14. Jahrgang Freitag, 1. Juni 1934 Nr. 12K UNTRALORGAH DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK EtazelDTRis 70 hbhdt '•iMchlltOKch 5 Halter Forte) ERSCHEIN. MIT AUSNAHME DES MONTAO TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung frag xii.,fochova u. telefon am. Administrationtelefon am. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEURi WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Gemordete Fabriken Christlidie Internationale gegen Dollfuß! Ein Bekenntnis der christlichen Gewerkschaften (JGB.) Die Christliche Internationale hat seinerzeit" bet der Bcrgclvaltigung aller Prinzipien der katholischen Kirche durch Hitler ihre Stimme erhoben und ohne Schonung siir die hitlcrfreund« liche Politik ihrer gewerkschaftlichen Glaubensgenossen in Deutschland der Wahrheit die Ehre gegeben und die katholische Forderung der freien Organisation freier Menschen in einem freien Staat Hochgehalten. Sie tut dies heute mit anerkennenswerter Gründlichkeit und Offenheit auch gegenüber dem katholischen Oesterreich, von dem ein Organ von Dollfuß kürzlich mit ebenso großer Unwahrhaftigkeit wie Anmaßung sagte, es geschehe dort„zum ersten Male seit Jahrhunderten, daß ein Volk darangeht, in seinem Lande das Gemeinwesen unter offenem und uneingeschränktem Bekenntnis zu den Forderungen des katholischen StaatSgcdankenS zu ordnen". In der Aprik-Mai-Nummer von„D i e Christliche Internationale", dem offiziellen Organ der christlichen Gewerkschafter Internationale, führt ihr Sekretär P. I. Terra r e n S demgegenüber aus, daß er„das neue Oesterreich nicht, mit Freude begrüßen könne, weil er nicht an Diktaturen glaube", weil„ein Staat, in dem cS keine Freiheit gibt, kein Recht hat, weiter zu bestehen". Solche. Feststellungen verdienen eine ernste Würdigung! Wenn sie von SerrarcnS auSgehen, so wissen wir so gut wie er selber, daß er damit den Stampf gegen den Sozialismus und feine angeblichen Mängel nicht aufgibt. Dessen ungeach tet mutz sein mannhaftes Eintreten für jene Prinzipien anerkannt werden, deren Verteidigung sich auch die freien Gewerkschaften zur höchsten Pflicht machen und von denen der jetzige Papst Pius XI. in seinem Rundschreiben Quadrngcsimo anno sagt, daß sie manchmal„erstaunlich den Forderungen gleichen, die jene erheben, die die Gesellschaft nach christlichen Grundsätzen reformieren wollen". Die Grundsätze des neuen Oesterreich, sagt SerrarenS mit aller Deutlichkeit, haben mit diesen christlichen Grundsätzen nicht daS geringste z« tun. Unerbittlich stellt SerrarcnS in seinem Artikel dar, wie sich Dollfuß(der auch den Ansichten deS Sekretärs der christlichen Internationale zufolge im Kampfe gegen den FasciSmuS alle Parteien und inÄefondcre die Sozialdemokratie auf feiner Seite hatte) Schritt um Schritt den Heimwchren auülicferte, wie diese Heimwehren zum ersten Male an- den Staatsarsenalen von Dollfuß 10.000 Gewehre erhielten, eine bewaffnete Macht im Staate ivurdcn und so „die Entwicklung Oesterreichs in fascistischcr Richtung entschieden", wie schließlich die Heimwchren Dollfuß dorthin hrachtcn. wo er heute steht, d. h. zu der von SerrarenS bedauerten Preisgabe jeglichen rechtlichen Bodens. SerrarenS ist sich durchaus darüber klar, daß der Gedanke der„Einheitsgewerkschaft", der allen katholischen Grundsätzen ins Gesicht schlägt, ein rein fascistischcr Gedanke ist und daß die Führer der christlichen Gewerkschaften Oesterreichs, i als sie nach ursprünglicher heftiger Bekämpfung dieses Gedankens unter dem Druck der Heimweh- rcn darauf eingingen, sich selber Preisgaben, weshalb wir heute, wie SerrarenS sagt,„an der To- dcsbahrc der christlichen Gewerkschaftsbewegung Oesterreichs stehen". SerrarenS führte u. a. auS: „Was am meisten ärgert, ist, daß man daS alle- christlich nennt nnd der Welt varzutäufchen versucht, daß alle diese Maßnahmen nun völlig mit der päpstlichen Enzyklika„Quadragrstmv Anna" übereinstimmen, ihr sozusagen entnommen stnd. Richt- ist mehr unwahr"...„Weil man so gerne in Wien unter dem Deckmantel der Enzyklika seinen FasciSmuS macht, besteht die Gefahr, daß man damit Ouadragestmo Anno in den Augen der Völker kompromitiert..." ES ist sehr schön, wenn man die neue verfaffung eröffnet mit der Erklärung, daß von Gott, dem Allmächtigen,„alle- Recht auS- geht". Aber da- genügt nicht für einen christlichen Staat. Der christliche Staat muß rin Rechtsstaat fein. Er darf sich nicht auf den fasciftifchrn Standpunkt stellen, daß da-, waS er will, Recht fei, daß er Recht und Pflicht schaffe und mit der Staatsräson jede Aenderung verantworten könne, auch wenn sie im Widerspruch zur Verfassung ist, auf welche hie Lenker der Staatsmacht beeidigt wurden." Die- ist die Antwort auf Fragen, die feder stellen muß, der die Tradition der Katholischen Kirche— auch wenn sie in der Praxi- noch so oft Lügen gestraft Wied— kennt und ihr nicht jegliche I ideologosche Bedeutung absprechen will. Wie lange kann der Staat noch diesen Wahnsinn dulden? Jeder Bankratsbcricht meldet eine fori- schreitende leichte Besserung der Produktionsverhältnisse. Noch ist eü ungewiß, in welchem AuS- maße wir mit unserem Export wieder Anschluß an den Welthandel finden. Niemand kann vor oussagen, wie sich die wirtschaftliche Situation in den nächsten Monaten gestalten wird, aber der Tiefpunkt der Krise scheint überwunden zu sein. Unsere Jndustriegewaltigcn haben keine Perspektiven. Sie setzen ihre Konzentrationspolitik fort. Betriebe von Weltruf werden dabei kaltblütig vernichtet, die sich Jahrzehnte hindurch als lebensfähig erwiesen haben und die vielleicht innerhalb Jahresfrist wieder crstklas- sige Erwerbsquellen sein könnten. An dem Schicksal der Glasfabriken in H o l e i s ch c n und S t a n k a u— dem Restbestand der hingcstor- bcnen Glasindustrie deS Böhnierwaldes— sei hier aufgczeigt, Ivie die Methoden der kapitalistischen Konzcntrationöpolitik hart an die Grenzen des Kriminellen streifen. Seit 36 Jahren besteht die große Spiegel- glasfabrik Holeischen, schon über 60 Jahre der benachbarte Schwesterbetrieb Stankau. Mit eini- gen kleineren Nebenbctrieben hängt daö Schicksal von rund 1000 Arbeitern nnd ihren Familien daran. Angehörigen beider Landesvölker. Besitzerin der Unternehmungen ist die belgische Aktiengesellschaft Glace de Boheme mit dem Sitz in Brüssel. Ansehnliche Profite — sic werben in der Nachkriegszeit allein mit 70 Millionen beziffert— schleppten die Aktionäre über die Grenze. Die Situation des Ho- leischner Unternehmens erschien dem belgischen BerwaltungSrat noch 1031 so aussichtsvoll, das; er umfangreiche Investitionen vornehmen ließ, deren Aufwand allein 13 Millionen Xö per schlang. Stankau ist schon vor Jahren stillgelcgt worden, aber Holeischcn war bis zuletzt mit Einschränkungen, wie sic fast in jeder Fabrik vor kommen, beschäftigt. Mit Beginn dieses Jahres sickerten Ge- rüchte durch, daß nach dem unersorschlichcn Ratschluß deS internationalen Spiegelglaskartellv und der belgischen Aktionäre die Fabriken Hole! schen und Stankau dauernd ausgelassen und mit einem technisch weniger gut gerüsteten, gcogra Phisch aber günstiger gelegenen bisherigen Kon- kurrcnzbctrieb in Nordböhmen fusioniert werden sollest. Tausend Glasarbeitcrsaniilien und die betroffenen Gemeinden begannen einen Bcr zweislungskampf um ihre Existenz. Nnn möge die Ocfsentlichkeit wissen, welcher Methoden sich die beteiligten Kapitalsvcrtreter bedienten, um die Arbeiterschaft, die Gemeinden und die Behörden an der Nase hernmzuführen. Ter Betriebsrat schrieb unter Hinweis aus die StillegungSgcrüchte im Jänner nach Brüssel und verlangte Klarheit. Darauf kam eine vom 5. Feber datierte und vom Präsidenten Jacob gegebene Auskunft: die Beantwortung der Frage sei noch„verfrüht". Die Entscheidung werde da- von abhängen, ob eine Erniedrigung der Pro. duktionSkostcn möglich sei. Bei einer am 21. April geführten Vorhand, lung wurde die Firma schon deutlicher. Sie mackste die Wcitersührung dcö Betriebes ab- hängig, 1. von einer Frachtkostenermäßigung, 2. von der günstigen Regelung eines nm meh. rere Millionen gehenden Stcucrstritts, 3. von einem Lohnabbau. Im gleichen Sinne war eine am 18. April au daS Handelsministerium gerichtete Eingabe gehalten. Die Arbeiter nnd Angestellten erklär- tcn sich zu dem geforderten Opfer bereit. Durch parlamentarische Interventionen war die gewünschte Tarifermäßigung bereits weitgcheno sichergestellt. Auch daS sonst sehr zugeknöpfte Finanzministerium war um die Erhaltung der Vor dem Generalstreik in USA Strelkparole der Baumwollsplnner für Montag Ultimatum der Metallarbeiter/ Roosevelt greift ein Ministerrat billigt Barthous Rede Zustimmung der Presse. . Paris, 31. Mai. Unter dem Borsitz von Ministerpräsident Doumergue fand heute ein Mini- sterrat statt. In der über die Beratungen auSge« siebenen amtlichen Mitteilunsi heißt eS:„Der KabinettSrat billigte vollinhaltlich die Stellungnahme des Außenministers und ersuchte den Ministerpräsidenten, Barthou zur Kenntnis zu bringen, daß seine gestrige Rede den Standpunkt der Regierung und die Kontinuität der französischen Politik getreu zum Ausdruck gebracht habe." Die heutigen Morgenblätter kommentieren mit großer Befriedigung die Rede BarthouS und konstatieren einmütig, daß Barthou klar und aufrichtig gesprochen habe. Sie betonen, daß der Außenminister die Ansicht ganz Frankreichs- und aller seiner kontinentalen Freunde über die deutsche Wiederaufrüstung und daö britische Schweigen gegeben habe. Die Blätter machen auch auf die Nichtübereinstimmung der Kundgebungen dcö britischen Außenministers Sir Simon und des Ministers Barthou aufmerksam, die den Informationen der Blätter zufolge keine Trübung der französisch- britischen Beziehungen bedeutet. Sir John Simon selbst habe noch am Abend Minister Barthou gegenüber erklärt, daß die gegenseitigen Beziehungen nicht tangiert würden, wenn ztvci große befreundete Länder ihre Ansichten loyal anStauschcn. Vie„Prawda“ lobt Frankreich MoSka«, 31. Mai. Die„Prawda" widmet ihren Leitartikel den gegenwärtigen Abrüstungsverhandlungen in Genf. Sie hebt die Bedeutung der letzten Erklärung des britischen Außenministers Sir John Simon hervor und sieht in ihr eine versteckte Verteidigung des deutschen FasciSmuS gegen die Vorschläge Litwinows. DaS Blatt sieht in der Simonrede eine Politik der Zerstörung der Friedensverträge und schreibt, daß diese Politik denjenigen die Arbeit erleichtert, die sich gegen den Frieden stellen. Demgegenüber, so schreibt die „Prawda", zeigt die.Barthou-Redc, daß auch in der kapitalistischen Welt Kräfte vorhanden seien, die bestrebt- sind, die Katastrophe eines Krieges zu verhindern. Washington, 31. Mai.(Reuter.) Der Generalstreik in den Baumtvollspinnereien wird am 4. Juni verkündet werden, wenn den Forderungen der Arbeiter nicht Genüge getan wird. Morgen tritt General Johnson mit den Vertretern der Arbeiter und den Administratoren der Baumwolleode zu einer Besprechung zusammen, um über die Bedingungen zu verhandeln. An dem Generalstreik würden gegen 400.000 Arbeiter trilnehmen. Der Verband der Arbeiter der Eisen-, Stahl, und Zinnindustrie gab bekannt, daß er entschlossen sei, de» Generalstreik zu proklamieren, wenn den Arbeitern nicht daS Recht zuerkannt werden würde, seine eigenen Unterhändler zu wählen, die in ihrem Namen bei der gemeinsame» Aktion die Verhandlungen führen sollen. Washington, 31. Mai. Präsident Roosevelt hat angcordnct, daß die Ende Mai ablaufendcn ( So p a d e) Am Himmelfahrtstage, einem Tage bevor sich der Todestag des Hamburger f o- zialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Adolf B i r d e r ma n n zum ersten Male jährte, gedachte die Hamburger Arbeiterschaft ihreö Vertrauensmannes, der im Vorjahre angesichts der Schande deS Razi-Deutfch- landS feinem Leben rin Ende setzte. Uebrr 5 0 0 0 Hamb» r g e r M ä n n c r n n d F r a u e n besuchte» an diesem Tage die Grabstätte Adolf Bie- derniannS. Sie tvar über und über mit Blumen bedeckt. Unter der Fülle der Blumenspenden bemerkte man eine» Kranz mit roter Schleife nnd ein Blumengebinde, das die drei Buchstabe» D. A. E.(Dis-',"lin, Aktivität, Einigkeit) darstellte. Dir stumme Demonstration wahrte den ganzen Tag nnd auch am darauffolgende» Todestage Adols Code deS Bundesamtes zur Behebung der Wirtschaftskrise mit geringfügigen Acndcrungcn auf unbestimmte Zeit verlängert werden. Gleichzeitig traf Roosevelt Vorbereitungen, nm de» drohenden Generalstreik in der Stahlindustrie durch Sicherstellung von Betriebsrats Wahlen abzuwcndcn. Unruhen In San Francisco San Francisco, 31. Mai. Im Hafenviertel kam es am Mittwoch abend zu erneuten Unruhen, die Polizei ging gegen etwa 700 Männer nnd Frauen, die Steine warfen nnd versuchten, die berittenen Beamten von ihren Pferden 5» reißen, mit Knüppeln vor. Männer nnd Frauen wurden niedergeschlagen. Insgesamt wurden elf Personen e r n st l i ch verletzt. Die Polizei erklärt, eS habe sich nicht um streitende Hafenarbeiter, sondern um Kommnnisten gehandelt. Anssprodic Dr. Dencs-Lltwinow Genf, 31. Mai. Der russische Außcnlonnnis- sar Littvinow traf heute mit Minister Dr. Bene» zusammen und hatte mit ihm eine lange Unterredung. Die beiden StaatSinännec sprachen über aktuelle politische Fragen, insbesondere über das Problem der Sicherheit und die Situation auf der allgemeinen Abrüstungskonferenz. Streikverbot In Spanien beschlossen Madrid, 31. Mai. Das Abgeordnetenhaus nahm, mit 145 gegen 20 Stimmen den Entwurs der Radikalen, der die NegicrungSmaßnahinen zur Verhütung eines allgemeinen Streikes der land- wirtschäftlichen Arbeiter genehmigte, an. Hiera»! lehnte cS mit 130 gegen 31 Stimmen den sozialistischen Gegenvorschlag, der der Regierung das > Biedermanns war daS Grab daS Ziel vieler>Mißtrauen ausspricht und diese RcgierungSmaß- I FriedhofSbesucher. nahmen als illegal bezeichnet, ab | neuen! Sozialistische Massendemonstration in Hamburg Ccife L Frrilag, 1. Juni 1934 Air. 12» Sicuerquellc bemüht und bereit, über die Steircrfachc mit sich rede» zu lasse». Nachher stellte sich heran-, daß all diese Forderungen nur auf Ablehnung gestellt waren, das; sie lediglich ein Rnckzugvmanöver der Aktiengesellschaft darstelltrn. Behörden, Handelskammern, Organisationen, Ministerien sind aus reinem Mutwillen wochenlang in Bewegung gehalten und genarrt worden. Gibt es Kapitalisten gegenüber keine Staatsautorität? Am 24. April hat der Brüsseler Bcrwal- tungsrat den definitiven Beschluß gefaßt. Holei- schen und damit Stankau dem Untergang zu weihen. Am 29. April erklärte aber noch der Repräsentant der Firma, Herr Jacob, zu den Vertreter» der Holeischncr Gcnieindc:»Mir sind gewillt, die Fabrik weiterznführrn, wenn unsere Wünsche berücksichtigt werden." Bei einer an« 18. Mai vom Handelsministerium veranstalteten großen Enquete stellte sich aber die nackte Wahrheit heraus, daß schon seit Wochen über die Fusion verhandelt wurde und daß der Vertrag bereits bindend unterzeichnet war. So wird mit dem Schicksal van tausend Fanlilien hosardicrt. werden die Vertreter dep Bevölkerung angelogcn und selbst die Ministerien in frechster Weise düpiert! Dabei wird die Lebensfähigkeit des Holeischncr Betriebes von allen cingcwcihten Fachleuten nachdrülich betont. Beamte, niit jahrelangem Einblick in die Gcschästsgcbarung, haben berechnet, daß ohne Schwierigkeiten jährliche Er- sparungcn in der Höhe von drei Millionen Kronen möglich wären. Ein Sekretär der national, demokratischen Angestelltengewerkschaft machte die niederschnietternde Feststellung, daß sich die meist ausländischen Direktoren des lebensunfähigen Betriebes noch im Frühjahr 1934 170.000 Kronen NN Sonderrrmnncrationcn bewilligten, um das„drohende" Aktiv»»»» in ein Defizit zu verwandeln. Noch in den letzten Krifcnjahren haben sicki diese Direktoren für Reisespescn und die verschiedensten Zulagen hundcrttauscnde von Kronen zugeschanzt. DaS läßt auf eine vorgefaßte Absicht schließen, den Betrieb und seine Arbeiter und die subalternen Angestellten um jeden Preis zu ruinieren. Ein internationales Kartell, ein ausländischer VerwaltungSrat haben das Todesurteil über zwei der letzten Betriebe des übervölkerten siidwestböhinischcn Grenzgebietes gesprochen. Der Herr Wcimann erlebt den Triumph, den älteren Konkurrenzbetrieb nach langen» Kampfe schlucken zu können. In der letzten Zeit sind in Holeischen schon wieder größere Aufträge eingelaufcn. Verläßlichen Berichten zufolge wurden sie nur teil- lvcise cntgcgcngenommen. Der Patient ist bereits als hoffnungslos erklärt. DaS Prestige der kapi- talistischen Kurpfuscher erfordert eS, daß er stirbt. Die Arbeiter und Angestellten vo>» Hole», scheu werden mit 1. Juni die Kündigung er- halten. Kan»» da- ein geordneter Staat ertragen? Kann das vor allem zuständige Handelsmini' ftermm einem solche« Henkerswerk seine Sanktion geben? W. I. Hamtflaatlidie Manifestation der Bau* und Mostngenostensdiasten Diskussion um das RegreBgesetz Im groben Saal auf der Slawischen Insel fand gesieri» eine vom„G esam t staatl i ch en V er» band der Bau» und Wohngenos-sen» schäfte n" eiitberusene Manifestationsversanun- tung statt, zu der zehn grobe Organisationen ihre Vertreter entsendet hatten. Auf der Tagesordnung stand eine Aussprache über die derzeitige ernste Situation de- genossenschaftlichen Bauwesen- überhaupt und insbesondere die Stellungnahme zu dem vorbereiteten Regierung-entwurf eines R e g r e j^g e s e tz eDie Tagung, bei der von deutscher Seite der.,8entralvervanddeut- s ch e r B a u g e n o s s e n s ch a f t e n"(Troppau), die„D eutsche Haupt st elle für Wohnung S f ü r s o r g e" und der„Verband deutscher Wirtschaftsgenossenschäfte n" vertreten waren, leitete Oberseltionsrat Jng- V e j o i c l>>, im Präsidium befanden sich u. a. Abg. Genosse Falsch und Dr. Treu sch- Buttlar (für die„Deutsche Hauptstelle*), Herr Proksch < Zentralverband deutscher Baugenossenschaften), Lambert Theurer(Verband der deutchen Wirtschaftsgenossenschaften). DaS Arbeitenministerium war vertreten durch die SektionSräie Starii und R i s y, das Fürsorgemini st e- r i u m durch SeltionSchef K u b i ö t a und Ministerialrat Machet. Im Vordergrund des Interesse- stand der E n t- wurf des Regrebgesehes, mit deni sich all« Referenten besonders befaßten. Abg. Genosse Bino- vee verwies einleitend darauf, daß da- Parlament fick« mit diesem Entwurf eingehend beschäftigen werde. ES bedeute ein neues EUst em in unserer Staats Wirtschaft, wenn dec Staat früher getvährte Zuwendungen zurückfordere. Als erster Hauptreferent betont« Ministerialrat Beith(wie auch alle andere Redner», das; in dieser Frage rein fivkolische Interessen und soziale Gesichtspunkte in eine» gewiffrn Widerstreit geraten. Die Subventionen nach dem DauförderungSgeseh waren lveder Geschenke noch Unterstützungen, sondern ein durch die soziale und wirtschaftliche Situation der Nachkriegsjahre erzwungenes Hilfsmittel, wie es in seiner Art einzig dasteht. ES tvar der einzige Ausweg zur Behebung der durch den Krieg heraufbeschworenen Wohnungsnot und wirtschaftlichen Stagnation. Wenn der Staat jetzt darangehe, die 80- bis VOprozenUgen Baugarantien im Wege des Regreßes einzutreiben, so stellen sich, die Genossenschafter in Würdigung der derzeitigen schwierigen Situation keineswegs grundsätzlich dagegen. Aber es dürfe nicht verkannt werden, daß eine Belastung der besitzlosen Schichten heute unmöglich sei. Der Referent gelangte zu den» Ergebnis, da st die Genossenschafter lotzal das Recht des Staates anerkennen, zurückzufordern, was ihm gehört, dab sie insbesondere ein scharfes Vorgehen gegen geschehenen Mißbrauch be- grüßen und selbst im Rahmen des Möglichen zu Opfern bereit seien. Indessen könne ein Regreß nur zu normalen Zeiten von Wirkung sein, i.n heutigen Zeitpunkt aber beständen schwere Bedenken sowohl vom sozialen als auch vom staatspolitischen Standpunkt auS. Das sehr eingehende Referat des zweiten Hauptredners Dir. Teil begann mit der Feststellung, daß das Fürforgeminifterium dankenswerte- Ber- stöndniS für die soziale Seite der Regrestfrage bekundete, lvährcnd daS Finairzniiiiisterinm sich allzu sehr als Aiuvalt der fiskalischen Interessen gezeigt habe. Wie alle anderen Redner betonte auch Dir. Teil die Bereitwilligkeit zu lotzaler Mitarbeit und zu unvermeidlichen Opfern. Er begründete dann eingehend die Vorschläge der Genossenschaften, wie sie in der zum Schluß angenommenen Resolution enthalten sind. Nachdem noch einige Redner daS Wort zu kürzeren Ausführungen und Erklärungen ergriffen, hatten, nahm die Tagung eine in zwölf Punkte gegliederte Resolution an, die die Forderungen der zu dieser Aktion zusam- mengeschlosscnen Organisationen übersichtlich zusam- meufaßt. Punkt l bis 6 betrifft die angestrebte aktive llnterftülmng der von der Prise schwer betroffenen Genojsenschasieu. Punkt 4 spricht sich grundsätzlich gegen ein generelle» Regrestgesetz aus und befürwortet die Erlassung eines Gesetzes gegen Fälle mißbräuchlicher Bereicherung. Die weiteren Punkte enthalten Abänderungsvorschläge für den Fall, daß da» Gesetz doch beschlossen werden sollte. Punkt 6 erNärt den heutigen Zeitpunkt für die Durchführung eine- solche»» Gesetzes als unangebracht, weil es zu einer untragbaren Steigerung der Zinse bzw. Erhaltungskosten führen müßte. Punkt 7 verlangt, daß die k l e i»»» st en Wohnungen überhaupt a u 9 g e> nomme. n seien. Schließlich wird für Stritte der Genossenschafter mit den Behörden die Zuständigkeit der Gerichte bzw. eines Schiedsgerichtes verlangt und die Erklärung abgegeben, daß die Genossenschafter im Interesse des Staates zu allen tragbaren Opfern bereit seien. Bg. Forderungen der tschechischen Selbstverwaltung Die Vertreter der tschechischen Sclbswcrtval, tungökörperschaften haben auf einer Tagung in Prag die aktuellen Forderungen der Selbstverwaltung in einer Resolution zusammcngefaßt, tvelchc sich sotvohl mit der Lage der Gemeinden als auch der Bezirke befaßt. Einleitend wird die weitere Vcrschlechtcning der finanziellen Situation bei gleichzeitigem Steigen der Erfordernisse festgestellt und die Novellierung der Gesche 77/27 und 169/80 verlangt. Die Tagung lehnt jedoch die bloße Neuregelung der Gcmeindesinanzen ohne gleichzeitige Neufundirrung der Bezirksfinanzen ab. Bei Behandlung der Frage der Kommunalkredite wird der Gedanke einer Zusammenfassung der LandcSgcldinstitute begrüßt, allerdings unter der Voraussetzung, daß die Interessen der Autonomie in vollem Umfang gewahrt bleiben. Zur Sicherung der Wirtschaft der Gemeinden und Bezirke wird die Errichtung von BezirksrevisionS- kanzleien und der Ausbau der LandeSrcvisiouS- lanzlei vorgcschlagcn. In ähnlicher Weise soll auch für den technischen Dienst gesorgt werden. Im Wege des Gesetzes soll bei der Errichtung der Sprengelbürgcrschulen die ungleiche Belastung der verschiedenen SelbstvcrwaltungSkörper beseitigt werden. Zur Unterstützung der Provinztheater wird ein Beitrag dcS Radiojournals in der Höhe von SO Hellern für jeden Hörer vorgeschlagen. Schließlich»vurdc die Vorbereitung einer Schule für Funktionäre der Selbstverwaltung beschlossen.| Zur Frage der Wirtschaft der Bezirke verlangt die Entschließung, daß durch Novellierung des StraßenfondSgesctzcS die Berlvcndung der Dotation für nichtstaatliche Straßen auch für ordentliche Erhaltungsarbeiten ermöglicht werde. Die Resolution verivahrt sich gegen die Benachteiligung der nichtstaatlichen Straßen bei der Austeilung der Gelder. Weiterü wird ein einheitlicher Elektrifizierungsplan verlangt und dem Vorstand aufgctra« gen, Vorschläge für die Errichtung von Bczirks- änitecn, wo dies tunlich ist, vorgubereiten. Der BerbandStag spricht sich zum Schluß gegen die übermäßige Auflassung von Stcucränitern»nd Bezirksgerichten aus. Spina warnt Henlein Im„Neuen Morgen", der die Politik Spina» macht, lesen wir eine Betrachtung über das Scheitern aller Pläne, die auf eine Verfassungsänderung hinzielten und in der gesagt wird: Aber sei dem wie immer: klar ist vor allem eines, daß mit dieser Stellungnahme der tschechischen Agrarpartei, die in Gegenwart und Zukunft den maßgebendsten Faktor im Staate darstellt, alle Refonnpläne ad akta gelegt und zumindest auf lang« Sicht begraben sind. Das äußere Gewand des Staates bleibt also unverändert. Für die Deutschen, die auch in diesem Staate tellweise»nit der Demokratie weniger eng verbunden sind als die Tscheche»», ergibt sich daraus die zwingende Folgerung, daß e« unter solchen Umständen unklug und unnütz wäre, vielleicht auf eine Verfassungsänderung weiter hinarbeiten zu wollen, und diejenigen Gruppen, die«S vielleicht täten, würden sich ernstlich der Gefahr aussetzen, in den Ruf einer Dcmokraliefeindlichkcit zu geraten, die vm» den Tschechen ziveifclSohne auch al» Staatsfeindlichkeit ausgelegt würde. Diese Worte können nur den ständischen Plänen gelten, die Herr Spina erst vor kurzem aufs Eis gelegt hat und die vor allem von der Henlein-Front vertreten werden. Der Radikalismus der Kommunisten erschöpft sich im Verleumden der Sozialdeniokratie. Daö„Rudi! Pravo". das Zentralorgan der kommunistischen Partei, entblödet sich nicht, die Nachricht zu bringen, daß irgend welche sozial- demolratischcn VertraucnSmänner der Polizei eine Liste der Schutzbündler übergebe»» haben, welche das bekannte Manifest unterschrieben haben und daß diese sozialdemolratischen Vertrauensmänner diese schwarze Liste deswegen übergeben haben, damit die tlassenbcrvnßten Schutzbündler auS der Tschechoslowakei auSgelviesen werden. An dieser ganzen Tartarennachricht ist natürlich kein wahres Wort. Den Kommunisten gehen die Argumente gegen die Sozialdemokraüe aus und sie wissen sich in ihrer Armseligkeit keinen anderen Rat mehr, als sich die frechsten Lügen auS den Fingern zu saugen. Die Sozialdemokraüe kann solche Lumpereien einer Partei, die sich noch eine proletarische nennt, aber diesen Ehrennamen längst nicht mehr verdient, mit Verachtung übergehen. Sie hat für die österreichische Emigration und für die Schutzbündler so viel geleistet, daß an diesem großen Werke die giftigen Verleumdungspfeile der Kommunisten wirkungslos abprallen. Sü Unsere Töchter, die Nazinen Roman von Henaynta Zur MUMen Ja, also das Hau». Ich wurde immer ungeduldiger, denn schließlich schickt eS sich nicht, wenn ein Mann wie mein Arthur, der eine führende Rolle spielt, in einer jämmerlichen Fünfzimmerwohnung lebt. Mir sebbst war eS ja ganz gleichgültig. Aber ich mußte für Arthur und Lieselotte sorgen. Außerdem, ich bin ja immer viel zu weichherzig und gut gewesen, hätte dem alte»» Doktor Bär wirklich etwas zustohen können; es ist nicht immer möglich, den berechtigten Zorn der deutschen Volksseele zu bändigen. Ich schrieb an ihn, mit der Maschine und ohne Unterschrift; ich gehöre nicht zu den Menschen, die ihre Güte vor der ganzen Welt verkünden, und machte ihn auf die Gefahr aufmerksam, die ihm drohte. ES mußte ja aufreizend wirken, dieser Jude, der eines der schönsten Häuser der Stadt bewohnt. Ich schrieb mehr als einmal und auch einige unserer freunde taten eS. Doch schienen die Briefe keine Wirkung zu haben. Ende März ivurden dem Doktor Bär die Fensterscheiben eingeschlagen; ein Dummerjungenstreich einiger übermütiger lieber Burschen, die aus lauter Lebenslust nicht recht wissen, was sie anfangen sollen. Ich habe ja so viel Verständnis für die Jugend. Ich inuhie lachen, als ich ei erfuhr. Wenige Tage später begann man von Konzentrationslagern zu sprechen. Ich war begeistert. Unsere Revolution geht nicht barbarisch vor, wie eS die russische getan hat. Wir morden nicht. Wir bringen sogar unsere Feinde in Sicherheit und er- möglichen ihnen, umzulerncn. So etwas tväre bei keinem andern Volk möglich. Selbstverständlich wurden im Ausland Greuclnachrichten verbreitet; wir Deutschen sind ja immer bei allen verhaßt gewesen, und schließlich ist eS ja auch verständlich, hat doch kein Volk je eine so hohe Kulturstufe erreicht wie wir. Aber ich staunte dennoch über die Unverschämtheit, mit der wir angegriffen wurden. Natürlich von den ausländischen Juden. Die drohten mit einem Boykott ausländischer Waren. Kann man sich so etlvaS in unseren» Jahrhundert vorstellen? Ein Boykott, etwa» dermaßen barbarisches, das Existenzen ruiniert und zahllose brave Menschen zur Berziveiflung treibt l Freilich brauchen wir unS keine Sorgen zu machen, unsere Führer walhen ja über unser Wohl. Ich zittert« Arthur einen BerS eine» echt deutschen Dichters, der dawunderschön gesagt hat: „Deutschland hat ewigen Bestand, ES ist ein kerngesundes Land." Leider war mir der Nanre des Dichters entfallen; eS wird wohl Arndt gewesen sein. Arthur lächelte und meinte: „Du hast ganz recht, aber ich tvürdc diese Verse lieber nicht vor andern zitieren." Ich frage nicht weshalb, ich weiß ja, daß mein geliebter Arthur immer recht hat. Ich wußte eS schon vor vielen Jahren, als ich gerade ihn erwählte. Damals rieten mir einige Bekannte»ch. Sie machten mich darauf aufmerksam, daß er doch durch sein kleines Gebrechen in allem behindert sei. Ich liebte ihn so sehr, daß ich kaum merkte, wie er beim Gehen ein wenig, ein ganz klein wenig, den Fuß nachzog. Und was kann man gegen die Liebe? Ich«»»»pfänd ja nur den einen Wunsch, Arthur glücklich zu machen, ihm eine treue, liebende Gattin zu sein. Und wie selig war ich, als ich sein Kind unter dem Herzen trug, die Krönung unserer Liebe, meine kleine Lieselotte, die mir nie einen Kummer bereitet hat, meine schöne Tochter, die seit einer Woche Braut ist, die Braut des jungen Barons HcllSdorf, der^wahrscheinlich hier Gauletter werden wird. Es ist eine Freude, das Glück des Brautpaares zu sehen. Lieselotte und Eberhard dürsten Anfang Mai heiraten und fürs erste zu uns ziehen. Wir haben dann ja schon genügend Platz für zwei Familien. Und dieser Gedanke bringt mich zum HauS des Doktor Bär zurück. Dec eigensinnige alte Mann wollte sich nicht helfen lassen. Und seine ebenso eigensinnigen Krankenkassenpatienten gingen noch immer zu ihm, wenngleich SA-Männer vor dem HauS postiert waren und alle mit großer Höflichkeit darauf aufmerksam machten, daß Doftor Bär Jude sei und Deutsche sich von arischen Aerzten behandeln lassen sollten. Sogar am Tag deS Boykottes hatte einer der Bootsmänner, ein Kommunist. die Frechheit, zum Doktor Bär zu gehen, »im sich bei ihm einen eitrigen Finger behandeln zu lassen. Aber der Kerl kam cficn so schön an, wie der Ausläufer deS jüdischen Warenhauses. Das eS ärger ausging, war ja nicht die Schuld der SA-Männer. Woher hätten die armen Burschen auch wissen können, daß der Bootsmann herzkrank aus dem Kriege zurückgrkommen war und nicht einmal ein bißchen Prügel vertrug? Natürlich erschraken sie fiirchterlich, als er auf einmal ganz steif und starr auf der Erde lag und nicht mehr zum Bewußtsein kam. Sie trugen der» Toten in Doftor Bärs HpuS zurück und irgendein hergelaufener kommunistischer Provokateur legte einen Zettel auf die Brust d«S Toten mit der Inschrift: „Herr Doftor Bärl So ergeht eS Ihren Patienten I" Dann schellten sie an dec Tür und gingen fort. Natürlich war der Mann an Herzschlag gestorben und wäre höchstwahrscheinlich auch ohne die paar Hiebe auf der Straße zusammengebro- chen. Gott hat jedem Lebe»» sei»» Ziel gesetzt und für den BootSma»»» hatte eben die letzte Stunde geschlagen. Vielleicht hätte er, wenn mein Arthur ihn behandelt hätte, lä»»ger gelebt. Denn der Doktor Bär war nun schon an die siebzig u»rd so ein alter Mann weiß manchmal nicht mehr recht, was er tut. Daß er nicht bei klarem Verstand war, belvieS er ja noch am gleichen Tag. Als Arthur abends heimkam, sagte er zu mir: „Dein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, Martha. Wir können schon nächste Woche in Doktor Bärs HauS cinziehen." Ich traute meinen Ohren nicht. „Wirllich?" fragte ich.„Gibt der eigensinnige Alte doch nach?" Und dann befiel mich eine Sorge: „Aber seine Frau? Vielleicht bleibt die noch länger hier?" Arthur schüttelte de»» Kopf. „Unbesorgt. Du kannst schon morgen mit dem Packen beginnen." „Ja, aber wie, wie ist daS so plötzlich gekommen?" „Doktor Bär und seine Frau haben sich vor zwei Stunden erschossen." „Ich habe dir ja immer gesagt, Arthur, die beiden waren in der letzten Zeit nicht mehr ganz »»ormal.". Und dann überwältigte mich die Freude. „DaS schöne HauS. Endlich eine Wohnung, die deiner würdig ist, Arthur. Wir werden nur etwas mehr Möbel brauchen. Einen Salon,«in neues Speisezimmer. Und ein Arbeitszimmer für dich. Mit Eichenholzmöbeln." Arthur nickte. Dann sagte er: „ES ist nicht notwendig, daß die ganze Stadt von dem Selbstmord erfährt. Wir wollen das Andenken des alten Mannes nicht herabsetzen. Schließlich tvar er mein Kollege. Ich habe die Erklärung abgegeben, daß er beim Reinigen seines Revolvers verunglückt ist. U»»d daß seine Frau aus Verzweiflung über seinen Tod Selbstmord begangen hat. DaS macht sich besser." (Fortsetzung folgt.) Kr. 12« -rritag- 1« Jm»i 1934 (Seite 3 DisMion\uina-fiilgenreiner WaS sich der und I Ein Diplomat von Nazis mißhandelt. Das Litauische Pressebüro meldet aus Königsberg, daß Dienstag der dortige Sekretär des litauischen Konsulates auf der Gasse zwei Ohrfeigen erhielt, weil er nicht mit dem Hitler-Gruß einen nationalsozialistischen Manifestationsumzug gegrüßt hatte. Es wurde ihm hiebei die Brille zerschlagen, der Sekretär erlitt hiebei unterhalb der beide» Augen Verletzungen. Die der der die Konsulat von den Kommunisten in 17. Sani— der Tag des proletarischen Kindes! Einvernehmen könnte die landwirtschaftliche Planwirtschaft die in sie gesetzten Hoffnungen nicht cr- fiillen. Wenn wir nun, führte Minister Dr. Hodja auö, eine landwirtschaftliche Planbewirtschaftnng einführrn, so verlassen wir damit eine langjährige Tradition. An diesem Schritt werden wir durch sehr ernste Zweifel daran bewogen, ob daS heute gestörte Gesetz von Angebot und Nachfrage ohne rin behördliches tnngreiscu in ein entsprechendes Gleichgewicht mit der unrrtöstlichen Forderung der Rentabilität unserer Landwirtschaft gebracht werde» kann. Der Minister empfahl sodann der konstituierenden Sitzung die Wahl dreier Kommissioiicn, tvclchc diese Fragen vorzubereiten haben, erste hat sich mit der Planbcwirtschastung landwirtschaftliche» Produltc, die zweite mit Lösung der Frage der Ersahprodnktc und dritte mit der definitiven Regelung sowie mit der Vereinheitlichung des landwirtschaftlichen Schulwesens in der ganzen Republik zu befassen. Der Minister hält diese Vereinheitlichung für eine notwendige Voraussetzung für das künftige Gedeihen der tschechoslowakischen landwirtschaftlichen Produktion. Nach der Rede des Ministers wurden die von ihin vorgeschlagenen Kommissionen gelvählt. Zum Vorsitzenden der ersten Kommission wurde Doktor Drezorad und zum Geschäftsführer Oberrat Tuph. zum Vorsitzenden der zweiten Kommission Präsident Dr. B a ch r, zum Geschäftsführer Pros. C h m e l a t, zum Vorsitzenden der Schulkommis- sion Prof. H a s a aus Brünn und zu ihrem Geschäftsführer Oberrat Evanöera gewählt. Nach dem Minister sprach Ministerialrat Dr. Reich über daS landwirtschastliche BcratungS« tocscn und Ministerialrat Dr. Martilik über aktuelle handelspolitische Fragen, tvorauf die Sitzung geschlossen wurde. Vorsitzender des landwirtschaftlichen Reichs- beirateS ist Minister Dr. HodZa. Prof. vr. Birnbaum plötzlich gestorben Prag, 31. Mai. Professor Dr. Phil. Vojtich Birnvanm Ivurde Mittwoch abends, als er vom Institut für Kunstgeschichte an der KarlSuniver- sität, dessen Vorstand er ist, heimkehrte, von einem Untvohlscin befallen und stürzte tot nieder. Dr. Bojtkch Birnbaum, der daS Alter von 37 Jahren erreichte, war ordentlicher Professor der Kunstgeschichte an der Karls-Universität in Prag, Mitglied der Tschechischen Aladeinie, der Königlich Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, Hauptgeschäftsführer der archäologischen Kommission bei der Tschechischen Akademie nnd Direktor des Institutes für Kunstgeschichte an der KarlS-Uni- vcrsität. Spins ernennt Herr Spina ist als Führer des Bundes der Landtvirte, also einer Partei, Minister getvorden. Er berief, Ivie die Blätter melden, als Obmann deS Bundes der Landwirte Herrn Leonhard K a i- f e r und als dessen ersten Stellvertreter Herrn Gustav Hacker. Daneben einige andere, deren Namen man jetzt zum ersten Male hört. Im„Neuen Morgen" hat Herr Wolfgang Zierhut. der bei der Präsidentenwahl im Präsi dium der Nationalversammlung saß, der Demo kratie ein Loblied gesungen. Er hat seiner Freude Ausdruck gegeben, daß sich die demolraiischen Völ ker ihre Führer selbst wählen und also auch einen Masaryk berufen können. Die Druckerschwärze im „Neuen Morgen" war noch feucht, als Herr Spina das von Zierhut vertretene Prinzip der demokra tischen Führerwahl durchbrach. Die Bauern müssen den als Führer hinnehmen, der dem Herrn Spina gefällt. Also Haven sie auch, da sie als Land- ständler kuschen müssen, den Gustav Hacker zu tragen. Herr Spina treibt in jeder Hinsicht ein ge->.i D, lu jährliche» Spiel. Er beruft neben den viel tem-1 DaS unterscheidet ihn von Spina. in ihrer Ausgabe vom 81. Mai mit I Parteitagsrede Hilgenreiners schreibt unter anderem: macht aber Herr Hilgenreiner? Wenige Tage nach diesem historisch denkwürdigen und durch keine Spitzfindigkeit aus der Welt zu schaffenden Bekenntnis zum AktiviSmuS,(nach der Masaryk-Wahl. D. Red.) also wenige Tage, nachdem er sich und seine Partei feierlich, sozusagen indivisibiliter ac inseparabiliter, aus die Linie KrcpekS und Spinas festgelegt hat, besteigt er die Tribüne und hält seinen sicherlich mehr als verdutzten Parteigenossen eine fürchterliche Kapuzinerpredigt über den AktiviSmuS, über Czech und Spina, kurz, er sägt mit grimmer Gebärde den Ast durch, auf dem seinerzeit auch sein Parteifreund Mayr-Harting gesessen nnd von dem er nur mit großem innerem Widerstreben herunter- gestiegen Ist. Wir können uns nur daran erinnern und wahrscheinlich haben sich die politisch bester geschulten Teilnehmer des christlichsozialen Parteitages auch daran erinnert, daß sich der tschechische Nationalchauvinismus«ienialS nngehemm- ter auSgetobt hat nnd daß sich das Sudeten- dentschtum niemals in einer hilfloseren Lage befunden hat, al» gerade in jenen Zeiten, wo die Konzeption dieser Einheitsfront und OppositionS- sroni im sndctendeulscken Lager vorherrschend gewesen war. Ist eS wirklich notwendig, an jene Gott sei Dank vergangenen Zeiten zurückzucr- innern,,wo der ganze tschechoslowakische Macht- nnd RegicrungSapparai den Deutschen hermetisch »erschlossen blieb, wo eine mächtige allnationale Pötka über die Köpfe und gegen die Köpfe der Deutschen regierte und selbst den bescheidensten deutschen RcsolutionSantrag nach dem berühmten Klischee: To jcst mcnöina, in den Papicrkorb wandern ließ? Ist eS wirklich notwendig, an die Zeiten zu erinnern, wo das sudetendeutsche Volk die Phantasien seiner EinhcitS- und OppositionS- frontlcr, die Phantasien und brillanten Schlagworte mit einer tausendfachen Einbuße an knl- lurcllem, wirtschaftlichem und nationalpolitischem Besitzstände bezahlen mußte? ?lber eS kommt noch ei» andere» Faktum hinzu: Genau so wie in der ersten tschechischdeutschen Regierung die deutschen Regierungsparteien niemals auf ihre Stellung als Treuhänder der gesaiiituationalen Belange ihres deutschen Volkes verzichtet haben, so haben dies auch die deutschen Parteien, die in der zweiten tschechischdeutschen Regierung sitzen, immer gehalten. Wer dies bestreitet, ohne konkrete Beweise zu erbringen, muß sich gefallen lasten, al» ehrenrühriger Patron bezeichnet zu werden. Herr Hilgenreiner hat sich erkühnt, zu behaupten, daß die beiden deutschen Minister sozusagen nur um ihrer FautenillS willen, aber zu keines anderen Nutzen und Frommen in ihren: Amt bleiben, er hat sich tvciter erkühnt, zu behaupten, daß die beiden deutschen Minister zu allem schweigen und daher alles decken, was gegen das Sudeten- deutschtirm in Szene gesetzt wird. Er hat sich damit auf ein Niveau gestellt, das sich schon fast in gar nichts vom Niveau einer gewissen Krebs- Presse oder deren heute noch lebenden getarn- len Ableger unterscheidet. Schon daraus ersieht man, wie innerlich schlvach und unsicher sich dieser Herr Prälat fühlen muß. Aber wir haben keinen Grund, seinen Insinuationen anSzuwcichen und wir stellen uns diesen Vorwürfen und richten an jeden ehrlichen und unbefangen Denkenden die Anfrage: Wäre die Katastrophe, in die das Sudctcndeutschtnm durch die OppositionSfrontler und nationalistischen Kraftmeier hineingetrieben wurde, nicht noch zehn-, ja hundertmal größer gewesen, wenn sich wie in den Zeiten der allnationalcn tschechischen Koalition auch diesmal wieder eine allnationale Koalition, durch nichts und durch niemanden gehemmt, gegen das ganze Sudetendeutschtum hätte auStoben könne»? Haben jene deutschen Minister, die allen Verdächtigungen und Vernaderungen zum Trotz in dieser schweren Zeit nicht von ihrem Platz gewichen sind nnd alles aufgebotcn haben, uni vom Großteil des Sudetendeutschtums jene Katastrophe abzuwehren, die über die verblendeten BolkSge« »offen hereinbrach, nicht tausendmal mehr nationale Arbeit geleistet als jene, die sie heute aus ihrem sicheren Oppositionsunterstand anbellen? Weiß Herr Hilgenreiner nichts von der unendlichen permanenten Schutz« und Rettungsarbeit, die die deutschen Minister in dieser Zeit geleistet haben und nur leisten konnten, weil sie noch deutsche Minister waren und noch in der Regierung gesessen sind? Wahrlich, kvenn ein gewöhnlicher Versammlungsredner bei dieser mehr als allgemein bekannten Sachlage die Arbeit und die Stellung der heutigen deutschen Minister so heruntergesetzt hätte, wie eS Herr Hilgenreiner getan hat, dann könnte nian nicht Abstand nehmen, dieses Verhalten als perfid zu bezeichnen. Wir find keine Freunde von starken Worten, aber wir sagen allen Demagogen ein für allemal: Wir verlangen keine Anerkennung für unsere nationale Arbeit, aber wir verbieten uns kategorisch jede Verdächtigung unserer nationalen Bereitschaft und unseres nationalen Leistungö- willenS. Wagt er(Hilgenreiner. D. Red.) es zu leugnen, daß die Verfolgungen, die über die verblendeten Volksgenossen hereinbrachen, sich nicht noch verhundert-, ja vertausendfacht hätten, wenn «er die Wahrheit schreibt, wird ausgewlesen Berlin, 31. Mai. Das Deutsche Rachrichtenbureau meldet: Der Berliner Vertreter des „Daily Expreß" Pembroke Stephens, ist heute auS dem deutschen Reichsgebiet ausgewiesen worden, weil er dauernd in„entstellender und frivoler" Weise über deutsche Verhältniste berichtet und dadurch daS ihm gewährte Gastrecht gröblich mißbraucht hat. Frankfurter Zeitung Im besitz der I.<5. Farben Frankfurt a. M.. 81. Mai.(DNB.) Wie die „Frankfurter Zeitung" mitteilt, ist der Verlag der Frankfurter Zeitung(Frankfurter SocietätS- Druckerei, G. m. b. H.) in das Eigentum des I. G. Farben-TrustS übergegangen. Die Mitglieder der Gründerfamilie, Frau Therese Simon- Sennemann, Dr. Kurt Simon, scheide» damit aus Besitz und Leitung des Unternehmens aus. »* Für die Verkürzung der Arbeitszeit Genf, 81. Mai. Die Internationale Vereinigung für sozialen Fortschritt nahm in der Sitzung ihrer Fachkommissionen in Genf nach dem Referat des tschechoslowakischen Delegierten Abg. Dr. Winter eine Resolution an, in welcher die Notwendigkeit der Arbeitszeitkürzung besonders hcrvorgehoben wird. Gran Chaco vor dem Völkerbund Genf, 31. Mai. Der Bülkerbundrat behandelte heute in öffentlicher Sitzung den Konflikt zwischen Bolivien und Paraguay im Ehaco-Ge- biet. Der Vertreter Boliviens legt« ausführlich den Standpunkt seiner Regierung insbesonder» zu dem Waffen« und Munitionsembargo dar. Bolivien hat gegen eine allgemeine Regelung des Waffenhandels nichts einzuwenden, doch stelle das Embargo eine Maßnahme dar, die nicht nur gegen den Angreifer, sondern auch gegen den Angegriffenen in Anwendung gebracht werde. Bolivien wünsche, daß der Chaco-Konflikt dem Haager internationalen Gerichtshof vorgelegt lverde. Der Delegierte Paraguays erklärte, Paraguay wünsche eine definitive Lösung, nicht aber eine Lösung um jeden Preis. Nach längerer Debatte wurde die juristische Formel der Lösung des Chaco-KonflikteS nur von dem Vertreter Boliviens akzeptiert. Schließlich wurde beschlossen, daß der Berichterstatter deS Rates über den Chaco- Konflikt dem Rate so bald als möglich mittcilen wird, ob das Embargo werde in Geltung gesetzt werden können. Deffeitwirtschaft besinnt Wien, 31. Mai. Die Rathauskorrespondenz meldet: Der HauShaltanLschuß der Wiener Bürgerschaft hat beschlossen, zwei Finanztransaktionen durchzuführen, und zwar: Zur Deckung des voraussichtlichen Defizits sür das Jahr 1934 von 43 Millionen Schilling werden fünfprozentige Schatzscheine mit sechsjähriger Laufzeit aus« gegeben werden, von denen 89 Millionen die Zentralcuropäischc Länderbank, Niederlassung Wien, und den Nest von 15 Millionen Postsparkasse, Kreditanstalt, Merknrbank. Kreditinstitut sür öffentliche Arbeiten und Zentralsparlassc der Gemeinde Wien übernehmen. Halfenltreuzierdcmonstratlon Wien, 31. Mai. Für heute nachmittag war in dem Tiroler Garten in Schönbrunn ein Som- merfcst der deutschen Nothilfe angesagt. Die Polizei verbot das Fest, nachdem sie seslgestellt hatte, daß eü sich um«in getarntes nationalsozialistisches Unternehmen handelt. Trotzdem sammelten sich heute nachmittag im Tiroler Garten und Umgebung zirka 3000 Nationalsozialisten an und demonstrierten zunächst gegen die Hcimivehr- tuackie und später auch gegen die Polizei. Die Polizei zerstreute schließlich die Demonstranten und nahm 10 Verhaftungen vor. llnhclmlldie runde Wien, 81. Mai. Gestern Abend sand im 16. Bezirk in der Thaliastraße der Arbeiter Ludwig Balajka ein Paket, das in seiner Hand explodierte. Daö Paket enthielt eine Bombe. Der Arbeiter wurde schwer verletzt inü Spital überführt. Graz, 31. Mai. Im Waschraum einer Wachstube in Graz sand heute der Wachmann Franz Bischof eine Bombe, die in seiner Hand explodierte. Der Wachmann wurde schiver verletzt. neuer Transport österreichischer Flüchtlinge nach Rußland In den nächsten Tagen soll ein weiterer Transport eines Teiles der österreichischen Flüchtlinge nach Sowjctritßland abgehen. Es handelt sich vor allem um jene, die aus den einzelnen Lagern ausgeschlossen wurden, Iveil sie entweder nicht zur Emigration gehören, da sie nicht politische Emigranten im wahren Sinne des Worte» sind, oder Iveil sie die Disziplin verletzt und die Fürsorge zugunsten kommunistischer Agitation mißbraucht und dadurch die Interessen und die Rechte des politischen Asyls der anderen verletzt haben. Da die Vereinbarungen mit den: sowjetrussischen grober Weise verletzt tvurden und daö„Rudi! Prä, vo" bereits gestern Dispositionen der Abfahrt mitgeteilt hat, obwohl bisher nicht einmal die Frage der Pässe gelöst ist, lehnt daS gemeinsame Komitee für die österreichischen Flüchtlinge bei den Vollzugsausschüssen der tschechoslowakischen und der deutschen sozialdemokratischen Partei sür diesen zweiten Transport jede Verantwortung ab und hat niit ihm»ichtt gemein. Prag, 31. Mai. Donnerstag, den 31. Ma', vcrmittags sand im Ministerium für Landwirt- schaft unter dem BoSsitz Minister Dr. Hod.faS die konstituierende Sitzung einer neuen wichtigen staatlichen Institution der Landwirtschaft statt, welche unter der Bezeichnung„Landwirtschaftlicher Reichsbeirat" inü Leven tritt. Minister Dr. Hod.fa betonte insbesondere, daß die Regierung sowie die Landivirtschaft selbst vor drei großen Ausgaben gestellt sind, die in kürzester Zeit gelöst tverdcn müssen, n. zw. die Sicher st ellung der Ernte, die Regelung der landwirtschaftlichen Schulden und die einer P l a n>v i r t s ch a f t der gesamten tschcchoslotvakischen Landwirtschaft. Die beiden > ersten Fragen würde die Regierung selbst in der nächsten Zeit lösen. Die dritte Frage, die Plan- belvirtschaslnng der landwirtschaftlichen Produkte, sei aber derart kompliziert nnd von solcher Bedeutung, daß der Minister eS für notwendig hält, daß der sich eben konstituierende Reichsbeirat der landwirtschaftlichen Fachleute ihre Lösung gehörig vorbereite. Seine Ausgabe werde es also sein, die Planbewirtschastung sowohl in völkS- ! wirtschaftlicher als auch in geonomischcr Hinsicht vorzubereiten, also wissenschaftlich und praktisch fcstzustellen, in welchen Gebieten die überschüssigen Produkte, d. i. Koni, Gerste und Hafer rentabel angebaut werden und tvo daher die bisherige Anbaufläche aufrecht erhalten Iverden kann, gleichzeitig aber festzustellcn, in tvelchcn Gebieten der Anbau dieser Feldfrüchte nicht günstig ist. Dort wird eü sich hauptsächlich um Ersatzfcld» früchte handeln, wobei allerdings der Erfolg der Planbewirtschastung abhängig ist von der Rentabilität de» Anbaues dieser Ersatzprodukte, welche nur durch ein Einvernehmen der Landwirtschaft mit der Industrie gewährleistet tverden kann, tvelche diese Ersatzprodukte abzunehmen und angemessen zu bezahlen hätte. Ohne ein solches Dr. Hodza über Planwirtschaft Konstituierung des„Landwirtschaftlichen Reichsbelrat" | Nationalsozialistische Propaganda* zentrale In Innsbruck entdeckt Innsbruck, 31. Mai. Die hiesige Polizei forschte eine geheime nationalsozialistische Propagandaorganisation aus, die in Tirol und auch in Salzburg arbeitete. Sic verhaftete zunächst einen jungen Mann, der in einem Rucksack etwa 100 Stampiglien mit dem Hakenkreuz trug. Bei der Durchsuchung der Wohnung deü jungen Manncü in der Museumstraßc wurde eine große Menge nationalsozialistischer Druckschriften gefunden. Gleichzeitig ivurde vor dem Hause ei» Automobil angehalten, da» eine Menge ähnlichen Materials • zur Wohnung gebracht hatte. Im Lause der wei- • tcrcn Unterstützung wurde aus der Herzog-Fried» ' rich-Straße eine Wohnung entdeckt, die auoschließ- • lich mit nationalsozialistischem Material angefüllt war, darunter Grannnophonplattcn mit Reden Hitler» und Habichts, eine Menge nationalsoziali- ' stischer Zeitschriften»sw. Eine ganze Reihe von Personen ivurde verhaftet, darunter der Führer der Organisation Walter Hohcnsinn. peramentloseren, gesetzteren Kaiser einen Gustav' Hacker zur Führung der zweiten deutschen Koali-! tionSpartei. Bald wird Hacker den Ton angeben, und man weiß, daß ihm Henlein dazu die Noten liefert. Die von Hacker vertretene Konzeption! Spina-Henlein ist die Konzeption des sudetendeut- scheu FasciSmuü, des undemokratischen Stände-' gedankcnS. Herr Spina will den Hacker durch da» Verleihen von Würden kaufen. Aber er verschenkt den Bund der Landwirte, dem er daü Ministeramt verdankt, an den Vertrauten Henleins. Er! reißt selbst die Bresche auf, durch die die Mannen I und die Gedanken Henleins In die Partei«inbre-! chen können und werden. In jene Partei, die sich i bisher an der demokratischen Regierung eines demokratischen Lande» beteiligte. Herr Spina tritt in der Führung de» Bundes! der Landwirte überhaupt nicht mehr in Erschxi< I nung. Der Landstand aber, dessen Führer zu sein er vorgibt, existiert für di« Verfassung nnsereöI Landes nickt. So hat Spina die Würde eines landständischen„Diktator»" gegen die Möglichkeiten eingetauscht, die ihm für sein politische» Wirken als einer der Führer des Bunde» der Landwirte gegeben waren. Wenn Herr Spina glaubt, daß ihn Hacker, die wirkliche Position im Bunde der Landwirte auönützcnd, als den Führer der blutlosen Konstruktion, die man Land st nnd nennt, nicht über kurz oder lang auSschaltcn wird, so ist er um diesen Optimismus zu beneiden. Herr Henlein darf einen neuen Erfolg buchen. Seine rechte Hand weiß, was die linke tut. Die»Deutsche Landpost" beschäftigt l nicht die deutschen Minister sozusagen mit über» i-'“*~* menschlicher Arbeitsanspannung immer wieder das Aergste verhindert hätten? Sri fr 4 Freitag, 1. Juni 1934 Nr. 12« Chrisllldic Söldner als Klndcrsdtändcr Ein Slttllchkeltsskandal Im Grenzgebiet Internationales■ Manifest der Aerzte Die II. JmcrnaiionalcKonferenz 3t>« zialistischcr Vlcfjle, die s» Pfingsten 1034 in'S rünn tagte, wendet sich mit einem Aufrufe an die gei st igcn,Arbeite r in allen Ländern, in dem eS unter anderem heisst: Diese geistigen Arbeiter in allen Berufen, nicht die durch Schulen und Prüfungen zu höheren gesellschaftlichen Stellungen Privilegierten, rufen wir auf. Wir rufen sie in ernstester Stunde zur Verteidigung der Menschheit gegen die Barbarei des Faseiomuo. Der FasciSmus ist das Ende der europäischen Kultur. Mit Grausamkeit gelangen die Tyrannen zur.Herrschaft, mit Grausamkeit halten sic sich an der Macht, die Wissenschaften werden unter autoritäre Führung gestellt. Die Biologie wird verfälscht, nm die Pcreivigung von Porrcch- ten der Besitzenden u. der Vernichtung wehrloser VolkStcile den Schein der Berechtigung zu geben. Die Rechtspflege tvird in Abhängigkeit gesetzt und zynisch wird ihre Unterordnung unter die Ziele der Herrschenden als ihre höchste Vcr- volllomnniung erklärt. Ter Sckmldbcweis im Strafverfahren lvird als Formalität bezeichnet und ungezügelte Instinkte, Hast und Rache werden zu Rechtsquellen gemacht. So wird die Lynchjustiz zum offiziellen Strafrecht, Diebstahl und Raub lvcrden zum regulären Erwerb privilegierter Söldner. Tie Wahrheit wird unterdrückt. Ein Heer von Kerkermeistern überwacht jedes gesprochene und gedruckte Wort. Sv ist das frei F o r• s cbcnuuinögli ch und niemand wagt, anderes zu bekennen und zu vcrkiiiiden, als den Tyrannen genehm ist. Diese Zerstörung aller Kulturwerte vollstrecken die Fascisten zur Rettung eines jämmerlich verkrachten und unmöglich gelvordcnen Wirt- ichaslssystcmö. TaS von den wissenschaftlichen Begründern der internationalen Arbeiterbewegung vorauSgesagte ChoaS ist hereingcbrochen. Die zu einer nie geahnten Leistungsfähigkeit gereifte Technik in der Erzeugung von Nahrungsmitteln und GebrauchSgütern bleibt ungenützt, weil eine bevorzugte Klasse und nicht das gesamte Volk über die Prodnktionsinittel verfügt und daher anarchischer Eigenwille statt BcdürsniSdcckung und j Planmässigkeit die Wirtschaft regelt. DiescS bankrotte System zu beseitigen nnd durch Aufhebung der Vorrechte einzelner eine wahre Volksgemeinschaft, die klassenlose Gesellschaft, herzustellen, ist die graste historische Mission des SozialiS- m u s. Die Revolutionen der Vergangenheit zu vollenden, das ist die Aufgabe der sozialistischen Revolution. Ilm die Arbeiter, Bauern und geistigen Menschen daran zu hindern, die nicdergcbrochene Gesellschaft auf diesen rettenden Weg zu fiihren, greift die in ihrer wirtschaftlichen Machtstellung bedrohte Klasse der Besitzenden zum letzten verzweifelten Mittel: sic vernichtet die von den bürgerlichen Revolutionen erkämpften Freiheiten und Rechte, sie zerstört höchste kulturelle Errungenschaften, sie bedient sich der schändlichsten Mittel der Lüge und dec Grausamkeit, sie entfesselt die niedrigsten Plebejerinstinkte, sie peitscht den Hast auf, sie ködert die Massen mit materiellen Vorteilen, die dem Gefügigen zugeieilt werden, sie betäubt die Verirrten durch den Mistbrauch von Worten von anerkanntem Klang: das alles, um eine fluch- und todcStvürdigc Wirtschaft zu retten, die auf den unsittlichsten Prinzipien aufgebaut ist, uin die Zerrissenheit des Volkes in Herren und Knechte zu erhalten und um den Nutzniessern dieses unseligen Zustandes ihre ungeschmälerten Rechte zu sichern. Diese fascistischc Rettung der bankrotten kapitalistischen Wirtschaft steigert die KonfliktSmög- lichkciten zwischen den Staaten und bereitet imperialistische Kriege vor. Durch Auf- pcitschung der nationalen Ucbcrheblichkcit und durch verhetzende Darstellungen erlittenen Unrechtes erzeugen die Schänder der nationalen Ehre und die RcchtSzerstörer eine Stimmung der Kriegsbereitschaft. Die Fascisten aller Völker sind sich einig im Bestreben, die Arbeiterschaft nicder- guhalten, unterstützen sich gegenseitig in diesem Tun, aber sie lauern dabei auf den passenden Zeitpunkt, um übereinander hcrzufallcn und durch kriegerische Eroberungen ihre Sklavenreiche zu vergröstern. Der Menschheit drohen furchtbare Gefahren. Denn ein kommender Krieg, den die fasci- stischcn Gewalthaber vorbereiten, wird entsetzlicher sein, als cs sich auch die kühnste Vorstellung auS- malcn kann. Hier, in der Vernichtung von Menschenleben uiid Mcnschcnwcrk, wird sich die entfesselte Technik schrankenlos auölebcn und der Erfolg lvird eine Wüste sein. Allen, denen vor diesem furchtbaren Ende schaudert, die diese Katastrophe abwcndcn, die übernommenen Kulturtverte reiten tvollen, die an einen Ausstieg deS Menschengeschlechtes glauben und ihn herbeisehncn, ihnen allen rufen wir zu: Es gibt nur eine Möglichkeit, die Barbari- sierung und Vernichtung abzutvenden— die Herstellung der freien, der klassenlosen Gesellschaft. Der Platz deS geistigen Menschen in diesen entscheidenden Tagen ist in den Reihen der kämpfenden Arbeiterschaft. AuS H a u g s ch l a g bei L i t s ch a u, jenseits der siidböhmischen Grenze, wird uns geschrieben: lieber Nacht ist hier ein grosser SittlichkeitS- skandal aufgcflogen. Beteiligte: Einige Hrimatschützer von den dem Zollpoften Haugschlag zugeteilten Assistriizkörper und ! etwa ein Dutzend Stnrmschärlcr, durchwegs christlich-deutsche Burschen und Kameraden— versteht sich. lind als solche teilten sic einträchtig die Liebe eines gntcntwickeltcn dreizehnjährigen Schulmädchens, Kind nicht etwa moralloser„Roter", sondern frommer christlicher Eltern. Ein Sozialdemokrat und ein Handwerksbursche, die einander im Gefängnis kennen gelernt hatten, Ivo der Genosse wegen Zcitungsschmnggcls fass, trafen bei einem Waldgang zufällig auf ein Liebesnest, wo sic zwei Hcimwchrmänner nnd besagtes Schulmädchen in recht verfänglicher Situation überraschten. Sie zeigten die Sache sofort beim diensthabenden Gcn- darmericinspektsr, dem Vorgesetzten der Heim- tvchrler an, der aber unter einem Vorwande— er hielt gerade strengchristliche Sonntagsruhe— keine Anzeige zur Kenntnis nahm. Ja. wenn es sich darum gehandelt hätte, bei einem Marxisten eine verbotene Zeitung aufznstübern, dann ivären die Herren diensteifriger gewesen nnd hätten auch am Sonntag wieder einmal die ganze Wohnung umgcdreht. Die Anzeige muffte direkt bei der Bezirks- Hauptmannschaft In Gmünd überreicht werden, welche sodann Erhebungen anordnete. Die Recherchen wurden anfangs mehr in der Richtung geführt, ivic man den beteiligten Sozialdemokraten wegen„Verleumdung" in den Kotter bringen könnte. Wäre nicht noch ein anderer Zenge, übrigens ein Schuljunge, anfgetreten, TagcsnaiigkcHcn 32 Bergleute verbrannt Tientsin, 31. Mai.(Reuter.) I» den Gruben von Tantschiantschwa» brach ein Brand aus, durch den 32 Bergleute ums Leben kamen, während es 112 Bergleuten gelang, sich zn retten. Schlimme Laqe— oder schlechter Scherz? Paris, 31. Mai. Nach einer Meldung auü Valencia tvurde am Strand von Almenarä in Katalonien eine Flasche npo st folgenden Inhalts gefunden:„Wir befinden uns auf einer unbekannten Insel, die von Wilden bewohnt wird. Barberan und Collar." Barberan und Collar sind die beiden s p a n i» schenFlieger, denen es seinerzeit gelungen war, den Atlantik nach Mexiko zu überqueren. Auf dem Weiterflug sind sie dann verschollen. Der Untersuchungsrichter, der sich mit dem Fund beschäftigt, misst ihm keine ernste Bedeutung bei, sondern glaubt eher cm einen schlechten Scherz. Naturtatastrophe tu Indien Bombay, 31. Mai.(Reuter.) Nachrichten aus der Provinz Bengalen, aus Madras, Haide» rabad und Dekan zufolge verursachten Wirbelstürme und Brände grossen Schaden. In Madras sind viele tausend Personen obdachlos. Tlupzeug gegen Antennenturm London, 31. Mai.(Reuter.) Heute morgens stürzte auf dem Croydoner Flugplätze ein französisches Flugzeug ab, das gegen den Mast der Radio- scudcstation gestossen war. Der Pilot und der Mechaniler sind tot. ES handelt sich um ein französisches Postflugzeug, das im Augenblick der Katastrophe zum Rückflug nach Frankreich aufgestiegen tvar. KaffcehauSpäpste des Sozialismus. ES gibt einige sich Sozialisten nennende Leute, die sich das Amt des obersten Richters in de» taktischen, grundsätzlichen und moralischen Fragen der so- zialistischcn Bewegung anmassen. Gewöhnlich Ire- ton sie in kleineren Scharen auf. Da ihre Weisheit nicht lvirksam wird, wenn sic sie nur in ihren Kreisen verbreiten, gründen sie Zeitungen. Dann wissen sie noch viel besser, wie alles hätte gemacht werden sollen. Manchmal versuchen sie auch, in die Zukunft zu sehen. Sic finden sie sehr dunkel. So können sic, lvennS schief geht, immer sagen, dass sic sich nicht geirrt haben. Damit sie sozu- sagen geistig leben können, nmss es Leute geben, die sich immer irren. Man nennt sie Sozial- doinokraten. Die agieren auf der Bühne der Welt. Die andern dafiir auf der Woltbühne. Jene wirken; ihrer ist die Arbeit, ist Sieg oder Niederlage. Diese verbrauchen Druckerschwärze und schwimmen immer oben. Ihre kleine Weübiihne verhält sich zur Weltgeschichte wie die neue goldene Uhr deö Protzen, der morgens vor die Tiir tritt und sagt:„Wenn j die Sonne nicht in fünf Minuten aufgeht, dann dann wäre die Geschichte wohl vertuscht worden. Das Mädchen, welches zuerst hartnäckig geleugnet hatte, beichtete schliesslich alles. So wurden in erster Linie drei Hahnenschwänzler und ein vier- nndzwanzigjahriger Bauernbursche namens Karl Böhm verhaftet. Dieser, ein missratener Zögling eines Prie- sterseniinarS, war in der Dorfkirche Organist. Alle Sonntage liess er feierlich die Orgel brausen, während die dreizehnjährige Schülerin, die der Pfarrer als Chorsängerin bei- gezogen hatte, dazu sang. Auf dem Heimwege durch rin verschwiegenes Gehölz verbrachte» sie ihre Schäferstündchen. Anfangs brauchte der Organist dazu Getvalt. Später nicht mehr. Aber der Skandal griff noch Iveiter um sich. ES muhte laut Beichte deö Mädchens auch noch gegen ein Dutzend Sturmschärlcr die Untersuchung eingcleitet werden. Sie waren nämlich direkt von den militärischen Uebungen, wo sie sich für den nächsten Bürgerkrieg ertüchtigen, wenn eS wieder einmal gegen die„morallosen Roten" geht— licbeSbedürftig zum Fettster des Schulmädchens geschlichen und eingestiegen. Auf diese Weise hat ei» verdorbenes Kind fast die Hälfte der StaatSexekutive eines Sprrn- gclS im christliche» Oesterreich hinter Schloß nnd Riegel gebracht. Zum grössten Leidwesen der dortigen Dollfusschristen. Und sic sind sehr erbittert. Aber nicht wegen der Kinderschänder, sondern über die Anzeiger, diese„roten Hunde", die durch ihr„Herunistieren" alles au den Tag gebracht haben. Auch übcr baS Mädchen ist man sehr erbost und ungehalten, Iveil cS sich seine GalanS auü den Reihen der christlichen Burschen und Wchrverbandlcr ausgesucht hat. Könnten eS nicht„Rote" sein? hat sic Verspätung." Dieser Protzcngeist verbin- bet die Hüter der Weltbühne mit den Konunu- nisten, die deS Respekts aller Rcvolutionsschmu- er immer sicher sind. Hingegen spucken diese uniso eifriger etwa aus Leon Blum. Zugleich wieder- holen sie z. B. die widerlegten Lügen, die das in sozialistischen Fragen für sie massgebende „Prager Tagblatt" über die ungarischen Sozialdemokraten verbreitet. Vorn machen siü in Toleranz.— Da sind ihre Genossen von der anderen Fakultät doch ganz andere Leute. Sic haben ent- deckt, wie man Geschichte macht: indem man Be- richte über die Schwierigkeiten deS Hitlcrregimeü bespöttelt. Man„widerlegt" solche Berichte als salonbolschewistischer Papst am besten dadurch, dass man sie nachdruckt. Solche Versuche deS Ab- tötens jeder Zuversicht und jedes Kampfwillcns nennt man Kanipf für ein neues Europa. Wer nicht glaubt, dass Krieg und FasciSmuS unab- wendbar find, weil er wirkt, statt ängstlich quakend vor Hitler zu sitzen wie der Frosch vor der Schlange, der ist in den Augen dieser Europäer zu bedauern. Um so mehr, als er gewöhnlich nicht einmal Zeit findet, jene curopäi- schon Hefte zu lesen, in denen seine absolute Unwissenheit allwöchentlich gcbrandmarkt wird. So kämpft er hoffend weiter, indes die Besitzer der richtigen Uhren ihn» nachrufen, dass er doch schon längst tot ist. Nach Deutschland desertiert? Vom Pilsner Artillerie-Regiment Nr. 2 haben sich dieser Tage die beiden Soldaten Bruno Wiesner und Alois Dietrich entfernt und sind bisher nicht wieder zurückgekehrt, so dass angenommen tverdcn muss, dass sich die beiden Soldaten in Desertionsabsicht von ihrem Truppenkörpec entfernt haben. WieSner steht im 23. Lebensjahre und ist in Schlesien geboren, Dietrich ist 21 Jahre alt und stammt aus Trautcnau. WieSner soll sich vor Antritt seiner Dienstpflicht in Deutschland aufgehalten haben und dort Mitglied der SA gewesen sein. Dietrich hingegen ist ein Kassenknacker und Einbrecher, der zuletzt eine 18monatige Kcrlerstrafe abzubüssen hatte. Man vermutet, dass die beiden Deserteure nach Deutschland geflüchtet sind. Keilerei bei der Hamburger Maifeier. Von der deutschen Oeffentlichkeit tvurde ein Vorfall bei der Hamburger Maifeier vollkonimen totgeschwie- gen, der ein sehr bezeichnendes Licht auf die heutigen„freien" Zustände in Deutschland wirft. Unter dem terroristischen Zwang und angesichts der strengen Kontrolle muhten sehr viele Arbeiter zur Maifeier mitmarschieren» die von dem ganzen Rummel nichts wissen wollten. Als die Züge aus der Festwiese angekommen waren, haben viele Teilnehmer versucht, sich den tveiteren Darbietungen durch die Flucht zu entziehen. Die Festleitung aber hatte diese„Begeisterung" schon vorauS- geschen, sie hatte alle AbgangSwcge von SA besetzen lassen, die die Ausreisser getvaltsam an der Flucht verhindern wollte. Dabei kam cs während der Rede des nationalsozialistischen Oberbonzen 1 über die Volksgemeinschaft und die Begeisterung! der Arbeiter für daS Dritte Reich zu heftigeni Schlägereien zwischen SA und den„Begeisterten", die von dem Rummel genug hatten. D. G. Wahrscheinliches Wetter heute: Fortdauer deö im ganzen schönen Wetters, auch nachts bereits meist etwas wärmer. Tagsüber mässig bis ziemlich warm, fchtoachcr, überwiegend südöstlicher, Wind. Die Eintrittspreise. Die Tribünen und die Rundgänge des Hauptübungsplatzes des Olympiade- Stadions werden für das Fest so eingerichtet, dass für 20.800 Zuschauer Sitzplätze und für 00.000 Zuschauer Stehplätze vorhanden sein werden. Den Angehörigen der an der Olympiade aktiv teilnehmenden Verbände sowie den Teilnehnier» der AnSlandS- erpcditionen wird gegen Vorweisung deS Festabzei- chcnS freier Eintritt zu den Stehplätzen gewährt. Andererseits wurden für die breitere Oeffentlichkeit zu den täglich mit dem Festspiel endenden Hebungen verhältnismässig niedrige Eintrittspreise festgesetzt. Der niedrigste Eintritt zu den Stehplätzen im Rundgang beträgt S Xi. Eintrittskarten für Sitzplätze werden von 10 bis 60 K£ erhältlich sein. Den Zentralvorverkauf der Eintrittskarte» tvurde der Allgemeinen Arbeiter-Vorschusskasse, Prag II., Hy- bernska 7, übergeben. AuS den zahlreichen Vormerkungen von auStvärtS, besonders auf die billigeren Sitzplätze, ist zu schliessen, dass diese Eintrittskarten bereits im Vorverkauf vergriffeit fein Iverden. Auch dies zeugt von grossem Interesse an der Olympiade, tvelchcs sich ebenfalls in den Teilnehmer-Anmeldungen widerspiegelt. Wohlfahrtskirche vom Feuer vernichtet Union City(New Jersey), 31. Mai. Durch einen Brand tvurde heute das bekannte Paffio- nistcn-Kloster vernichtet, das alljährlich das Wall- fahrtszicl tausender Prozessionen aus allen Staaten der nordamerikanischen Union bildete. Die grosse Mittclluppel des Domes stürzte ipit Don- ncrgetöse ein; ihr folgten sodann die Glocken- tünne. Die Glocken, von denen einige mehr als eine Tonne wogen, durchschlugen das Dach und rammten sich tief in den Erdboden ein. Die wertvollen bunten Glasfenster des Gotteshauses wurden zerstört. Bei dem Brand erlitten einige Personen Verletzungen. »B«rkt»u|st8«de jüdischer-Sudler geplündert Lemberg, 31. Mai. In der Ortschaft Tlu- inaczyk bei Kolomea hat eine grössere Gruppe ukrainischer Bauern gelegentlich deS Kirchweihfestes die Verlaufsstände jüdischer Händler überfallen und ausgeplündert. Bei diesen Plünderungen Ivurden mehrere jüdische Kaufleute misshandelt. Die Polizei stellte die Ruhe wieder her und verhaftete zahlreiche Plünderer. Die Diphtherieseuchr. Im Komotauer.Krankenhaus befinden sich zur Zeit 73 diphthcriekrankc Kinder in Behandlung. Davon sind 38 auü dem Gerichtsbezirk Komotau, 20 auS dem Gerichtsbezirk Görkau, 6 aus dem Gerichtsbezirk Prehnitz und 9 aus dem Bezirk Kaaden.— Die Zahl der an Scharlach erkrankten Kinder aus diesem Gebiet beträgt 19. Natürlicht? AuS den ersten Ergebnissen der Gcmeindewahlen in Bukarest geht hervor, dass die liberalen Kandidaten überall gewählt wurden, mit Ausnahme in zwei Bezirken, wo die Kandidaten der Nationalen Bauernpartei Gewinne zu verzeichnen haben. Die Liberale Partei wird über 72. die Nationale Bauernpartei über 8 Vertreter verfügen. Rundreise-Fahrten der StaatSeisenbahn. Die Rundrcisefahrlartcn werden aurgcgeben für Reisen über 300 Kilometer für die Dauer von 60 Tagen; sie müssen drei Tage vorher bestellt Iverden. Tie Rundreise kann in zwei bis fünf Abschnitte eingc- ieilt werden, die Verbindungen zwischen den Abschnitten können mit Fusstouren, AutobuSsahrten, auch mit Fahrten auf fremden Eisenbahnen ausgefüllt werden. Dieselbe Strecke der StaatSeisenbahn kann zweimal durchfahren werden. Die Ausgangs- und Rückkehrstation nmss immer tieselbe sein.— Dies gilt nicht für ausländische Besucher; für diese kann die AuS- fahrtsiaiion der Grenze eine andere sein als die Einfahrtstation.— Eine Fahrtunterbrechung ist In einem Abschnitte nur einmal möglich; die Station des Abschnittes wird hiebei nicht gerechnet. Die Unterbrechung muss mit Stampiglie bestätigt werden, ebenso der Wiederantritt der Reise. Höhere Klassen können gegen Auszahlung benützt werden.— Der Fahrpreis wird nach de» einzelne» Abschnitten berechnet und zu- sannnengczählt, von der Summe werden dann bei 800 bis 600 Kilometern 20 Prozent, von 501 bis 1000 Kilometern 30 Prozent und über 1001 Kilometer 40 Prozent Nachlass gerechnet.— Für Kinder bis zehn Jahre gilt normale halbe Fahrkarte. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» an« den Programmen« Samstag Prag, Sender L.: 10.06: Deutsche Nachrichten. 12,10: Mhallplatten. 13.35: Arbeitöniarkt. 16.50: Rundfunk für die Heranwachsende Jugend. 18.05: Deutsche Sendung: Dr. Spina, Minister sür Gesundheitswesen: Lied und Schulen. 18.55: Deutsche Presse- 21: Uebcrtragung aus Madrid. 21.60 Spanische Lieder. 22.16: Tanzmusik.— Sender S.: 14.30: Klavierkonzert. 15.10: Deutsche Sendung: Arien aus weniger bekannte» Verdi-Opern.— Brünn 17.46: Deutsche Sendung: Vom Frühling und Wandern. 18.80: Tanzmusik. 18,56: Deutsche Presse.— Mähr. Ostrau 18.05: Arbeiterfunk: lieber beit Einfluss der Grossstadt auf die Bildung der Arbeiterschaft, von MokroS. «r. 1« Freitag, 1. Jnni 1934 Gelte 5 Gegen die verheirateten Lehrerinnen in Holland (I. I.) Der Stadtrat und Gcmeindevor, stand von Rotterdam hat mit allen gegen zwei Stimmen beschlossen, die Richtlinien für die Entlassung von verheirateten Beamtinnen auch aus die Lehrerinnen anznwenden. Danach soll Lehrerinnen an öffentlichen Schulen, die vor Erreichung des 45. Lebensjahres heiraten, die»ehrenvolle Entlassung" gegeben tvcrdcn, wenn sie aber eine Lebensgemeinschaft im gemeinsamen HanS- hakt eingchcn, so sollen sic die Entlassung ohne die Beifügung»ehrenvoll" belommen. Die Ein- tvcndungen der Fachorganisationen blieben fruchtlos. Bemerkenswert ist, daß sich von sieben Fachorganisationen drei gegen den Antrag auSgespro» chen haben. Bon den vier andern war eine für den Antrag, eine wollte die Altersgrenze beseitigt wissen und zwei gaben leine deutlichen Er» llärungen ab. Die Ratnrfrennde lassen sich nicht gleich» schalten. Der österreichische Zweig deS grasten ArbeitcrtonristenvereineS„Die Naturfreunde" ist, >vie alle anderen Arbeiterorganisationen, von der Negierung Dollfuß aufgelöst und enteignet worden. Da eS sich hier jedoch um viele Zehntausende von Mitgliedern, sowie uni sehr wertvolles Eigentum in Gestalt von Alpenhütten usw. handelt, hat die Regierung dann versucht, die Naturfreunde »gleichzuschaltcn", d. h. die alten Mitglieder zu ködern und sie einer neuen„vaterländischen" Führung zu unterstellen. Mit welchem Erfolg zeigt folgende Tatsache, die dem OND aus verbürgter Quelle aus Wien berichtet wird: Zu Pfingsten hatten die„nenen" Naturfreunde wieder die Erlaubnis erhalten, verbilligte Eisenbahnfahrkarten für Ausflüge auSzugebcn. Im vorigen Jahr, als cS noch die wirklichen Naturfreunde waren, wurden in Wien allein 7000 solcher Karten anSgegcbcn; im heurigen Jahre waren es— 500. Die Ablehnung, die die österreichischen Arbeiter dem Regime Dollfuß entgegcnbringcn, kommt auch in diesen Zahlen zum Ausdruck: sie verzichten lieber auf verbilligte Erholung«nd JciertagSvergnügcn, als daß sie sie aus den Händen des Gegner» entgegennehmcn. Kerkermeister über einander. Das italienische Zentralorgan für Syndikatswesen„L a v o r o f a s c i st a" führt eine abfällige Aeußerung des Führer» der deutschen Arbeitsfront Dr. Ley über die italienischen Syndikate an, die dahin lautete, daß das italienische System unvollkommen sei, da es zwei einander befehdende Gruppen: Arbeiter und Unternehmer vorsieht. Das erwähnte Blatt erwidert, der deutsche Arbeiter sei hundertmal schlimmer daran, da ev für ihn überhaupt keine Berufungsinstanz gibt und nie geben wird. Maökrn der Völker des Norden». Au» Archangelsk wird uns geschrieben: Auf Ersuchen einiger ausländischer Anthropologen und wissenschaftlicher Institutionen der Bereinigten Staaten, Frankreich» und Schwedens läßt da» Institut des Norden» jetzt die Masken von 28 Böllern der nördlichen Gebiete der Sowjetunion anfertigen. Die Masken bestehen au» Abgüssen des Gesichtes und de» Kopfes und stellen so eine genaue Wiedergabe aller äußeren Merkmale der nördlichen Völkerschaften dar. Frrimanrer sollen verhungern. Reichswehrminister von Blomberg hat einen Befehl erlassen, in dem er jedem Angehörigen der Wehrmacht, auch Das Wunder der guten Erziehung Bon Fr. B a d t. Das Inserat hatte viclverheitzend gelautet: „Verständnisvoller Lehrer für hochbegabtes Kind aus guteni Hause gesucht." Als ich mich vorstcllte, saß der Herr deS guten Hauses bei Tisch. Er erhob sich nicht, sondern sah etwas wegwerfend von der Suppe, die er eben mit schmatzendem Behagen löffelte, auf und sagte nur:„Also Sie sind derjenige, welcher..." Ohne sich zu erheben, rief er seiner Frau:„Hol mal das süße Kind herein I" Das süße Kind schien nicht kommen zu wollen, denn man hörte eine plärrige Stimme au» dem Nebenzimmer:„Ich will nicht, ich mag nicht! Er soll zu mir kommen! Er wird ja dafür bezahlt!" Der Baier sagte:„Ein intelligenter Bursche, wie? Na, apropos, was fordern Sie eigentlich?" Ich nannte eine bescheidene Humme. Er wackelte bedenklich mit dem Kopf: „Geld, viel Geld, Herr— das will alles erst verdient sein. Aber für mein Kind ist mir nichts zu teuer." Er erhob sich und ging breitbeinig, mit ettvaS watschelnden: Gang, aus dem Zimmer und kam wieder, den mißmutig in der gleichen Gangart neben ihm trottenden Sprößling an der Hand: „Nu sag mal dem Herrn Lehrer guten Tag. Sei fleißig bei ihm, du Iveiht, der Unterricht kostet viel Geld. Nutze die Zeit gut aus!" Ich fragte den Jungen, um mit ihm in ein Gespräch zu kommen:„Wofür interessierst du dich, mein Kind?" „Ich verkaufe gern Murmeln", kam die verplüffende Antwort. „Da sehen Sie, ganz der kommende Geschäftsmann," sagte voll sichtlichem Stolz der Bater. Arbeitern, Angestellten und Beamten, die Zugehörigkeit zu Freimaurerlogen und ähnlichen Organisationen untersagt. Wo eine derartige Bindung besteht, ist sie umgehend zu lösen. Eine Ucbcrtretung dieses Verbotes ist als Grund für fristlose E t l a s s u n g anzusehen. DnntleS Afrika.„Times" meldet au» Johannesburg: In Natal wünschte ein eingeborener Häuptling„Medizin" mi» menschlichen Körperteilen zu erhalten, um seine Macht zu vergrößern. Ein Eingeborner erNärte sich bereit, seinen kranken Sohn töten zu lassen und verlauste ihn an den Häuptling für sechs Pfund Sterling und zehn Ochsen. Die Ermordung erfolgte nach einer großen Festlichkeit, die in allen Einzelheiten vorbereitet worden Ivar. Die Leiche wurde zerstückelt, und zwei Medizinmänner deS Häuptling» nahmen verschiedene Körperteile in Besitz, um die„Medizin" für ihren Häuptling herzustellen. Der Bater des Dahingemor« deten und weitere sechs Eingeborene sind nunmehr vom Gericht wegen diese» Morde» zum Tode verurteilt worden. GEDENKST bei eilen Anlässen der Arbeiterfürsorge! führen werden, zu denen Deutschland schon deshalb genötigt ist, um Zwangsmaßnahme» zu entgehen und einen Ausweg aus der R o h st o f f n o t zu finden. Zu einem Atftvppen der gesamten nationalsozialistischen katastrophenpolitik hat die Transferkonferenz nicht geführt, weil sie sich mit der Politik, dir doch da» Problem hervor- und die Konferenz zusammengernfen hat, nicht beschäftigen wollte. Japanische» Dumping Immer drohender macht sich für die europäische und amerikanische Industrie die Dumpingkonkurreuz der japanischenProduktion bemerkbar. Mit Hilfe staatlicher Subventionen und auf Grund unglaublicher Ausbeutung der Arbeiterschaft überschwemmt man di« Welt mit spottbilligen Waren. Musterschutz und Patente werden hiebei skrupellos mißachtet. Ter junge ungezügelte Großkapitalismus ist äußerst brutal. Die Arbeitszeit dauert in Textilbetrieben von morgens 5 bis abend» 11 llhr mit zwei Feiertagen pro Monat. Die unverheirateten weiblichen Kräfte leben in Kantinen und Schlafsälen direkt neben der Fabrik, eine Anordnung, die in sämtlichen Textilwerken zu finden ist. Die Löhne in dieser Arbeiterkatcgorie betragen— neben Kost und Logis — zirka KC 8.50 pro Tag. Dieser Verdienst wird aber nicht direkt an die Leute ausbezahlt; die meisten größeren Fabriken haben in den rein landwirtschaftlichen Distrikten Agenten, die Arbeitskräfte eintrei- bcn und dann per Schiff oder per Bahn in die Fabrik befördern. Dieser Agent schließt mit den Angehörigen einen Vertrag auf mehrere Jahre ab und leistet einen Vorschuß, während der Restbetrag nach Ablauf der Vertragszeit auSbczahlt wird. Eine weitere Arbeiterkategorie— Mechaniker, Schlosser und andere— erhält einen Höchstlohn von 2 Fen(gleich 14 flö) täglich neben einer jährlichen Gratifikation in der Höh« von zwei bi» sechs Monatsgehalt«». Di« Arbeitszeit dieser Leute beträgt 12 Stunden. Die Arbeitszeit in einem Elektrizitätswerk beträgt 10 Stunden, einen offiziellen Feiertag gibt es für die Arbeiter überhaupt nicht und der ttägliche Lohn beträgt(umgerechnet) etwa 5 bis 8 KC. Aehnlich ist» in Japan überall. Di« kapitalistische Regierung hält daS Volk absichtlich auf einem tiefen Lebensstandard, um die Industrie hochzubringen. Diese Tatsache, verbunden mit dem Mangel einer kampffähigen Organisation der nicdergehal- tenen Arbeiterklasse Japans bedeutet für die weiß« Arbeiterschaft der ganzen Welt selbstverständlich eine starke Bedrohung ihrer Wirtschaftslage. Eine Ver- bessenmg der Lage der japanischen Proletarier liegt im Interesse der gesamten Arbeiterschaft. Die internationalen Zusammenhänge der Weltwirtschaft, aber auch der Arbeiterbewegung, liegen hier klar zutage. Günstige Wirtschaftszeichrn. Ans dein Weltmärkte steigen die llmsätze vieler Rohstoffe, insbesondere von Weizen und Baum» w o l l c. In Verbindung damit stehen Preissteigerungen der Rohstoffe. In Baumtvolle zeigen die ersten acht Kampagnemonate einen Acamtvcr- brauch von 17,018.000 Ballen, der sich der entsprechenden Vcrbrauchszahl der Kampagne von 1020/80, die stir den gleichen Zeitraum einen Konsum von 17,235.000 Ballen austvieS, wirklich sehr nähert. Vollcswlrtsdiatt und Sozialpolitik Deutschland und seine Schulden - Die gescheiterte Transferkonferenz Ein zeitiges Moratorium Deutschlands— Neue Sonderabkommen? Scheinbar ging«s bei der nun gestern auch offi-! ziell als ergebnislos abgebrochenen TranSferkon« ferenz in Berlin nur um den Transfer der deutschen SchuldentilgungS- und Zinsenzatzlungen an da» Ausland. Aber eben nur scheinbar. In Wirklichkeit stand die Frage auf der Tagesordnung, ob da» Ausland al» Gläubiger weiter ruhig zusehen will, daß zu seinen Lasten die ungeheuere militärische Ausrüstung Deutschlands betrieben wird, daß zu seinen Lasten eine künstliche Binnenkonjunktur der Wirtschaft entfacht wird, und daß damit ein großer Teil der Veranwortung dastir auf eS zurückfällt, daß sich die terroristische DiktaMr der Nationalsozialisten auf eine längere Zeit einrichten kann. Hitler» ReichSbankdirektor Dr. Schacht versichert fortgesetzt, daß Deutschlands guter Wille, seinen finanziellen Verpflichtungen dem Ausland gegenüber nachzukommcn außer jedem Zweifel stehen müsse. Aber die aus^rordentlich ungünstige finanz- und währungspolitische Lage mache ihm die Durchführung seines Willens unmöglich. Eine große Reihe außerdeutscher Zeitungen mühen sich um den Nach- tvei», daß Deutschlands Verhältnisse zurzeit wirflich ungemein miserabel seien, und daß darum die Gläubiger die erforderliche Rücksicht üben müßten. Wir bestreiten zu allerletzt die äußerst verfahren« Lage Deutschlands, aber wir betonen ganz nachdrücklich, daß eS von den Nationalsozialisten in sie hincinregiert worden ist. Al» die Skationalsozialtste« Anfang 1938 dir Reichörrgierung übernommen habe», war die finanzielle, dir Währung»» und handelspolitische Situation viel günstiger al» heute. Sir habrn durch die hemmungslose Begünstigung der nationalen Agrar- und Jnduftrirwirtschaft, durch ihre RüftungS- und RrbeitSbeschaffungSvolitik selbst den Bankerott brr- beigeführt, vor dem die Machthaber dr» Dritten Reiches jetzt stehen. ES kann auch zu ihrer Entschuldigung nicht gesagt werden, daß sie ihn nicht hätten kommen sehen. Vielmehr hat es den Anschein, als ob sie vom Anfang ihrer Herrschaft beharrlich darauf anSgegan- gen sind, das Ausland an die Folgen des Bankerott zu bmden. Durch die schon im Vorjahr erfolgte teilweise Einstellung der Schulden- und Zinseuzahlun- gen wurden die Marksorderungen der Gläubiger bis zu 60 Prozent entwertet. Sie sahen sich gezwungen, um einer weiteren Entwertung vorzubeugen, sie an die Reichsbank zu verkaufen und so eine deutsche DumpingauSfnhr, die ihre eigene Jildu- strie schädigen mußte, zu finanzieren. Aber vor allem wurde damit erreicht, daß rund 13 Milliarden Reichsmark aualändischev Kapital in Deutschland feftgesrorrn liegen blieb. Allein die langfristigen Schulden betragen noch insgesamt 7.44 Milliarden Reichsmark, wovon auf die Vereinigten Staaten 8 Milliarden, auf Holland 1.58 Milliarden, auf die Schweiz 1.05 Milliarden, aus England 8.10 Millionen und aus Frankreich 480 Millionen Mark entfallen. Die Zinsenverpflichtungen an daS Ausland betragen 1934 rund 800 Millionen Mark; davon kommen 100 Millionen Mark auf die Aoung- und Dawesanleihen und 110 bis 120 Millionen auf die Stillhalteschulden. Mehr al» vier Milliarden Mark bat Deutschland durch die Abwertung de» Dollar» und dr» englischen Psunde» von seinen Anblandschnlden sozusagen geschenkt erhalten; um 4 Milliarden Mark ist sie durch die WährnngSmaßnahmen der anderen Länder zurückgrgangen. Diese Transferkonferenz konnte der Reichsbankpräsident nicht auf Kommando heimschicken, wie ihm daS früher gelungen war. Die Vertreter der ausländischen Gläubiger gaben sich mit seinen Er« flärungen nicht einfach zufrieden. Er mußte znge- bcn, daß die Devisenwerte in Deutschland doch um einige hundert« Millionen Mark höher sind, als die Reichsbank answeist; außerdem sind noch deutsche Privat-Guthaben im Ausland in Höhe 1.5 Milliarden Reichsmark amtlich gemeldet und die nicht gemeldeten ins Ausland geflüchteten Kapitalien werden mindestens in der gleichen Höhe cingefchätzt. DaS ergibt zusammen einen Betrag, mit dem Deutschland einige Jahre hindurch seinen gesamten ausländischen Schulden- und Zinsenverpflichtun- gen genügen könnte, ohne daß der Mark darum Gefahr drohen mühte! Aber mif der Transferkonferenz kam eS wegen der unterschiedlichen Interessen der Gläubiger nicht zu einer"-lchlossenen Front gegen Hitler- Deutschland, so daß Deutschland weder die deutschen Bank« und Devisenguthaben im Ausland mobilisieren muß, noch eine Finanzkontrolle zu be- siirchten hat, deren Wiedereinführung einzelne Gläubiger für notwendig halten. Allerdings, die Billi- guna der Gläubiger fiir daS Nichtzahlen der Schulden und Zinsen hat Deutschland nicht erhalten. Nach dem Konnnnnsque schlägt der Reichsbankpräsident ein einjähriges Moratorium vor, doch bestehen die Gläubiger mif die Weiterzahlung für die Aoung- und DaweSanleihc. Für die übrigen Schulden sollen die Zinsenzahlungen bis 1945 aufgeschoben werden, dafür sollen die. Gläubiger statt der Zahlungen Bonds erhalten, die niit 3 Prozent jäbrlich verzinst und mit 8 Prozent getilgt werden solle». Ein anderes Angebot will die Bon»— wenn genügend Devisen vorhanden sind, schon nach einem halben Jahre einlösrn, wen» die Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Die Mehrzahl der Gläubiger lehnt dies Angebot ab, so daß Deutschland tvahrscheinlich am 1. Juli das Moratorium erklären wird. Wahrscheinlich werden in Kürze neue Verhandlungen mit den einzelnen Gläubigern beginnen, die zu Sondcrabkomnien Der Junge schien sich nicht weiter für das Gespräch zu interessiere» und begann mit dem Finger in der Nase Forschungsreisen. Der Vater, der im gleichen Augenblick die Reste des Essens zwischen den Zähnen hervorkrainte, schnipste das Stückchen Fleisch, das er nach langem Suchen zwischen den beiden großen Eckzähnen gefunden hatte, in die Lust und schaute mißbilligend auf seinen Sprößling: „Ho was tut man doch nicht! Ein anständiger Mensch bohrt nicht in der Nase. Komm lieber an den Tisch und iß noch etwas von der Speise." Die Speise mußte sehr gut sein, denn Bater und Sohn gaben durch kräftige Sckmahlaute ihren Wohlgeschmack kund. Plötzlich unterbrach der Vater die sakrale Handlung de» Essens und blickte wieder mißbilligend auf den Sohn; „Willi, wie ißt du— man schmatzt nicht beim Essen! Iß nicht so gierig, e» nimmt dir ja Kiner fort!" Dabei tropften ihm einige Tröpfchen von der Himbcersauce aus dem Mundwinkel und er lvisüste sie mit der Hand leicht ab. „Herr Lehrer, wollen Sie nicht auch etlvaS niitcsscn? Hier sind noch die guten Erdnüsse. Greifen Sic ruhig zu, das Kilo kostet nur drei Kronen." Der Sohn sah, daß ich bescheiden nach dm Erdnüssen langte. Schon griff er mit quatschigen Händen zu und rief: „Mir auch!" „Und für Deinen guten Bater soll nichts bleiben?" sagte der Papa und nahm sich den Löwenanteil. Da» Essen war zu Ende. Wir standen auf. „Und nun bringen Sie dem Jungen etwas Tüchtiges bei. Er muß um drei Uhr in die Schule gehen. Also beeilen Sie sich! Ich werde ihn selbst hinbringen." „Gehst du denn heute nicht ins Büro?" fragte schüchtern die Frau. „Mein liebes Kind," dozierte der Hausherr, „ein guter Betrieb läuft von selbst, und der Chef hat nichts anderes zu tun, als von Zeit zu Zeit nach dem Rechten zu sehen und die Arbeit der anderen mit seinen guten Gedanken zu befruchten." „Papa, ich will aber nicht nach der Schule gehen!" rief das süße Kind dazwischen. „Warum denn nicht?" „Ich fühle mich heute so unwohl!" „Was fehlt dir denn, du Aermster?" „Er ist etwas überarbeitet," sagte er mit einem Blick auf mich..„Hast du Schmerzen?" „Ja, Pappi." „Wo denn, mein.Kind?" „Daö kann ich nicht sagen." „Oh, oh, das sind die Nerven! Sehen Sic nur zu, Herr Lehrer, daß sich das Kind nicht überanstrengt." Wir ginge» ins Nebenzimmer.„Nun zeig mir mal deine Schularbeiten, die d» aufbekommen hast." „Ich mache keine Schularbeiten," sagte Willi protestierend.„Der Kurt von Schumanns unten, der macht sic mir. Ich gebe ihm dafür drei Murmeln. Ich sage ihm nur, wie er'ö machen soll, und dann schreibe ich mir'S ab." „Aber das ist doch unrecht, du mußt cö doch schließlich selber machen!" „Na, wenn ich ihni aber sage, was er machen muß, dann brauch ich's doch nicht selbst zu machen!" „DaS ist ganz verkehrt," ließ sich der Vater vernehmen, der eben ins Zimmer trat,„selber muß man arbeiten, nicht alles den anderen Leuten überlassen. Sich deinen Vater an, wie der cs macht!" Willi schien von dieser Belehrung nicht sehr überzeugt zu sein. Er lief aus dein Zimmer und plötzlich hörte man lautes Schelten. Was war geschehen? Willichcn hatte einen neben dem Herd stehenden Farbtopf ergriffen und war gerade dabei, mit Hilfe der Klosettbürste die Pfanne zu streichen. „Was machst du denn da?" sagte der Vater. „Die Pfanne sieht so schwarz aus, ich will sic hübsch bunt lackieren." „Jungenstreiche," philosophierte der Vater. „Aber sehen Sie, ivaS für ein saubere» Kind ich habe! Alles muß bei ihm blitzen und glänzen." Ich wagte nichts zu entgegnen und sah nur auf die Mutter, die mit Entsetzen die Bürste betrachtete:„Willi, gib die Bürste her!" „Aber laß doch dem Kind sein Vergnügen! Man soll die Phantasie des Kindes nicht künstlich cinschränkcn," meinte der Vater begütigend,„mein süßes Kind, waö will dir deine böse Mutter wieder antun?" „Aber die Klosettbürste?" sagte die Frau bescheiden dazwischen. „Ja, daö geht wirklich nicht, das ist ja eine Schweinerei!" meinte ivütcnd der Papa, nahm die Bürste und legte sic auf den Eßtisch,„Ordnung muß schließlich sein!" Mir wurde etwas bang zumute. „Na. Herr Lehrer, und was macht der Unterricht?" „Ja, ich hatte bis jetzt keine Zeit dazu." „Was heißt das, keine Zeit? Sie müssen dem Jungen mit gutem Beispiel vorangehen. Sehen Sie mich au! Gutes Beispiel— das ist daS Wunder der guten Erziehung!" Ich wußte nicht, was ich sagen sollte, und erwiderte nur:„Ich glaube, ich bin für Ihren Sohn doch nicht ganz der geeignete Erzieher." „DaS scheint mir auch so," meinte der Herr Papa und schaute auf seinen Sprößling, der bejahend nickte.„Ich glaube, ich erziehe mein Kind am besten selber," schloß er. Die Frau blieb im Hintergrund. Bater und Sohn sahen böse drein. Sic gaben mir beim Fortgehen nicht einmal die Hand. Der Junge sagte nur:„Was soll der Schnorrer hier auch!" Der Vater meinte:„Schnorrer, mein süßes Kind, sagt man nicht. Man sagt: der arme Mann." Seite 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 1. Juni 1934 Nr. 14«? Leichnam sucht feine« Mörder Krlminalgroteske aus der Wirklichkeit— Wer zuletzt lacht... Handelnde Personen: Manuel Barro, der Mörder: Miguel EntrcrioS, der lebende Leich« nam; Achclino Rodriguez, der Dösewicht: ein Schwein. Ort: Franco, ein Dorf in Nordspa« nien. Zeit: Jüngste Gegenwart. Miguel Entrerios und Achclino Rodriguez tvaren einander spinnefeind. Die Leute von Franco ihrem Heimatdorf, schüttelten dariiber die Köpf.'. Denn vor cincm halben Jahre waren Miguel und Slchelino noch die besten Freunde gcivcsen. Wegen eines lächerlich kleinen Geldbetrages brach der ganze Streit anö und aus den Nachbarn wurden Todfeinde. Slchelino hatte den kürzeren gezogen. Und das konnte er seinem Gegner nicht verzeihen. Monatelang brütete er finstere Nachcpläne. Am liebsten hätte er Miguel selbst um die Ecke gebracht, aber daS wäre mit zuviel Unannehmlichkeiten verbunden gewesen. Die Gendarmen kannten keinen Spaß. Während er über dieses verzwickte Problem nachsann, führte ihm daS Schicksal seinen alten Freund, Manuel Barro, in den Weg. Manuel stand in dem Rufe eines gefürchteten Raufboldes. Slchelino erkundigte sich mit geradezu rührender Teilnahme nach scineni Befinden. Manuel seufzte: »Die Zeiten sind miserabel, Slchelino. Man muh sich ordentlich schinden, um ein paar Peseta- zu verdienen." »Tja die Krise", meinte der andere bedächtig.„Aber ich wüßte schon ein Geschäft für dich, bei dem du auf einen Schlag tausend Pesetas verdienen könntest." Und dann erklärte er dem völlig verdatterten Manuel, wie er diese märchenhafte Summe gewinnen könne. Er brauche nur diesen vermaledeiten Prahlhans und Betrüger Miguel in die Hölle zu befördern, in die er schon seit langem gehöre. Manuel kratzte sich am Kopf. Ein Mord— das war keine Kleinigkeit. Darauf stand der Galgen oder lebenslänglich. Aber tausend Pesetas waren nicht zu verachten. Und so schlug Manuel ein. ... schlich Manuel, den Dolch im Gewände Slchelino entwickelte ihm seinen Plan. Jeden Abend pflegte Miguel, wenn er auS der Dorfschenke nach Hause kam, nach dem Schwein zu sehen, das er für den nächsten Markt mästete. Dabei sollte ihn Manuel überrumpeln und... Alles ging Ivie am Schnürchen. Nach dem Einbruch der Dunkelheit versteckte sich Manuel hinter dem SchwcinestaU. Gegen neun Uhr tauchte Miguels schwankende Gestalt mrf. Manuel duckte sich zum Sprung... Und da packte ihn daü Gewissen. DaS war ja ein gemeiner, hinterlistiger Mord. Und da sollte er daS Werkzeug sein? Nein, ein Meuchel« niördcr war Manuel nicht, auch wenn er zeitweilig gern raufte. Aber die tausend Pesetas... Plötzlich kam ihm eine geniale Idee. Wie der Blitz stürzte er auf den ahnungslosen Miguel los. 2n zwei Sekunden lag Miguel hilflos am Boden. Manuel fesselte ihn mit dem Strick, den er auf alle Fälle mitgcbracht hatte und schob ihm einen Knebel in den Mund. Dann zückte er den Dolch... und daS unschuldige Schwein mutzte daran glauben. Mit dem Blut des Tieres beschmierte sich der„Mörder" Gesicht und Hände. Daun lief er schnurstracks zu Achclino hinüber, der ihn schon voller Ungeduld erwartete. „Ist er tot?"„Mausetot!" Manuels wilder Blick und blutbespritzte Kleidung flößten Achclino Angst ein. Er drückte ihm rasch einige Geldscheine in die Hand und war froh, als Manuel sich rasch auS dem Staube machte. So, daü hätten wir erledigt. Der verhatzte Miguel war tot und der Dummkopf Manuel hatte nicht einmal bemerkt, daß er ihm nur fünfhundert Pesetas gegeben hatte. In der eigenen Schlinge gefangen Am nächsten Morgen klopfte cs an AchelinoS Tür. Er öffnete— und prallte wie vor einem Gespenst zurück. Denn draußen begrüßte ihn der „tote" Migttel mit einem gräßlichen Fluch. Er hatte sein ermordetes Schwein mitgeschleppt und schrie:„DaS hast du sicher wieder angcstellt, du Höllcnsohn!" Die Demokratische Flüchtlingsfürsorge teilt mit. daß sie ab 4. Juni d. I., ihre Büroräume von» Graben 27 nach Graben 17, 2. Stiege, 2. Stock, verlegt. Amtsstunden täglich von 1V bis l Uhr. Telephon unverändert 80271, Bankkonto unverändert: Böhmische EScoinpte-Bank und Kredit-Anstalt Prag II., Konto Demokratische JlüchtlingSfürsorge. Kunst und wissen »«ftl»lel Relch-D»rich In einer durch Mitwirkung schöner Stinunen gekennzeichneten, aber im Zeiwiaß allzu forcierten Aufführung der Oper„E i»» M a ü k e n b a I l" von Giuseppe Verdi sang vorgestern abends Fine Reich-Dörich, die hochdramatische Sängerin des badischen StaatStheaters in Karlsruhe, als Gast die Amelia. Diesem Gastspiele kam insoferne besondere Bedeutung zu, als Frau Reich-Dörich berufen sein soll, in der kommenden Saison an Frau MerkerS Stelle zu treten und in Gastspielabenden daS hochdramatische Acsangöfach am Prager Deutsche» Theater zu betreuen. Die Amelia in Per« dis„Maskenball" ist zwar keine auSgesprocheir hochdramatische GesangSpariie sm Sinne Richard Wagners. aber im Sinne Verdis gehört sie zu den anspruchsvollsten und dramatisch bedeuteNdstci» Sopran« Partien der öpera seria, ist also sehr wohl geeignet, auch einer hochdramatischen Wagnersängerin eine entsprechende uni) entsprechend schwere Aufgabe zu bieten. Daß Fran Reich-Dörich eine Amelia von stimmlich größtem Formate auf die Szene stellen würde, daran war von Haus aus kein Zweifel, da die leuchtende und sieghaft schöne Stimme der Künstlerin gerade in dieser kantablen Partie auSgczenhnet zur Geltung kommen mußte. Aber Frau Reich- Dörich überraschte diesmal gerade durch andere Tugenden; vor allem durch die vollendete Kultur ihres Gesanges, die in wundervollen PianiS und in einer bewundernswerten tonlichen Zurückhaltung zum Ausdruck kam, und durch die Beseeltheit ihres GesangS- vortrageS, der mit echtester Gefühlsäußerung und geistiger lleberlegenheit in der Darstellung Hand in Hand ging und die Sängerin als künstlerische Per- Aber Achclino hörte gar nichts mehr. Er rannte voller Wut zur Gendarmerie. Dieser Schurke und Betrüger Manuel! Jhi» so hereinzulegen!„Ist das nicht empörend, Sennor Wachtmeister?" fragte er, als er mit seiner Erzählung zu Ende war. „ES ist niederträchtig", bestätigte der Wachtmeister.„Einen Menschen zuin Mord anzustiften und den Mörder für seine Tat zu belohnen! Sie sind ja ein sauberer Bogel, Herr Rodriguez. Bor allem einmal sperren wir Sie ein. Und das weitere wird daS Gericht besorgen." Und bevor Achclino Rodriguez sich voi» seiner Verblüffung erholen konnte, hatte er bereits HandscheUen um. Der flüchtige Manuel konirte ohne Schwierigkeit ciugcholt und festgcnommen werden. Er wird sich nur wegen boshafter Beschädigung fremden Eigentums zu veranttvorten haben, während der schlaue Achclino wegen versuchter Mordanstiftung vor die Richter gestellt wird. Der lachende Dritte war in diesem FaU Miguel. Denn er bekam die 500 Pesetas akü Entschädigung für das Schwein, das ja das einzige Opfer der Tragödie war. Soviel hätte Miguel auf dem Jahrmarkt nienialü erzielt. Der Mensch mutz eben— Schwein haben. sönlichkeit von hohem Rang erkennen ließ. Der Höhepunkt ihrer Leistung war daher meines Erachtens nicht etwa die berühmte große Szene auf der Richtstättc, sondern die Rechtfertigungsszene vor 9!ent, die sie in ergreifendster Weise sang und spielte. Bon deir Gastspielabenden der Künstlerin in der nächsten Spielzeit darf»nan sich also füglich manchen Genuß und manches künstlerische Erlebnis versprechen. E. I, Spielpkan des Reuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr:„Iphigenie auf Tauris" (Gastspiel des Wiener BurgtheaterS, DI).— SamStag, halb 8 Uhr:„DerRevifor"(A 2). Spirlplan der Kleinen Bühne. Freitag. 8 Uhr: „Terzett zu Viert"(Kulturverbandsfreunde >md freier Verkauf).— SamStag, 8 Uhr:.Terzett zu Viert". Sport• Spiel»Körperpflege Die Spiele nm die Fuhball-Weltmeifterfchaft fanden am Donnerstag ihre Fortsetzung. In T u- rin gewann die Tschechoslowakei mit 8:2 (1:1) über die S ch w e i z. Der Sieg der Tschecho- siowakei ist als ein glücklicher zu bezeichnen und In der Hauptsache Planiikas Verdienst, der die unmöglichsten Sache»» hielt. Statt Silny, welcher Nicht mehr in Frage kommt, spielte Svoboda mit besserem Erfolg. Die Schweizer hatten großes Pech mit ihren Schüssen.— Oesterreichs„Wunderteam" konnte in Ä o l o g n a über Ungarn auch erst wie- derinn nach Verlängerung mit 2:1 Sieger bleiben. — Schweden unterlag in Mailand mit 1:2 (1:1) Deutschland.— Das letzte Spiel des Tages brachte keine Entscheidung und wird am Freitag neu ausgetragen: Spanien»ind Italien blieb trotz Verlängerung 1:1. Frni»kr»ich— Teilnehmer der Nazi-Olympiade In Berlin. AuS Paris kommt folgende Meldung: TaS Kabinett beschloß gestern die Teilnahme Frankreichs an den Olvnipischen Spielen in Berlin. Der GclnndheitSminister wird in der Kammer di« Bereitstellung der hiefür notwendigen Kredite verlangen, die durch ne»ie Sparmaßnahmen hereingebracht werden sollen. PRAGEB ZeiTBMfi Raketen über«»s Von Jng. Kurt Doberer. Zuerst die Meldung einer Prager Zeitung: Wie das Observatorium in Bad Luhatschowitz »neidet, wurde nm 7.05 Uhr zwischen der Morgenröte ci>» blendend weißer Streifen gesichtet. Dieser in» Osten anfsteigcnde Streifen nahm rasch an Größe zu und bahnte sich seinen Weg, um im ziveiten Drittel seiner Laufbahn zu verschwinden. Die Erscheinung sah wie der Abschuß einer riesigen Rakete in den HimmelSraum aus, deren mächtige Ranchbahn ebenso rasch verschwand, wie sie gekommen tvar. Dann eine Brünner Pressemeldung: In der Nacht auf Mittwoch ist eine gewaltige Feuerkugel über Ober- und Niederösterreich gesehen worden. Berinutlich hat sie auch die angrenzenden Nachbarländer überflogen. Die Universitäts-Sternwarte Wien bittet alle Beobachter, ihre Wahrnehmungen mitzuteilen. Betrachtet»na»» diese beiden Meldungen, dann könnte man sich in den phantastischesten Bcr- »nutungen ergehen. Mai» glaubt bereits über sich die Uebungsprojekte neuer Kriegsraketen. Im Osten von Luhatschowitz, dort, tvo»nan den geheimnisvollen Nebelstreifen aufsteigei» sah, greift die politische Grenze weit über die Bergkegel der Hohe»» Tatra. Auch ans den» italienischen Alpengebiet kamen vor einiger Zeit interessante Zei- tnngömeldungen. Dort wurde ein einfamer Ge- birgSstock von Militär abgesperrt. ES wurden Startversuche»nit einer neuen Rakete gemacht. Geheimnisvolles also genug, uni die stets bereite Phantasie eines gewöh»»liche:» Sterblichen anzurcgen. Unglücklicherweise erinnern wir uns auch noch der Zeitungsberichte silbcr daS neue Buch des amerikanischen Konstrukteurs militäri- sckier Geräte Eric S. Milton. Dieser berichtet, wie Versuche ergeben haben, daß man mit Raketen- torpedoS bereits über eine E»»tfer»»ung von mehrc- ren hundert Kilometern nach Städten und Landstrichen werfen kann. Dreihundert Kiloineter ist cü von der Hohen Tatra nach Niederösterreich. Wer also Phantasie hat, der könnte sie walten lassen. Für unser ausschweifendes Gehir»» ist es ein Glück, datz man die Fernraketen außer zu den praktischen Kriegszwecken, theoretisch auch dazu verwende»» kann,»»m Post nach Amerika zu schießen, um Temperaturen in der Stratosphäre zu messen und um schließlich noch auf den Mars zu fahren. Dank dieser theoretischen Berweudungs- zwecke erfahren wir nun doch noch einige reale Dinge über Raketenversuche. Amerika baut Postraketen. Die„Populär MechanicS" in Chicago schildern die Arbeit der„Cleveland Rocket society". Diese Raketengesellschaft probierte unlängst, als Borbereitung zur Konstruktion einer Postrakete, daS Modell eines Raketenmotors a»»s. Dieser in Cleveland gebaute eiförmige Motor war nur fünfzehn Zentimeter lang und kaum fünf Zentimeter im Durchmesser. Er wurde mit den Treibstofftank und den Sauerstoff-Flaschen verbunden und angelassen. Mit mächtigem Brüllen arbeitete er in seinem eisernen Startgestell und entwickelte eine Kraft, die genügen würde,»im ein Gewicht voi» fünfzehn Kilo mehrere Kilometer in die Luft z»» schlendern. Die Cleveland-Gruppe hat nnn beschlossen, eine fünf Meter hohe Rakete in die Stratosphäre zu schießen. Der Motor soll mit Propan und Sauerstoff arbeiten und eine Zugkraft von fünfhundert Pferdekräften entwickeln. Man schätzt, daß ein Raketenmotor von der Größe eines Fußballs, bei einem Gewicht von zwanzig Kilo, zehntausend bis fünfzehntausend Pferdestärke»» entwickeln kann. Nach erfolgreichen Versuchen will Ingenieur Ernst Loebcll, ein Mitglied der Cleveland Rocket Society, radiogesteuerte TranSozeai.raketen bauen. Rußland baut Forschungsraketen. Im Dezember wurde aus Leningrad berichtet:„Datz das Büro für Luftschiff- fahrttechnik im Leningrader flugchemischei» Institut zum Bau der ersten sowjetrussischen radioaktiven Geschoßrakete geschritten ist, um die Erforschung der höheren Atmosphären zu ermög- lichen." Der Metallrumpf dieser also anscheinend radiogesteuertci» Rakete ist bereits fertiggestellt. DaS Aluminiumprojektil erinnert in seine«; Gestalt an die Geschosse der weittragenden Geschütze. Die mit flüssigcin Heizstoff arbeitende Rakete soll von einem eigenen Startplatz.steigen. Sie soll mittels Fallschirm auS der Stratosphäre zurückkchren. lieber die Seele der Rakete, Wer den Rake- tcn-Motor, hört man in diesen Mitteilungen nichts. Dieser dürfte die ernstesten Schwierigkeiten bereiten, denn, die vier volle Monate später im Ausland allftauchenden Zeitungsmeldungen berichten lediglich von dem„eben" fertiggestellten Runipf der Rakete und umständlich von der Konstruktion der verschiedenen Meßapparate.. Brasilien baut Mondrakete. Die optimistischeste ZeitungSineldung über den. Stand der Raketenraumfahrt gibt cs in Brasilien. Dieses Land dürfte deshalb nach allgemeiner Erfahrung die geringsten Ueberrafchungen für praktische Erfolge bieten. An» ü. September vorigen Jahres meldete eine rumänische Zeitung, datz Jules Berne nun Wirklichkeit werden würde. Der Brasilianer Paolo Berayo begänne»nit dem Bau einer Riesenrakete. DaS Innere der Rakete solle drei Personen zur Reise nach den» Mond Platz bieten. Ingenieur Berayo will in vier Tagen und drei Stunden sein Ziel erreichen. Paolo Berayo will im Soinmer 1934, also in diesem Soinmer, zum Mond starten. Da er sich über den Zeitpunkt der Rückkehr nicht ausspricht, ist eS äußerst empfehlenswert, selbst eifrig in den Mond zu gucken. Dec tMegemte trfay&hdn let«ic DerakkmA dec Aöonnements-eöükc zu verwenden! Mr im McLstande tteltt, schädigt die Dntei und deren Tresse Die Verwaltang Aus der Partei BrzirkSorganifatum Prag der Deutschen sozial demokratischen Arbeiterpartei. Dienstag, 5. Juni 1934, pünktlich 7 Uhr abends im Parteiheim Sitzung der Exekutive. Verelnsnadirlditcn © Ortsgruppe Prag. SamStag, den 2. Juni: Führung durch Alt-Prag, Zusammenkunft Punkt 4 Uhr beim Pulver turm.— Sonntag, den 8. Juni: Zusammenkunft um%7 Uhr am Wil- sonva>,»»t,of. FahrtUach Rikany. Wanderung zu den Jcwaner Teichen. Hier Baden. Dann weiter nach Böhm.-Brod. Rückfahrt von Böhm.-Brod. 25 Kilometer. Fahrpreis 9.80 UL. Führer: Wiu- ternitz.— Auskünfte, Anmeldungen usw. jeden Freitag von 6 bis halb 8 Uhr in der Geschäftsstelle, Prag II., Narodni tk. 4, 2. Stock. Achtung, Tele- phon-Nr. 48869. Kinderfreunde Prag. Sonntag, den 8. Juni, Ausflug nach Zbraslav. Zusammentreffen um halb 9 Uhr an der Endstation der 21er in Hodkovikky. Wer nicht mitwandert, warte im Hotel„Ritz" (Emigrantenheim). Mittwoch, den 8. Juni, abeudö 8 Uhr im Hotel„M o n o p o l" Etternnersammlung Fachlehrer Ern st Thöne r, Teplih- Schönau, spricht über daS Thema: „Bürgerschule oder Mittel- s ch u l e?" Alle interessierten Eltern und Lehrer find herzlichst ringeladen. Arbeiterverein Kinderfreundr. Die Sprache der Vernunft Bon einem reichsdeutschcn Genossen wird unS geschrieben: Im Rundfunk hämmert eine Stimme; ein Naziministcr spricht. ES ist ein entsetzliches Geinisch von Geschnarre, Schmieren- Pathos»ind Konfusion. Angeödet stellt mail ab, blättert in Zeitungen. Der Blick verfängt sich in einer anderen Rede: Beneö in der Festsitzung, die seine Partei zu seinem 50. Geburtstage veranstaltete. Der Minister sagt einiges von seiner Arbeit, seiner Lebensauffassung, seiner HäuSler- Herlunft, spricht vom„Volk dcS kleinen Man>»eS", den sozialen Grundlagen der tschechoslowakischen Demokratie und den vorwärtsdrängenden Kräften der Geschichte... DaS alles sagt er einfach, ohne falsche Töne, ohne Getue und Getute. Und doch spürt man dahinter Schwung, Beharrlichkeit, Tapferkeit, daS gedämpfte, schamhafte Pathos der Sachlichkeit und Menschlichkeit, wie eS aus Masn- ryk klingt und wie es auch Svehla an sich hatte. ES handelt sich hier weniger um die Richtigkeit dieser oder jener politischen Auffassung, sondern um diese wohltuende Art schwulstlosen BortragS, die manche Unterhaltung vereinfacht und damit ein Stück Rationalisierung der Politik bedeutet. Daü Weitz gerade der reichsdeutsche Sozialist zu schätzen, der jahrelang in opferreichen Saal- und Wahlschlachten erlebt hat, wie sehr verschtvommcne nationalistische Kraftmeierei ein krankes, arbeitsloses Volk zu verwirren und zu verderben vermag. Inhalt, Ziel und Wollen bedingen die Sprache. Staatsmänner von der Art BeneiS und Masaryks können sich soziales Leben ohne die Gültigkeit vereinbarter Spielregeln nicht denken, wenden sich an die Vernunft und berühren sich dabei»nit dem, loaS vor dem Dritten Reiche als Bestes deutschen BolkstumS galt: Klarheit und Sachlichkeit. Aber das ist wohl das Gemeinsame aller derer, die mehr ans Denken und an den Geist appellieren als an den Bizeps— wie pathetische Verschwommenheit, Fahrigkeit und Schmic- renpathoS das Merkmal jener ist, die an dunkle Umtriebe und das„Mythos des Blutes" glauben machen wollen, Iveil sie mit dem Denken nicht weiter kommen und Gedanken nicht zu vergeben haben. Dem„Parlamentarischen Geschwätz" war ihre Unklarheit nicht gewachsen; dafür schwadronieren sie jetzt im Rundfunk und Versammlungen mehr drauflos als die ganze Menschheit vertragen kann. Eines Tages wird nian in Deutschland wieder Klarheit und das Ende des Hunnenlateins herbeiführen. Hitlers brauner Schwulst wird heute schon von einem ständig wachsenden Teil des deutschen Volkes verlacht wie einst das Imperatorengeschwätz eines Wilhelm ll. Bezugsbedingungen: Bet Zustellung n»S Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich!