I 14. Jahrgang Dienstag, 5; Juni 1934 Nr. 129 IBNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHQSIOWAKISCHEN REPUBLIK Etnielprsl* 70lMir (•Imchlteeilch 1 Hall«, Forto) 1 ERSCHEINT MIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion uno Verwaltung mag xii.,fochova«s. telhon snn. Administration Telefon 53076. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Ungarische Legitimistenwallfahrt zu Eugen? Wien, 4. Juni. Wie das„Neue Wiener Tagblatt" mitteilt, planen die ungarischen Legitimisten mittels Dampfschiff eine große Exkursion nach Wien zu unternehmen, um dort eine Huldigung für Eugen Habsburg zu veranstalten. Gleichzeitig wollen sie die Gräber Kaisers Franz Josefs und der Kaiserin Elisabeth besuchen. Die Exkursion wird von Graf Anton S i g r a y geführt werden, der nm' der Resignation des Grasen Josef Karolyi dieser Tage die Leitung der magyarischen Legitimisten übernommen hat. Nach einer anderen Meldung wird Eugen Habsburg jedoch schon am Mittwoch Wien verlassen und sich zum dauernden Aufenthalt nach Gumpoldskirchen begeben, wo er im Kloster deü Deutschen Ritterordens wohnen wird. Aus der RUstungsintemationale Amerika liefert Fliegerabwehrgeschütze nach Japan Panama, 4. Juni. In den letzten zwei Monaten passierten den Panamakanal nicht weniger alü 32 Frachtdampfer aus amerikanischen Häfen am Atlantischen Ozean, deren Fracht aus Kriegsmaterial, Eisen, Stahl, Blei, Schießbaumwolle usw. bestand. In den letzten Tagen durchfuhr den Kanal u. a. eine Ladung kompletter Fliegerabwehrgeschvtze amerikanischer Provenienz in Kisten verpackt, die mit dem Vermerk„Maschinen" für Japan aus dem Hafen von San Francisko versehen waren, von wo sie infolge deö HafenavbeiterstreikeS nicht direkt transportiert werden konnten. Vorbereitungen zur Flotten* konferenz Washington, 4. Juni. Der amerikanische Sondergesandte Norman DaviS ist von seiner Regierung angewiesen worden, alsbald nach Bccndi- gung seiner Genfer Mission nach London zu gehen und mit der britischen Regierung über die Vorbereitung der Flottenkonserenz zu verhandeln. Außerdem entsendet die Regierung der Vereinigten Staaten Admiral Leigh und Commander Wil- kinson, die am 9. d. M. nach London aüfahren werden. Die Verhandlungen dürften erst in der zweüen Junihälfte beginnen. Amerikanischer riottenbesudi In Leningrad MoSkan, 4. Juni. Der amerikanische Mari- ncattache in Moskau hat das sowjetrussische Kriegskommissariat heute offiziell verständigt, daß im Monate August zwei amerikanische Dreadnoughts den Leningrader Hafen anlaufen werden. Ein Teil der amerikanischen Mannschaft loird dann als Gäste deö amerikanischen Botschafters für mehrere Tage nach Moskau koni- men. Die fowjetrufstschen Behörden werden sich an der Begrüßung beteiligen. AM 99 Jahre? Peking, 3. Juni. Die Zeitung„Kuapei-Jih- Pao", das angesehenste Blatt Pekings, ist verboten worden, weil cS eine Meldung aus Nanking tviedergab, die die angeblichen Forderungen Japans an China, darunter die Abtretung von Amoy(Provinz Fukien) als Pachtgebict auf 99 Jahre," enthielt. Vom Standgericht zum Tode verurteilt Bon MiklaS begnadigt Wels, 4. Juni.' DaS Welser Standgericht verurteilte heute den Schlossermeister Urban, der des Mordes' an dem' Bäckergehilfcn Leopold Schmiedbergcr schuldig erkannt wurde, zum Tode durch den Strang. Der Verurteilte nahm daö Todesurteil gefaßt entgegen. ’ Der Bundespräsident begnadigte jedoch Urbar, und die Todesstrafe lvurde in lebenslängliche schwere Kerkerstrafc umgewandclt. orerst über die Sicherheit ver- lichon auf einer Zusammenarbeit der Arbeiter und Bauern und wie sich zeigt zum vollen Vor- teil beider arbeitenden Klassen des Volkes. Erst vor einigen Tagen hat der schwedische Reichstag in beiden Kammern eine umfassende Krisenhilse für die schwedische Landwirtschaft mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Bauern angenommen, die nicht nur den Bauern bessere Preise fiir ihre Agrarproduktc, Senkung einer Reihe von Abgaben, sondern auch 93 Millionen sich aber die reichsdeutschen die getroffene Abmachung zu geht aus einer Meldung aus hervor, daß es dort sofort nach handelt werde. Wie siri eö also möglich, dir Debatte über dieses Problem zu vertagen? Der amerikanische Delegierte Norman D a- v i s unterstützte die Bestrebungen dcS Präsidenten Henderson, Deutschland nach Genf zu bringen. Der englische Delegierte Eden stimmte mit den Vorschlägen der russischen Delegation über die Umbildung der Konferenz in eine ständige Friedenskonferenz nicht überein. Der schwedische Delegierte Sandler erinnerte dann am die neuen Rüstungen Deutschlands und an die Frage der Gleichberechtigung, die gelöst werden müsic. Ter schweizerische Delegierte Motta erklärte, die Anwesenheit aller interessierter Staaten, also auch Deutschlands, sei unerläßlich. Nach einer längerrii Debatte wurden die Verhandlungen auf morgen vertagt. Der Gesamteindruck geht dahin, daß die Lage auf der Konferenz vorläufig eine Verschlechterung erkennen läßt, da weder der englische noch der italienische Delegierte die Absicht haben, über die Sicherheit zu verhandeln. Während aus den fasciftischcn Ländern vom Schlachtfeld ihrer Wirtschaft eine Alarmnachricht nach der anderen komnit, dringt aus jenen Ländern, die der Weltwirtschaftskrise genügend Widerstandskraft entgegensetzen konnten, um ihr staatliches Leben gegen den sascisüfchen Bazillus zu immunisieren, nun neuerdings Kunde von ihrem konjunkturellen Aufstieg. Nachdem daö demokratische England die Welt mit seinem Budgctüberschuß überrascht hat, hört man mm auch aus den nordischen Ländern, vor allem Dänemark und Schweden, daß der Tief- punkt der konjunkturellen Entwicklung verlassen worden ist und cs im raschen Tempo wieder auf- wärts geht. In D ä n e m a r k ist die Arbcits- losigkeit in den letzten Wochen um mehrere Tau- send pro Woche gesunken. Hatte Dänemark im Feber dieser Jahres noch 131.000 Arbeitslose, so war der Stand am 15. Mai um nicht weniger als 63.000 Arbeitslose geringer, also eine Abnahme um 40 Prozent in zwölf Wochen. Vom Höchststand der Arbeitslosigkeit mit 200.000 im Winter 1933 ist eö gelungen, die Arbeitslosigkeit aus nur mehr 84.000 herabzudrücken. Achnliibe günstige Resultate der zielbewußten Krisenpolitik werden aus Schweden berichtet, dessen Export sich sprunghaft belebt hat. Im Monat April hat die Zahl der Arbeitslosen um 14.000 abgcnommen und beträgt jetzt 140.000, d. i. um 40.000 weniger als in der gleichen Zeit des Vor- jahrcS. Im ersten Quartal 1934 wurde die Indexziffer mit 3,21 berechnet, wobei die Ziffer drei einen mittelguten Beschäftigungsgrad darstellt. Im selben Zeitabschnitt dcS vorigen Iah. reS lautete die Ziffer 2,30, näherte sich also dem Punkt der schlechten Beschäftigung ganz bedenklich. Die schwedische Regierung, die seit dem vorigen Jahr durch eine energische planmäßige Arbeit der Krise zu Leibe rückt, hat also einen außerordentlichen Erfolg errungen, der nmso be- merkenswerter ist, als es sich hier allem Anschein nach, nicht um eine Zufallskonjunktur handelt, sondern um ein dauerndes AustvärtSschreitcn. Beide Länder, sowohl Dänemark wie Schweden find alte Demokratien und in beiden Ländern stehen Sozialdemokraten an der Spitze der Regierung. In Dänemark regiert seit fünf Jahren S t a u n i n g mit einer aus Sozialdemokraten und radikalen bürgerlichen Linken bestehenden Mehrheit, in Schweden ist eine sozialdemokratische Regierung unter der Führung Per Albin H a n s s 0 n s am Ruder, die jeweils von einer sozialdemokratisch-bänerlichen und freisinnigen Mehrheit getragen ist. In beiden Ländern arbeitet die sozialdemokratische Regierung mit den gleichen Mitteln der Kriscnbckämpfung: weitgehende öffentliche Arbeitsbeschaffung, Durchdringung der Wirtschaft durch Planhaus, halt, Besteuerung der Besitzenden zugunsten des Gemeinwohls und Verhinderung der Senkung der Kaufkraft breiter Massen durch Kampf gegen jeden Lohndruck. Was aber sowohl die sozial- demokratische Krisenpolitik in Dänemark wie in Schweden auszcichnct, ist das weitgehende Vor- ständnis für die Lage der Bauernschaft, die in den nordischen Ländern zum allergrößten Teil Kleinbauern sind und in ihrer sozialen Lage der Arbeiterschaft sehr nahe stehen. In Schwc- Das skandinavische Beispiel Arbeiter und Bauern Im Kampf gegen die Krise Neue Differenzen in Genf Barthou beharrt auf dem Primat der Sicherheit Henderson für direkte Verhandlungen mit Deutschland? Acut verringert. Diese Verminderung kommt in den einzelnen Länder» folgendermaßen zum Ausdruck: In Böhme» 28.8 Prozent, in Mähren- Schlesien 20.8 Prozent, in der Slowakei 26.7 Prozent»nd in ttarpathornßland 59.1 Prozent. I» den Bereichen der Bezirksämter, in denen im Jänner 1934 mehr alü 10.000 nicht untergebrachte Bewerber verzeichnet wurden, ist im Mai>934 folgende Verminderung der Arbeitslosigkeit eingetreten(die erste Ziffer bedeutet den Stand im Jänner, die zweite im Mai): Groß- Prag 25.055, 18.460; Böhm.-Leipa 10.515, 9277; Tetfchen 14.476, 9701; Gablonz 11.526, 9809; Karlsbad 13.117, 11.332; Reichenberg 12.984, 11.550; Pilse» 15.298, 11.087; Tep- li».Schönau 11.694, 9610, Anssig a. E. 10.275, 8354: L-ökowiv 10.540, 8619; Briinn 14.013, 11.887: Friedel 10.786, 8987; Freistadt 10.826, 6322; Mähr.-Ostrau 11.140, 8387; Reutitschein 12.322, 9936; Troppan 10.541, 9595. Die Arbeitslosenziffer liegt Ende Mai mit rund 619.000 Arbeitslosen also bereits nm 5000 unter dem günstigsten Arbeitslosenstand deö Vorjahres, der im Oktober 1933 erreicht wurde»nd damals rund 624.000 betrug. denen Manifestationen und AnSsachrcitungcn von' Hitler-Anhängern kam. In Saarlouis traf im Autocar eine Expedition von Stuttgarter Studenten ein, die Hitler-Lieder sangen und im Sprechchor antifranzösische Parolen auöstießen. Die Menge verprügelte einige Ortsbewohner, die als frankophil oder Anhänger deö staius. quo bekannt sind. Die Polizei und Gendarmerie schritt nicht nur nicht ein, sondern sympathisierte offen mit den H i t l e r a n h ä n g e r n und bezeigte ihnen vielfach den Hitlergruß. Saar-Pakt vom Rat genehmigt Genf, 4. Juni. Der Völkerbundrat hat heute die ihm vorgelegte Entschließung über die Saar- Abstimmung ohne jede Aenderung einstimmig genehmigt, nachdem der Vorsitzende des Dreicrlomi- teeü Baron Aloisi einen eingehenden Bericht über das am SmnStag abgeschlossene französisch-deutsche Einvernehmen erstattet hatte. Ferner hat der Völkerbundrat zur Aufrechterhaltung der Ordnung beschlossen, die Polizeikräfte im Saargebiet zu verstärken. Die französische und die deutsche Negierung haben sich durch gleichlautende Sonderzuschriften verpflichtet, daß sie sich jeglichen Druckes enthalten lverden, der die freie Ausübung deö Plebiszits irgendwie tangieren würde. Ebenso werden sie sich jeglicher Verfolgung tvegen des politischen Standpunktes der abstimmungsberechtig- tcn Personen enthalten. Im Falle einer Nicht- P r a g, 4. Juni. Rach der heute vom Für- forgemiuisterium veröffentlichten Statistik über die Arbeitslosigkeit im Monat Mai 1934 betrug die Zahl der nicht nntergebrachten Arbeitsbewerber bei den öffentlichen ArbeitsvermitilungSstellen zum 31. Mai 619.487. Davon entfielen auf die öffeut- lichrechtlichen ArbeitSvermittlungSstellen 586.469 Personen. In den einzelne» Ländern stellten sich die ArbeitSlosenziffem wie folgt: Böhmen 301.673, Mähren-Schlesien 198.612, Slowakei 83.763, Karpathorußland 2421. Im Vergleich zum Stand der Arbeitslosigkeit am 31. Mai des Vorjahres ist eine Verminderung um 107.142 Personen, d. i. um 14.7 Prozent eingetreten. Gegenüber dem 30. April 1934 hat sich die Arbeitslosigkeit um 84.851 Personen, d. i. um 12 Prozent verringert, und zwar in Böhmen um 11.8 Prozent, in Mähren-Schlesien um 11.6 Prozent, in der Slowakei um 12.8 Prozent, in Kgr- pathorußland um 36.8 Prozent. Seit Jänner 1934 hat sich die Arbeitslosigkeit um 219.495 Personen, d. i. um 26.2 Pro- Msitsrsr Rückgang der Arbeitslosigkeit Um 12,0 Prozent seit dem Vormonat, um 26,2 Prozent seit Jänner Ole niedrigsten Ziffern des Jahres 1933 unterschritten Übereinstimmung der deutschen Negierung mit anderen Mitgliedern des Völkerbundes wird Deutschland Schiedsverhandlungen im Haag zulassen. Nazi-Terror gehl trotzdem weiter Wie wenig Hakenkreuzler an halten gedenken, Saarbrücken dem Bekanntwerden der Festsetzung des Plebiszit- ratums auf den 13. Jänner 1985 zu vcrschie-—den beruht die Regierungspolitik im Wcseut- G e n f, 4. Juni. In der heutigen nichtöffentlichen Sitzung des Präsidiums der Abrüstungskonferenz, die mehr als drei Stunden dauerte, erklärte der Vorsitzende Henderson u. a., daß man keine Lösung mit Hoffnung auf Erfolg suchen könne, wen» nicht die hauptsächlichen politischen Schwierigkeiten beseitigt würden. Verschiedene Anregungen deuten darauf hin» daß die A n w e s c» h e i t Deutschlands in Genf notwendig sei. DaS Präsidium müsse sich um die Beseitigung jener Hindernisse bemühen, die Annäherung vor allem der deutsche» und der französischen These im Wege stehen. In bezug auf die Nichtangriffspakte»nd die Pakte für gegenseitige Hilfeleistung erklärte Henderson, feiner Ansicht nach sollten die Regienmgen direkt untereinander verhandeln. Deshalb wäre eS notwendig, die Beratungen über die Sicherheitsfrage zu vertagen. Minister Barthou antwortete Henderson, daß insgesamt 14 Staaken gefordert hätten, daß v (Beite 2 DienStag, 5. 3tint 1934 Nr. 129 schwedische Sirenen(590 Millionen Ke) bringen. Eö ist gar nicht zn bezweisein, das; die schwedische Sozialdemokratie mit ihrer Baucrnpolitik nicht mir wirtschaftlich, sondern auch politische Ziele befolgt, oder besser gesagt, daß die WirtschaftS- volitik ihre staats politischen Folgen zeitigt. Jin» mer mehr erkennen die schwedischen Bauern, daß sie durch viele Jahrzehnte nur als Ballast der bürgerlichen Parteien mitgcführt wurden und zum ersten Male sehen sie, daß die sozialistische Arbeiterschaft nicht jener Satan ist, den ihnen die bürgerlichen Parteien immer an die Wand geinalt hatten, sondern der natürliche Bundes» genösse im Kampf gegen das Großkapital. Gc» miß steht dieses Bündnis der Arbeiter und Bauern in Schweden noch auf schwachen Füßen. Weit weniger rasch als die Arbeiter lernen die Banern die Solidarität der arbeitenden Klassen schätzen. So haben sic dein großen Werk der schwedischen Arbeiterregiernng, der Arbeitslosen» Versicherung, die erst in dieser Woche nach 27» fährigeni Kampf den Senat und die zweite Kain» mer passiert hat, noch iinnicr ihre ilnterstützung versagt. Aber für die Bewegung unter der schwedischen Bauernschaft ist es symbolisch, was aus den Walddörfcrn Norrlands berichtet wird. Da nahmen die Norrlandbaucrn am Maiumzug der Arbeiterschaft zum ersten Male in großer Zahl teil und sie marschierten unter der Standarte: „Wir Bauern stützen die Regierung." Es ist zweifellos, daß mit dieser Linksentwicklung der Bauern auch ein Ansteigen der sasci» stischen Welle zusammenhängt. Die fascistische Gefahr droht in Schweden nicht von den Ratio» nalsozialisten, die es nach deutschem Muster auch dort gibt, sondern von einer anderen Seite, und zwar der rapiden Entwicklung, die gewisse Teile der bürgerlichen Parteien, vor allem der Kon» servativen Partei, zuin Fascismus hin irehmcn. Erst in den letzten Wochen ist eine derartige Ent» Wicklung zuin Abschluß gekommen. In der großen Konservativen Partei Schwedens kam es zu einer Abspaltung des sogenannten Schwedischen nationalen JugendvcrbandcL(SNU), der hauptsächlich die jüngeren Kräfte des schwedischen konservativen Bürgertums umfaßt, und sich jetzt als „Jungnationale" neu konstituiert hat. Damit ist die Zersplitterung des schwedischen Bürgertums gerade unter dem Scklagwort einer bürgerlichen Sammlung gegen die„sozialistische Diktatur" um einen Grad reicher geworden. Diese neue jungnationale Partei steht dem Hakenkreuzler- tum sehr nahe, wenn cs auch gewisse in Schive- den ganz und gar unmögliche Dinge, wie den Radauantisemitismus ablehnt. Dio leitenden Kreise dieser Partei haben der Oeffentlichkcit vor kurzem einen Entwurf einer BcrfassungSrcform vorgclcgt, der allerdings von den Konservativen wie von den Arbeitern ganz gleich abgclchnt wor- den ist und nur Gelächter geerntet hat. Trotzdem läßt dieser Verfassungsentwurf recht gut erkennen, was diese Jungnationalen eigentlich wollen, so verklausuliert und vorsichtig der Entwurf unter Berücksichtigung auf die alte demokratische Tradition in Schweden auch formuliert ist. Man hat es hier ohne Zweifel mit jener konservativen Spielart des FasciSinuS zu tun, wie sie von Doll- fuß oder UlmaniS repräsentiert wird. Der Ständestaat spukt hier ebenso herum wie die „Stärkung der Regierungsmacht", was, von feiten der fafcistischen Jungnationalen vorgebracht, um so komischer ist, alS gerade sie am meisten über die„sozialistische Diktatur" der gegenwarti- gen Regierung und der Gewerkschaften jammern. Die Elemente für den FasciSmuS find also in Schweden trotz einer jahrhunderte alten Demokratie— daS schwedische Parlament feiert im Jänner des nächsten Jahres seinen fünfhundert- stcn Geburtstag— gewiß ebenso gcgebciß wie in anderen Ländern. Vergebens bemühten sich die konservativen Kreise mit aller Macht die Gesetz» iverdung einer Regierungsvorlage gegen bewaffnete Privatgardcn, die von Deutschland aus mit Geld und'Waffen unterstützt, sich apch in Schweden zeigen, zu verhindern. Aber zwei Um- „Diskussion" Hilgenrelncr—Henlein Der christlichsoziale Parteitag hat auch die „Rundschau" des Herrn Henlein zur Stellung» nahnie veranlaßt. Henlein verschießt wohlgezielte Pfeile auf Hilgenreiner und schlägt einen Ton an, der dem der„Deutschen Landpost" ähnelt. DaS nachfolgende Zitat aus der„Deut» scheu Presse" gibt Aufschluß über den fröhlichen Streit, der unter den Gegnern der Arbeiter» bewegung tobt. «Also beginnt der Artikel der Heimatfront- Rundschail:„Christlichsozialer Rcichüparteitag im Deutschen Haus zu Prag. Die politische Rede ist vorbei, c r hat gesprochen, der Herr Prälat Dr. Hikgcnrciner, hauptberuflich Reichspartei« obniann der christlichsozialen Partei und Senator — nicht zu vergessen, im Nebenberuf auch Thcologicprofessor der Prager Deutschen Univcrsi» töt. Diese Berufseinteilung müssen wir Wohl so treffen, wenn wir die hastige Geschäftstätigkeit (die sonst einer anderen Mcnschcngruppe an- gehört, als Dienern Gottes) beobachten, mit der j Herr Sen. Dr. Hilgcnrcincr die Vorbereitungen zuin Parteitag getroffen hat und diesen selbst gestaltete." Soviel Niederträchtigkeit in wenigen Zeilen hat noch nicht einmal die marxistische Presse zusainmengebracht, die sich loahrscheinlich mich dagegen wehren würde, mit einer solchen Polemik auf eine Stufe gestellt zu werden. Henleins Zeitung setzt sich nickt mit dem Politiker Sen. Hilgenreiner auseinander, sondern greift den Redner in seiner Beruföehre an. In Klammern setzt man dann noch eine Bemerkung hinzu, die durchblicken lassen will, daß sich Hilgenreiner einer jüdischen Geschäftigkeit schuldig gemacht habe. Hilgenreiner wird weiter„geschulte Demagogie" vorgeworfen, ein bezeichnender Titel, heißtj.„Partespharisäer oder Prälat?" Aü3 alledem geht hervor, daß eS die Henlein-Leute bewußt darauf abgesehen haben, in Hilgenreiner nicht— wenn schon, dann schon— den politischen Gegner zu bekämpfen, sonder» den Priester. Der Priesicrstand Hil« gcnreincrS tvird bewußt in den politischen Tages« tamps hereingezerrt, um damit die christlichsoziale Partei zu treffen, mit deren Existenz man einfach nicht rechne» will. Man zerrt daS Priestertum durch den Kot. schämt sich aber nicht, gleichzeitig pathetisch zu erklären:«DaS junge nationale Sudetendcutschtum, vertreten durch die SHF., will und wird für die Verwirklichung christlicher Weltanschauung im öffentlichen Leben, in Kultur und Erziehung entschlossen eintreten." Durch bewußte Herabsetzung des Priestertums bestimmt n i ch tl .,. Sachlich geht die Henlein-Presse über- ständefindeS, diedem schwedischen Fascismus von vornherein seine Grenzen st ecken:daöBiindniSzwi- schen den Bauern und den Arbei- ter» und die wirtschaftliche Auf- w ä r t S e n t w i ck l u n g indenbeiden Jährender sozialdemokratischen Regierung. Schweden steht vor Gemcindc- und BezirkSrotSwahlcn, die im Herbst statt finden werden. Die schwedische Arbeiterschaft kann diesen Wahlen getrost entgegensetzen. DaS Licht dcS nordischen Sozialismus leuchtet in die Finsternis des europäischen FasciSnmS. Und im ganz anderen Sinn wird wahr, waL die Nazis prophezeit haben: die wirklich„nordischen" Menschen tra- gen die Fackel. Haupt nicht auf die Kernfragen des Hilgcnreiner« Referates ein, insbesondere nicht auf die Aufforderung zur Schaffung einer deutschen Einheitsfront. Dian stellt sich dabei absichtlich duinm. da man nicht verstehen lvill, daß eine Volkspartei unter ihrer Fahne alle Menschen sammeln könne, die die Einheitsfront erstreben. Man muß aber ans der ganzen Art, in der der Rundschau-Artikel geschrieben ist, schließe», daß Henlein die Einheitsfront nicht will, daß er auch jede Zusammenarbeit mit der christlichsozialen Volkspartei in sndctendeutschen Fragen und in Frage«» der christlichen Weltanschauung ablehnt. Möge er auf seinen Bahnen weiter gehen, das deutsche katholische Boll tvird ihm in den Spuren seiner gehässigen„Rundschan" be« stimmt nickt folgen. Wir bedauern aufrichtig diese Enttvicklung, können sie ober nickt hindcrn." Herr Spins sagt ab... Rudolf Sandner auf eine Tagung der Landlugend In B i s ch o ft e i n i h war an» vergangene» Sonntag eine Kreiütagimg deü Bundes der Landjugend. Diese KreiStagungen können als Werbeveranstaltungen der Siidetendeutsche» Heiniatfront angesehen werden. Sie wurden auch, sicherem Vernehmen nach, in ihren Agitationsplan aufge« nomme». Jeden Sonntag sind jetzt einige; alle Gebiete, aus die sich der Wirkungsbereich deü Bundes der Landwirte erstreckt, werden systematisch bearbeitet. Die Landjugend tvird von ihren eigenen „Führern" auf die Schlagworte Henleins gedrillt. In Z w i t t a u hat vor einigen Wochei» zum erstei; Mal ein Henlein-Mann Zutritt zu einer Veranstaltung der Landjugend und auf ihr das Wort erhalten. Zur Bischoftcinitzer Tagung konnte Herr Henlein; da sich die' Entwicklung im Bunde der Landjugend in raschem Tempo vollzieht, schon seinen Goebbels schicken: Herr Sandner ergriff dort, nach dein Berichte der bürgerlichen Presse stürinisch begrüßt, daö"Wort, um die Grüße Konrad Henleins zu überbringen. Herr Spina hatte vorsichtiger Weise allerdings im letzten Augenblick abgesagt. Er mußte ain Tage vorher einen„unaufschiebbaren" Rundfunkvortrag über die Bedeutung des deutschen Volksliedes halten und wäre deshalb nicht zeitgerecht nach Bischofteinitz gekommen. So gab er denn dem Herrn Zierhut Gelegenheit, im Angesichte Rudolf SandnerS die demokratischen Grundsätze zu entwickeln, für die Zierhut in dec letzten Ausgabe des«Neuen Morgen" sehr energisch eingetreten ist. In dem Berichte des„Mon- tagSblatteS" wird nur gesagt, daß Zierhut die Grüße Spinas überbrackt hat und das«vorbildliche Arbeiten der Landjugend für das deutsche Volksgut" anerkannte. DaS dieses vorbildliche Arbeiten aber der P a r t e i des Ministers Spina nicht zugute kommt, hat dann Gustav Hacker bestätigt, der in dieselbe Kerbe wie Sandner haute. Er behauptete übrigens,«daß der Weg der Landjugend, einstmals verlacht, heule a l l g e m e i n als der richtige anerkannt wird". Dies ist sehr wichtig. Man kann daraus schließen, daß die SHF. schon die Mitgliedskarte für den Herrn Minister Spina vorbereitet hat. Sind die Feststellungen Hackers richtig, dann hat Spina den Bund der Landwirte schon längst der SHF. vermählt und er tut nur in der Oeffcntlich- keit so, als ob es eine eigene Meinung und eine selbständige Politik des Bundes der Landwirte gäbe. Es sei denn, daß Herr Spina den Mut und die Entschlossenheit findet, zu sagen, daß die Behauptung Hackers, seine, Hackers, berühmte Konzeption Spina—Henlein habe sich durchgesetzt, nicht der Wahrheit entspricht. 500 Richter zu wenig! Eine dringliche Mahnung deü tschechischen RtchlrrverbandeS. Die am 27. Mai d. I. abgehaltene Bollver» sammlung dcS„Verbandes tschechoslowakische Richter", zu der sich Vertreter des I u st i z m i n i st e r i u in s, der Advokaten» und Nolariaiskammern und zahlreicher nahestehender Verbände, vor allem auch der deutschen Nichterorganisation eingcfunden hatten, befaßte sich besonders eingehend mit der gegenwärtigen Situation des Rich- terstmide«. Der Vorsitzende des Verbandes GR. P r a- sät widmete diesem Thema ein eingehendes Refe, rat, in welchen» er darauf hintvieS, daß die Per- sonalverhältnisie unseres RichtcrstandcS eine völlige Kalamität bedeuten, die sich auf daS gesmnte öffentliche und Wirtschaftsleben aufs ungünstigste auSwirlen muß. Die Zahl der n i ch t- be setzten Richtcrposten im Staatsgebiet beträgt etwa fünfhundert. Die Folge dieser Vakanzen ist«ine Uebcr- bürdung der im Dienst stehenden Richter, die cs ihnen unmöglich macht, ihren Aufgaben gerecht zu werden. Die Rechtsprechung kommt in die verhängnisvolle Lage, mit dem Tempo des modernen Wirtschaftslebens nicht Schritt halten zu können. Prozesse ziehen fick jahrelang hin, weil die Richter beim besten Willen nicht in der Lage sind, das ihnen aufcrlegte Pensum zu verarbeiten. Der tschechische Richtcrverband erhebt mit allem Nachdruck vor der gesamten Oeffentlichkcit die Fordennig nach schnellster Abhilfe. Er fordert inSbesonderS eheste Besetzung dec freien Posten, den nötigen personalen Ausbau ungenügend besetzter Gerichte, Beseitigung der oft monatelang tvährenden Provisiorien bei Freiwerden eines Richterpostens, der meist durch Supplierun- gen der ohnehin überlasteten Kollegen auögefüllt werden muß. ES handelt sich, wie die angenommene Resolution betont, nicht nur um eine Frage des Richterstandes, sondern nm ein gewichtiges Problem unseres gesamten öffentlichen Lebens. 28 Unsere Töchter, die Naxinen> Roman von Hermynla Zur M UNon Lieselotte lachte, als Eberhard ihr die Geschichte erzählte. Manchmal lacht daS arme Kind an der unrechten Stelle. Ich tvar natürlich tief empört, wie wagte die Alte, sich so gegen unsere brave SA und vor allem gegen meinen liinstigen Schwiegersohn, den Baron Hellsdorf, zu benehmen? Ich bin auch überzeugt, daß sic trotz allem den Bürgermeister versteckt gehalten hat. Einen Tag nachher fuhr sie in ihrem kleinen Motorboot spazieren, ihr Gärtner, von den» die ganze Stadt weiß, daß er Kommunist ist, lenkte das Schiff. Sie fuhr an der Schweizer Grenze entlang; wer weiß, wo das Boot angehalten hat und wer ausgeschifft wurde? Aber sie ist ja so verlogen und heimtückisch; man konnte ihr nichts Nachweisen. Und Claudia be» deutete für sic einen Schutz. Diese Claudia, sie gehört wirklich nicht zu uns, man müßte sie aus der Partei ausstohen. Aber ihr Geliebter gibt es nicht zu. Eine feine Familie, die Alte beherbergt einen Verbrecher, und die Junge, die nicht einmal mehr jung ist, hat einen Geliebten. Da lobe ich mir meine Lieselotte, die immer ein braves Mädchen gewesen ist und nun bald Baronin Hellsdorf sein wird. Mein Arthur ist ein vornehmer Mensch; als ich ihm sagte, daß die Gräfin Agnes bestimmt jüdische Ahnen hat, schüttelte er den Kopf: «Sag das nicht, Martha. Ich habe ihren Stammbaum studiert. Reine Arier. Aber tvcnn dich diese Frage interessiert..." Er holte aus dem verschlossenen Schreibtisch eine Menge Papiere hervor. Er hat schon seit Jahren Listen von Leuten aufgestellt, deren Ahnen- reihe durch jüdisches Blut befleckt ist. Ich sah mit Freude und Staunen, daß die Urgroßmutter der Frau Major eine getaufte Jüdin war und auch bei vielen, die sich jetzt deutsch gebärden, fand man den Raffcnmakel. Arthur und ich verbrachten zu« sammcn einen schönen harmonifchen Abend. Ich fühlte mich dermaßen eins mit meinem lieben klugen Mann. Wie schön ist cü doch, wenn Ehe« gatten die gleichen Interessen und Ucbcrzcugungcn habe». Wie schön ist cö für eine Frau, sich von dem geliebten Mann lenken und führen zu lassen. Und wie glücklich ist der Mann, dem die Frau seiner Wahl Verständnis entgegenbringt. Ich bin wirklich eine glückliche Frau. Die Tage fliegen nur so dahin. Nun ist be« rcits der achtundzwanzigste April. Ich habe aber auch schrecklich viel zu tun. Lieselottes Aussteuer »nutz gekauft werden, und außerdem beschäftigt mich die Einrichtung meiner Billa in hohem Maße. Sie wird, Gott sei Dank, viel billiger konimen, als ich erivartet hatte. Zuerst lvollte ich sie bei einen» Parteigenossen kaufen, aber der brave Mann war dermaßen te»ier, daß ich mir die Sache dann doch überlegte. Ich ging eines Abends, als eö bereits ein wenig dunkelte, zu der jüdi« scheu Möbelhnndlung Kohn nnd sah mir die Waren an. Eigentlich tat ich es aus Mitleid, denn der alte Kohn ist fünfundsiebzig, und was fall so ein alter Mann tun, wenn niemand mehr bei ihm kauft? Natürlich versuchte der Jude zuerst, mich zu betrügen; er verlangte fast ebenso viel wie unser braver Parteigenosse, und daS kommt einem Freindstämmigen doch wahrlich nicht z»i. Ich erklärte ihm das, sanft, aber entschieden. Eö ärgerte mich, daß der Mann meine Güte nicht zn schätzen wußte. „Ich habe immer feste Preise gehabt, Frau Doktor," sägte er in seiner unverschämten jüdischen Art. «Ja, früher," meinte ich noch ganz milde. „Ich kann die Möbel nicht billiger hergeben." Da packte mich aber denn doch der Zorn. „Wissen Sie nicht, daß jetzt endlich mit den Wucherpreifen aufgeräumt wirdl" rief ich.„ES wäre meine Pflicht, sie wegen Ueberschreitung der erlaribten Preife anzuzeigen." Der alte Mann wurde noch Keiner, als er von Natur aus ist. Seltsam, der liebe Gott selbst hat diese Juden gezeichnet; sie sind immer klein, haben irgendein Gebrechen, hinken, haben Platt« fütze, wobei mir einfällt, daß ich mir neue Ein« lagen in meine Schuhe kaufen muß. Nicht etwa, daß ich, Gott behüte, Plattfüße hätte, aber vom vielen Arbeiten habe ich eine kleine Senkung bekommen. Also, der alte Mann stand ganz jämmerlich und zitternd in einer Ecke nnd starrte mich mit seinen roßen schwarzen Augen a»i. DaS rührte mich sehr. Wem» er auch ein Untermensch ist, in der Bibel steht ja, daß der Gerechte sich des BieheS erbarmt. „Also, Herr Kohn", sagte ich ermutigend, „wir werden uns schon einigen. Ich zahle die Hälfte von dem, Ivas Sie verlangen. Und Sie machen dabei bestimmt»wch ein gutes Geschäft." Er jammerte noch eine Weile; es war wider« lich zu sehen, wie ein Mensch wegen des schnöden Mammon sich aller Würde begab. Dann nickte er., «Also gut, Frau Doktor." Auf diese Art bin ich billig zu einer Salon- und einer Speisezimmereinrichtung gekommen und habe außerdem noch ein gutes Werk getan. Damals wußte ich ja noch nicht, daß ich dem Juden überhaupt nicht würde zahlen brauchen. Er lieferte die Möbel, aber noch ehe ich die Rechnung erhielt, wurde er wegen kommunistischer Umtriebe ins Konzentrationslager gebracht, so daß ich eigentlich meine Einrichtung umsonst bekommen habe. Arthur erzählte ich nichts von der Sache. Er hätte meinen Standpunkt vielleicht nicht begriffen. Meine liebe Lieselotte bekam eine Aussteuer, wie eö stck für eine künftiac Aristokratin schickt. Selbstverständlich müssen wir, waS die Einfachheit des Lebens anbelangt, mit mitem Beispiel vor« angehen, aber eine junac Frau hat dennoch das Recht auf schöne Wäsche und Kleider. Und daß wir jetzt ein Auto besitzen, sind wir Arthurs Stell«»" huldig. Vertritt er doch einen Teil des neuen Deutschland; da darf er sich nicht lumpen lassen. DaS neue Deutschland. Ich kann die Worte immer nur mit tiefster Ergriffenheit aussprechen. Nun erst weiß ich, waö mich all die Jahre hindurch bedrückt und geschmerzt hat: Deutschlands Schmach, Deutschlands Erniedrigung. Aber jetzt ist diese Last von uns abgefallen, der innere Feind ist vernichtet, wir sind ein einig Boll von Brüdern, die Novemberverbrecher werden zur Rechenschaft gezogen. WaS sich unter unsere Fahne schart, ist daS wahre Deutschland. Wir haben den vernichten Klassenkampf aus der Welt geschafft. Am ersten Mai wird ein herrliches Fest alle bereinigen, und an Stelle der roten Fahnen, die ich immer so sehr gehaßt habe, wird über unserer Stadt die Hakcnkreuzfahne wehen, dieses deutscheste aller Symbole. Wir werden auch die Arbeiter, die zu uns stoßen, als vollwertige Menschen behandeln; freilich nur dann, wenn sie erkennen, wohin sie gehören. Es kommen ja manchmal unter der SA. Ungebührlichkeiten vor. Als die jungen Burschen neulich einen Kommunisten jagten, achteten sie gar nicht darauf, daß auch ich mich auf der Straße befand. Und wenn ich nicht schleunigst in ein Haustor geflohen wäre, hätte ich etivaö mit dem Gummiknüppel abgekriegt. Ich muß gestehen, daß ich eö damals mit der Angst bekam. Es sah aber auch wirklich bedrohlich aus. Etwa zwanzig Burschen jagten mit erhobenem Knüppel dem Kommunisten nach, der, feig wie alle Marxisten, wie ein Hase davonrannie. Der ganze Platz vor dem See war erfüllt von laufenden, fchreienden Menschen. (Fortsetzung folgt.) Nr. 129 $ien*ta£ 5. J«ri 1934 Seite 3 Der Kampf DaS zweite Heft deS„Kampf" ist erschienen und enthält folgende Beiträge: Josef Hofbauer: Tudetendrutschc Heimat front. — Otto Bauer: Demokratie und Sozialismus. — Julius Deutsch: WaS hat versagt?—<8. D. H. Cole(Oxford): Klassen nnd Klassenkämpfe im 20. Jahrhundert.— H. N. Brails- ford: Die Zukunft in England.— Franz Rehwald: Licht- und Schattenseite» der Weltwirt- schaftSkonjunktur.— Alfred Klciuberg: Nationaler NeusozialiSntuS.— K. A. Georg Meissel. Fritz Brügel: Die Zerstärnng der ästerrrichi- fchen Volksbildung.— Bemerkungen.— Bücherschau. SicherhcitSminister die Moglichlcit s^bcn, selbst auf die Gefahr hin, die unwürdigen virtrrti*m ttonninn.... L«*•...- Wie «ar ein Verleumdungen Feh davon der dazil untersucht 7 Juni, d. I., weiters einige Maßnahmen betreffend die Tätigkeit deS Syndikates für Verwertung von Vieh- und Biehprodukten genehmigt. Wie wir erfahren, wurde am Montag auch die Tätigkeit des Roten Studentenbundes durch die Prager Polizeidirektion eingestellt. Kammerpräsident Stankt an deutsche Kinder. Am Sonnlag fand in Jglau die Enthüllung eines Masarykdcnkinalö statt, das vorwiegend ans Kin- dcrsgnnnlungcn errichtet wurde. An der Feier nahm der Vorsitzende dcö Abgeordnetenhauses Stanek teil, der an die zahlreich erschienenen deutschen Kinder, die ebenso lvie die tschechischen Kinder Fcstchöre vorgetragcn hatten, auch in deutscher Sprache einige Begrüßungsworte richtete. An der Feier nahmen rund 0000 Personen, darunter 3000 tschechische und 2000 deutsche Kinder, teil. Vie Selbständlgenverslcherung Ministerrat seht Sonderkommission ein Prag, 4. Juni. Im heutigen Ministcrrat wurde u. a. beschlossen, die Frage des Gesetzes über die Alters- und Jnvaliditätsversicherung, von selbständig erwerbstätigen Personen einer interministeriellen Sonderkommission zuzuwcisen. Ferner wurden die Richtlinien für die Haltung der tschechoslowakischen Delegation bei der eben stattfindenden Internationalen ArbeitSkonfcrcnz in Genf genehmigt. An Gesetzentwürfen lvurden verabschiedet: Die Aendecung und Ergänzung der Vorschriften über daS Gerichtsverfahren der Arbeiterunfallversicheru:^, über die Amortisierung von Urkunden und über den Ersatz(Regreß) auf Grund der Gesetze über die Baubewegung und die WohnungSwirtschast der Gemeinden und der gemeinnützigen Baugenossenschaften. Genehmigt wurden ferner die Regierungsverordnungen über die Aenderung und Ergänzung einiger Vorschriften der Geschäftsordnungen für die Gerichte, und zwar insoweit es sich um die Einführung einer mitteleuropäischen Einheitszeit handelt, und über die Normierung des Pa« pierformatS im Bereich des Gerichtsdienstes und im Lusamniesshang damit auch über die Aenderung der Durchführungsverordnung zum Katastralgeseh und weiters Uber die vorübergehende Aenderung der Satzungen des Beratung-kollegiumS für Wirt- fchaftsfragen, betreffend die Ergänzung dieses Kollegiums durch Ernennung lveiterer Mitglieder und Ersatzmänner aus den Ländern der Slowakei und KarpathorußlandS. Endlich wurde das Abkommen nnt Oesterreich über die zollfreie Abfertigung von Bäder- und touristischen Propagandadrucksorten mit Gültigkeit vom Republik und Sozialismus Von Sean Sauris In dem 1923 erschienenen Buche von Egon Erwin Kisch„Klassischer Journalismus, die Meisterwerke der Zeitung" befindet sich ein Artikel des unvergeßlichen, am Vorabend des Weltkrieges ermordeten sozialistischen Apostels, grossen Politikers und Friedensfreundes, Jean Jaurcs, den dieser am 29. Avril 1902 in der„Hmnanilc" veröffentlichte und der ei» Problem behandelt, das in dem Titel dieses Aufsatzes enthalten und heule für uns besonders aktuell ist. Die demokratische Republik ist nicht, wie bei uns angebliche Marxlenncr behaupten, eine rein ' I bürgerliche StaatSform, die das Proletariat so we- Die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes, Harold Butler, teilt in seinem Jahresbericht mit, wie sich die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen unter 25 Jahren in einzelnen Ländern zur Gesamtarbeitülosigkeit verhält: Genosse W. Schevenels, Generalsekretär deS Internationalen Gelverkschafts- bundes veröffentlicht eine Erklärung, der wir folgendes entnehmen: Die Kommunisten sehen ihre seit Jahren angcivandten Methoden der Verleumdung gegen ihre politischen Gegner fort. DaS neue Objekt ihrer BerleumdungSkampagnen ist die Solidaritätsaktion fiir die österreichischen Arbeiter. In ihren Veröffentlichungen bringen sic folgende Meldungen: Der MatteottifondS unterstützt Arbeitermörder. ES ist eine feststehende Tatsache, das; 25 Prozent der vom Internationalen Gewerkschaftsbund für die Opfer des Fcbcraufstandcs gesammelten Gelder, die Oesterreich über die Quäler- Organisation verteilt werden, an de» Dollfutz- FondS abgegeben worden sind." In einer anderen Meldung heißt eS:„Die Amsterdamer Gewerk- schastsinternationale liefert Arbeitergeldcr an Dollfuß anS." Beide Meldungen sind h e w u ß t e L ü g e n. Der vom Internationalen GcwerlschaftSbund geleitete Hilfsfonds— cs handelt sich hier nicht um den Matteotti-Fonds, wie die kommunistischen Meldungen irreführend berichten— hat bis jetzt über 4 Millionen franz. Franke» in Oesterreich verteilt. Die Hilfsaktion ist so glänzend arbeitend aufgezogen worden, daß wenige Tage nach Beendigung der Kämpfe bereits 2500 Familien, einige Woche» später bereits mehr als 7500 Familien unterstützt wurden. Aicher der Million Schilling, die die russische Regierung für Unterstützung(lies: Propagand a z w e ck e) in Oesterreich der RotÄ: Hilfe zur Verfügung gestellt hat, ist es den Kommunisten nicht gelungen, in den tvesteuropäischen Ländern tvescntlichc Beträge einzusammeln, weil ihnen in den großen Massen für derartige Arbeit jedes Vertrauen abgesprochen wird. ES kann nebenbei erwähnt werden, daß die im JGB-Fonds gesammelten Gelder bis zum letzten Groschen ohne Abzug von VcrwaltungS, oder Reisekosten unter die betreffenden zu unterstützenden Familien verteilt werden, im Gegensatz zur kommunistischen Roten Hilfe, die in gewissen Fällen bis zn 50 Prozent der gesammelten Gelder für— Verwal- tungstosten(I) aufwendet. 18. Internationale Arbeitskonferenz eröffnet Genf, 4. Juni. Heute um 11 Uhr wurde im Saale deS Genfer KantonalrateS die 18. Tagung der Internationalen Arbeitskonferenz eröffnet. Außer den Vertretern der Arbeiterschaft, der Unternehmer und der Regierungen der 58 Mitgliederstaaten der Internationalen Arbeitskonferenz sind die Vereinigten Staaten und Aegypten vertreten, das heuer zum erstenmal Beobachter entsandt hat. Die lÄssion wird etwa drei Wochen dauern. Ter Vorsitzende sprach u. a. über die Anzeichen einer Besserung der Wirtschaftslage und über den Rückgang der Arbeitslosigkeit. Es müsse konstatiert worden, sogte er, daß auch nicht während der Weltwirtschaftskrise eine Verminderung des sozialen Fortschrittes eingetreten ist. Ueberall haben sich Bestrebungen der Aufrechterhaltung des sozialen NiveauS gezeigt, was in beträchtlichen Matze dem Bestände der internationalen Arbeitsorganisation als Verdienst angerechnet werden müsse. Auf Vorschlag deS italienischen Delegierten wurde zum Vorsitzenden der 18. Konferenztagung der französische Senator und getvesene Minister Justin G o d a r 1 gewählt. gelvesen sein mag. daS Nägeln wie wird sich der lieber- Sensation um Fey Ein Dieb in der österreichischen Regierung Dazu wird uns noch mitgeteilt, daß die durch den Vorfall Betrossenen, und ztvar Prell, Dörre nnd Prokop, tvährend des Lohnstreikes bei den Clemens Müller-Werken den Arbeitern als „Arbeitswillige" in den Rücken gefallen sind. Da also unter den Arbeitern gegen dje Genannten eine starke Mißstimmung herrscht, versuchen die arbeiterfeindlichen Kreise den Vorfall als einen R a ch e a l t darzustcllen und zu Angriffen gegen die Partei und deren freigewerlschaftliche Organisationen auSzunützcn. Ein mysteriöses Flugblatt, das in Ullgerödorf verbreitet ivurde und dessen Urheber niemand leimt, wird mit dem Vorfall in Verbindung.gebracht. Bei den Verhafteten handelt es sich meist um Verheiratete, denen niemand, der sie kennt, eine solche HandlungStveise zutrant. Es ist gmrz selbstverständlich, daß■ eine solche sinnlose Tat kein Kampfmittel der Sozialdemokratie und der freien Gewcrlschaften darstellt. Derartige Kampfmethodcn wurden bisher nur von den Nationalsozialisten angewendet und haben sich nur allzu oft als Werk von L ock- spitzeln nachweisen lassen. Wir hoffen, daß dieser Fall in kürzester Zeit restlose Aufklärung findet. Kommunlsllsdier Turnverein eingestellt Durch das Bezirksamt in Aussig wurde heute die Tätigkeit des Vereines„Arbeiter-Tum-, Sport- und Gesangverein" in Wiklitz eingestellt und das Vermögen desselben sichergestellt. Die Behörden erklären die Einstellung damit, daß nach de» Satzungen dieser Verein unpolitisch war. lväh« rend er in Wirklichkeit für die kommunistische Partei gearbeitet habe. Bei allen Mitgliedern dieses Vereins wurden Haussuchungen vorgenommen. dem Wege Fey-Altmann alle wichtigeren Vorgänge im Ministerrat dem Prinzen Ko dices und durch diesen der Nazizentrale um Habicht mitgeteilt worden sein. Im Ministerrat kam es zu einem großen Krach. Nach dem ersten Beschluß(der damals in ver hüllter Form auch in österreichischen Zeitungen Eingang fand) sollte Fen gänzlich aus der Regie rung entfernt und nacb Budapest verbannt wer- den. Fey jedoch trnmpste auf und drohte mit einem Putsch in Verbindung mit den Nazis, so! beglückwünscht'sich,"'dw"Revolution"und'die"Re^ da» man den Gedanken an eine Verbannung doch L uMil verteidigt zu haben, selbst als sie sich in aufgeben und»ich damit begnügen mußte, den den Händen der Volksfeinde befanden. Erbe- ,zey von der Vizekanzlerschast zu entfernen und n iücfiuiinfdit sich dazu, die Republik gerettet zu ihm auch als' jeglichen selbständigen Vorgehens zn nehinen. Seither gilt Fey politisch als toter Mann. 831 Jahre Kerker I Vom 10. Mai bis 20. Mai lvurden folgende Strafen über die Febrnarkämpfer verhängt: 18 Jahre Kerker erhielt 1 Genosse, 2% Jahre Ker ker erhielt 1 Genosse, unter 2 Jahre Kerker er hielten 0 Genossen, unter 1 Jahr Kerker erhielten 74 Genossen(zusammen 244% Monate). Im ganzen wurden bisher— von den 0 Hin gerichtete» nnd den 0(die lebenslängliche Strafe für den Schutzbündler Fageth wurde in 18 Jahre Kerker umgewandelt) zu lebenslänglichem Ker ker Verurteilten abgesehen— 581 Genossen und Genossinnen zu insgesamt 831 Jahren 1 Mo nat Kerker verurteilt. Männer, die sie vertreten, mit geretle: zn haben. Engels bedauert leidenschaftlich,tn endlichen Sieg näher, als er war. Aber selbst in dieser Periode der begeisterten Hoffnung auf schnelle Ve'wirklichnng des Endziels habe'ich nie daü Reformwerk vernachlässigt, war ich stets bemühe, unseren Reformplä- nen eine sozialistische Richtung zu geben. Nie habe ich hierin nur Palltativmittel für das gegenwärtige Elend, sondern einen Anfang sozialistischer Organisation gesehen: Keime des Kommunismus, die auf dem lapitalistischcn Boden auögesät lvurden... Ich lvurde stets von den: geleitet, lvas Marx so vortrefflich die„Revolutionär: Evolution'.' nennt. Diese besteht meiner Meinung nach darin, in die heutige Gesellschaft Eigentumsformen ein- zusühren, die ihr widersprechen, und über ihren Rahmen hinauSgchen, die die neue Gesellschaft ankündigen und vorbcreiien und durch ihre organische Kraft die Auflösung der alten Welt beschleunigen. Die Reformen find in meinen Angen nicht nur Linderungsmittel, sie sind und sollen sein Vorbereitung.":. Vor vier Jahren lvährend des Dreyfus- Prozesses, habe ich an dem abscheulichen Ansival» len der Dunnnhcit und der Barbarei, nn der traurigen Vertünnnerung des Willens und Gewissens gesehen, daß das Hindrängen und Hinstreben zum Sozialismus nicht genügte, daß vielmehr die erschütterte republikanische Freiheit gefestigt werden müsse. Wenn der Bergmann, der mit seinem Pickel eine» Steinkohlenblock nach dem ander» löst, plötzlich bemerkt, dass die Galerie und dbk! Stützen wanke», dass die Decke sich senkt, so.ldgt er für einen Augenblick die Haue beiseite nnd be- sestigt erst wieder die Stützen. Heisst das nun, dass er seine Arbeit eingestellt und sein starkes Hand- werkzeug hat liege» lassen'? Rein, im Gegenteil, er hat den Fortgang und Erfolg seiner Arbeit gesichert. *) Diese Ziffern beziehen sich auf Arbeitslose unter 20 Jahren. Papierböller in Nord* böhmen Mysteriöse Vorfälle In Ullgersdorf Bodenbach, 4. Juni. In der Nacht zum Sonntag ereigneten sich um halb 2 Uhr in der Wohnung des Schlossers Prell und in jener des Trafikanten Dörre in Ullgersdorf Explosionen von Papicrböllcrn, Ivie sie vornehmlich in Oesterreich durch die von Deutschland subventionierten Nationalsozialisten in Verwendung stehen. Die Wohnungseinrichtung des Schlossers Prell wurde stark beschädigt und die Fenster zertrümmert. Auch in der Wohnung des in den Clemens Müller- Werken beschäftigten Trafikanten wurde wesentlicher Schaden verursacht. Glücklicherweise sind keine Menschen zn körperlichen Schaden gekommen. Auch an anderer Stelle bei einem gewissen Prokop wurde angeblich ein dritter Papierböller gefunden, der aber nicht explodiert Ivar. Noch in der Nacht wurde ein größeres Gcn- darmerieaufgebot nach Ullgersdorf beordert, das sofort umfangreiche Erhebungen vornahm, in deren Zuge sechs Personen in Haft genonimen wurden. Unter den Verhafteten befinden sich c i n i g e Mitglieder unserer Partei nnd der freigewerksckiaftliche n O r- g a n i s a t i o n e n. Die Erhebungen der Gendarmerie sind noch nicht abgeschlossen. Seit geraumer Zeit schwirren allerhand I Gerüchte rund um den Rücktritt des Ministers Fey von der Vizekauzlerschaft. Wie die„Arbeiter-Zeitung" von gut informierter Seite er-| fährt, bat sich folgendes zugetragen: Knapp nachdem vor mehreren Wochen der! »Lesterreichifche Beobachter", ein getarntes Nazi-j I blatt", verboten worden war, stürzte der Prinz Josias von K o b u r g, der Geldgeber und politische Verbindungsmann des Blattes, wütend■ ins Bundeskanzleramt und berief sich aus einen Vertrag, durch den ihm vom B u n d e S kanzle r a m t des gesicherte Erscheinen des Blattes verbürgt worden sei. Als man nähere Aufklärungen verlangte, stellte sich heraus, daß der Prinz diesen Vertrag mit dem Vertrauensmann deS Vizekanzlers F e y. dem Kommissär Dr. A l t m a n n, abgeschlossen und dieser dafür 70.000 Schilling erhalte»hatte. Kommissär Dr. A l t in a n n wurde daraufhin vom Dienste enthoben, ohne daß Vizekanzler Fey davon verständigt worden wäre. Als erfuhr, belani er einen Wutanfall, führte, daß die Sache eingehender wurde. DaS Ergebnis der Untersuchung ungeheurer Skandal: ES kau: nämlich heraus, dass der Prinz Koburg nicht 70.000, sondern 170.000 Schilling gezahlt hatte und dass 100.000 Schilling von dieser Summe der Vizekanzler nnd Theresienritter Fey in höchst eigener Person eingesteckt hatte. Als Gegenleistung sollten dafür auf Ottrauer Revierkonferenzen billigen den BermittlungSvorschlag. Mähr. Ostrau, 4. Juni. Die Revierkonferenz de« sozialdemokratischen Bergarbeiterver« verbände- genehmigte heute das Verhalten ihrer Vertreter bei den Verhandlungen mit den Gc-1 werken und den BermittlungSvorschlag des Vorstandes des Revierbergamtes zwecks Wiederaufnahme der Wechsel urlaube und Einstellungder Entlassungen. ES wird jedoch gefordert, daß zumindest die Gefahr der Einstellung der Ausfuhr von Kols nach Ungarn verhütet werde. Auch auf den Konferen zen der nationalsozialistischen Bergarbeiterver-!„j^, mic jede andere Rcgierungsform, angcht. Die einigung wurde dem BermittlungSvorschlag zuge- Republik ist vielmehr nach Engels die politische stimmt. Form des Sozialismus; sie kündigt ihn an, sie bc- H I reitet ihn vor, sie enthält ihn schon zun: Teil, weil nur sie ihn ohne Bruch der Entwicklung herbeiführen kann. Wir waren es, die den wahren Gedanken von Marx treu waren, als wir in der Krise der französischen Freiheiten die Republik gegen all. ihre Feinde verteidigten. Und diejenigen, die unter dem Vorwand der Revolution und der doktrinären Reinheit armscligerweisc zur politischen Abstinenz ihre Zuflucht nahmen, sind den sozialistischen Gedanken untreu geworden: nicht minder auch der revolutionären Tradition des französischen Proletariats. Engels spricht von der Republik von 1708, jener Revolution, die einige französische Sozialisten als eine ausschließlich bürgerliche bezeichnen, die aber einen Augenblick, lvie Engels sagt, das Instrument in der Hand der Dillatur des Proletariats war. Als ich mit. Gabriel Tcvillc in den Archiven nach Tolumenten über die Revolution !suchte, las ich mit freudiger Erregung folgendes '".Fragment eines Tagebuches von Babeuf. Babeuf K Dänemark') Jahr 1038 Prozentsatz 28.0 Deutschland 1983 20.1 Finnland') 1033 33.3 Großbritannien... 1930 31.4 Italien') 1932 41.5 Norwegen 1938 27.0 Schweden') 1938 33.0 Schweiz 1933 20.0 Tschechoslowakei. 1932 24.0 Ungarn 1930 42.0 Bereinigte Staaten.. 1930 28.5 Seite 4 Dien-te-, 5. Juni 1934 Nr. 129 ES regnet... » elfte Welt In den Staaten Iowa, Illinois, Idaho, Missouri, KansaS und Minnesota bewegen sich die Temperaturen um 40 Brad EelsinS und darüber. Durch die Dürre im mittleren Westen sind bisher 154 Menschen ums Lebe» gekommen. Der Sachschaden wird auf über 200 Millionen Dollars geschätzt. Aber es fallen schon dle erste« Regen New Nork, 4. Juni. Die am Sonntag auS- gcgcbenen Wetterberichte besagen, das; die lange Jett der Trockenheit in verschiedenen Gebieten der Bereinigten Staaten nunmehr zu Ende ist. In den Rocky MountS waren leichte Regenfälle zu verzeichnen, und cs wird iveitercr Regen erwartet. In NebraSla sind schwere Regenfälle und Hagelschauer niedergcgan- gen, die den Feldern schweren Schaden zugefiigt haben. Auch aus Indiana, Missouri und Illinois wird Regen gemeldet. In den von der Dürre besonders schwer betroffenen Gebieten waren Sonntag die Kirchen überfüllt von Leuten, die um Regen beteten. In den ö st l i ch e n Staaten herrscht unverändert furchtbare Hitze. Millionen haben sich Sonntag aus den Städten an das Sccufer oder aufs Land geflüchtet. Riefenbrand in de« Bata werken Rohstofflager im Werte von 10 Millionen Kd vernichtet— 2000 Arbeitslose Aufatmen i Der Sonntag brachte vielerorten in der Welt Erlösung für dir regrudürstrnde Menschheit. Auch in der Republik gingen starke Regengüsse nieder, freilich nicht überall. Immer noch gibt eS Gegen- den, in denen seit vielen Wochen kein Tropfen siel. Aber vor allem M i t t r l b S h m e n und Mähren wurden reichlich bedacht. Roch reichlicheren . Regen brachte der gestrige Montag. Wolkenbruch über dem Slawischen Flugmerting, Brünn, 3. Juni. Während deS heutigen von einem Wolkenbruch begleiteten Gewitters mutzten die Fcucrlvchren an verschiedenen Stellen, wo Kellcrräumlichkeiten unter Wasser gesetzt worden waren, entschreiten. Auf dem Flugplatz, wo das Slawische Fluginccting stattfand, und wo gegen 100 Autos parkten, schritt das tschechische Feuerwehrkorps in 134 Fällen ein, als Wagen auf dem schweren Terrain cinsankcn und gehoben lverden mutzten. Der Samariterdienst gewährte in 16 Fällen Hilfe. Tic Hilfsaktion des Tschechoslowakischen Roten Kreuzes auf dem Flugfeld half 60 vollkommen durchnätztcn kleinen Kiudern, die in den Roten Krenzlvagcn in die Stadt gebracht und mit Tee gelabt wurden. Fünf Personen wurden ins Spital gebracht. Große Wetterschaden in Frankreich Paris, 3. Juni. In ganz Frankreich herrscht seit einigen Tagen schlechtes Wetter. Regengüsse wechseln mit Gewittern, Hagclschlag. Wolkenbrüchen und Sturm ab. Beträchtliche Schäden, die in die Millionen Franken gehen, werden von allen Ecken und Enden Frankreichs gemeldet. Die Mosel ist in Ostfrankreich über die lifcr getreten und hat die Ernte auf den Feldern überschwemmt. In den Bargan drang daS Wasser in einen offenen Schacht rin, wobei drei Bergleute ertranken. Die ivcitcre Umgebung von Marseille wurde in der Nacht zum Samstag von einem schweren Zyklon heimgcsucht. Der Scbaden wird auf viele Millioucn Franken geschätzt. Es wurden Eisenbahnlinien zerstört und bei Bal- reay Departement Vmiolusc) jahrhunderte alte Brücken, die schon die allcrschlimmsten Ucbcr- schivenimungen überstanden haben, weggerissen. Bergwerks-Ueberschwemmung auch in Saarbrücken Saarbrücken, 3. Juni. In Warndt ereignete sich eine grotze Unwetterkatastrophe. Drei Bergleute, die auf den de Wcndclschen Schachtan- lagcn am Schlammkanal beschäftigt waren, wurden, als sic bei der Kontrolle die Wetterführung öffneten, von den wild hereinbrechendcn Wassermengen ersatzt und ertranken. Die Zahl der Todesopfer des Unwetters erhöht sich damit auf f ü n f. Der Sachschaden, den das Unwetter anrichtete, kann noch nicht annähernd abgeschäht locrdcn. Der Gewalt der Wasserfluten widerstand fast nichts. NeuangelegteStratzen Ivurdeu fast vollständig zerstört, ja sogar Häuser stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Wind, maschine der de Wcndclschen Schachtanlage„Wil- helminc" tvurde durch Blitzschlag zerstört und auher Betrieb gesetzt. lieber die Hälfte der Bergarbeiter konnte nicht einfahrcn. Geradezu vernichtend war der Schaden in den Wäldern und aus den F e l d e r n. An abschüssigen Stellen wurde alles fortgcrisscn und restlos zerstört. Eine Wct» terkatastrophe in solchem Umfange ist s e i t 1801 hier nichtmehr erlebt worden. Rege« in Rntzlnnb Moskau, 4. Juni. Einer Moskauer Meldung des RcntcrbiiroS zufolge wurde die andauernde Dürre auf dem ganzen Gebiet der Sowjetunion dieser Tage endlich durch ausgiebige Regengüsse unterbrochen, die in den Gc- treidcgcbiete»»icdcrgingen. Amerika: 40° c—150 Tote durch Hitzschlag New?)ork, 4. Juni.(Havas.) In den Bereinigten Staaten, hauptsächlich in den mittleren und in den westlichen Staaten, dauert die »Trockenheit, die von unerträglicher -Hitze begleitet ist, an. Die Ernte und daS B'a m ü s c find durch die Trockenheit vielfach vollkommen vernichtet. Vom Rundfunk Empfehlen»» erte» am» de» Programme», Dienstag. Prag, Sender L.: 6: Gymnastik. 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.15: Deutscher Schulfunk. 12.35: Konzert. 18: Arbeitsmarktbericht. 13.45: Walzer auf Schallplatteb. 17.25: Violinkonzert. 18.20: Deutsche Sendung: Wannemacher: Wirtschaftliches Relief. 18.80: Tr. Rieger: Mozart und Goethe in Smichow. 18.45: Aktuelle Fragen der bildenden Kunst. 18.55: Deutsche Presse. 10.10: Zither-Konzert. 21: Stunt» funkmontage.— Sender S.: 14.80: Schallvlatten. 15.10: Deutsche Sendung: Neue Sümmen vor dem Mikrophon.— Brünn: 18.20: Schräme!: Sozialinformationen. 19.10: Harmonikasolo.— Mähr.» Ostrau: 21: Unterhaltungsmusik.— Preßbnrg: 21.15: Unterhaltungsmusik. Sonntag früh gegen acht Uhr, brach in einem der Gebäude der Daka-Anlagen in Dakov, in denen die Rohstofflager untergebracht tvaren, aus bisher unbckanuter Ursache ei» Brand aus, der sich mit grotzcr Schnelligkeit verbreitete und alle Lagerhallen erfatzte. In diesen Gebäuden, welche sich 11 Kilometer von den Werken in ZU» entfernt befinden, tvaren nicht nur die gclvaltigen Lcdcrmagazine untergebracht, sondern hier lagerte man auch alle Chemikalien ein, die zur Ledervcr- arbeitung gebraucht tverdcn, und die grotzen Vorräte an Oelcn und Benzin, so dah kurz nach dem Brandausbruch schon Explosionen zu verzeichnen waren, welche das Feuer zur hemmungslosen Ausdehnung brachten. Wohl tvaren kurz nach Beginn der Katastrophe an die dreißig Lüschzügc, allen voran jene der Bakawcrke, auf der Brandstelle, aber sie waren trotz aller Anstrengung nicht imstande, den Brand cinzudämme». Immer neue Lagerräume wurden von dem Feuer ergriffen und die Feuerwehr muhte sich mit dem Erfolg zufrieden geben, daß sie die Vernichtung dec in der Nähe der Lagerhäuser befindlichen Bakagcbäude unmöglich machte. Die Löscharbeitcu wurden durch die fortwährenden Ervlosioncu sehr erschwert und erst nach vier Stunden Ivar jede Gefahr beseitigt. Man zählte gegen Mittag 40 F c u e r w e h r e n, die ?i x an der Unterdrückung des Brandes beteiligt hatten, und gegen 10.000 Zuschauer, die aus Taganculgkcltcn Hunderte Opfer eines Taifuns Tokio, 3. Juni.(Reuter.) Wie auv Seoul gemeldet wird, sind bei einem großen Sturm an der koreanischen Westküste mehr als 200 Fisch erbos t e in den Wellen verschwunden. Bon den 500 vermißten Schiffen» sind bisher 84 a l s L e i- chen geborgen worden. Man befürchtet, daß noch eine andere Gruppe von 290 Fischern, die vorgestern in See gegangen war, ebenfalls dem Taifun zum Opfer gefallen ist. Bier Autokatastrophen in Deutschland Lodesopfer de» RÜrbnrgrennen» Adenau, 3. Juni. DaS Nürnburgrennen, daS heute auSgetragcn wurde, forderte ein Todesopfer. Kurz nach dem Start der grotzen Klaffe überschlug sich mehrcrcmalS untoeit der Südkurve etlva nach 300 Meter Fahrt der Berliner Frank auf seinem Bugatti-Wagen. Der Wagen flog auf die gegenüberliegende Seite; hiebei wurde Frank tödlich vertvundet und st a r b im Spital an den Folgen der schweren Bertvundungen. Der Wagen zerschellte vollkommen. Bier Todesopfer bei der Heimfahrt Münstereifel(Rhcinprovinz), 4. Juni. In den Abendstunden des Sonntag ereignete sich in der Gemeinde Eichncrschcidt bei Münstereifel ein sehr schweres Autounglück. Ein auf der Rückfahrt vom Nürburgring befindlicher Läst- t r a f t w a g e n, auf dem etwa 25 Personen aus Birkcsdorf(Kreis Düren) untergebracht waren, fuhr auf der stark abfallende:» Dorfstratzc in einer Kurve gegen ein Haus. Durch de» Anprall zogen sich mehrere Personen lebensgefährliche Berletzun- gei» zu. Bei dreiPersonen tvaren die Verletzungen so schwerer Natur, datz sie bereits an der Unglücksstelle verstarbcn. Eine Frau starb tvenigc Stunden später im Krankenhaus in Münstereifel. Bei fünf weiteren Schtverver- letzten besteht keine Lebensgefahr mehr. Die übrigen nach dem Krankenhaus in Altkirchen gebrachten Verunglückten konnten noch im Laufe der Nacht bczw. am heutigen Montag nach ärztlicher Behandlung nach Birkesdorf weiterbefördert werden. r»de»k«m»e im-eimatoort Saalfeld, 3. Juni. Am Sonntag ereignete sich bei der von» Deutschen Automobilklub und des NSKK veranstaltete»» Zuverlässigkeitsfahrt „Rund um Thüringen" ein tödlicher Unfall. Beim Nehmen einer Kurve in seinem Hcimatsort Gorndorf bei Saalfeld fuhr der Motorradfahrer W. der Umgebung von Dakov hcrbeigeeilt waren, um dem grausigen Schauspiel beizuwohnen. Der Schaden, welcher durch da« Feuer ent« standen ist, tvird»nit 10 Millionen XL beziffert, den die Firma Daka zur Gänze tragen mutz, weil die Bakawerke nicht versichert sind. Schlimmer als dieser Sachschaden ist der Verlust des Arbeitsplatzes für ungefähr 2000 Menschen zu bewerten, die durch die Vernichtung des Roh- stosflagcrs ausgesetzt werde»» müssen. Ta die meiste»» Robitoffe aus übcrsccik^ci» Ländern bezogen werden, wird eö selbst dann, wen»» kich die Firma Daka die Devisen ii» kürzester Frist zu beschaffen vermag, einige Wochen dauern, bis der Betrieb in dem von diesen Lager»» abhängigen Abteilungen wieder anfgcnrnnncn werden kann. Sonntag nachmittags Ware»» die Dautechniker bereits mit dem Entivurf der Zeichnungen für dei» Wiederaufbau der voin Feuer eingcäschcrtcu Gebäude beschäftigt und bei dem bekannte»» Tempo der Bakawerke ist damit zu rechnen, datz in zwei bis drei Woche»» die neue»» Lagerhäuser zur Auf- nahme der Rohstoffe wieder bereits stehen werden. In vier Wochen aber wird Daka wieder produzieren, als ob nichts gcwesn» wäre und die riesigen Fcucrsäulen vom Sonntag werde»» nur in der Erinnerung der Menschen weiter existieren. W e r l i ch gegen eine steinerne Stratzcnbrüstung. Der Fahrer erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot. IN Artetter vernnglückt Frankfurt a. M., 4. Juni. Samstag abends verunglückte in der Nähe des GutShofcü Mönchs- bruch ein Autobus, der lß Arbeiter zum Schichtwechsel nach den Opclwerken Rüsselsheim brachte. Der Autobus stürzte um, und die Insassen wurden unter dem Wagen begraben. AuS den Trümmer»» wurden vier Schwerverletzte geborgen. Einige Arbeiter erlitte»» schwere Verletzungen, andere kamen mit Verletzungen leichterer Natur davon. Fran und Kindern die Kehle durchschnitten B e r l i u, 4. Juni. Eine furchtbare Bluttat wurde heute früh in einem Hause in Friedenau entdeckt. Dort fand man den ÜOjähr. Molkereibesitzer Albert Wendt, seine 41jährige Ehefrau und seine neun und sechSJahre alten Söhne in ihrem Blute liegend a»»f. Wendt, der mit seiner Frau in Scheidung lebte, hatte nach den bisherige»» polizeilichen Ermittlungen seinen Familienangehörigen während deS Schlafes die Kehle durchschnitten und dann Selbstmord begangen. Mre-er-Uatnstrnphe« Paris, 3. Juni.- lkntveit von Bourges ist gestern ein französisches Militärflugzeug abge- stürzt. Die Insassen dcü Flugzeuges, zwei Leutnants, fanden den Tod. In Algier kamen zwei Militärflieger- Unteroffiziere umS Leben. Einer von ihnei» war der bekannte französische Flieger P o r t e, der bereits mehrere Flüge über die Wüste Sahara vollführt hat. Drei zu eins für uns! Die Sportfanatiker haben gejubelt, als Sonntag abc»»d auf Kinoleinwänden, an Schaufenstern und iin Rundfunk das Ergebnis des FutzballkainpfeS in Rom bekannt wurde, den die tschechoslowakische Mannschaft gegen die reichSdeutschc gewonnen hat. Die Sportfanatiker haben gejubelt,—- wir anderen, die im Torschuß nichts ganz, so Wcltcrschüttern- deS sehen wie sie, haben uns immerhin still ge- freut. Da haben die Nazis einen RcichSsporjfüh- rer ernannt, haben Juden und Marxisten aus de>» Vereinen, gejagt, habe»» dem^zersetzenden" Arbeitersport den Kragen unigedreht, haben die gesamte»nännlichc Jugend seit einen» Jahre durch Drill und Kommando ertüchtigt, haben den 4 nbczwinglichen Glauben a>» Höherlvertigkeit und Unbezwinglichkeit der teutonischen Herrenrasse in Hirne und Herze»», in. Arn»e und Beine ge- Westböhmischer Arbeitersport vom Sonntag Sonntag fanden im 6. Kreisverband dreiBe- z i r k u s t>» r n f e st e statt. Ii» S o d a u bei Karlsbad marschierte der 1. Bezirk auf. 20 Mannschaften beteiligten sich au den»vehrsportlichci» Wettkämpfen, darunter auch acht Fußballmannschaften, wobei sich den ersten Rang der Sportverein Meierhöfen er« kämpfte.— Der 4. Bezirk gab sich in T n s ch k a n ein gelungenes Tressen, welches vom sozialistischen Geiste getragen Ivar, lieber tausend Menschei»»»ahmen an dem Festabend in» Freien teil. Bon den neun Wehrturnmannschaften blieb AtuS Thoteschmi Sieger. Sechs Vereine beteiligten sich an dem Ver- einSwetturnen, 380 uniformierte Tilrner und Turnerinnen marschierten auf.— Der 5. Bezirk war in Neusattelbei Elbogen versammelt. Es Ivar das stärkste Turnerfest dieses Bezirkes feit einer Reihe Von Jahren. Allein zum leichtathletischen Wettkampf waren Über hundert Teilnehmer am Start. Von den neun Wehrturnmannschasten blieben AtnS Falkenau und Neusattel mit je 00 Punkten Sieger. 200 uniformierte Turner marschierten im Festzuge, welcher über 1600 Teiliiehmer zählte. Im Vordergrund des Festes stand das Geräteturnen. Im Fußball gab es nichts Besonderes. Jin 1. Spielbezirk waren 20 Mannschaften aus fünf Plätzen im Rahmeir des Bezirksturnfestes tätig. Im 5. Spielbezirk war Spielverbot. Zwei Bezirksauswahlmannschaften lieferten sich vor einer Rekordzuschauermenge ein hitziges Spiel. Die Mannschaft der Falkenauer Gruppe gewann 7:4 gegen die EI- bogener Gruppe. Fußball-Ergebnisse: Soda» gegen Drahowitz 6:4, Neildck gegen Bernau 1:4, Altrohlan gegen Schankau 4:1, Meierhöfen gegen Aich 8:1, Weheditz gegen AtnS Karlsbad 5:3, Zettlitz gegen Fischern 4:3, Sportbriider Elbogen gegei» Rapid Karlsbad 2:2, Berna» gegen DczirkSmannschast deS t. Bezirkes 4:6, Zettlitz gegen Altrohlan 2:5, FFK. Falkenau gegen Theusei» 7:4, Chodan gegen Braunsdorf 4:2, Horn gegei» Elboge»» 2:5. pflanzt,— und als cL nun, unter den Augen deS Duce, zur Probe aufs Excmpcl kam, hat cs gerade zu einem Tor gereicht. Und die Tschecho- slowakcn, entnervt durch Demokratie, gcdandi- capt durch völkische Minderwertigkeit, führerlos und keineswegs„erwacht", haben cs ii» der gleichen Zeit auf die dreifache Anzahl gebracht. Viel- leicht, weil sic bessere Beine, vielleicht, weil sie mehr Geistesgegenwart, vielleicht auch, weil sie mehr Glück hatten. Vor allen» aber, tvcil ihnen die mythische Verwandlung, die mit ihren reichsdeutschen Fußballgegncrn vorgcgangcn ist(die »»«ter anderem Czepan, Zielinski und Kobierffi hieben), nicht in dein Maße importiert hat, daß sie respektvoll verdattert den Ball an ihre»» flin- len Füßen hätten vorbeirollcn lassen. Wenn die hitlcrdeutsche Mannschaft(infolge besserer Beine, gröberer Geistesgegenwart und Zufallsgunst) gewonnen hätte, dann wäre im Dritten Reich ein brausender Schwall von SicgcSPhrasen und WelteroberungSrufe» loSgclassen worden. Wir wollen nichts dergleichen tun. Wir hoffen, dab gröbere als Tor-Erfolgc uns noch Anlab zur Genugtuung geben werden. Aber gerade deshalb wollen wir uns die elf Landsleute, die in Rom so trefflich ihre Beine bewegt haben, in einein Punkte zmn Vorbild nehmen: wir wollen unS nicht von der Maskerade»»nd dem Geschwafel der Hitlerdeutschen verwirren lassen. Wir wollen in ihnen sehen, waS sic sind: Barbaren, Genarrte und Gequälte. Und solange sie das sind, wollen wir ihnen zeigen, dab wir ihnen über sind. Ein Opfer der Elbe. Trotz deS sehr niedrigen WasscrstandeS in der Elbe, die man gegenwärtig an vielen Stellen gehend überqueren kann, hat Sonntag unterhalb Krochtvitz ein Arbeiter sein Leben beim Baden eiiigcbüßt. Ter 18 Jahre alte landwirtschaftliche Arbeiter Josef Feier- sc i l, gebürtig aus Mies, badete mit einigen Freunden und begann plötzlich zu sinken. Obwohl sich die Freunde bemühten, ihn zu retten, verschwand der junge Mann in den Fluten. Seine Leiche konnte noch nicht geborgen»verden. Der Tod»m Kalibergwerk. Bei den am Sonntag in ztvci Schichten fortgesetzten Bergungsarbeiten im Kalibcrgwerk Buggingen wurde» auf der 703 Meier-Sohle Ivicder»un drei Leichen gesunden. Eö handelt sich um den Aufseher Grabe, den Bnnlcrbediener Wiedeineier und den Häuer Kamcnisch. Da die Verunglückten unmittelbar an ihrer Arbeitsstelle aufgefuilden wurden, ist aiizunehme»», daß sie von dem Kohlenoxyd- gas augenblicklich getötet worden sind. Jin übrigen galten die Arbeiten am Sonntag hauptsächlich der Sicherung der Strecke. Prof. Schmidts Heimfahrt. Der Führer der bekannten Expedition des Eisbrechers„Tscheljuskin", Prof. Schmidt passierte Montag früh auf der Reise nach Moskau Warschau. Er wird vom Führer der Hilfsaktion-Expedition, Uschakow, begleitet. Professor Schmidt tvurde auf dem Bahnhof vom sotvjctrussischcn Botschafter in Warschau, Davtian, und von den Repräsentanten der polnischen Ivisseiischaftlichcn und UniversitätSkreise begrüßt. Ein Millionär hat Gewissensbisse. In Cacak in Serbici» verübte der dortige Millionär Ragulovic Selbstmord durch einen Revolverschuß in die Schläfe, Bor drei Tagen hatte ein Kaufmann, dec durch Ragulovic zugrunde gerichtet worden war, ein Attentat auf den Sohn des Millionärs versucht und hierauf S e l b st>n o r d verübt. Man vermutet, das Ragulovic jetzt aus Gewissensbissen in den Tod gegangen ist. fc. 120 Dienst»-, 8. Juni 1934 Geile 8 PRAGER ZEITUNG kann Das ütfkfo» Äk o* ämmAwWsmwA.? W He zur be trüb der anfänglichen Unterstützung ihrer italienischen„Freunde", nicht in daS ersehnte fascistische Finale gelangt. Freie Sportler haben über jene, die dazu kommandiert sind, den Sieg davongetragcn; nicht durch Kraft und kräftigen Fouls— wie sie die Nazis nach der Pause vorführten, als sie sahen, das; die Felle davonschwimmen—, sondern durch Technik und Verstand.— Doch auch in anderer Beziehung war diese« Match lehrreich: Tie italienische Bevölkerung zeigte nicht viel Interesse, obwohl u. a. auch der Duce höchstpersönlich anwesend war,.. DaS ztveite Spiel ging in Mailand zwischen Oe st erreich und Italien vor sich. Zirka 40.000 sahen einen 1:0(1:0)«Sieg der Italiener. Die Fußball-Weltmeisterschaft nähert sich dem End«. Am Sonntag standen sich die letzten Bier gegenüber, deren zwei Sieger die Endrunde bestreiten, während die Unterlegenen um die nächsten Plätze kämpfen werden. In R o m standen sich im Mussolini-Stadion (FassungSraum: 100.000 Personen) vor nur 16.000 Zuschauern die Tschechoslowakei und Deutschland gegenüber. Der Sieg mit 8:1 (1:0) fiel verdient an die Tschechoslowakei, deren Elf mit wenigen Ausnahmen«in festes Gefüge darstellte. Die Tore für die Sieger schoß Nejedly, für die Nazi Noack. Die Vertreter des Dritten Reiches, die schon wochenlang vor den Meisterschaften in eigenen Lagen: für diese„dressiert" wurden, sind. Lerhaftrter Wüstling. In der letzten Zeit trieb sich in der Umgebung von Brünn ein unbekannter Mann umher, der eS auf kleine Mädäien abgesehen hatte. Er entkleidete sie, band sie an einem Baum und verging sich dann an ihnen. Der Gendarmerie ging miS Znaim die Nachricht zu, daß die Gendarmerie in BySberg die Photographie eines Mannes besitzt, der bereits früher ähnliche Schandtaten verübt hat. Einige Zeugen erkannten nach diesem Bilde den Mann, der auch in der Brünner Umgebung sein Unwesen trieb. Nun wurde in der sogenannten vorderen Kolonie in Königsfeld bei Brünn ein Mann verhaftet, in vcm der von der Znaimer Gendarmerie gesuchte Franz Hatel sichergcstellt lvurde. Hatck gestand mich die Ucbersällc auf die Kinder in der Brünner Umgebung ein. Er wurde dem Brünner KrciSstraf- gericht eingeliefert. Die Rache der Tyrannen. Bor der Diszipli« narlammer in Hildesheim stand dieser Tage ein mittlerer Beamter, der wegen seiner Zugehörigkeit zur SPD vor ihrer Vernichtung entlassen worden war. In dem Fragebogen, den alle Beamten ausfüllen mußten, hatte er die Dauer seiner Mitgliedschaft in der SPD vollkommen richtig angegeben. Irgendwie aber kam heraus, daß er v o r h e r der— demokratischen Partei angehört hat, lvas er im Fragebogen nicht angegeben hatte. Darum wurde er zum Verl u st seiner Pension und der Hinterblic- bc neu verso rgung verurteilt und nur fiir die nächsten drei Jahre hat man ihm die H ä l f t e der jetzigen Pension zugesprochen. Dann kann er mit seiner Familie betteln gehen. Die Disziplinar- kannner besteht aus Richtern und aus Kollegen ihrer Opfert Gletchgeschalteter Konsumverein geht Pleite. Tie Verbrauchergenossenschaft Königsberg(Ostpreußen) hat die Eröffnung des Vergleichsverfahrens beantragt. Dieser Zusammenbruch kam für die Beteiligten insofern ettvaS überraschend, als noch vor gar nicht langer Zeit in verschiedenen Versammlungen die Bonität der Genossenschaft start betont wurde. Infolge der Gleichschaltnng ist der Mitgliederstand um etwa 8000 zurückgcgan- gcn, waS zu einem erheblichen Umsatzrückgang geführt hat. Es sind Sanicrungsverhandlungen ausgenommen ivorden. Der Königsberger Konsumverein Ivar bis z»r Gleichschaltung ein blühendes Unternehmen, mit erheblichem Vermögen. Die neuen Machthaber, hatten zwar die Macht, den Konsumverein glcichzuschalten, konnten aber die Mitglieder nicht zwingen, dort weiter zu kaufen; woraus sich dann die Schwierigkeiten ergaben. Dasselbe Bild zeigt sich auch in vielen Städten tcs Reiches. Für die Vereinigten Staaten und fiir Japan ist die Ausfuhr nur dem Wert»ach angegeben. Dieser Wert ist bei den Vereinigten Staate» von 4,440.000 RcichSinarl im Jahre 10!) 1 auf knapp 2 Millionen Reichsmark 108!) znrückgcgangen. Ivährend sich der Export Japans in Reichsmark gerechnet von 38 Millionen auf 31 Millionen verringerte, nach der japanischen Währung jedoch in dem gleichen Zeitraum von 10 Millionen auf über 35 Millionen gesteigert tverdcn konnte. Neben den Bereinigten Staate» ninnnt sich für die Tschechoslowakei die Gestaltung der Ausfuhr besonders ungünstig aus. Die Lage für die tschechoslowakische« Tonwaren- und Sicingutindustrie wird noch deshalb schwieriger, weit sie bisher fast ausschließlich für den Export gearbeitet hat. Für sic wirb es darum zu einer Lebensfrage, ob sie an Stelle der verloren geWlgynÄt Abnehmer Deutschland. England pnd der. Vereinigten Staaten, neue Absatzgebiete wird erschließen können. für die Pcnsionsversichcrung nicht zu Lasten der Regie bezahlt, sondern diese Beträge wurden dem Pcnsionsfonds entnommen, der auf diese Weise um zirka ü Millionen gekürzt wurde, obwohl dieser Fonds notorisch untcrdcckt ist. Kein Wunder, wenn ein leitender Direktor nach siebenjähriger Tätigkeit im Institute mit einer Jahrespension von 170.000.— Kc nett o,„abgebaut" wurde und sich ein anderer Direktor, durchaus nicht der erste, eine Pension von 240.000.— KC zusichern ließ. Man erfährt weiter, daß der Max-Feilchcn- feld-Fonds nicht in gesicherten Anlagcwertcn, sondern in Aktien(I) angelegt ist, so daß der Zinsenentfall mindestens 50.000— KC beträgt. Der Präsident, Wolf• Zdekaucr, der schon auf früheren Generalversammlungen eine sonderbartraurige Figur gespielt hat, waS selbst die bürgerliche Presse zu ständiger Kritik veranlaßt, stammelt etwas davon, daß er nicht orientiert sei. Der ehemalige Prinz Schwarzenberg eilt der bedrängten Direktion zst Hilfe und meint, daß diese Dinge nicht auf die Generalversammlung gehören, die cs doch nicht interessieren'könne, wie die Angestellten leben und arbeiten müßen(!>)'.' Die Angcstclltenvcrtrctcr replizieren, jeder ihrer Angriffe„sitzt". Von allen drei Banklcitungcn ist sicherlich die Bcbca die am meisten geschlagene. Die Kritik, welche diese Banklcitung in der Presse gefunden hat, ist auch danach... Auf den Generalversammlungen von Banken und von kapitalistischen Unternehmungen überhaupt, werden sicherlich keine gewerkschaftlichen Aktionen ausgetragen. Aber die drei Generalversammlungen, über die wir berichten, waren der Schauplatz energischer und zielbcwußtcr D e in o n st r a t i o n e n. Sic waren eine einzige Abrechnung mit den gegenwärtigen Machthabern in diesen Instituten, denen andere Abrechnungen folgen werden. Sfo wtidtn übo, Jh Wiilung ordsonl wh. Es sdiütxt außerdem vor Husten, Htisnrkal««t HnkaoteOndungsn, ist wohlKhmtelnnd und sr&iscMt dh Alsnwsgt. Utanl siM cs Mr h Qrtciosipsc*Mt— eothc cs Itm ’occ aagcbotcn werden,.so Mo cs sieb Mr Sn Set«Mer* wca^fs Wtiiclssi teätfefa. Bukarest, 4. Juni. In der Gemeinde Ora- toni wurden 20 Bauern an« Fuße eines Berges beim Graben nach Lehm durch einen Erdrutsch verschüttet. Die zur Hilfeleistung herbeigcciltcn Dorsbelvohncr konnten bisher nur einen Toten bergen. Von einer Rettung der übrigen leine Rede mehr sein. >n dost ApofHolton a. Drogoitea dShvotrMg. Gern.-Depot i ’reoMre Apodwicc.^cmwci^en-LBwcn", Pr^ll, Ptrtopy 14. Brünn,.„... I wurde durch heftigen Sturm und Regen fast gänzlich unmöglich gemacht. Gegen 100 militärische, Sport-, ausländische und einheimische Flugzeuge waren in Brünn eingetrofsen, nm Proben ihrer Kunst vorzuführen. Die Flugzeuge standen in langen Reihen flugbereit. Obwohl das Meeting für 14 Uhr ange- fctzt n>ar, war bereits kurz nach Mittag der Flugplatz mit Publikum überfüllt, das nach Schätzung der Veranstalter gegen 6 0.0 0 0 Personen betrug Um 14 Uhr wurde über dem Flugplatz das große Bombardierungsflugzeug Fokker sichtbar, in welchem der Minister für Nationalverteidigung B r a d ä k aus Brag geflogen gekommen war. Zu seiner Begrüßung hatte sich aus dem Flugplatz eine Ehrenrotte des Jns.-Reg. 10 mit Musikkapelle und Fahne eingcfun- dcn. Unter den Klängen der Staatshymne wurden über dem Flugplatz 8000 Brieftauben ausgelassen. Der Minister nahm eine Dcfillicrung der Ehrcnrotte ab. Hierauf erfolgte eine Huldigung für die Fahnen der fremden, auf dem Flugplatz entweder durch Flugzeuge oder Delegationen vertretenen Staaten. Dann begann die Dcsilierung der bereitgestellten Flugzeuge- Roch waren nicht alle Maschinen mifgeslogen, als vom Westen ein heftiges Gewitter, begleitet von einem Wolkenbruch, hcranzog, das jede weitere Fortsetzung des Programmes unmöglich machte. Das Gewitter dauerte saft zwei volle Stunden und der Regen hörte auch dann noch nicht auf, so daß das Publikum, das während des heftigen Gusses mif seinen Plätzen verblieben war, allmählich den Flugplatz verließ, als bereits keine Hoffnung mehr vorhanden war, daß das Programm des Meetings absolviert werden würde. Es wird vielleicht schon am nächste». Sonntag in, uiwennindertem Umfang wiederholt werden. Drei Generalversammlungen Scharfe Proteste der Angestelltenvertreter gegen die Personalpolittk der Unionbank, Bebca und Länderbank 20 rumänische Bauern verschüttet Stifters Geburtshaus durch Brandstiftung eingeäschert. Obcrplan, 4. Juni. Wie das Bürgermeisteramt der Stadt Oberplan meldet, wurde am Sonntag nachts uni%12 Uhr das Geburtshaus Adalbert Stifters durch ruchlose Brandlegung Gänze cingcäschert. Der Sachschaden ist sehr deutend. Der englische Frachtdauipser„Georges", der mit einer Ladung von 2700 Tonnen Zement befrachtet war, stieß Montag vormittags unweit der jugoslawischen Insel Hvar auf einen Felsen und wurde leck. Der jugoslawische Dampfer„Plavic", welcher zu Hilfe eilte, nahm zunächst die 26 Mann starke Besatzung des englischen Dampfers an Bord und bugsierte hierauf das Schiff auf eine Sandbank. Weil sie den Arier-Paragraph nicht einführen wollten. Da die studentischen Korps„Bandalia" Heidelberg,„Suevia" München und„Suevia" Tübingen der Durchführung des Aricr-Parugra- phen nicht nachgekommcn sind, hat sich nunmehr die Führung der- Deutschen Studentenschaft„gezwungen" gesehen, ihren Mitgliedern die Zugehörigkeit zu diesen Korps zu verbieten. Bom Blitz erschlagen. Sonntag gegen Abend ging über dem Pilsener Gebiet ein großes Gewitter nieder. Während desselben suchte der lüjäh- rige Kutscher Anton Vopalccky aus Ecrnice unter einer mächtigen Kiefer in der Nähe von Dadobkicc Zuflucht, wobei er vom Blitz erschlagen wurde. Nieder mit der Tyrannei! Der Sonderkorrespondent des Londoner „Sundey Expreß" teilt seinem Blatt mit, daß cs in Wiens Straßen zu großen sozialistischen Demonstrationen gegen die Dollfuß-Diktatur ge- konimcn sei. Hunderte von Sozialisten, so teilt das Blatt mif, seien mit roten Fahnen durch die Straßen gezogen und hätten unter anderem „Lang lebe die Freiheit!",„Nieder mit Dollfuß!", „Nieder mit der Tyrannei I" gerufen. Die Demonstrationen hätten stundenlang gedauert und seien von der Polizei nur unter größten Schwierigkeiten aufzulüscn gewesen. Die Wiener Fascistcn-Blätter sind über diesen Bericht so in Aufregung geraten, daß sie die Ausweisung des Korrespondenten des Londoner „Sundey Expreß" durch die Regierung verlangen. Aber glauben die Naiven wirtlich, damit das immer mehr zerbröckelnde Regime dcö kleinen Kanzlers vor der Vernichtung retten zu können?! verpatzte Flugmeeting in Brann 8. Juni. Das Slawische Flugmeeting In den letzten Tagen haben die Generalversammlungen von drei Großbanken stattgcsunden. I der Unionbank, der Böhmischen EScoinptcbank und i (Kreditanstalt(Bebca) und. der Dank für Handel! und Jndustricbank, ehcm. Ländcrbank, die.in die Gruppe der n i ch t s a n i e r t e n Banken gehö-> rcn. Die Ereignisse, die sich in diesen Instituten j abspiclcn, ihre Personalpolitik und der Verlauf, ihrer Generalversammlungen haben sehr oft die volle Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit erregt. Dies ist kein Wunder, Ivcnn bedacht wird, daß cS. sich um Bankinstitute handelt, deren leitende Direktoren mit unbeirrbarer Energie daran fest- halt-n, daß ihnen in den guten, aber auch in den bösen Zeiten der Wirtschaft Hunderttausende, jaMillion en und Millionen an Gehalten, Remunerationen und Tantiemen gebühren, auch wenn sich die Krise noch so sehr auSwirkt und unbekümmert darum, wie sich daS Schicksal der Aktionäre und der Angestellten gestaltet. Auf den heurigen Generalversammlungen haben die Angestelltenvertreter und die Delegierten der Beamtcngcwerk- schast scharfe Abrechnung mit den Methoden gehalten, durch welche die Personal« Politik der drei Banklcitungcn charakterisiert lvird. Die erste Generalversammlung hielt am 17. v. M. die L ä u d e r b a n k ab. Die Vertreter deS DctriclröanSschusscö melden sich zu Worte und stören dte Monotonie der verlesenen Berichte, um ihre Beschwerden vorzubringcn. Da hat die Länderbank auf der Gcncralversammlimg des Jahres 1080 feierlich versprochen, daß sie aus Anlaß des 80jährigcn Geburtstages des Präsidenten der Republik ein besonderes soziales Werk in die Tat umschcn wolle. Das Pensionsnormale der Angestellten sollte reformiert, die Pensionsgrundlagen der Beamtenschaft sollten auf 36.000 Kronen, jene der Skontisten auf 24.000 KC erhöht werden. BierJahre sind vergangen und die Vertreter der Angestellten, sowie der Organisation müssen auf der diesjährigen Generalver- ämmlung schärfsten Protest gegen die Nichterfüllung deS gegebenen Versprechens cinlcgcn. Während die Herren Direktoren und Funktionäre aus dem Pensionsfonds auf Grund ihrer Sonder« Verträge enorme Pensionen beziehen oder sich solche wenigstens zusichern ließen, hatte die Banklcitung den Angestellten zugcmptcf, sich mit einer Regelung zu begnügen-,-die-ihticn nur zwei Drittel des„feierlichen" Versprechens aus dem Jahre 1030 gebracht hätte. Und selbst Kompro- mißvorschläge, in denen von den Angestellten gar nicht einmal die volle Erfüllung des erwähnten Versprechens verlangt wurde, hat die Direktion zurückgcwiesen. Bei dieser Sachlage überrascht es nicht erst, daß die Direktion der Ländcrbank auch die übrigen Forderungen der subalternen Angestellten ablehnt, die nach dem vorjährigen Gchaltsabbau die Vereinbarung eines Kollcktivvertragcs, die Einreihung in daö Gehaltsschcma und ein minimales Avancement verlangen, damit die im Vorjahre erbrachten Opfer wenigstens einigermaßen aufge« wogen werden. MrM M WM Der Export von Tonwaren. Ein wichtiges Problem für die Tschechoslowakei. Zwischen den hochindustricllcn Ländern bestand in den Jahren vor der allgemeinen Wirtschaftskrise ein umfangreicher Handel mit Ton- tvaren und Steingut. Es betrug die Ausfuhr der wichtigsten Länder in den letzten drei Jahxen: Der neuertvählte amtierende Vizepräsident der Länderbank, Minister a. D. V l a s ä k, wußte mir zu sagen, daß die Bankleitung die vorgeleg« ten Forderungen wohlwollend abwägen werde... Am 23. Mai— die Generalversammlung derUnionban k, die ein noch lebhafteres Bild bietet. Die Aktionäre stellten ihre Anfragen. Der Vcrwaltungsrat verliest seine Berichte. Dann spricht der Obmann der Gewerkschaft und des Bc» trö'-Ausschusses. Seine Rede ist eine einzige Anklage. Die Bankleitung hat den vorjährigen Gchaltsabbau damit zu begründen versucht, daß die Arbeitsplätze der Angestellten erhalten werden sollen und daß auch die Funktionäre„wiederum" 25 Prozent ihrer Bezüge verlieren. Und die Wirklichkeit? Den Funktionären wurden wesentliche Teile des auf sic entfallenden Abbaues rückerstattet. Um die Funktionäre hat sich, trotzdem ihr Durchschnittseinkommen ein Vielfaches des errechneten Durchschnittseinkommens eines subalternen Angestellten beträgt, die Bankleitung gekümmert. Ein leitender Direktor hat 17 Mal so hohe Bezüge wie ein gut qualifizierter. schematischer Beamter. Und nur mit Mühe gelang cS dem BctriebsanSschusse, den von der Direktion— trotz ihrer Versprechungen— avisierten ZwangSabbau zu verhindern. Die Bank leitnng schließt Verträge. Aber nur mit den Funktionären. Hier fürchtet sie keine„Bindungen". Aber die Forderungen der Angestellten(Kollek- tivvcrtrag auf Grundlage dec abgebauten Gehalte, Einreihung, minimales Avancement) lehnt sic ab. Der Präsident, Minister a. D. S ch u st e r, antwortet, der Obmann des BetriebSauSschusses repliziert und weist die Berechtigung der von ihm vertretenen Forderungen nach. Vorher kommt eS zu einem Zwischenfall. Der Vertreter einer kleinen und einflußlosen, kom- m u n i st i s ch e n Angcstelltcngruppe versucht, eine Erklärung zu verlesen. ES handelt sich um eine Gruppe, die früher, durch die GcwcrkfchaftS- leitung in ihrem Auftreten gedeckt, der Oeffent« lichkcit und den Angestellten vorzutäuschen suchte," alö ob sie im Rahmen der Gewerkschaft der llnion- bank eine Position hätte. Nunmehr sind diese Herren, nach ständigen groben Verletzungen der ge- i wcrkschaftlichcn Grundsätze, außerhalb der . Organisation, lind da ihr Auftreten nicht nur , überflüssig ist, sondern auch die Interessen der j Angestellten schodtzsixrilllärt der OburamrdeS Be- , trielwanSschusscs, daß die Gewerkschaft mit dcni , Grüppchen nichts Gemeinsames hat. Die dritte Generalversammlung: am 25. 1 Mai im PalaiS der Böhmischen Escompte-Bank > und Creditanstalt. Die Direktoren der Bebca haben von allen Dankdirektorcn(vielleicht nur mit , Ausnahme der Zivno) die höchsten Bezüge und die > fettesten Pfründen. Die Anklagerede des Bcrtre- i terS deS BetriebSauSschusses kennt keine Schonung. Energisch rechnet er mit der Banklcitung ab. M- geschcn von den Millioncnziffern, welche als Direktorengehalte und-Pensionen ausgezahkt werden, erfährt man interessante Einzelheiten, die blitzartig die Situation in der Bcbca beleuchten. So wurde Jahre hindurch die ArbeitSgebcrquote Am die Futzball-Weltmeisterschaft Tschechoslowakei siegt gegen Deutschland 3:1 1088 tausend 1032 Doppelz 1931 Zentner Großbritannien 818.5 843.0 1343.2 Deutschland 203.8 207.0 247.8 Frankreich 184.2 173.1 255.3 Tschcchoslotvakei 34.8 28.7 74.1 Belgien 167.8 136.2 237.3 Veite- Sozialdemokrat Dienstag, 8. Juni 1834. Nr. 128 Schlechtes Wasser«ad Wassermangel in Prag Aus verschiedenen Teilen Prags langen Meldungen über Verschlechterung des Trinkwas- sers ein. Das Wasser in Prag VI I. scheidet z. B. einen rostigen Bodensatz aus. Die Schuld daran liegt nicht an der Prager Wasservcrwaltnng, sondern an dein herrschenden Wassermangel. Durch das Austrocknen der Flüsse, hauptsächlich der Ise r, verschlechtert sich die Qualität des infiltrierten Wassers. Die Menge der in den Fluß Zurnckfliessenden Abfallwässcr ist zwar gleich gross, es ist aber so wenig Wasser im Fluss, dass es nicht zur entsprechenden Perdünnung der Beimischungen und Berunrcinigungen genügt. Infolgedessen dringen die Verunreinigungen in die nahen Jn- filtrationSbrunnen. Trotzdem erklären die Prager Wasscrlvcrkc auf Grund von Prüfungen in den einzelnen Vierteln, das Trinkwasser für hhgicnisch ciiuvandfrci. Gesundheitliche Rücksichten baden die Prager Gemeinde dazu veranlagt, alle Bnnmc» im Stadtinueril zu versiegeln. In den höher gelegenen Teilen Prags, z. D. in Sporilov, zeigte sich vorgestern znm ersten Male Wasser m angel, da der Verbrauch an Wasser in den letzten Tagen bedeutend gcsrie» gen ist. i Prager Frühling. Der Prager Frühling ist inoffiziell bereits seit langem bei uns zu Gast, er fühlt sich sogar so heimisch, das; er bereits sommerliche Allüren angenommen hat. Ter offizielle, kommunale Frühling indessen ist erst am Samstag mit Feuerwerk, Konzert und lampiongcsckimück- tcn Booten auf der Moldau gleichsam amtlich eröffnet worden. Aus der Slawischen Insel wurden am Sonntag vormittags von Handelsministcr Fug. Tostalek mehrere Ausstellungen eröffnet, die im Rahme» des„Prager Frühlings" stattfinden. Man sicht zum Teil überaus geschickt gefertigte Spitzen, Handarbeiten, die mit künstlerischer Sorgfalt und Phantasie gemacht sind. Leider sind die Preise nicht sehr volkstümlich. Sehr schön ist eine Ausstellung von Pfingstrosen, eine Farbenshmpho- nic, die geradezu überwältigt. Beachtenswert ist auch die Fischerciauösiellung sowie sehr nette und geschmackvolle Arbeite» der böhmischen Glasindustrie. Waö stört, ist eine gewisse Jmprovisicrthcit der Ausstellungen, die in manchen Teilen einen etwas armselig dürftigen Eindruck machen. Der Clou deö„Prager Frühlings" ist aber unbestreitbar die„W eckend-Ausstellung" auf der Schützeninsel, die niit einem grostcn Feuerwerk cingeleitct tvnrde. Diese Ausstellung, mitten unter dem Grün der FrühlingSbäumc, ist eine glückliche Mischung von VcrkausSmcssc und Rummelplatz, der Besuch lätzn an Lebhaftigkeit nichts zu wünschen übrig und Leute, die gern etwas sehen möchten, aber kein Geld auSgebcn können— die meisten also—, können hier richtige Weckendhäuser besuchen, die mit allem„Komfort" des allerdings „gutsituierten" Wochenendlers ausgerüstet, manche tveisen wirklich snobistisch viel.Komfort auf, zum Teil den Vorteil haben, das; sic drehbar Und. Daneben sieht man Zelte und Badesachen, Parzellen werden angcboten, ja, sogar eine richtige Wasser- maschine ist da, für Leute, die im Walde, ohne Brunnen und Wasserleitung, kampieren wollen. Diese Maschine ist allerdings etlvaS für Zeitgenossen, die sehr viel Geld haben, also nicht für ge- ivöhnlichc Sterbliche! WaS aber der„Prager Frühling" mit einer Schaubude der tschechoslowakischen Tabakindustrie zu tun hat, bleibt dahingestellt. ES ist ein peinlicher Anblick, die Arbeiterinnen vor einer gaffenden, mehr oder weniger schlechte Scherze machenden Menge agieren zu sehen I Passagirrslügr über Prag. Die Tschecho» slotvalische Fluggcscllschft hat seit Einführung der Passagierflüge über Prag in der Zeit von vier Wochen insgesamt 71 Flüge über Prag mittels grosser Transportflugzeuge unternommen, in denen sich 602 Passagiere befanden. Hievon waren 37 Kinder unter zehn Jahren. Der älteste Passagier war 81, der jüngste eineinhalb Jahre alt. Der Wlndislaw-Saal auf der Prager Burg wurde am 4. d. für die breitere Leffcntlichkeit geschlossen. Die Wiedereröffnung dcS SaaleS erfolgt am 10. d. Kanalisierungen. Nach dem Entwurf des städtischen KanalisationöamteS soll eine neue Entwässerung der Fischgasse, der FIcischmarktgasse, der Königöhofcr-, der Jakobs- und der Langegasse dnrchgeführt werden. Die Kosten würden eine Million Kronen betragen. Ebenso soll in Smichow eine Entwässerung der Blocks L, M und T„Na Malvazinkach" cingeführt werden, die einen Aufwand von 260.000 Kronen erfordern würde, lieber beide Entwürfe, die in dem genehmigten Programm der nottvendigen Kanalisa- tionsbanten für daS Jahr 1034 enthalten sind, wird in der Stadtvcrtretersihuug am Montag verhandelt. Ocrlchtssaal Brandstiftung mit glimpflichem Ausgang Ein Angeklagter mit 81 Vorstrafen. Prag, 4. Juni. Vor dem Schwurgericht war der 54jährige ehemalige Gerbergchilse, heute Vagabund, mit 81 V o r st r a f e n, Josef Semeck>) ange- klagt des Verbrechens der B r a n d st i f t u n g. In der Nacht auf den 14. April d. I. wurde er dabei betreten, als er sich aus dein Hof des Auto» R o v 4 k in W y s o t s ch a n hcrausschlich. Man schenkte ihm zuerst keine Beachtung, weil er behauptete, er habe nur in dem Holzschupicn des Hofe- übernachten wollen. Gleich darauf aber schlugen Flammen ans dem Schupfen und es Ivar klar, das; nur Scineckl) das Feuer gelegt haben konnte. Der Brand wurde sofort gelöscht, so das; nur geringer Schaden entstand. Freilich ist auch die b l o st versuchte Brandstiftung ein schweres Verbrechen, nm so mehr, als bei nicht rechtzeitiger Entdeckung das Feuer hätte verhängnisvoll werden können- Austerdem hat Se- nicekh einige Gegenstände geringeren Wertes ans dem Schupfen entwendet(alte Stiefel, zwei Stöcke, ein Beil). Als man ihn festnahm, g e st a n d er zunächst die Brandlegung ein, später leugnete er. Die Geschworenen erkannten ihn indessen nach dnrchgefiihr- tem Verfahren schuldig und der SchwurgcrichiS- senat des OÄR I i n d k i ch verurteilte de» Angeklagten zu dreieinhalb Jahren schweren und ver> schärften Kerkers. rb. 2191 Sonncnscheinalundcn e unterstützen die Wirkung der Schlammbäder bei Rheuma. Gicht. Ischias • sehr. Information: Bade** dlrektion Pfatyan. LNtt Kunst und Wissen Uraufführung in den Teplitzer Kammerspielen HanS Adler:„Die Rächt vor zehn Jahren." In der Nacht vor zehn Jahren— es war eben noch Krieg— hatte der im Schlosse Roudinettc cin- auartierte Leutnant Oliver ein nicht alltägliches, angeblich aber nicht selten nächtliches Erlebnis. Di« Liebe kam zu ihn; ins blau tapezierte Turmziimner; lautlos, wortlos, namenlos ging sic wieder nach einer süsten Stunde, die der Erinnerung das zarte Wort „sivcety" schenkte. Nach zehn Jahren— es war eben schon Friede — kam der amerikanische Oliver wieder nach Frankreichs Eigentlich, um Geschäfte in Schokolade abzu- schliesten; noch eigentlicher aber, nm das noch süsterc Geheimnis des„stvecth" zu lüsten. Da der Schoko- ladcpartncr der Besitzer des Schlosses Rondinette ist (und es auch damals war), must auch die Partnerin vom blau tapezierten Turmzimmcr zum Hause gehören! Eine Mutter, eine verheiratete Tochter und ein lediges Töchterchen kommen in Frage. Die Wic- dcrschcnSworte bckonnncn den geheime» Sinn vieldeutiger Orakelsprüchc.„Swccth"... rust's aus allen Ecken. Das gibt böse Verwirrungen. Ehe und Glas — wie leicht bricht daSl Am Ende aber stellt sich heraus, tvaS für den Oliver für damals Wohl nicht ganz angenehm, für den Augenblick jedoch recht willkommen ist. Was paarweise zusannnengchört, fällt sich beglückt in die Arme— der Spuck des blau tapezierten TurmzimmcrS ist zur Ruhe gekommen. Regisseur PaulLewitt stopft dieses aus Schokolade, WhiskN, Ingwer und Creme komponierte Pralint dem Publikum in wollüstig gespitzte Mäulchen— mit der Grazie, bit der eben derartige, für den besonderen Appetit bestimmte Süstigkciten nenn die vorgeschricbcne Mischung: HanS Hansen reicht werden müssen. Die Mitwirkenden halten sich tropft dem Oliver den Jnglver der LicbeStraurigkcit ins Schokoladenherz. Else Pallh trägt den Whskh des apart Reizvollen bei, und die nette M a r- garethe Jurik streicht behutsam und mit lieben Händen die Creme. Daneben steht Wolfgang FreeS' Sirrot, der so gerne lutschen möchte, aber nicht dazu kommen kann. Josef Wichart rührt das Ganze mit wildem Eifer durcheinander, Fritz Kenne mann sucht seine Ruhe im stoischen Gleichmut des BussniSmanneö. und Anni Spiegel steht dieser Kanditcngcschichte mit kluger, inondäner, koketter und auffallend lächelsrcudigcr Mütterlichkeit vor. S a x l S Chauffeur Antoine, K ü t e r s Katherine und L c w i t t s Tartarin de Bourbouron betreuen wichtige Plätze ihrer Eigenart entsprechend. DaS Stück vom geheimen Umgänge eines?lhn- fräuleinS mit Folgen nach zehn Jahren gefiel einer zahlcnmästig sehr bescheidenen Allgemeinheit sehr. Man freute sich des delikaten Rätselratens und war im Dank für diese mnüsanie Spielerei nicht geizig. E. Th. Die Wallenstein-Festspiele 1984 in Sger Die Vorbereitungen für die Wallcnstcin-Fcst« spiele in Eger sind abgeschlossen. An den Festspieltagen, die in der Zeit vom 17. I u n i bis 12. August an jedem SamStag und Sonntag geplant sind, folgt jeweils an: frühen Nachmittag nach einem Einzug des über taufend Mann starken Wallensteinschen KriegövoUeS«ine Aufführung von Friedrich Schillers„W a l l c n ft e i n s L a g e r" auf der Freilichtbühne der historischen Kaiserburg, die 2800 Sitzplätze umfasst. Nach dreistündiger Pause geht sodann in der riesigen Feschalle auf der Burgwiese Schillers Wallenstein-Tragödie, und jpvar „Die Piccolomini" und„W allen st eins T od" in ungeteilter fünsaktiger Fassung(Intendant Dr. Theo Moder) in Szene. Wiederum wird eine Massenkomparserie aufgeboten., Für die Rolle der Herzogin wurde das Ehrenmitglied deö Wiener Burg- theaters Hedwig Bleibtreu verpflichtet. Den Wallenstein wird Max Wesolowski vom Stuttgarter Stadtchcater verkörpern. In den anderen tragenden Rollen sind u. a. beschäftigt: HanS Baumann vom Wiener deutschen Volksthcatcr. Susanne Engelhart vom Düsseldorfer Schauspielhaus, Julius Kob le r vom Schauspielhauö Hamburg, Franz Scharwenka(Graz städt. Bühnen), Will! Volker(Prag, LandeStheatcr), Fritz Diez (Baden-Baden). Die gesamte künstlerische Leitung hat Dr- Theo DkodeS inne. „Prager Frühling." Die tschechoslowakische Fremden verkehrszentrale und das tschechosiowakische Journalisten-Shndikat, die als die verantwortlichen Veranstalter der Propaganda-Festlichkeiten des„Prager Früh- l I n g" anzusehen sind, habe» SamStag abends die grosse Reihe, der unter den» genannten Titel geplanten Festveranstaltungen durch ein grosses F e st I o n- z c r t im Smetanasaale des Gemeindehauses eröffnet. Die festlichen Vorreden zum Konzert und aleich- zeitig zur Gesamtveranstaltung dcS„Prager Früh- ling" hielten die Fcstprolektoren HandelSminister In». I. D o st a l e k und der Primator der Stadt Prag Dr. K. V a r a, die Zweck und Sinn der Prager FrühlingSfestlichkeiten erläuterten, für Prag und seine Schönheiten, für Prag als Kultur- und Kunstzentrum des tschechosiowakische» Staates zu werben und diese Stadt zu einem Mittelpunkt des Fremden« intcrcllcs zu machen. DaS Festkonzert selbst bestritt daS Prager S h m p h o n i e o r ch e st e r unter der Stabführung von Anton Bednar, das den SiimvhonienzhkluS„Mein Vaterland" von Friedrich Smetana zur Aufführung brachte, lieber dieses neue Prager Svmphonicorchester und seinen Dirigenten wurde hier schon wiederholt berichtet. Wir stellen auch diesmal gerne fest, dass die passioniert spielenden Musiker und ihr tüchtiger und umsichtiger Dirigent ihre umfangreiche, schöne und dankbare Aufgabe ausgezeichnet lösten und für eine Wiedergabe des Smetanaschen Meisterwerkes sorgten, die der Würde des Festanlasses entsprach. E. I. Heute und morgen Ensemblegastspiel Richard Tauber in„D r e i m ä d e r l h a n S". Schubert— Richard Tauber, llcbrige Hauptrollen die Wiener Operettensängerin Paula Brosig, der Komiker Fritz Imhof, ferner Didier Aslan, Vera Nargo und Adi Berger. Dirigent: Mosscc.(Aufgeh. Abonn.) Dienstag Beginn 8 Uhr, Mittwoch halb 8 Uhr. „Studio 1034"— Am 8. Juni im Mozarteum 8 Uhr 15 Min. Mit teilweise uenein Programm. (Aktualitäten!) Wochrnspiclplan des Reuen deutschen Theaters. Dienstag, 8 Uhr:„Das D r e i m ä d e r l- Haus", Ensemblegastspiel Richard Tauber. (A. A.)— Mittwoch 7$4:„DasDreimäderl- haus", Gastspiel Tauber.(A. A.)— Donnerstag 7',h:„Die vier Grobiane".(C 2.)— Freitag 7'/j:„Der Jakobiner", Gastspiel Paul Ludikar, Erstaufführung.(D 2.)— SamStag 7’.4:„Der Revisor." Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Dienstag 7 kh:„L a d h W i n d e m e r e S F ä ch e r", Erst- aufsührung.— Mittwoch 8:„Insel," volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8:„Strassenmusi k."— Freitag 8:„Ladt, Wind e r- mereS Fächer", KulturverbandSfreunde und freier Verkauf.— SamStag 8:„Lady Windermeres Fächer." Spott• Spiel• Körperpflege Hazcnii-Meisterschaftsspiele der Prager DTJ. Die ausgezeichnete Mannschaft der DTJ. VySehrad schlug mit 20:0(14:0) DTJ. Radlitz und DTJ. Prag VII gewann gegen DTJ. Sikejovicc mit 9:4 (2:1).— Am Sonntag trug DTJ. Prag VII in Kosten ein Freundschaftsspiel gegen den Meister des 4. Kreises DTJ. Rosten aus und wurde mit 11:12 (3:0) geschlagen.— Nadlitz siegte über DTJ. Bkcv- nov mit 8:3. Bürgerlicher Sport Tie Weltmeisterschaften im Turnen, die am Samstag in Budapest ausgetragen wurden, hatten bei den M ä n n e r n folgendes Gesamtergebnis: 1. Schweiz 787.80 Punkte, 2. Tschechoslowakei 772.00, 3. Deutschland 760.50, 4. Italien 761.88 Punkte; ferner Ungarn, Finnland, Frankreich, Bel- gien, Luxemburg, Bulgarien, Holland und Mexiko. — Einzelergebnisse: Barren: 1. Mack(Schweiz) 19.75 Punkte; 10. Gajdos(Tsch.) 18.55.— Reck: 1. Winter(Dtschl.) 10.65; 16. Gajdoö 18.45.— Pferd: 1. Mack 10.15; 8. Sladek(Tsch.) 18.75.— Pferdspringen: 1. Mack 20; 12 Hudec(Tsch.) 18.50. — Ringe: 1. Hudec 10.45 Punkte.— Frauen: 1. Tschechoslowakei 788.06, 2. Ungarn 734.40, 8. Polen 620.84, 4. Frankreich 521.31, 5. Bulgarien 481.16 Punkte. In der Einzelwertung erreichte Dkkanovä(Tsch.) mit 60.28 Punkten die höchste Wertung.— Das Märchen von: unpolitischen bürgerlichen Sport zerrann auch bei diesen Wettkämpfen in ein Nichts. Schon lange vorher hatte Jugoslawien seine Teilnahme abgesagt, weil Ungarns Genfer Politik die Jugoslawen„beleidigte" und am Tage selbst hatten die Vertreter der Tschechoslowakei (alles Sokoln) einen Krach mit einem finnischen Schiedsrichter, der durch einen anderen ersetzt werden musste. Die tschechische Presse stellt weiter fest, dass unter einer normalen Umgebung sowie korrekten Schiedsrichtern der Sieg an die Tschechoslowakei vor der Schweiz hätte fallen müssen. Ansonsten drücken die Blätier ihre Freude darüber aus, dass die turnerische Kultur einer kleinen Nation daS Hakenkreuz geschlagen hat. Die Spiele um die DFB.-Meisterschaft der 1. Klasse fanden am Sonntag mit den Rückspielen der ersten Runde ihre Fortsetzung. In Graslitz gewann DFC. BudlveiS über den Westgaumeister DFC. GraSlitz mit 6:8(3:2).— VfB. Teplitz siegte auf eigenem Platze über DSV. Asch mit 8:1(1:1).— In Reichenberg schlug RFK. mit 8:1(5:1) den DSV. Zwittau.— Die Begegnung DFK. Komata»—DSV. Witkowitz findet erst kommenden Sonntag statt. Spiele am laufenden Band absolviert derzeit der Prager DFC. Nach der Niederlage gegen Saaz ein Sieg über den mit Unlust spielenden Teplitzer FK. und am Sonntag in Warnsdorf gegen den WFK. 3:8(8:2). Das war das dritte Spiel in einer Woche! Und damit wahrscheinlich die Mannschaft so richtig in„Form" kommt, erfolgt am Mittwoch schon die Fortsetzung. Das Ganze hat aber schon nichts mehr mit Sport, wohl eher mit Geschäft zu tim... Die zweite Profiliga hat nun ebenfalls ihre Meisterschaft abgeschlossen. Am Sonntag gewann SK. Prossnitz gegen Olympia Pilsen 6:0(4:0) und Mittwoch, den 6. Juni, abend- 8 Uhr im Hotel„M o n o p o l" Elternversammlung Fachlehrer Ernst T h ö n c r, Teplitz- Schönau, spricht über das Thema:. „Bürgerschule oder Mittel- s ch» l e?" Alle interessierten Eltern und Lehrer sind herzlichst ringeladen. Arbeiterverein Kinderfreundr. SK. Rakonih schlug Slavoj ZiZkov mit 2:1(1:0), — SK. Pilsen und SK. Prossnitz steigen auf. Die meisten Tore schossen die an zweiter Stelle liegenden Prossniher, nämlich 87, ivährend sie nur 15 erhielten. Slavoj Ziskov als Tabellenletzter erhielt 88 und schoss 21 Tore. Sonstige Fustballrrgebnisse. K o m o t a u: DSV. Saaz gegen DFK. 8:2(1:1).— Aussig: DFK. gegen Karlsbader FK. 4:0(1:0)!— Gablonz: BSK. gegen Admira Prag 4:1(2:0), DSK. gegen CSK. Brüx 2:8(1:1).— Wien: Rapid gegen ESK. Prcssburg 8:1(1:0).— Frankfurt: Schwede» gegen Stadttcam 2:8(2:2). Allerlei Leichtathletik. DaS Gehen und Laufen Prag— MeInik(80 Kilometer) fand am Sonntag statt. DaS Gehen gewann Rivolta(Mailand) in 2:80:55 und das Lausen Sulc(Sparta Prag) in 1:57:20.2. 120 Teilnehmer.— Douda (Slavia Prag) stiess bei einer Veranstaltung in Podkbrad die Kugel 15.54 Meter weit.— Bei einem Frauenwettkampf in Prag erzielte im W e i t- springen die Hochschülerin Konbkovä(Hochschüler-SB: Prag)mit 5.65 Meter einen neuen tschechoslowakischen Rekord.— In Prcssburg gelangte ein Städtekampf Brünn— Prcssburg zur Austragung, den die Brünner knapp mit 67:64 Punkten gewannen. Erwähnenswerte Ergebnisse: Kugel: Ba- racz(P.) 14.51 Meter; Hochsprung: Horak(B.) 1.85 Meter; Diskus: Dr. Viktori(P.) und Baracz 42.41 Meter.— Bei einem Hochschüler-Meeting in New Dort wurden u. a. folgende Ergebnisse erzielt: Weitsprnng: Clark 7.83 Meter; Hochsprung: Spitz 2.08 Meter; Stabhoch: Brown 4.25 Meter. DaS tschechoslowakische Wasserballteam wurde am SamStag in Budapest von der ungarischen Mannschaft 7:0(5:0) geschlagen. DaS Kunstspringen ge- lvann Lcikert(Teplitz) mit 152.07 vor KovacS(U.) mit 123.00 Punkten. Im Wasserball-Rückspiel, da« Sonntag in Tanabanya auSgetragen wurde, siegten wiederum die Ungarn, und zwar mit 8:1(2:0). Aus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heute. 8 Uhr Gruppenabende: S. I. Weinberge: Lagerabend. S. I. Holleschowitz: Jugend und Arbeiterbewegung. S. I. Zentrum: Arbeitslager. S. I. Smichow: Die Frmi gestern, heut«, morgen. Vercliisnadiriditen Bolküsinggemeinde. Dienstag, den 5. Juni, um 8 Uhr abends im Probclotal ausserordentlich loichtige Probe zur Olynchiade. Pflicht sänitlicher Sänger iss. pünktlich zu erscheinen. Vorher u>n halb 8 Uhr wichtige AuSschusssitzung. »er film Gismeer und Südfee In wirkungsvollem Kontrast werden ztvei amerikanische Filme aneinander gereiht, deren einer „Abenteuer im Polarkreis" heisst und uns nach Alaska führt, lvährend der zweite, die„Mädchen vo» Bali", das oft gezeigte Svdfceparadics aussucht. Lehrreicher ist der erste Film- Schöner der zweite. In der wilden Einsamkeit der Polarwelt hat der Kapitän Kleinschmidt da» harte Leben der Eskimo» beobachtet und ins Bild gebracht: Ivie sie auS Eisblöcken ihre Häuser errichten, wie sie mit Flinten und Speeren Eisbären und Walrosse jagen, wie sie sich mit Hundeschlitten durch den Schnccsümn kämpfen, wie sie tanzen und Hochzeit halten, wie- sie gutwillig teilen und freiwillig sterben. Und dann die lichte Welt der glücklichen(oder auch dämonischen) Insel Bali, wo anmutige Menschen noch die schwerste Arbeit mit einer wunderbaren Grazie verrichten, wo nackte Mädchen traumhaft lächeln, wo Kinder in seltsamer Verzückung tanzen, wo eine schwermütig-jubelnde Musik gemacht wird, wo alle Bauten und Geräte edle Formen haben— und wo dicht neben alledem die Grausamkeit der Hahnenkämpse und die Gier des europäischen Ausbeuters wohnt. Man hat das oft schon im Film gesehen. Aber es ist, als könnte man sich daran nicht sattsehen. Und man freut sich auch über diesen Film, obgleich er oberflächlich und flüchtig gemacht ist. —cis— Wollen Sie gesund werden? Plagt Sie Rheuma, Gicht, Ischias oder eine Frauenkrankheit? Wollen Sie Ihren Urlaub schön und billig verbringen? Besuchen Sie den Kurort Bohdaneö Bei erstklassiger Einrichtung, Fürsorge und Bedienung sind wir wirklich billigt In BohdaneC erwartet Sie Genesung und Erholung! Saison Mai— September Bezngsbedtngungen: Bet Zustellung tnS HauS oder bei Bezug durch die Post monatlich siü 16.—. vierteljährig XL 48.—. halbjährig KL 06.—, ganzjährig Kü 102.—.— Inserate werden kam Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlass.— Rückstellung von Mamskripten erfolgt nur bet Einsendung der Retourmarken.— Die Leitungsfrankatur, wurde von der Bost- und Telegraphen« dlrektion mit i-rlass Re. 18.800/VII/1080 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS". Druck-, Verlags« und ZeitungS-S.-G., Prag