TENTRALORGAN PER DEUTSCHEN SOZIALDEMOKRATISCHEN ARBEITERPARTEI IN DER TSCHECHOSLOWAKISCHEN REPUBLIK ERSCHEINMIT AUSNAHME DIS MONTAG TÄGLICH FRÜH. Redaktion uno Verwaltung mag xii., fochova m. telefon am. Administration thefon ast. HERAUSGEBER! SIEGFRIED TAUB. CHEFREDAKTEUR! WILHELM NIESSNER. VERANTWORTLICHER REDAKTEUR i DR. EMU STR AU SS.'FRAG. Einzelpreis 78 MbNrt (einichlieMich S H«H«r Fort») 14. Jahrgang Freitag, 8. Juni 1934 Nr. 132 IWMikler MiMrvuM in Konmo der Schaden nröftcr ist alb 20.000 fünf Jahren. Außerdem sind Geld- zu 300.000 Ke vorgesehen, inüsite nun glauben, das; ein solcher auf allgemeine Znsliminuiig An eine allgemein verständliche Sprache übersetzt, heisst das, dass ein Teil der Garnison niitrr Fükrinig odrr mindestens Duldung des Gc- nrraistadscheso drn früheren Diktator Woldrma- raS wieder rinsetzr» wollte, aber von regierungstreuen Trnvvr» bald wieder zur Brrnnnft gebracht wurde. Wakdemaras, der von einem Flirgerossizirr schon am frühen Morgen in einem Flugzeug aus seinem ständige» Berbannungsort nach Kaunas gebracht wordr» war, wurde«ach einigen Zttnn- den Aufenthalt im Bezirk der Militärflieger gegen 13*.-» Uhr von drn Fliegerossizirren selbst dem Grneralstab und vo» diesem den Organen der Ltnatsstchrrhritsvolizri übergeben. Er brsin- drt sich zur Zeit zu deren Brrsügung.Jm ganzen Lande und in allen.ttasernen herrscht nach einer amtlichen Mridung vollkommene Ruhr und Disziplin. Bon den Beteiligten an dem„undiszipliniertem Auftritt" sind sieben verhaftet worden. Einige halten sich noch verborgen. Genf, 7. Juni. Die Internationale Arbcitü- lonfcrenz hat heute nachmittags die allgemeine Debatte über die Kürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in der Woche beendet. Der englische RegierungSdelegierte L e g g e t t sprach sich gegen die Kürzung der Arbeitszeit aus und erklärte, die englische Negierung sehe cs heute nicht als opportun an, da» Abkommen über die 40-Stundcn-Woche zu unterzeichnen. An England könnte diese Konvention nicht ohne gleichzeitige Lohn- herabsetzungen durchgesetzt werden. Ter iialicnische Delegierte Michelis hielt eine lvarme Vertcidi- gungsrcde für das Abkommen. Mertens, der belgische Arbeiterdelegiertc, betonte die Notwendigkeit der Annahme der 40-2t»n- den-ArbcitSwochc als Tcilniöglichkeit für alle Arbeiter, an der Bildung von Reichtümern nicht für die Einzelpersonen, sondern für die ganze Menschheit teikzunchmen. de» Antrag riner Konvention betreffend Kürzung drr Arbeitszeit anf 40 2tun- wöchentlich stimmen. den angeführten Gründen werden die Regicrungsdelegierten auch der Arbeitcrgrnppe der Konferenz das; nämlich auSge- Die täglichen Bomben anschläge Wien, 7. Juni. In dem bekannten Leopold- städtcr Kaffeehaus„Fürstcnhof" ist gestern abends eine Rauchbombe geplatzt. Feuerwehr mutzte entschreiten. In der Nacht lvnrde vor den; HauStor des Anwesens des Landeshauptmannes I. R e i t h c r in Langenrohr eine Kiste mit 7 bis 8 Kilogramm eines leicht brennbaren Stoffes nicdergclcgt und mittels einer automatischen Vorrichtung entzündet. Dec entstandene Brand wurde durch die Hausbewohner gelöscht. Gegen die Wohnung des Detektivs S e l- la k in Stein bei Klagenfurt wurden vorgestern zahlreiche Revolverschüsse abgcfcuert, die jedoch niemanden trafen. In der Wohnung lvurdcn später 1V Projektile gefunden. ES handelt sich um einen politischen Anschlag gegen den Beamten, der besonders gegen die Nationalsozialisten tätig lvar. In der Nacht auf heute wurde auf das Gebäude des christlichen Turnvereines in Salzburg ein Sprcnganschlag verübt, durch den ein Schaden von 5000 Schilling verursacht worden ist. ZTurz nach diesem Vorfall lvurde auch«in auf dem Koling-Sportplatz befindliches Holzgcbäude durch die Explosion eines Sprengkörpers schwer beschädigt. Der Sachschade beträgt ungefähr 4000 Schilling. Aus Anlatz dieser Sprenganschläge wurde eine Anzahl vo» Ilationalsozialistcn in das Konzentrationslager abgegeben. Hierauf wurde über eine Resolution folgenden Wortlautes abgestinnnt: „Die Konferenz hat beschlossen, alö Dr- battengrundlagr den Brrtrag und de» Abkom- mriiSrntwurf, der vom Anternationale» Arbeitsamt über die Herabsetzung drr Arbeitszeit nnsgrarbeitet wurde, anzuuehmen und diese einer Tonderkom Mission mit dem Ersuchen um Berichterstattung in dieser Frage zu librrgeben." 71 Delegierte sprachen sich für die Annahme der Resolution aus, darunter drei tschechoslowakische Delegierte, u. zw. die beiden Regic- rungSdelcgicrtcn und der Arbeiterdelegiertc Abg. Brodccky. 22 Delegierte, hievon für die Tschechoslowakei Dr. Bank! als Arbeitgebervertrcter lehnten den ResolutionSantrag ab. Damit gilt die Resolution als a n g c n o m men ein neues Dollfuß-Opfer Wien, 7. Juni. Heute hat der in Haft befindliche ehemalige sozialdemokratische Land- iagSabgeordnetc Rudolf Posch durch Erhängen Selbstmord verübt. „Arbelter>Zeltuns“— die verbreitetste politische Zeitung! Oesterreichs 1 Wie der ORD aus Wien erfährt, ist dir in Brünn erscheinende, in Oesterreich von der Regierung Dollfuß verbotene„Arbeiter-Zeitung" in Wien und im übrigen Oesterreich in Massen verbreitet. Während in Oesterreich rin stiller, aber umso wirksamerer Boykott gegen alle Zeitungen eingesetzt hat, die kein offenes Wort zu schreiben wagen»nd nicht einmal über die Vorfälle in Oesterreich berichten dürfen, steigt die Auflage drr verbotenen„Arbeiter-Zeitung" ununterbrochen. Dir Auflage der illegalen„Arbeiter-Zeitung" hat die legale Auflage der früher in Wieners chienenen„Arbeiter-Zei- t u n g" b e i n a h e e r re i ch t. Die illegale„Ar- teiter-Zeitnng" ist dir v e r b r e i t e t st eo litt s ch e Zeitung in Oe st erreich— nnd das t r o tz d e m f a fc i st i sch e n T e r r o r, drr jeden Kok.'wrtrur der„Arbeiter-Zeitung" mit mehrmonatigem«nd jeden Leser, bei dem ein Exemplar der„Arbeiter-Zeitung" gefunden wird, mit mehrwöchigem Polizeiarrest bestraft. Anher der wöchentlich erscheinenden„AZ" werden jede Woche hunderttansende Flngzettrl verteilt. Auch die wiedererscheinende Monatsschrift der österreichischen Sozialdemokratie„Der Kampf" kommt in pieken hundert Exemplaren nach Oesterreich. Auch seine Auflage ist schon wieder beinahe so groß wie vor den Febrrkämpfcn. Vie Habsburger werden Immer frecher I Linz, 7. Juni. Auf dem Dclegiertentag des RcichSbundcS der Ocstcrrcichcr in Linz, an dem 60 Delegierte aus Oberöftcrrcich versammelt waren, hat der hiebei erschienene ehemalige Erzherzog und Generaloberst Josef Ferdinand Habsburg die Bereitwilligkeit kundgetan, das Protektorat über den oberösterrcichifchen Landesverband des RcichSbundeö der Oestcrrcichcr zu übernehmen, waö„mit stürmischem Beifall" ausgenommen wurde. Die neugcwählte Landcöleitung hat gleich aus ihrer ersten Sitzung eine Huldi- gnngSadresse an Otto Habsburg gesendet. Arbeitszeit- d c r wirksam- R c d u k t i on der Arbeitslosigkeit. Deshalb wird die tschechoslowakische Regierungsdelegation für die den Aus tschechoslowakischen für die von unterbreitete Resolution stimmen, der vom Internationalen Arbeitsamte arbeitete Bericht zur Grundlage der Verhandlungen der entsprechenden Konunission genommen werde, die sofort gebildet werden müsse und die das Abkommen über die Arbeitszeitverkürzung vorbereiten soll. Genf, 7. Juni.(Tsch. P.-B.) Die Internationale Arbeitskonferenz setzte heute Vormittag die allgemeine Debatte über die K ü r z u n g der Arbeitszeit fort. Der Delegierte der australischen Arbeitgeber Macdonald machte auf die Erfahrungen Australiens aufmerksam, wo z. B. in den Kohlengruvcn die Arbeitszeit gekürzt wurde und das Ergebnis eine um 20 Prozent grötzerc Arbeitslosigkeit sei. Für jeden Staat mütztc ein anderes ArbeitSregimc gewählt werden. Der englische Arvcitervcrtrcler H a y d c y Iritisierle das Vorgehen der englischen Regiernng, der er vorwarf, dah sic durch Ablehnung der Arbeitszeitverkürzung die Negation der internationalen Znsannncnarbeit verwirkliche, Die englischen Arbeiter sind für ArbcitSzcitli'u- zung, werden aber nie eine Lohnrcduklion, nnd damit eine Herabsetzung deö LebcnSniveanS annch men. Der Vertreter der französischen Arveitgeber sprach sich in einer langen Rede gegen die Arbeitszeitkürzung aus und erklärte sie als eine Matznahme. die volllommen dem Sinn der Wirtschaft widerspricht. NamcnS der tschechoslowakischen Regierung sprach Dr. B r a b l c c, der im wesentlichen auSsührte: Die tschechoslowakische Regie- rungödclegation wird sür den Antrag des Abkommens der Kürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden wöchentlich stimmen. Die tschechoslowakische Regierung ist der Ansicht, daß die Arbeitszeitverkürzung eines Ex-Diktator Woldemaras verhaftet. Generalstabschef entlassen K o w n o, 7. Juni. Heute nachts haben sich! in drn Straßen Kownos mysteriöse Dinge rreig- net. Rach einer ersten amtlichen Mitteilung habe es sich nur um einen„Probealarm" der Garnison grhandrlt, bei dem es durch„Mißverständnisse" zwischen einzelne» Trupprittrilen zu kleineren Schießereien gekommen sei. Später bequemte sich der amtliche Nachrich tendienst doch zu der Mitteilung, cs habe sich her- auSgestellt, daß eine Gruppe von Lfsizirreu un ter der Driknug dcS Alarmzustandcv„r ine» Druck auf die Obrigkeit der Re publik" in der Richtung auszuüben versuchte, daß die jetzige Regierung zugunsten einer von W o l d e m a r a s zu bildenden Regierung nm- gebildet werde. Nachdem der Staatspräsident der artige Versuche auch nur zu erörtern rntschirdrn abgclehnt hätte, trat drr Ehrs deS Genrralstabes, Generalleutnant KnbiliuSnaS, zurück. Sei» Rücktritt wurde angenommen nnd bereits rin Nach folger ernannt. vor Arbeitszeitentwurf einer Son der komm Ission zugewiesen Demokratie gegen Korruption ES sind erst wenige Wochen, seitdem Genosse Dr. Czech daS Ministerium sür öffentliche Arbeiten übernommen hat und schon spürt man, das; eine starke und sichere Hand das Ministerium, das für die verschiedenen Gebiete dcS staatlichen Lebens, insbesondere auch für die öffentlichen Lieferungen von Bedeutung ist, leitet. Die Oefsentlichkeit hat cö niemals gerne gesehen, datz einzelne Beamte dieses Ministeriums in den Leitungen verschiedener Unter- nehmungen sitzen und so die Interessen von Beamten dieses Ministeriums mit denen von Pri- vatuntcrnchmungen verknüpft werden. Aller- dings sind darunter Unternehmungen, an denen der Staat ein Interesse hat. Der Minister für öffentliche Arbeiten hat nun ungeordnet, das; Beamte des Ministeriums in der Regel nur eine m VcrwaltungSrat angehörcn dürfen und nur solcher Unternehmungen, die der Aufsicht des Ministeriums unterstehen, wo also diese Beamten das Ministerium vertreten. Dadurch wird sicherlich manchem Ucbelstand abgcholfe» werden. Noch wichtiger ist allerdings das Bemühen deS Ministeriums, bei Vergabe von össentlichen Lieferungen jeden Mißbrauch zu hintertreiben. Im Senat wurde gestern das Gesetz beraten, welches die Regierung über Anregung deS Ministeriums für öffentliche Arbeiten diesbezüglich vorgelcgt hat. Bei diesen; Gesetz handelt es sich vor allem darum, die Mißbräuche zu beseitigen, die bei sogenannten Deckofferten entstanden sind. Es bat sich nämlich die Gewohnheit cingenistet, das; sich die Offerenten über ihre Ocsscrte, insbesondere über den zu erstellenden Preis einigen und das; derjenige den niedrigsten Preis anbietet, der nach einer Vereinbarung, welche die Ossc- i reuten untereinander treffen, die Lieferung erhalten soll. Die anderen bekommen dann irgendeine Gcldentschädigung. Dieser Betrug, der solcherart am Staate verübt und nicht nur einmal vcr- übt wurde, soll nun abgestellt werden. Deswegen bestimmt das Gesetz im Paragraph zwei, daß, wer anderen einen materiellen Vorteil dadurch gewährt, daß er von der Teilnahme bei einem öffentlichen Wettbewerb zurucktriii oder daß er sich in bestimmter Weise an einem Offert- verfahren beteiligt, bestraft wird, nnd zwar in der Dauer vou acht Tagen bis zu einem Jahre und wenn Kc bis zu strafen bis Man Gesetzentwurf stoßen werde, insbesondere auch bei jenen an- ständigen Offerenten, die doch durch Methoden, wie sie bei derartigen Deckofferten üblich sind, schwer geschädigt werden, und daß also die Lic- fcrantcn und ihre Organisationen ein Interesse daran haben, Ordnung und Reinheit in das staatliche Lieferungswesen zu bringen. Wer das aber glaubt, kennt nicht— den Industriellen, verband. Der Verband der tschechoslowakischen Industriellen hat an die Parlamentarier eine Denkschrift gerichtet, worin er sich gegen den Gesetzentwurf wendet. Die Argumente, die in dieser Denkschrift vorgebracht werden, sind so wenig durchschlagend, das; cs sich dem Verfasser um nicht anders handeln konnte, als darum, eine strenge Bestrafung betrügerischer Offerenten zu verhindern. So wird gesagt, datz man bei Vorlage eines solchen Gesetzes sagen müßte, in welchem Umfange Unregelmäßigkeiten bei össent. lichen Lieferungen vorgekommon sind und wcl- chcn Schaden der Staat dadurch erlitten hat. Als ob das Ministerium für öffentliche Arbeiten von allen Betrügereien, die man an ihm ver- i der Mittel zur Berniindcruuq der Arbeits- losigkci» ist. Die Arveitslosigkeit ist gcgenwärlig in der ganzen Welt das größte soziale klebet. Die Rationalisierung hat die Zahl der Arbeitslosen erhöht und hat nicht genügend aus den menschlichen Faktor in der Produktion nnd im Wirtschaftsleben Rücksicht genonunen. Die Ischccho- slowalische Regierung wünscht nnd ist bemüht, die größte Zahl der Arbeitslosen in den Gang s der Produktion wieder cinznführcn. Nach ihrer l llcberzengung ist d i e t ü r zn n g eines st e n M! t t el; n r Tschechoslowakei für Arbeitszeitverkürzung Rede des Regierungsdelegierten In Genf für eine Internationale Konvention betreffend die Vierzigstundenwoche ®eHt 2 Freitag, 8. Juni 1034 Nr. 132 Bernasek nicht mehr in Deutschland' Der Führer des aberösterreichischcn Rcpubli- kanischen Schuhbundes und sozialdemokratische LandeSsckretär Richard Bernasek, mit dessen Verhaftung am 12. Feber die Kämpfe in Oesterreich begonnen haben, ist bekanntlich zu Ostern in Begleitung vier anderer Gefangener und eines nationalsozialistischen Justizwachcbcamten aus dcmLinzerLandeSgericbtgeflüch- t e t. Diese Flucht hat großes Aufsehen erregt. Es gelang den Flüchtlingen, über die deutsche Grenze zu kommen. Bernasek blieb zunächst in München. DieS gab zu allerlei Gerüchten Anlaß. daß er sich zum Nationalsozialismus bekehrt habe. Er selbst ist vom Anfang an solchen Deutungen energisch cntgegcngetrete». Nunmehr hat Richard BcrnasekDeutschland am 30. M a i v c r l a s sc n. sucht hat, auch unbedingt erfahren haben müßte! Es ivird iveiter gesagt, daß die Lieferanten durch daS Gesetz in den Augen der übrigen Bevöl. lernng herabgesetzt werden, waS ungefähr den Wert hat, als ob jemand behaupten würde, daß Diebe und Mörder durch die Gesetze, die ihre Bestrafung barschen, in den Augen der Bevöl- kcrung herabgesetzt werden. Sogar das Bor- gehen bei den Deckofforten wird verteidigt und gesagt, daß bei diesen Deckofferten,„soweit sic Vorkommen, es sich nur um die Regelung der Austeilung der Lieferungen initcr einzelne Lie- fcranten handelt". Daß der Jndustriellenverband sich dazu hcrgibt, einen derartigen Mißbrauch, bei dem der Staat geschädigt wird, zu vertei- digen, gehört wohl zu den ärgsten Entglcisun- gen, welche sich eine Wirtschaftsorganisation in der Tschechoslowakei je hat zuschuldcn kommen lassen. Die Denkschrift des Fndnstricllenverban- des schließt damit, daß die bisherigen Borschrif- ten über das öffentliche Lieferungswesen genügend sind und daß cs eines neuen Gesetzes nicht bedarf. Wir wolle» diese Ausführungen des In- dustriellenverbandcs, die ihresgleichen suchen, nicht vorübergehcn lassen, ohne einige nützliche, im gegenwärtigen Augenblick besonders wertvolle Lehren und Erkenntnisse daraus zu ziehen. In der letzten Zeit ist es Mode geworden, den Ausweg aus der schwierige«» wirtschaftlichen Situation des Landes in der Einsetzung eines Wirtschaftöparlamentes zu sehen, .einer Versammlung von sogenannten Fachleu- ten, welche das entscheidende Wort' in allen Wirtschaftssragen sprechen und dadurch das demokratische Parlament run einen Teil seines Einflusses und seiner Kompetenz bringen sollen. Wie diese? Wirtschastsparlament zusammengesetzt wäre, weiß man ja aus der schon bestehenden Einrichtung'des Wirtschastsbeirates, in welchem in der ersten Gruppe die Vertreter der Unternchn«er, also auch des Industriellen»«, bandcs sitzen und man weiß auch, welchen Ein- sluß der Jndustriellenverband in dieser Korporation hat. Das wären also diejenigen, welche in dem Wirtschastsparlament das große Wort süh- ren würden, diejenigen, welche die Mißbrauche, 31 I Unsere Töchter, die Maxinen' Roman von Harmonie Zur NiWnj „Sie sind ja ganz politisch geworden, Gräfin Agnes." Aber>vas hat Politik mit Menschlichkeit, mit Gerechtigkeit und Liebe zu schaffen? Ich bin nur ein Mensch, eine alte Frau, die vielleicht ein Leben hindurch gesündigt hat, indem sie sich von allem zurückzog. Nm« aber möchte ich, trotz meiner siebzig Jahre, alles wieder gut machen, was ich gefehlt, möchte Helsen, retten und möchte auch noch den Sturz der jetzigen Machthaber erleben. ES war für mich ein beglückendes Gefühl, als mein kleines Motorboot an der Schweizer Grenze anlegte und ich unseren braven Bürgermeister in Sicherheit wußte. Ich zitterte ja innerlich vor Angst, als Hcllsdorf mit seinen Bravos zu mir kain. Würden sic daö kleine fensterlose Kämmerchen finden, vor dem der große alte Mahagonischrank stand? Wußte Claudia, daß ich den Bürgermeister versteckt hatte? llnd wenn sie eü wußte, was würde sie tun? Ich konnte>nir ja nicht vorstcllen, daß incine Tochter einen hilflosen alten Mann verraten könnte, aber wenn sie eS dennoch getan hätte... Ich tveiß auch nicht, ob sie die kleine Komödie durchschaut, die ich ihr seit Wochen Vorspiele: die kranke, alte, zutode gc- ängstigtc Frau, die um ihr Leben bangt. ES fällt mir nicht leicht, mich in diese Rolle zu finden, fühle ich mich doch stark und mutig wie eine junge Frau. Aber ich muß eü tun, wenn mein Haus auch künftighin ein Zufluchtsort für Verfolgte fein soll. Auch dem gute«« Fritz gegenüber habe ich diese Rolle gespielt, habe ihm erklärt, ich fürchte mich so, er müsse mit seiner Frau und dem Kind die bei öfsontlichcn Lieferungen getrieben wer- den, verteidigen» indem sie sich gegen ein Gesetz wenden, welches mit diesen Mißbräuchon auf- räumt und welches verhindern soll, daß der Staat nm Millidncn geschädigt wird. Gerade bei der Beratung deS in Rede stehenden Gesetzes im Senate und gerade dadurch, daß der Jndustricllenvcrband eS für nötig gehalten hat, die Parlaincntarier über seine Auffassung zu informieren, zeigt eS sich, wie unsinnig die Reden über die„kurrupte" Demokratie sind. ES ist vielmehr ersichtlich, daß nur die Demokratie und keil« Ständestaat uird kein Wirtschaftsparlament geeignet ist, die Miß- brauche in« öffentlichen Leben abzustcllen. D i c Demokratie bietetdie einzige Möglichkeitmit der Korruption fertig zu werden und auf den Gebieten de'S öffentlichen Lebens diegeltenden Gesetze des Staates und der Moral ein» z u h a l t e n. Verrückt msn die Verteidigung der Korruption? Industriellenverband gegen Arbeftenmlnlsterlum Prag, 7. Juni. Im Senat wurde Heu te dir Regierungsvorlage gegen Dlachenschaften bei der Vergebung öffentlicher Lieferungen und Arbeiten angenommen. Datei griff Gen olle Dr. Heller in die Debatte rin, um sich mit einer Denkschrift deS JndustriellenorrbandeS zu beschäftigen, die allerhand über die dort herrschende Auffassung von GrschäftSmoral durchblicken lässt. Genosic Dr. Heller führte u. a. aus: Zu unser allergrößten Ueberraschung mußten wir sehen, daß es eine Korporation gibt, die offenbar nicht geneigt ist, dem Staat« die Mittel an die Hand zu geben, um die Korruption zu bekämpfen. DaS ist der Verband der Industriellen, der un» uiit einer beinahe 20 Seiten langen Denkschrift bedacht hat, in der er mit aller Schärfe gegen da» Gesetz Stellung nimmt und sich nicht scheut, direkte linlvahrheiten und Dinge anzuführen, die mit dem Gesetz gar nichts zu tun haben. Mit Rücksicht auf die Kürze der Redezeit muß ich mich darauf beschränken, nur an Beispielen anzuführen, in welcher Weise der Verband der Industriellen gegen das Gesetz polemisiert. Seit wann diese Liebe für die Kleinbetriebe? Er behauptet, daß durch diese Novelle unmöglich gemacht werden soll, daß mehrere— kleine— Unternehmer gemeinsam Offerte überreichen. DaS wird aber durch diese Novelle überhaupt nicht getroffen. Auch in Zukunft werden sich mehrere Offerenten vereinigen köniten, und wenn sie offen sagen, daß sie sich vereinigt haben, so hat da» mit diesem Gesetze nichts mehr zu tun. Man versucht von feiten des JndustriellenverbaiweS, der im allgemeinen lvahrhaftig nicht die Interessen der kleinen Unternehmer vertritt, die Keinen Unternehmer gegen das Gesetz anfzuhctzen, indem man dem Gesetze etlvaS unterschiebt, tvas in» Gesetze gar nicht drinnen steht. Betrug am Staat ist kein Verbrechen? Ferner ist eS überaus sonderbar, wenn sich diese Zuschrift deS JndustriellcnverbandeS auch damit befaßt, daß auf Betrug dieselbe Strafe gesetzt ist, die sonst im Falle eine» Verbrechens festgesetzt wird. Ja, ist denn daS, wenn mehrere Personen sich vereinigen und Deckosferte abgeben, damit an einen bestimmten Offerenten die Lieferung vergeben werde und sie dafür die anderen, die nur Scheinofferte überreicht haben, bezahlen, nicht Betrug am Staat und soll dieser Betrug nicht ebenso, ja womöglich noch strenger bestraft werden al» der Betrug an einer privaten Person? Es scheint, daß sich der Verband der Industriellen mit dem Betrttg identifiziert, der dem Staat im Laufe der 12 Jahre Hunderte Millionen gekostet hat. Wir nehmen diesen Standpunkt des Jndustriellcnvcrbandes zur Kenntnis unb es müssen ihn hauptsächlich die zur Kenntnis nehmen, die in letzter Zeit so eifrig plädiert haben, daß an Stelle des Senates ein Wirtschaftsparlament tret«. Dort würden die Herren vom Jndustriellcnverband sicherlich eine sehr große Rolle spielen. Das wäre ein„Wirtschaftsparlanient”! Wir sehen, welche Elemente in einem solchen WirtschaftSparlamente die ouSschlnggebendc Rolle spielen würden nnd die Herren haben unS für nnsrren Standpnnk gegen diese» Wirt- schaftSparlamrnt mit ihrer Denkschrift eine sehr gute Waffe in dir Hand gegeben. Ich stelle mit Freuden fest, daß eS im Ausschuß des Senates niemanden gegeben hat und ich hoffe, daß«S auch in diesem Hause niemand geben wird, der sich dieser Denkschrift annehmen wird. Kontrolle der Exekutive Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch eine ,Uveite Sache berühren, mit der heute in der Oefsent- lichkeit häufig krebse» gegangen wird, nämlich mit der strengen Scheidung zwischen Parlament«nd Exekutive, die dem Parlamente jede Aufsicht über die Exekutive nehmen soll. Ich glaube, daß gerade dieser Fall zeigt, daß daS Parlament die Möglichkeit haben muß, die Handlungen der Exekutive zu überprüfen. Es ist kein Zweifel, daß Jet jeher schon vor Bestand de» Staate» in der Bevölkerung großes Mißtrauen gegen die Art herrschte, wie staatliche Lieferungen vergeben werden. Hier Handelt eS sich nicht uni Bagatellen und Keine Beträge, sonderit um viele Hunderte von Millionen, in 18 Jahren tun viele Milliarden, die der Staat unb di« öffentlichen Körverschaften im Wege von Lieferungen vergeben haben. Fehlt sind die feinde der Arbeitslosen an der Reihe! Do» möchte ich wieder deut Jnduftriellrnverbond i sagen, der mit solcher Emphase gegen die geradezu lächerlich kleine Unterstützung ko»- gezogen ist, die unsere Arbeitslosen haben, dem e» noch viel zu viel war, wenn einmal rin Rentner, der 100»der 120 K£ Rente bezieht, von einem Gemeindevorsteher noch dir Er- nährunglkarte bekommen hat. Da« haben die Industriellen als ein Verbrechen am Staat hingestellt. Aber sie unterstützen es, wenn e» sich um einen Betrug am Staat handelt, der in viele, viele Millionen geht. Das allgemeine Mißtrauen, von dem ich gesprochen habe, Ivird auch durch diese» Gesetz zweifellos nicht beseitigt werden. Korruption im Staate tritt nicht nur bei Lieferungen in Erscheint««, sondern auch In vielen anderen Beziehungen: Da» Ministerium für öffentliche Arbeiten ist geradeINtrtzter Zeit auch in einem anderen Falle eingeschrltten. Weitere Maßnahmen E» hat vor wenigen Tagen seinen Beamten verboten, mehr alü eine' oder höchsten» zwei BerwaltnngSratSstrllen(in Unternehmen, welche vom Staat beaufstchtigt werden) anzunehmen. Wir haben Fälle In unserer öffentlichen Vertval- tung, wo ein Beantter zehn, zwölf und mehr Ver- waltungSratSstellen innehat nnd daraus hunderttausende Kronen an Bezügen zieht. DaS Ministerimn für öffentliche Arbeiten ver« sucht in höchst dankenswerter Weise diesen zw-ifel- WS unzulässigen und tmgehörigen Zuständen ein Ende zu machen. Aber wenn wir daneben lesen müssen, daß ein SektioitSchef des FinaitzministerinmS in Pension geht— derselbe Herr, der den Beantten die Gehälter und Pensionen gekürzt bat— nnd daß er zu seiner gewiß sehr ausreichenden Pension noch 20.000 K£ im Jahre dazu bekommt nnd kaum, daß er aus dem Amt heraus ist, eine Stelle im Verwal- tung»rat einer großen Bank annimmt, dann kann daS Vertrauen der Bevölkerung nicht gestärkt werden. Und dieser Fall war durchaus nicht vereinzelt. Ich will nicht von dem SektionSchcf de» Ministeriums für öffentliche Arbeiten sprechen, der bei Vergebung von Straßenbanten ein entscheidendes Wort zu sprechen hatte und kaum daß er in Pension gegangen ist bei derjenigen Finna, die diese Bauten in der Hauptsache «uSführt, schon angestellt wurde. Bon Kolaci bi» Blasäk zieht sich wie ein roter Faden durch unsere öffentliche Verwaltung die Tatsache, daß hohe Veantte a»S dem öffentliche» Dienste ausfchciden und in private Dienste übertreten. ES lväre dringend notwendig, daß auch hier Remedur geschaffen wird, lvenn da» Vertrauen der Bevölkerung in unsere Staatsverwaltung gestärkt lverden soll. Unterstützt das Arbeitenministerium Ich weiß, waS konunen wird. Die Herrschaften, die sich durch die Tätigkeit des jetzigen Ministers für öffentliche Arbeiten. in ihren Erwerbsquellen bedroht fühlen, werden eine Treiberei einschen, so wie es vorher int Ministerium für soziale Fürsorge der Fall Ivar. Man wird soziale, man wird nationale Momente inS Treffen führen und eS werden sich Zeitungen finden, welche diese Treibereien und Hetzereien unterstützen werden. Man wird versuchen, deni Minister für öffentliche Arbeiten daS Leben unmöglich zu machen. Wir erklären hier, daß wir dem Minister für öffentliche Arbeiten für diesen Gesetzentwurf und für die sonstigen Maßnahmen zur Bekämpfung der Korruption und der lingehörigkei- ten, die sich in unserer öffentlichen Verwaltung sinden, den Dank auSsprechrn, daß wir ihn in feinem Bestreben unterstützen werden und wir hoff«», daß wir bei dieser Unterstützung die Teilnahme aller anderen Parteien, welche ernstlich die Korruption in diesem Staate bekämpfen wollen, finden werden.(Lebhafter Beifall.) Die Vorlage wurde schließlich in beiden Lesungen gcnehntigt. Nächste Sitzung Dienstag, den 12. Juni, um 16 ilhr. Tagesordnung: Währungsschutz und zwei kleinere Wirtschaftsabkommen. Olympiade Prag Alusverelne, sendet die Fragebogen zur Olympiade ein! zu mir ziehen. So weiß ich, wenn ich abends das Gartentor versperre, tvenigstens, daß Fritz in Sicherheit ist und nicht irgendwo tot auf der Straße liegt. Ich glaube, er hat ja meine Komödie durchschaut; ich fühle mich geehrt über das Vertrauen. das er mir bezeugt, iveiß Gott, ich habe es nicht durch mein egoistisches Leben verdient. In all der Trauer und dem Entsetzen mußte ich neulich trotzdem herzlich lachen. Meine gute Kati besuchte mich. Wir sprachen über dieses und jenes und plötzlich sah ich auf ihrem Gesicht einen halb erstaunten, halb cntpörten Ausdruck. Ihr Blick war auf einen alten Vetsttchl gefallen, den ich von meiner Großmutter geerbt habe, einen Betstuhl mit einem tiefen Fach für fromme Bücher. Ich hatte den Betstuhl, der lange auf dem Boden gestanden, ins Wohnzimmer bringen und unter cinent Madonnenbild anfstellen lassen, vor dem ein Oellichtlein brennt. Kati fragte mit gerunzelten Brauen: „Seit wmm sind Sie bigott geworden, Gräfin Agnes? Das Beten wird uns nichts nützen." Ich lachte, und sie blickte mich vorwurfsvoll an. Nachdem ick' mich eine Weile über ihren Aerger gefreut hatte, stand ich auf, verschloß leise die Wohnzimmertür nnd führte Kati zti dem Betstuhl, dessen Fach ich aufschlug. Unter den frommen Büchern verborgen, lagen vier Revolver, Fritz hatte sie mir zmn Aufbcwahren gebracht. Kati starrte mich an wie nicht gescheit, dann lachte auch sie, aber aus irgendeinem Grund füllten sich ihre guten Augen mit Tränen, und dann fiel sie mir um den Hals nnd lüßtc mich ab. „Daö geht nicht, Gräfin Agnes", sagte sie mit nicht ganz fester Stimme.„Wenn man die Waffen bei Ihnen sindct." Ich zuckte die Achseln. „Dort wird man sie nicht suchen. Und [ wenn... Es ist doch besser, eine alte Frau kommt ins Gefängnis oder wird erschlagen, als ein jun. gcr Mensch. Und wer sollte mich verraten? Auf das Diädchen kann ich mich verlassen." Kati schluckte ein paarmal heftig, und ich lvußte: jetzt denkt sie, ja, auf das Mädchen kann sich die alte Frau verlassen, aber wie steht es um ihre Tochter Claudia? Das tat mir tvch. Wurde dock auch ich von dieser Frage gequält: wie steht es um meine Tochter Claudia? Ich sprach wieder mit ihr und nahm auch die Mahlzeiten zusammen mit ihr ein. Aber ivaS sagten wir unS schon? Wir redeten über das Wetter, über gleichgültige häusliche Angelegenheiten. Sie sah sehr schlecht auS, blaß, mit schtvarzen Ringen unter den Augen, als ob sic nachts nicht schlafen könne. Sie aß fast nichts und tvurdc lvieder schrecklich mager. Manchmal, wenn sic sich unbeobachtet glaubte, blickte sie so verzweifelt drein, daß ich an mich halten mußte, um nicht zu fragen: „WaS ist dir, Claudia? Sprich dich doch auS." Sie war auch sehr nervös; ihre Hände zitterten und sie rauchte eine Zigarette nach der andern. Einmal ging ich in ihr Zimmer, ich glaubte, sie sei auSgegangen, und öffnete ohne zu klopfen die Tür. Da lag sie auf der Chaiselongue und weinte, weinte, wie ich sie nie weinen gesehen hatte. Am ersten Mai ging sie zum Fest der Arbeit, zusammen mit Toni. Und wir zlvct Alten, Kati und ich, saßen zusammen im Haufe. Kati war schrecklich aufgeregt. „Unser erster Mai", sagte sie verbittert. „Sie haben uns alles geraubt. Auch unseren ersten Mai." Sie sprach lange mit mir und schließlich begriff auch ich, tvas das alles bedeute. Ein Tag, der feit Jahrzehnten der Tag der Freiheit und der Zukunftshoffnung gewesen lvar, ist gesck)ändct und erniedrigt tvordcn. AuS KatiS Worten erstand mir das Bild eines tapferen opferreichen Kampfes tint daS Recht, eines Kampfes, der jahrzehntelang geführt lvorden war, und der seinen Feiertag hatte: den ersten Mai. Da waren im Zug die Kinder mit- gegangen, die Hoffnung der Zukunst, die kleinen unschuldigen Geschöpfe, für die die Alten lämps- ten, und hinter den Kindern die Alten, die gelitten nnd anSgcharrt hatte», allen Feinden zum Trotz, im heiligen Glauben an eine friedliche, gerechte Welt. Die roten Fahnen, rot ivic das glühende Leben, waren im Zuge getragen worden, und in der Mailust hatte die Internationale geklungen, das Lied, daS keine Grenzen kennt, das alle umschließt, tvclcher Nation und Nasse sie angehören. alle, die guten Willens sind. Und heut«.. Heute weht die Fahne, die Barbarei, engherzigsten NationalisniuS und roheste Thrannei verkörpert, dem Zug voran: die Hakenkreuzfahne. Die Zukunft wird gemordet, die Kinder tragen braune Uniforme», imd heben die klcineu Hände zum Hitlergruß. Was soll, tvaS kann auö diesen Ländern werden? Was soll, tvaS kann auS unserem Vaterland werde»?„Tas ganze Volk", hieß eS in den Aufrufen der Regierung. Sie lügen. Das, was das mordete nnd folterte und unterdrückte, war nicht daS ganze Volk, war nicht einmal die Hälfte der Deutschen. Das waren Irrsinnige, Betrüger, Postenjäger, das lvar, zumindest waS die Führung anbelange, wirtlich ctlvas, tvas ich ost gelesen und nie begriffen hatte: der Abschaum der Menschheit. ES>var totenstill im Zimmer. Wir saßen nebeneinander auf dem Sofa, und ich lernte, mit siebzig Jahren, die Wahrheit erfassen. Ich blickte auf Kali. Sie war wieder ruhig gelvorden. Ich fühlte neben mir eine unzerbrechliche Kraft, die, vielleicht nicht heute, vielleicht auch nicht morgen, aber einntal bestimmt siegen tvürde. Die Kraft der Menschen, die alles schaffen, das ivir andern nur genießen, die Kraft des Landes, das sich einmal an seine Vergangenheit erinnern wird, an die fernen Tage, da es itoch keine Schaitde war, ein Deutscher zu sein, die Kraft des Geistes, der immer und immer über die rohe Gewalt den Sieg errungen hat. (Fortsetzung folgt) Nr. 132 Arettag, 8. Jmfi 1034 Sette S Der Zwischenfall beigelegt Unverbindliche Resolution bei Absenz der deutschen Regierungsparteien angenommen Penslonsnovelle genehmigt Prag, 7. Juni. Mit der Liauidierung des Vorstoßes Dubiclys gegen die deutschen AmtSstel- len, and dem seitens der radikalen Elemente im tschechischen Lager a»S durchsichtigen Gründen eine Haupt- und Staatsaktion gemacht wurde, verging auch noch der ganze heutige Tag. Die äußeren Begleitumstände waren fast die einer regelrechten Krise. ES gab ttvalitionsbcratungen, eine neue Aussprache mit dem Ministerprästdenten, an der Genosse Taub und der Landbiindler Zierhnt tcilnnlnnrn, vorher und nachher Klubbcratnngen und schließlich auch noch einen Ministerrat. Ber- schiedrne Rcsoluttonoentwürfc wurden in Umlauf gesetzt und wieder abgelehnt. Schließlich kam folgende Fassung zustande: „TaS Ministerium für soziale Fürsorge wird «usgesordert, eine zweckmäßige Regelung der Organisation der Pensionvversicherung der Privatangestellten zweck» Erzielung der grühtmöglichen Sparsamkeit vorznbereiten. Bei der Amtsführung der Allgemeinen Pensionsanstalt soll darauf geachtet werden, das; dir Vorschriften des Spra- chengesetze» ringehalte» werden." Auch mit dieser Fassung der Resolution wäre» sowohl unser Klub wie der dcS Bunde» der Landwirte nicht einverstanden. Die unterschrieben sic auch nicht, wir cs bei Koalitionsresolutio- ncn sonst üblich ist. Die Resolution wurde wohl im Anschluß an die Abstimmung über die PensiouSversichrrungs- novclle, die am Abend nach einer längeren Sit- zungounlerbrechnng schließlich doch noch- stattfand, bei der zweiten Lesung angenommen, aber ohne die Stimmen der beiden deutschen Regierungsparteien, die vor der Abstimmung den Sitzungssaal verlassen halten. Im Kops der Resolution figurierten als Antragsteller neben den tschechischen Koalitionsparteien auch noch Dr. T o u i c t von den Nationaldemokraten und(! u r i k namens der Hliukaleute. Dafür hatten diese beiden Parteien ihre Absicht ausgcbcn müssen, die ursprüngliche Resolution Dubicky, die innerhalb der Koalition längst erledigt war, als ihre eigene einzubringen. Dadurch war Herr Dubicky der unangenehmen Notwendigkeit enthoben, womöglich scin'cigeneS Gei- stcSproduIt verleugnen zu müssen, falls cs darüber ^ur Abstimmung gekommen Ivärc. ES ist Wohl nützlich, nach Liguidierung der masslos aufgebauschtcn Angelegenheit sich den ursprünglichen Text dieser Resolution vor Augen zu führen. Darin wurde nicht weniger gefordert, als dass die deutschen Amtsstellen der P c n s i o n san stalt in Prag und Brünn a u f g e l a s s e n und mit den tschechischen A m t s st e l l c n vereinigt werden. An« einem Vergleich der beiden Texte kann man am besten ersehen, welches positive Resultat der Widerstand der deutschen Regierungsparteien gegen den Borstoss Dubickys schliesslich doch hatte. In der neuen— wohlgcmerkt: trotzdem von den deutschen Negierungsparteien nicht angenommenen— Fassung ist von den deutschen Anrtsstellcn überhaupt nicht die Rede, geschweige denn von ihrer Auflassung. Man kann also einer eventuellen Weiterentwicklung der Angelegenheit mit vollerRuhe entgegenschen. Selbst wenn daS Fürsorgeministeriuyi, daS in der heutigen Kriseuzeit bei Gott wichtigere Sorgen hat. nichts Eiligeres zu tun haben sollte, als den Wünschen dcS Herrn Dubicky, wie sic in der letzten Fassung der Resolution zum Ausdruck lommt, promptes! zu lvillfahcen, so kann man sich immer»och ganz gut Aenderungcn der Organisation der Pcnsionsversicherung vorstellen, die der Forderung nach Sparsamkeit Rechnung tragen, ohne die Landcsstellen B zu gefährden, denn die Interpretation der heutigen Resolution kann sehr mannigfach sein. Und w e n n im äussersten Fall vorgeschlugenc Sparmassnahmen sich tatsächlich in dieser Richtun.g bewegen sollten, dann ist immer noch nichts verloren, immer noch kein Präjudiz geschaffen: Die deutschen Regierungsparteien haben ja auch für diese vieldeutige Resolution nicht gestimmt und haben daher für jeden Eventualfall vollkommen die Hände freit Wer weiss, wie selbst den engsten Klubkollegen Dubickys schon mieS vor der ganzen auf die Spitze getriebenen Auseinandersetzung war, und wie viele Resolutionen im Laufe der Feit schon nutzlos verpufften und wie wenige tatsächlich aufgegriffen und verwirklicht tvurdcn, dem wird nicht gleich daö Herz in die Hosen fallen vor eventuellen künftigen Möglichkeiten. Heute haben wir andere, lvichtigcre Gegenwarlssorge», nämlich den deutschen Arbeiter und Angestellten aus der Krise hinübcrznrcitcn in eine bessere Feit. Die anderen Dinge wollen wir erst einmal mit Ruhe an uns herankommcn lassen I Klerikale Spiegelfechterei Ganz anders natürlich unsere Christlichsozialen I Die witterten eine gute Gelegenheit, um ihre tatsächlichen Schandtaten aus der Zeit des Bürgerblocks vergessen zu machen und gegen die verhassten Sozialdemokraten loSzugchcn. So schickten sie vor der Abstimmung noch einmal den Herry O e h l i n g e r in die Debatte, der den von ihm selbst vor zwei Tagen verkündeten Klubbeschluss, für die PcnsiouSnovelle zu stimmen, feierlich reassumierte: Angesichts der Resolution, deren Auswirkung natürlich in den schwärzesten Farben geschildert wurde, würden sie auch g e g e n die Novelle selb st stimmen I Man könnte darüber lächeln, dass die Herrschaften die Novelle und die Resolution dazu nicht auscinandcrzuhalten vermögen. Aber es liegt System darin: Sie ivollcn nämlich in den weniger orientierten, bzw. auf die Berichterstattung ihrer Presse angewiesenen Kreisen die falsche Meinung erwecken, als hätten die deutschen Sozialdemokraten bereits irgendtvie die deutschen Landesstellen preisgegeben, als wäre zumindest ein Präzedenzfall für die Zukunft geschaffen. Dass die» nicht der Fall ist, haben wir ja bereits oben au»« einandergcscht. Und der Herr K r u m p e und die anderen von seiner Couleur, die bei der Erklärung OchlingcrS nationale Entrüstung mimten oder hämische Randbemerkungen zu machen suchten, als Während dir Berhandlnngrn über die Beilegung deS Dubirky-KanftikteS die ganze Zeit über andauerten, wurde im Hause der Staats- rechnungsabschlustfür 1032 verhandelt. Rach dem Referenten Remeö erbat sich Finanzminister Dr. Trapt das Wort, um, wie er sagte, eine Nrbersicht über die Entwicklung der StaatSwirtschast im heurigen Jahre zu geben, soweit man sich darüber au» den ersten Monaten ein Bild machen kann. Der Effekt der Bemühungen der lctzicn Budgetjahre im: die Herabsetzung der AuSgabenscite der Staatsbudgets ergibt sich daraus, dass das Budget von 1931 noch 9838 Millionen betrug, während das heurige Budget nurniehr Ausgaben von 7080 Millionen vorsieht. Der Minister ruft den katastrophalen Rückgang unseres Aussenhandels in den Kriscnjahre» in Erinnerung, dessen llmsaim von fast 40.5 Milliarden im Jahre 1929 auf 11.7 Milliarden im Vorjahre zurückgegangcn ist, tvährcnd der Ueberschuss des Aussenhandels in derselben Zeit von 1759 auf ganze 21 Millionen zurückging. Erft Ende 1933 hat tt den Anschein, daß wir de» niedrigsten Stand unserer Wirtschaft erreicht haben. Seit Feber 1934 ist auch der AuhenhandelS- uulsatz beträchtlich Häher, als in der entsprechenden Zeit des Vorjahres. Auch die Staatseinnahmen au» Steuem und Gebühren»eisen seither rin gün. stigereS VUd auf. Der gesamte Bruttoertrag beläuft sich hier für die ersten vier Monate 1934 aus 2531.9 Millionen, während er im Borjahre nur 2208.0 Millionen betrug. Dabei muss berücksichtigt werden, dass daS Ein- nahmentzräliminare in den Gruppen l und III des Staatshaushaltes gegenüber dem Borjahre um 038 Millionen herabgesetzt wurde. Der Minister streifte auch die günsttgere Entwicklung im Frachtenverkehr der Staatsbahne» sowie das Tücken der Ar- bcitsloscnzisfcr und konstatierte dann, dass sich die Befürchtungen hinsichtlich der Devalvation nicht erfüllt haben, ja dass die Besserung unserer Wirtschaft in den letzten Monaten auf diese Massnahme z u r ü ck z u s ü h r e n ist. Immerhin dürfe man nur mit einer langsamen Besserung unserer Produktion rechnen und Nlüsse daher im Staatshaushalt ans der bisherigen Linie äußerster Sparsamkeit verharren. Die ersten Monate des heurige» Jahre» geben un» noch nicht die Gewißheit, daß wir schon Heuer das Gleichgewicht in» Staatshaushalt erreichen, besonder» wenn wir nicht sicher damit rechnen können, daß die bisherige günstige Entwicklung anhält. Man müsse also weiter die StaatSauSgaben auf dem niedrigsten Niveau halten und sich noch weiter um ihre Herabsetzung bemühen, um die Folgen der letzten Jahre auszugleichen. Insbesondere müsse man auch i n d e n Ersparungenfortfahren, dir die Spar- kommission In ihr Programm ausgenommen hat, denn im Budget für 1935 müssen wir auch mtt erhöhten Laste» au» dem Titel deS SchuldrndirnsteS rechnen und auch an die Amortisierung denken. Seit 1931 haben sich die Staatsschulden um 5320 Millionen erhöht. Davon entfallen jedoch 3310 Millionen aus die JnvestitionSanlcih« vom Jahre 1931 und auf die ArbeitSanleih« vom Jahre 1938, deren Ertrag zu Investitionen verwendet wurde; weiters wurde aus dem normalen Budget de» Arbeitsministeriums feit 1931 Investitionen in» Betrage von 805 Millionen durchgeführt. Daraus ergibt sich, dass die neue Verschuldung nurzueinem kleinen Teil der Notwendigkeit entsprang, die Defizite der Staatskasse in den letzten Jahren zu decke». Trotzdem werden zur lkeberbrllckung der Monate mit schlechten Steucreingängcn auch Heuer getviffe finanzielle Massnahmen nottvendig sein. Dao Finanzministerium hat mit dem Konsortium für staatliche Kreditoperationen bereits die Ausgabe von fünfprozentigen Kassenscheinen vereinbart, die ab 1986 in fünf Jahresraten verlosbar sind. I unsere Genossen vor der Abstimmung den Saal' verliessen, die seien nachdrücklichst erinnert an jene Zeit, da m i 1 i h r e r a n S d r U ck l i ch c n Zustimmung die Verwaltungsreform und andere Dinge angenommen tvurdcn. Damals haben die Herrschaften sich n ich t abscntiert, sondern sic haben ausdrücklich dafürihreHandgc« h o b en, dass nicht nur eine deutsche AmtSstclle. sondern dass ein ganzes deutsches Land, nämlich Schlesien, vondcrBild« fläche verschwinde, dass die Selbstverwaltung in den deutschen Bezirken Böhmens aus- gelöscht werde und anderes mehr! DaS taten sie zu einer Zeit, da noch nicht die Demokratie ringsum fast in allen Ländern unterdrückt sondern alles noch friedlich und ruhig war und nicht zu befürchten stand, dass eine eventuelle Regierungskrise auch bei un» jene sascistischen Hintermänner deS Herrn Dubicky in die Höhe bringen könnte, deren Jn-die-Höhc-kommcn nicht nur für die Demokratie bei un» überhaupt, sondern auch für alle Teile des sudetendeutschen V o l ke S. gleichgültig ob Marxisten oder Bürgerliche, die schlimmsten Folgen nach sich ziehen mühte! Nun ist diese Gefahr abgewendet und letzten Endes auch der Herr Dubicky darüber belehrt, dass er sich doch nicht alles erlaube» kann, sondern selbst eine gewisse Koalitionsdisziplin cinhalten und viel Wasser in seinen Wein giessen mutz. Auch diese Seite deS Abschlusses der mehrtägigen Verhandlungen ist sicher nicht zu unterschätzcnl Ausdrücklich hob der Finanzminister wciterS den glänzenden Stand unserer Notenbank hervor. Das grosse Kreditbedürfnis des Staates hat bisher un- ftreitig auf die ganze übrige Wirtschaft sehr drückend gewirkt. Die unbedingte Garantie einer ausgeglichenen StaatSwirtschast in den kommenden Jahren ist auch hier die erste Voraussetzung dafiir, dass die Kreditoperattonen des Staate» künftig ganz aushören oder wenigsten» auf ein solches geringes Mass eingeschränkt tverdcn, damit sich der Geld- und Kredit- niarkt wieder voll in den Dien st der übrigen Wirtschaft stellen kann. Nach den Massnahmen zur Exportförderung muss man sich jetzt auch darum kümmern, dass auch nach der Kreditseite hin für unsere Produktion die nötigen Voraussetzungen geschaffen tverden. Ein« beträchtliche Erleichterung für unser Geldwesen werden auch die H i l f s m a ss n a h m e n für die Selb st Verwaltung bringen, welche in entsprechenden Regierungsvorlagen vorbereitet werden. Diese Massnahmen sollen es den Selbswcrtval« tungslörpern ermöglichen, die ihnen durch ihre Schuldenlast auferlegten Berpslichtungcn zu ersüllen. Diese Massnahmen werden sich in erster Linie bei jenen Gcldanstalten günstig auswirtcn, die eben dadurch getroffen worden, dass die Sclbstverivaltung diese Verpflichtungen" nicht mehr erfüllen konnle. Zur Verbesserung unserer.Haudelübcziehun» gen mit den« Ausland wird man de» Umfang des Warenaustausche» nicht nur beim Export vergrö- ßcrn, sondern auch für eine Verbesserung der Einfuhrmöglichkeiten Sorge tragen müssen. Weiter wird man unser Devisen- uitk Bewilligungssystem aus eine solche Grundlage stellen müssen, daß sie deu Bedürfnissen unserer industriell«» wie landwirtsckwftlichen Produktion entspricht. Der Belebung der Wirtschast»- beziehungen mit der übrigen Welt soll auch die Errichtung eine» Exportinstitute» dienen, um dir Exportmöglichkeiten der landwirtschaftlichen und der industriellen Produktion in geordnete Bahnen zu lenken. Von weiteren wirtschastlichen Vorlagen, die den Jnlandmarkt günstig beeinflussen, kündigte Trapl das neue Autamobilgesetz an, da» die Bedingungen des Autoverkehr» und im Zusammenhang damit auch der Automobilerzeugung verbessern soll sowie eine Novelle zum Strassensonds, die dem Fonds auch weiterhin die unverkürzte Erfüllung seiner Aufgaben ermöglichen soll. Dabei müsse man sich aber immer vor Augen halte», dass, wenn e» in der heutigen Zeit schon Ausgabe des Staate» ist, in grösserem Blasse als bisher in die Wirtschaft einzugreifen, man diesen staatlichen Interventionismus n i ch t so interpretieren darf, dass dem Staate dadurch erhöhte Lasten auferlegt werden sollen. Abschließend stellte Trapl nochmal» fest, daß dir günstige Entwicklung der letzten Monate zur Erwartung berrchttg«, daß der rückläufige Prozeß Amerika vor dem Riesenstrelk Unter der„eisernen Ferse" New Bork, 7. Juni. Die Aussichten auf Verständigung gegenüber dem drohende« Stahlstrcik werden sehr ungünstig beurteilt, nachdem die Führer der Stahlindnstrie nach mehrstündigen Brrhandlungen mit dem Nira- Leiter Johnson die Harrptsorderung der Gcwrrk- schafksverkrctrr ans Anerkennung eines kollektiven Arbeitsvertrages abgelehnt hatten. Die Entschiedenheit, mit der die Ablehnung erfolgt ist, lässt ein Nachgrben der Unternehmer nicht erwarten. Die Gewerkschaften beharren gleicherweise aus ihrem Standpunkt. In Washington erklärte dir Abordnung der Stahlarbeiter dem Arbeitsminister, Fräulein Perkin», daß„die ganze Häkle loSbreckwn werde", falls eine Verständigung mit den Arbeitnehmern nicht bi« zum 10. Jnni erfolge. Polizei schoß ohne Befehl Die Pariser Febrr-Errignissr vor dem UnlersuchungoauSschnß. Paris, 7. Juni. Die parlamentarische Untersuchungskommission über die Feber-Ereignisse beantwortete gestern abends die Schlussfragcn, die Aufschluss darüber verlangten, wer am 6, Feber den Befehl zum Schiessen gegen die Rtani- festanten erteilt hatte. Dir Antworten lauteten in dem Sinne, daß den Befehl zum Schießen weder die Regierung Daladirr, noch der Pariser Polizeipräsekt, noch der Borstand der Pariser Polizei, noch dieser oder jener bestimmte Polizettommissar oder Offizier der Republikanischen Garde erteilt hat. Einige dieser Personen hatten jedoch den Befehl erteilt, SchüsseindieLuft abzugebrn. Einmütig lautete die letzte Antwort dahin, daß dir Polizribeamtrn, dir Stadtwachr, die republikanische Garde«nd die Gendarmen gegen die Manifestanten spontan und ohne jeden Befehl geschossen haben. unserer ganzen Wirtschaft abgeschlossen ist. Dadurch sind die Möglichkeiten gegeben, wieder zum Gleickgeloicht in der Staatswirtschaft zu gelangen, da» wiederum die Borauösehung für die Erneuerung der normalen Funktion de» Geldmärkte» ist. Staatsrechnungsabschluß für 1932 In der Debatte über den StaatSrechnungs« abschluss für 1982 vertvieS der Referent Genosse Remesu. a. auf die Stcucrrückstände, die mit Ende 101x32 4.777 Millionen betragen. Es würe überflüssig zu wiederholen, dass die Hauptursache dieser Rückstände in der ungenügenden Zahl von Sleuer- beanncu liegt; hier sei am falschen Ort gespart worden. Diese Sparerei, die schon einer Indolenz glcichkomme, habe die Republik und die SelbstverwaltungSkörper schwere Milliarden gekostet. Remes ist locitcr dafür, dass die uneinbringlichen Vorschüsse auf die Lehrergehalle abgcschricbcn werden und auf gesetzlichem Wege dieser unmögliche Zustand beseitigt wird. Die Ergebnisse der Wirtschaft der staatlichen Unternehmungen in: Jahre 1982 sei direkt katastrophal zu nennen, da statt der erwarteten 1530 Millionen nur 398 abge- sührt worden seien. Mit Rücksicht aus die in der letzten Zeit sich häufenden Fälle von Veruntreu« ungen in der Siaatswirtschast vcrlaugi der Referent, dass die Exutivgcwal: des Obersten RcchnungS- kontrollanttcs entsprechend ausgebaut werde. * Nach durchgcführter Debatte, in der von deutscher Seite Dr. B a ch e r sprach, wurde die Sitzung unterbrochen, bis die Situation in der Du- bicky-Sache geklärt war. Dann wurde zunächst der Staatsrcchnungsabschluss und damit auch die Budget Überschreitungen genehmigt und dann die Pen- sionsversicherungSnovclle in beiden Lesungen an« genoinmen, wobei eine Acndernng betreffend die Einrechnung der Lcgionärsdicnstzeit für den Anfall der Altersrente beschlossen wurde. Nächste Sitzung Dienstag, den 12. Juni, um 15 Uhr. „Wohlverdienter Juli-Urlaub Stabschef Rtthm bereits aut Krankenurlaub für die SA“ Berlin,?. Juni. Tao Presseamt der Obersten DA-FUHrung teilt mit:„Der Stabschef der DA, Reichsniinister Ernst R o e h m hat einen mehrwöchigen Krankheitsurlaub angetreten. Dieser Urlaub wurde dem Stabschef von seine» Aerztrn zum Zwecke eines notwendig gewordenen Kurgebrauchrs verordnet. Um allen Mißdeutungen, die daran etwa geknüpft lvrrden könnten, von vornherein vorzubeugen, läßt der Stabschef erkläre», daß er nach Wiederherstellung seiner Gesundheit sein Amt in vollem Umfange weiterführen wird. Ebenso lvird auch dieDAnachihrem wohlverdienten Juliurlaub neu gestärlt und unverändert ihre große Aufgabe» im Dienste des Führers»nd der Bewegung er- füllen. Trapl als Optimist Der Tiefstpunkt überschritten/ Budgetgleichgewicht als nächste Etappe «eite 4 AreUag, 8. Juni 1034 Nr. 138 Trockenheit Nationalnnglück für USA 125.000 Familien betroffen— Millionen Notschlachtungen Die neue Armee Deutschlands Dir Vorbereitungen des deutschen NeichS- WehrministcriuniS für die Aufstellung der neuen deutschen 300.000-Mann-Armoe sind beendet. Der„Matin" ist in der Lage, die Bedingungen für den Eintritt in diese neue Reichswehr zu veröffentlichen. Danach müssen die Bewerber 1. nicht vorbestraft, 2. rein arischer Abstammung, 3. in der nationalen Bewegung tätig gewesen, 4. mindestens 1.65 Meter gross sein(grö- sirre Bewerber erhalten den Vorzug vor kleineren). 5. Ferner müssen sich dir Bewerber einer eingehenden ärztlichen Untersuchung ihrer körperlichen Tauglichkeit(cinschlirssl. Röntgenaufnahmen)— und zwar auf eigene Kosten— unterziehen, und werden schliesslich 6. einer Jntelligenzprüfung unterworfr», die ungefähr dem früheren Einjährigenezamen entsvricht. DaS EintrittSalter ist 18 biS 22 Jahre. Ans diesen Bedingungen geht hervor, das; die neue 300.000-Mann-ReichSwchr, ebenso Ivie die jetzige, eine Elitetrnppc sein soll; eine Kader- Armce, die im gegebenen Augenblick durch Millionen nur„wehrsportlich" ausgebildeter Kräfte aufgefüllt werden kann. Militärisch gesehen ist daher die deutsche 300.000-Mann-Armce viel wertvoller als eiue gleichstarke oder selbst eine stärkere Arme von Milizsoldatcn; z. B. würde die deutsche Reichswehr stärker sein als die Heere Frankreichs und der Tschechoslowakei zusanimciigeuommeu. bleue österrelcblsck deutsche (ärenrruilsekenkülle Wien, 7. Juni.(AN.) Am 6. Juni l. I. um 22.30 lihr wurde eine aus zwei Mann bestehende Schutzkorpspatrouillc des Gcndarmcric- postcuS M ö g g e r s in Vorarlberg in der Nähe von Bromahreuic auf österreichischem Boden, ungefähr 500 Meter von der deutsche» Grenze entfernt. ohne jeden Anlaß beschossen. Der Schutz- korpömann Martin M o o s m a n u erlitt einen Durchschuß des Waden-»nd Schienbeins sowie des rechten Fußes und der rechten Hand und außerdem einen Steckschuß in der linken Hand. Tie Verletzung ist schwerer Natur. Eine aus österreichischen und deutschen Organen bestehende Kommission hat sich an den Tatort begeben. In derselben Nacht wurden auf die im Grcnzsclnitzdicnst stehenden Schuhkorpsmänner Josef Bertsch und Rudolf H a I s p i c ß bei Heuiiemoos unmittelbar an der deutschen Grenze vier Gewehrschüsse abgegeben, durch die niemand gcirosjen wurde. „Dummkoller des Kollektivismus?" Die„Landpost" gegen Minister HodZa. Wir haben am Sonntag in einer durchaus sachlichen Besprechung der neuen Anträge des LandwirtschaftSministcrS HodZa erklärt, daß diese Vorschläge auf eine grundsätzliche Wendung der Agrarpolitik von den bisherigen liberalistischcn zu kollektivistischen Methoden hindeutcn. Dafür werden wir von der„Landpost" in gröblicher Weise attackiert. Sic lvagt cs von einem„Dummkoller deS Kollektivismus" zu sprechen. Die ordinäre Polemik ist aber nicht gegen uns, sondern gegen den Landwirtschaftsminister HodZa gerichtet, denn dieser hat in einem in der„Prager Presse" vom Sonntag veröffentlichten Jntcrviclv die von ibm selbst beantragte Form der Erntcsichevung als eine Voraus seh u n g für die„l a n d w i r t- s ch a f t l i ch c Planwirtschaft" bezeichnet. Daß landwirtschaftliche Planwirtschaft mit den alten liberalistischcn Methoden nichts mehr zu tun hat, müßte selbst der„Landpost" cinlcuchten, wenn sic noch einer sachlichen Erwägung fähig wäre, Eine solche Methode der Diskussion unter Parteien, die eine gemeinsame Verantwortung tragen, richtet sich von selbst. Wenn die„Landpost" mit dieser Attacke auf HodZa noch unter Berufung auf ein Winkelblätt- chcn von dem„Marasmus" der Sozialdemokratie spricht, so wollen wir cS in aller Gemütsruhe darauf ankommcu lassen, wer von der Henlcinfrout geschluckt wird: die„marastische" Sozialdemokratie oder die von sturem Sozialistcnhaß blind und taub gewordenen deutschen Agrarfascistcn. Tie böhmische LandcSvertretung setzte Donnerstag, den 7. Juni, ihre Beratungen fort. Zunächst wurde der Rechnungsabschluß für 1033 zur Kenntnis genommen und ein Antrag der tschechischen Sozialdemokraten, baldmöglichst eine Novellierung des VcrwaltungSreformgesetzes in demokratischer Richtung vorzunchmen, der Rechtskom- missiou zur Behandlung zugewiesen. Sodann wird rin Antrag des LandcSausschusses angenommen, für JnvestitionSzwecke eine Anleihe von 30 Millionen Kö anfziinehiiicn. Eine rege Debatte entfesselte der vom Genossen Novak(Jungbunz- lau) vorgelcgtc Antrag auf Oieform des Kranlen- hauSwesenS, durch den ein systematischer Ausbau der Krankenhäuser ermöglicht werden soll. Der Antrag wurde nahezu einstinunig angenommen. Hierauf wurden eine Reihe minder wichtiger Angelegenheiten behandelt und einige Anträge den zuständigen Kommissionen iiberlviesen, eine Anzahl von Vcrhandlungsgegcnstäuden auf die nächste Session vertagt, damit die Sommrrtaguug programmäßig Donnerstag nachmittags geschlossen werden konnte. Washington, 7. Juni. Das Landwirischafts- ministerium veröffentlicht einen Lagebericht, in dem erklärt wird, daß die Trockenheit in den Hauptgetreidegcgenden die nationale Lebensmittelversorgung, hauptsächlich mit Weizen, Futtergetreide und Heu. ernstlich gefährde, jedoch keine H u n g c r S g c f a h r befürchten lasse. Der Weizen stehe schlechter als je in den letzten 25 Jahren. Das B i c h st e r b e n sei g r o ß. Weitere schwere Verluste seien in den nächsten Wochen zu erwarten, selbst wenn Regen falle. Die Frissi- crnte stehe im ganzen Lande schlecht und die anhaltende Dürre lasse Befürchtungen für die Spät- Tagcsncmghcitcn Me-ssentod durch Hauseinsturz Madrid, 7. Juni. In Valencia stürzte in der Nacht auS noch nicht sestgcitelltcr Ursache ein Mietshaus ein. Bis in die frühen Morgenstunden wurden 13 Leichen und zwei Ster- bc n d e geborgen. Man befürchtet, daß sich noch mchrTotc unter den Trümmern befinden. Em christfascistischer Edeling! In Wie n fand dieser Tage ein Prozeß gegen eine zweiundzwanzigjährige Studentin.der Jurisprudenz statt, die des Kindcsmords angeklagt war. Vater des getöteten Kindes Ivar der Student und jetzige Schuhkorpskommandanl „Sch."— mehr läßt sich aus den Wiener Berichten nicht entnehmen. Der wackere Liebhaber und„Schutzkorpsionnnnaudant" ließ das schwangere Mädchen in seiner Not allein und Ivar erbärmlich genug, nicht einmal die Eltern deS Mädchens zn bcugchrichtigen. Alö die Gcburtswchcn kamen, wußte die Unglückliche sich keinen anderen Rat, als das Kind zu erwürgen. Die Gewissenlosigkeit des famosen Schutz- korpskommandantcu geht daraus hervor, daß das Mädchen bereits wieder im vierten Monat schwanger ist! Auf die Frage des Vorsitzenden, weshalb er den Eltern seiner Freundin leine Mitteilung gemacht habe, antwortete der Feh-Held:„Weil i ch zu feige war!" Im übrigen hofft er jedoch, die Angeklagte bald heiraten zu können,„weil er in den Febcrkämpfcn auSgeriicki sei und nun Anspruch aus eine Existcnz habe". So sehen die„schntz"gardisten deS kleinen Kanzlers bei Licht besehen anSl Offietzky— Kandidat des Friedensnobelpreises Stockholm. lJ n P r c h.)„Stockholms Tid- ningen", die gelcsenstc Tageszeitung Schwedens, meldet, daß der hervorragende Pazifist und frühere Chefredakteur der„Wcltbühne". Carl von Ossietzky, der in der Nacht des Reichstagsbrandes verhaftet wurde und im Sumpfgeläudc um Papenburg interniert ist, zum Kandidaten des No- belfriedcnspreifcö für 1034 vorgrschlagen worden ist. Alle» ans einmal Belgrad, 7. Juni.(Avala.) Der gestrige Tag war in Jugoslawien in nieieorologischcr Hinsicht sehr interessant. Während in den jugoslawischen Alpen starker Schneefall herrschte, entstanden in den niedrigen Lagen U e bersch w e m m u n g e n, da der Schnee schnell schmolz. In Siidscrbic», besonders in der Gegend von Skopljc, herrschte dagegen große Hitze. Tort wurden Temperaturen bis zn 30 Grad Celsius im Schatten verzeichnet. Im Donaubanat wütete ein Orkan. Flugz««k-gusammenstotz Sagan(Schlesien), 7. Juni. Bei einer Flug- Veranstaltung verunglückten zwei Sportflugzeuge dadurch, daß sic mit den Tragflächen zusammcnsticßcn. Beide Maschinen stürzten ab, wobei die beiden Flugzeugführer und die beiden FI u g g ä st e umS Leben kamen. Korruption und Gesellschaftsordnung. Korruption ist eine Sache, gegen die auch der sauberste Staat nicht hundertprozentig gefeit ist. Immer wird es asoziale Lumpen geben, die es verstchcii, durch die Maschen der Gesetze hin- durchzuschliipsen, um sich auf Kosten der Allgc- meinhcit z» bereichern. Das in beiden Losungen vom Senat angenommene A n t i k o r r u p- t i o n s g e s e tz, das Durchstechereien bei Staatslieserungen einen Riegel Vorschicbcn soll, wird gewiß kein unfehlbares Serum gegen kor- ruptionistische Erscheinungen sein, cs wird aber den Hyänen der Gesellschaft ihr dunkles Handwerk ein wenig saurer machen. Die Welt hat in ^jüngster Zeit viel von Skandalafsärcn ösfent- ernte, besonders für Mais und Futlcrgctreide, aufkommen. Präsident Roosevelt bezeichnete die große Trockenheit in den landwirtschaftlichen Gebieten als ein nationales lkngltick, das über 125.000 Familie» betroffen habe und das zum Absterbcn oder zu Notschlachlungcn von mehreren Millionen Stück Vieh führen werde. Er gebe aber der Nation das Wort, daß niemand Hunger leiden solle und er fordere vom Bun« dcölongreß einen großenZusahbetrag zum Budget, um alle Menschen in den betroffenen Bezirken vor Hungersnot zu bewahren. lichen Charakters vernommen. In einer Gesell- schastsordnung, in der der Unmoral, wenn sic nur ein weißes Borhemd trägt, so weiter Spielraum gelassen wird, ist es schließlich nur eine Sache der Taktik, wie weit die Fledderer gehen diirscn und wie weit nicht. EL ist oft keine Frage der inneren Sauberkeit mehr, sondern nur noch eine Angelegenheit des persönlichen„Finger- spitzengesühls". Faseistischo Staaten pflegen ost mit Pharisäcrgeste darauf hinzuweisen, wie wenig bei ihnen von Korruption die Rede ist. In den Demokratien hingegen, so folgern sie, mit plumper Demagogie, ist die Sittenverderbnis an der Tagesordnung, ein Stawifki wäre bei uns eine glatte Unmöglichkeit. Welche Tartüf- fericl Es gibt nirgends so viel Korruption, nir- gcnds so viel Unrat wie in den„autoritär" ge- gängelten Ländern. Aber während in den Staa- ten, in denen noch die nienschliche Freiheit respektiert wird, die Vertreter der öffentlichen Mei- nung und die gewählten Vertrauensmänner des Volkes den Finger auf die Wunde legen und so de» Prozeß der Heilung beginnen können, unterdrückt die Diktatur jede Meldung über Affären dos Systems. So frißt das Geschwür unter der Oberfläche weiter, um bald den ganzen Körper des Staates zu vergiften. Der Fa- scisniuS, aus hysterischer Schwäche jede Sekunde um sein Prestige besorgt, verschließt der Wahr- hcit den Mund, jener Wahrheit, die man doch nicht unterdrücken kann und deren Stimme aus tausend Kanälen ans lauschende Ohr des geknebelten Volkes dringt. Die wahre Demokratie hat kein schlechtes Gewissen, sic kann eS sich leisten, die schmutzige Wäsche, die nicht die Wasche der regierenden Männer, sondern die einer morschen, zukunstSloscn Gcsellschaftsunordnung ist, vor allem Publikum zu waschen. Genosse Max Beseritz, Piksen, gestorben. Im Alter von 58 Jahren starb nach kurzer Krankheit Genosse Max Vesecltz, Pilsen, einer der Gründer der freien Angcstelltcnbcwegung, ein treuer, schlichter, stets hilfsbereiter Parteigenosse. Genosse Vcseckh ist auch in den Jahren seiner wirtschaftlichen Selbständigkeit seiner Ucberzcugung treu geblieben. Die ihn kannten, werden dem braven Genossen ein treneS Andenken bewahre». Der Ermordete ist schuldig! DaS Chemnitzer Schwurgericht fällte dieser Tage einen Freispruch in einem Prozeß gegen einen gewissen Ernst Schirme r, der vor zwei Jahre» einen Bulgaren namens Dimitrow, Direktor einer Sofiaer Fabrik, umgebracht hatte. Der Mörder, der sich damit verteidigte, daß er aus„nationalen, vaterländischen Motiven" gehandelt habe, berief sich auf den fascistischcn Amnestieerlaß vom Jahre 1933. Er betonte«. a., daß er den Bulgaren ermordet habe, weil er„als Ausländer deutsche F r a u c n g e s ch ä n d c t habe". Der Ermordete hatte vor zwölf Jahren ein Verhältnis mit der Frau des Angeklagten gehabt. Der Gerichtövor- sitzcnde nahm offen für den Mörder Partei und las Gedichte Schirmers vor, auf deren„deutschen heroischen Geist" er ausdrücklich hinwieö.„Rechtspflege" im Lande der Rcchtölosigleitl Keine aiiSländifche» Landarbeiter mehr nach Oesterreich. Eine Wiener Korrespondenz berichtet, daß jene österreichischen Landwirte, die Schnitter und Erntearbciter vom Auslande anwerben wollen, diesmal l e i n c a m t l i ch c B e w il l i- g u n g mehr erhalten werden. Derartige Bewilligungen werden nicht mehr erteilt werden, weil bekanntlich das Jnlandsarbeiterschuhgesetz auch auf die landwirtschaftlichen Arbeiter ausgedehnt worden ist, da eine große Anzahl österreichischer landwirtschaftlicher Arbeiter ohne Beschäftigung ist. ES ist deshalb nicht mehr notwendig, derartige Kräfte aus den: AuSlande anzuwcrbcn. Beim Landwirtschaftlichen Arbeitsamt ist ohnehin eine große Anzahl von österreichischen landwirtschaftlichen Arbeitern und Getrcidcschnittern vorgemerkt. Einbruch im Bodenbacher Schlachthof. In der Nacht auf Dienstag wurde im Bodenbacher Schlachthof ein bisher nicht aufgeklärter Einbruch verübt. Am Dienstag früh stellte der Kassenbeamte das Fehlen eines Betrages von 1 0.0 0 0 Xö fest. Die Kasse Ivar vollkommen unbeschädigt. Durch die Untersuchung wurde festgestcllt, daß die Einbrecher durch das Dachfenster in den Kassenraum cinsticgen, den Schreibtisch erbrachen, in dem sich die Kasseschlüsscl befanden, und so mühelos den Betrag entwendeten.- Stavisky in Japan. Der japanische Finanz- ininistcr Takahashi hat den Entschluß gefaßt,.zu demissionieren, wenn sein Stellvertreter im Amte. Kuroda, für schuldig befunden werden wird. Ku- roda wurde nämlich am 10. Mai I. I. vor den Untersuchungsrichter geladen, um anszusagcn, welcher Art er sich au den Skandalen im Inn! 1933 beteiligt hatte und wie seine Mitschuld an denselben gewesen war. Sie betrafen damäls Börsenspekulationen mit Aktien. Kuroda Ivurd.: nahcgelcgt, daß man seine Demission erwarte. Nunmehr erklärte der Fiuanzministcr, daß er die Verantwortung für die Handlungsweise seiner Untergebenen auf sich nehme und daß er demnach, wenn Kuroda sirr schuldig befunden Werden würde, zurücktretcn würde. Jnsnkl vor Gericht. Ter BuudcSrichter von Chicago hat die von dem Finanzmann Insult gegen die Zulässigkeit seiner Strafverfolgung erhobene Einwendung, ec sei in Istanbul von Bord des Dampfers„Maiotis" geraubt worden, für unzulässig erklärt. Jnsull wird am Montag unter der Anklage des Betruges und der Verletzung des Bankroltgcscheö vor Gericht erscheinen. Gegen die Hitlcrprovaganda in Amerika. Nach dem Eintreffen des Dampfers„Stuttgart" vom Norddeutschen Lloyd im Hafen von New syork erschien an Bord des Schiffes ein besonderer Zollbeamter, der sämtliche dort befindlichen Revuen, Bücher und Broschüren beschlagnahmte. Es sollte hiedurch, wie verlautet, verhindert werden, daß die an Land gehende Mannschaft des Ozeandampfers Bücher und Broschüren mitnehme, in denen das nationalsozialistische Regime in Deutschland gepriesen wird. Alle geretteten Tschrkjnskin-Leute und die Flieger, die bei ihrer Rettung mitgewirkt hatten, sind mit dem Dampfer„Smolensk" in Wladiwostok cingetrofscn. Die ganze Stadl prangt-im Flaggenschmuck. Preiövcrtrilung der»Flüge über Prag". Tie von der Tschechoslowakische» Luslvcrkehrs-Gcsellschait vorgenommene Propaganda-Aktion„Flüge über Prag" zu BolkSpreisen mit Verkehrsflugzeugen hat einen großen Erfolg erzielt. Die ersten Flüge fanden Samstag, den 2. Mai, statt und wurden an den darauffolgenden Somstagen am 12., 19. und 20. Mai sowie auch an den Feiertagen, 20., 21. und 31. Mai, jeweils immer am Nachmittag, wiederholt. Am Samstag, den 2. Juni, wurde die Zahl von 500 Teilnehmern erreicht, so daß zur Verlosung der Preise geschritten werden konnte, die ans Frciflügcn auf den ins PuSland führenden Strecken der Tschechoslowakischen Luftverkehrs-Gesellschaft bestehen. Die Verlosung fand am 5. Juni statt. Im ganzen wurden sechs Kupons gezogen. Auf den ersten Kupon Nr. 158 entfiel der erste Preis, ein Freising Prag—Amsterdam—Prag, und auf die. übrigen Kupons mit den Nummern 88, Lv, 1082, 1087 und 1100 Freislüge Prag—Leipzig—Prag. Weitere Flüge über Prag werden wie bisher von der Tschechoslowakischen Lufwcrkchrs-Aesellschaft jeden SmnStag von 15 bis 17 Uhr durchgeführt. Das steigende Interesse der Oeffeutkichkcit an den Flügen ist eine Gewähr dafür, daß in kurzer Zeit die Zahl von weiteren 500 Teilnehmern erreicht wird, die au der nächsten Verlosung von Freiflügen auf de» Strecken der Tschechoslowakischen Luftverkehrs-Gesellschaft ieilhabcn werden. Der 4. Sudetendeutsche Wanderführrrlehrgang findet vom 18. bis 20. August 1084, in der neuen Skihütte„Christiania" unmittelbar unter den« Gipfel des Keilbcrges statt. Dieser Lehrgang will seinen Teilnehmern nicht nur wandertheoretisch. Bclehrnn- gen bieten, sondern sie auch mit allen Fragen der Wandcrpraxis vertraut machen. Durch die Form der Gemeinschaftswoche ist fedeni Einzelnen viele- genheit geboten, sich in den glcichgearteten Geist einer Wandergruppe einznleben und die förderliche» Wirkungen solchen Gruppenlcbcns am eigenen Leibe, zu erproben. Daher kann die Teilnahme an der Woche allen empfohlen werden, die ihren Urlaub auf eine Körper und Geist erfrischende Weise verbringen wollen. Die Teilnehmer genießen auf der Hin- und Rückfahrt 50 Prozent Fahrtermäßigung. Die Aufenthaltskosten und die Verpflegung für die ganze Woche betrage» mir KO 180.— Genauen Wochenplan mit TeilnahmSbedingun-en versendet gegen Kd 2.— in Briefmarken der Verband für deutsche Jugendherbergen. Aussig, AuerSperggasse 2. Dir armen Eunuchen I Durch eine Verordnung der türkischen Negierung wurde die. I u n g g e s«I- lensteuer auch auf die Eunuchen ansgedehnt, deren cs iu der Türkei noch immer eine große Zahl gibt. Der Kampf gegen das Analphabetentum in der Türkei. Nach einem Berichte des MiiltsterinmS für Volkskultur in Ankara lernten während der lebten zwei Jahre über zwei Millionen erwachsene Personen nach dem lateinischen Alphabet Lesen und Schreiben. Dieses Ergebnis wurde in Abendkursen erzielt, nach deren Absolvierung den betreffenden Personen ein Zeugnis ausgestellt wurde. Zn der Zeit, da noch die arabische Schrift angewendet wurde, konnte kaum eine Million Einwohner lesen nnd schreiben. Vom Rundfunk Emps«hl«n»werte» aus den Programmen» SamStag. Prag: Sender L.: 0.00 Gymnastik. 10.10 Schallplatte». 12.10 Opern-Potpourris. 18.35 Ar- beitsmarkt. 10.05 Schallplatte». 17.00 Rundfunk für die. Heranwachsende Jugend. 18.05 Deutsche Sendung: Jugendstunde: Entstehung der Tonsilme usw. 18.55 Deutsche Nachrichten. 10.10 Konzert der Berg- arbeiterkapelle.— Sender St.: 14.80 Französische Lieder. 15.10 Alte nnd neue Schlager. 15.50 Deutsche Nachrichten.— Brünn: 11.00 Orchesterkonzert. 17.45 Schrammeikonzert. 20.85 Bunter Sportabend. — Mühr.» Ostrau: 17.20 Tr. Kobliha: Fettleibigkeit und ihre Folgen.— Presjburg: 18.30 Konzert.— Kascha»: 11.80 Zigeunermusik. 18.00 Schallplatte». Seite 8 Freitag, 8. Juni 1984 Nr. 132 uiinHÄiuumimummuHummumA v»V uov. Vcn neuen Ausstieg in die S.raspbäre benutzt wird, wobei man den Ehrgeiz hat, diesmal mindesten, eine Höhe von 30.000 Metern leer der Erde zu erreichen, kann für sich den Rnhm in Anspruch nehmen, das gröstte Luftfahrzeug dieser Art auf der ganzen Welt zu sein. Awei Marineoffiziere als Führer Der amerikanische Stratosphärenballon wird einen Inhalt. ou 100.000 Kubikmetern besitzen. Zur Herstellung der Ballonhülle sind 0000 Quadratmeter gummierte Lcinlvand erforderlich gewesen. WaS diese AuSmaste bedeuten, wird einem erst recht klar, wenn man diese Gröstcn-Angaben in Vergleich setzt zu den lUröstenverhältnissen, wie sie die bisherigen bemannten Stratosphärenballons auftviescn. Dieser neueste amerikanische Ballon Ivird demnach fünfmal so viel GaS zu fassen vermögen, wie der Ballon, den Leutnant Settle im vergangenen November zu seinem Ausstieg in 18.500 Meter Höhe verwendet hat. Gleichzeitig wird er d:iciuhalb Mal so viel Fassungsvermögen besitzen, wie jener sowjetrussische Ballon, der den Wellhöhenrekord von über 20.000 Metern ausgestellt bat. Jin Augenblick dcS Aufstiegs, in dem Moment, lvo die luftdicht geschlossene Metallkabine. die unter dein Ballon alles in allein 88 Meter Gesamthöhe besitzen, von der obersten Ballonhülle bis zum Boden der Kabine gemessen. Und wenn dann lvährend des Aufstiegs das WasferstoffgaS sich ausdehnt und daS Balloninnere auSfüllt, dann wird der Ballon einen Durchmesser von 54 Metern haben. Dieser bevorstehende amerikanische Stratosphä- renflug wird von der National Geographie Cocieti) von Ainerika in Zusannnenarbcit niit der Luftfahrtabteilung der.....ikanischcn Marine veranstaltet. Die Finanzierung des Unternehmens erfolgte ganz von feiten dieser wissenschaftlichen Gesellschaft. Als Führer des B..llons sind zwei amerikanische Marineoffiziere anSerschen, und zwar Kapitän Albert W. Stevens, einer der tüchtigsten Flugbcebachter der amerikanischen Marin.', unl Rasor Williain Kepner, der als anSge.-ichncter Flugsachucrständi..cr gilt. Muftirprobe» der Lnft... Der Start des Ballons soll von den Höhenzügen Colorados ans stattfindcn, möglicherweise aber auch in Süd-Dakota, wegen der stabilen Luftverhältnisse, die dort meist herrschen. DaS Ha>c. ,iel dieser amerikanischen Expedition in die Stratosphäre ist im übrigen der Versuch, eine möglichst grosse■*’ific zu erreiche«. Man hat sich in dieser Beziehung das Ziel gesetzt, mindestens bis SO Kilometer über den Erdboden hinaus zu gelange«. Während des Ausstiegs..«d vor allem auch währcud de?. zes in den bisher noch völlig unerforschten atmosphärischen Schichten zwischen 20 und SO Kilometern Erdentfernung sollen dann gleichzeitig eingehende wissenschaftliche Beobachtungen und Messungen an den verschiedenen Apparaten vorgenommen lverdcn. Diese wissenschaftlichen Arbeiten beziehen sich auf laufende Tcmperaturmessungcn m.d auf die Beobachtung der sogenannten kosmischen Strahlung Gleichzeitig lverdcn in verschiedenen Höhen Proben von der Lnft gesammelt lverdcn, die dann unten in den Laboratorien analysiert und untersucht werden sollen. Man hofft, auf diesem Wege in erster Linie wichtige Anhalts, unkte dafür zu gewinnen, in welchem Maste die oberen Schichten der Lufthülle um die Erde mit Ozon durchsetzt sind. Die Ozonbildung in der Atmosphäre bildet bekanntlich eines der wichtigsten Probleme der niodernen Wissenschaft. Es gibt sogar eine ganze Zahl international anerkannter Gelehrter, die behaupten, das ohne jene Ozonschicht in oder sogar noch über der Stratosphäre jegliches Leben auf der Erde ilberhanpt unmöglich sei. Bis zu der Höhe, in der die Wissenschaft diese Ozonschicht vernmtet, wird ein bemannter Ballon allerdings wohl nie vorstosten können, aber man hofft, eben durch diese Luftprobcil wenigstens wertvolle Rülkschlüsse auch in dieser Beziehung erhalten zu können. Schlicst- lich haben sich die beiden Piloten auch noch vorge- nommen, aus dieser schwindelnden Höhe voll 25 bis 30 Kilometern über der Erde, niöglichst zahlreiche photographische und Filtuanfnahmen zu machen. In einer Höhe von 30.000 Metern kann mit einem Rundblick bis zu 250 Kilometer Entfernung gerechnet werden. Es wäre also beispielsweise möglich. Cansas City und Saint Louis auf einen Bildstreifen zn bekommen. Ob im übrigen diesen kühnen Kameramännern dieses Vorhaben gelingen lvird, hängt zum grasten Teil natürlich von den Sichtvcrhältnissen ab, die in den Stunden des Fluges zu verzeichnen sein werden. Funk-Reportage von Bord... Während ihrer Vagabundenfahrt durch die Atmosphäre werden die beiden amerikanischen Offiziere in dauernder radiotelephonischer Verbindung mit der Erde bleiben, und zwar mittels. i:n Sende- apparateS für kurze Wellen, der auf besonderen Wunsch der Wissenschaftler, die. während des Fluges auf dem Laufenden gehalten werden wollen, in die Metallgondcl des Ballons eingebaut Ivorden ist. Die Berichte aus-'er Stratosphäre sollen austerd.. au? einen besonderen amerikanischen Kurzwellensender übertragen werden, der sie dann an die anderen ame- rikanischen Stationen wcitergibt. Im übrigen sind auch mit perschiedenen europäischen Stationen bereits Abkoinmen getroffen worden» um diese Berichte auch in Europa verbreiten zu können. Während dieser Ricscnballon also drüben am Hinmielszelt im mittleren Westen Amerikas entlang* schwebt, und dabei immer höher und höher klettert, in Regionen, in denen sich bisher noch kein menschliches Wesen atifgehalteir hat, wird ein grober Teil der Menschheit Gelegenheit haben, die Schilderungen der beiden tvagemutigen Flngpioniere lausend zu hören und mit atemloser Spannung zu verfolgen. Keine Vorstellung ist besser geeignet, den Fortschritt der Technik und den Sieg des Menschen über die Natur, über alle Schtvierigkeiten u:.b Hindernisse an« ! stattlicher zum Ausdruck zu bringen, als diese... Kunst and Wissen 6. Philharmonisches Konzert Händels„Fosua" am 12. Juni. Erste szeni">e Aufführung in Pragl 700 Mittvirkcnde, und zwar 450 Mitglieder der deutschen GesangSvercine, ein Bewcgungüchor von 150 Personen, Chor und Orchester des Deutschen Lseate.S. Seit Mahlers VIII. S mphonie die gröstte Veranstaltung des Deutschen Theaters. Die komplizierte technische Einrichtung bedingt, dast das Theater am Tage vor der ersten Aufführung Montag abends geschloßen wird, so dast eine Abend-Generalprobe stattfinden kann. Bühnenbearbeitung und Gckamtinszenierung: Dr. Gras. Dirigent: Schmidt, BewegungSchor: Schort. Solisten: Medak, Andersen, Fischer, Hotter. Rhilh. Extra-Abonn. Heute halb 8 Uhr Erstaufführung„Der Jakobiner" von Dvoräk mit BaulLudikara. G. Dirigent: Szkll, Regie: Mordo-Ludikar. Bühnenbild: Nirchan.(D 2). Nachtserenade im Fürstenberg-Garten! am 15. Juni. „Studio 1934"— Am 8. Juni im Mozarteum 8 Uhr 15 Min. Mit teilweise neuem Programm. (Aktualitäten!) Spielplan des Reuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr:„Der Jakobiner", Gastspiel Paul L u d i k a r, Erstaufführung. (D 2.)— SamStag, halb 8 Uhr:„D e r Revisor." Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag 8 Uhr: „Lady Windermeres Fächer", Kultur- verbandsfreunde und freier Verkauf.— Samstag, 8 Uhr:„Lady Windermeres Fächer." Sport• Spiel• Körperpflege Bürgerlicher Sport Oesterreichs Fußballteam konnte bei den Weltmeisterschaften keine„Wunder" mehr verrichten. Rach den schwer erkämpften Siegen gegen Frankreich und Ungarn, der Niederlage gegen Italien folgte am| Donnerstag in Neapel ein weiterer Mißerfolg gegen Deutschland mit 2:3(1:8). ,,Glanzzeiten" des Prager DFC. Das am Mittwoch in Prag anSgetragene Goldpokal-Spiel gegen BTK. Gablonz ging prompt mit 1:8(0:2) verloren. Tie Aufgaben der Razi-Sportler Im Ausland, spiele und Wettkämpfe von Sportniannschaflen ans dem Tritten Reich sollen und müllen verhindert und, soweit dies die Veranstalter nicht beherzigen können, mit Boykott belegt werden. Es scheint nicht genügend bekannt zu sein, dast von den reichsdeutschen Sportlern, die ins Ausland geschickt werden, Spttzeldienfte verlangt werden. Austerdem soll ihr Auftreten mit dazu Beiträgen,' den SA-Geist in anderen Ländern zu verbreiten. DaS amtliche Organ des ReichosportführerS schreibt in Nr. 11,„dast n>an von dem Ausland schon die Achtung vor dem Hitlergrust erzlvingen werde" uird weiter:„Wenn eine deutsche Mannschaft heute im Ausland unter dem Hakenkreuzbanner beim Deutschlandlied die Hand zum Hitlergrust erhebt, rauscht Beifall auf". Ans diesen Ausführungen ist zu ersehen, dast man dem Ausland den Hitlergrust aufzwingen will, das demokratische Ausland hat nur eine Aufgabe: diese deutschen Nazisportler abzulehncn und zu boykottieren. Englische Profi-Bilanzen. Einige• englische! ProsiklubS der ersten Division haben bei Saison- schlust Bilanz gemacht. Liverpool weist ein Defizit von 4000 Pfund auf, während Middlesbrough 8000 Pfund verdiente. Ans der Partei BrzirkSorganisation Prag. Ordner-Wan- d e ru n g in das Oazava-Tal.(Baden.) Treffpunkt Station Branik-Hodkoviäky(Elektr. 21.) 8 Uhr. Fahrt bis Davie.(Fahrpreis Rückfahrkarte KL 6.70.) Nachzügler direkt nach Davie. An der Wanderung können sich selbstverständlich alle Parteimitglieder beteiligen. Klnderfreunde Prag Sonntag, den 10. Juni TageSau». fing nach Cimitz. Zusammenkunft um halb 10 Nhr vormittags bei der Endstation her 14er Elektrischen in KobyliS. Verelnsnadirlditen e Ortsgruppe Prag. SamStag, den !>. Juni, Führung durch Mt-Prag. '.usaunnenkunft Punkt 4 llhr beim Pnlverturm. Sonntag, den 10. Juni, Badetour ins Berauutal. Zusammenkunft nm öi 7 Nhr am Smichover Bahnhof. Fahrt nach Dobkichotvitz. Bei kühlem Wetter Wanderung auf den Brdy-Wald-Kamm, bei heistem Wetter Badetonr. Führer Gröger. Anmeldungen zur Führung während der Olympiade in der Geschäftsstelle Prag 2. St. von 6—',48. Tel. 48360. Morgen, SamStag, nm 5 llhr nachmittags: Leichtathletische BereinS-Wett- kämpfe am Sportplätze der D.T.J. ans der Hetzinsel. Alle Sportfreunde sind zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei. Näheres über das Programm, siehe in der Sportrubrik.— Bade-AuSflug nach Tolni Poöernice Sonntag früh. Abmarsch Punkt 8 Uhr ab Endstation der Linie 5 in Hlonbktln. Rechtzeitig wcgfah- reu, die Endstation ist weit! Gäste sind willkommen. Urania-Kino, Hlimenlxltä 4. Ab ftreltati: „Der unbekannte Gast“ Lustspiel mit SMe Czakall, Lucic EnaNsch und Hnnü Brausewetter. Abiturient mit vorzüglichem Erfolg des Prager tschechischen klassisch. Gymnasiums, würde gern als Hauslehrer bei einem Schüler, jedoch nur im deutschen Gebiete, gegen Wohnung und Verpflegung die Ferien verbringen. Anfragen an Alois Soukup, Praha XI., Zizkov cp. 141 242t II-, PRAG jeden Frettag Närodni tr. 4. Marat und der Sozialismus Von Hermann Wendel. Von Karl Marx ist überliefert, das; er ein sorgfältig mit Randnvicn versehenes Exemplar von M a r a t s„K e t t e n d e r S k l a v e- r e i" besäst, und in Sotvjetrustland steht der Herausgeber des„Vollsfrcund" erst recht in Gunst; in den letztetl Jahren erschienen dort allein zwei Monographien dieser nmsrrittenen Persönlichkeit. Auch im westlichen KnlturkreiS erweckt der Paniphlctist, den im Sommer der Dolch der Charlotte C o r d a y tödlich traf, immer lvieder Interesse, wie nicht zuletzt die Abhandlung des amcrilanischcn Professors Gottschalk betveist, aber mehr noch auf den Grund geht die Studie, die ihn unlängst ein französischer Historiker, Görard Walter, verdienstvoll nicht nur durch seine kritische Ilntersuchung der Pariser Septembermorde, gewidmet hat. Aller Romanti- jicrerci abhold, Sagen zerstörend, auf Tatsache» und nur auf Tatsachen fustcnd, schildert das Bnch tvedcr den Tcnfel der gegenrevolutionären noch den verhinderten Engel der maratistischen Legende, sondern einen Menschen mit seinen Schivä- chcn und Widersprüchen und seiner grasten Leidenschaft, der für Politik. Wie Jean Paul Marat tvar, strht er vor uns, ehrgeizig, eitel, selbstgefällig, voller Uebertreibung und Neberrciznng, im Extrem als seinem getvohnten Klima lebend, kühn bis zum Zynismus, aber menschliche Wärme eigentlich nie ausstrahlend, am wenigsten, wenn er der Weltgeschichte gegenüber mit seinen Prophezcinngen triumphierend Recht behielt, lind dast er unheimlich oft Recht hatte, bekundete schon Napoleons Wort:„Wahrhaft volkstümlich machte ihn, dast er 1700 voraussagtc, IvaS 1702 eintrat". Tast ein Geschichtsschreiber, der sich vor-1 dein ergiebig mit Thomas Ri ii n z e r und den sozialen Kämpfen während der Reformation be«‘ fasste, auch die Haltung Marats zur grasten Suppenfrage der Menschheit unter die Lupe nimmt, überrascht nicht, aber Walter geht doch wohl ettvaS zn tveit, wenn er ihm ein komm»- nistischeSGlaubenSbekenntniS zuschrcibt und ihm zmn Anhänger der Klassen- k a m p f t h e o r i e macht. Der Gott, zu dem Marat betete, hicst Rousseau, und von den allgemeinen Vorstellungen dcS Genfers über die beste Einrichtung der Gesellschaft entfernte er sich schon deshalb nicht, weil er in wirtschaftlichen Dingen ebenso unselbständig und kcnntniöloS war Ivie scharfsichtig und urteilsfähig in politischen Angelegenheiten. Immerdar ein fanatischer Fürsprecher der sozialen Ä I e i ch- h e i t, ahnte er, sic durchznführen. nicht einmal' im Traum etwas von einer Möglichkeit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Vielmehr kam er über RousseauS Ideal, einen Prä« und antikapitalistischcn kargen Spartanerstaat kleiner Eigentümer, kleiner Bauern, kleiner Krämer nicht hinaus. Schon in seinem Frühwerk, jenem 1774 gedruckten„Ketten der Sk 1 a- vere i", pries er als Vorbild ein Land, in dem „der Boden ungefähr gleich mastig unter den Bewohnern verteilt wäre", ähnlich schlug er 1780 in seinem Entwurf zur Erklärung der Menschenrechte eine gesetzliche Beschränkung allzu groher Vermögen und eine gelvisse Gütcrteilung unter die völlig besitzlosen Bürger vor, und nicht minder entrüstete er sich 1700, dast das cingezo- gene Kirchengut nicht den Armen zugesprochen wurde.. Sinnfälliger und auch törichter noch drückte er die gleiche Anschauung aus, wenn er zur Herstellung der wirtschaftlichen und sozialen Gleichheit das Niederbrennen der Paläste und Schlösser empfahl oder wenn er im Konvent ausrief, eü gebe ein grotzcS Mittel, die Reichen auf die Klasse der Sansculotten hcrunterznbringen.„Eü besteht darin, ihnen nicht soviel zu lassen, dast sie damit ihren Hintern bedecken können". Sollte das wirtlich Sozialismus heisten, so war es im äustersten Fall e i n K o m- m u n i S m u S>v a I d u r s p r ü n g 1 i ch st e r A r t, und Walter selbst räumt ein, dast das Ganze auf einen LieblingSgrundsatz der Kirchenväter hinauSlaufc:„Nichts UebersiüssigeS gehört uns von Rechts wegen, solange andere am Nötigsten Mangel leiden." Aehnlich mit der K1 a s s e n 1 a m p f i d e c. Wohl erkannte M a r a t schärfer und früher als andere, dast der Gegensatz von arm und reich ein bewegendes Moment der Weltgeschichte sei. Wohl zürnte er, dast die Gesetze von den Reichen für die Reichen gemacht seien und deshalb keine bindende Kraft für die Armen hätten; den Diebstahl nannte er ein gutes Recht dessen, der sich auf andere Art nicht ernähren könne. Wohl betonte er scharf, dast die Revolution nur„von den unteren Gesellschaftsklassen, von den Arbeitern, Handwerkern, Kleinhändlern, Bauer n" gemacht worden sei,„von jenen Nichtbesitzenden, die die Reichen die Kanaille heisten, ,id die eine römische Unverschämtheit als Proletariat bezeichnete", und zwar ohne dast sie für den Bastillensturm Dank geerntet, geschweige ihre Lage verbessert hätten. Aber wenn er in solchen Zusammenhängen von Klassen sprach, stellte er nirgends die Eigentümer der Produktionsmittel den Verkäufern der Arbeitskraft gegenüber, sondern in recht verschwommener Weise waren für ihn die Reichen eine Klasse. und die Armen eine andere. Auch was er zur Beseitigung des Massenelends vorschlug streifte nicht einmal die später von Karl Marx ausgegebene Losung „Expropriation der Expropriateurs". Dast die Gesellschaft dem Bedürftigen, wenn er sich durch seine Arbeit nicht selber zu erhalten vcrniögc, Unterst ü h u n g schulde, leuchtete auch ganz zahmen Girondisten ein, für öffentliche Arbeiten zur Beschäftigung der Arbeitslosen erwärmten sich auch andere, und auch die An- regung, den LebcnSmittelwucher lediglich durch Bedrohung und Einschüchterung der Händler zu bekämpfen, zeugte nicht von tiefem Einblick in das Wirtschaftsgetricbe. Mochte Marat sich, Zehntausende, Hunderttausende von Köpfen heischend, noch so wird gebärden, so erinnert doch gerade seine Stellung zur sozialen Problematik an das Wort von I a u r e S, dast der„BolkSfreund" ein heftiges Temperament in den Dienst einer ge- mästigten Politik gestellt habe. Marat ein Sozialist, auch nur ein Vorläufer des Sozialismus? Mit nichteu! Ein sozial empfindender, auf soziale Reformen erpichter Revolutionär? Ganz getvistl Für daS Jahr 1703 ist auch daS nicht wenig. Da der Unbeugsame die Sache deS Volkes— nnd daS>var keine blutleere Abstraktion, sondern ein konkreter Begriff: die breiten Massen, die kleinen Leute, die von der Hand in den Mund Lebenden — zu der seinen machte, schuldet auch die A r- beiterklassevon heute dem beredten Anwalt„der fünfzehn Millionen, die in Frankreich vor Elend verschmachten und drauf und dran sind, HungerS zn sterben", ein ehrendes Gedenken. Sein Standbild, das ihn zeigt, wie ihn G u i r a u t in seinem Nachruf schilderte: auf der Erde sitzend, ein Taschentuch um den Kopf geknotet, ein Schreibzeug zur Hand und ein paar Blatt Papier auf den Knien, erhebt sich darum mit Recht im volksreichsten und proletarischsten Pariser Bezirk, int Park der Buttes« C h a n m o n t, wo im Mai 1871 die Kommune ihre letzte Patrone verschoß. • Bezugsbedingungen: Bei Zustellung ms Hanv oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierteljährig Kd 48— halbjährig KC 96.—. ganziährig Kö 102.—.— Inserate werden lau» Tarif billigst berechnet. Bei öfteren Einschaltungen Preisnachlaß.— Rückstellung von Maniskriplen erfolgt nur bei Einsendung der Retourmarken.— Die ZettungSsrankatur wurde von der Post« und Telegraphendirektion mit 5rlast Nr. 18.800/VN/1980 bewilligt.— Druckerei:„OrbiS" Druck- Verlags« und ZeitungS-A.-G.. Prag.