Elntlpnl* 70 iMtor (•mschfießlich S Hellar Porta) nSCHMNT MIT AUSNAHMI DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion UND Verwaltung MAO XU., fochova ta. ibmm SW7. Administration iretom sw«. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR■ WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR■ DR. EMIL STRAUSS, FRAG. IENTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK II. 14. Jahrgang Dienstag, 29. Mai 1934 Nr. 123 Abrüstungskonferenz eröffnet Kein Regierungswechsel In Rumänien Bukarest 28. Mai.(OM.) Ministerpräsident Tatareseu erklärte Montag den Pressevertretern gegenüber, daß die Regierung ihre Arbeiten sortsctze. TaiareScu und die Mitglieder der Regierung werden am Dienstag nach Czernowitz reisen, wo ein Ministcrrat stattfinden wird, ähnlich den Uon- sercnzen, die bereits in Klausenburg und Kischi- ncw stattgefunden haben und deren Ziel das Studium der regionalen Angelegenheiten ist. Der Ministerpräsident dementierte ausS entschiedenste die Meldungen der letzten Tage, in denen behauptet wurde, daß in Rumänien eine latente Regierungskrise herrsche. ft In politischen Kreisen wird erklärt, daß die Klärung der Lage dadurch beschleunigt wurde, daß die Audienz des Ministerpräsidenten Tatareseu beim König, die ursprünglich auf Dienstag festgesetzt war, nach einem vorbereitenden Empfang deS Innenministers und des Vcrkehrsminisiers schon am Diontag stattfinden konnte. Nach dem Verlassen deS Schlosses erklärte Ministerpräsident TatareScu, daß kein Rücktritt der Negierung erfolgen werde. DaS Parlament werde unverzüglich zu einer außerordentlichen Tagung einbernfen werden, um über den Staatshaushalt abzustimmen. Wie aus Mitteilungen von zuständiger Seite hervorgeht, liegt vom Ministerpräsidenten Tatareöcu ein Vorschlag vor, wonach er selber das Heeresministerium übernehmen soll. Jedenfalls erscheint mit dem Verbleiben der Regierung TatareScu die Politik TituleScuS gesichert. Der Jugoslawische Gesandte veriMBt Budapest Dir jugoslawische Regierung hat den Gesandten in Budapest Alexander BukoviL, welcher erst vor einigen Monaten seinen Posten a»ge- treten hat, eine» Urlaub erteilt. So lautet wenigstens die halboffizirlle Erklärung. In diplomatischen«reisen ist man jedoch der Ansicht, daß der unerwartete Urlaub deS Gesandten mit denr ungarischen Schritt gegen Jugoslawien in Genf zu- fammenhängt. Gesuch bei Thälmann „Ich werde gefoltert** Pariser Blätter und der Moskauer Rundfunk, der sie bereit» zitiert, berichten von einem Besuch einer saarländischen Arbriterabordnung bet Ernst Thälmann im Untersuchungsgefängnis zn Leipzig. Der Besuch dieser drei Delegierten, nämlich je eines Mitgliedes der„sozialistischen"(was wohl heißen soll: sozialdemokratischen) und der kommunistischen Partei sowie eines Parteilosen sei zu- grlaffen worden, nachdem alle Abweisungsversuche gescheitert seien. Die Befragung Thälmanns sei auf vier Punkte beschränkt gewesen und jede Zusatzfrage von vornherein verboten worden. Thälmann habe unter anderem erklärt, unter den dort herrschenden Bedingungen könne man nicht leben, schreiben dürfe er nur alle vierzehn Tage einmal. Zu seinem Geburtstage seien gewiß Hunderte Briefe eingetroffen, doch habe er nur drei erhalten. Zmn Schluß fei eS der Abordnung doch gelungen, Thälmann zu fragen» wie er sich fühle, worauf er antwortete:„Man hat mich gefoltert". Die Beamten führten darauf Thälmann ab, der ober noch vorher mit der Faust auf den Tisch schlagen nnd rufen konnte:„Und ich werde gefoltert!" Der Bericht über diesen Besuch im P>.riser „Oeuvre" schließt, im Gesicht Thälmann« seien die Spuren der Mißhandlungen noch zu sehen. SpiftMitcprozcO in Breslau Breslau, 28. Mai. Der erste Strafsenat des Oberlandesgerichtes Breslau verurteilte" wegen Verbrechens nach 8 6 des Spionagegesetzes zwei Reichsdeutsche und zwar den einen zu acht Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust und den anderen zu vier Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Henderson unbeugsam Genf, 28. Mai. Der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz, Henderson, hat heute die Sitzung der Abrüstungskonferenz in Anwesenheit zahlreicher Außenminister und Diplomaten, militärischen Sachverständigen und Journalisten eröffnet. Zu Beginn sprach Präsident Henderson dem Ge« neralberichterstatter, Minister Dr. Bencö, aus Anlaß seines öl). Geburtstages die Glückwünsche ans. Die Präsidialsitzung war verhältnismäßig kurz. Außer Henderson und Minister Barthou meldete sicki niemand zn Mort. Henderson erinnerte an die Entwicklung der Ereignisse bei der AbrüstungSlonfercnz seit dem 10. April laufenden Jahres und begründete die Vertagung der AbrüstungSarbeiten. Er befaßte sich dann im Einzelnen mit den Menwranden und Noten, die zwischen den Negierungen der Großmächte auü- getauscht wurden über daS Problem der Abrü- stungSbcsirebungen, über das Blanbuch der französischen Regierung nnd sprach auch über die Ergebnisse seiner Verhandlungen in Paris und London, wobei er betonte, daß die französische Regierung ihre Ansichten in der Rote vom 10. Feber formulierte, deren Hauptabsatz lautet: Die französische Regierung könnte eine augenblickliche Herabsetzung ihres RüstungVstandcS. die von einer augenblicklichen und qualitativen Ausrüstung der durch militärische Klauseln der Friedensverträge Elektrizitätswerk gesprengt Wien, 28. Mai. Wie dir Amtliche Nachrichtenstelle erst heute auS Linz meldet, wurden in der Nacht zum 26. Mai in Braunau der Werks- kanal deS Elektrizitätswerkes unmittelbar vor dem TurbinrnhanS durch unbekannte Täter g e- sprengt. Durch diesen Anschlag wurde der Betrieb des Elektrizitätswerkes lahm gelegt. In der Gemeinde Kufstein brannten die Nationalsozialisten SamStag einige Hakenkreuzfeuer ab, von denen eines einen gefährlichen Waldbrand verursachte, den die Feuerwehr erst nach läim-ren Austrengunaen löschen konnte. I In der Stadt explodierten gleichzeitig einige Petarden, während gegen daS Haus des ehemaligen christlichsozialcn Abgeordneten Hödl eine Bombe geworfen wurde, die großen Schaden verursachte. Polizei und(Gendarmerie verhafteten einige Nationalsozialisten, die in das Anhalte- lagcr in Wölkersdorf werden eingcliefert werden. Ferner wurden einige Gasthäuser nnd andere Räume geschlossen, die den Nationalsozialisten zu Versammlungen dienten, und viel« im Grenzvcrkehr mit Deutschland bewilligte Erleichterungen widerrufen. In der vergangenen Nacht lvurdc von einem noch unbekannten Täter in Feldkirch auf dem Dach deS gegenüber deö BischoföpalaiS gelegenen MeßnerhanseS ein Sprengkörper zur Entzündung gebracht. Durch die Wucht der Sprengung wurde eine große Lücke in das Dach deö McßnerhäuscS gerissen. In dem gegenüberliegenden Bischofs- Palais wurden 56 Fensterscheiben zertrümmert, im Pfarrhause 13 Scheiben. In Wien wurde SamStag vormittags in der Börsengasie hart an der Mauer deö Seiten- traktes des BörsengcbändeS in dem sich«. a. auch die Amtliche Nachrichten st ekle befindet, eine zwei Kilogramm-Bombe gefunden, deren Uhrwerk auf 6 Uhr abendS gestellt war. Dir Bombe konnte unschädlich gemacht werden. Wien. Amtlich wird gemeldet: In Linz explodierte am 26. Mai um 11 Uhr vormittags vor dem EingangStor der Bundesrealschule ein Sprengkörper; durch die Explosion wurden 44 Fensterscheiben des Schulhauses zertrümmert. Von den Schülern, die anläßlich einer Feier im Schulhause versammelt waren, Ivurde niemand verletzt. Am 27. Mai um 22 Uhr wurde in St. Paul in Kärnten ein Sprengstoffanschlag gegen den Pfarrhof verübt, durch den einige Fensterscheiben des PsarrhofcS und der Kirche zertrümmert Ivurden. gebundene Staaten begleitet wäre, nicht anneh- mcn. Henderson erklärte, zurzeit seien verschiedene Elemente über die kritische Lage auf der Abrüstungskonferenz bekannt und das Präsidium der Konferenz solle entscheiden, auf welche Weise weiterhin vorgrgangen werden soll. Am Schluß seiner Rede lehnte Henderson den Defaitismus ab und erklärte, er spreche sicherlich im Namen deö ganzen Präsidiums der Abrüstungskonferenz, wenn er dafür cintretc, daß das Präsidiuin den Hauptauöschuß auf den Ernst der Situation verweise und ihn zur standhaften Fortsetzung der Bedingungen aussordcre, die auf ein Abriistuugö- schlnßabkommen auf Grund deS der Konferenz anvertranteu Mandates gerichtet sind. Minister Barthou unterstützte in einer kurzen Rede die Ausführungen Hendersons namentlich im Hinblick ans die Notwendigkeit, die Abrüstungskonferenz nicht als auSgeschaltet anzusehen. Barthou ist der Meinung, daß die beste Art der Fortsetzung der AbrüstungSarbeiten heute eine ossene Debatte direkt int Hauptauöschuß der Konferenz sei. Morgen nachmittags tritt der HauptauS- schuß zusammen und man erwartet, daß Barthou und Norman DaviS das Wort zu längeren Kundgebungen ergreifen werden. Genosse Machet enthaftet Wien, 28. Mai. Der tschechische sozial- demvkratische Landtagsabgeordnetr und Ge- meindernt der Stadt Wien Anton Machst wurde am Samstag auS dem Konzentrationslager WällerSdorf entlassen. Fey, Dollfuß und Starhemberg fahren nach Budapest! Wien, 28. Mai. Außer dem Vizekanzler a. D. F e y werden sich in' der nächsten Zeit auch Bundeskanzler Dr. Dollfuß und Vizekanzler Starhemberg nach Budapest begeben. Vizekanzler Starhemberg wird von einigen Heim- wehrsührcrn begleitet sein. Prof, krasser zurückgetreten Wien, 28. Mai. Professor Robert Krasser ist als Obmann der Wiener Christlichsozialen Partei zurückgetreten. Otto Glückei Im Krankenhaus Wien, 28. Mai. Gleichzeitig mit dem ehemaligen tschechischen sozialdemokratischen Land- tagsabgeordnetcn und Gemeinderat der Stadl Wien Anton Machät wurden auch der ehemalige Stadtrat Richter, der ehemalige Bürgermeister des Xl. Wiener Bezirkes Pantükek und der che- malige burgenländische Landtagsabgeordnetr Sassik aus den: Konzentrationslager in Wöllerö- dorf entlassen. Der ehemalige Präsident des Wiener Stadtschulrates Otto Glöckel wurde von Wöllersdorf in das Krankenhaus in Wiener Neustadt überführt. Oesterrelchlsdier Pflngstflug abgebrochen Salzburg, 28. Mai. Der Pfingstflug des Oesterreichischen Aeroklubs wurde gestern vorzeitig beendet. Nachden: eine größere Anzahl der Teilnehmeer bereits gestern in ihre Heimat abgeflogen war. starteten heute vormittag im Salzburger Flughafen die restlichen zehn Maschinen, u. zw. ü französische, 2 englische, ein tschechoslowakisches und ein österreichisches Flugzeug zur Heimfahrt.(Die choatischcn Zustände in Oesterreich scheinen zu dem vorzeitigen Ende der Flugveranstaltung geführt zu haben.) KimainlsllMlK Partei Danzigs verboten Danzig, 28. Mai. Der Danziger Polizeipräsident hat am Montag vormittag die Organisation der kommunistischen Partei im Gebiete der Freien Stadt Danzig verboten Komotau als Beispiel Der freigcwcrkschaftliche Wahlsieg in den Komotauer Mannesmann Werken ist größer, als die erste Meldung erkennen ließ. Die nationalsozialistische Bctrieböorganisation ist gegenüber dem Vorjahre von 779 auf 545 Stimmen ge. funken und hat somit 234 Stimmen und ein weiteres Mandat verloren. Auch bei der vor- jährigen BetriebLausschußwahl haben die Nazis ein Mandat eingcbüßt und dadurch ist die völ- kische Mehrheit in einem der bedeutendsten Groß- betriebe Dcutschböhinenö gebrochen worden. In diesem Jahre ivurde die freigcwcrkschastliche Majorität weiter befestigt. Darin manifestiert sich ein Wandel der A r b c i t e r g c s i n- » u n g, welcher von mehr als lokaler Beden- tung ist. Komotau ist ein heißer Boden, eine der alten Hochburgen der nationalen Bewegung in Dentschböhmen. Vor dem Kriege schon stand im ManncSmannwerk eine gelbe BctriebSorganisa- tion in erbittertem Kampfe mit dem srcigewcrl schaftlichc» Vordringen. Der harte Druck des KriegSdicnstleisstmgögesctzcS erzog die Mannes- mannarbeiter zu Radikalismus. Bei der Spaltung gingen sie in großer Mehrheit zu den Kommunisten. Jahrelang regierte i>n Betriebsrat eine kommunistische Majorität. Eine sozialdemokratische Minderheit mußte den aufreibenden Zwcisrontenkainpf gegen die Konununistep. nnd die aufstrebenden Hakenkreuzler führen. Alo die kommunistische Gewerkschaft auch in dieser ihrer ehemaligen Hochbnrg verfiel, traten die Braunen daS Erbe an. Die nationalsozialistische und die dcutschnationalc Gewerkschaft erreichten vorüber gehend die Majorität rmd damit die Führung im Bctriebsausschuß. Diese Herrlichkeit sollte indes nur von kurzer Dauer fein. Die zähe Ans- bauarbeit der Vertrauensleute des Juternatio nalcn MetallarbeitcrverbandcS setzte sich schrittweise durch. Akts dem Höhepunkte deS Hitlerruh- irieö ist im Vorjahre die Hakcnkrcnzfalnie bei Mannesmann heruntergeholt worden. Ein Jahr weiterer Kleinarbeit befestigte den Erfolg. Tie jüngste BctriebSausschiißwahl zeigte die Nazis weiter im Rückzug, dir sozialdemokratische Ge- werkschaft in weiterem Vormarsch. Die Völkischen betrauern nun den Verlust einer ihrer wichtigsten Bctriebspositionen. Es ist kein Zufall, daßdas sreigcwcrlschast lichc Vordringen im Mannesinannwcrk zeitlich zklsammenfällt mit der nationalsozialistischen Wahlniederlage bei den Betriebswahlen im Reiche. Die mit völkischen Phrasen vergistetc» Arbeiter und Angestellten beginnen den sozial- reaktionären Charakter des Hitlcrismus zn dnrchschoucn. Dio verheißenen Wirtschastswnndcr des Nationalsozialismus sind ausgcblicbc». Ter bombastisch angckiindigte Vicrjahresplan Hitlers hat sich als ei» großer Bluff erwiesen. Noch keine Regierung hatte einen so großen Vcr trauenSvorschuß des Volkes bekomme», keine vereinigte in ihren Händen soviel»ncinge- schränkte Macht zur Bckänipsung der Wirtschaftskrise und der Arbeitslosigkeit. Haben die Hitler und Gocring ihre von hluiderttansenden Bajonetten gestützte RegicrungSgelvalt etwa zu einem Feldzüge gegen den Monopolkapitalismus und den Großgrundbesitz eingesetzt? Wagten sie Eingriffe in die Methoden der kapitalistischen Wirtschaftssührcr auch nur in jenen Ausmaßen, wie es der bürgerliche Präsident der Vereinigtet» Staaten getan? Wo ist eine Spur von SozialiS. nmS in der Wirtschaftspolitik des Dritten Rci- cheü? Die gewerkschaftliche Kampffreiheit vcr- nichtct, die BerusSverbände der Arbeiter nnd An- gestellten durch einen Zwangsapparat schmarotzender Bonzen ersetzt, daS Tarifwesen beseitigt, die Löhne abgcbaut, die wöchentlichen Zlvangk- bciträgc erhöht, die Belegschaften selbst durch daS „Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit" rechtlos dem ärgsten Scharfmachcrtum ansgelic- fert— das ist der nationale Sozialismus in der Praxis, für den auch so viele sudetcndcutschc Arbeiter und Angestellte geschwärmt haben. Im Kleinkrieg In Oesterreich fceftt 2 DirnStag, 29. Mai 1034 9h*. 12S Reiche drüben versetzten die Arbeiter und Angestellten bei den Bctriebsivahlcn den braunen Raubrittern einen kräftigen Fußtritt. Die Man« ncSmann-Arbeiter taten das gleiche. Sie haben mit dieser Wahlentscheidung ein Beispiel für daS ganze Land aufgerichtet. Der Stiinmungöuinschivung int ManucS- mann-Werk ist ein Beweis, daß auch in schwerster Wirtschaftskrise durch klare Kanchfhaltung und durch ziekbewlißte Kleinarbeit große Erfolge für die sozialistische und freigcwcrkschaftlichc Sache erningen worden können. Komotau. vor wenigen Fahren noch ein Tummelplatz der Kommunisten und Hakcnkreuzlcr, hat Heuer die stärkste sozialdemokratische Maifeier seit dem Umstürze ge- sehen. Bilderberichte legten dokumentarisches Zeugnis davon ab. wie die hcrbeigeströmten Massen den riesigen Marktplatz dieser Industrie- stadt bis ans Den letzten Winkel füllten. D i e Arbeiter erwachen I Wo im sozialistische« Lager durch lleberwindnog der bolschewistische« Sektiererei ei« Tatbrispiel der Einheft anfge- richtet wird, dort verliere« die bra««e« Snmpf- pflanze« ihren Nährboden. Bravo, Manneü- mann-Arbeiter! Ihr habet euch in kainpferfüllter Zeit als ein mutiger Vortrupp der sudetendeut- scheu Arbeiterschaft erwiesen. Euer Offensivgeist soll auch für die anderen Industriezentren ein Vorbild sein. EL hängt nur voll dem Kampfwil- lcn der frcigcwerkschastlichen Bataillone und ihrer VertralicnSmäuner ab, dann wird bald in allen Betrieben des Landes mit dem Nazi-Ge- schmeiß komotauerisch gesprochen und abgerechnet werden! Ivclche sich auf die V e r k ü r z u n g der Arbeitszeit und die Revision der internationalen Vereinbarung über die Nacht« arbeit der Frauen beziehen. In dieser Frage sprach sich der Rat gegen eine Revision aus, durch welche die Vorschriften über daö Ver« bot der Nachtarbeit der Frauen gelockert würden. Dir GcwerkschaftSzcntralc kann mit den Forderungen einiger Frauenorganisationen, welche die Lockerung de» Frauenschutzes einseitig sordern, nicht übereinstimmcn, da dies gefährliche soziale Folgen hafte, die gerade für die weiblichen Arbeitnehmer ungünstig wären. In der Frage der Arbeitszeit wurde eine Debatte über den Bericht ab- geführt, der über die Verhandlungen mit dem Jnduftriellrnverband erstattet wurde und e» wurden die Richtlinien genehmigt, die mit den übrigen Gewerkschaft-zentralen für die weiteren Verhandlungen getrosten worden sind. Demokratie in der Tschechoslowakei bleibt trotz alledem Eine Bede des Ministers BeneS In einer anläßlich seines 30. Geburtstages avgehaltencn Festsitzung der tschechisch-nationalsozialistischen Partei hielt Außenntinister Benes eine Rede, in der er u. a. sagte, er halte die Tschechoslowakei für eine so hoch entwickelte Demokratie, datzallcGefa hren und Wirrnisse der Gegenwart, mögen sic auch lang dauern und schwer sein, ü b c r w und« tt werde n. Für die Republik siebt er eine glückliche und gute Zukunft. Dann sprach der Minister über seine eigene Person: Ich c n t st a in in e d c r F a m i l i e e i n e S Ileincn Häuslers und wenn ick auch durch mein Amt während des Krieges und nach dem Krieg mit den Spitzen der Gesellschaft der Welt zusaminengckonnnen bin, könnte ich und meine Frau morgen ruhig das Leben einer so kleinen HäuSlcrfamilic wieder ausuehmeu, wie jene eS gewesen ist, der ich entstamme. 3it dieser Beziehung gab cs in meinem Leben keinen Umbruch und wird eS auch keinen geben. Darin liegt auch die llrsache meines Demo- kratisnuis, an dem nicht gezlveifelt lverden kann. Deshalb steht auch mein soziales Empfinden außer Frage. Auch lvenn uns noch vieles drohen wird, so glaube ich doch, daß die au f b a u c n d e n u n d positiven Kräfte der Dcntokratie i schon st ä r k c r u n d z a b l r e i ch e r s i n d a l» die zersetzenden Kräfte. Die Geschichte lehrt nie zu einem alten Platz zurück. Mag die Realtion auch erbittert für diese Rückkehr kämpfen, immer wird etwas Neues erkämpst und die Entwicklung geht weiter. Für uns ist es wichtig, | daß wir keine Zeiten deS Chaos mitmachcn und i daß wir in unser inneres Leben niemals Verwirrung ans dem Ausland tragen lasten. Für uns ist die Demokratie nichts Neues. ! Die berühmtesten Epochen unserer Geschichte sind , jene, in denen wir für die Demokratie gekämpft i haben. Die Geschichte seines Volkes darf man i aber nie verlassen. Zur Demokratie fiihrt uns i auch die soziale Struktur unseres Staates. Wir sind ein Volk des kleinetr Mannes, in besten I Sckwterzcn unsere Selbständigkeit ihren Ursprung ! gehabt hat. Wieder werden cS die Schmerzen des kleinen Mannes fein, die diesen Staat erhalten s und der kleine Mann wird in großer Zahl zu unserer Verteidigung bereit sein. So Ivar eS und so wird es sein. Diese demokratische Struktur unseres Staates spricht auch gegen jede Diktatur. Wenn wir unsere Situation objektiv beirach- , tcn, müssen wir zugcben. daß wir trotz aller Schwierigkeiten das Recht haben, uns zu den hochentwickelten Dcmokraliett zu zähle», die sicher aus den heutigen Wirrnistcn hcrvorgchen werden, ntögen diese atich lang und schwer sein. Beratungen 6er Gewerkschaften Syndizierung der Produktion.— Nachtarbeit der Frauen.— Verkürzung der Arbeitszeit. Der Zentralrat der gemeinsamen Landcszen- trale„Odborove sdcnzni keskoslovenske" behau, deltc in seiner Sitzung vom 24. Mai wichtige Wirtschastssragcn. In der Debatte wurde insbesondere über die vorbereitende Syndizierung derPcoduktion gesprochen und das Verlangen ausgestellt, daß auch die Mitenschci- dung der Arbeiter gesichert werde. Soll es tatsächlich zu einer vorteilhaften Organisation der Erzeugung kommen, muß diese vont Staat unter Mitwirkung und bei gleichwertiger Enlsckeidtmg der beteiligten Interessenten, also auch der Ar- I beiter und Verbraucher, geleitet werden. Der i Wirtschaftsausschuß der Zentrale wurde-beauftragt, die näheren Richtlinien auszuarbciten, insbesondere im Hinblick auf die von der Regierung vorbereiteten Anträge. Der Gewerkschaftsrat sprach sich weiters für die Beschleunigung der mit der Errichtung deS Institutes für den Außenhandel verbundenen Arbeiten au», verlangte, daß dieses Institut öffentlichrcchtlich sei und gemeinsam von den Ministerien für Handel, Auswärtige», Landwirtschaft und soziale Fürsorge geleitet werde. In der Leitung de» Institutes möge auch für die Wirtschaft so wichtigen Faktoren des Wirtschaftslebens, wie Arbeitern und Verbrmtchcrn, eine gleichwertige Vertretung gegeben werden. Der Gewerkschaftsrat behandelte damt im einzelnen die International« Arbeitskonferenz in ! Genf, insbesondere jene Punkte ihre» Programms, iAbsage der Gewerbepartei an die„Nationale Opposition". Olmiitz, 27. Mai. Heute fand hier eine Manifestationsfipung der Gewerbe- und Mittelstandspartei Mährens und Schlesiens statt, in der die politischen Führer der Partei über die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Fragen sprachen. Abg. I. V. Najman erklärte u. a., daß die Partei es ablehne, sich mit irgendeiner Oppositionspartei, besonders mit der sogenannten oppositionellen nationalen Front zu verbinden. Die Partei sei für die Beibehaltung der gebundenen Kandidatenlisten. Avg. M l ä o ch hob in seinem politischen Referate hervor, daß sicki die Partei unter allen Umständen voll auf den Boden der parlamentarischen Demokratie und hinter den Präsidenten Masaryk stelle, dem die Versammlung begeisterte Ovationen bereitete. Merkwürdiges vom Bund der Landwirte In Zwit 1 au war am>8. Mai ein sogenannter Landständischer Tag. Die Deutsche Landpost berichtete darüber erst am 27. Mai. Herr Landesansschuß-Bcisiher Kaiser hat dort eine Rede gehalten, in der er zu erklären versuchte, warum der Landstand gegründet tvurdc. Glaubhaft ist die Erklärung nicht geworden. Man merkt beim Lesen der Zeilen, die die Dctttscke Landpost darüber enthält, daß er mit halbem Herzen bei der Sache ist, Interessant ist die fettgedruckte Stelle seiner Rede, in der er sich mit der Jugend i bcsckmstigt. Er sagte tt. a.: Jugendlicher Fr«ereifer und Idealismus will di« Berhültniffe gestalten und ändern- Wir |' sind glücklich darüber, daff wir eine solche Jagend besitz«» and da» ist unsere beste Hoffnang i« dieser überaus schweren Zeit, denn wäre»S ander», würde sie die Flinte in» Korn schweißen, wär» alle Hoffnung begraben. Tie will arbeiten in den wirtschaftlichen Glirdernngen, sie will auch in der Politik in die Riider greifen. Wir begrüßen die», nur muffen wir bitten, nicht in Tbearirn sich znverlieren, sondern der Wirklich- k«i t in» graa» Antlitz za sehen. Auch wir waren einmal jung, waren Stürmer und Dränger und wir erinnern tmS gerne jener Zeit. Aus jener Zeit habe ich ntir ein Sprichwort als Leitwort erhalten: der Alten Rai und der Jungen Tat gibt gute Saat. Bon der Rede, die der Neichsjugendführer > Toni Müller nach Herrn Kaiser gehalten hat. bringt die ,,Deutsche Landpojt" kenn Wortt Kaiser äußerte sich auch über daö Verhältnis, des Bunde» der Landwirte zu Henlein: Henlein hat seiner Heimatfrontbewegucht da» Endziel gegeben, die Zerstreuten zu sammeln, hat Minister Dr. Spina als Führer de» Landstande» anerkannt und sich bereit erklärt, mit dem Landstande zusammen zu arbeiten. Nun nimm, diese Bewegung politische Form an, um sich im StaatSleben auszuwirken. Wir haben nicht» gegen die sttdetendcutsche Heimatfroitt, ja wir werden sie u u t e rst ü v e n, solange sie mit un» tmd nicht gegen nn» arbeitet. UnS geht es darum, auf Grund de» AktivismuS eine allgemeine Front zustande zn bringen, die dann eine einheitliche nattonale und DolkSpolitik macht. Endlich erfährt man ans berufenem Munde, daß der Bund der Landwirte die Henlein-Bewegung unterstützt. Er ist offenbar zusehr damit beschäftigt. die Einhalttmg deS Vertrage» durch Henlein zu überwachen. So Übersicht er.>v e n er eigentlich unterstützt: den Agenten der Hitlcrci im sudctcndcntschen Gebiet, ltcbrigenö hat auch der Obmann der Zwittauer Henlcinpartci auf der Tagung geredet. Schwere Niederlage der Kommunisten In den Skoda*Werken Dieser Tage finden itt einem der größten Industriebetriebe in der Tschechoslowakei, in den Skodawerkcn in Pilsen. Wahlen in den Betriebs- ausschuß statt, zu denen die Frist für die lieber- reichung der Kandidatenlisten Sonntag um 12 llhr mittags endete. Zur allgemeinen Ueber- raschung haben hie Kommnnisken eine Kandidatenliste nicht überreicht. Der Grund liegt darin, daß die Kommunisten die für die Einreichung einer Kandidatenliste notwendige Zahl von Unterschriften nicht aufgebracht haben. WAiiramissdiulzgesctz wird verlängert Prag, 28. Mai.(Tsch. P.-B.) Die Regierung wird dem Senat der Nationalversammlung einen Gesetzentwurf unterbreiten, durch den mit einigen Abänderungen und Ergänzungen das Gesetz Nr. 121/19.12 Sl. G. tt. V. verlängert wird, durch tvclches einige Bestimmungen deS Gesetzes Str. 7/1924 der 3. d. G. u. B. über den Schutz der Währung und den Umlaus der gcs:tz- lichen Zahlungsmittel abgcändert und ergänzt tvurde. Das Gesetz Nr. 121/1932, bai die Ermächtigung der Negierung, Verordnungen über den Schutz der Währung hcrauszugebcn sowie Wäh- rungS- und Dcvisendelikte strafrechtlich zu ahnden, neu regelte, hat sich in der Praxis gut bclvähri. ES gilt jedoch bloß bis zum 31. Juli 1931. Die Verlängerung der Wirksamkeit des Gesetzes, die zeitlich nicht befristet wäre, zeigt sich demnach als notwendig, denn die Verhältnisse, wie sie in einer Zeit waren, in der das Gesetz ausgcgeben tvurde. haben sich nicht insoweit verändert, daß der weitere Schutz der tschechoslowakischen Währung gelockert werden könnte und es kann auch zeitlich nicht bestimmt werden, wann eine derartige voll- lommcne Lockerung möglich sein wird. Die Abänderungen, die der Gesetzentwurf beinhaltet, sind nicht bedeutend. Aus dem AbgrordnetenhattS. Sitzungen halten ab: DicnStag. den 29. Mai, der sozialpolitische Ausschuß um 1v Uhr vormittags, Mittwoch, den 30. Mai. der Budgctausschuh um 9 llhr vor- I mittags. Unsere Töchter, die Nezinen Roman von Nermyiai« Zur MWm I ..Du wirst auch nicht mehr lange," brummte er zwischen zusammengebissenen Zähnen. Ich glaubte natürlich, die Drohung gelte mir. „Was sagst ru, Arthur?" fragte ich. Er wandte mir das Gesicht zu, die starre Maste, mit der ich nttn schon so viele Jahre, Tag und Nacht, lebe. ..Nichts," erwiderte er, und ging ans dem Zimmer. Ich lief zum Fenster. Unten, aus der leeren Straße, ging eine etwas gebückte Gestalt. Ich kannte die Haltung, kannte den Gang: es war' der Doktor Bär. Am Nachmittag, im Luisenbund. tvar eS zum ersten Male tticht langweilig. Wir sprachen alle durcheinander, über den Reichstagsbrand, über das Verbrechen der Kommunisten. Es gab nur eine unangenehme lleberraschnng. Die alte Generalin Hainitz, die Mutter der Frau Major, die bei ihrer Tochter zu Besuch ist, hörte uns erst schweigend zu, dann schüttelte sie den Kopf: „Weiß Gott," sagte sie,„daß auch ich die Kominunistcn hasse. Aber für so dumm halte Ich sie wieder nicht. Weshalb itt aller Welt sollten sie den Reichstag anzi'mden? Sie haben doch gar keinen Grund dazu." Eine peinliche Pause trat ein. Die Frau Generalin ist natürlich die vornehmste in der ganzen Gesellschaft, abgesehen von dem hohen Rang ihres Gatten ist sic auch eine geborene Freifrau von Alvrengen. Wer durfte ihr tvider- sprechen? Ihre Tochter sagte nur leise und vorwurfsvoll: „Aber, Mama." . Die Frau Generalin hob ihr Lorgnon an die j Augen und blickte un» alle der Reihe nach an. „Ich komme aus Berlin, mein Kind," erklärte sie.„Ich weiß mehr als ihr, in diesem kleinen Städtchen, lind ich sage Euch, man muß auch gegen den Feind ritterlich kämpfen, nicht um feinet- sondern um unser selbst willen. Einen Aufstand darf man blutig unterdrücken, aber inan darf nicht während eines Wahlkampfes Zeitungen verbieten. Die gute Sache muß ja doch siegen. Freilich, das wissen viele der neuen Herren nicht! Woher sollten sie auch? Ein ungebildeter Tapezierer, ein Wahnsinniger, und als Drftter ein Mann, der seinen Glauben verleugnet hat, selbst wenn cS nur der katholische ist." Sie seufzte. „Wir ziehen tut» unsere Feinde selbst groß," sagte sie. Die arme Frau Major war schrecklich verlegen; es mutzte ja auch furchtbar peinlich für sie sein: ihre eigene Mutter, die solche Ansichten äutzertl Ich hätte ztt gern der Frau Generalin widersprochen, aber ich konnte doch nicht. Und wenn sie am Ende recht hat? Man kann ja heutzutage gar nicht vorsichtig genug sein, mutz jedes Wort auf die Wagschale legen. Aber e» ist dennoch empörend, ivenn man im eigenen Kreis Menschen findet, die so denken. Als ich jedoch in den folgenden Tagen die Zeitungen las, erkannte ich, datz die alte Dame sich geirrt hatte. Hier stand es ja alles schwarz aus tveih, ein holländischer Kommunist hat den Reichstag angezündet, und die Sozialdemokraten sollen auch dabei ihre Hand im Spiel gehabt haben. Ich sprach darüber mit Lieselotte, die eben keinen Flirt hatte, und sich zu Hause langweilte. Aber bei ihr fand ich wenig Verständnis. „Was geht das mich an?" fragt« sie.„Hab dich doch nicht so, Mutter, du verstehst ja auch nicht» voit der ganzen Sache." Und sie schob die Brauen hoch. Ich frage mich häufig, wie ich ztt diesem Kind gekommen bin? Für Lieselotte gibt cS ntir eines auf der Welt: ihre eigene Person. Sie hat leine Gesinnung, hat keinen Patriotismus. Sie kennt nicht den Begriff von Pflicht, der mich mein ganze» Leben laitg'geleitet hat. Dabei hat sie doch immer mein Beispiel vor Augen gehabt. Ich lann. ohne mich zu rühmen, sagen, daß ich stets eine pflichttreue Gattin und Mutter und auch eine gute Deutsche gewesen bin. Aber wer hat das zu würdigen gewußt? Nicht Arthur, der mir, tveih Gott, Dank schuldet, denn welche andere Frau hätte den Edelinut besessen, einen Krüppel zu heiraten, nicht meine Tochter, die immer nur an ihre Unterhaltung gedacht hat, nicht meine Bekannten, die, ich weih nicht weshalb, mich nie für voll angesehen haben, ja nicht einmal die Dienstmädchen, obgleich ich eS wahrlich bei ihnen nicht an Strenge habe fehlen lassen. Nicht wie die anderen Frauen, diese Frau Doktor Bär, die seit zehn Jahren das gleiche Mädcheir hat, und diese hochnäsige Gräfin Agnes, bei der die Mädchen nur fortgehen, wenn sie sich verheiraten. ES heißt, datz das Bewußtsein der erfüllten Pflicht für alles andere entschädigt, aber wo bleibt mein Lohn: das eigene Haus, die gute gesellschaftliche Position, die Bewunderung meiner Mitmenschen? Natürlich trägt auch Arthur an vielem die Schuld. Wenngleich ich jetzt froh bin, datz er seinerzeit nicht zu den Sozialdemokraten gegangen ist. Ich habe ihn ja inuner davor gewarnt. Trotzdem wäre eS in den ersten Jahreit nach der schrecklichen Revolution leicht möglich gewesen, datz er sich ihnen angeschlossen hätte. Später jedoch, als die Dinge sich zu ändern begannen, hätte er wirklich Partei für die echten Deutschen ergreifen inüssen. Und auch jetzt: was kann eS einem Menschen schaden, der Partei anzugehören, der unser, vom Reichspräsidenten berufener Reichskanzler angchört? Aber Arthur ist eben auch in dieser Beziehung lein echter Maitn. Jede andere Frau... Aber mich hat mein Gewissen und Gott davor bewahrt, inich an ihm zu rächen. Ich bin nur froh, datz ich seinerzeit, als junges Mädchen, nicht den Juden geheiratet habe, so sehr er mich auch mit seiner Liebe verfolgt hat. Jetzt erst weiß ich, ivas für gefährliche, zersetzende Elemente diese Inden find, denen nichts heilig ist. Damals habe ich das nur mit dem Instinkt der reinen Frau geahnt. Schon daS Sommerkleid, das ich im jüdischen Warenhaus gekauft habe und das in der Wäsche cingegangcn ist, liefert mir einen untrüglichen Beweis. Und auch der Doktor Bär. der mit seiner geheuchelten Güte und Menschenliebe uns so viele Paftenten fortnimmt. Mein armes Vaterland, das unter dem Schmachfrieden von Versailles leidet und mtherdem noch von den Juden ausgeplündert wird. Aber wenn ich in den letzten Jahren so etwas sagen tvollte, herrschte Arthur mich an„Schweig!" Und so mußte ich alles flüstern, mutzie alles, was mir das Herz bedrückt, mir selbst zuraunen. Ja, ich bin eine unglückliche Frau, und ich habe mein Unglück nicht verdient. Die Tage nach dent Reichstagsbrand waren sogar bei uns, in diesem elenden Nest, voller Aufregung. Die Tage bis zn deit Wahlen flogen nur so dahin. Am Wahltag verschwand Arthur schon in aller Morgenfrühe und ich konnte ihn nicht einmal ftagcu, was ich wählen solle. So blieb Ich denn daheim. Ich saß am Fenster und sah, wit? Toni und Claudia Artn in Arm zum Wahllokal gingen. Das ärgerte mich Hätte ich tticht eine so pflichtvergessene Tochter, so ginge jetzt sie mit der Comtesse Claudia Arnt in Artn, und nicht mit diesem Proletenmädel. Lieselotte ging auch nicht wählen. Es interessierte sie nicht. (Fortsetzung folgt.) Ur 18* Lett« 3 2« Mm 1»SL butter und Süugllns in Hitlers Kerker Immer wenn man glaubt, daß die Vertiert« Hut der braunen Horden eines— mit Respekt zu sagen— Reichskanzlers nicht mehr zu überbieten ist, wird man durch Tatsachenberichte belehrt, daß man sich geirrt hat. Nach dem Staatsstreich Hitlers im März t>. I. mutzte der kommunistische Stadtverordnete Goldammer aus Dresden flüchten. Seine Frau blieb im schwangeren Zustande zurück. Nack) einiger Zeit wurde von der SR. versucht. die Frau zu bewegen, ihren Mann zu einer Zusammenkunft mit ihr aus reichödeutschem Boden zu veranlassen. Die Frau lehnt: ab. Trotzdem wurden die schändlichen Versuch: wiederholt, jedoch immer mit dem gleichen Ergebnis. Den Nazi war cö dabei selbstverständlich nur darum zu tun. Goldhammer über die Grenze zu locken, nm seiner habhaft zu werden. Mittlerweile gebar die Frau. Nun wurden die Versuche erneuert. atS die unglückliche Frau unnachgiebig blieb, wurde sie, wenige Tage nach der Entbindung, in Haft genommen, das Kind aber blieb bei ibren Verwandten. Die Frau, die das Kind an der Brust hatte, erkrankte nach ihrer Verhaftung infolge des unterbrochenen Stillens und bekam eine sehr ichmerzhaste Anschwellung und Entzündung der Brüste. Der sie untersuchende Arzt erkannte natürlich die Ursache ihrer Erkrankung und erklärte, das beste Mittel sei, die unterbrochene Stillung wieder aufzuuchmcn.- Und nun geschah das Ungeheuerlichste: Nicht etwa, daß die Mutter in Freiheit gesetzt und zu ihrem neugeborenen Kinde gelassen wurde! Rein, die braunen Tiere holten den Säugling von den Verwandten, und nun befindet sich nicht nur die Mutter, sondern auch der gegenwärtig etwa neun Monate alte Säugling in Haft. Wahlkomödie In Polen Warschau, 28. Mai. In 347 Ortschaften Polens sanden gestern Kommunalivahlcn statt, die jedoch nur in 251 Ortschaften zur Durchführung gelangten, während in den übrigen Ortschaften lediglich die Wahllisten des Regierungsblocks eingebracht wurden, die ohne Wahl bestätigt wurden. Nach den bis Montag abends vorliegenden Meldungen brachten die Kommunalwahlen in allen Bojivodschaften Polens einen»durchschlagenden" Sieg des Regierungsblocks, der mit den anderen regicrungssreundlichcn Parteien gemeinsam vorgegangen ist. Hetmann Skoropadski, Hitlers dritter Kundschafter in London. Rach Londoner Blättcrmeldungen hält sich seit Freitag der ehemalige Hetman der Ukraine. Skoropadski, in der englischen Hauptstadt auf, um im Auftrage Alfred Rosenbergs mit Repräsentanten. der englischen Rüstungsindustrie und der sascistischcn Bewegung Unterhandlungen zu führen. Skoropadski spielte im Jahre 1917 die kurze Abeutcurerrolle eines vom deutschen Gene- ralsiab ernannten„Führers" des ukrainischen Staates. Später hielt er sich als Vertreter der ukrainischen Konterrevolution bei den nationali» kttschcn Berschwörergruppen in Deutschland auf, nahm Verbindungen zu den Nationalsozialisten auf und ist seit Jahren der engste Vertraute de? Nazi-AutzcnpolitikcrS Rosenberg. Der..Daili) Herold" bemerkt zu Skoropadskis Besuch in London, daß er genau so lächerlich verlausen werde wie der noch unvergessene Besuch deö Herrn Ro- 'enbcrg und ebenso ergebnislos wie die englische Reise des Herrn Ribbentrop. Beilegung des Streikes In Toledo? New Nori, 28. Mai. Nach mehrstündigen Verhandlungen ain Sonntag wird für diese Woche mit einer Beilegung des Streiks in Toledo(Okio> gerechnet. Eine Verständigung im San Franciö- cocr Dockarbeitcrstreik erscheint gleichfalls möglich. nohcHMMc vor den Augen des Gerichtes Am späten Nachmittag des Sonntags hatten etwa 600 Kommunisten vor dem städtischen Wohlfahrtsamt demonstriert und versucht, das Gebäude zu stürmen. Bei dem Vorgehen der Polizei gegen die Ruhestörer wurden acht Bcanite und vier Kommunisten sowie drei unbeteiligte Zuschauer verletzt. Ais am Sonntag zwei Verhaftete vom Schnellrichter abgcurteilt werden sollten, und dieser die Kaution für ihre Freilassung auf 1500 Dollar sestsetzic. veranstalteten die im Zuhörerraum dcS- Gcrichtssaales anwesenden Kommunisten lärmende Protestkundgebungen, so daß die Polizei den Saal räumen mtttzte. Dabei wurde ein Mann bewußtlos geschlagen und dessen Frau sowie mehrere Berichterstatter und andere Zuschauer verprügelt. t Der Tod im Dollfuß-Kerker IRosa Luxemburg: Demonstrationen am Friedhof Briefe aus dem Gefängnis Wir lesen in der„Arbeiter-Zeitung": ES mehren sich die Fälle, daß kranke Genossen an den Folgen der Haft zugrunde gehen. So ist der Bürgermeister Anton R a u ck von Giin- sclsdorf an einer Blinddarntentzündung im Gefängnis gestorben. Er hätte durch eine rechtzeitige Operation gerettet werden können, wenn der Gefängnisarzt die Schmerzen Rauchs nicht bagatellisiert hätte. Sein Begräbnis gestaltete sich zu einer wuchtigen Demonstration der Arbeiterschaft des ganzen Gebietes. Wie eindrucksvoll diese Kundgebung ivar, ist aus dem Bericht des christkichso- zialen Badncr Volksblatt vom 19. Mai zu entnehmen. das voll Wut schreivt: Am 7. ds. starb im Aicner-Rensiädter Spital der Kommandant des ehemaligen Republikanischen SchutzbimdeS, Gruppe Günselsdorf. Er wurde bereits am 18. Februar verhaftet und dem KreiSgerichte Wiener-Neustadt eingeliefert. Nachdem der gewesene Bürgermeister von GünselS- dorf Anton Rauch sich wegen einer äußerst bedenklichen Aeußerung am Abend des 11. Februar l. I. verdächtig machte, Worte, welche den Schutzbund betrafen, konnte naturgemäß auch dessen Exekutivkommandant nicht außer Auge gelassen werden; er wurde verhaftet. SamStag, 12. ds., wat in Günselsdorf das Begräbnis. Heber 8000 Leute waren anwesend und der Großteil dieser Teilnehmer denahni sich in einer jedem Begräbnisse hohnsprechenden Weise. Die Masse war zusammengetriebcn. Vor den Häusern politischer Gegner kam es zu wüstem Gejohle. Die Kirche betraten nur die nächsten Angehörigen. Von der Kirche bis zum Friedhose wurde Spalier gebildet. Am Orissriedhofe ergriff ein Kommunist les war nach den uns gewordenen Mitteilungen ein Sozialdemokrat— d. R.l das Wort, da■ mit zahlreichen„Pfuil"« und„Rachel-Rache!"-Rufen begleitet war. Znm Schlüsse wurde das Arbeiterlied gesungen. Die Gendarmerie amtierte die ganze Nacht hindurch und nahm in Günselsdorf, Blummi und Teesdorf Verhaftungen vor. Den ganzen Sonntag bis etwa 6 Uhr abends tagte aui Gendarmerieposten zu Günselsdorf ein fliegendes Schnellgericht seitens der BnndeSpolizei Wiener-Neustadt und wurden 20 Personen mit Polizeistrafen belegt: Männer mit 6 Wochen, Weiber mit 10 Tagen. Unter den verurteilten Männern befindet sich auch ein Lehrer der Umgebung. Die Bundespolizei hat verfügt, daß, um derartige Ausschreitungen zu verhüten, in Hinkunft Uebersührnngen solcher Verstorbener nicht mehr stattfinden dürfen. ES war der schwerste Friedhofsfrevel in der Geschichte deö Ortes. Das Volk, das wirkliche Volk ehrt seine gemordeten Helden trotz aller Drohungen des AlistrofasciSmuS, trotz Kerker und anderen Strafen I Der Direktor der Arbeiterbank Großmann ist vom Landesgericht enthaftet worden. Er wurde der Polizeidirektion überstellt und dort. ! wie das jetzt üblich ist, trotz dem richterlichen Ent- haftungsüefehl in Haft behalten. In seiner Ver- zlvciflting darüber hat er sich die H a n d a d c r n ausgeschnitten und eine große Zahl Medinalpastillen geschluckt; er konnte jedoch gerettet werden. Oesterrelchisches Bundesheer plündert ein Kinderheim Wir lesen in der„Arbeiier-geiinng". In S e e b o d e n am Millstättersec besaßen die Kindcrsreunde das Kinderheim Pauf- tihof. in dem in jedem Sommer mehr als 1000 gesundheitlich gefährdete Arbeiterkinder Erholung fanden. Nach den Fcberkämpfcn wurde auch dieses Heim von der Gendarmerie gesperrt. Nunmehr hat sich dort folgendes zugetrageu: Eine Abteilung Soldaten unter dem Kommando des Majors Sorlo fuhr vor dem Hause vor, brack durch ein Fenster ein und plünderte die Hauöcinrichtung. Viermal fuhr ein Lastauto vor und schleppte Betten, Decken, Geschirr und Nahrungsmittel weg. tlcbrigcns sind auch andere Kinderheime geplündert worden. So hat sich in Klagenfurt eine Abteilung des christlichen„Freiheitsbundes" im Kinderheim cinquartiert; die Insassen schleppten davon. lvas sie tragen konnten. So wird das Vermögen der Arbeiter von den eingesetzten...Kuratoren" verwaltet. Dao Eigentum ist heilig— nämlich das Eigentum der Kapitalisten. Oer 1. Mai im Gefängnis von Bruck an der Mur Auf dem Ilmweg über Jugoslawien erhält der ORT folgenden erschütternden Bericht über die Maifeier im Kerker von Bruck a n d e r M u r, der Stadt Obersteiermarks. in der Koloman Wallisch gelebt und gekämpft hat. Der Bericht stammt aus dem Brücker Notgefängnis, den Stadtsälen: Es ist Montag, den 30. April 1031, 20 Uhr. Der Jnstizwackbcamic geht ernsten Blickes auf der Galerie des Saales hin und her und befiehlt im strengen Ton Ruhe. Alle Genossen liegen ans ihren Strohsäckcn und denken an den morgigen 1. Mai. Die Fenster sind offen. Plötzlich vernehmen wir von dem gegenüberliegenden Schloßbcrg Gesang; immer lauter und deutlicher werden die Stimmen. Ein Flüstern geht durch den Saal: ..Das müssen unsere Jngendgenossinnen sein." lind so war es auch. Eine größere Zahl junger Genossinnen sangen unsere alten Wanderlieder. Tief gerührt lauschten wir dem Gesang. Wir danken ihnen herzlichst und bitten sie. weiter so tapfer und mutig zu sein. Wir werden wiederkommen. Daun schläft alle? ein. Morgens zwischen 5 und 6 tlhr erwachen wir. Ernst ist die Miene jedes Genossen. Die, die sonst immer Späße machten oder Karten spielten, waren diesmal ernst. Jeder ivußtc, daß dieser 1. Mai nicht unser 1. Mai ist. Plötzlich ertönte Musik. Ein Wachposten befahl, die Türen des Balkons zti öffnen, damit wir die Tagreveille der Vaterländischen Front hören lönn- ten. Die Genossen schlossen aber die Türen und Fenster und zogen sich auf ihre Strohsäckc zurück. Ilm halb 0 tlhr kam das Frühsttick. Alle Genos- I seit saßen stumm auf ihren Strohsäcken, da rief plötzlich ein mutiger, junger Genosse:„Achtung. Genossen, wir gedenken am heutigen Tage derer, die am 12. Feber gefallen sind." Fünf Minuten standen 260 Gefangene ehrfurchtsvoll, stramm j und gedachten ihrer toten Brüder und ihres unvcr- | geglichen Führers und Helden Koloman Wallisch. Nack dem Frühstück gingen wir in dcit Hof i spazieren. Alle Gefangenen hatten rote Papier- I streifen und steckten sic zu einer roten Nelke zusam- i mengesaliei, ins Knopfloch. Eine halbe Stunde gingen wir im Kreis herum, da bemerkte ein Jüftizbeamicr die Nelken. Er holte seinen Vorgesetzten und der gab den Befehl, die Nelken sofort abzunchmen, da sonst der Spaziergang im i Hof und der erlaubte Lcbcnsmittelzusckuß entzogen ! würde. Ta wir den Zweck unserer Demonstration i erreicht hatten, gingen wir den gewohnten Gang ! weiter.• Ter übrige Tag verging bei jedem einzelnen . in Gedanken: wie lange werden wir noch hier blei < ben müssen? Wir senden diesen Bericht, um zu zeigen, daß ,>vir noch leben und im Geiste mit unseren Genos- ! sinnen und Genossen aller Länder und Sprachen aufs innigste verbunden sind. Bei dieser Gclegcn- I heil danken luir allen fiir die Hilfe, die sie uns j angedeihen lassen. Wir hoffen, mit unserer Kraft und Eurer Hilfe bald wieder einen 1. Mai feiern j zu können, aber einen Mai, wie wir ihn uns wiin- j scken. Freiheit I Die Gefangenen in den Stadtsälen Bruck an der Mur. 94 Selten, broschiert mit farbigem Schutmmachlag >er :Zentralstelle für das Blldungswesen Präs XII., Slezski 13. Hilgenreiner Segen Henlein Eh ristlicksozialer Parteitag lehnt sndrten- dentfchr Einheitsiront ab. Samstag und Sonntag fand in Prag der Parteitag der Christlickjoziatcn dcutsckcn Voltepartei statt, dem angesichts der Vorgänge im poli- tischen Lager des sudctcndcutsckcn Bürgertums besondere Bedeutung zukomnit. Der Parteivorfitzende, Herr Senator Dr. H i t g e n r c i n c r, erstattete daö Rescrat. von dem bisher nur Auszüge vorliegcn. Er kritisierte die bisherige Arbeit der deutschen Regierungsparteien und bezeichnete sie als wertlos. Mit diesem Teil seiner Rede nnd mit seiner Stellungnahme zur Außenpolitil werden wir uns noch beschäftigen. lieber das Verhältnis der Ehristlichsozialcn zur Henlein-Front sagte Hilgenreincr: „Am 19. September 1038 richtete ein Abgesandter Henleins an mich die Frage, ob ünserc Partei bereit wäre, mit anderen deutschen oppo- silioncllen Parteien unter Henleins Führung eine Einheitspartei zu bilden. Ich antwortete sofort: ,.D c u 1 s ch c Einheitsfront! Ja!— deutsche Einheitspartei, Nein! Els Tage darauf erschien Henleins Ausrus zur Sndetcndcutscken Heimatfront. Bier Tage später wurden zlvei deutsche Parteien in ihrer Tätigkeit eingestellt nnd drei Wocken später, am 25. Oktober ani Grund des neugeickasfenen ParteigesctzeS völlig auSgcsckaltet. lknser Nein hat damals der deutschen Sache und Konrad Henlein selbst einen großen Dienst erwiesen. llnser Ja hätte uns alle ins Verderben gebracht. Henlein hat seine Tätigkeit mit einem schweren Fehler begonnen, der heute nock nachtvirkt. Trotzdem glaubt er sich zum Führer aller Sudetendeutschen geboren, lluserc Partei hat der deutschen Einigkeit zuliebe sich bestrebt, alles Gesunde hcrauszustellcn, daS sie in der Hcn- leinbclvegtutg erblicken konnte und sie hat dabei l gcslisscnitick alles ziirückgcstellt. ivaS Widersprnck erregen mußte. Wir hossien, die Belvegnng werde der dentsckcn Einheitsfront zugutekommen. Seitdem ist cs gekommen, tvie es kommen mußte: Die Henlcinbcwcgung ist selbst Partei geworden und nimntt sozusagen das Monopol der deut- scheu Einheitspartei sür sich in Anspruch. Ja sie verlangt von älteren Parteien, daß I sic selbst in ihr aufgchen. Den Landstand Spinas I duldet man wie cS scheint und l e i l t sich mit ilmt in Siadt und Land. Bon der Gcwerbcpartci verlangt man Anflöstmg und Eiuglicderung, von der DAWG. die Auslieferung ihres führenden Mannes und Von uns— über unser Schicksal ist, wie l eS scheint, in Asch noch nicht entschieden worden. Gottlob hängt c ö auch gar n i ch l v o n j H e n l c i n und seinem Öl e s o l g e a v. l Wir sind ohne ihn groß gelvorden und leben auch weiter nickt von seiner Ölnade. Wir wissen, was tvir wollen und gehen ziclbewußt unjcren Weg." Tempo,„Tempo"! Das„Prager..Tag- l blatt" vom Samstag enthält eine lustige Notiz. In ihr wird fcstgeftellt, daß die in Tcplitz erscheinende Zeitung„Tempo" kein kommnnisiiickeS Blatt sei. Basta. Wir gestatten uns aber, nock mehr zu behaupten, als im„Prager Tagvlatt" berichtigt wird: Das„Tempo" ist nickt nur ein kominunistifches Blatt, sondern in gewisiem Sinne auch ein Ersatzblatt für die..Welt von heute", die ihm iedensalls ihre Adrcüensckleifcu zur Verlü- gung gestellt hat. ES soll auch Leute geben, die den Herausgeber und verantwortlichen Redakteur des„Tempo", einen gctvisscn Kurt W i c n c r, und I seine Hintermänner näher kennen. Totenliste des Dritten Reiches lP. G.) Die Sektion Prag der Deutschen Liga für Menschenrechte hat eine Liste der Todesopfer des Dritten Reiches veröffentlicht, die mit der Machtergreifung Hitlers beginnt und mit 1. April 1931 abschließt. Die Liste ist natürlich nicht vollständig, denn eö darf nicht vergessen ivcrden, daß eine große Zahl von Fällen nicht ersaßt werden konnten. Trotzdem werden in dieser Totenliste 650 Fälle mit Namen nnd Datum aufgeführt: Hinrichtungen, Einzelmordc, Massenmorde, Erschießungen mtf der Flucht. Allein auf Berlin und das.Konzentrationslager Oranienburg entfallen 13 0 Tote. Die Bluttage von Köpenick am 21. nnd 22. Juni 1933 kosteten 20 Menschen daS Leben, der lkcberfall in Brann- schlvcig am 4. Juli 1933 ebensoviel. Bei einem tleberfall der 2A in einer Laubenlolonie bei Leipzig find 12 Arbeiter nach fürchterlichem Kampf getötet worden. Die Liste stellt nur die politischen Morde zusammen. Aber auch die Hinrichtung Krimineller hat ein außerordentliches Ausmaß erreiche 81 Todesurteile wurden wegen politischer Vergehen anSgesprochen, die übergroße Mehrheit der Urteile sind bereits vollstreckt worden. Außerdem wurden 30 Kriminelle hingerichtct. So wurden in einem Jahr Hitler- Herrschaft nahezu 100 Menschen hinge- richtet. Wenn man dir Zahl von 650 politischer Morde während der ersten 15 Monate Hitler- Herrschaft mit den Zahlen aus den vorangegangenen Jahren vergleicht, so ergibt sich, daß von 1924 bis 1029 in Deutschland nur 66 politische Todesopfer gezählt werden konnte», und schon damals mußte der größte Teil der Mordsälle aus! daö Konto der Nazi gebucht tverdcn. Mit dem Anwachsen der nationalsozialistischen Bctvegung steigerte sich immer mehr die Anzahl der politi- schen Todesopfer: in den Jahren 1930-31 gab cs 62 Tote, das Jahr 1932 forderte bereits 132 politische Todesopfer. In dieser Statistik spiegelt sich deutlich die Mordwut nnd Barbarei dcS Drillen Reiches. kein Friede In Arabien Kairo, 27. Mai.(Reuters. Der Imam von j seinen entschloß sick unter dem Truck der öfsem- i lichcn Meinung definitiv, das Friedens- a n b o t Ibn Sauds nicht anzuneh- m e ii. und bereitet eigene Bcdingimgen vor, i» denen ti. a. die Räumung Hodcjdas, TehemaS und anderer Positionen verlangt wird, die von den Truppen Ibn Sands besetzt gehalten ivcrden. Nach Dschcdda und Hodejda wurden viel Waffen und Munition transportiert. Die Stämme senden Gewehre nach Mekka. Aus beiden Seilen scheint man fest entschlossen zu sein, den Kampf wieder aufzunchmc». Amerika mahnt London, 28. Mai. iRcuier.l ES verlautet, das; der britische Boischasicr in Washington am 25. Mai eine Note erhielt, in dem an den Betrag erinnert ivird, den Großbritannien an die Vereinigten Staaten schuldet und mit welcher der britische Botschafter insormiert wird, wo der Betrag ausbezahlt werden kann. Es verlautet, daß keine offizielle A n t iv o r t auf diese Note erfolgen wird. Seite 4 Di-nitas, 29. Wal 1934 9k. 123 Autocar gegen Telegraphenstange 14 Tot« Paris, 27. Mai. Wie auS Bordeaux ne meldet mied, fließ in der Rüde von Lipvstey ein Autocar in voller Fahrt gegen eine Telegraphen- stange, überschlug sich und sing Feuer. Rach den ersten Meldungen sind 14 Personen verbrannl und fünf Personen verletzt. Cs handelt sich um spanische Touristen, die nach Bordeaux reiste». Nach Angaben der fünf Reisenden, di- verwundet dem Krankenhanse übergeben wurden, war daS Unglüik dadurch verursacht worden, daß der Chauffeur, der durch die lange Reise auS Madrid in ii d e geworden war, beim Bolaul zeitweise e i n s ch l i e f. Der Chauffeur, der mit dem Lebe» dnvonkani, wurde verhaftet. Man nimmt an, daß die 14 Reisenden von dem Anprall des Wagens gegen die Telegraphenstange so mitgenommen waren, daß sie nicht mehl Zeit fanden, sich in Sicherheit zu bringen. Von den ausströmenden Gasen sind sie sicherlich betäubt worden, so daß sie ein Raub der Flammen wer- den mußte». Die fünf Verletzten sind in das nächste Krankenhaus eingeliefert worden. Einer von ihnen liegt im Sterben. Die Verletzten sollen vorn im Wagen gesessen haben und konnten daher rechtzeitig abspringen. Der Unfall wurde von einem Radfahrer beobachtet, so daß sofort Hilfe geholt werden konnte, die aber nichts mehr ausrichten konnte, da die vierhundert Liter Benzin, die der Kraftomnibus mit sich führte, ein so großes Feuer verursachten, daß sich niemand nähern konnte. Der Waldbrand hat außerdem einen so großen Umfang angenommen, daß alle verfügbaren Kräfte zu seiner Be- kämpning eingesetzt werden mußten. Der Führer des llnglückSwagenS, ein 27jähriger Spanier ist völlig z u s a m m e n g e b r o ch e n, so daß sich auS seinem Verhör keine Aufklärung gewinnen ließ. DaS zuständige Gericht hat Sachverständige beauftragt, ein Gutachten abzugeben. schen Landwirtschaft neben dem verstorbenen Svehla Minister Dr. HodZa, Beran, Stanek, Pro- kupck etc. gezeigt, wahrend von Spina, Windirsch uslv. keine Spur zu finden ist. Die sozialen Verhältnisse in der' Landwirtschaft werden in der Ausstellung nicht zur Darstellung gebracht, dafür spielt die Preisfrage eine bedeutende Rolle. Die Gärtnerei ist Heuer ziemlich schlvach vertreten. Tagcsnculgkcitcn Wirbelsturm zerstört eine Halbs Stadt Paris, 28. Mai. Nach einer Meldung auS Santiago de Chile wurde die Stadt C.onee» p e i o s von einem Wirbelsturm heimgesucht, durch den mehrere Stadtviertel völlig verheert wurde». Bisher sind drei Tot- und mrh- rrretansendBerlrtzte gemeldet worden. Tribüneneinsturz— 7V Verletzte Paris, 27. Mai. In St. Quentin in der Pikardie stürzte eine Tribüne bei den Pferderennen mit den Zuschauern zusammen. 70 Personen lourden verletzt, davon 7 schwer. Kurz vor dem ii»glück hatte sich der Wagen des Fahrers Oenneaean überschlagen. Der Fahrer wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus gekchafft, wo ihm ein Bein ab• geno m men werden mußte. Wieder Grubenunglück in Belgien Brüflel, 21. Mai. In dem Steinkohlenbergwerk von Peronneü kamen bei einem Einsturz vier Bergleute umS Leben. Nähere Einzelheiten über die Ursachen der Katastrophe sind noch nicht bekannt. Eisenbahnunglück in Sachse« Weißenfels(Sachsen), 28. Mai. Am Montag um 7 Uhr 26 Minuten ereignete sich im Bahnhof Weißenfels ein Eisenbahnunglück. Bei der Einfahrt in den Bahiühof sprang die Loko- nwtive des beschleunnigten Personenzuges Frankfurt—Berlin aus den Schienen und kippte um. Der Packwagen und ein Personenwagen entgleisten und legten sich auf die Seite. Augenzeugen haben beobachtet, daß von der Lokonwtive sich ein Gegenstand löste und wegklog. ES dürfte dies das vordere Räderpaar der Maschine gewesen sein. Die Lokomotive riß sich vom Postwagen loS, sprang auS den Schienen und legte sich auf die Seite, so daß die Räder noch über das Geleise hinlvegragten. Die übrigen Wagen fuhren gegen die Räder und wurden zum Teil aufgerissen und auf die Seite geschleudert. Der Heizer der Lolomoiive wurde in weitem Bogen hcrausge- schleudert und erlitt beim Aufschlagen auf die Schienen Verletzungen, die sofort zum Tode führten. Der L o k o in o t i v' ü h r e r wurde von dem hochstürzenden Tender begraben und erdrückt. Der Z n g f ü h r e r, der sich im Packwagen befand, erlitt schwere Verletzungen am Kopf, während zehn Reisende und ein Postbeamter mit leichten Verletzungen davonlamen. 389 Kilometer in der Stunde Etamp-S, 27. Mai.(HavaS.) Der Präsident der Republik Lebrun wohnte heute dem SchnelligkeitSlvettbelverb der ohne Belastung weniger als 4'50 Kilogramm wiegenden Flugzeuge um den Deutsch-Pokal bei. Sieger dcS Wettbewerbes tvurde der Franzose A r n o u x, der 2000 Kilometer in fünf Stunden, acht Minuten und 31 Sekunden zurücklegte und demnach eine allgemeine Durchschnittsgeschwindigkeit von 380 Kilometern in der Stunde erzielte. Arnour und noch drei Teilnehmer des Wettbewerbes schlugen den SchnelligkeitSIveltrekord auf 1000 Kilometer. »Graf A-ppeN«" macht 150 km Hamburg, 28. Mai. Wie die deutsche See- warte mitteilt, hat das Luftschiff„Graf Zeppelin" auf seiner Fahrt längs der afrikanischen K ü st e in der Nacht zum Montag wei- terhin die sehr hohe Durchschnittsgeschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde beibehalten. DaS Luftschiff befand sich heute morgens nm bald acht lihr m. Z. bereits bei den Cap Verdifchcn Inseln. Brotpreiserhöhung in Rutzland Moskau, 28. Mai. Der Rat der Volkskommissare und der HauptvollzugSanSschuh der kommunistischen Partei haben durch eine Verordnung die P r e i s c f ü r B r o t, das auf Lebensmittelkarten verkauft Ivird, erhöht. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Löhne für die gesamte So- Ivjctunion um 060 Millionen Rubel zu erhöhen. Die Preissteigerung für Getreide wird damit begründet, daß die Landwirtschaft ihre Kosten dck- ken müsse. Di- XIV. landwirtschastttche Ausstellung in Prag die vom 20. bis 31. Mai stattfindet, bietet für den Besucher viel JnteresianteS. Außer den allgemeinen Expositionen gibt eS eine Reihe spezieller Gruppen, z. B. die Weizenschau in Berbin- dung mit der Mühlenindustrie und Bäckerei, die ForstauSstellung, Hauswirtschafts- und Milchpro- duktionSauSstcllung, zahlreiche neue Modelle von praktischen Geräten und Maschinen, ferner eine Geflügel-, Tauben- und KaninchenauSstellnng mit prächtigen Tieren, rassige Rinder, Pferde und Schtveinc, schließlich noch eine Hundeausstellung. Zahlreiche Diagramme veranschaulichen den großen Fortschritt in der landwirtschaftlichen Produktion, die fachliche Organisation der Landwirte, daS landtvirtschaftliche Schulwesen und vieles andere. Der schon einige Jahre bestehende Muster- gutöhof Ivird von den Landwirten immer wieder gern ausgesucht. Für entsprechende Unterhaltung ist natürlich gesorgt. ES werden u. a. auch Pferderennen veranstaltet. Obwohl eS sich um eine ganzstaatliche Ausstellung handelt, ist die deutsche Landwirtschaft kaum vertreten. Lediglich die deutschen Sektionen des böhmischen und mährisch-schlesischen Landeskulturrates zeigen ihre Arbeiten. Biel haben die staatlichen Güter beigesteuert. In einer Bildgruppe werden als Führer der heimi- Besudelte Kameradschaft. Ein Kassier ist ein Mensch, der stets großen Versuchungen ausgesetzt ist. ES ist ein erregendes Handwerk, tagsauö, tagein im Gelbe wühlen zu können, und doch arm und dürftig feine eigenen Wege gehen zu müssen. DaS Kassicr-Thema hat die Dichter inspiriert lind mancher Dramatiker nahm sich der Männer hinter dem Schalter an, die, über Zahlenreihen gebückt, vom großen Leben dieser Welt mir hinter Gittern träumen dursten, ehe sie in die Mansarde ihres JunggcsellenlcbenS zurück- kehrten. Tragische Grenzfällc mag eS auch im Leben ost gegeben haben, wenn notgcschi'ittelte Menschen, zwischen Pflicht und Verzweiflung hiii- und hergerisscn, sich an dem anvertrauten Gut vergriffen und sich in heißen Nächten nach einem Ausweg zergrübelten. Der Fall in T e p- l i tz liegt anders. Menschliches Mitgefühl nur mit den Opfern, nicht mit der Arrangeurin des riesigen BetrugsI Die Tat der H i l d c H a m m liegt tausendmal schwerer als daS Delikt einer der nur allzu häufigen Unterschlagungen allgemeiner Natur. Diese Defraudant!» handelte nicht aus Not, sondern auS asozialer Gier, auS dem krankhaften Bedürfnis nach Luxiis auf Kosten anderer. Die Teplitzer Schauspieler bildeten eine Arbeitsgemeinschaft, sic hungerten buchstäblich, um daS Theater nicht zusammenbrechen zu lassen, um nicht, hoffnungslos zur Untätigkeit per- dämmt, die Hände in den Schoß zu legen. Darbende, ringende, von der Besessenheit zu ihrem schönen Beruf durchglühte Menschen hatten eine Kameraderie gebildet, eine Kameraderie, der auch die Kassierin Hilde Hamm angehört halle. Nach außen wenigstens. In Wahrheit betrog sie ihre Kameraden in der schändlichsten, gewissenlosesten Weise. Man soll menschlich, aber nicht rührselig-sentimental, human, aber nicht gegen die zynisch Inhumanen sein! WaS sich in Tep- litz ereignete, waS dort an der Kasse des Teplitzer StadttheatcrL geschah, ist eine von jenen Unbe- greiflichkeiten, die einen manchmal an der Menschheit und an ihrer Zukunft irre werden lassen könnten! Denn eS gibt nichts Schimpfliche- rcS als den Verrat einer Freundschaft, die auü Vertrauen und auS Idealismus erwächst. Nie- mand weiß, wieviel die Hilde Hamm unterschlagen hat. Ob eS 600.000 ttc waren oder 400.000 —, cs läßt sich nicht mehr kontrollieren. Nicht die Höhe der veruntreillen Summe ist daS Wesentliche an dieser unseligen Tat, sondern der perfide Geist, der ans ihr spricht. Diesen! Geist schärfsten, unerbittlichen Kanipf anzusagen, ist die heilige Pflicht all derer, die an die Zukunft dieses Planeten glauben, glauben, trotz allem, waS sich an Fürchterlichem in ihrer Mitte abspielt. Diese HammeS sind nicht vereinzelt. ES Unerhörte Unterschlagungen durch die Kassierin des Teplitzer Stadttheaters Das Personal um Tausende betrogen— Die Schuldige verhaftet Nach dem Zusammenbruche der Direktion Scheeler im Dezember 1033 wurde die künstlerische Leitung des Stadttheaters in Teplih- Schönan einer aus dem Ensemble getvählten Ar- beitögcmcinschast übertragen. DaS künstlerische und technische Personal ermöglichten unter schweren Opfern die Weiterführung deS Betriebes. Tie unter Leitung des Schauspielers und Regisseurs Karl Nanninger stehende Arbeitsgemeinschaft war mit ganzer Hingabe bemüht, trotz oft unüberwindlich erscheinender Schwierigkeiten anständig Theater zu spielen und die Mitglieder tvenigstens vor bitterster Notlage zu schützen. Zu den von der Kollegenschaft mit besonderer Fürsorge Betreuten gehörte auch die Kassierin Frau Hilde Hamm. Trotz vorzüglicher Vorstellungen und eines vcrhältnisniäßig guten Besuches waren die allabendlichen Kassarapporte so trostlos, daß seit längerer Zeit die Leitung der Arbeitsgemeinschaft dem Verdachte Raum gab, die Abrechnungen könnten mit dem wirklichen Kassaertrag nicht übcr- einstimmen. Das Mißverhältnis zwischen dem Besuche der Vorstellungen und dem Ertrage der Kassa steigerte sich in den letzten Wochen so auffallend, daß der Theaterleiter Karl Nanninger initativ bei dem Bürgermeister Genossen Russy dieEinwilligung zu einer Kontrolle durch die Arbeitsgeme in» schäft einholte. Dies wurde am Samstag abends in beiden Sälen ganz unertvartet und im Beisein von Vertretern des BUHnen-Bundes durchgeführt. Sie hatte das niederschmetternde Ergebnis, dnß die Kassierin an diesem Abend allein etwa 2000 AL veruntreut hatte. Die sofort bis in die Morgenstunden weitergeführten Untersuchungen ergaben, daß diese Unterschlagungen mindestens um Monate, wenn nicht um Jahre zurückreichen nnd mindestens einen Betrag von einige» hunderttausend XL erreichen. (Die Möglichkeit zu so lang andauernden Veruntreuungen liegt in dem unvorteilhaften und schwer köntrollierbarcn System der Abonne- ment-Gutschein-Hefte, die es einer unehrlichen Kassierin ermöglichen, an jedem Abend eine beliebige Zahl voll bezahlter Karten nur nach dem Abonnement-Tarife abzurechnen.). Frau Hamm versuchte anfangs, jede Unehrlichkeit zu leugnen, entschloß sich aber unter der Last der Beweise doch zu einem Geständnis. Nach stundenlangen Verhören wurde sie verhaftet und dem Bezirksgerichte überstellt. Die Hausdurchsuchung und die Oeffnung aller Kassaschränke förderte schwer belastendes Material zutage. Bargeld, Schmuck, Valuten und Schuldscheine wurden beschlag- n a h m t. Die weiteren Untersuchungen dürften jedenfalls noch recht sensationelle Einzelheiten ergeben. Die Einwohner der Stadt sind begreiflicherweise besonders darüber erregt, daß die Fra» durch den Diebstahl an fast hungernden Kollegen sich ein Borinögen erschwindelt hat. Es muß der Initiative der Arbeitsgemeinschaft und der Tatkraft ihres Leiters Nanninger besonders angerechnet werden, daß diesen Bctrü- , gereien ein Ende bereitet wurde. Atlantik von Ost nach West überflogen Paris, 28. Mai. Die zwei bekannten französischen Flieger Codos und Rossi starteten Sonntag früh vom Pariser Flugplatz Le Bourgct, um den Weilstreckenrekord ohne Zwischenlandung zu überbieten. Die Flieger sühreu 7800 Liter Benzin und 800 Liter Oel mit sich, so daß sie 10.000 Kilometer zurücklegen können. Ihr Ziel ist Kalifornien über den Atlantischen Ozean und New Uork. Sie ziehen aber auch die Möglichkeit eines Fluges nach S ü d a m e r i l a in Erwägung, wenn die WitlerungSverhältnissc während des zurückzulegenden Weges nicht besonders günstig sein würden. Sonntag vor 7 Uhr früh wurden sie über Cherbourgh gesichtet und slogen in Richtung nach Irland. Paris, 28. Mai.(HavaS.) Die letzten Nachrichten aus New Dork besagen, daß sich das Flugzeug„Joseph le Brix" über dem Staate Maine befindet. Die Flieger Codos und Rossi haben eine Nadiomeldung ausgesandt, die vom Dampfer „Champlain" ausgefangen tvurde. In der Mel- dnng deS Kapitäns dieses Dampfers ersuchen die Flieger, der New Yorker Flugplatz möge sich darauf vorbereiten, die Zeit ihres UeberfliegenS des Flugplatzes Floyd Bennett zu kontrollieren. Dieser Flug, den Nord-Atlantik von Ost nach West in einem Non-stop-Flug zu überfliegen, ist biSber nur den französischen Fliegern CosteS und Bel- lonte im Jahre 1030 gelungen. New York, 28. Mai. Wie zu dem Fluge der beiden französischen Flieger CodoS und Rossi ergänzend mitssctcilt lvird, sind die beiden Flieger um 1.32 Uhr(Ostnormalzeit) über dem Floyd- Bennett-Flugplatz eingetroffen und kurze Zeit darauf gelandet. gibt sie überall, und oft arbeiten sie so raffiniert, daß man ihnen mit dem Strafgesetz nicht bei- kommen kann! Nicht sie, aber ihre Gesinnung auszutilgen, auszutilgen, bis auch kein Pflänzchen mehr von diesen! gifttgen Gewächs übrig bleibt, ist die Aufgabe jener, die auS dein Geiste ehrlicher, verantwortungsvoller Kanicradcric ein neues Leben aufbauen wollen! Genosse Frantiiek Machäkek sechzig Jahre. Heute wird eine der stpnpathischesten und beliebtesten Vertrauensmänner der tschechischen Sozialdemokratie, Genosse FrantiSek Machäkek, 00 Jahre alt. Machäkek, der als Kind armer Eltern in eineni Dorfe auf der böhmisch-mährischen Höhe geboren worden ist, hat das Töpferhaudwerk erlernt und hat eine sehr schlechte Jugend verbracht. Frühzeitig wandte er sich der sozialisttschen Bewegung zu, seit 1800 ist er in Böhm.-Brod bei Prag tätig, wo er später in die Dienste der Bezirkskrankenversicherungsanstalt trat. Als deren Leiter ist er vor zwei Jahren in den Ruhestand getreten. In Böhm.- Brod hat er für die tschechische Sozialdeniokratie unschätzbare Arbeit geleistet, er ist dort fett 1010 Bürgermeister, wurde 1928 in die LandeSvertrc- tung gewählt, wo er der Vorsitzende deS Klubs der tschechischen Sozialdemokratie ist. Unsere Genossen in der LmideSvertrctung, die mit ihm viel zu tun haben, schätzen an ihm seine Offenheit und sein proletarisches Empfinde». Ihm ist eS vor allem zu danken, daß das Verhältnis zwischen tschechischen und deutschen Sozialdemokraten in der Landesvertretung ein so ausgezeichnetes ist. Im vorigen Jahr hat die tschechische Sozialdemokratie Machäkek zum Vertrauensmann ihrer ausgedehntesten Kreisorganisation, nämlich des Prager Gaues gewählt. Im Interesse unserer gemeinsamen Sache ist eS, wenn Genosse Machäkek noch lange Jahre der proletarischen Sache dienen wird. Neberttitt von Bürgerschülern in die Mittelschulen. Der Landesschulrat für Böhmen hat einen Erlaß herauSgegcbeu, Ivonach in die zweite und dritte Klasse der Mittelschulen nur dann Schüler der ersten und zweiten Klasse der Bürgerschulen ausgenommen werden dürfen, wenn die Mittel- schulklassen nicht überfüllt sind. Sollten durch die Aufnahme von Bürgerschülern an den Mittelschulen Parallelklassen eröffnet werden müssen, so sind diese Schüler überhaupt nicht zur Aufnahmsprüfung zuzulasseu. Durch diesen Erlaß, der den seinerzeitigen Erlaß des SchulministeriumS über den Uebertritt aus der Bürgerschule in die Mittelschulen stark einschränkt, werde» vor allem die Bürgerschüler schwer getroffen, die schon früher wegen Andranges keine Ausnahme an den Mittelschulen gefunden haben und. sich darauf verlassen haben, daß sie in ein, zwei oder drei Jahren aus die Mittelschule werden übertreten können. Vom Rundfunk Empfehlenomrrte» ota» den Programmen« Mittwoch. Prag, Sender L.: 0: Gymnastik. 10.05: Deutsche Nachrichten. 12: Brahms: Ungarische Tänze. 18: Dr. Dkdina: Aus der Tätigkeit eines Bczirksarztcö. 14: Deutscher Arbeitsmarkt. 10.60: Theater für Kinder. 18.10: Deutsche Sendung: Zehn Minuten für Bastler. 18.30: Deutscher Arbeiterfunk: Franz Rehwald: Freie Gewerkschaften im freien Staat. 18.60: Sozialinformationen. 18.66: Deutsche Presse. 20: Smetana-Konzert. 22,16: Berichte von der lll. Arbeiterolympiade.— Sender S.: 16.10: Deutsche Sendung: E. Feigl liest miS eigenen Arbeiten. 16.20: Kinderstunde. 10: Wanderlieder auf Schallplatte».— Brünn 15.46: Jugendsendung. 18.20: Deutsche Sendung: Früh- lingölieder.— Mährisch Ostrau 11; Schallplatten. 22.20: Tanzmusik. Bl 12» LienSta«, 29. SRoi 1934 Leite K des i kommt, die nun wieder durch- beträcht» heutigen Verhandlung wurde der Fall und verwies den Fall an das hiesige Gericht i e n st e der Arbeiter und in Rußland im wesentlichen zur neuerlichen zurück. .sei nicht legte bat mit im» biS Nur tverden Waffe»-- Stunden klage des Mordes freigesbroche«« muhte und nur wegen Uebertretung des patentes zu 100 KC Geldbuße, bzw. zu 24 Arrest venirteilt wurde. Dieser Freispruch erregte seinerzeit lichcS Aufsehen. Der Gerichtshof gab damals dem Antrag des Staatsanwaltes, den Angeklagten bis zur Erledigung der Nichtigkeitsbeschwerde in Haft zu belassen, statt und der Prozesmkt ging an das Obers«« Gericht. Dieses hob das Urteil wegen formeller Mängel auf Verhandlung Inlöndlsohee Erzeugnis Tube Kt 4.— u. XL s— Ermäßigung für JahreSkartenbesit»rr auf staatliche» Autobussen. TaS Eisen bahn Ministerium hat einer seit langem erhobenen Forderung der Geschäftsreisenden entsprochen und FahrpreiSer- mäßigungcu ans den staatlichen Autobussen in der Höhe von ungefähr 25 Prozent allen Jahres- und HalbjahreSkartenbesitzern der tschechoslowattschcu StaatSbahnen gewählt. Tie Vergünstigungen treten am l. Juni in Kraft und gelten für die Autobusstrcckcn, die im Bereiche der Direktion, für welche die Jahres, oder HalbjahreSkartcn Geltung haben, liegen oder darin ihren Ausgangs- oder Endpunkt haben. Die Ermäßigungen tverden vorläufig probeweise nur bis Jahresende bewilligt. Ein starkes Erdbeben in P n r g o S iPeloponnes) richtete erheblichen Schaden an. Viele Häuser zeigen Risse, einige sind unbewohnbar geworden. In den Dörfern in der Umgebung st ürzten mehrere Gebände cin. Die Bevölkerung übernachtete unter freiem Himmel, da eine Wiederholung Bebens befürchtet wird. Wahrscheinliches Wetter Dienstag: Noch mer unbeständig und relativ kühl, bei West- Nordwestwind. Stellenweise etwas Regen, mn Südwestrand des Staates zeitweise etwas verringerte Bewölkung.— WettcrauSsichtcn für Mittwoch: Fortdauer des herrschenden WettcrcharakterS. Die V e r d Angestellten sind normiert. So sprachen wir mit einem Ingenieur, dec mitteilte, daß er 500 Rubel pro Monat verdiene. Von anderer Seite erfuhren wir, daß Uni- verfitätSprofcssoren und höhere Beamte bis zu maximal 800 Rubel pro Monat erhalten können; darüber hinaus gibt eS offiziell— mit Ausnahme einiger besonderer Spezialisten mit Sonderverträge««— keine höhere Einkommenftufe. Besonders die Funktionäre der Kommlmistischen Partei sollen in keinem Fall mehr erhalten. Die Arbeiter werden ebenso wie in Westeuropa im Stundenlohn bezahlt, der je nach der Qualifikation abgestuft ist, man nannte uns in der Turbageneratorenfabrik in Charkow, die wir besuchten, Löhne von 0.80 bis 2.80 Rubel die Stunde. Doch arbeite«« die Leute im Akkord und erzielen dann Verdienste von 400 bis 600 Rubel im Monat. Die Arbeitszeit beträgt 8 Stunden täglich mit eingeschalteter ein- iründiger Mittagspause, so daß tatsächlich nur 7 Stunden gearbeitet werden. Die Arbeitswoche dauert in der Regel fünf Tage und am sechsten Tage ist frei. Steckt der Sonntage gibt es sogenannte„Ausgehtage", die jeweils auf den 6., 12., 18., 24. und 30. des Monats fallen, eine Einteilung nach Wochentagen, wie tvir sie kennen, gibt es in Rußland nicht mehr. Menn man z. B. jemand sagt, daß sich am Dienstag dies oder jenes ereignet habe, so versteht er daö«richt und inan mutz das Datum nennen, um den Zeitbegriff verständlich zu machen. Hat der Monat 81 Tage, so verlängert sich die betrefsende ArbeitSlvoche um einen Tag, im Feber entfällt dec letzte Ausgehtag des Monats, weil es keiner« 30. gibt. Zusam- nrengezählt ergibt sich, daß das Jahr 69 AuSgeh- tage umfaßt, also um sieben freie Tage mehr, als bei«mS Sonntage. Dagegen sind die Feiertage erheblich eingeschränkt, so daß inan im wesentlichen wohl auf dieselbe Anzahl freier Tage lommt, wie bei uns. Der bezahlte Urlaub schwankt zwischen zwei und vier Wochen, je nach der Schwere und Verantwortlichkeit der Beschäftigung, wobei auf Bei der von neuem ausgerollt, allerdings Ivurde vor« der per- sönkichc«« Einvernahnie der»leisten Zeuge«« abgesehen und nur deren Protokolle verlesen. Insgesamt tvur- den zehn Zcngci« vernommen, darunter einige von der Verteidigung neu beantragte. Der D a t e r der ermordete«« Saldo sagte ans, das; seine Tochter ei» braves Mädel gewesen sei nnd sich bis zum März v. I. ordentlich anfgeführt habe. Dann aber e S u b e r sie g e k o m in e n" nnd sie habe mehr gutgetan. Die Mutter des Angeklagten ein günstiges Zeugnis für ihren Sohi« ab und die Geschworenen auf den Knien, ihm Erbarmen-«« haben. Es handelt sich iin übrigen durchwegs um Leumundszeugen. Die Plädovers gestalteten sich auch heute recht lebhaft und es kam zu scharfen Wortgefechten z>vi schon Staatsanwalt Dr. Triickv und Verteidiger Dr. Pösl. Der Vorsitzende OGR. Kaplan verwies in seinem Resümee auch darauf, daß nach dem neuen Gesetz über die Todesstrafe, das mit 1. Juni in Kraft tritt, das Oberste Gericht ermächtigt ist, in der Sache selbst zu entscheiden und eine eventuelle Todesstrafe in Kerkerstrafe umzuwandeln. Eine Zu» sahfrage auf SinneSverWirrung wurde dieSinal nicht vorgclegt, weil die pshchiatrifchen Sachverständigen den Angeklagten für geistig völlig normal, erblich nicht belastet und auch im Augenblick der Tat absolut zurechnungsfähig erklärt haben. Die Geschworenen bejahten nach etwa halbstündiger Beratung die Schuldfrage auf Meuchel- inord mit nenn Stimmen. Der Schwurgericht»- hof verurteilte hierauf den Angeklagten zur Strafe de» Tode» durch dr«« Strang. Der Verteidiger meldete die N i ch t i g k ei t s- l> e s ch tv e r d c an, so das; da» Oberste Gericht in der Sache endgültig zu entscheiden haben wird. rb. Prag, 28. Mai. Heute«vurde vor dem Schwurgerichtshof des OGR. Kaplan ein Mordpro- z e st neu verhandelt, der schon einmal das hiesige Gericht beschäftigt hat. Am 1. nnd 2. Dezember v. I. stand vor den Prager Geschworenen der 2üjährige Josef B a v r a ans H r u s o v i c e wegen Meuchel- «nordes an seiner Geliebten, der 17jährigen Zdcnka Saida. Kurz wiederholt handelt cs sich um folgenden Sachverhalt: Der Angeklagte, der mit der Saida ein halbe» Jahr lang eil« intimes Verhätinis unterhalte«« hatte begab sich«nit ihr, nachdem er arbeitslos geworden «var, anfangs Juli v. I. nach Prag, um hier Arbeit zu suchen. Seine Geliebte, die bereit» vorher in ihrem Heiniaisdorf noch verschiedene andere Liebeleien hatte, sprach davon, dast sie eventuell in Prag von Proslitntionleben werde. Vavra, der bereits früher mancherlei Eifersiichtsaustrüte mit seiner Geliebte«« gehabt hatte,«var damit nicht einverstanden. Schließlich begab er sich aber doch mit ihr von ihrem Heiniatsdorfe. H r u ö i c e bei Beneschau zu F««ß auf den Weg nach Prag. Das Paar liest sich aber Zeit und trieb sich fast eine Woche in der Ilmgebung seines Heimatdorfes hennn, wobei es in Strohschobern, Wächterhütten oder unter freiem Himmel nächtigte. An» IN. Juli v. I. nach 7 Uhr früh ginge«« die beiden durch das Tal„S m e j k a l k a" bei Tur- k o v i c e. aus einem schmale«« Fußweg dem Bachufer entlang. Das Mädchen ging voran. Ohne daß ein Worttvechfel stattgefunden hätte und ohne jeden sonstigen unmittelbaren Anlast feuerte urplöhlich Vavra eilten Schuß auf dei« Rücken des Mädchens ab, der in der linken Hüfte stecke«« blieb. Die Verwundete schrie auf:„I esns Maria, P e p i, was t u st d» nt i r?" und versuchte zu flüchten. Vavra feuerte noch einen Schuß hinter ihr her, ohne sie zu treffen, doch fiel sie bald daraus von« Blutverlust erschöpft z«« Boden. Der Schlußakt des Dramas toar grausig genug: Vavra setzte die Revowermündung ai« die Stirn des Opfers und schoß der Wehrlosen ztvei Kugeln in den Kopf. Al» sie immer noch röchelte, drückte er ihren Kopf in daö Wasser dcö Bache» und erstickte sie, bevor sie noch den absolut tödlichen Wunden erlegen tvar. Die Geschworenen erkannten am 2. Dezember v. I. dei« Angeklagten, der sich damit verteidigte, dast er in hochgradiger Aufregung gehandelt habe, zwar mit acht Stimmen schuldig, bejahte» aber auch die Zusatzfrage auf momentan« Sinne S v e r w i r r u n g. so dast der Täter als im Auge««blick der Tat unzurechnungsfähig von der An- m. Wie lebt der russische Arbeiter? Bon Josef Btlina. Fahrt in den Tod. SamStag nachmittags wurde auf der Staatsstraße in Arbesau der 17 Jahre alte, kurz vor der AuSlehre stehende Mechanikerlehrling Erlvin Rumrich ans Liesdorf, als er auf einem Motorrad nach Tellnitz wollte, bei«« Ikeberqucren der straste von dem Lastauto der Firma Grohmann aus Offck erfaßt, zu Boden geschleudert und dabei jo schwer verletzt, daß er bald darauf verschied. Der Verunglückte war das einzige Kind und auch die einzige ZukunstShoffnung seiner armen Eltern. Die Gendarmerie«st jetzt bemüht, die Schuldfrage zu klären. Einbruch in der Prager„Urania". In der Nacht von Sonntag auf Montag fielen einem Polizisten ztvei verdächtige Männer auf, die sich aus dem Kai„Na FrantiSku" Herumtrieben. Der Wachmann trat plötzlich auf die beiden zu und forderte sic auf ihm z«i folgen. Einer der Männer entkam ihn«, den zweiten jedoch konnte er festhal- ten und auf die Wachstube bringen. Dort stellte man gleich fest, daß cs sich um den Süjährigen bekannten gefährlichen Kassenräuber Anion Wurm handle. Er Ivar mit den erstklassigsten Einbrnchivcrkzeugen versehen. Man fand bei ihm eine Menge Karten, Stempelmarkcn usw. der Prager„Urania". Als man nun diesem llinstand nachging, wurde festgestcllt, daß in den Räumen der deutschen Prager„Urania" ein Einbruch vollführt wordei« war. Die eiserne Kasse Ivar von zwei Seiten angcbohri und ein größerer Geldbetrag. die Einnahmen von Samstag«ind Sonntag. entwendet worden. Der Schaden ist durch Versicherung vollkommen gedeckt. Wurm ist in Haft belasten«vvrden und nach dem zweiten Täter wird eifrig geforscht. Räuberischer ttebcrsall. Sonntag abends Hai in Lang-Ugest bei Dux der 22jährige Kutscher Adols Fencel, der beim Wirtschaftsbesitzer Köhler beschäftigt ist. die 49 Jahre alte Landwirtsgattin Anna Köhler, die allein zu Hause weilte, mit einem Bügeleisen in der Küche überfallen. Er versetzte ihr mit dem Bügeleisen einige wuchtige Hiebe auf den Kopf, so daß die Frau zusammeubrach. Hieraus durchsuchte er die Wohnung nach Geld, fand in der Kredenz 60 KC und flüchtete. Die Land- wirtSgattin wurde von NachbarSleuten bewußtlos anfgefnnden und in dae Durer Krankenhaus gebracht. Ihr Zustand ist sehr ernst, doch hat sic das Bewußtsein wieder erlangt und mit aller Bestimmtheit als den Täter den Kutscher Fencel bezeichnet. Die Gendarmerie hat sofort die Nachfor- icknngcn nach dem flüchtigen Fencel eingcleitet. ES war in der kurzen, uns zur Verfügung stehenden Zeit naturgemäß vollständig unmöglich, ein präzises Bild der wirtschaftlichen Lage der russischen Arbeiters zu gewinnen. Immerhin hatten wir aber die Möglichkeit, unter- wcgS mit zahlreichen Leuten zu sprechen, so daß wir eine gewisse llebersicht über die Lohn- und Verdienstverhältnisse erhielten, die aber noch keineswegs die Grundlage für eine Beurteilung abgeben können, da in erster Linie die Kaufkraft des Geldes in Betracht aus variabel ist. t a t f a ch« in« Betrieb ist außerordentlich teuer»ind kostet 60 bis 60 Rubel pro Paar; selbst in den Torgsi««läden, wo niir gegen Goldvaluta verlaust wird, kostete«« schlechte Damenschuhe 4.60 bis 5.75 Goldrubel, das sind 63 bis 80 sranz. Franken I Man hosst aber, durch den Ausbau der Bedarssgütcrindnstrie, hier eine allmähliche Bestcrung zu erziele«« und dei« Standard zu heben. Die Einfuhr dieser Bedarfsgüter will man aus valutarischcn Gründen nicht zulas« scn, da alle verfügbaren Valutareserven einzig der Produktionsmittelindustrie Vorbehalten sind. DieErmittlnng deS Papierrüb e l w e r t e S ist außerordentlich schtver. Er dürfte durchschnittlich ein Fünfzehntel des Goldwerte» darstellen, sohin wertmäßig maximal einem sranzösischen Franken entsprechen. Die Verdienste sind somit relativ niedrig, doch reichen sie für eine auvköminlichc Ernährung,«vogegen für die übrigen Bedürfnisse kaum etwas übrig bleibt. Ein tv e st e u r o p ä i s ch e r Arbeiter tvürde sich wahrscheinlichnormalerweise nur schiver an das bestehende Lebensniveau ^gewöhnen. Das niedrige Lohnniveau führt vor allem dazu, daß allgemein auch die F r a u e n Mitarbeiten, da der Verdienst dcö ManncS nur schtver zur Erhaltung einer ganze«« Familie ausreichen würde und die LcbenSmittelzuteilrmgen für nichtarbeitende Familienmitglieder wesentlich geringere sind, so daß der Zuschußbedacf an den teuren Waren aus den LebenSmittelmagazincn unerschwinglich wäre. Die rustischc Frau ist tatsächlich mit dem Mann in jeder Hinsicht gleichberechtigt, aber es ist damit auch die gleiche Verpflichtung zur Arbeit verbunden. Und zwar zu Arbeiten, die wir in Westeuropa dei« Frauen nicht ausbürden möchten und wo tvir sür die Befreiung der Frau von ihnen eintreten,>vo sie noch mit ihnen belastet sind. ES verursacht beinahe einen körperliche«« Schmerz, tvcnn man in Rußland Frauen bei den sch wer st en ! S t r a ß c n a.r b e«te n beschäftigt findet, bei den schnnihigsten Arbeiten aus der Eisenbahn usw. Als wir auf dnS Mißverhältnis zwischen den Verdiensten und dem hohen Preisniveau hinwiesen, wurde uns erklärt, daß der Arbeiter ja im Akkord arbeiten nnd dainit mehr verdienen könne: daß ihn aber auch niemand hindere, länger zu arbeiten und daniit seinen Verdienst zu heben. Wir verstanden das zunächst nicht, bis wir eines Tages hinter den Sinn dieser Worte kamen: es gibt zahlreiche Arbeiter und Angestellte, die ihre Schicht von acht Stunden in einer Fabrik absolviere«« und dann in einer anderen zur zweiten Schicht antreten, so daß sic also lich 16 Stunden sind, tvobei sie dann MonatSvcrdienste von 800 bis 1000 Rubel erzielen. DaS beweist ztvar, daß cs in Rußland tatsächlich keine Arbeitslosigkeit gibt, daß ein Mangel m« Arbeitern herrscht, aber eine Lösung des sozialen Problems in dem Sinne, wie wirihnverstehen, kann man billigerweise in dieser Doppelarbeit nicht erblicken. W letzte MMll NW Dem alten ötWsetz Im Dezember freigesprochen— gestern zum Tode verurteilt Der zweite Prozeß gegen Josef Bävra, den Mörder seiner Geliebten macht die Zähne ' blendend„weiß die Gesundhcitsschädlichkeit usw. Rücksicht genommen wird. Die wesentliche Frage ist nun, was der Ar beiter nnd Angestellte für seinen Lohn bekommt. Bor allem werden ihm 10 Prozent deS Verdienstes für die M i e t e abgezogen, gleichgültig, wie groß die ihin zur Verfügung gestellte Woh- nung ist. Die Wohnungözuteilung richtet sich nach' der Größe der Familie, so daß z. B. ein linder- loses Ehepaar unter Umständen für ein Ziininer 80 bis 90 Rubel monatlich bezahlt, dagegen ein Ehepaar mit Kindern siir eine Zweizimmerwohnung nur 30 oder 40 Rubel, je nach dem erzielten Verdienst. Regelmäßig sind die B r o t z u I c i l u n- g e n, welche die Arbeiter erhallen, u. zw. 400 bis 1000 Grannn täglich. Das üblicherivcise zuin Verkauf gelangende Brot ist schwarz, in« Aussehen und Geschmack dem bei uns verkauften Graham- Brot sehr ähnlich nnd kostet bei der Zuteilung 10 Kopeken pro Kilogramm, ist also in Anbetracht des Papierrubcl-Wertes fast umsonst. Brot scheint genügend vorhanden zu sein; freilich sahen tvir gegen 11 Uhr abends in Kiew einen Schleichhan- del-Brotinarkt, ivo die angebliche» Brotübcrschüstc um 1.60 bis 1.80 Rubel pro Kilogramin verlaust wurden., Inwieweit rS sich da um tatsächliche Ueberschüsse der das Brot Verkaufenden handelte, konnten tvir selbswerständlich nicht fcststellen. Immerhin bot dec Brotmarkt kein erhebendes Bild, denn es waren meist tatsächlich Jammergestalten, die Kauf nnd Verkauf durchführten. Die sonstigen Lebensmitte l- Zuteilungen sind keineswegs regclniäßig. ES obliegt vor allem den Betrieben, sich um die Ernährung ihrer Arbeiterschaft zu kümmern. Das führt dazu, daß die meisten Fabriken versuchen, sich ein möglichst großes Terrain zu sichern, wo sie Gemüse usw. anpflanzen, eine Kleintierzucht betreiben u. dgl. niehr. Je nach den Erträgnissen oder durch Tausch ihrer Produkte mit landwirt- schaftlichen Genossenschaften können sie dann die Lebenshaltung ihrer Arbeiter bester oder schlechter gestalten. Fleisch wird in sehr unzureichenden Quantitäten zugeteilt, man nannte uns einen Durchschnitt von ztvei Kilogramm pro Monat, ähnlich Fette, Zucker und Tee, die noch für die Zuteilung in Betracht kommen. Jeder Fabrik sind sogenannte Fabrik- k ü ch e n angeschloffen, also nach unseren Begriffen Fabrikskantinen, tvo jedoch die Arbeiter für verhältnismäßig wenig Geld die volle Verpflegung erhalten können, also Frühstück, Mittag- und Abendessen. Ein Mittagessen kostet ca. einen Rubel. . Werden über diese VerpslegSinöglichkeiten hinaus weitere Lebensmittel benötigt, so kann man sie enttvcdcr in den freien Markthallen oder in den staatlichen LcbenSinittel» Magazinen kaufen. In den Markthallen werden die landwirtschastlichcn tlcbcrschüsse der Kolchozei« slandtvirtschaftliche Genossenschaften), sowie der immer noch vorhandenen Einzelbauern verkauft und die Preisgestaltung richtet sich hier nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage. In den staatlichen Magazinen bestehen vorgeschriebcne ! Preise, die außerordentlich hoch sind. So kostet ein Kilogramm Butter 20 Rubel, ein.Kilogramm Weißmehl 4 bis 5 Rubel, Wurst und Fleisch 15 bis 20 Rubel und mehr. Relativ billig sind Fische und Fischko««servcn, auck Geflügel, dagegen besteht ein absoluter Mangel an Rindfleisch und ! Schweinefleisch. Im allgenieincn merkt man leinen : Lebcnsmittelmangel und die Menschen aus den Straßen>«nd in den Betrieben«nachcn einen zicin- ! lich gut genährten Eindruck. Es«vird natürlich auch Ilntcrschiedc geben und nach den Erfahrungen, die wir in Rußland machten, wird e» ebenso stimmen, wenn jemand über die doriigen Verhält- ' niste schimpft, wie wenn jeinand sie lobt. In einer Fabrik oder in einem Ort«vird es besser, im ' andern schlechter sein. Wir sahen z. B. schon einen -ganz«narkantcn lknterschied im Aussehen und ; Gehaben der Leute in Moslan nnd in Charkow: während sie hier offen und betveglich sind, den i Eindruck relativ zufriedener und sröhlichcr Menschen«nachcn. merkt man in'Moskau eine gewisse Gedrücktheit, teiltveise auch unverkennbare Not. Ein unbestreitbares Minus liegt in der B e« kleidung und Beschuhung der Menschen. Hier tritt der Mangel ganz ofsen zutage. Dabei bereisten«vir Rußland zr« einer Zeit, .da das Wetter außerordentlich günstig war, so daß man leicht gekleidet gehen konnte und Mäntel soivie Schuhe nicht entbehrte. Vielfach sah man — Anfang Mai— Leute barfuß gehen, die meisten tragen leichte Lcinenschuhe, Lederschuhe sieht ! inan nm* selten. Sckmhwerk minderer Dualität «ehe 6 „Sozialdemokrat" Dienstag- 39. Mat 1934 Rt. 133 PRAGBR ZBITUMG Don der Arbeit der Kinderfreunde Elternversammlung. Am Ü. Juni wird Genosse Fachlehrer T h ö n e r in einer Elternversammlung der Prager Kindersrcunde über das Thema^Mittelschule oder Bürgerschule?" sprechen. Genosse Thöner ist ein ausgezeichneter Fachmann. Er wird in seinem Vortrage auch die Frage behandeln, ob der Uebertritt in die Mittelschule von der 4. oder der 5. VolkSschul« klasse erfolgen soll. Dem für Prag sehr wichtigen Vortrage deS Genossen Thöner ist das regste Interesse aller Eltern und Schulfreunde sicher. HelferkurS. Der für 2. und 3. Juni festgesetzt ge- ivesene HelfcrkurS kann wegen der gleichzeitig in Nesselfleck stattfindendcn Rcichstagung nicht stattfinden. Der HelfcrkurS tvird an drei Abenden des Monats Juni veranstaltet werden. Als Lehrer wurde Genosse Hocke, Bodenbach, gewonnen. AuSschnsssihung. Mittwoch, den 80. Mai, abends 7 llhr, in der Redaktion des„Sozialdemokrat" AuS- schubsihnng. Auf der Tagesordnung: die Vorbereitung des Kindertages, des Falkenlagers, Rote Falken und Schule». a. Die Mitglieder des Ausschusses werden gebeten, sich den 6. Juni für eine Sitzung mit der Partei zur Vorbereitung des Kindertages freizuhalten. Der verräterische grüne Stoff. In den Weinbergen wohnte unangemeldet ein gewisser Rudolf B a S t a. ein Mann von 88 Jahren, für dessen Existenz sich die Polizei plötzlich zu interessieren begann. Man hielt Hanssnchnng bei ihm ab und fand schliesslich in der Waschküche, die zu der Wohnung gehörte, einen Topf, der neben modernstem Einbrecher-Werkzeug auch ein Stiick grünen Stoffs, das Spuren von Rost aufwies, enthielt. Der Polizei gelang cs auf Grund dieses Fundes, Basta drei Einbrüche nachznwcisen. Und zwar hatte dieser am 10. Mai in der Sparkasse der Feuerwehr 9480 Kd, nm 13. April in der Sparkasse tschechischer Professoren 0900 Kd und in einer Sparkasse am Thyl- Platz 39.000 Kd gestohlen. Die Ueberführung Bad» >aS glückte dadurch, dass dieser in der Sparkasse der tschechischen Professoren einen Rest jenen grünen Stoffes und an den beiden anderen Tatorten je ein Einbrccherwerkzcng hatte liegen lassen, die beide von ganz neuer besonderer Konstruktion lvaren, und von denen nian in der Wohnung Bastas Duplikate fand. Ter Wladiflaw-Saal auf der Prager Burg wird infolge des grossen Interesses der Bevölkerung der breiten Leffentlichkeit noch in der kommenden Woche gegen ein geringfügiges Eintrittsgeld von 1 Kd für Erwachsene und 50 Heller für Kinder zugunsten des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes zugänglich sein. Honst und Wissen Die vier Grobiane Ermanno Wolf-Ferrari, der,Komponist der Lnstspiclopcr„Tie vier Grobiane", die Sonntag am PragerDeu eschen Theater zur E r st- a n f f ü h r u n g gelangte, ist dem Prager deutschen Musikpnbliknin nicht unbekannt. Sein harmlos» reizvolles musikalisches Lustspiel-Intermezzo„S u- saunens Geheimnis" wurde bei uns wiederholt aufgeführt und die Erstausführung seiner Musikkomödie„Die neugierigen Frau en" war im Jahre 1905 eine der letzten NencinstndierungS- taten des damaligen Opernchefs deS Deutschen Theaters Leo B l e ch. Auch ein grosses Chorwerk Wolf-Ferraris haben die Prager vor Jahren durch den Deutschen Singverein und seinen Dirigenten Dr. Keussler kennen gelernt; die auf eine Dichtung DanteS komponierte Kantate„La Vita n u o v a". Denkt man an die„Neugierigen Frauen" Wolf-FerrariS, dann hätte man statt der Bekanntschaft mit den„Bier Grobianen" lieber jene mit der Oper„Sly" gewünscht, die als sein reifstes und bestes bühnendramatisches Werk gilt. Denn die „Bier Grobiane" knüpfen textlich-inhaltlich und musikalisch allzu deutlich und viel an die„Neugierigen Frauen" an, so dass man sie boshafter Weise als eine„vergröberte" Wiederholung der zuletzt genannten Oper bezeichnet hat. Die Frauen sind eS hier wie dort, die den Gang der Handlung der beiden Opern bestimmen. Bei den„Neugierigen Frauen" ist eS die Neugierde der Frauen, die den Lustspielstoff liefert, hinter ein harmloses Männergeheimnis zu kommen, bei den„Bier Grobianen" ist eS die ungalante Grobheit von vier philisterhaften Ehegatten, die in gar nicht geheimnisvoller Weife den armen, aber klugen Frauen dazu dient, diese Ehegatten klein zu kriegen, hineinzulegen und endlich zur Bernunft zu bringen. Wolf-FerrariS Musik zur komischen Oper„Die vier Grobiane" ist wie alle Lustspielniusik dieses ebenso erfolgreichen wie angesehenen, im Jahre 1876 zil Venedig geborenen MnsikerS, der— von einem deutschen Vater und einer italienischen Mutter stau»- inend— deutsche und italienische Art in sich vereinigt. Deutsch ist die gekonnte Strenge seiner musikalischen Satzes und seiner kontrapunktischen Kunst, italienisch die Klarheit und Leichtheit seines musikalischen Ausdrucks, die melodische Gefälligkeit und die anregende Witzigkeit seiner Tonsprache. Seine musikalischem Inspirationen weisen aus die Vorbilder Verdis und Rossinis, mitunter sogar anf Mozart hin. Dass Wolf-Ferrari ein berufener Erneuerer der italienischen opera buffa ist, wird ihm jeder bezeugen müssen, der seine heiteren Bühnenwerke kennt. Auch die„Vier Grobiane" sind eine opera buffa; denn ihre Partitur bietet nmsikalischen Witz, offenbart einen flotten und unbeschwerten musikalischen Dialog, ist voll köstlicher instrumentaler Einfälle, vermeibet den schtverfälligen und handlungshemnien- den Chorapparat und gipfelt in kunstreichen und effektvollen Ensentblesätzen. Aber.— und das ist leider ausschlaggebend: Wolf-Ferraris Musik ist mehr gekonnt und geistreich als ursprünglich und inspiriert. WaS bedeutet, dass sie mehr fesselt als mitfortreisst, dass sie(besonders in den lyrischen Stellen) mehr zum Verstände als zum Gcmüte des Hörers spricht, dass sie mehr delikat als humorvoll ist. Volkrlied- hafte Wendungen und verschiedene Zitate bekannter Melodien sind ein Behelf deS Komponisten, eigene Gedanken zu ersparen. Die Aufführung deS Werkes war vor allem szenisch zu loben. Renato M o r d o hatte die ganze Oper in den originellen Rahmen eines Fastnachtscherzes gesteckt, den ausgelassene Karnevalsgäste in Szene sehen. Frank Schultes hatte ihn dabei durch farbenschöne venezianische, bildcrbuchartig wirkende Szenenbilder trefflich unterstützt. Kapellmeister Adolf Kienzl dirigierte; mit viel Ambition, aber ohne die erforderliche Klarheit und Genauigkeit der Gestaltung. Die vier Grobiane waren A n- d e r s e n, Bäudler, Hey und Hotter, die aber viel zu lvenig echten Humor entfalteten und teilweise auch rein stimmlich ihren Aufgaben nicht entsprachen. Auch die in» Kampfe gegen die vier Grobiane siegreichen Frauen hätten mehr Laune und Witz zeigen können, Fr. K i n d e r m a n n, Fr. Walt e r und Frl. Zoltan. Als kindliches Liebespaar hatten Frl. R ohne und Herr R i a.v e tz teil an» Erfolg, als galanter Edelmann Herr H a t- t e m e r. Das glänzend besuchte Haus freute sich vor allen» des munter und flott gebrachten zweiten Aktes. E. I. „Terzett zu Viert."(KleineBühne.) Dieses„Terzett zu Viert" ist in Wirklichkeit nur daü bekannte Ehedreieck; denn der vierte Partner ist nur eine Scheinfigur. Auch geht es in diesem Ehedreieck sehr ehrlich zu: Denn die Frau, um die eS sich handelt, gehört ganz legitimer Weise erst dem einen, dann dem andern und schliesslich wieder dem ersten Mann als rechtmässige Ehegattin an. Leo Lenz, der Verfasser des Lustspieles, hat diese neue Idee von der Wechselbeziehung zwischen einer Frm» und zwei Männern in eine durchaus unterhaltende und insbesondere sehr dezente Form gebracht und für einen Dialog gesorgt, der Langweile auf ber Szene und im Publikum nicht aufkommen lässt und unaufdringlich humorvoll dahinplätschert. Dezent und anspruchslos ist auch die Musik, die Willy R o s e n für daS Stück geschrieben hat und die in bescheidener Weise nur illustrativen und stimmungszeichnenden Charakter hat. Sogar auf die sonst üblichen getanzten Refrains verzichtet sie. Praktisch und originell wirkt sie durch die Art ihrer Ausführung, die zwei Klavieren übertragen ist; denn diese Art einfacher Begleitmusik ist zweifellos besser und wertvoller als ein ungenügendes begleitendes Surrogatorchester. Ebenso dezent wie das Stück selbst war auch seine künstlerische Wiedergabe, um die sich besonders Herr Erich Dörner als den feineren Ton festhaltender Spielleiter bemüht hatte. Die Rolle der doppelt und dreimal mit zwei Männern verheirateten Ehegattin gab Edith d'Amara; sehr charmant und mit überraschend viel Echtheit des Gefühls. Ihre Partner waren Herr Dörner als gemütvoller und einsichtiger moderner erster und dritter Ehegatte sowie Pseudo-Chauffeur uiü» Karl P a d» lesak als eleganter und selbstbewusster zweiter Eheniann. In der Nebenrolle eines Stubenmädchens war Frau Carpentier sehr am Platze. Die Begleitung mif zwei Klavieren besorgten die Kapell- »neister Pollak und Rieger mit brillanter technischer Gewandtheit, mit rühmenswerter dynamischer Zurückhaltung,»nit leider aber nicht immer vollkommen übereinstimmender rhythmischer Gleichmässigkeit. Da das Stück zahm und dezent war, war der Besuch ber Kleinen Bühne dementsprechend schwach. e. j. „Iphigenie auf Tauri»", Freitag, den 1. Juni, im Rahmen der Festspiele Gesamtgastsptel de» Wiener Burgtheaters. Iphigenie—Else Wohlgemut, Orest—Raoul Aslan, Thoa»—Hans Siebert, Arkas—Wilhelm Schmidt, Pylades—Fred Liewehr. Im Abonnement D 1. NormalePretse: 4 bis 87 Kd. Vorverkauf täglich. Zweimalige» Gastspiel Richard Tauber mit Ensemble am 5. und 6. Juni:„Dreimäderl- h a u S". Schubert—Richard Tauber. Aufgeh. Ab. Erstaufführung van DvokakS„Jakabiner" am 8. Juni. Gastspiel PaulLudikar. Dirigent: Szdll, Regie: Mordo—Ludikar.(D 2.) VI. Philharmonische» Konzert: Haendrl» ,Ho- sua", an» 12. Juni. 700 Mitwirkende. Philharm. Extra-Abonn. Mittwoch„Ein Matkenbakl" mit FineReich- D ö r i ch vom Badischen StaatStheater in Karlsruhe als Amelia. Dirigent: Szdll.(B2.) Umtauschrechl für Viertelabonnenten der Serie D. Wochenspielplan de» Reuen Deutschen Theater». Dienstag, ft8 Uhr:„Die vier Grobiane" (Al).— Mittwoch, ft8 Uhr:„Ein Masken- ball"(BL).,— Donnerstag, ft8 Uhr:„Die BlumevonHawai"(A. A.).— Freitag, halb 8 Uhr:„Iphigenie auf Tauris"(Gastspiel de» Wiener Burgtheaters, Dl).— SamStag, halb 8 Uhr:„Der Revisor"(A2). Wochenspielplan der Kleine» Bühne. Dienstag, 8 Uhr:„Terzett zu Viert".— Mittwoch, 8 Uhr:„Strahenmusi k".— Donnerstag, 8 Uhr:„Towarisch"(volkStüinl. Vorstellung).— Freitag, 8 llhr:„T e r z e t t zu B i e r t" (KulturvcrbandSsreunde und freier Verkauf).— SamStag, 8 llhr:„TerzettzuBiert". Hill ssl yai Sa ist ein Märchen, daß |, Schlammbäder zu stark 1 sind— auch Herzkranke u. Rheumatiker vertragen 1 a sie mit wenn sie dem Arzte tollten. Intormat.: Sport• Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Sport Die Fußball-Weltmeisterschaft hat am Sonntag mit den Spielen der ersten Runbe in den verschiedenen Städten Italien» begonnen. In Triest hatte die Tschechoslowakei grosse Mühe, um mit 2:1(0:1) über Rumänien siegreich zu bleiben. Silny, von dem man sich Wunder versprach, versagte tvicderum glanzvoll. Was befriedigte, war nur die Hintermannschaft und besonders Planikka im Tor. 8000 Zuschauer waren nur gekommen, die mit de»» R»»»»»ä»»e»» gingen.— Mailand war der Schauplatz der Begegnung Schwei z—H olland Bor 30.000 Zuschauern siegte»» die Schweizer mit- 3:2(2:1).— In Florenz gewann Deutschland vor bloss 8000 Zuschauern über B e l g i e n mit 8:2(1:2).— Oe st erreich»„Wunderteam" hatte in T u r i n vor kaum 10.000 Zuschauern mit. Frankreich kein leichtes Spiel und konnte erst »»ach Verlängerung knapp mit 3:2(1:1, 1:1) den Sieg erringen.— In Rom war Amerika kein Gegner für Italien, das 7:1(8:0) gewann.— Die Sübamerikaner konnten der grossen Reklame nicht gerecht tverden: Brasilien verlor in Genua gegen S p ani en 2:3(0:8) und die Schweben schlugen vor 85.000 Zuschauern ebenfalls Argentinien, und zwar mit 3:2(1:1).— Ungarn musste sich in NeaPel gegen Aegvpten sehr anstrengen, nm mit 4:2(2:2) Sieger zr» bleiben.— Die zweite Runde geht am 81. Mai vor sich. Um den Aufstieg in die DFB.-Obrrklaffr. Die erste Runde tvurbe am So»»ntag auSgetragen und ergab folgende Ergebnisse: B.- BudweiS: DFC Frauenorganifation Prag Donnerstag, den 31. Mai(Fronleichnam) Ausflug«ach itrnoilee Treffpunkt 8 Uhr früh am Smichover Bahnhof. Proviant mitnehmen. gegen DFC. GraSlitz 8:2; Komotau: DFK. gegen DSB. Witkowitz 8:1(2:0); Asch: DfB Teplitz gegen DSB. 8:2(0:2); g w i t t a u: Reichenberger JK. gegen DSV. 1:0(1:0). Sonstige Fussballergebnisse. Pilsen: SK Libeü gegen Olympia 4:0(8:0).— Brüx: DSK. gegen Cechie Karlin 8:1(1:1).— Karlsbad: KFK. gegen DSV. B.-Leipa 1:0(1:0).— Aussig: DFK. Karbitz gegen DFK. 4:2.— Gablonz: BSK. gegen Tepliher FK. 4:8(4:2) l— Warnadorf: WFK. gegen SpBg. Bodenbach 4:4 (1:2).— Lundenburg: Hakoah Wien gegen SK. 8:1(0:0).— Pressburg: CSK. gegen Vienna Wien 2:1(2:1).— Wien: Rapid gegen Mor. Slavia Brünn 4:2(1:0). Da» Marathonläufen Lana—Prag am Sonntag gewann Dena(Sparta Prag) in 2:40.27 vor Hekü(Hagibor Prag) in 2:46.88. Di« JahreStagnng dr» DHA. fand SamStag und Sonntag in Römerstadt bzw. Karlsbrunn statt. Unter den Begrüßenden befand sich auch der Deutsche Ritterorden. Betont wurde u. a. die grosse Not, unter der DHA. und die angeschlossenen Sportver- bände leiden, sowie Klage darüber geführt, dass die Subvention ausfällt. Eine„besondere KutGgebung" fand zur Betonung der„unpolitischen Haltung" statt. Als Vorsitzender wurde W. Wilhelm(Aussig) wiedergewählt. Ans der Partei Arbeitsgemeinschaft.„Eine Frau studiert dr« Sozialismus" lieft Dienstag, den 29. d. M., um 7 Uhr im Parteihcim„Tas Kommunistische Manifest", — An diesem Abend können auch ausserhalb der Bc« meinschaft stehende Genossinnen teilnehmen. Sozialistische Jugend, Krri» Prag. Heut« 8 Uhr Gruppenabende: S. I. Weinberge: Arbeitsdienst, S. I. Zentrum: Die letzten Ereignisse in Bulgarien, S. I. Holleschowitz: Die Frau gestern, heute, morgen, S. I. Smichov: Arbeitsdienst. Per Pllm Simbnttn Eine zahme, aber heiter-gelungene Parodie mis die Münchhausenfilme a»lü Afrika. Da beschliesst ein junger Lonboner, der Krach mit seinem Onkel hatte, seinen Wohnsitz nach Timbuktu zu verlegen(wohin ihn der zornige Onkel verwünscht hatte)— und wir erleben nun seine groteske Reise mit Diener, Koffern und Golfgeräten durch Busch und Wüst«, seine Begegnungen mit wilden Tieren und tobenden Eingeborenen— und schliesslich, am Ende der beschwerlichen Fahrt, da» Wiedersehn mit Braut und Tante, die ihm weniger beschwerlich im Sahara-Autobus nachgereist sind, der fahrplanniässig alle vierzehn Tag« geht. Der unproblematische englische Spott spiät hier sehr fröhlich mit den sagenhaften Schauern de» dunklen Erdteil» und hat in der turbulenten ZirkuS-Bölkerschau, die der Negerhäuptling zur Be- grüssung seine» weissen Gastes veranstaltet, ein« sehenswerte Filmszene geschasfen. filme In Prager LldihpielMusern Bi» einschliesslich Donnerstag, den 31. Mai. Urania:„Susanne macht Ordnung".— Alfa: „WaS ist die Welt?"— Avion:„Hinter Klostertüren".— Brranek:„Ans den» Regen in die Traufe".— Flora:„Die Schlacht".— Gaumont: „Csibi, der Fratz".— Hollywood:„Hinter Klostertüren".— Hvkzda:„Natscheradetz, der König ter Kiebitze".— Kinrma: Journale, Lustspiel, Reportage.— Kotva:„M ad am e Bovary"— Lv- errna:„MadameBovary".— Metro:„Timbuktu".— Olympic:„Arlane".— Passage:„Csibi. der Fratz".— Praha:„Hinter Klostertüren".— Radio:„AuS dem Regen in die Traufe".— Skaut: „Da» Fensterchen".— Svitozor:„Csibi, der Fratz". — Bajkal:.Tante Sally".— Befeda:.Sonnenstrahlen".— Favorit:„Tante Sally".— Louvre:„Wiener Flirt".— Maeeoka:„Wiener Flirt".— Roxy:„Wiener Flirt".— Sport:.^Tarzan, der Beherrscher de» Urwalds". Wollen Sie gesund werden? Plagt Sie Rheuma, Gicht, Ischias oder eine Frauenkrankheit 7 Wollen Sie Ihren Urlaub schön und billig verbringen? 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