Donnerstag, 31. Mai 1934 Nr. 125 14. Jahrgang Eliizelpralt 70 Neta* (•inKhllaSllch 5 Htllar Fotta) IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN PER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UNO VERWALTUNG FRAG XII., FOCHOVA«. TUBFON SE77. ADMINISTRATION TELEFON 53074. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR> WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Teplitzer Henlein-Leute als Hakenkreuz-Attentäter Im Auftrag«ter Sudetendeutschen Propaganda-Zentrale In Deutschland Teplitz-Dchönau, 30. Mal.(Eigenbericht.) Bekanntlich haben ehemalige RaziS st wie in Schönlindr, st auch in Trplitz-Schönau am 1. Mai verschiedene Attentate auf die stzialdemvkratischen Kundgebungen geplant. In Schönlinde arbeiteten sie mit Bösirr und Dynamon, in Trplitz-Schönau mit Dynamitbomben und A e tz> T i«t e. I« beiden Fällen hätten Menschen ihr Leben einbüßen können, wenn eö nicht gelungen wäre» dir Burschen rechtzeitig frstzunehmrn und in sicheres Grwahrsaick zu bringe». In Teplitz-Schönau hat man seinerzeit drei junge Leute verhaftet; dieser Tage ist nun rin vierter ringrsperrt worden. Inzwischen haben sich aber einigc neue Einzelheiten ergebe», die die ganze Angelegenheit zu einer b e d e n t s a m r n p o l i 1 i s ch e n Sensation machen. Die verhafteten Bursche» wäre» nämlich e h e m a l i g r M i t g l i e- der der hakenkreuzlerischrn Jugendorganisation. Dir weitere Unter» suchung durch dir Teplitzer Gendarmerie hat jedoch anch festgrstellt, daß alle drei Mitglieder der„Dudetendeutschen Heimatfront" sind und wiederholt an Henlein sitzungenteilg en o ne men haben. Die ganze Pompenaktion wurde von derSudetendrutschenPropagandazentrale in Deutschland geleitet. Ihr Initiator ist ein«hemaligerSekretärderTeplitzerRazi- organisation» von dem bekannt ist, daß er mit diesen junge» Leuten an der Grenze in Zinnwald geheim« Besprechungen abgrhalten hat, ihnen siir ihre Aufgaben Geld und de» notwendigen Unterricht zur Einleitung dieses Sprengstofsattentatrö auf die sozialdemokratischen DemonstrationSteilnehmer gab. Daran» geht also einwandfrei hervor, daß sich in der SHF. die ehemaligen Nazi» weiter auStoben, nach wie vor ihre Beziehungen mit den Propagandisten, die nach Deutschland grftüch» tet sind und jetzt»an dort an» ihre giftigen Pfeile Segen die Tschechoslowakische Republik schießen, aufrechterhalten, mit ihnen in Besprechungen zusanunenkommen, und all die» unter dem Schutze de» Herrn Henlein und seiner Sudetendeutschen Helmatfront. Hoffentlich gelingt e», diese Angelegenheiten restlos aufzuklären, nm alle jene, die da glauben» diesrS üble Erbe ungestört verwalten zu können, recht bald völlig zu demaskieren. Diese Unter- suchungSergrbnisse reihen sich würdig an die Beobachtungen in der Brandauer Hrnleinver- sammlung, an der Hitlerianer teilnahmen und die DHF.-Ordner vorher mit dem SA.» Sturm von Rübenau in Verbindung traten. Run hat die gesamte tschechoslowakische Oeffentlichkeit daS Wort! Bazillus Henlein und die deutsche agrarische Jugend Unter diesem Titel veröffentlichen»Lidove Noviny" neuerlich einen Artikel über die Henlein- front, der so wie der erste Artikel, über den wir bereits berichtet haben, von einem Deutschen, der sich„Germanicus" nennt, verfaßt ist. ES ist nicht ausgeschlossen, daß dieser„GermanicuS" ein deutscher Agrarier ist, der mit gewissen henlein- freundlichen Strömungen in seiner eigenen Partei unzufrieden ist und mit dieser Unzufriedenheit in die Oeffentlichkeit flüchtet. In dem Artikel wird die Aufmerksamkeit der tschechischen Oeffentlichkeit auf den agrarischen Jugendtag gelenkt, der dieser Tage in Lucka bei Auscha stattgefunden hat. Der Hauptredner dieser Tagung Ivar der junge Landbundführer Gustav Hacker, der unter der agrarischen Jugend, wie .Lidovö Novinh" schreiben, noch beliebter sei als Spina.»Hacker handelt mit der Parole der Einheitsfront, einer Front ohne die Alten, welche feiner Meinung nach so gekämpft haben, daß heute nach 15 Jahren Kamps die Deutschen ihre Arbeit bis zum Hals hinauf satt haben. Sein Ideal sind Spina und Henlein in einheitlicher Front, was er auch schon in der Versammlung in Trautenau verkündet hat. Das Hauptgewicht liegt allerdings auf dem zweiten Namen." Wie bekannt, so wird in dem Artikel weiter erzählt, sind bei den Agrariern starke Sympathien zu Henlein vorhanden, freilich nicht bei jenen, welche in der Führung der Partei stehen. Ein Beweis dafür sei die Rede Spinas bei der Kultur- verbandStagung in Brünn, die geradezu eine Polemik gegen Henlein darstelle, insofern als Spina in Brünn sagte, daß die im Kulturverband verkörperte Einheitsfront ohne viel Lärin bereits arbeite. Spina war in den letzten Tagen zu Besuch bei Kkepek, der längst erkannt habe, daß der Hcnleinbazilluö für die deutschen Agrarier gefährlich sei.' Kkepek habe schon früher Spina gewarnt. .' Für die Ansteckung der Agrarier mit sogar hakenkrenzlerischem Geist sei bezeichnend die Verurteilung ihres JugcndführerS Franz Habel, der zu einem Monat Gefängnis verurteilt wurde und wogegen die Staatsanwaltschaft in Leit- meritz beim Obergericht in Prag Beschwerde ein gereicht hat. Durch das Gerichtsverfahren wurde nachgewiesen, daß Habel öffentlich daü H c r ft-W esfel-Lied gesungen habe und der Verteidiger selbst mußte zugeben, daß dieseSLicd öfters in Versammlungen der agrarischen Jugend gesungen wurde. Der alte Kkepek, so schließt der Artikel, weiß, daß er diese Strömungcu bekämpfen muß. Er wird eS nicht zugeben, daß die Partei, die er selbst gegründet hat, vom Henlcinbazillus angesteckt wird. Auf dem christlichsozialen Parteitag, über den wir schon ausführlich berichteten, gab es, wie man erst jetzt erfährt, eine ausgesprochene Sensation. ES trat als Vertreter der— aufgelösten— Christlichsozialen Partei Oesterreichs ein Herr Wolle! aus Wien auf, der die Grüße seiner Partei überbrachte. Die wenigen Sätze, die die„Deutsche Presse" aus seiner Begrüßungsrede veröffentlichte, sind aufschlußreich genug. Herr Wolle! wies darauf hin, daß er durch 25 Jahre Abgeordneter gewesen ist und der guten Schule unter Opitz sehr viel verdanke. Dieser Mann sei daS beste Vorbild, das die Christlichsozialen haben können.(Opitz lvar ein gebürtiger WarnSdorfer, der zu den Begründern der Christlichsozialen Partei in Oesterreich gehörte. Die Redaktion.) Die heutige radikale DtaatSform in Oesterreich, st sagte Herr Wollek, ist noch nicht daS letzte. Die Jugend habe daS Parlament leicht hinge- worfen, aber die Bevölkerung werde bald wieder nach einem Parlament rufen. Für die Tschechoslowakei sei kein anderes politisches System vorstell- bar alS daü demokratische. Diese Ansichten des Herrn Wollek sind den sudetendeutschen Christlichsozialen so wichtig, daß Blutige Kämpfe in Warschau Warschau, 30. Mai. In der versloffrnrn Rächt drangen in daS Lokal der sozialistischen Partei in Warschau in der Wotsta.Gaffe, in welchem gerade eine sozialistische Arbeiterversammlung slattsand, eine größere Gruppe von Mitgliedern der radikal-nationalistischen Partei men. dem akratischen-Sozialismus, wie demagogisch und dumm die Agitation der .Kommunisten ist. Wieder einmal, aber gröber als jemals hat die r u f s i s ch e P o l i t i k selbst die agitatorischen Sch lag warte derKo- m intern.Filialen bloßgestellt. Die Orientierung der sozialistischen Politik auf Frankreich— war das nicht vor wenigen Mo-Istischc Die Enthaftungen in Orterreich 24 Unsere Töchter, i die Maxinen Roman von Harmonie Zur Mühten Frau Doktor Feldhüter erzählt laut Mein lieber Manu, mein guter, kluger Arthur, wie recht hat er doch mit seinem„Abwarten" gehabt. Nur Ivcr sich in Demut und Geduld in Gottes Ratschlüsse fügt, wird belohnt, schon hier auf Erden. Ich habe ja nie etwas vom Leben verlangt; mir hat eS immer genügt, einen braven Mann und eine gehorsame Tochter zu haben, mein bescheidenes Heim, das ich mit so viel Liebe und Freude besorgt habe. Ich war nie wie andere, die große Ansprüche ans Leben stellen, und eben deshalb darf ich mich, jeht, da alles so herrlich gekommen ist, mit gutem Gewissen freuen. ES ist eine Lust zu leben, ein Glück, daß uns alles vergönnt wurde, das Werden des neuen Deutschlands zu schauen, das Erwachen einer Nation. Wie schön war heute der Gottesdienst! Ich traf die Frau Major vor der Kirche, und sie hat mich, zum erstenmal seit unserer Bekanntschaft, schon von weitem gegrüßt, ohne meinen Gruß ab- znwarten. Sie hat auch, daö sah ich genau, ihre Mutter, die Frau Generalin, am Aermel gezupft, sic möge ebenfalls grüßen, aber die alte Frau hat in die Luft gestarrt und sich nicht gerührt. Es ist doch traurig, wenn ein alter Mensch plötzlich schwachsinnig zu werden beginnt. Mein lieber Mann und meine gute Lieselotte waren mit mir in die Kirche gekommen, und der Pastor predigte so schön und so erhebend über die unblutige Revolution, die sich vor unseren Augen vollzieht, über die Reinheit der Gesinnung, von der unsere Führer erfüllt sind, über die Mission der deutschen Chri sten. Ich mußte mir mehr alü einmal die Augen wischen, so rührend waren seine Worte. Er sprach auch vpn der Sendung der deutschen Frau und Mutter, die allen als leuchtendes Beispiel vorangehen muß, und ich fand mich wieder in seiner beredten Schilderung dieser hehren Gestalt. Die schmucken Uniformen der SA. und SS. verliehen allem eine wundervolle Feierlichkeit. Ich fühlte aufrichtige Liebe stir diese tapferen Burschen, die jahrelang verfolgt und von den Grinden meuchlings überfallen und ermordet worden sind, und die nun endlich als Sieger vor uns stehen. Ich mußte auch an den Samstag vor einer Woche denken, an den Judenboykott. Wie die SA. vor dem Warenhaus aufmarschierte.(UebrigenS habe ich mir vor einer Woche doch noch dort ein neues Sommerkleid gekauft, die Preise waren dermaßen niedrig, daß es eine Siinde gewesen wäre, eS nicht auSzunühen.) Der Besitzer hatte, feig wie nun die Juden schon einmal sind, alle Rolläden Heruntergelaffen. Nur ein Ausläufer hatte sich verspätet und versuchte, unbemerkt aus dem Gebäude herauszugelangcn. Aber unsere wackeren SA.»Leute erwischten ihn und er erhielt eine tüchtige Tracht Prügel. ES war ein drolliger Anblick. Unter der Menge erkannte ich auch diese verrückte Claudia; sie stand da, Ivie zu Stein erstarrt, totenblaß. Neben ihr war diese schreckliche Toni, die ich immer nicht leiden konnte. Sie hielt Claudia am Arme fest. Einmal sah es aus, als wollte Claudia vorstiirze», aber Toni zog sie fort. Schrecklich sind diese Aristokratinnen, degeneriert, nervenschwach, nicht einmal eine harmlose Balgerei könne» sie mitansehe». Ueberhaupt diese Claudia; die dürfte eigentlich gar nicht in der Partei sein. Sie soll in der Nervenheilanstalt etwas mit einem jüdischen Arzt gehabt haben. Ich habe bereits dasür gesorgt, daß die Sache bekannt wird. Wir brauchen keine Frauen, die so schamlos find, mit Frcmdstämmigen zu... Es ist mir unbegreiflich, wie sich bei einer Arierin nicht das Blut regt, wenn ein Fremdstämmiger sie berührt. In meiner Jugend wäre eS mir doch nie in den Sinn gekommen» einem Juden auch nur einen Blick zu gönnen. Ich erinnere mich gut, wie ich litt, wenn ich einen pflegen mußte. Die Geilheit, die aus seinen Augen sprach, ekelte mich an. Obwohl ich damals, in meiner Unschuld, noch gar nicht wußte, wie scharf diese Menschen auf arische Frauen sind. ES ist mir auch unverständlich, Ivie ein deutscher Mann eine Jüdin heiraten kann. Der Apotheker vom„Blauen Engel" hat eine jüdische Frau, und ich fand, daß man eigentlich sein Geschäft boykottieren müßte. Da ober sein« Apotheke gestern Nachtdienst hatte, Ivurde er diesmal noch verschont. Während des Gottesdienstes mußte ich daran denken, und mir fiel ein. ob nicht am Ende die Frau Generalin, die Mutter der Frau Major, auch irgendwie jüdische Ahnen hat. Das würde ihr Benehmen mir gegenüber erklären. Ja, der Boykott war schön, leider gibt es hier nur drei jüdische Geschäfte. Wie herrlich muß eS erst in Berlin und den anderen Hauptstädten gewesen sein. Ich mutzte lachen wie ein Kind, als von den Flugzeugen die vielen weißen Zettel geflattert kamen, die zum Boykott aufforderten. Aber ich empfand auch ein leises Gefühl des Stolzes: sogar die Lüfte sind uns untertan. Uns! Wie schön ist eS doch, sich eins mit dem ganzen Volke, mit allen Schichten, zu stlhlen. Ein einige» Deutschland, daS geschloffen gegen den inneren und äußeren Feind steht. Und all daS veüdanken wir unserem großen Führer! Sein Bild hängt in unserer Wohnstube, und ich kann mich nicht satt, sehen an den durchgeistigen edlen Zügen. Ein Mann de» Volke», kein Kaiser, kein Fürst, ein schlichter Mensch, der eS so weit gebracht hat. Das ist ja eben die Kraft des deutschen Volkes, daß es immer und immer die wahre Größe erkennt, auch wenn sie im schlichten Gewand austritt. Ich hab« ja nie den Kreis der Frau Major begriffen, der den Exkaiser verherrlichte, ich war stets eine gute Republikanerin, freilich nicht in der alten, der zu- sanmiengebrochene» Republik. Hat cL mich doch vor den Sozialdemokraten ebenso gegraut, wie vor den Juden. Entzückend Ivar auch die Idee mit dem Sichtvermerk. Das hätte den Herrn Juden so passen können, ins Ausland zu entwische» und ihr ge» stohlenes Geld mitzunehmen I Uns zu berauben, die wir ihnen Jahrhundert« hindurch Gastfreundschaft bezeugt haben. Nur bei einem hätte ich gern gesehen, daß er inS Ausland flieht: beim Doktor Bär. Sein Haus ist wirklich hübsch und hat eine so gute Lage. Und jeht, da mein geliebter Arthur sozusagen den ganzen Gau beherrscht, als Arzi selbstverständlich, hätten wir un» dieses HauS gut leisten können. Aber so sind diese Juden, wie die Wanzen; sie gehen und gehen nicht fort. Ich weiß, daß eS dem Doktor Bär nahegelegt Ivurde, die Stadt zu verlassen, doch kümmerte er sich nicht darum. Mich regte daS furchtbar auf, aber Arthur beruhigte mich: „Wenn er die Krankenkassenpatientrn verliert," sagte er,„so wird ihm nichts anderes übrig bleiben, als das HauS aufzugeben. Wer hat denn heute den Mut, zu einem jüdischen Arzt zu gehen?" Da» stimmte auch. Nach dem fünften März war unser Sprechzimmer immer ganz voll. Endlich hatten die Menschen erkannt, wer der bessere Arzt ist. Zum Doftor Bär gingen nur noch ein paar schäbige Proleten, und diese dumme Gräfin Agne). Aber auch bei der tvird schon etwas nicht stimmen. Man kennt ja die Tugend dieser Aristokratinnen. Ihre Männer können sie nicht befriedigen und dann ist so ein jüdischer Hauslehrer da, na man kann sich ja daS Ergebnis denken. Ich habe ja immer gefunden, daß die Gräfin Agnes nicht wie eine echte Deutsche aussieht, deshalb weigerte ich mich feit Jahren, mit ihr zu verkehren, Obgleich sie ihr Möglichstes tat, um sich mit mir anzufreunden. lFortsehung folgt.) Str. 125 Donnerstag. 31. Mai 1933 «ritt 3 Genf bringt Klarheit aber keine Abrüstung Genf, 30. Mai. Die heutige Debatte über die Abrüstung brachte zwei bedeutsame Kundgebungen. Sowohl der englische als auch der französische Außenminister präzisierten dir Haltung ihrer Länder, wobei sie zum Ausdruck brachten, daß die Berhandlnngen weitergr- führt werden können. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, daß die Aussprache in Gens bisher nur de» Gegensatz zwischen den Ansichten der einzelnen Staaten bestätigt und die Bildung zweier Gruppen gezeigt hat. Militärbudget herabgesetzt habe und wie Deutschland eine Erhöhung seines Jlugbudget» um ISO Prozent angekündigt hat. Wen« gelten die Drohungen Deutschlaichs? Wen will es überfallen? Frankreich Iverde abrüsten, aber nur unter einem System der Sicherheit. Heute werde die Frage derSicherheit allgemein gestellt. Zum Schluß erklärte Barchou:„Ich glaube weder an Wunder, noch an einen Zusammenbruch der Konferenz." Das Echo der Lltwinow*Rede Freundliche Beurteilung in der Kleinen Entente. Der englische Staatssekretär für AeußereS I Sir Iah» Simon formulierte die Vorschläge, die die englische Negierung sofort anzunrbmen bereit ist, und deutete hiebei an, daß man über daS SichrrhritSproüleni weiter verhandeln könne. Der französische Außenminister B a r t h o n gab Aufklärungen, warum die französische Negierung eigentlich die diplomatischen Verhandlungen über die Abrüstung abgebrochen und um die Genfer Lösung der Ronferrnzlrise ersucht hat. Frankreich konnte dem Drucke der deutschen Regierung nicht nachgeven. Barthou hob auch hervor, daß England ungrnügende SicherheitSgarantien an- bietc. In der Form war Bartha uS Rede ziemlich scharf. Der französische Minister unterließ nicht anznführcn, daß die französische Regierung zur Annahme aller Vorschläge bereit ist, die von den übrigen Staaten gemacht und angenommen werden. Die französische Regierung hält daher die Verhandlungen nicht für abgeschlossen und erwartet, daß England in der Organisierung der Sicherheit weiter geht, als eS bisher gegangen ist. Simon will Deutschland entsesenkommen Reserviertheit gegenüber Litwinows Rede Sir John Simon erklärte, daß man den Tatsachen ins Antlitz sehen müsse. Indem er sich mit der Entwicklung der Abrüstungsarbeiten beschäftigte, führte ,er insbesondere den schriftlichen Akt an, der im Prinzip mich von der deutschen Regierung ange- noinnien Ivnrdc und der Konzessionen Deutschlands an die hochgcrüsteten Staatei« brachte.(Abrüstung erst fünf Jahre nach einer llebergangszcit.) Die deutsche Abwesenheit von Genf sei zwar nicht gerechtfertigt, aber das ändert nicht daö Ziel, das die Konferenz verfolgen muß. Tie Frage ist, ob die deutsche Forderung nach Beseitigung der FriedenS- verpflichtnngen die Basis eines internationalen Ab- kommcnS werden kann. Die zweite Frage ist: Ist es möglich, das; die Forderung einer weiteren beschränkten Rüstung Deutschlands die Basis eines internationale«« Abkommens toerde? ES must als» eine Brücke zwischen den entgegengesetzten Ansichten gesucht werden. DaS englische Memorandum vom 20. Jänner 1084 ist eine solche Brücke. Der englische Aubenminister antwortete sodan«« auf Litwinows Rede, im Zusammenhang mit der Abtrennung des AbrüstungSproblemS vom Sicherheitsproblem und sagte, daß nicht einmal im Jahre 1024 das Genfer Protokoll ohne vorhergehende Maßnahmen in der Abrüstung anncnon,me.n Ivcrdcn konnte. Ebenfalls an die Adresse, des Sowjetdelegicrten sagte Sir John Simon, daß die Sicherhcitspakte nicht voi« dein Versprechen, sondern von der Sicherheit abhängen. Im gegebenen Augenblick wird die englische Regierung, soweit es sich um Locarno handelt, das was sie versprochen hat, halten. Falls die englischen Vorschläge nicht annehnchar feie», wisse er nicht, welcher andere Plan allgeinein angenonnncn werden könnte. Ma>« könne die cdloseu Debatten nicht fortsetzen. ES sei aber tvirklich möglich, drei Vorschläge zu verwirklichen: 1. Verbot de» chemischen Krieges, 2. Veröffentlichung der Militärbudgets und 8. Schaffung einer ständigen Ab- rüstungskommission. Angebot Deutschlands Sicherung der Saarbevttlkerung durch die Saarkommission? Genf, 30. Mai Heute wird in Genf die Meldung bestätigt, daß die deutsche Regierung dem Ausschuß des Bölkcrbundrntes für die Lösung der SaariPlebiszit-Frage konkrete Vorschläge betreffend die Sicherheitsgarantie«« für die Saarbrvöl- kerung nach Durchführung des Plebiszits überreicht hat. Es ist bisher nicht bekannt, bis zu welchem Maße die deutsche Regierung die Sicherheit der Saarbevölkerung zu garantieren beabsichtigt, man glaubt jedoch, daß Deutschland für eine zwei Jahre dauernde Uebergangszeit nach dem Plebiszit im Saargrbietc eine besondere Plebiszitvrrwaltungs- kommission akzeptieren würde, welche zur Führung der öffentlichen Angelegenheiten des Saargebietes eingesetzt tverden würde. Das H a v a s-Büro gibt dazu folgenden Kommentar: Es wurde als fertige Tatsache ein lleberein- lonimcn bekanntgegeben, das zlvischen Frankreich und Deutschland überreicht«vorbei« sei, ja es tvurden sogar auch die Einzelheiten dieser Uebereinkunft veröffentlicht, die jedoch eine reine Phantasie darstellen. Es hgt den Ailschein, daß die Dköglichkeit eines Uebereinkommens für die Lösung der Frage der Garantien besteht. Die zuständigen Kreise sollen dem System geneigt sein, das die Machtbefugnis der Plebiszit-Saarkommission verlängern würde, ihr die Form eine« Plcbiszitgcrichtcs mit entsprechender Machtbefugnis geben tvürde, um bis in die äußersten Konsequenzen über die Durchführung des Plebiszites zu wachen, insbesondere was den Schutz der Saarbevölkerung anbetreffe. Eine solche Formel würde in nichts einer eventuellen Anwendung der internationalen Polizei präjudizieren, wenn dies die Ereignisse erforderten ES ist Aar, doß bloß im Falle, daß sich die interessierten Regierungen auf diese Prin- zipien einigten, Frankreich bereit wäre, nunmehr daS Datum deS Plebiszits im Saargebiete fefizufetzm. Frankreich beharrt auf seinem Recht Barihon kam darauf zu ivrcchen, daß Deutschland den Völkerbund verlassen hat, weil ihm die Aufrüstung nicht erlaubt tverden sollte.„Gibt es hier eine gleichzeitig nnsichibare und doch antvesende Macht, fragt Barthon, welche den Völkerbund verlassen hat, die keine Verantwortung trägt, die aber alle Rechte ohne die Pflichten vcsitzl und die einen Erfolg der Konferenz verhindert? Sir John Sinwn hat erklärt, daß es nur einen Plan gibt, und zwar den englischen Plan. Aber auch Frankreich, Mussolini sowie andere Staaten haben ihre Pläne vorgelegt. Frankreich hat dies neuerlich in« Jänner 1034 getan und ist seinem Standpunkt treu geblieben, der sich seit Eröffnung dieser Konferenz nicht geändert hat. Frankreich würde das Angebot Sir Jahn SimonS annehinen, dir Brücke, die zu Deutsch, land führt, überschreiten,«vcnn nnr auf dieser Brücke keine Falle ist." Frankreich habe seine Verhandlungen mit England unterbrochen, erst als Deutschland sein Militärbudget veröffentlichte. Außer geheimen Positionen enthält dieses Budget auch eine«« Betrag von 2200 Millionei« Mark für zngestandene neue Rüstungen Deutschlands. Zn jenem Zeitpunkt wurde übe« die Garantien zur Einhaltung der Konvention nicht verhandelt und in jenem Augenblick war eS, als ob dir deutsche Regierung erklären«vürdr: Was gehen «nich euere Debatten und euere Garantien an? Ich bi«« frei, stark und benütze«neine Stärke zu neuen Rüstungen. Sollei« wir deshalb nachgebcn? Soll deshalb der Völkerbund ein System akzep- tiren, das Deutschland genehm ist? Was mich anlangt, so lehne ich dies ab. Barthou führte sodann aus, Ivie Frankreich während der allgemeinen Abrüstungskonferenz sein Genf, 80. Mai. In Genfer Kreisen der Balkanstaaten und der Staaten der Kleinen Entente hat die gestrige Kundgebung Litwinolvs im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz einen tiefe«« Eindruck hervorgerufen. Die Vertreter der genannten Staaten stellen mit Genugtuung fest, daß sich der Sowjet- kommissär für auswärtige Angelegenheiten in entschiedener Weise gegen jedwede Rcvisioi« der Friedensverträge, namentlich gegen eine gewaltsame Revision, ausgesprochen hat. Mair glaubt, daß jetzt der Weg für«in näheres Verständnis zivischen den Staaten der Kleinen Entente und den Balkanstnaten einerseits und Sowjetrnßlands andererseits noch mehr geebnet sei. Frankreich einig mit Henderson' und Litwinow Bari», 30. Mai. Die Pariser Presse bezeichnet den gestrigen Tag in Genf als sehr bcdentsam für den Fortschritt der AbrnstnngSarbciten und verzeichnet mit Zustimmung, daß der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz Henderson, der mnerikanische Bevollmächtigt« Norman DaviS und der solvjctiiissi-1 sche VnIkSkomn«issär Litwinow die französische Politik der Notwendigkeit der organisierten Sicherheit Mitgeheißen haben. Henderson repräsentiert zwar nicht die Meinung der britischen Regierung, die beute durch den Mund Sir John Simon» eine einigermaßen ablveichende Ansicht auSsprcchen «vird— schreibt das„Oeuvre", doch«vird nieinan- dcn« der wichtige Umstand entgehen, daß sich der französische«« Ansicht der Vorsitzende der AbrüstnngS- konferenz offen angeschloffen hat. Günstig wird auch die Kundgebung Litwinows konnncntiert solvie sei«« Vorschlag, die allgemeine Abrüstungskonferenz ii« eine Art stäitdiger Friedenskonferenz nmzntansen. Dieser Vorschlag, schreibt„Eche de Paris", ist die beste Antlvort auf Mussolinis und Macdonalds Plan eines Direktoriums der Großmächte und wurde von Frankreich, der Kleinen Entente nnd alle«« Anhängern deS sta- tuS quo gebilligt. einiger lveniger Führer legen miiffc. Die Bekämpfung des Fasciömus sei in erster Linie eine politische, nicht eine militärische Aufgabe. ES wird entscheidend sein, nicht ob die Partei ausrüstct, sondern ob ihr die Abrüstung, die Entlvaffnung deS Kapitalismus gelingen könne, d. h. eine solche Durchdringung der Armee mit sozialistischen Ideen, das; bei den Trägen« der Wasfc, bei den Agenten der Staatsgewalt. die Waffe aus den Händen fällt, erklärte der Vertreter des ZentnimS S e v e r a c, der zweite Sekretär der Partei. Aber neben dieser taktischen Auseinandersetzung verlief auf dem Kongreß noch eine andere sehr lehrreiche Diskussion: über die politischen Methoden dcö Kampfes um die gesellschaftliche Umwälzung und über die Firmen der sozialistischen Verwirklichung. Es war die Auseinandersetzung zwischen den„Pianisten" nnd den„Antiplanistrn". Die Gedanken de Mans, der Plan der Belgischen Arbeiterpartei, haben im französischen Sozialismus starken Widerhall gefunden. Die „Pianisten" verlangen die Aufstellung eines konkreten, deutlichen, tvirtschaftspolitisch durchdachten und rationellen Aktionsprogramms der ersten Phase der sozialistischen Verwirklichung. Es soll ein Sofort-Programm sein, mit, dem die Partei die Massen mobil macht und zur'Macht aufsteigt. Der Plan soll gleichzeitig die zentrale Propaganda-Lösung und das sachlich-fundierte, sich aus den Möglichkeiten und den Notwendigkeiten der wirtschaftlichen Umwälzu««gcn ergebendes Verwirklichungsprogramm deS SozialiSinus sein, ausgehend von der Nationalisierung deS Kredits und der Schlüsselindustrien. In den taktische«« Fragen stehen die Pianisten eher dem linken Flügel der Partei näher und viele Vertreter der Linken sind für den Plan. Die Mehrheit der führenden Politiker deS„Zentrums" stehen dagegen dem Plan skeptisch oder gar ablehnend gegenüber: so B l u m, Paul Faure, Lebaö, Seve- r a c. Cs ist eigenartig, daß die Vertreter des Zentrums der Partei den Gedanke«« des Plans als eines Ecksteins der Parteipolittk eben mit radikalen Argumenten bekämpfen. Sie werfen der Planideologie den beschränkten, stufenweise» Charakter ihrer Sozialisierungüsorderung und lehnen die Festlegung der Partei auf ein beschränktes bestimmten sozialen und politischen Temperatur entstehen können", sagte der Sprecher der Linken M a r c e a u P i v e r t, der sich gegen den Bortvurf von„Neo-Blänquisnluü" wehrte. DaS Zentrum warnte vor du« Gefahren einer Milita- Der Wille zur Offensive Der französische Parteitag In Toulouse Nach den fascistischen Siegen in Deutschland zusehen, die in einer bestimmten Lage auf einer und Oesterreich steht die Französische Sozialisti sche Partei auf dein entscheidenden Posten des kon tinental-europäischen Sozialismus. Der Sozia lismus in Frankreich hat die Bewegungsfreiheit und kämpft auf dem Boden des«nächtigsten Lan des des europäischen Kontinents. Das innere risierung der Bewegung. Die Organisation würde Leben der Französischen Sozialistischen Partei er- durch die Militarisierung in der innerparteilichen hält dadurch eine internationale Bedeutung. Demokratie gefährdet werden, da ein militarisier- Der Kongreß der Partei, der zu Pfingsten in| ter Partcikörper sein Schicksal in die Hände Toulouse tagte, war repräsentativ für die neue Lage deö französischen SozialiSinus. Es war der Parteitag in der K r i s e n z e i t. Seit dem ü. Feber gibt eü in Frankreich eine offene fascistischc Gefahr. Frankreichs innenpolitische Krise 1034 ist die stärkste Erschütterung, die das Land seit dein BoulangiSmuü und der Zeit der DreysuS-Affäre erlebte. Die Partei muß deshalb kampfbereiter als je fein, und grundsätzliche Ent scheidungen treffen, die ihre Politik auf lange Zeit bestimmen müssen. ES Ivar ferner ein Parteitag ohne Rrchtsoppofition. Zinn ersten Male seit dem Einigungsparteitag von Ivüb fand ein Parteikongreß ohne den rechten Flügel statt. Die reformistische Ideologie und Taktil ivaren in Toulouse überhaupt nicht vertre ten. Der französische Reformismus hat die Partei verlassen und dadurch alü sozialistische Richtung politischen Selbstmord begangen. Zu gleicher Zeil mit dem Kongreß in Toulouse tagte in Paris der Kongreß der Neo-Sozialisten, auf dem Marquet die Parole deö Anti-MarxismuS verkündete. Die Absplitterung der Neo-Sozialisten führte zur Ver einheitlichung und Konsolidierung der Partei. In Toulouse ist nicht mehr darüber gestritten wor den, ob Koalition oder Opposition, ob selbständige Politik der Partei oder Linkskartell mit den Ra dikalen. Die Diskussion entfaltete sich jetzt in einer neuen Ebene: welche soll die auf die Macht eroberung und die Verwirklichung de- Sozialis mus gerichtete Taktik sein? Die Auseinandersetzung in Toulouse ging einmal um die Fragen der antisascistischrn Abwehrtaktik. Hier stand dem„Zentrum", das etwa drei Drit tel Stimmen hatte, die Linke entgegen. Die Linke sprach von der letzten Krise deS Kapitalismus und faßte die Perspektive der weheren politischen Entwicklung Frankreichs in die Formel„Sozialis mus oder FasciSmuS". DaS waren die grund sätzlichen, ideologischen Voraussetzungen ihrer Po- sition. Taktisch verlangte sie einen militanten AntifascismuS und die tatsächliche Bereitschaft, den FasciSmuS mit allen Mitteln abzuwehren.„ES geht nicht darum, unsere Schuhabteilungen in den blinden und ungleichen Kampf zu werfen. Aber eS ist notwendig, die Massenbewegungen voraus- Das Programm der Arbeiter-Radfadrrr. Die Teilnahme der Arbeiter-Radfahrer«vird sehr ,ahl- reich sein. Am Freitag, den 6. Juli, vormittag-/ «vird iin Stadion der westböhmische Kreis der tschechische«« Arbeiter-Radfahrer(Pilsen) mit dem deutschen Arbeiter-Rad- und Kraftsahrerbnnd in der Tschechoslowakei ein Radballwettspiel auSiragen. Nachmittag» führen dann die Radfahrer im Stadion K n n st f a h r e n und Reigen vor. Am Samstag, den 7. Juli, früh, findet das ü 0- K i Io» m e t e r< S k r a tz e n r e n n e n auf der Strecke Prag—Tnchlovice und zurück statt. Am Fcstzuge an« Vormittag des 8. Juki beteiligen sich neben den Radfahrern auch die Motorfahrer. Die Radfahrer beabsichtigen, an« 1. Juli zum Kindertage eine Stafette, von dein an der österreichischen Grenze gelegenen Orte Ceskc Velcnice nach Prag durchzuführen. Die Organisierung des ganzen Radfabrpro- granuns besorgt der Zentralverband der tschcchaslo- wakischen Arbeiter-Radfahrer. Aus dem AuSlande habe«« ihr Interesse für das Radfahren besonders die Engländer nnd der Sportvcrband Hapoel au» Palästina au-gedruckt, voi« wo bekanntlich die Teilnehmer dei««veilen Weg nach Prag auf Fahrrädern und Motorrädern zurücklegen wollen. AktionSprograinm ab. Die Redner des Zentrum- halten eS für nninöglich, daß der Sozialismus auf die restlose und gleichzeitige Sozialisierung verzichtet. Aber diese Meinungsverschiedenheiten«varcir überbrückbar. Tie Verständigung über die einheitliche Linie der Partei erfolgte ohne Schwierig feiten und die genieinsame Resolution, die die Grundlage für die koinmenden Kämpfe der Partei bilden soll, ist beinahe einstimmig angenommen worden. Sotvohl in der Frage der anti-sascistischen Abwehrtaktik. als auch in den Methoden des Plan» erwies sich die einheitliche Linie der Partei als niöglich. Die Proklamation deö Toulonscr Kongresses verlangt von der Partei angesichts der vorhandenen fascistischen Gefahr den Zustand der permanenten Kampsberritschast und ordnet die Förderung der Schutzabteilungen (Croupe de dcfcnse) an; aber die Resolution erklärt, daß diese Schuhabteilungen keinen Kninpf- trupp für den Sturm gegen dei« Kapitalismus darstellen, sondern Mittel zur Sicherstellung der Propaganda nnd der Organisation sind. Die Resolution stellt daö wirtschaftspolitische AktionS- progran««» der Sozialisierung deS Kredits und der Schlüsselindustrie«« a««f und erklärt gleichzeitig, daß die Partei an de«' Macht sich durch leine«« Plan beschränke«« lassen kann. Der französische Sozialismus«vill eine Offensive. Er wird für sic eine getvaltige Kraftanstrengung notwendig haben. Abgeordnetenhaus und Senat elnberulen Beide Häuser der Nationalversaminlung halten am Dienstag, den 3. Juni, Sitzungen ab. Ans der Tagesordnung des Abgeordnetenhauses steht das VersickcrungSrcgulativ. der Versicherungsvertrag, die Novelle zur Pensionsversicherung der Privalangcstclltcn und die Steucrnachlässc zugunsten der Baubctvcgung. Im Senat stehen auf der Tagesordnung das Gesetz über die Pflichtimpfung der Militär- und Gcndarmcricpcrsonen und die Steuerbefreiung ausländischer Motorfahrzeuge. Der B u d g c t a u s s ch u ß des Abgeord- uctcnhauscS nahm in seiner gestrigen Sitzung die Pcnsionönovelle im Wortlaut des RegicrungLcnt- lvnrfeö ai« und genchinigie mich den Staatsrechnungsabschluß für das Jahr 1082. Zum Vorsitzenden des Ausschusses wurde, als Nachfolger des jetzige«« Innenministeriums Dr. Cern«), der slmva- kische Agrarier T e p l a n s k h gewählt. AnSschußsitzungen deS Abgeordnetenhauses. Am!>. Juni findet eine Sitzung deS AußenauS- schusses um halb zehn llhr, des JmmuniiätsauS- schusscS nin 11 llhr, des GelverbcauSschusseS um halb ztvci llhr und deS JuitiativauSschusscS um halb drei llhr statt. DaS Präsidium des Abgeordnetenhauses tagt um halb drei llhr. Ausschußsihiingru deö Senats. Am 5. Ium tritt der Verfassungsrechtliche Ausschuß um halb drei llhr, der JmmunitätSauüschuß um drei llhr und der Jnitiativausschnß um halb vier llhr zusammen. Tempo? Hätten noch darüber Zweifel bestanden, ob daS„Tempo" ein koinmunistisches Blatt ist, so sind sic jetzt beseitigt. Daö„Tempo" hat nämlich die von uns bereits«vidcrlcgte Meldung über die ungarische Sozialdemokratie erst in den letzten Tagen ii« der grüßten Aufmachung gebracht. Es hat sogar die Frechheit, au den entstellenden Bericht diesen Sah anzustigcn: „Wie die Blätter n«eldcn, wollen die führende«« Sozialdcniokratcn iioch«veiter ihr Programm revidieren". So soll der Eindruck erweckt lvcrden. als ob die ungarische Sozialdemokratie dem GömböS „noch Ivciter" entgegenkominen möchte. Einer solchen journalistischen Büberei waren bisher nur kommunistische Blätter fähig. DaS „Tempo"«vandelt getreulich in den Fußstapfen deö„Vortvärts" und der„Welt von heute". Es möge nickt weiter versuchen, sich zu tarnen. «eite 4 DonnerStag, 31. Mal 1934 Vtr. 125 i Prager Frühling. Jedermann fährt in der Zeit von der mit eingcschlagenem Schädel hinterläßt sechs Kin- Der Tod eine« Epileptiker» Gürkan, 30. Mai. Der 32jährigc Gärtner Schlosses Nolhenhans Franz Peinelt erlitt des gestern Nachmittag, als er sich im Schloßtcich die Hände reinigen wollte, einen Anfall von Epilepsie, stürzte in den Teich und ertrank. Er hinter- käßt eine Witwe und zwei Kinder. Zum Rektor der KarlSuniversität wurde Professor Dr. Josef Drachovskh für das Studienjahr 1031/33 gewählt. Ein Opfer de»»«elfen" geborgen Brüx, 30. Mai. Bei den gestrige» Ge- wältigungöarhriten auf der Nelson-Grube wurde ansirr der Leiche drS Bergmannes Saust, über deren Auffindung bereits berichtet wurde, noch die Leiche des 39jährigen Oberhäuerd Jaroslav H» t o v i k k a geborgen. Er war verheiratet und Dater dreier Pinder. WaldbrSode trab Stürme in Amerika Albanh(Staat Netv Jork), 30. Mai.(Reuter.) In den Adirendackbcrgen bei Saranac Lake wütet an der Stelle, die viel von Lungenkranken besucht wird, ein Waldbrand im Ausmaste von 10 Meilen. Ca. 10.000 Acres schönen Waldes wurden bereits vernichtet. Zwei Ortschaften sind von den Flammen bedroht. Aus Kanada werden gleichfalls grösterc Waldbrände im Ost-Manitoba und Nord-Ontario gemeldet. Jin N o r w a l k(Ohio) tvütct ein groster T o r f b r a n d, der zahlreiche Siedlungen gefährdet. In Charleston(Südkarolina) richtete ein Tornado großen Schaden an. Gleichzeitig trat eine Springflut auf. Die abnormal hohe Flut überschwemmte die Straßen von Charleston und zerriß die.Hafendämmc. Viele kleine Fahrzeuge lvurdcn vernichtet. Eine große Nacht ist gesunken. Einige.Häuser wurden zerstört. Santiago de Chile, 30. Mai. Im Küstengebiet von Puerto Saavedra(südlich von Concap- cion) das bereits am Montag von einem schweren Sturm heimgcsucht war, trat am Dienstag ein Tornado auf. Daö.Herannahen des Unwetters Ivar glücklicherweise von Fischern so zeitig beobachtet Ivorden, daß die Küstenbewohncr gewarnt werden konnten, bevor der Tornado herankam. Holzhäuser und Fischerboote wurden durch die Gewalt des Sturmes zertrümmert und ins Land hineingetragen. Vierzig Jahre Angestelltenverband Den 40jährigen Bestand konnte der Allgemeine Angestelltenverband Reichenberg in einer internen BeranMltung am 27. Mai d. I. begehen. Nachdem die Liedertafel der Neichenberger Ortsgruppe den Chor„Empor zum Licht" zur Eröffnung gesungen hatte, begrüßte der Berbandsob- mann Bergmann die im engsten Kreise Versammelten und gab einen Ueberblick über die verflossene 40jährige Verbandsgeschichte. Zu Pfingsten 1894 hatten sich in Reichenberg 38 Vertreter von 18 OrtS- berelnen zur Bildung eines gemeinsamen Verbandes zusanunengefundcn, der nach Ileberwindnng mannigfacher Schwierigkeiten seine erfolgreiche Entwicklung nahm. Der Redner schilderte in großen Zügen den Werdegang bis zum heutigen Stand und erwähnte die durch die Tätigkeit und das Wirken des Verbandes in den vier Jahrzehnten erreichten Fortschritte auf den verschiedenen Gebieten deü gesetzlichen und vertraglichen Angestelltenrechtes und sozialen Schutzes. Weiter zeigte er die Enttvicklung zur freien Gewerkschaft, deren Bedeutung und Erfolge, ferner die internationale Eingliederung anf und gedachte besonders auch des Werdeganges durch Zusammenfassung der Angestelltenverbände im Deutschen GewerkschaftSbnnd zum heutigen alle Berufszweige der Privatangestellten umfassenden Verband. Als Beispiel für die außerordentlichen geldlichen Leistungen des Verbandes verwies er nur auf die Stellenlosenunterstützungen, die allein in den Fahren 1930 bis 1938 nicht weniger als 21,887.600 Kronen erreichten; die vom Verband seit seiner Gründung an seine Mitglieder ausgezahlten Unter stützungen belaufen sich auf. die stattliche Summe von 41,400.000 Kc. Der Vergleich zwischen den Verhältnissen zur Zeit der BerbandSgründung (1894) und heute läßt am besten das Maß der erreichten Erfolge und Fortschritte erkennen. Mit DankeStvorten an die Gründer, Mitarbeiter, befreundeten Körperschaften usw. sowie mit dem Wunsche für weitere erfolgreiche Enttvicklung schloß der Redner seinen sachlichen Bericht. Obmannstellvertreter Kirchhof überreichte sodann den Vertretern der Gründergruppen das vom Verband getvidmete Ehrenzeichen, worauf Begrüßungsansprachen folgten. Abg. Schäfer sprach iin Namen der Zentral- gewcrkschaflskommifsion des Deutschen Gewerk- schastsbundeS Reichenberg, Dr. Arthur Neustadtel als RcchtSfreund des Verbandes, Passian für die Fudustrieangestellten-Spar- und Kreditkasse Reichenberg. KreiSobmann Scheithauer(Brür-Komo- tau) als Vertreter der Arbeitskreise des Verbandes, Löwit für die Verbandsangestellten, Adler für de» Verbandsbezirk Reichenberg. Nach Verlesung von Begrüßungsbriefe» dankte der Obmann der Ortsgruppe Reichenberg Löffler im Namen der Gründergruppen sowie Ehrenobmann Stoll dem Perbandsobmann Bergmann für sein vorbildliches Wirken. Hierauf beendete Obmannstellvertreter Kirchhof mit einer gehaltvollen Schlußansprache die Veranstaltung. Seine Worte klangen in die Aufforderung aus, durch unermüdliche Aufklärungs- und Werbearbeit für die Vertiefung und Ausbreitung des Wewerkschaftsgedankens innerhalb der Angestelltenschaft. besonders bei, der Jugend, und damit für dse. Erreichung einer besseren.Zukünftefür alle arbeitenden Menschen z>l wirken. fünf... stcnkreisen zu übcrnlitteln. Alle hatten mehr weniger kompromittierende Beziehungen Stavisky und nahmen von ihm Bestechungen gegen.' „Graf Zeppelin" in Rio de Janeiro. Der Sieger von Dort Arthnr gestorben Tokio, 29. Mai. Der japanische Admiral Hejhaschiro Togo ist hier am Dienstag im Alter von 87 Jahren gestorben. Während des russisch-japanischen Krieges war Admiral Togo Obcrkommandant der japanischen Kriegsflotte und schlug die Russen am 10. August 1901 bei Port Arthur. Pilsner Gendarmen vernnglückt Ein Auto überschlägt sich. Pilsen, 30. Mai. Mittwoch nachmittags ereignete sich in Pilsen ein schwerer Zusammenstoß von Pcrsoneiiautomobilen, wobei ein Automobil der Pilsner GendarnicricfahndungSstation vollständig zertrümmert lvurde. An der Ecke der Köper» nikus- und Neruda-Gassc stieß dieses Auto mit einem vom Maurermeister V. Broj aus Nürschan gelenkten Personenauto zusammen. DaS Gcndar- mericauto überschlug sich mit den Rädern nach oben und die gesamte Gendarmeriebesahung. die sich in dem Auto befunden hatte, blieb unter ihm liegen. Die Gcndarnien wurden vom Publikum befreit und in das Pilsner Krankenhaus überführt, wo festgestellt wurde, daß einige Aendarnieu zum Teil schwere Verlehuiigen erlitten. Der»Arzt" Werson— 3 Jahre Kerker Wegen Betrug und Spionage. Mädrisch. Ostrau, 30. Mai. Bor dem Senate des Kreiögerichtes in Mährisch-Ostrau hatte sich beute Pavel Lcontii Werson wegen des Verbrechens der militärischen Spionage, des Verbrechens des Betruges, weil er sich als Arzt auS- gab und unberechtigt Patienten behandelte, sowie tvegc» anderer Delikte zu verantivorlen. Gleichzeitig mit Werson hatte sich wegen Militärspio- nagc Alfred Smrtsckka, Magazineur der Hahn-Röhrenwerke in Oderberg, zu verantworten. Werson wurde zu drei Jahren schweren Kerkers, verschärft durch Fasten und zu einer Geldstrafe von 1000 KC. zum Verluste des bürgerlichen Rechtes und zur Ausweisung aus der Republik verurteilt. Sinrtschka wurde zu sechs Monaten schlvcren Kerkers und zu einer Geldstrafe von 1000 Kä verurteilt. Beide Strafen sind unbedingt. Die Haft vom 14. Oktober 1933 wird von der Strafe abgerechnet. Sinrtschka hat die Strafe durch die Haft verbüßt und, da er sie annahm, wurde er aus der Haft entlasten. Werson forderte Bedenkzeit. Tschechisch-Unterricht an oeutschen Bolls- und « Bürgerschulen Dir iiieisten deutschen Bürgerschüler lernen tschechisch, in den Bolksschnlen läßt die Zahl der Tschrchisch'Lernenden noch viel zu wünschen übrig. In der Sitzung des Landesschulrats für Böhmen vom 20. Feber 1934 stellte der Beisitzer Genosse Dr. Emil Strauß eine Anfrage wegen des Tschechisch-Unterrichtes an Volks- und Bürgerschulen und verlangte unter Hinweis auf die Wichtigkeit der Kenntnis der tschechische» Sprache für die breiten Masten der deutschen Bevölkerung einen Bericht über den Stand des Tschechisch- llnterrichtes an den Volks- und Bürgerschule» des Landes. In der Sitzung vom 29. Mai 1934 beantwortete Landesschnlinspektor Dr. S ch r o u« b c I diese Interpellation und teilte». a. Folgendes mit: Von den im Schuljahre 1933/34 bestehenden 293 Bürgerschule» hatte» 282 den Unterricht in der tschechischen Sprache eingcführt, und zwar im ganzen an 348 Klasten von einer Gesamtzahl von 1396 Klassen überhaupt. ES wird also an fast allen Bürgerschulen in fast allen Klassen tschechisch! unterrichtet. Eingeschrieben waren hiebei inSgc« samt 43.728 von 58.121 Schülern und Schülerinnen. Von den bestehenden 2228 Volksschulen hatten 153 den»»verbindliche» Unterricht in der tschechoslowakischen Sprache eingcführt. und zlvar a» 998 von 6132, das ist also etwa ein Sechstel der Gesanitzahl der Klassen»nd etwas mehr als ein Fünftel der Gesamtzahl der Schulen. Allerdings ändert sich der Prozentsatz sofort, wenn wir in Betracht ziehen, daß die Zahl der einklassigen Schulen etwa 30 Prozent, die der zwei- klassigen etwa 36 Prozent ausmacht und an diesen beiden Schnlgattnngcn in der Regel der unverbindliche Unterricht in der tschechoslowakischen Sprache nicht eingcsührt werden kann, da die vorgeschriebene Mindcstzahl von Schülern der betreffenden Alterstufe(20) nicht vorhanden ist. Besucht wird der llnterricht von 20.000 Kindern bei einer Gesamtzahl von 238.609, also von ctlva elf Prozent der Gesamtzahl, bczw. von der für diesen Unterricht überhaupt in Betracht kommenden Zahl, etwa 26 Prozent.(Die Zahl der Kinder des ersten bis dritten Schuljahres nicht eingerechnet.) Tragisch« Rotlandung New Jork, 30. Mai. In der Nähe Bethel(Eonnecticut) wurde ein Flugzeug „United Airwah Linie" bei einer Notlandung in frichcr Morgenstunde zertrümmert. Der Führer und sieben Fluggäste wurden schwer verletzt. Vom Rundfunk Ewpfehlenowerte» an» der^Programmen: Freitag Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten. 10.30: Schulfunk. 11: Sckmllplatten. 12.10: Walzer auf Schallplatte«. 18.20: Deutsche Sendung: Land- wirtschastöfunk. 18.45: Arbci tersend ang. 18.65: Deutsche Presse. 10.46: Die Welt in Umgestaltung. 21: Liedcrkonzcrt.— Sender S.: 14.30: Schallplatte«. 11.45: Tanzmusik. 15.10 Deutsche Sendung: Viertelstunde für die Hausfrau. 15.25: Aus dem tschechischen Kulturleben.— Brünn 16: Orchesterkonzert. 18.20: Deutsche Sendung: Sportbericht.— Mähr. Ostrau 18.25: Deutsche Sendung: Groß: Die lschechosiowakische Wirtschaft in der Krise. 21: Stunde populärer Ouvertüren. Prestburg 20.55: Duett« für Oboe und Fagott.— Kascha» 18.10: Schallplatte«. Wie die Hamburg-Amerika-Linie mitteilt, ist„Graf Zeppelin" am Dienstag um 7.40 Uhr Ortszeit in Rio de Janeiro gelandet. Politischer Mord in Tibet. Wie'aus Lhasa gemeldet wird, ist der frühere Obcrlommandie- rende der tibetanischen Armee Lung Shar anschei- beherrschen. Daö Fuhrwerk st ü r z t e auf ihn. Balcnta blieb unter den mit Steinen beladenen Wagen tot liegen. Er der. Fiinflinge. Die 2bjährige Frau Olivia Dionne in North Bay(Ontario) schenkte am Moiüag f tt n f M ä d ch e n das Leben. Der behandelnde Arzt hält alle Kinder für lebensfähig. Die Mutter hatte sich bereits am Dienstag wieder erholt. Vor der Einstellung der Elbe- Schiffahrt Dresden, 30. Mai.(DNB.) Infolge deö Mangels an Niederschlägen spitzen sich die Ver- HAtnistc für die Elbeschiffahrt immer mehr zu. Der Dresdner Pegel zeigte am Mittwoch 227 Zentimeter unter Null. Er hat damit einen im Mai noch nicht zu verzeichneten Tiefstand erreicht. Nach Meldungen vom Oberlauf des Stromes tvird das Master in Dresden morgen noch weitere 7 Zentimeter tiefer stehen. Damit dürfte der Schiffsverkehr mit der Tschechoslowakei zum Erliegen kommen. Die gleiche Gefahr ist für die sächsische Elbestrecke nahcgerückt. Eine Spezialität des braunen Raubritterregimes ist es, sich durch eine besonders bequeme Methode aus„Geldverlegenheiten" zu Helsen, dadurch nämlich, daß nmn die diversen unbequemen Staatsbürger einfach bestiehlt. Von Zeit zu Zeit tvird dann im„Rcichsanzeiger" korrekt und bieder mitgeteilt, daß man diesem oder jenem„Staatsfeind" das Vermögen„beschlagnahmt" habe. Der vorletzte in der Reihe dieser AuSgeplünderten ist der Arzt Dr. Friedrich Wolf, der Autor des bekannten sozialen BUHnenwerks„Cyankali", jenes Stückes, das in Berlin monatelang den Spielplan beherrschte, und der„M a t r o s e n von C a t t a r o", die seinerzeit in der Berliner „Volksbühne" einen starken Erfolg erzielten. Dieser Dr. Wolf, der ins Ausland emigrierte, weil er begreiflicherweise keine Lust verspürte, sich von den sascistischen Banden deö Herrn Hitler erschlagen zu lasten, soll auch das Rüstungösaß der Nazi- Danaidcn füllen helfen. Irgendeine Hyäne deö nationalsozialistischen Ecklachtseldeö hat die Gestapo vielleicht auf irgendein kleines SommerhäuS- chcn Wolfs aufmerksam gemacht, ein Hitler-Bonze wird vielleicht ein billiges Wochenend-Absteigequartier nötig gehabt haben. Man wundert sich über diese Methoden nicht mehr. Nur über eins tvundrrt man sich: über die Umständlichkeit, mit nend von politischen Gegnern auf grausame Art ermordet worden. Shar war eine Persönlichkeit von großem Einfluß und genoß das besonder» Vertrauen deö verstorbenen Dalai Lama. Eine Ente der„Reichöpoft". Die gestrige „RcichSpost" veröffentlichte ein angebliches vertrauliches Rundschreiben deö Syndikats der tfche- choslowakifchcn Joiirnalnteii, das an die Redaktionen der tschechoslowakischen Tagesblätter versandt worden sei. DaS Zirkular behandelt Weisungen für die Abbrenisung des Fremdenverkehrs nach Oesterreich, Deutschland und Ungarn und ist, der„RcichSpost", vom Syndikus, Senator Pichl, unterzeichnet. Das Tschechoslowakische Pressebüro ist ermächtigt, auf I das Entschiedenste zu erklären, daß die in der „Reichspost" veröffentlichte Meldung ein Falsum oder eine grobe Mystifikation darstellt, da das Syndikat ähnliche Weisungen nicht beschlossen und den Redaktionen der Blätter keinerlei ähnliche Weisungen übersandte. DaS Syndikat tvird sich gegenüber dieser Insinuation noch vcrioahrcn. (Tsch. P.-B.) SchwcrfuhrwerkcrS Tod. AuS U Z h o r o d wird berichtet: Am Montag abends fuhr der 64 Jahre alte Josef Balcnta nut eüiem Pferdefuhrwerk. das mit Steinen für die Rekonstruktion der staatlichen Straße Sobrancc-UZHorod beladen tvar. Unterhalb eines abschüssigen Hügels konnte Valenta das schwere Gespann nickt mehr der diese Gesellschaft ihre Raubzüge gleichsani gesetzlich tarnt. Masarykplat? in Königsberg an der Eger. Die Gemeindevertretung in Königsberg an der Eger hat einmütig in ihrer letzten Sitzung beschlossen, den Schulplatz in M a s a r y k- P l a h umzubenennen. Bestochene Journalisten. Die die S t a- visky-Skandale untersuchende Parlamentskommission beschloß, dem Justizminister behufs eventueller Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens die protokollarischen Aussagen von einvenommencn Zeugen aus Jonrnali- ---------- oh« mit ent- Ä Ä!» vorn 1. bis 19. Juni d. I. nach Prag, nm den halben Fahrpreis, wenn er sich die Festlegitimation des Prager Frühlings kauft- Preis 26 Uä, wovon 10 Ui Anweisung auf Eintrittskarte» zu den Festveranstaltungen(Theater, Konzerte, Ausstellungen, Sportunternehmen nsw.) nach eigener Wahl sind. Die Legitimationen sind erhältlich in allen Reisebüros, Filialen der Legiobank und Verkaufsstellen der Prager Mustermesse. Sie ermächtigen auch zu einer 40pro> zentigen Ermäßigung auf den staatlichen Fluglinien und auf den Linien der Tschechoslowakischen Flug- gesellschast und in Prag zum Ankäufe einer dreitägigen Permanenzkaric für alle Ttraßcnbahnstrecken für 12 l<5, sowie auch zu 20 Prozent Ermäßigung in allen Prager Hotels. Rückfahrkart«! mit 50 Prozent Ermäßigung, sogenannte Streckenauoweise, ermöglichen innerhalb 30 Tagen je vier Ans- und Rückfahrten jederzeit und mit jedem Zuge, innerhalb 90 Tagen je 12 Aus- und Rückfahrten. Auch für Schnellzüge und Eilzüge zu haben, eventuell halben Zuschlag zu zahlen.— Die Begünstigungen für die Touristen- vercins-Mitgliedcr gehen am weitesten bei Fahrten über 200 Kilometer bei drei Personen, wobei 50 Prozent Ermäßigung gewährt tvird. Die Fahrt kann zweimal unterbrochen werden. Nat.-Kor. Wahrscheinliches Wetter heute: Im ganzen schön, nachts stellenweise noch sehr kühl, tagsüber ctlvaS wärmer, ganz vereinzelte lokale Gewitter, namentlich in GebirgSnähc, sind nicht ausgeschlossen.— Wetterübersicht für den l. Juni: Keine größere Aenderung. Tagcsncuighdtcn Rückwärts, rückwärts Don Rodrigo... Madrid, 30. Mal. Als Antwort auf die Androhung des Generalstreiks der landwirtschaftlichen Arbeiterschaft unterbreitete die spanische Regierung dem Präsidenten der Republik einen Gesetzentwurf zur Ilntcrfertigung, durch welchen alle landwirtschaftlichen Streiks, insbesondere zur Erntezeit, als ungesetzlich erklärt werden. Die Behörden sollen alle Führer einer Streikbewegung ein kerkern und öffentliche Versammlungen landtvirtscbastlichen Charakters untersagen. Donnerstag, 31. Mai 1034 Sekte 5 Die Schmerzen-er kleine« Leni Sine Fronleichnamsgeschichte ans Wie» Bon Julius Marli«. Daö allerherrlichste Fest im ganzen Jahr ist doch der„Fronleichnam mit dem Umgang" dachte die kleine Leni. Biele Schulkameradinnen behaupteten zweren. Die Unlerhaltspflicht und das Sorgerel-t nach dec Scheidung ist möglichst von der Schuldfr.'g? zu lösen, d'r sorgeberechtigte Mutter ist zu levt rzugen, Im Erbrecht ist der kinderlos überlebende Gatte auf ein Nutzungsrecht zu beschränken. Verlanget überall Volkszünder geschmückt mit der Fülle weisser Gehänge, unter deren süsser Schwere die dünnen Zweige schwanken. Starker, berauschender Duft, wild und innig und undeutbar in seiner vielfältigen Mischung aus Süsse und Strenge, umhüllt den Baut», der als letzter fast seine Hochzeit mit dem Frühling feiert. Wie in grauen Gassen eine Borstadtarmut, die im weissen Brautkleid ein einziges Mal schön ist, wiegt sie sich in bräutlichem Schmuck und verklärt noch den kärglichsten Fabrikhof mit weissem Blütenschein. ES währt nur kurze Zeit. Bald streuen die Blüten welk zur Erde. Dann steht die Akazie wieder unbeachtet, ein sperriger Baum, der kaum Schatten spendet. Schon zeitig gegen den Herbst fallen die dünnen Fiederblätter ab und die langen Blattstiele, die die Kinder zu kleinen Besen zusammenbinden, mit denen sie spielen. Die Akazie steht schwarz, sperrig, dornenbewehrt und nimmt nicht teil am bunten Farbenfest des Herbstes. Dürre schwarze Schotenbüschel rascheln im Winde, und die Krähen, die sich der Stadt wieder nähern und krächzend den Winter verkünden, sind die einzigen Gäste im nackten Akazienhain. Und alles, was der karge Baum an Schönhett zu geben vermag, hat er in den Tagen seiner Blüte verschwenderisch verschenkt. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung m» Hans oder bet Bezug durch dte Post monatlich Ai 10.—. vterteljälirig Kd 48—. tzalbjäbng Kd 96.—. ganzMrtg Kd 192.—.— Inserate werden taut Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Dte ZettungSfrankatur wurde von der Bost- und Telearavben- direktton mit Irlass Nr."8.800/VII/1080 bewilligt.—Druckerei:.ÖrbiS". Druck«. Verlag», und ZeitungS-A.-G. Prag. u (Emigrantenheim). PRAG