Studenten ans dem Masaryk-Kollrg etc. Ausstellung, ebenso,eine Ehrenrotte des 5. Ans.-Reg. mit Fahne und Musikkapelle Ans dem Weg vom ZIlärov durch die Chotekgasse iiber die Marienschanze» und die Staubbrücke zur Burg bewegte sich vor 9 Uhr eine nnnnlcrbrochene Kette von Antomobilen mit Mitgliedern der Nationalversammlung, der Rcgiernng, des diplomatischen CorpS, verschiedener staatlicher Funktionäre und Gäste, die an der Wahlsihnng teilnahmen. Die Mitglieder der Nationalversammlung und der Regierung stiegen aus dem GeorgSplatz, die übrige« Gäste auf dem Dritten Burghof ans. Fm Wladiflaw-Saal waren seit dem frühen Morgen Parlamentsbeamte mit den letzten Vor- bereitnngen zur Sitzung beschäftigt. Für jedes Mitglied der Nationalversammlung waren drei Umschläge in den Farben weiss, blau und orange vorbereitet, in denen gleichfarbige Stimmzettel lagen. Tie weissen Stimmzettel tvaren für den ersten Wahlgang, die anderen für einen eventuellen zweiten und dritten Wahlgang bestimmt. Schon lange vor Beginn der denkwürdigen Sihnng waren im Sitzungssaale die Plätze für die Abgeordneten und Senatoren, aber auch die Tribünen für die Zuschauer dicht besetzt. Bon den Tribünensitzen war die Mitte der ersten Reihen für die Mitglieder der Familie des Präsidenten reserviert. Anwesend tvaren seine Ikinder Fan, Alice und Olga sowie seine Enkelkinder Aniöka und Berta. Die Plätze links davon tvaren fiir die Mitglieder des diplomatischen.Korps reserviert, die sich fast vollzählig cingesnnden hatten. Auf der rechten Seite und hinter der Familie des Präsidcntcu fassen die Repräsentanten der obersten Staatsämter, darunter der Gouverneur der Nationalbank Dr. Englis, die Laudespväsidenten und mehrere hohe Generale. Weiters war auch eine Reihe von kirchlichen Würdenträgern, darnntcr Erzbischof Preöan, und eine grosse Zahl von Journalisten aus dem In- und Ausland anwesend. Die Erössnnng der Sitzung verzögerte sich um 2V Minuten, da sich bei der Anfahrt der viele» Ainos auf den schmalen Zugängen zur Burg grössere Ber- zögerungen ergaben. Um 9 Uhr 45 begannen im Saal die Glocken zu läuten, die den Beginn der Sitzung ankündigteu. Am Präsidialtisch in der Mitte der Estrade fassen Dr. S t a n k k und Dr. Soukup, die nach der Verfassung die Wnhlsitzung zu leiten haben. Zu ihren Rechten hatten die Vizepräsidenten des AbgcordncienhanseS bis auf den seit langem kranke» Lnlavskb, links die Vizepräsidenten des Senates Platz genommen, vor ihnen die diensthabenden Beamten der beiden Sekretariate, der Parla- mcntskorrespondcnz und des Stenographenbüros. Die Mitglieder der Regierung nahmen vollzählig auf den Fauteuils unterhalb dec Estrade Platz', bei ihnen fass auch der Vorsitzende des Obersten Rech- nnngskontrollamtes Dr.£> o ra k. Um 9.50 Uhr eröffnete der Vorsitzende Dr. S t a ii e k die Sitzung. Nach seinen einleitenden Worten begannen die Kommunisten einen Sprechchor, in dem sie die proletarische Revolution, Lenin und Stalin etc. hochlcbcn liessen. Der Vorsitzende liess sic ruhig gewähren, bis der eilige« lernte Vorrat erschöpft Ivar. Dann hörten sic von selbst auf. Sianök konstatierte die ordentliche Einberufung, bestimmte die Sekretäre des Parlamentes nnd Senates, Dr. iltiha und Dr. Safarovik, zu Sekretären dieser Wahlsihnng. Als Schriftführer und Ordner fungieren die in. den beide» Häusern hiezu dauernd bestellten Parlamentarier. Wegen Krankheit entschuldigt sind die Abgeordnete» Dr. L n k a v s k n, Dr. K r a m a t, Dr. H o d i n a, der kommunistische Präsidentschaftskandidat Gottwald und Abg. G a l o v i c sotvie ! die Senatoren Böhr und 11 5 A k; Urlaub wurde für diese Sitzung erteilt dein Abg Dr. S z ü l i ö I und den kommunistischen Senatoren Hake u, M i- k u l i i 11 und der kommunistischen Senatorin Bh- I d r o v a, die im Ausland weilen. Nach der Präsenzliste sind 281 Abgeordnete und 189 Senatoren anwesend. Da von der Gesamtzahl I von 300 Abgeordneten- und 150 Senatorenmandatcn ! acht Abgeordnete und vier Senatoren der ansgctösten deutschen nationalsozialistischen Partei in Wegfall kommen und ausserdem ein Abgeordneter sJclincli und ein Senator(Richter) in den letzten Tagen gestorben sind, ohne dass mehr die Ersatzmänner einberufen werden konnten, fehlten also insgesamt zehn Abgeordnete und sechs Senatoren. Der Vorsitzende konstatierte weiter die'L‘c ' schlussfähigkcit der Sitzung, da weit mehr als die I Hälfte aller Mitglieder der Nationalversammlung ' anwesend ist. informiert das Haus über die Modalitäten der Abstimmung und crsnckit die Schrift- sührer, mit der Einsammlung der Stimmzettel zu beginnen. ! 327 Stimmen 1 für Masaryk Jld'l Ärupp.n, die aus je einem Zdn iii• | sichrer, einem Beamten des Sekretariats und einem Bediensteten bestehen, der die Urne Irägi. I sammeln die weissen Stimmzettel in den Ban!« reihen ein und begeben sich dann zu dem langen Tisch vor dem Präsidium, der eigens fiir die Stimmenzählung bestimmt ist. Die Abgabe der Stimmzettel dauerte etwa zehn Minuten. Tas Abstimmungsergebnis hatten als Tlrutatorcu Abg. D u b i c l tz und Senator I o h a n i s im Verein mit dem ParlamcntSsckretär Ri ha scsi zustcllen. Als nachher Stankt läutet, um in der ! Sitzung fortzufahrcn, wiederholen die Uommn - nisten ihren Sprechchor. Der Eindruck ist derselbe, wie vorher: gleich null. Die Skrutatorcn stellen inzwischen das E>- gcbnis der Wahl fest und legen das Resultat dem Vorsitzenden vor. Dieser schreitet zur Wiedereröffnung der für die Dauer deS Skrntinimns unterbrochenen Sitzung und verkündet unter atemloser Spannung des ganzen Saales: Insgesamt wurden 418 giittige Stimmzettel abgegeben. Davon sind 53 leer, 327 entfallen aus T. G. Masarhk. Als der Annie M a s a r» l fällt, erhebt sich der grösste Teil der Mitglieder der Stationalversaminlung und das Publikum ans den Tribünen von den Sitzen nnd brgrüssen dieses Ergebnis mit langmidauerndr» Ovationen. Aus j dem First des Wladistaw-Saales wird zum Zri- . chen der erfolgten Wahl dir Staatsklagge gehisst, -auf dem westlichen Burgtrakt dagegen die Präss s drntenflaggc gesenkt. Nachdem sich der Beisallssturin— in dem i übrigens auch dir weitere Feststellung, dass der , kommunistische Gegenkandidat Gottwald 38 ! Stimmen erhalten hat, völlig nntergelit- gelegt ! hat, erklärt Stankk, dass Masaruk dir vorgrschrie- ! bene Dreifiiuftrlmrhrhkit aller Anwesenden 12321 bereits im ersten Wahlgang erreicht bat nnd do- ! mit zum Präsidenten der R e p b l i t w i e d e r g e w ä h l t ist.(Renrr stür- ! Mischer Beifall.) Der Vorsitzende gibt bekannt, dass die Wahl in einer eigenen Urkunde beglaubigt und diese dem neuen Präsidenten überreicht werden wird; er ersucht den M i n i st c rp rä s i d c n t e n, dem Präsidenten Masaryk, der sich in seinen Privatgemächern auf der Bnrg aushielt, diese Urkunde zn iiberniitteln und ihn zu ersuchen, zum Zwecke der Ablegung des Eides auf die Verfas- sung vor der Nationalversammlung zu erscheinen. Stanöl umerbrickit bis dahin die Sitzung. Die. Urkunde, über die. Wahl Maiarhks hat sol- gendcn Wortlant: „Die Rationalvrriammlung der Tschcchoslo- s wakischen Republik an T. Garrigue Masarhk: „Die Rationalversanimlung der Tschechoslo- wakischeu Republik hat in Ausübung ihres Rechtes nnd ihrer Pflicht, die ihr dir Berfnssiing der Re- Masaryk leistet den Eid auf die Verfassung Fahrt des Präsidenten durch Prag Neben Maaaryk Ministerpräsident Malypctr Beta 2 Mr. 120 Freitag, 26. 2Wnt 1934 bnbfif nitffrlci l> Ahr Amt gewiffenbaft nnsiiben werden, daß Sie daS Wohl de» Volke» und jßtghte« im Ange behalten and von ihm Schäden und Gefvlnen abwendrn werden. Itrfitn> deffeit'lm» die Rationakverfammlnng da« SlantSllegel der Republik an diese Urkunde beseliigen lassen, die in Prag am Biernndzwan- zigsten des Monate» Mai im Jahre des .Herrn eintauseudnrnnhunderlvierunddrristig gegeben wurde." Die Urkunde ist aus Pergament geschrieben und es linngi daran an einer rot-weiß-vlaneii-chnnr ein silbernes Etui mit dem graben Tiaaissiegel. sobald die Wahl vollzogen war, wurde aus dem Gebäude des Mladisiaw-Saale» die Staats» 'flagge gcbitzi und die Prändenienilagge, die bis dahin, wie siei», aus dem Maste de» vorderen Burg- iraktes weine, hcrabgelasien, Tie Ehrenrotte im dritten Burghos präsentierte da» Gewehr, dic KaveUe intonierte die S»aa»»- dvmnc. Tie Arnlleristcn de» 101. Regiment» keu» rvtfit in Aniervallen von fünf scunden*21 Kanonen- muine nb. Beim ersten Kanonenschuß erhob sieb in Kbelp eine Gruvve von 4*2 Flugzeugen de» ü. und i Inzwischen war dir unterbrochene Sitzung uneder eröffnet morden. Uniitittelbar darauf! betrat Präsident Masaryk, geleitet von Dr. iftfAn und Tr. Safatovii in Gesellschaft Malllprtrrö den! Zank. Ihm folgten Kanzler Samal mit General i Blaha und Zektionschef Barto» mit dem Ge- sandten Dtrimpk. Tie ganze Berfammlung erhob sich und de grnstte den Präsidenten mit langanhaltendem stürmischen Beifall. Tie Abgeordneten, dic Se- natoren nnd dir Gäste sowie da» Publilum blie» den sodann flehen, bi» der Präsideirt der Republik| fein Gelöbnis abgelegt hatte.«Die Kommunisten' und Ligisten hatten sich vorher entfernt! Ter Präsident begab sich an den ihm vorbe- balrenen Platz aus der Präsidialestradc. wo er stehen bieb. Kammerpräsident Dr. Siancl hielt nun folgende Ansprache: „.Herr Prästdenl, in diesem historischen Saal huldigten einst die böhmischen Stände einem.Herr- scher aus fremdem Geschlecht, der ans den bäh-' mischen Thron berufen worden war..Heute ver- fammeln sich zum rrsten«aldiegrwi>I- len Bertretrr der Bürgerschaft in diesem Saal, um durch ihre Wahl einen I Mann ihres eigenen BtuteS zum StaatSvräfiden-1 trn zu berufen. Dir Rationolverlammlung hot j -Sie brue wieder zum Oberhaupt diese- so«ehr geliebten und hauptsächlich durch Ihre Bemühungen neu erstandenen Ttau» teS berufen. Schon zum»iertrumal haben die Bertretrr de- tschechoslowakischen Volke- nurch Ihre'Wahl dem Willen Ausdruck gegeben, daß Sie,.Herr Präsident, diesen Staat teilen mögen, zielbewußtundehrlich«rotz allen Wirr- niffen der Welt für dir hohen Ziele der Menschheit. Zum erstenmal hat Sie dir revolutionäre und versaffunggrbeude Rational- versamntlung gewählt, dieselbe, die am 14. November 1918 da-Geschlecht.HabSbuig» Lothringen für alle Zeiten de» böhmischen Throne- verlustig erklärt bat. Danach haben die Vertreter«*,» i 6. FliegerregimcnieS und kreisten über Prag. Einer der Flieger flog ganz niedrig über dem Burghof und warf einen großen Blumeuslrauß ab, den ein Le» gionär dann in die Wohmmg de- Präsidenten i brachte. Als die Slaaishymnc aus dem Burghof der» i klungen war. fuhr Malypetr mit dem Sefiionsches Barlo» im Automobil zur Wohnung des Präsi» deuten. Die Ehrenkompanie leistete dem Vorsitzenden der Regierung dic Ehrenbezeigung. Der Vorsitzende der Regierung teilte dem Präsidenten seine'Wiederwahl mit und übergab ihm die lirlunde über diese Wahl. Sodann er- i snäue er den Präsidenten, sich in die Natfonalver- | mminlung zu begeben, um das Gelöbnis auf die ! Berfanuug abzulegcn. AI» Masarhk dann in Begleitung de» Ministerpräsidenten im offenen Anto langsam über. den dritten Burghof zum Wladislalv-Saal fuhr, i war er Gegenstand begeisterter Ovationen der dort verfaniinclten Bereine, SlautS nnd Stu- , deinen. Tie Ehrenrotte präsentierte. Bor dem I Sivnngsfaal erwarteten den Präsidenten und seine Begleitung die Sekretäre der Nationalvcr- i jammlnng nnd geleiteten ihn in die alte Land- tagSsinbc, die unmittelbar neben dem Wladiskaw-! Saal liegt. Volke» bereit- zweimal und heute zum drittenmal durch ihre Abstimmung zu erkennen gegeben, daß sie gerade Ihnen die Geschicke der Rrpnblik in vvllem Bewußtsein nnd mit vollstem Vertrauen übergeben wollen. Im Namen der Nalionntbc-'iinmlnng nnd sicherlich auch im Namen der Bevölkerung diese» Staate» begrüße ich Die, Herr Präsident, wieder an jener Stelle, an der Sir schon sechtebn Fabre gestanden sind und veise und liebevoll, energisch und entschieden, die Ge- fchicke dieser Republik gelenkt haben. Wir, die wir hier versammelt sind, wünschen für.da» ganze Volk, daß Sie in ihrem gesegneten Alter stark und gesund in der Erfüllung Ihrer Aufgabe fortfahren könne«», die Ihnen die Nationalversammlung im Namen de» Volke» anvertraut hat. Wir sind davon überzeugt, Herr Präsident, öaß Sie so wie bisher auch i« Zukunft Ihr hohe» Amt gewistenbaft nnd im Rahmen der verfasinng»- mäßigen Vekugnisie zum Wohle de» Volke» und de» Staate» erfüllen werden und daß S i e a l i e n Schaden und alle Gefahr vom Staateabwendenwerden. Um die» zu bezeugen, werdeu Sir nun vor der Nationalversammlung da» Ge l- b n i» nach der Lerfaffung»- urkunde ablegen. Ich fordere Sie auf, die rechte .Hand auf die VrrfastnngSurkundr zu legen und die Worte zu sprechen, die 8 65 der Verfaffung»- urkunde al» Eid dr» Präsidenten vorfchreiit." Masarhk legte sodann die rechte Hand auf die auf Pergament geschriebene VerfassungSur- liliide, und zwar gerade auf jene Seite, auf der sich das Gelöbnis de» Präjiidenten befindet, und sprach mit klarer Stimme langsam folgende Worte de» Gelöbnisses: „Ich verspreche auf meine Ehre und mein Gewissen, daß ich da» Wohl der Republik und de» Volke« im Auge haben und die DerfaffnngSgesetze' sowie dir anderen Besetze wahren werde." In diesem Augenblicke wurde auf dem Gebäude des Wladislatv-SaaleS die Fahne des Präsidenten gehißt. Es erklangen die Fanfaren aus! der„LibuSe" und di« Ehrenkompagnie stand habt Acht. Der Vorsitzende der Nationalversammlung Dr. Stanik fuhr sodann fort: „Herr Präsident, Sie haben da» von der Per» sassung borgeschriebene Gelöbnis vor den gewählten Vertretern des Volke» abgelegt, welche namens diese.» Volkes Ihr Gelöbnis entgegennehmen. Seien Sie uns, teuerer Herr Präsident, auch weiterhin der gleiche Führer und Berater, der uns in den schicksalhaftesten Nationalen Zeiten von der Vorsehung zuteil wurde und dessen Name in der Geschichte der Nation und des Staate» für ewige Zeiten leben wird. Ich beglückwünsche Sie herzlich auch im Namen der Nationalversammlung. Dem Präsidenten der Republik Släva, Släva, Släva!" Die gesamte Nationalversammlung brach in neuerlichen stürmischen Beifall und in Slävarufe aus. Stankt übergab die Leitung der Sitzung seinem Stellvertreter Stibin, dem nur die Schließung der Sitzung um 1V Uhr öü oblag. Masarhk wurde von Stankt, Soukup, dein Vorsitzenden der Regierung nnd dem. Kanzler Samal herzlichst üegliicklvünscht und u^iler neuen Beifallsstürmen der Anwesenden wieder zum Aus, gang geleitet. Der Saal leerte sich schnell, da alle» in den dritten Burghof drängte, wo der neugewählte Präsident die Front der Ehrenrotte abschreiten sollte.• Nach lurzer Pause erschien Masarhk auf dem dritten Burghof in Begleitung der beiden Vorsitzenden Stanik, Dr. Sonkup, des Vorsitzenden der Regierung Malhpeler sowie des Verteidigungsministers Bradac und des Innenminister» Dr. Cerny. ES ertönten die Fanfaren au» dem Vorspiel zu Smetanas„LibuSe" und aus der Ferne ertönten wieder*21 Kanonenschüsse. Die Ehrenkompagnie leistete die Ehrenbezeugung. Der Präsident grüßte die Fahne des 5. Regimentes, das seinen Namen trägt, und nahm die Besichtigung der Ehrenrotte vor. Damit waren die offiziellen Feierlichkeiten aus der Burg beendet. Die cidbrüchischen Diktatoren ringsum hätten ob diesen Schauspiels vor Neid erblassen müssen. Hier ist ein Mann, der nicht mit VersassungS- brnch und Gewalt, sondern durch la»iteren Charakter, durch Ehrlichkeit seiner Gesinnung nnd durch wahrhaft volkstümliches Wirken die große Mehrheit eines Völkerstaates um sich geschart und den Staat glücklich durch alle Nachtriegswir- ren geführt hat. Zum zlveitenmale schon haben die Vertreter der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterschaft ihre Stimme»» für die Wiederwahl MasarhkS in die Waagschale geworfen.Ssx.sqyn- ten eS auch diesmal tun in dem Bewußtsein, damit den einmütigen Willen ihrer Anhängerschaft z» vollstrecken. Denn indem die deutschen Sozialdemokraten für die Wiederwahl MasarhkS einge- lreten sind und sie im ganzen Lande freudigen Herzens feiern, dienen sie ihren alten Idealen der Menschlichkeit, der politischen und der sozialen Gleichberechtigung. Festliches, freudig erregtes Prag Die Hauptstadt trug an diesem Tage nichl nur Festkleid, sondern ein freudig-erregtes Antlitz, das die von jedermann dem Ereignis ge- 0sk feierliche Gelöbnis auf die Verfassung i zollte Bedeutung widerspiegelte. Jedermann schien erneut nnd doppelt das Glück zu fühlen, in diesem freien Staat leben zu dürfen, unter eine/n Oberhaupt, das die Bewunderung und Verehrung aller geniefn. Und so Ivar Leun auch da» Echo von Masarhk« Fahrt durch nicht» anderes al» Beweis der Liebe, des vdr*tf#ii« c n» und de»' Verehrung, die ihm von der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied der Nation, der Klasse nnd der Partei dargebracht wird. Der Festzug nach der Wahl des Präsidenten nahm seinen AnSgang vom dritten Burghof nnÄ ging über die Staubbrücke zur Chotkova und wandte sich dann zum Klärov. Der ganze Weg durch Prag war eiugesäumt von dichten Massen der Bevölkerung, hinter dem Spalier, das von Soldaten in voller Ausrüstung, mit Stahlhelmen und aufgesetzten Seitengewehren, in Habiachtstellung. gebildet wurde. Ueberall waren die öffentlichen und privaten Gebäude mit Fahnen geschmückt und die mif den Straßen brennenden Laternen bildeten eine festliche Beleuchtung. Da» Publikum begrüßte den Präsidenten mit herzlichen Ovationen. Den Zng eröffnete ein berittener Zug Polizei, 'hinter dem der Wagen de» Polizeipräsidenten Dr. Dolejö fuhr. Es folgte ein Zug des Kavallerieregiment» Nr. 1 mit einer Trompetergruppe. Hinter ihm fuhr in einem Wagen der Ches der Militär- kanzlei des-Präsidenten General Blaha nnd der Arzt des Präsidenten Dr. M a i x n e r, in einem zweiten Wagen Kanzler Sämal mit dem Gesandten Slrimpl. Der Kommandant der Burgwache Oberst Seidl i führte die Ehrenwache, an deren Spitze die Präfi- dentenslagge getragen»vurde. Dahinter fuhr ein dritier Wagen mit dem Präsidenten der Republik und dem Vorsitzenden der Re- gserung. Dem Wagen de» Präsidenten folgte ein zweiter Zng Kavallerie. Ein Zug berittener Polizei schloß den Zug. Die Wagen wurden durchweg» von Schimmeln gezogen. Hinter der Stäubbrücke schlossen sich dem Zuge de» Präsidenten zwei Automobile mir Journalisten an. Boni Klärov, wo der Präsident von stndenti- schen Korporationei» begrüßt wurde, f»»hr der Zug über die Mänes-Drücke, über den Platz vor dem Parlament, wo sich ein besonder» großes Publikum angesan»melt hatte, und weiter durch die Kaprova zur orthodoxen St. NiklaS-Kirche, wo er an einer starke»» Gnippe russischer Legionäre vor- beikam. Längs der Front der m»ßer Dienst befindlichen Offiziere und Rottmeister der Prager Garnison auf dem Plav gegenüber dem Al«< städter Rathaus nahm der Zug den Weg zum Eingang in das Altftädter Rathaus. Vom Altstädter Rathaus ging der Zug, nachdem der Präsident vom Grabe des Unbe- kannten Soldaten zurückgekehrt war, durcki die Celetnä zum Pulverturm und von dort über den Graben und das Drück«! durch die Närodi»!, wo sich dichte Ansamnilungen von Angehörigen der tschechoslowakischen natinalsozialistischen Partei einge- fiinden hatten. Als sich der Wagen mit dein Präsidenten ,md dem Vorsitzenden der Regierung dem Nationaltheater näherte, ertönten von dem mit Teppichen, Fahnen und Blumen reich geschmücktem Balkon des Theater» die Festfan- f a r e n von Waldhörnern. 1» Unsere Töchter, die Naxinen Roman von Harmonie Zur Mühlen „Sie haben ein zu gute» Herz, liebe Frau Doktor," sagte sie...Aber es ist unklug, nicht zwischen Feinden und Fre»»ndei» unterscheiden zu können." Ich nickte u»rd erwiderte: „Tas sagt ja auch mein lieber Manu immer." „Ihr Manu ist ein zurückhaltender, seiner Mensch", meinte die Frau Major.„Aber..." Sie stockte. „Was»vollien Sie sagen?" fragte ich. »„Fch möchte mich nicht in Ihre Angelegenheilen einnlischen, liebe Frau Doktor. Aber ich finde, e» ist jetzt an der Zeit, Farbe zu bekennen." Arthur und Farbe bekennen I Fast hätte ich gelacht. Doch fühlte ich mich gleichzeitig unbehaglich. Ich war ja so gern bereit, Farbe zu bc- kcuuens aber welche? Die Frau Major kau» mir zu Hilse. „Nicht wahr, für i«nS Menschen mit einer guten Kinderstube gibt e» nur eine Partei." „Selbstverständlich" erwiderte ich, und dachte bei mir, lvcnu ich nur wüßic, welche? Die Deutsche Volkspartei, das Zenirum, die Deutschnationalen? Wir hatten früher bei den Tees immer sorgfältig vermieden, von Politik z»i sprechen, deshalb kannte ich mich nichi mehr aus. „Wir halten so viel von Doktor Feldhüter", fuhr die Frau Major fort". Er ist eii» ausgezeichneter Arzt, eii» musterhafter Gatte und Vater. Wir freuen unü immer wieder über das schöne Familienleben, daS Sie zusammen führen." Ich lächelte. „Ja, Frau Major, ich darf wohl sagen, wir sind heute, nach mehr als zwanzigjähriger Ehe, ebenso glücklich wie am ersten Tag." „Wie wohl cS einem tut, so etwa» zu hören, 1 1 bei der immer mehr einreißenden Sittenverderb- uis. Das deutscke Heim, die deutsche Familie. An ibr wird nicht nur unser geliebtes Vaterland, sondern auch die Welt genesen." Ich sagte:„Ja" und dachte bei mir: ..Dumme GanS, lveühalb sagst du nickt endlich, lvelche Partei du ineinst." „Dieses zutiefst religiöse Familienleben", die Frau Major war in ihrem Fahrwasser.„Ich möchte nicht ungerecht sein, aber ich glaube, daß man eS nur bei evangelischen Christen findet." Also nicht Zentrum, daS wenigstens wußte ich nun.« „Ja, ick fürchte, die Katholiken nehme»» es nicht so ernst", antwortete ich.„Aber Sie wissen ja, liebe Frau Major, daß wir beide, sowohl mein lieber Mann als auch ich, evangelisch sind." „Ich weiß, ich weiß, und ich freue mich darüber. Mischehen sind immer eine gefährliche Sache."- „Ich hätte nie im Leben einen Andersgläubigen heiraten können," erklärte ich. Die Frau Majorin schwieg, doch hatte sie offensichtlich noch etwas aus dem Herzen. Ich griff nach meiner Teetassc, um nicht reden zu müssen. Die Frau Major gab sich einen Ruck. „Eine so gute Frau und Mutter, ein so ehreuloerter Mann lvie der Herr Doktor gehören »virllich in unsere Parte»." Ich hatte ihr ins Gesicht schlagen mögen, unsere Partei, was sagt sie nicht gerade heraus, »vaS sic ineiut, was läßt sie mich raten? „Und auch Ihre reizende Tochter", setzte die Frau Masor hinzu. Zum ersten Mal in meinen» Leben empfand ich Sehnsucht nach Arthur. Der weiß von jedem, welcher Partei er angehört, der kennt dic Gesin- n»u»g von jedem Menschen in unserem Städtchen. Ich habe ihm öfter gesagt: „An dir ist ein Spitzel verloren gegangen." Und dann erschien immer auf seinem Gesicht ein geheimnisvoller, fast grausamer Ausdruck, und er entgegnete: „Man kann nie wissen, lvozu es einmal gut sein wird." Ich verstehe, daß man alles aus»»ützt, um eine bessere Position zu erlangen, aber dieses nutzlose Wissen um Menschen, dieses sinnlose Sammeln von Einzelheiten, nein, in solchen Augenblicken war mir der böse Krüppel, den ich geheiratet hatte, stets ein wenig unheimlich. Außerdem ärgerte es mich jetzt, daß er mich nicht übex die Ansichten der Familie Schilder aufgeklärt hatte. Aber er ist nun einmal so, er mißtraut allen Menschen, sogar seiner eigenen Frau. Die Frau Major goß meine Tasse von neuem voll, und ich verbrannte mir den Mund ai» dem heißen Gebräu, das ich sofort hjnunter- schluckte, nur um nicht sprechen zu müßen. „Ich bin ja so glücklich", sagte nun die Frau Major unvermittelt,„daß eö jetzt in unserer Stadt einen Luisenbund gibt. Da könnten sich alle treffen, die zusammengehören." Sie sah mich erwartungsvoll an. „Ja", meinte ich etwas erleichtert, denn nun begann ich mich auszukennen.„Ja, cs war die höchste Zeit." „Wir dürfen also auf Sie rechnen, liebe Frau Doktor?" Die Stimme kla»»g zuckersüß, aber mir fiel gerade in diesem Augenblick ein, daß di« Frau Major bei jedem Krankheitsfall den Doktor Bär rufen läßt und nicht meinen Mann. Sie hat sich einmal gewissermaßen bei mir darüber entschuldigt: „Nicht wahr, liebe Frau Doktor, Tic nehmen eS»mS nicht übck? Der Doktor Bär hat uns behandelt, lange ehe Sic und Ihr lieber Mann herkamen. Er hat schon meine Schwiegereltern behandelt. lind da, nicht wahr.. Ich war damals noch neu in ihrem Kreis und heilfroh, endlich in der guten Gesellschaft zu Verkehren. Ich stimmte ihr zu. Jetzt jedock glaubte ich, sei der Augenblick gekommen, auck finanziell etwas für uns zu erreichen. „Darf ich ganz aufrichtig fein, liebe Frau Major?" fragte ich. „Aber»»atürlich, ich bitte Sie darum." «Sehen Sie, mein Ma>»>» ist in keiner Partei, er findet, daß ein Arzt nur den leidenden Menschen sehen niuß. Aber ich weiß genau, wie sehr er mit ihrer Partei sympathisiert. Er bat häufig zu mir gesagt: wäre ich doch Rechtsanwalt, oder Architekt, oder irgendetwas, nur nicht Arzt. Dann könnte ich meine Gesinnung frei vor aller Welt verkünden. Aber als Arzt hat man die Pflicht, nach a»»ßen hin ne»»tral zu fein. Der Menschheit zuliebe. Trotzdem, das darf ich Ihnen nicht verhehlen, liebe Frau Major, hat es ihn tief gekränkt, daß gerade Ihr Kreis, die Menschen, zu denen wir gehören..." „Ich verstehe", sagte die Frm» Major." Wer Sic, liebe Freundin...?" „Ich muß natürlich erst die Erlaubnis meines Mannes haben. Wenn er es gestattet, und er wird es tun, so dürfen Sie auf mich zählen. Und auch auf meine Tochter", fügte ick efiva» unvorsichtig hinzu. Die Frau Major lächelte. „DaS ist recht." Und dann redeten wir von gleichgülfigen Dingen. Als ich Arthur von unserem Gespräch erzählte, meinte er: „Du hast dich ja ausnahmsweise ganz intelligent benommen. Ich habe auch nicht» dagegen, daß du dem Luisenbund beitrittst. Aber mich laß aus dem Spiel. Man, kann ja nie wissen. Abwarten." (Fortsetzung folgt.) 9fr. 120 Seite» geeita«, 25. Mai 1034 Wiif dem Masarbkkai waren Mitglieder der t s ch e ch o s l o lu rt t i f d> e n und der deutschen sozialdemokratischen Partei in großer HM versammelt, lieber die Karlsbrücke, durch die Kleinseite und durch die Nerndovn kehrte der Zug schließlich auf die Burg zurück. Vipiomatenempfans Am Nachmittag sand sich das diplomatische Korps aus der Burg ein, um Masarpk zu seiner Wiederwahl zu beglückwünschen. Die Glückwünsche brachte der interimistische Doyen des diplomatischen Korps Dr. K o ch, der Gesandte des Deutschen Reiches, dar. Masaryk erwiderte u. a>: „Es wurde mir die hohe Ehre zuteil, daß ich die Schicksale der Republik seit ihrer Entstehung lenke. Ich habe mich immer bemliht, sowohl auf die innere Politik in dem konstruktiven Sinne engster Zusammenarbeit der einzelnen sozialen Klaffen als auch ans die Anstenpolitik unter dem Gesichts- winkel friedlicher und kreundschastllcher Zusammenarbeit mit ollen Völkern ohne Unterschied einzuwirken. Wir haben seit Anbeginn eine Politik deS Friedens betrieben und werden ffe anch in Zukunft sorikenen. Ich vertraue, meine Herren, auf Ihre liebenswürdige Unterstützung. Gestatte» 3ie mir, hente zu sagen, daü meine höchste politische lleberzengnng eine vernünftige und ehrliche Politik war und sein wird. * Ilm 18 llhr fuhr der Präsident nackt Sana. Bei der Abfahckt wurde er im ersten Burghof von einer dichtgedrängten Menschenmenge begrüßt. Anch die Genieinden auf dem Wege nach Lana prangten in Flaggenschmuck und die Bewohner bereiteten dem Präsidenten bei der Durchfahrt einen begeisterten Empfang. In Lana tvaren die Vertreter der Behörden und die Bevölkerung aus der zum Schloß führenden Allee versammelt. Beim Betreten des Schlosses bcglücktvünschite ihn der Gemeindevorsteher zur Wiedcrtvahl. Große Feiern in der Provinz ! Habsburger- Restauration i via facti Eugen In Wien vom Heereamlnlater Im Auftrag DoltfuB* begrüßt Wien, 24. Mai. Der über 70 Jahre alte , ehemalige Erzherzog Eugen, Vetter des Kaisers ! Franz Joseph I., ist nach Ibsührigem Aufenthalt in Basel in der Schweiz beute vormittag- in 1 Wien eingetroffen. Der ursprüngliche Plan, nach dein in Feldkirch, Innsbruck und Salzburg Begrüßungsfeier» lichkeiten der Landeshauptleute und Bischöfe und s der legilimistischen Verbände stattsinden sollten, 1 war auf den besonderen Wunsch der Bundesregierung anfgcgcben worden. Aus Angst vor Zwi- schenjällen lunrdc vor einigen Tagen halbamtlich I die erlogeneNachrickt verbreitet, daß dieAbreise des ! Erzherzogs vorläufig verschoben worden sei. Zum Empfang auf den> Wiener Wcstbahn» Hof hatten sich u. a. der LandcsvcrieidigungSmini- , ster(l) Generaloberst Fürst Schönburg-Hartenstein, ferner Anton Habsburg mit seiner Gemah- | lin Jleana, Herzog Max Hohenberg. Geiieral- I major Prinz Schwarzenberg und Polizeipräsident(!) Dr. Sende! eingesunden. Landesvertei- ! digilngöniinister Schönberg-Hartenstein führte in > seiner Begrüßungsansprache u. a. aus: „Bon ganzem Herzen begrüße ich Die in der Heimat und beiße Sie willkommen. Ihre Rückkehr, Kaiserliche Hoheit, in das nengeschaf» sene Vaterland ist ein Symbol dasür, daß nun alles Unrecht wieder guige» m a ch t w i r d. Ich überbringe Ihnen den I herzlichen Willlommeusgruß des Bundeskanzlers Dr. D o l l f u ß." Vor dem Bahnhof hatten sich ganze 200 bis . 300 Personen angesammeli, die Eugen Habsburg 1 bei seinem Erscheinen mit Hock'- und Heilrufen bc- [ grüßten. Eugen begab sich dann im Wagen deS i LandeSvcrteidigungsministers in die Stephans kirche und von dort aus zu Fuß in das Ordens« haus des Deutschen Ritterordens in der nahegelegenen Singerstraße. Eugen wird sich einige Tage in Wien aufhalten und sodann sein Domizil im OrdenShauS in Gumpoldskirchen nehmen. Es Knalls lustig weiser! Salzburg, 24 Mai. Gestern nachmittags explodierte im Stadtzentrum von Salzburg eine Bombe, wodurch einige Fensterscheiben zertrümmert wurden. In der Nacht folgten vier weitere Explosionen, eine hievon vor den« e r z« -bischöflichenPalais, eine andere vor dem Herz-Jes»-Institut. Der Sach- | schaden ist bedeutend. In den Abendstunden wurde in M» r z g bei l Salzburg durch die Explosion eines Sprengkörpers ' ein VlnmenkioSk zertrümmert, wodurch ein Schaden ! von 10.000 Schilling angerichtet nmrde. Die Rach- ! forschnngen nach dem vermutlichen Täter, einem be- ■ kannten kommunistischen Pnrteigiiiiger, sind ringe- ' leitet. befand, ivurdc gegen diesen bereits der Antrag jaus neuerliche Einlieferung nach Wöllersdorf gc ! stellt. Der Innsbrucker Sicherheitsdirektor hat mit ' Wirksamkeit vom 2 l, ds. verfügt, daß in den Ge- > meinden Innsbruck, Hötting und Mühlau ab 121 llhr jugendliche Personen unter 18 fahren vom Hauohaltungsvorstand im Hau» zu halten I sind. Ueberwältisende Mehrheit für Leon Blum Toulouse, 24. Mai. Auf dem Sozialistenkongreß erhielt die von Leon Blum ausgearbeitete vermittelnde Schlußresolutiou 3600 Stimmen gegen 237 Stimmen bei 300 Stimmenthaltungen. Die Resolution besagt, daß die sozialistische Partei in einer sogenannten„Tauermodilisie- rung" gegen die Reaktion von rechts bleiben und als Hauplausgabe ihrer kiinstigen Tätigkeit den »Kamps gegen den F a s e i s>n u s" betrachten müsse. der Stadt Hirschberg vom Stadtrat Gen. H e i n. r i ch herzlich begrüßt wurden. Nachmittags wurden im Heim B e. r u s s» wettkämvsen Heime der„Arbeiterfiirsorge" folgte Samstag, den 10, Mai, die von den Jugendgruppen des Allgemeinen Angestellten-Berbmwes zahlreich beschickte Ver- lbandsjugend konferenz, bei der auch diel Zentralgewerkschaftskommission Reichenberg, ieruer I die Verbandsleituug und die Kreisleitungen Reichen- j I berg, Warnsdorf, Bodenvach und Karlsbad des All« I ! gemeinen Angestellten-Verbandes sowie der Sozialistische Jugendverband und die KreiSgewerkschastS» ! lonunission Bodenbach vertretet» tvaren. Unter dem t Vorsitze de» HauptiugendleitungS-Mitgliedes S i g- tmantI(Teplitz-Tchönau) nahm die Konferenz die s Bericht« der Hauvtstigendleitintg(Berichterstatter (Müller, Reicktenverg- entgegen und erledigte eine Reihe von Anträgen organisatorischer und gewerl- ! schaftlicher Natur durch eiustimmige Beschlußfassung. I linier den» Titel„Unser Kamps" stellte der Haupt- jugendleiier programmatische Ausführungen zur s Aussprache, an der sich mehrere Redner beteiligten. In die Hauptjugendleitung wurden gewählt: Reif ! tAltrohlant, Schindler(Falkenau). Tei«I wert(Komotau), Sieber(Teplitz-Schünau), I Husch»er(Aussig), Scholz«(Warnsdorf), l Kreis(Reichenberg), Ginzl lJägerndorf) und ! die Ersatzleute. Mit einem mit stürmischer Zustim-1 ; inung anfgenounnenen begeisternden Schlußworte des| ' Berbandssekretärs Grünzner sand die arbeitsreiche l ! Konferenz ihren Abschluß. Pfingstsonntag marschierten die aus j i dem gesamten BerbandSgediete in erfreulich großer j Anzahl eingetroffenen weiblichen und männlichen ■ jungen Angestellten in einem mehrere hundert Teil- ! nehnier zählenden, durch die Wimpeln, die blaue| I Einheitskleidung und die frohen Marsch- und Kampf-1 fieber recht lebendig wirkendem Zuge zum Heim, wo sie durch den BerbandSjugendleiter mit einer zün- I denden Ansprache empfangen und auckt im Namen Eugen kehrt zurück »,Ps(! Seine Kaiserliche Hoheit!£s wissens ch schon alle, daß Sie da sind!" Jugcndkoniercnz des ElnhelSsvcrbandcs Ter Einheitsverband der Privaiangesiellten berief zu den Pfinftfeiertagen die Jugend zu Stunden tameradfchastlichen Beifammenseins und ernster Beratnng nach B ö h m i s ch- B u d w e i S. Sonntag nachmittags sand die I u g e n d• konferenz im Hotel„Hromädka" statt, die mit dem„Lied der Arbeit", den StaatShynmen und einem Sprechchor eröffnet wurde. I» seiner Er- össnungsansprache wicS Gen. Naver auf die letzten Ereignisie in tiuseren Nachbarstaaten bin und eiferte die Jugendlichen zu größter Aktivität an. Für den Jenlralvorsland des EinheitsverbandeS sprach Genoss« Weil tief empsimdene BegrüßungSworte. ES begrüßten di« Tagung Vertreter der beiden Parteien, der Vertreter des Allgemeinen AngrstellteuverbaudeS, der besonders herzlich begrüßt wurde, ferner der Vertreter des Odborovö fdruZeni öefkoslovenfkö. In dem Bericht des Zentralsekretariates der Jugendgriippen besprach Gen. Erwin Fuchs aus- ftiftrsich die Tätigkeit der Jugendgruppeu und der Zentrale. Er machte auf die Erfolge bei der Werbe- aktion, auf die Ertolg« der Kultur- und Erziehungstätigkeit aufmerksam und verwies auch auf die Erfolge beim sozialen Schutze der Lehrlntge. Er macht« auf das neue Privarangestelltengefetz aufmerksam, sprach über den Standpunkt der Gclvcrkschustcu zur Frage der Arbeitslager und die Bemühungen des EinbeitSverbaudeö zur Reform der Fortbildungsschulen, die in den nächsten Tagen schon konkrete Erfolge zeitigen werden. Wir stehen heut« vor ganz klar imiriiieiien Zielen. Wir stehen im Kampf gegen den FasriSmus, der gerade seine ersten Angriffe gegen die Gewerkschaften richtet, die eben durch ihre Arbeit dem Kapitalismus im Wege, stehen. D i e Iugendmuß d a r u m g e g e n d e n F a s c i S- ni u S a k t i» i s i« r t w e r d e n. Schließlich brachte Gen. Fuchs noch einige konkrete Vorschläge, für die kommende Arbeit. Ter Bericht wurde mit Beifall zur Kenntnis genommen. In der Debatte. sprachen vierzehn junge Redner, die dnrchloegs sachliche und wertvolle Anregungen und Informationen brachten. Der bisherig« Zentralobmann. Gen. K a tz e r. ist durch seine großen Verdienste, für di« Bewegung überhaupt derart mit Funktionen belasiei, daß er sich genötigt sali, auf die Funktion im Zentral- ausschuß zu verzichten. An seine Stelle wurde Genosse Georg K r a u S gewählt. Die Konferenz schickte ein Bcgrnßungste.le- grannn an den Präsidenten der Republik. Ter begeisterte Gesang der Jnternatioiiale und zum Gruße erhobene Fäuste bildeten den shinbolifchen Abschluß der Konferenz. Die Festakademi« im Sradttbeater zeigte einess erfreulichen Atisfchlvung aller Sprechchorgruppen „RESBOJS". Bei dieser Gelegenheit sprach mich Abg. Klein. Montag wurden Wanderungen und Fahrten in die Umgebung veranstaltet. Begeistert gingen die Delegierten auseinander, gestärkt in dem Glauben an die llnüberivindlichkeit der Arbeiterbewegung und den Endsieg des Sozialismus über alle feine Feinde. EF. Amerikanische Natlonalgardc schleDl in Streikende Toledo t Ohio), 24. Mai. Bei einem Zufammenstoü der Nntionalgardisten mit Streikenden wurden drei der Streikenden durch Schüsse getötet und sechs verletzt. Die Nationalgardisten machten, obwohl sie nicht den Befehl das» hakten, von der Schußwaffe Gebrauch, als sie durch Steinwürfe zahlreiche blutende Wunden davongetrngen hatten. Teilt 4 ftrcttntb 25. Mai 1934 Sr. 120 250 Tote durch einen Erdrutsch Hong ko an, 24. Mal. Bei einem katastrophalen Bergrutsch fiel Loktschang in bet Provinz ZNvnntnng haben, wir bcfiirrfitct wird, 250 Menschen das Leben cingcbliht.(Sine Teile deü ztaimnn-Berges stürzte plölstich rin unb v c r s ch it t t e t c ein Dutzend Dörfer. Die in ben benachbarten Flnü rollrnbrn Feld- unb Erbmassen verursachten eine hohe Flutwelle, bie Hn» bette von Booten zum Krnter n brachte. Nach bcin grosirn Erb- rutsch.einte sich die ganz mrrkwürbige Erscheinung, hast baS von ben grossen Erbmasse» zusam- mrnnebriingte Wasser an der einen Leite des Berges wie rin riesiger Wasserfall liervorquoll. IsScsncvlSkcttcn Der Unglücksschacht von Buggingen Biinnianrn, 21. Mai. Bon zuständiger«eite lvird niiineteill. das; ein Vordringen in den lln- glückostollen des Kalibergwcrkö Buggingen vorläufig nicht möglich ist, da die am Mittwoch borge» nominellen Ltzetlerproben gezeigt haben, das; sich in dem abgeriegclten Teil des Stollens noch Koh- lcnoxydgase befinden. Tie Wetterprobcn werden nun täglich abgenommcii und die chemischen Untersuchungen vom Chemischen Institut der Freiburger llniveriitär durchgesührt. AIS Ursache dcö lln- glücks isr einwandfrei St u rs ch I u st fcstgcnellt worden. Die Bergung der 8" 6 toten Bergknappe» ist vor Aiifang Juni nicht möglich. Na-i-Gemeinheite« im Saargebiet Paris, 24. Mai. Die französischen Blätter berichten mir.Erbitterung über ztvci ernste antifranzösische Vorfälle. die sich im Saargebict gestern innerhalb einiger Stunden nacheinander ereigneten. Drei Diebe, nach Vermutungen der Blätter Agenten der Hitlcrpropaganda, brachen in Saarbrücken in die Direktion einer französischen Schule ein und entwendeten dort verschiedene Dokumente. In Saarlouis wurde eine Exkursion von ungefähr 40 französischen Studen- t e n aus Nancy von dortigen Nationalisten überfallen, die während der ganzen Dauer ihres Aufenthaltes in der Stadt deren Wagen bespien und die Insassen schmähten. Die NcgierungSkommission dcö Saargebietcs hat in beiden Fällen die Untersuchung eingeleitet. Die französischen Blätter drängen von neuem darauf, das; im Saargebiete die verläßlichen Polizcikräfte verstärkt lverden. Tandler au die New Vorker Universität Wien. Kürzlich wurde gemeldet, das; der ehemalige sozialdemokratische Stadtrat, Prof. Tandler, einem neuerlichen Rufe an die Universität in Schanghai Folge leisten werde. Jetzt wird nun bekannt, daß Prof. Tandler auch einen Ruf an die Universität nach New Aork erhalten hat, dort Vorträge zu halten. Prof. Tandler ist entschlossen, zunächst diesem Rufe Folge zu leisten und erst von New Jork aus die Reise nach China zu unternehmen. Er Ivill aber nicht in China bleiben, sondern von dort aus wieder nach New Jork zurückkehren und dort dauernden Aufenthalt nehmen. Selbstmord auf dem Grad der Mutter Brüx, 24. Mai. Der 35jährige in Brür wohnhafte Pächter einer Benzintanlstelle, Rudolf Lehmann, wurde heute früh am hiesigen Friedhof auf dem Grabe seiner Mutter erschossen ausgefunden. In einem liebevoll gehaltenen Ab- schicdsbriefe an seine Gattin teilt er mit, dast ihn geschäftliche Sorgen zu der Tat veranlagten und bittet, man möge ihn im Grabe Rekordstiegerii» geht ins Kloster Aus B n l a r c st wird uns geschrieben: Die, bekannte rumänische Sportfliegerin S m a-\ r a n d a A r a e S c u ist in ein Kloster cingctreten. Smaranda Braesen war nicht nur eine der wenigen rumänischen Sportflicgerinnen, sie hat auch bei einer Fallschirmabsprungs-Konkurrenz in Amerika die rumänischen Farben vertreten und bei dieser Gelegenheit durch einen Absprung auö einer' Höhe von über 7000 Metern den damaligen Sprungrekord für Frauen geschlagen. Smaranda Braesen ist auch heute noch Inhaberin des Rekordtitels, da ihre Leistungen seither nicht Überboten wurden. Die Fliegerin bereitet sich nun im Kloster nach Ablegung der Gelübde für die Missionstätigkeit im Fernen Osten vor. Der unerwartete Schritt der jungen und sehr beliebten Fliegerin hat begreifliches Aufsehen erregt. Blutiger stampf streikender Arbeiter Boinbey, 23. Mai. Zwischen Polizeibeamten und streikenden Spinnereiarbeitern ist es am Mittwoch zu schweren Zusammenstößen gekommen. Nachdem die Polizei den Versuch gemacht hatte, etwa 2000 Streikende mit dem Polizeiknüppel zu zerstreuen, wobei 12 D e m o n st r a n- t e nleicht verlebt wurden, gingen die S t r»eile n d e n zum Gegenangriff vor. Die| Polizei sah sich genötigt, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen, um die Streikenden endgültig zu zerstreuen. Sechs Personen erlitten S ch u ßv erlehunge n. Alter nud Jugend. T. G. M a s a r y k hat\ einmal gesagt, das; er auf eins stolz wäre —, darauf nämlich, das; er den Idealen, die er als armer Student verfochten habe, nie untren geworden ist. In diesem Bekenntnis des Präsi. deuten zn seiner Jugend liegt die tiefe Weisheit eines langen, fruchtbaren Lebens, das sich nic- nials seine Quellen verschütten oder versanden lies;. Dieser Staat, der aus den Stürmen des großen WeltgcwitterS geboren wurde, birgt viel Jugend, viel znkunftsträchtige, tatbercite In-, gcnd, die ans Werk zu lassen unser aller drin- s gender Wille ist. Dieses Temperament aber ge- j bändigt zu sehen durch die Erfahrungen und die abgeklärte Reife eines Alters, das aus den Er- kcnntnisscn der eigenen Jugend noch heute seine besten Kräfte zieht, ist gewiß ein seltener Glücks- fall für einen Staat wie der unsere, der in besonders hohem Maste der ausgleichenden Hand eines verstehenden, warmherzigen Lenkers bedarf. Alter ist kein Vorzug, und Jugend allein ist cs auch noch nicht. Nicht das Datum des GcburtS- scheins rechtfertigt, sondern einzig und allein die Leistung. Mafaryks Leistung, unbestritten und fast von jedem respektiert, gibt ihm daö Recht, das Steuer des Staates in der Hand zu halten. Es ist nicht allein die tiefvcrwurzelte Geistigkeit und die sittliche Kraft seiner Persönlichkeit, die ihn legitimiert. Ihn legitimiert, was er schuf, aber mehr noch, die unbeirrte Wachheit, mit der er im Leben unserer Tage steht. Dieser Präsi» dlnit des Alters ist auch ein Präsident der Jugend. Zur Jugend zu gehören ist ja nicht allein Sache des Temperaments, sondern in weit höhe- rein Maste Sache einer Gesinnung. Eine noble, sozial aufgeschlossene Gesinnung, die nicht mit dem Schlagwort düpieren, sondern durch der- antwortungsbcwustte Leistung überzeugen will, das ist fyr uns, die wir die Wahrheit finden, und nicht demagogisch billige Gefühle erregen wollen, die Gesinnung der Jugdnd. T. G. Masa- ryk ist sünfundachtzig Jahre alt. Sein Mer ist der Garant sachlicher, von Affekten ungetrübter Staatsführung, seine Persönlichkeit der Garant für die Jugend eines Volkes, die sich in diesem Fünfundachtzigjährigen verkörpert! Schwäch, linge und heuchelnde Schnicichler haben dem unkritischen Teil der Jugend die Köpfe verdreht. Dieser Teil der Jugend zählt die Jahre, und nicht die Leistungen. Das ist nicht jugendlich, sondern sehr greisenhaft gedacht. Greisenhaft nicht im Sinne physischer Entwicklungsprozesse, sondern greisenhaft im geistigen, im menschlichen Sinne. T. G. Masaryk, dem das Volk am Donnerstag zu seinem Präsidenten wiederwählte, ist eine lebendige Widerlegung des Clichts vom Alter und von der Fugend. Wären alle Alten so wie dieser, so wäre das Alter kein Probien; mehr. Es ist nicht jeder im Alter ein Masaryk, gcwis; nicht. Die Fugend wird sich niemals dem weihen Haar beugen, tvenn sie dieses weihe Haar nur als Symptom einer fortgeschrittenen Arterienverkalkung registriert. Aber' sie wird die Brücke über alle Jahrzehnte finden, wenn sie sicht, das; ein Mensch, ringend und sich seiner Beschränkung bewusst wie nm! eben ein Grostcr, am Abend seines Lebens die Fäden seines Anfangs so stolz und geradlinig in der Hand hält! Blume» auf Wallisch'S Kampfplatz. Dem OND wird auö Obcrstciermark berichtet:?lls Zeichen ihrer iiiilvmidelbiiren Treue für Koloman Wallisch haben die Brücker und die Kapfenberger Arbeiter am 1. Mai aus dem Hochanger, wo die Schiitzbunbablcilimgcn Wallisch'S gekämpft haben, Bliimen und Kränze niedergelegt. Liierarischc Autarkie im Dritten Reich. Die Reichsschrifttumokammer, also die braune Zwangs-Innung der rcichSdeutschcn Aulvrcn, hat beschlossen, die Einfuhr und Ausfuhr von Buchern über die Grenzen des Tritten Reiches einer in Slullgiirl zu erricht enden Kontrollbehörde zu nn- Icrslellen. Jedes Buch, das von ausländischen Verlegern an reichsdenlsche Buchhändler oder Privatpersonen gesandt ivird. soll diese Kontrollstelle passieren und nur mit ihrer Gcnehniigung dem Besteller auSgehäudigt werden. Die Furcht vor der geistigen Vcciuflusiimg der Untertanen Hitlers und vor der gefährlichen Konkurrenz der nicht zur Gleichschaltung vcrurlcilicn Autoren im Ausland macht diesen Versuch einer Absperrung des reichsdeutschen Publikums gegenüber der europäischen Literatur begreiflich. Wenn zu gleicher Zeit verlautet, das; die geplante Konirollbchördc(mit einem Stab von 120 Lcklorcul) auch die Bücher« Ausfuhr überwachen und entscheiden soll, welche rcichSdeutschcn Verlagstvcrkc ins Ausland gehen dürfen und welche nicht, dann darf man diese „freiwillige" Ausfuhrbeschränkung tvohl als einen plumpen Versuch ausfassen, den stürmischen Rückgang dcS rcichsdcutschcn Bücherabsatzes im Ausland als selbstgelvolst hinzustcllen— aber vielleicht auch als eine Vorsichtsmaßnahme gegen da* Bclanntwerdcn der übelsten Schnndprodukte aus der Nazi-Schriftstellcrci in den nichtfascistischcn Ländern. Die Zerstörung der Kultur. Wie dem OND aus Wien berichtet Ivird, hat die Regierung Doll- fust die B ü ch c r g i l d e Gutenberg aufgelöst. Die Büchcrgilde war eine Vereinigung, die der Verbreitung von Büchern diente. Nachdem die nationalsozialistische Regierung in Dcntschland die Büchcrgilde aufgelöst halte, machte sich die Büchergildc in Oesterreich, der Schweiz und der Tschechoslowakei selbständig und pflegte die auö Deutschland verbannte Literatur. Nun hat die österreichische Regierung aus sascistischer Knlturfcindschaft die Büchorgilde, die 8 0 0 0 bsö- 0 0 0 0 Mitglieder zählte, aufgelöst und damit der Hitler-Regierung einen Liebesdienst erwiesen und das österreichische Verlagswesen geschädigt. Arbritrrcigentum wird gestohlen. Jin großen! Gcmcindcbau WinarSkyhvf im Arbciterbezirk Brigittenau kam es dieser Tage zu einer ernsten Prügelei zwischen den christlichsozialen„Sturmscharen" und der Heimtvchr, da beide daö dort befindliche Arbeiterheim ausrauben wollten. Die Heimwehrler siegten und trugen alles, tvnö im Arbeiterheim nicht niet- und nagelfest war, davon. Brand durch Funkcnflug. Bei Kumm e r- putsch im Bezirk Brüx geriet gestern nachts infolge FnnIcnflugS von einer Lokomotive ein an der StaatSbahnstrcckc befindliches, mehrere 1000 Stück Umfassendes Lager von Schwellen in Brand, wobei 800 Schwellen vernichtet wurden. Die Löscharbeiten waren infolge Wasiermangelö sehr schwierig. Der Schaden dürfte 6000 XL betragen. Infolge der ungeheuren Rauchentwicklung sammelte sich eine g r o st e M c n s ch e n m c n g c am Brandplatz an, da man glaubte, das; ein Wetterschacht bei Maria-Ratschitz brenne. »I. ARBEITER- PRAG 71. Juli S 5. bis 8. Juli Starke Anölanböbeteiligimg. l 4 S t a a i e n sind bereits zur Teilnahme angemeldct. Durch graste Expeditionen wird Amerika vertreten sein, von wo nach zwei Schiffe komiNen, lveiter die Schweiz, Jugoslawien und Polen. Von den übrigen Staaten haben Belgien, Dänemark, England, Finnland. Fraukrcicki, Holland, Lettland, Palästina, Rumänien und Ungarn ihre Teilnahme zugesagt. O e str• reich mib Deutschland werden durch die A r- beitcr-EMigration vertreten sein. Drei Todesopfer eines Nebungsslngr». Ein Schweizer Militärflugzeug unter der Füh:ung eines Leutnants mit einem Pasiagier an Bord stieß bei einem llcbnngSflugc aus imbxkannter Ursache plötzlich auf daö Stanscrhorn bei Stans im.Kanton Unterwalden auf. Die beiden Insassen waren auf der Stelle tot. Die Flieger Pond und Sabelli, die von New Kork zu einem Tauerflug nach R o m aufgc« stiegen ivaren, jedoch in Irland eine Zwischenlandung vornehnien muhten, sind nunmehr am Donnerstag um 0.33 Uhr von Dublin gestartet, um ihr Endziel Rom zn erreichen. Sie mußten aber um 9.20 lihr bei AbcravonS in der Nähe von Swansea wegen der gleichen Motorstörung notlanden, die bereits die erste Störung verursacht hatte. Die heutige Störung erfolgte auf halbem Wege über der Irischen See. Nur dem guten Wetter haben cö die Flieger zu danken, dast sie sich wieder erheben und glücklich landen konnten. Sckiüsse gegen ein japanisches Konsulat. Au- Tokio wird gemeldet: Am 20. Mai wurden gegen das japanische Konsulat in Chabarowsk laut einer Meldung des dortigen japanischen Konsuls niehrcrc Schüsse abgefenert. Laut derselben amtlichen Meldung zerschlugen die Projektile den Fensterrahmen und beschädigten auch einen Kasten. Ein ähnlicher Zwischenfall ereignete sich'bereits am 21. April: aus diesem Grunde wurde gegen diesen Zwischenfall bei den lokalen Sotvjctbehördcn protestiert. Eine Hinrichtung in Frankreich. Gestern früh wurde in Epinal mit derGuillotine ein 81jähriger Mörder hingcrichtet, der im Herbst vorigen Jahres eine Bäuerin beraubt und ermordet hatte und dann den Bauernhofanzün« d e t e, nm die«puren seiner Tat zu verwischen. Vom Rundfunk Die Funkhörerzahl der ganzen Welt Wie eine amtliche Veröffentlichung der Union Internationale der Radiodiffusion in Gens mittcilt. ist die Zahl der Funkteilnehmer auf der ganzen Welt im Jahre 1933 um 20,000.000 gestiegen und erreicht augenblichlich insgesamt 180,000.000. Obwohl einige Länder keine genauen Angaben machen konnten, handelt eö sich hier nicht um eine oberflächliche Schätzung, sondern nm das Ergebnis einer Untersuchung, welche die Union bei den einzelnen zuständigen Rundfun kkürperschaftcn angestellt hat. Namentlich in Amerika erlangt der Automobilfunk eine große Bedeutung. Ende 1933 betrug die Zahl der Kraft- wagcnempsängcr in den Vereinigten Staaten allein schon ungefähr 1,000.000. Die Zahl der Funlteilnehmcr in Nordamerika und in Europa ist nahezu gleich, nämlich etwa 20,500.000. Für Europa ist dabei jedoch noch nicht die erhebliche Zunahnic berücksichtigt, die Rußland in den letzten Jahren zu verzeichnen hatte. Die dortige Funk« hörerzahl belauft sich bestimmt aus mehr als 2,500.000. Asien steht unter den Weltteilen an zweiter Stelle, was hauptsächlich auf den Anteil Japans zurückzusühren ist. Dieses Land meldet eine wöchentliche Zunahnic von 7200(gegen eine vorjährige von 6150). Tic Angaben über Südamerika sind nicht ganz zuvcrläffig. Chile soll dort mit einem Prozentsatz von 46 führen; Argentinien, Chile und Brasilien zählen zusammen rund 800.000 Hörer. In Australien und Afrika ist das Funkintcrcsse sehr im Steigen begriffen und man erwartet dort im Laufe dcö Jahres eine beträchtliche Zunahme. Zu erwähnen wäre noch, daß Dänemark und Großbritannien lekstercs mit einem Apparat je sieben Einwohner) die Sätti- gungögrenzc nahezu erreicht haben. Empfehlrnowertes aus den Programmen: Sainötag. Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 17.05 Schallplatte». 18.05 Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Zinn 50. Geburtstag von Max Brod. 20.25 Drei Hofnarren des Kaisers Rudolf, Hörspiel. 22.15 Tanzmusik. 22,30 Nachtmusik.— Sender St.: 14.30 Leichte Musik auf Schallplatte». 15.10 Deutsche Sendung: Bekannte und unbekannte Lieder von^Hngo Wolf. 18.45 Dr. Libleky: Kinder im Gewerbe.- Brünn: 11.05 Vormittagö- konzert. 17.45?'irische Sendung: Stunde des Frauenquar:,— Mühr..Ostrau: 18.15 Daö Antlitz Verba inner Dichter. 21.00 Operettcn-Pele- Mele.— Hamburg: 10.00 Mandolinenkonzert. 19,30 Joh. Seb. Bach: Streichtrio.— Leipzig: 18.20 Operetteminisik.— Wien: 15.50 Jugendbühne. 18.00 Chorkonzert. 22.15 Abendkonzert. Der erste Tag in Theresienstadt Die Arbeitsgemeinschaft ckcr Jugend erhü It Arbeitskleidung und Schuhe «r. 120 Freitag, LS. Mai 1931 Sfitc 8 i I eigener i Pioniere I noch einmal zu in Potsdam um! um den Polizei- 'S Angeklagten »amsamvalte». nun in vor der Anode ft-- „Ehrenerftärnng! Ich neftme hiermit meine Nachrede, Fra» Anna Wenzel, NürnbergA, vordere Karrbänsergasse 12, hafte vor Ostern den Laden des Juden Salfterg besucht und sei hierbei photographiert worden, als umoahr mit den« Ausdrucke des Bedauerns zurück." Inserat in einer Niiriibrrgcr Zeitung, sorgen der Gleichgcödetenl gesehen und konnten seststcllcn. Alles steckt ist. wie schon gesagt. Die teuren ausländischen Maschinen nicht so miSgeniitzt, wie es notwendig Prag, 24. Mai. Heute wurde das Bcweisvcr- sahren gegen den des Kraluper SparkaisenüberfallcS und anderer Verbrechen angeklagten Johann Sindelar fortgesehi, wobei 87 Zeugen cinvernommen wurden. Zunächst begab sich der Gerichtshof mit den Geschtvorcncn und Zeugen in den Hof des Preisgerichtes, wo das ominöse I i ch t g r ü n e Auto, das eine so große Rolle int Beweisverfahren spielt, Gegenstand eines Lokalaugenscheines wurde. Die folgenden Zcugcnvcrhöre hatten vor allem Zweck, den Angeklagten als den Kraluper Rän- zu identifizieren. Zeuge Straka erklärte heute, nicht mehr mit voller Bestimmtheit zu erinnern, aber seinerzeit auf der Polizei und vor den« e S w i r b gearbeitet, und wenn' beispielsweise die neugegriindete Turbogeneratorenfabrik, die man uns zeigte, heute noch keine erstklassigen Maschinen liefern kann und wenn sie sie vielleicht auch noch in fünf Jahren nicht gc-! lieject haben wird: allmählich tvird sich doch das Werk..einspielcn", es wird erstllassigc Arbeit leisten und es wird mit seinen Maschinen die elektrische Energie für mächtige Textil- und Schuhfabriken liefern. Ebenso wie die westcurg- päische und amerikanische Industrie einer jahrzehntelangen Entwicklung bedurfte, ehe sie ihre heutige Aolllommenheit erreichte, so wird auch die rtissischc Industrie! a ll c Kinderkrankheiten d u r ch-, z n m a ch c n h a b e n. es tvird überall in den Getrieben kreischen und die Räder werden nicht so ineinandcrgreifen, wie eS notwendig und wünschbar lväre, aber schließlich werden diese Schwierigkeiten übcrlvunden. wenn keine Störun-! gen von außen diese Entwicklung hemmen. Deshalb auch die unbedingte Friedensliebe und Friedensbereit scbaft der Sowjetunion: sie lann keinen Krieg brauchen, der die Ergebnisse der ganzen bisherigen opfervollen Arbeit in Frage stellt. Weil man freilich andererseits weis;, daß im Kriegsfall alles auf dem Spiele steht, deshalb die ancntativ zur Schau getragene Bereitschaft zur Abwehr und zur Verteidigung, deren technische Nolwendiglciten tviedcr ihrerseits die Entwicklung der FricdcnS- prodnllion hemmen und verlangsamen. Eine Gesaftr erschien vor uns. als wir alle die gctvaltigen Ncnbantcn betrachteten: daß sich die Techniker an diesen» Planen und Schassen nicht allzu sehr berauschen und über dem Drang nach I immer weiteren» Ausbau den M ruschen nicht vergessen. Man lebt heute in Rußlaud im ! Wettstreit mit der ga»»zen Welt und da man industrialisiert, so geht die Tendenz dahin, die größten j industriellen Vorbilder, vor allein Amerika, zu I übertreffen. Man schtvelgt in Zahlen: die größte Fabrik, die größten Maschinen, die größten Häuser, die grüßten Kinos. Immer größer und»och größer: hier könnte der schöpferische Geist sehr unangenehme Grenzen finden, wen»» er»licht rechtzeitig das Maß aller irdischen Dinge erlcnnt und neben der Technik auch den Menschen gibt, was ihrer ist. Dock» wollen wir hossen. daß diese von einem wahren Feuereifer besessenen nicht inS uferlose abschwcisen. sondern auf dem Boden der naturgegebene»» Tatsachen bleiben. Dann tvird ihr Werk von Erfolg gekrönt sein und sie werde»» der Welt beweisen, daß der Opfermut »nid die UebcrzeugungStreuc von Millionen werktätiger Menschen daS große Wunde»' der Verbindung vo>» technischen» Fortschritt und gesellschast- I lichcm Wohlstand sertigbringen. den ber sich hat Untersuchungsrichter den Angeklagten mit Bestimmtheit als den Man»» erkannt, der ain 2. September vor der Sparkasse aus den» grünet» Auto stieg. Zeuge Novotny, ein früherer Kamerad des Angeklagten, ist etwa«inen Monat vor dem llcberfall mit Sindelar zufällig vor den» Haus der Kraluper Sparkasse zu- sammengctrosfcn, ivobei dieser gesagt habe, er sei deshalb nach Kralup gekommen» nm nachzusehen, „ob sich dieses Geldnest ausnehmen lasse". Ferner rühmte sich Sindelar bei dieser Gelegenheit, er habe mit zwei Komplize»» vor zwei Jahren eine Bank in Wettoarn auSgeraubt und sich für die Beute eil» Motorrad gekauft. Der Zeuge nahm damals diese Aeußerunge»» nicht ernst und erstattete erst Anzeige, als er von den» Kraluper llcberfall in den Zeitungen las. Der Zeuge erkennt mit Sicherheit in dem ihm vorgelegten Hut des Räubers, der un- locii des herrenlose»» Autor aufgesunden wurde, den l i ch t g r a u e n H»> t, de»» der A n g e k l a g t e am Tage vor den» llcberfall trug. Der Zeuge Viktor», der den Räuber beim Verlassen der Sparkasse beobachtet hat, erkennt gleichfalls den grauen Hut; daö Gesicht des Flüchtenden hat er nicht gesehen und stellt lediglich eine Aehnlichkeit in ber S l a- t u r fest. Andere Zeugen erklären, keineAebn- l i ch k e i t des flüchtende»» Räubers mit dem Angeklagten behaupten zu können. Interessant war das Verhör des Monteur« Piö> Frauen verbissen bei ihrer Aussage und warfen einander Lüge vor. Gegen Ludmilla T i cki>» läut» aus diesem Anlaß übrigen» ein Verfahre»» w e g e n falsche»' Zeugenaussage. Diese Alibizeugii» halte übrigens zur Tlühüng ihrer heutigen Darstellung zwei weitere Zeuge»» an« geboten, die beide in 2 t r ä s l i»»g s> r a ch t ander Strafhast vorgeführt wurden. Der eine, ein gewisser Otto A l e l> a ch. bezeugte, daß er tatsächlich an» 2. September mit der Tich» vor demKranken- ftaus gesprochen hafte.(Dieser Zeuge i»'k Berufsdieb und iivt gegenwärtig einige Monate ab.> lind endlich erschien der Gatte der Zengin, Josef T i ch n, der, Ivie erwähnt, ein Jabr avzubrummen hat m»d bezeugte seiner Frau, daß sie ihn wirklich am kritische»» Tag besticht habe. Damit Ivar das Z e u g e»» v e. r h ö r beendet. Ter Gerichtshof leftnie den. Antrag des Verteidigers auf Psuchiatrierung de ab, ebenso auch den Antrag de« S der die sofortige Inhaftnahme der Zeugin Tichl» wegen ihrer fragwürdigen Alissagen verlangte. Gege>» sechs llb» abends wurde die Verhandlung auf morgei» vertagt. Da« Urteil wird für n»orgen abends erwartet. rb. können, wird in müssen, um den beispiellosen Menschen nicht über klagten, der mit ihn» zusammcnlvohnte. Der Angeklagte hafte ihn seinerzeit fälschlich de« Diebstahl« bezichtigt, um von der Geliebten P i«k i t e l s, einem Mädchen ans vermögender Familie, G e l d z u erpressen. Ueberhaupt sei er „wie ein Drache hinter dem Geld« her" gewesen. Er ist auch schon dreimal vorbestraft, u. a. hat er schon einer Frau auf offener Straße ein Täschchen entrissen. An Geldmangel hat S i n d e• lai nicht gelitten, noch zuletzt hatte er 7000 Ui ans einem Sparbuch. Der Angeklagte soll mit dem Zeugen öfterSvonRaubplänengesprochen haften, waS dieser aber niemals ernst nahm. Er Tirllin reist um die Welt statt K£ 25 nur. K* 13.— Zentralstelle für das Bildungswesen Prag XII.. Slczskä 13 „Hundsgemeine Lügen gehen Man hat Tätlichkeiten erkunden. Präsidenten und den Ofterftiirgcrmciiicr herabzusetzen. ES ist von lügenhaften Lmnpen frei aus der Lnsl gegriffen, daß Polizeipräsident Gras Helldocf Selbst- mord verübt hat und Prinz Eitel Friedrich im Flugzeug nach Holland entflohen ist. Der Ofterftürgermeister." Ein knalliges Dementi l Aber cs muß Mion toll hergehen rund um den homosexuellen Hamissen- Mörder Helldorf, wem» derartige aiisgeregte oberbür- germeisterliche Communiaucs notwendig werden! Jüdische Tragödie In Tel Aviv ist es anläßlich de« jüdischen Proteststreiks gegen die von der englischen Mandatarmacht verfügte Beschränkung der Einwanderung zu schtveren Zusammenstößen zwischen der Polizei»ind der Bevölkerung gekommen. Zahlreiche Demonstranten wurden verletzt. Läßt sich die Tragödie deö Judentums von 11)34 umfassender umreißeu, als cS in der vorstehenden, aus Palästina kommenden Meldung geschieht?! Diesen Menschen, die, aus Deutschland, auS Polen, aus aller Welt emigriert, soeben eine neue Heimat gesunden haben, drohen schon tvicder knebelnde Ausnahmegesetze. Wem» England die Einwanderung beschränkt und den Zustrom südi'cher Arbeiter unterbindet, lvährcild ein empfindlicher Arbeitermangel der palästinensischen Industrie schwerste Verlegenheiten bereitet, so geschieht das gewiß nicht aus Antisemitismus oder auö reiner bürokratischer Uuvcruunst. Es geschieht in Verfolg der traditionellen englischen Politik, die Brücken nach zwei Seiten instand zu halten mid die Araber nicht z>» sehr gegen England auszubringen. Aber daö ändert nichts an der menschlichen Tragik dieser Vorfälle. Zum Nachdenken Ein Rieseninserat in reichsdemschen Blättern: „Dentscher Frühling— deutsche Schuhe! Ihr kauft bei...." Früher hat mm» sowaS eine»» faulen Witz genannt, im„Tritten Reich" der blutigen Clowns gilt es als sozusagen seriöse Reklame! Der Sparkaffenüberfall von Kralup Zweiter Tag des Prozeffes Hindeläk 37 Zeugen— Allerlei Indizien und ein merkwürdiges Alibi I sprach von llebersällei» inElbeieini«, Kralup' und K o l i n. Der Zeuge läßt durchblicken. daß er den Angeklagten nichtfürnormal halte. Aehn-' I lich lautete die Aussage deö Zeugen Hora, der den; Angeklagten zufällig kennen lernte und von diesem alsbald eiiigcladen wurde, sich au einem Bank- r a i» ft zu beteiligen. Der Angeklagte sprach da- i malS davon, er werde auf der Flucht Benzin lftinter sich anSsdtiitten und anzünden. um die Verfolger abzuhaltcn. Auch der Zeuge Linhart schilderte ihn als krankhaften Geldraffer, der keinen normalen Eindruck machte. Eine Gruppe von Zeugen erläuterte die bereits bekannte Auffindung des gestohlenen Autos. Die NachmittagSverhandlung stand, abgesehen von einer Reihe weniger bedeutender Aussagen, vor allem im Zeichen des .lkauipsrS um den Alibiftewets, den der Angeklagte in doppelter Richtung führte. DaS eine Alibi mißglückte sogleich. Sindelar hatte sich darauf berufen, daß er am kritischen Tag, dem 2. September, in der Frisierstube W ä ft e r in der Bre- dauergassegewesen sei, dadieserTag aberein Samstag war und daher auch besonders starke Frequenz herrschte, konnte der Inhaber der Frisierstube sich überhaupt nicht darüber äußern, ob Sindelai an diesem Tage bei ihm gewesen sei. Außerordentlich bewegt gestaltete»ich die Auseinandersetzung um daö z w e i t e A l i ft i, das durch die Zeugin Ludmilla Tichh auö S b e p r ab i c e bei Brandeis erbracht werden sollte. Der Mann dieser Zeugin sitzt gegenwärtig ein Jahr schweren Kerkers wegen Einbruchsdieb st ahls ab. In der kritische»» Zeit lag er aber im Prager Krankenhaus und seine Gattin bestätigte dem Angeklagten, er habe in der Nacht vom 1. auf den 2. September bei ihr geschlafen und sei am 2. September mit ihr nach Prag gefahren, wo sie ihren Mann im Spital besuchte. Dieses Alibi hat allerdings seinen Haken. Denn erstens einmal hat diese Zeugii»(sie ist nicht vorbestraft, aber schlecht beleumundet wegen ihrer Beziehungen zur llnter- Ivelt) bei ihrer er st en Einvernahme nichts von all dem gewußt und erst später diese Darstellung gebracht. Zweitens bestehen schwere Wider- s p r ii ch e zwischen der Aussage deö Angeklagten Sindelar und der seiner Alibizeugii» über Einzelheiten dieser Reise, lind drittens stehen in ihren Aussagen Tochter und eigene Mutter in grimmigem Zwiespalt. Die Mutter der Zeugin erklärte mit aller Entschie- dcnheit, daß diese die Zeit von Mittwoch bis SamStag(80. August bis 2. September) bei ihr verbracht und daher weder.mit den» Angeklagten gcschlafen habe, noch mit ihxp nach Prag gefahren sei. Bei der Konfrontation blieben beide „Hails, im Glück. Verlag Richard Kcukel. Dies ganz persönlich durchsättigte Buch lchilbert die Teilnahme am Feldzug im Westen vom Anfang des Krieges..." Buchbesprechung im„Völkischen Beobachter". Die Nazis sind gerade dabei, dem deutschen Volk dies„Glücks"-Ventil großzügigit offnen! SSiicAer zum 3Kindevta£! GEDENKET bal allen AhIImm der Arbeitertürsorgel ... v v v. t und der Ertrag dieser Arbeit setzt sich immer aufs neue um in neuen Werten, die dem weiteren Aufbau diciicu. Die EiilwickkmigSliuie dieses Ausbauö scheint bis nun durchaus logisch zu sei»». Da die Gesamt- wirtschaft vorläufig arm ist, hat mm» sich daraus ! konzentriert, die Grundlagen für die Deckung des s Selbstbedarfes zu schasse»»,»un sick) nach Möglich- I leit von» Ausland, also von der Tributpslichtigkcit ! und der Notwendigkeit der Ausfuhr von Arbeits- tverten zu befreien. So muhte man vor allem eine Produktionsmittelindustrie begründen, um daun die notwendigen Bedarfsgüter selbst Herstellen zu köuucn. Das erfordert naturgemäß Opfer der Bclciliglci», da sich der Arbeitsertrag vorläufig noch nicht in einer besseren Lebcuöhaltung ausniüuzl»md wir werden»och Gelegenheit haben, das Leben des russischen Arbeiters zu betrachten'und das llebcrmaß an Opfer»» zu erkennen, das ec dem Ausbau seines Landes br-iugen muß. Sollte aber das Land nicht an einer untragbaren Abhängigkeit von fremdem ! Kapital ziigrundegehci». so blieb lein andcrer Weg, als eben der Ausbau der„Schwerindustrie", der ! Kohlengruben. Eisen- und Elektrizitätöwcrlc. Maschiueusabrilei» usiv., um daun mit I Kraft die„Leichtindustrie", die B c d a c s S- g ü t e r i n d u st r i e ausbaucn zu C........ Das ist die weitere Etappe, die man nun Angriff ncftmcu Idealismus de»- russischen Gebühr zu beanspruchen. Wir haben Fabriken maucke technischen Mängel noch in den Kinderschuhen. unfertig. werden wäre, das Arbeitstempo ist verhältnismäßig langsam, die Qualität der Arbeit nicht zusriedeilstel- lend, die auS den meist erstklassige»» und modernen Maschinen daö beste herausholen könnten. Aber ;^russische greife II. Gowjetrutzland im Aufbau ».' Bon Josef Bklinn. Der erste Eindruck, den man inr bett svwjet-1 erstehen. Da das ProduktiouS- und Handelsrisiko russische»» Städten gewinnt, ist. daß mau aus in Wegfall kommen, kein Banke»»- und llnter- cinem ungeheuren Bauplatz nchmerprofit herausgeschlagcn werden müssen, gekommen ist. wo nun alles durcheinaudergeht. sind die Chancen der auf gesellschaftlicher Basis! Die Einfahrt in den Moskauer Bahnhof fiMl aufgebauten Produktion naturgemäß wesentlich! geradezu durch ein Chaos; man sieht aufgewor» I günstigere als in kapitalistisch--wirtschaftenden! feite Erdivällc, die als ll'utcrbau für ueuzulegcude Staaten und Produktivuseiuhcitcu. Denn hier ist Schienen gedacht sind, Neubauten von Fabrik- nicht das Geld der Maßstab des Wertes—, wenn« I gebäudcu und mächtigen Wohnblocks reihen sich gleich man seiner als eines formale»» Wertmessers aneinander, überall ragen die zierlichen Stahl- vorläufig nicht entraten kann—, sondern die! gcrippe oder die weißleuchteildci» Betonmaliern A r b e i t empor, Ciseubahnnnterführnngei» werden gebaut, lurz. allcuiftalbcu ist etwas los. Aber ckllcs fließt noch, es ist»ickit fertig und dieses Gefühl des Aicht-FerligieiilS verläßt einen auch während des ganzen Aufenthaltes in Rußland nicht. Man sicht, daß viel geschaffen wurde, daß aber noch viel mehr zn schaffen übrig blieb, soll die unter dem Zarismus vernachlässigte Entwicklung raschem Tempo nackige hott werden.. M o s k a»» war beispielsweise Revolution ein Torf von riesenhafter mmg. Sechzig Prozent der Häuser waren anL Holz erbaut, nur 14 Prozent wiesen mehr als zwei Stockwerke auf. Dazu ganz enge, unüber sichtliche Gäßchen, die eine architektonische Aus gestaltung des Stadtbildes nahezu unmöglich machten, wenn man mit diesem Getvirrc nicht auf- »änmci» wollte. Das gegenwärtige Regime besorgt kies in weitgehendstem Matze. Ai» allen Ecken»md Enden erstehen neue, mächtige Gebäude, vieles wird niedergerissen oder gesprengt, um neuem Platz zu mache» und man gewinnt die lleberzeu- gung. daß die Absicht besteht, im Lause der Zeit dieses ganze alte Moskau niederzureißei» und als moderne Stadt neu aufzubaueu. Neben den allen unzulängkichci» Wohnhäusern sind cs besonders die Kirchen»md Klöster, die bis ans wenige Aus- nahmcn dem Untergang geweiht sind. To bat man die riesige Erlöser-Kathedrale, die für mch» als 10.000 Personen Platz bot, in die Lnsl gc »vrcngt und aus dem gewouneue» Bauplatz soll ein mächtiges, zentrales Regiernngögebändc er, ilchen. Au einer anderen Stelle wurde ein gewal« »igcS Kloster gesprengt,„über Wunsch der Arbci- icr", wie man hiiizusügt, und statt seiner stehl mm ein„Palast der proletarischen Kultur" dort. mit Theater-, Kino- und Klnbräumcn. Die Peripherie der Stadt aber säumt ein Kranz von riesigen Jndustrie- betrieben, die viele Jchntauscude von Arbei- »cru beschäftigen. Mit Stolz lverdeu uns überall die. Ziffern verkündet: da ist die„größte Kugel lagersabril der Welt" mit 28.000 Arbeitern, da eine Dnnamokabrik^ mit 12,000, da die große Automovilsallrkk„Stalin" mit 24,000 Arbeitern. so daß aus einem verhältnismäßig kleinen Rami» drei Fabrikkolosse mit insgesamt 64.000 Arbei tern entstanden. Die vorhandene»» Betriebe wur de»» übernommen und technisch auSgcstaltet: eine große Textilfabrik, die früher 12.000 Arbeite» beschäftigte, wurde mit ileucu Maschinen versehen, rationalisiert, und leistet heute mit 8000 Arbci- »crn mehr, als mit dem früher um ein Drittel höheren Stand. Nicht anders in C h a r l o w, daö seit zehn Jahren einen phantastischen Aufschwung genom men hat und heilte 700.000 Einwohner zählt gegen 200.000 vor der Revolution. Man zeigt uns die große Landwirtschaftliche Maschinenfabrik „Sichel und Hammer". die 12.000 Arbeiter be schäftigt. eine Lokomotivfabrik mit Mehr als 10.000 Arbeitern, das in seinen Ausmaßen ge waltige Traktoremvcrl, daS mit den Nebcnbetrie- bcn 21.000 Arbeiter beschäftigt— wir durften eS nicht von innen besichtigen, da gegenwärtig osseubar hauptsächlich Tanks und sonstiges KricgS- »»aterial produziert werden—, eine Fabrik für Fahrräder mit 2600 Arbeitern und einer täglichen Ausbringung von 175 Rüdem, eine zu Neujaht eröffnete Turbogeneratorenfabrik mit 2260 Ar beitern, darunter 650 Frauen. Die Zentralver» waliung all dieser Mammutwerkc ist im Charkowe» JndustriehauS untergebracht, das in seiner Art ein technisches Wunderwerk ist und in 14 teils über, teils unter der Erde befindlichen Stockwer- tcn 72 Zcntralämter mit 0000 Angestellten beher bergt. ES ist Ministerium für öffentliche Arbeiten und Generaldirektion der Fabrikbetriebe zugleich, die modemeu Linien geben ein Gefühl der Kraft und des Selbstbclvußtseins und der Ausblick von der Dachterrasse eröffnet ein prächtiges Bild del schaffenden Arbeit, das niemanden gleichgültig läßt. Freilich erheben sich sogleich Bedenken, inwic- weit all dieser Aufbau zweckmäßig und für die Zukunft tragbar ist. Die in kapitalistischen Kate gorien denkenden Teilnehmer der Erkusion äußern ihre Zweifel, ob man hier nach den Prinzipien dss ehrbaren Kaufmanns vorgehe, Rentabilität, Ver- j kitel,Zeines früheren Ärbeitskanieraden des Ange- zinsung und Amortisierung bedenke. Aber diese Prinzipien haben hier keinen Platz, da eö sich nm cin grundsätzlich neues volkswirtschaftliches Sy stem handelt. Denn ganz Rußland ist eine gemeinsame Wirtschaft, ein über die Maßen rie siger, gemischter Betrieb, der nach seinen gemein samen Bedürfnissen aus dem Ertrag der gesell schaftlichen Arbeit investiert und das Geschaffene dadurch verzinst,„rentabel" gestaltet, daß er die notwendigen Lebensbedürfnisse der Angehörigen der Gemeinschaft deckt und dadurch„amortisiert", daß auS der Akkumulation des Ertrages der ge sellschaftlichen Arbeit neue Werke und neue Werte ! Vas Buch der Arbeiterkinder: Seite 6 „Sozialdemokrat Freitag. 28. Mai 19.31 Rr. 12» es, das; es de» so schlecht geht. Er schmunzelt, sie lese». Aber und die gleich- Zci- > solcher» Ivegen seiner Parteizugehörigkeit zu den Ullsteins kam. nein— die hat man mir allerdings nie vorwerfen können. Nur ein Jahr, Herr St»rin führe r, und schon versagt. Interessant. Ich führe meinen Besuch in eine kleine Kon- l ditorei, von der ich weiß, das; sie den Emigranten > kam» dem Namen nach bekannt sein dürfte. Hier [ erholt er sich. Beim guten Prager Kaffee. Hier wird er kühner.„Du." frag' ich,„wenn du auch kausmäunisch tätig bist, aber das wirst du mir doch sagen könne». Wie kvniint Zeitungen in Hitler-Deutschland Liest denn kein Mensch mehr?" „Hast du eine Ahnung. Und ob natürlich nicht die Parteiblätter geschaltete». Sondern ausländische tungen. Was nicht verboten ist, und tvenn es sich um das kleinste Käsc-Blait handelt, findet heute reibenden Absah in Deulschland. Es gibt nicht einen Zeitungsbäudler nrehr, der keine Auslandsblätter hätte. Ganz gleich, um lvelchc Gegend Berlins es sich handelt, ob im Norden, im Osten, in allen übrigen Proleiariervierteln laufen sich die Arbeiter genau so wie die Leute aus Charlot- tenbnrg und vom Knrfürstendainm ihre schweizer Zeitung.—„Aber sag' mal, woher iveis;t d u denn das? Wie lommst d i> überhaupt in ein Proletarierviertel?"— Er wiegt den Kopf hin und „Man macht sich doch seht so seine Gedan- Friihar hab' ich mich um Politik nicht geÜ'nn- >c-.S ist seht anders. Und dann will ich Zeit zu Zeit die Stimnumg beobachten. • ich Berliner Spaziergänge. Bon Nor- Tüden, von Osten nach Westen. Und da Sehr merkwürdig. Muis als Vermittler des Jnicrnaiiona- her. len. inert, doch von Da mach den nach hab' ich das eben beobachtet." Station^ liSmuS. „Und sonst?"—„Nein äußerlich hat sich nicht viel verändert. Es gibt weniger Mahnen und Uniformen im Slraßenbild. In München n o ch viel weniger als in Berlin. Die Masten sind unzufrieden. Das weisst du ja selbst von den lohten Betriebsratswahlen. Das Kleinbürgertum hat sich auch mehr erträumt, als in Erfüllung gegangen ist. Aber ehe solche Unzufriedenheit bestimmte Formen des Widerstands anninunt, darüber können vielleicht noch Jahre vergehe», wenn nicht..." —„Was?"— Der Besuch beugt sich lveit über den Tisch. Flüstert:„Wenn nicht die wirischast- liche Lage, die noch niemals so schlimm wie honte >var, sich gründlich zum Besteren ändert."— Ich lächle.„Das brauchst du gar nicht so zu flüstern. Es ist ein offenes Geheimnis, das; Deutschland keine Devisen hat und nickst weist, womit es künftig seinen Bedarf au Rohstoffen zahlen kann."— „Gewiss. Aber man darf es doch nicht so''aut sagen."—„Hier ja." Später bninmel» wir ein wenig durch die Strasten. Das Helle Entzücken des Mannes aus Hitler-Deutschland: die Prager Zei- tungSstände. So viele Zeitungen, Zeitschriften! In allen Sprachen, erfüllt von den verschiedensten Meinungen. Und es darf verkauft Iverden. Und öS wird gekauft! Der Zeitungshändler macht init meinem Bekannten ein gutes Geschäft. Er verlässt den Stand, beladen Ivie ein alter Sonderling vom linken Seine-Ufer.„Eigentlich wollte ich heute abend ausgehen", meinte er.„Aber schließlich, Theater— obwohl sie seht recht schlecht sind—, Restaurants und Cafes hab' ich in Deutschland auch. Doch das"— er deutet auf den Pack Zeitungen und Zeitschriften unter seinem Arm— „hab' ich nicht. Ich geh' auf mein Zimmer und werd' den ganzen Abend lesen. Das kann ick) ja hier ungestört tun."— Katja. Besuch aus Deutschland! Eiiior ist hiorhergekommeu. Einer aus deulschland. Aus dem Deutschland von honte. Er ist kein Emigrant. Er ivird wieder zurücklehren. In"die Heimat?„Es ist keine Heimat mehr für mich," sagi er mit melancholischem Lächeln.„Ich ui» ja Jude."— Iliid du hältst esl iropdem dort aus?"—„Das müssen ja so viele. Wenn mau sich einmal mit dem Zustand abgefunden hat, r e ch t l o S zu sei», dann geht'S. Ob ich nun in Paris oder Prag, in Amsterdam oder Kopenhagen lebe, ich bin doch überall in der Fremde. Denlschland hat ivenigjtens den Vorzug für mich.! das; ich seine Landschaft kenne, das; mau den Wor-, te» nach in derselben Sprache redet wie iw, das; ich l billige Restaurants weist..."—„Du lpist aber noch deine Stellung, dir geht es doch noch ganz gut!"—„Bis zum Ablaus meines Vertrages,! das ist Ende des Jahres."—„lind dann?"— .. Das weis; ich nicht. Das wissen ja so viele nickst.! Eines stehl fest: ein Jude, der heute in Deutsch-1 .and seine» Poste» verliert, ganz gleich, uni welchen Berns es sieb handelt, steht vor dem Nichts, ''.jemand ivird ihn einstellen, niemand darf ihn j aufnehnien. Ich bin dann ebenfalls gezwungen, iortzugehen. Tie jüdische Emigration dauert aus diesem Grunde natürlich an. Nur, das; sie sich Ist planmästiger vollzieht." Ich betrachte den Man» mir gegenüber. Er sieh! noch immer sehr gepflegt aus, er raucht noch immer eine gute Zigarre, rein äusterlich ist ihm nichts anzumerken. Nur bei genauerer Beobach« inug fällt aus: dec Besuch aus Hitler-Deutschland, ei« einstiger guter Bekannter, ist von verhaltener schweigender Nervosität. Dem Blick der Augen fehlt die frühere Gelassenheit, daö sichere Lächeln l'ehaglicher Lebensfreude, das ihm immer in den Mundivinlel» fast, ist verschwunden. Der Mann mir gegenüber Ivar nie ein Kämpfer, er hat sich um den Sozialismus nicht gekümmert, er fand die Welt so tvie sie war gut, weil eö ihm gut ging. Aber er war auch keineswegs ein Bösartiger. er Ivar gutmütig, fleistig, hilfsbereit, er liebte seine Familie, Bückier, Theater und ein gutes Essen. „Erzähl' mir etwas aus Deutschland."— Er siebt sich vorsichtig um. Die Halle des noblen Hotels—■ das er immer noch bevorzugt, als gelte es die Fiktion der Wohlhabenheit bis zum letzten Augenblick aufrechtzuerhalten— ist an diesem irühjahrSwarmen Nachmütag menschenleer. Trotzdem—»teilt ViS-a-viS ist ängstlich.„Man kann doch nicht wissen, kennst du nicht eine stille Konditorei, in der möglichst leine Emigranten verkehren?"— Ich must lachen.—„Tu, ich bin aber a u ch eine."— Er rückt ein bistchen nervös hin und her.—„Na ja, aber immerhin. Ehrlich gesagt, habe ich mir'S ja auch lange genug überlegt, ob ich dich aussnchen soll. Wenn du müßtest, waS neulich über dich im„Völkischen Beobachter" gestanden hat."— DaS interessiert mich.„So. was denn?"—„Gott, im Zusammenhang mit einer Journalistenaffäre. Der Nachfolger auf deinem Posten hat sich nämlich berufliche llnredlichkeiten zuschulden kommen lassen. Dabei erwähnte das Blatt, das; er an Stelle der „berüchtigten Prager Hebjüdin..." in die Redaktion deiner früheren Zeitung gekoittmen sei." Sieh mal an,«nein Herr Nachfolger. Ich batte jene Stellung zehn Jahre. Unredlichkeiten wie der nationalsozialistische Sturmsührer, der »ick't wegen seiner journalistischen Qualitäten, PBAGER ZMTBNfi ' Kunst und wissen I Die Kleine Bühne ist mit zwei Erstausführungen äm Mittwoch wieder in jenen Kabarett-Tou verfallen, den wir au dieser Stätte keineswegs schätzen, und den man höchstens tolerieren kann, weint nachgewiesen wird, dast durch solche„Kunst" Leute ins Theater gezogen werden, die es sonst nicht besuchen, wenn also die Kunstkritik zu Gunsten des Kassarapports, der für die wirkliche Kunst leider so wichtig ist, zu schweigen hätte. Da aber im Falle des Lustspiels„W i r wollen träume n" von Sascha Guitrh und der einaktigen Komödie„Der S t a m m g a st" von Georges Courteliue nicht einmal ein Geschäft zu verzeichnen sein dürfte, darf umso unverhohlener ausgesprochen werden, dast es sich hier um zwei I Stücke handelt, die mit der Kunst aber schon gar nichts zu tun haben und also das Niveau des Pra ! ger Deutschen Theaters drücken. Herrn GuitrhS Ehebruchsbild ist kaum in dem einen Punkte originell, dast hier die zwei Liebenden nach ihrer ersten Nach! zu Bette in PhjamaS vorgeführt iverden; und wenn zwei von vier Bildern mit je einer Soloszene ausgefüllt werden, an Länge die heule gefürchtetsten ' klassische« Monologe um ein Vielfaches iibertres- i send, so wird dadurch die Geschmacklosigkeit, die solche„Muse" inspiriert, nur noch deutlicher fühlbar. Anderseits wieder geht eS nicht an, dast inan, wie im Falle des„Stammgast", eine GerichtS« saalposse, die unter Erhaltung des Pariser Esprit- | TonS vielleicht ganz amüsant wäre, mit Prager Lo- l kalisnten durchsetzt und das satirische und gesellschaftskritische Moment, daö im Original vielleicht sehr wirksam ist, zur Farce erniedrigt. Ma» soll nur j in nicht glauben, das; gerade wir Gefallen an solcher Possenreisterei finden würden, weil darin ein paar radikale Phrasen vorkomme». Im Gegenteil: wir lehnen solches„Theater" aus künstlerischen Gründen mit aller Stärke ab, weil seine Peinlichkeit, weil solcher Mistbrauch scheinfreier Gedanken die wahre Freiheitlichkeit nur diökrediert. Alle freie» Menschen von Geschmack haben denn wohl auch insbesondere dieses zweite Stück deutlich abgelehnt. Was die Darstellung des Lustspiels von Giiitry anlangt, so ist neben Frau Gerda Meller, die daö Liebesabenteuer der Dame ausgezeichnet schauspielert, und Herrn Dudek, der dem betrogenen Ehemann gerade soviel Intelligenz verleiht, j als zur Erkenntnis der eigenen llnzulänglichkeit des i gehörnten Bornierten notwendig ist, Herr Egon von Jordan zn nennen, in dem man einen eleganten, sicheren, jugendlichen Bonviant kennen lernte, der als leichtlebiger Liebesroutinier gröbere Anfinerk- samkeit auf sich zog als alle anderen Schauspieler, die jetzt mit EugagemeutSabsichte'n bei nur gastieren. Herr Liebt hatte als Regisseur für glatten Ablauf der Bilder gesorgt., In der Koniödie von Conrteline gruppieren sich die Herren Dndek, Stadler, Janisch, Janit- schek und Valk um ihren Regisseur Walters Taub, der zugleich die Rolle spielt, um deret-’ willen das Stück geschrieben ist, den windigen Advokaten, der,' zum Staatsanwalt ernannt, gegen die Sache plädiert, die er eben noch vertreten hat. Herr Taub tut das mit aller Brisanz seiner rhetorischen Gabe, aber dennoch ohne besondere Wirkung; zu geschmacklos ist eben diese ganze Farce, zu hosf- nuugSlos dec Versuch, die Satire in solcher Fornt den Prager näherzubringen, indem man sie ihnen im„Continental"-Ton serviert. Der Znschauerraum bot übrigens diesmal ein in der Kleinen Bühne nngewohntes Bild: fast durchwegs junge Burschen tind Mädel— fast die I gesamte Schülerschaft der Prager Deutschen Lehrerbildungsanstalt war diejer Premiere zngezogen worden. Nun, gerade wir, die wir eben kaunt in den Verdacht des Muckertums kommen können, erlauben uns, zn bezweifeln, daß die jungen Menschen in diesem Falle von ihre» Lehrern richtig geführt wurden I Und zwar nicht deswegen, weil auf dem Zettel sieht„Für Jugendliche nicht geeignet", sondern weil eben die Jugend nur ins Theater geführt werden soll, wenn sie dort etwas erleben oder lernen kann. Jugend ist zu begeistern oder zn revolutionieren, nicht aber durch seichtestes„Theater" im Geschmack zu verbilden! L. G. Hundertmal„Raffen" in Paris! Ferdinand Bruckners Drama„Rassen", gegen dessen Aufführung in der Tschechoslowakei die ofii- zieilen und inoffiziellen Sachwalter der Hitler- Negierung— bisher leider mit Erfolg— intrigiert haben, wurde vorgesterit im Pariser Theatre de l'Oenvre- zum hundertsten Male gespielt. Tie Festaufführnng Ivurde ein neuer grober Erfolg für die iueusclsiiche.it und künstlerischen Werte des Werkes. Ferdinand Bruckner, der es bisher innner abgelehnt hat, in der Oesfentlichkeit zn erscheinen, hatte sich auch diesmal zur Anwesenheit bei der Festani- fnbrnng nicht entschließen können. An seiner Stelle «ahnt die sranzösische lkebersetzertn der„Rassen". Renke Cave, den begeisterten Beifall des Pariser Publikums entgegen. „Josua" vou Haendel, szenische Aufsübruug im Rahmet; der Festspiele. 700 Mitwirkende: Tie Prager Gesangvereine, der BetveguugSchor(im ganzen »00 Personen), ferner Orchester und Chor deS Deutschen Theaters. Dirigent: Schmidt, szenische Lci- tnng: Dr. Graf, Schork. Wochcnspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr abends:„Ho— tuet"(D2>. — Samstag, halb 8 Uhr:„T u r a n d o t"(A. A.). Wochenfptelplan der Kleine» Biihne. Freitag. 8 Uhr abends:„Wir wollen träumen"; „D er Stammgast"(Kulturverbandsfrenndc und freier Verkauf).— Samstag, halb 8 Uhr: „Terzett zu Viert"(Erstausführung). j Mitteilungen aus dem Publikum Gestern sand die XU. ordentliche Generawer» saminltmg der Julius Meinl A.-G. statt, in Weicker die Ausschüttung einer 8prozentigen Dividende für das Geschäftsjahr 1088 beschlossen wurde. Aus den Erträgnissen wurden dem UnterstützungSfondS für die Angestellten neuerlich 600.000 XL zngewiesen. 2118 Briefkasten der Redaktion. L. K., Lcstcrrcich. Aus Deine Anfrage atsi- tvorieten wir in der Ausgabe vom 23. Mai. Wir hoffen, das; Dtt sie erhalten hast. ES sei auch aisi die„Arbeiter-Zeitung" verwiesen. Die Adresse der Auslandsvertretung ist:„Aiös", Brünn, Zeile 86. Urania-Kino, Klimentshä 4. Ab ftrelinn: Susanne macht Ordnung Beachten Eie die Vesebuna: ftraiiA Lederer, Szöke C.uikall, TniuS v. Alten. Der Aufstand der Natur Eine Phantasie von Fritz Kosetka. ES begann int Frühling, einem ungcwöhn- lich jäh einsehenden, prallheitzen Frühling. Die Riesenstadt lag steinern brütend in der Landschaft, von klarem Himmel überwölbt. Tief drangen die Sonnenstrahlen in den Asphalt der Boulevards, erweichten ihn zu einer elastischen Masse, die sich hier nnd dort hügelig auftvarf. Niemand beachtete die Blasen, die der erhitzte Belag deS Erdbodens trieb. Hingegen wnnderie sich ntancher, wenn er durch einen Park oder eine Allee ging, wie selt- t'ant rasch Battm und Strauchwerk ins Grüne schost. Fast über Nacht stand das am Vortag noch iahle Astwerk belanbt, übertvellte feuchtes Gras die gestern noch frostbraunen Rasenflächen, und auch die Hausfrauen ftaunien über das plötzliche Hochsprießen ihrer Zimmergewächfe. Eines Morgens brachten die Blätter die Meldnng, dab an der Stadigrenze ein Rudel Hirsche gesichtet wurde, von den sernen Wäldern her verirrt. Man überlas das. Besitzer von Hunden und attderent zahmen Getier beobachteten an ihre» Schützlingett eine seltsame Unruhe, eine besremdende Feindseligleit. Mancher schüchterne kleine Kanarienvogel packte mit dem Schnabel nach dem Finger der Herrin, die ihm sein Fuiier reichte, die phlegina- Uschstett Sosakatzen zeigten ihre Krallen und die vcrwöhniesten Schoßhündchen lehnten jede Liebkosung laut tlässcnd ab. Ter grotze Ausstand der Natur begann. Knaiiernd platzten die Kastattienknospeit und gaben mit dieser Salve das Zeichen zum Kampf. Vor den Fühcn der Spaziergänger zerbarsten jetzt die asphaltenen Hügel, fette griiiie Schäfte schnellten daratis empor, fremdartige Zwiebelgewächse, deren Knollen jahrhttttderlelang scheintot in der ! Erde geschlummert halten. In dichten Stosstrupps! drängten sie nntt ans Licht und verramtnelten Gehweg und Fahrbahn. Die Palmen uttd Kakicctt in den Glashäusern der botattischen Gärten sprengten mit ihren Köpfen die gläserne Kuppel, zerschlugen mit zügellos wuchernden Gliedniabcn die Fenster, und wer von Menschen die ungeheure grüne Empörung ztt bändigen versuchte, dem legten Schlingpflanzen würgend ihre Fangarme um den Hals. Die Verwirrung Ivar maßlos. Alte Bäume warfen im jubelnden Treiben der neuen Säfte ihr morsches Holz ab, dast es den fliehenden Städtern um die Köpfe splitterte, Graö strömte aus den steinern untzirkten Ovalen längs den Promenaden auf die Straße hinaus, schoppte sich in dett Gleisen der TranUvay, Automobile glitschten in den Kurven über schleimiges Moos, Farnkraut, Flechten und PleurococeuS, gerieten in? Schlendern. Binnen Ivenigen Tagett stockte der ganze Verkehr. Bald wurden auch die Tiere von dent befreiten Atemholen der Pflanzen miigertstcn. Die Rinder in den Schlachthäusern kehrten die Hör- itec gegen ihre Henker, stampften sie nieder und stürntien ins Freie, brüllten zmn Rachefeldzug gegen den Menschen, die Pferde zerrissen ihr Zauntzeng und galoppierten wieherttd durch die Gassen, alles niederrennend, was ihnen in den Weg trat, ungeheure Aogclschlvärmc rauschten über die Riesenstadt dahin, grüßten mit Hellen Siegeöschreien den Tag, an dem die Herrschaft des weißen Affen gebrochen wurde. Indessen kämpfte dieser verzweifelt tun seine Behauptung. Die Feuerwehren raiicrien, hundertfach zu Hilfe gerufett, in alle Bczirle, hieben sich mit ihren Beilen wie durch einen Ur- wäld Wege zu den Häusern, deren Tiirett und Fenster grünes Gestrüpp ztt überwuchern begann, Polizei ging gegen Horden jaulender Hunde los, die der FreiheilSransch ioll gemacht hatte. Uebcr- fallSautos bahnten sich mit großer Mühe Straßen zu den Wohnungen der Fleischhauer und Kürschner, denn diese hatten die Aufständischen als die ersten Opfer der Revolte attScrschcn. Erbarmungslos, mit gefletschten Gebissen, hielten sie die Häuser ihrer Todfeinde umlagert, schmciicr- ten mit den Schädeln gegen die Tore, um ein- zudringett und ihre Brüder zu rächen. Das Radio verbreitete die Schreckensnachricht, daß alle wilden Tiere der Menagerie die Wärter überwältigt hatten, aus ihren Kerkern anSgebro- chen waren und stadiwäriS zogen. In Scharen kamen sie gelaufen, Löwe» und Tiger, PumaS und Panther, Elefanten und Büffel, Bären nnd Eisbären, Wölfe und Füchse, Hyänen nnd Schakale, nnd Ivie ans geheime Verabrednng tat während des Aufruhrs kein Tier einem anderen ein Leid, sättigten sie ihren Hunger am Menschen. Die Affen schnitien bei den Angstschreien der massenhaft Hingewürgien höhnische Grimassen, spotteten ihre TodcSzuckungen nach. Sie rupften den Frauen das Gefieder von den Hüten, rissen ihnen die Pelze vom Leib, Riesenschlangen ringelten sich um zuckende Seidenbeine, Krokodile wein- ten, wenn sie am Schnhwerk einer Menschen die Haut ihrer Väter erkannten, nnd zerknabberien unter Tränen die damit verzierten Knöchel. Die Papageien aber krächzten immer wieder das eine Wort, das sie in der Gefangenschaft gelernt und bis zu diesem Tag für sich behalten hatten: „Rache! Rache!" Von den Dächern der Häuser, die in dem imm.cr höher schwellenden grünen Gewoge bcr Pflanzen ztt versinken begannen, richtete man Maschinengewehre auf die Tiere, kämpfte mit Handgranaten und Tränengas gegen sie an. Aber da stiirzteii sich riesige Jnselteiischwärme, Bienen, Hornissen nnd Wespen auf die verzweifelte Ae- dienungsmannschaft der Mordapparaie und setzten sie mit giftigen Stichen außer Gefecht. Ebenso taten die Vögel, als Flugzeugstasfeln in die Lüfte I stiegen, um den Aufruhr der Natur von obenhcr mit Brandbomben niedcrznschlagcn. Habichte. Geier, Adler und Bussarde ttmlreisten Ireischciid die Piloten, hackten»tit ihren Schnäbeln aus sie ein nnd brachten die Neroplane zmn Absturz. Der Weiße?lffe war besiegt. Er Ivandie sich zur Flucht. Aber Ivohin? Längst lagen die Eisenstränge seiner Bahnen tief auf dem Grunde deS grünen Ozeans, die Fernleitungen Ivaren von Pappelspitzen zerrissen, die Riesenstadt war eine einsain versinkende Insel, von allen anvc- rcn Siädtcinseln abgeschniilen. Denn vom Lande her halte der Aufruhr der Natur dc» Hanpistrom erhalten, die Wälder kameit marschiert, ein iinmer enger Iverdcnder Kreis der Eichen nnd Buchen, Fichten und Tattncn zerdrückte die Stadt. So rächte sich die Natur an dem Menschen für Leid und Schmach, die er ihr durch Jahr- iausendc zugefügt halte. Und dann war Leben wieder nur mehr Leben, ohne Zlveck und Willen, ungestörtes Gleichmaß von Lust und Schmerz, seliges Zeugen und gehorsamer Tod auf deut geretteten Stertt. Ein Wolf traf eines Morgens den letzte» Menschen. Der Ivar aus der grünen Sintflut ans den Gipfel einer Führe geklettert; ohne daß cr eö merkte, hatte aber die uitgchenrc Pflanzcitwirr- nis diesen Gipfel längst überwachsen, so daß cr und sein Reiter mit der Humusschicht deS nencn Waldes in einer Ebene lagen. Der Mensch baiie Konservenbüchsen im Rucksack und hielt ein schwarzes Kästckcn in Händen. Er ließ das gläserne Auge des Kästchens in dem blühende», d»fienden. dampseuden Paradies rttndnmblickcn und kurbelte eifrig. Der Wolf richtete lange die grünen Lichter seines heiligen Unverstehens auf das seltsame s Wesen. Dann fraß cr eS auf. ’LW'?.. 8 A C"L!' M c n: AtLÜMW ML Hans oder bei Bezug durch die Post monatlich XL 18.—. vierteliäyrig XL 18.—. yalblälirtg XL vo.—, ganzjährig XL 102.—.— Inserate Iverden laut Tarii vunmr verechuet. Bei öfteren Emschaltuugen Preisnachlaß.— Nlulstellung von Maulslripteu erfolgt nur bei Einsendung der Nclourumrteu.— Die ZeittmgSfränkatur wurde von der Post- und Telearavben- direttlon mit vrlatz Rr. 1S.800/VH/1V30 bewiMgtr— Druckerei:..Ot'bl-S". Druck-. Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.