14. Jahrgang Donnerstag. 7. Juni 1934 Nr. 131 UNTRALORGAN DER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHHNT MIT AUSNAHME DES MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion und Verwaltung präg xii.,fochova 42. tu von sxn. Administration teiefon 5307«. HERAUSGEBER: SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR> WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR> DR. EMIL STRAUSS, PRAG. Einzel preis 70 NeNer (•InichlleMIch 5 HaHar Fort») „Waffenstillstand“ in Genf Debatte Uber den französischen Resolutlonsantras Man hofft auf die politische Entwicklung In Europa... ® e n f, 6. Juni. Die heutige NachmittagSsttzung der Abrüstungskonferenz war verhältnismäßig kurz. Die Spannung hat etwas nachgelassen. Die Debatte über die franzö- sische Resolution betreffend den«eiteren Fortgang der Konferenzarbeiten war sachlich und viel konstruktiver alS in den vorhergegangenen Sitzungen. Nichtsdestoweniger bleibt der Eindruck bestehen, daß noch nicht alle Hindernisse beseitigt sind und nureinWaffe» still st and eingetreten ist. Der Borsitzende H e n d r r s on erklärte nach Eräffnnng der Sitzung, daß der Sturm vorüber sei und daß sich auö einigen Resolutionsanträgen, zu denen auch der Antrag der franzäsischenDelegation gekommen sei, in einem besonderen RedaktionüauSschuß vielleicht ein fe st er Arbeitsplan der Konferenz werde aufstellen lasten. Dann sprach Minister Bartho« Der die Frage der Rückkehr Deutschlands zur .Abrüstungskonferenz, die die Beratungen schwer belaste. Kein Staat würde sich mehr beglückwünschen, wenn Deutschland zurückkehrte, als Frankreich. Keine Tür sei»erschlossen. In der Frage deZ Saargcbieteö habe Frankreich seinen guten Dillen gezeigt, an internationalen Abkommen teilzunehmen, an denen auch Deutschland beteiligt sei. Einige Delegationen hätten wber zu verstehen gegeben, das; ohne Deutschland die Konferenz- arbeücn nicht fortgesetzt werden können. Die französische Delegation sei nicht dieser Ansicht. Deshalb glaubt Barthou, daß sich das Arbeitsprogramm einhalten lasse und daß ausserdem diejenigen Regierungen, die dies für notwendig halten, die diplomatischen Verhandlungen mit Deutschland fortsehen können, damit Deutschland auf seinem Platz nach Genf zurückkchre. Eö sei aber notwendig, daß Deutschland die Schwelle Genfs in vollkommener Gleichberechtigung und in voller Verantwortlichkeit überschreite. Die Abwesenheit Deutschlands könne aber kein Hindernis für die Fortsetzung der Arbeiten sein. Frankreich habe mit Deutschland Noten auSge- tauscht, die die Konferenz nicht betreffen. ES sei aber möglich, dass eS Staaten gebe, die Deutschland beeinflussen und eS um die Rückkehr nach Genf ersuchen können. Frankreich habe nichts dagegen einzuwenden und laste allen Regierungen in dieser Hinsicht volle Freiheit. Der amerikanische Delegierte Norman Davis sprach sich für eine Vertagung der weiteren Arbeiten des Präsidiums bis Freitag aus. In der Zwischenzeit werde jede Delegation die Möglichkeit haben, sich mit ihrer Regierung inS Einvernehmen zu sehen. Der Schweizer Delegierte » Motta gab bekannt, das; die Gruppe der sechs neutralen Staaten feit der gestrigen Sitzung über die gogrbrnen Problem« verhandelt habe und der Kmtferenz rin« dem französischen Antrag sehr ähnliche Resolution vorlegen wollte. Jetzt werde aber diese Gruppe die weitere Entwicklung abwarten und schlage die Einsetzung eines Redaktions-Ausschusses vor, in dem die Mitglieder des engeren Präsidiums, d. s. der Vorsitzende Henderson, besten Stellvertreter P o l i t i 8, der Generalsekretär der Konferenz Minister Dr. Benes und äusser den Vertretern Englands, Frankreichs und Italiens die Vertreter derjenigen Staaten arbeiten würden, welche die Resolution vorgelegt haben. Der englische Delegierte Eden sprach sich für die Annahme der Resolution H« n d e r s o n L aus und nahm vorläufig die Ärigen Anträge nicht an. Nach einer weiteren Debatte, an welcher sich der spanische Delegierte Gesandte M a d a r i a g a, herrustischeBoÜSkommistärLitwinow und der polnische Delegierte Raszynski beteiligten, wurde beschlossen, das; das K o n f e r e n z Präsidium am F r c it ag Vormittag zusammentrete und über den definitiven Text der Resolution entscheide, die das weitere Arbeit s p r o g r a m m der Abrüstungskonferenz skizzieren soll. Eventuell noch am Freitag nach- inittag wird dann der Hauptausschuh zusammen- treten, um dieses Arbeitsprogramm zu genehmigen. Bisher kann von einer Beseitigung aller Schwierigkeiten nicht gesprochen werden. Ueber- einstimmung besteht nur darin, dass die Genfer Debatten raschest beendet werden niüsscn. Doch läßt sich mit Bestimmtheit nicht damit rechnen, das; die Koordinierung der dieser Tage dem Konferenzpräsidium vorgelcgten Anträge, Beschlüsse und Anregungen die tatsächliche Möglichkeit eines endgültigen Abkommens bringen wird. Auf jeden Fall rechnet man in Genf mit einer weiteren Verschiebung der Konferenzarbeiten. auch wenn einige französische Anregungen angenommen würden. Man hofft, dass die politische Entwicklung in Europa in vielem zur Lösung der einem endgültigen Abkommen über die Hauptgrundsätze der AbrüstungS- und SichcrheitSkonvcntion heute noch im Wege stehenden brennendsten Fragen beitrage» wird. Der französische Gegenantrag Genf.(Tsch. P.-B.) ü. Juni. Die französische Delegation hatte heute vormittag dem Konferenzpräsidenten Henderson ihren Entwurf auf Fortführung der Arbeiten int HaupiauSschuss der Allgemeinen Abrüstungskonferenz unterbreitet. Dieser Entwurf kommt den wichtigsten Forderungen der Verfechter der sofortigen Maßnahmen für die Abrüstung entgegen, doch legt er größten Wert darauf, daß das Problem der S i ch e r- h e i t von allen Fragen auf der Allgemeinen Abrüstungskonferenz das schwerwiegendste Rücktritt der belgischen Regierung nach einer doppelten Niederlage In der Kammer Brüssel, ü. Juni. Heute nachmittags blieb die Regierung in der Stammte bei der Abstimmung über zwei verschiedene Gesetzesvorlagen in der Minderheit. ES handelt« sich um einen Entwurf zur Neuregelung der Familien- Unterstützung und um eine Vorlage über di« Grenzpolizei. Der Ministerpräsident berief sofort nach Schluß der Sitzung einen dringenden, KabinettSrat«in, in der die Demission der Regierung Broqueville beschlossen wurde. Di« Liberalen hatten sich den Sozialisten angeschloffen, weShalb die Regierung in die Minderheit geriet. * König Leopold III. hat die Demission angenommen und wird morgen die Beratungen über sei. Was die Abrüstungsfragen betresst, schlägt die französische Delegation vor, dass hauptsächlich der Antrag auf Einschränkung der L u s t r ü st u n g verwirklicht werde und hier handelt eS sich direkt um daö B e r b o t d e S Flugzeugbombardements und um die I n- ter nationalisier un gdeSZivil- flugwesens sowie weiter um Vorschläge zur Regel ungderErzeugungunddeS Handels mit W a s s e n. lieber diese Angelegenheit können Sonderausschüsse sofort beschliessen. Was die S i ch e r h e i t s p a k t e anlaugt, glaubt die französische Delegation, dass sie sofort in der politischen Kommission der Allgemeinen Abrüstungskonferenz durckiberaten werden sollten. In der gleichen Kommission sollen auch die Fragen der Garantien der Erfüllung der Verpflichtungen aus den AbrüstungSabkommen geprüft werden. Den r u s s i s ch e n Vorschlag auf Aenderung der Abrüstungskonferenz in eine Friedenskonferenz überlässt die französische Delegation den Regierungen zur Entscheidung. Kleine Entente, Rußland und Balkanpakt-Partner für den französischen Antrag Im HaupiauSschuss der Konferenz sollen alle drei Kam Missionen gleichzeitig tagen und das Präsidium lvird auch an die Koordinierung der Ergebnisse der Arbeit Herangehen. Der Hauptausschuss überlässt dem P r ä s i d i u m die Möglichkeit, dienotwen« digenMassnahmenzu treffen, damit zu dem Zeitpunkt, da der HaupiauSschuss wieder einbcrufen werden wird, der Entwurf deö SchluhabkommenS bereits vollkommen f e r t i g ist. Der Vorsitzende der Konferenz lvird die Regierungen um Bekanntgabe ihrer Stellungnahme zu dem russischen Vorschlag auf Aenderung der Genfer Konferenz in eine st ä n d i g e Friedenskonferenz ersuchen. Diese Resolution hat die volle Zustimmung der Staaten der K l e i n e n E n t c n t e, des Balkanpaktes und Russlands. Ueber drei Milliarden für französische Befestigungsarbeiten! Paris, 6. Juni. Der Wehrausschuh der Kammer nahm heute den Bericht des Kriegsministers Marschall P sentlichste gesagt worden. Vom Standpunkte des Mitbestimmungsrcchts der deutschen Versicherten wäre fchlicsslich dazu auch noch einiges hinzuzufügen. Für heute begnügen wir unö mit der rein Bette L Donner-W«, 7. Jnni 1934 «e. 181 I Jetzt erst recht Sozialpolitik! Genosse Macoun Uber die Pensionsversicherungsnovelle politischen Fragestellung, ob der Herr Abgeordnete Dnbickv einen Grnnd bat, selbst eine» Herrn Kramak in nationalem Radikalismus jn übertrumpfen»ad ob die republikanische Partei im staatlichen Interesse bandelt, Mena sie sich für solche Extempore- einspannen läßt. Zur rechten Zeit ist anläßlich einer Vorsprache der Vertreter der deutschen Regierungsparteien beim Minister- Präsidenten Malypetr daran erinnert worden, was anläßlich der Schaffung dcü geinischtnatio- nalcn Bürgerblokks vereinbart wurde. Kramak stimmte dainals ausdrücklich einem Pakte zu, in deni es hieß: WaL die Deutschen haben, sollen sie behalten. Diese Formel bezog sich in erster Linie aus die Reste autonomer Einrichtungen, die ini alten Oesterreich unter dem Drucke der tschechischen Politik geschaffen wurden, also auf die nationale Sektionierung der Landesschulräte, der Üandcskulturräte und selbswerständlich auch der Pensionsanstalt. Herr Kramak wagte eS in der Biirgcrkoalition nicht, dieses Wort zu verleug- nen und so sind trotz der zentralistischen Pläne! dcL damaligen Fürsorgcministers Sramek die deutschen LandcSstcllen in verringertem Umfange erhalten geblieben. Es gehört zum Bilde, wenn| nun die Nationaldemokratcn als OppositionSpar- tci ihrer eigenen Vergangenheit ins Gesicht schlagen. Sie haben kein Prestige mehr zu verlieren. Wenn aber der sozialpolitische Sprecher der grüß- ten Regierungspartei, anstatt solche taktische Par- tcimanävcr mit einer souveränen Hondbcwegung abzutun, sie zu seiner eigenen Sache macht und Kramak zu überlizitieren trachtet, dann entsteht eine unhaltbare Situation. Koalitionsdisziplin kann keine einseitige Verpflichtung sein. Nehmen sich tschechische Regie- rungsparteien das Recht heraus, nationale Streitfragen oufzurollen, dann muß dieses Recht auch für die deutschen Regierungsparteien gel- ten. Der Herr Dubicky scheint keine Ahnung zu haben, welche Spannringen heute im deutschen Lager bestehen und wie leicht sie ausgelöst wer- den können. Er scheint sich nicht darunt zu küm- mern, ob die heutige atißenpolitischo Lage der Republik die Bildung nationaler Kampffronten verträgt. Die verantwortlichen Männer dieses Staates sollten aber ernsthaft darüber nachden- ken, was dabei herauskommen muß, wenn die bisher gemäßigten Parteien auf einmal in einen nationalistischen Wettlauf mit den vcraniwor- tungSloscn Chauvins im tschechischen und deut- lchen Lager eintretett. Per Dublcky-Zwlschenfall Prag, S. Juni. Die Verhandlungen inner, halb der Koalition über die Liquidienmg des Dubicky,Zwischenfalles konnten auch heute noch nicht zu Ende geführt werden. Am Vormittag sand die von uns schon angekündigte Borsprache beim Ministerpräsidenten statt, an der von unserer Partei die Genossen Taub und Macoun, von den Landbündlcrn Z i e r h u t und Platzer teilnahmen. Nach dieser Aussprache traten die politi, scheu Minister erneut zu einer Beratung zusam- men, in der der Entwurf einer KoalitionSresolu» tion, die für beide Seiten annehmbar sein soll, sertiggestellt wurde. Die Verhandlungen über diese Resolution wurden heute jedoch noch nicht zum Abschluß gebracht, sondern gehen morgen vor der Hauösitzung noch weiter. Prag, 6. Juni. Jn seiner gestrigen Rede zur PcilsionSversicherungSnovelle stellte Genosse Macoun fest, daß eS nunmehr seit den, 28jährigen Bestände deSPensionSversicherungSge- s e tz e S bereit- zur vierten Novellierung kommt. Auch die heute vorliegende Novelle ist wieder das Ergebnis einer langen Arbeit der Organisationen, der Fachmänner und der Regierungsvertreter. Die Regierung und die Parlamentsausschüsse bringen dieöinal— das sei im Gegensatz zum Jahre 1829 festgestellt— das Elaborat der Fach» kommission fast ohne nachteilige A e n d c r u n g e n. Diesbezüglich kann die Vorlage in unserer sozialpolitischen Gesetzgebung der Gegenwart als ein Lichtblick gewertet werden. Mit der Einführung der Tezialrente ist eine beachtliche Kriseamatznabme getroffen worden. Tie Arbeitslosigkeit ist bei den Brivat- angestelltra in den letzten drei Jahren relativ sehr stark— ja stärker alS bei den Arbeitern— gestiegen; die Wiedereinrrihnng in den Produktionsprozeß ist für dm Prwotangestelltm noch aussichtsloser als für dm Angrstelltm. Der arbeitslose Angestellte im Alter von 50 Jahren muß mit dauernder Arbeitslosigkeit rechne«, bestenfalls mit der Umstellung in ein« Arbeiterberuf. Jn der Vorlage sind wichtige Forderungen der versicherten Angestellten, die von den freien Gewerk, schäften erhoben wurdm, erfüllt. Danebm haben wir allerdings eine in materieller Hinsicht ungünstigere Bestimmung zu verzeichnen, die Abschaffung der unbedingten Altersrente(mit 65 Jahren l und ihre Umwandlung in eine bedingte. Diese Einschränkung findet im Mofivenbericht eine durchaus nicht abzulehnende Begründung. Auch von unserem Standpunkt muß cs wohl alt richtig erkannt werden, in der Zeit der Krise.die Arbeitsplätze auf möglichst viele Arbeitslose zu verteilen. Was die unbedingte Altersrente sozusagen in Bernis gebracht hat, ist die Tatsache, daß sie von vielen Arbeitgebern dazu auSgrnützt wurde, um noch im Dienste stehende Angestellte im Gehalt zu kürzen. Eine weitere Besfimmung betrifft die Aufhebung der AnerkennungSgebühr, mit der ein früher Versicherter seine Anlvartschast lange aufrecht erhalten konnte. Hoffentlich wird diese Aufhebung ihren Ausgleich in der wesentlichm V er- be s s er nng-der Schutzfrist finden, wie sie in der Novelle vorgesehen ist. Im 8 176 ist hinsichtlich des StaatSbcitrageS eine wichtige Klarstellung erfolgt: der Begriff der Kriegsdienstleistung wird jetzt klar umschrieben und außerdem wird noch ein MindeststaatSbeitrag von 210 Kc eingesührt. Höchst notwendig wäre cs noch, das sogenannte 11 e b e r- weisungSgcsetz so durchzuführen, das; einem versicherten Angestelltm, der in einen Arbeiterberus übertritt, die in der PensionSversichcrung verbrachte Zeit materiell tatsächlich erhalten bleibt. Es muß gerechtcrweise anerkannt werden, daß diese Ausgestaltung der PensionSversichcrung vom Gesichtspunkt einer sozialen Gesetzgebung als beispielgebend bezeichnet werden nmß, wenn mau I noch die Nebenleistungen der Pcnsionüversicherung j in Betracht zieht, wie die fakultative Arbeitslosenunterstützung und die fakultative Heilfvrsorge. Hat doch erstere in den Jahren 1930 bis 1938 48.5 und letztere in den Jahren 1981/82 rund 20 Millionen erfordert. Im Anschluß an dm bereit» gestern von unü wiedergcgebenen Appell, die deutsch«« Amtsstellen unangetastet zu lassen, betonte Genosse Macoun, daß man auch sonst das Recht der Versicherten auf Selbstverwaltung nicht noch mehr einschränken soll, als eS heute schon seitens de» Staate» geschehen ist. Die staatliche Demokrafie erfordert die Selbstver« waltnng in allen sozialen Institutionen, wenn diese ihrm Lebenszweck erfüllen sollen I Genosse Macoun kam damt zum Schluß auch noch auf die bevorstehende Novellierung der Sozialversicherung der Arbeite r zu sprech« und erklärte, daß die Mindestfor- dernng eine Verbesserung der Renten der Invalidität»- und Altersversicherung fein muß. Dir Absicht« nach Berschlechterung de» Entwürfe» der Ministerial- kommission dürfen nicht verwirklicht werd«. Das Anwachsen der Betriebe, die Rationalisierung, die den Arbeitern und Angestellten noch keinen einzigen Vorteil gebracht hat, rechtfertigt die Forderung nach einer Reform der veralteten Unfallversicherung, vor allem nach Einbeziehung aller Arbeiter und Angestellten, insbesondere der landwirtschaftlichen Arbeiter, und nach Erhöhung und Sicherung der Renten; auch die Reform der Bergarbeiterversichenmg ist überaus dringlich. Nicht nur dir PmsionSvrrsicherung, sondern die gesamte Sozialversicherung bat in der Krisenzrit erhöhte Bedeutung. Sie kann ein wirksame» Mittel zur Linderung und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit seinl(Beifall.) Zu den Berhandlungen über die Novellierung der Sozialversicherung teilen die„Lid. Nov." mit, daß man für diese Woche mit einer Einigung innerhalb der Regierung rechnen könne. Die Pari», 6. Juni.„New Dort Herald" berichtet aus Washington über die erste Sitzung der Unters uchungSkommission deS amerikanischen Repräsentantenhauses über die Hitlerpropaganda, welche von den diplomatischen und Konsularbehörden Deutschlands in den Bereinigten Staaten betrieben wird. P a st o r Francis Groß, ein amerikanischer Priester ungarischer Abstammung, der Berfafler der Broschüre„Gerechtigkeit für Ungarn, Deutschland und Oesterreich", erklärte in seiner Zeugenaussage, daß ihm der deutsche Botschafter in Washington Dr. Luther die Finanzierung seines Buche- zugesichert und daß ihm der d e u t s ch c Die siegreiche Labour-Partei London, 6. Juni.(Reuter.) Bei den Teilivahl« in M c r t h y r> T y d v i l in Wale» erhielt der labonristischc Kandidat Davies 18.64k Stimmen, der libemlr Kandidat Evans 10.376, der Kandidat der unabhängigen Labon- ristrn Campbell Stephen 3.508 Stimmen und der Kommunist Hannington 3.409 Stimmen. Gegenüber den letzten Wahlen ist die Situation unverändert. Agrarier hätten eingesehen, daß die Suspendierung der Versicherung für die Landwirtschaft auf zwei Jahre ihre landwirtschaftlichen Angestelltenorganisationen bedrohen und so die von ihnen angestrebte Novellierung für sie politisch sehr unangenehme Folgen nach sich ziehen könnte. Ihre Bemühungen gehen nunmehr in der Richtung, daß der ZentralfozialvcrsichcrungSanstalt der Ausfall, der aus der Herabsetzung der Beiträge für die landloirtschastlichen Angestellten resultieren würde, durch einen Beitrag in einer bestimmten Form au» der Staatskasse erseht werde. Darüber habe gestern der Ministerpräsident mit den Vertretern der Zen- iralsozialversicherungSanstalt verhandelt; in den kommenden Tagen lverdcn die politischen Minister darüber verhandeln. Amorfisicrung von Urkund«. Die Regierung hat dem Senat einen Gesetzentwurf über die Ungültigkeitserklärung von in Verlust geratenen Urkunden vorgelegt, der vom Unifizierungsministerium auSgcarbcüct lourde. Sachlich ist hiefür im allgemeinen das Bezirksgericht des Ausstellungsortes zuständig, sonst jenes des Wohnortes des Antragsstellers. Jn Uebereinsfimmung mit dem slowakischen Recht werden.Kupons vom AmortisierungSvcrfahren ausgeschlossen. Auch sonst wird das bisherige Verfahren bei der Amortisierung von verlorenen Urkunden in einer ganzen Reihe von Bestimmungen abgeändert. Die böhmische Lande-Vertretung setzte gestern ihre Session mit der Beratung des Rechnungsabschlusses für das Jahr 1932 und der geplanten Landesanleihe fort. Die Sommerfession wird heule fortgesetzt und beendet werden. Generalkonsulin New Fori Otto Kicp dar Geld auSgefolgt habe. Konsul Kiep erklärte Groß gegenüber bei seinem ersten Besuche. Deutschland zahle offiziell nichts für die Propaganda, er möge aber an einem anderen Tage wie- derlommen, er tverde inzwischen mit einem Freunds welcher die Sache finanzieren könnte, lonferieren. Einen Tag darauf überreichte er Groß 800 Dollar, die angeblich der Freund zu diesem Zwecke hergegeben halte. Der Vertreter eines publizistischen Büros. Karl Dicket), erklärte Generalkonsul Kiep habe ihm 4000 D o l l a r gegeben für die Verbreitung von Nachrichten, welche eine günstige Stimmung für Hitler-Deutschland schaffen. Unverschämte Hitlerpropaganda in USA durch Botschaften und Konsulate Deutschlands 80 Unsere Tächter., die Maxinen> Roman von Herannla Zar Mlhlen Allmählich lerne ich die Namen aller unserer Führer. E» fiel mir anfangs schwer, weil diese Menschen in ihrer echt deutschen Bescheidenheit sich früher nie hervorgetan haben. Nicht wie die andern. Ein Einstein, ein Bruno Walters ließ seinen Namen durch die ganze Welt trompeten. aber wer wußte etwas vom Kubc, Frick, Wagner, Ley, ja sogar unser bester deutscher Dichter Johst wurde lange Zeit systematisch unterdrückt, und seine wundervollen Stücke errangen nicht den ihnen gebührenden Erfolg. Jetzt jedoch, da bei uns endlich reiner Tisck> gemacht wird, werden auf wissenschaftlichem Gebiet, in der.Kunst, beim Theater, beim Film, die echten Deutschen zu ihrem Recht gelangen. Aber auch hier sieht man die Hinterlist und Heimtücke der Feinde. Die Theater sind leer, die Kinobesitzer machen sorgenvolle Gesichter; das Urgermanische wird überall sabotiert. Al» ob eS nicht ganz gleichgültig wäre, was für ein Theaterstück man ansieht. Und auch was für ein Buch man liest. Sogar mir, die ich doch wirklich eine gute Deutsche bin, ist es mehr als einmal vorgekommen, daß ich über Rudolf Bindingö Büchern einschlief. Trotzdem kaufe ich sie, weil man die Träger unserer Bewegung unterstützen muh. Außerdem muß man ja auch seinen Bücherschrank füllen, und mein neuer ist so groß, daß die Klassiker allein nicht genügen. Ich werde ja froh sein, wenn die Bücher der Gegner verbrannt werden; dann kann einem nicht passieren, daß man gutes Geld sür schlechte Bücher «-gibt; es soll ja auch eine schwarze Liste zu» sammengestellt werden, und wenn man sich an die hält, kann man nicht irregchen. Al» ich mst Lieselotte davon sprach, meinte sic lachend: „Ein neuer Jndrxl" Ich war ganz empört, denn wie kommt die katholische Kirche dazu, einem Menschen vorzuschreiben, was er lesen darf und waö nicht? Diese Einmischung in private Angelegenheiten. Ich bekam einen ganz roten Kopf bei dem Gedanken. Und daß meine Tochter so etwas ausspricht l Ich weiß gar nicht, wie sie zu solchen Ideen kommt. ES ist natürlich nur Widerspruchsgeist bei ihr, und ich tröste mich damit, daß Eberhard ihr ihn schon austreiben wird. Armer Eberhard, er wird es schwerer haben, al» mein Arthur, dessen Ueber» legewheit ich immer anerkannt habe. Und mit Recht: wie gut hat er uns geführt und geleitet, wie weit haben wir eS gebracht. Ich bin jetzt wirklich die angesehenste Frau in unserer Stadt. Das heißt, ich war eS, tvic mir dies neulich eine Bekannte erklärt hat, immer schon. „Wir haben Sie stets bewundert, liebe Frau Doktor," sagte sie zu mir.«Aber Sie waren so vornehm, so zurückgezogen, so ganz auf Mann und Kind eingestellt, daß wir es gar nicht wagten, uns um Ihre Freundschaft zu bemühen." Ich war ein wenig erstaunt, hatte mir doch mein Friseur erzählt, daß die Frau Notar immer über mich schimpfte. Aber anscheinend wollte er nur Zwietracht zwischen uns säen. Und selbst wenn es wahr gewesen wäre, so dürste ich nicht jetzt, in diesen großen Zeiten, kleinliche Rachsucht an den Tag legen. Selbswerständlich behandelte ich die Frau Notar etwas zurückhaltend; man kann ja auch nicht mit allen Leuten Freundschaft schließen, aber, gutmütig wie ich nun einmal bin, lud ich sie dennoch zu Lieselottes Hochzeit ein. Sie soll nur zerspringen, die dumme Gans mit ihren fünf Töchtern, wenn sie meine Lieselotte vor dem Altar sieht, meine Lieselotte, die bald Baronin HellSdorf sein wird. Die fünf häßlichen Töchter der Frau Notar werden keine so gute Partie machen. Aber wie kann man auch, wenn man kein großes Vermögen hat, fünf Töchter in die Welt setzen? Das ist ein Verbrechen. AIS Lieselotte geboren wurde, sagten Arthur und ich: „Aber jetzt Schluß. Für mehr reicht eS nicht." Man ist ja doch kein Kaninchen, daß man jedes Jahr Junge werfen soll. Und eS ist mir auch nicht besonders schwer gefallen, denn Arthur ist ein viel zu geistiger Mensch, al» daß er an rein sinnlichen Dingen Freude gehabt hätte. Heute begreife ich diese erhabene Auffassung von der Ehe, als junge Frau jedoch.., Aber das liegt ja alles so weit zurück. Also, waS ich sagen wollte, ich werde jetzt umworben und gefeiert, als ob ich Gott weiß wer wäre. Das heißt, ich bin ja auch wirklich jemand, ich war von jeher für diese hohe Stellung geboren. Man muß nur Geduld haben, dann wirft einem der liebe Gott das ersehnte Gsitck in den Schoß. Wer könnte mir auch meine Stellung strettig machen? Die Gräfin Agnes, die nur bei den gemeinen Leuten beliebt ist. Die hat sich durch ihr ganzes Verhalten selbst ausgeschaltet. Und die Frauen der jüdischen Rechtsanwälte, die früher immer so großartig taten, sind jetzt ganz klein und ängstlich geworden. Und die Frau deö WarenhauSbesitzerü hat sich mit ihren Kindern nach Paris verzogen. Natürlich nach Paris, zu den Feinden. Wenn ich mich erinnere, daß sie einmal einen Tee gegeben hat, zu dem ich nicht eingeladen wurde, so brauche ich mich über sie nicht zu wundern. Nicht, daß ich gerne bet einer Jüdin verkehrt hätte, aber als Acrztesrau mußte man gewisse Rücksichten nehmen, und ihr Mann, einer der wenigen reichen Patienten meines Arthurs, war immer kränklich. Wie sich der wohl in Schutzhaft fühlt? Ich Iveiß nicht, seit dem alles so herrlich gekommen ist, erscheint mir die Stadt gar nicht mehr so klein. Und auch der See gefällt mir, jetzt. da Eberhard uns mit seinem Motorboot daraus herumfährt. Mein schönes Vaterland, mein teueres Deutschland, du bist das einzige Land, wo das wahre Verdienst belohnt wird und wo. wie cs so schön in der Bibel heißt:„Ec stoßet die Gelvaltigen vom Stuhl und erhebet die Elenden." Mein Gott, wie danke ich dir für deine Gnade, dir und deinem auScrwähltcu Werkzeug, unserem Führer Adolf Hitler, dem deutschesten aller Deutschen. Amen. Gräfin Agnes schreibt in ihr Tagebuch Die Menschen behaupten, eS sei Frühling geworden. Tatsächlich blühen an den geschützten Stellen im Garten bereits die Bäume und Sträucher, aber mir scheint eS, als hätten die- Blüten ihren Duft verloren, als würde die Maisonne von einem schwarzen Schleier verhüllt und mein geliebter See läge tot und grau zwischen den furchtbaren Ufem, auf denen sich Tag um Tag so entsetzliche Dinge ereignen. Das Dritte Reich, über das wir stets halb mit Verachtung, halb mit lächelndem Spott gesprochen haben, ist angebrochen: ein Reich des Bösen und der Finsternis, ein Reich, das nur ein Dante zu schildern vermöchte; meine schwache Feder ist dazu nicht imstande. Und eS ginge anä) sonst über meine, Kraft: sehe ich doch hinter jedem Wort daS schauerliche Bild der gefolterten Menschen, der zerstörten Existenzen, der unbarmherzigen Roheit und Gemeinheit unserer neuen Herren. ES ist ja seltsam, wie wir allen Zensurmaß» regeln zum Trotz dennoch so viel erfahren. Uuter dem Leichentuch der Angst hervor, das schwer aus unS allen liegt, flattern dennoch Worte auf, dringen in die Häuser, in die Seelen, erschüttern sic zutiefst und erwecken ein heiliges Feuer des Zornes, das nicht erlöschen darf, bis zu jenem Tage, da dieses unselige Land von allem Uebel befreit sein wird. Fritz neckte mich neulich, als ich daS aussprach: (Fortsetzung folgt.) «t. 181 Dmmersta» 7. 3«ni 1VS4 Sette 3 Wie es in Oberösterreich zugeht verrat ein Aufruf des Linzer* Sicherheitsdirektors Linz, ü. Juni. Der Sicherheitsdirektor für Olierösterrrich erläßt einen Aufruf an die Bevölkerung Oberöstvrrrichs, in welchem er dir Bevölkerung z u r R» h e e r in a h n t und aufruft, di« Exekutive in dem schweren Kampfe gegendie Terrvristen tatkräftig zu I mtterstützcn. ES verfängt nicht mehr, solche Anschläge, wir sie in der leisten Zeit verübt wurden, auf Kommunisten abzuschieben. Jenen, die noch immer nicht glauben wollen, wir weit in der nationalsozialistischen Seme• gung die Rationalität zur B r st i a l i t ä t entartet ist, köimtc mit Belegen neuesten Datums aufgewartrt werden, die in dir Hände der Behörde gefallen sind. Die Regierung werde sich durch kein Schreckmittel auch nur um Haaresbreite von ihrem als richtig erkannten Weg abbringen kaffen und terroristischen Methoden mit entsprechend verschärfter Abwehr zu begegnen wissen. Sie ist für alle möglichen Fälle vollkommen ausgerüstet. Jede lknruhestiftnng tuerde kon- sequcnt mit Gegenmaßnahmen beantwortet. Mord und„Sühne” in Hitlerdeutschland In Chemnitz ist ein für die Justiz des Dritten Reiches außerordentlich charakteristischer Prozeß zu Ende gegangen. Am 2. Oktober 1832 wurde in der Nähe von Linz in Oesterreich die Leiche eines Ermordeten entdeckt. Man stellte fest, daß cS sich um einen Bulgaren namens Dimitrow handelte, der Direktor einer Export- und Import-Gesellschaft in Sofia gewesen war. Kurze Zeit danach verhaftete die deutsche Polizei einen gewissen Georg Ernst Schirmer aus München, der gestand, das Verbrechen begangen zu haben, lieber die Gründe befragt, erklärte er, daß seine Frau, etwa 20 Jahre früher, während ihres Studiums in Leipzig mit Dimitrow in intimer Verbindung gestanden habe. Um den Mord zu begehen, hatte Schirmer Dimitrow in eine Falle gelockt. Vor Gericht gab Schirmer an, daß er aus politischen und vaterländischen Gründen gehandelt habe; bevor er sein Opfer tötete, habe er ihm vorgcworfcn. daß er deutsche Frauen geschändet habe. Der Präsident dcS Gerichts verlas Proben von Schirmer« dichterischer Produktion, aus denen, erklärte er,„der deutsche heroische Geist spreche". Der Verteidiger plädierte auf Freispruch und berief sich auf die Amnestie vom 31. März 1933, die bei Verbrechen aus nationalpolitischen Gründen angewandt werden muffe. Das Gericht sprach den Angeklagten frei. Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse. Der Mörder des Hamburger kommunistischen BurgerschaftSmitgliedü Hennig, der SA-Mann Jansen, der seinen Mord im Jahre 1932 im vollbesetzten Autobus beging, wurde seinerzeit von Hitler feierlich aus der NSDAP anögestoßen. Pom Gericht wurde er zu 16 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die RegicrungSübernahme durch Hitler brachte ihm die Freiheit. In den letzten Maitagen wurde Jansen zum Führer eines Sturmes der SA-Standarte 163/76 im Stadtteil Ham- bnrg-RotcnburgSort ernannt. Oie Hhlualiläl des Legitimismus in Oesterreidi Ein Dokument lieber die Betriebsamkeit der habsburgischen Hosschranzcn gibt nachstehendes Dokument, welches uns aus Wien übermittelt wurde, einigen Aufschluß: Einladung Die österreichische legitimiftische Arbeit«- semeinschost veranstaltet anläßlich de« Geburt«- tageS Ihrer Majestät Kaiserin u. Königin Zita am DienStag, den 8. Mai 1934, um 8 Nhr abendS im große« Saale der Hotel-Reftauration Wim- berger, Wien, VH„ Neubaugürtel 34—86, eine große voteriandlsdi-letfltimlstlsdie Kundgebung Spreche» werden: Prominente Redner und Führer au« der legitimiftische» vaterlnndStreuen Bewegung. Ueier: „Die Aktualität de« Legitimismus in Oesterreich und die Heimkehr der kaiserlichen Familie". „Da« Banner der Gerechtigkeit". „Das kommende Oesterreich, wie wir e« wollen"! „Die ArbeitSmöglichkeit im kommenden Staat". Oesterreicher, Legitinüften! Erscheinet in Massen! Regirbeitrag erbeten. Arbeitslose freik Daalerösfnung 7 Uhr ab. Beginn 8 Uhr abendS. „Vaterländisch-legitimistisch" ist keine zufällige Phrase, sondern die bloße Unterstreichung der Tatsache, daß sich die bankrotte Hcimtvehrdiktatur durch Wiedereinsetzung der Habsburger retten will. Wo blelM das Asylrecht fUr deutsche Emigranten? Schändliches Vorgehen der Osloer Polizei— Ein neuer Fall„Laren** Tb. Oslo, den 5. Juni 193«. Die Schandtat des Bürgermeisters der holländischen Gemeinde Laren, der im Feber dieses Jahres entgegen den Bestimmungen der holländischen Gesetzgebung, entgegen den Gepflogenheiten dcö internationalen Aststrechts, allen Forderungen humanen Denkens zum Trotz, vier deutsche Antifaseisten gefesselt den Henkern des Dritten Reiches überlieferte, hat in Norwegen eine traurige Nachfolge gefunden. Bor zehn Tagen wurde in dem norwegischen Städtchen A r e n d a l ein deutscher Emigrant, Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschland«(SAP.), verhaftet und nach Oslo überführt. Da sei» Paß am 21. Mai dieses Jahres nn- gültig geworden war, sollte er von dort nach Deutschland auSgewiesen werden. Den Bemühungen der Norwegischen Arbeiterpartei>NAP) gelang cS, nachdem eine Aufhebung des AußweifungSbcschluffeS selbst nicht zu erreichen war, wenigstens van den zuständigen Instanzen der Osloer Fremdenpolizei die bindende Zusage zu erhalten, daß die Ausweisung solange aufgeschobcn würde, bis eö gelungen sei, für den betreffenden Emigranten in einem anderen der skandinavischen LänderAufenthaltSgcnch- migung zu besorgen. Trotz dieser wiederholten festen Zusage wurde der Emigrant, wie das Sekretariat der RAP erst jetzt nachträglich erfährt, am Mittwoch der vergangenen Woche ganz plötzlich und insgeheim auf Transport gestellt, um via Schweden nach Deutschland adgeschvben zu werden. Man hat also ganz bewußt den Ausgang der Bemühungen der NAP nicht abgewartet und hat jetzt, nachher noch den traurigen Mut, die gemeine Maßnahme der Osloer Polizei damit entschuldigen zu wollen, daß nmn seitens der NAP über einen eventuellen Erfolg ihrer Attion nichts gehört habe. Nichtssagender und haltloser kann eine Ausrede schon nicht sein: ihr steht entgegen die erwähnte klare Zusage der Osloer Polizei, die U n m ö g l i ch k e i t. innerhalb weniger Tage einen d c fi n i t i ve n B e s ch c i d über die Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung in einem anderen Lande vorlcgen zu tönncn, und nicht zuletzt die Tatsache, daß ein Telephon- a n r u f der Osloer Polizei genügt hätte, um sich von dem Stand der Angelegenheit bei der NAP zu erkundigen. Die Tat deü Larener Bürgermeisters steht nicht mehr allein da. Der Proteststurm, den sie in der Weltöffentlichkeit hervorrics, hat also nicht genügt, um die Polizeibehörden der einzelnen Länder vor einer Wiederholung einer solch krassen Schändung des politischen Asylrechts zu warnen. Auch dieser Osloer Fall muß erneut dazu benutzt werden, in einer internationalen Kam- pague die dringende Notwendigkeit der sofortigen Schaffung eines international bindenden Nsyl- rechtö für politische Emigranten den zuständigen Staatsstellen vor Augen zu führen. Wo bleiben die Resultate der entsprechenden Kommission dcö Völkerbundes? und j Zivilisation bedeutet nicht Ueberfluß für und Akangel des Norwendigen für die Kommission für die Arbeitslosenversicherung und in die Kommission zur Erhaltung der Pensionen für Ausländer gewählt. e n s. Bei Missionen scheu kommunistischen Führers Thälmann zu unternehmen. In allen großen Städten Frankreichs werden gemeinsame Volksversammlungen und M a» i s e st a t i o n S- Umzüge der beiden Parteien veranstaltet werden. An dem Tage, an welchem dr Prozeß gegen Thälmann beginnen wird, soll vor den Gebäuden der deutschen Vertretungbbehördcn demon- st r i e r 1 werden. In allen Fabrilen werden g e- meinsamcPetitioncn unterfertigt werden. Die sozialistische Partei stellt aber für diese Zusammenarbeit mit den Kommunisten einige ausdrückliche Bedingungen: Sic fordert, daß die kommunistische Partei die Zusammenarbeit nicht ausschließlich zu ihren Gunsten mißbrauche und ihre Kampagne gegen die S o z i a l i st e n einstelle. Französische Sozialisten und Kommunisten zur Rettung Thälmanns Paris, 6. Juni. Der Borstand der soziali- Spanlsche Landarbeiter streiken Madrid, 6. Juni. Entsprechend den: von den Sozialdemokraten gemeinsam mit den Syndi- k a l i st c n verkündeten Generalstreik der Landarbeiter sind trotz der umfassenden Regiernngsmaß- nahmen etiva ein Drittel der Arbeiter in den Streik getreten. Mutige Ereignisse Aus Siidspanicn werden Plünderungen und Brandstiftungen gemeldet. Insbesondere in den Provinzen Jacn und Sevilla ereigneten sich zahlreiche Zwischenfälle. In mehreren Dörfern wurde die Z i v i l g a r d e von den Landarbeitern angegriffen. In drei Gemeinden ftür»iten die Strei kenden dir G u t s h ö f e nnd zündet sie an. Hiebei wnrden drei Gut besitzer erschossen. Auch die Angreifer hatten zwei Tote mehrere Verwundete zu verzeichnen. In der Provinz Sevilla zerstörten die Landarbeiter eine Reihe landwirtschaftlicher Maschinen durch Feuer. Rechtsputsch geplant? Madrid, 6. Juni.(Havas.) Seit gestern abends kursieren in Madrid Hartnäckig Gerüchte über einen beabsichtigten Umsturzversuch der Rechtöelemcnte. Die Heutige Sitzung der Corte« t EHaraktcr. Die _ c Linksparteien Azana, Barrio, Maura der Weg in Zukunft verstellt sei. Redner führte I«"d Sanchez Roman hielten eine gemeinsame Be- i-'imt.ttturttiire*;.-* I rnlitnn nlt. in iir iilwr hin 9lrl hnr den Wahlen in di« Ausschüsse und Kom-, »»n>»>>rn der Internationalen Arbeitskonferenz slischeu Partei, welcher gestern abends znsammen- wurde unter anderen tschechoslowakischen Vertretern trat, beschloß, mit der komnuinistischen Partei Genosse Schäfer für die Arbeitergruppe in di« eine gemeinsame Aktion zur Rettung des deut- (TrtmmKGnn tiir Sii* r fi n i i A T n C a 11 h e r 1 i rfl P. j I• r._..■»Mir*&« r... Schach der Arbeitslosigkeit! Die 40-Stundenwoche auf der Internationalen Arbeitskonferenz Genf, 5. Juni.(Tsch. P.-B.) Die Frage der 40stündigen Arbeitszeit gelangt jetzt in die zkvette Lesung vor der Internationalen Arbeitökonferenz. Die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage hat dieses Problem in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt. Es handelt sich darum, daß die I allgemeine Verkürzung der Arbeitszeit es crmög- !lichen soll, durch Beschäftigung'einer größeren Zahl von Arbeitern znr Verminderung der Ar- beitslogsikeit in der Welt beizutragen. Die Ber- kisxznng der Arbeitszeit soll nicht nur eine interi- imstischc Maßnahme für die Zeit der Wirtschaftskrise darstellen, es handelt sich nach der Konferenz um ein dauerndes Problem des modernen Jndn- strieregimes. Die Entwicklung der Lage im vergangenen Jahre bestätigt die Richtigkeit dieser Ansicht. In vielen Landern ist eine Milderung der Krise ciugctrcte», das Tempo der Einstellung von Industriearbeitern stand jedoch nicht mit dem der Rückkehr zur nornialcn Erzeugung in Einklang. Das Tempo der technischen Vervollkommnung wurde durch die Krise nicht nur nicht aufgehalten, sondern erhöht. Die Schwierigkeiten, denen die Industriellen begegneten, erhöhten bei ihnen den Wunsch, den ErzeugungüpreiS durch alle möglichen Ersparnisse an Arbeitskraft herabzusetzen. DaS Problem der Neuregelung der Arbeitszeit verliert somit nicht an Interesse. Es scheint sagar, daß es immer größere Wichtigkeit bekommen wird. Seit der vorjährigen Konferenz ist diese Frage auch ins Licht praktischer Erfahrungen gerückt. Die Verkürzung der Arbeitszeit auf 40 Wochenstundeu wurde schon in verschiedenen Ländern in Wirksamkeit gesetzt. Bon größter Bedeutung in dieser Hinsicht ist die allgemeine Abkürzung der Arbeitszeit in den Vereinigten Staaten. Der erste AbkommenScnttvurf, über de» die internationale ArbcitSkonserenz zu entscheiden hat, zielt auf eine Abkürzung der Arbeitszeit auf durchschnittlich 40 Wochen- st u n d e n für die Arbeiterschaft, die in der Industrie beschäftigt ist. Der zweite Entlvurf soll die Arbeitszeit auf durchschnittlich 40 Wochenstunden in Handelöunternchmnngen und Büros beschränken. Der Empfehlungsentwurf fordert die Regierungen auf, allegeeigneten Maßnahmen zu treffen, die der A r b c i t e r» schäft die Erhaltung des bisherigen Lebens st andards sichern werden. Eine Kampfrede Jouhaux* Genf, 6. Juni. Die Internationale Arbeitskonferenz begann heute die Debatte über die Verkür zung der Arbeitszeit. Schon heute werden Ansichten darüber ausgesprochen, die die Konferenz über die ses Problem entscheiden wird, und e« heißt, daß man mit der Annahme eines Abkommens über eine mäßigeArbeitSzeitverkürzung in der Industrie rechnen könne. Eine andere Frage ist allerdings, wann dieses Abkommen ratifiziert und in Wirksamkeit gesetzt werden wird. Für die Arbeitgebergruppe sprach der d ä n i« s ch e Delegierte Oer st e d, der sagte, daß au« den Antworten der Regierungen auf den Fragebogen über die Verkürzung der Arbeitszeit hervorgehe, daß gegen diese Maßnahmen ernste Einwände beständen. Anderseits wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit verwirklicht, um Entlassungen der Arbeiterschaft vor zubeugen. In vielen Branchen der Industrie erfolge bereits jetzt die Regelung der Arbeitszeit so, daß ein internationales Abkomnien darüber überflüssig sei. Einige Staaten haben die Verkürzung der Arbeits zeit abgelehnt. Der französische Arbeitervertreter I o u h a u x betonte, daß die Gegner der 4üslündigen Arbeits woche keine neuen Gründe gegen die Ver kürzung der Arbeitszeit vorgebrocht hätten. ES ist klar, daß man die Verteilung der Arbeit ändern müsse, nicht nur, nm der Krise zu begegnen, sondern uin der neuen Situation vorzubaueu, die nach der Krise komme. Die Bereinigte» Staate»!7^'^.."I?,?/;,"?.. sind dabei das b e st e B e i s p i e l. Jouhaux sprach S?.V C. c” cn.- Ctt„,’ c 1 sodann über die Arbeitslosigkeit der Fugen d, der j 0'»hrer der Lnnauari-,-» der Weg in Zukunft verstellt sei. de» statistischen Nachweis, daß der Erzeugungspreis| ratung ab, in der sic über die Art der Abwehr z. B.'in der Metallindustrie um nicht ganze sechs! der voll der Rechten versuchten Gewaltakte Prozent steigen werde, wenn die ArveitSzett verkürzt schlüssig wurden. Die sozialistische Partei trat 1 ebenfalls zusammen und erließ einen Aufruf, in dem sie erklärt, daß sie entschlossen sei, g e w a l t- oE! saINen tl m st u r z v e r s u ch c n mit Schlüsse seiner(krklarung sagte Iouhaur, daß der tttllenMltteln LU oegeg ne n. Sie teilt -"■ die Organisationen der Jugend überall in Bereitschaft st ehe n. werden wird. Tie Arbeitgeber müssen sich in die Entwicklung der Lage hineinfinden. ES handelt sich hier nicht nur um eine wirtschaftliche Frage, sonder»> hauptsächlich um ein soziales Problem. f* Aufschub der Entscheidung über die Verkürzung der mit, daß besonders Arbeitszeit unter deni Vorwand einer weiteren! s o z i a l i st i s ch e n Enquete, wie sie die Arbeitgebergruppe wünsche,«in Begräbnis erster Klasse dieses Abkommens be deuten würde. Wir müssen, so betonte Jouhaux, ein groß eres Maßsozialer Gerechtigkeit erreichen.~ einzelne Massen. MIBslückter Befreiungsversuch Warschau, 6. Juni. Vor deni Bezirksgericht i» SoSnoivice wurde heute der Prozeß gegen IS Mitglieder der koinmunistischen Partei des Dom- browaer JudustrierevicrcS beendet, die unter der Anklage umstürzlerischer Agitation standen. 13 Angeklagte wurden zu K c r k c r st r a f e n im Ausmaße von sieben Monaten bis zu einem Jahr verurteilt. Zwei der Angeklagten tvurden frcigesprochen. Nach der Urteilsverkündung veranstalteten die Verurteilten, als das Tribunal den Gerichtssaal verließ, eine Demonstration, indem sie die Internationale sangen. Beim Abführen der Verurteilten aus dem AerichtSsaale in das Gc» sängniö versuchte eine vordeniGefängniS- g c b ä u d e versammelte größere K o in in u- n i st e n g r u p p e, die Verurteilten aus den Händen der eskortierenden Polizei zu b e s r e i c n. Zwischen den Kommunisten uud der Polizei kam eS zu scharfen Zusaiinncnstößcu. Schließlich gelang eö der Polizei, die kommunistische» Demonstrantin zu zerstreuen und die Verurteilten in daS Gefängnis zu überführen. Mehrere Anführer des Angriffes gegen die Polizei wurden verhaftet. Nationalsozialistische Gewerkschaftsführer Die nationalsozialistische Zeitung»Ter deutsche Landarbeiter" muß bekannt geben, daß drei Angestellte der Kreisleitung Koblenz der RcichSbetriebsgruppe Landwirtschaft, das ist die frühere gewerkschaftliche Organisation der Landarbeiter, lvegeu Unregelmäßigkeiten gerichtlich abgeurteilt werden mußten. Ztvei der Angestellten erhielten je ein Jahr drei Monate Zuchthaus, der dritte ein Jahr Zuchthaus. Diese Unregelmäßigkeiten, über die nichts näheres mitgeteilt wird, müssen demnach recht umfangreich sein. Solchen ! Männern haben die Nationalsozialisten die freien Gewerkschaften ausgeliefert. Während solche llnregelmäßigkeiten nationalsozialistischer Gewerkschaftsführer durchaus keine Einzelfälle sind, haben die Hakenkrcuzler noch keinen Beweis für ihre Verleumdungen gegen die früheren sozialdemokratischen Angestellte» der freien Gewerkschaften beibringen können. Obwohl sie diese Berlcnmdungcn fortsetzen, haben sic bis jetzt nur in einem Falle frühere Berbandsfunk- tionäre unter Anklage gestellt. Das geschah in Nürnberg mit einigeii Angestellte» des Deutsche» Lederarbeiter-Verbandes. Bor Gericht brachen die Verleumdungen zusammen und die Angeklagten mußten freigcsprochen werden. Das unruhige Havanna. Die Mitglieder der a m c r i k a n i s ch c n B o t s ch a f t in Havanna, gegen die vor kurzer Zeit lvährend antiamerikanischen Demonstrationen ein Attentat verübt wurde, wurden durch eine Schießerei auö unmittelbarer Nähe des Botschaftsgebäudes überrascht. Die Polizei eilte sofort aus allen Rich« | tnngen herbei und beschoß einen flüchtende» Mann, i der schließlich, wie die Zeitungen melden, von j einem Dctiktiv verhaftet wurde, lieber den Zwischenfall wurde ein Polizeibericht auSgegeben. in i dem es heißt, daß der verhaftete Mann nicht die j Botschaft»»greifen wollte, sondern auf der l Flucht nach dem Attentat auf den spanischen j Chauffeur vor der spanischen Botschaft in Ha« j vanna geschossen habe. Donnerstag, 7. Au in 1034 Nr. 131 «eite 4 ihn inü Nran- I zu ce-i, -er Lag des 17. Sani der Verbrecher Mund ge». Aus Buggingen wird des gestrigen Vormittags in der Grube befindlichen Leichen geborgen werde». I I Tic sind Nor auS ge- der als eine einem nahen Walde erhängt aufgefundcn. Er stand im Verdacht, in letzter Zeit wiederholt klci- ncre Einbrüche und Diebstähle begangen zu haben. Zweifellos hat er sein c i g e n c S H a u s in B r a n d g e s e tz t. Man vermutet, daß er an der eigenen Familie zum Mörder wurde. Wassermangel cr- TaS Feuer wurde erst icht behinderte, retten, Kurz Kinder Noch ein mörderischer Familienvater Prvßnitz, 0: Juni. Der 28jährigc Maurer Josef S v a£ i it a aus Lvorovicc lebte mit seiner Frau und seinem 3'/s-jährigen Söhnchen in unerfreulichen Verhältnissen. Ter dieser Tage stattgefundene Scheidungsprozeß ging nicht nach seinem Wunsche auS. Das fi'chrte Svakina auf den Gedanken, sich seiner Familie zu entledigen. Heute nach 17 Uhr erschoß er in seiner Wohnung seine Gattin und seinen Sohn und brachte sich dann selbst eine Schußwunde bei, die aber nicht tödlich war. Ei» korrupter Eise»bah«-Vverrat Jglau, 6. Juni. Die Jglaucr Polizei verhaftete heute nach ziveitägiger Untersuchung den tesmischcn Lberrat und Vorstand« der Bahnerhal- tungoscltion iil Jglau, den üljährigen Ingenieur Adalbert Safränek und lieferte ihn in die Hast des Krcisgerichtes ein. Gegen Safränek war die Strafanzeige wegen des Verdachtes des Verbrechens des M i f; b r a n ch e s d e r Amtsgewalt und tvegen passiver B c st e ch u n g erstattet tvorden. Durch die Untersuchung lvurde festgestellt, das; sich Obcrrat Safränek der erwähnten Straftaten dadurch schuldig machte, daß er bei dem Verkauf von Altmaterial, wie Schienen usw. den Parteien höhere Be träge verrechnete, als er in den Büchern eintrug und die Differenz für sich behielt. Der Unlfang dieser Malversationen konnte bisher nicht fcstgestellt werden, da die Untersuchnng die Einvernahme von etwa 230 Personen erheischt. Der Fall steht mit der sogenannten Schwellenaffäre nicht im Zusammenhang. Drakonische Strafe« i« Sowjet» rutzland Moskau, 6. Juni. Wie amtlich aus Kiew gemeldet wird, lvurde am Dienstag das Urteil in dem Prozeß gegen die betrügerischen B c a m t c n gefällt. ES wurden verurteilt: Sechs Angeklagte zum Tode durch Erschießen, acht Angeklagte zu je zehn Jahren, drei zu je fünf Jahren, drei zu je drei Jahren und einer zu zwei Jahren Gefängnis. Neun Angeklagte erhielten je ein Jahr Zwangsarbeit. Vom Rundfunk Lmpfehleaswerte» au» den Programmen» Donnerstag. Prag: Sender L.: 10.10 Schallplatte». 11.05 Konzert de» Salonorchesters. 17.20 Konzert russischer Lieder. 17.55 Deutsche Sendung: Jugendstunde mit Musik. 18.20 Landwirtschaftliche Sendung. 18.55 Deutsche Nachrichten. 20.05 Chansons. 22.00 Orchesterkonzert. 22.15 Tanzmusik auf Schallplatten. — Sender St.: 14.80 Marschlieder. 14.45 Junge Menschen betrachten die Welt. 15.10 Deutsche Sendung: Wolf: Reform der Finanzverwaltung. 15.80 Szenen auS der Over„Arabella" von N. Strauß. 15.45 Deutsche Nachrichten.— Brünn: 14.05 Deutscher Arbeitsmarkt. 17.10 Jugendsendung. 18.55 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Dr. Zweig: Körper, Hirn und Herz. 18.45 Jugendstunde.— Mähr.-Ostrau: 18.20 Deutsche Sendung: Spnnda: Im Lande des heiligen Franziskus.— Prcßburg: 16.00 Orchesterkonzert. 10.10 Liederkonzert. Freitag. Prag: Sender L.: 10.05 Deutsche Nachrichten. 10.80 Schulfunk. 11.00 Schallplatten. 18.10 Arbeitersendung: Silaba: Auülandund Olympiade. 18.20 Deutsche Sendung: Dr. Scola: Ziele und Wege der Berufsberatung. 18.45 DeutscheArbeitersendung. 18.55 Deutsche Nachrichten.— Sender St.: 14.80 Volkslieder. 15.10 Deutsche Sendung: Viertelstunde der Hausfrau. 18.40 Tanzmusik auf Schallplatten.— Brünn: 16.00 Orchesterkonzert. 18.20 Deutsche Sendung: Die Beichte, Hörspiel.— Prestburg: 18.20 Klavierkonzert. Offene Bahnschranken— zwei tote Jungen N r i ch r n b e r g, 0. Juni. Gestern abend gegen 7 Uhr fuhren zwei Knaben aus Rosenthal bei Rrichrnberg mit einem klainrn Handwagen auf einem abschüssigen Feldwege bei einem Wächterhans in Althabrndorf in de» von Reichenberg nach Zittnn fahrenden Zug der deutschen Reichsbahn. Sie wurden von der Lokomotive ersaht, mitgeschleift und zur Seite geschlendert. Beide waren sofort tot. Die beiden Knaben sind der 1.'»jährige'Richard Müller und der 13jährige Robert Hendrich. Die Bahn» schranken waren sür diesen Zug»i ch t h e r- abgrlassrn»vorden. Ter D t r e ck e n>v ä ch- t e r Adolf Keil wurde sofort verhaftet und dem Reichenberger Kreisgrrichte ringrliesrrt. Das Unglück hätte nicht entstehen können, wenn die Schranken geschloffen gewesen wären. düng verboten worden. Ta die Besetzung der Rosten, die auf Geheiß der Behörden mehrfach geändert worden war, keinen Anlaß zum Einschreiten bieten konnte, nimmt man an, daß die.Writil am Justizirrtum, die in dem Stück geübt wird, der Grund zum Verbot war. Aus Be- etzungsgründcn(iveil zwei Hauptdarsteller j ü d t- scher Herkunft sind! hat die Berliner Film- z e n s u r den Wiener Film„Frühlings- st i in in e n"(der vor kurzem in Prag lief) abgelehnt— und den von der Prager AB-Gcsell- chast hergestellten französischen Film„W o l g a in Flamme n" hat sie für Deutschland tvegen angeblicher„bolschewistischer Tendenzen" verboten. Zwei Kinder vom Zuge überfahren. In Ro- enthal bei Reichenberg hatte ein Bahnlvächter vergeßen die Bahnschranken herunterzulassen. Der heranbrausendc Zug überfuhr zwei Kinder, lvelchc gerade das Bahngeleisc überschritten. Der Bahnwächter wurde in Haft genommen. Alle„geborgen". gemeldet: Im Laufe konnten säintliche noch 81 Verunglückten als Damit sind sämtliche 86 Todesopfer der Katastrophe von» 17. Mai geborgen. Zeit der Panzerplatten. AuS CoateS- Ville(Pennst)lvanien) wird gemeldet: Die seit Frühjahr 1032 geschloffene Panzerplattenfabril der LukcuL Steel Company hat den Betrieb tvicdcr ausgenommen und daS frühere ArbcitSpcrsonal um 130 Mann verstärkt. Drei weitere Panzerplatten- locrkc und zehn Hochöfen der gleichen Gesellschaft sind bereits seit einiger Zeit voll beschäftigt. Leiche am Volant. In der Nähe dec Stadtgrenze von Bamberg lvurde der Personen- kraftlvagen deS Fabrikanten Rom m e l aus Hirschaid brennend aufgefundcn. Der Besitzer, der den Wagen lenkte, kam dabei u m S L e b e n. Nach dem Erlöschen deS Brandes sah man ihn in normaler Haltung total verbrannt am Steuer sitzen. Nach den ciaenartigcn l'mstäudeu zn schließen, hat man es hier mit einem Verbrechen tun. Räuber versuche» werde, über dir Dächer zu entkommen, wurde auch die Fr u r r w e h r n l a r m i r r t, die mit zwei Motorleitern angefahren kam und mit deren Hilfe Polizisten auf den Dächern plaeirrt wurden. Bei der Durchsuchung deS Hanfes wurde schließlich der Mann im zweiten Stock auf dem Gang in einem Klosett entdeckt. Da er sich nicht ergeben wollte, warf rin Polizist durch daS Klosettsen- ster eine Tränengas bombe. Unmittelbar darauf ertönte ein Schuß: batte sich s e l b st in den schossen. Die Retlungöstation brachte kenhauS, wo seine Verletzungen als sehr schwer, wenn nicht tödlich, bezeichnet wurden. Die Identität des Räubers, eines großen, starken Menschen, ist bisher noch nicht sichergcstellt. Das geraubte Geld warserwährcndder Fluchtweg; es ist bereits in den Händen der Polizei. Ter Verbrecher lvurde als der 23jährige Georg A l b r e ch t, geboren in Opatowch bei Pardubitz, zuständig nach NeichauS, zuletzt wohnhaft in Prag, festgestellt. Ilm 4 llhr nachmittags st a r b Albrecht gleichzeitig mit seinem Opfer, dem 27jährigen Fensterputzer S l e i ch er, der auf derselben Klinik unter- gcbracht worden war. i* Zwischen dem Räuber und dein Polizisten entstand ein Kampf. Als der Polizeiinspektor sah, daß Pctresevik sich nicht freiwillig ergeben wolle, benützte er während des Kampfes die Schußlvaffe und Verlvundete Petresevii in der Seite. Erst dann gelang es ihm, dem Räuber den scharfgeladenen Browning, mit dem ihn Petre- sevik bedroht hatte, abzunchincn. Petrcscvik wurde von der Rettungsstation ins Krankenhaus überführt. Außer einem scharfgeladenen Revolver mit sieben Patronen wurden bei ihm bei der Leibesvisitation 20 R c v o l v c r g e sch o s s c, weiter ein falscher Reisepaß, Nächt' ch lü ss e I und ein größerer Geldbetrag in tschechoslowakischem, österreichischem, deutschem und französischem Geld gefunden. Petresevii wird wegen verschiedener Einbrüche von den Sicherheitsbehörden in Jugoslawien gesucht. ES ist festgestellt worden, daß PetrcSevik gemeinsam mit dem Kassenräuber Johann Gregor in Brünn eine Reihe von Einbrüchen verübt hat, wobei sie größere Geldbeträge und Waren im Werte von einigen Zehntausend Kronen entwendeten. 22jahriger zum Tode verurteilt! Jglau, 6. Juni. Vom Jglaucr Schwurgericht! lvurde Heine der 22jährige Fleischergehilfe Heinrich Mu s i l aus Puklice wegen Mordes, mehrfachen Raubes und Diebstahles zum Tode durch den Strang verurteilt, nachdem die Gcfchlvo- reuen alle ni i g bejaht den Wunsch aus, n c r Geliebten Cähovi. die wegen Mitschuld zu einem Jahre schweren KcrlerS verurteilt wurde, s p reche n zu lönnen. welcher Wunsch ihm bewilligt wurde. P r oz e ß Mary Du gan"(das schon vor Iah- nMUffitiflfien KiN-VS! ren mit Erfolg in Berlin gespielt wurde) ist un-**•••***”♦ mittelbar vor der Premiere durch Rundfunkmcl- Tagcsnculgkclfcn Einer der Mörder von Lipan verhaftet! K u k t r n b e r g, 0. Juni. In der Gc mcinde Jeteiiicc ließ sich ein Tramp, der sich mit zwei seiner Kameraden in den Wäldern der Umgebung anshielt, an die Adresse des doriigcn Gast- wirteS Sindelar rin Paket senden. Aus Neugierde öffnete der Gastwirt das Paket und sand in diesem außer einem blauen Anzug rin nicht unterzeichnetes Schreiben, in welchem der Tramp aufinerksam gemacht wird, daß er wegen der Li- panrr Mordsnchr gesucht werde. Sindrlät übergab dirseo Schreiben der Gendarmerie. Als der Tramp sich das Paket holen wollte, wurde er an- gehalten und als der 22jälirige Anton P l n- t i l, Deserteur des Eisrnbnhurrgimcntes in Par- dubitz, identifiziert. Platil ist einer der drei Tramps, nach welchem die Gendarmerie wegen vcgründctrn Verdachtes der Teilnalnnc an den Morden in Lipan fahndet. Man fand in seinem Rucksack einen blutigen Fetze», den Platil offenbar dort vergessen bat, van welchem Platil br- hauptrt. daß er von einer Verletzung am Fuße stamme, doch konnten die Gendarmen nicht die mindesir Svnr einer Verletzung an Platt! finden. Abends wurde der Fcslgcnomincne von der Fahn- diingsstnrion Kniienberg nach Böhm.-Brod transportiert, wo die Okachforschungsnkiion in der Liva- ncr Mordangclrgenlicit konzentriert ist. Die Kameraden Platils halten sich in den Wäldern vrr» steckt, wo sie von etwa 30 Gendarmen gesucht werden. Achttöpstge Familie verbrannt Schramberg.(Württemberg), 6. Juni. Die Höhengeineiude Aichhalden bei Schramberg wurde heute früh kurz nach 3 Uhr von einem außerordentlich schweren Brandunglück heimge- suchl. Das Anwesen des Besitzers Lamprecht brauuie vollständig nieder. Die ganze Familie mit nenn Köpfen: Vater, Mutter und sieben Kinder im Alter von zivei bis vierzehn Jahren, kam in den Flammen um. schwcrte die Löscharbcitcn. spät bemerkt, da dichter Nebel die Eltern versuchten noch, die Kinder zu jedoch im Zimmer im Ranch erstickt. 10 llhr konnten die Mutter und vier den Trünuuern geborgen werden. Der Vater Karl Lamprecht wurde, wie spätere Meldung zu diesem Ereigui» besagt, in Millionen- Doppelraubmord Neusatz, ü. Juni. In dem Dorfe Basa- hid im Banat wurde in der vergangenen Nacht ein verwegener Raubmord verübt. Unbekannte > Räuber drangen nach Mitternacht in das Hans des 7lijährige» Bankiers GrujiL und töteten diesen sowie seine 73jährige Gattin durch Hiebe mit einer H o l z h a ck e. Nachdem die Räuber eine Million in barem Gilde geraubt hatten, ergriffen sie die Flucht. Der Raubmord wurde erst am iiächste» i Morgen entdeckt. Da Grujiä große Geldsummen an zahlreiche Bauern verliehen hat, glaubt man, daß einige der Schuldner an dem Raubmorde beteiligt sind. Unter dem Verdachte der Täterschaft wurden heute zwei Berwandte, die in der Nachbarschaft des ermordeten Paareö wohnen, verhaftet. t III. IMOMW 27 PRAG ✓ 1.3uli z 5. bis 8. Juli Exkursionen und touristische Ausflüge wird der Verband der tschechischen Arbcitertouristen organisieren. Unter Lcitting von Führern, die zn diesem Zwecke in den FrühjahrSmonateu einen eigenen Kurs besuchten, werden Besichtigungen der Sehenswürdigkeiten Prags stattfinden. Es wird auch dafür Sorge getragen, daß den Teilnehmern der vefchiedenen Nationen sprachkundige Führer zur Verfügung stehen. Den tschechischen Arbcilcrtouristen werden in dieser Beziehung die Mitglieder deS Arbeiter Touristenvereines„D i c Naturfreunde" behilflich sein. DaS schöne Prag mit seinen historischen Sehenswürdigkeiten stehen allein schon dafür, in den Tagen vom 1. bis 8. Juli die Arbeiter-Olympiade zn besuchen. Anßerordenlliche Ermäßigungen auf den Staatsbahnen ermöglichen den Besuch besonders zu dieser Zeit. Die Schwerathletik wird auch das sportliche Programm der Arbciter-Olinnpiade bereichern. Meldungen hiezu erfolgten bisher von Ungarn, Atus Aussig und der DTJ. Tie Wettkämpfe werden einen olympischen Dreikampf sowie Einzclkänipfe im Stem- titen und Ringen in sämtlichen Gcwichtökategvrien umfassen. Der Philosoph der Konjunktur. Für die Zeit vom 2. bis 7. September 1934 ist ein Philosophenkongreß in Prag ongekündigt. Philo- ophen aus aller Welt werden in der Hauptstadt der Republik zusammenkoinmen und in gründlicher Diskussion zu den Probleinen der Zeit Stellung nehmen. Der Kongreß, den Professor Emil Rädl organisiert, könnte eine sehr wert» volle und segensreiche Etappe im Gesundungs- Prozeß unserer nicht nur wirtschaftlich, sondern in noch höherem Maße geistig völlig aus den Fugen geratenen Welt werden. Auch vier reichs- deutsche Professoren sind zu diesem Match der Geistigen geladen. Nun ließe sich gewiß darüber reden, ob man das Erscheinen der Philosophen der angelvandten Bestialität nicht sehr begrüßen sollte. Hier, wo sie, fern vom Phrasenrausch gleichgeschalteter Hörpuppen, Männern Rede und Antwort zu stehen haben, die man mit nebulösen Schlagworten wie„Blut" und„Boden" nicht so leicht verwirren kann, wie die Heilschreier im Lande der Erwachten, wäre eine Chance gegeben, die ganze Inferiorität solcher Afterphilosophie unter zwingenden Beweis zu stellen. Llbcr wir fürchten, man wird, aus allzu großer Höflichkeit, den Abgesandten dcü Dritten Reiches nur Gelegenheit zu billigen Propagandarcdcn geben. Mag der alte Hans Driesch auö Leipzig ruhig in Prag erscheinen. Herr F r e y c r, Halle, der seine mangelnde Originalität mit systemergebener Propagandasucht zu bemänteln versucht und Herr Rothacker, Heidelberg, der die Aufgabe hat, die Streichcr-Nüsse philosophisch zu garnieren, sind schon weit bedenklicher. Vollends überflüs- sig aber erscheint unS ein Mann von der windi- gen Mentalität eines Willy H c l l p a ch, dessen Kautschukcksarakter ihm gestattete, vom liberalen Feiertagsprediger und republikanischen Präsi- dentschaftskandidatcn zum AuSlandSreisenden deö Blutregimes zu avancieren. Wenn er über die „deutsche Auffassung vom Volke" sprechen will, so einpfehlen wir dem allzu agilen Herrn als weit besseres Thema die„Hellpachsche Auffassung von der Konjunktur" I Selbst mit nationolsozia- listischen Gegnern läßt sich zur Not debattieren, mit Gesinnungsathleten ä la Hellpach für Menschen mit Selbstachtung nicht! Dir braune Zensur wütet. Die Berliner Wiederaufführung des Kriminalstücks„D e r] 24 Fragen e i n st i m- hatten. Der Verurteilte sprach n o ch e i n m a l m i t s e i- Prag, 6. Juni. Die Psandlcihan- st a I t in Prag-W e t n b e r g e, RnbeSova, war gestern kurz nach Mittag der Schauplatz eines frechen RaubversucheS nach amerikanischem Muster. Vor 13 llhr betrat den Raum ein Manu, der mit dem Revolver in der Hand dem Kassier eine Handkasse mit etwa 1 8.0 0 0 Kronen entriß und auf der Flucht die Passanten mit der Waffe bedrohte. In der Riuiskä stellte sich ihm der 26jährige Fensterputzer Wenzel S l a f e r t entgegen; der Räuber schoß ihn jedoch nieder. Slasert wurde in die rechte Hüfte und in die Bauchgegrnd troffen und sank verwundet zur Erde. Auf Ji raset Kliuit wird seine Brrwundung tödlich bezrichnkt. Durch den Schuß wurden nur noch mehr Passanten ausnierksam gemacht. Ter Räuber flüchtete nun in daS Haus Nr. 5, das im Nu von zahlreichen Zuschauern umstellt war, die es jedoch nicht wagten, den Räuber zu verfolgen. Bevor die Polizei kam. lief der Räuber wieder auS dem Hause, durcbanertc die Balbiuova und slüchteie schließlich neuerdings in ein HauS Nr. 20 in der Anglickä. An der Verfolgung beteiligten sich bereits einige Polizisten. Ter ganzeBlock wurde nunmehr von Polizei n m st rl lt. Da man annahm, daß der Kampf mit einem internationalen Verbrecher im Brünner Hauptpostamt Brünn, 6. Juni. Heute mittags erschien im Hauptpostamt in Brünn in'der Abteilung, wo poste restantc-Scndimgen auSgefolgt werden, der langgesuchtc internationale Kassenräubcr, der 23- jährige arbeitslose Maschinenschlosser Vladimir P e t r c s c v i£ aus Vukovar in Jugoslawien, um Briefe zu beheben, die er sich nach Brünn poste restante kommen ließ. Die Polizei hatte festgestellt, daß er in Brünn unter unbekannter Adresse wohne und ebenso, daß er sich poste re- stante-Briefc schicken lasse. Daher war der betreffende Raum im Hauptpostamt polizeilich bewacht. Als der Verbrecher den Raum betrat, wollte ihn der ankvescnde Polizeibeamte verhaften und forderte ibn auf, die Hände zu heben. Petresevii leistete jedoch dieser Aufforderung nicht Folge und griff in die Hosentasche nach dem Revolver, wobei er den Inspektor anschric, er werde ihn erschießen. Blutige Verbrecherjagd in Prag Verbrecher erschießt einen Paffanten und begeht Selbstmord i Donnerstag, 7. Juni 1934 <&tHt 5 Dirkgeuten-Selbstmord im Konzertfaal Der Bater-es Detektivromanes rin»um Nir die sozialistische Frau: Lodz. S. Juni.(PAT.) Der Dirigent der Philharmonie Alfred Strauch, eine in den polnischen Musikkreiscn sehr bekannte Persönlichkeit, hat gestern SclbsNnord verübt. Er hat sich im Konzcrssaale erhängt. Ursache des Selbstmordes sind offensichtlich finanzielle Schwierigkeiten. Bestrafte» Gewissen. Das Militärgericht in Lille verurteilte bedingt zu einem Jahr Gefängnis einen P a st o r, welcher sich infolge keiner religiösen Ueberzeugung geweigert hatte, an W a f f e n U b u n g e n teilzunehmen. Der Pastor, welcher Leutnant in der Reserve ist, erklärte schließlich, er werde sich fügen und an den Wasfeniibungen teilnehmen. Wettbewerb für sudetendrutsche Gravbiker. Die Tekiion inr bildende Kunst der MuseumS-Gcsellschast in Teplitz-Schönau wird auch dieses Jahr ztvei gra- vbiscbe Arbeiten veracbcn, die als JahreSgabe an die Mitglieder verwendet werden. Gewünscht werden möglichst Arbeiten, die sich noch nicht im Handel befinden. An der Ausschreibung kann sich jeder sudetendeutsche Künstler mit beliebig viel Arbeiten beteiligen. Den Einseichungen sind die Mattprcise wie auch biographische Daten beizufügen. Die einlangen- dcn Arbeiten tvcvden in einer großen Ausstellung „sndetcndeutsche Graphik" öffentlich ausgestellt, so dah sich für die Äünstlerschaft gleichzeitig eine ausgezeichnete Werbe- und Berkaufsmüglichkeit ergibt. Die Einsendungen müssen bis 3. September 1934 an die genannte Sektion nach Teplitz Schönau, Dr. Ruß- Straße 16, erfolgen. Feine Burschen, lieber Auftrag der FahndnngS- sielle in Brüx verhaftete die Gendarmerie in O perle u I e n s d o r f in einem Zimmer des Hotels „Cafro cheinen Vorschuß geben, bin ich gern bereit, Ihr Inkognito zu lüften und aufzuklären. auf welche Weis« der Diebstahl geschah." Conan Doyle hatte mit dieser Aufforderung Jljfl ffircnßurg Die Xie fte der Jeanne Jley Kö 16.—. Zentralstelle für das Bildungswesen Prag XII., Slezskä 13 die Lacher aus seiner Seite und Sherlock Holmes blieb weiter der unerreichte Meisterdetektiv. Conan Doyle löste sich aber von Sherlock Holmes, vcrlcugnctc ihn.„Der Bursche ging mir immer aus die Nerven", behauptete er. Und wie sollte dies auch ander« sein. Conan Doyle ist ek ja gelungen:— so glaubte er wenigstens— in Südafrika mit dem Geiste des vor tausend Jahren in Persien geborenen Arztes und Wundermannes Abdul Latisein Gespräch zu sührcn. Der hier aus der Erde wurzelnde Sherlock Holmes konnte ihn natürlich nicht mehr interessieren, als er, sein Schöpfer. Verbindung mit der Gcistcrwclt unterhielt. Sherlock Holmes ivar tot und ein Jahr daraus starb auch sein Erzeuger. Leo Barth. Ausgepfiffene„Erlöserinnen" Zu einer sehr bezeichnenden Szene kam er dieser Tage in Athen. Im Athener Stadion sand ein Schüleraufmarsch sämtlicher Athener Schulen statt. Viele Tausende Jugendlicher waren versammelt. Als eine Gruppe rcicksdeutscher Hakcukreiiz-Sludentinnen, die sich besuchsweise in Athen aufyalten, die Geschmacklosigkeit besaß, mit wehender Hatenkrcuzfahnc„gastweisc" mitzudemonstrieren, kam cs zu einem riesigen Skandal. Die Schüler lärmten und pfiffen so stürmisch, daß die Nazinncn ihren Aufmarsch abbrecben mußten. Ruhe trat erst wieder ein. als die Hitler- Damen das Stadion unter dem Gelächter der Tausende fluchtartig verlassen hatten. Ein Bravo dieser wackeren griechischen Jugend! Herr Gocring ersieht aus diesem Vorfall, daß der„Erlöserorden", der ihm vom griechischen Miniitcrpräsidenteu verliehen worden ist. eine Art Danaergeschenk ist. Jedenfalls legt die griechische Jugend keinen Wert darauf, von ihm und seinesgleichen„erlöst" zu werden. Ein zerbrechlicher Junge Der 16jährige Ernst Gradner kann zweifellos den Ruhm für sich in Anspruch nehme», der zerbrechlichste Junge Englands zu sein. Trotze seiner Jugend gibt cs keinen Knochen, den er sich nicht mindestens einmal schon gebrochen hat. Selbst bei der leichtesten Bewegung kann ihm dies Malheur passieren. Neulich wollte er sich beispielsweise in sein Bett schwingen und hat sich dabei prompt wieder die Hand gebrochen, mit der er sich anfgejtützt hatte. Augenblicklich liegt er in der Klinik, weil ihn ein Junge versehentlich mit einem Tennisball am Knie getroffen hat, was bei Ernst sofort ein paar Knochcnbrüche zur Folge hatte, unter anderem eine gefährliche Verletzung der Kniescheibe. Die ihn behandelnden Acrzte stehen einfach vor einem Rätsel, weil ihnen so ein leichtes Knochengerüst überhaupt noch nicht be- j gcgnct ist. Die Wett ohne Eisen DaS Ende der Erzvorräte im Jahre 2000. Auf der Chemitcrtagung in Köln hat ein Vortrag von Dr. F r o lv e i n aus Ludwigshafen der ganzen Welt eine trostlose Aussicht eröffnet. Er hat errechnet, daß die ganzen Eisencrzvorkom- nicn in Europa nur noch 58 Jahre auSrcichen. Die bekannten Eisenerzlager der ganzen Welt tverdcn in 64 Jahren verbraucht sein. Für das Jahr 2000 haben uns Dichter und Techniker eine herrliche Welt versprochen. Eine Welt, in der nur noch die eisernen Maschinen arbeiten und für die Menschen alles erzeugen, was zu einem behaglichen, gesundhcitSgcmäßcn Leben notwendig ist. lind nun steht ein Fachmann auf und verkündet, daß es um diese Zeit kein Eisenerz mehr geben wird. Mit einem Schlag wird ganz lltopia, das ganze Weltbild der Zukunft über den Haufen geworfen. Zurück in die Steinzeit? Versucht man sich die Welt ohne Eisen bor- zu stellen, dann kommt man zu dem Ergebnis, daß eine ungeheure Katastrophe über die Menschheit hereinbrechen muß, wenn alle Eisenerzlager verbraucht sind. Daß die Amerikaner dann keine Wol« kenkrochcr bauen können, tväre noch zu ertragen. Ohne Stahl kann cS jedenfalls keine Wolkenkratzer geben. Es gibt bisher kein Baumaterial, das solchen Druck auf so kleiner Fläche aushalten kann wie Stahl. Man wird auch keine Brücke mehr bauen können, wie die Wer den Hafen von Sidney, die eine Weite von 500 Metern ohne Pfeiler überspannt. Diese Brücke kann mit 168 Straßenbahnzügen, 6000 Autos und 40.000 Fußgängern belastet werden. Ohne Stahl wäre ihr Bau undenkbar gewesen. Wir können uns auch unsere Fabriken nicht ohne Eisen denken. Alle Maschinen und Werkzeuge in den Betrieben der ganzen Welt sind fast vollständig aus Eisen und Stahl. Und worauf sollten alle Bahnen fahren, wenn nicht auf Eisenschienen? Es gibt kein erschwingliches Metall, das so viel aushält und sich so wenig abnützt. Die Banken werden cs sehr schwer haben, wenn sie für ihre Goldreserven und Wertpapiere nicht mehr cin- bruch- und feuersichere Stahlkammern bauen können. Sogar das Instrumentarium der Aerzte und die Einrichtung der Spitäler bestehen heute vielfach aus Eisen. Für die ganze Weltwirtschaft ist da» Eisen ebenso wichtig, wie für den menschlichen Organismus. Ohne Eisen könnten wir nicht atmen. Denn das Eisen bindet den Sauerstoff der Luft an unser Mut. Zum Atmen brauchen wir allerdings keine Erzlager. Als die Eisenzeit begann. Lange Zeit haben die Menschen ohne Eisen gelebt. Denn eigentlich haben wir das Eisen noch nicht lange. Man hat zwar zwischen den Steinen der Cheopspyramide Reste von eisernen Werkzeugen gefunden, aber im allgemeinen konnte mgn damals Bronze viel besser Härten als Eisen. Es waren darum in der Hauptsache Bronzewerkzeuge beim Bau der Pyramiden in Verwendung. Auch aus einem Briefwechsel von Ramses dem H. mit dem Hethiterkönig Chattusiel geht hervor, daß man etwa um das Jahr 1800 vor unserer Zeitrechnung schon Eisen gekannt hat. Der König von Aegypten verlangt in diesen Briefen von seinem Kollegen die Zusendung von Eisen. In Kleinasien und Afrika hat man schon vor etwa 4000 Jahren ein sehr weiches Eisen in verhältnismäßig kleinen Mengen hergestellt. Von dort aus ist die Kunst der Eisenerzeugung nach Griechenland und Italien gelangt. Nördlich der Alpen fand man Anzeichen der Eisenverhüttung erst aus dem Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Das Eisen in Europa wäre demnach erst etwa 2000 Jahre alt. In Asien hat man schon viel früher- eine Essentechnik gekannt, die heute noch rätselhaft ist. Die Forscher sind noch nicht einig darüber, wie die 18 Meter lange Eisensäule bei Kutub in Hinterindien entstanden sein kann. Diese Säule hat einen Durchmesser von 41 Zentimetern und wiegt 17.000 Kilogramm. Sie ist etloa 2800 Jahre alt und heute nock> vollkommen rostfrei. Da man damals nicht imstande sein konnte, eine solche Säule zu gießen, und da man auch heute nicht imstande wäre, so dickes Eisen zu schweißen, kann man nur annchmen, daß die Säule aus kleinen Stücken zusammengeschmicdct ist. Denn daß die Säule aus einem Riesenmctcor herausgearbeitet sein soll, ist nock> schwerer anzu- nchmen. ES ist nicht halb so gefährlich. Erst da» Eisen hat die Schaffung all der Werkzeuge und Hilfsmittel ermöglicht, mit denen der heutige Stand der Zivilisation erreicht wurde. Und nun soll die Menschheit da« Eisen wieder verlieren? Die Gefahr ist nicht so groß, als sie auf den ersten Blick erscheint. Zunächst bezieht sich die Voraussage vom Ende des Eisen» nur auf die bekannten Lagerstätten. Bisher ist aber nur etwa ein Viertel der Erdoberfläche nach Erzlagerstätten genau durchforscht. Es ist also mizunehmen, daß bis zum Jahre 2000 noch weitere Eisenerzlager gefunden werden und daß diese Funde wieder für einige Jahrhunderte auSreichcn. Des weiteren wird man in den nächsten Jahrzehnten wohl mit dem Eisen viel sparsamer umgehen. Wie mit vielen anderen Rohstoften, wird näinlich auch mit dem Eisen in unserer Zeit Raubbau getrieben. Man geht mit dem Eisen so um, als wäre ein für alle Zeiten unerschöpflicher Uebcrfluh vorhanden. Wenn man nur daö bisher verarbeitete Eisen besser vor Rost schützen wollte, könnte man dadurch allein 16 bis 17 Prozent der Wcltproduktion ersparen und eS ginge dann immer noch ebensoviel Eisen an Rost zugrunde. Man hat das Eisen nicht zu sparen gesucht, man hat im Gegenteil immer neue Verwendungsmöglichkeiten für Eisen ausfindig gemacht. Zuletzt wurde die Stahlrossstraße erfunden, um nur möglichst viel Eisen verbrauchen zu können und sei cs auch nur al» Straßenpflaster. Sehr viel Eisen wird eingespart werden können, wenn keine Kriegsrüstungen mehr erzeugt werden. Der Krieg ist eine ungeheure Verschwendung von Menschen, von Arbeit und Material, vor allem von Eisen. In immer steigendem Maße wird das Eisen auch legiert. ES wird nicht mehr rein verwendet, sondern durch Zusatz von anderen Metallen gestreckt, wodurch es je nach der Beimischung, leichter oder härter oder rostfrei wird, oder anderen technischen Zwecken besser entspricht. Wenn ivirklich ein Mangel an Eiscic eintrctcn sollte, so könnte man zu vielen Dingen, die heute aus Eisen erzeugt wcr- den, leicht anderes Material verwenden. Es ist auch zu hoffen, daß bis dahin neue Ersatzstojfe erfunden werden. In den letzten Jahrzehnten wurden mehrere künstliche Werlstofsc erfunden. von denen manche für die Industrie unentbehrlich geworden sind. Wie die Erfindung einer neuen Arbeitsmethode eine Revolution in der Eisengewinnung hcrbeiführen kann, hat man bei der Einführung des Thomaüvcrfahrcns gesehen, durch das die deutsche Stahlindustrie vor 50 Jahren einen ungeheuren Aufschtvung nahm. Erst vor wenigen Jahren wurde durch sogenannte Eiscn- schwammverfahren eine weitere Ilmtvälzung hcr- bcigestihrt. Japan besitzt eisenhaltigen Saud, der für Jahrhunderte ausreicht, der aber erst durch das Eisenschwammverfahren verwendbar gctoorden ist. Dem Hochofen Ivar cö bis dahin unniöglich. aus diesem Sand das Eisen zu gewinnen. Ebenso ging eS Norwegen, das früher seinen ganzen Eisenerzbedarf aus Schwede» decken mußte und nun feilte eigenen Erze verarbeiten kann. Auch viele Erz« und Kohlenlager in Deutschland und U. S. A. sind erst durch das Eisenschwammvcrfahrcn verwertbar geworden. Also, keine voreilige Angst! ES wird auch in 64 Jahren noch Eisen genug vorhanden sein. Die Warnung deö Herrn Dr. Frowcin ist nur insofern berechtigt, als es notwendig wäre, mit allen Rohstoffvorräten planmäßig zu wirtschaften. Denn nicht nur die Eisenerze, auch die Kohlenlager und Oelvorkommen müssen sich mit der Zeit erschöpfen. Die künftige Menschheit wird uns danach beurteilen. ob wir mit den Bodenschätze» richtig gewirtschaftet habe». J»g. Kurt Werner. „Sozialdemokrat" Donnerstag, 7. Juni 1034. Rr. 131 PRAGER ZEITUNG Kunst und Wissen 1 D c r m V 5. stärkeren Beifall aus als Taubers Lieder..Herr A d i ww auch die. f* zwang durch groteske, exzentrische Komik nnm nnn ner I...» m m.-r.--««.. — eis— man sie in Erinnerung hatte. VcreinsnaMNMten «ericntssssi E. F. Während Kratochvil auf Urlaub weilte, ließ der Be-! rfjen. den nie ten Stil schreibt und die Forderungen der Form und des AusbauS respektiert. Wenn«S ihr gelingt, die spürbare Neigung zu Thomas Manu'scher Weitschweifigkeit zu überlvinden und klischeegewordene Vergleiche(den Regen, der wie ein Wasserfall rauscht, oder daS Herz, das wie ein Pferd galoppiert) durch gesteigerten Ausdruckswillen aus ihrer Prosa auszuscheiden, dann wird sie alle Gefahren bezwungen hcchen, die vorerst noch die lleberzeu- gungSkrast ihrer literarischen Aussagen bedrohen. Am liebenswürdigsten und echtesten klangen die Stücke, die auf wehmütig-heitere Ironie gestimmt sind,— voran die Kindergeschichie vom„Pflanzen, siecher", mit der die Autorin ihren Abend einleitete, der von vier literarischen Gesellschaften veranstaltet nnb von einem kleinen, verständnisvoll anerkennenden Publikum besucht war.—eiS— Prag, 6. Juni. Die gegenwärtige Schwur gerichtsperiode wurde eingeleitet mit einem Falsch münzerprozeh großen Stils, bei dem ztvei Agenten eines internationalen Konsortium» vor den Geschwo renen erschienen. Ein zweiter Falschmünzerprozetz war heute vor dem Schwurgerichtshof des GR. Dr. Pr a Z ä k anhängig. Freilich läßt sich dieser heutige Fall mit jenem ersten in keiner Weise vergleichen. Dort skrupellose internationale Händler und Betrüger grohen Formates, hier ein armer Mensch, den die ä u h e r st e Not zu einem— völlig untauglichen — Versuch getrieben hat, das Geld selbst herzustellen, daS er dringend brauchte, um seine Familie vor den» Hungertod zu bewahren. Der Angeklagte ist der arbeitslose 45- jährige Maschinenschlosser Josef K. au» B r a n i k. Er wurde dabei betreten, als er in einer Karolinenthaler Trafik beim Einkauf von 10„Zora" ein falsches Zehn krönen st ück umsetzen wollte. ES war eine sehr plumpe Fälschung, ein aus Zinn gegossenes Falsifikat, dem mmi von Iveitem anfehen konnte, datz es kein echtes Stück sei. Der Angeklagte verfuchte, als man ihn aichielt, glaubhaft zu machen, dah er das falsche Geld in einem Laden angehängt bekommen habe. Als man ihn aber dann auf dem Kommissariat untersuchte, fand mau weitere neun ebenso wenig gelungene Falschmünzen in sei ner Hosentasche. Daraufhin gestand er, die Münzen selbst hergestellt zu haben. Eine Haussuchung för- zirkSgerichtSvorsteher seine Kanzlei eingehend unier- fuchen. AuS derLadedeS Waschtisches zog man einen Stotz Akten über Verlassenschaftsverhandlungen. Die weitere Untersuchung führte zu dem Resultat, datz die Angeklagten gemeinsam in siebzehn Fällen Stempelgebühren zwischen 10 und 50 Kö eingefordert haben. Ter Gesamtschaden beträgt ettva 450 KL. Dazu kommen noch zehn Fälle, in denen Kratochvil allein gearbeitet hat, wobei der Schaden 175 XL auSmacht. Der zweite Angeklagte Dvorak gab sofort zu, in den erstgenannten siebzehn Fällen aufAnord- nung KratochvilS gebandelt zu haben. Er behauptet aber, ursprünglich in gutem Glauben vorgegangen zu sein. Erst als ihm Kratochvil 200 Ke als„A n t e i l" aushändigte, sei ihm die Sache verdächtig vorgekommen, doch unternahm er nichts, um die Machinationen einzustellen. Kratochvil leugnete dagegen überhaupt jedes Verschulden und erklärte, er fei streng nach der Vorschrift vorgegan- gen. Dieser Behauptung stehen allerdings die Tatsachen entgegen und überhaupt daS Faktum, datz die Einforderung der Gebühren gar nicht Sache des Gerichtes war, sondern des Steueramtes. Die Verhandlung erlitt eine längere Unterbrechung dadurch, das; ein wichtiger Zeuge aus Kosteletz sich nicht eingestellt hatte und erst nachmittags zu Gericht gebracht werden konnte. Demgemätz erfolgte das Urteil erst nach ü Uhr abends. Die Schuldfragen wurden mit zehn bzw. neun Stimmen bejaht, worauf der Schwurgerichtshof Jofek Kratochvil zu sieben Monaten, Anton Dvotak aber zu drei Monaten schweren Kerkers verurteilte. Die Strafe wurde bedingt auf drei Jahre auSgespro- rb. eine wirkliche Komödie wie „Lady Windermeres Neuen Deutschen Theaters. Uhr:„Die vier Gro.- lich war) sich leicht Hinwegsetzen konnte. L. G. Alle Freunde des Arbeitersports laden wir herzlich zu unseren leichtathletischen BereinS- wettkämpfen ein, die wir am SamStag, den 0. Juni, um 5 Uhr nach mittags am Sportplätze der DTJ. auf der Hetzinsel veranstalten. Durchgeführt wird ein Dreikampf der Turnerinnen und ein Fünfkampf der Turner. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei. PRAG VI. Philharmonische» Konzert: Haendel»„Josua" am 12. Juni mit 700 Mitwirkenden. Philh. Extra»Abonnement. Neuinszenierung„Faust" mit Ewald Balser vom Burgtheater a. G. 13. Juni.(B 1.) Studio 1934"— Am 8. Juni im Mozarteum teilweise neuem Programm. Ge- ver- logene Herzogin von Berwick, entsprechende Farben und Töne. L o B e r t r a m, Maria Motz, TrauteEi- n er ergänzten das Bild der englischen Gesellschaft nach der weiblichen Seite. Frau Meller spielte die Mrs. Erlynne. E« ist sicher überaus schwer, dieser Rolle und dem Dop- velgesicht der Frau, die halb eine berechnende Kokotte, halb eine liebende Mutter sein soll, gerecht zu werden. Frau Meller spielte überzeugend nur die Abenteuerin, die Deklaffierte, die wieder hinauf will. Datz sie es so rasch kann, dah die Männer in ihr die Dame er-1 kennen und Lady Margaret instinktiv das Mütterliche dieser Frau— jenseits de» grohen Dienstes, den die Erlnnne ihr leistet— fühlt, das wurde in der Tarstellmig der Meller dock) nicht ganz glaubhaft. Die Besetzung der männlichen lliollen war nicht ganz geglückt, wenn auch kein grober Verbruch geschah. Herr F r e h bringt für den Darlington wohl eine brillante Erscheinung und den liebenswürdigen Ton, nicht aber die überlegene Skepsis und die gelassene Haltung des vollendeten Gentleman mit. Er ist oft zu sehr Liebhaber, zu wenig.Bonviant. Herrn Palk lieh man einen jungen Mann spielen, für dessen kleines Format der Darsteller wohl zu kolossal(im phnsischen, aber insbesondere im geistigen Sinne) ist. 2 t r ö h l i n al» Lord Windcngere, Padlesak als Mr. Tumbn waren besser am Platz, Hölzlin, der auch Regie führte, gab den Schwerenöter Augustus doch zu primitiv in der Maske de« deutschen Krautjimkers. DaS wirkt komisch, aber nicht ganz stilecht. Weiter waren noch die Herren A l d a und Willi Bauer beschäftigt. Dem— leider nicht gerade zahlreiche»— Publikum gefiel die Komödie sehr gut. S Uhr 15 Min. Mit (Aktualitäteul) Spielplan deS Donnerstag, halb 8 biane".(C 2.)— Freitag halb 8 Uhr:„Der Jakobiner", Gastspiel PaulLudikar, Erstausführung.(D 2.)— SamStag, halb 8 Uhr: „Der Revisor." Spielplan der Kleinen Bühne. Donnerstag, 8 Uhr:„Stratzenmusik."— Freitag 8 Uhr: „Ladtz Windermeres Fächer", Kultur- verbandsfreunde und freier Verkauf.— SamStag, 8 llhr:„Lady Windermeres Fächer." Schotte oder Engländer, das ist hier die Frage Wenn ein Kind im Schnellzug geboren wird. Ein Problem, das den Bürokraten Englands augenblicklich schweres Kopfzerbrechen bereitet, ist die Geburt eines Mädchen» im schottischen Nachtexpretz von Glasgow nach London. Der Storch hat sich in diesem Fall auch wirklich einen bösen Streich geleistet; denn bisher konnte trotz aller Bemühungen nicht festgestellt werden, ob das Kind in Schottland oder in England das Licht der Welt erblickte. Es herrschte tiesste Dunkelheit, als sich unangemeldet und völlig überraschend der kleine Erdenbürger einstellte. Die Mutter, MrS. Snedden, und ihr Gatte waren in den ersten Augenblicken so bestürzt, dab sie an alles andere eher dachten, als an die Frage, ob der Expreb schon die schottisch-englische Grenze passiert hatte. Der junge Vater zog schließ- lich die Notbremse. Tie verschlafenen Fahrgäste wunderten sich nicht wenig, als sich ihre Zahl inzwischen um eine Person vermehrt hatte. Da sich in dem Zug kein Arzt befand, setzte er in beschleunigter Ge- schlvindigkeit seine Fahrt zur nächsten Station fort. Dort lvaren inzivischen ein Arzt und eine Hebeamine benachrichtigt worden. MrS. Snedden wurde iu» Krankenhaus übergeführt. Sie sowohl wie das Neugeborene hat die allzu plötzliche Geburt gut überstanden. Der Vater jedoch soll sich noch immer den Kopf darüber zerbrechen, oh das voreilige Baby schottischer oder englischer Nationalität ist. Richard Tauber singt Richard Tauber gastierte jetzt an zwei Abenden mit eigenem Ensemble im„Dreimäderlhaus" im Deutschen Theater. Vorweg gab es gegen alles und jedes Bedenken: gegen Richard Tauber, weil die ernste Presse aller Welt vermuten lieb, dab Tauber, wie man selber nach seinen Tonsilmen schlietzen musste, nicht viel mehr mit wahrer Kunst zu tun hahe; gegen da» Ensemblegastspiel, weil man zur Genüge weist, mit welchen Minderwertigkeiten Stars sich zu umgeben pflegen, und gegen die Wahl des abgewer- kelten, immer als Verirrung betrachteten„Drei- mäderlhaus". Wie erfreulich, datz man fast in jeder Hinsicht nicht nur„angenehm enttäuscht", sondern auch Zeuge einer ganz ungewöhnlich werwolleu und in ihren heften Stücke» unvergetzlicheu Vorstellung warl Richard Tauber selber ist ein Phänomen. Obwohl es ihm so sehr schon an Kraft und Fülle des Tons gebricht, datz selbst dem Wurf der Höhentöue das Mitreitzende fehlt, obzwar er den ganzen Abend fast nur piauo singt und falsettiert, obwohl weiter jede Betvegung de» Künstlers die Mängel seiner Gesundheit osfenhart, entsteht dennoch eine berückende künstlerische Leistung durch den unverglcichlichen Wert und Zauber seiner Stimme, durch eine GesangS- Kultur und-Technik, die nicht viel ibresgleichen unter lebenden Sängern haben. Aber nicht das allein ist Ursache, der grotzen Wirkung, die Tauber auf das Publikum ausüht'. daS Wunder der Musik wird offenbar durch diesen Sänger, der jede Phrase, jeden Ton, jeden Einfall ans einem selber von der Musik und vom Gesang hingerisienen. warmen Hcr- Lady Windermeres Fächer Auch von diesem Schauspielabend gilt, was kürz lich zur Ausführuiig des„Revisor" bemerkt Ivurde: dab er leider so spät kommt und vermutlich im September nicht wird wiederausgenommen werden können. Einige solcher Aufführungen zu Beginn der Saison hätten dem ganzen Repertoire ein andere» Gekicht gegeben und das künstlerische Wollen des Theaters wüsrug revräsensiert. In dem trostlos öden Einerlei heutiger Lust spielproduktion wirkt Oscar Wildeö Fächer" erfrischend und wie neu. i englische Gesellschaft, gegen die Wilde noch von derl Lachen, Vera Nargo war eine überaus unbestrittenen Gimiilnigsstellung eines literarischen öfonioc Grisi. Genug des Guten, so datz man über ' r“’" knot er den alles andere(das weniger gut oder gar unzuläng- „ 14 M H 1 MH-«I V. tl V« v.„■•.„ Sport» Spiel• Körperpflege Ein leichtathleitscher Bezirkswettkampf AtuS— DTJ. fand vergangenen Sonntag im Aussiger Stadion statt, bei welchem folgende Ergebnisse erzielt wurden: 100 Meter: Schuster(AtuS) 11.6, Ehlipek(AtuS) 12.2 Sek.; 400 Meter: Breste (AtuS) 57.0, Holik(DTJ) 50 Sek.; 1500 Meter: Jäger(AtuS) 4:40, ÄrauS(AtuS) 4:40 Min.; Hochsprung: Wurbs(DTJ) 1.52, RySavy(DTJ) 1.52 Meter; Stabhochsprung: WnrbS 8.00. Baimi (AtuS) 2.00 Meter; Weitsprung: Neduschal(DTJ) 5.60, WnrbS 5.42 Meter; Kugelstoßen: Kubat (DTJ) 10.40, Ehlipek 0.05 Meter; DiSknS: Seidel lAtuS) 31.65, WurbS 28.05 Meter; Speerwerfen: RySavy 46.80, Holek(AtuS) 45.60 Meter; 4X100 Meier: AtuS 50.6, DTJ 51 Sek.; Olympische Stafette: DTJ 4:06, AtuS 4:06.1 Min. Der Internationale Turnverband hielt anlätz- lich der Weltmeisterschaften in B u d a p e st eine Tagung ab. die sich u. a. auch mit dem Anschlutz der DT. Deutschlands befatzte. Die Ausnahme der Deutschen Turnerschaft wurde mit 12:3, die Zulassung zu den Wettkämpfen mit 11:3 Stimmen gut- geheitzen. Wie verlautet, dauerte die Beschlußfassung dieser Angelegenheit über drei Stundei; nach äußerst bewegter Debatte... Vorträge Hilde Maria Strane las in der„Urania" Proben ihres schriftstellerischen Schaffens: ein paar kurze Erzählungen(deren eine, „Seifenblasen", unseren Lesern bekannt ist) und ein Kapitel ihre» Romans„Neun Monate". Der Ein druck war angenehm: eine junge Autorin, die in den Grenzen des Erlebten und Verstandenen mit wacher Beobachtungsgabe verweilt, die einen gepflegten, von... Verwilderung wie von Eigenart gleich weit entfern-1 über'triebemn'Mähche'n— ünd wirken"gröber, als StarS aus seine Geitzclhiebe führte, l bitteren Ernst der verlogenen Puritauermoral er fahren mutzte, sich mit dem Krieg und durch den Krieg gewandelt haben, so daß sie heute weit mehr durch Lady Ehatterley als durch Lady Windermere charakterisiert tvird, so sitzt doch noch immer jeder Hieb in die Fratze dieser dekadenten Society. Es ist rin Lustspiel, in dem die kleine und bald zu durchschauende Fabel weit weniger wichtig ist, als die Konversation. Und auch am Dialog(man mühte eher sagen Polylog, denn selten sprechen hier nur zwei) ist nicht nur der geistreiche oder geistreichelnde Inhalt interessant, sonder» mehr noch die Technik. Wo ist heute ein Lustspielaiitor, der ein Gespräch, i oer-oernner uuaairyaver uno rann oaqcr ivoyr man wie das der fiinf Männer im dritten Akt so spielend| an offiziellen Veranstaltungen Oesterreichs teilneh men. Es verlautet sogar, datz Furtwängler nicht dieErlaubnis dazu erhalten hat, in Salzburg mitzuwirkeu, weil dies eine Schädigung der Festfpiele in München und Bayreukki bedeuten würde. Morgen zum erftenmale Dvoraks Oper„Der Jakobiner". Gastspiel Paul L u d i k a r. In den andern Hauptpartien die Damen: Pauly, Rohne, Schilp; die Herren: Hagen. Hattemer, Hey, Hotter, Libal. Dirigent: Szöll, Regie: Mordo—Ludikar, Bühnenbild: Pirckian.(2 2.) Falschmünzer aus Not Ein tragisches Zeitbild— Freispruch des Angeklagten derte denn auch die bei der Fälschung verwendeten Instrumente zutage. Zur Kennzeichnung der Situation, in der sich der Angeklagte befand, mag die Aussage des Revierinspektor» Krtjek angeführt sein, der al» Fachmann für GeldfälschuNgSsachen die Haussuchung leitete. Der Kriminlllbeümte fand die Familie des Verhafteten in einem derart bejanunernswerten Zustand vor, datz er angesichts der halbverhungerten, in Fetzen gekleideten Kinder die Pflicht der Menschlichkeit vor die Amtshandlung setzte. Er lief in einen benachbarten Laden und lauste au» eigener Tasche die nötig- st e n Lebens mittel ein, um die vor Hunger weinenden Kleinen satt zu machen... Vor dem Schwurgericht hielt der Angeklagte sein Geständnis voll aufrecht. Er machte den allerbesten Eindruck. Seine Verteidigung war in ihrer Schlichtheit um so Ivirkmigüvoller. Er ist ohne Schuld unter die Räder gekommen und die Not wurde schlietz- lich so grotz, datz ihm jedes Mittel recht erschien, um seiner Familie daS Leben zu fristen. Auf die Geschworenen machte der Sachverhalt offensichtlich grotzen Eindruck. Ungeachtet de» belastenden Gutachtens der Staatlichen Münz- anstalt in Kremnitz(„... die Falsifikate lvaren zur Irreführung de» Publikum» geeignet..") verneinten sie die Schuldfrage mit sieben Stimmen, worauf der Vorsitzende den Freispruch verkündete. rb. Wieder ein Prozeß wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt Zwei subalterne Gerichtsbeamte.— Fingierte Stempelgebühren. Prag, 5. Juni. Das heutige Schwurgericht brachte wieder eine Anklage wegen des Verbrechens der mißbrauchten Amtsgewalt |— ein sehr bescheidenes Gegenstück zu dem zwei« ' tägigen KorruptionSprozetz vom Freitag und Samstag, der mit den vielbemerkten Freisprüchen dreier von den fünf Angeklagten endete. Es handelte sich hier auch nicht um mehr als eine Drittelmillion, sondern um insgesamt 650 KC. Dafür ist der Sachverhalt aber auch so klar, wie er eben nur bei kleinen Delikten sein kann. Vor dem Schwurgerichtshof deS OGR. Kais- ler standen der 33jährige Kanzleiassistent Josef Kratochvil und der 28jährige Kanzleigehilfe Anton Dvokak vom Bezirksgericht Schwarz- k o st e l e tz. Die Anklage legt ihnen zur Last, auf eigene Faust Parteien vorgeladen und von ihnen den Erlag von„S t e m p e l g e b ü h r e n" verlangt zu haben, die sie dann in die eigene Tasche steckten. ES handelt sich durchwegs um Verlassen- schaftSverhandlungen und eS ist sestge« stellt, daß die eingeforderten Stempelbeträge völlig ungerechtfertigt eingehoben und natürlich auch nicht abgeführt wurden, lleberhaupt war zur Einforderung folckser Gebühren kein gerichtliches Kanzleiorgan ermächtigt, sondern lediglich das Steuer- am t. Der Verdacht richtete sich zunächst gegen Josef K r a t o ch v i l, als er einem Landwirt aus V y ss- l o v k a 30 KL Stempelgebühren abgenommen hatte. 0er Film Richt eifersüchtig fein! Datz cS such in England Tenöre gibt— und Filmhersteller, die sie unter dem Einslutz einer geistlosen Mode zu Leinwand-Star» machen wollen, ist nicht so bemerkenswert, datz man einen Beweis dieser' Tatsache hätte zeigen müssen, zumal eigenartigere englische Filme wie die„treue Nymphe", der„unsichtbare Mensch" und das„Haus Rothschild" noch nicht den Weg zu uns gefunden haben. Der Sänger Franco Foresta trägt Arien au» Leoncavallos„Bajazzo", und Bizets„Perlenfischer" mit einiger Bravour vor, aber er überstrahlt weder darstellerisch, noch stinnnlich seine bisher in den Film verirrten Kollegen. Die Handlung, in die man ihn gestellt hat, unterscheidet sich auch nur insofern vorteilhaft von den LibrettiS der anderen Säiigersilme, als sie mehr Wert auf Spässe, als auf Rührungen legt. Aber der routinierte Regisseur Carmine Gallome hat die grotesken Möglichkeiten nur halb erschöpft. Er zog es vor. prunkvolle Bilder des Karneval» von Venedig vor uns auszubreiten und mit einer endlosen Kette von Ver- und Entkleidungsszenen zu durchziehen, die aus die Dauer mehr langweilig, als amüsant wirken. So blieb nur die Wirkung auf die Lacheffekte, um die sich die beiden Komiker Arthur Rir- coe und Naunton Wayne bemühen. Aber selbst diese Hoffnung ging nur schwach in Erfüllung: denn die beiden zeigen hier nicht die sympathische Leichtigkeit, I die sie im„Wiener Flirt" hatten. Sie zwingen sich Aus der Partei Sozialistische Jugend, Kreis Prag. Heule. 8 llhr, im Parteiheim: Funktionärarbeitsgemeinschaft. Referent Genosse Dr. Hoffmann. tzen zu schöpfen scheint. Und so verliert plötzlich da« „Dreimäderlhaus" allen Charakter de« Kitschigen | und de« Sakrileg« an Franz Schubert, der in seinen | Liedern vor dem Operettenpublikum in reinster Form aufersteht. Dazu kommt, datz Tauber sich an Fritz I m- l fi o f einen Tschöll mitgebracht hatte, der an die beste Zeit der alten Wiener Operette erinnert, der, ob- I wohl doch wieder ganz anders, jeden Vergleich mit dem nnvergetzlichen Glawatsch aushält, der nicht !nur durch eine» bombensicher wirkenden Humor, durch die künstlerische Adelung der kernigen Wiener Dialektnatur wirkt, sondern sich auch als gemütstiefer Sänger von erstaunlichen Stimmqualitäien erweist. Sein Vortrag de«„Geh, Alte, schau...", sein Jodeln und sein altväterischer Tanz lösten fast noch entrollte! Zum Gelingen der Aufführung trug am stärk-1 sten Frau Behren« bei, die eine vorbildliche Lady Windermere war. Sie entspricht nicht nur in der äußeren Erscheinung dem Bilde der schönen und im besten Sinne noblen Frau, sondern weiß auch den Charakter überzeugend zu entwickeln. Diese Künstlerin begreift, daß e» hier darum geht, eine ganz unproblematische Frau und die geradlinige Wandlung ihres Weltbilde» zu formen, daß jede gekünstelte Gebärde, jeder Ton, der an Hysterie gemahnte, da» Bild entstellen und die Komödie verfälschen würden. Sie bleibt natürlich auch in auf Effekt gerichteten Situationen, sie wirkt ander« als unmittelbar menschlich. Die Warnholtz sand für die eigentliche genspielcrin der Lady, für die durch und durch Furtwängler sagt in Salzburg ab. Wie die „Prager Presse" meldet, hat Furtwängler der Salzburger Feftspielgemeinde die Mitteilung zukommen lassen, daß er in diesem Jahre nicht nach Salzburg kommen könne, lveil er„sehr erholungsbedürftig" sei. Furtwängler hätte in Salzburg zwei Konzerte der Philharmoniker leiten sollen. Die Ahsage ist ziemlich eindeufig. Furtwängler ist bekanntlich von G o e r i n g zum preußischen Staatsrat ernannt worden und außerdem ein großer Freund ! der Berliner Machthaber und kann daher wohl nicht Bezugsbedingungen: Bei Zustellung in» Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich KL 16.—. vierteljährig KL 48—. halbjährig KL 06.—. ganziährlg Xi 102.—.— Inserate werden lau, Tarif billigst b-rechnel. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Mückstellüng von Manisiripten ertolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die Zeimngsfrankatur wurde von der Post- und Telegraphendirektion mit hrlatz Nr. 13.800/VII/1V80 bewilligt.—Druckerei:„Orbi»". Druck-. Verlags- und ZeirungS-A.-G.. Prag.