14. Jahrgang Mittwoch, 6. Juni 1934 Rr. 13» IENTRALORGAH DER DEUTSCHEM SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IM DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK Einzelpreis 70 Hüter (•in»chll«ßllch S Haller Forte) ERSCHEINT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung mag xii., fochova a. telefon sw. Administration teufon sw«. HERAUSGEBERi SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR) WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEURi DR. EMIL STRAUSS, FRAG. Dramatische Zuspitzung in Genf Barthou gegen ein Bittgesuch um Deutschlands Rückkehr Konflikt mit Henderson Genf, 5. Juni. Die gesamte Aufmerksam» feit der heutigen politischen Debatten in Genf konzentrierte sich auf dir Resolution des Vorsitzen- de« Henderson. Die heutigen Verhandlungen brachten eine Konfrontation der zwei grundsätzlichen Richtungen, entweder mit Deutschland über die Rückkehr zur Konferenz zu verhandeln und sich sofort über einige Maßnahmen aubzusprechen, die eine Beschränkung der Rüstungen verwirklichen können, oder über die Sicherheit zu verhandelnd Die beiden Grundsätze stießen in einem sehr gefährlichen Augenblick aufeinander, was besonders auS der Tatsache hervorgeht, daß einige Delegierte schon wieder die Frage der Berant- wortung für den eventuellen Mißerfolg der ganzen Abrüstungskonferenz berühren. Minister Barthou lehnte die Resolution Hendersons alS allzu zweideutigen Antrag mit großer Energie ab und stellte sich dagegen, daß mit Deutschland unter Umständen verhandelt werde, di« für die Berliner Regierung Z« g e- ständniss« darstellen sollten. Heute abends finden wieder eifrige private Verhandlung«» unter de« Delegierten statt, doch wird die Lage als äußerst ernst angesehen. O Die Aussprache im Büro der Abrüstungskonferenz war sehr lebhaft, ja. dramatisch. Henderson begründete seine Geste, durch die er den toten Pmckt der Konferenz überwinden wollte, und machte darauf aufmerksam, daß rr nach den Erfahrungen von 30 Monaten derAnstcht sei, daß die Erledigung einiger politischer Problem« notwendig sei, wenn die Konferenz zu der Lösung gelangen solle, die alle wünschen. Rach einer halbstündigen Pause, welche die Delegierten zu einer PrüfungderReso- lution Hendersons benützten, wurde die Debatte wieder ausgenommen, die volle zwei Stunden dauerte. Der englische Delegiere Eden nahm die Resolutton Hendersons vorbehaltlos an, Auch der italienische Delegierte di Soragna stimmte dem Texte der Resolution Hendersons grundsätzlich zu und betonte die Notwendigkeit einer politischen Borbereitung für die Lösung der größeren Probleme. Der französische Außenminister Barthou erllärte i« einer großen Rede, daß die französisch« Delegation die Resolution Hendersons nicht annehme. Die ftanzöstsche Delegation, die ihre» Standpunkt während der ganzen Zeit der Abrüstungskonferenz nicht geändert habe, sehe alü Grundlage vor allem die S i ch e r h e i t an. Minister Barthou werde sich zu keinem Entgegenkommen unter dem Vorwand der Brrsöhlich- keit hergeden. Hendersons Resolutton enthalte die Worte, „mit den interessierten Mähten zu verhandeln". Bedeute das Deutschland? Barthou hält diesen Teil der ResolnUonStrrteS für ü b e r f l ü s s i g. Aller, waS überflüssig fei, sei gefährlich. ES müsse genau gesagt werden, wer etwas unternehmen wolle. Frankreich werde die Mckkehr Deutschlands nach Genf begrüßen, die eine Hauptbedingung für ein endgültiges Abrüstung"'bkcmmen sei. Wenn wir, sagte Barthou, mit Deutschland verhandeln wollen, so sei es. Aber worauf solle«-Ir warten? B'' Dr"'".md dem Völker- Bund«, den rS grundlos verlass«« hat, seine Bedingungen stell.' T.:' würde«ine Erniedrigung deS Bölkerbunl.. bebe:. Wer wird das Vorschläge«? werden Vie Denlschl' d ersuche«,«ach Ge«f zu kommen«nd Vrdingungm zu stellen? Barthou. geht nichts so weit. Er wün'-,t, daß Deutschland ohne Zwang zurückkehr« und wenn er/in Genf sein wepde/ könnten die Bedingungen der Versöhnung diskutiert werden. Ueberhaupt gebe Barthou keiner» Abkommen den Borzug vor einem s ch l e ch t e n Al'nnmen, Barthou ist für die-Rm":hr deS j l e i chberechtigten, aber auch verantwortlichen Deutschländ. Die Stellung der französischen Delegation sei klar und präziS: Ohne Sicherheit sei ein AbrüftungSabkommen nicht möglich k Der Bor''»cndc Henderson ergriff unter sichtlicher Belveguno das Wort und legte dar, daß er unparteiisch bestrebt gewesen sei, für den Haupt- ausschuß der Abrüstungskonferenz eine Arbeitsmethode zu finden. Die Sicherheit sei in seiner Resolution ebenso gelöst wie die Abrüstung. Wenn Minister Barthou eine andere Arbeitsmethode habe, möge er sie Vorschlägen. Henderson ist der Ansicht, daß die Abrüstungskonferenz das Leben vieler junger Männer in der Welt in der Hand habe. Deshalb werde Henderson die MriistungSkonferenz nicht mit leichtem Herzen schließen. ES werde niemals Sicherheit bestehen ohne Abrüstung. Möge die französische Delegation ihre Anträge vorlegen oder möge der Hauptausschuß zusammenireten und erklären, daß man zu keinem Ziele gelangen könne. Streitfall Ungarn kontra Jugoslawien soll auf direktem Wege beigelegt werden.. Genf. 5. Juni. Der Bölkerbundsrat verhandelte heute in öffentlicher Sitzung über die Beschwerde der ungarischen Regierung gegen die Regierung Jugoslawiens in Angelegenheit der ungarisch-jugoslawischen Grenzzwischensälle.' Nach Anhörung der Ausführungen der Vertreter der beiden Negierungen gab der Vorsitzende des Völkerbundsrateö BaSconcclloö bekaimt, daß die Angelegenheit durch unmittelbare Verhandlungen der beiden Negierungen ohne weiteres Eingreifen deS VöllcrbundratcS erledigt werden wird. Diese Entscheidung tvurde in Genf mit Befriedigung ausgenommen, denn die allgemeine Anschauung geht dahin, daß die Frage der Grcnzbeziehungen zwischen Ungarn und Jugoslawien längst, und zwar ohne Berufung auf Artikel 11 deS BölkerbundspakteS, hätte erledigt sein können. Strelklage der USA-Stahlindustrie London, 5. Juni. AuS Washington wird berichtet, daß die Stahlwerke im Hinblick auf die Möglichkeit eines Generalstreikes in der Stahlindustrie am 16. Juni große Waffe»lager anlegten. Der Gouverneur von Pennsylva- nicn, Pinchot, der Montag dem Präsidenten Roosevelt im Weißen Hause Bericht über die Lage erstattete, sagte später, die Lage sei sehr ernst, er sei aber auf jede Möglichkeit vorbereitet.' Paris, 5. Juni. In Roubaix sollte gestern abendö ein Bortrag deS rechtsstehenden Abgeordneten H e n r i o t stattsinden. Die K o m- m u n i st e n und Sozialisten sperrte» die Straßen vor dem Bortragöfaale, um den Zutritt zu verhindern. Polizeibereitschast, zu Fuß und zu Pferde, schritt ein, doch verbarrikadierte n sich die Demonstranten. Es kam zu einigen heftigen Zusammenstöße« mit der Polizei, die schließlich die Straßen räumte, so daß der Bortrag stattfinden konnte. AlS die Versammlungsteilnehmer nach Beendigung deS Vortrages den Saal verließen, kam eS zu neuen Ausschreitungen zwischen den Anhän- gem der Linken und der Rechten. Nngrfähr 100 Personen wurden durch Steine und andere Gegenstände v erlebt, davon 13 schwer. In der weiteren Aussprache führte Minister B a r t h o n an. daß die Konferenz vor der Geschichte eine große Verantwortung habe. Als Chef der französischen Delegation sei er der französischen Regierung verantwortlich und gezwungen, den Vorschlag abzulehnen, auch wenn er von dem Konfcrenzvorsitzcndcn gestellt wurde. WaS das Wesen der behandelten Probleine anlangt, ist Barthon zu Verhandlungen auch in den öffentlichen Sitzungen bereit. Barthou hat nichts gegen den Borsitzendcn der Konferenz und ersucht ihn. nicht seine Demission zu geben. ES handle sich um einen Streit von Doktrinen, nicht von Personen. Henderson stellte hierauf fest, daß Minister Barthou weder die Teilnahme in dem Ausschuß für die Ausarbeitung einer Arbeitsordnung noch den Antrag des Vorsitzenden angenommen habe und auch selbst kein ArbcitSprogramm ansarbei- tcn wolle. Der Vorsitzende vertagte hierauf die »'eiteren Beratungen auf morgen. Griechischer Expremier Im Parlament verwundet Athen, 6. Juni. In der Kammer ereignete sich gestern ein Zwischenfall, als der frühere Ministerpräsident P a p a n a st a s i u in scharfen Worten den Kriegsminister Kondhlis angriff. Darauf Ivarf ein Abgeordneter einen Stuhl gegen Papanastasiu, der am A r m verwundet wurde. Unter großem Lärm wurde die Sitzung unterbrochen. Der Ministerrat wird in einer Sondersitzung zu dem Vorfall Stellung nehmen. Höllenmaschine auf dem Agramer Bahnhof Agram, 6. Juns. Heute nach 12 Uhr Mittag explodierte auf dem hiesigen Hauptbahnhof in der Toilette des direkten Wagens Paris— München — Salzburg— Agram— Belgrad eine Höllenmaschine, durch welche namhafter Sachschaden an dem Wagen verursacht wurde. Verletzt wurde niemand. Nach den gepflogenen Erhebungen muß die Höllenmaschine noch vor Einlangen des Schnellzuges in Jugoslawien, vermutlich auf österreichischem Boden eingebaut worden sein. Man glaubt, daß eö sich wieder um eine Demonstration der im AuSlande lebenden kroatischen Terroristen handelt. PariS, ö. Juni. Die Parlamentskommission zur Untersuchung der Verantwortlichkeit für die blutigen Feber-Ereignisse steht vor dem Abschluß ihrer Arbeiten. Gestern genehmigte sie den Bericht des Abgeordneten Appell über die Manifestationen vom 6. Feber auf der Place de la Concorde. Der Bericht unterzieht den Sicherheitsdienst einer scharfen Kritik, rügt überflüssige Brutalitäten der Si- cherhcitsorgane, führt die Umstände an, unter denen hie Polizei auf die Manifestanten schoß, konstatiert aber andererseits, daß sich die Manifestanten gleichfalls Gewalttätigkeiten zuschulden kommen ließen, daß sie auf die Sichcrhcitülvachc geschossen und sie zur Erwiderung des Feuers und zur Verteidigung gezwungen hätten. Fasdstlsdic Kulisscnschicbcrcicn Vor der Machtergreifung Hitlers stellten sich die europäischen Staaten in zwei Mächtegruppen, in die Gruppe der FriedenSrcvisioni- sten und die der Antircvisionistcn. Diese Teilung war damals noch nicht ganz klar, doch jo mehr der FasciSmuS in Europa Platz gewonnen hat. wurde cs imnicr deutlicher, daß Revisionismus FasciSmuS bedeutet und auf Seiten der Anti- rcvisionistcn die demokratischen Staaten stehen. Die Führung dieser fascisttschcn Revisioni- sten hat Italien übernommen. Bor cinenr Jahr schien cS so, daß cs Mussolini gelingen wird, eine neue»heilige Alliance" zu schaffen, welche das Schicksal Europas grundlegend beeinflussen wird. Der alte Dreibund vor dem Kriege— Italien, Deutschland, Oesterreich-Ungarn— war wieder auferstanden, alü Anhängsel gehörten noch Bul. garicn und Albanien dazu. Aber der Jntcrnatio- nalismuS deS extremen Nationalismus ist eben ein schweres Experiment. Die führenden fascisti- scheu Staaten, Deutschland und Italien, haben das entgegengesetzte Interesse bei den verschiede- non Vasallenstaaten, es entstand ein Bruderzwist um Oesterreich zwischen Hstler und Mussolini, in Albanien wurde der italienische Einfluß zurück- gedrängt, in Bulgarien siegte in den letzten Tagen eine Diktatur, welche den Braunhemden, sowie den Schwarzhemde» gleich abhold ist. So roechselten die Fronten, der fascistische Staatenbund verrann in dem„römischen Abkom- men", in welchem bescheiden wichtige Handels- politische Vereinbarungen und großsprecherische aber unkonkrete politische Versprechungen enthal- tcn sind. Das römische Abkommen ist nicht nur gegen Frankreich oder die Kleine Entente, sondern auch gegen Deutschland gerichtet. Was Italiens zwei Mitnntcrfcrtigcr, Ungar» und Oester- reich, aus diesem Abkomnien profitieren werden, ist recht fraglich. Italiens Wirtschasts- und Finanzlage wurde in den letzten Wochen durch schwere Krisenschläge gewaltig erschüttert. Poli- tisch ist eS um Mussolini ebenfalls still geworden. Der Schwerpunkt der europäischen Politik wurde aus Rom wieder nach Paris, oder sogar nach Genf verlegt und die europäische Oefscntlichkcit interessiert sich nicht mehr für die Rede Musso- liniö, höchstens, wenn cS sich um die gesührdcle Lire handelt. Ja, die internationale Front des FasciSmuS hat starke Sprünge bekonimen. Eine„Einheitsfront" wäre notwendiger als je. Aber wie dies erreichen? In Wien werden unter dem Protekto- rat Mussolinis die Anhänger und Freunde Hitlers drangsaliert und eingcsperrt und das„hei- lige" Hakenkreuz ist verboten. Der einzige Berührungspunkt liegt in Budapest. Ungarn hält seine freundschaftlichen Beziehungen zu Hitler aufrecht und ist des Duces ältester und treuester Basalle. Der ungarische FasciSmuS soll zwischen Deutschland und Italien, aber auch zwischen Deutschland und Oesterreich vermitteln. Diese VermittlungSarbcit wird in diese» Tagen mit Hochdruck verrichtet. Kaum hatte nian die Speisereste des Diners zu Ehren Gocrings beim Reichsverweser Horthy und Ministerpräsidenten Gömbös weggeräumt, mußte man schon ftir Fürst Starhembcrg den Tisch decken. Ter „zweite Mann" Nazideutschlands hat Platz gc- macht dem«zweiten Mann" des fascistische» Oesterreich. Eö ist kein Zufall, daß eben jetzt nicht Herr Dollfuß in Budapest erschien. Er ist zur Zeit für die Habsburgcr-Lösung, dagegen neigt Starhembcrg mehr zu einer Versöhnung mit Deutschland. Und die Antilcgitimistcn Horthy und Gömbös wünschen auch keinen Habsburger in der Nachbarschaft und wünschen viel eher noch den Anschluß. Sie tun auch alles, uni diese Versöhnung und dadurch eine Versöhnung zwischen Deutschland und Italien herbeizuführcn. Durch diese Versöhnung wollen sie der sascistischcn Front die Schlagkraft zurückgebcn. Gleichzeitig will die ungarische Regierung damit ihre"eigene Blutiger Straßenkampf Zwischen französischen Linken und Rechten Die Untersuchung der Pariser Feberereignisse Nr. 130 Mittwoch, 8. Juni 1834 auseinander. Der internationale Bund der anti- internationalen Fascisten hat sich und wird sich als zerfallendes Holzrad erweisen. M. Marion. I öiscnrad". Man kann dieses Holz so bemalen, das; eL die Farbe des Eisens zeigt und vorübergehend glaubt man» eS sei ein Eisenrad, aber die Farbe weht ab, und daü verfaulende Holz fällt Verhandlung deS neuen PensionSversicherungS- geseheö eigentlich als vollständig erledigt ansehen sollte. „Ich will hier sagen", rttkätte Genösse Ma- eonn,„daß»nsere Pattri und unser Klus mit allem Nachdruck die Aufrechterhaltung diese» Bruchstücke» der Selbstverwaltung für die Angestellten und insbesondere für die deutschen Angestellten fordern. Diese» Stück der Selbstver- «altnng für die deutschen versicherten wurde schon seinerzeit auf einen Bruchteil herabgesetzt, al» van sechs Amtvftellrn dir in Troppau ausgelassen und dir Funktionen der beiden deutschen Amtsstellen in Prag und Brünn eingeschränkt wurden. Ich kann gerade namen» unserer Partei feststellen, dah e» die deutsche Sozialdemokratie im, alten Oesterreich war, die da» Verlangen nach dieser sprachlichen und administrativen Teilung der PenfionSversichernng auf» nachdrücklichste unterstützt hat. Deswegen haben wir al» deutsche Sozialdemokraten auch da» volle Recht, nunmehr dir Aufrechterhaltung dieser ohnedies schon statt eingeschränkten Einrichtung zu fordern. Die Hinlvrise auf die Kostspieligkeit der Dezentralisierung de» BerwaltungSapparate» sind hinfällig: Al» seinerzeit die Landevstellen geschaffen wurden, gab e» in der Allgemeinen Pension»' anftalt in ganz Oesterreich 100.000 Versicherte, heute allein bei an» in der Tschechoslowakei 340.000k Wir müssen daher in dem Antrag de» Herrn Abgeordneten Dutirkh einen höchst unzulässigen nati«na lp»litisch en Anschlag erblicken und wir lehnen ihn ans da» schärfste ab, um so mehr, al» er nach den seinerzeitigen Auseinandersetzungen einer Vereinbarung widerspricht» die nun wieder durchbrochen werden so«. Wir fordern die Aufrechterhaltung und den Au»ban der deutschen AmtSstellen au» Gründen der notwendigen sprachlichen und administrativen Zweckmäßigkeit!" (Die Ausführungen des Genoffen Macoun zur Pensionsnovelle selbst werden wir morgen nachtragen.) Während sich diese Auseinandersetzungen im Sitzungssaal abspielten, wurde innerhalb der Koalition nach einem Kompromiß gesucht, das den chauvinistischen Vorstoß abbicgen soll, ohne daß Dubicky eine allzu empfindliche Blamage erleidet. Nach diesen in einer Beratung der politischen Minister aufgetauchtcn Kompromißvorschlägcn soll dir Resolution Dubicky in ihrer ursprünglichen Form, wie' sie nun von den Nationaldemokraten und Hlinkaleuten ausgenommen wurde, abgelehnt werden; dafür soll aber eine Koalitionsresolution eingebracht werden, die dem Fürsorgeministerium austrägt, eine Vereinheitlichung der Organisation der PensionSvcrsicherung vorzubereiten, ohne daß von den deutschen AmtSstellen ausdrücklich die Red« wäre. In sprachlicher Hinsicht soll lediglich gesagt werden, daß dabei auf die| Position verstärken. Diese Position scheint im Jnlandc sowieso stark zu sei». Wenn auch die Regierung deS General GöniböS keine wirtschaft- lichcn oder sonstigen Erfolge erreicht hat, wird sie im öffentlichen Leben überhaupt nicht be- kämpft. DaS Anwachsen der oppositionellen Stimmung im Jahre 1931 und 1932 wurde durch starke diktatorische Maßnahmen unter drückt. Eino Gegenvolksbewcgung konnte das herrschende Regime nicht Hervorrufen, da doch alle fascistischcn Schlagwörter und Versprechun gen in Ungarn bereits früher verbraucht wur- den. Dan» aber kamen die neuen fascistischcn Siege in Europa. Die Diktatur in Deutschland, in Jugoslawien, Oesterreich, Pole» usw. Wen» auch der FasciSniuS in Ungarn nicht ganz neu geboren werden kann und nur Ansätze einer neuen fascistischcn Ideologie(hauptsächlich bei den jungen, früher„linksradikalen",„kommu- nistischcn" Schriftstellern) zu beobachten sind, sind die ausländischen fascistischen Siege dazu gut, die linksstehenden Kräfte zu zermürben, alles halb wegs Demokratische cinzuschüchtcrn. Fällt irgend wo eine Bemerkung oder eine Kritik über eine volksfeindliche Maßnahme, so drohen die rechts- gerichteten Kreise sofort mit fascistischen Retor- siancn, sie zeigen nach dem Auslände, demgegen über in Ungarn noch zu viel Freiheit herrscht. Ja, in Ungarn herrscht Freiheit, in Ungarn ist die sozialdemokratische Partei nicht verboten, doch kann sie eben ihre Tätigkeit nur unter poli zeilicher Aufsicht auSübcn. Die Gewerkschaften leben auch, aufopfernd erhalten sie ihre Rahme», nur bekoimnen ihre Mitglieder keine Arbeits losenunterstützung und so ist ihr materieller Be- stand durch Ausbleiben der MitglicdSbciträgc ge fährdet. Ucbrigens wird seit einen: Jahr»nt einen; Gesetz über„Freiheit der Arbeit"(Gleich schaltung, Verstaatlichung der Gewerkschaften) gedroht. Arbeitersportvercine, Naturfreunde, Ar- beiterpresse leben auch, nur werden sie ohne Un terlaß schikaniert und gemaßregelt, unterdrückt! haben die Nationaldcmokratcn und Hlinka-Leute und Verfolgt. So sieht die große Dcinokratie in Ungarn aus. Die Tatsache aber, daß die Regierung diese Schcindcnwkratie doch nicht auömerzcn will, zeigt den verletzbaren Punkt ihrer angeblichen Stärke. Die Gegenrevolution in Ungarn stützt sich heute auf keine Volksbewegung und um die sozialistische Volksbewegung auSzurottcn oder wenigstens aus eine längere Zeit zu unterdrücken, braucht man eine, wenn auch mit falschen Schlagworten irre geführte Volksbewegung. Wie schon gesagt, in Ungarn wirken diese falschen Schlagwörter nicht, der Fascismus kann keine neuen Kräfte gewin nen, höchstens kann er seine alte Position er. folgrcich verteidigen. Dieser Verteidigung sollten auch die außen politischen Erfolge dienen. Darum arbeitet die Gömbös-Rcgierung so heftig an dem Wiederzu- sammenschweißcn der fascistischen Staaten. Dar- um versucht Budapest sich als Versöhnungsort und Friedenüvcrmittlcr den verschiedenen mitein- ander schmollenden Herren Diktatoren anzubie- ten. Wird der Versuch von Erfolg gekrönt sein? Kaum. Wir Internationalisten wissen eS, ein Internationalismus der Chauvinisten ist auf die Dauer undenkbar. Auf etwas Unmögliches sagt eine ungarische Redewendung„aus Holz ein Prag, 8. Juni. Znm erstenmal nach der längeren Pause, die durch die Präsidentenwahl bedingt>var, traten beute wieder beide Häuser der Nationalversammlung zu ArdcitSsitzungen zusammen. Am Parlament hat die Regierung, wie bereits angrkündigt, die außerordentlich komplizierte Vorlage über den Bauregreß eingebracht, über die wir an anderer Stelle berichten. Im Plenum selbst wurde nach einem Nachruf für dir kürzlich verstorbenen Abgeordneten Jelinek und Mysliver dir PensionSversichr- r u n g S u o v e l l e in Verhandlung gezogen, aber entgegen den ursprünglichen Dispositionen heute noch nicht zur Abstimmung gebracht. Während im Sitzungssaal zwei Referenten und acht Drbattrredncr einander ablösten, dauerten dir Auseinandersetzungen über die von dem Abgeordneten Dubicky beantragten Resolutionen, in denen die Auflaffung der deutschen AmtS- stelle» der PenstonSanstalt und eine Verschärfung der TprachenpraxiS gefordert wird, in unverminderter Schärfe an. In dem vom sozialpolitischen Ausschuß eingesetzten Subkomitee konnte eine Einigung nicht erzielt werden, da unsere Pattci selbstverständlich nicht bereit ist, sich unter ein kaudinischcs Joch zu beugen. Die eigenen Klublollegen de» Herrn Dubicky sind von seinem allen Koalitionigepflo- gcnheiten widersprechenden Vorgehen keineswegs begeistert und beharren auch nicht auf der von ihm | vorgcschlagcnen Fassung der Resolution. Dafür I die Resolution Dubicky zu der ihren gemacht und beabsichtigen sie im Plenum cinzubringcn. Namentlich für die Nationaldcmokraten ift die ganze Geschichte natürlich ein gefundenes Fressen und so bemühte sich in der Debatte ihr Sprecher Dr. T o u ö e k aus Leibeskräften, noch weiter Oel ins Feuer zu gießen und womöglich eine große Koalitionskrise zu konstruieren. Tousek erklätte u. a.» man muffe sich direkt wundern über die Geduld, mit der die tschechischen Koali i ionSParteicn. sich dazu hergeben, eine unendliche Fülle von Kompromißformcln zu suchen, um k» der deutschen Sozialdemokratie zu ermöglichen, einer Resolution zuzustimmen, die die Liauidierung diese» angeblichen„sprachlichen MonstnimS" fordere, Herr Dr. TouSek forderte die tschechischen Koalitionsparteien direkt auf, von den deutschen Sozialdemokraten die Zustimmung zu dieser Resolutton zu erzwingen. Der Sprecher unserer Fraktion, Genoffe Macoun, ging in seiner Rede auf den Zwischen- sall Dubicky ganz offen ein und erklärte, daß dadurch ein durchaus unnötigerSchattenin die sonst gut verlaufenen vorparlamentarischen und AnSschußverhandlungcn hineingetragrn worden sei. Dubicky habe dort Ivieder die Aufhebung der deutschen AmtSstellen verlangt, also eine Sache zur Sprache gebracht, die man nach den Auseinandersetzungen de» Jahreü 1028 anläßlich der Pensionsnovelle auf Donnerstag vertagt Dubickys Vorstoß noch nicht liquidiert Einhaltung des SprachcngcsehcS geachtet werden soll. Eine Einigung darüber kam jedoch heute nicht zustande. Daher wurde«egen Abend die Ab- stimmung über die PcnsionsvcrflchcrungSnovellc, die an sich n i ch t strittig ist, auf die nächste Sitzung verschoben, dir für Donnerstag, den 7. Juni um halb 11 Uhr anveraumt wurde. Inzwischen dürften die Bemühungen, einen AuSweg zu fin- den, weitcrgrhen. Wie wir erfahren, ist für mor- gen eine Borsprachc der deutschen Sozialdemokra- ten, denen sich auch die Landvündler anschließen dürften, mit dem Ministerpräsidenten geplant. Böhmische Landesvertretung Dienstag, den 5. Juni, trat die böhmische LandeSvertrctung zu einer Session zusammen, die voraussichtlich drei Tage dauern wird. Zu Beginn der Sitzung gedachte der Landespräsident der Wiederwahl Masaryks und beantragte die Absendung eines Glückwunschtelegrammes an den Präsidenten, was einstimmig beschloßen wurde. Sodann leisteten die an Stelle der deutsch« nationalen Landeövertreter einberufenen Ersatzmänner Adam P e y e r l und lllfonv Czer- n a ch, die auf der Kandidatenliste des„Sudetendeutschen BolkSvcrbandeS" kandidiert haben, die Angelobung. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Antrag des LandeSauSschusscS, womit Bezirken und Gemeinden, welche Straßenbauten aufführen, vom Lande die Zinsen für die erforderlichen Darlehen gezahlt werden. Ein Verzeichnis der betreffenden Strahcnbauten ist beigeschlossen, von deutschen Bezirken werden LandSkron, Ma- rienbad, Schüttenhofen, Trautenau, Saaz, Luditz und Schluckenau bedacht. Dazu stellt Genoffe Jllner einen Antrag, den in Böhmen liegenden Teil der Straße Landskron—Schildberg au»zu« bauen. Dies ist notwendig, um die Verbindung der Fernstraßen Prag—Brünn einerseits und Prag— Troppau andererseits zu schaffen und weiterS aus dem Grunde, um der von Arbeitslosigkeit schwer betroffenen Bevölkerung Arbeit zu schaffen. Die Schlvierigkeit der Geldbeschaffung und die Schwerfälligkeit des bürokratischen Apparates verhindern am stärksten den Ausbau unserer Straßen. In derselben Angelegenheit sprach noch Gc- nossc D e i st l e r: Er führte u. a. aus: Durch die LandeSstrahenaktton wurde eS einer ganzen Anzahl von Bezirken unmöglich, ihr Straßennetz auszubauen. Die Straßenbauten haben auch beigetragen, die Arbeitslosigkeit in den betreffenden Bezirken etwas zu mildern. Anstatt nun die Lan- desstraßenaktton zu erweitern, soll diese Aktton im Jahre 1988 nicht mehr weiter geführt werden. Die Anregung der Einstellung der Straßenaktion geht vom Obersten Rechnungskontrollamt aus. Redner ersucht die LandcSvertretung. diese Absichten' zurückzuweisen und die Straßenbauaktion weiterzuführcn. Der Antrag des LandeSauSschuffeS wird sodann angenommen, der Antrag Jllner, dem Lan« deSauSschuß zugewiesen. Die Verhandlungen werden heute fottgesetzt. Olympiade Prag Atnsverelne, sendet die rraielMMlen zur Olumplade ein! I Unsere Töchter, die Hazinen Roman von Harmonia Tur MUhlan Sobald ich mich jedoch in Sicherheit gebracht hatte, sah alles anders a»S. Mein Gott, man mutz eben Verständnis für die kochende Volksseele aufbringen, lind eigentlich war es ein drolliger Anblick. Der Kommunist entkam leider; aber das war nur die Schuld dieser verrückten Claudia, die sich laut schreiend den wackeren Burschen cntgegcnstclltc und etwas von der Würde der Bewegung brüllte. Einen Augenblick machte sie die Jungens stutzig. Und dieser Augenblick genügte, um dem Marxisten einen Vorsprung zu geben. Claudias Geliebter kommandierte die SA- Leute; er lachte laut, über die Aufregung der alten Jungfer und schob sic dann, sanft, aber energisch beiseite, so daß sic gegen eine Hausmauer taumelte. Ich»rächte mir nachher Gedanken über den Vorfall. Wie kam Claudia dazu, der Gerechtigkeit in den Arm zu fallen? War cs möglich, daß diese mannstolle Person auch mit dem Kommunisten etwas hatte? Die SaldernS sind katholisch, und man kcnitt ja die Unmoral dieser jesuitisch verseuchten Menschen. So hat zum Beispiel in einer Nachbarstadt ein Pfarrer gewagt, von der Kanzel unseren herrlichen Führer zu beschimpfen. Ein alter Manu, der cö wirklich besser wiffcn müßte. Aber natürlich, diese internationalen Gesellen, die sich von einem Fremden vorschreibcn lassen, waü sie tun sollen, die in Sünde mit ihrer Wirtschafterin leben, die fast eben so undeutsch sind, wie die Juden... Der Alte sitzt heute im KonzcntraiionSlagcr und eS geschieht ihm ganz recht. Weshalb folgt er nicht dem Beispiel des braven Herrn von Papen, der sich in allem unserem Führer unterwirft? Freilich ist der Alte ein Bauernsohn, der nichts von Kultur und Verfeinerung versteht, ein Bayer, die ja immer so gemein sind, und Herr von Papen gehört einem altadeligen Geschlecht an und hat sich schon während deS Weltkrieges in Amerika durch seine Klugheit ausgezeichnet. Er begreift, als Deutscher und Edelmann, daß man nicht der Hure Babylon dienen darf. Wenngleich eS ihm schwer fallen muß, hat er doch nicht Luthers leuchtendes Vorbild vor sich. Wenn ich bedenke, wie unser Luther mit den aufrührerischen Bauern fertig wurde, mit den Menschen, die da» heilige Evangelium fälschen und sich zu Herren machen wollten! Ich danke Gott alle Tage meines Lebens, daß ich im evangelischen Glauben auf- gcwachsen bin. Dieser verderbte junge Leutnant von den Kaiscrjägcrn, der meiner Tugend als deutscher Frau und Mutter Fallen stellen wollte, tvaS ihm selbstverständlich nicht gelungen ist, war ja auch ein Katholik. ES ist eigentlich schrecklich, tvenn man überlegt, welchen Gefahren eine reine Frau von Seiten der Juden und Katholiken ausgesetzt ist. Aber Deutsche sein/ heißt, eine Sache um ihrer selbst willen tun; und was schaut schon bei so etlvas heraus, außer Unannehmlichkeiten und Gefahren? Ich bin ja so froh, daß meine liebe Lieselotte in allen Ehren den Brautschleier wird tragen dürfen, wie es ihre Mutter vor ihr getan hat. Die Hochzeit soll mit allem Prunk gefeiert werden. Ich habe auch die Frau Major dazu ein- geladen; wenn ich bedenke, wie großartig sie immer mir gegenüber getan hat, so wundere ich mich fast über meinen Langmut. Sie hat auch voller Freude zugcsagt. Ich hätte ja gerne auch ihre Mutter, die Frau Generalin, dabei gehabt; eine Generalin, die eine geborene Freifrau ist, macht sich immer gut. Aber die arme alte Dame ist wirklich, wie ich schon lange vermutete, nicht mehr recht im Kopf; sie hat mit fast unhöflichen Worten die Einladung auSgeschlagen. UebrigenS wäre um ein Haar nichts aus der Hochzeit geworden. Arthur, mein geliebter Mann, ist wirklich ein Fanatiker. Er scheut nicht einmal davor zurück, da» Glück seines einzigen Kindes zu zerstören, wenn es sich um das Wohl der Bewegung handelt. So hat er in alten Papieren entdeckt, daß Eberhards Ururgroßvater mütterlicherseits ein getaufter Jude war. Als er eS mir mitteilte, war mir zu mute, als versinke unter meinen Füßen der Boden. Eberhard, dieser herrliche urgcrmanische blonde Jüngling! Daß so etwas beim Stahlhelm Vorkommen kann, ist ja begreiflich, aber bei unS! Ich war verzweifelt, denn schließlich ist Lieselotte an die dreißig und früher... Jedenfalls würde sich nicht so bald eine ebenso gute Partie für sic finden. Wir hielten einen Familienrat ab, Eberhard wurde ge- wiffcrmaßen vor unser Familiengcricht gerufen. Dann jedoch löste sich alles in eitel Freude auf. Mein künftiger Schlviegersoh», der Baron Hellö- dorf, erklärte feierlich, eS gäbe im Familienarchiv Briefe, die eindeutig bewiesen, daß in seinen Adern kein Tropfen fremdstämmigen Blutes fließe. Seine Ururgroßmutter habe mit einem Freiherrn Llz von Rübernach ein Verhältnis gehabt und da» Kind, das einzige, das sic geboren hatte, sei die Frucht dieser Liebe gewesen. Mir fiel ein Stein vom Herzen da er dies erklärte. Und ich empfand tiefes Mitleid mit der armen Frau, die, aus finanziellen Gründen zu der Ehe mit dem Fremdstämmigen gezwungen, den Mut besessen hatte, das adelige Blut der Familie durch einen Ehebruch zu retten. Ich fühlte auch Bewunderung für ihren Heldenmut: denn eigentlich ist Ehebruch eine schwere Sünde. In diesem Fall jedoch war eS eine Tat, die nur Lob und Anerkennung verdient. Eberhard war dermaßen über unsere Nachsicht gerührt, daß er alles daran setzt«, um Arthurs Wirkungskreis zu vergrößern, was ihm auch gelungen ist. Und ich darf mich ohne Nebengedanken auf die Kinderchen freuen, die meine Lieselotte ihrem lieben Mann schenke» wird. Freilich behauptet sie jetzt noch, wie da» so viele junge Mädchen auS Schamhaftigkest tun, daß sic keine Kinder haben wolle, aber ihr Vater hat schon erklärt. daS ginge nicht an: die deutsche Frau müffe vor allem Mutter fein und jetzt gebe eS keine milden Urteile mehr für jene pflichtver« geffcncn Weiber, die sich dieser heiligen Pflicht entziehen wollen. „Selbst die unehelichen Kinder, insofern sie rein attsch sind", sagte mein großmütiger lieber Mann,„müssen ausgetragen werden. Wir brauchen Menschen, viel Menschen". „Wozu?" fragte Lieselotte, der bisweilen der Schelm im Nacken sitzt.„Wir können doch jetzt schon die Leute nicht beschäftigen?" Arthur jedoch läßt in so ernsten heiligen Dingen nicht mit sich spaffen. „Deutschland", erwiderte er hart,„braucht Ivieder ein großes Heer. Es ist die patriotische Pflicht jeder Frau, wenigstens vier Kinder zu gebären". Das klang ja ganz einleuchtend, und mir wurde warm ums Herz bei dem Gedanken, daß unsere Enkel ausziehen werden, um den Erbfeind zu schlagen. Das heißt, meine Enkel sollen es nicht; für die wird sich schon im Hinterland etwas finden lassen; aber die Arbeiterfrauen dürfen der großen Ehre teilhaftig werden, daß ihre Kinder den Heldentod finden. Mein armer Arthur hat ja seinerzeit so darunter gelitten, daß er, seines kleinen Gebrechens wegen, nicht in den Krieg ziehen und für unser geliebtes Vaterland kämpfen- durfte. Er hat, sozusagen, daS Militärische im Blut. Deshalb geht er auch immer nur in Begleitung von vier großen starken S. A.-Männern aus dem HauS» ganz wie unser verehrungSwÜrdiger Führer Goebbels. (Fortsetzung folgt.) Mr. MO Mittwoch. Juni 1084 «eite 9 Regress vorgelegt In Jahresraten von 6 Present zahlbar Prag, 5. Juni, lieber dir heute aufgelegte Regierungsvorlage„über den Regreß und über die W o h n u» g S w i r t f ch a f t der Gemeinden und genieinnützigen Baugenossenschaften", die selbst für anerkannte Fachleute eine harte Nutz ist und für den Laien vollends ein Buch mit sieben Siegeln darstellt, hat Fürsorgeminister Dr. M e i tz n e r de« Parlamentsberichterstattern heute Informationen gegeben, die Zweck und Inhalt des Gesetzes gemeinverständlich erläutern. Wir entnehmen ihnen folgendes: Der Entwurf des Regreßgesetze» regelt den Ersatz, welchen die Bauherren zahlen sollen, welche nach den BaubewegungSgesetzen au« den Jahren ISIS—1024 eine staatliche Unterstützung erhalten haben. Diese Unterstützung erfolgte entlveder in der Form eines StaatSbeitrageS, wo sich der Staat verpflichtete, durch 28 Jahre einen bestimmten Prozentsatz de» Bauaufwandes zu zahlen, oder dadurch, daß der Staat die Zinsen und Amortisation der Bauanleihe garantierte, die mit einem bestimmten Prozentsatz des Bauaufwandes berechnet waren. Die Höhe dieser garantierten Anleihe Ivar nach den verschiedenen BaubewegungSgesetzen und je nachdem verschieden, ob der Bauherr eine Privatperson, eine Gemeinde oder eine Baugenossenschaft war. Der Bau eines Hauses war damals sehr riskant, weil die Preise der Baumaterialien rasch gestiegen waren, ebenso der Zinsfuß. Mit Rücksicht auf diese« Risiko tväre die Baubewegung ohne Unterstützung des Staates überhaupt nicht möglich gewesen. Einzelne der BaubewegungSgesctze haben schon damit gerechnet, daß die Bauherren in Z u k u nf t dem Staate einen Teil dessen ersetzen werden, was er für sie in Form der Garantie zahlt. Dabei haben diese Gesetze und die zuständigen Verordnungen damit gerechnet,»aß die Beträge, die bi« Ende 1028 vom Staat gezahlt werden, nicht vom Bauherrn zurückverlangt werden, und daß nach diesen: Termin der Ersatz so bemessen wird, daß die Mietzinse der gesetzlichen Höhe für jene Wohnungen angepaßt werden, die unter dem Mieterschutz stehen. Die Regierungsvorlage unterscheidet genau zwischen Häusern, die mit Staatsgarantie, und solchen, die mit einem Staatsbeitrag gebaut wurden. Im Falle de« Bauen« mit StaatSgarantie ist der Regreß gleich dem Betrag, um den die garantierte Anleihe einen bestimmten, im 8 4 de« Gesetzes festgelegten Prozentsatz des Bauaufwandes überschreitet. Dieser Prozentsatz, der dem kapitalisterten AnfangSwert der bisherigen staatlichen Leistungen entspricht, ist je nach den Baugesetzen, nach denen der Bau durchgeführt wurde, und je nach dem ob der Bauherr eine Privatperson»der eine Gemeinde, bezw. Genossenschaft ist oder ob ev stch um Fami- lienhiuser oder um Miethäuser handelt, verschieden. Er beträgt bei Privatpersonen 18,66 bi« 46,52 Prozent, bei Gemeinden und Genossenschaften 33,48»iS 62,03 Prozent de» gesamten Bauaufwandes. Die Differenz z« der garantierten Anleihe soll al» Regreß der Staatskasse znrückgezahlt werden. Ein Beispiel: Familienhäuschen eine« privaten Bauherrn lGesehe 100/81 und 48/22): Bauaufwand 100.000 KL, garantierte Anleihe 60 Prozent, d. s. 60.000 KL. Anfangswert der staatlichen Leistungen 46,82 Prozent des Bauaufwandes, d. f. 46.820 KL. Der Regreß beträgt daher 18.480 KL. Bei Gemeinde- und Genossenschaftshäusern ist der Anfang-wert im allgemeinen höher, der Regreß daher geringer. Bei Miethäusern ist dagegen der Anfangswert geringer bemessen, der zu leistende Regreß daher viel höher und kann nach den angeführten Beispielen weit über 80 Prozent deS Bauaufwandes erreichen. Bei dem Staatsbeitrag, der gewöhnlich in Form von staatlichen Zuschüssen auf 28 Jahre evrteilt, an jene Bauherren gewährt wurde, die keine Anleihe benötigten, wird die Bestimmung deS Regresse» auf andere.Weife durchgeführt: Ausgangspunkt ist der gegenwärt ige Schät- zungswert des Hause«, der amtlich festgestellt wird. Ter Regreß ist dann gleich dem Betrag, um den der AnfangSwert der staatlichen Leistung größer ist alü die Differenz»wischen dem Bauaufwand, von dem der Beitrag bemessen wurde, und dem niedrigeren Schätzungswert de» Hause». Ist der gegenwärtige Schätzungswert des Hauses viel geringer alü der seinerzeitige Bauaufwand, so wird also überhaupt kein Regreß, bzw. ein kleiner Betrag bezahlt. Ist jedoch da» Hau» heute noch «beiso viel wert als seinerzeit der Bauaufwand betrug, so ist der volle kapitalisierte Wert de» StaatS- zuschusse» zu vergüten. Die Zahlung de» Regresse» erfolgt in jährlichen Raten von 6 Prozent, wobei 5 Prozent auf die Zinsen und ei» Prozent auf die Amortisierung entfällt, so daß in etwa SS Jahre» der Regreß obgestattet sein wird, da die BerzinsungSquote mit der Zeit abnimmt und die Amortisierung»,uote daher entsprechend wächst. Für Kleinfamilienhäuser mit bloß einem Zimmer und Küche wird jedoch überhaupt kein Regreß bezahlt werden, bei Familienhäusern mit zwei Einzimmerwohnungen oder einer Zweizimmerwohnung wird der Regreß um 80 Prozent Hera b- g e s e tz t, bei Miethäusern im Besitz von Gemeinden und Genossenschaften ebenfalls um 80 Prozent, wenn e» sich um Einzimmerwohnungen handelt, und um 28 Prozent, wenn auch Zweizimmerwohnungen vorhanden sind, in denen Minderbemittelte wohnen. Dieser völlige, bezw. teilweise Nachlaß de» Regresses gilt aber nicht für Familienhäuser, die al» LuxuSobjekte anzusehen sind, die nur vorübergehend zu Wohnzwecken benützt werden oder deren Eigentümer nicht als minderbemittelt anzusehen sind. Weitere Bestimmungen besagen, daß völlig Arbeitslosen die Ratenzahlungen auf den Regreß für eine bestimmte Zeit eingestellt werden, wenn sie nachweisen, daß sie den Regreß nicht ohne Schaden für den angemessenen Unterhalt bezahlen können. Auch für sonstige Eigentümer von Familienhäusern sind bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten Stundungen der Raten vorgesehen. In Sachen der Genossenschaft-- und Gemeindehäuser nnißte das Gesetz zwischen Häusern unterscheiden, welche sich im Privatbejitz befinden und zwischen den genannten GenoffenfchaftS- und Ge- meindehiinsern, denn bei Häusern, welche sich im Privatbesitz befinden, kann der Regreß höher sein, weil daS Haus allmählich abgezahlt wird, trotzdem sich die Regie erhöht. Das Eigentum des Hausbesitzers ist also im Wachsen begriffen. Ander» verhält sich die Sache bei Zinshäusern von Baugenossenschaften und Gemeinden. Dort läßt sich der Re- greß nur durch ZinSerhöhungen ersetzen, welche von den MietSparteien getragen werden müssen. Dazu kommt noch ein zweite» Moment, daS im zweiten Teil der Gesetzesvorlage durchgearbeitel ist und auf folgende Umstände Rücksicht genommen hat: In Häusern, welche bi» zum Jahre 1024 gebaut wurden, sind die Mietzinse noch ziemlich niedrig und erträglich. Nach dem Jahre 1024 waren die Baubewegungsgesetze jedoch auf anderen Prinzipien aufgebaut. Der Staat gewährte keine Unterstützungen mehr, sondern hat nur Anleihen garantiert, ohne Zinsen und Amortisation zu zahlen. Die Folge hat sich darin eingestellt, daß die Mietzinse in solchen Häusern oft sehr hoch gestiegen sind. Vie„Deutsche Presse“ treibt Geschichtsfälschung! Wir haben vor einigen Tagen berichtet, daß der Sekretär der Christlichen Gewerkschaftsinternationale das System Dollfuß energisch«übgelehnt hat. Auf dem christlichsozialen Parteitag trat auch ein Redner auö Oesterreich auf, der dem Parlamentarismus das Wort redete., Ja, auch Herr Hilgenreiner selbst, der christlichsoziale Parteivorsitzende, ist vom Ständestaat des Herrn Dollfuß als von einer unchristlichen Einrichtung abgerückt. Dieser Wandel der Gesinnung war, was unsere heimischen Christlichsozialen betrifft, van vornherein nicht sehr ernst zu nehmen. Wie' wenig von den österreichischen Christlichsozialen angenommen werden kann, daß ste wirklicher Vernunft zugänglich sind, haben wir an dieser! Stelle schon dargelegt. Immerhin hätte nian eine solch unglaubliche Geschichtsfälschung, wie sie die „Deutsche Presse" wenige Tage nach der Rede HilgenreinerS begeht, kaum für möglich gehalten. Sie veröffentlicht nämlich ohne jeden Kommentar eine Rede, die der Vorsitzende des„Ge- werkschastSbundeö österreichischer Arbeiter und Angestellter", ein gewisser Johann S t a u d, auf dem Kongreß deS Internationalen Bundes christlicher Gewerkschaften(nicht unwidersprochen) gehalten hat. In dieser Rede befinden sich auch folgende Sähe: „Die verfehlte Politik der österreichischen Sozialdemokratie, die der Regierung auch im Eri- stenzkampf gegen den Nationalsozialismus in denRückenfiel, führte zur Ausschaltung des Parlaments und in der weiteren Folge zur Ausschaltung der Sozialdemokraten aus den Ar- beiterkmnmern. Der blutige Feberaufstand de» Schutzbundes zwang die Regierung zur Anwendung aller Machtmittel. Die enge Verbindung mit der sozialdemokratischen Partei und des Schutzbundes brachte die Auflösung der Freien Gewerkschaften, durch die tausende Arbeiter und Angestellte obdachlos wurden die gewerkschaftliche Unterstützung und Interessenvertretung verloren." Man halte sich demgegenüber vor Augen, wie sich die Dinge in Oesterreich wirklich abspielten! Anfangs März 1083 führte Dollfuß seinen bekannten Parlamentsputsch durch. Er regierte autoritär und reizte die österreichische AÄeiterschaft bis aufs Blut. Sie hat, trotz den Provokationen durch Dollfuß, Ruhe bewahrt, um de» Kampf gegen die Nationalsozialisten nicht zu erschweren, ja, sie hat dem Dollfuß mehr als einmal die DundeSgenoflenschaft im Kampfe gegen die Hakenkreuzler angeboten. Dollfuß hat jedesmal mit neuen Provokaftonen geantwortet. Er hat, durch seine anfänglichen„Erfolge" ermutigt, späterhin entscheidende Bestimmungen der Verfassung außer Kraft gesetzt und den Eid, den er auf sie geschworen hat, auch durch die Unterdrückung der österreichischen Arbeiterbewegung schnöde verletzt. Die Arbeiter aber haben in de» Febertagen keinen„Aufstand" durchgeführt, sondern die Verfassung gegen die gewissenlosen Ber- fassungSbrecher im Lager der Regierung verteidigt. Nun sind aber Baugenossenschaften vorhanden, welche Zinshäuser nach beiden Kategorien M BaufördernngSgesetze gebaut haben. Die Mieter in den alten Häusern zahlen nur sehr geringe Zinse, während die Häuser, die in den letzten Jahren gebaut sind, unter der Kalamität leiden, daß die Mietsparteien sehr oft nicht die hohen Mietzinse zahlen können. Dadurch ist die Gefahr vorhanden, daß der Staat für Zinsen und Annuitäten aufkoni mrn muß. DaS Finanzinteresse des Staates verlangt ee nun, daß die Zinse innerhalb der Häuser einer Baugenossenschaft ausgegllchen werden. DaS ist ohne Zweifel ein Opfer, da» von den MietSpar- tuen gefordert wird, die in älteren Genossenschaftshäusern wohnen. Da» Gesetz gibt dem Fürsorgeminister die Möglichkeit an die Hand, Baugenossenschaften und Gemeinden den Auftrag zu erteileu, die Mietzinse in solchen Genossenschaft-Häusern an»zuglei- ch en. Die sozialen Rücksichten verlangen e» in erster Reihe, Wohnungen bis zu zwei Zimmern zu schützen. Deshalb wurde in das Gesetz eine Bestimmung auf- ginommen, welche in GenosfenschaftS- und Gemein dehäusern Zweizimmerwohnungen schützt. In solchen Häusern wird der Regreß bei Einzimmerwohnungen auf 60 Prozent herabgesetzt, bei Zweizimmerwohnungen um 25 Prozent und außerdem darf der MietzinS nicht jenen Mietzins übersteigen, welcher bisher in geschützten Wohnungen gezahlt wird. Bei den Genossenschaften würde sich der Regreß sehr verschieden auswirken. Wenn er l i n e a r durchgeführt würde, so würden in manchen Häusern die Mieten bis auf 800 Prozent gesteigert werden müssen. Daher ist neben den erwähnten Ermäßigungen des Regresses um 50 und 25 Prozent noch eine weitere Schutzbestinunung vorgesehen, daß der MietzinS infolge deS Regresses nicht die Höhe deS ZinfeS übersteigen darf, der in Häusern unter Mieterschutz gezahlt wird. Müßte diese Grenze überschritten werden, so wird der Regreß entsprechend gekürzt, bezw. die Zahlung bis zum Aufhören des Mieterschutzes aufgeschoben. Außerdem wurde als zweite Schuhklausel in das Gesetz die Bestimmung aufgenommen, daß in Aenossen- schaftS- und Gemeindehäusern, wo die Mietzinse ausgeglichen werden, keine doppelte Erhöhung eintreten kann, sondern nur eine solche, welche durch den Regreß selbst herbeigesührt wird. Herrn Stand gefällt e», die Dinge auf den Kopf zu stellen und den— offenbar christlichen — Grundsatz zu verfechten, daß alles, was von politischen Verbrechern im Namen Gottes getan toird, als geheiligt zu betrachten ist.„So du einen Schlag bekonrmst auf die rechte Wange, so reiche auch die linke hin". DaS wäre Arbeiterpolitik nach dem Geschmack deS Herrn Stand und seiner„Deutschen Presse". Erst saufen die katholischen Politiker Blut, dann vergießen sie darüber Krokodilstränen und versuchen ihr Getviffen zu beruhigen, indem sie die Geschichte fälschen. Ein vergebliches, ein verächtliches Beginnen! Henlein und die deutschen Agrarier Zierhut gegen Spina. Mehrere tschechische Blätter befassen sich ausführlich mit dem Verhältnis der deutschbürgerlichcn Parteien zur Heiüeinschen»Sudeiendeutschen Hei- mat-front" und registrieren sowohl die Verschärfung de« Verhältnisses zwischen den Christlichsozialen und Henlein, wie den Einbruch, welchen Henlein in den Bund der Landwirte, insbesondere in die Reihen der agrarischen Jugend, vollführt hat. Besondere Beachtung verdienen die Ausführungen der„Lidovö Rovinv", welche die Vorgänge in der deutschen Agrarpartei aufmerksam verfolgen und über die Manifestation der agrarischen Jugend in Bischofteinitz, die am Sonntag stattgefunden hat und die wir in unserer Dicnötag- nuinmer registriert haben, folgendes schreibt: Diese Manifestation ist politisch bedeutsam dadurch, daß sie bestätigt, daß die deutschen Agrarier offen als Protektoren der Henleinbewegung auftreten und daß sie mit ihr zusammenarbeiten wollen. Es ist dies um so interessanter, als bisher nickt geklärt ist, was in der Henleinbewegung geklärt sein sollte, daß nämlich die Zweifel nicht beseitigt wurden, welche die Heimatsfront hervorruft, soweit es sich insbesondere um ihr Verhältnis zu den aufgelösten und eingestellten deutschen Parteien handelt, sowie daruni. ob sie nicht geheime Verbindungen mit den reichsdeutschen Hitlerianern hat. Wir behaupten, daß diese Zweifel berechtigt sind. Dieser ernsten und erschwerenden Umstände ist sich Minister Spina bewußt, der sich vermutlich deswegen ständig einer unentschiedenen Zurückhaltung befleißigt und sich desivegen durch Abgeordneten Zierhut vertreten ließ. Bon Z i e r h u t ist bereits heute bekannt, daß er hinter den Kulissen mn meisten für die Zusammenarbeit mit der Henleinbewegung tätig ist. Mit diesem tziser, der auch in vollkommenem Gegensatz zum Standpunkt KrepekS steht, will er offenbar auch den schlvankenden Spina in den Schatten stellen. Es scheint, daß es notwendig sein wird, die merkwürdige Agilität und Vorliebe des Abgeordneten Zierhut filr manche vertrauliche Bankbekanntschaften und Auslandsfahrten eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Wir hoffen, daß die deutschen Agrarier mit ihrem taktischen Schwanken nicht den politischen Kredit bedrohen werden, welchen sie sich auf unserer Seite als die Vorkämpfer des deutschen AktiviSmuS erworben haben. Durch den Dollfuß-Kerker ermordet Genosse Nister gestorben Wien, 8. Juni. Gestern starb hier der gewesene sozialdemokratische Bürgermeister de» 8. Wiener Bezirkes Leopold Nister, der im Zusammenhang mit den Feber-Ereignissen in Wien verhaftet wurde und kurz darauf erkrankte. Er wurde dieser Tage in Freiheit gesetzt, unterlag aber bald daraus seiner Krankheit. In der Haft ist auch kürzlick der gewesene so« zialdemokrat Nationalrat Stein erkrankt, der vor Jahren Redakteur der Wiener„Dilnielö Lisch" und Chefredakteur de» zentralistischen„Dilnickh Dennik" war. Er wurde inS Gefängnisspital gemeinsam mit dem gewesenen Stadtrat Lindner gebracht. Vorgestern wurden beide aus dem Gefängnisspital ins Allgemeine Krankenhaus überführt. <2. November nicht mehr Staatsfeiertas in Oesterreich Wien, 8. Juni. Die„Wiener Zeitung" veröffentlicht heute eine Verordnung des Justizministerium», die bestimmt, daß der 12. November nicht mehr ein staatlicher Feiertag im Sinne de» Wechselgesetzes ist. Hierauf wird aus die Aushebung diese» Feiertages der Republik geschlossen. Bekanntlich wurde auch der 12. November in der neuen österreichischen Verfassung nicht mehr als Staatsfeiertag bezeichnet. Nazi-Druckerei entdeckt Wien, 5. Juni. In Ischl wurde der Nationalsozialist Peter Hofbauer verhaftet. In seiner Wohnung wurden Bomben, drei Gewehre, eine große Menge Munition und viel nationalsozialistisches Propagandamaterial gefunden. In Klagenfurt wurde von den Behörden eine Druckerei nationalsozialistischer Druckschriften, die längere Zeit hindurch in Kärnten in Umlauf gebracht worden waren, auögeforscht. Hier wurde auch die illegale nationalsozialistische Zeitung»Der Vormarsch" gedruckt. Verstärkung der Salzburger Garnison Salzburg, 5. Juni. Blättermclduugen zufolge, wurde die hiesige Militärgarnison vor einigen Tagen verstärkt. II. a. ist das 2. Bataillon der Alpenjäger aus Graz hier eingetrossen. Oester relchlsche SA mit Gendarmen Uber die Grenze München, 5. Juni.(DNB.) Der österreichische Pressedienst meldet: Am Montag, den 4. Juni trafen in München der österreichische Gen- darmeriebeamte Leopold Jauk. der SA-Sturm- sührer Ortmer und der SA-Mann Tiefnig. sämtliche Drei aus Greifenberg in Kärnten, ein. Der Gendarm sollte die beiden Nationalsozialisten in behördlichem Auftrag in daS Konzentrationslager WöllerSdorf überführen, eskortierte sie jedoch nur bis Salzburg und überschritt dort mit ihnen die deutsche Grenze. Krebs hat In Deutschland Pech Wie die»Lidove Novinh" melden, geht es dem nach Deutschland geflüchteten ehemaligen ha- kenkreuzlerischen Abgeordneten Krebs nicht gut und er ist unter seinen reichsdeutschen Gesinnungsgenossen in Ungnade gefallen. Man mißt Krebs die Schuld an den Mißerfolgen des in Deutschland bestehenden..Sudetendeutschen Kampfüundes" bei. Um nun zu zeigen, was er für ein tüchtiger Kerl ist, hat Krebs in Deutschland eine Tournee unternommen, über die man sich jedoch nur aus bedeutungslosen Provinzblättern informieren kann. In der vergangenen Woche hat Krebs in kleineren Städte» am Rhein über die Sudetendeutschen Vorträge gehalten, in größeren Städten jedoch zu sprechen, erlaubt man ihm nicht, damit nicht Schwierigkeiten mit der Tschechoflotvakei entstehen. Währungsschutzgesetz verlängert Die Borlage im Senat eingebracht Der Senat erledigte am Dienstag nach kurzer Debatte die Vorlagen über den Impfzwang für Militär« und Gendarineriepersonen, sowie die Steuerbefreiung ausländischer Motorfahrzeuge. Neu aufgelegt tvurde ein Negier»ngsentwurs über die Schiedsgerichte bei derAr- beiter Unfallversicherung, wo nunmehr eine Berufungsinstanz eingeführt werden soll, als welche ein eigener Senat bei dem bereits bestehenden Oberversi^.rungSgrricht eingesetzt wird, und ein RegierungSentwnw üb.r die Verlängerung des ablaufenden WährnngSschutzgeset>eS aus unbestimmte Zeit. Einzelne Bestimmungen deS Gesetzes werden genauer stilisiert; außerdem wird die Regierung ermä>tigt. zu bestimmen, tvelche Erfordernisse zum Stutze der Währung bei der Ein» und Ausfuhr von Waren notwendig und.— Nächste Sitzung Donnerstag 10 Uhr. «eite 4 Mittwoch, 6. Juni 1834 Rr. 130 Tagcsnculglicitcn 350 Opfer T o r u l, 5. Juni.(Reuter.) Den letzten Meldungei« zufolge, wurden durch den letzten Zyklon 350 Fischer getötet, vermiet oder wurden verwundet, 1800 Fischer wurden unter grosten Schmierigkeiten gerettet. Während des Sturme« wurden 300 Aischerbarken zerstört. 6edok in Olmütz ausgeraubt Olmütz. 5. Juni. In der Nack« auf Dienstag. ivurdc die Kasse des Reisebüros..Ccdok" im Gebäude des Olmützcr Stadtiheatrrs erbrochen und aus ihr tschechoslowakische Banknoten im Werte von etwa 13.000 XL, sowie ausländische Banknoten im Werte von etwa 43.000 XL geraubt. Die Täter drangen vom Thcatcrvestibül. in das sic durch einen Sciteneingane gelangten, in das! Reisebüro ein. Dort bohrten sic die feuerfeste Kassa an, schnitten in die Rückwand ein Loch, zogen die Haudkassc heraus und erbra^cn sie im Foyer. Tie Täter ließen am EinbruckSort eine v o 11 st ä n- d i g e Einbruckswcrkzeugeinrick» kling zurück. Die Scheidemünzen ließen sie unberührt. Ter Schaden ist gedeckt. Fenstersturzeines gefangenen Bandenführers Olmütz, 5. Juni.(Tsch. P.-B.) Im Zuge der Fahndung nach der Räuberbande, die zahlreiche Einbrüche im Olmühcr Gebiet, in der Slowakei und hauptsächlich auch im Böhmcrtvalde Verübt hat, haticu die Olmühcr SickerheitSbchör» den neun ft asscnknackcr verhaftet. Den Führern der Bande. Alois S v e st k a und I. Häjek auö Olmüh-Chvalkcvice, war cS jedoch gelungen, zu entkommen. Durch die umfangreiche Zusainmenarbeit der SicherhcitSbehörden konnten der Bande rund 70 Kass en ein b rücke nackgcwiescn werden, bei denen rund d r e i- viertel Millionen XL geraubt wurden. Die Ducke nack den Führern der Räuberbande blieb bis in die letzten Tage ergebnislos. Nack aufgefangenen Briefen der beiden Geliebten der Führer der Räuberbande, konnte ge- l schlossen werden, daß die Räuber nach Sowjetrußland geflüchtet sind; weshalb die Gendarmerie bereits fast jede Hoffnung auf die Ergreifung der gesuchten Verbrecher aufgegeben hatte. Am Sonntag wurden jedoch die Sicherhcitsbehör- dcn aufmerksam gemacht, daß in einem Kaffeehaus in Z n a i m der gesuchte Führer der Bande Alois Svestka sitze. Polizeiinspcktoren drangen in das Kaffeehaus ein und ehe noch der Räuber einen Revolver auS der Tasche ziehen konnte, war er bereits verhaftet. Er hatte 300 XL in barem bci sich. Am Dienstag vormittag lvurde Svestka voit der Wackc aus Znaim in die Gendarmerie- kaserne nach Olmütz transportiert. Obwohl in dem Raum, wohin er abge führt wurde, sich mehrere Gendarmen befanden, gelang es ihm, zwei Feusterschcibcu zu zer- trüinmern und auS dem erstm Stock durch das Fenster auf die Straffe zu springen. Svestka ivurdc in verletztem Zustand ins Militärspital überführt, wo festgcstellt lvurde, daß er am Fuß ztvei Schnittwunden und noch andere Verletzungen hat. Ein mysteriöser Einbruch in Bodenbach Als Dienstag, den 3. d. M.. früh die Auf- rämncfrau die Kanzlei des städtischen Schlachtho- fes in Bodenbach betreten wollte, fand sic die Türe zu den ftanzlciräuincn offen und als sie eintrat, stellte sic fest, daß auch die Türe des Aeldschrankes geöffnet Ivar. Eine sofortige Untersuchung ergab, daß ein Betrag von XL 10.000.— in Bar, fehlte. Ganz lnerkwürdigcc Weise Ivar jedoch ein weiterer Betrag von XL 3000.—, der offen in der Kaste lag, unberührt geblieben. Die Schlüssel zur Kanzlei und zur Kaste lvurde» am Hoszaunc des Schlackthofcö hängend gefunden. Wiederholung des Flugmeetings in Brünn Brünn, 3. Juni. Das große Brüuner Flugmeeting lvird bereits nächsten Sonntag, den 10. Juni in ungekürztem Umfange wiederholt werden. Die alten Eintrittskarten bleiben in Geltung. Die Beteiligung ist die gleiche Ivie am ver- aangcnen Sonntag. Heimkehr der Tscheljuskin-Helden Moskau, 3. Juni.(UR.) Der Führer der wissenschaftlichen Expedition aus dem Eisbrecher „Tscheljuskin" Prof. Schmidt und der Polarforscher Usckalow sind in Moskau eingetroffen und wurden auf dem Bahnbof von überaus zahlreichen Vertretern der Fabriken, Schulen und wiffenschaft- lichen Organisationen, sowie auch von Mitgliedern der Regierung und Vertretern der Preste begrüßt. Alle Blätter widmen den beiden Helden der Wissenschaft große Aufmerksamkeit.. III. Tschechoslowakische Arbeiter-Olympiade Element 93 Italienischer Chemiker eröffnet Aussicht auf unerschöpfliche Energiequellen ist der kur- eine Nack einer Meldung aus, Explosion ersolgt, so daß der Schacht in Brand Nach den bisherigen Meldungen sind 73 schon eine Explosion jlattsand, eine weitere i B c r g l e u t c ums Leben gekommen. Rege«, aber zu spät Chicago, 3. Juni.(Reuter.) In den W c st- st a a t e n, die von einer katastrophalen Trockenheit heimgesucht wurden, regnete cs, allerdings schon zu spät, um das von der Trockenheit in Mitleidenschaft gezogene Getreide zu retten. Obwohl zum größten Teil gestern starke Niederschläge sie, len, besteht immer noch W a s s e r m a n g cl. i sche Nachrichten. 20.25 Schallplatten. 20.45 Ueber» tragung aus Italien: Fedora, Oper.— Sender St.: 14.80 Konzert des Salonquartettes. 15.10 Deutsche Sendung: Kinderstunde.— Brünn: 17.35 Chodische Lieder. 18.20 Deutsche Sendmig: Dr. Altendorf: Aus dem Kuriositätenkabinett der Theatergeschicht«. 10.25 Abendkonzert.— Mähr..Ostrau: 16.50 Kin- dertheater.— Prehburg: 17.20 Klavierkonzert.— Kascha«: 12.85 Orchesterkonzert. 18.00 Kinderlieber. Gtebe« Männer durch ein» Exploflo« getötet Norman(Oklahoma), 3. Juni. Durch Nytroglyzerin-Explosion wurden am Montag sieben Mitglieder einer Expedition, die Sprengungen veranstalteten, um seismonographische Be- obachtimgen anzustellen, getötet.(Nach anderen Meldungen soll es sich um Angestellte der Cinclair-Oil-Company gehandelt haben, die nach Pctroleumqucllen suchten.) Ein Farmer, der sich verbraucht werden. Fermi hat den treuenldeckte» Stoff„Element 8 3" genannt. Tie Erfahrungen Fermis bei seinen For- schiingen sind nach Ansicht der italienischen Physiker für dir Aufklärung der mysteriösen Znsam- mensetzilng deS Aivmkernü und vor allem für die Möglichkeit einer künstlichen Umwandlung der Materie in Energie sehr wichtig. Dadurch würde der Menschheit die Möglichkeit gewährt werden, fast augenblicklich unerschöpfliche Energiequellen für ihren Bedarf zu erschlichen. Die Versuche in dieser Richtung werden zwecks Umsetzung deS Wissenschaft, lichen Erfolges, den Professor Fermi erzielt hat, in reelle Ergrbnistr, dir für daS praktische Leben in grandiosrnr Umfang auSgcnützt werden könnten, eifrig fortgesetzt. Fermi sei rS gelungen, bei 43 von de» 05 Elementen, mit denen er experimentierte, eine künstliche Radioaktivität hervorzurufen. Hierunter befanden sich auch die schlverste» Elemente, die bisher vollkommen jeglichem Brr- such einer Zerlegung getrotzt haben. Ei« deutscher.Kultusminister.,.. In einem bekannten Schlvcizer Hotel ist eine höchst lustige Sache passiert. In besagtem Hotel stieg ein sehr elegant gekleideter Herr mit inartialischcn Ma nieren, einem Töchterchen und einem original- englischen Kinderfräulein ab, der sich als Doktor si„„ u■. Werner, deutscherKultus m i nister, in j t'e r s c°n d u^n g" Fachlehrer Ernst T Höne r-Tep^ das Fremdenbuch cinzeichnete. Die Schlveizer sind, litz: Das Schulkind v o r u n d nack dem zwar gute Republikaner, aber die Schweizer 1Sozialinformationen. 18.55 Deut« Hoteliers sind noch bessere Geschäftsleute und so*“"* war cs kein Wunder, daß der martialische Dok- tor Werner aus Berlin mit dcni imponierenden Titel hofiert wurde, daß cs nur{o eine Art hatte. CS wäre alles eitel Freude und Begeisterung geblieben, wenn nicht einige bedenkliche Bor- kommnisse den Hotel-Himmel trotz oder vielmehr Eintritt in ein Arbeitslager 1 Jahr Kerker Pilsen, 3. Juni. Der Senat des Krcisgerich- teö in Pilsen verhandelte heute den Prozeß gegen den 21jährigen Tischlergchilfcn Ludwig Armer aus Hasselbach bei Domajlice lvcgen deS Verbrechens der Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik. Armer ging am 7. Jänner l. I. nach Deutschland und trat dort freiwillig in ein nationalsozialistisches Arbeitslager ein, lvo er sich sechs oder sieben Wochen aufhielt. Der Senat unter dem Vorsitze deS ObcrratcS Eledcr verurieilte Armer z» einem Jahr schweren Kerkers. Vom Rundfunk Empfehlenswerte» au» den Programmen, Mittwoch. Peng: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 11.00 Schallplattcn. 12.15 Richard Strauß:.Till Enlenspicgcl" auf Schallplatte». 13.45 Walzer. 117.85 Schallplatten. 18.20 Deutsche Sendung: Ak- i tiielle zehn Minuten. 18.80 Deutsche Arbei- einige hundert Meter von der Stelle der Katastrophe entfernt befand, schilderte, daß er plötzlich einen furchtbaren Donnerschlag hörte und dann die zerstückelten Leichen der Männer durch die Luft fliegen sah. Die Expedition hatte zwei Wagen bei sich, von denen der eine mit Spreng- stofsen beladen war. Per«amb«eo—Friedrichshafen in 78 Stunde« Friedrichshafen, 3. Juni.„Graf Zeppelin" gestern früh 7 Uhr von seiner Südamerika- Fahrt in Friedrichshafen glatt gelandet. An Bord befanden sich 16 Passagiere und 150 Kilogramm Post. DaS Luftschiff hat die Rückreise von Pernambuco nach Friedrichshafen in zcn Zeit von 78 Stunden zurückgclegt. Kindesmord als Schutzmaßnahme Böhm.-BudweiS, 5. Juni. Heute hatte sich vor den« hiesigen Schlvurgcricht die 26jährige Dienstmagd Marie Keänerovä, die als uneheliches Kind in einem FindclhauS in Wien geboren wurde, des Verbrechens des KiudeSmordeS zu verantworten. Sie gestand bei der Untersuchung, daß sie im November v. I. in der Zeit, als sie in der Gemeinde Bednärcc in Südböhmen angestellt war, ihrem unehelichen Kind Lysol in den Mund gegossen habe, worauf daS 14 Tage alte Kind im Spital starb. Sie verüble die Mordtat, damit dem Kinde nickt dasselbe Schicksal beschicden sei, wie ihr selbst. Die Geschworenen beantworteten die Hauptfrage auf Mord mit zehn Stimmen Nein und zlvei Stimmen Ja. Die Angeklagte wurde zlvar freigesprochen, jedoch auf Wunsch des Staatsan- IvalteS Dr. Soukup, der die Nichtigkeitsbeschwerde einbrachte, weiter in GcrichtShaft behalten. DaS Stadion am Stra- hov in Prag, wo am 1. Juli der Kindertag und vom 5. b i s 8. Juli di« Haupt-Festtage der 3. Tsckechostowakischcn Arbeiter-Olympiade stattfinden werden, wird in Bälde fertiggestellt sein. In den nächsten Tagen werden die Hauptein- gange, wie unser Bild veranschaulicht, errichtet. ES werden deren zwei sein: eines wird auf der Poborelecer, das andere aus der Smichover Seite stehen. Dies« Tore w«rden in ihrer schmucken Ausführung sich wirkungsvoll in das Gesamtbild einfügen. Grubenunglück in Nürschan Zwei Tote, zwei Schwerverletzte Piksen, 5. Juni, lisch. P.-B.) Henle um neu» Uhr vormittags kam es in der Zieg- krrgrube bei Nürschan au« unbekannter Ursache zur Explosion einer Sprengpatrone, wobei ein Wrrkführer und dreiArbeiter schwer verletzt wurde». Zwei von ihnen erlagen ihren Verletzungen. Eine Arbeiterin wurde leicht verletzt. Der Vorfall wird von einer Gerichtskonnnission untersucht. Ueber da« Ergebnis der Untersuchung wird ein Bericht ausgegeben werden. Furchtbare Bergwerkskatastrophe in China Peking, 3. Juni. Tanschajschan ist in einer Grube, in der vor kur-1 geriet, zcm R o ni, 3. Juni. Der Professor der Chemie Fermi hat gestern in der Königlichen Akademie von Lineei in Anwesenheit de» KänigöpaarrS ein neuartige«Experiment der Atom,Zertrümmerung vorgrführt, durch daS rr eilt neurS radioaktives^ Element durch Atonuintwandlung gewonnen, hat. Die Atomzrrtrümmrruug ist in der»lodernrn Chrinie durchaus etwa« alltägliches. Die Erfindung Professor Fermi» ist insofern etwas Nru- ortigrs. alS rr durch Zertrümmerung deS Urans ein neue» Element erhalten hat, von den« ein G r a m m eine Energie v ö N 6 0.0 0 0 K W, 2 t n n'd e n enthalten soll. Das käme einer Wärmemenge vo>« rund 32 Millionen Kalorien gleich. Da die Umwandlung eine« Gramms Wasserstoff in Hrlinni etwa 200.000 KW ergeben würde,«vären schon 30 Kilogram in Was- s r r st o f f ausreichend, nm die 10 M i l- liarden KW.Stu»den elektrische Energie zu sckmffrn, die in Italien in einem Jahr wegen deS illustrcn Gastes verfinstert hätten. Der Herr Minister wurde nämlich sehr unangenehm, eine Tatsache, die bci einem ncndcutschcn RegicrungSinann allerdings nicht weiter aus dem Rahmen zu fallen braucht. Der Hotelier wurde erst mißtrauisch, als der„Kultusminister" für einen bei der Reinigung durch einen leichten Riß zu Schaden gekommenen Anzug eine Entschädi- gung von 200 Schweizer Franken verlangte. Der Anzug war, auch bei wohlwollendster Abschät- zulig, neu wohl kqum mehr als die Hälfte lvcrt. Als sich der Wirt gegen diese„Entschädigung" spreizte, machte der Kultusminister kurzen Prozeß. Er raffte von der Hotelcinrichtung zusammen, waü sich eben in seinen umfangreichen Koffern verstauen ließ und nahm unter anderem sämtliche Kleiderbügel, eine Anzahl silberne Löffel, eine kleine Tischuhr und zwei seidene Vorhänge als teure Erinnerungsstücke an sein Schlvcizer Gastspiel mit. Ter Hotelier, über die „einnehmenden" Sitten deutscher Minister nicht wenig verwundert, erkundigte sich in Berlin und erfuhr dort, daß es einen Kultusminister namens Werner und mit Vorliebe für fremde silberne Löffel selbst im Lande Adolf Hitlers nicht gebe. DaS mag ja sicherlich stimmen. Die Herren haben soviel Arbcitcreigcntum gestohlen, soviel„staats- feindliches" Vermögen konfisziert, daß nian sich wundern müßte, wenn sich einer mit Kleider- bügeln, silbernen Löffeln, zwei seidenen Vorhängen und einer kleinen Tischuhr bescheiden wollte. Und deswegen zweifeln auch wir, daß dieser Herr Werner ein ncudcutscher Minister lvar! Grnosse Dr. Wilheln« Meitner gestorben. In Olmütz starb am Sonntag Genosse Dr. Wilhelm Meitner. An« 8. März 1862 in einer kleinen tschechischen Gemeinde des Olmntzer Bezirkes geboren, nach Absolvierung seiner Studien im Jahre 1888 mit der ärztlichen Praxis in armen Landgemeinden beginnend, kam er bald mit den damals noch verfeinten Sozialdemokraten in Berührung. Nach dem Kriege kam Dr. Meitner nach Olmütz in den Ruhestand, wurde in die Parteiexekutive gelvählt und betätigte sich mannigfach. In dem neugegründeten A r b e i t c r k o n s umverein lvar er Obmann des Aufsichtsratcö, er Ivar Funktionär des Arbciter-Tu rn- verein eS.BezirkSsamariter. später dann und bis heute, Kreissamariter deS 1. TurnkrciscS. Er half auch die Parteibibliothek in Olmütz schaffen. Dr. Meitner vertrat die Partei im Ortsschulrat und im Stadtbild ungSaussKuß. Er lvurde auck mit Einlvilligung der Parteiexetutivc, von allen deutschen Parteien in den st ä d t i« s ch e«« G esu n dheitSrat entseiidet. Ter „A r b e i t e r f ü r s o r g e" stand er jederzeit als Arzt zur Verfügung und half, lvo er nur konnte. Seine Arbeit, seine Liebe für die Armen und Unterdrückten, sichern ihm ein Gedenken lvcit über daS Grab hinaus. Einfach lvie er gelebt, lvar auch sein letzter Wunsch, in aller Stille an der Seite seiner vor Jahren verstorbenen Gattin in To- bitschan begraben zu werden. Dieser Wunsch lvurde auch erfüllt. Böhmische Knödel für Rejcdly und Planiika. Die große Begeisterung der tschechoslowakischen Ocffentlichkcit über die Erfolge der tschechoslowakischen Repräsentanten im Kampfe um die Fußball« Weltmeisterschaft lvirkt sich nicht nur in einer Unzahl von Glückiviinschen, sondern auch in„stärkenden Geschenken" aus. Zn diesen gehört auch eine Sendung von f r i s ch e n K i r s ch e n k n L- dein, hcrgestellt nach einen« bewährten altböhmischen Rezept, unverfälscht, ordentlich gebuttert und mit Topfen und Zucker bestreut, die am Montag vom Sportklub der Angestellten der Stadt Prag mit Flugzeug der tschcchosloivakischcn Elf nach Italien gesandt lvurde. Wetter unbeständig. Seit Montag herrscht sehr unbeständiges Wetter. Nnr in einem schmalen Gebiet am Nordwestrand der Slolvakei und stellenweise im Süden des Landes blieb cS niederschlagsfrei. In Siidböhmen, Mähren und in der Ostflolvakei traten Gewitter auf. Auf der Schneeloppe hat es geschneit, und die Temperatur sank dort auf minuö 1 Grad Celsius. Bei Zufluß kühler Luft ans dem Nordwesten dürfte der allgemeine Wcttercharakter noch unbeständig bleiben.— Wahrscheinliches Wetter heute: Vorwiegend bis wechselnd bclvölkt, vielfach Regen, mäßig kühl, im Karpa- thengcbiet noch immer etwas lvärmcr als iin Westen. Wcttervorhersa. für Donnerstag: Nock ziemlich belvölkt, und sirichlvcisc regnerisch. 9t. ISO Mttwoch, 8. Juni 1834 Gelt» 5 RuftifGe Reife V. Da» Gefängniswesen Bon Josef Bilinn Acht Stunden, dreizehn Minuten... In Oxford hat ein cxpcriincnticrwlltiger Professor kine sehr zweifelhafte Entdeckung gemacht. Er hat wissenschaftlich festgestellt, wieviel man einem Vogel zumnten kann, wenn man ihn im engen Bauer hin und her hetzt. Der Professor hat interessante Ziffern fcsthalten können. Nachdem er dal Bögelchen vier Stunden unablässig durch seine ssäfigzelle gehetzt hatte, ohne ihm auch nur eine Sekunde Ruhe zu gönnen, zeigten sich die ersten Ermüdungserscheinungen. Aber erst nach tveite- ren vier Stunden war der Cxperiinentator am Ziel, genauer gesagt, nach vier Stunden und dreizehn Minuten. Nach Verlauf dieser Zeit war der Vogel zur Strecke gebracht, er>var so fürchterlich erschöpft, dass er unter Zuckungen starb. Man braucht nicht sentimental zu sein, um derartige „Experimente" empörend und schändlich zu finden. Die englischen Mütter äusser« sich sehr erregt über den„tüchtigen" Professor und sein Experiment und uns scheint, mit vollem Recht. Dillinger tot geineldet. Das Havas-Büro meldet ans New Jork: Der gefürchtete Bandit John Dillinger ist dem Polizeibericht zufolge lot. Er unterlag den Verletzungen, die er bei dem Scharmützel in St. Paul und im Walde im Staate Wisconsin davongetragen hatte. Dillinger soll im Staate Indiana begraben sein. Die Nachrichten, laut welchen Dillinger an den jüngsten räuberischcir Ueberfällen beteiligt sein soll, sollen unzutreffend sein und einfach der Phantasie der amerikanischen Reporter und Bürger entspringen. Ein hartnäckiger Selbstmörder. Unweit von H u in e n n c sprang der 42jährige Eisenbahnarbeiter Stefan StruZickh in selbstmörderischer Absicht vor ein Automobil. Der geistesgegenwärtige Chauffeur hielt das Auto schnell an und verhütete so ein Unglück. Der ent- läuschte Selbstmörder begab sich hierauf zu der Eisenbahnstrecke, verbarg sich dort im Gebüsch und sprang abends vor einen M o t o r z u g. Er wurde auf der Stelle getötet. Der Kopf wurde vom Rumpf getrennt und 18 Meter weit von der llnglücköstelle gefunden. Strujickh betrank sich häufig. Auch den Selbstmord verübte er im Zustande der Trunkenheit. Bon der Häckselschneidemaschine getötet. In Pkiseka bei I g l a u war' der 62jährige Landwirt Stanislav Mertl und eine schwachsinnige Dienstmagd mit dem Schneiden von Häcksel beschäftigt. Mertl geriet unversehens in das Schwungrad der elektrischen Häckselmaschine, wobei ihm die Hackmesser drei schwere Schnittwunden am Kopfe zufügten,'- die den sofortigen Tod? Rertlü hervekführten. Tod durch Blitzschlag. Während eines heftigen Gewitters schlug in einem Dorfe in der Nähe von Santander(Spanien) der Blitz in mehrere Häuser ein. Drei Bauern wurden durch den Blitzschlag getötet und vier Kinder schwer verletzt. Neue Abschwächung der Mark. Der Wert der Mart schwächt sich von Tag zu Tag ab. Der Verlust betrug in den letzten Wochen immer nur tvenige Punkte. Gestern aber notierte die Mark auf der Prager Börse 828.75 gegen 837.50 am Vortag. Beim Fischfang ertrunken. Sonntag wurde im Flusse Rejarka bei Dolnö Lhota der 72jährige Franz R u j i i t a ertrunken aufgefunden. Der Brei» hatte Vorliebe für den Fischfang, der ihn nun auch das Leben kostet«. Allerdings wird niemals festgestellt werden können, ob er zufällig beim Fischfang oder aber in einem Anfall von Unwohlsein int Wasser fiel. Zum bevorstehenden Schulschlaß ersucht uns der Allgemeine Ange st eilte«-Verband Reichenberg, auf die Notwendigkeit einer auten und sorgfältigen Berufsberatung wegen des Eintrittes der schulentwachsenen Jugend in daS Berufsleben aufmerksam zu machen. Immer noch leiden di« verschiedenen Berufszweige der Angestellten in der Industrie, im Handel, im Verkehrswesen usw. unter der Wirtschaftskrise sehr schwer; die Statistiken der Arbeitsvermittlungsanstalten zeigen, dass die Zahl der stellenlosen Angestellten sehr gross ist und im Sinken der Arbeitslosigkeit der Abnahme der Zahl der arbeitslosen Arbeiter nicht folgt. Nur jene jungen Leute sollen dem Angestelltenberufe zugeführt werden, die dafür die entsprechende Eignung besitzen. Auskünfte über die Entlohnung--, Arbeit--, Rechts« und sonstigen Verhältnisse erteilt der Allge- meine Ange st elltenverband. Reichenberg, Turnerstrasse 27, bei dem auch Muster für Lehrverträge für Handelslehrlinge. Kanzleipraktikanten und sonstige Angestellten-Anwärter erhältlich sind. Auch bei der Vermittlung von Lehrlings- und Praktikantenstellen ist der genannte Verband mit seiner gut auSgebauten Stellenvermittlung behilflich. Ermässigte Eisenbahn-HalbjahrrSkarten. Der Bund der Vertreter und Reisenden, Fachgruppe im Allgemeinen Ange« stellt en- B erband. Reichenderg, Tur- ii e r st r a ss e 2 7, verweist darauf, dass für organisierte Geschäftsreisende und Vertreter die ermässigten Eisenbahn-Halbjahreskarten mit Geltung ab 1. Juli auSgegeben werden und bei Besorgung durch die Organisation ein Sondernachlass von fünf Prozent bewilligt wird. Als neue Begünstigung steht den Besitzern von Eisenbahn-JahreS« und Halbjah« reskarten eine Lüprozentige Fahrpreisermässigung auf den StaatS-AutobuSlinien innerhalb des Direktionsbereiches der Eisenbahn-JahreS- oder Halbjahreskarten zu. Nähere Auskünfte Mer die Preise und Bedingungen erteilt der Bund der Vertreter und Reisenden, Fachgruppe im Allgemeinen Ange« stellten-Verband, Reichenberg, Turnerstrasse 27. ES ist vor allem notwendig festzustellen, dass man uns in Russland in weitgehendstem Masse entgegcnkam und alles zeigte, was rvir sehen wollten. Wurde der Wunsch nach Besichtigung irgendeiner Institution geäussert, so wurde er in der Regel mit anerkennenswerter Schnelligkeit erfüllt. Vorbedingung war nur, dass sich eine Gruppe von 10 bis 12 Leuten zusammenfand, um die Fahrtspesen für den Autobus besser aufteilen zu können. Da also vielfach die Rcisetcilneh« mer selbst daS Programm der Besichtigungen bestimmten, n. zw. oft erst eine oder zwei Stund»! vor ihrem Stattfinden, darf man annehmen, dass es keine„Potcmkinschen Dörfer" waren, die man uns zeigte, sondern dass wir zumeist Einblicke in daS normale Leben erhielten, wie es sich tatsächlich abspielt.. Dies vorausgeschickt, soll nun über einen Besuch deS Charkower Gefängnisses„Promkolonje" berichtet werden, das zu besichtigen wir uns eines Tages entschlossen, worauf der Besuch binnen zwei Stunden organisiert wurde. Das Gebäude, in dem sich daS Gefängnis befindet, steht auf einer Anhöhe und macht einen skblossartigen Eindruck; es ist bereits sehr alt. Man führte uns zunächst in die DirektionSkanzlei, wo uns der Kommandant und sein Stellvertreter empfingen, zwei jüngere sympathische Menschen mit offenen Gesichtern. Wir wurden willkommen geheissen und gebeten, unsere Fragen zu stellen. Darauf entspann sich ein ziemlich lebhaftes, fast eine Stunde dauerndes Frage- und Antwortspicl, wobei wir zunächst über die theoretischen Grundlagen des russischen GcfängniswcsenS informiert wurden. Das Charkower Gefängnis beherbergt gegen 700 Strafgefangene beiderlei Geschlechts; neben kriminellen gibt es auch politische Verbrecher. Freilich wurde uns gesagt, dass niemand nur wegen seiner politischen Ueberzeugung eingesperrt würde, sondern dass es sich bei den„politischen" Verbrechern um Leute handle, die sich irgendwessen schuldig gemacht hätten, also einer Sabotage des sozialistischen AufbauS usw. Dieser Begriff ist nun naturgemäss sehr dehnbar und die Geschichte der russischen Sabotageprozeffe beweist, dass man immer dann solche gross ausgemachte Prozesse führte, wenn die innerpolitischen Schwierigkeiten wuchsen und irgendein Ventil gesucht wurde. Im Gefängnis befinden sich auch Leute, die mit der höchstzulässigcn Kerkerstrase von zehn Jahren verurteilt wurden. Daneben gibt er in Rutzlalld nur.noch das..„höchste Strafausmass", nämlich die Verurteilung" zum Ticke. Der Kommandant bemerkte, dass bisher noch kein einziger der zu zehnjähriger Kcrkerstrafe Verurteilten tatsächlich diese ganze Zeit abgesessen habe, da es zahlreiche Erleichterungen gibt, die eine Strasver- kürzung ermöglichen. So kann bei guter Führung nach Verbüssung eines Drittels der Strafe bereits der Antrag auf Strafherabsetzung gestellt werden, die in besonderen Fällen bis zu zwei Drittel des Strafausmasses gehen kann. Anderseits werden die Strafgefangenen nach ihren Fähigkeiten zu Arbeiten herangezogen, und wir sahen grosse Schlosser- und Tischlerwerkstätten, eine vollständig eingerichtete Druckerei mit Flachpressen, Wo auch Zeitungen im Werksauftrag gedruckt werden. Jeder Arbeitstag wird den Häftlingen bei der Abbüssung der Strafe doppelt angerechnet, so dass auch damit eine bedeutende Abkürzung erfolgen kann. Bei besonders günstiger Führung kann eine zehnjährige Kcrkerstrafe schon nach 20 Monaten als vcrbüht erklärt werden. Als Prinzip des sowjctrussischen Strafvollzuges gilt nicht die Bestrafung, sondern die Besserung und E r z i e h u n g des Häftlings zur Gemeinschaftsarbeit. Deshalb gibt es keine Einzelzellen, sondern die Häftlinge werden in Gemeinschaftszellen zu 25 bis 30 Insasse» vereinigt. Den Zellen ist eine gewisse Autonomie Ringkarnpf mit einem Tiger Len der Bestie angesprungrn.— D»S gefährliche Jagdabenteuer eine- Offiziers. lieber einen dramatischen Kampf auf Leben und Tod, der sich dieser Tage im indischen Dschungel zwischen einem Leutnant der indischen Armee und einem Tiger abgespielt hat, wird auS Heiderabad berichtet. Der Offizier, der bei diesem Abenteuer so.schwer verletzt wurde, dass an seinem Aufkommen gezweifelt werden muss, befindet sich augenblicklich im Krankenhaus; die Bestie dagegen ist noch Währeick des Kampfes getötet worden. Der Leutnant Muntaz Ali, vom 8. Jnfanterie- batallion, hatte sich vor einige» Tagen Urlaub genommen. Als leidenschaftlicher Jäger, der er von jeher gewesen ist. entschloss er sich, seinen Urlaub im Dschungel zu verbringen und dort auf wilde Tiere zu jagen. Die kleine Jagdgesellschaft, di« auS ihm und einigen Freunden vom Regiment bestand, war gerade im Begriff, aus Heiderabad aufzubrechen, als sich unertvartet die Bewohner einer in der Nähe von Heiderabad gelegenen Ortschaft bei dem Offizier meldeten und ihm von dem Unwesen erzählten, daS ein riesiger Königstiger in der Gegend, die er in Angst und Schrecken versetzte, trieb. Der Offizier erklärte sich daraufhin gleich bereit, die Jagd cingeräumt, sie haben gewissermassen ihren selbst« gewähltenVorstand, der vor allem für dieDisziplin der Zelle verantwortlich ist, dann aber auch die Erziehung zum Gemeinschaftsgeist zu besorgen hat. Disziplinarmittel in dem bei uns üblichen Sinne gibt cö nicht, wie z. B. Fasten, Einzelhaft oder Dunkelzelle, und der auSgeübte Druck beschränkt sich angeblich auf moralische Mittel. So gibt jede Zelle eine IStägig erscheinende Wandzeitung heraus, die von den Häftlingen selbst hergestellt wird — wie wir uns nachher persönlich überzeugten, ist sie zumeist sehr hübsch auSgestattet— wo neben den allgemeinen Weisungen auch kritische Darlegungen über die Zustände im Gefängnis veröffentlicht, hauptsächlich aber Verfehlungen der Zellengenossen angeprangert werden. Sind diese schwerer Natur, so werden sie einem Zellengericht vorgelegt; die verhängten Strafen sind mehr negativer als positiver Natur, indem sie keine Strafverschärfung, wohl aber den Entzug gclvissec Begünstigungen bewirken können. Dicfe Begünstigungen sind mannigfacher Art. Die Häftlinge erhalten beispielsweise wöchentlicki einen AuSgang, um ihre Familien besuchen zu können. Ferner können sie zu„Udärniky", zu Stossbrigadlern, ernannt werden, die auch längere Urlaube von acht und 14 Tagen erhalten, in bestimmten Intervallen die Bewilligung zum Besuch von Theateroder Konzertvorführungcn bekommen, bei gedeckten Tischen essen usw. Von den 700 Insassen des Gefängnisses waren etwa 300 zu„Udärnity" ernannt; die Qualifikation hiezu richtet sich nach dem allgemeinen Verhalten, nach dem Arbeitseifer, hauptsächlich aber nach dem Grad der erworbene» Fähigkeit zum Gemeinschaftsleben. Wir fragten, ob die Sträflinge bei den Urlauben keine Fluchtversuche unternehmen. Es wurde uns gesagt, dass dies äusserst selten vorkomme, und wenn, so melde sich der Betreffende in der Regel nach zwei bis drei Tagen wieder. Man versteht das natürlich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass diese Leute nirgends an den BcrpslegSapparat angeschloffen sind, der über die Betriebe geht, so dass sic also keinerlei LebcnS- möglichkeit haben. Sie mühten dann betteln und tvürdcn sogleich wieder anfgegriffen, so dass sie also eigentlich zwangsläufig wieder auf den ihnen zugewiesenen„Posten" zurücktehren müssen. Achnlich ist cS mit der Rücksälligkeit, die nur sehr selten vorkomme. Ihr wird dadurch vorgebeugt, dass jeder Haftcntlassene sogleich in irgendeinen Fabriksbetrieb gesteckt wird, wobei die Gc- jängniStcitung mit. ihi»„längere Zeit in Kontakt, bleivt. Sie hilft ihm mit Rat und Tat,-inan gebe unter Umstände» auch Geldunterstühungcn. ES ist also eine Art humaner Polizeiaufsicht, um die es sich handelt, nur dass sic nicht wie bei uns nahezu jedes Weitcrkommcn der entlassenen Sträflinge verhindert, sondern sich wirtlich bemüht. auS ihnen „nützliche Glieder der Gesellschaft" zu machen, wie der stereotype Ausdruck lautet. Die Arbeit der Sträflinge wird mit einem bestimmten Satz bezahlt, der unter den normalen Löhnen, jedoch Iveit über den bei uns üblichen Entschädigungen liegt. Die freie Bertocndung der Gelder ist ebenfalls ein Bestandteil des Systems der Vergünstigungen. Von psychologifcher Bedeutung ist der Umstand, dass die Häftlinge keine Sträflingökleider tragen. Die Besichtigung deS Gefängnisses bestätigte im wesentlichen die Richtigkeit der uns gemachten Angaben. Auf dem Gefängnishof empfing uns eine viclhundertköpfige Menge, und als wir erstaunt fragten, was das fei, wurde uns erwidert, dies feien eben die Sträflinge, die bereits ihr Arbeitspensum erledigt haben und sich nun an der frischen Luft erholten. In einer Ecke deS Hofes fpielte eine Musikkapelle, in einem anderen Winkel fanden wir eine Gruppe, die emsig Wolleyball spielte. DaS Gehaben dec Sträflinge war durchaus offen und frei, manche von ihnen zupften den nach der gefährlichen Bestie aufzunehmen und liess sich von den Eingeborenen an Ort und Stelle führen. Engnmschlongen in den Grate» gerollt... Die Jagdgesellschaft teilte sich in mehrere Gruppen und durchstreifte nun zwei Tage lang den dichten Urwald, in dem sich nach Aussage der Eingeborenen da- Tier tagsüber verborgen halte. Man ftiess zwar wiederholt auf Fährten der Bestie, ohne diese jedoch selbst zu Gesicht zu bekommen. Endlich, gegen Abend de- dritten Tage-, wurde der Schlupfwinkel de- Tigers entdeckt, in einer ziemlich schwer zugänglichen Höhle. Um nun da- Tier dazu zu bringen, au- seinem Versteck herau-zutreten, wurden zunächst Holzprügel und Steine in den Bang der Höhle hineingeworfen. Da man mit diesem Bombardement jedoch keinen Erfolg hatte, feuerte der Leutnant Muntaz Mi blindlings einen Schuss hinein. Einen Augenblick lang trat daraufhin Totenstille ein. Plötzlich hörte man dann ein Rascheln in dem trockenen Laub und kurz« Zeit darauf erschien auch schon die Bestie am Ausgang der Höhle. Sofort legte der Offizier wieder an und gab einen Schuh ab, der den Tiger, der bereits das erste Mal getroffen worden war, mn Schulterblatt verwundete. DaS durch den Schinerz und seine Wunden aufs höchste gereizte Tier ging alsbald zum Angriff über. Mit eineui kühnen Satz durch die Luft durchmass der Tiger die kurze Enffernung, die ihn von Deutschland hat keine Devlsien Radikale Einschränkung der Einfuhr. Die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung veröffentlichte dieser Tage im„RcichSanzciger" folgende Verlautbarung: Für den Monat Juni ist die Ausnutzung der allgemeinen Devisenkontingente für die Warcnein- fuhr auf 10 v. H. des GrundbetragcS und die Ausnutzung der RembourSkontingcnte auf 20 v. H. des Grundbetrages festgesetzt worden. Um die Einfuhr lebensnotwendiger Rohstoffe nicht den gleichen einschneidenden Einschränkungen zu unterziehen, ist die Zuteilung von Devisen für die von den UeberwachungSstellcn beivirtschafteten Rohstoffe: Wolle, Baumwolle, Bastfaser, Häute, Felle und unedle Metalle ab 1. Juni 1084 einer besonderen Regelung unterworfen worden. Diese Rohstoffe dürfen in Zukunft nicht mehr im Rahmen" der allgemeinen Divisengenehmigiingen bezahlt werden, sondern nur ans Grund der besonderen Anordnungen, die von den UeberwachungSstellcn in Verbindung mit den Devisenstellen getroffen werden— Die Baumwolleinfuhr soll nach Möglichkeit weiter unterbunden werden, die verarbeitende Industrie soll sich mit in Deutschland vorhandenen Ersatzmittlen behelfen. Wie man sieht, eilt die deutsche Industrie, in der sich der Mangel an Rohstoffen bald bemerkbar machen muss, einer katastrophalen Situation entgegen. Kommandanten oder einen der Offiziere am Aermcl und fragten dies oder jenes. Ans einer Gruppe von Leuten zogen wir einen heraus und fragten ihn, was er verbrochen habe. Es war ein junger Bursche, der etwas gestohlen hatte und dafür 18 Monate Gefängnis erhielt, also einen ziemlich hohen Strafsah für ein Eigentumsdelikt. Auf unsere Frage, wie cs ihm hier gefalle, ani« tvortete er gutmütig:„Es lässt sich leben". Ein anderer zeigte wieder reges Interesse dafür, wie der Strafvollzug bei uns geregelt sei und was man mit Leuten tue, die stehlen. Als wir antworteten, dass man sie auch einsperrc und im Wiederholungsfälle neuerlich, schien er etwas enttäuscht. Vielleicht hat er sich vorgestcilt, dass man das in den kapitalistischen Ländern mit dem Stehlen nicht so genau nehnie. Wahrend unseres RundgangcS durch das Gefängnis begleitete uns ständig ein Schwarm vyn Häftlingen, die sehr oft auch paarweise gingen. Teils handelte es sich um Besuche, aber man sagte uns mich, dass nian der Annäherung männlicher und weiblicher Gefangener keine Schwierigkeiten in den Weg lege, wenn man sähe, dass cü sich nicht um ein„huligänswl", also um irgendeine ver» brcchcrischc Sache handle. Die Zellen machen einen sauberen Eindruck.. die Fenster haben keine Gitter, die Zellentüren sind offen, überall sieht man Zeitungen oder Bücher. Eine reichhaltige Bibliothek sorgt für die geistige Nahrung, und man sagt uns, dass meist tcchnifche Werke verlangt würden, ferner Reisebeschreibungen und gescllschastStviflenschaftliche Werke. Man führt aber auch Belletriftik. Die Küche war zweckmässig eingerichtet, ebenso die Krankcnabteilung und die Werkstätten. Im grossen und ganzen weist diese Art deS AefäugniSlebenS eine große Achnlichkcit mit dem Kasernenleben auf; sic lässt sich vielleicht am besten mit einem etwas härteren Militärdienst vergleichen. Die Inhaftierten können auch ihre Kinder mitnchmcn, für die ein reizendes Kinderzimmer eingerichtet ist. Für die Jugendlichen besteht eine besondere Abteilung, der„Kollektor", wo ihnen grössere Aufmerksamkeit bei der Erziehungsarbeit zuteil wird. Am Schluß überraschte man unö mit einem ausgezeichnet vorgeführten, gesungenen und gesprochenen revolutionären Melodram. Obwohl dieses russische Gcfäiignissystcm bei uns sicherlich als Utopie bezeichnet würde, darf man sagen, dass es vom gesellschaftlichen Standpunkt auS seinen Zweck besser erfiillt als die bei uns geübten Methoden. seinen! Verfolger und Todfeind trennte, und stürzte sich auf den von diesen unerwarteten Angriff völlig überraschten Offizier. Rur seinen: Tropenhelm hatte eS dieser zu verdanken, dass sich die furchtbaren Krallen der Bestie nicht tiefer in seinen Nacken und in seinen Schädel einbohrten. Und nun folgte zwischen dem Mann und der Bestie ein draniatischer Ringkampf auf Leben und Tod, der minutenlang anhielt und zunächst damit endete, dass die beiden Gegner engumschlungen in einen ettva vier Meter tiefen Graben rollten. Bon lähmendem Entsetzen gepackt, geflüchtet... Nur einem reinen Zufall verdankte der Offizier schliesslich sein Leben. ES gelang ihm nämlich, sich wenigsten- für einen kurzen Augenblick auü der tödlichen Umklammerung durch die Bestie zu lösen und den Karabiner, der glücklicherweise mit in den Graben gefallen war, zu fasse«. Ein Schuss in die rechte Schläfe de- Tigers bedeutete für ihn die Rettung, denn nun erlahmten die Kräfte des Tigers, der bald darauf verendete. Der an beiden Armen zerfleischte, an beiden Schultern, an Hals und Nacken und am Kopf schwer verwundete Leutnant rief nach Hilfe, aber seine Hilfeschreie verhallten ungehört, denn sämtliche Eingeborenen, die ihn begleitet hatten, waren, von lähmendem Entsetzen gepackt, fchon längst geflüchtet. Erst viele Stunden später wurde dann der Offizier, der durch den ungeheuren Blutverlust ohnmächtig geworden Ivar, von seinen Kameraden gefunden. CMfeS „Sozialdemokrat" Mittwoch, 8. Jttni 1834.«r.130 PRACEK ZEimG BevölkerungSbewegimg in Pinn im Jänner 1934. CE'3 wurde» 402 Ehen(icfd)loffcit, 703 Kinder geboren(771 lebend, 22 toi), gestor- bcn sind 001 Personen. Tic Sterbeziffer war da- bcr nm l»y gröber als die Ziffer der lebend geborenen Kinder. Die meisten Todesursachen waren Herzkrankheiten(104 Fälle), Krebs(Illi), Tuberkulose(111) und Lnngcncniiiindnngcn(71). Selb ft m o r d e wurden 25, verzeichnet Iin 16 Fällen Männer und in 0 Fällen Frauen). Jähr« l i ch entfallen auf 1000 Einwohner 5.4 Ehen, 10.6 Geburten(davon 10.8 lebend Geborene). Auf 1000 lebend geborene Kinder fielen jährlich»2.1 tot geborene. 9lad) Prag zugezogen sind 0413 Personen, davon 9712 auS der Republik und 701 aus dem Auslande, anSgewandert sind 7048, so das; der Ueberschuß der Zugewandcrten Ober den der Ausgewanderten 760 Personen betrug. Zum vorübergehenden Aufenthalt kamen 32.865 Personen nach Prag, davon 28.500 Personen auS der Oiepublik und 4856 Personen auS dem Auslände. Das Heimairecht der Prager Gemeinde erhielten 1800 Personen. Die Religion wechseltet» 584 Personen(auS der römisch-katbolikchcn Kirche sind 160 Personen ausgetreten. cingetretcn sind 252, auS der tschechoslowakischen Kirche sind 187 auS und 158 in dieselbe ein« getreten). 178 Personen haben aufgehört, konfessionslos zu sein, 70 Personen wurden konfessionslos. Teutsche Hauptstelle für Kinderschuh und Jugendfürsorge. Die diesjährige Hauptversammlung findet an» Donnerstag, den 14. Juni, um halb 6 Uhr nachmittags in der Kanzlei der Haupistelle Prag l., Male näm. I I, statt. OerlcMssaal Line Gipfelleistung übler Reklame „Horoskope" mit sexuellen!)iatschlägen in de» Hände» von Schulmädchen.— Firma„Hydiko" vor Gericht. — TaS belastende Aktenstück auS dem Prozetzakt verschwunden. Prag, I. Juni. ES ist saitsain bekannt, welchem Unrat man in den Juscratenspalten gelvisser Zeitungen und Zeitschriften begegnet, in denen sich Verdie- ncrintcresse und Volksverblödung die Hand reichen. Wunderwirkende Tees, zauberhaft wirkende Schönheitsmittel, Rezepte, in kürzester Zeit Millionär zu Iverden, Schicksalsdeuicr aller Art usw. usw. werden einer kritiklosen Leserschaft angcpriescn und finden leider auch Interessenten. Das Aergjie aber ist, das; die marktschreierischen M c t h o d e n Schule gemacht haben. Zu welchen Konsequenzen diese Re« klamemcthodcn führen, bewies dieser, in mehr als einer Hinsicht skandalöse Prozeh, der vor dem hiesigen Bezirksgericht(B.-R. Dr. S i in ä c c k) verhandelt wurde. Angeklagt war der Inhaber der Firma„H y- di ko", Herr Trcfny, der Uebertretung gegen die öffentliche. Sittlichkeit. Die Art, in der diese mit hygienischen Artikeln handelnde Firma, ihre Reklame besorgt, ist geradezu Prichivörtlich geworden. Ein solcher Werbe- feldzug wurde von der Firma„Hydiko" in der Art durchgeführt, hast sie in der in Mähren-Schlesien sehr verbreiteten Zeitschrift„Proud"(„Der Strom") den Lesern„Horoskope" versprach, also eine astrologische Deutung ihre» vergangenen und künftigen Lebenslaufes. Auf Grund dieser Jn- scratc opferte ein dreizehnjähriges Schul« inä dchen aus einer Gemeinde des Hultschiner Bezirkes diese 6 Xe, denn in ihrer kindlichen Neugier wollte sie gern etwas von ihren künftigen Schicksalen erfahren. Darauf erhielt das Kind ein„H o- r o s k o p", das nichts anderes war. als ein m e ch a- nisch vervielfältigtes Flugblatt, worin zu lesen stand, das; sic, die Dreizehnjährige, eine Frau von großer Fruchtbarkeit sei, daß sie aber trotzdem nicht mehr al» drei Kinder haben werde, wenn sie beim Geschlechtsverkehr gewisse Borsichtsmatzregeln beachte. Das Schulmädchen, das gar nicht recht verstand, was die Ratschläge eigentlich bezweckten, brachte das „Horoskop" ihrer Lehrerin, die es an die vorgesetzte Behörde weiterleitete. Schließlich landete der sonderbare Prospekt im S ch u l m i n i st e r i u m, das ihn mit einer entsprechenden Erläuterung der Prager Polizcidircktion abtrat. So kam es zur Strafanzeige gegen Herrn Trefnh, den Inhaber der Firma„Hydiko", wegen Uebertretung gegen die öffentliche Sittlichkeit, denn eine solche sexuelle Aufklärung mit kommerziellem Hin» t c r g r u n d wurde mit Recht als anstößig erachtet. Die Art, in der sich dieser Herr Trefnh verteidigte, zeigt übrigens die koinmerziellc Kehrseite dieser Angelegenheit im grellsten Licht. Der Chef der Firma„H ydiko" erklärte nämlich, cs handle sich „nur" um ein Versehen d«s Beamten, dem die Expedierung dieser famosen Horoskope oblag. Denn diese„Horoskope"(die doch jedes für sich daS Einzelschicksal eines Menschen betreffen sollen) wurden zu Tausenden meckMnisch vervielfältigt und an die Interessentinnen(6 litt pro Stück) anSgeschickt. So sei eben„versehentlich" das Flugblatt in die Hand des Schulmädchens gelangt. Man kann nicht sagen, das; sich Herr Trefnh durch diese Aertcidigung sehr genützt hat. Denn als der Richter von der massenhaften Anfertigung der„Horoskope" hörte, erklärte er sich als unzuständig, weil es sich bei solchem Tatbestand nicht mehr um eine bloße Ucbcrtretun g, sondern um ein Vergehen handle, für das ein Kreisgerichtssenat zuständig sei. Die Akten wurden also zwecks Erhebung der Anklage vor dem Kreisgcricht, der Staatsanwaltschaft abgetreten. Bei Durchsicht des Aktes machte Bczirkörichter Dr. S i m ä k c k aber eine weitere skandalöse Entdeckung. DaS als corpuS delikti im Akt liegende Flugblatt I ist verschwunden und gegen ein anderes mit harinloscrem Text vertauscht worden. Bezirksrichter Simäkck konnte das mit absoluter Sicherheit fcsiffcllcn, dein» er hatte sich seinerzeit b e- sonders k r a s s e S t«l l c u mit R o t st i f t a n g e m c r k t. Das ini Akt liegende Flugblatt enthielt diese Stellen überhaupt nicht, so daß nur die eine Möglichkeit offen bleibt, daß irgendjemand das Original entwendet und ein unverfängliches E r s a tz st ü ck dafür ein« gelegt hat. Es wurde ans diesem Grunde die Strafanzeige gegen unbekannte Täter erstattet. Die„entführte" Schwiegermutter Tie 45jährige Schwiegermutter ui»d der 26jährige Schwiegersohn. Prag, 5. Juni. Eine merkwürdige Sache wurde heute vor den» Senat Werner verhandelt. Angeklagt war ein 26jähriger Maurer aus dem Dorfe Pchery bei Kladno des Verbrechens, der E n t f ü h r»»n g einer Frau, und zwar seiner eigenen Schwiegermutter, der 45jähri- gen BcrgmannSfrau Elisabeth H. Beide gemeinsam waren außerdem angeklagt der Heber« tretnng der Unzucht zwischen ver« wandten bzw. verschwägerten Personen. Die teilweise Mitangeklagte Elisabeth H. lebte mit ihrem 56jährigen Mann und ihrer verheirateten Tochter zusammen in einem Hänschen. Durch mehr als fünf Jahre verlief das Zusammenleben ohne jeden Anstand. Tann aber begann die Schwiegermutter an den» Schwiegersohn einen Gefallen zu finden, daS sich bald zu bedenklichen Ausmaßen steigerte. So äußerle sich diese Svmpathie in dem charakteristischen Ausspruch zu einer guten Jrcnndin, das; ihr alter Mann„nichts besseres tun könne, als in den Schachtzuspringen". Es gab natürlich viel Gerede in den» kleinen Ort über das sonderbare Verhältnis zwischen der Schwic- germuttcr und ihrem nm fast 20 Jahre jüngeren Schwiegersohn. Tie Folge waren häßliche Auftritte im engeren Familienkreis, denn weder der Schwiegervater, noch feilte Tochter, die von ihrem Mann ein heute fünfjähriges Töchterchen hat, wäre»» mit den intimen Beziehungen zwischen Schwiegermutter und Schtvicgersohn einverstanden. Nach einem heftigen Auftritt mit dem Schwiegervater flüchtete schließlich der Angeklagte durch das Fenster seiner Parterrewohnung und nahm seine Schwiegermutter mit. Sie quartierten sich in der Ortschaft M o t y k i n ei» und bewohnten ge- meinsan» in den nächsten drei Wochen ein Zimmer, das nur ein Bett enthielt. Die 45jährige rühmte in dieser Zeit öfters ihren Schwiegersohn und erklärte, das; sie sich„wie eine Fünfundzwanzig- jährige fühle". Die verlassenen Ehepartner gaben sich aber nicht so ohne weiteres zufrieden, sondern erstatteten die Anzeige. Die heutige Verhandlung Ivar zum größten Teil geheim, so daß über Einzelheiten nicht berichtet werden kann. Sie endete mit einem Freispruch, denn den Tatbestand der ,.E n tf ü h r n n g" könne das Gericht bei Berücksichtigung der Umstände nicht für gegeben erachten. Aber anch in» zweiten Punkt der Anklage sei en» schlüssiger Beweis nicht«rhracht worden. ich. Kunst und Wissen Die Akademie der bildenden Künste in Prag VH, ul. ll Akademie Nr. 4, veranstaltet wie jedes Jahr die Jahresausstellung der besten Schülerarbeiten in der Zeit vom 0. bis 18. Juni 1084. Die Ausstellung ist den ganzen Tag geöffnet und den Interessenten unentgeltlich zugänglich. Neuinszenierung de»„Ton Juan" im National- theatrr. Der Abschluß des„Prager Frühling" wird von der Oper des Nationaltheaters mit einer Aufführung von Mozarts Oper„Don Juan" in neuer Besetzung, ArlSstattung und Regie begangen werden. Die Premiere ist für Sonntag, den 17. Juni,«»gesetzt. Die Titelrolle hat Wilhelm Zitek inne. Die Oper studiert Ottokar O st r c i l, er wird sie auch dirigieren. Die Regie besorgt Josef T u r n a u, die Ausstattung Vlastimll H o f m a n. Zur Inszenierung dieser Oper, die Mozart in Prag auf der Ber- tramka komponiert hat, wird zum erstenmal die Drehbühne benützt werden. Freitag Premiere„Der Jakobiner" von Dvorak. Gastspiel Paul Ludikar. klebrige Be- Der Arzt als Brandstifter Der Polizeichef von Cincinati im Staate Ohio war der Verzweiflung nahe. Seit Wochen wurde die Stadt von geheimnisvollen Bränden heimgesucht, bei dcgen es oft an einem Haar hing, daß sie nicht für die ganze Stadt zur Katastrophe wurden. Manchmal geschah cs, daß, während die Feuerwehr in einer Nacht zu Tode erschöpft von einer Löschaktion einrückte, sie sofort wieder an daS eniaegengesehte Ende Eincinatiö gerufen wurde. Die Feuerwehrleute kamen buchstäblich nicht zum Schlaf und einige von ihnen mußten sogar ihre Pflichterfüllung niit dem Leben bezahlen. lieber die Person deS Täters tappte n»an völlig in» Dunkel. Zweifellos handelte es sich um Brandstiftungen, denn man fand immer Spuren, die auf vorsätzliche Brandlegung schließen ließe». Aber der Mann wußte sich mit unheinilicher Geschicklichkeit alle» Nachforschiinneu der Polizei zu entziehe». Die Bewohner jener Viertel, die von den Bränden besonders stark hcimgcfticht wurden, lebten in einer ständigen Panik. Ganze Familien wurden von einer wahren Angstpsychose befallen, und manchmal ge- sehung: die Damen: Pauly, Rohne, Schilp; die Herren: Hagen, Hattemcr, Hey, Hotter, Libal. Dirigent: Szöll, Regie: Mordo—Ludikar, Bühnenbild: Pirchan.(D 2.) Vorverkauf täglich. VI. Philharmonisches Konzert: Haendels„Josua". 12. Juni. 700 Mitwirkendc. Philh. Extra- Abonn. Vorverkauf ab heute. Spielpsan des Neuen Deutschen Theaters. Mittwoch, halb 8 Uhr:„D a S D r e i m ä d e r I- hau S", Gastspiel Tauber.(A. A.)— Donnerstag 7sh:„Die vier Grobiane".(C 2.) Freitag 7*4'•„Der Jakobiner", Gastspiel Paul Ludikar, Erstaufführung.(D 2.)— SamStag 7%:„Der Revisor." Spirlplan der Kleinen Bühne. Heute, Mittwoch, den 6. Juni, 8 Uhr:„I n s e l," volkstümliche Vorstellung.— Donnerstag 8:„Stras;en- musik."— Freitag 8:„Lady Windermeres Fächer", Kulturverbandsfreunde und freier Verkauf.— SamStag 8:„Lady Windermere» Fache r." Sport• Spiel• Körperpflege Leichtathletische Vereinswettkämp fe des Prager Atus gelangen am SamStag, den 0. Juni, um 5 Uhr nachmittags, am DTJ.-Sportplätze auf der Hetzinsel zur Austragung. DaS Programm sieht einen Dreikampf für Turnerinnen u»ü> einen Fünfkampf für Turner vor. Ferner wird bei jeden» Teilnehmer eine Freiübung, die mis- gelost wird, gewertet. Für die Turnerinnen sind 60 Meter Lausen, Hochsprung und Kugelstoßen vorgesehen, während die Turner 200 Meter Lausen, Hochsprung. Weitsprung, Kugelstoßen und Sveer- werfen absolvieren. Falls es die Zeit erlaubt, werden auch Stafetten durchgeführt. Die Veranstaltung wird niit einem A p p e l l der gesamten aktiven Mitgliedschaft, zirka 7 Uhr, durch Abg. Genossen Jaksch abgeschlossen. Der Eintritt ist frei, doch werden freiwillige Spenden dankend entgege»»genommen. Bürgerlicher Sport Wild-Westga»— Spiegelbild bürgerlicher Sporterziehung. Es vergeht kein Sonntag in diesem DFV.-Gau, ohne daß nicht Raufereien u. dgl. auf den Sportplätzen vorkämen. Letzten Sonntag hatte Markhausen seinen„großen Tag", wo die Zuschauer wegen der bevorstehenden Niederlage der Heimischen den Schiedsrichterverprügelten und Spieler der Gäste blutig schlugen, so daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommei» werden mußte. per Film Jrrdichtung der Verlogenen Das Kino„M e t r o". die eifrigste Vermittlungsstelle für nazidcutsche Film-Manifeste, ist jetzt wieder zum Versammlungslokal der schau« und spendelusligen Prager Goebbelsgcmeinde geworden. ES herrscht eine munter« Stimmung: denn eS geht hoch her in dem neuen Ufa-Film, der sich unergründ- licherweise„Irrlichter der Millionen" nennt und neben HochzeitSrummel, Rundtanz und Untermenschenorgie nach Schmuggel, Selbstu»ord und Masserverhaftung sowie Wundcrmären über die Wirtschaftskrise bietet. Es ist eine dreiste Phantasie aus Tollheit und Verlogenheit. Zur Empfehlung des braunen Nationalismus wird hier gegen die Herren gehetzt, die ihre deutschen Gewinne ins Ausland brachten,— dieselben Herren also, derei» Amnestierung die erst« Sorge derer von Herrenklub und Hakenkreuz war. Und zur Weihe des hiilcrischen„VolkSstaaics" wird wieder— wie einst im„Tunnel"— der Marxismus durch die„Wirklichkeit" widerlegt, die so aussieht, daß die Arbeiter Feste feiern, während der arnie Unternehmer die Nächte durcharbeitet und sich erschießt, weil er seine Schulden nicht bezahlen kann. So traurig endet der brave Chef Böttcher, der aber mit seiner Bravheit»licht vereinzelt dasleht; denn auch sein Konkurrent Müller weiß, was einem nationalen Mann geziemt: er erwirbt den Betrieb des seeligen Böttcher billig bei der Auktion und übernimmt zugleich einen Teil der Angestellten, und weil der Filmheld unter diesen Glücklichen ist, erscheint daS soziale Probien» befriedigend gelöst. ES ist unmöglich, daß ein Mensch, auch wenn er nur ei» Filmautor der„Ufa"»st, sich etwas derart Groteskes von selbst erdacht haben kann. Aber es ist ein Beispiel für den Geist, den Heinrich Mann das „Denken nach Vorschrift" genannt hat. Mit unvorstellbaren Verrenkungen wird da der Gipfel der Verschätz eS, daß die Polizei in einer Nacht ein Dutzend- mal auf blinden Alarm hin anSrücken mußte. Sie konnte jedoch diese Alarme nicht uiibeachtet lassen, denn auch bei den wirklichen Bränden wurde sie immer von einem unbekannten Mann angernfen, der sie von dem Ausbruch des Feuers verständigte. Krankenbesuch mit Feuerschein. Wie schon oft, so wurde auch in diesem Falle der Zufall zum besten Helfer der Kriminalisten. Man hatte schon beinahe die Hoffnung gufgegeben, den geheimnisvollen Brandstifter zu fassen, als ein Polizist eines Nachts einen Mann bemerkte, der in verdächtiger Weise um ein HauS schlich. Er hielt den Mann an und fragte ihn barsch, was er in dem Hause gemacht hätte. Der Fremde zeigte sich über die„Belästigung" sehr ungehalten u»»d wies sich mit einer Legitimation als der Arzt Dr. Ralph Trevor auS. „Ich war bei einem Patientci» zu Besuch", erklärte er. Der Polizist entschuldigte sich daraufhin, grüßte höflich und wollte weiter seines Weges gehen— da bemerkte er plötzlich einen Feuerschein. Nun hielt er den Arzt fest, verständigte die Feuerwehr und nahni Dr. Trevor aus die Polizeiwache mit. Heute Mittwoch, abend» 8 Uhr, im Hotel„M o n o p o l" Glternverfammlung Fachlehrer E r n st T h ö n e r, Tetzlitz- Schöna», spricht über da» Thema: „Bürgerschule oder Mittel- s ch u l e?" Alle interessierten Eltern und Lehrer sind herzlichst eingeladen. Arbeiterverein Kinderfreunde. logenheit erklommen. Die ganze Wirtschaftskrise, so lehrt man hier in» Film, ist angczettelt von ein paar brutalen Hsiimnzleuten, die den schwächeren Unternehmer rücksichtslos zur Strecke bringen(was die Ufa bekanntlich nie getan hat) und die das deutsche Geld eiligst über die Grenze paschen,— was um so einleuchtender ist, als jenseits der deutschen Grenzen (die Ufa weiß cs genau) keine Spur von Wirtschaftskrise zu bemerken ist. Aber wer wird nach solchen Dingen fragen? Der vermutlich„verhetzte" Arbeiter, der den Bmikier Seemann beim Kragen nehmen und zur Rede stellen will, wird von dem Helden der Handlung angeschriecn. er solle keine Dummheiten machen und nicht alle ins Unglück bringen. Er hofft nämlich darauf,«s bald in Rühe zu einem Haus und einem Auto zu bringen,— ein Held, der dem Zensorenblick des revolutionären Herrn Krause Wohlgefallen hat. Es ist überflüssig, nach alledem noch die künstlerische Nichtswürdigkeit des Ganzen darzustellen. Der Regisseur ist Erich Engel, der einst ein geschätztes Talent für Lustspiclaufführungen mif Berliner Bühnen war und bei diesem Film sichtlich Mühe hatte, ernst zu bleiben. Von den Darstellern ist es nur um P a u l W e g c n e r schade, der den brutalen Bankier mit leichter Verlegenheit und noch immer deutlichem Können spielt. Der Hauptdarsteller E i ch b e r g e r ist eine runde Null, und Brigitte Hel m, die sich jetzt zur dämonischen und frigiden noch die heldische Note zulcgcn möchte, bleibt weiter ein verirrtes Mannequin. Auch GoeringS Hofjude Otto Wallburg spielt mit und versucht, einen Untermenschen darzustcllcn. Aber eS ist ihm im Film nicht so vollkommen gelungen, wie in Wirklichkeit. — eiS— Aus der Partei Frauenbewegtmg Der nächste Leseabend der ArbeitSge» »reinschaft„Eine Frau studiert den Sozialismus" findet erst am Donnerstag, den 14. Juni, un» 7 Uhr abends im Ber- einSheim, Narodni tkida, statt.. Vcrclnsnadirlditcn Achtung! Funktionäre! Heute Mittwoch, ordentliche AuSschuß- sitzung im gewohnten Lokal um halb 8 Uhr. Wir haben viel zu besprechen und müssen deshalb pünktlich beginnen, also möge niemand unnötig auf sich warten lassen I Am kommenden Sonntag veranstalten wir einen Bade-AuSflug zum Pokernicer Teich. Abmarsch pünktlich um 8 Uhr früh von der Endstation der Linie 5 in Hloubötin. filme hi Prager LlihfsnIelhHusem Bis einschließlich Donnerstag, den 7. Juni. Adria:„Mädchen in Uniform"— Alsa: „Ihre Majestät die Liebe"— Flora:„BiScotS Abenteuer"— Gaumont:„Csibi, der Fratz"— Hol» lynuwd:„Hinter Klostcrtüren"— Kinema: Journale, Lustspiel, klleportage— Kotva:„Unbekannte Melodie"— Lncerna:„Unbekannte Melodie"— Olympier„Abenteuer auf dem Polarkreis",„Die Frauen von Bali"— Passage:„Csibi, der Fratz"— Praha:„Ter Fluß"— Radio:„Seine beste Klientin"—-kaut:„DaS Fräulein am Volant"— Svetozor:„Abenteuer auf dem Polarkreis",„Die Frauen von Bali"— Alina:„Seine beste Klientin" — Bajkal:„Männer im Offside"— Belvedere: „Kapitän Sorrell und sein Sohn"— Lido:„Ter ewige Jude"— Louvre:„Menschen hinter Gittern" Der„Feneranbeter". Trevor leugnete hartnäckig, mit dem Brande etwas zu tun zu haben. Es stellte sich heraus, daß er tatsächlich einen Krankenbesuch gemacht hatte. Nichtsdestoweniger wurden am Tatort Spuren gefunden, die den Verdacht gegen Dr. Trevor verstärkten. Er wurde in Untersuchungshaft genommen, und als von diesem Augenblick an die Brände mit einem Schlage aufhörten, war es klar, daß man endlich den Täter gefaßt hatte. Als ihm dies vorgehalten wurde, brach Dr. Trevor zusammen und legte ein Geständnis ab. Er erzählte, daß er ein„Feueranbeter" sei, und von einem unwiderstehlichen Zwang zu seinen Taten getrieben werde. Der Anblick eines Feuers versehe ihn in einen wahren Freudenrausch. Dieser Trieb war in ihm stärker, als alle Hemmungen, denn er scheute sich nicht, auch solche Häuser in Brand zu setzten, in denen er einige Stunden vorher einen Kranken besucht hatte... Dr. Trevor wurde zur Beobachtung seines Geisteszustandes in eine geschloffene Anstalt gebracht. Die Psychiater stellten bei ihm Anzeichen einer beginnenden Geisteskrankheit fest. Auf Grund ihrer Gutachtens hat der Untersuchungsrichter das Verfahren gegen Dr. Trevor eingestellt. Bezugsved, ngu nge n: Bei Zustellung ins Haus oder bei Bezug durch die Poit monattich XL 16.—. vierteljährig Kd 48— halbjährig Kö 96—. ganzjährig KC 102.—.— Jnieraie werden lau« Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskripten erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZettungSfrankatur wurde von der Post« und Telegraphendirektion mit brlaß Nr. 18.800/VH/1080 bewilligt.— Druckerei:„Orbis". Druck«. Verlags- und ZeitungS-A.-G.. Prag.