IE NTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. REDAKTION UND VERWALTUNG FRAG XII., FOCHOVA«. TELEFON 53077. ADMINISTRATION TELEFON 5307«. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR! DR. EMIL STRAUSS. FRAG. Ehizelfmit 70’HeHbr (einschließlich 5 Heller Porto) 14. Jahrgang Sonntag, 3. Juni 1934 Nr. 128 Umschwung in Genf? Befriedigung der französischen Presse Paris, 2. Juni. Der Bcrianf der Freitag-Befprechungeil in Genf hat in der gesamten französischen Presse die grösste Genugtuung ansgelöst. Sowohl der Abschlnsi der Per- Handlungen Tiber die Saarabstinnnung alS auch die Wendung in der Abrlistnngöfragc scheine» die französischen Wünsche vollauf zu befriedigen. Die Blätter weisen allgemein darauf bin, dass Frankreich in der Saar-AbstimmungSfrage nicht mehr habe erreichen können, als rv erreicht habe. Dir Annäherung zwischen Sir Job» Simon und Barthou wird begrüßt. Beide Minister beharre» trat; der scharfen Kritiken» die sie sich in Genf rückhaltlos sagten, und trotz der Brr. stimmung der englischen und der französischen Presse auf der Notwendigkeit freundschaftlicher Zusammenarbeit. Eine baldige Reise BarthouS nach London sei nicht ausgeschlossen. Eine Million Arbeiter ■_■■ Amerikanische Arbeiter vor dem Streik Kein Ausweichen vor der Aufgabe! Zu den Agrarplänen Dr. Hodias Washington, 2. Juni.(Reuter.) Präsident Roosevelt will durch persönliches Eingreifen die Gefahr neuer RiescnstreikS abwendeu. Am treidepreise zu garantieren u. ein Voll- Monopol fiir Getreide einzuführen, welches mit Hilfe der landwirtschaftlichen und konsnin- genossenschaftlichen Zentralen den Absatz von Getreide, Mehl, Mahlprodukten sowie einiger Futtermittel zu regeln hätte. Ferner kündigte der Minister eine baldige Aktivierung deS M i l ch a n s g l e i ch s f o n d S an, Massnah- men zur Entschuldung der L a n d w i r t- schäft und eine Reorganisierung der L a n d e s k u l t n r r ä t e. Solange die wichtigsten dieser Massnahmen nur in grossen Umrissen bekannt sind, ist eine nähere Beurteilung ihrer Zlveckinässigkeit noch nicht möglich. Jedenfalls deute» sie aus eine grundsätzliche Wendung unserer Agrarpolitik von den bisherigen liberalistischen zu kollektivistischen Methoden hin, lvobei den Urhebern dieses Front- Wechsels eine Kombination zwischen genossen- schastlichem Syndikalismus und Stäatskapitalis- mus vorschwebt. In dieser Hinsicht sind die süh- reoden..Männer tpw.. tschechische»».. Agrarpartei, ihren Partnern auf deutscher Seite weit voraus. Sdtvohl bei uns, als auch in Oesterreich und Deutschland sind die Bauernführer über eine allgemeine Ablehnung des Liberalismus wie des Sozialismus nicht hinausgekommen. Ihr Mangel an Konstruktivität hat sie dem Ansturm fasei- stischer Abenteurer wehrlos ausgeliefert, oder, wie bei uns, in eine unhaltbare Zwitterstellung gedrängt. Die Beurteilung der Reformpläne Hodjas muss daher in eine Erörterung münden, welche Rolle die Bauernschaft bei demokratisch- kollektivistischen Krisenlösungen zu spielen hat und wie weit dabei ein Zusammengehen mit den organisierten Kräften der industriellen Arbeiter- und Angestelltenmassen möglich ist. Die Sozialisten auch dieses Landes können heute mit Genugtuung feststellen, dass fie mit ihren Argumenten gegen die schablonistische Zollpolitik des AgrariSmuL, mit ihrer Charakterisierung der chaotischen Preisverhältnisse in der Landwirtschaft weitgehend recht behalten haben. ES wäre aber müssige Zeitvergeudung heute einen Streit über die Fehler und Jrrtiimer der Vergangenheit auszuwärmen. Viel wichtiger er scheint die Weckung eines gegenseitigen Verständnisses und eine Klarstellung darüber, ob ein weitreichender Interessenausgleich zwischen Arbeitern und Bauern bei den kommenden Krisen- lösungen möglich ist. Die Vorschläge Hodjas setzen eine w a ch- s e n d e K a u s k r a f t der industriellen Konsu- mentonmasse voraus. Ist diese Annahme gerecht- fertigt? Eine gewisse Besserung der Industrie- beschästigung und des Jndustrieexports ist nach den letzten WährungSmassnahmen zweifellos gegeben. Man muss aber ernstlich warnen vor einer lleberschatznng der sozialen AnSwirknngen nnsr rer wahrlich bescheidenen Jndnstriebelebnng. Die offiziellen Ziffern, welche von einem erheblichen Rückgang der ArbeitSlosenzahl sprechen, sind lei- der zum Teil irreführend. Nach den Ausweisen der Zentral-Sozialversicherung waren im März d. I. int ganzen Staatsgebiete nur um 5766 Personen mehr versichert als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der weit grössere Rückgang der offiziellen Arbeitslosenzissern scheint daher ent. scheidend durch die vielfach sehr rigorose Sichtung der Bezieher von ErnährungSkarten und durch die definitive Aussteuerung gewerkschaftlicher Unterstühungsbezieher erzielt worden zu sein. -Jnr ersten Stadium ist sonach-die Industriebelebung zumeist durch eine bessere Ausnützung der Kapazität ausgesangen worden, oder sie hat bestenfalls Kurzarbeiter in Vollarbeiter verwandelt. llebereinstinnnende Berichte besagen, dass bei den wenigen Neuaufnahmen in den seltensten Fällen Dauererwerbslose an die Reihe kommen; meistens kommen die zuletzt Entlassenen wieder zuerst daran. Da» Notstandüproblem unserer Industriegebiete besteht daher in vollem Umfange weiter, ja es verschärft sich noch durch das nahezu vollständige Brachliegen jeder Bautätigkeit, durch die katastrophale Einschränkung kommunaler und staatlicher Investitionen und nicht zuletzt durch die fortschreitende physische Verelendung der betroffenen Menschen, die bereits einen himmelschreienden Grad erreicht hat. Hier liegt ein unüberwindliches Hindernis einer Wirlfchaftsankurbelung durch einseitige Hebung der landwirtschaftlichen Kaufkraft vor. Auch wenn es der Fall wäre, wie eS leider nicht der Fall ist, dass die noch in Arbeit stehenden Arbeiter und Angestellten bedeutend erhöhte Agrarpreise bezahlen können, so muss doch bedacht werden, dass über zwei Millionen direkt von der Arbeitslosigkeit betroffene Menschen auch schon bei den heutigen Lebeuvmittelpreisen in der Gefahr des Verhungerns sind. Für diese breite BevölkerungSschicht wäre eine Preissteigerung, hervorgerufen durch eine schlechte Ernte und die angekündigten Monopolmassnahmen eine soziale Katastrophe. Innenminister Dr. Üernh hat die A r- beitLlosigkeit alS ein grosses Staats- Problem bezeichnet, welche nicht nur die Arbeiterparteien, sondern alle verantwortlichen Faktoren angeht. Wer in diesem Staate schöpferische Agrarpolitik machen will, wird sich diesen fortschrittlichen Standpunkt zu eigen machen müssen. Ohne gleichzeitige Linderung der Ar- beitSlosennot gibt es.keine wirksame Lösung für die dringendsten Agrarprobleme. Nur den landwirtschaftlichen Sektor der Wirtfchaft aus der Krise herauszuführen, hiesse nach dem volkstümlichen Sprichwort handeln:„Hilf mir, damit eS Mir nicht so schlecht geht, wie Dir." Würde sich die Regierung die Anträge deS LandwirtschastsministerS zu eigen machen, ohne gleichzestig einschneidende sozialpolitische und in- dustriepolitische Hilfsmassnahmen zu ergreifen, dann wäre dieser Vorgang nur ein Ausweichen vor der gestellten Aufgabe: den Kampf mit der Totalität der Krisenerscheinnngen ans allen Fronten aufzunehmen. Auf der Tagesordnung steht nicht nur Agrarentschuldung und Ernte- Seite. 2 Snnntaq, 3. Juni 1934 «r. 128 sicherung. so wichtig diese Poslulate auch sein mögen. Mindestens gleichwichtig ist jedoch die Rottung unserer Indnslricuositionen in der der- schärften Weltloiiknrrenz. zentrale Führung und Planung, deiuokratische Mitbestimmnng der Arbeiter und Angestellten in der Industrie, Ar- beitSzeitverkürzung. soziale Regelung der chaotischen ArbcitSmarktverhältnisse. Ungelöst ist noch immer die grafte Frage, inwieweit die Tschechoslowakei die Unsicherheit ihres Exportschicksals durch b i n n e n w i r t s ch a s t l i ci) e Ankurbelung meistern kann. Wie steht eS mit einem wirklich groftziigigc» JnveslitionSprogramm? Wie steht cö mit der Innenkolonisation? Wie siebt es mit der Kreditbeschaffung für Baugc- tverbe und Industrie? Der Ausweg liegt in einem großzügigen und universellen Handeln der demokratischen Regierungsmehrheit gegen alle Krisenfolgen. Die Bereitschaft der Arbeiterklasse an einer durch- greifenden Linderung der Agrarkrise mitzuhcl- fcn und dafiir gewisse Opfer zu bringen, wird ganz von dem AuSmaft der Bereitschaft im agrarischen Lager abhängen, verbesserte Metho- den der Selbsthilfe und der StaatSinitative auch im industriellen Krisensektor und vor allein in unseren schtverstbetroffenen Notstandsgebieten an- zuwenden. W. I. werden. In der Dobrzan schreibt eines Buches von d a g u Boden ist l> r er j ch ule bewu ß t Bor uns liegt ein Wcrbebricf, worin unter anderen..landständischen" Herren auch Minister Spina für den Bezug der ,.Landsländischen Mo» natshcstc" agitieren Hilst. Offenbar soll der Name Svina dafiir bürgen, tzaß wir es mit einem offiziellen, sozusagen wissenschaftlichem L^rgan zu tun haben, in dem die Ideologie des von Spina,,geführten" Landstandcs geschmiedet werden soll. Unsere Leser sind darüber unterrich tet. daß in der Erstlingsnummer dieser Zeitschrift, aus der in Hinkunft Dobrzaner Geist auf den Landsland regelmäßig auSgcschütlet werden soll. Herr vonPapcn den Tanz eröffnete, also ein Mann, von dem sicherlich außer Zweifel stehl, er habe mit seinem„Appell an das deutsche Gewissen" unserer Republik nur die besten Dienste leisten sollen. Aber auch der Eigentümer, Herausgeber und Schriftleiter der neuen Zeitschrift, Adolf Schmidt des Namens, lvohnhaft in Dobrzan .(die Hausnummer ist der Redaktion nicht bekannt) belehrt uns in seinem„Aufbruch" betitelten Ein- lcilungsworten, daß der Zeitschrift eigentlich ein ganz anderer Titel zuiomme, als der, den sie tat sächlich im Schilde führt. Das Sudetendcutschtum und dessen Politik sind den Leuten aus Dobrzan nur eine Art B o r h of zu ihrem großen politi schen Tempel, zu ihren weiter und höher gesteckten Zielen. Denn, so hämmert uns der Dobrzaner Schmied ein: „Der südostdeutscheGedanke wird führend über unseren Monatsheften stehen, weil die sndetendeutsche Aufgabe nur ein Teil der südostdeutschen ist." Also eine Art„Ostdeutsche Rundschau" in ständischer Aufmachung. Wie uns der Herausgeber in der gleichen Nummer glaubhaft versichert, wird die Aufgabe, die sich die Dobrzaner gestellt haben. „viele Jahre dauern". Die Burschen richten sich auf einen Stellungskrieg, für den Kämpf um ein großes Ziel auf weite Sicht ein. Sie müssen sich daher auch nach werktätigen Mitarbeitern um sehe», die zäh sind und cllvas aushalten können. Uns fallen davon vorderhand außer den lnndwirt- schastlichen Genosscnschaftsvcrbändcn die Kre ditanstalt der Deutschen und daS Kali syndikat besonders auf, die im Hinterteil der Zeitschrift als Inserenten führen. Kann man der Kreditanstalt der Deutschen und dem Kali syndikat nachsagcn. daß sie nur engherzig s u be te n d e u t s ch, daß sie nicht„s ü d o st- deutsch" orientiert sind? Daß die früher gebräuchlichere Terminologie ,.P a n g e r in a-! klischierende Ägrardcmolratie" geschlossen, n i S m u s" heute nicht favorisiert wird, beweist I DaS sind die Leute, die Spina„führt! Dobrzan ist Trumpf! Neues aus Spinas Landstand eine„loyale" Rücksicht der Landständler auf den immer noch lebendigen und beachtlichen Existenzwillen unserer Republik. AuS dem sonstigen Inhalt der„Landständischen Monatshefte" geht unzweideutig hervor, daß sie Sainmelort und Tummelplatz fascistischer und daher arbeiterfeindlicher Kräfte sind. „Notwendig i st der Abbau der Gewerks chaftSideologie", ruft der Oberfascist Künzel aus und man erkennt in diesem Ruf das einzige Ergebnis einer langen Schwadronade, die Künzel, überheblich genug,„Soziologische und politische Probleme des sudetendcutschcn Landstandcs" betitelt. Er wiederholt selbstverständlich bei dieser Gelegenheit den Unsinn von einer„völkischen GebietLwirt- schaft" seines artgleichen Brünner Kameraden P r e i b s ch— ein Wahnsinn, von dem man nichts mehr hörte, seit er durch Keulcuschläge eines wirklichen Demokraten, Alfred J.Roßma» n i t h s, als endgültig erledigt galt. Im Maiheft fordert G. W a l t e r rundweg eine „Oberste sndetendeutsche Wirtschaftskammer". Wahrhaftig, cs ist zum Erbrechen. Wie lange lvird wohl Spina noch solche Geistesprodukte decken? Wie lange wird er noch zugebcn, daß Leute aus seinem Landstand sich offen gegen die Demokratie stellen? Daß die Burschen selbst das, was zur Herzenssache der engsten agrarischen Ministerlollegen Spinas gehört, die Agrardemokratie H o d Z a S, das Erbgut S v c h l a s, verhöhnen, soll nur der Pollständigleit halber erwähnt letzten Ausgabe der Hefte aus E. G. B ü r g e r in der Kritik Harald Lacuen: „Au f unserem i e ständische g L e w a ch s'ö n, die sich egen jene von L. bekämpfte nd den bourgeoisen Westen I klischierendeAgrardemokratie stell t." Bürger meint damit nichts anders als die UllerSdorser„Führcrschnle", die, mit Bauerngeldern durch Herrn Hilmer finanziert, zur Brutstätte der fascistischen Tpannfchcn Ständestaats- und Führcridcologie gemacht wurde. Diese Ideologie nahm von hier aus den Weg über die deutschen Randgebiete Böhmens, in Asch hat sie als HeimatSfront mit dein Hitlcrgeist ein Konkordat gegen„die den bourgeoisen Westen v ii ii ß c i in n- heute nicht favorisiert wird, beweist I Mundfeuchte Beredsamkeit der Hacker-Faseisten Tie«Neue Morgenpost" des Dr. Hans Stief verkündet unter einer dreispaltigen Ucberschrift die durch Herrn Spina vorgcnommcne Verjüngung des Bundes der Landwirte und kommentiert den politischen Selbstmord des agrarischen Ministers in der ausführlichsten Weise. Das Blatt ist hiezu von Gustav Hacker ermächtigt, wenn nicht gar beauftragt. Aus dem Kommentar der»Neuen Morgenpost" ist ersichtlich, daß es sich um eine regelrechte Absetzung deü bisherigen Vorsitzenden des des Bundes der Landwirte, den Herrn Peterle aus Straußnitz, handelt. Herr Peterle selbst hat bisher zu dem Spiel geschivicgcn; cö ist durchaus anzunehmen, daß er auch fernerhin stumm bleibt. Er hat sich um den Bund der Landwirte einige Verdienste erworben. In der neuen Demokratie, die sich landständisch nennt, sind Worte des Dankes an einen verdienten Führer verpönt. So vollzieht sich denn das nicht alltägliche Schauspiel eines Führerwcchseks im Bunde der Landwirte auf die nicht alltägliche Weise, daß der bisherige Parteivorsitzende wortlos in die Versenkung kommt. Oder gibt cS a n d e r e Ursachen, die zu einer solchen Kaltstellung Pcter- lcS Anlaß gaben? Es entspricht, meint die»Neue Morgenpost" richtig, dem Sinne der Demokratie, daß die Jugend um einen entsprechenden Einfluß in den Parteileitungen ringt. Im Sudetcndeutschen Landstand vollzieht sich dieser demokratische Prozeß allerdings so, daß ein Teil der fascistisch verseuchten, mit der Hcnlcinbcwcgung versippten Landjugend die Partei— oder einen namhaften Teil— an den Sudetcnhitler zu verschachern droht, worauf sich Spina beeilt, das Wohlwollen dieser Jugend durch die Ernennung des Jnngfascisten Hacker zu erkaufen. Diese Form der demokratischen Willcns- und OrganisationSbildnng reißt den Dr. Stief zu BcgeistcrungSauSbrüchen hin, die den seinerzeitigen Beifallsrufen stir Hitler verdammt ähneln. Ja, für die„Neue Morgenpost" ist dec Ungeist, der sich in dem Hacker Henleins verkörpert, geradezu der Ausdruck für das Wollen der ge- famtcu jungen Generation der Sudetendcutschcn. Dr. Hans Stief kanzelt die C h r i stl i ch s oz i a- l c n, die diesen TotalitätSanfpruch der Hacker- Henlein nicht anerkennen wollen, also ab:' Im deutschen Lager stehen die Dinge so, daß nach den C h r i st l i ch s o z i a l e n. wo eine im gewissen Sinne antiklerikale Strömung der Jugend und gewisse Einigungi-bestrcbungen in den Vordergrund drängen und wo man durch den Rus zur.Sauunlung auf oppvsitioircller Basis , und'durch Aufnahme Jügendlicher ist"die Parteileitung sich ein ungefährdetes Sonderleben sichern will, nun im Bund der Landwirte der iinmcr mehr erstarkende Einftuß der zahlenmäßig überaus gewichtigen jungen Gemeinde einen eindeutigen Ausdruck findrt. Die Ncucriicnnunacn legen Zeugnis davon ab, daß die junge Baucrngcneration sich nicht in Resignation bescheiden will und daß der Drang der jungen Herzen und Hirne so viel positive Entschlußkraft für Partei, Volk und Staat beinhaltet, daß diesem Drang Rechnung getragen werden mußte. Wie realpolitisch nnd wie vielversprechend für die Entwicklung des sudetendeutschcn Volkes der neue Kurs zu nehmen ist, das beweist der Umstand, daß in der nächsten Zeit die bleichs- geschästSlcitung de» B. d. L. von Böhm.-Leipa nach Prag übersiedeln wird, nach dem Prag, wo sich letzten Endes alle Dinge in diesem Staate entscheiden, wohin aus einer Kleinstadt mit eigenen Willenöänberungen nachzuhinken, kaum taktisch und nationalpolitisch klug sein mag, und wo ver> antwortungs- nnd zielbewußt als Gleichberechtigter und Fähiger die Interessen eines Dreieinhalb- millioncnvolkcs vertreten zu wollen,«in glücklicher und vielversprechender Einsatz des hoffnungsvollen jungen slidctendculschcii Denken» ist, da» sich gerade gegen d i e Gegner dnrchzuschen versteht, die an Stelle positiver Leistungen nur allgemeine Phrasen einer mundfeuchte« Beredsamkeit zu bieten vermögen. Wir denken, daß die mundfeuchte Beredsamkeit deü Dr. Stief niemandem glauben machen lvird» daß die Verlegung des Sitzes der Parteileitung ein genügender Beweis für die realpolitische Gesinnung Hackers und„des hoffnungsvollen jungen sudetendcutschen Denkens" sei. Entscheidend bleibt der Ort, in dem die llngcdan- ken der Bürger, Papen und Spann, sich zu den »Landständischen Monatsheften" verdichten: es ist Dobrzan. „So wollte es Svehlal“ Tschechische Agrarier gegen Berfassnngs» abenteuer. Im gestrigen Leitartikel des„Venlov" schreibt R. Halil:„Es tauchen Menschen auf. welche das Heil und die Erlösung von den Schwierigkeiten der Zeit in Reformen der Verfassung und des heutigen Regimes suchen. Wenn es auch Menschen bekannten Namens sind, zögern wir nicht zu sagen, daß alle diese Reformer ein gemeinsames Kennzeichen haben— die poli- tische Dekadenz. Auch die Reformer müssen das Milien und den Unterschied zwischen der Stellung des tschechischen Politikers in der Arbeit für die StaatSintcressen in der alten Monarchie nnd in unserem neuen StaatSgcbilde kennen. Man spricht von der Ehre der Nation, von ihren Zielen— und schlägt anstelle positiver Arbeit ein Abenteuer vor. Man darf nicht mit Werten hasardiercn, in welchen wir die Merkmale der reifen staatsmännischen Ucbcrlcgnng sehen, alle Teile, die unseren Staat bilden, gerecht zu regieren und bei den nationalen Minderheiten, die hier sind und mit welchen jeder rechnen muß, der regieren will, einen Funken Vertrauen zu entzünden, aus welchem die gläubige Uebcrzeugung wächst: Die Tschechoslowakische Republik ist mein Vaterland! So wollte cö Svehla und so wollen auch wir cö. Wir warnen vor der unüberlegten Tat alle, die der Ocffentlichkcit einrcden wollen, daß das Volk seine Rechte— sich durch seine Organisationen selbst zu regieren— aufgeben und daß die Regierung der Republik in die Hände privilegierter Menschen übergehen solle." Dir agrarische Jugend für die Anerkennung Sowjetrußlands. Die Zeitschrift der agrarischen Jugend„Bräzda" Ivendct sich dagegen, daß die Anerkennung Rußlands verzögert werde und schreibt:»ES ist notwendig schnell zu handeln, solange die Tore Rußlands für unsere Erzcug- niffc nicht verschlosicn werden. ES ist notwendig. Verbündete im Westen und im Osten zu haben. Wir brauchen ein Absatzgebiet für unsere Industrie und wir lönnen in Rußland Platz fiir unsere Ingenieure und qualifizierten Arbeiter finden." Brüning in London. Die Agence Havas meldet aus London, daß der gewesene deutsche Reichskanzler Dr. Brüning in London cingctrof- fen ist. 27 Unsere THehler, die Nazinen Roman von Hormynia Zur Mühlen Uebcrhaupt gibt cs trotz dem hehren Ernst dieser Tage immer wieder allerlei, daS einem zum Lachen bringt. So neulich, als sie den sozial- dcmolratischen Bürgermeister zwangen, mit der Halcntrcuzfahne durch die Straße zu marschieren. Ich gönnte cs ihni; seine Frau war nach dem timsturz so unlicbenswürdig zu mir. Der Bürgermeister schnitt ein Gesicht wie ein kranker Affe, und wenn er stehen blieb, erhielt er von unserer braven SA einen gutmütigen, kleinen Hieb. Tann lief er immer ein paar Schritte, und die Jungens bogen sich vor Lachen. Am folgenden Tag hieß cs, man habe bei ihm hochverräterische Dokumente gefunden und er sollte verhaftet werden. Aber da war unser Bürgermeister mit einem Male verschwunden. So sind diese Herrschaften; sic haben nicht für einen roten Groschen Mut. In der ganzen Stadt wurde herumgeredet, wo er wohl, sein könne, denn die Schweizer Grenze war streng bewacht. Ich hatte so meinen Verdacht: cS gibt nur einen Menschen, der ihn versteckt haben kann, llnd ich sagte zu meinem künftigen Schiviegersohn, dem Baron Hellödors: „An euerer Stelle lvürdc ich bei der Gräfin Agnes Saldern Haussuchung halten. Ich tveiß genau, daß diese Frau eine wütende Feindin unserer Bewegung ist. Es geht bei ihr so weit, daß sie mich nicht einmal mehr grüßt. Außerdem habe ich den Verdacht, daß sie jüdische Ahnen hat." Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron Hellödors. war hocherfreut über meinen Rat. Er ging selbst mit vier SA-Leuten Haussuchung j machen. Später schilderte er uns die ganze Begebenheit. Die Gräsin Agnes cmpsing selbst die Leute, sehr ruhig, sehr gelassen und furchtbar hochmütig. Sie saß in einem großen Lehnsessel und betrachtete alle durch ihr Lorgnon. Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron HellSdorf, wollte sie überrumpeln und schrie sie an: „Sie haben den Bürgermeister bei sich versteckt. Geben Sie ihn sofort heraus." Die alte Frau blickte ihn lange an, dann sagte sie gelassen: „Seit wann haben die HellSdorf vergeßen, wie man mit einer Dame umgeht? Dieser Ton ist hier nicht am Platz. Ein junger eifriger SA-Mann drängte sich vor: „Her mit dem Bürgermeister, sonst...!" Die alte Frau lächelte. „Ach. das ist ja der Hermann, der früher bei den Kommunisten Ivar und wegen Trunksucht aus der Partei ausgeschlossen wurde. Trinken Sie noch immer so viel, mein Sohn?" „Werden Sie endlich unsere Frage beantworten?" brüllte mein künftiger Schwiegersohn, der Baron Hellsdorf, die alte Frau an. Es war ja begreiflich, daß er diese Beleidigung eines braven SA-Mannes nicht einfach durchgehen ließ. „Sobald Sie die Frage in einem anständigen Ton an mich richten, werde ich sie beantworten." Die alte Frau lächelte noch immer» nahm ruhig eine Zigarette aus der Silberdose und entzündete sie. „Wo ist der Bürgermeister?" schrie ein zweiter der S-A-Lcute. „Der Alfred", sagte das freche alte Weibsbild.„Ja, der Alfred. Ihre Mutter hat mir oft vorgejammert, was für ein Tunichtgut Sie sind. Erinnern Sie sich noch, wie Sie als Junge bei mir im Garten Aepfel gestohlen haben und ich Sic köbitten mußte, damit Sie keine Prügel bekommen?" Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron HellSdorf. merkte, daß die Alte sich nicht einschüchtern laste. Er fragte daher ganz höflich: „Haben Sie den Bürgermeister versteckt? Ich rate Ihnen im Guten, die Wahrheit zu sagen." Die Alte zuckte die Achseln. „Wir Salderns pflegen nicht zu lügen, Baron HellSdorf. Wir haben auch nie zu den Menschen gehört, die sich einem siegreichen Pöbel anschließen. BIS auf meine Tochter Claudia. Sie wissen ja, daß sic bei Ihrer Partei ist. Glauben Sie wirklich, ich würde die Verantwortung übernehmen, den Bürgernieister im gleichen Haus mit meiner Tochter zu verstecken?" Und dann sagte das freche Weibsbild: „Sie können sich sehen, nieine Herren, wenn Sic wollen. Sie sind zwar ungebetene Gäste, aber immerhin Gäste, Und wenn der Baron HellSdorf seine Manieren vergessen hat, ich habe es nicht getan." Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron Hellsdorf, der sich von den unverschämten Anwürfen der Alten peinlich berührt fühlte, schickte die SA-Leute aus dem Zimmer und blieb mit der Alten allein. „Sagen Sie jetzt endlich die Wahrheit", herrschte er sie an. Sie betrachtete ihn durch ihr Lorgnon von oben bis unten. Dann sagte sie: „Ihre Mutter war meine Freundin, ich bin froh, daß sic gestorben ist, ohne diese Schande zu erleben." „Wo ist der Bürgcrincister?" Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron HellSdorf, konnte sich kaum mehr beherrschen. Er sagte unS, daß er der Alten am liebsten eine heruntergehauen hätte. Und weiß Gott, daß sie cS verdiente. „Ich nehme an, daß Ihre Leute jetzt mein Haus durchsuchen. Sie werden außer meiner Tochter Claudia und der Dienerschaft niemand finden. UcbrigenS möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß daS, was Sie hier tun. Hausfriedensbruch ist." „Sic werden Ihre Haltung noch bereuen." Die Alte lachte. .„Wollt ihr mich einspcrren? Mein Großvater hat auf dem Spielberg geseffen, cS wird für mich eine Ehre sein, seinem Beispiel zu folgen. WaS liegt an einer alten Frau?" Mein künftiger Schwiegersohn, der Baron HellSdorf, wollte eben energisch gegen die Alte Vorgehen, da flog die Tür auf und Claudia stürzte inS Zimmer. „Was wollt Ihr von meiner Mutter?" schrie sie. „Nichts, nichts. Wir wollen nur. daß sie den Bürgermeister, den sic versteckt hat, hcrauSgibt." „Er ist nicht hier!" schrie Claudia außer sich. „Wie könnt Ihr wagen, eine alte Frau zu belästigen, ihr zu drohen? Ich bin in der Partei, ich werde mich beschweren." Die Alte saß noch immer ganz ruhig da und lächelte. Wie eine Hexe, sagte mein künftiger Schwiegersohn, der Baron HellSdorf. „Deine Freunde und Parteigenossen, liebe Claudia", sagte sie boshaft,„zeichnen sich nicht durch gute Manieren aus." Die SA-Leute kamen zurück; sie hatten niemand gefunden. Mein künftiger Schwiegersohn, der ein echter Kavalier ist, wollte sich bei der Alten entschuldigen. Sic wehrte ab. „Ich habe von Ihnen nichts anderes erwartet", sagte die unverschämte Person.„Aber eü wäre wir angenehm, wenn Sie jetzt gingen. Ein Hakenkreuz im Haus genügt mir." Die arme Claudia schämte sich furchtbar über die unmögliche Mutter; sie vergrub das Gesicht in den Hände» und wandte sich von der Alten ab. Mein Schwiegersohn, der Baron HellSdorf, kommandierte seine Leute ab und sie verließen das HauS.(Fortsetzung folgt.) «r. 1S8 Sonntag, 3. Juni 1934 Gotte 3 Zonale Staffelung beim Bau-Regreß Das heutige„Prävo Lidu" berichtet über das Regreß-Gesetz, über das bei den Beratungen des politischen und des wirtschaftlichen Ministerkomilees eine Einigung erzielt wurde folgende!:* Familienhäuser, die nur eine Wohnung bestehend aus Zimmer und Küche umfassen, sind vom Regreß befreit. Familienhäufcr, die ans einer Wohnung von zwei Zimmern und Küche oder aus Einzimmerwohnungen bestehen, werden nur von einem 50prozentigen Regreß betroffen. Desgleichen genießen andere als Familienhäuser, die nur aus Einzimmerwohnungen bestehen, einen SOprozentigen Regreßnachlaß. Häuser, die aus Zweizimmerwohnungen bestehen, genießen einen 25prozentigcn Nachlaß. Häuser, die von Genossenschaften oder von Gemeinden in den Jahren 1910 bis 1921(aus loclche Jahre sich das BauförderungSgesetz bezieht) erbaut wurden, werden zlvar von der im Gesetz festgelcgtcn Rcgrcßpflicht betroffen, doch genießen sie die Begünstigung, daß wenn sie höchstens aus Zweizimmerwohnungen bestehen, nur insoweit herangezogen werden, daß die durch Gcltcnd- *« Sozialversicherungsnovelle noch umstritten Den letzten Sitzungen der Ministerkollegien lag der Entwurf über die Novellierung der So» zialversichcrung vor. Man konnte sich jedoch über einen Zusatzantrag der Agrarier nicht einigen, der eine 40prozentige Herabsetzung der Beiträge in den landwirtschaftlichen Krankenkassen verlangt. Die übrigen Parteien lehnen diese Forderung ab. weil ihre Erfüllung bedeuten ivürde, daß die übrigen Versicherten bei gleichblcibcnden Unterstützungssätzen der landwirtschaftlichen Kassen den Verlust tragen müßten. Sollte bis zum 1. Juli keine Einigung erzielt tverden, so dürste die Novellierung bis zum Jahresende aufgeschobcn werden. Arbeitslager bewähren sich Der Fiirsorgeminister Genosse Dr. Meißner berichtete der Regierung über da« There- stenstädtrr Arbeitslager. Er teilte mit, daß der dort gemachte Versuch alö gelungen zu be- wie Frau Seger befreit wurde machung des Regresses bclvirkte Zinssteigerung die Mietzinse nur bis jener Höhe erhöht, wie sic bei den mictcrgcschützten Zweizimmerwohnungen gesetzlich zulässig ist. Diese Regelung gilt solange, solange das Micterschutzgesetz in Kraft ist. Sollte in solchen Genossenschaften oder Gemeindehäusern der Mietzins bereits die Höhe des Zinses von geschützten Zweizimmerwohnungen überschreiten, dann wird der Regreß in diesen Häusern solange a u f g c s ch o b e n. bis durch eine weitere Lockerung de» MictcrschntzgcsetzcS der Zins geschützter Zlveizimmcrwohnungen den in diesen Häusern gezahlten MictzinS übersteigt. Im Zusammenhang mit dem Regreß wird im Gesetz auch eine Angleichung der Mietzinse in AcnossenschastS- Häuser n, die zu verschiedener Zeit gebaut wurden, angestrebt. Das Regrehgesctz soll sofort nach seiner parlamentarischen Erledigung, also»och im Juni, in Krast treten. Die Durchrechnung des Regresses und der ZinScrhöhung lvird jedoch in den einzelnen Fällen eine längere Zeit in Anspruch nehmen, so das; die Zinserhöhung praktisch erst nach einer gewissen NcbcrgangSfrist in Krast treten wird. zeichnen ist und daß deshalb die Errichtung weiterer Lager geplant ist. In Prag, Pilsen, Gablonz, Eger nnd K ö n i g g r ä tz werden nach dem Muster de« Lager« in Theresienstadt Arbeitslager errichtet werden.(Die Städte Schrcckenstein nnd Bodenbach haben ähnliche Ar britsgrmrinschaften bereits eingerichtet.) Für die Jugend wichtig ist auch das im Ent- wnrf bereits fertiggestelltc A s p i r n n i c» g e setz, da« für jede snstemisierte Anwärtrrstrlle die Aufnahme zweier Aspiranten mit einem Monat«, gehalt von 600 HL Vorsicht. Steuernachlaß für Arbeitszeitverkürzung Die Regierung beschäftigt sich, wie einige Prager Blätter mitteilen, sehr eingehend mit der Arbeitszritverkürznng. Eine allgemeine Einführung der Fünftnge- oder der Bierzigstundenwoche stößt augenblicklich noch auf große Schwierigkeiten, weshalb daran gedacht wird, jenen Unternehmungen, die die Arbeitszeit ans vierzig Stunde» oder fünf Tage in der Woche freiwillig verkürzen, Erleichterungen bei der Umsatzstrner zu grivährrn. Internationale Arbeitskonferenz Montag, den 4. Juni, treten Vertreter von 53 Staaten zu der 18. Sitzung der ArbcitSlon» fereuz in Genf zusammen. Die altjährliche Ar- beitslonfcrenz lau» als eine Begebenheit betrachtet werden, in welcher die ganzjährige Tätigkeit des ständigen Sekretariats— des Internationalen Arbeitsamtes— gipfelt. In der diesjährigen Sitzung werden außer dem Berichte des Direktors des Internationalen Arbeitsamtes für das verflossene Jahr noch sieben bedeutende Fragen zur Verhandlung gelangen. Die erste und wichtigste von diesen sieben Fragen ist die allgemeine Kürzung der ArbcitSzeitauf 40 Woche nstun- d c n, dieser Punkt der Verhandlung erscheint bereits zum driUcumal vor dem internationalen Forum, um Heuer definitiv entschieden zu werden. Zum erstenmal befaßte sich mit dieser Frage eine vorbereitende Konferenz und voriges Jahr wurden der Arbeitskonferenz drei Vorschläge vorgclcgt, die eine Kürzung der Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden für die Industrie, Bergwerke, Geschäfte und Kanzleien vorauSsahc». Das internationale Arbeitsamt versandte nach der vorjährigen Sitzung an die einzelnen Regierungen einen Fragebogen, um ihren Standpunkt zu der geplanten Kürzung festzustcllcn. Die Regierungen aller Mitgliedsstaaten, niit Ausnahme von England, sind heute der festen Ucberzeugung, daß eine Kürzung der Arbeitszeit auf mindestens 40 Wochenstundcn not- lvendig sei. Interessant ist eine Resolution, die das Internationale Arbeitsamt der Arbeitslonferenz unterbreitet und in der die Lösung des Problems der sogenannten technologischen Arbeitslosigleit, die infolge des Ersatzes der menschlichen Arbeitskraft durch die Maschinen entsteht. Nach den Feststellungen amerikanischer Gelehrter Ivürde für den Fall der Rückkehr einer außerordentlichen Prosperität, wie sie im Jahre 1920 festzustellen war, nur die Hälfte der heutigen Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß zurückgcführt tverden. Diese Tatsache bekundet am besten, wie dringend eine weitere Kürzung der Arbeitszeit erforderlich ist. Als zweite Frage wird die Arbeitslonferenz die Arbeitslosenversicherung behandeln. Im Laufe der vorjährigen Sitzung wurde in einer Debatte als selbstverständlich anerkannt, daß die menschliche Gesellschaft für diejenigen Sorge tragen muß, die ohne ihr Verschulden die Arbeit verloren haben. Die heutige Konferenz wird sich mit der Definition der Arbeitslosigleit und dem Ausmaße der Arüeitsloscnfürsorg« befassen. MS dritte Frage steht die Regelung derArbeitSzeit in den Glashütten auf dem Programm. Schon im Jahre 1925 wäre es zu der erheischten Regelung gekommen, die britische Regierung verhinderte jedoch jegliche Lösung durch die Stellungnahme von Bedingungen, die die Arbeitnehmergruppe nicht an- nchmcn konnte. Zum erstenmal wird die Konferenz die Erhaltung dererlangten Ansprüche in der Sozialversicherung behandeln. Da es keine wesentlichen Differenzen in dieser Frage gibt, wird eine einheitliche Lösung durch eine internationale Konvention erhofft. AlS fünfter Punkt ist die teilweise Revision der Konvention, die den Ersah fiic Berufskrankheiten zurcchtlegt, auf die Tagesordnung gefetzt. Die Konvention nennt die in Betracht kommenden Krankheiten und verlangt, daß den Betroffenen und deren Familienangehörigen derselbe Ersatz zugute komme wie den Unfallversichcrten. Die Revision sicht eine Erweiterung der Zahl der Berufskrankheiten voraus; so soll von nun an die Vergiftung durch Phosphor, Arsen, Benzol, Krankheiten, die durch Radiumstrahlcn verursacht werden, als Berufskrankheiten gelten. Durch ein Verbot der Frauenarbeit i n d c n B e r g w c r k c n, soll eine Erweiterung der bereits bestehenden Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsverhältniffe der Frauen anßestrebt tverden. Auch der letzte Punkt befaßt sich mtt Frauenarbeit, und zwar werden di« Bedingungen für die Nachtarbeit festgesetzt. Leo P. W i l d m a n n. Haussuchungen bei den Kommunisten Prag, 2. Juni. Das Tschechoslowakische Pressebüro teilt mit: In der letzten Zeit wurde ein von der tschechoslowakischen kommunistischen Partei herauügcgebcncs Flugblatt„Nicht Masa» ryk, sondern Lenin" verbreitet. DaS Flugblatt, das zum bewaffneten Aufstand auffordert, stellt durch seinen Inhalt schwere Straftaten nach dem Rcpublik-Schutzgesch dar. DaS Kreisstrafgericht nahm am 1. Juni 1934 in den Räumen des Abgeordneten- und des ScnatorenklubS der Kommunistischen Partei, in der Redaktion und Administration der Zeitschrift„Ruds Prävo", im Sekretariat der Kommunistischen Partei in Karlin, in den Räumen des Vereines„Vkcla" in Prag Xll. und im Zcntrallager des Vereines„Vkela" in Bysokan Durchsuchungen vor. DaS bei diesen Durchsuchungen beschlagnahmte Schriftenmatcrial wurde dem Untersuchungsrichter übergeben, der nach der Sichtung und Prüfung des beschlagnahmten Materials Verhöre und die weitere Untersuchung wegen Straftaten nach dem Republik- Schutzgesctz vornehmen wird. Mit Ausnahme der fascistcnfreundlichcn „Daily Mail" haben alle Londoner Tageszeitungen Berichte über die Rettung der sechs Monate lang im Roßlauer Konzentrationslager festgehaltenen Gattin des Genossen Seger und ihres Kindes gebracht, die, wie gemeldet, am vorigen Samstag mit dem Flugzeug in London eingc- troffen sind. Aus den Berichten geht hervor, daß die Un- terhauSabgcordncte Frau Ta t e durch ihre aufopfernden Bemühungen die Rettung der beiden Geisel erwirkt hat. Frau Tale lernte Gerhard Seger bei einer Besprechung im Londoner Parlament kennen und erfuhr von ihm Einzelheiten über das Schicksal seiner Frau. Sie beschloß in ihrer Empörung, sich der Eingckcrlerten anzunehmen. Vor drei Wochen begab sie sich nach Deutschland,— mit einem Zettel in der Tasche, auf dem Genosse Seger den Namen seines Kindes geschrieben hatte. Mit diesem Zettel wies sich Frau Täte als Segers Abgesandte aus. als cs ihr gelungen war. Zutritt zum Roßlauer Lager zu erhalten und dort mit Frau Seger zu sprechen. Sie hatte anfangs Mühe, in der völlig verzlveifcltcn Frau die Hoffnung auf Befreiung und Wiedervereinigung mit ihrem Manne zu erwecken,— denn die Nazis hatten, um die Qual ihres Opfers zu erhöhen, der gefangenen Frau immer wieder erzählt, daß ihr Mann nichts mehr von ihr wissen wolle und mit einer Jüdin in der Welt herum- reise. Hoch keine Entscheidung über das Getreidemonopol Prag, 2. Juni. Das Tschechoslowakische Preßbüro teilt mit: Am Samstag, den 2. Juni, verbreitete eine Privatlorrespondenz eine ausführliche Nachricht über die Schaffung des tsche- choslowakischen Getreidemonopols. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Nachricht aus Informationen aus der Zeit beruht, da sich die Verhandlungen über das Getreidcmonopol im Anfangsstadium befanden, und daß seit dieser Zeit die Konstrultion des Planes der Regierung zur Sicherung der Getreideernte in der Tsche- choslowakei wesentlich geändert wurde. Die endgültige Entscheidung in dieser Angelegenheit wird wahrscheinlich in der nächsten Woche getroffen werden. Barthous neue Reise Paris, 2. Juni.(HavaS.) Der Minister dcS Acutzcrn Barthou wird am 20. Juni in Bukarest und am 23. in Belgrad eintreffen. Er wird in den beiden Hauptstädten je drei Tage verbringen. Frau Täte erklärte den zuständigen Nazi- Behörden, daß sie im Namen aller englischen Frauen ohne Unterschied der Partei ihre Reise unternommen habe und entschlossen sei, nicht ohne ScgerS Frau und Kind nach London zurnckzu- kchrcn, Ihren energischen Vorstellungen gelang cs schließlich, die Entlassung der beiden Gefangenen aus dem Konzentrationslager durchzusetzen. Die Nazis setzten ihre Hoffnung darauf, daß Frau Seger unter dem Eindruck der Lüge von der Treulosigkeit ihres Mannes auf die Reise nach England verzichten werde. Als zu ihrer Ucber- raschung Frau Tale dann einen Paß für Frau Seger und ihr Kind forderte, mußten sie nach einigem Sträuben auch diesem Antrag slattgeben. Man fertigte Frau Seger aber nur einen bis August gültigen Paß aus, mit der Bemerkung, daß nach Ablauf des Passes auch ihr die Staatsbürgerschaft entzogen und da- Vermögen beschlagnahmt werden würde, tvenn sic bis dahin nicht nach Deutschland zurückgckchrt sei. Im übrigen forderte man sie auf, ihren Mann zur Rückkehr ins Konzentrationslager zu bewegen. Frau Seger, die von ihrem Gatten auf dem Flugplatz in Croydon erwartet wurde, ist in der Zeit ihrer Hast vollständig ergraut. Sic erklärte den Reportern, daß sie ihren Mann auf seiner VortragSrcisc begleiten werde. Sie ist mit ihm inzwischen nach Norwegen abgereist, während das Kind in der Pflege von Londoner Freunden zurückblicb. Anfrage an Rudolf Sandner Rudolf Sandner, der„Stellvertreter des Führers", hatte bei seiner Versammlung in Znaim einen schlechten Empfang. Die Sozialdemokraten, die in großer Zahl erschienen waren, hatten das Präsidium verlangt und ließen sich den Versuch nicht gefallen, sie beim Auszählen der Stimmen zu betrügen. Es hagelte Zwischenrufe. Unter airderem wurde Sandner gefragt:„Wie stehen Sie zu Hitler?" Die„Rundschau" des Herrn Henlein meldet, daß Sandner auf diese Frage eine Antwort gegeben habe. Die Znaimer Genossen teilen uns mit, daß sie die Antwort im Lärm nicht verstehen konnten. ES wäre deshalb angezeigt, daß Herr Sandner seine Antwort vielleicht in der„Rundschau" wiederholt. Wenn sie klar genug aussallen sollte, versprechen wir ihm, ihn nicht mehr zu fragen. Also, Herr Sandner: Wie stehen Sie zuHitler? Litwinow nach Paris Tallicn, 2. Juni.(DND.) Wie aus Moskau gemeldet wird, beabsichtigt Litwinow, nach Schluß der Konferenz in Genf nach Paris zu reisen, um dort mit der französischen Regierung über die Vertiefung der sowjctrusjisch-französi- schcn Beziehungen weiter zu verhandeln. Brotpreiserhöhuns in Rußland Lohnstrigerungrn zum teilweisen Ausgleich. Moskau, 2. Juni. Durch Verfügung des Rates der Vollslommissäre vom Ende Mai wurde bckanntgcgcben, daß ein„teilweises Verderben der Saaten in den Südgebictcn der Sowjetunion im Mai d. I." eine Steigerung der Marktpreise für Getreide„mit allen daraus sich ergebenden Folgen" hcrvorgerufcn haben. Der Rat der Bolkskommissärc sei infolgedessen genötigt, den bisherigen zu niedrigen Preis für rationiertes Brot zu erhöhen. Den gering entlohnten Arbeiterkategorien Ivürdcn zum Ausgleich Lohnzuschläge bewilligt werden. Die Sätze, die hiefür gelten, sind sehr verschieden. Sie betragen beispiclweisc für die Arbciterkategoric, die monatlich 1000 Rubel erhält, 12 Rubel, iu Moskau, Leningrad, Charkow und Kiew 13 Rubel. Mit dem 1. Juni ist die Preiserhöhung für rationiertes Brot in Kraft getreten. Ein Kilo rationiertes Schwarzbrot, das früher 30 Kopeken kostete, kostet jetzt 00 Kopeken, also das Doppelte. Eine entsprechende Erhöhung erfuhr der Preis für rationiertes Weißbrot. Zwischenfälle an der mandschurisch-russischen Grenze CHnrbin, 2. Juni.(Reuter.) In Angelegenheit der zahlreichen Zwischenfälle an der man- dschurisch-sowjetrussisckien Grenze, legte die mandschurische Regierung beim sowjetrussischen Gene- rältonsul in Chardin sehr oft Protest ein. Dieser sowjetrussische Vertreter legte aber den kürzlichen Grenzzwischenfällen nur geringe Bedeutung bei und beantwortete die ständigen mandschurischen Proteste überhaupt nicht. Die mandschurische Regierung beschloß daher, von weiteren an die erwähnte sowjetrussische Persönlichkeit adressierten Protesten abzusehen und aus anderem Wege eine Abhilfe zu suchen. Der japanische Botschafter in Moskau wurde bereit« von seiner Regierung ausgefordert. gegen diese Zwischenfälle mit allem Nachdruck zu protestieren. Schreckensurtelle gegen ukrainische Kommunisten Warschau, 2. Juni. Vor dem Bezirksgericht in Kowel fand seit zehn Tagen die Verhandlung gegen 56 kommunistische Mitglieder der westukrainischen kommunistischen Partei statt. Die Angeklagten wurden der umstürzlerischen Agitation, der Versuche einer Lostrennung der westulraini- schen Gebiete von Polen sowie der Teilnahme an mehreren Sabotageakten in den Ostmarken bezichtigt. Der Hauptangeklagte, der Leiter der kommunistischen westukrainischen Partei Bahutezuk wurde zu 15 Jahren Kerker verurteilt. Die übrigen 55 Angeklagten erhielten Kerkerstrafen im Ausnraße von 4 bis 12 Jahren. Saalschlacht zwischen SA und Stahlhelm. Auf eine in Bremen stattsindende Stahlhelmversammlung wurde durch SA ein Ueberfall organisiert. Bereits vor Beginn der Versammlung erschien beim Vorsitzenden ein Sturmtruppführer der SA und verlangte, in der Versammlung das Wort zu erhalten. Die Forderung wurde abgelehnt. Daraufhin alarmierte der SA-Truppführer durch einen Pfiff bereitgestellte SA, die das Lokal zu stürmen versuchte. Zunächst wurde die SA zurückgeschlagen. dann aber gelang es ihr, durch Hintertüren in den Saal einzudringen, wo die Schlägerei sich fortsetzte. Die SA prügelte fchließ- lich die Stahlhelmleute auö dem Saal hinaus; vier schwerverletzte Stahlhelmleute blieben liegen. Herüeigeeilte Polizei beschränkte sich darauf, die Versammlung als ausgelöst zu erklären. Seite 4 Sonntag, 3. Juni 1934 Rr. 128 Ci- I flr 11 v wird I l i Wcfoj d vie 3 u d Olympiade Prag Atusverelne, sendet die Fragebogen zur Olympiade ein! rung sein. Blausäure-Attentat auf eine ganze Stadt? Sacramcnto(.Kalifornien). 2. Juni.(Rcu- ter.) Die Polizei Hot ein teuflisches Komplott auf- gcdcckt, das. wenn cS in vollem Uinsang gelungen wäre, ei» ganzes Stadtviertel getötet hätte. Die Und Die deutsche Preise aber schweigt diesen BarbariS mus lot! Kommunistische Demonstration In Zürich Zürich, 2. Juni. Am Freitag Abend veranstalteten die Sozialdemokraten eine„Antifasci- slische Protestversammlnng". Tabei kam cS mit Kommunisten zn einem Handgemenge, als von der Vcrsammlungsleitung das Austrcten eines kommunistischen Redners abgelchnt tvurde. Auf Aufforderung der Kommunisten zog darauf ein grober DenlonstrationSzug zum Bczirksgefängnis, um den am Vormittag verhafteten Leiter des „Kampfvundes gegen den Fascismus" zu befreien. 8 7 Plötzliche Farbenblindheit Ursache der Katastrophe von Lagny? Paris, 2. Juni. Tic mit der Untersuchung der Ursachen der Eiscnbahnkatastrophe bei Lagny betrauten Fachleute haben soeben ihren Bericht für die Gerichtsbehörden ausgearbcitet, worin sie zu dem Schlutz tommcu, das; die Schuld an dem Eisenbahnunglück der Lokomotivführer und der Heizer des Schnellzuges haben, der ans den anderen Zug aufgefahren ist. Die Signalzcichcn hätten ordnungsgcmäß funltionicrt, aber der Heizer dürfte einen plötzlichen Anfall von Farbcnülind- hcit erlitten haben. stmals nu der schon i Jahre Ire— Pc Airgsunfall in Semit Königgrätz, 2. Juni. Samstag, den 2. Juni 1934, um 1 Uhr 30 Minute«» nachts ent» gleiste»» in der Station Senril beim Verschieben des Zuges Nr. 1144 auf die Weiche Nr. 10 zwei Güterwagen. Tic Strecke war bis 6 Uhr 50 Minuten verlegt. Bei den Personrnzügri« Nr. 602 uild 617 muhten die Reisenden umsteigen. Der Zug Nr. 601 aus der Strecke Alt-Paka-Turnau »vnrdc abgesagt. Die Ursache des Unfalles untersucht. Behörden betrachten die Angelegenheit sehr ernst. Bor den Eingängen in die Häuser, wo in Amerika »norgcnS die Geschäftsleute ihre Waren wie Milch u. ä. für die Abnehmer vorbcreiten, fanden letztere früh Päckchen, die als Muster bezeichnet waren. In jcdcin der Päckchen befand sich Kaugummi mit cnlsvrcchcnder Reklame. TicscS Kaugummi war mit so einer Tosis Blausäure verletzt, die zur Bcrgift»mg von 12 Personen genügt hätte. TaS Gift war fein pulverisiert und mit Zucker gemischt. Rur durch einen reinen Zufall rief das Rctlamcpakct Verdacht hervor und so tvurde unabsehbares Unheil verhindert. Zmcitansknd Kronen Gehalt täglich! Durch einen Zmischcufall auf der Generalversammlung der Kö n i g S h o fc r Zementfabrik A.-G. erfährt die Lcffentlichkeit, daß die tschc. choslowokische Industrie an ihre Generaldirektoren zum Teil phantastische Mannnutgchältcr zahlt. Der Generaldirektor Blaschczik von der Königshaser Zementfabrik hat selbst in dem schweren Krisenjahr 1033 720.000 Kronen, das sind beinahe 2000 Kronen täglich, bezogen. Nach den Bemerkungen auf der Generalversainmlung sind seine Bezüge in den besseren Jähren weit über 2 Millionen Kronen gewesen. Ein Aktionär behauptet sogar, das; sie in einem Jähre 3 Millionen Krone»» betragen hätten. Wir sin» de», daß selbst die 720.000 Kronen enorm sind. Hunderttausende von Arbeitern, die viel mehr von ihrer Arbeitskraft hergcben müssen als die Generaldirektoren, verdienen einen so gewaltigen Betrog nicht in vielen Jahrzehnten schwerster Arbeit.— Außer Herrn Blaschczik, dem Vater, erhält auch sein Sohn, der in einem anderen Bc- trieb des Zementkonzerns untergebracht ist, 500.000 Schilling Gehalt jährlich, das sind also noch einmal mehr als eine Viertelmillion Kro- nen jährlich. Ehrung Doumkrgucs. Ter französische Ministerpräsident Toumergue tvurde einmütig zum ordentliche»» Mitglied der Akadeinie der geistigen und politischen Wistenschaften gewählt. Außerdem wählte die Akademie auf die durch das Ableben des Königs der Belgier Albert freigeivordene Stelle den belgischen Staatsminister Earton de W i a r t. Die ausländische Sektion, in die Wiart getvählt wurde, zählt insgesamt zwölf Mitglieder, zu denen auch M a s a r y k und Dr. Benes gehören. Minister Dr. Spina empfängt TienStag. den 5. d. M. nur die Besuche, die bereits vorher aNgcmeldct wurden. Charakterbildung der Referendare. Zu diesen» Thema läßt sich der„Völkische Beob- I a ch t e r" aus dem Jüterborger„Ha»»ns Kcrrl"- Lager berichten:„Die kleinen»ind die großen Sorgen sind:„Was gibtS zu essen?",„Hat der Postbulle die Briefe geholt?"„Wann steigt der Gepäckmarsch?"„Wann werden wir entlasten?". Es wird der Skat gespielt. An» liebsten der Grand mit Bieren. Schärfere Gcdankcnmenschcn finden sich bei»» Schach. Man streitet sich, ob cs schädlich auf die Bildung der Kameradschaft wirkt. Man streitet, ob die Witterung und der Tienst des Tages Bier oder Grog zn trinke»» verlangt. Und haben wir Glück, so ist unser Stubenältester ein alter Soldat und er erzählt rauhen Tons in» Dunkel die Witze. Eigenartig,»intcr seine«» Worten cinzuschlafcn. Ein Wiegenlied für Männer Nach längerer Zeit im Lager kommt die gesunde Sehnsucht und Achtung vor berechtigter Pcrsön- Erpressungsversuch an der belgischen Regierung! Lösrgcld für ein gestohlenes Bild gefordert. Brüssel, 2. Juni. Der Untcrrichtsministcr erhielt ein anonyincs Schreiben, worii» von der Regierung 3 Millionen Francs als Löscgeld für das gestohlene bcrühintc Altarbild Jan vai» Thcks gefordert Ivordcn. Die Polizei hat neue Fahndungen nach den Ticben ansgcnon»mcn. Heim Neumann vor dem Parteisericht Stockholm.„Sozialdemokraten" meldet aus Moskau, daß der frühere Führer der deutschen Kommnnistischcn Partei Heinz Neuman«» vor einen„Gerichtshof" der dritte«» Internationale gestellt und ans der koinmunistischc»» Partei ausgeschlossen werden soll. Es heißt allerdings, daß der definitive Beschluß bis jetzt noch nicht gefaßt, sondern Heinz Neui»iann eine dreijährige Probezeit bcivilligt«vorden sei. Ter Vorsitzende des Gerichtshofes der dritte«» Internationale Manu-! i l s l i j erklärte, daß sich Remnann„unwürdiger Haltung gegenüber der Partei" schuldig gemacht habe. Heinz Ncllmann stainmt aus einer Berliner Vankiersfamilic. Als junger Student kam er in die koininnnislischc Bewegung, tvurde von Ma- nnilslij entdeckt und in die Parteileitung geschoben. Während eines Besuches in Moskau verheiratete sich Ncuinann mit einer Nichte Stalins. 1927 tvurde er nach China gesandt, um ll»c koin- «nnnisiischc Partei zu organisieren. Er organisierte den blutige»» Aufstand ii» Kanton, eii» dreitägiges Abenteuer, das mit einer furchtbaren Niederlage der Arbeiter endete. Nach seiner Rückkehr nach Tcutschland tvurde er der wirkliche Leiter der deutschen Kommunisten»»nd ist an erster Stelle für die unselige Tpaltungsarbcit und Ver- Iiindcrnng der Einigung des dcutschcu Proletariats verantivortlich. Bon ihn» stammen die„Parolen", die zur Niederlage führten, tvic das berühmte:„Schlagt die Fascistcn, wo ihr sie trefft". Nach dem Sieg Hitlers, floh Neumann nach Rußland. Nun lvird er aus der Partei ausgeschlossen, nicht etwa tvcgcn dieser Politik, sondern wegen „untvürdiger Haltung gegenüber der Partei". Worin diese bestanden hat, ist bis jetzt nicht bekannt gcivorden. Reue Jeugen im Mordfall Prinee Paris, 2. Juni. Tic Nachforschungei» tvcgen des Mordes an Lbergcrichtsrak Prinee find wieder aufgclcbt. Ter Justizministcr hat gestern die Mutter und der» Sohn des Ermordeten empfangen, die gegci» die Sclbstrnordgerüchtc Princcs protestierten. In der» letzten Tagen haben sich jetzt nach drei Mo»»atcn neue Zeuge«» gemeldet. Eine junge Frau, die»nit Prinee in Dijon ein intimes Verhältnis unterhalte»» haben will und andere Zeugen, die die Mörder gesehen haben wollen, haben sich gemeldet.' Trptz der dreiinonatigen Nachforschungen der Polizei und der Tcieklive ist der Fall Prinee je länger um so mehr verwickelter und rätselhafter. zur Temperatur ist teilweise auf 47 Grad Celsius gestiegen. In Ellorc sind 8 Personen an Hitzschlag gestorben. In Masulipaiam sind die Straßen mit Leichen von Tieren und Vögeln besät, die der Hitze erlege»» sind. h a u S. Tie„schwe- g illegaler Zeitungen iszwciJahrcn lbaus„gesühnt", matc währende Un- wurde nicht an« . Tic„Vcrbrcck'cn" sollen in» Llto- ber des vergangenci» Jahres began- ii. Nur drei Beklagte Ivurdcn frei» i den übrigen ivurdcn rund 7 0 Jahrc Zuck'»Haus und(nur in einigen Fällen> Gcsängniö verhängt! An» Samstag standen Sieben ivurdcn frcigcsprochci» aber verurteilte man zr Jahren und seck h a u SI gegen trägt c i säitgnis! Umeriuchungshaft mit jc fünf Monaten in Abrechnung gebracht. Aber auch in diccm Falle kommen G c London. 2. Juni.(AR). Tic ungewöhnliche Trockenheit verursachte in viele«» Teile»» Englands einen katastrophale«» Trink- und Nutzwasscr- mangcl. Unweit des Landsitzes Llond Georges in Churt geriet geiler«» Nachmittag der Moorbodc»» in Brand. Tas entstandene große Feuer breitete sich auck« auf das Niederholz aus. Ta die Gegend schon längere Zeit von großer Trockenheit betroffen war. nahm der Brand drohende Dimensionen an. Nach einer Mitteilung des britische»» Radiodienstes sind 400 Soldaten aus Aldershot am platz eingetroffen, um der lokalen Bevölkc- bci der Löschung des FcucrS behilflich zu Tic geringste einen K r n I a h r s Allerdings wurde bei dieser Gruppe die Schreckensurteile in Berlin Bon zuständiger 2 au} Berlin folgenden Bl Seit langem ist in T»"^^ ltion" beendet. Wenigst ber die Rache gebt u ichts von den unacbI citva 30 Jahre Zuchthaus und s ü n g n i S zusammen! 100 Jahre Freiheitsstrafen für Bagatelle! das in einem Staate, der„g c f c sl i g t" ist! lichkeitsphärc. Man sicht, wie die Zug- und Truvpführcr auf Einzelzimmer ivohnen, Tischdecken. einen Schreibtisch und womöglich auch einen Rundfunkempfänger haben. Sie habe«» schon früher sich das verdient, was wir uns jetzt erkämpfen." „Bandalia" aufgelöst! Wir haben iin gestrige«» Blatt über den Boykott berichtet, den die glcichgcfchaltetcn studentischen Organisationen gegen das Heidelberger Korbs„Bandalia" ausgesprochen haben, weil sich die„Bandalia" weigerte, ihre, wie es in der offizielle«» Ankündigung so schön heißt,„jüdisch versippten" Alte»» Herren hinauszuwersci». Dem Boykott ist alsbald ein weiterer Schritt gefolgt. Tie„Bandalia" ist vom Führer der Tcutschcn Studentenschaft mit sofortiger Wirksanileii aufgelöst worden. Tas Tübinger Korps„Sucvia", bei dem ebenfalls nicht alles„rasserein" ist. wurde ebenfalls zerschlagen. Tic völlige Versklavung des deutschen Volkes führt zu wirklich groteske»» Konscgucnzen. Tic Weigerung, sich als Schweinehund zu betätigen, wird prompt mit dem Tode bestraft! Einbruch bei einem Photographen. In der Nacht au? dci» 2. Juni wurden dem Photographen Franz Ccsenck in Goltüv Jcnikov 25 verschiedene photographische Apparate und ein Feldstecher im Gesamtwert von 13.000 Kö entwendet. Ter Diebstahl erfolgte zwischen ein und zwei Uh» nachts. Babnunfall bei Köln. Tie deutsche Rcichs- bahndircktion teilt mit: Freirag abends gegen 22 Uhr ist der einfahrcndc Pcrsoncnzug 762 durch Ucbcrsahrcn des Halt zeigenden Einfahrtsignals einen» Gütcrzug auf dem Bahnhof Stolberg- Mühle in die Flanke gefahren. 7 Reisende wurden dabei leicht verletzt. Ter Materialschaden ist erheblich. Die Fahrtgclcisc wäre»» Samstag morgens tvicdcr frei. Beruntrruung bei einen» Bezirksgericht. Beim Bezirksgericht in Frydck veruntreute der Gerichtsrevident Josef Zoor im ganzen 100.000 Kö Ber- waltungsgcldcr. Es gelang aber, cttva 40.000 KC zu reiten. Zoor«vurdc von seinem Poste»» enthoben und das Verfahren gegen ihi» cingclciiet. Marktpreise für die Verrechnung des Getreides der landwirtschaftliche«» Arbeiterschaft Böhmens in» Juni 1934. Vom LandcSarbeiis- an»t in Prag wird amtlich- verlautbart: Tic TurchschnittSgetrcidcprcifc auf der Prager Produktenbörse im Monate Mai 1934 betrugen beim Weizen Ke 150.50, beim Korn Kc 108.—, bei der Gerste sic 90.— für 100 Kilogramm. Im Sinne des 8 7. III. 2. Absatz der„Richtlinien" sind diese Preise»naßgcbcnd für den Monat Juni 1934 für die Verrechnung des VcrtragsgetreidcS beim Abverkäufe oder Relnierei» desselben z»» betrachten, sofern der Marktpreis als Grundlage dient. XV. Relchenberger Messe— 18. bis 24. August 1934. Tie XV. Rcichenbcrgcr Messe wird wieder ein Bild des rege»» TchafsenSgcistes unserer Industrien auszeigcn. Rich» mir der größte Teil der vorjährigen Aussteller, sondern auch viele Finnen, welche man seit Jahren nicht mehr auf der Messe antresscn konnte, habe»» bereits ihre An»ncldung durchgcführt. Auch zahlreiche neue Firmen konnten bis jetzt geworben tverden. Wahrscheinliches Wetter beute: In den böhini- schei» Länder«» wechselnd bewölkt, strichweise Gewitter oder Schauer, etivas kühl, im ganze»» jedoch ziemlich lvarm.' Jin Karvathcngcbiet im allgcinetnen schön,»mr ganz vereinzelt Lokalgelvitter, warm.— Wetteraussichten für morgen, Montag: Im Westen der Staates mäßige Abkühlung, im Osten noch relativ warn» und Neigung zu Gewittern. 23 unter Anklage. Tie übrige«» 16 „Strafen" bis zu zwei S M o n a t e n Z n ch i- Slraie l unter anderem i e g s b l i n d e n) br- e ch s M o n n t c Gc- Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen« Montag. Prag, Sender L.: 10.05: Deutsche Nachrichten. .13.45: Wanderlieder auf Schallplatte«. 17: Tchüler- aufnahinei» in Hilfs-»ind Spezialschulen. 17.10: Harfciiloiizert. 17.45: Licderkonzcrt. 18.20: Deutsche Sendung: Aurich: Tie Musikstadt Tcplitz-Schöna». 18.45: Deutsche Presse. 21.30: Klavierkonzert.— Sender S.: 14.30: Walzer ans Schallplatte«. 15.15: Deutsche Sendung: Viertelstunde der Frau. 15.45: Deutsche Presse. 10.10: Schallplatte«».— Brunn: 18.20: Deutsche Sendung: Pros. Oppenheimer: Kunstbericht aus den» mährisch-schlesischen Kunstschaffen. 20.50: Orchesterkonzcrt.— Möhr.-Ostraii: 16: Orchestcrkonzert. 18.20: Kaniler: Die Naturfreunde. — Kascha»»: 17: Klavierkonzert. Dienstag. Prag, Sender L.: 6: G»>n»nastik. 10.05 Tcntsche Nachrichten. 10.15: Deutscher Schulfunk. 12.85: Konzert. 18: Arbeitsmarktbericht. 13.45: Walzer aus Schallplatte». 17.25: Biolinkoiizcrt. 18.20: Deutsche Sendung: Wanne»nacher: Wirtschaftliches Relief. 18.30: Dr. Rieger: Ntozart und Goethe in Cmichow. 18.45: Aktuelle Frage«» der bildende«» Kunst 18.55: Deutsche Presse. 10.10: Zither-Konzert. 21: Rund- funkmontage.— Sender S.: 14.80: Schallplatte««. 15.10: Deutsche Sendung: Neue Stimmen vor den» Mikrophon.— Brunn: 18.20: Schrame!: Sozialinformationen. 10.10: Harmonikasolo.— Mähr.- Ostrau: 21: Unterhaltungsmusik.— Preßburg: 21.15: Unterhaltungsmusik. Katastrophe in USA New Jork, 2. Juni.(Reuter). Zu dem durch die dauernde Dürre verursachten Ungcinach ha» sich jetzt in dei» USA. auch eine Epidemie von England ohne Waffe» Brande in der alten nnd neuen Welt Wald- und Präriebräirden hii»zugcsclli. Ter Gin« trirt in die Wälder im Staate New Jork wurde verböte»» und wird erst wieder gestattet werden, bis die Gefahr der Brände wieder vorüber ist. Gegen die ausgedehnter» Brände, die die Wälder im Staate Maine verzehren, kämpft eine Armee von 2500 Man»» an. In den brennenden Wäldern besindcn sich zahlreiche von Touristen stark besuchte Orte. ES besteht die Gefahr, daß die ganze Fläche von 30.000 Acres Wald auSbrennt. In» Staate Illinois wurden Temperaturen von bis plus 45.5 Grad Celsius verzeichnet. 47 Grad in Südindien Bombay, 2. Juni. Eine große Hitzewelle sucht Zeit weite Gebiete Südindieizs heim. Tie asür c Tägcsnciiigkcitcn Zu dem Betrüge an der Teplitzer Theaterkasse Dir Hälfte der Etnnahinci» unterschlagen? Tic Sicherhciisbehördc ist in vollem Uin- iange damit beichäfrigt, die Untersuchungen in der Bctrugsaffärc Hamm sortzuscycn. Bei einer neuerlichen Tnrchsuchung der Wohnung der Frau Hamm«vurdcn ii» besondere«» Verstecken neuerlich Schmucksachen von bedcntciidem Werte gefunden. Ii» zivci bcschlagnahlntcn Handtasch.cn sand man Gutscheine für den Mona: Mai, die offensichtlich aus betrügeriimer Absicht aufbeivahrt«vorden «varen und die einen» Bcirag von insgesamt 8502 siä entsprechen. Aus dem von der Tbcaterlcitung uns zur Bcrfügung gestellten Material der bisherigen Ucberprüfung sind folgende Zahle»» ersichtlich: Während der Kasiaftihrnng durch Frau Hamm betrugen die Barcinnahmcn iin Monats April 1934 insgesamt 7822 siä.— In der Zeit vom 1. b i s 25. M a i 1934 weift die Kasia eine Einnahme von 5055 siö aus. Nach der Verhaftung der Frau Hainm, also in den Tage«» vom 26. bis 31.:Nai betrage»» die Ein»»ah»nei» 11.390 Kö. Aus der Gegenüberstellung dieser Summen ist mit erschreckender Deutlichkeit der Umfang des Betruges zu ersehen. In sechs Tagen betrage»» die Kaffacini»ah»lcn um die Hälfte mehr s als in» ganzen Monat April,«vobci noch zu be- dcnlcn ist, daß im Monat April der Theaterbesuch naturgeinäß günstiger Ivar, als in den letzten Tagen des Mai. Ohne uns an dem Wettlauf der Sensationsmeldungen der bürgerlichen Presse z»r beteiligen, werden wir die tatsächlichen Ergebnisse der weitere«» Untersuchung unseren Lesern rechtzeitig bekannt geben. Jtr. NS Smtttfag, 8. Amri 1084 5 Vom vrater Rundiunh Zum 50. Geburtstage bc-i Prager Lichter- Max Brod brachte Vic Sendung am 26. Mai eine von Archivrar Dr. Moucha gesprochene Würdigung de- fruchtbaren Poeten der Liede, dessen reiche- Werk— ausgehend von einem durchaus prägnant profilierten Individualismus— die Wege bahnt in einen „von Vernunft nicht mehr zu lösenden Rest im Leben". Auf diesen Wegen begegnet er den genialen Rebellen, die er liebt. Für ihren Kampf, ihre Tragik und ihr Menschtum findet der Dichter al» wundertätiger Psychologe die in der Gesellschaft und iin Jchzusrande wurzelnden Motive. AIS besonderwertvolles Beispiel für diese einzigartige visionäre Kraft Brod- brachte die Sendung anschließend eine vom Dramaturgen des Prager Deutschen Theaters stammende Funkbearbeitung des Schauspieles„Lord Byron kommt au- der Mode". Von den Mitwirken- Len aus dem Ensemble des Prager Theater- fesselte am stärksten Otto S t r ö h l i n in der Titelrolle.— Für die kommende Wintersaison wird man diese- Werk in das Wunschbuch unsere- Theater- eintragen müssen!— Die Nachmittagssendung mochte mit neuen Liedern der Gegenwart bekannt. Han- Rotter interpretierte mit kultiviertem Singen Kostbarkeiten von Egon Kornath und Theodor Veidl. Vorder hörte ma>t einige unbekannte Lieder von Hugo Wolf.— Die sonntägige Arbeitersendung brachte einen Vortrag von Grete Livius„Die Frau und die Demokratie". Er gipfelte in der Ueberzeugung, Laß nur die Demokratie die im schweren Kampfe errungenen menschlichen und politischen Rechte der Frau zu schützen und zu sichern verniag, wogegen die ouS dem Fascismus auferstandenen Diktaturen die Frau wieder zurückwerfen in Unterordnung und Abhängigkeit. Selbsterhaltungspflicht aller Frauen muß es daher sein, mit ganzer Kraft einzutreten in den Kampf um die Demokratie.— Da- Rundfunkspiel„Der Dämon der Geige" führte zurück zu der faszinierende» künstlerischen Persönlichkeit de- großen Einzigartigen: Paganini. Konzertmeister V. Frait oblag die Aufgabe, den durch eine fast mystische Traumwelt schwebenden Geigenton zum Erklingen zu bringen; er tat es mit beseelter Virtuosität.— Zum Geburtstage de- Ministers Eduard Benes war Dr. Fritz Weil der berufene Festredner, das gigantische Werk des klugen Staatsmannes in seiner Bedeutung für Volk und Staat und in seiner außerordentlichen Tragtveite für die Neugestaltung Europas und der Welt zu würdigen.— Am Montag stellte sich mit Dr. Scheher noch ein Ausländer ein, um zum Schaffen de- gefeierten Meisters Snietana ehrende Worte zu sagen.— Der Dienstag brachte wieder eine der jetzt so häufig wiederkehrenden Enttäuschungen: man mußte sich ein« halb« Stunde lang die Reportage über ein Fußballwettspiel gefallen lassen, ehe die programmäßige und mit Freude ertvartete„Hau-musik"(Klavier, Cello, Flöte)... nicht eintraf. Sie mußte einfach dem Sport weichen; dafür braucht man nicht einmal eine Entschuldigung zu sagen! Nur Dr. A. Steiners„Wirtschaftliches Relief" schlüpfte noch mit ein. Es verzeichnete Fortschritte in der wirtschaftlichen Besserung kennzeichnete die tvirtschastliche Bedeutung der allgemeinen freudigen Manifestationen anläßlich der Wiederwahl des Herrn Präsidenten, würdigte die Verdienste deS Ministers Benes bei der Erstrebung eines tvirtschaftlichen Großraumes in Mitteleuropa, betonte die von der zwischenstaatlichen Verschuldung abzuleitenden Schwierigkeiten bei der Belebung der Weltwirtschaft, verzeichnete eine Besserung im Ex- Portabsatz, guten Wuchs und zufriedenstellende Vege- Answers für den Monat Rai (&e erste Habt bedeutet Varteifondt, die ringe• Äammerte Wahlfonds.) Bodenbach 5200('1800) KE. Brünn 210 Kd., Karlsbad 3680(020) KE, Lands- I j o n<00(100) Kc, Bilsen- DudweiS 520 (180) Kc, Brcßburg 136(34) KE. Reichen- Perg 060(240) KE. Sternberg 1420(820) KE, Teplitz-Saaz 3200(800) KE. Trau- ttna» 1200(SOO) KE, Troppau 1400(350) KE Die Hauptstadt der Dakier entdeckt Anläßlich der archäologischen Ausgrabungen nn Bezirke Hunedrara(Siebenbürgen) stießen die Forscher in der Nabe von Gradistca auf die Hauptstadt des Datierkönigs Dcccbal, Sarmise- gctusa. Die dalischc Hauptstadt spielte ans Anlaß der Kämpfe zwischen Römern und Datier» eine bedeutende Rolle. Verschiedene Versuche. Sarmi- srgettisa in ihren Besitz zu bringen, mißlangen den Römern zunächst, trotz zeitweiliger Unterwerfung der Datier. Erst nach zwei Heereszügen Kaiser Trajans gelang cs den römischen Truppen, ins vor dir Mauern der dakischen Hauptstadt vorzudringrn,.deren Bewohner, nachdem sic sich von der Sinnlosigkeit jedes Widerstandes überzeugt bauen, den Königspalast, die Tempel und alle Staatsgebäude in Brand steckten. Diese Szene ist in den Reliefs der Kolumnen des Trajan lünstlcrisch Hochgebildet worden. Die Siadiältcsten verweigerten die Ocffnung der Tore und nabmen vor den Augen Trajans Gift. So gelang cs dem Imperator. die Dakierhauptstadi in Besitz zu nehmen, die unter dem Namen Ulpia Trajana der Sitz des Rates der drei Dalier(Consilium Daciarum rrium) war und so die Hauptstadt der ncugcbildcten Provinz Dasia blieb. Während man aus Anlaß der früheren Ausgrabungen zunächst leine Reste dakischcr Zivilisation gefunden hatte, stieß man nunmehr auf von außen mit Lehm belegte Holzmauern. Die Vcricidigungsmauern waren wie bei den keltischen Städten fünfccki» ungeordnet. Kn den Ruinen wurden zahlreich« dalischc und keltische Gc- brauchsgcgcnständc vorgefunden. Ricscnbrand in Boston. Km Bostoner Hasen ist am Samsrag aus bisher unbekannten Gründen ein Brand ausgebrochen. Lurch den die Mili- I tärdocks mit sämtlichen Nebengebäuden vernichtet wurden. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Neuer Zoo in Paris. Der französische Präsident eröffnete Samstag im Walde von Vincennes den auf modernen Grundsätzen errichteten neuen Zoologischen Garten, denen zufolge die Tiere nicht in Käfigen, sondern aus großen, ihrem Leben in der Nattir angepaßten Gelände untergebracht sind. Der Grund zu diesem Garten wurde nach der KolonialaUmstellung im Kahre 1881 gelegt. wo dort eine Tierschau veranstaltet wurde. Es ist dies der dritte Zoologische Garren in Daris. Wie die Bonzen dos Dritten Reiches mit dem Geld wüsten. Kn Hamburg erfolgte die Grundsteinlegung eines Richard Wagncr-Denlmäles. Zu diesem Zweck hatten die nationalsozialistischen Stadrvonzrn einen Betrag von 42.500 Marl aus ! dem Stadrsäckrl bewilligt. Dieirr Betrag wurde jedoch noch um 12.800 Mark überschritten. Das Mittagessen für die Festlichkeit kostete allein 18.000 Marl. Außerdem kam die Frau Hermine des Exkaisers, die die Vorsitzende des Richard Wagner-Fraurnvcrcines ist. nach Hamburg. Auch ihr zu Ehren gab dir Stadt rin Essen, das nur 112.000 Marl kostete. Das sind amtliche Zahlen, i die einen kleinen Hinweis dafür geben, wie die nationalsozialistischen Vorlämpscr gegen Verschwendung und Korruption mit den van den Steuerzahlern aufgebrachten Mitteln wüsten. Angeordnete Begeisterung. Die Beflaggung der Häuser bei den zahlreichen festlichen Anlässen, die in Hitler-Deutschland gefeiert werden müssen, läßt in der letzten Zeit an vielen Orten nach. Es ist weiter zu beobachten, daß dir Hakenkreuzsadne | immer stärker durch die schwarzweißroten Farben ersetzt wird, so daß die Karben der Reaktion oft schon überwiegen. Um diesem Mangel abzudelfen. i wird setzt die Beflaggung der Häuser zwangs- > weise geregelt. Kn Dresden find aus Anlaß der bevorstehenden Theatcrfestwoche ! Anweisungen an die Hausbesitzer der Knncnstadt ergangen, in denen genau vorgcschrichcn wird. welchcAnzahl Hakenkreuz,. sebwarzweißroie, grünwciße(Landcsfarben) und schwarzgoldne (Stechtfarben) Kähnen herauszuhängen sind und welche Größe diese Kähnen besitzen müfien. ratton, schwache Tätigkeit in der Bausaison, weitere» Sinken der Arbeitslosigkeit. Als wichtigste Punkte im Regierung-Programm nannte Dr. Steiner die Sicherung der Ernte, die Sanierung der autonomen Finanzen, die Regelung der Arbeitszeit.— Zum letzten Dunkle gab am nächsten Tage Zdenko Rcuwirth in den Sozialinjormationen einen interessanten Bericht über die Verhandlungen im Internationalen Arbeitsamte. Die von dieser Stelle ausgegcbcncn Fragebogen wurden von 27 Staaten beantwortet, von 27 Staaten noch nicht zurückgestellt. Nur eine Minderheit bar sich disber für die Herabsetzung der Arbeitszeit au-gesproeven. darunter Schweden. Norwegen, Dänemark. Polen, Holland, Belgien, Jugo» slawicn. Tie Tschechoslowakische Republik stimmt mir gewissen Einschränkungen für eine-Ostiindige Arbeitszeit.— Einen sowohl rhetorisch al- auch in- baltlich sehr schätzenswerten Vortrag brachte die Mirkwoch-Arbeitersendung mir Franz Rednxstds Betrachtung über„Freie Gewerkschaften im freien Staate". Genosse Rcblvald blickte im Eingang zurück auf da- Jahr 1834, da sechs englische Arbeiter verhaftet und zu siebenjähriger Teporiaiion verurteilt wurden, weil sie die Gründung einer gewerkschaftlichen Organisation versucht batten. Reich an ähnlichen Beispielen ist die Geschichte der Geiverk- schaflsbewcgung, die sich um den Ausstieg der Arbeiterbewegung unvergängliche Verdienste erworben bat, denn sie hat dem Arbeiter da» Menschenrecht erkämpft und ihm gesellschaftliche Macht gegeben. Ihr Erfolg ist auch die Erkämpiung der Demokratie Ihre größte Ausgabe ist der Schutz der politischen Freiheit. Die Demokratie muß soziale^ Inhalt bekommen und der Entwicklung die Richtung zum Wirt- schaftSstaate geben; er allein ist die Voraussetzung für den Ausstieg der Menschheit. Die Gewerkkchai- ten als Träger des wirtschaftlichen Fortschritte» sind die größte Massenbewegung aller Zeiten.— Am Donnerstag wiederholte sich da- beschämende und auf die Dauer unerträgliche Beispiel dafür, daß die Kultur immer mehr dem heulenden Kampfe um ein „Goal" weichen muß. Die Reportage von einem Fußballwettspiel erzwang die Kürzung deS Konzerte» deS OndriEek-Quartette» uni die Hälfte. Das wundervolle Quartett in F-Moll wurde nach den« ersten Satze abgebrochen, als nian sich dem unvergleickbal schönen Musizieren eben mii ganzer Seele dinge- geben hatte. Da hieß es eben kurz und bündig: „Schluß der deutschen Sendung!" und der Höret wurde ans der Seligkeit des Allegro moderato kurzerhand in-„Out" getvorfen. Soll das nun wohl eine ständige Einrichtung werdend— Die Weche wurde am Freitag von Genossen Dr. Emil Franzei beschlossen mit reichen„aktuellen zehn Minuten". Er sieht in dem praktischen Zusammengehen Frankreichs und Rußlands die beste Garantie für den Frieden Europas(Litwinolvs Erklärung auf der Friedenskonferenz). Diese Sicherung ist vor allen, nötig angesichts der Rückkehr Eugen Habsburgs nach Wien. Genosse Franze! erhofft von der internationalen ArbeiiSkonserenz am 4. Juni die Verkürzung der Arbeitszeit; für die Tschechoslowakische Republik wird dort Dr. Winter die 40-Sfundentvoche propci- gieren. Die Streikbewegungen in Anierika als Krise deS Roosevelt-Planeö verdienen besondere Aufmerksamkeit. In der Innenpolitik ist die Novelle znm PensionSversicherungSgesehc zu beachten. Die Agra- rier begegnen ihr mit Schwierigkeiten(Dubicky). Bemerkenswert ist Dr. Hodens Kundgebung für die Planwirtschaft. In dem gewaltigen Echo, daS die Wiederwahl MasarykS und die Geburtstagsfeier für Benes gefunden haben, sieht auch Genosse Franze! Garantien für den Frieden. Ernst T h ö n e r. ZEITUNG (kin guter Richter tritt ad DGR. Dr. Wenzel Kvcipil im Rnbestnnb. Prag, 2. Kuni. Heute verabschiedete siel' DGR. Dr. Wenzel Kvavil. Vorsitzender des achten Strafsenats, nach 15sähriger Tätigkeit beim hiesigen Kreisgrrickit von seinem bisherigen Wirkungskreis. Der 65jäbrige Richter tritt in den Ruhestand. OGR. Dr. Kvavil war einer der angesehensten und zugleich einer der beliebtesten Richter des Prager Kreiögcrichtes. Mochte er noch so grinimige Blicke durch seine scharfen Brillengläser sckiießen. mochte er bei der Verhandlung noch so gewaltig loSdonnern— seine Urteile bcdeu- tcten stets R erdnbof. Fadttpreisennäsiigungen. Aus der Strecke von Branik—Hodlooiikn nach Molovi aiv und iveiicr nach Dodkiö wurde der FaLrtprei» mit sofortiger Wirksamkeit von KE 12.50 arii KE 7.--. von Prag Wil- sonbadnbos bi» Kri nach Mokovraiv rind weiter nach Todii» auf KE 8.— herabgesetzt. Der Rucktahnprei» auf der Strecke von Prag Wstsonbabnbos bi» Ari nach Knin Hrasiice und iveiicr nach Dobkis wurde von KE 15.—, bzw. KE 20.—, auf KE 14— ermäßigt. Tic Ermäßigung gilt stir beide Richtungen, also auch in der Richtung Prag. Bon der Stefcinik Pslksfternwarte in Prag. Im Juni ist die Sicrnwartc dem Pichlrkum außer Montag täglich 21 lldr, jeden Sonntag um 10 Uhr. um 15 Udr und von 20 bi» 22 lldr zugänglich Vereins bcsiici>e sind jeden Tag, außer Montag,»m 20 Uhr willkommen, nnisicn aber vorher angcmcldet werden (Telephon 463-05). Schulerkursionen sind jeden Tag, außer Montag, von 8 Udr früh bi» 20 Udr willkom- men. müssen aber cbcnsall» vorher in der Kanzlei der Sterntvarte aiyiemcldei werden. Bcolcacictmigs- programm für Juni: Den ganzen Juni hindurch wird der Planet Jupiter und vom 15. bis 25. Juni auch der Mond beobachtet werden können. Außerdem tverden dem Publiknnt nach den Umständen auch einige Doppelgestinte gezeigt werden. In den Tagesstunden erfolgt für vorher angemcldete Schulexkursionen eine Besichtigung der Einrichtungen der Sternwarte- Hossenden Frauen und jungen Müttern verhilft da» natürliche„Franz>Jases"-BitterN>asier zu geregelter Magen- und Ditrmlätigkeit. 2100 ticricntssaal Das Urteil im Prager Korruptionsprozeß Nur Armbruster und Schneller verurteilt. Prag, 2. Juni. Da» Bcwciüvcrf,ihren in dem gestern begonnenen Korruption-Prozeß argen die ObersektionSräte Dr. K r e j E i t und Prochazka die Kaitzleibcamien N o v o t n>> und Schnellet und dem Geschäftsführer A r m b r n st e r der Buchbinderfirma Masin verlief in der Hauptsache unter Berlesuna von Protokollen und Aktenstücken recht einförmig. Nur fünf Jengen wurden über Detailfragcn einvernommen. Eine bemerkenswerte Epifode im Laufe der eintönigen Verhandlung ergab sich bei der Erörterung der Frage, warum die ange- Iphigenie auf Tauris Gastsviel im Neuen Deutschen Theater. Ein gastierendes Ensemble des Wiener Burgtheaters, das von vielen schon seit geraumer Zeit zur Mumie erklärt warben ist. konnte an dem Beispiel der edelsten und klassischsten deutschen Dramendichtung seine traditionsgebundene Thcater- 11111)1 am besten bewahren. E» wird l rcuic kaum eine Bühne geben, die ein so auf Ser itenz und Versmusik, aus Zyste- spräche und Sc "sprach gebautes Werk wie die „Iphigenie" si, - vermitteln kann als dieses BÜrgthater mit sem< 'n Sprechern. Aber ihre Kunst erschöpft sich in Von tragskiiltur— und man wagt sich nickst vorzu stelle n, wie diese glanzvoll dekla- micrenden Sckv 'ler wirken würden, wenn sie keine Jamben uni' Monologe zur Bersiignng batten. Dor Zauh der von Goethes. Iphigenie" beim Leien au» wird von der Burgschauspic- lerin Else W o b l f« e m u t d. wenn sie die Jpdi- griiie barstellt, nicstl übertroffen. Wir sehen keine bezwingend- gi ifitV und leidend verstehenb- Frauennatur, - rr Ür sehen eine Dame, die das I Land der Griechen so gclvifscnhaft sucht, d>iß an» einem mehrere werben, die Liebe nickst ohne Tre- ! molo sprechen kann, deren scder Scknitt ein Vers- > s>iß und deren Geste immer ein Griff nach der Schleppe zii sein scheint. An der Stelle cd)er lli- I sprüngkichkeit die maßvolle Grtragenheit, die in ! einem reinen Vortragsstück wie dem Sckstcksalslied am meisten Glanz entwickelt. Wäre nicht Raoul AsIan gewesen, ein Orest, der dem Gehetzten die Töne de, Berzweis- lung, dem Gesundeten die Klänge de. Kraft und ! den Auseinandersetzungen Funken und Feuer gibt, - das Drama in diesem herrischen Sprechspiel wäre ! nickst zur Geltung gekommen. Dabei ist auch Aslan kein Menschengestalter. Ein vermännlichter Moisii, I aber ein bei aller Reise jung Gebliebener. Ein > Virtuose, aber einer, der von seinem Spiel erfüllt ist. Neben ihm wirkte der Pylades de» jungen Fred Li eh wehr(der eine gute Figur macht und 'trefflich akzentuiert) nur eben haibferlig— aller immer noch sehenswerter als der Thons des Herrn Sieber t, der weder ein rauher noch ein schüchterner Barbar, sondern nur ein beleidigter Spießbürger lvnr und von der einzigen Ncbensignr des Stückes, dein Arias des Schauspieler» Wilhelm S ck> in i d I, ganz einfach in den Schatten gestellt lvurbe. Jnnnerliin lvirklcn alle zusammen trotz der Unterschiedlichkeit ihrer Leistungen als Ensemble. Und diese»: die einheiilich slilisierle Gcincinschasl ist neben der Sprechknltur noch immer der Wert dieses Burgthcaters. das geiviß nur noch vom Glanz der Vergangenheit zehrt. Aber da man die Iphigenie" nicht als moderne Prosa sprechen könnte, ohne ihre Form zu zerstören und da ihr Mcnschlichkeitsetho» sdaö über Schicksalsangst und Göttcrfurcht, über Bölkerfremdheit und Blutgesetze siegt) schon dann wirkt, wenn es klar abgetönt und zusammenhängend borgetragen wird, stellte sich eine Ergriffenheit ein, die von dem zahlreich(wenn auch nicht vollzählig) erschienenen Publikum dankbar bestätigt wurde. * dtlj* 1 Seile 6 „Sozialdemokrat" Sonntag, 3. Juni 1934 Nr. 128 9Scud> Gummibadeschuhe I Kinder Gr. 27-34 KL 5.- Damenbadeschuhe Kc 9.» Damengummihaube KL 5.- Herrenbadeschuhe Kc 12." Zum Spielen im Wasser— unser Gummispielzeug.— Bälle und verschiedene Tiere Kc 8.-, Z.- Schwimmgürtel... Kc 19.- 5) GALLONE ice 7.., 9.-, 75. Gummihaube, Gürtel, Badeschuhe und Tasche Kc 29- Die praktische Tasche fasst alle Badeutensilien. Die Tasche kann aufgeblasen, als Polster am Badestrand dienen. „Der Revisor" (litt vorbildlicher Schauspiel-Abend im Neuen Deutschen Theater. Vor genau 100 Jahren, 1834, begann Gogol, nachdem er seinen ersten gröberen Lustspielplan, den „Wladimirorden-1.»lasse"(der im„Revisor" dann als Apercu erscheint) fallen gelassen, die Arbeit am „Revisor". Wie wunderbar jung das Stück geblieben ist, bclveisr jede Aufführung, eine so saubere wie die unter Gellnerö Regie im deutschen Theater aber ganz besonders. Die unveränderte Aktualität ocr Komödie hängt allerdings auch mit der im Wesen nicht veränderten gesellschaftlichen Basis zusammen, auf der die Satire erwachse» ist. Eine von Bürokraten regierte Menschheit mag Schattierungen ausiveisen, je nachdem die Bürokraten Diener eines Zaren, eines Diktators oder selbstherrliche Vergewaltiger demokratischer Formen sind, im Grunde bleibt sie den gleichen Gesehen unterworfen. Bestechung, Feigheit, Gctvalt, Niedertracht jeder Art und als das Element aller dieser Eigenschaften die unvergängliche Tnnunhcit, sie lvcrdcn immer und überall gedeihen, tvo Amtswalter und Würdenträger den Namen der Gemeinschaft und die sittliche Funktion des Gemeinwesens mibbranchcn, Ivo die menschliche Gesellschaft nicht imstande ist, sich selbst zu verwalten und zu regieren. lind noch etwas mnb ansfallen: vor hundert Jahren konnte diese Satire im zaristischen Rußland gefpiclt werden. Die Lange eines übermü- ligen Tnrannen lähmte den Arm der Zensur und gab dem Spötter, der ein Ankläger ist, die Bühne frei. Wir haben es weit gebracht. Heute könnte eine Komödie, die ans den Erscheinungen eines diktatorisch regierten und vergewaltigten Staatswesens den Stoff schöpfte, in dieseni selben Staat nicht gespielt werden. Den Hitler und Mussolini fehlt jenes Gran Seibstlrilik und wohl auch jene Selbstsicherheit, die vereint einen Zaren zum Bcschüher einer im WesenS- grunde revolutionären Dichtung machen konnten. Die Inszenierung Julius Gellners hält sich streng an das historische Kostüm. In den Bühnenbildern und in den Figuren und Figurinen des Stückes rekonstruiert sie das Rußland Nikolaus I. und macht gerade dadurch die Komödie zeitlos. Wenn man an der Regie etwas anSsehcn will, so könnte man im zweiten Akt eine Beschleunigung des TcmpoS, besonders im Monolog des Ossip, vielleicht auch für eben diese Szene um einige Nuancen weniger Drastik fordern. Sonst aber gelingt Gellster eine von Szene zn Szene wachsende Steigerung bis zu de» tumultnarischen Ausbrüchen von Schadenfreude, Scham und Aerger am Ende des fünften Aktes, auf die mit der Nachricht vom Eintreffen des wirklichen Revisors jene großartige stumme Szene der„Versteinerung" aller Gestalten folgt, auf die Gogol in der Negicbemerkmia so liebevoll genau eingeht. Den falschen Revisor spielte Herr Götz. ES war interessant, diesen Künstler, der einmal einen so guten Wehrhahn gespielt hat, nun in seiner Rolle zn sehen, die jener zugleich verwandt und polar ent- gcgengeseht ist. Der Revisor ist der Typus einesorglosen jungen Mannes, der ganz entspannt, nur den, Augenblick und seinen Zufallschancen hinge- gebcn, ohne jede Absicht in die Rolle des Würdenträgers gerät und so gut wie nichts int, den Irrtum seiner Lpser zu stärken. Wenn er ausschueidct, dann tut er es im Rausch, wenn er Geld erpreßt, so ist e r es, der den Geldgebern liebenswürdig entgegenkommt und sie, indem er nimmt, auS derVerlcgcn- heit befreit. G ö h formte diesen passiven Betrüger aus einem Guß zur geschlossenen und bei allen menschlichen Schivächen licbenswerteu Gestalt. Ausgezeichnet wußte er in der Schwips-Szene die Stim mung zu steigern, den Vorgang einer sich entfesselnden Phantasie anschaulich zu machen. Renners Gouverneur hatte eine starke deutsche Note. Ma» wurde unwillkürlich an den Rich- ter Adam erinnert, den Renner mit Virtuosität gespielt hat. Aber das Abbiegen vom rein russische» Stil des Charakters schadete der Plastik der Gestalt nicht. Es war herzerfrischend, den Lumpen von Gouverneur im selbstgestellten Netz gefangen, ihn am Ende düpiert und zerschlagen zu sehen. Freilich wurde Renner von den ganz vorzüglich gezeichneten Bürokraten flankiert, die Stadler(Spi- talövertvalter), D c m l(KreiSrichtcr) und Janisch (Rektor) auf die Bühne stellten. Besonders eindrucksvoll wär Stadlers Spitalsverwalter, eine Mischung aus Demut und Tücke, Dürftigkeit und Wendigkeit. Nicht ganz so scharf war der Postmeister Sch merze n reich s gezeichnet. Dagegen waren Bobschtinkki und Dobtschinski, die beiden Gutsbesitzer, die das Malheur ins Rollen bringen, von Taub und Dudek hinreißend dargestellt. Taub hatte im ersten Akt, da er die Legende vom Revisor in die Welt seht, eine seiner großen Sprcchszcnen und tvar überwältigend, als er den Revisor um die Gnade bat, dem Kaiser zu erzählen, daß c r, Bobtschinski, in dieser Stadt Ivohne. Der Diener Ossip wurde von I a n i t s ch e k als Rüpel gespielt. Mait könnte die Rolle auch anders auffassen, doch störte diese Deutung nicht. Unter den Kaufleuten fiel der Hanptspre- cher angenehm auf. Die Frau des Gouverneurs— eine„Provinzkokotte" nennt sieGogol— wurde von Fran Reiter übcrzengend, die Tochter von Jane T i I de n so sympathisch gespielt, daß man ihr als der einzigen den Hcreinfall nicht gönnte. Schade, daß diese Aufführung, mit der das Theater wirklich Staat machen kann, ebenso wie die vorjährige Aufführung von„Lulu" an das Ende der Saison fällt und daß die Wiederaufnahme durch die Umgruppierungen im Ensemble gefährdet werden kann! E. F. D laste» BostLebalova Vlasta Bostkcbalovä ist eine junge tschechische Zeichnerin, die vom 1. bis 10. Juni in der Städtischen Biblothek eine Auswahl ihrer Arbeiten auS- stellt. Erschreckend und in ihrer unbarmherzigen Wahrheit und Offenheit doch anziehend sind diese großäugigen Großstadtgesichter, die in allen ihren Zeichnungen wiederkchren. Diese Frau hat bei George Grosz sehen gelernt, besitzt die etwas weiblichere und weichere Auffassung der Kollwitz und gemahnt letzten Endes etwas an eine Landsmännin von ihr, an Mary DuraS, deren jüngste Werke man vor kurzem in der Galerie Dr. Feigl zu sehen Gelegenheit hatte. In einem kleinen Raum ist dieses merkwürdige Bekenntnis einer Frau untergebracht, die in einem Säuglingskopf bereits die ganze glanzlose und so abgrundtiefe Traurigkeit des Heute sieht und einfängt. Alles in allem genommen, eine wohlgelungene Aussordcrnng zum Nachdenken, weniger vielleicht durch die Kunst der Zeichnung bedingt, als das zu unterstreichen, was charakeristisch ist. R. F. Erstausführung„Der Jakobiner" von Dvoläk am 8. Juni mit Paul Ludikar a. G. Ilebrige Besetzung die Damen: Pauly, Rohne, Schilp und die Herren: Hagen, Hattemer, Hey, Hotter, Libal. Dirigent: SM. Regie: Mordo—Ludikar.(D 2.) Vorverkauf täglich I VI. Philharmonisches Konzert: Haendels„Josua" 12. Juni.(700 Mitwirkende.) Dirigent: Schmidt, Gesamircgie: Graf, Bewegungschöre: Schork. Phill;. Extra-Abonnement. Wochenspielplan de« Neuen deutschen Theaters Sonntag 7*4:„Die vier Grobiane."(Dl.) — Montag 7•■6:„H o ru ckl", volkstümliche Vor stellung.— Dienstag 8:„D a s Dreimäderl- h a u s", Ensemblegastspiel Richard Tauber. (A. A.)— Mittwoch 7’/4:„DaS DreimäderI- h a u S", Gastspiel Tauber.(A. A.)— Donnerstag 7%:„Die vier Grobiane".(C 2.)— Freitag„Der Jakobiner". Gastspiel Paul Ludikar, Erstaufführung.(D 2.)— SamStag 7lb:„Der Revisor." Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Samstag 8:„P a r i s e r P o t p o u r r i."— Sonntag 8: „SB eißerFliede r." 8:„Straße n must k." — Montag 8:„S t r a ß e n m u s i k."— Dienstag 714:„L ady WindemereSFäche r", Erstaufführung.— Mittwoch 8:„I nse l," volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8:„Straßenmusi k."— Freitag 8:„Lady W i n d e r« mereS Facher", Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— SamStag 8:„Lady Windermeres Fächer." Mittwoch, den 6. Juni, abends 8 Uhr int Hotel„M o n o p o l" • Glternverfammlung Fachlehrer Ernst T h ö n c r, Tcplili- Schönau, spricht über daö Thema: „Bürgerschule oder Mittel- s ch n l e?" Alle interessierten Eltern und Lehrer sind herzlichst eingeladen. Arbeiterverein Kinderfreunde. fflilteilungen der„Urania“ „WaS ist die Welt?" Heute halb 11 Uhr. Ter bedeutendste Kulturfilm des Jahres. Kleinste Preise. Wiederholungen morgen viertel l) Uhr Mafaryk-Bolkshochfchule „Sexuelle Erziehung". Jndividualpsychologc Paul F i s ch l. Mittwoch 8 Uhr. tynrt• Spiel• Kürperpflese Die Europameisterschaft der Arbeltersutzballer Belgien Endsiegrr in der Gruppe West. Das letzte Europameisterschaftsspiel in der Westzone fand an» Pfingstmontag in Genf zwischen der Schweiz und Frankreich statt. Die Schlveizer siegten mit 8:1 über die technisch schwächeren Franzosen. Der Endstand der Gruppe West lveist damit folgende Placierung auf: 1. Belgien, 0 Spiele und 6 Siege, 12 Punkte; 2. Schweiz, 0 Spiele, 8 Siege, 8 Niederlagen, ü Punkte; 8. Frankreich 6 Spiele, 2 Siege, 4 Niederlagen, 4 Punkte; 4. Holland, 0 Spiele, 1 Sieg, ü Niederlagen, 2 Punkte. Schweizer Arbeitersportler inS Ausland. An der Prager Arbeiter-Olympiade wird eine sechs Mann starke Kunstturncr-Vertretung teilnehinen, die bei den internationen Gerätewettkämpfen antreten wird. Außerdem lverden auch einige Leichtathleten an den Start gehen.— In den letzten Tagen ist nun auch die Reise von Satns-Sportlern nach England sichergestellt worden. Durch die Unterstützung deS schweizerischen GcwerkschaftSbundcS ist eS möglich geworden, eine Leichtathletik und eine Fußballmannschaft nach Dorchester zu entsenden. Der Film Alte deutsche Filme Statt der fragwürdigen Altertümer aus der Vergangenheit des reichsdeutschen.Films, die man im Laufe der Spielzeit als Premieren zu servieren pflegte, führt man nun endlich einen älteren reichsdeutschen Film wieder auf, der es verdient, der Vergessenheit entrissen und der braunen Schmutzflut als leuchtendes Beispiel deutscher Filmkunst entgegengehalten z»t werden. Die„M ä d ch e n i n U n i f o r m" laufen int„Adria": ein Film, der in Gesinnung und Gestaltung gleichermaßen wertvoll war— und ist und bleiben wird. Im„Alfa" zeigt man einen anderen vorhitle- rischen Film„Ihre M a j e st ä t, die Liebe". Noch aus der Zeit, da die Filmopereite ganz große Mode war und die Regie-Einfälle in diesem Genre noch relativ frisch erschienen. Aber man zeigt diesen Film weniger um seiner selbst, als um seines Hauptdarstellers Franz Lederer tvillen, der vor zehn Jahren am Prager Deutschen Theater ein kauni beachteter Anfänger war und heute in Hollywood eine Berühmtheit ist. Die seltene Laufbahn dieses junget» Schauspielers verdient Erivähnung: am Breslauer Lobetheater holte er sich seine ersten(noch sehr bescheidenen) Erfolge, ging dann im Jahre 1027 nach Berlin, wurtze von der Bergner zum Bühnenpartner in„Roineo und Julia" getvählt und dann von G. W. Pabst in seinen»„Erdgeist"-Film herausgestellt, ent-> wickelte sich durch einen, voir guter Erscheinung I empfohlenen Eifer zu einem der beliebtesten jugend-! lichen Helden der Berliner Theater und folgte— noch lange vor dem Ausbruch der Nichtarierverfol- gung, der auch er vermutlich zun» Opfer gefalle» wäre— einem Filmengagement nach England, von wo er nun den Sprung nach Hollywood getan hat. Jir dem Film„Der Mann zweier Welten", in dem er die Hauptrolle eines jungen Eskimos verkörpert, hat er— in Amerika Franiisek und in England Francis genannt— einen großen Erfolg errungen- Aber während die New Docker und Londoner Zeitungen den großgcwordenen„tschechoslowakischen Filmstar" preisen, müssen die Prager sich damit begnügen, ihn in einem alten Berliner Film zu besichtigen, weil die Tschechoslowakei von amerikanischen Filmen nichts wiffen will.—cis— Filme In Präger Llihtsulelhausern Bis einschließlich Donnerstag, bei» 7. Juni. Adria:„Mä dchc n in II ni form"— Alsa: „Ihre Majestät die Liebe"— Flora:„Biscots Abenteuer"— Gaumont:„Csibi, der Fratz"— Hol- lynnwd:„Hinter Klostertüren"— Rinema: Journale, Lustspiel, Reportage— Kotvn:„Nnbckamite Melodie"— Lacerna:„Unbekannte Melodie"— Olympic:„Abenteuer auf dem Polarkreis",„Tic Frauen von Bali"— Passage:„Csibi, der Fratz"— Praha:„Der Fluß"— Radio:„Seine beste Klientin"— Staat:„Das Fräulein am Volant"— Svetozor:„Abenteuer auf dem Polarkreis".„Tie Frauen von Bali"— Alma:„Seine beste Klientin" — Baikal:„Männer im Offside"— Belvedere: „Kapitän Sorrell und sein Sohn"—■ Lido:„Ter ewige Jude"— Louvre:„Menschen hinter Gittern" — MaceSka:„Sic verkaufte Braut"— U Bejvodu:„Der Brand in der Oper"— Baldek:„Der ewige Jude"., na Verlangen Sie In lecker Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER& Cie., PILSEN Selchwaren der Fa.HEGNER* Cie., PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN I Rcichenborgor R aturfrerm behaus KSnßssbSye GccWIic BüO Meter. Polt yohmmcSbern bet Gablonz a. fl. Bon der AutobaShaNelleile girledrtitzSwald(Breltläne) SO Minuten.— OellenNIche Teleloalvrechltelle(Nebenamt von Steichenbera).— HO Bette». 100 Matraventaaer. D. I. H.. Wannen- and Braalebiider, Badeteich, gentral- belzang. Dunketlaminer, Cantt8tSltatlon, eleltr. Licht. Gute, preiswerte Bervtleguna.— Billtaa Uebernachtuaa. Idealer Wtnterlvortvlav.— Herrliche Commerlrilche.£300 Äugend, lerne tf«Hecylf«h wübrcnd d. geriet» od. Schutjabc int Bengonat gttivtnmu Kabel a. A.»Nader 6—20 3. Tschechisch, Franz., Enal. Musil. Sport, Beite», Schwiminen. Eomieabüdcr liir Schwache n. Blutarme. Nbema-Heilanllalt. Prospekte gratis. 2410 Billige Kuren an den heißen, hochrad. Thermen Bad Teplltz- Schönau bei dicht, Rheuma, Ischias, Gelenkerkrankungen in den modernen städtischen Kuranstalten Stadtbad, Kurhaus, Steinbad Prospekte und Auskunft: Kurdirektton Laufendes Inserat bringt laufenden Absatzl 2380 FAHRRÄDER sind Qualitäts-Erzeugnisse Tourenräder- Rennräder- Knabenräder jjj Ballonräder- Strapazräder- Mädchenräder m Luxusräder- Volksräder- Kinderräder re Premier-Werke A.-G., Prag- Eger f Vertretungen in allen größoren Orten. Wo M nicht vertreten, wende man Bich direkt an die stj Fabrik in Eger KJ n- Ä>au_nl Z">>0Bbcbt ngungen: Bei Z»»stellung ins HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 18.—, vierteijührtg XL 48.—. halbjährig KC 00.—. ganzjährig KL 102.—.— Inserate werden laut Tarif üiutölt berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die ZeitungSfrankatur wurde von der Post- und Telegraphen- direttion mit Lrlatz Nr. 13.800/VH/1080 bewilligt.— Druckerei:..OrbtS" Druck-. Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.